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Badisches Sagen-Buch I

Der Statthalter von Schopfheim

14 Min. Lesezeit· Johann Peter Hebel, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

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Vetter Hans Jerg, ’s dunnert, es dunneret ehnen am Rhistrom, Und es git e Wetter! I wott, es zög si vorüber. ’s chunnt so schwarz, – nei lueget, wie’s blizt, und loset, wie’s windet, Wie’s im Chemi tost, und der Guhl uffem Chilchethurm gahret! Helfis Gott! – ’s chunnt alliwil nöcher und alliwil stärcher. Ziehnt doch d’Läden a, der Glast möcht d’Auge verblende, Und jez holet’s Chrüsli und sitzet do ummen, i willich Us den alte Zite vom Statthalter näumis verzehle. Friedli het me nem gseit, und het’s e seltseme Bueb ge, Isch’s der Friederli gsi in siner Juged, das weißi! Aber schöner as er isch ken dur’s Wiesethal g’wandlet,

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Woner no Burechnecht bim alte Statthalter gsi isch. Chrusi Löckli het er gha und Auge wie Chole, Backe wie Milch und Bluet und rundi chräftige Glieder. ’s Meisters Vreneli het an ihm si eigeni Freud gha, Er am Vreneli au, doch isch er numme der Chnecht gsi. – Nei, wie macht’s, und nei, wie schüttet’s! Bringet der ’s Chrüsli Und e Ränftli Brod dezue? Jez sitzet und loset! – Vor fünfhundert Johren, i ha’s vom Aetti erfahre, Isch e schwere Chrieg und sin Panduren im Land gsi. Drunter ischs und drüber gange, was me cha sage, Rich isch richer worden an Geld, an Matten und Hochmueth, Arm isch ärmer worden und numme d’Schulde hen zuo gno. Menge brave Ma hets nümme chönne prestiere, Het si Sach verloren und Hunger glitten und bettlet; Mengi hen si zsamme grottet zwische de Berge. Z’letzt het no der Friede ne Pack Maroden im Land glo, Gföhrli Volch mit Schwerd und Büchse, listig und unheim; ’s sin bitrüebte Zite gsi, Gott well is biwahre! Sell mol het e Buur uf der Egerte nieden an Farnau Hus und Schüre gha und Stiere, ’s wärich ke Tropfe Wasser uffene gstanden, und uf de Matte vo Farnau Bis go Huse Tensch an Tensch und Schmehlen an Schmehle Het der Uehli gmeiht, und ’s Heu uf d’Egerte heimgfüehrt; Aber e wüste Ma zue dem, wie’s ken meh in siebe Here Ländere git; im Welschland isch er so worde. Hätt em der Statthalter z’Schopfe nit ’s Vreneli endli zur Frau ge, ’s Vreneli voll Verstand, und wie der Morge so lieblig: ’s het’s ke Magd im Hus bis Betzit chönnen erlide, Und kei Chnecht hett’ zuenem dingt. Es chunnt eim e Bettler, Und me git em ke Brot, se seit me doch öbben im Friede: „Helfich Gott!“ – Er nit! „I will der ’s Bettle verleide!“ Het er gseit, „und gang, wils Zit isch! Flieh mi der Teufel!“ Und die arme Lüt hen’s Gott befohlen, und briegget. Jedem chunnt si Zit! So öbbe ne Wuche vor Wienecht Het der Uehli gmetzget, und het er gwurstet bis z’Obe: Het er z’Nacht si Chrüegli glüpft bim brotene Ribbli. „Vreni, gang in Cheller,“ und: „Vreni leng mer z’trinke!“

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Het er meh as zwenzig mol mit brochener Stimm gseit. Gsinnet hen sie ’nemol uf siebe Mos und e Schöpli. Aber wo meinetder, mög sel Zit der Friederli gsi sy? Oebben im Fuetergang? Bi’s Meisters Stieren und Rosse? Hender gmeint, jo wohl! Scho z’Fasnecht isch er im Meister Us de Hände gwütscht, sust hätt en der Statthalter ghüblet. Het er näumis bosget, se willi ’s nit verrothe; Was gohts mi denn a? Furt isch er! Ueber e Monet Het mer ke Spur meh gha, bis öbben afangs Aprille Stoht er bi den arme Manne zwische de Berge. Schön an Wuchs und Gsicht, und fründli gege de Lüte, Muethig wie ne Leu, doch voll verborgene Bsinnig, Hen sie’n alli gern, und sage: „Sei du der Hauptma! Was de seisch, das thüemer, und schickis numme, se göhmer, Hundertfüfzig Ma und siebenesibezig Buebe!“ Und der Friedli seit: „D’Marodi wemmer verfolge! Wenn e riche Buur die Arme ploget und schindet, Wemmer em der Meister zeigen, aß es en Art het, Bis au wieder Recht und Gsetz und Ordnig im Land isch.“ Helfis Gott der Her! – Jez rüeft der Hauptma sim Völchli: „Manne, was fange mer a? I hör, der Uehli het gmetzget. ’s wär e Site Speck wohl us der Bütene z’hole Und e Dozzet Würst. Wie wärs? Doch ’s Vreneli duurt mi. Beßer ischs, es göhn e Paar, und singe ums Würstli! Saget, i löß en grüeßen, er solls im Friede verzehre Und mer vo der Sau doch au ’ne Müesterli schicke. Hemmer nit Menge Hirz us sine Gärte verschüchet? Hemmer uf sine Matte ne Habermark-Störzli vertrette, Oder e Bäumli gschüttelt? Isch sine Chnechte und Buebe Nummen au so viel gscheh? Sie hen doch g’hüetet und g’wässert Z’Nacht um Eis und früeih vor Tag; sie chönne nit chlage. Leget em’s ordlig ans Herz, i wünschich gueti Verrichtig!“ Seits und ’s göhn drei Bueben, und chömme mit Säcke zuem Uehli. „Guten Obe!“ – „Dunderschieß! Was hender, was wender?“ – „He, mer chömme do abe vom Sattelhof.“ „Zeiget, wie sinder!“ – „So het use Meister gseit, so sagemer wieder.“

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Schlimmer Wis isch, wo sie cho sin, ’s Vreneli näumi Dusse gsi, doch d’Chnecht sin uffem Ofebank glege, Und der Uehli, voll Wi, git grobi Reden und Antwort. „Saget eurem Meister, – (es isch mit Ehre nit z’melde), Meister hi und Meister her, und wer isch der Meister? ’s lauft so Waar jez gnueg im Land, wo bettle und stehle, Schereschlifer, Hafebinder, alti Soldate, Sägefiiler, Zeinemacher und anderi Strolche. Wemmen alle wott ge, me müeßt no mittene laufe. „Packetich, jez isch’s hochi Zit!“ – „He jo, der Gottswille! Nummene Hämpfeli Mehl, und nummen au so ne Würstli!“ – „Wart du Siebechetzer, e Ribbestückli wird guet sy! Jobbi, gang an d’Stud, und leng mer de Fareschwanz abe! Wenderich packe jez gli, i frog, ihr luftige Strolche!“ – Jo sie hen si packt, doch hinterne schliche vom Ofe D’Chnecht zur Thüren us, und suche ’s Vreneli dusse. „Meisterne, jez ischs gfehlt, jez Meisterne helfet und rothet! Das und das isch gscheh, si hent’s nit an is verdienet. Hemmer ’s Wasser g’chert, und hemmer de Hirze g’hütet Z’Nacht um Eis, und früeih vor Tag, mer chönne nit chlage, Kunteräri, si hennis ghulfe, gell aber, Jobbi? Aber chömmemer wieder, se werde sie anderster rede.“ ’s Vreneli lost und lost, es macht bidenklichi Mine; ’s Vreneli bindet d’Chappen, und schüttlet ’s Mailänder Halstuech, ’s Vreneli chnüpft am Fürtuechbendel – „Sepli, spann’s Roß a, Und e Welle Strau, hesch ghört, und loß mer der Meister Nüt eninne werden, und gang ein d’Farnauer Stroß uf, Lueg, öb Alles sicher isch, und niene ke Volch stoht!“ Sieder chömme d’Buebe mit leere Säcke zuem Friedli. Tausig Sapermost! wie sin em d’Flammen ins Gsicht cho, Wo ner sie frogt: „Was hender?“ und wo sie ’ne deutliche B’richt gen: „Nüt, und wüssetder was? Göhnt Ihr enandermol selber! ’s isch em Uehli z’heiß, der sollet cho, go nem blose!“ – „’s isch e Wort, i gang!“ seit jez der Hauptma und funket, „’s soll ihn nit lang brenne, ’s isch chüel im Farnauer Chilchhof!

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Muetter hi und Muetter her, und ’s Töchterli willi!“ – „’s Meidli soll’s gwiß au scho tribe, d’Nochbere sage’s.“ – „Sel isch en alte B’richt, und dorum chani’s nit wende. Winkts mer, se mueß i cho, und heißt es mi näumis, so thuenis. Luegt’s mer no gar in d’Augen, und chummi em nöcher an Buese, Wird’s mer, i weiß nit wie, und möchti sterbe vor Liebi. ’s isch ke liebliger Gschöpf, aß so ne Herli, wo jung isch.“ –

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Näumis het d’Muetter gwüßt. Me seit, das Meideli seig gwiß In sim zwölfte Johr e mol elleinig im Wald gsi, Und hab Erberi g’suecht. Uf eimol hört es e Ruusche, Und wo’s um si luegt, se stoht in goldige Hoore, Nummen en Ehle lang, e zierlig Frauweli vor em, Inneme schwarze Gwand und g’stickt mit goldene Blueme Und mit Edelgstei. „Gott grüeß di, Meideli!“ seit’s em, „Spring nit furt, und förch mit nit! I thue der kei Leidli.“ ’s Eveli seit: „Gott dank der, und wenn du’s Erdmännli’s Frau bisch, Willi di nit förche!“ – „Jo freili,“ seit es, „das bini. – Meideli, los und sag: channsch alli Sprüchli im Spruchbuech?“ – „Jo, i cha sie alli, und schöni Gibetli und Psalme.“ – „Meideli, los und sag: gohsch denn au flißig in d’Chilche?“ – „Alli Sunntig se thueni. I stand im vorderste Stüehli.“ – „Meideli, los und sag: folgsch au, was ’s Muetterli ha will?“ – „He, wills Gott der Her, und froget ’s Muetterli selber! ’s chennt ich wohl, i weiß es scho, und het mer scho viel gseit.“ – „Meideli, was hesch g’seit? Bisch öbbe ’s Riedligers Tochter? Wenn de mi Gotte bisch, se chumm au zue mer in d’Stuebe!“ Hinter der Brumberi-Hurst gohts uf verschwiegene Pfade Tief dur d’Felsen i. Hätt ’s Frauweli nit e Laternli In der Linke treit, und ’s Eveli sorgli am Arm g’füehrt, ’s hätt der Weg nit gfunde. Jez goht e silberni Thür uf. „O Her Jesis, wo bini? Frau Gotte, bini im Himmel?“ – Nei doch, du närrisch Chind. In mi’m verborgene Stübli Bisch, bi diner Gotte. Sitz nieder und biß mer Gottwilche! Gell, das sin chospere Stei an mine glitzrige Wände? Gell, i ha glatti Tisch? Se sin vom suferste Marfel.

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Gschwore hesch, und jo, wenns Zit isch, sterbe mer alli, Und der Uehli au, doch loß du lebe, was Gott will, Und denk an di selber und an die chünftige Zite. So blibsch nit wie de bisch, und so ne Lebe verleidet. Bisch nit im Land deheim, und hesch nit Vater und Muetter? Oebbe möchtsch au heim, den erbsch en ordeli Güetli In der Langenau, und gfallt der e Meidli, de hättschs gern, Ischs bim Aetti nit Nei, de chasch no Stabhalter werde. Nimm, wie müeßts der werden, an so ne Missethat z’denke, Und mi ’s Here Stab mit bluetige Hände z’regiere! Halts im Uehli z’guet! Si Grobheit nimmt für en Ehr uf, ’s isch zwor keine gsi, doch denk au, aß er mi Ma isch! Schlacht’s nit z’Schopfen Oelfi! ’s isch Zit, se sag mer, witt folge?“ Aber der Friederli stoht, er stoht in schwere Gidanke, Und het d’Auge voll Wasser, und möcht gern schwetzen, und cha nit. Endli bricht em’s Herz: „Nu jo denn, wenn d’ mer e Schmutz gisch! Bhüetdi Gott der Her, und jo, i will mi bikehre. Buebe, jez packet uf, mer wen im Friede verlieb neh! Göhnt e Paar uf d’Möhr und schießet näumen e Hirzli!“ Seits, und goht in Wald, und lueget an Himmel und briegget, Bis si d’Sternen ins Morge-Liecht tunken, und drin verlösche. Endli goht er au, doch luege mengmol enander D’Mannen a, und sage: „Was fehlt doch echterst im Hauptma?“ Aber ’s Statthalters Tochterli lit jez bim Uehli und stoßt en: „Schnarchle mer doch nit so! Me cha jo nit nebe der schlofe!“ Und der Uehli zuckt und streckt sie: „Vreni, wie isch mer?“ – „He, wie wird’s der sy?“ – „I ha ne bluetige Traum gha. Vreni, ’s goht nit guet, i ha mi selber seh metzge. Hen sie mi nit verstochen, und in der Büttene brüeihet, Mittem Messer gschabt? De glaubsch nit, wie’s mer so weh thuet!“ Aber ’s Vreneli seit: „He, ’s macht nüt. Chunnt der nit mengmol Oebbis für? Jez isch es d’Sau, drum hesch di seh metzge.“ Aber ’s Uehli’s Schlof isch us und schweri Gidanke

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Chämpfe bis an Tag mit sine zerrüttete Sinne, Bis er ’s Chaffi trinkt, bis ’s Vreneli Suppen ischnidet, Bis en alte Ma verzagt zur Stube-Thür itritt: „Chümmi, Reckholder-Beri! Will Nieme nüt chrome do inne?“ – „Nei, der löset nüt!“ – „Drum ischs mer au nit ums Löse! Chönni, Meister Uehli, mit euch e wengeli rede? Isch das eni Frau, se mag sie’s hören, es schadt nüt. Nechti fahri selb feuft mit Waar der Wiese no abe, I, mi Rößli, mi Bueb, und ’s Richterlis Rößli und Matthis. Womer an Farnau chömme, se stohts voll Mannen und Buebe Links im Wald, und an der Stroß e luftigi Kerli. ’s stoht e Wibsbild binem, es mag e suferi gsi sy, Wenni’s unter Hundert sieh, se willi’s erchenne, Het der Mond nit gschienen, und hani d’Auge nit bemer? So viel hani ghört: ’s isch gfluecht, der Uehli mueß sterbe! Woni neben abe gang, se seit ers zuem Wibsbild. Witers weiß i nüt, und witers channi nüt sage; Warten isch nit guet, me lost, und wandlet si’s Wegs furt. Bhüetich Gott, i gang, und thüent jez selber, was guet isch. –“ Wie het ’s Vreneli glost! Doch bhaltet’s verständigi Bsinnig. Hesch en denn nit gmerkt, es isch em nummen um Brenz gsi? Aber ’s Uehlis G’hör isch weg, er lit in der Ohnmacht, D’Auge stöhn verchehrt, me sieht fast nüt meh vom Schwarze, D’Zungen isch em glähmt, sie lueget vor usen, und chölschblau Isch er bis an Hals. Me holt der Meister vo Hage, Holt vo Zell der Doktor-Friedli, ’s isch em nit z’helfe. Friedli, du hesch d’Wohret gseit, der Uehli mueß sterbe. Vormittag ischs so, und Nomittag ischs anderst. Schwetze lehrt er nümmen, und siechet ebe so ane, Bis am dritte Tag, uf ei mol schnappt er, und endet; Und am Zistig d’ruf, se singt’s haupthöchlige; „Mitten Wir im Leben sind“ – d’Stroß uf zum Farnauer Chilch-Hof. Furt treit hen sie en, sell isch gwiß, doch heißt es, en Andre Heig en gholt, und ’s gang zue Ziten e bluetige Eber. Göhntder z’Nacht vom Bergwerch heim, und hentder uf d’Site

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Gladen, und der sehnt en Eber mit bluetige Wunde, Göhnt em still usweg. Es isch der Egerten-Uehli. Sehnt der nüt, sen isch ers nit. I ha nen no nie gseh.

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Aber wer wird jez mit Zuespruch ’s Vreneli tröste? Groß isch ’s Leid just nit, und siebe Woche no Pfingste Rüeft me ’s wieder us. Mit wem? Der werdet nit froge. Grüseli het der Vater gmacht, und gschworen: „I lid’s nit! So ne vertlaufene Burst mit miner liibliche Tochter, Mit mi’m Fleisch und Bluet? I führ di selber ins Zuchthus.“ Aber was ischs gsi? – Es isch die einzige Tochter, Und isch Frau für ihns, und mag er rothen und warne, Muß ers ebe lo gscheh, – doch hets em nümmen ins Hus dörft, Hets au nümme bitrette, bis no Micheli sie Vater Z’Wil dur d’Wiese rittet, er het e Wage voll Wi chauft. Groß isch’s Wasser gsi, und finster, wo sie derdur sin, Und chunnt usem Weg, und ’s tribt en oben und abe Bis er abem Choli fallt und nümmen ans G’stad chunnt. An der Schore-Bruck dört hen sie ’n mornderigs gfunde.

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Aber jez zieht üser Paar im Friede go Schopfe Und nimmt B’sitz vo Hus und Guet; der Friedli wird Burger, Füehrt si ordelig uf, er cha guet lesen und schribe, – Helfis Gott! – und stigt nootno zu Würden und Ehre. Wer wird Chilche-Lueger, und wer wird Weibel, und wer stoht Bald am Rothhus-Fenster und lächlet güetig, wenn öbbe Mittem Huet in der Hand e Langenauer verbei goht? Isch’s nit mi Her Frider mit siner lockige Stirne? – Nei, wie machts, und nei, wie schüttets, loset doch numme, Fangt’s nit vornen a? – Z’letzt sage d’Burger: „Der Hügli Cha jo nit Gschriebes lese, wie chaner denn Statthalter blibe? ’s wär für Ihn, Her Frieder, und Er mueß d’Burger regiere. Er isch e brave Ma, in alle Stücke biwandert, Und Si Frau, Statthalters Bluet, mit Tugend bihaftet, Isch die gueti Stund, und gscheit, no gscheiter as Er schier. Säger nit lang Nei, ’s nuzt nüt, mer lön is nit b’richte.“ „Nu, se sagi Jo, ’s regiere chunnt mit nit suur a.“ Dreimal chlöpft der Hurlibaus – nei loset wie’s schüttet,

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Lueget, wie’s dur d’Chlimse blitzt! – Im Pflueg und im Engel Hen sie tanzt bis tief in d’Nacht, und gessen und trunke. Wohr ischs, e brävere Ma hätt d’Stadt nit chönnen erchise, Und im Vreneli gunni ’s au. In d’Schopfemer Chilche Het er en Orgli gschafft, vor sine Ziten isch nüt gsi (Z’Huse stoht sie no); d’Marodi het er vertribe, Und uf d’Burger Obsicht treit, und g’rothen und g’warnet. Aber si Frau und er, sie hen in Frieden und Liebi Mit enander g’lebt, und Guts an Armen erwiese, Jo, und ’s isch em e Muetter zue siebe Chindere worde. Helfis Gott! – und ’s stammt von ihnen im Schopfemer – Chilchspiel Mengi Famili her, und blüeiht in Richthum und Ehre. Helfis Gott, und b’hüetis Gott! Ins Here Gotts Name! Das het chlöpft, und das het gmacht, ’s isch weger e Schlag gsi Mengi Famili, se sage – die wenigste wüsse’s meh selber. Wer sie sin, und wie sie heiße, das willi jez sage. Zwor isch ’s Chrüegli leer – nei loset, was git’s uf der Gaß duß? Vetter Hans Jerg, ’s stürmt! Fürio! ’s lauft Alles der Drau zue.

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Der Statthalter von Schopfheim, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 113, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

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Der Statthalter von Schopfheim, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/der-statthalter-von-schopfheim/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-113-der-statthalter-von-schopfheim