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Badisches Sagen-Buch II

Der Minneberg

2 Min. Lesezeit· August Schnezler, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Wem wirds nicht sehnlich zu Sinne, Hört er vom Minneberg? Wer denkt nicht, daß sich darinne Verschwiegene Minne berg’? Oder daß in seinem Grunde Der Ritter Tanhuser ruht, Mit Frau Venus Mund an Munde, Verschmolzen in süßer Gluth?

02

Komm, setz’ Dich im Abendlichte Still an die Seite mir Und höre nun die Geschichte, Die man erzählt von hier:

03

Tief in dem Berge hausen Zwölf schöne Jungfräulein;

04

Sie kamen zuweilen heraußen, Doch stets nur Eine allein.

05

Die setzte sich an die Quelle Dort an dem schattigen Hang, Sich labend am Kühl der Welle Und lustigem Vogelfang. – Vom nachbarlichen Schloße Kam einstens ein Edelknab’, Verirret vom Jägertrosse, Hier an den Quell herab; An dessen moosigem Rande Das reizendste Mägdlein sitzt Im blüthenweißen Gewande, Vom Gürtel ein Demant blitzt.

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Ein himmlisches Lächeln spielet Um ihren Rosenmund, Aus dessen Bogen zielet Der Gott, der Alles macht wund.

07

Sie grüßet, wie hold erschrocken, Den jungen Jägersmann – Ihre Augen, ihre Locken Sie halten ihn bald im Bann,

08

In heißer Liebesumschlingung – Doch sprach das Jungfräulein: „Nur unter Einer Bedingung Darf ich Dein eigen seyn: „Gelobe mir, nie zu spähen Wo ich zu Hause bin, Mir niemals nachzugehen Zur verschwiegenen Wohnung hin!

09

„Denn solltest Du je dich wagen In mein geheimes Haus, So kommst Du in ewigen Tagen Nie wieder an’s Licht heraus!“

10

Er schwört’s; mit glühenden Küßen Besiegelt wird ihr Bund, Geweiht zu Himmelsgenüssen Der trauliche Schattengrund. –

11

So floßen am kühlen Bronnen, Bei kosigem Minnespiel, In weltverschwiegenen Wonnen Der Frühlingsabende viel.

12

Doch ließ die Neugier, die schlimme, Dem Jüngling keine Ruh; Stets rief ihm eine Stimme Aus seinem Innern zu: „Geh ihr nach, geh’ ihr nach, wenn die Lose Deinem Arm sich wieder entzieht, Und in des Gebirges Schoose Nach der heimlichen Wohnung flieht. „Gelöst nun werde Dir endlich Das Räthsel so wunderbar, Und drohte auch unabwendlich Dir ewigen Banns Gefahr!“

13

Er kann nicht widerstehen, Sein Herz ist gar zu schwach; Vom Liebchen ungesehen, Schleicht er ihr Abends nach;

14

Entlang des Berges Seiten Folgt er ihr ohne Halt, –

15

Da sieht er sie plötzlich gleiten In einen Felsenspalt.

16

Er kann nicht widerstehen, Es drängt ihn mächtig hinein – Kein Mensch hat ihn mehr gesehen, Verschlossen bleibt der Stein.

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Quelle zitieren

Der Minneberg, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 300, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Der Minneberg, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/der-minneberg/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-300-der-minneberg