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Badisches Sagen-Buch I

Die Maid von Bodmann

5 Min. Lesezeit· Gustav Schwab, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Es schwillet aus den Wellen Die grüne Mayenau; Dort sitzt bei dem Gesellen Eine reine, süße Frau; Von Bodmann ist’s die treue Magd, Ihr Herz, ihr Blütheneiland, Hat sie ihm zugesagt.

02

„Ruh’ aus in meiner Laube Und singe Lieder mir! Der Apfel und die Traube, Sie blüh’n, sie reifen dir!“ Da sprach Herr Hug von Langenstein, Und sprang empor vom Rasen: „Nicht also darf es seyn! Mir ist ein Bote kommen: Der alte Vater gern Das Kreuz hätt’ er genommen, Gehorcht dem Landesherrn! So ist er krank und altersmatt, Den Sohn in frischer Jugend Schickt er an seiner Statt.“

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Nicht traurig soll der Wille Des Vaters seyn gethan; Die Maid weint in der Stille, Er schaut sie brünstig an: „Ich kehre heim, du süße Braut! Vertrau dem Christ im Himmel, Und bleib’ mir hold und traut!“

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Er schwingt sich in den Nachen, Die Fluth trägt ihn davon, Den Vater gut, den schwachen, Vertritt der starke Sohn. Der Gram um seine treue Maid, Er wird zu grimmen Streichen, Davon erliegt der Heid’. In Beten und in Sehnen Die Jungfrau harrt zu Haus, Bis bei den Saracenen Der lange Streit ist aus. Es kehret heim der Kämpfer Schaar; Sie schaut hinaus nach Einem, Den wird sie nicht gewahr.

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Der Herbstwind rauscht im Laube, Der Apfel fällt vom Baum, Es reift die dunkle Traube: War Alles denn ein Traum? Und endlich braußt der Wintersturm – Herr Hug er liegt gefangen Und wund im Heidenthurm. Da hat der Jungfrau Hoffen Recht wie ein Donnerstrahl Die böse Kunde troffen; Sie sitzet stumm im Saal. Es kam der Freyer Schwarm herbei: Die Hoffnung ist gestorben, Doch lebt ja noch die Treu! –

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Die Hoffnung ist gestorben, Doch lebt ja noch die Treu: Ob auch im Thurm verdorben Des Ritters Jugend sey; Man beut ihm Freiheit, Gold und Ehr’, Wollt’ er vom Glauben lassen; Das thät er nimmermehr.

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Von Jahr zu Jahr sie trauern, Sie sinken fleh’nd aufs Knie, Er in den schwarzen Mauern, Auf grünem Eiland sie. Bis daß in einer Frühlingsnacht Das Wort des Herrn im Traume Ward vor sein Ohr gebracht. Der Engel sprach zum Ritter: „Auf, opfre dich dem Herrn, So springt dein Kerkergitter, So leitet dich sein Stern!“ Der Ritter denkt der süßen Frau’n, Die Minne soll er opfern; Doch ach! er darf sie schau’n!

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Und einem Ritterorden Gelobt er sich im Traum; – Sieh da, erfüllt ist worden, Was schien ihm möglich kaum. Denn als er aus dem Schlaf erwacht, Das Kerkerthor steht offen In sternenheller Nacht. Er pflegt’ in jungen Jahren Der Sterne Wissenschaft; So zieht er, wohlerfahren, Gott stärket seine Kraft. Er führt ihn durch den heißen Sand, Und unter wilden Völkern, Bis an des Meeres Strand.

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Durch Sturm und Felsenriffe Bringt schnell und sicher ihn Auf einem Christenschiffe Der Herr zur Heimath hin. Bald unter teutschem Blüthenschnee Steht er am alten Ufer Und rudert durch den See.

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Und aus den Wellenschäumen, Erfrischt vom Morgenthau, Mit Reben, Wiesen, Bäumen, Winkt ihm die Mayenau; Und eine selige Gestalt, Die Arm’ entgegenbreitend, Ruft ihn mit Allgewalt. Da wird sein Auge trüber, Sein Haupt sinkt auf die Brust, Er lenkt den Kahn hinüber Von Liebe weg und Lust. Im Walde vor dem Landcomthur Steht er: im deutschen Orden Will Gott er dienen nur.

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Und einen Freund er sendet Zur grünen Mayenau, Den letzten Gruß er spendet Der herzgeliebten Frau. Da löscht die Hochzeitfackel aus, Die ihr im Geist entglommen, Und starb in Nacht und Graus. Und als aus tiefem Leide Sie wieder hob den Blick, Da glänzt im Blumenkleide Das Eiland, wie im Glück; Da goß ein Rebenblüthenduft So süß Erinnrungsträume Durch die gewürzte Luft.

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Jetzt kam, was Ruhe bringet, Ihr vor die Seele hell, Die Fluth, die sie umringet, Zertheilt ihr Nachen schnell; Es geht die schöne blasse Maid Durch ferne Lande schweigend, Im Blick der Liebe Leid.

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Bald wird ihr Auge dreister, Und kecker auch ihr Schritt, Und vor des Ordens Meister, Den obersten, sie tritt Und sprach: „Nehmt hin, was noch ist mein, Zu Gottes Eigenthume, Ein reiches Inselein! „Es scheinet warm die Sonne Und pflegt die Rebe drauf, Und Früchte glühn zur Wonne Und Saaten rings vollauf! Doch Eines, Eines bitt’ ich nur: Herr Langenstein, der Ritter, Der werde dort Comthur!“

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Der Meister ihr gewähret Die fromme Bitte gern; Da war ihr Wunsch erhöret, Wie dankte sie dem Herrn! Da schied sie, Thränen in dem Blick, Da glänzt ihr hell im Herzen Zugleich des Liebsten Glück. „So sind doch Ihm die Reben, Die Felder Ihm gebaut! Die Laube wird Ihn umweben, Die mich und Ihn geschaut! Und wo zusammen wir gefleht, Ach, in der Burgkapelle, Da tönt doch Sein Gebet!“ – –

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Wohin die Maid geflüchtet, Wo sie verweint die Zeit? Das hat kein Mund berichtet, Begraben ist ihr Leid. Doch in dem neuen Ordenshaus, Da tönte durch die Wellen Ein ernster Sang hinaus:

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„O Gottesminne hehre! Du hast gelenkt mein Schiff Auf sturmbewegtem Meere Vorbei am Felsenriff! Doch sanfte Still’ und wahre Ruh, Die hab ich nie genossen, – Wann deckt das Grab mich zu?“

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„Ob ez och wäre viwer (euer) gir Das ich iv wissen lieze Wie ich ze namen hieze, Wolten jr mir guotes Wünschen vnd stetes muotes Ze gotte vnd vnverdrozzin (unverdrossen) So wurde iv hie entslozzin Min name vnd doch vil blüc Ich bin geheizin brvder huc Se nach namen von langenstein Da was miner vordern hein Zim tuischen huse ein bruoder Den gottes minne ruoder Ab dem tobenden Sewe (See) schielt (schaltete) Der nie rechter rvove (Ruhe) wielt (waltete) Noch de keiner sanfter stille etc.“

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Quelle zitieren

Die Maid von Bodmann, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 31, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Die Maid von Bodmann, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/die-maid-von-bodmann/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-031-die-maid-von-bodmann