Zum Archiv
Zitieren

Badisches Sagen-Buch II

Die Gründung von Karlsruhe

2 Min. Lesezeit· Eduard Brauer, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Verirrt auf Waidmanns-Pfaden War Markgraf Karl von Baden In grüner Waldesnacht; Wohl hatt’ er manche Stunde Im Hardtwald schon die Runde, Doch kargen Fang gemacht.

02

So ward der Tag geschieden, Und heil’ger Abendfrieden Umweht ihn wonnesam; Da setzt er sich ermattet, Vom Eichenzelt umschattet, Auf einen morschen Stamm.

03

Still ward’s im Hain allmälig; Das Lied, das hundertkehlig Noch jüngst das Laub durchscholl, Erstarb in sanften Lauten, Und durch die Wolken schauten, Die Sterne sehnsuchtsvoll.

04

Und wie der Markgraf ruhte, Ward ihm so wohl zu Muthe; Ihm schien, daß unsichtbar Ein Engel ihn umkreiste Und flüstert ihm im Geiste Die Worte himmelklar: „Hier, wo erhabne Eichen Die Riesenhand sich reichen, Und traulich aus den Höh’n Dir Grüß’ entgegen rauschen, Im Grase Veilchen lauschen, Hier ruht sichs gut und schön, Hier muß die Zwietracht schweigen, Hier, wo auf allen Zweigen Ein sel’ger Friede ruht; Vom Sang der Nachtigallen Die Wipfel widerhallen, Hier ruht sichs süß und gut.

05

Im bunten Hofgewühle Sitzt Sorg’ auf weichem Pfühle, Langweil’ im Gallakleid;

06

Verdruß ist Kellermeister, Der Mundkoch, Eckel heißt er, Mischt Gift zur Süßigkeit.

07

Auf alle deine Reden, Auf deiner Blicke jeden Lauscht Neid und Ehrgeiz dort; Geschminkt sind Herz und Wangen, Die Glieder hält gefangen Der Mode Herrscherwort.

08

Doch hier im Hain, dem kühlen, Darf noch das Herz sich fühlen, Da darf noch sonder Zwang Um sich das Auge schauen; – Hier sollst du Hütten bauen Und wohnen lebenslang! Wenn draußen Stürme rasen, Paläste niederblasen, Sey hier der Ruhe Port; Denn Treue soll hier wohnen Und Fürstenweisheit thronen Fest wie die Eichen dort!“ – So klang’s dem Herzerquickten, Die teutschen Eichen nickten Den Worten Beifall zu; Und mit vergnügten Sinnen Gieng Markgraf Karl von hinnen, Im Busen Gottesruh’.

09

Und siehe, um ein Kleines Ward’s laut im Schooß des Haines Von Art und Hammerschlag, Von Meistern und von Knechten; Bald stieg aus Waldesnächten Ein stattlich Schloß zu Tag.

10

Und wieder um ein Kleines Ward’s hell im Schooß des Haines, Und Karlsruh’ heißt die Stadt, Die schnell begann zu blühen, Wo nach des Waidwerks Mühen Der Fürst gerastet hat.

Für deine Recherche

Quelle zitieren

Die Gründung von Karlsruhe, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 161, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Die Gründung von Karlsruhe, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/die-gruendung-von-karlsruhe/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-161-die-gruendung-von-karlsruhe