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Badisches Sagen-Buch II

Fremersberg

3 Min. Lesezeit· Georg Zetter, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

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Der Teufel ist ein eigner Degen; Einst wollt’ er auch, wie große Herrn, Der süßen Frühlingsruhe pflegen Auf einem Berg, der Hölle fern. Bald war der Lustsitz auserkoren: Ein schmuckes Schloß mit Thurm und Schanz’,

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Das sah mit seinen hohen Thoren So recht in’s Herz des Schwabenlands, Und rings ein Wall von grünen Bäumen, Durchschallt von frischem Drosselschlag, – Viel’ tausend Blumen in den Räumen – Es war ein Plätzchen, wie’s in Träumen Das Herz sich gern erschaffen mag.

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Bald war der Hofstaat ganz bequemlich Im alten Schlosse einquartiert. Dem Teufelspack gefiels vornehmlich, Und Jeder lebte ungenirt. Wer nennt sie Alle, die da kamen, Die Herren mit und ohne Namen? Die Fürstlein und die Excellenzen, Die Hochgeöhrten mit den Schwänzen, Die Dirnen mit entlaubten Kränzen, Die Herrn Magister und Diplomaten, Die Herrn Minister und Magistraten, Und all den Plunder von Teufelsgnaden? Wer kennt sie alle die kleinen Fräckchen, Wer kennt sie alle die kleinen Geckchen, Die Dummen und die Schlauklugen, Sammt Denen, die als Sündenfleckchen Noch die Tonsur zur Schau trugen? Da war ein Jubel sonder Ende, Und jede Nacht zum Tag erhellt; Es war, als hätten Geisterhände Des alten Brocken Felsenwände Im Schwabenlande aufgestellt. Die rothen Feuergarben flogen Versengend in das Thal hinein, Die Sterne selbst am Himmelsbogen Erglühten in dem Höllenschein. Schwarzgraue Katzenweiber hocken Miauend an der dunkeln Glut, Des Teufels Mutter dreht am Rocken

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Die glüh’nden Fäden mit Frohlocken Und singt ein Sprüchlein wohlgemuth. Rothaugige Teufelsdirnen lesen Im dichten Walde Reisig auf, Die Einen binden ihn zu Besen, Die Andern schneiden Fratzen drauf; Denn auf dem Besen, wie bekannt, Macht gern der Herr den Ritt in’s Land. Hui, welche Lust, wenn solch ein Pferd Mit Pruhsten in die Lüfte fährt, Bis es, von einem Stern entzündet, Als glüh’nde Asch’ im All verschwindet, Und man den Reiter mit tollen Fratzen Kopfüber sieht zur Erde platzen! So geht es, bis der Morgenstrahl Ein Ziel dem tollen Spuke setzt. Was Wunder, daß das Volk im Thal Ob solchem Graus, ob solcher Qual, Im tiefsten Herzen sich entsetzt? Da ward berathen und gesonnen: „Wie wenden wir’s zu dieser Frist? Versieget ist der Segensbronnen, Was wir gewonnen, ist zerronnen, Die Hölle hält uns rings umsponnen, Hilf uns, Marie! hilf, Jesu Christ!“

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Und sieh! da ward zu guter Stunde Ein gutes Wort in’s Werk gesetzt: Ein Kirchlein bau’n sie auf dem Grunde, Wo sich die Hölle müd’ gehetzt; Ha, wie die Kuppel glänzt und loht Im Morgen- und im Abendroth! Und aus dem Thale ziehn die Schaaren Mit baarem Haupt den Berg hinan, Voran ein Greis mit Silberhaaren, Ein Priester, festlich angethan; Zwei Knaben, Kreuze tragend, schreiten Im weißen Chorhemd ihm zur Seiten. –

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Der Teufel lauscht im nahen Hag, Und eh’ er ahnt, was kommen mag, Ist er, durch Kreuzeskraft, zu Hand Tief in die Thalschlucht schon gebannt. Horch, wie er ächzt! ihn drückt die Last, Ihn drückt der Fluch zu Boden fast. – Und sieh’! da kehrt zur selben Stunde Ein neuer, schöner Frühling ein; Es lenzt und schwillt in jedem Grunde, Die Blumen wuchern in die Runde, Und Nachtigallen schlagen drein. Und steht ihr auf des Schlosses Wall Und späht hinab ins grüne Thal, Wo sich, in hoher Berge Mitten, Die Bäume ihrer Frucht entschütten, So hört ihr wohl ein ängstlich Klagen Dumpf an die Felsenwände schlagen; Den Sturmwind, meint ihr? – Wollt erlauben Das ist des Teufels Racheschnauben.

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Quelle zitieren

Fremersberg, in: Badisches Sagen-Buch II, S. 209–212, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Fremersberg, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/badisches-sagenbuch-ii-101-fremersberg/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-101-fremersberg