In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Es wüthet der Herzog; er rauft sich das Haar, Zerfleischt sich die Lippen mit Bissen; Da liegen die Söhne, das blühende Paar, Das ihm noch die erste Gemahlin gebar, Durch Gift aus dem Leben gerissen. Wer hat sie gemordet? – Sein zweites Gemahl; Gern lieh den Burgundischen Großen, Die Berthold gezüchtigt mit siegendem Stahl, Stiefmütterlich sie sich zum rächenden Strahl, Zu knicken die fürstlichen Rosen. Zwar fehlt’s an Beweis; doch der Rasende glaubt Allein dem Burgundischen Hasse; Sein Stamm ist entlaubt und der Sprossen beraubt, Drum fällt auf dem Blocke der Herzogin Haubt, Mag’s Volk sich empören in Masse! Wohl flieht ihn die Ruh’ von derselbigen Stund, Doch nähret sein Herz nur noch Tücke Statt Reuegefühl in dem innersten Grund; So zieht er, verfluchend das falsche Burgund, Auf Zähringens Burg sich zurücke. Dort lockt ihn zuweilen das schmetternde Horn, Im lustigen Forste zu jagen; Kein Schweiß doch erstickt ihm den glühenden Zorn, Und heller noch schürt ihn der goldene Born Bei zechender Gäste Gelagen. Die Adern der Stirne von grimmigem Drang Stets bleiben sie drohend geschwollen; Sie glättet kein Scherzen, kein Spiel und Gesang, Im Kreis seiner Augen wird Jedem es bang Vor ihrem entsetzlichen Rollen. Bald fliehen die letzten der Gäste sein Haus; Doch aus der unheimlichen Stille
Dehnt weit in die Runde sein Wüthen sich aus, Es füllet das Breisgau mit Jammer und Graus Des Herrschers tyrannischer Wille. Von gierigem Geize nun wird er verzehrt Nach edlen Gesteinen und Erzen; Bald hat er von Allem, was irgend von Werth, Die Häuser und Hütten des Landes geleert, „der Mann mit dem steinernen Herzen“. Wer etwas ihm weigert, der muß mit dem Tod, Wer murrt, mit dem Kerker es büßen; Mag schreien zum Himmel die wachsende Noth Des hungernden Volkes, – der finstre Despot Tritt alle Gesetze mit Füßen. Auch fehlt’s an den tollsten Gelüsten ihm nicht: „Koch, schlachte mir heut einen Knaben, Und setz’ ihn gebraten mit vor als Gericht! Auf menschliches Fleisch war ich längst schon erpicht, Und will mich nun einmal dran laben!“ – Schon sitzt er bei Tafel; da plötzlich erfaßt Ihn Eckel und Todesentsetzen; Um stößt er die Tische, mit rasender Hast Durchrennt er die Hallen im öden Palast, Wo höllische Geister ihn hetzen. Bald sinkt er gebrochen auf’s Lager dahin, Ihm naht sich die tödtliche Hippe, Doch wendet er nimmer zur Reue den Sinn, Er träumt noch und stammelt von neuem Gewinn, Bis endlich erstarret die Lippe. Die Flüche des Volkes nur donnern ihm nach In’s Grab, und es jubelt die Runde; Doch schrecklich zu büßen für was er verbrach, Bannt Gott ihn hinab in ein Felsengemach In des Bergs tiefinnerstem Grunde.
Dort sitzt der Tyrann bis zum jüngsten Gericht, Mit versteinerter, irdischer Hülle; Des Inneren Gier nur versieget ihm nicht, Denn rings im Gewölbe mit blendendem Licht Strahlt Golds und Juwelen die Fülle. Alljährlich nur Einmal der Herzog erwacht Aus seinem granitenen Schlafe; Da lockt ihn der Schätze unendliche Pracht, Da vergißt er des Bannes erstarrende Macht Und seiner entsetzlichen Strafe. Doch wie er sich wühlet in’s Edelgestein Und schwelgt in den goldenen Erzen, Fühlt neu sich versteinern er Mark und Gebein, Und „Fluch“ noch donnert’s in’s Ohr ihm hinein, „Den Fürsten mit steinernen Herzen!“