In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
In den Meerwiesen bei Walddürn befindet sich der Marsbrunnen, welcher, nachdem er zwei Stunden unter der Erde geflossen, bei Bretzingen wieder hervorbricht, und z. B. Spreu oder Späne, die man zu Walddürn hineingeworfen, bei Bretzingen wieder zu Tage bringt.
In dem Brunnen hielten sich vor Zeiten Meerweiblein auf, oben wie schöne Jungfrauen, unten wie Fische gestaltet. Sie kamen Abends nach Walddürn in die Spinnstuben, spannen und plauderten mit den andern Mädchen, aber um 9 Uhr eilten sie stets pünktlich von dannen. Einmal verspäteten sie sich bis um Zehn; als sie dies wahrnahmen, sprangen sie erschrocken fort, indem sie den Leuten noch zuriefen, heute seyen sie das letzte Mal bei ihnen gewesen. Am andern Tage fand man das Wasser des Marsbrunnens ganz mit Blut gefärbt und die Meerweiblein sind niemals wieder gesehen worden.
Vor mehren Jahren ist ein Bauer mit vier Ochsen und einem Pferde in dem Brunnen versunken. Er befindet sich nebst seinem Vieh noch darin, und wenn man hineinruft: „Bauer, Bauer mit zwei Paar Ochsen und einem Gaul, Pütterle vor!“ so läßt er alsbald Schaumblasen auf die Oberfläche steigen.