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Badisches Sagen-Buch I

Fridolin

2 Min. Lesezeit· Alois Wilhelm Schreiber, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

In des Markwalds dunkeln Schatten Steigt ein Eiland aus dem Rhein, Wo sich schwarze Tannen bücken Ueber kahles Felsgestein. Einst mit seinen Kindern hauste Walter hier, ein edler Mann, Treulich hing er noch den Göttern Seiner Heimatberge an.

02

Seine Tochter Gela blühte Einer Maienrose gleich; Doch sie trug ein fremd Verlangen In dem Herzen zart und weich.

03

Oft, wenn sie vom Rheingestade Zu dem blauen Himmel sah, Mußte sie die Hände falten, Wußte nicht, wie ihr geschah.

04

Einstmal, in des Herbstes Tagen, Unter Bäumen gelb und roth, Reichte sie den kleinen Schwestern Mütterlich das Abendbrot. Sieh, da kommt ein fremder Priester Von den Bergen auf sie zu, Aus dem edeln Antlitz strahlet Eine wunderbare Ruh’. Um ein Obdach will er bitten, Aber Walter eilt daher, Sieht ihn an mit finsterm Auge, Denn die Christen haßt er sehr.

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Doch der Sohn der Fremde bietet Ihm gar traulich seine Hand: „Gönne mir für heut ein Lager, Denn ich komm’ aus fernem Land.

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„Wandernd muß ich Ihn verkünden, Der vom Himmel niederstieg, Der dem Tod den Stachels raubte Und der Hölle ihren Sieg.

07

„Nimmer darf und werd’ ich grollen, Stößest du mich auch von hier; Schlägst du mir die eine Wange, Reich’ ich still die andre dir. „Dies ist meines Meisters Lehre; Liebe war sein erst Gebot,

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Liebe war sein schönes Leben, Liebe war sein schöner Tod.“ – Vieles noch aus warmem Herzen Spricht der fromme Fridolin, Und es rühren seine Worte Walters felsenharten Sinn.

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Und in Gela’s reine Seele Fällt ein Strahl von Himmelslicht; „Wahrlich“ – ruft sie – „solche Worte Kommen von der Erde nicht!

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„Jetzo mag ich erst verstehen Thränen, die ich oft geweint; Immer sehnt’ ich mich nach oben, Wo der Stern des Morgens scheint!“

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Und sie hebt empor die Hände Und den Blick von Zähren feucht: „Weihe mich zu deinem Glauben, O, mein Herz, es faßt ihn leicht!“ Und der Priester schöpft vom Quelle Nah’ bei Wodans Felsaltar, Läßt das Wasser niederträufeln Auf der Jungfrau blondes Haar. Und ein fremdes Licht umstrahlet Plötzlich nun den Gottesmann; Walter wirft auf’s Knie sich nieder, Nimmt die Taufe gleichfalls an;

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Geht dann hin zu Wodans Eiche, Fällt sie mit dem scharfen Beil, Baut ein Münster auf der Stelle, Wo erschienen ihm das Heil.

13

Herrlich strahlen noch die Thürme Weithin über’n klaren Rhein, Und im Grab des Hochaltares Ruht St. Fridolins Gebein.

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Quelle zitieren

Fridolin, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 98, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Fridolin, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/fridolin/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-098-fridolin