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Badisches Sagen-Buch II

Der Pfalzgraf am Rhein

1 Min. Lesezeit· Unbekannt, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Es wohnt ein Pfalzgraf an dem Rhein, Der ließ verjagen sein Schwesterlein, Da kam der Küchenjung zu ihm: „Willkommen, willkommen, Pfalzgraf am Rhein!

02

Wo ist dein schönes Schwesterlein?“ – „Mein Schwesterlein, die krigst du nicht, Sie ist dir viel zu adelich, Und du gehörst zur Küch’ hinein.“

03

„Warum sollt ich sie krigen nicht? Sie hat von mir ein Kindelein!“ – „Hat sie von dir ein Kindelein, Soll sie nicht mehr mein Schwester seyn!“

04

Er ließ sie geißeln drei ganze Tag, Bis man ihr Lung’ un[d] Leber sah: „Hör’ auf, hör’ auf, es ist genung, Es gehört dem König aus Engelland!“

05

„Gehört es dem König von Engelland, So kostet’s mich mein ganzes Land, Mein ganzes Land ist nicht genug, Mein Leben muß auch noch dazu.“ Es stund nicht länger als drei Tag an, Da kam der König aus Engelland: „Willkommen, willkommen Pfalzgraf am Rhein, Wo ist, wo ist dein Schwesterlein?“ „Mein Schwesterlein, die ist schon todt, Sie liegt begraben röslinroth!“ „Liegt sie begraben röslinroth, So mußt du leiden den bittern Tod!“

06

Selbst zog er sein schweres goldnes Schwert Und stach es dem Pfalzgrafen durch sein Herz; „Hat sie müßen leiden den bittern Tod, So mußt du leiden den Schmerz.“

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Quelle zitieren

Der Pfalzgraf am Rhein, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 256, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Der Pfalzgraf am Rhein, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/der-pfalzgraf-am-rhein/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-256-der-pfalzgraf-am-rhein