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Badisches Sagen-Buch I

Conradin am See

3 Min. Lesezeit· Gustav Schwab, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Kaum ist der Frühling im Erwachen, Es blüht der See, es blüht der Baum, Es blüht ein Jüngling dort im Nachen, Er wiegt sich in der Wellen Schaum. Wie eine Rosenknospe hüllet Ein junges Purpurkleid ihn ein, Und unter einer Krone quillet Sein Haar von güldenerem Schein.

02

Es irret auf den blauen Wellen Sein sinnend Auge, wellenblau, Der Leyer, die er schlägt, entschwellen Gesänge von der schönsten Frau.

03

Des ersten Donners Stimmen hallen, Im Süden blitzt es blutig roth; Er läßt sein Lied nur lauter schallen, Ihn kümmert nichts, als Liebesnoth.

04

Und wenn er Minne sich errungen, So holt er sich dazu den Ruhm, Und herrscht, vom Lorbeerkranz umschlungen, In seiner Väter Eigenthum. Kind! wie du stehst im schwanken Kahne, So rufet dich ein schwanker Thron, Vertrau’ dem Schatten nicht, dem Ahne, Verlaßner, armer Königssohn! Du bist so stolz und unerschrocken, Du sinkest, eh’ du’s nur geglaubt, Die Krone sitzt auf deinen Locken, Als träumte nur davon dein Haupt! –

05

Er höret keine Warnungsstimme, Schwimmt singend auf dem Abgrund hin, Was weiß er von des Sturmes Grimme? Nach Lieb’ und Leben steht sein Sinn.

06

So gib ihm Leben, gib ihm Liebe, Du wonnevolles Schwabenland! Verdopple deine Blüthentriebe, Knüpf’ ihm der Minne selig Band!

07

Es hat zu leben kurz der Knabe; Hauch’ ihm entgegen Lebensluft, Durchwürze jede kleine Gabe Mit ew’ger Jugend Blüthenduft! Mach’ ihm den Augenblick zu Jahren, Den er an diesen Ufern lebt, Daß er mit ungebleichten Haaren An Freude satt gen Himmel schwebt! Was ist’s? Er läßt die Leyer fallen, Er springt an’s Ufer, greift zum Schwert; O seht ihn über Alpen wallen Mit treuen Männern, hoch zu Pferd!

08

Der Lust, der Liebe Lieder schweigen, Er glüht von edlerem Gelüst; Er will der Väter Thron besteigen – Und wandelt auf das – Blutgerüst.

09

Was willst du mit der Blumen Kranze, Du grünes, seebespültes Land? Was willst du, Luft, mit blauem Glanze? Was willst du, leerer Kahn, am Strand?

10

Ihr wart geschmückt zu Freud’ und Wonne, Dem letzten Staufen dientet ihr: Verhüllet euch, o Erd’ und Sonne! Denn es ist aus mit eurer Zier!

11

Wenn von dem Himmel nieder die Abenddämmrung steigt Und sich das Haupt der Blume zu sanftem Schlummer neigt,

12

Da fängt, wenn Alles feiert, wenn Schiffer ruht und Kahn, Im See ein andres Leben, ein andres Blühen an.

13

Die Welle, die so fröhlich das Ufer erst bespült, Sie legt sich leise nieder, vom Abendwind gekühlt.

14

Und dunkle Purpurröthe steigt aus der Tiefe Quell Und macht die Seefluth glänzen gleich einer Rose hell.

15

Gleich einer Rose duftig, von zart gewobnem Schein, Es strahlen die Zauberfarben weit in die Nacht hinein.

16

– Das ist ein Werk der Feyen tief in des Wassers Grund; Die treiben da ihr Wesen in stiller Abendstund’.

17

Beim hellen Sonnenschimmer kann nicht ihr Werk gedeih’n, Der Mond in stillen Nächten begünstigt sie allein.

18

Da springen auf die Pforten des Schlosses von Kristall, Es heben sich aus den Tiefen die leichten Wesen all;

19

Laut jubeln sie und schlingen den Reigen strandentlang Und freuen sich des Zaubers, der ihnen gut gelang;

20

Kaum aber ruft den Morgen der muntre Wächter an, Da fängt die schimmernde Rose sich zu entfärben an;

21

Und wenn der Alpen Stirne im Morgenstrahl erglüht, Da feiern die Nixen wieder, da ist der See verblüht

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Quelle zitieren

Conradin am See, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 6, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Conradin am See, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/conradin-am-see/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-006-conradin-am-see