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Badisches Sagen-Buch I

Baden

3 Min. Lesezeit· Heinrich Heß, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Die Sonne lacht, wohin wir schauen, Der Erde Gottes freundlich zu. Wie herrlich glänzen deine Gauen, O Vaterland, wie schön bist du! – Am ausgeschmückten Seegestade, Wo sich der Alpen Kette zeigt Und blühend aus dem Wellenbade Die wunderholde Mainau steigt; –

02

Wo Salems Friede lilienhelle Aus einem Paradiese blickt; Wo an der Donau Silberquelle Die ährenblonde Baar sich schmückt, Und, eine perlengleiche Gabe, Die edelste der Würzen lacht, Vom schöpferischen Zauberstabe Des Zepters an das Licht gebracht; –

03

Wo in das Land der Alemannen Der stolzen Eiche Wipfel weht, Und, überschirmt von schwarzen Tannen, Die wilde Pracht des Waldes steht.

04

Der uns des Weines goldne Flamme Voll Blumenduft entgegen hält, Und manchen Ast dem Blüthenstamme Des edlen Vaters Rhein gesellt; – Wo um die Reize stiller Auen Die rasche Wiese zögernd schlüpft; Wo durch des Felsenthores Grauen Die Dreisam in ein Eden hüpft; Wo in des Himmels blauen Aether Des Thurmes Spitze sich verliert, Der, schlank und kühn wie eine Ceder, Des Münsters Kunstgebirge ziert; –

05

Am Kaiserstuhl, wo jeder Hügel Im grünen Rebengürtel prangt, Und in des Rheines klaren Spiegel Der Limburg Epheu niederrankt, Wo durch Gebirge, Thal und Haide Der Kinzig Wellenmelodien Ins lächelnde Revier der Freude, Der Liebe und der Schönheit ziehn; – Wo deine wärmste Segensquelle, O Alemannia! entspringt; Wo deiner Sprache Wohllautwelle Am Blumenrand der Oos verklingt; Der lieblichsten Natur im Schooße In holder Anmuth Baden blüht, Frisch wie die junge Purpurrose Am mütterlichen Zweige glüht; –

06

Wo aus des Waldes Dämmerungen Die Murg die blauen Augen hebt Und um ihr süßes Thal geschlungen Beseligt jede Welle hebt; Des Fürstenschlosses milder Schimmer Sich über Rastatt freundlich neigt, Und, der Erinnerung Heiligthümer, Vergißmeinnicht und Lorbeern zeigt; –

07

Am grünen Wald voll Nachtigallen, Wo um der Kunstgebilde Pracht Der Lustgebüsche Schleier wallen Und eine Flur von Gärten lacht, Die frischer Wohlgerüche Wogen Der zierdereichen Hauptstadt bringt Und einen bunten Regenbogen Um ihren Sonnenfächer schlingt. – Wo, freudestolz ob ihrem Ruhme, Der Schwarzwald seine Pforte grüßt Wo Mannheims holde Uferblume Des Rheines edle Wogen küßt Wo um erhabene Ruinen, Des Lebens Frühlingskränze wehn, Die schönsten Musenhaine grünen Und liebend in den Neckar sehn.

08

Wo in des Odenwaldes Frische Das sonnenwarme Leben ruht; Wo Rebenhügel, Feld und Büsche Sieh baden in der Tauber Fluth;

09

Wo sie nach dem geliebten Maine Erröthend ihre Blicke hebt, Und Wertheims Bild im Wiederscheine Der silberklaren Wellen schwebt. Wie lächeln sich in holdem Bunde O Baden, deine Gauen zu! Wo blühet auf dem Erdenrunde Ein Land, das schöner ist als du? Entzückt von deinem Zauberglanze Und deinen Reizen jubeln wir: Heil dir, im teutschen Blüthenkranze Du schönste Rose, Baden, dir!

10

Kling’ an einander, Gold der Rebe, Welch’ grüner Busen dich auch trug! Es wiederholet: Baden lebe! Das Herz mit jedem Wonnezug. Dies süße Wort tönt nah und ferne, Der Freude Becher wird geleert, Bis, angelacht vom Morgensterne, Die goldne Sonne wiederkehrt.

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Quelle zitieren

Baden, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 1, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Baden, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/baden/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-001-baden