In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Es irrt der Graf von Eberstein In tiefer Nacht durchs Thalgewinde: Getrennt von seinem Jagdgesinde, Sucht er den Weg beim Sternenschein. Sein Horn klingt durch die Wildniß hin, Da hört er wunderbare Stimmen, Hoch über Felsen muß er klimmen, Wo Schatten wie Gespenster ziehn.
Jetzt tönet eines Glöckleins Klang; Er sieht von den erstiegnen Höhen Tief unter sich ein Kloster stehen, Und hört den dumpfen Chorgesang.
Da wird es leichter ihm zu Sinn, Er eilt hinab in die Kapelle; Von hundert Kerzen ist sie helle, Die Wände schmücket Waldesgrün;
Und singend steht im hohen Chor Der blassen Mönche Doppelreihe, Der Priester hebt zur heil’gen Weihe Am Hochaltar den Kelch empor.
Der Graf sinkt nieder zum Gebet, Ihm ist, er werd’ hinaufgezogen Aus wildempörten Meereswogen, Ins Land, wo ew’ger Friede weht. Der Priester wendet sich und spricht: „Geht hin zur stillen Ruh, ihr Müden, Und du auch, Berthold, zeuch in Frieden, Jedoch vergiß des Herren nicht!“
Dieß sagend winkt er mit der Hand, Und Kirch’ und Mönche sind verschwunden, Und wie von einem Traum entbunden Steht Berthold an des Waldbachs Rand.
Im Osten scheint ein mattes Licht; Der Graf kehrt heim im ernsten Sinnen, Jedoch vor seinem Blick zerrinnen Will nimmermehr das Traumgesicht.
„Wohl,“ – ruft er, „ist die Deutung klar! – Wo jene Wunder mir erschienen, Da sollen fromme Männer dienen, Da gründ’ ich Tempel und Altar!“ Er theilt alsbald Befehle aus, Und in dem Thal, vom Silberbogen Der spiegelhellen Alb umzogen Erhebt sich bald das Gotteshaus.