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Badisches Sagen-Buch I

Auf dem Hexenberg

2 Min. Lesezeit· Eduard Lynker, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Finstre Zeiten lagen drückend Auf der Wahrheit sanftem Licht, Ihren goldnen Tempel schmückend, Nahte lang ihr Herold nicht. Aberglaube, Pfaffenränke Wohnten düster weit und breit, Hingen sperrend am Gelenke Und am Wendepunkt der Zeit.

02

Hexen fuhren in den Lüften, Uebten tückische Gewalt; Teufel hausten in den Klüften In verschiedenster Gestalt. In die Hütten und Paläste Trug sich ihre Zauberei, Die Beschwörung war das Beste, Denn der Mönch bestund dabei.

03

Es beweint noch die Geschichte Schuldlos hingewürgtes Blut, Das zum Malefizgerichte Jener Zeiten Wahnsinn lud. Und sie schlichtete den Zweifel, Gab uns Kunde laut und klar, Daß ein Trugbild nur der Teufel Und die ganze Hexenschaar.

04

Auch des Kaiserstuhles Höhen Haben jenes Wahnes Sieg In dem schwarzen Rauch gesehen, Der vom Hexenberge stieg. Lange blieb der Hügel öde, Der den Scheiterhaufen trug, Bis des Lichtes Morgenröthe Weggebannt den langen Fluch.

05

Kühler Schatten grüner Reben Weht jetzt überm Aschengrab, Einen Schleier möcht’ er weben Ob dem Fluch, der es umgab. Wie die Reben schattig ranken Um das Denkmal düstrer Zeit, So umschlingt auch den Gedanken Nach und nach Vergessenheit. – Aber aus dem Rebengrunde Steigt zuweilen noch ein Geist, Der schon oft zu später Stunde Manchen feurig eingekreist. Wen der edle Saft erfreute, Der am Hexenberge wächst, Mißt die Länge und die Breite Seines Wegs und scheint – verhext.

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Quelle zitieren

Auf dem Hexenberg, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 142, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Auf dem Hexenberg, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/auf-dem-hexenberg/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-142-auf-dem-hexenberg