In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
„Staubwolken fliegen auf – Ha, Reiter ohne Zahl! Sie sprengen lustig her durchs grüne Neckarthal. – Das blitzt und funkelt ja, daß mir die Augen brennen! – Jetzt rollt ihr Banner auf – jetzt kann ich sie erkennen!“ – „Es sind Franzosen, Herr! – doch sicher nicht zum Streit Erschienen sie vor Euch; sie führen Festgeleit!“
Also vom Thurme hoch der Wächter eifrig spricht Zum frommen Friederich; der sagt: Ich bin bereit Sie freundlich zu empfah’n; dem Gast reich ich die Hand. Heinrich von Valois ist’s, der jetzt nach Polenland Mit seinen Mannen zieht, die Krone zu empfangen. Ihn treibt zu uns, glaubt mir, nicht eigenes Verlangen; Er trauet sicherlich uns Hugenotten nicht; Doch macht’s sein Bruder ihm, der König, wohl zur Pflicht,
Damit kein Unbill er im fremden Land erfahre, Und sich der Teutschen Gunst im Voraus schon bewahre. Er komme nur getrost und ziehe friedlich ein! Zwar werden wir ihm hier ein strenger Mahner seyn, Doch dinget man bei uns nicht blutbegier’ge Horden, Den Andersdenken im Schlafe hinzumorden.“ Der Kurfürst sprichts mit Ernst, ertheilet die Befehle, Und zieht sich dann zurück in seines Schlosses Säle.
Indessen war die Schaar der Franken angekommen Und hat auf flinkem Roß den Burgweg bald erklommen. Welch zierlich prächt’ger Trupp! Wie blitzen die Gewande Von Gold und Edelstein! Was selbst die fernsten Lande An auserlesnem Schmuck, an einzig schönen Gaben, An Farbenpracht und Werth nur darzubieten haben, Dies Alles sieht man hier in seltenem Verein. Der Perle reinen Glanz, des Demants Wunderschein, Des Tigers scheckig Fell, des Hermelines Pelz, Die Perlenmutter auch in lichtem Farbenschmelz, Vom Reiher und vom Strauß die reiche Federnpracht, Von Helm und Harnisch dir mit Lust entgegenlacht. Doch prangt vor Allen wohl im ganzen Reitertroß Heinrich von Valois auf seinem Berberroß; Hoch sieht man ihn empor aus ihrer Mitte ragen, Stolz wieget sich sein Haupt, bestimmt die Kron’ zu tragen.
Jetzt ist das Thor erreicht; weit öffnet es die Flügel; Der Herzog sprengt herein, schwingt rasch sich aus dem Bügel, Wirft Peitsch’ und Zügel ab – Doch wie? Was soll das seyn? – Er findet sich erstaunt im weiten Hof allein! Kein Diener ist zu sehn von Nahe noch von Fern; Welch’ schmählicher Willkomm so königlichem Herrn! Mit unterdrücktem Zorn, mit wuthgebleichten Wangen, Wird endlich an der Thür’ der stolze Gast empfangen. Zwei teutsche Edelleut’, gepanzert ganz in Stahl, Die führen schweigend ihn bis zu dem Kaisersaal. Da plötzlich öffnet sich die zwiegespalt’ne Pforte – Der Herzog steht erblaßt – ihm fehlen alle Worte;
Er blickt entsetzt umher – welch eine Schreckensstunde? Denn dicht gedrängt um sich gewahrt er in der Runde Nur Hugenotten, die, der Mordnacht jüngst entflohn, Hier Schutz und Schirm gesucht an Kurfürst Friedrichs Thron; Und ihm entgegenblickt, hoch an des Saales Wand Coligny, wie er stirbt, gemalt von Meisterhand; Wie von Begeisterung das Antlitz übergossen, Der greise Held erblaßt durch Valois’s Mordgenossen. –
Noch starrt der Herzog stumm hin nach dem grausen Bild, Da grüßt der Kurfürst ihn mit Worten sanft und mild, Und wünscht ihm alles Glück zu seiner neuen Krone, Und friedlich Regiment auf Polens schönem Throne. Drauf muß der Frankenfürst auch strenge Worte hören Von jenem schändlichen blutdürstigen Verschwören Der unglückseligen Bartholomäusnacht, Die blinder wilder Haß unchristlich angefacht; Von Frankreichs Hinterlist und oft gebrochner Treue, Und daß der Hof sich nicht der frechsten Laster scheue. –
So spricht der teutsche Fürst mit würdevoller Ruh, Dem stolzen fränk’schen Gast an seinem Hofe zu. Dann läßt er königlich und reich bewirthen ihn, Doch mundet’s Valois nicht, er sehnt sich, fortzuziehn. Von Heidelberg herab, dem schönen Felsenschloß, Eilt schweigend und beschämt alsbald der fremde Troß. Es blitzen Gold und Stein von Harnischen, den blanken, Es weht der Federnschmuck im Wind mit stolzem Schwanken, Doch hört der Pförtner noch den Herzog Anjou schwören: Von nun an soll kein Gott ihn jemals mehr bethören, Selbst in der größten Noth, bei solchen deutschen Bären, – Noch gar auf Heidelberg – je wieder einzukehren.