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Badisches Sagen-Buch I

Badenweiler

2 Min. Lesezeit· Graf, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

In dieses Thales Gründen Möcht’ ich ein Plätzchen finden, Ein Hüttchen mir zu bau’n; Um oft vom Traubenhügel Des Rheines Silberspiegel Nach Herzenslust zu schau’n;

02

Alsatia zu erblicken, Den himmelblauen Rücken Des Vogesus zu sehn; Umweht von Blüthendüften In duftigfeinen Lüften Die Ferne zu erspäh’n.

03

Ich würde Blumen brechen Und an kristallnen Bächen Im Schatten mich erfreu’n; Dann bei des Mondes Helle Auf moosbelegter Stelle Schlief’ ich zu Träumen ein.

04

Bei meinem stillen Lauschen Spürt’ ich der Geister Rauschen, Der Engel leisen Flug; Es tönen süße Lieder, Entschlafne kämen wieder Aus ihrem Aschenkrug.

05

Des Römmerbades Trümmer, Der Bergruine Flimmer Im Abendsonnengold, Des Heilquell’s Segenskammer, Dem Schacht, dem Eisenhammer, Ist meine Seele hold. Natur! mit alter Kunde Stehst du im Schwesterbunde, Erquickst hier Geist und Sinn; Frei von der Sorgen Schwarme Ruh’ ich in deinem Arme, Du Freudenspenderin!

06

Ich steige auf zum Blauen, Die Welt umher zu schauen, Die mir sein Gipfel zeigt. Ich wall’ im Wiesenthale, Wo an dem Todtenmahle Aus Grüften Leben steigt.

07

Der Römer und der Ritter Erscheinen im Gewitter Vor Gottes Wolkenthron; Nun ruhen ihre Schwerter, Wo herrlicher, verklärter Nur glänzt der Edeln Lohn.

08

Auch nach dem hohen Hause Von Bürglen’s froher Klause Richt’ ich der Wandrung Ziel; Fern von dem Weltgetümmel, Schweb’ ich empor zum Himmel In heiligem Gefühl. Ich habe mir erkiesen Die Dörfer, Haine, Wiesen, Vom Bögelhof zu sehn; Den Neuenfels zu suchen,

09

Dann unter Schweighofs Buchen Zur Ruhe einzugehn. Schau’ Neuburg’s alte Veste, Umfächelt von dem Weste, Wo Weimar’s Bernhard schied; Seh’ Müllheim’s Feld und Reben Und seines Marktes Leben, Horch’ froher Winzer Lied. –

10

Suchst du ein stilles Eden, Laß Badenweiler reden, Wirf dich in seinen Schoos. Laß Hohen ihre Beute, Wo dieses Thales Leute, Durch Einfalt nur sind groß.

11

Wie freundlich sind die Kinder! Viel williger, geschwinder Dient hier die Achtsamkeit, Als in dem Fürstensaale, Beim Tanz und reichen Mahle Der schnöden Ueppigkeit.

12

Bei froher Gäste Regen, Bald lieblich im Bewegen, Bald treulich in der Ruh, Fließt hier von manchem Guten, Wenn Herzenswunden bluten, Des Trostes Balsam zu. Gesundheit wird dem Kranken, Und traurige Gedanken Vergehn wie Nebelduft. Des Badquells Wunderkräfte Sind Stärkung zum Geschäfte, An das die Zeit uns ruft. Noch bleibt der Geist gefangen, Dem Freiheit im Verlangen

13

Mit steter Flamme glüht. Mein Segen diesem Orte, Bis einst die schöne Pforte Mich zu den Sel’gen zieht.

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Quelle zitieren

Badenweiler, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 133, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Badenweiler, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/badisches-sagenbuch-i-133-badenweiler/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-133-badenweiler