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Badisches Sagen-Buch I

Das Waldshuter Männlein

2 Min. Lesezeit· Unbekannt, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Schon stand die Stadt mit Wall und Thürmen; Auf dieser Seit’ mit Doppelgräben, Auf jener von dem Rhein umgeben, Schien sie vor jedem Feind zu schirmen. Nachdem die Arbeit nun zu Stand, War sie jedoch noch nicht benannt: Man sagte zwar bald das, bald dies, Doch Ein Wort war noch nicht gewiß.

02

Dem Uebelstande abzuhelfen Versammeln sich die Rathspersonen; Und um Den würdig zu belohnen, Dem unter diesen weisen Zwölfen Der beste Nam’ der Stadt einfällt, Lag schon ein schönes Sümmchen Geld Im Freien auf dem Tische dort; Nur schnell! Was ist das beste Wort?

03

Sie sitzen da mit tiefem Sinnen, Und, trügen nicht der Stirne Falten, So muß was Rechtes sich gestalten; Allein gedankenleer blieb’s drinnen.

04

Ein Jeder stützt die Stirn’ und sinnt, Daß er recht schnell das Geld gewinnt. Doch wie er auch den Kopf zerbricht – Ein passend Wörtchen find’t er nicht. Da kam mit dickem Knotenstocke Ein fremdes Männlein von dem Berge, An Größe glich es einem Zwerge; Bis auf die Hälfte von dem Rocke Floß ihm nach Patriarchen Art Ein ungeheurer gelber Bart, Und seiner Haare Ringelgold Kam unterm Hut ihm vorgerollt.

05

Er, von des Silbers Glanz geblendet, Fragt, wer hier dieses Geld empfange? Man sagt’s – er sinnt nicht gar zu lange, Und also an den Rath sich wendet: „Hört, hochachtbare Herren mein! Das Geld könnt’ auch für mich gut seyn! Drum streich’ ich es in meinen Hut, Benenn’ die Stadt dafür „Waldshut!“ Nun eilt damit der alte Kleine Fort auf den wohlbekannten Wegen; Und wunderschnelle zu bewegen Wußt’ er die kurzen Zwergenbeine. „He, he! Mann Gottes! nur gemach!“ Ruft ihm der Rath entrüstet nach; Doch war das Männlein nicht so dumm, Und kehrte sich nicht wieder um.

06

Längst war er jedem Blick entschwunden, Der unbekannte, schlaue Gelbe, Nun rathschlagt man, was denn derselbe Wohl für ihr blankes Geld erfunden? „Waldshut? – Ein schöner Doppelsinn Steckt“ – sagt der Präsident, – „darin. Bei meiner Treu! das Wort ist gut: Die Hut des Volks, des Schwarzwalds Hut!

07

„Das Männlein, daß wir’s nie verlieren Aus dankbarlichem Angedenken: Wir wollen ihm die Ehre schenken Und unser Wappen damit zieren!“ Und was er sprach, das ist gescheh’n. Noch jetzt kann man das Männlein seh’n, Fährt man zum Basler Thor herein; Dort ist’s gemalt gar hübsch und fein.

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Quelle zitieren

Das Waldshuter Männlein, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 75, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Das Waldshuter Männlein, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/das-waldshuter-maennlein/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-075-das-waldshuter-maennlein