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Wieland der Schmied
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Der einft den Hippogryphen . Bon Mufen jatteln ließ, Dem nie die Hörer fchliefen, Wenn in jein Som er ftieß: Gar wohl ift ihm gelungen Sein wunderfam Gedicht; Doch was auch Er gefungen, Den Wieland fing id) nicht. Schmang er fi auf gleih Aaren Nah edelm Sängerbraud, Im Sturm die Luft durchfahren, Mein Wieland konnt es auch: Richt auf dem Dichterpferde Hob er ſich ſonnenwärts, Es trug ihn von der Erde Sein Flügelpaar von Erz.
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4 Der Wieland, den ich ſinge, War nur ein ruſsger Schmied, Doch daß mir fo gelinge Zu feinem Preis dieß Lied, AS Waffen ihm gelangen, Schild, Harniſch, Helm und Schwert, Viel goldne Ring und Spangen, So ward mir viel gewährt. Der du die Kunſt zu fliegen Dem Bogel abgelaufcht, Den gern die Lüfte wiegen, Durch die fein Fittih rauſcht: Gieb, daß mic) deine Lehre Im Schweben unterweil't, Befrei von irdſcher Schwere, Wieland, des Sängers Geiſt.
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Erftes Abentener. Die fie die Schildjungfrauen fiengen. Eine behre Göttin weiß ich, der ift mein Dienft geweiht, Ihr huldigend und opfernd verbring ich meine Beit: Es ift die Freundin Odins, Saga mit goldnem Mund; Ich borche, wenn er tönet, da wird manch Wunder mir fund. O laß die Lippen fließen, fie find der Weisheit Born, Und gönne mir zu fchöpfen in reiner Dichtung Horn; Richt neid ich goldne Schalen, mie du fie Odin füllft, Bern ihm der Zeiten Räthfel, und ber Geſchichten enthüllt. Du winteft mir Erhörung, ſchon trint ich, habe Dant: Und darf ich nicht verftummen, menn ich mich felig trank? Tu weift, es macht geſchwätzig die wunderbare Flut, Wie auch Die Zunge lalle, fie ſtockt doch felten und ruht. Doch willft du fie nicht hemmen in ihrem raſchen Lauf, Richt drückſt du meinen Lippen bes Schweigens Siegel auf. Anh dafür la dir danken: mir fol es Wohlthat fein; Doch Mancher wird dir zürnen, es fchafft den Neidingen Pein.
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6 Wer aber darf es tadeln, wenn mich dein Trank beraufcht? Sich jelber mag verklagen wer meinen Worten lauſcht: Sch Tann mich nicht bezwingen, es läßt mir nimmer Ruh, Und ärgert ihn mein Singen, mas hört der Thörichte zu? Es faßen drei Brüder zu Norweg in der Mark, Bon elfiichem Gejchlechte, beldenfühn und ftarf. Sie waren feinem Könige noch Fürften unterthan: . Den tunftreihen Männern getraute Niemand zu nahn. Wieland hieß der Eine, von dem mein Lieb genannt, Der ift in allen Sagen der Völker mohlbelannt, Selbft in welſchen Zungen rühmt ihn das Heldenlied, Sp gut Gefchmeide wirkte der unvergleichliche Schmied. Der Andre hieß Eigel: der fehlte nie das Ziel, Den Vogel aus den Lüften zu holen war ihm Spiel; Den beiten aller Echüten hat ſchwer die Zeit gefränft, Ihm feinen Ruhm entwendet und ihn an Fremde verichenft. Der Dritte führte weder den Hammer noch den Pfeil, Mit feiner Wunderfalbe fchuf er mwieber heil Was je entzwei gewefen, Trank oder wund: Helfrih war fein Namen, er machte Todte gejund. Die drei Brüder giengen einft an des Meeres Flut, Sih im Bad zu. fühlen, wie man im Sommer thut, Und wie fie wonnig ſchwammen das Seegeſtad entlang, Da börten fie ein Raufchen, das in den Lüften erflang:
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7 Schwere Flügelichläge, wie wenn der Yar fich' hebt, Mit breiten Schwingen fachend, daß rings die Luft erbebt; Doc dießmal fuhr es nieder, fie hörten es genau, Richt Hundert Schritt von ihnen, . dort bei- der grünenden Au. Und überm Waßer glänzt’ ed, lichter als der Schnee, ' Denn auf und nieder ſchwebten drei Fräulein in der See. Nach Eigeln fah fie Wieland: der winkt den Brüdern ſtumm Als wollt er jagen: Schwimmen wir um das Eiland herum. Sie durften nicht reden, denn wohl meilenweit Zrägt den Schall die Welle, und traun, ein Herzeleid Wär es für die Brüder, mijsläng die Mädchenjagd: Die ſchwammen immer meiter und meiter leuchtender Pracht. Die Brüder inzwiſchen erreichten das Geſtad, Wo Jene ſich entlleivet. Da lag der Frauenitaat, Drei Schwanenkleider lagen am Strand in einer Schluft: - Die hatten fie getragen fo weit daher durch die Luft. „Gewiſs, es find Walküren,“ ſprach da Wieland, „Die unterm Schilde fechten, Schildjungfraun genannt: Eie finnen nur zu kämpfen und find der Minne gram; Doch wären fie noch wilder, mir machen fie, hoff ich, zahm." — „Die Eine fcheint verwundet: einen Streifen roth wie Blut,“ Sprach Helferich der junge, „feh ich in der Flut; Auch ift der Kleider Eines von friſchem Blut roth Ser unterm Schiwanenflügel: vie bewahr ich vor dem Tod." —
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„Sp ift dir,” ſprach Eigel, „geborgen fchon dein Theil, Sie folgt dir um fo lieber, macht deine Kunft fie heil. Doch ſchau, wie fie ſich wenden, fchon ehren fie zurüd: Ihr Gefieder fteht zu Pfande, fie werden nie wieder flück.“ — „Die Meine bleibt dahinten,“ ſprach da Helferich, „Die arme wird verbluten; tie jammert fie mich! Sch eil ihr zu Hülfe, ihr Sterben wär mir "leid; Ihr Brüder unterdeſſen mahrt mir dieß blutige Kleid.“ Mit einem Heilfraute ſtürzt' er fich ins Meer, Gewandter Taucher ſchwamm er unter den beiben her Und faßte die dritte mit ftarlem Arm geivandt, Und trug fie, die fich ſträubte und mit ihm rang, an den Strand. Ohnmädtig am Ufer, die Jüngſte lag fie da Mit goldgelben Locken. Eine Linde war nah: Als er fein Kraut verwendet nahm er daven den Baft, Die Wunde zu verbinden und nun erft günnt er fih Raft. Die Schweftern verweilen ſchwammen nach der Bucht Mo ihre Kleider Ingen, doch in beftürzter Flucht Wandten fie fich wieder, als fie die Brüder fahn. Da rief aber Wieland: „Ihr müßt doch endlich heran: „Eure Schweiter ift ung Geiſel, die unjer Bruder pflegt Und ſchon auf feinen Armen, die bewuftlofe, trägt: So wollen Wir euch tragen auf Händen, wenn ihr kehrt, In Lieb und ftäter Treue; ihr ſeids, wir wißen es, werth.
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% 9 „Wir haben eure Kleider: ihr entrinnt uns nicht.“ Doch ift in Wind geſprochen mas man zu Spröden ſpricht. Eie ſchwammen immer weiter und weiter lichter Pracht: „Eo müßen auch wir beginnen,“ ſprach Wieland, „die Mädchenjagd.“ * „Run ift an dir die Reihe, Bruder Helferich, Die Kleider und zu wahren.“ Da ftürzten fie fich In die See und eilten den edlen Schweitern nad: „Denn wir fie nicht erreichten, es wär und ewige Schmach.“ Scham und Verlangen gab ihnen Kraft und Muth Und Floßen an die Ferſen. So theilten fie die Flut, Wie der Falk die Lüfte auf Beute jchießend theilt: Die ſchnellen Schweftern blieben doch von ihnen unereilt. Sie doppelten die Kräfte und fuhren pfeilgefchwind Ueber die wilden Wogen, als wehte fie der Wind. Nun laßen wir fie ſchwimmen und fehn nach Helferich, Der mit feinem Schritte von ber fchönen Schilomagb wid). Da drang ihr durch die Glieder des Wundkrautes Kraft, Und rief zum Leben wieder die Geifter, die erfchlafft; Zwei blaue Augen blidten SHelferichen an: Da lag fie auf dem Schooße, ad), einem wildfremden Mann. Sie will fih ihm entringen, doc Jener hält fie feit Mit ftarlen Armes Schlingen an feine Bruft gepreist: „Du öffneft deine Wunden, fträubft bu dich fo wild; Ich habe fie verbunden und das Blut ift wieder geſtillt.“ —
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10 „Hilfe,“ rief fie, „Hilfe!“ — Hier bin ich, Helferidh; Dir ift ja ſchon geholfen und der dir half war ich. Hier kann dic Niemand hören; doch machſt du mirs zu bunt, So ſchließ ich dir mit Küſſen deinen perlenreichen Mund.“ Je dringender er mahnte, je lauter fie ſchrie; Sie rang ſich übermädtig herab von feinem Knie: Und hätt er fie verloren, fo mar es ihr Tod. Da muft er wohl fie binden; es zwang ihn wahrhafte Not. In der Felfengrotte lag fie und fchluchzte tief, Ein Strom heller Thränen ihr von ver Wange lief: In ihres Herzens Sammer Hub fie zu Hagen an: „a3 hab ich dir, Verräther, mas hab ich doch dir gethan, „Womit dich wohl beleidigt, daß du mich wehrlos fiengft, Wohl gar die Königstochter zu deiner Minne zwingft, Unmwürdger, nur zu ſchauen mein klares Angeficht! Doch Odin wird es rächen und Thor, der im Donner ſpricht.“ — „Zu Thor will ich nicht ſchwören, noch zu Odins Macht, Doch Freyja ſoll hören mas mir das Herz gebacht, Und Wara, die die Echwüre der Liebenden vernimmt, Was eh ich dich ereilte ber Sinn voraus mir beftimmt. „Schon als ich dich erjagte, noch eb ich dich erfchaut, Hofft ich in dir zu finden die Berageliebte Braut; Doch als ich dich in Schöne fo herrlich prangen ſah, Der deine Wunden heilte, ven verivundeteft du ba. .
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11 „Run will ichs hoch geloben, die Götter zeugen mir, Nie ein Weib zu freien, find ich es nicht in bir: Du darfſt dich mein nicht fchämen, hohe Königin, Der auch von Königeftamme und in Niemands Gehorjam bin.
Laß diefen Ring dir bürgen mit bellem Edelſtein, Ich will dir bis zum Tode getreu ergeben fein. “ Nun Iöf ich deine Feßeln, und bier ift bein Gewand. ”- — Er ftieß ihr das Ninglein an die fchneeweiße Hand. Sie ließ es gefchehen und fah ihn dankbar an: „Da ſeh ich. meinen Bruder mit deiner Schweiter nahn. Sie landeten dort oben, mohin der Strom fie trieb. Was wetteft du, fie ift ihm auch mehr als Leib und Xeben lieb. „Run fage, Freund Eigel, wo Bruder Wieland meilt: Hat er das fchnelle Mägbelein mit Schwimmen nicht ereilt?” . Er ſprach: „Du weißt, ich fchaue wohl fieben Raften weit, Doc längft mir aus den Augen tar er und die ftolze Maid.” — „Run muß ich um den Bruber in Angft und Sorgen ſtehn,“ Sprach Helferich der junge, „es könnt ihm ſchlimm ergehn, Daß ihn Ran entführte zu Helas Todtenreich! Wärft du der deinen ficher, wir eilten ihm zu Hülfe gleich." — „Bir dürfen fie,” ſprach Eigel, „fich jelbft nicht anvertraun, Bir hätten fie verloren — da glaub ich was zu fchaun, Tort am fernften Rande des Meeres regt es fidh: Run jauchze, Bruder, jauchze: es iſt Wieland ficherlich
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12 „Mit feiner lichten Beute.“ Und als es näher kam, , Da war es wohl ein Wunder, tie laut man fie vernahm Den theuern Bruder grüßen mit Jubel und Gefang; _ Aus vollen Kehlen tünte des Willkomms fröhliher Klang. Auch Wieland fang entgegen ein ſchallend Siegeslied, Das ihre Freude mehrte, fie ganz von Eorge fchieb. Nun mögt ihr gern vernehmen was ber Nede ſprach, Als er mit feiner Bürde die Wellenihäume durchbrach: „Wohl feh ich mit Freuden mie euch das Glüd gelacht, Nicht ſchwer ift euch geworden, mich dünkt, die Mädchenjagd; Doch mir ergieng es anders, ich kam in große Noth: Nur durch ein ſichtlich Wunder entgieng ich drohendem Tod. „Nicht mocht ich ſie erreichen, die mir ſo wohl gefiel, Sie ſcherzte mit den Wellen, als wärs ein loſes Spiel; Zwar kam ich immer näher, und ſah ſie endlich "nah, Doch bei der Rieſenküſte in die Brandung fiel ich da. „Da. galt fein Widerftreben, ein Strubel faßte mid) Und trug den Unmäcdtigen, dem Sinn und Muth entwich, . sn, Rang unfelge Netze. ch ſah fie, fchilfgefrönt, Und hört! aud) ihre Stimme, bie heijer und übel tönt. „gu einer blauen Grotte zog e8 mich aus der Flut: Sie ſaß aufe dem Throne, der war roth wie Glutb, Ber Aegir ihrem Gatten. Er ſah mich an jo wild; Cie aber blickte gräjslih, ein ſchauerlich Angftgebild. e
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13 „Da ſchwammen ihre Töchter, neun Wellenmäbchen, her, Und trugen meine Flüchtige durch das empörte Meer. Darunter war eine, Wachild genannt, Die fah mich kaum von ferne, fo hatte mich ihr Blid erkannt. „Da ſprach fie zu den andern: „Mir, Schweitern, laßt dieß Paar, Dafür will id euch banken in Treuen immerdar, Ich werd euch gerne wieder mit Dienften unterthan.“ Des wurde fie gewähret von den Töchtern der blauen Ran. „Da zog fie ung beijeite zur Laube von Kryftall, Die zierten goldne Leiften und Latten überall, Korallenäfte liefen umber wie am Spalier; Eie fprad: „Mein Enkel Wieland, ich bielte gerne dich bier; „Doch weil id dulden müfte meiner Schweitern Spott Und du did aufwärts ſehneſt, fo ſchütze dich ein Gott: Ich werde dich geleiten und beine lichte Braut.“ Da ward mir unteriveges noch manch Geheimniſs vertraut. „Als wir das Licht des Himmels bier oben wieder ſahn, Da ſchied von uns die Tochter Aegird und der Ran. Sie gab an euch, ihr Brüder, mir holde Grüße mit; Wie fchnell ich nun mit diefer die blauen Wogen burchichnitt! „So dank ichs Wachilden, daß ich nicht ertranf; Doch laßt uns jebt nach) Haufe, dieweil ber Abend ſank: Ih fehne mich zu koſen ver fchönen Jungfrau Leib: Wie grimm fic fi geberbet, fie wird doch endlich mein Weib.” —
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14 „Das bin ich nicht gefonnen,” jo ſprach das Mägdelein, „Ich Schlafe wohl drei Sommer und Winter noch allein: Darauf im vierten Jahre fragt einmal wieder nad) Ob einen Mann ich brauche.” — Die andre begann und ſprach: „Mir ift aud in Treuen mein Magdthum nicht fo leid, Daß ich es Eigeln gönnte: vor dem wohl bleib ih Maid. —“ „Was ſchweigt unfre Schweſter,“ ſprach Jene, „doch fo fill? Was iſt wohl hier ergangen; daß ſie Helfrichens Minne will?“ — „An mir iſt nichts ergangen; mich heilte Helferich, Und bie es ihm zu danken geſonnen iſt, bin id). Nun folget meinem Beifpiel, es wird euch -nicht gereun. Sie ſahen eure Blöße: was habt ihr Schlimmres zu ſcheun? „Wenn euch der Gatte ſchaute, das iſt euch keine Schmach; Kein, ander Auge dürft es: ſeid klug und gebet nach! Die Ehe nur Tann heilen was hier verbrochen ift; Sie find auch Königsſöhne: fo ſchweigt und meidet den Zwiſt!“ „Das wird fi Alles finden,“ ſprach Wieland: „Ehejoch Sit Anfangs fchwer zu tragen, doch es erfreut euch noch. Daß ihr und nicht entflieget, verbürgt und eur Gewand: Das muß, fo ihrs nicht löſet, bei uns beftehen zu Pfand.“
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15 Zweites Abenteuer. Wer die Schildjungfrauen waren. Nun laßt uns Wielanden folgen in ſein Haus; Der ließ die ſchöne Beute nicht wieder hinaus. Doch dient' er ihr mit Liebe wohl einen Monat lang Bis er mit treuem Werben den ſtolzen Sinn ihr bezwang. Als er ſie nun gewonnen, wie minniglich ſie lag Bei dem ſtarken Recken bis an den lichten Tag! Wie der Leib der Seele, ſo ward der Mann ihr lieb, Der Schönen, die nun gerne bei dem kühnen Schmiede blieb. As fie fein Minnen lohnte und feinen Kufs vergalt, Wie werth warb auch dem Helden die leuchtende Geftalt! Er gelobte nie zu laßen die Hand, fo weiß wie Echnee, Und gedacht er an ein Scheiven, das that ihm inniglich weh. „Um Eins muß ich dich bitten,” fo ſprach die Königin, „Und folge ftäts dem Rathe, fo lieb ich dir bin: Halte wohl verfchloßen mein feberreich Gewand Und [af es nimmer wieder geratben mir in die Hand.
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16 „Ich müfte nicht zu zügeln, geſchäh es je, die Luft Den reinen Hauch zu fchlürfen des Himmels in die Bruft: Mer einmal in den Lüften fo felig fich geiviegt, Der mag es nie vergeßen, wie ſchön es droben -fich fliegt. v „Sp lieb du mir geworden ſeit ich mich fo bedacht, Sch müfte wieder prüfen der lichten Echwingen Macht: Per weiß, ob dann mein Auge dich jemals noch erfchaut! Wir find uns, ahn ich ſchmerzlich, noch nicht auf ewig getraut. „Bon meinem Finger ziehe dir diefen Goldring ab, Den ala ich ward geboren mir eine Norne gab: Bon Liebe wird entzündet mer jemals ihn erfieht, Er kann nicht von der Stelle, wie gern er anders auch flieht. „Ich möchte frei erwerben deines Herzens Gunſt, Sie keinem Stein verdanken noch zauberiſcher Kunſt; Und ſo mir je erwachte des Fliegens mächtger Trieb Beim Anblick des Gefieders, ſo blieb' ich dieſem Ring zu Lieb. „Denn noch ein andrer Zauber iſt ſeinem Stein vertraut: Durch ihn fügt meinen Gliedern ſich die Schwanenhaut, Bis ich mich ganz verwandle. Und hätt ich auch das Kleid Und darbte des Ringes, ich flöge wohl nicht ſpannenweit.“ „Nun fage mir, Geliebte,“ fiel ihr Wieland ein, „Haben deine Schweftern denn auch ſolchen Stein?" Sie ſprach: „Auch ihnen wurde der Schwanenring geichentt, Doch nur zum Verwandeln, nicht daß man ihrer gebentt.
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17 „Gieb mir den Ring,” ſprach Wieland, „dir ift fein Zauber Noth, An dir muß ich doch bangen mit Bangen bis zum Tob: An Liebreiz einzubüßen wär dir vergebne Angft, - Wie du in der Fülle der Schönheit leuchteft und prangft. „So ſah ih nie am Himmel glänzen ein Geftirn, . Von Anmuth ftralt die Wange, Hoheit blidt die Stimm, Im Auge laujcht ein Schüße, der nach den Herzen zielt, Bon Reiz unwiderſtehlich wird Kinn und Mund dir umfpielt., „Das Haar, dad von dem Scheitel zur Sohle nieberrollt, Wie Eonnenftralen gleißend, ift Har gefponnen Gold; Weißer als Echnee der Bufen, der Naden, all der Leib: Wie möcht ich von dir laßen, du allerherrlichites Weib! „Du bift fo ſchön geſchaffen, o Wunder, Glied für Glied, Der dich bilden konnte, das war ein weiſer Schmied! So dacht ich einft zu gießen Idunens Götterbild, Und Gefions, deren Bliden der Unſchuld Zauber entquillt. „Run aber laß mich wißen, tie feid ihr genannt, Zu und beine Schweitern? das ift mir unbefannt; Der Bater, der dich zeugte, die Mutter," die dich trug? Nie nahmt ihr Schildmägde zu diefem Strande den Flug?” — Ich will dir Alles fagen, jo viel mir ſelbſt bewuſt: Uns fäugte Gunhilde an reiner Mutterbruft, König Iſangs Tochter von Shetland und von Far; Sie wollt uns nie vertrauen, Wer unfer Erzeuger war. Timrod, das Amelungenlied. 1. 2
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18 „D hätte fie ihm felber doch nie darum gefragt! Uns ward von weifen Leuten die Kunde wohl gejagt: Der Lichtelfenlönig mar es von Alfenheim; Der z0g, als fie ihn fragte, zur blauenden Lichtwelt heim. „Drei Eilande liegen weſtlich in ber See, Mir wird, fo michs gemahnet, nad) meiner Heimat weh: Sie heißen wohl die heimlichen, denn heimlich ift es ba, Auch mag fein Schiff fie finden, fein Lootſe je fie erfah. „Dahin hatt unfre Mutter der König einft entführt, - Bon minnigliher Schöne und ſüßer Huld gerührt. Da wohnten fie in Frieden bis an das vierte Jahr, Derweil fie ihm drei Töchter, mich und bie Schmweftern, gebar. „Dich erftgeborne hießen die Eltern Elfenweiß, Und Echneeweiß die andere, die Eigel pflegt mit Fleiß; "Die dritte, Helfrichs Beute, ward Schwanenmweiß genannt: Nun ift dir unfer Name tie unjre Herkunft befannt. „Am Abend ward der Elfe ein Schwan jo weiß wie Schnee, Und fchwang fi), o Wonne! zu blauer Lüfte See: So kamen aud die Töchter in einem Ei zur Welt, Und immer war aufs Fliegen ihr hkindiſcher Sinn geftellt. „Doch weil fid) das Gefieder uns fügt und wieder löſt, So raubt' e3 uns die Mutter: Furcht war ihr eingeflößt, Mir möchten ihr entfliegen und kehren nimmermebr: So trippelt wohl die Henne am Waßer ängftlih umber,
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. 19 „Worin die Entlein ſchwimmen, die fie gebrütet bat: Nie gab die Sorgenvolle dem Wunfcd der Töchter Statt. Mobl neue Flügel wuchſen uns jedes fiebte Jahr Und neue Schwanenfleider: die raubte fie und immerbar. „Doch ale vom Heimatlande ſchwere Zeitung kam, Daß fie ihres Vaters morblichen Tod vernahm, Den Neiding ſchlug, der König des Niarenlanbs, Da vergaß fie ihres Bangens und entglühte von Rachluſt ganz. „Was hab ich,“ rief fie zornig, „mir keinen Sohn gezeugt Und nur an biefen Brüften drei Mädchen aufgefäugt! Doch auf, beſchwingte Töchter, nun ift® zu fliegen Zeit, Ihr follt Walküren werden und Helden Tiefen im Etreit; „„Und welchen ihr erloren, dem fällt das Todeslooß: Rächet mir den Vater, die Unthat tft zu groß. Tiefer König Neiding bezwingt mit feinem Schwert Noch alle Königreiche: der Frevel ift rächenswerth.“ „Da gab fie ung die Kleider und fanbt uns in den Krieg. Wohl haben wir erfochten manchen blutgen Sieg: Dreißig Reden lagen vor unfjern Händen tobt; Noch ſchien uns nicht erfüllet der grimmen Mutter Gebot, „Doch Schwanweiß ward verwundet von König Neidings Gper, Dem fie die Beften fällte: da hielten wir nicht mehr. Run Batten wir vernommen von dieſem Meeresftrand, Daß er die Wunden heile: fo flogen wir euch ind Lant.
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0 u. „Das Andre weit du felber.” So ſprach das ſchöne Weib; Mit holden Küſſen Tofte fie Wielandens Leib: „Run bin ich die beine und will e8 immer jein; Gott tröfte jo verlaßen die forgende Mutter mein.“ Auch Eigel, der Schüße, war feiner Schwanenmagd Gemahl und Herr geworben eb oft das Licht getagt; Helferich der junge war Schwanweißens froh: In hoben Freuden lebten die kunftreichen Brüber fo. Das währte drei Jahre. Derweil hatt Elfenmweiß Ein Knäblein gewonnen und aufgefäugt mit Yleiß: Wittich von der Aue, fo warb das Kind genannt Nach jenem grünen Werder, auf dem er die Kleider fand. Auch Schneeweiß inzwiſchen trug Eigeln einen Sohn, Iſang geheißen, dem diente Wort und Ton, Mit Liedern mocht er kürzen den allerlängſten Tag; Schwanweiß blieb unfruchtbar, ſo viel ich noch erkunden mag. Wieland war in Sorgen, er verlör einmal Das Herz ſeiner Seele, ſein leuchtend Gemahl. Laſtend auf dem Herzen lag ihm wie ein Stein Ihr Wort, daß ſie nicht ewig ſich verbunden ſollten ſein. Wenn er daran gedachte, das ſchuf ihm Herzeleid. Zwar hatt er ſchlau verborgen ihr blankes Federkleid, Doch bangt' er, fie erkunde den ihm erkornen Platz: So hütet wohl ein Geiziger mit Zittern goldigen Schatz,
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Den er wohlverborgen bewahrt am fihern Drt: Nachts fährt er aus dem Schlafe, mähnend er ſei fort; Er trägt ibn bin und wieder bis er fich ſelbſt verräth, Wenn ein Dieb, ein fchlauer, fein ängftliches Thun erfpäht. So mit dem Yluggewande trieb es Wieland lang: Doch war ihm um den Golbring das Herz nicht minder bang. Wohl dacht er ihrer Rebe: und habe ſie das Kleid, Und darbe noch des Ringes, fie flöge damit nicht weit. Tiefen Ring zu hüten war er darum bebadıt: Er mocht ihn nie am Finger tragen in der Nacht, Daß er ihm von der Schönen nicht würd im Schlaf entiwandt; Nun böret, was der Degen für ſeltſame Lift erfand: Er machte fiebenhundert Ringe jenem gleich, Nicht Gleichres war zu Schauen auf allem Erdenreich: Da mochte Niemand fondern ven Erften aus der Zahl; - Er felder.nur erfannt ihn an einem heimlichen Mal. Run wähnt’ er fi) geborgen, als der Schwanenring Bei jo viel hundert andern an einem Bafte bieng. Doch zählt’ er feine Ringe mit Fleiß allabendlich, Ob ihm nicht einer fehle: fo ſchützte der Degen fidh. .— = m 07
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2 Drittes Abentener. Wie fie überfallen und beraubt wurden. Das erfuhr Neiding, der Niaren Troft, Ueber feiner Helden Tod grimmig erboft, - Die Walfüren fein den Brüdern anvermäßlt; Da wurden Spereifen und Panzer in der Gluth geftählt. Wohl hatt er aud vernommen überall im Land, Wie gut Geſchmeide ſchmiede Wielandes Hand: Da gedacht er zu entführen ven kunſtreichen Schmied, Der Erz im Ofen fchmelzte und dag Gold von der Schlade ſchied. d Bei Nacht fuhren Männer und lenkten den Kiel, Sie führte Gram, der Marſchall, ſtarker Helden viel; Auch war des Königs Tochter, Bathilde, bei dem Zug. Mit ihren Jungfrauen; die waren minniglic genug. Beim Wolfsſchießen waren Wieland und fein Gemahl. Die Jungfraun erftiegen die Staffel zu dem Saal; Der edeln Königstochter mar mancher Zauber fund: Da ftand all ihr Gemüthe nach eines Kleinodes Fund.
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23 Mit drei guten Echlößern verfperrt war die Thür; Eine Epringwurzel bielt Bathild dafür, Und wie das dritte rühret die zauberlundge Maid, Ta gebt fie in den Angeln und öffnet. fi flügelweit. Da giengen zu der Halle die Jungfrauen werth. Im Grunde war die Schmiede. Genüber dem Heerd, Aufgezogen hiengen die Ringe da am Balt, Volle fieben hundert, edle Steine drein gefaßt. Man zog fie von dem Bafte und ließ fie wieder dran, Alle bis auf einen, zen Bathild gewann. Durch ihre Zaubergaben warb ihr der rechte Fund: Wie freute da die Jungfrau bes erwünſchten Kleinodes Fund! Da ſchlichen fie fich heimlich wieder in ihr Belt. Rah einer Weile kehrte Wieland der Held Mit Elfenweiß der lichten müde von der Jagd: Eie waren fpät geritten und tief ſchon wars in der Nacht. Was foll der Braden Kläffen, ver Eule Nachtgekreiſch? Elfweiß gieng zum Heerde und briet der Bärin Fleiſch. Hoch brann überm Neificht der dürren Führe Kraft; Run aßen fie und tranken des Meths beraufchenden Saft. Ta zählte feine Ringe der forgende Mann: Er zählte fiebenhundert, doch einer fehlte dran. Er zählte fie von Neuem, nun fchien ihm voll die Zahl; Da zählt’ er zum dritten und zählte zum vierten Mal.
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Und immer war es anders. Den Helden bes verdroß: „Su hoch hat mich geworfen Schimming heut mein Roſs In feinem Uebermuthe: mir fällt das Auge zu: Ich will fie morgen zählen: komm Elfmweiß, gehn wir zur Ruh.” Man fol nichts verfchieben auf den andern Tag. Als der kühne Degen im tiefen Schlafe lag, Da raunt' e3: „Tödtet Alles, nur Wielanden ſchont.“ Draußen blinkten Schilde wider den gefchnittnen Mond. Auf that fi) die Thüre, ein drang der Waffen Echein, Freudenlos erwachte, der forgend fchlief ein. Die Hänbe fih gebunden merkt er mit ftarfem Band, Merkt fih um die Füße die ſchwere Feßel geipannt. Sie führten ihn gefangen in des Marſchalls Zelt. Da ſprach in hohem Troße Wieland der Helb: „er bift du, Uebermütbiger? In welchen Königs Bann? Wie wagt du bier zu Inechten den freigeborenen Mann? „Erfahrens meine Brüder, fo wird es ſchwer gerächt.“ — „Run böret,” ſprach der Marſchall, „mes ſich der Wurm erfrecht! Bon deiner Brüder Höfen kräht ſchon der rothe Hahn; Ihr Neſt war ausgeflogen, doc hoff ich, wird man fie fahn. „Dir wird auf deine Fragen feine Antivort bier; Nun aber ift die Neibe zu fragen an mir: Wo erwirbft du, Elfenfönig, des Goldes rothen Glanz Zu deinen Goldringen, als in den Bergen unfres Lands?“
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„Richt weiß ich,“ Tpradh der Degen, „ivo eure Berge find: Wenn man auf feine Fragen bier nicht Beicheid gewinnt, Eo kann ich auch die euein nur felten wohl verftehn: Run Löfet mir die Bande und laßt mich ungefährbet gehn.“ — „Erit muft du uns fagen, in weflen Grund du gräbft, Wenn aus dem Schooß der Erden die goldnen Schätze hebit? Es find fo viel der Werke, die du gefchmiebet haft, Dan könnte Schiffe füllen mit der Goldgefäße Laft.“ Er wollt es nicht verrathen und Sprach mit falſchem Mund: „Ro ich mein Gold geivinne, thu ich dir gerne fund: Ich waſch es aus dem Fluße, der durchs Wolfsthal fließt Und unfern unjern Höfen -breit in das Meer fich ergießt. „Auf jener Berge Spiten, wo feine Duelle fpringt, Da weilet $reyja gerne, wenn fie mit Sehnſucht ringt; Ro tofend in die Tiefe fich ftürzt der Waßer Stral, Da figt fie oft und mweinet um den entflohnen Gemahl. „Du weift, eg ward Iduna von Loken einſt entführt: Da bat auch Asgards Götter die Hand ber Zeit berührt, Ihnen ſchwand die Jugendfriſche, fie wurden grau und alt, Es wich der Zauber felber von Freyjas holder Geftalt. „Da ftahl von ihrer Seite fi) Odur und entfloh, Sie ſucht' ihn in der Weite und ward nicht wieder froh: Jduna kam zurüde, die Ajen wurden jung, Yon Bragas Harfe flogen bie Lieder mit eritem Schwung;
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26 „Doch Odur Tehrt- nicht wieder, fein Auge fah ihn mehr. Darüber trauert Freyja, das Herz ift ihr fo ſchwer; Die Thränen, die fie weinet, find gebiegnes Gold: Das wird ung von den Fluten ins Thal hernieber gerollt. „Daraus bab ich geſchmiedet fo manches Kleinod, Viel Ringe, Spangen, Becher, Gefäße goldesroth.“ - Da rief in hohem Zorne Gram: „Das leugft du, Wicht, Mit ſolchen Ammenmärchen bethörſt du Helden uns nicht. „Und würd auch aus ven Wellen gewaſchen all das Gold, So haben dir die Berge das Silber doch gezollt; Woher haft bu das Eifen, das von den Schilven ſcheint? Das hat um- feinen Hammer wohl Thor der Aſe gemeint?” „Ich könnt euch auch befcheiden, woher das Silber fommt, Das Erz und das Eifen; doch weils zu gar nichts frommt, Und ihr nicht -glauben wollet, jo laß ichs Lieber fein.“ — „Wir bringen dich zum Reben,“ fiel Gram ihm fpöttifch batein; „Du follft uns felber ſchmieden die Folter, die dich zwingt, In unfres Königs Landen. Derweil, ihr Reden, bringt Den Starrhals zu den Schiffen.“ Da führten fie ihn hin, ALS Schon der Morgen röthlich die nahen Berge beichien. Der Weg gieng vorüber an Wielandens Haus; An der Staffel vor dem Saale, da fah er, welchen Graus! Im rothen Blute ſchwimmend fein leuchtend Gemahl Und Wittich den kleinen in der Bruſt den tödtlichen Stahl.
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27 Als Wieland das gewahrte, den Augen traut’ er’ Taum, Er gedachte fie zu reiben, als führ er aus dem Traum: Das wehrten ihm die Bande. Wie zornig ward ber Helb! ' Er zudte fie im Grimme: da war das Eifen zerfchellt. Roc fühlt er um die Füße die Feßel gefpannt: Mit einem zorngen Nude, da lag aud fie im Sand. Run riß er aus der Scheide dem nächſten Mann das Schwert Und bieb fein Haupt vom Rumpfe, wie wenn ein Blig niederfährt. Tem zweiten und dem britten ſchlug er fo fchnellen Schlag Mitten durch die Weichen, daß er in Stüden Ing: Ben er erlangen mochte, der mwälzte fich im Blut; Ihm wuchs mit jedem Hiebe die wilde Verſerkerwuth. SeinAthem hauchte Flammen, daß Erz und Eifen ſchmolz; Richt Schild noch Harniſch troßte dem kühnen Schmiede ftolz: Zufammen war gefchweißet der Panzer mit dem Mann Bei dem erften Streiche, den er von Wieland gewann. So viele ſtreckt' er nieber, ich weiß nicht ihre Zahl, To mächtig hallte wieder der Bergwald und das Thal;. ‚Die es ſahn und hörten liefen nad) dem Meer: So treibt ein wüthger Eher eine Koppel Hunde vor fich her. Rod immer wuchs dem Degen der ungefüge Horn: Treimal aus allen Kräften ftieß er in ein Horn ‘Tas raubt er einem Todten), mächtig war fein Schall: Ta ftürgten feine Anechte von den Höhen überall,
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28 Wohin fie fich geflüchtet, berbei ein breites Heer; Auch feine Brüder führten viel ftarfe Männer ber Und fchlugen auf die Feinde: vie flohen nad der See. Da geihab am lieben Freunde viel ſchönen Jungfrauen weh. Nach welchem Eigel zielte, den bürftete nicht mehr. Seiner Kunft gedachte Helferich nicht Fehr: Er fchlug die Wunden felber, die er fonft verband; Do that die gröften Wunder des grimmen Wielandes Hand. Der raf'te jo und tobte, daß ihm der Sinn entwich, Auf die Feinde klobte fein Hammer fürchterlich. Men er zum Amboß wählte, ver hieß des Todes Kind, Entrinnen mocht ihm Niemand, er war ſo ſchnell wie der Wind. Der Marſchall in Aengſten den Weg zum Boote nahm Mit der Königstochter. Daß ihm der entkam Und nach dem Schiff gelangte, wie Mancher des entgalt! Da riß er aus der Erde mit ſtarken Armes Gewalt Einen mächtgen Eichbaum und ſtieß ihn an die Flut; Die Aeſte brach er nieder, zwei hohle Ruder gut Hatt er bald gezimmert und eine Stange lang. Als er den Stamm zu höhlen die ſchnelle Waffe nun ſchwang, Da kamen ſeine Brüder und wunderten ſich ſehr, Daß er verfolgen wolle den Marſchall über Meer Allein in einem Nahen. Er hörte nicht noch ſah, Den Brüdern jelber bräute Wieland der Schredliche da.
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29 - Sie mochten nicht ertragen feines Zornblicks Macht: Da ließen fie ihn böhlen und zimmern bis zur Nacht. Als die dem Werke wehrte, hinſank er und entfchlief, Bis ihn des Morgens Schimmer zu neuer Arbeit berief.
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30 Biertes Abentener. Die Wieland zu König Neiding kam. Das mwährte bis Mittag und fertig war der Kahn. Noch hatt-er nicht erwogen in feines Zornes Wahn, - Daß er nicht wißen möge, in melches fremde Land Sein Feind fei beimgefahren, noch wer ihn babe gefandt. Nun er das bedachte, das ſchuf ihm neues Leid. In Sinnen ftand verloren der Degen lange Zeit: Er bewegte leiö die Lippen, es ſchien, ihm ſei genabt Unfichtbar ein Elfe, mit dem er gehe zu Rath. Als er aus der Verzüdung wieder zu fich fam, Die Ruder und die Stange der ftarfe Degen nahm, Zerbrach fie auf den Knieen und warf fie in die Flut; So that er auch dem Steuer und der Segelftange gut. Dann wölbt' er eine Dede über den Nachen hin, Daß er aufgeichloßen eine Mufchelfchale jchien. Auch ſchnitt er Luftlöcher in das Dach hinein, Daß er nicht ganz entbehre der Sonne lieblichen Schein.
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31 Tie Fenſterlücken waren mit Gläſern wohl verwahrt, Tie fonnt er wegfchteben, wenn er auf der Fahrt Friſcher Luft beburfte: wenn er fie wieder fchloß, Ep wehrten fie der Welle, daß ihn kein Tropfen begof. Wo zu den Neften bünner hinauf lief ver Baum, Füllt' er mit feinem Werkzeug, mit Hab und Gut den Raum, Und an das didre Ende des Stammes legt’ er Flug Des Trankes und der Speife für viele Tage genug. Zu fi ing Mittel ftellt! er Schimming fein treues Roſs: Tas mufte nieverliegen, wenn er den Nachen ſchloß. Ten ſah er jetzo fertig endlich vor fich ftehn; Doch eh er felbft hineinfuhr, begann er alfo zu flehn: „Die Seeroſſe reiteft und |porneft zur Wuth, Die du vertraulich gleiteft auf der geftillten Flut, Die mich ſchon einmal rettete, Wachilve, hör mich an: In deine Hut befehl ih mich und ben fteuerlofen Kahn. „Er weiß nicht, welchem Lande die Seereiſe gilt, Auch lehrt es ihn Fein Segel, das im Winde fchwillt; Doch bift du deinem Enkel geiwogen, fo befiebl Und deine Wellen tragen ihn an das unbefannte Biel.” So fpradh er und fchlüpfte unter das Dach gemandt. Tas Fahrzeug lag am Meere noch ferne von dem Strand: Ta bewegte ſich im Stamme fo lang der Degen gut, Bis er hinabgeſchaukelt allmählich glitt in die Flut.
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32 Die trug ihn leiſe fpülend aufs hohe Meer hinaus. Der Wellenmäbchen Eine verließ ihr feuchtes Haus, Saß auf ded Kahnes Dede und lockte mit Gejang | Aus blauem Grund die Niren, die ihre Schönheit bezwang. Die glihen Menfchen oben und fchienen unten Fiſch; Sie fpielten um die Flanken des Kahnes buhleriſch Und gaben ihm die Nichte nach ihrer Herrin Sinn: So glitt er ungefährbet im Geleit der Nire dahin. Wohl drangen auch die Lieder zu Wieland binab, Der unbeweglich ruhte, als wärs in feinem Grab: Den Tönen, wie fie ſchwollen, lauſcht' er ſtill entzüdt, Wie von dem zaubernollen Gefang zu Odin entrüdt. Er ſah die emge Schöne Wallballas unverhüllt, Was Skalden je gefungen, das fand er bier erfüllt. Er faß beim Göttermale mit felger Helden Schar, ‘hm reicht! aus goldner Schale den Apfel Iduna dar. Durch fünfhundert Thore und vierzig fah er hold Agards Paläfte Schimmern in Silber und in Gold, Darauf in Glaſors Haine fchauf’ er der Güte Bild, Den fchönften der Aſen, Gott Balbur, heiter und mild. So in felgen Träumen ſchwelgt' er Tag und Nadıt, Bis er am britten Morgen verwandelt auferwacht. Er konnte nicht mehr finden den Eporn der Radheluft, Um Elfweiß die lichte den milden Schmerz in feiner Bruft.
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33 Hat ibm das Wellenmädchen mit Eingen das getban, Oder der Aſen Einer, bie feine Augen jahn? Cr fühlt! auch neuer Minne geheimnij3vollen Zug; War das des Ringes Wirkung, ben Bathild am Finger trug? Ter Kahn war unterweilen an einen fernen Etrand Durch Nirenkraft getrieben, wo ihn ein Fiſcher fand: Der wollte Fiſche fangen für feines Könige Tiſch, Und als er zog die Nebe, da fieng er nicht einen Fiſch; Er fimg hochverwundert einen ſchweren Eichenftamm, Wie ein Kahn geftaltet, der tief im Waßer ſchwamm. Er zog ihn an das Ufer und ſah ihn an genau, Ta füllt’ ihn mit Staunen des Schiffleins künſtlicher Bau. Tas Dach war wohl gezimmert und wunderbar geſchnitzt: „Run ſoll mich doch wundern, was in dem Dinge fitzt? Es iſt was drin verborgen, wie wär es ſonſt ſo ſchwer?“ Da lief er zu dem König und bracht ihm die Wundermär: „Ich wollte Fiſche fangen, Herr, für euern Tiſch, Und als ich zog die Netze, da fieng ich keinen Fiſch, Ich fieng hochverwundert einen ſchweren Eichenſtamm, Wie ein Kahn geſtaltet, der tief in den Wellen ſchwamm. Ich zog ihn an das Ufer und ſah ihn an genau, Ca füllte mich mit Etaunen des Schiffleins Wunderbau ; Tarauf liegt eine Dede, die ift fo ſchön gefchnigt: Run möcht ich gerne wißen, mas in dem Dinge wohl fit? Zimred, das Amelungenlieb. 1. 3
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‘ 34 — —— — — — — — „Es iſt was drin verborgen: wie wär es ſonſt fo ſchwer? Auch ſorgt' ihn wohl zu wahren, der ihn ſtieß ins Meer. Wenn ihr nun zu dem Strande mitzugehn geruht, Wir wollen bald erkunden, was uns beſcherte die Flut.“ Des war der König willig: ſie giengen beide hin. Da fanden ſie die Eiche, die ein Schifflein ſchien. Den Inhalt zu erkunden hieb nach des Herrn Gebot Der Fifcher auf die Flanken; davon fam Wieland in Noth. Er rief aus Leibesträften: „Halt da, haltet ein? Ich will von innen öffnen, von außen kanns nicht fein.” Als das der Schiffer hörte und wer da bei ihm ftand, Erfchroden liefen Alle gar weit hinweg von dem Strand. Der Schiffer aus der Yerne rief dem König zu: „Begebt eudy heim, Herr König, und laßt den Kahn in Ruh! Das rath ich euch in Treuen: ein Kobold figt darin, Und kommt er ausgefahren, des habt ihr übeln Gewinn.“ Da that ſich auf die Dede und Wieland gieng hervor. Da ſprach er zu dem Könige: „Was bangt vor mir der Thor! Sc bin ein Menich geboren, Fein Kobold oder Troll; Und wenn ich euch, Herr König, ing Künftige dienen ſoll, „Sp geruht ein Wort zu ſprechen und gebt mir Sicherheit Des Leben? und. des Gutes; ich jteh euch gern bereit,“ Da ſprach der König Neiding: „Was fannft du denn für Kunſt, Damit dir zu verdienen eines großen Könige Gunſt?“
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35 Da verfegte Wieland, er mar gewandt und Hug: „sch habe viel Erfahren und Kunft gelernt genug; Jedoch von allen Künften, die ich mir je geivann, . Iſts die Kunft des Gehorfams, die ih am gründlichiten kann. „Defeblt mir, was ihr wollet, es wird gewiſs vollbracht: Wenn ihr dann Beifall zollet und ich es wohl gemacht, So will id eure Gnade und meiter nichts zum Lohn.“ Ta gefiel Neivingen der Ran und Aegirs Entelfohn. AU fein Gehaben und Weſen deucht ihn gut Und wie er hergeſchwommen tar auf der grünen Flut In dem Wunderlahne, der ihm fo ſeltſam ſchien: Da ward ihm feines Lebens und Gutes Eicherheit verliehn. Ta ſprach der ſtolze König: „Wie bift du genannt?” Und Wieland gab zur Antwort: „Sch heiße Golbbrand Und Goldhart hieß mein Bater, wenn ihr nad) dem auch fragt.“ „Wohlan,“ ſprach der König, „mit dir fo fei es gewagt. „Da du gehorchen lernteft, ſollſt bu mein Diener fein: Ein Amt will ich dir geben, zwar für ven Anfang klein, To wenn du's wohl verfieheft und zuverläßig ſcheinſt, Magſt du zu hohen Ehren bei mir gebeihen bereinft. .E3 liegen ſtäts drei Meßer vor mir auf dem Tifch, Vomit der König theilet Brot, Fleiſch und Fiſch im Greln feines Hofes: die drei Meßer ſcharf Eolit du mir bewahren, fo oft ich ihrer bebarf.
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36 Das fei dein Dienft bei Hofe, du trittft ihn heut noch an.” Da neigte fi) dem König der vielgewandte Mann. So freute des Empfanges der werthe Degen fich, Daß gar aus feinem Herzen ber Rachgier Zürnen entwich. Auch mwuft er nicht, daß Neiding das Leid ihm angethan, Das er zu rächen dachte, ba er beftieg den Kahn; Hernady ala er3 erfannte, wie grimmig rächt' er das! Jetzt inte er Gunst im Herzen und nichts von feindlichem Haß. Er jann nur wie er lebte nach des Herrn Gebot Und hätt ihm gern getreulich gedient bis in den Tod: „Wie fol ich nun verbergen mein Werkzeug und mein Gold? Wenn ich der Meßer warte, fo wirb ber König mir bolb. „Bas Schmieden muß ich lafen, das kann für jetzt nicht fein.“ Da barg er in der Erde des Goldes rothen Schein Und all fein Werkgeräthe, dazu den Eichenftamm, Das getreue Schifflein, auf dem er die Flut durchſchwamm. Das that er alles heimlich, allein bei ftiller Nacht: Daß es Wer erfpähe, er hätt es nicht gedacht; Doch ſah's der Ritter Einer, der Reigin war genannt: Wozu es diefem nützte, das wird euch Fünftig befannt.
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37 Fünftes Abenteuer. Bon der Wette mit Amiliag dem Schmiede. Run diente Wieland fleifig an Konig Neidings Tifch. Ta war auch Bathilde, die ſchenkte zauberifch Alen die fie fahen der Minne ſüßes Gift: Tie Königstochter freute, daß fie nach Wolfsthal war geichifft. Auh Wieland muft empfinden des Ringes Zaubermadit. Immer tiefer ſchwinden in des Vergeßens Nacht Eah er von Tag zu Tage der lichten Elfweiß Bild: Rah der war feine Klage und fein Verlangen geftillt. Bathilde war fein Sinnen, fein Denken immerbar, Richt ahnt’ er, daß fein Minnen des Steines Wirkung war. Er gedachte hoher Ahnen von Urpäterzeit: Wohl getraut’ er zu eriwerben eine königliche Maid. Tie Liebe zu der Schönen nahm alle Tage zu, Er mufte fi) gewöhnen an Nächte fonder Ruh. Lie oft du ihm in Träumen, Sauberin, erfchienft! Ta galt es, nicht zu fäumen in feines Königes Dienft.
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38 Dod) geichah es eines Tages, als an des Meeres Flut Der Degen mar. gegangen, um die drei Meßer gut Zu fpülen und zu waſchen, daß Eines ihm entfiel; Er wollt es noch erhaſchen behende bei ſeinem Stiel, Da hatt es ſchon die Welle zu weit hinweg geführt. Die Strömung gieng ſo ſchnelle, hätt er ſich gleich gerührt Und wär hineingeſprungen, vielleicht würd es ereilt; Doch hatt er ſich im Schrecken nun ſchon zu lange verweilt. Das ſchuf dem Degen Kummer und großer Sorge Noth: Den Hofdienſt einzubüßen ſah er ſich bedroht: „Er wird dich gleich verjagen, wenn er das Meßer miſst, Und kannſt du anders fügen, als daß es recht und billig ift? „Er dachte dich zu prüfen in diefem kleinen Dienft, Dir Größres zu vertrauen, wenn du ihm würdig fchienft; Nun haft du im Geringen fo übel. dich bewährt, - Daß er zu höhern Dingen deiner Dienfte gern entbehrt. „Jetzt wird er mich beichämen vor Ihrem Angeficht: Sie muß des Thoren jpotten; die Schmach ertrag ich nicht! Was hilft mir nun mein Schmieden, was aller Ziverge Kunſt? Kann fie mich nicht erhalten in meines Königes Gunft.“ Nun war ein Schmied am Hofe, Amilias genannt, Aller Echmiede befter in König Neivings Land, Der ſchmiedete dem König in Eifen und in Stahl Die Meßer und die Schwerter und was er immer befahl.
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Da gieng zu dieſem Schmiede Wieland insgeheim; Doch ihn und die Geſellen traf er nicht daheim. Sie waren ſchon zum Imbiß gegangen alleſammt; Doch fand er an der Eſſe noch friſch das Feuer entflammt; Auch ſah er zum Gebrauche das Werkgeräth bereit: Er ſetzte ſich zu ſchmieden und ſchuf in kurzer Zeit Für das verlorne Meßer ein neues, jenem gleich, Und nie ſchnitt eines beßer in aller Könige Reich. Noch ſchuf er einen Nagel, dreikantig, ſcharf und ſpitz, An dem zu Schanden würde der beſten Schmiede Witz; Den legt' er ihm zum Zeichen auf den Amboß hin. Das Alles war geſchmiedet, bevor zum Imbiß erſchien Cd Ter König mit den Edeln und mit Amilias, Ter an des Königs Tiiche zu allerunterft aß. Ter König ließ ſich nieder: da dient' ihm Wieland auch Als wäre nichts gejchehen nad) feines Amtes Gebrauch Und legte ſeine Meßer vor den Gebieter hin. Der König nahm das eine, das ihm am ſchärfſten ſchien Und ſchnitt auf ſeinem Teller ein Semmelbrot entzwei. Der Teller war von Silber: da vernahm man einen Schrei, Das war des Tellers Schrillen, durch den das Meßer glitt: Es fuhr durch Brot und Teller mit einmal und zerſchnitt Tas Tiſchtuch und die Tafel, ſo weit es auf ſie fiel. Das wunderte den König, er nahm das Meßer beim Stiel
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40 Und ließ den Finger gleiten auf feiner Fläche bin. Da ſprach der König Neiving: „So alt ih au bin, Ich jah doch nie ein Meßer, das beßer war als dieß.“ Da fragt er Goldbranden (es war Wieland der fo hieß): „Wer ſchuf wohl dieß Geſchmeide? Es ift fo grimmig ſcharf, Daß ich mich ſeiner Schneide nicht näher wagen darf; Es miſst von feinem Finger Niemand gern ein Glied.“ — „Wer wirds gefchmiebet haben?” ſprach Wieland, „als euer Schmied, „Der euch Alles fchmiedet, mas ihr ſchmieden laßt, Die Schwerter und die Schilde, ber ſchweren Panzer Laſt.“ Als an des Tifches Ende Amilias vernahm Was fie da oben ſprachen, da erhob er ſich und kam Hinauf zu dem Könige, verneigte ſich und ſprach: „sch Ichmiebete das Meßer, das durch den Teller brach, Co wie die andern alle, die bier find, groß und Klein: E3 darf an euerm Hofe fein anbres Gefchmeibe fein. „Ich babe ſtäts gejchmiedet in Eifen und in Stahl Die Meßer und die Schwerter und was man mir befahl: Es hat wohl dreißig Schlachten geivonnen eure Hand Mit den guten Waffen, bie meine Kunft hier erfand.“ Da zürnte König Neiding, er fprach mit ftolem- Muth: „Wohl nie fam eine Klinge aus beiner Hand fo gut: Läg es an deinem Schmieden, ich verlöre jeve Echladht; Wer auch der Schmied geweſen, du haft e8 nimmer gemacht.”
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Da wandte ſich der König zu Wielanden hin, Der ihm ſinnbegabter und kunſtfertig ſchien: „Nun ſage mir, Goldbrand, warſt Du nicht der Schmied? Du magſt es frei geſtehen, es krümmt dir wahrlich kein Glied.“ Die Wahrheit zu bekennen ſchien ihm noch zu gewagt: „Es wird wohl ſein, Herr König, wie euer Meiſter ſagt, Er hat es wohl geſchaffen, der Alles ſchafft für euch.“ Doch wieder ſprach der König: „Dazu bat Der nicht das Zeuch. „Und willft du mich belügen, fo haft du meinen Zorm Und muft den Hof vermeiden: das fer der Wahrheit Sporn.“ — „Euern Zorn will ich nicht haben, das Meer wärs nicht werth; Leid ift mir, meiner Treuen, daß ihrs zu wißen begehrt.” Da geftand er, wie beim MWafchen das Meßer ihm entfiel Und wie erö noch zu haſchen gedachte bei dem Stiel, Vie er darauf ein Andres gefchmiebet, jenem gleich, Das mit dem Brot den Teller zerjchnitt und ben Tiſch zugleich. Ta ſprach der König Reiding: „Das hatt ich mir gebadit, Taf ein fo gutes Meßer Amilias nicht gemacht: Ein Beßres fah ich nimmer in aller Konge Reich; Auch ift kein Schmied, ich wähne, dir an Gefchiclichkeit gleich. „Aud Wieland nicht, der Meifter, von dem bie Welt fo voll. Cft bat mich gereuet, daß ich nicht haben foll , Den Schmied an meinem Hofe, der für den beften gilt: Run ich dich beſitze, ſo iſt all mein Kummer geftillt.“
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, 42 Nicht Länger mochte ſchweigen Amilias der Schmied; Er ſprach beſcheidne Worte, wie ihm die Klugheit rieth: „Es mag wohl fein, Herr König, daß dieſes Meßer ſcharf = Bon Golbbrand ift geſchmiedet, weil er meins ind Waßer warf. „Es mag aud) fein, ich glaub es, daß es ſo ſchneidig ift Und daß mit feiner Schärfe Fein andres leicht ſich mißt; Doch möglich auch, ich ſchmiede Fein fchlechteres Geſchmeid, Wenn ich mir Mühe gebe und nehme dazu die Zeit. ' „Richt darf ich zugeftehen dem hergelaufnen Mann, Dap er jchmieden möge, mas ich nicht ſchmieden Tann: Zuvor will ieh verfuchen unfer beider Kunft, Ch ich dem Frembling gönne den Ruhm und meines Königs Gunft. „Ich hab an euerm Hofe Andres nie begehrt, “ Und ließ’ ich fie aus Seigheit, fo wär ich fcheltensmwerth. Nun mögt ihr-felbit enticheiven mer hier den Preis getwinnt: Dem Befiegten will ich gönnen, daß er nicht lebend entrinnt.“ Dawider Sprach Wieland, der Degen allbereit: „Gering find meine Gaben und meine Fertigkeit; Doch jollen wir verfuchen bier unfrer Kräfte Maß, So will ih auch nicht Sparen, was guter Kunft ich je bejaß, „Und Kenner mögen richten zwiſchen mir und bir.“ Amilias entgegnete: „Wohlan denn, wetten wir.” Da ſprach wieder Wieland: „Nicht hab ich großes Gut, Doch laß uns etwas wagen: das reizt‘ ber Wettenden Muth.“
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43 „Da du fein Gut befiteft,“ fo ſprach Amilias, „Eo fteh dein Haupt zu Pfande und zittre meinem Haß! Ich fee meins dagegen und wer den Sieg erwirbt, ' Der mag den Gegner töbten, der ungerocdhen verdirbt,“ — „sh bin es wohl zufrieden,” ſprach er, „und geb es ein. Was aber willft du ſchmieden, was fol die Probe fein?“ Ta ſprach der Edymied Amilias: „Mache du ein Schwert, Du weiſt den Stahl zu fchärfen, das bat bein Meßer gelehrt; „So ſchmied ich eine Rüftung, Harniih und Helm, . Dazu die Panzerhoſen, und heiß mich einen Schelm Und baue mir vom Rumpfe das Haupt mit deinem Schwert, Wenn deine ſcharfe Klinge meine gute Rüftung verjehrt. „Wenn aber feine Schärfe meine Waffen nicht durchdringt, Co ſteh in meinen Händen dein Haupt auch unbebingt, . Und nimmer darfft du ziveifeln, dein Hochmuth ift es werth, Cb ich es niederfchlage dir mit dem eigenen Schwert." — „Das magft du thun,“ ſprach Wieland, „menn bu der Sieger bleibft, Jh babe nichts dawider, daß du mich dann entleibft: Tie Wette fei gefchloßen, ich halte dich beim Wort.“ Ta ſprach Amilias wieder: „Ich ftelle Bürgen fofort, „Daß nicht von mir gebrochen werde der Vertrag: Jh Jemand Hier zugegen, der mir bürgen mag? Ter komme vor und rede.” Gar Viele traten auf, <te hatten wohl vernommen des Handels. ganzen Verlauf:
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‚9 A 4 Des Königs befte Ritter bürgten Amilias: Cie Tannten fein Gefchmeide und daß er Kunſt befaß; „Wer aber fol bürgen, Golbbrand, nun für dich?“ Da verſetzte Wieland: „Nicht weiß ich es, ficherlich: „Ich bin den Leuten allen bier fremd und unbelannt, Und was ic) leiften möge weiß Seiner bier im Land: ft dennoch wer zugegen, der mir bürgen will?” Ex ſah umber im Kreife, doch Alle ſchwiegen ſie ſtill. Da ſprach der König felber: -So will Ich Bürge fein: Er hat bier wohl bewieſen, daß feine Kunft nicht Hein. Mein Haupt und meine Krone ftehn für ihn zu Pfand, Und heut nad) einem Sabre witd Recht hierüber erfannt.“ An — — 22 —
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Schötes Abentener. Die Wieland Reigins Bild madte. Die Wette war gefeftigt, zu Ende gieng das Mal: Da verließ Amilias in Eil des Königs Saal. Er boffte viel zu ſchmieden noch denfelben Tag: Tie Wette zu gewinnen gar fehr am Herzen ihm lag. Als er nun in die Schmiede zu den Gefellen trat Und bei der Feuereſſe bie Gluth zu fchüren bat, Ein liter Glanz vom Amboß, ihm entgegen jchien: Tas war der Wadernagel, den Wieland legte dahin. „Woher ift diefer Nagel?” frug Amilias, „Daß Ihr ihm nicht geſchmiedet, gewiſs weiß ich das: Er iſt von Meifters Händen, bdreifantig, ſcharf und fpiß, An dem zu Schanden würde der trefflichften Schmiede Witz.“ 8 Als er das Wort geſprochen, o weh, da fiel ihm ein, Ter ihn gefchmievet babe, das müße Goldbrand fein. Tas flug ihm gar damieber den hohen Uebermuth, Er hatte nie gefehen einen Nagel aljo gut.
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46 Die Flächen glatt und eben und all einander gleich, Nichts Gleichres mag man fchauen auf allem Erbenreidh; Die Kante, die vom Kopfe zur Epite nieberlief An allen drei Seiten war nirgend ſchartig noch fchief. Das runde Dad; des Kopfes dreifeldig abgegrenzt, Jedes Feld ein Spiegel, der jpiegelnd wieberglängt: Dreimal fieht erwiedert Amilias fein Bild Und dreimal vor dem Gegner - im Schred erbleicht er und fchilt Sein dreiftes Unterfangen, der Wette Wagejpiel. „Da hab ich mich vermeßen,” gedacht er, „allzuviel: Und bat er das gefchmiedet in kurzer Stunde Beit, Dazu das fcharfe Meßer, jo ift mein Ende nicht meit. „Doch darf ich nicht verzagen, ein Jahr ift lange Frift, In der fi) viel erlernet und viel auch vergißt: Er wird fich felbjt vertrauen, verfäumen manchen Tag. Sch aber will nicht raften und ſchmieden, was ich ſchmieden mag: „Sp gewinn ich ihm am Ende noch den Vorrang ab; Mich mahnt berebt zum Fleiße das gewifle Grab.” Da fette fich zur Arbeit der Echmied Amilias, Er fchmiedete von Abend zu Morgen ohn Unterlaß; Darauf am andern Tage nad fchmal genoßner Ruh Bom Morgen bi zum Abend hämmert' er immerzu, Und nidt! und wirkte wieder und fo unwandelbar Durch alle zwölf Monden bis an das wechſelnde Jahr.
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47 Inzwiſchen diente Wieland in des Könige Saal _ Und gedachte feiner Wette nicht im Traum einmal: So mädtgen Zauber übte Bathildens Schiuanenring, Tap er des Schwerts vergeßen an ihren Bliden nur bieng. Bürgen joll man würgen, mie es im Eprichwort heißt, Tie Zehre hatt im Einne der König allermeift: Er fragte Wielanden, ober noch nichts vollbracht Und wie er feine Wette zu löfen wäre bedacht? Wann er beginnen wolle zu fehmieden an dem Schwert? Cs geb um Ehr und Leben, das fei bedenkenswerth. Darauf verfeßte Wieland: „Da ihr mic) felber mahnt, | So will ih, Herr, beginnen, wenn Ihr den Weg mir nur bahnt „Und baut mir eine Schmiede, darin ich ſchmieden kann: In meinem engen Haufe gebt es fürwmahr nicht an.“ „Ich will fie bauen laßen,“ fiel der König ein, „Bas ſagteſt dus nicht früher? fie könnte ſchon fertig fein. „Sehe Monden find vergangen und noch ift nichts gejchehn.“ Nach wenig Wochen fah. er die Schmiede vor ſich ftehn. „Run greif mir bald zum Werke,“ mahnte der König ihn, Und dem Befehl gehorfam gieng Wieland eilends dahin, ® Bo er verborgen hatte fein Werkzeug und fein Gut, Und das getreue Edhifflein, feinen Führer durch die Flut. To dieß war erbrochen und all fein Gut geraubt, - Tas Gold und das Geräthe: er hätt es nimmer geglaubt.
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48 Das gefiel dem Degen übel, er dachte bin und ber, Mer der Tieb mohl möge geweſen jein und wer Die Stelle mocht erfunden, imo er fein Gut verbarg. Da gedacht er eine? Mannes, an dem er damals fein Arg Genommen, den er nahe. bei jenem Ort gefehn Unthätig in Gebanfen auf und nieder gehn. Nun hegt' er feinen Zimeifel, der hab es ihm entivandt; Doch hatt er nie erfahren, mie Jener würde genannt, Und aud den Unbelannten ſeitdem nicht mehr erichaut. Da gieng er zu dem Könige und ſprach: „Nun ift gebaut Die Echmiede; doch mir fehlet mein Gut und mein Geräth. Das hatt ich dort verborgen, . wo die große Eſche ſich bläht. „Run ward es mir entivendet von einem fremden Mann, Den ich wohl anders fenne, jedoch nicht nennen fann: - Nie hört ich feinen Namen.” Der König fprach erboft: . „Kannft du ihn nur bejchreiben, fo habe dir das zum Troft, „Ich ſchaffe dir zur Etelle das Gut noch diefen Tag.” — „Nicht kann ich ihn beichreiben, daß man ihn kennen mag; Doch trät’ er jemals wieder fo nahe hin vor mich, Heraus wollt id ihn finden aus Taufenden ſicherlich.“ — ® „Sp entbiet ich meine Ritter,” ſprach der König hehr, „Mnd alle die mir dienen auf einen Tag bieher: Dann ſchauſt du meine Mannen verfammelt allyzumal; Und magſt ihn jelber wählen, der dir dein Werkgeräthe ftahl.“
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Da ließ er feine Boten nad allen Eeiten gehn: Tie Inden feine Ritter, die Herrn in feinem Lehn, Tap fie zu Hofe kämen beim zwölften Morgenroth, Der Tinge Etand vernähmen und ihres Herren Gebot. Und als der zwölfte Morgen angebrochen war, Da zogen feine Mannen herbei in breiter Schar, Aus aller Näh und Ferne beberzter Degen viel; Sie waren jchnell geritten an das entlegene Ziel. Ta frugen einander Die fich kannten gleich, No doch ein Feind bedrohe der Niaren Reich? „Berubigt find die Lande, in der Scheide ftedt das Schwert: Kun fol uns doch munden, mohin das Fähnlein ſich kehrt.“ Ste famen aufgezogen vor des Könige Saal; Ter flieg mit Wielanden in den Hof zutbal. Zie giengen burdy die Reiben und grüßten Sebermann; - Nieland nach feines Gutes Entwender zu fpähn begann: Auf einmal Stand er ftille, fein Auge ſchaute ſcharf. Fürbterliche Blicke waren e8, bie er warf: | Seinen Feind den Marſchall hatt er hier geiehn; Er wollte ſich entfinnen: das ließ der Ring nicht gefchehn. „Sat dieſer,“ frug der König, „dir dein Gut entwandt?“ — „Der ift & nicht geivejen,“ verſetzte Wieland; Tdoch hab ich ihn geſehen einmal, ich weiß nicht mo.” — | „Ibat er dir was zu Leide? das Auge flammte dir fo.” — ESimrod, das Umelangenlie, 1. 4
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30 „sch kann mic nicht befinnen; doch rollt mir heiß das Blut; Wo ich ihn erfchaue, empört fi) mir der Muth. Laßt ung nun weiter forſchen nach meines Gutes Dieb: Es fchwebt mir vor den Augen jein Bild, das unerlofchen blieb.” „So muft du ihn auch finden,” jprach der König hehr. Cie machten durch die Reihen dreimal die Wiederkehr; Doch nicht gefunden hatte Wieland feinen Mann. Er ſagt' e8 dem Könige, der ſehr zu zürnen begann. „Nun feh ich, jchlimm betrogen hab ich mich in bir: Sch hielt dich für verftändig: das zeigt fich wenig bier. Mohl ziemte deinen Füßen ſchwerer Feßeln Laſt, Da du fo arg, Unfeliger, deines Herrn gefpottet haft. „Was fag ich nun den Leuten, warum ich fie entbot Aus aller Näh und Ferne zum zivölften Morgenroth? Sch berief fie deinetwegen: fie kamen allzumal: So wär auch der darunter, der dir dein Merfgeräthe ftabl; „Doch kannſt du ihn nicht finden: fürwahr, du bift ein Thor, Und thöricht war ich jelber, daß ich mich verſchwor Zu bürgen für den Thoren.“ Da mandt er fih und gieng Im Zorn aus der Verfammlung, die großes Staunen befieng. Nicht lang, jo kam er wieder und fprach zum Volk gewandt: „Ich harrte noch des Boten, den ich nad) Schwedenldnd Geſendet in Geſchäften von äußerſtem Gewicht: Er ſollte heute kehten; doch immer noch erfchien er nicht.
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„Run thut er mir zu wißen, daß er nicht fommen kann, . Neil ihn ein hitzig Fieber. hält mit ftrengem Bann. <o lann ich nicht berathen mit euch des Reiches Noth: Tod baltet euch gerüftet, vielleicht wird ehſtens bedroht „Das Yand von Kriegesicharen, die und Rother ſchickt: Seid wachſam, daß ber Schwede vor unfrer Macht erſchrickt.“ So wurden fie entlaßen und ritten mürriſch heim; Niemand hatt erfahren . zu dem nahen Kriege den Keim. Da jprach ein alter Rede: „Wie ftolz wird dieß Gejchlecht ! Tor Zeiten ftand es anderd um der Niaren Recht: Ta fragte feine Reden ein Häuptling erft um Rath; Der will die Melt bezwingen und weiß nicht, ob ihm Hülfe naht.” Es gefiel dem Helden übel, fein Werkzeug und fein Gut. Zu miffen und im Zome zu fehn des Königs Muth. Ch fen Beräth ihm fehlte, doch fehuf er ein Geſchmeid Wie ein Mann geftaltet, geſchmückt im ritterlichen Kleid: Tas ftellt' er in ein Zimmer neben des Königs Caal, Wo er vorbeigehn mufte zu Nacht, wenn er vom Mal Zu feiner Kammer wollte. Dann gieng der Degen aud) Und dient’ ibm wie die Andern nach ſeines Amtes Gebrauch. Ta verließ der König den Saal mit manchem Mann; Rieland ſchritt die Kerze tragend ihm voran. Ta ſah zu feiner Rechten der König jenes Bild: Echl ftand er hochverwundert und grüßte freundlich und mild.
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* 52 „Willkommen, Freund Reigin, was ſtehſt du hier allein? Wollte dich Niemand melden? Gewiſs, das war nicht fein. Nun ſprich, was du für Kunde mir bringſt aus Schwedenland? Um hochwichtge Dinge hatt ich dahin dich geſandt.“ Doch Jener ſchwieg ſtille und ſagte nicht ein Wort, Nicht neigt' er ſich dem Könige, noch rührt' er ſich vom Ort. „Hochfahrend,“ ſprach da Wieland, „iſt dieſes Mannes Einn: Wie gnädig ihr ihn grüßet, ihr bringt ihn nimmer dahin, „Daß er euch Antwort gebe, wie es doch billig iſt; Doch laßts ihn nicht entgelten, denn edler König, wißt, Ihn ſchufen dieſe Hände zu deſſen Ebenbild, Der mein Gut entwendet: wenn es für Reigin euch gilt, „So ift mir nun der Name, mie längft der Mann, befannt.” Da ſprach der König lachend: „a, iſt es jo beivandt, So konnteſt du begreiflih in meinem ganzen Bann, Den ich entbot, nicht finden den weitverſendeten Mann. „Nun ſeh ich doch, betrogen hatt ich mich nicht in bir, Ich hielt dich für verftändig und das bemährft du hier; Auch bift du kunſterfahren wie ich noch Keinen ſah. Nun ift au bald dein Werkzeug und all dein Gut twieber Da, „Wenn Er es hat genommen; auch büß ich williglich, Mas ich mit harten Worten gejprochen wider dich.“ Da neigte fih dem Könige mit Dank der Elfenfohn Und gieng mit hohem Muthe zu feinem Haufe davon,
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Siebentes Abentener. Bon Rimung dem Schwerte und wieedgeihmiedet ward, % Tas währte nicht drei Tage, fo war der Degen werth, Neigin der Gefandte, von Schweden heimgefehrt. Vie glich feinem Bilde ver vielgewandte He! Doch fragt’ er hochverwundert, wer ihm die Eäule geftellt? Mit Lachen fprach der Degen, als er den Grund erfuhr: „Ta war der weiſe Meifter wohl auf rechter Spur: ‚sh bins, der feine Schätze und fein Geräthe Stahl, Und trügt mich nicht Alles, fo ift wohl dieß das erfte Mal, „Laß man einem Diebe Säulen hat geſetzt: Bie fommen alle Künjte zu hoben Ehren jett! Ein König wählt zum Günftling ſich einen Meßerſchmied, Cinem Ritter jegt man Säulen, weil ihm das Maufen gerieth. „Laß ich das erleben würde, ich hätt es nie geglaubt; Gäb ih ihm nun nicht wieder was ich ihm geraubt, Tem guten Echmiebemeifter, ber mich fo hoch geehrt, Ich müft undankbar heißen: das Bild ift wohl des Lohnes werth.
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54 „Nur will ich ihm rathen, wenn er künftig noch Schätze zu verbergen ‘in die Erbe gräbt ein Loch, Daß ers nicht wieder thue bei vollem Mondenlicht: ‚ Ein andrer wäre minder vielleicht auf Säulen erpicht.“ % So macht' er ein Geipötte daraus, der weiſe Held; Doch wurde Wielanden fein Gut zurüdgeftellt. „Nun eile dich und ſchmiede,“ mahnte der König behr; Doch Wieland gedachte, der Wette lange nicht mehr. ch weiß nicht, was dem Degen Holdes hat geträumt, Wochen über Wochen wurden noch verfäumt; Ungenutt vergiengen im Leichtfinn Monden gar: Nun blieb nod einer übrig bis an das wechſelnde Jahr. Und hat er nichts geſchmiedet in jo geraumer Zeit? Sollt ich jo lange feiern, das wär mir ewig leid. - Er mufte nichtä zu fchaffen, als heut ein Ringelein Und eine Spange morgen: die gaben wonnigen Schein.. Er fanbte fie Bathilden, der fchönen Königin: Ihr Arm und Bruft zu fchmüden, das deucht ihn Hochgewinn. Mit reichen Perlenjhnüren, mit Ketten goloner Pracht Erfüllt' er ihre Schreine; des Schwerts ward nimmer gedacht. Der König war in Cotgen, er gieng zu Wielands Haus, Und fragte, wie er lebe jo in Eaus und Braus? Warum er nun nicht ſchmiede das meifterliche Schwert? „Mic dünkt, dein Säumen habe jchon viel zu ange gewährt.” —
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> > 5 „Ich will noch heut beginnen, wenn es euch Freude macht, Ich bätte ſonſt wohl lange nod nicht daran gedacht. Es braucht ein Schwert zu ſchmieden nicht eines Monden Frift: Tod ſaum ich nun nicht länger, weil es euer Willen ift.“ Ta ſprach König Neiding: „Du nimmit es allzuleicht: Seit elf Monden ſchmiedet Amilias und Teich; Es genügt ibm nicht am Tage, er nimmt die Nacht dazu Unp gönnt fich feine Stunde von feinen Arbeiten Ruh. „Ziel mocht er auch erlernen ſeit er jo eifrig ſchafft, Ich ſeh ıbm täglich wachen Zinn und Bildungstraft: Er it der beiten Meifter nun Einer weit und breit. Und willft du ihn befiegen, fo ift es wahrlich hobe Zeit, „Laß vu zum Werke fchreiteft: zu kurz wird leicht der Mond. Aub darfit du nimmer wähnen, daß er dein Xeben jchont, Kenn er dich übertoindet: fo grimmig ift fein Mutb, Kenn er dich tödten dürfte, daß er es ficherlich thut.“ Zur Schmiede gieng da Wieland von Sorgen unbefchwert Und ſchuf in fieben Tagen ein trefflihes Schwert: Tas war jo jcharf und fchneidig, dazu fo feft und hart, Tag auf Erden felten ein beßres noch -gejehen warb. Als der König Neiding das ſcharfe Schwert erjah, Wie ſprach er verwundert zu Golbbranden da: „Und bajt du das gefchaffen in einer Woche Friſt, So wähn ich daß auf Erden Fein Echmier fo kunſtfertig iſt.“
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56 „Lobt es nicht zu frühe,” ſprach Wieland der Held: „Laßt uns erit verfuchen, ob es auch Probe hält.” . Da giengen fie felbander an eines Stromes Flut, ‚Der reißend dahinfloß, denn fein Gefälle war gut. Nun böret wie da Wieland ein Flock Wolle nahm, Das einen Fuß did eben aus der Preſſe fam: Er warf eg in die Welle, wo fie am ftärkften floß, - Dann hielt dad Schwert dagegen der weiſe Elfengenoß, Daß der Strom die Wolle gegen die Schärfe trieb. Und fieh, das Schwert zertrennte, wie mit gefchwungnen Sieb, Das Flock in zwei Stüde. Der König war erjtaunt, Man fah in langen Tagen ihn nicht jo fröhlich gelaunt: „Dieß Schwert muß ich befigen: ich wäg es auf mit Gold, Und bleibe dir getwogen immerbar und hold. Wie wird nun doch bemeiftert der Schmied Amilias! Was hilft ihm nun fein Schmieden und Härten ohn Unterlaß ? „Es ſchneidet durch ven Panzer und wär er noch fo fell.” Er ſchwang es in den Händen, als woll er gar den Reit Einem Feinde geben: da war es ihm zu fchiver, Müde ſank darnieder der Arm dem Könige behr. Wieland befah die Wolle, wo fie das. Schwert durchfuhr: Ihm ſchien an beiden Stüden nicht jcharf genug die Spur. Er ſprach: „Es bat ſich eben nicht ſonderlich erprobt, Biel beßer muß e8 werden, bevor es feinen Meifter lobt.“
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— Ta gieng zu feinem Saale Neiding der König reich. Wieland in der Schmiede nahm eine Feile gleich; Das ſchöne Schwert zerfeilt' er damit zu eitel Etaub: Wer es vernommen hätte, die Uhren wären ihm taub Geworden von der Feile Geſchrill guf hartem Stahl; Aud hätt ihn wohl gedauert des guten Echiwertes Dual. Ta lagen nun die Späne: die fchlug der weile Schmied Mit Mehl und Mil zufammen: der Teig ihm trefflich gerieth. Ta nahm er Maftvögel, die ſchon den dritten Tag - Auf Koft umfonft gelauert im engen Gitterhag, Und warf die fchivere Epeife den Hungerleidern vor: Ta fraßen fie gewaltig, nicht hat -begieriger Thor Noch tapfrer eingehauen, als er für Freyja galt Und Thrymur der Rieſe die Braut gefräßig Ichalt: Ran-jah in kurzer Stunde den ganzen Trog geleert, Und einen andern rückſeits am Morgen boppelt beichiwert. Tes letztern Inhalt brachte, der Meifter in die Gluth; Tas Erz heraus zu jchmelzen ſchürt' er das Feuer gut, Schöpfte dann aus dem Keßel, was da von Unrath war, Und geivann ein Eifen endlich von Echladen lauter und far. Als fih das erfühlte, da ſchuf der Degen werth Bor dem fiebenten Tage ein meifterliches Echiwert: Tas war erit ſcharf und ſchneidig, das war erit feit und hart, Wie auf Erden ſchwerlich ein beßres je gefehen ward. -
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- 58 Als nun König Neiding das ſchneidge Schwert erſah, Wieder hochverwundert zu dem Schmiede ſprach .er da: „O welch ein Schwert! das ſchufeſt du in fo kurzer Frift? So ſchwör ih, daß Wieland mohl nicht fo kunſtfertig ift.“ „Ihr lobt es mir zu frühe wieder,“ ſprach der Help: „Gehn wir erjt verfucdden, ob es die Probe hält.“ Sie giengen felbander aber an die Flut, Mo fie gelinde ftrömte, mie fie in Eeen wohl thut. Mieland da wieder ein Flock Wolle nahm, Wohl zwei Fuß did, das eben aus ver Preſſe fam, Und warf es in die Welle, die tief und eben flog: Dann hielt das Echwert dagegen der weiſe Elfengenoß, Daß die Wolle mähli gegen die Schärfe ſchwamm. Und ſieh, die Klinge tbeilte, fo theilt ein Frauenkamm Das Haar auf ſchönem Scheitel, das Wollenflod entzwei. König Neiding ftaunte, daß ein Schwert fo ſchneidig fe: „Wenn e8 noch jchärfer würde, fo wär es allzufcharf: Ich Tann es nicht erwarten bis ich es tragen darf.“ Er ſchwang es in den Händen: es fchien ihm nicht zu ſchwer, Bis endlich doch ermübete der Arm dem Könige hehr. Toh Wieland nahm die Wolle, durd die das Eifen fuhr: Noch ſchien ihm an den Stüden nicht glatt genug die Schur. Gr ſprach: „Es hat ſich dießmal ſchon ziemlich ſcharf erprobt; Doch muß es ſchärfer werden, bevor ſein Meiſter es lobt.“
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Der König ungeduldig gieng in feinen Eaal. Wieland nahm die Feile zu Händen nod einmal, Tamit zerfeilt' er wieder zu eitel Staub das Schwert: Sähe das der König, er hätt es ficher gewehrt. Tie Feilfpäne miſchte der Meifter wohlgemuth Mit Milk und Mehl zufammen: ver Teig gerietb ihm gut: Ten gab er Maſtvögeln, die ſchon den fünften Tag Auf Koft umfonft gelauert im engvergitterten Hag. Die fraßen unmäßig, ber Trog war bald geleert, Und jener andre morgend mit Unrath hoch befchwert. Ten warf er in den Keßel und ſchürte feine Gluth; Tas Erz heraus zu fchmehen verftand Fein Meifter jo gut. Als ſich das erfühlte, da fchuf der Degen werth Am fiebenten Tage das wunderbare Schivert, Tas Mimung tft geheißen und aller Welt befannt: König aller Schwerter wurde Mimung genannt. Wir fingen noch und fagen vom guten Nagelring, Den von Bern Herr Dieterih von einem Zwerg empfieng: Auch follt ihr künftig hören von Eckeſachs genug, Den Dietrich hat getragen als er die Nibelungen fchlug. Bas auch von Balmungen im Lieb uns überfam, Ten der grimme Hagen Siegfrieden nahm, Was von den Schwertern allen das Abenteuer weiß, Tas muß doch überjchallen bes edeln Mimung Ehrenpreis.
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Als Neiding der König das Wunderſchwert erjah, (Er ſchwieg, zu feinem Ruhme fein Wörtchen ſprach er da: Doch Wieland lobt' es felber: „Mich dünkts ein gutes Schwert, Und wetten will ich Alles, daß es die Probe bewährt.” Eie giengen es zu prüfen noch einmal an bie Hut, Die unbemerklich ftrömte, wie fie vor Wehren thut; Wieland ein Flock MWole in die Welle ſchwang, Tas hatte drei Zuß Dide und drei Fuß mar es auch lang. Es kam erft aus der Preffe, ein dicht gebrungner Flaum; Die Welle trieb es langfam, .man gewahrt es Taum:- Wie das nun leife, leife gegen die Schärfe glitt, Da ſtockt' es Feiner Weife, indem das Schwert es durchichnitt. “ Und mählich ſchwamm es weiter, es war fein Unterfchieb Zu fehn an feinem Gleiten. Da nahm der weile Schmieb Die Stüden aus dem Waßer, durch die das Eifen fuhr: Er fand an beiden Theilen eine glatt gefchorene Spur. Ta war er wohlzufrieben, als ers geratben ſah; In König Neivings Reichen ihm lieber nie geſchah. Er ſprach: „ES hat fich heute fcharf genug erprobt: Es ift fo gut gerathen, daß es der Meifter ſelber lobt.“ Er reiht es Neidingen, der ſchwang es in der Hand Als ein geübter Fechter mit Hieben allerhand, Daß hell die Lüfte pfiffen: er fand es nicht zu ſchwer Und nicht ermüben wollte der Arm dem Könige hehr.
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61 Ta ſprach er hoch in Freuden: „Dem Schwert ift feines gleich: Ich könnt es nicht vergelten mit einem Königreich). Doch möcht ich es befigen, es ift ein handlich Schwert Und nicht zu ſchwer gerathen, das bat die Probe gelehrt. „Es bligt wie Wetterleuchten, wenn es die Lüfte fegt; Bu baft die blanfe Klinge mit Gold ausgelegt Und golden ftralt® am Griffe von der Glode bis zum Knopf: Ein König muß es tragen und nicht ein Inechtifcher Tropf. „Haft du's für mich geſchmiedet, ich bin dir ewig hold . Und will e3 dir beveden mit einem Haufen Gold, Tie Hülle und die Fülle, bis du es nicht mehr fchauft: Tas fol ſogleich geichehben, wenn bu Königsworten nicht trauſt.“ „sch gönn es jo gerne,” verſetzte der Held, „Als euch mein Herr und König, wohl Niemand auf der Welt; Doch mad) ich noch die Scheide dazu und bas Gehenf: Tann laßt es euch gefallen als euers Dienerd Geſchenk.“ Ter König ließ es gut fein und gieng in feinen Saal. Man hatt ihn nie fo heiter gejehn überm Mal. Tas währte bis zum Abend: da dient‘ ihm Wieland aud) Mit den andern Knappen nad feines Amtes Gebrauch.
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Adıtes Abentener. Bon der Maffenprobe und Wielands Ertennung. Bon mahnenden Gefichten marb in berfelben Nacht Wieland um des Echlafe8 Erquickung gebracht: Er ſah im halben Traume auf Hlivffjalfs hohem Thron Freyr, den Gott der Sonne, der Wanen weiſeſten Sohn. Bon Doping Herjcherfige blickt' er nach Riefenheim: Da empfieng er zur Strafe unfelger Minne Keim. Das fchuf der Rieſentochter, Gerdas Liebesglanz; In Sehnfucht verzehrte der Ajen Geifel fih ganz. Da fanbt er Stirnirn nieder zu werben um die Maid, Gab ihm fein Schwert zu tragen, das ficher trifft im Etreit, Wenns Rieſen gilt zu fällen durch eigne Kraft ſich ſchwingt Und einft beim Weltbrande die Söhne Muspels bezwingt. So gab er aus den Händen das zauberftarfe Schwert, Das warb dem Feind der Götter für Gerdas Hand gewährt: Davon mit allen Aſen kommt Freyr in Todesnoth: Er wird fein Echwert vermiffen, wenn Zurtur einft ihn bebroht.
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63 Tas Alles fah Wieland, dazu die Götter .all in Ragnarök erliegen, ihn fchmerzte Freyrs Fall: Ihm war, als hört! er fprechen den Gott im Todestrampf: Trum büte deines Schwertes, daß du's nicht mifleft im Kampf. Cr wälzte ſich im Bette und fchlief wieder ein: Ta bört! er eine Stimme: „Wieland, hüte dein Und büte deines Schwerted.” Auf fuhr der Held erichredt; Doch mocht er nichts erfennen, die Nacht hielt Alles bedeckt. Almählih ward es lichter, ſchon glaubt’ er zu ſehn: Ta jab er Edarten vor feinem Bette ftehn Mit mabnender Geberde, den getreuen Mann; Doch war das Bild zerronnen als er Befinnung gewann. ’ As Wieland erwachte, da jchien ber lichte Tag. ‚n Sorgen noch der Degen eine Weile lag Tes Toppeltraums gebenfend, der wohl beveutend war: „Bin ih denn bier bei Feinden, droht meinem Leben Gefahr? „Der mir die Träume fandte, der wuſte mehr als ich Und ließ ichs unbeachtet, fo thät ich freventlich.“ Ta erhob er ſich vom Lager, der weiſe Elfenſohn, Und gieng zu feiner Schmiede mit ſorgendem Muth davon. Er ließ die Bälge faufen und fchüren feine Gluth, Tann feßt' er fich zu ſchmieden. Da ſchuf der Degen gut Ein Schwert in kurzen Etunden, das war dem Mimung gleich: So gleiches ſah man nimmer in aller Könige Reid).
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6A Ihm glei an Läng und Breite, Geftalt und Gewicht, Ihm gleich an jeder Zierde, nur an der Schärfe nicht. Als er das gefhaffen, noch blieb geraum die Zeit, Da macht er für den Mimung Geben und Scheibe bereit. Nun jah er Alles fertig was ihm zu fchmieden Noth: Geruhig mocht er fchlafen bis das Morgenroth Des Tags den Himmel färbte, der das Jahr beichlof. ‚Kaum war der angebrochen, als mit ver Geſellen Trofe Sich auf dem Markte zeigte Amilias der Schmied, Eich brüftend in dem Harniſch, der ihm jo wohl gerieth. Da war bald verfammelt eine breite Schar um ihn; Auch kamen feine Bürgen und die ihm anbiengen hin. Wer des Gefchmeides Kenner auf Waffen ſich verftand, Der rühmte feine Arbeit und pries des Künftlers Hand. Man fah den Panzer doppelt gebrähtet, feit und hart, Wie auf Erden jelten ein beßrer noch gejehen ward. Da hub er an zu pralen und ſprach im Webermuth: „Kein Schwert mag ihn verjehren, und wär es noch fo gut; Sa jchlüg ein Blitz herniever aus Thors des Donnrers Hand, Cr könnte nicht zerfeilen jo manch gebärtete® Band.” Als Alle das bejahten, das freut’ ihn überaus. Da gieng hohes Muthes Amilias nach Haus Und legte zu dem Harniſch die Eifenhofen an; Die waren zweibrähtig gejchmiedet und fo mohlgethan,
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65 Daß man befre felten einen Ritter tragen ſah, Und Jedem der fie ſchaute won Herzen wohlgeſchah. Das rühmten auf dem Markte die Kenner allzumal: Dergleichen fei nimmer geſchmiedet worden in Stahl. Ta pralt’ er mit den Hofen und ſprach im Uebermuth: „Kein Schwert Tann fie verfehbren und wär es noch fo gut. Wie hart find diefe Schienen, wie find die Schuppen bicht: Ih wähne, feiter trägt fie die Erdgurtſchlapge felber nicht.” As Alle das bejabten, das freut’ ihn überaus. Ta gieng hohes Muthes Amilias nad) Haus; Zu den andern Waffen ſchwang er den Helm aufs Haupt: Ter war fo wohlgerathen, man bätt es nimmer geglaubt, Daß ein Helm fo herrlich gefchmiebet möge fein. Tem hoben Hut entftralte ein filberheller Schein: Ran konnt es nicht ertragen bei vollem Sonnenblid‘; Aud mar er wohl gehärtet und aus der Maßen ſtark und did. Tas rühmten auf dem Markte die Kenner allzumal. Tas macht’ ihn übermüthig: da erhub er ein Gepral: „Und fielen alle Sterne herab vom Himmelszelt, Er ift fo Hart gefchmiebet, fie würden ſicher zerichellt.“ As Alle das bejahten, da war der Degen froh. Zu des Königs Tiſche ftolzierend gieng er fo. Ta rühmten alle Leute das herrliche Geſchmeid; Ter König felber ftaunte: es war ihm inniglich leid, Eimred, dad Amelungenlier. T. 5
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66 Daß er je geſcholten den kunſtreichen Schmied. Er dacht in ſeinem Sinne: „Nun das ſo wohl gerieth, So brauch ich nicht zu fragen, wer da ſiegt oder fällt: Ich behalte doch am Hofe den beſten Schmied in der Welt.“ Nun höret von der Probe wie die ergangen ſei. Sie giengen nach dem Hofe, als das Mal vorbei: Da ſetzte ſich Amilias auf eine Steinbank, Siegprangend ſaß der Degen in ſeinen Waffen ſpiegelblank. Da war auch der König und mit den Jungfraun Bathilde, diefe Wette zu hören und zu ſchaun. Hin zu feiner Echmiede gieng da .Golbdrand; Er fam zurüd und führte den Mimung bloß an der Hand. Noch ſaß auf dem Eteine der Echmied Amiltas Wie auf dem Königsftuhle und brüftete fich baß; Den Kreis umher beftralten die Waffen fpiegelblant. Da .ftellte mit dem Schwerte ſich Goldbrand hinter die Banf, Legte Mimungs Schneide auf des Helmes Hut Und drüdte leife, leife: „Nun fage wie es thut, Wenn du etwas ſpüreſt.“ Da ſprach Amilias: „Hau zu aus allen Kräften, laß Zorn dir helfen und Haß, „Du wirft fie wohl bedürfen eb es ben Helm verſehrt.“ Da drückte Goldbrand ſtärker und ſtärker auf das Schwert: Helm und Haupt durchfuhr es, den Panzer und den Bauch Und fuhr bis auf den Gürtel und durch die Eiſenhoſen auch.
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67 Ta fragte Goldbrand wieder: „Nun fprich wie es thut.“ Amilias verjeßte: „Mir ift mie dem zu Muth, Tem Kalt ein Tropfen Waßer . nieverrinnt den Leib: sh wähne gar, du machſt dir hier unnüben Zeitvertreib.” Goldbrand entgegnete: „So fchüttle dich einmal. Zu haſt ven lebten Becher getrunken heut im Saal.” Run fchüttelte ſich mädtig der Schmied Amilias: Da fiel zu beiden Seiten ein halber Ritter ins Gras, - In den fpiegelblanfen Waffen mitten burchgetbeilt: Vie batt ihn da die Etrafe der Hochfahrt ereilt! Aus beiden Etüden ftrömte des Blutes rother Schwall: Ein Schrei entfuhr Bathilden und ihren Jungfrauen all. Betroffen ſahns die Ritter, der König war beftürzt: Sie fanden mit Entſetzen die Kurzweil gewürzt. Als das Blut im Raſen zu ihnen nieberquoll, Ta wandten fie fich ſeitwärts; doch laut und lauter erfchofl . Ter Beifall dem Helden und Mimung feinem Schwert: Tas hatte feine Echärfe fürchterlich bewährt. Ein Jeder wollt es fchauen, ber König rief darnach Und hofft’ es zu befiten, doch Wieland weigert’ es und ſprach: „Roc trieft es von dem Blute, ich will es trodnen gehn; Auch follt ihr nun die Scheide und das Gehenfe jehn, Tie noch daheim geblieben: ich bringe fie jofort.“ Ta gieng er fchnelles Schrittes und barg am ficherften Drt,
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68 Unter den Schmiebebälgen, das morbliche Schwert. Er ſprach: „Da liege, Mimung, du bift wohl hütenswerth: Wer weiß, ob ich in Kurzem nitht felber dein bebarf.” Da ftieß er in die Scheide das andre Echiwert, das minder fcharf, Doch fonft dem Mimung gleich war; auch nahm er das Gehenk Und brachte fie dem König als feines Knechts Gefchent. Der nahm es voller Freuden und ſchnallt' es glei fih an, Die Klinge dann entblößt’ er und ließ fie fchauen Jedermann, Der fie zu ſchaun begehrte. Aus manchem Mund erfcholl Der Ruhm des Gejchmeides: der wurde groß und voll. Da Sprachen Unfenner mit Kennermienen viel, Die im Anftaunen weder Maaß kannten noch Ziel. „Run laßt es,“ ſprach der König; „es bleibt ein gutes Schwert, Und der es mir gefchmiebet hat, ift feines Lohnes werth.“ Er Sprach zu Golbbranden: „Du dienft mir nun ein Jahr Und manden Tag darüber; auch ift, es ficherlich wahr, „Daß du dich treu bemährteft in dem geringen. Dienft. Nun hab ich dir verheißen, fofern du mürbig fchienft, Dich weiter zu befördern: ich halte dir das Mort: Der du ein Knappe wareft, mein Mundſchenk bift du binfort. „Doch dienft du nur an Tagen, io wir ein Felt begebn ; An andern fol bei Tifche der Platz bir offen ftehn, Wo fonft der Mann gefeßen, den heut dein Schwert gefällt: Auch biſt du am Hofe zum Echmieb ftatt feiner beftellt.“
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69 Ta neigte fi) dem König der Tunftreiche Mann. „Sbwohl du nun,” hub, Neiding der König wieder an, „Men Mundſchenk bift getvorden, doch till ich heute bir Im Bein im Becher reihen, fo wie du Fünftighin mir.“ — „Das wär zuviel der Ehre,“ verjegte Goldbrand. „Mit Nichten,“ ſprach Neiding, „an biefes Tiiches Rand Jit heut mein Stuhl dir offen: du bift des Tages Helv. Kein Weigern, dir genüge, daß es mir aljo gefällt. „Run rüftet ung geſchwinde ein wonnevolles Mal Und laßt die Fülle fließen des eins im Goldpokal. Wer des Meths begehret, der büße feine Luft: + So ſchwelge bis zum Morgen die freubelechjende Bruft.“ La liefen Truchfäßen und Schenken bin und ber. Richt lang, fo zog ein Bote beijeit den König hehr. Er ging aus dem Saale nahbei in ein Gemach; ta fand er Bathilden, die bielt die Sorge noch wach. Sie trat ihm entgegen und z0g ihn neben ſich: „Ihr feid dem Schmied gewogen,“ ſprach fie, „das wundert mid); Ser wollt ihn felbjt bedienen: und mwißt ihr, wen ihr ehrt? Eine Schlang in euerm Bufen, die euer Herzblut begehrt. „Kieland ifts, der Meifter, nad) dem ihr habt gefanbt; sb ichnitt heute Runen, ſo' ward e3 mir befannt. Zein Weib und feinen Knaben ſchlug euer Marſchall Gram: las wollt er an uns rächen, als er zu diefen Landen kam.“
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70 „Das Tann ich nimmer glauben,” ſprach der König hehr: „Denn er Rache fänne, was nahm er fie nicht ehr? Es ftand mein Haupt und Leben in feinen Händen oft.” — „Vielleicht hat er ung Alle noch zu verberben gehofft, „Und barrte günftger Stunde,“ jo ſprach das fchöne Kind; „Doch möglich auch, er weiß nicht, daß wir die Schulbgen find. Mich dünkt, daß der Marihall ihm euern Namen barg.“ „Das möchte fein, * Sprach Neiding, „an ihm ift wahrlich fein Arg.“ — „Ihr mögt euch vor ihm hüten,“ ſprach wieder Bathild. „Habt ihr nie gejehen wie ihm die Ader ſchwillt Hier an feiner Stine, wenn ihn ein Ding verbrießt? Und mie beim kleinſten Anlaß das Blut zu Häupten ihm fchießt? „Er bat es wohl bewiefen mie er grimmig tft An manchem fühnen ‚Helden, den euer Heer nun milst: Die fchlug er euch zu Tode mit feiner ftarlen Hand. Ihr habt mit großem Unrecht Gram euern Marichall verbannt „Aus eures Hofes Nähe, weil ex dem Zorngen wid: Niemand mochte ftehen vor dem Wütherich. Cie jagen, Feuer habe aus feiner Bruft geflammt. Nun ihr den Schmied befiget, fo gebt dem Marichall fein Amt „Zurüd, das ihr ihm nahmet weil Wieland ihm entgieng.“ „Er joll es wieder haben,“ ſprach König Neiding; „Und Wieland: will ich hüten: zwiſchen ung ift Blut: Viel meiner Helden fällte feines Weibes Rachewuth.
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" 71 „Er foll mir Schwerter ſchmieden zu zwingen eine Welt Und wenig Lohn erjchauen, ver ftreitbare Held. Ich verheiß ihm goldne Berge und fchließe meine Hand: Was frommt es Wielanden, daß er mein Mundſchenk wird genannt?“ „Wohl kann es ihm frommen, trinkt ihr was er ſchenkt, Und übel eudy befommen, wenn ihr das nicht bebentt; Doch weiß ich euch zu ſchützen ein Mittel, Vater mein.” Ta bolte fie ein Meßer aus einem heimlichen Schrein Und gab ed dem Könige: „Euch ſchützt des Meßers Kraft,“ So ſprach die Königstochter: „es hat die Eigenichaft: Nenn in eine Epeife, ober in einen Trank Durch Zufall oder Tüde ein Giftmittel niederſank, „Und ihr mit feiner Schneide das Dargebotne rührt, Daß gleich der Stahl erflinget und die Gefahr erſpürt.“ Tes freute fi der König, er pries den Bauberftahl, Rüfste feine Tochter und gieng zurüd in ven Saal. s
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72 Nenntes Abentener. Wie König Wiling Das Wellenmäpcen fand. Sm Saale traf der König das Nachtmal bereit; Man ſah ihn nie fo fröhlich bei einer Luftbarkeit. Er diente Wielanden ımd trank ihm wader zu: „König aller Schmiede, Yreund Goldbrand,“, ſprach er, „bift du. „Run Heil den Niaren, daß fie dich je erſahn Und daß du bergefahren bift in dem Wunberfahn. Di ehren Land und Leute: du haft fie wohlbedacht; Den Mimung will ich führen, er gewinnt mir mande Schlacht. „Noch find mir unbezwungen der Völker viel umber: Was bangen an den Wänden der Wurfipieß und ber Sper? Die Spere fol man zuden und fchießen den Schaft: Man fieht uns nächſtens wieder heerfahrten mit Volkeskraft. „Run ſchmied uns fcharfe Schwerter, Wieland, Elfenjohn“ (Unbetwachten Lippen tar das Wort entflohn), „Wir bleiben dir geivogen und milb ift unfre Sand; Mer weiß, ob du nicht hericheft einft über ein Königsland?“ —
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73 „Wieland ift mein Name, ihr habt es, Herr, gefagt: Biel find meiner Feinde, drum hatt ichs nicht gewagt Sogleich mich zu entveden. Run mid das Schwert verrieth, Bas fol ich länger leugnen, daß ich Wieland bin der Schmied? „Din ich nicht Bier bei Freunden?“ — „Das bift du ficherlich,“ Verſetzte König Neiving, „ich beſchütze dich. Wohl hätte dich verrathen ſollen deine Kunft, Tie hat nicht ihres Gleichen; doch ſchuf es nur des Weines Dunft, „DaB ich dich Wieland nannte; ver Zufall treibt fein Spiel: So Schoß ich ins Blaue und traf ins fchwarze Biel. j Bar e8 ja’ doch vor diefem ſchon Brauch in allem Land, \ Ben fie um Künfte priefen, der ward ein Wieland genannt. ‘ „Run fei mir um fo wertber, Mimung, da dich ſchuf Ter Meifter, der die Lande füllt mit feinem Ruf; Er felber fol uns allen um jo willtommner fein.“ Da füllt’ er ihm die Schale wieder mit dem goldnen Wein: „Bir hatten ihn und Niemand erkannte feinen Werth: Run fei der volle Becher auf Wielands Wohl geleert, Er mög uns Iange leben, der hochberühmte Gaſt!“ Ta drängten ſich die Ritter und Herren all hinzu in Haft, Rt ihm anzuftoßen und ihm Beſcheid zu thun, Tie Kleinen und die Großen, denn Niemand mochte ruhn, Ta der Stönig felber den Trinkſpruch ausgebracht. Sie hätten fonft den Schenten und all fein Schmieben verladt;
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74 Doch als fie nun vernahmen, daß er Wieland hieß Und den berühmten Namen fo hoch der König pries, Da wollt ein Jever ſchauen und ehren diefen Mann: Wie fchnell fih da Gönner der kunſtreiche Schmied gewann! Das Staunen und Begaffen währte lange Zeit. Es fam ins Land der Affen, es liegt von hier nicht weit, Einmal ein Menſch gegangen, der einem Affen glid); Das thun die Menfchen alle; den ehrten fie nicht ſonderlich: Sie glaubten ja, er wäre ein Affe fo tie fie, Und einen Affen ehren, das thun die Affen nie: Eie ehrten fich ja felber, da wären fie aud) dumm ! Nun aber kam die Kunde heraus von feinem Menfchenthum. Da wandte fid) das Blättchen: fie rannten ihn zu ſchaun. Der lud ihn fich zu Gafte, der bot ihm feine Fraun, Der feine guten Dienjte, . der feine Gönnerſchaft, Und was er that und was er fprady ward nachgefagt und abgegafft. So gieng es Wielanden bei des Königs Mal; Bis Neiding enblih Ruhe gebot in feinem Saal: „Nun laßet ihn mit Frieden, daß ſich erholen kann Bon eurer großen Freundichaft der überläftigte Mann. „Er fol ung lieber jagen, wenn es ihn nicht befchwert, Warum er Mimung nannte dieß Töniglihe Schwert? War Mimung ein König, ober ein Kriegesheld?“ Da ſprach er: „Heine von beiden, nie lebt’ ein Mimung auf der Welt.
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75 „sch nannt es jo von Mimen, ver einft ein Meifter war In der Kunſt des Echmievend; das ift nun mandyes Jahr.” — „Und empfiengft du nicht von Zwergen im Schmieben Unterricht? Rich dünkt, ich hört es fagen?” Und Wieland ſprach: „Da Iog man nidt, „Es ift die Iautre Wahrheit.” Da jprach der König behr: „So laß ung doch erfahren von diefen Dingen mehr. Auch hört ich gern die Kunde von deinen Eltern recht: Man fagte mir, du leiteft von Elfen ber dein Geſchlecht?“ „Auch das iſt ungelogen,“ ſprach Wieland der Held, „sh will euch Alles jagen, wenn es euch nicht miſsfällt.“ — „Wir hören gern erzählen, dieweil der Becher Freift,“ Sprach der König wieder: „drum fag uns Alles was du weift; „Und wenn das Abenteuer recht fremd und feltfam Klingt, <o iftö und um fo lieber, weil das Ergeung bringt: J Kein Ton iſt auf der Harfe des Skalden fo beliebt, Als der von Ueberwelten uns fehmeichelnde Kunde giebt.” — %as ich zu melden habe, ift nicht jo wunderbar Us Slaldenlieder Elingen: mich ängftet die Gefahr Mit reizglofen Dingen zu foltern euer Ohr; - Kun mögt ihr mir Nachſicht und Gnade fihern zuvor, Taf ich getzofter möge befriedgen eur Begehr. ‚br habt wohl fehon vernommen, tie einft ein König hehr Gebot in diefen Reichen, der Wiling warb genannt: ‚sm war in Furcht gehorfam das weite nordifche Land.
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76 - Noch lebt von feinem Stamme der König Asprian, Der Seeland zu Lehne von Rotherich gewann; Auch feine Rieſenbrüder, Cdart, der Treue pflegt, Abendroth der .fchnelle und Wibolf, der die Stange trägt. Und habt ihrs nicht vernommen, vernehmt ihrs ficherlid), - Wie fie nach Heunland fuhren mit König Rotherich; Wie fi vor ihren Kräften entſetzte Melins Und wie zu Utens Füßen ber verftellte Dietrich ſaß. Das waren Wilings Enkel; fein Sohn hieß Nordian, ' Der vor Otniten aus feinem Neid) entrann, Den doch in zwanzig Schlachten fein Vater Wiking fchlug; Denn der bezwang der Völfer mit Heeresfräften genug: Die Wilzen und die Polen, die Reußen auch zugleich, Und unter Dtniten das weite Oftenreich: Die dienten feiner Krone und fanbten ihm den Bing; Doch mehr erivarb er Ruhmes und mehr des reichen Gewinns Durch feine Kriegszüge, die er that über Meer Bis an die fernften Küften mit ungezähltem Heer: Da floß in feine Kammer des goldnen Schatzes viel. Cr bat zuerft die Segler gelehrt den bauchigen Kiel Unter die Schiffe wölben, daß fie den Stürmen ftehn Und ſtolz wie Seeſchwäne durch alle Meere gehn. In dem den Oberkönig fo viel ver Reiche fahn, Der machte feiner Herfhaft nun auch das Waßer unterthan,
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71 . Tas alle Länder gürtet, an jedes Ufer fpült Und unermüdlich tofend die tiefen Buchten wühlt: Der alle Etröme zollen, die ungeheure Flut Sah fih von ihm bezwungen und gebänbigt ihre Wut. Zeit nun an ihm den Meifter das ewge Weltmeer fand, So wurden Seelönige Wilinge genannt, Und diefe norbfchen Reihe vom Eismeen bis zum Belt Bifingenland geheißen, die Wiling beſaß der Helv. Einft ala er feine Segel die Winde ſchwellen ließ, Tas Schiff nach Süden fteuernd, wo er fih Ruhm: verhieß, Ta ward der Kiel umgaufelt von holder Nire Schar, Und allen Meerwundern, die je die Woge gebar. Ter blau, der grün von Farbe, ver fehuppig wie ein Fiſch: Sie fpielten um die Flanken des Schiffes buhlerifch, In Mufchelhörner ftopend zu wunderbarem Klang; Tazwilchen eine Etimme aus Meereögrund ſich erſchwang, Drin aller Liebeszauber, der Herzen zivingen mag, Zer ungelohnten Minne unendlich Sehnen lag. Und wie die Töne legten der Segler lauſchend Obr, Ta bob ſich aus den Wellen ein feuchtes Eiland empor, Nit Waldesgrüne prangend und filberhellem Fluß, In ſchatige Buchten ladend zu monnigem Genuß. Ta fteuerte der König nad dem willlommnen Etrand, Vo er das Schiff zu länden einen ſichern Hafen fand.
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78 Da fanbt er feine Leute zu fchöpfen füßen Born Aus fließendem Strome; er felber ftieß ins Horn Und gieng allein im Walde zu jagen das Gewild: Da blühte fo die Erde, die Lüfte mehten fo mild, Die Sonne gab vom Himmel fo mwonniglichen Schein, Die Waldvögel fangen ihr Lieb fo munter drein, Und mas dem ebeln König das gröfte Wunder fchien: Hirſch und Rehe fpraugen an feiner Eeite dahin, Als wollten fie mit Kofen begrüßen dieſen Gaft. Nicht war der fühne Jäger auf Den Empfang gefaßt: Wie fchöß vr nach dem Wilde, das feine Nähe liebt, Soll er das Thier erjagen, das fich ihm frei gefangen giebt? Da folgt’ er ihrer Fährte: fie Tiefen ihm voran Zu eines Brunnens Kühle; der fprang im tiefen Tann Aus Felfen murmelnd niever und ftauchte fich zum. See; Weiß und röthlid färbte die Ufer blühender Klee. Das Thal war rings umfchloßen von Buſch und Felſenwand. Unter grünen Linden der Helb ein Fräulein fand, So friih in Echönheit blüben Odins Mädchen nicht: Dom Haupte golden wallte das Haar wie jonniges Licht; Der Glieder füße Fülle verbarg ein Schleier kaum Aus Meerespuft gemoben und naß an feinem Saum: Es fielen Tropfen nieder, fo heil wie Morgenthau. Willkommen hieß den König die wunderherrliche Frau,
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79 Dot ihm den Mund zum Gruße und ſchenkt ihm lautern Trank Aus kryſtallner Schale. Das edle Mägdlein ſchlank vieß ihn bei ſich ſitzen und reden mancherlei. Noch wufte nicht der König, - wer die fhöne Jungfrau fei. Auch ward ihm erft nad) Monden "die rechte Märe fund; Kur daß Wachild fie heiße, gejtand ihr rother Mund. Unter Minnefcherzen vergieng die Zeit gejchmwind: Ter zäblt nicht die Stunden, der liebt und Liebeslohn gewinnt.
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80 Zehntes Abentener. Wie König Wiking. die Nornen empfieng. Der Tag war vergangen, die furze Nacht dazu, Der König bei dem Brunnen fchlief in füßer Ruh. Ihn fuchten feine Leute vergebens überall, Bis fie ihn morgens fanden entichlafen bei dem Waßerfall. Eie ftießen ihn zu weden gellenb in ein Horn: " Das fchuf, als er erwachte, dem König Wiling Zorn. Er fand an feiner Seite Wachilden nicht mehr, Wieviel er nach ihr fuchend die fchnellen Blicke warf umber. Da ſprach König Wiling: „Habt euch übeln Dank, Daß ihr mir vericheuchtet das ſchöne Mädchen ſchlank! Als ihr das Horn erfchälltet, floh fie aus meinem Arm: Und find ich fie nicht wieder, ihr büßt es Alle noch mit Harm. „Wo bift du, Wachilde,“ rief er in den Wald, „Die find es, die mir dienen: nun kehre wieber bald: Mein Herz begehrt zu fchauen dein klares Angeficht.“ Doch Niemand gab ihm Antwort, bie fchöne Jungfrau kehrte nicht.
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81 Ta fprach ein alter Degen: . „Wir fahen Niemand bier, . Bir fanden dich alleine, fein Mädchen neben dir. Tir bat wohl nur geträumet von ihrem’ Antlig klar; Tas ift mir oft geichehen, als ich ein Jüngling noch war, „Daß ich die Minniglihe, vie ich beſaß im Traum, Auf meinem Pfühle ſuchte: da war es eitel Flaum. Run mir das Alter Furchen in Stim und Wangen kerbt, Ta find auch meine Träume nicht mehr fo rofenroth gefärbt. „Zrum forge, daß du wachend die Jahre nicht verfäumft, Und dank e3 deiner Jugend, daß du fo lieblich träumſt.“ Da lädelte der Junge über des Alten Rath Und wähnte, nur im Traume wär ibm Wachild genaht. Tas Schiff war fegelfertig, da ftiegen fie an Bord, Tie rechten Reifewinde wehten fie aus dem Port. In dreien Tagen kamen vie Helden an das Biel; Ib ihnen da gelungen und ob fie Beute machten viel, Tas kann ich euch nicht melden, weil ich es nie erfuhr; Doch als fie wieberlehrten auf ihrer erften Epur Und in den Wellen ferne das Eiland liegen ſahn, Ta ſchwammen zu dem Schiffe die Nire wieder heran, Und aus den Bellen tönte vernehmlicher Gefang: Willlommen, der die Waßer zu feinem Willen zwang, illlounmen, den Wachilde zum Bräutigam erwäblt: Ter Wellenmärden Schönfte hat ſich dem Helden vermäblt.” EZımrod, Das Amelungenlier, 1. 6
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32 Der König, der die Worte vernahm und nicht begriff, Dem Eiland vorüber lenkte der Helb das Schiff. Doch plöglich ftand es stille, und ob das Segel ſchwoll, Db von des Ruders Schlägen das Waßer mächtig ericholl, Es wich nicht von der Stelle. Da ſah der König hehr Bom Schwanenhals des Schiffes hinunter in das Meer: Da erfannt er Wachilden, . das fchöne Waßerweib, Die wehrte da dem Echiffe mit ihrem fchneeigen Leib. Dem Kiel entgegen ftemmte bie Maid den weißen Arm: Gab ihr die ftarfen Kräfte der Zorn im Liebesharm? Das Schiff begann zu weichen zurüd zur grünen Au. Wohl wufte da der König, daß ihm die herrliche Frau Nicht bloß im Traum erfchienen, ein eitles Wahngebild, Daß feines Herzens Wünſche ein lebend Weib geſtillt. Auch ward ihm nun verftändlic das Lied der Nixenſchar; Da ſprach er zu der Schönen, die fo gewogen ihm war: „Wachilde, Wellenmäbchen, Rang jchönfte Tochter bu, Laß uns unfre Straße fahren jegt.in Ruh: Die Heimat zu erreichen, das ift uns Helden Noth. Ich darf nicht bei dir weilen, zu Haufe werd ich bebrobt „Von ftarlen Heerfiharen, vie üben Raub und Mord. Und magft du mich nicht laßen, fo fomm berauf an Bord; Oder mwillft du mich befuchen, wenn ich die Feinde zwang, Daheim in meinem Reiche, du findeſt frohen Empfang.
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83 „Willlommen fol dich heißen deines Liebjten Mund, Ta wird bir große Liebe und ftäte Treue fund, Zu lebſt beglüdte Tage an König Wilings Hand.“ Ta war ihr Zorn gefänftigt, die große Kraft ihr entſchwand. Tas Schiff ließ fie fahren und ſchwang fih in die Eee. Roh mar ihr um den Buhlen im tiefften Herzen weh, Daß er nicht auf dem Eiland die kurze Nacht geruht; Tas ſank nach ihrem Winke in den Schooß zurüd der Flut. Ter König ſah es ſinken: da lenkt' er heim geſchwind; Tas Schiff und feine Eegel ergriff ein hoher Wind Und trugs in kurzen Stunden zu’ König Wilings Neid). Tas erfuhren feine Feinde: da räumten fie das Land fogleich Und ließen vor Schreden Hütten und Gezelt Nit Hab und Gut im Stiche. Bald gewann der Held Tie reiche Beute wieder, dazu der Feinde Hort. Da gedachte König Wiling an fein verpfändetes Wort, Wie er empfangen wolle das Wellenmädchen hold, Wenn fie zu ihm käme: da gab er hin das Golb Ten guten Bauleuten und gebot ein feftes Schloß Vor feiner Stadt zu zimmern, wo der Strom vorüberfloß. Als nun nad wenig Monden vollendet war der Bau, Da fand er eines Abends die wunderfchöne Frau Auf eimem Bette fiten, in Thränen aufgelöft: Aud ihm war da Betrübnifs in die kühne Seele geflößt:
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84 - Er hatte fie jo heiter immer ſich gebacht Mie er fie gefunden in jener felgen Nacht: Nun fah er fie in Sorgen wieder, das war ihm leid. Da fprad mit holden Worten der König zu der fchönen Maid: „Was ift dir, daß du meineft? Wer trübte dir den Muth? Und müft ich, wers geweſen, es käm ihm nicht zu Gut: Er follt an Leib und Leben dafür den Lohn erſehn; Dir darf von meinen Leuten bier nicht? zu Leide gejchehn. „S» lang die Götter gönnen, daß ich ihr König bin, So jollen fie dir dienen als ihrer Königin Sn dieſes Schloßes Räumen." Man weiß wie Weiber find: Nun erſt begann zu ſchluchzen die Maid und ſprach: „Ich trag ein Kind u „Bon deiner hohen Minne: vie büß ich Arme ſchwer; Mit Schmerzen werd ich inne, was ich mir barg bisher.“ Da ſprach der gute König: „Nun la das Weinen jein; Sch dacht, es wäre jchlimmer: der Schade wahrlich ift Klein, „Wenn ein Weib dem Gatten ein Pfand der Liebe Ichentt: Geſchieht es nicht, das ift es, mas billig Beide kränkt. In Schmerzen zu gebären, das ift der Frauen Looß, Die fie mit Schmerzen nähren, die ziehn fie unter Schmerzen groß.” So ſucht' er ihr zu tröften das Herz und aud den Muth. Allmählich Tieß ihr Weinen das fchöne Fräulein gut; Doc mwährten ihr die Schmerzen und Wehn noch manden Tag, Bis ihr am neunten Morgen ein Knäblein im Schoofe lag.
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85 Ta zogen burch die Lande weiſer Frauen drei, Wölen oder Nornen: die führt! ihr Weg vorbei An Wachildens Schloße, da fie das Kind gebar. Ta dachte das Gefinde an der kreißenden Frau Gefahr Und Iud fie einzutreten zu einem Wochenſchmaus. Zie waren willfährtg und traten in das Haus Mit reifigem Gefolge. Da wars vorüber fchon, Tas Kind lag in der Wiegen, die Mutter Tote dem Sohn. Auf feinem Hochſitze ſaß König Wiking, Als des Gemaches Thüre in den Angeln gieng: Sie that fih auf und fiehe, drei Normen traten ein: Sie hörten ſchon den Knaben ded Zimmers Wände befchrein. Tu fprady der Nornen Eine, ein Weib von Alter grau: „Kir find zu fpät gelommen, geholfen ift der Frau: So laßt uns in die Wiege doch werfen einen Blid, Ob wir verlünden mögen des Neugebornen Geſchick.“ Man ließ ihn gerne ſchauen: da ſprach das greife Weib: „Der Knabe gleicht den Eltern an feinem jungen Leib; Dazu will ich ihm leihen des Vaters weiſen Sinn’ Und der Mutter Wißen: das fchenkt ihm Urb zum Geminn.“ Tes freute fi der König; er fagt' ihr großen Dant Der verliehnen Gaben. Auf feine Königsbant Xud er ihm zur Rechten zum Sit die Greifin ein; Aud ließ ex wohl ihr dienen mit Meth und kühlendem Wein.
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86 Da fprady die andge Norne, ein Weib nicht jung nicht alt: „Der Knab iſt wohlgeglievert, von rüftiger Geſtalt; Dazu will ich beſcheiden, daß nie ihm Kraft gebricht, Er wird ein Rief an Stärke, wie ihm Werbandi verfpricht.“ Des freute fih der König, er fagt' ihr großen Dank Des reichen Angebindes. Auf feine Königsbank Lud er ihm zur Linken die Frau zu fißen ein; Auch ließ er wohl ihr dienen mit Meth und kühlendem Wein. Da ſprach die dritte Norne, nod eine junge Maid: „Das Kind ift ungeduldig, nun höret wie es fchreit: Dazu will ich ihm leihen den nie zufrieonen Muth, _ Der ftäts auf Neues finnet: das ift was Skuld für ihn thut.“ Nicht freute das den König: er fagt' ihr wenig Dant Für foldhe Wiegengabe. Bor feiner Königsbank Stand ein niedrer Schemel, dahin lud er fie ein; Auch ließ er ihr nicht dienen mit Meth und kühlendem Wein. Als Skuld des inne wurde, wie fie in Born gerieth! „Miſsachteſt du, König, was meine Gunſt beſchied? Und gebräche dir die Gabe zu ſchätzen nicht der Witz, So wärſt du aufgeftanden von deinem königlichen Sitz „Und hättet ihn der Normen Mädhtigfter geräumt: Wie haft bu, mich erbitternd, des Kindes Heil verfäumt! Nun nehm ich meine Gabe zurüd: fo magft du ſchaun, Wozu ihm frommen werden die Geſchenke diefer Fraun.“
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. 87 So ſprach fie zornmuthig und fchritt mit ſchnellem Fuß Aus des Gemaches Thüre, verfagend Blick und Gruß; Das reifige Gefolge verließ da aud das Haus. Da fandte fchnelle Boten der König Wiking hinaus, Ob fie befhtwichtgen möchten ver mweilen Norne Grimm: Ta war fie ſchon verſchwunden. Das mufte Wiking ſchlimm An feinem Sohn entgelten, als er zum Dann gebieh: Untauglicher zum. Helden ward ein Königsſohn wohl nie. Ubne den fein Name ſich je zum Himmel ſchwang, Ein Ftembling feinem Herzen mar der Thatendrang, Der nie fi) mag genügen, wie Großes auch gelingt, Daß ftäts zu höhern Flügen der Geift fich ſtrebend erfchwingt. Was ihm das Glück beſchieden, und wär es noch fo karg, Damit war er zufrieden: wenn fich die Sonne barg, " Co lobt’ er fih den Echatten, und ſchien fie glühend heiß, <o war ihm Hibe lieber als des Winters jtarres Eis. Wie ein Bergriefe ftand er als Knabe fchon Unter den Gefpielen, ein Ziel für Spott und Hohn, Zwar Hüger als fie alle, doch immer ausgelacht: Ihm genügt’ in Kopf und Armen zu fpüren feine Uebermacht. Ran durft ihn lange fchelten, er fragte nichts darnach: Erſt wenn man doppelfinnig von feiner Mutter ſprach, Ta ließ er fo empfinden des ftarfen Arms Gewalt, Tab Mancher nun ala Tüde feines Duldens Langmuth beichalt.
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88 - . . Am fließenden Waßer war ihm die Luft gemein Mit den Eltern beiden; doch niemals fiel ihm ein Die Schwimmkunſt zu üben, auch konnt er feinen Kahn Dur die Wogen fteuern, ber Enkel ver blauen Ran. Er ſah mit fcharfen Bliden bis auf der Wellen Grund; Bon feiner Mutter Wißen war ihm die Tiefe. fund Des Meeres und der Flüße: fo fand er es bequem, Die Furten zu durchwaten von biefem Ufer zu dem. Nun half ihm feine Länge, ber Glieder Uebermaaß, Daß er Untiefen ſich überall erlas. So jchritt er durch die Waßer, als wär es trodnes Land: Da geſchahs, daß er gemeinlich ver Rieſe Wate warb genannt. Wohl fah König Wiling, mie läßig er. war, Und daß er wenig tauge bet feiner Helden Schar: So gab er ihm zmölf Höfe in Seeland an der Flut. Da war er fo zufrieden, ala wärs ein königlich Gut. Er feßte fich zur Ruhe und freite ſich ein Weib Bon des Landes Töchtern: die war nicht ſchön von Xeib, Doch floß es ihr vom Munde und ftob ihr von der Hand: Daß er die Hausfrau wählte, das fchuf fein reicher Verſtand. — — — —— — mn
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Eilftes Abentener. Die Wieland zu Mimen in die Lehre kam. Tre Eöhne zeugte Wate, der ältefte war ich, Der andere hieß Eigel, der dritte Helferich. Er empfing die Nornen befer, als einft fein Vater that; Das ſchuf der Mutter Wißen: es mar ein weislicher Rath. An ihm war viel verfäumet, bes war er ſich bewuſt; So wollt er an den Söhnen doch ſchauen feine Luft, Tie follten Alles lernen, das deucht ihn feine Schmadh, Eich jeder Kunſt befleißen, an der ihm felber gebrad). Kun wuft er wohl die Märe, daß in der Franken Land Der Schmiede Befter wäre, Mime genannt; Auch hatte Nordlands König, fein Bruder Nordian, Garten den getreuen zu dieſem Meifter gethan, Tab er da ſchmieden lerne wes ein Held bebarf, Vie Epere wohlgeſchliffen, die guten Schwerter ſcharf, Ten Helm und den Harniſch, dazu den feſten Schild; Denn Wiking war geftorhen, und feine Traute Wachild
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Wieder beimgezogen zu Aegirs Wellenreich: Nicht fchien fie fo getvogen, das zeigte ſich fogleih, Als Wiling ihrem Buhlen, Nordian deflen Sohn, Denn alle feine Schiffe zerſchlug das Meer mit grinanem Hohn. Da mocht er nicht mehr trauen der ungetreuen Flut, Eie war ihm ein Grauen, wie freundlich fie ihn lub. Der Erde ficdhre Veſte deucht ihn ein beßrer Hort: Da wollt er feine Schlachten zu Lande ſchlagen hinfort. Im Kriege braucht man Waffen, zu Schub und Truß gefellt, Mer die fi) mag verichaffen, das ift der beite Held: Co dachte König Norbian, drum jandt er feinen Sohn Zu Mimen in die Lehre, und verhieß ihm reichlihen Lohn, Wenn er dem ungen helfe zu feiner Meiſterſchaft. Nun hatte, bei Waten dieß Beifptel große Kraft: Er ſandt auch mich zu Mimen: das war dem König lieb, Daß Edart da, der treue, nicht ohne Gefährten blieb. Wir wurden Schwurbrüder, Edart und ich, Wie wir ſchon Vettern waren; von meiner Seite wich Der treue Knabe nimmer, er war mein feiter Schild; Viel mufte meine Jugend von den zwölf Gefellen wild Und Siegfrieden dulden. Denn oft zu Mimen kam Der junge Frankenkönig, und Niemand war ihm gram Obwohl er alle nedte und bie Gefellen fchlug. Mich ließ er lang in Frieden, weil es Edart nicht ertrug,
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9 Wenn feinem Notbgeftallen das kleinſte Leid geichab: Wie oft an den Gefellen er ibn das rächen fah! Doch konnt ers einft nicht laßen in feinem Uebermuth Mich Elfenfohn zu fchelten: da geriethb Edart in Wuth Und warf feine Zange Siegfrieven hinters Ohr, Taß der Knabe blutete. und ſchier den Sinn verlor; Doch kam er bald zu Kräften: mit feiner linfen Hand Griff er Edarten ind Haar und warf ihn in den Sand. Ta lief ih ihm zu Hülfe und die Gefellen all; Bir fparten nicht der Schläge: das war ihm eitel Schall, Er z0g doch bei den Haaren Cdarten vor bie Thür. Ta trat aus feinem Haufe der alte Mime herfür. Mit ſtrafenden Worten ſprach der zu Siegfried: „Was ſchlägſt du meine Burſchen, unnützer Störefried? Wenn ſie was Nützes ſchaffen, läßt du ſie nie in Ruh: Nichts ſchaffen kannſt du ſelber, nur Unfug ſinnſt und ſchaffeſt du. „Dein Sinn iſt unbändig, hier kann ſich Niemand mehr Vor deiner Wildheit friſten. Was läufſt du ſtäts hieher? Wir mögen wohl entrathen ſo ungeſtümen Gaſt: Fürwähr, du lägeſt heßer den Hundingen fo zur Laſt, „Die deinen Vater ſchlugen, und rächteſt ſeinen Tod, Als daß du meine Leute ſchindeſt ohne Noth. Er iſt doch nun gewachſen über Manneslänge ſchier: Zu Felde ſollt er liegen, nicht in der Schmiede bei mir.“ ⸗
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92 Da ſprach mit lautem Lachen König Siegmunds Kind: „Da feht ihr einmal wieder, wie thöricht Greiſe find; Sch weiß es auswendig, das einge, alte Lied, So oft hab ich8 vernommen von dem verloffnen Fahnenſchmied: „So fchmiede mir die Fahne, ſo ſchmiede mir das Schwert! Du baft es längft verheißen: wann wird mir das gewährt? Kann ich Hundings Söhne zerfloben mit der Fauft? Du aber ſollſt erproben, wie ftarf fie hümmert und fauft, „Wird nisht das Schwert gejchmiedet in dreier Tage Frilt: Tie meine Rache fühlen, du dann der Erſte bit. Du fährft zu Hels Reiche, zu Siegmund kommſt du nicht, | Eonft Tönnteft du ibm jagen, ob ihm Siegfried Rache verſpricht.“ Da ließ nicht mit fich fcherzen Siegfried, Siegmunds Sohn: Er war in hohem Zorne: im Zorn gieng er davon. Dem Meifter warb, dem Alten, doch vor dem Sinaben bang: Er mocht e8 nicht geftehen, er trällerte, pfiff und fang, Doch bub er an zu ſchmieden und fchlug ein gutes Schwert In den dreien Tagen, wohl eines Helden werth. Das gab er Eiegfrieden und ſprach: „Da nimm es bin Und ftrafe Hunbings Söhne, daß ich dein nur ledig bin.” „Erſt will ich’ es verſuchen,“ fprach der junge Held, „An diefem Amboße, ob es die Probe hält.” Ta that er auf das Eifen einen ungefügen Schlag, Daß das Echwert zerbrodhen ihm halb zu den Füßen lag:
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93 „Das ift nun dein Geſchmiede,“ fprach da Siegfried, „Mime, greifer Pralbans, du unnüber Schmied: Kannit du nichts Beßres wirken als fol ein gläfern Ding, Eo bift du zum Erfchlagen, zum Hängen felbft zu gering.” Ta-fchritt aus der Schmiede der junge Rede ftarf. Tas wurmte doch dem Alten und zehrt' ihm an dem Marl, Daß er ihn fo gefcholten vor der Gefellen Schar: Gr hatte doch gegolten für den beiten Meifter immerbar. Ta ſetzt' er fidh zu fchmieten und wirkte Tag und Nacht An einem Schwert, fo ſchneidig wie er noch keins erdacht: Auch war es ungefüge, von mächtigem Gewicht: Er ſprach zu Siegfrieden: „Dieß Schwert zerklobſt du mir nicht. „Es wird ſchon Mühe koſten, wenn es dein Arm erſchwingt.“ — „So will ich nur verſuchen, wie der Amboß klingt“ Sprach der junge Degen und ſchwang es, daß es pfiff: Ta zerbrach auf dem Eifen die Klinge dicht an dem Griff; „Das gebt fchon beßer,“ ſprach er, fchredlich war fein Ernft, „ESchmiedſt du noch taufend Jahre, vielleicht daß du es lernſt. Ih hätte Luft und würfe dir ins Geficht das Heft.“ „Lir ſchmieden,“ ſprach da Mime; „das ift ein übles Geſchäft. „Es lebt Fein Schmied auf Erden, dem es gelingen mag: Schmiede du dir felber, ich thue keinen Schlag Für dich mehr auf den Amboß.“ Er ſprach: „Eo ift es Recht, Ich felber will mir ſchmieden: ihr Thoren könnt es gar zu Schlecht.
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94 „Run will ich euch das. Handwerk lehren aus dem Grund: Schaut mir zu, Bönbafen, ich weiß manch feltnen Fund. Da glüht ſchon eine Stange in der Eſſe Gluth, Die reicht mir her: ich fange nun an, mein Schmieden wird gut.” Aller Hämmer fchwerften nahm er in die Hand: „Achtung, daß ihr was lernet,” rief er zornentbrannt. . Da ſchlug er auf die Stange einen Edhlag, der war nicht krank, Der Stein zerbarft, dee Amboß in der Erde Grund verſank; In Funken dar, zerftoben der glühen Stange Yaft, Zerbrochen lag die Zange, mit der er fie gefaßt, Der Echlegel brady in Stüden nieber von dem Schaft, Das Haus begann zu züden von des Schmiedes kindiſcher Kraft. „So ſollt ihr mir ſchmieden,“ ſprach Siegfried, „fortan; ‚Morgen fomm ich wieder, und wer es da nicht kann, Den ſchweiß ich auf den Amboß.“ So gieng er aus dem Haus. „O weh des Geſchmeides,“ rief unſer Meiſter da aus, „O weh mir, immer wehe, daß ich den Tag erlebt, Wo mir das Herz in Aengſten vor dieſem Knaben ſchwebt. Nun leb ich ſiebzig Jahre und drüber manchen Tag, Und nimmer ſah ich, nimmer einen fürchterlichern Schlag, „Als den auf dieſe Stange ein Kind bat geführt. Und Tommt er zu Jahren, daß ihn der Blitz nicht rührt (Das fteht allein zu hoffen), fo balte dich nur feft In deinen Fugen, Erbe, fonft giebt fein Arm dir den Reſt.
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95 „Run gönn ung Odin gnädig vor feinem Ingrimm Rub; Und werd ich fein nicht ledig, ich meiß nicht mas ich thu.” Zo ſprach der greiſe Meifter in feines Herzens Noth. Cr jann das Kind zu töbten: da fand er jelber den Tod. Terweil zu feiner Mutter gieng Siegfried der Helb. Ta ward er wohl empfangen: fie ſah nicht auf der Welt Co gern als feine Augen. Sie bot ihm lauten Tranf Und bieß ihn nieberjigen: des fagt ihr der Junge Dank: „sch Tomme nur zu fragen, ob ich recht vernahm, Daß Eiegmund, meines Vaters, Schwert euch überlam? Mich dünkt, ich hörte jagen, er gabs in eure Hand, Als er von Odins Neide den Tod und den Unfieg fand.” — „Wohl Haft du recht vernommen, es brach an Odins Sper: Ton Ddin ift fie fommen, die gute Waffe hehr. Als er bei Signes Hochzeit fie in die Erde ftieß, Heraus zog fie Siegmund: Fein Andrer vermochte dieß. „Die Dvin hat verliehen zergieng an Odins Kraft; Er mochte wohl beneiven des Helden Ejegerichaft. ' Mir blieben nur die Stüde; dach Siegmund ſprach im Tod, Turd Helm und Panzer züde damit ein Held noch Wunden roth.“ „Co gebt mir ber die Splitter,” fiel ihr Siegfried ein, „Und fchlagen fie noh Wunden, laßt mich den Helben fein. Hier ift ein Schmied, heißt Mime, ein Stümper jeiner Kunft; Jedennoch foll ers ſchmieden; wielleicht geräths durch Odins Gunſt.“
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. Da gab fie ihm die Stüde und ſprach: „Du bift e8 werth, Und mwiße, Dir beftimmte Siegmund im Tod das Schwert.” — Am Morgen gieng der Junge wo er den Alten fand. Er ſprach: „Ich laß euch leben; voraus zwar ift mir befannt, „Daß ihr den Echlag nicht könnet, den ich euch geftern wies Und bei ſchwerer Buße mir nachzufchlagen hieß; Doch wenn ihr in drei Tagen mir ein gutes Schwert Aus diefen Stüden jchmiedet, jo wird euch Gnade gewährt. „Zerbricht es aber wieder, fo ift es euer Tod: Mit euch Schon allzulange hab ih meine Noth.” ” Und Mime ſprach, der alte: „Nun fage, junger Held, Was denkſt du zu beginnen, wenn ich das Schwert dir bergejtellt ?” „Siegmunds Tod zu rächen,” verſetzte Siegfried. Und wieder fprah Mime, der ſchlaue Waffenfchmieb: „Und braucht du einen Harniſch nicht auch zu der Fahrt? Nicht Helm und Eifenhofen, einen Schild, der dich bewahrt „Bor Echwertern und vor Speren? Nie zog wohl in ven Krieg Ein Held, der das nicht hatte, noch auch ein Roſs beftieg.“ Da Sprach der junge Degen: „Das mag von Ruben fein, Und willft du mir e3 ſchmieden, fo fag ich dazu nicht Nem ; „Das aber follit du wißen: wo man zu Streite fommt, Da kann ein Mann nichts haben, das ihm jo ficher frommt Als ein Herz im Bufen: bat er dazu ein Schwert, Das Andre wird ihm Alles mohl in den Kauf noch befchert.“
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97 Ta fprach der gute Meifter: „Was dir zu haben Noth Will ich dir Alles ſchmieden, du follft nicht in den Tod Nit einem Schwerte rennen. Nur fehlt eg an der Gluth: Willſt du mir Koblen brennen, fo ſchür ich das Feuer gut, „Und wirfe dir in Kurzem das blanlke Rüftgeräth. Es getrauen meine Leute ſich weder früh noch fpät, Die fehr es fehlt an Holze, fo tief in meinen Walt: Er fi der Ungeheuer und der Drachen Aufenthalt „Und was fie Fonft noch fabeln. Das wirft du wohl nicht ſcheun, Du ringft mit den Wölfen und bänbigft die Leun.“ Ta ſprach der kühne Siegfried: „Sp macht man Kindern Graus: Ih fälle dir Die Bäume und brenne Kohlen daraus; „Rur ber mit Dem Geräthe.” Das gab man ihm fofort; Auch lehrt’ ihn Mime finden im tiefen Wald den Ort, Ro er holgen mög und Kohlen brennen aus dem Holz: Zu Walde zog da Siegfried, der junge Welfunge ftolz. Simrod, das Amelungenlier. 1. 7
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Zwölftes Abentener. “ .. Bie Siegfried Mimen erihlug. Doch Mime war zum Walde gegangen früb am Tag, Wo brütend über Schägen fein Bruder Fafner lag. Das war ein grimmer Drache, der nährte ſich von Blut; Beftehen mochte Niemand des Starten Lindwurmes Wuth. Zu Fafnern fprah da Mime: „Einen Knaben fend ich heut Zu diefes Waldes Tiefen, der ift jehr ungejcheut Und jchafft mir eitel Aengfte: den töbte, fo du millft; Mir ift Tieb, wenn du den Hunger an dem frechen Unholde ſtillſt.“ Da ſprach fein Bruder Fafner: Schon gut; er kommt doch bald ? Es ift jetst gar fo einſam hier in dem tiefen Walb: Sch jebe gerne Leute bei mir audy dann und wann; So allein iſts zum Verſchmachten für den Menfchenfreund in dem Tann. — „Zu Mittag wird er fommen.” — Das ift mir herzlich lieb. Er ift zu Tiſch gebeten, ich wünſche nur, er blieb’ Uns nicht zu lange außen: mir wird das Falten ſchwer; Das Mal verjchieb ich ungern: fend ihn ja zeitig hieher. —
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99 ‚Sa dvesbalb außer Eorgen: ich geb und ſchick ihn dir. Nich beute zu bejuchen verſprach der Knabe mir: Tann fommt er in der Frühe, das bin ich ſchon gewohnt.“ — <o hoff ih nur, ſprach Yafner, daß es der Mühe verlohnt. Rob ftand die Eonne niebrig, da fuhr zum grünen Wald Siegfried der junge; tie fröhlich warb er bald Als er im lichten Scheine die Bäume grünen jab: Tor Freuden wollt er fpringen, nicht mwuft er, wie ihm geichah. Cr begann ein Lied zu fingen: nad) fange ber Wiederhall; Da ſchuf ein luſtig Ringen der ſtarken Stimme Schall. Vald freut' ihn mehr zu lauſchen des Bächleins munterm Gang, Vald wie ein wonnig Rauſchen durch alle Läuber ſich ſchwang. Von abertauſend Stimmen der Wald erfüllet war, Ton Blüthen ſummten Immen ' zu Blüthen immerdar; Bald Adlersflügelſchläge, bald kleiner Vögel Lied, Bald Reh im Laube raſchelnd, bald Waßervögel im Ried. Hier gieng ein Rudel Hirſche: Zwanzigender ſtolz Wieſen den Hinden die Wege durch das Holz; Dort ſchoß ein wilder Eber auf ſeiner Jagd vorbei, Hier falzten Auerhähne, dort kreiſſte herrlich der Weih. Wie leuchtend durch die Grüne die Morgenſonne ſchien, Siegfried der kühne ſprang wie ein Thor dahin: Er hatte nie die Wunder der Wildniſs gelang; Bald an dem Orte ftund er, dahin ihn Mime gefandt.
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100 Vor einem hohlen Berge bub er zu hohen an: Die Etreiche wiederhallten weithin im tiefen Tann. Er fchwang die Art fo mächtig, daß auf den britten Schlas Eine königliche Eiche die Krone ſenkend erlag. Auch muften ſich ihm neigen der füßen Linden viel, Mit dichtbelaubten Zweigen die Eiche nieberfiel, Die Fichten und die Tannen huldigten ihm aud;: Du willft den Wald ausreuten, ift das wohl Förſters Gebraud? Darunter macht' er Feuer: erft ftigg der Rauch empor, Dann fchlug ein Ungeheuer die Gluth zum Himmelstbor; Noch ſchwang er eine Buche darauf mit ftarlem Arm: Den Wanen und den Afen warb in den Himmelswelten warm. Da fegt’ er fih zu raften und fah die Funken fprühn, Die heißen Glieder fühlend unter der Linde grün. Dann nahm er alle Epeife, die er mitgebracht, ‚ Genug für fieben Tage, fo hatte Mime gedacht: Den ganzen Wochenvorrath, den aß er auf ein Mal An einem grünen Hügel; noch ſchien die Koft ihm fchmal. Dann griff er zu dem Schlauche und trank den fühlen Mein: Bald goß er mit Behagen den legten Tropfen hinein. Da drang ihm durch die Glieder Gefühl der Kraft und Luft: Er wuſte fich gewaltiger als er fich je gemwuft. - Da ſprach er: „Ahenteuer, und kommt ihr noch nicht bald? Ihr feid doch allzutheuer in biefem verrufnen Wald.
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101 „Es ift ein rechter Jammer mie wunderlos die Welt: Wie ſoll ſich da erweiſen in feiner Kraft ein Helb? Thurſen, Bergriefen, vie fiehbt man gar nicht mehr: D führ doch aus der Wildniſs ein fcheuslich Unthier daher, „Daß ich erproben fünnte, ob wohl mein Arm fo ſtark Als einem Weljung ziemet; mich dünkt, ich ſpüre Marf Genug in den Gebeinen, auch jchwillt mir fo der Muth, Tag mir nicht bangen follte vor aller Ungethüme Wuth.“ Nun fam zur felben Stunde Yafner der grimme Wurm Aus des Berges Echlunde, er fchoß daher im Sturm, Tie Beuse zu verfchlingen lechzt' ihm fchon ver Gaum. Ta fuhr der junge Degen empor aus feinem Helbentraum. Cr fah den Drachen kriechen und ſprach: „Wie bin ich froh! Die ich es eben wünſchte, es fügt ſich völlig fo: Run kann ich mich verfuchen.” Hin lief der Rede gut Und riß die mächtge Buche hervor aus des Feuers Gluth. Zane Kraft war fonder Gleichen: er lief den Lindwurm an Und ſchlug ihm in die Weichen, daß meit erjcholl der Tann. Ta jprühte Gift und Geifer des wilden Drachen Schlund; Und wieder ſchlug ihn Siegfried: da ward ihm Helvenftärke fund. Ta wandte ſich der Drade, er ringelte der Echweif Und zudte nad) dem Jüngling mit ſchnell entrelltem Reif; Der aber fprang zurüde und fehlug ihm auf das Haupt Mit dem Feuerbrande: da war er Sinnes beraubt
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102 Und ftöhnte furchtbar brüßlend die legten Geifter aus, Den Wald mit Echredien füllend und alles Wild mit Graus. Noch fielen ſchnelle Schläge herab von Siegfrieds Hand: Da war der Wurm geftorben, fein letzter Seufzer entſandt Die Art ergriff da Siegfried und that fo grimmen Echlag, Daß gleich das Haupt des Wurmes ihm zu den Füßen lag. Die rothen Blutftröme jammelten fi zum See; Dem jungen Helden wurde von feinen Arbeiten weh. No gönnt’ er fich nicht Ruhe: in des Dradjen Bruft er bradı Und forjchte da dem Herzen des Ungethümes nad). Da verbrannt’ er fid) die Finger, es war zum Glühen heiß; Run that er was ein Jeder thut, wenn er den Grund auch nicht weiß: Er ftedte fie zu fühlen geſchwind in feinen Mund. Da warb dem ftolzen Knaben jeltiame Märe fund: . Drei Nachtigallen fchlugen auf: dem Lindenaft, Und Alles mas fie fangen, das galt dem herrlichen Gaſt. Da war ihm als verftünd er der Vögel Liederſchall; Nun hört, was ihm gefungen die erfte Nachtigall: „Wenn er im Blute bavete, der junge Degen werth, Kein Eifen je ihm fchadete, ihn verwundete fein Schwert.“ . © Die zweite fang: „Der "Yüngling ift nun, reich genug, Der Hort ward fein eigen als er den Drachen fchlug, Auf dem im hohlen Berge der arge Hafner lag, _ Einen Schatz jo unerichöpflich beichien wohl nimmer der Tag”
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103. Asbald begann die dritte: „Run räch es feine Hand An Mimen, ver ihn böslich zu Fafnern gefanbt. Denn des Drachen Bruder ift der weiſe Schmied: Und foll ers nicht entgelten, der Meifter, der ihn verrietb, „So rächt noch an ihm felber Mime des Bruders Mord.” Tas Alles hörte Siegfried, ihm entgieng nicht ein Wort. Nicht lang blieb unentjchlopen der theure Degen gut: Ab riß er feine Kleider und warf fich raſch in die Flut. Als er ſich gebadet dem rothen Blut entſchwang, Da begehrt’ er nicht des Horted, von dem der Vogel fang, Er begehrte nur zu rächen König Siegmunds Tod. Und wieber fang der Bogel vom Hort; er ſprach: „Was hab ich Noth „Les Golds im Dradenbette? Lachen müften bel Hundings ftolzge Söhne, wollte minker fchnell Ein Königsfohn um Rache werben, denn um Gold: Vergäß ich jo des Vaters, da wär ich Schätzen allzuhold. „Noch ift er ungerochen; was fchaff ich bier im Wald? Mir that doch nichts zu Leide der Drachen Ungeftalt; Auch Hab ich noch zu rügen Mimens Berrath.” Ta rannt er aus dem Balve und war ber Schmiede ſchon genaht, Als Ecart ihn erfhaute, der immer Treue pflag. Ta wart’ et feinen Meifter: „Euer jüngfter Tag If, wähn ich, nun gelommen, ivenn ihr nicht eilends- flieht: Ta rennt ſchon aus dem Walde der junge Rede Siegfried,
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„Und trägt das Haupt des Drachen in feiner ftarfen Hand: Er ſchlägt und all zu Tode, fliehn mir nicht unverwandt. Wir find hier unfer Zmölfe, doch ift er fo im Born, Und kämen ihrer hundert, die wären alle verlorn.” Da liefen die Gefellen und bargen fi im Wald. Aber Mime wollte nicht fliehn: „Sch bin fo alt, Soll id) mid) vor dem Knaben verfriechen in den Tann, Der kaum zwölf Jahre zählet? Gar übel ftünd es mir an.” Da warf ſich ihm zu Füßen Eckart, um fein Knie _ Die treuen Arme fehlingend: „lieh, guter Meifter, flieh: Wenn Eiegfrieb dich erfchauet, ich weiß, es ift dein Tod.“ „Steb auf, ich will nichts hören,” das war des Meifters Gebot. Da trat fchon in die Thüre der fürdhterliche Gaſt. Und Mime fprah: „Du trugeft heut ſchmerer Arbeit Laft: Dafür wird dir am Abend willlommner Lohn beichert; Ich fand noch alte Kohlen und ſchmiedete Siegmunds Schwert. „Willſt du mit Hundings Söhnen nun ziehen in den Streit, So hab ich Helm und Harniſch ſchon auch für dich bereit, Dazu die Eifenbofen, ven feiten Schild zugleich: Sie waren Ortniten bejtimmt, dem Herrn, im Oſtenreich. „Nimm auch aus meinem Stalle das allerbefte Roſs, Das mit gewaltgen Schenkeln wohl je ein Held umſchloß: Das foll dich immer tragen, wenn du zum Kampfe Iprengit; Grani ift fein Name, von Brunhilds Stuten fiel der Hengſt.“
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105 Da gab dem Helden Mime die Eifenhofen bin: Tie jhnallt er um die Beine, wohl Hleiveten fie ihn. Tarın reicht’ er ihm den Harniſch, ver warf fo lichten Schein: Siegfried ftülpt ihn über und fuhr mit der Bruft hinein. Da bot ihm der Meifter des Helmes lautern Glanz: Ten ſchwang er fich zu Häupten und ftand gerüftet ganz. Run gab ihm auch der Alte den ftahlharten Schild; Doch immer ſchwieg Eiegfried und blidte fürchterlich mild. Jeht blieb ihm noch zu geben Siegmunds gutes Schwert: „Erft will ich e3 verſuchen,“ fprach der Degen werth: Er ſchwang es in den Lüften und bot fo ſcharfen Gruß Tem guten Amboße, daß er zeripellte bis zum Fuß. Richt zerbrach die Klinge, die ungefchartet blieb. „Las Schwert ift wohl gerathen, das zeigte biefer Hieb,“ Sprad der junge Degen: „darum fo weih ichs ein, Shähern und Verräthern ein fürchtbarer Feind zu fein. „Schwer follen Siegmunds Mörder empfinden feine Muth Und ſchwer, wen je gelüftet nach feines Sohnes Blut: Tu Mime, Fafners Bruder, bift hier der Erfte gleich.“ Ta ſchwang auf den Meifter feine Hand den tödtlichen Streich. Nime der alte erfchlagen lag da auch: Cr gab in Edarts Hände den legten Lebenshauch. Tem wollte Niemand folgen, wie gut er immer rieth: . Wie oft das werthen Helden ein frühes Ende beſchied! | nn nn
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106 Dreizehntes Abentener. Wie Wieland bei den Zwergen lernte. - Das war berfelbe Mime, von dem ich euer Schwert, Herr König, Mimung nannte; der Ehre war er werth: Noch ſah ih auf Erden erfahrnern Meifter nie, Wie jehr ihn auch Siegfried vor den‘ Gefellen verjchrie. So kam der Schmiede Belter mit Unrecht in Berruf: Gut waren alle Schwerter, die er jemals jchuf, Und aud die nicht minder, die Siegfried ihm zerbrach: Was Heldenkraft vermochte gereicht ihm billig nicht zur Schmach. Das wollt ich anerlennen, und daß ich feiner Kunft Einen Theil der meinen dankte und fo auch eurer Gunft; Mic lehrten wilde Zwerge den andern fpäterhin In einem hohlen Berge; zwei Jahre weilt ich darin, Schwarzelfenkunſt zu lernen und neuen Handwerksbrauch: Sie konnten herrlich ſchmieden, in Gold und Silber auch Und in allen Erzen, die man nur ſchmieden mag; Nicht bloß in Stahl und Eiſen, wie man ſo lange nur pflag.
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107 Wie ich dahin gelommen und wie ich wieder ſchied, Davon könnt ich euch ſingen ein langes, langes Lied; Nur fürcht ich daß ihr einſchlaft und morgen erſt erwacht: Es ſei genug der Rede, ſchon geht zu Ende die Nacht. Da ſprach König Neiding: „Nicht alſo, Elfenſohn, Du denkſt uns abzuſpeiſen, ſo kommſt du nicht davon: Wir wollen Alles hören bis auf das letzte Wort, Kein Schläfer fol dich ſtören; fahr immer weiter nur fort.“ Nieder fprrah da Wieland: Da ich mein Schenkenamt Doch heute muß beginnen und ihr euch felbit verdammt, Zen Kelch, ven ich kredenze, zu leeren auf den Grund, So will ichs nicht entgelten, wird euch der Hefe Säure fund. As Mime war erichlagen, und Wate das vernahm, Ta braucht’ er zu ver Reife drei Monden, als er fam Mich wieder heimzuholen aus ber Franken Land; Au hatt ihn König Nordian nad feinem Sohne gejandt. Da brachte mich mein Bater mit Edarten balb Wieder in die Heimat: zwölf Winter war ich alt, As ih aus Mimes Lehre nach Seeland kam zurüd; _ Doch war ich werlerfahren und ſchmiedete mandyes Stück Mit Edartens Hülfe, eh König Nordian Bor Urtnitens Scharen aus feinem Reich entrann. Ta muft er Gnade ſuchen und Frieden fih erflehn; Doch empfieng er feines Reiches den geringften Theil zu Zehn.
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108 Ceeland ward ihm verliehen von Ortnitens Hand Und zum Oberfönig in Wifingenland Notherich geordnet, König Ortnits Sohn: "Dem mufte Nordian zinfen: das war feiner Feigheit Lohn. Nicht lang jedoch ertrug er der Unterwerfung Schmach; Als er entfagte, folgte Asprian ihm nad) Und deſſen Riefenbrüder, die Söhne Nordiane: Die wuſte König Rother die ſtärkſten Reden feines Banns. Abendroth und Edart, der Mimen rieth zu fliehn; Der dritte war Widolf: die wurden mitbeltehn. Den Koönigsnamen führte Asprian allein: Die drei andern follten getreue Helfer ihm fein. Die drei Niefen waren von Kraft unmaßen ftarf, EStroßend von Gefundheit und von Heldenmarf; Doch über allen ragte Widolf hoch hervor: Der Jüngſte ivar der Stärkfte, er fchien ein anderer Thor. Dazu war er fo böfe und von fo zorngem Muth, . Daß er Thier und Menſchen erſchlug in blinder Wutb. Dem Tpde war verfallen Wer ihm zu nahe trat: Wie Manchen lehrt! er finden zu Helas Reiche den Pfad! Als nun König Asprian, Widolfs Bruder, ſah Was von des Riefen Grimme für Unfug geichab, Und daß er ihm gehordien werde nimmermehr, Wenn er ihn ledig laße und frei gehn allwärts umher,
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109 Cine Eifenfette ließ er Eckarten da und mid) Für Widolfen jchmieden, ftark war die ficherlich. Um Hals und Füße legte man fie dem grimmen Mann Und um beide Hände, daß ihm die Stärke gar zerrann. Tie Kette muft er tragen den Tag und auch die Nadıt: Was halfen Zorn und Klagen? Nur wenn es’in der Schlacht Den Feinden gieng entgegen band man den Riefen los: Ta fiel von feinen Händen ten Tapferften das Todeslooß. Auch muften wir ihm fchmieden eine Eifenftange lang, Die er in Volksſtürmen in den Händen ſchwang: Widolf mit der Stangen iſt er darum genannt; Tie ward ihm nachgetragen in mandyer Könige Land. Run blieb ich in der Heimat bis an des Jahres Ziel; Ta hatten wir von Zwergen vernommen Wunders viel, _ Daß fie in allen Erzen die beften Schmiebe find, Und wie aus Bergesſchachten ihre Kunft die Schätze gewinnt. Ein Berg hieß Glockenſachſen: zwei Ziverge wohnten drin In Künften auferwachſen zu meifterlihem Einn. Sie trugen auch die Krone: ein weites Königreich Tief im Exrvenfchooße, das diente den Brübern gleich. Elberich der Heine und König Goldemar, Tie hielten im Gehorfam der winzgen Zwerge Schar. Elberich hatt im Schmieden die Zunftreichfte Hand; Co war der König Goldemar das Erz zu ſchürfen gewandt.
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110 Noch mar ein dritter Bruder, den Elberich vertrieb, Elbegait, der ſchlaue, berüchtigte Dieb: | War Gold in fieben Kiſten; verjchloßen und bewahrt, Doch ftahl er es mit Liſten in feiner Iuftigen Art. . Zu diefen Bivergen brachte mein Vater mich nicht gern, Wie oft ich ihm gebeten, ihm lag ihr Land zu fern; Doch gute Worte fallen zulegt auf guten Grund: Wir brachen auf und famen unterivegs an einen Eund, Grönirgafund geheifen. Da mar kein Schiff bereit, Das uns hinüber brächte: wir harrten lange Seit; Doch zeigte fich Fein Fahrzeug, weder fern noch nah. - Auf feine breite Achſel hob mich mein Vater Wate ba, Und fette feine Füße wohl in die tiefe See. Mir Knaben warb vor Aengſten auf feiner Schulter weh, Als er den Sund durchwatete; neun Ellen war er tief; Ich ſag euch nun nicht weiter, wie unſre Fahrt ſich verlief. Ihr möchtet lieber hören wie man uns empfieng In dem hohlen Berge und was hernach ergieng. Wir wurden wohl empfangen, uns ehrte Elberich Und nannte liebe Vettern meinen Vater ſtäts und mich. So that auch König Goldemar; ſie waren gern bereit In die Lehre mich zu nehmen auf eines Jahres Zeit. Nicht wollten fie Vergeliung: „Wir haben fo viel Gold,“ Sprach Elberich der Kleine, „euerm Sohne find wir hold,
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111 „Er fol ung willlommen in unfrer Schule fein, Tie Lehre muß ihm frommen, er wird ein Echmiebe fen; Trum gebt und nur zum Zeichen des Golbes eine Mark Und gefchloßen ift der Handel.” Wohl fand die Forderung ſtark Rate der Riefe; er dacht in feinem Sinn: „Daran ift nicht zu merken, daß ich ihr Vetter bin. Sie thun ala wärs ein Pfennig und tft ein theurer Solo. “ Doch ſprach er nichts darüber und zahlte willig das Golb. Ta nahm mein Bater Urlaub und wandte fi nach Haus. Nun zeigt.ich mich gelehrig und willig überaus: sh muß mich felber loben, mer jollt e3 anders thun? Sie ließen mich die Tage und auch die Nächte nicht ruhn. Stäts gab es neue Künfte, die wir noch unbemwuft: Sie bofften zu ermüben meinen Fleiß und meine Luft; Doch blieb ich unverbroßen und willig immerbar Und fehien es nicht zu merken, daß man mir abgünftig war. Ras mir die Ziverge zeigten, das ſchuf ich Alles nad Und ruhte nicht, bi wenig mir an dem Werk gebrach; Doc oft gelang mir befer, das jahen fie mit Neid: So gieng das Jahr vorüber und die. bevungene Beit. Die Friſt war verſtrichen und brüber wohl ein Mond Bevor mein Vater kehrte, denn Wanderns ungewohnt Bar er von Kindeöbeinen, den jever Weg verbroß; Auch hätte feine Schwere . dem riefenmäßigften Roſs
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112 Den Nüdgrat zerbrohen. Nun endlich ftellt’ er ſich Und brachte meine Brüder, Eigel und Helferich, ' Mit zu dem hohlen Berge. Auch ihre Zeit war aus, Bon ihren Meiftern führte fie Wate jetzo nach Haus. Eigel war ein Schütze und fehlte nie das Biel, Ein Arzt aber Helferih, ver heilte Kranle viel. Nun empfiengen ihn die Zwerge mit feinen Söhnen gut; Man bat ihn nit zu fcheiden, bevor er fich ausgeruht. Das ward von meinem Vater gar willig angelobt. Inzwiſchen konnt ich merken, er hätte gern erprobt, Ob wir auch wohl verwendet die Lehrzeit alle drei, Und wer von feinen Eöhnen ver befte Meifter wohl fei. Da ſchuf ich eines Tages ein Buchfintenneft Und hieng es in den Zweigen eines Baumes feft. Das fahen meine Brüder; nun währt’ es Turze Zeit, So flog ein Finkenpärchen daher und fand das Neft bereit, Wie fie es haben wollten. Da freute fie der Fund: Das Männden that mit Singen feinen Jubel fund, Und weil 'es eben Brutzeit, fo legte gleich ein Ei Das Meibehen, dann ein ziveited und endlich wurben es drei. Nun fahen wir es fiten und brüten Tag und Nacht. Da ſprach der Rieſe Wate: „Das haft bu wohl gemadit; Und haben deine Brüder ihre Lehrzeit fo genußt, So fteh ich Ungelehrter vor euern Künſten ganz verbußt.”
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113 Run hatte ſich verfühnet ver fchlaue Elbegaſt Rit den Brüdern beiden. Er weilte juft als Gaft. Bei ihnen in dem Berge. Da fah der liftge Dieb Vas ih mit dem Nefte und mit dem Finkenpärchen trich. Ta ſprach ev: „Wart, ich ftehle die Eier aus dem Neft; Taf es nicht merkt die Finkin, noch ihren Sitz verläßt.“ Er flieg hinauf und nahm fie unter dem Weibchen: fort Tem Pärchen ungejehen, denn Keins: vertaufchte den Drt. Tann ftieg er leife nieder und gab die Eier mir. Ta ſprach zu Eigeln Wate: „Die Neih ift nun an dir Teine Kunſt zu zeigen: die Eier leg ich her Im Dreiech auf den Felſen, und dünkt es dich nicht zu ſchwer, „So ſchieß mit einem Schuße fie in der Mitt entzwei. Es ſcheint ein wenig ſchwierig, doch ob es möglich fei Rag der Verfuch enticheiven.” Der Fels war oben fteil; Ta legt’ er auf den Bogen einen zwiegeſträlten Pfeil: Der traf im Vortwärtöfliegen ver Eier ziveie nur, Und dann das dritte gleichfalls, als er zurüde fuhr Bom Felfen wiederprallend. „Das war ein Meiſterſchuß,“ Rief Wate da mein Bater: „nun mache Helferich den Schluß „Und beile mix die Eier mit feiner Kunft geſchwind Und auch die jungen Vöglein, die darinne find, Taf fie der Schuß nicht ſchädigt.“ Das that der Junge da Und mat’ es fo gefüge, daß man die Narbe fchier nicht ſah. Eimrod, das Amelungmlien, 1. . 8
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114 Die heilen Gier legte Elbegaft der Dieb Dem Hühnchen wieber unter, das ruhig fiten blieb Und immer weiter brütete, als wäre nichts gefchehn. Man konnt am dritten Tage die Küchlein hören und fehn: Die waren frifh und munter aus dem Ei gefchlüpft Und wurden von den Eltern mit Jubel lang umhäpft; Sie trugen Feine Epuren des Echußes, allenfalls Wenn wir Eigeln glauben, ein rothes Streifhen um den Hals.
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Bierzehntes Abentener. Wie der Rieie Wate das Leben ließ. Ta ſprach der alte Wate, feine Freude war groß: „Kun will ich gerne fterben; o feliges Looß, Wenn ich jeßt fcheiden dürfte, da mir das Heil geichah, Daß ich ſolche Meifter in meinen Söhnen erfah!“ Ta fprach er zu den Zwergen: „Nun gebt uns Urlaub bald, Taß wir von binnen fahren: ver kurze Aufenthalt . Bei euch hat mich verjünget, daran ift Freude Schuld: Kun lat euch beide danken für ven Fleiß und die Geduld, „Die ihr auf Wielanden zu wenden habt geruht: Er gedieh in eurer Echule zu einem Meifter gut. Ich babe ſolche Proben von feiner Kunft gefchaut, Ich dank es meinem Heile, daß ich ihn Freunden vertraut.“ Da ſprach mit fchlauem Lächeln der kleine Eiberidh: „Ein wenig vorfchnell, Vetter, dünkt euer Lobfpruch mich: Ter Künfte hat er viele zwar hier bei uns erfernt, Tob ift er von dem Ziele der Meifterfchaft noch weit entfernt. ‘
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116 „Aus Tagen werden Wochen, aus Wochen Monden gar Und eh man fidh befonnen, fo-ift dahin ein Jahr: . Bill man was Rechtes lernen, fo braucht es Tängre Friſt; Man läuft nicht aus der Edhule, bevor man entlaßen ift. „Drum faget Niemanden, daß ich fein Meifter fei, Eh ich ihn losgeſprochen und unfrer Lehre frei: Menig Ehre bräcdt es ver edeln Zwergekunſt, Wenn es Jemand glaubte, doch bielte mans für blauen Dunft. „Wohl mag er Vögel täufchen, doch Menſchen täufcht er nicht, Sie find gar Flug dadroben, tie Bruder Elbgaſt fpricht. Laßt uns den Burfichen länger, es tft zu feinem Glück: Wir geben euch zum Zeichen vie Marl Goldes zurüd „Und geſchloßen ift der Handel noch auf ein .andres Jahr.“ Damit war einverftanden ber König Goldemar. Da ſprach der Riefe Wate: „Wohkın, ich geb es ein: Ye weiter ihr ihn fördert, je lieber foll es mir ein.“ Da zählten fie dem Alten auf die Hand das Gold. Da ſprach der Heine Elberih: „Wir find dem Knaben hold Und möchten ihn behalten: drum lieber Vetter, wißt, Kommt ihr nicht zeitig wieder, daß er ung heimgefallen iſt.“ „Die Wette foll gelten,“ rief mein Bater fchnell: „Wohl mag mich träge fehelten ein Wwinbiger Geſell, Doc kann ſich Wate fputen, weiß er nur erft warum: Bin ich nicht hier zur Stunde, fo bringt ihn meinthalben um.”
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117 Da nahm er feinen Urlaub von den Hönigen und ſchied; So tbaten meine Brüder. Wie mir die Klugheit rieth, Gab ich ihm das Geleite bis vor des Berges Thor: Wir famen ungehindert eine gute Strede davor. Ta warnt ich meinen Vater: „Man ift uns bier nieht hol, Trauet nicht dem Scheine: ihr möchtet dieſes Gold Mit bittern Thränen büßen. Wenn ihr nicht zeitig Tebrt, Heute nach zwölf Monden, fo geb ich feiner Bohne Werth „gür mein armes Leben.“ — „Sch auch nicht, gutes Kind,“ Verſetzte mein Bater: „bie mir jo freundlich find, Die mollen mid) betriegen; wo man mich Better nennt Und Niemand doch der Sippe Haupt noch Mittelglieder Tennt, „Ta hüt ich meines Lebens. Sieh, diefed gute Schwert, Bezaubert ift die Klinge, die Geiſter jelbft verfehrt: Bei diefem Reificht ftoß ich fie in der Erde Grund; Und kehr ich nicht am Tage, und wird dir Untreue fund, „Daß dir der Ziverge Tüde nach dem Leben ftellt, . So magft du mit dem Schwerte dich wehren als ein Helb: Beßer ift mannlich ftreiten und ringen mit der Noth As von ziveien Zwergen ein unvergoltener Top. „Auch will ih, daß man fage, deiner Mutter Leib Hab einen Mann geboren und nicht ein feiges Weib: Trum laß dir Furcht nit nahen und bleibe wohlgemuth, Sollt ich auch nimmer kehren: das ift für alle Fälle gut. ‘
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118 ° „Doch dent ich nicht anders, als daß nach Jahresfriſt Du mich hier wiederſieheſt wie es bedungen ift.“ So ſchwand er hinter Felſen und meine Brüder auch. Sch aber gieng zum Berge und biente nad altem Brauch Elberih dem Fleinen und König Goldemar. Noch lernt ich neue Künſte und Weifen immerbar: Alle Griff und Schliche ſah ich ihnen ab, Und Alles was fie wirkten und man zu fchauen mir gab, Das wuſt ich nachzubilden in kurzer Etunden Zeit; Ja oft gelang mir beßer, das fahen fie mit Neid: Eie hatten vor dem Lehrling bald wenig mehr voraus. Eie gedachten bei fich felber: „Wir machen ihm den Garaus „Wie das Jahr fich endet; uns fteht fein Haupt zu Pfand. Mit Ruhm würde felten der Ziverge Kunft genannt, Nenn erit die Menjchen wüften was fonft nur Elfen fund, Doch ſoll ers nicht verrathen: mir fchließen bald ihm den Mund.“ Als nun das Jahr fih neigte verhängnifspollem Schluß, Nicht ließ fih da verloden zu ſüßer Ruh Genuß Wate der Niefe; der Weg war freilich lang Und unbequem nicht minder als unerläßlich der Gang: „Doc darf ichs nicht verfchteben: beßer doch zu früh Als allzujpät gefahren: es ift die gleiche Müh Und führt zum fichern Ziele.” Da brach er auf in Eil, Und ließ fich keine Höhe und wär fie doppelt fo jteil,
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119 Sich feine Yurt verdrießen und wär fie noch fo tief. Er gönnte ſich nicht Ruhe, nicht Eine Nacht er jchlief, Ein. raftlofer Wandrer 308 er des Weges fort Und fand zuletzt drei Tage noch vor der Frift an dem Drt. Tod war der Berg verfchloßen, ex konnte nicht hinein. Er ſetzte fich zu vaften davor auf einen Stein: Ta wollt er ruhig harren bis bei Gelegenheit Der Berg ſich erichlöße, wo nicht, zur bedungnen Zeit. To von der langen Reife, dem Wandern ſonder Raft Verſank gar bald in Schlummer der wegmüde Gaft: Zen Schlaf war feft und lange; ihn ftörte nicht ein Traum, Er fchlief auf hartem Steine ale wär es fchiwellender Flaum. Es wäre übrig, fänge man ihm ein: Wiegenlieb: Er ſchnarchte, daß fih frümmte wie ein ſchwaches Ried Die fönigliche Eiche. Wohl hörten ihn davor Tie Ehlauen in dem Berge; . doch nicht erfchloß man ihm das Chor. Run fiel ein Regen draußen, daß es ein Wunder war, Dann kam ein Sturm gezogen, darauf erbebte gar Tie Erd im tieflten Grunde. Ta riß fig von dem Stoß Auf des Berges Gipfel eine Felſenſäule los Und mwälzte ſich zu Thale: da ftürzte morſch Beftein, Baumftänme, Waßerfinten und Erde hinterbrein, Und fuhren mit Gepraffel über den Niefen bin: Weh meinem armen Bater! da war der Tod fein Gewinn 8
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120 Als nun, den fie bedungen, der Tag gelommen war, Da ließ der Heine Elberich und König Goldemar Mit einer Springmwurzel ſich aufthun das Thor Und fahn, ob auch der Niefe des Sohns noch harre davor. Als fie ihn dort nicht fanden, da wurden beide. froh; Da giengen fie und fuchten, ob,er nicht irgendwo Noch in dem Walde weile. Nun eilt auch ich hinaus Und forjchte nach dem Vater. Da fah ih, Schreden und Graus "Ergriff mich bei dem Anblid, daß da ein Felsblock lag, Wo er auf moosgem Steine wohl fonjt zu ruhen pflag. Darunter fab ich rinnen einen Bad wie Blut fo roth: Wohl fühlt ich, das bedeute meines Vaters mordlichen Tod. Zwar fchien es feine Rache zu fordern, da ja Wind Und Wetter den Zivergen nicht zu Gebote find; Jedennoch wollt ich8 ahnden, daß fie drei Tage lang Den Berg vor ihm geichloßen, zu ungaftlidem Empfang. Da ſucht ich nach dem Schwerte; doch von der Flut bedeckt War nun das Neificht, drin es mein Vater einft verftedt, Und nirgend konnt ichs finden. Da dacht ich erft der Noth, In der ich felber ſchwebte, und daß mit meines Vaters Tod Mein Haupt verfallen wäre. „Indem ich das erivog, Ta ftolpert ich im Gehen, daß id) zu Boden flog Und mi im Waßer badete. Doch als ich mit der Hand . Mich aufzuricten ſuchte, mas war es, mas id) empfand
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121 En fühl in meiner Rechten? Es war des Schwertes Knauf. ' Da durft ich nichts mehr fürchten: mit Freuden fprang ich auf Und zog es aus der Erde. Wachildens dacht ich da, Auch rauſcht' es in den Fluten, als wär das Wellenmädchen nah.
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122 Fünfzehntes "Abenteuer. Wie Wieland dad Roß Shimming gewann. Da barg ich unterm Kleide das ftarle Elfenjchwert Und gieng die Zwerge fuchen. Die waren heimgelehrt Eben aus dem Walde wohlgemuth und frob: Sie ſahen Waten nirgend: darüber freuten ſie ſich ſo. Da gab ich Elberichen einen ſchnellen Schlag, Daß er niederſtürzte dort wo der Felsblock lag; Mit einem andern traf ich den König Goldemar: Da lag auch der im Blute. Nun ahnt ich keine Gefahr Und lief mein Gut zu holen eilends in den Berg. Doch lebten noch die Beiden: Elberich der Zwerg Berief durch ſchnelle Boten ſeiner Knechte Heer: Da war es bald ein Rennen und Raunen rings um mich her Als ſuche mich zu fangen eine ungeſehne Schar. Ich wäre gern entgangen der Angſt und Gefahr Und ſchuf mit Schwerthieben mir Wege durch den Troſs, Die Luft mit Streichen theilend, die wieder zuſammen floß.
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8 123 Wie ih nun immer fechtend und hauend weiter gieng, Da ward mir plötzlich ſichtbar ein winzig kleines Ding, Tas ſich im Blute wlzte: Ruprecht wars der Knecht Mit feinem großen Hoker: der hatte ſich auch erfrecht, Mir feindlich nachzuſtellen, der Däumling einem Mann: Bei dem Entſchluße hatt’ er die Tarnkappe an; Denn alle, die fie tragen, die werben unjichtbar, Und unfichtbar dem Feinde, dabei fcheint wenig Gefahr. Tie hatt ihm abgefchlagen mein gutes Zauberſchwert Und dann ihn ſelbſt getroffen. Sie deuchte mich wohl werth, Daß ich mich um ſie bücke: geſchwinde that ich das: Wohl ſaß fie mir zu Häupten, denn jedem Haupte find fie paſs. Run war ich wohl behütet, Niemand ſah mich mehr: Was half nun all ihr Suchen in dem Berg umher? Ich durfte frei der Sorge durch alle Räume gehn Und durch die Kammern alle, die 'ich noch niemals geſehn. Da kam ich auch an eine, die lag des Schatzes voll, Alles Reichthums Fülle bier unerſchöpflich quoll: Man hätt in taufend Jahren den Hort nicht verthan. Was Gold, mas Evelfteine da meine Augen erfahn! Ta lagen audy die Schätze, die Eiegfried der Held Tem Dradyen abgeivonnen, den er im Kampf gefällt: Als er an Hundings Söhnen Siegmund zu rächen fann, Ta gedacht er nicht des Hortes, den er von Fafnern gewann.
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En blieb er in dem Berge, bis König Goldemar Sich unterwand des Schatzes, der ohne Hüter war. In den Berg zu Glockenſachſen fchaffte Ber den Hort Durd feine Wichtelmänner, die trippelten mit ihm fort. An einem Goldſtück fchleppte ſich Mancher fait zu Tod; Doc immer neue Helfer der ‚König gleich entbot, Bis endlich aller Reichthum in feiner Kammer Ing: Einen Schag fo unerfchöpflich befchien wohl nimmer der Tag. .. Nun ftand id) in der Kammer und fah das viele Golb; Nicht konnt ichs mit mir führen, fo gern ich gewollt: Nicht Saumroffe waren noch Wagen da zur Hand, Nur fand ich in dem Stalle das Roſs, das Schimming wird genannt. Das hatte Brunhilds Stute geboren und gejäugt, Auf Segarb hatt es Eleipner, Odins Hengit, gezeugt, Das flüchtigfte der Roſſe, das jemals Helden trug. Dem lud ich auf der Schäbe in ziveien Körben genug, Und all das Werkgeräthe, wohl eine fchwere Laft: Man fieht, ich hatte Manches gelernt von Elbegaft. Als ich das Roſs beladen, ſchwang ich mich felber auf Und fprengte mit den Schätzen aus dem Berg im vollen Lauf. Bald war ich in der Heimat, Seitdem gefchah mir nichts Das werth zu hören wäre und würdig bes Berichts. Wie mid darauf erzürnte der König Adprian Und wie ich mir in Norweg eine Heine Herichaft gewann ; x
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125 Wie auch von dort vertrieben mein Kahn mid, hergebracht, Wollt ih auch das noch melden, fo reichte nicht die Nacht. Hier geben, großer König, meine Abenteuer aus: Verzeihe, Wen fie ftörten bei diefem feftlichen Schmaus.“ Ta ſprach der König Neiding: „Du baft uns wohl erbaut, Ich bieng an deinem Munde und jchlürfte jeden Laut. Noch hätt ich gern vernommen was aus dem Horte ward, Ders du im Berge ließeft; von dem zu fcheiven war doch hart. „Hat ihn nicht Eiegfried dennody gewonnen nach der Hand? Mich dünkt, ich hört es ſagen?“ Da verſetzte Wieland: „Dan hat euch nicht belogen, es war derſelbe Hort, Den fih der Held erfämpfte nad König Nibelungs Mord. „Ten fchlugen feine Söhne und wollten dann das Gut Bor einem Berge theilen. Das ſah ber Degen gut Und ließ es nicht geſchehen. Eine Nachtigall ihm fang, Der Hort fei Niemand eigen, als dem der Fafnern beziwang.“ Und wieder frug Neiding: „Wie aber kam das Gold In König Niblungs Hände? das fag, ich bin. bir hold.“ Da verjeßte Jener: . „Ein Neich heit Nifelheim: Ta berfcht’ ein Ziverglönig, man. nannt ihn Rifling daheim. „Der hörte under fagen von all dem reichen Gut ‚m Berg zu Glocenſachſen: da ſann ihm ftäts der Muth Vie er den eriwerbe: feine Scharen er entbot. Da bradht er Elberichen und feinen Bruder in Roth:
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„Noch waren da den beiden die. Wunden ungebeilt, Als Niblung fie befriegte: er bezwang fie unverweilt: Da muften fie ihm dienen, dazu ihr Neid und Land; So kam der Aſen Nothgeld in König Nibelungs Hand.” „Der Aſen Nothgeld nennft bu die Schäte, Elfenſohn?“ — „Warum, das fragt die Stalden, die wißen mehr davon.” — „Schon gut, du aber fage, ob dir noch blieb das Schwert, Die zauberftarte Waffe, die Geifter felber verſehrt.“ Da antwortete Wieland: „Balmung? leider nein: Darum ift lange Eorge und ftäter Kummer mein. Ich ließ ihn in dem Berge, imo fo viel Schatzes Ing: Mit ihm ſchlug Siegfried fpäter noch manchen löblichen Echlag. „sch hatte nie bejeßen Scheide noch Gehenk, Den Griff nur und die Klinge. Euch ift noch eingedenk, Wie Wate fie beim Abſchied in die Erde ftieß: Co kams, daß ich die Waffe beim Hort aus den Händen ließ, „Als ich die Körbe füllte mit Gold und mit Geftein; Dir blendete die Einne jo fehr der lichte Echein, Daß ich des guten Echwertes beim Wegritt ganz vergaß. Da war, midy-bünft, vergolten in allzureichlichem Map „Mas ich des Horts entführte und auch des Werkgeräths; Das mir mein Vater ſchenkte, das Schwert gereut mich ftäte. Mas fie daran gewannen, nicht wuft es Elberich Noch Goldemar der König: fie hätten es ficherlich
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127 „sm Kriege wider Riblung mit beßerm Glüd geführt; Au hatten Niblungs Söhne feine Kraft noch nicht erfpürt, Als man den Hort zur Theilung aus dem Berge trug Und Siegfried mit dem Schwerte die Nibelungen erichlug. „Sie baten ihn zu tbeilen des -Golbes Ueberſchwang, Tas ihm doch ſelbſt gehörte wie ihm ein Vogel fang. Zum Lohn voraus gegeben warb ihm das Zauberſchwert; Da wurben fie des Dienftes von Siegfried übel gewährt: „Die reichen Ziverglönige, die ſchlug er beide tobt, Tazu die ſtarken Riefen, ihre Helfer in der Noth. Mit Balmungen zwang er der Fürften ganzen Bann: Sie hatten gleichen Schreden vor dem Schwert und vor dem Mann.“ Da ſprach König Neiving: „Haft du das Schwert nicht mehr, Das Eiegfried hat erworben, ber kühne Degen behr, So ift dir doch geblieben ver gute Nebelbnt: Wie wärſt du jonft entfommen vor ber grimmen Zwerge Wuth?“ „ch bracht ihn aus dem Berge,” verſetzte Wieland, Mir hätten fonft Die Ziverge wohl die Flucht gewandt; Doch ch ich heimgelangte weht' ihn mir der Wind Lom Haupt auf einer Brüde: da entführt ihn allzugeſchwind „Die ungeftüme Woge, die darunter floß: So ift mir nur geblieben Schimming das Roſs. Run mögt ihr morgen hauen wie kühn es ift und fchnell: Es duldet feinen Andern,“ fo ſprach der Elfengefell.
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Es war die lautre Wahrheit, was er von Schimming ſprach: Doch nicht vom Nebelhute, das hört ihr wohl hernach: Ihm hätte Wachilde das Kleinod nicht entführt; Das Meer zwar, doch bat er davon nur Frommen verfpürt. Neiding den König deucht' es ein großer Ungewinn, Das Zauberfchwert zu miffen: das lag ihm ftäts im Einn. Ob er den Mimung hatte, den er fo hoch belobt, - Sm Kampf gegen Geifter hätt er fich ſchwerlich erprobt. Eo dacht' er auch bes andern, das Mime der Echmied . Aus Stüden wieder jchmeißte dem jungen Eiegfrieb. „Wie war e& doch geheißen,“ frug er zerftreut, „es kam Bon Odin her — ich glaube mie mein Marfchall hieß es, Gram. "„Dem Echwert zu Ehren geb ih ihm nun fein Amt zurüd. Auch brauch ich feines Armes; vielleicht daß ihm das Glüd Nicht ftäts den Rüden wendet. Du aber, Wieland, ſprich, Die Gunſt des höchſten Gottes, womit verdiente fie fi „Der alte Yrantenlönig, daß er in feinem Saal Geruhte zu erfcheinen bei Signes Hochzeitmal? Wie mit Gebet und Opfer erwarb er folden Lohn? Kannft du von diefen Wundern uns befcheiden, Elfenſohn?
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129 \ Sechzehntes Abenteuer. Wie Siegmund das Schwert gewann. „sch weiß davon,“ verſetzte der Held, „ven Tleinften “Theil; Tod ift die Gunft der Götter um Opfer Niemand feil. Dem Einen fällt die Fülle des Heiles in den Schoo$; Mit Mühe zieht der Andre fein befcheinnes Glück ſich groß. Und Beiben bleibt es felten bis in den Tod getreu; Ter Demuth nur zuweilen gelingts und frommer Scheu. Das ift nicht Jedes Sache: der Welfungen Art War eherne Stärle mit grimmem Sinne gepaart. Von den Göttern ftammte der Franken Königshaus. Denn Odin zeugte Eigt: den liebt’ er überaus Und ſah ibm durch die Finger und nahm es felbft nicht krumm, Daß er den Brebi todtſchlug als ein Wolf im Heiligthum. Weil Kebsjohn ihn geicholten des Pflegevaters Knecht, Stach er ihn im Walde vom Roſſe wider Recht, Richt weil er beßer jagte und mehr des Wildes fieng, Wie fie gefabelt haben; denn Sigi hatt in feinem Ting Eimrod, dad Amelungenlied. 1. ‘ . 0
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130 Auf Erven feines Gleihen im Ernte noch im Epiel. Das Land doch muft er räumen als jener Epötter fiel. Da nahm fih Odin gnädig des Friedebrechers an Und faßte den Verfolgten, da jetzt die Häfcher ihm nahn, In feines Mantels Falten. Auf Eleipnirs Rüden flogs Empor, des achtgehuften, und in die Wollen bogs: Durch einen Riß fah Eigi tief unten Land und’ Meer. Wie Nußfchalen ſchwimmen zog eine Flotte daher Mit dreißig Dreimaftern, voran das Königsichiff. Er bielt fi) an dem Gotte, wenn Echwindel ihn ergriff. Doch giengs allmählich nieder: verwundert ſah der Held Nach jenem Königsſchiffe den Lauf des Roſſes geitellt. Und eh es dreimal ausgriff, bob ihn auf dem Verdeck Der Gott vom Schooße nieder. Ihn faßte freudger Schreck, Als Jubel ſcholl und Odin begann: „Dieß Schiff ıft dein Und dort das Kriegsgeſchwader mit Mann und Maus obenein. „Gewinne bir die Küften und tief hinein das Land.“ So ſprach er aus dem Eattel, der bald dem Blid entſchwand. Da hört er Seekönig vom Volle ſich gegrüßt Und hatt ihm bald in Schlachten unbändge Kampfluft gebüßt Und meiten Raum erftritten zwiſchen Echeld und Baal. Des Reiches junge Erbin gewann er zum Gemahl Und zeugte Söhn und Töchter und hieß ein König bebr, Dem viel ber Völker zinften und gehordhten Land und Meer.
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131° — — —— — — In hohen Jahren fiel er von feiner Schwäger Neid. San Eobn Rärir rächt ihn und warb in furzer Zeit Gel mächtger als der Bater. Noch vielen Enkel auch Ließ jeme Gunft erfahren der Gott nad, göttlichem Brauch. er mar noch ohne Erben und ſchon won Edheitel kahl; <0 begann auch zu verbleichen fein wonnig Gemahl. Ta opfert er dem Ahnherrn andächtig um ein Kind; zu Frigg auch bob die Hände die getreue Rinelind. ‚br Flehen wollt erbören das höchſte Götterpaar: Ta ward es eines Apfeld am Weltenbaum gewahr: Im muft Iduna bredien. Ein Wunſchmädchen trug, des Rieſen Hrymnirs Tochter, ihn berab in jähem Flug. Kun jaß auf einem Hügel der König grau und alt. da lam Liod geflogen in Krähengeftalt Und warf den golpnen Apfel dem Müden in den Schooß. Asbald erlannte Rärir das heilverfündende Looß Er gieng und trug den Apfel der frommen Königin. Sie aß davon und fühlte bald im zufriebnen Einn, Daß fi ihr Wunſch erfülle. Doch ſchier ein Jahr vergieng Und ſchwer und ſchwerer drüdte die Bürde, die fie befieng; Doch ward fie nicht entbunden. Nun brach ein Aufrubr aus Und Rärir, ihn zu dämpfen, verlieh fein feftes Haus. Ltei heiße Tage ftritt er mit großer Heeresmacht Unp fiel und gieng zu Dbin nad} einer fiegreihen Schlacht. J
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132 | — — — —— Der Königin Siechthum nahm noch täglich zu: Sie hatte vor Beſchwerden nicht eine Stunde Ruh. Das währte ſieben Winter. Da fühlte ſie den Tod Sich nahn und legte ſelber ſich in den Sarg und gebot Am dritten Tag die Kiſte zu ſchließen. Doch geſchahs, Daß Niemand das vermochte, denn eine Krähe ſaß Nie brütend auf der Leiche. Da ſtörte man fie nicht . Und gieng erſt hin und bradyte dem Haughofmeifter Bericht. Erft wollt es Der nicht glauben; doch gieng er endlich hin Und fand feine Krähe mehr bei der Königin: Ein allerliebfter Knabe hieng um der. Mutter Hals, Doch gleicher einem Jüngling: er fprad und nannte fh Wals Und lief und Schoß nach Vögeln und ſchwang ſich auf ein Nofs, Allen den Gejpielen ein Webergenoß, i Es währte nicht drei ‘Jahre, fo dacht er ſchon ans rein, Und Heine andre follt es als Odins Wunſchmädchen fein. ‘hm ward die Rieſentochter mit rabenſchwarzem Haar: Sie war es, die ihm Siegmund und Signe gebar Und andre Welſungen, denn dieſem jungen Knecht Entſtammte durch ein Wunder das hochberühmte Geſchlecht. Was möchte ſich vergleichen dem Welſungenblut? Göttliche Hoheit in menſchlichem Muth Kam da zu Rieſenſtärke, wenn auch das erſte Glied‘ sn Eiegmund und Signe fchier übermenjchlich gerieth.
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133 In Siegfried ward es milder: man pries ihn lieb und traut. Cine bobe Halle hatte ih König Wals erbaut. Tas Tab hielt eine Eiche, die in der Mitte ſtand, Gewaltge Aeſt und Zweige zum Schuß darüber gefpannt. . Auch breiteten die Wurzeln ſich unterm Saale tief. Cin Gemach war in der Eiche, worin ber König fchlief Ter Königin zur Eeite: das deuchte munderjam: Ta nannten alle Leute diefen Baum den Kinderſtamm. der Baum trieb frifche Neifer alljährlich noch genug, Und viel edler Eöhne Liod dem König trug. Tas Zwillingsgeſchwiſter wuchs unterbes heran, | Lie fhönften und fühnften, die ihm die Eiche gewann. In Nütland war ein König, Siggeir genannt, Ter fam zu Wals und bat ihn um feiner Tochter Hand. Ter König hört' e8 gerne; Signe felber nicht; Zoch fprach fie, dem Vater zu gehorchen wär ihr Pflicht. L Ta ward fie gleich mit Siggeir in einen Ring geftellt Und ihm die Maid verheißen; das hörte mander Held. Aud lich man eilends rüften ein ’Töftlihes Mal, Tie Hochzeit zu begehen in des Königs hehrem Saal. Ta nun mit rothem Schimmer der Abend war genaht Und mit Xiod und Eigne Herr Wals zur Halle trat, Biel jtolzer Helden bracht er da zu der Luftbarteit; Kan ſah bei König Siggeir auch werther Mannen Geleit. ‘
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134 Die Helden zechten lange, die Freude wurde laut, Die Fackeln brannten trüber und büftrer jah die Braut. Da fchlug ein Blitz herniever und in der Halle ftand Ein Greis von hohem Wuchſe, ihnen allen unbelannt. Sein Mantel war fledig und eher grau ala blau, Der Hut hieng fchief herniever: jo konnte man genau Sein Antlig nicht erfennen; doch Manchen deucht es faft Als wär er einäugig, dieſer wunderbare Gaft. Er zog aus der Scheide ein Schwert von lichtem Glanz, Und gieng zum Kinderſtamme und ſtieß die Klinge ganz Ins Holz bis an die Glocke, daß ſie laut erſcholl. So ſcharf war die Schneide und des Greiſen Kraft ſo voll. Wer hätt ihn angeredet? Sie ſtanden ſchweigend dort Und ſahn ihn an und ſtaunten. Er ſelber nahm das Wort Und ſprach: „Wer aus der Eiche zieht das ſcharfe Schwert, Der hab es ſich zur Gabe von mir; er ſelber bewährt 1) „Es wohl, daß feine Schneide noch je fo ſcharf gerieth. Bon Iwaldis Söhnen der jüngjte war der Schmied.“ So ſprach der Greis und nidte und gieng aus dem Saal. Da jprangen von den Tiſchen die kühnen Helden zumal: Ein Jeder wäre gerne der nächſte bei dem Stamm, Das Echwert heraus zu ziehen. Da war der Bräutigam Der Erfte, dem es glüdte, dem Griffe ſich zu nahn. Gr zog aus Leibesfräften und zog ſich müde daran;
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135 To wie er fchalt und tobte, es rüdte nicht vom Fleck. Nah ihm waren Viele der Helden noch fo Ted, Tie Kraft dran zu verfuchen; doch half es auch nicht mehr, Da kam endlih Siegmund, König Walfes Sohn, daher. Ter griff nur nady dem Schwerte, fo zog ers aus dem Baum, As hätt es los gelegen vor ihm im freien Raum. Ne er fie nun die Waffe beichauen ließ im Kreiß, Sie fahn fie an bewundernd; nicht enden wollte der Preis. Ta fprah König Siggeir zu Siegmund, Waljes Sohn: „Yu Liebe deiner Schweſter ftehft du wohl ab davon Und läßt das Echwert dem. Echtwager; ich hüll es dir mit Gold; Auch bleib ich dir in Liebe dafür geivogen und hold.“ Doch Eiegmund verfegte: „Du konnteſt ſicherlich Es aus dem Stamme ziehen, Siggeir, jo gut als ich, - Benn dir es zu tragen das Heil befchieden wär; . Doch da es mir zu Theil ward, fo erhältft dus nimmermehr „Und böteft du die Schätze Jütlands allzumal.“ Tes zürnte König Ciggeir, vor Eifer ward er fahl: Es däucht ihn höhnſche Rede von einem jungen Mann. Er beſchloß es auch zu rächen; doch ſtellt' er freundlich ſich an Und heiter bei den Gäſten als wäre nichts gefchehn. Was er Schwarzes brütete, das ließ er Niemand fehn;- Auf Trinkfprüche finnend gewahrt ers felber Zaum Und gieng am jelben Abend mit Eigne noch in den Baum. |. .—.-
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136 — —— — — — Siebzehntes Abentnr. Wie Siegmund dem Elt auf die Zunge biß. „Nun gab ich euch, Herr König, Beſcheid, wie das geſchah, Daß Wals in ſeinem Saale den höchſten Gott erſah, Von dem zur Gabe Siegmund empfieng das ſcharfe Schwert‘ Nicht für Gebet und Opfer, der Eippe ward es gewährt.“ Da ſprach der König Neiding: „Noch hört ich gerne mehr. Wie rächte fih am Siegmund Siggeir der König hehr? Was mit des Gottes Gabe vollbradhte Siegmund, Wie brad) an Odins Stärke das Schwert, das thu mir noch fund.” , „Das fol ich Alles fagen, Herr König, auf ein Mal? Aus dem Stamm am Morgen : trat Siggeir in den Eaal Und ſah durch die Zweige des Baums den Himmel klar, Und ſah durd die Yenfter, daß die See bernhigt war. Da ſprach er zu dem Schwäher: „Das Wetter ift fo gut, So heiter der Himmel, fo fpiegelnd liegt die Flut: Ein Thor, der es nicht nüßte und barrte bis aufs Neu Sich Wind erhöb und machte mir die Waßerpferbe ſcheu!“
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137 Ta ſprach Herr Wals: „Das wäre doch’ wider Sitt und Brauch. Reun Tage währt die Hochzeit und oft den zehnten auch, Und Eu am andern Morgen verlangte ſchon nach Haus? Ber dad vernähme, machte wohl ein Geipötte daraus.“ Ta ſprach König Eiggeir: „Mir thut die Heimkehr Noth. sh lad euch nach drei Monden zu einem Gaftgebot Mit allen euern Söhnen: fo will ich, wie es Pflicht, Nachholen was uns dießmal an der Hochzeitfreude gebricht.“ Herr Wald und feine Söhne wie gern fie fprächen Nein, Doch gaben fie den Willen zuleßt gezwungen drein, Und gelobten auch zu kommen nad) dreier Monden Zeit. Ta zog ihren Bater die ſchöne Signe beifet Und ſprach: „Ich will nicht fahren in König Siggeird Neid). Rein Herz mag ihm nicht lachen, noch fieht es feinem 'gleid). Auch weiß ich durch mein Wißen und angeerbten Sinn, , Uns fommt von. diefer Heirath nichts ala großer Ungewinn; „Es wäre denn, ihr löftet heute noch den Bund.” Ta ſprach Herr Walz der König: „Was hätten wir für Grund, Ihm nicht das Wort zu halten, da er doch nichts verbradh? Ion Treue fo zu Ingen, das wär uns ewige Schmadh. „Auch würd es ſchwer vergolten, wär es-in feiner Macht.“ Ta mufte fie geborchen; auch ftand, eh mans gedacht, Tas Schiff ihm fegelfertig. „Nun laßt uns Urlaub ſchaun,“ Sprach er zu ſeinen Schwägern, und gieng an Bord mit der Fraun.
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a‘ Nun laßen wir verſtreichen das kurze Vierteljahr: Da fuhr mit ſeinen Söhnen, wie es verheißen war, Herr Wals zum Gaſtgebote. Mit ſtarker Schiffe drei Legt' er am ſpäten Abend an der Küſte Jütlands bei. Da ſtand aber Signe harrend ſchon am Strand Und nahm ihren Vater und die Vrüder bei der Hand Und beſchwor ſie heimzukehren alsbald: „Denn Siggeir hat Ein mächtig Heer geworben und ſinnt auf übeln Verrath. „Verloren ſeid ihr alle, wenn er euch hier betrifft. Daheim erſt zieht zuſammen ein mächtig Heer und ſchifft Noch einmal her, die Unthat zu rächen, die er ſinnt. Glaubt ſicher, daß ihr anders dem Verderben nicht entrinnt.“ Da ſprach der Frankenkönig: „Noch hab ichs ſtäts erprobt, Was ich noch ungeboren hochzeitlich ſchon gelobt, Vor Feuer oder Eiſen mich nimmermehr zu ſcheun. Ich ſprachs im Mutterſchooße und ſchwerlich wird michs gereun. „So hielt ichs in der Jugend, ſo hält es nun der Greis. Auch ſoll von meinen Söhnen ſpöttiſcher Weil Im Spiel kein Mädchen fliſtern, als bebten ſie dem Tod. Denn einmal ſtirbt ein Jeder, erſpart wird Keinem die Noth. „Drum iſt mein Rath, zu bleiben und morgen tapferlich Die Arme zu gebrauchen. Schon manchmal hab ich mich Mit wenger Volk geſchlagen und ward doch nie beſiegt; Doch dem erſchließt ſich Walhall, der mit Ehren unterliegt.“
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“ 139 Ws Eigne fah, fie fhlügen die Warnung in den Wind, Ta ſprach fie: „So bebaltet mich bier als euer Kind.“ . „Ren,“ Sprach Herr Wals, „mit Richten: du fährft zu deinem Dann. Will Er den Frieden brechen, fo hab ich Feinen Theil daran.” Sie gieng; die Andern blieben nachtüber auf der Flut. + Ta mwedte fie am Morgen Herr Wals, der König gut. Zie fliegen ganz gerüftet ans Land, und harrten nicht Gar lange, fo bewährte fich ſchrecklich Signes Bericht. Herr Eiggeir kam gefahren mit all feinem Heer: Zum Willkommen fiel er über den Echwäher her; Schwert und Lanze muften ibm Herolde fein, Tem Freund zu widerſagen, und manch gefchleuberter Stein. Ta ſolch unfreunblich Grüßen der König ward gewahr, Ta fpornt’ er aufs Heftigfte zum Kampf die Heine Schar; Er jelbft brach mit dem Schwerte fich durch. bie Reihen Bahn Kohl achtmal auf und nieder, und hätt es wieder gethan Zum neunten Wal, da wehrt! e8 zu große Uebermadht. Denn das war ber Ausgang der mörberifchen Schlacht, Daß König Wals erichlagen lag bei der Seinen viel Und Siegmund mit den Brüdern in des Feindes Hände fiel. Ta warf man fie in Bande und führte fie zum Top. As Signe das erhörte, da zwang fie die Noth, Daß fie den König flehte; das war noch nie gefchehn. '„xaß,“ bat fie, „nicht fo Schweres an meinen Brüdern ergehn.
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140 " „Sch erfahre nun, daß Wahrheit jagt ein gemeined Wort: Solang. das Auge fehe, fahr es zu lieben fort. Drum laß fie noch nicht töbten, daß mir das Herz nicht bricht: Se in ven Stod fie lieber. Ich flehe Länger dich nicht: „Ich leſ in deinen Augen, du willigft nicht darein.“ Da ſprach König Siggeir: „Wie thöricht magft du fein, ” Daß du deinen. Brüdern „ein größer Leib erflehft, Als ich für fie beftimmte. Wenn du darauf noch beſtehſt, „So hab ich nichts dawider: nur länger iſt die Qual Und endet doch mit Sterben.“ Sie blieb bei ihrer Wahl. Da ward für ihre Füße ein großer Stod gebracht Und ſie darein geſchloßen im Wald bei ſinkender Nacht. Da kam zur zwölften Stunde ein Elen in den Wald, Der groß war und grimmig: der roch ſie nicht ſo bald, So biß er der Brüder Einen todt und fraß Ihn auf mit. Haut und Haaren, daß er kein Stüdlein vergaß. Am Morgen ſchickte Eigne einen vertrauten Mann + Dahin, fie zu fpeifen; der kam und fagt' ihr an, Der Eine fei verfchwunden, und er vermuthe fchier, Cin Elk hab ihn erbißen ober fonft ein wildes Thier. Das deuchte fie ein Herzeleid mie ihr noch keins geichah. Daß es ihnen allen, wie fie fih wohl verſah, So ergeben follte und feine Hülfe fet, Das raubt' ihr Nachts den Schlummer; die Sorge ließ fie nicht frei:
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141 Der ER nahm nad dem Stode allnädhtlih nun den Lauf Und fraß einen Andern der Welfungen auf. ‚seht war noch Einer übrig: da gab dem treuen Knecht Frau Eigne duftgen Honig und ſprach: „Nun merke mich recht! „Hiemit ſollſt du beftreihen Siegmunds Angeſicht; Auch in den Mund ihm legen davon, wenn er verſpricht, Es nicht hinab zu ſchlingen.“ Der that wie er vernahm. Als nun der ER zum Stocke in der Nacht gelaufen kam Und wollt’ ihn auch erbeißen, wie er die neun gethan, Ta fpürt’ er den Honig und fieng zu leden an. - Stirn und Augen let’ er und Sinn und Wangen rein, Zulegt die Zunge ftedt! er gar in den Mund ihm hinein. % J Gleich biß ihm auf die Zunge Walſes ſtarker Sohn. Ta fträubte fi gewaltig und märe gern geflohn Und ftemmte beide Füße gegen den Stod der EIE, Bis von des Thieres Kräften zerbrach das feſte Gebäll. Doch Eiegmund bielt die Zunge fo feft, daß fie das Thier Eih ausriß mit der Wurzel und floh zum Maldrevier; Ta muft es bald erfterben. Doc Siegmund war nun frei. Asbalb bernahm es Signe, daß ihr Bruder ledig ſei. Der Bote bracht ihr Kunde: da fuhr ſie ſelber hin Und fand ihn verborgen wo Mond noch Sonne ſchien. Sie wurden bald zu Rathe, daß er zum Aufenthalt Sich eine Höhle wählte, und ſich heimlich hielt! im Wald.
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Sie mollt ihm Alles fenden, was ihm zu haben Roth. So hegte fie ihn lange verborgen, unbebroht. Dod König Siggeir wähnte die Welfungen all Längft in dem Stock erftorben; "das bracht ihn felber zu Fall. Da nun im zehnten Jahre die Söhne wuchſen an, Deren ‚Eigne mandyen bei Siggeir gewann, Da ſchickte fie den älteften zu Siegmund, ob er nicht Ihm tauglich wär zu helfen bei der Vaterrache Pflicht. Der Knabe fuhr zu Walde und fam zu Siegmunds Hohl Am Abend gegangen: Ciegmund empfieng ihn toohl Und führt ihn, an die Mulde und fragt‘, ob er dag Mehl Zum Brote Ineten könne. Der Knabe hatt es nicht. Hehl, . Daß er das nicht verftünde. Da zeigt’ er ihm alsbald Wie ers zu machen habe und fpradh: „sch will zum Wald, Das Holz herbeizufchaffen: bereite du derweil Das Brot zum Gebäde; ich kehre wieder in Eil.“ Eiegmund gieng und kehrte aud bald mit feiner Fracht: Da war kein Brot gefnetet, Fein Teig noch angemadıt. „sch wagte mich der Mulde,“ ſprach er, „nicht fo nah, Denn was Lebendges fpürt ih und ganz Unheimliches da.“ Da ſah man wohl, der Knabe wär nicht fo gemuth, Daß er die Vaterradye zu fürbern ſchiene gut. Das fagt er auch Signen, als fie zum Walde kam. Sie ſprach: „Wohlen, fo tödt ihn; ich bin darum dir nicht gram.
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„Bas bedarf er noch zu leben? Der Welfungenart Sit doch jeder Tropfen in feinem Blut geipart.“ Er that wie fie befoblen. Unlange währt! e3 dann, So ſchickte fie den zweiten ihrer Eöhne in den Tann. Tie Märe jehr zu längen bevarf es nicht um ihn: | Er ftarb mit Rath der Mutter, weil er fein Welfung ſchien. Tod) ſeis genug: ihr hättet mich billig längft geſchweigt; Eder wärt ihr dieſer Greuel noch mehr zu hören geneigt?" Ta fprady der König Neiving: „Es Hingt nicht Alles fein; Doch dacht ich mir ihn immer mit Einfuß, nit allein. Kar Einfuß fein Neffe, oder wars fein Cohn? Mit dem er viel vollbrachte; ich hörte gern noch davon.“ „Sein Sohn und auch fein Neffe,“ ſprach Wieland; „aber fol sh euch das Räthſel deuten, fo gießt noch einmal voll, Und wenn es berbe lautet, ſei es euch nicht zur Laſt.“ Ta ſprach aber Neiding: „sch bin auf Alles gefaßt. „Rur laß und nicht verdürſten wie ich dich eben ließ: Tas möcht ich nicht entgelten, der heut dein Mundſchenk hieß, Wenn du mir künftig ſchenkeſt. Nun thu uns aber fund: Ten verwegnen Einfuß, wie erwarb ihn Siegmund?“
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114 2 —— — — — — — Achtzehntes Abentener. Wie Sinfuß geboren ward. Der Schmied fuhr fort zu ſagen: „Das war ein Herzeleid Signe der getreuen, daß ſich ſo lange Zeit Verzog die Vaterrache. Da fiel ein Weib ihr ein, Das ob noch jung, ſchon übel verſchrien mar wegen Zauberein. Sie fuhr zum Blocksberg jährlich in der Walpurgisnacht Und hatte guter Künſte nicht viel von dort gebracht. Sie konnte Wetter machen, ein Mäuſ- und Wanzenheer Und gieng auf luftgen Brücken von Berg zu Bergen einher. Man nannte fie Frau Dornitz, weil eine Dornenſaat Alsbald die Flur bedeckte, wenn fie ihr Fuß betrat. Zu der gieng Waljes Tochter, der Jüten Königin: Die Geftalt mit ihr zu wechſeln, das lag der Echlauen im Einn. Frau Dornig Sprach gefügig: „Nun jchaltet über mid). Ihr fein die Frau des Landes.” Sie fchuf behendiglich, Daß fie die Leiber taufchten, und gieng fie ſelbſt geſchwind In des Königs Saal und berichte über Signes Hausgeſind.
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— — Darauf am Abend legte ſie ſich dem König bei; Wie hätt er denken ſollen, daß es nicht Signe ſei? Die war derweil gegangen zu Siegmund in den Wald Und pocht' an feiner Höhle in der Zauberin Geſtalt. Sie ſprach: „Die Nacht ift finfter, da hab ich mich verirrt: Rich freßen wilde Thiere, wenn mir Fein Obdach wird. Drum ſchickt mich nicht wieder in der Wildniſs Graus.“ Cr ſprach: „hr mögt nur bleiben, denn ihr feht darnach nicht aus, „Als wolltet ihr der Milde vergelten mit Verrath: Ein einfam Weib verfioßen, das wär nicht gute That.“ So giengen fie zur Höhle und fetten fich zum Mal Cinander gegenüber bei der Ampel trautem Stral. \ Sab er ihr in die Augen, fie deucht' ihn wohlgethan Und lieblich gebildet. Da hub er zu ihr an: „Auf Gemach für Gäfte war ich noch nicht bedacht; Her find wir jelbander und nur Em Lager zu Nacht: „Bolt ihr das mit mir theilen?“ Sie ſprach nicht Nein dazu. Ta fanden fie auf Häuten erlegter Thiere Ruh. Zarauf am Morgen deuchte das Wetter nicht fo fchön, Taf fie ſchon ziehen dürfte, denn heftig ftürmte ver Föhn. Die andre Nacht zu bleiben entichloß fie fich zuletzt; Des Regens wegen wurbe die dritte zugefeßt. Tann z0g fie Hin und taufchte (jet war der Himmel blau) Tie Geftalt zum andern Male mit der zauberfundigen Frau. Simreod, dad Nmelungenlieb. | 10
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146 Aus Tagen werben Wochen, aus Wochen Monden gar; Noch dreie waren übrig, fo wechſelte das Jahr: Da warb geboren Sinfuß, ein Knabe fchnell und ftarf Und recht.alle Knochen erfüllt mit Welſungenmark.“ — „Wie fand man ihm den Namen? fo feltfam klingt er ja,” Fragte König Neiding. — „Als er das Licht erfah, Da waren feine Füße,“ ſprach Wieland, „übergtoß, Schier größer als er felber bervorgieng aus der Mutter Schooß. Er ftand darauf und humpelte, erft wenig Stunden alt. Doch wuchſen fie nicht weiter zum Glüd, doch wunderbald Er felbft, bis alle Glieder gediehn zu ebnem Map. Rur hieß er ſchon Sinfüßel, als er zu wachſen vergaß. Da ſah er allen Leuten über die Häupter hin Und Siggeir gar, dem König, der fich fein Vater fchien, Und ihm nicht folgen Tonnte, wenn e3 ans Sagen gieng; Denn Alles überlief er, der das Reh int Sprunge fieng. Er machte doch der Schritte nicht mehr als fonft ein Mann, Nur dag fie weiter waren. Als er den Ruhm gewann, Da wollt ihn feine Mutter verfuchen, ob er Pein Und Schmerzen Tönnt ertragen, und ein rechter Weljung fein. Sie näht' ihm an bie Arme den Rod durch Fleiſch und Haut: Das bat er fill ertragen und’ heiter drein gejchaut. Sie hatt e8 an den Söhnen Herrn Siggeird auch verjucht Eh fie zu Walde fuhren: mie haben die da geflucht!
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147 Sie ſchrieen ungeheuer beim erften Stich fogleich; Richt aber zudte Sinfuß, ward weder roth noch bleich. Da riß fie ihm den Leibrod vom Leibe wieber ab, Wobei es Blut in Bächen, aber wenig Waßer gab. Sie frug, ob das auch ſchmerze? Da ſprach er: „Gar gering Darf das ein Welfung achten, dem es zu Herzen gieng, Bie deine Brüder fielen und Wals, der König hehr: Run führe mich zu Siegmund, das ift mein Wunſch und Begehr.“ Sie gieng mit ihm zu Walde und ftellt' ihn Siegmund vor: „Zieh bier meinen dritten: thu ihm mie bu zuvor An feinen Brüdern thateft, wofern auch dieſer nicht Tir mag behülflich werden bei der Baterrache Pflicht.“ „Er ift geheißen Sinfuß und fehnte ſich nad dir.“ „So mil ich ihm verfuchen,” fprach Siegmund; „laß ihn bier. Zu börft nach wenig Tagen hierüber wohl Befcheid.“ Sie ließ ihn dort: da hatte der Knabe fröhliche Zeit. Bie that ef Freubenfprünge, daß er den heim fah Und feine dunkle Höhle: Biel Häute hiengen da Erlegter wilder Thiere; auch mächtger Hörer viel Und hoher Hirſchgeweihe: das war feines Herzens Spiel. Ihn freuten auch die Bogen, die Siegmund felbft geſchnitzt, Die Köcher und die Pfeile, die er fich zugefpigt. Den Bogen wollt ex fpannen, doch reicht’ ihm nicht die Kraft; jenen Sper verfejießen: noch war zu ſchwer ihm ber Schaft.
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148 Da hatt au an dem Neffen Siegmund feine Luft. Doc wollt er ihn verfuchen und fprad: „Sinfuß, du muft Nun das Gebäd bereiten. Ich will derweil zum Wald, Das Holz 'herbeizufchaffen, fo giebt3 keinen Aufenthalt. „Ich Tomme bald zurüde, dann fet das Brot gemadht.“ Siegmund gieng und kehrte auch bald mit feiner Fracht. Da ftand der Teig gefnetet und das Gebäd bereit. Mit Freuden jah es Siegmund und ſprach: „Nun gieb mir Beicheid: „Haft du nicht was Lebendiged gefunden in dem Mehl?“ Der Knabe fprach mit Laden: „Sch hab es dir nicht Kehl: Als ich zu Ineten anfieng, verſah ich mich, es ſei Lebendiges barinne; doch damit ift es vorbei. „Mit hineingefnetet hab ich es in das Brot, Und wird es heut gebaden, fo ift es morgen tobt; Doc böt ich wohl die Wette, es lebt ſchon jeßt nicht mehr.“ „Schon recht!“ ſprach da Eiegmund; „Doch ſag ich eins dir vorher: „Ich laße Dich nicht eken von diefem Brot, mein Sohn, Und daß du hungrig fchlafen gehſt, ift deines Fleißes Lohn. Du haft hineingefnetet den giftigften Wurm, Und äßeft dus, fo höbe in deinem Leib'ſich ein Sturm, “ „Den du nicht überlebteft; doch was mich felbft betrifft, Innen fo wie außen duld ih das ftärkfte Gift. Nun fchieb in den Ofen das fertige Gebäd, Das dir nit ward gebaden; deiner Mutter wärs ein Echred‘,
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149 „Wenn fie dich fterben ſähe an einer Schnitte Ranft: Tu thuft ihr in den Augen, ich ſah es mohl, fo fanft. Co recht auch aus den Augen gefchnitten ſcheinſt du ihr; Von demem Bater Siggeir ſeh ich fo viel nicht an bir.” Ter Anabe ſprach verdroßen: „Es wird auch. wenig fein. Ich lief ihm vor, dod nimmer holt’ er mich noch ein. In einen Stein verkroch er ſich auf der Bärenjagd, Bis ich das Thier erlegte; da hab ich ihm die Haut gebracht, „Dem alten Bärenhäuter: „die zieh bir übers Ohr, So gebft vu allen Bären im Tann an Trägheit vor. Tie laufen längft da draußen; du liegſt noch in ber Schluft.“ Rit ſolchem Spotte bracht. ich ihn endlich doch an die Luft.“ Zu Einfuß ſprach da Siegmund: „Schlägft du die Bären tobt, So magft du Bärenſchinken wohl aud zur Zeit der Notb. Hier hängt im Rauch noch einer: ven lange bir herab, Daß du nicht ftirbft vor Hunger: es wär ein frühzeitig Grab.” Gr langt’ ihn ſich herunter und freute fich der Koſt; Ein Trunk aus frifcher Quelle, das war fein befter Moft. Siegmund ward indeflen des frifchen Brotes froh; Tann firedten fie jelbanvder ſich auf das raſchelnde Stroh. Am Morgen ftand Yrau Signe bei Zeiten vor dem Hohl: Ib Einfuß noch am Leben, das wunderte fie wohl. Mit feinem Finger pochte fie mandymal an der Thür: Ta trat im Bärenfelle Herr Siegmund endlich berfür.
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150 „Läßt dich die Angft nicht fchlafen um das verzogne Kind? Sieh nur den Siebenfchläfer, er liegt noch taub und blind. Sch thu ihm nichts zu Leide; auch kommt er wohl zu Gut, Daß er der Mutter nachichlägt, „ ein echtes Melfungenblut. „Er ift, wenn nicht ein Pralhans, beherzt genug und fühn; Doch für die Vaterrache jeßt noch zu jung und grün. - Ich will ihn erft gewöhnen, daß ihn fein Graus erichredt, Kein Feind ihn mehr dauert, den er zu Boden geftredt. „Ihm muß erft aus den Gliedern die mütterliche Zucht, Muß fred und frevel werben und ohne Echeu verrudt. Geh du zu König Siggeir und balfe den Gemabl, Daß er dir bald vermehrte fa frifcher Sprößlinge Zahl.“
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151 Bie fie aus den Wolfsbalgen famen. . „Vie ihn der Ohm gewöhnte, wem wär es nicht belannt? Rit Heeren und mit Wüften, mit Raub und Mord und Brand, Ten Jüten zu vergelten ver edeln Franken Fall; Zie waren doch nur ziveie: tie Helfer miföten fie all. Doch fand an Sinfüßel Eiegmund guten Troft. E war allen Leuten Siggeirs erboft Und warf fie gerne nieder; daß es fein Bater wär Schien ihm nicht einzufallen: er bieß ihm immer der Bar. ft ſah Eiegmund felber den Neffen ftaunend an: „Daß ih dich härten wollte, das war ein dummer Wahn. <o bart wie du gehämmert warb Eiſen nie noch Stahl; Nur bift du unbefonnen: das entgiltft du, forg ich, einmal.“ Xein Warnen mocht ihm dämpfen den wilden Heldenmuth. Auch nahm es Einfüßel dem heim nicht für gut, Taß er verfchieben wollte der Vaterrache Pflicht: „Die Mörder deiner Brüder, warum erfchlägft du fie nicht?“
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152 Sie fuhren eines Tages in den Wald hinaus, . Sich Beute zu erjagen. Da fanden fie ein Haus Einfam im tiefen Grunde; zwei Männer fchliefen drin Mit dicken Golvringen: die gaben grimmigen Sinn. Cs waren Königsſöhne und eben erft befreit Aus wölfifcher Verwandlung auf eines Tages Zeit: Die MWolfshälge hiengen vor ihnen an ver Wand, Da ftäts am zehnten Tage, der Verwünſchung Zauber ſchwand. Da fuhren in bie Bälge Oheim und Schweiterfohn. Das war auch unbefonnen, Oheim! Nun merkft dus fchon. O wärt ihr aus den Bälgen! Verwünſcht der dumme Streich! Eie fahen wie die Wölfe und heulten aud Wölfen gleich. Zum Glück, daß fie verftanden ihr Heulen und ihr Schrein. Doch gräfslich war der Hunger, der jchnitt Durch Mark und Bein. Sie ftreiften durch die Forften und fanden felten fatt; Und Jabte ſich der Eine, der Andere lechzte ſchachmatt. Eie fraßen fihs vom Munde, wenn fie die Gier bezwang; Dem Andern gönnte Keiner Antheil an feinem Fang; Er ſchlang ihn all hinunter. Da trugen fie es an, Daß Jeder feine Etraße follte fahren durch den Tanır. Sie wollten nicht verzagen fo leicht in großer Noth, Es felbft mit Sieben wagen, würden ſie bebroht; Doch nicht mit mehr: käm Einer in größere Gefahr, So ſollt er einen Wolfsfchrei thbun, bevor ihm nahte Die Schar.
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153 „Laß uns das nicht verfäumen, mein Sohn, ich bitte dich: Denn jung und tollfühn bift vu; man wird dich ficherlich Auch bald mit Haufen jagen. So ſpring ich gleich dir bei, Wenn ich dich, Neffe, höre; nur vergiß mir nicht den Schrei.“ So fuhr feine Straße Jedweder durch den Wald. Auf ftarfer Männer fieben ftieß Herr Siegmund bald Und that einen Wolfsjchrei. Als Sinfuß das vernahm, Wie fchnell mit mächtgen Sprüngen er dem. Freund zu Hülfe fam ! Bald jah man alle fieben vor ihnen hingeſtreut. As fie ih nun geraftet und reichen Mals erfreut, So ſchieden fie fich wieder. Unlange währt! es nur, So famen Waidmänner auf bes wilden Sinfuß Spur. Sie fuhren wohlgewaffnet, ein volles Dutzend jchier, Tie Wölfe zu erlegen, die jüngft dort im Revier So großen Mord begangen. Als fie die Fährte fahn, Sie ftimmten großen Jubel auf des Wolfes Koften an, Tem fie den Pelz vertbeilten als wär er fchon gefällt. Als der fi von Eilfen die Wege ſah verftellt, Gedacht er nicht des Notbfchreis: er dacht in Zuverficht: Ich will euch nicht entlaufen: entlaufet ihr mir nur nicht.” Tie ihm mit Waffen dräuten, die riß er auf den Grund, Und die fein Fell zerbläuten, die biß er in den Echlund. Auf feinen Widerſacher ſprang er zum andernmal: Er ſtellt' ihm gleich zufrieden mit der Küſſe voller Zahl.
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154 — u — —
Er war kein böſer Schuldner; er zahlte Stod und Zins: Doch freute fi) der Gläubiger nicht lange des Gewinns. „Bürgen foll man würgen,“ ihm galt der Spruch nicht viel: Den Schuldner und den Bürgen bracht er zugleidy an das Biel. Der Lebte wollt entrinnen dem nächſten Dorfe zu: Den ließ er nicht von binnen und balf ihm aud zur Ruh. Nun war ihm heiß: fie hatten ihn waidlich doch gegerbt Und mandıe fcharfe Schneide mit feinem Blute gefärbt. Erathmend fant er nieder bei einer Eiche Fuß. Da fand ihn Siegmund liegen und bot ihm ſchwachen Gruß: „Was haft du nicht geichrieen ie es bebungen war? Nur durch ein fichtlih Wunder entgiengft du großer Gefahr.” Er ledte fih die Wunde und fprach mit ſchwachem Laut: „Eilf Männer zu bezwingen hab ich mich wohl getraut; Es brauchte keiner Hilfe.” Da rannt ibn an im Zorn Siegmund, daß er ftraudhelte, und biß ihn in die Kehle vorn. Das Blut entihoß der Wunde ſogleich in vollem Etrom. Da ward um den Neffen bimmelangft dem Ohm. Er hatt ihn felbit erbiken in feiner dummen Wuth, Dem ſchon aus jechzehn Wunden unftillbar tropfte das Blut. „Könnt ich ihn nur verbinden, er würde wohl noch heil, Oder den Arzt ihm finden: ver ift uns bier nicht feil.“ Er warf ihn auf den Rüden fich doch mit großer Noth Und trug ihn in die Hütte - wie ihm die Treue gebot.
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Ueber dem Kranken ſaß er und bat aus Herzenskraft Tie Geifter und die Götter: „Seid gnädig und verichafft, Daß fi) die Bälge löſen: wo nicht, fo macht ihn frei Tes Bißes durch die Gurgel, daß ich fein Mörder nicht ſei!“ Bald fiel aus großer Schwäche Sinfuß in tiefen Schlaf. Zu jagen gieng da Siegmund und bik nad Wilb und traf Ein Wiejel, das ſich fonnte; das verfehlte Wild entfprang. Tas Weibchen ſah die Wunde: da befann es fich nicht. lang: Zu Walde liefs und kehrte gar bald mit einem Blatt. Tas legt’ es auf die Wunde: die fchloß fogleich fich glatt: Geheilt entlief pas Wiefel. Als Siegmund das erjah, , Cr rannte nad dem Blatte; doch welch ein Wunder geihah! Ein Rabe kam geflogen, ver es im Schnabel trug, Und ihm zu Füßen legte. Da ward er froh genug: „Lad war Odins Bote,“ ſprach er und bog ein Knie. „Die darf ich nun verzagen, ba mir Gott ein Zeichen lieh? „Nein Neffe, mein Gefährte, du bift mir nicht geraubt !” Ta fprang er in die Höhle und heilt’ ihm Hals und Haupt, Er heilt’ ihn mit dem Blatte die Wunden allzumal. Roh waren ihm die Kräfte von verlornem Blute ſchmal; Tod in des Oheims Pflege erholt’ ‘er fichtbar ſich. Da fiel fie dem Ahnherrn zu Füßen, flehentlic Jon um Sprache bittend und Menfchenangeficht. Ta war auch vorüber (davon mwuften fie noch nicht)
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156 Die Friſt der Verwünſchung mit dem zehnten Tag. Als den Erwachten Morgens der Balg zu Füßen lag, Sie |prangen aus den Betten und jtimmten Jubel au Mit menfchlichen Stimmen, die ſich menſchlich wiederfahn. Gleich zündeten fie Feuer und warfen in die Gluth Die leidigen Bälge: „Daß ihrs nicht wieder thut, In Wölfe Menfchen wandeln, dazu gefchieht euch das! Run Dank dir, Allvater! und dir, Verzauberer, Haß!” Ste hatten Doch ale Wölfe manch Heldenwerk vollbracht In König Siggeirs Reiche, und jene Mörderſchlacht Den Jüten jet vergolten. Doch blieb noch viel zu thun: Der Pflicht der Vaterrache, der gedachte Siegmund nun. Er ſprach zu dem Neffen: „Sein länger Warten nüst. Ich fand an mir, daß Alter nicht vor Thorheit fchüßt. Warft du unbefonnen, ich war es noch viel mebr: Ohne Odins Gnade büßten mir es beide ſchwer. „Laß uns die Rache nehmen fobald es mag gefchehn. Zahllos find ihre Scharen; wir zählen nur zu zween. Du aber fchlugeft elfe; ich fteh für Einen Dann. Eo find wir felbzwölfte: mer ftünde ferner noch an?“ Eie giengen aus der Höhle und kamen ſpät am Tag - Zu König Siggeirs Haufe. Bor dem Saale lag Eine weite Halle mit manchem leeren Faß; „Nur aus dem legten zapften fie noch ein fäuerndes Naß.
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157 Am Gang alsbald erlannte Frau Signe fie und trat Hinaus in die Halle. Da mwurben fie zu Rath, Daß fie die Rache nähmen vor der Mitternacht. Hinter den Fäßern hätten fie die gern herangewacht. Das fonnte nicht geichehen. Die Signe dem Gemahl _ Geboren, Heine Knaben fpielten in dem Saal. Sie ließen Ringe rollen und liefen hinterbrein. In jene Vorhalle fprang da mit goldenem Schein Ein Ring, wo mit dem Neffen Siegmund verborgen faß. Ihn fuchten beide Knaben nun emfig Da geichabs, Daß hinter Fäßern Einer zwei grimme Männer fand, Tie tiefe Helme trugen und lichtes Eifengewand. Aufichreiend lief der Knabe dent Vater in den Schooß: „Sinter den Fäßern fiten zwei Männer grimm und groß In lichten Harniſchen.“ Der König fprang empor Und hatt einen Schreden, daß er die Sprache verlor. Ta nahm beide Knaben gemach die Königin Und trug fie nach der Halle vor den Bruder bin. „Die haben euch vermelvet,” fprach fie: „nun iſt mir recht, Wenn ihr die Schwäter töbtet und euern Mord im Voraus rächt.“ „Ich will deine Finder nicht tödten,” fprach ber Held, „Ib fie mich gleich verriethen.“ „Wenn das fo ſchwer dir. fällt,“ Rief Einfühel lachend, „reich mir die böfe Brut: Sie vatern fih, die Rangen: es ift fein Welfungenblut!“
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158: — — — — Er ſchwang das Schwert und warf fie dem König vor den Fuß, In rothem Blute ſchwimmend; unfreundlih war der Gruß. Siggeir ftand und bebte; doch als er Sinfuß ſah, % Nieb er fi) die Augen und mwufte nicht wie ihm geichab. Sinfüßel rief: „Da baft Du zu leden, alter Bär. Unförmlich find die Klumpen und zu geftalten fchiver; Doc traue deiner Zunge, du bringft fie ſchon zuredt: Es find deine ungen, ein- echtes Bärengefchlecht.“ \
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Zwanzigftes Abentener. Bie Siegmund erfuhr, wer Sinfüßels Bater jei. Siggeir der König hatte den Spötter längft vermiſst: „Kann mir denn Niemand ſagen, mo Sinfüßel iſt?“ Cie ſchwiegen alle ftille wie oft er fo gefragt. Rur Eigne ſprach lachend: „Er ift auf der Bärenjagd.“ Run ſah er ihn vor Augen und jener Worte Sinn Bard ihm immer_Harer zu großem Ungeinn, Zumal jet auch Siegmund aus der Halle trat. Da fah er, das ift Hihterlift und unterſchworner Verrath. Ihm war noch nie gelommen fo unlieber Gaft. „Greift,“ rief er, „diefen Welfung, und Sinfüßel faßt, Lie Schächer, die Berräther: ihr fchaut hier felbft den Mord. Ergreift auch die König —“ nicht zu Ende fprach er das Wort; Röht er es ganz verichluden! Er_fchlug fi auf den Mund. Bon der Königin zu ſchweigen batt er guten Grund, Die den Leuten allen mehr als er jelber galt. „Ihr faht mit eignen Augen: fie üben Mord und Gewalt.
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„Ergreift die Verfehmten!“ Die Häfcher ſprangen zu; Doch Sinfüßel brachte die Erften glei zur Ruh. Auch Siegmund erzeigte den Jüten fid) fo gram, Der hielt ſich für unfelig, ber ihm in die Fänge fam. Als feinen Saal Herr Siggeir des Mordes fah jo voll — Mich müht, von einem König daß ich’es fagen fol — Er ließ das Heerborn blajen, das Heerhorn wider Ziveens Das war feit Ymirs Zeiten bis diefen Tag nicht gefchehn. Da ftrömte foldy Gedränge des Volles in den Saal, Cie ergaben fid) der Menge,. es blieb nicht andre Wahl. Man führte fie mit Ketten beſchwert zu ftrenger Wacht, Wo fie beifammen faßen unerfreut die lange Nacht. Auf feinem Lager wälzte der König fich deriveil: Mie er die Feinde ftrafe war ihm fein Rath noch feil. Sie um ein Haupt zu kürzen bebeucht ihm nicht genug, Seit Sinfuß ihm die Kinder vor feinen Augen erfchlug. „Und doc ift Tod das ficherfte, und ſchwer gereut mich jet, Das ich auf Signes Bitte fie in den Stod gejeht, Die frechen Welfungen. That ich was fich gebührt, Eo fuhr er längft zur Hölle, der mir den Sohn hat verführt. „Die ältern Brüder fielen wohl auch durch feine Schuld Und durch der Mutter Tüde: die fommt nicht mehr zu Huld. Doch diefen Mördern finn ich das allergrimmfte Looß: So ſeien fie lebendig begraben in der Erbe Schoof.
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„Ich weiß nicht zu erdenlen graufamern Tod.” Da ließ er einen Hügel erbaun beim Morgenroth Aus Steinen und Stämmen, und in ber Mitte ftand Ein mächtiger Zellen, die Dede rührte fein Rand, So daß er in zwei Hälften des Hügel Räume ſchied. In diefen Hügel fchloß ex, wie ihm die Bosheit rieth, Die grimmen Widerſacher, den dort und jenen bie, Auf jeder Seite Emmen; denn ſchlimmer deucht' ihn für fie, Wenn fie fich hören könnten und boch nicht wiederſehn, Und Keinem aud) vom Andern der lebte Dienft gejchehn. " Sie waren in den Hügel gegangen lebend ſchon, Als Signe fam, noch einmal zu ſchauen,“ ſprach fie, „den Eohn.“ Sie hatte Etroh im Schooße und warf ed ihm zu Eh fie den Hügel jchloßen. „Zu deines Hauptes Ruh Mag es im Schlaf dir dienen und noch im Tod hernach. — Sagt nichts davon dem König, daß ich den Sterbenden ſprach.“ Tas gelobten ihr die Knechte und ſperrten dann das Thor: Zwei mächtige Blöde wälzten fie davor Und machten Feierabend. Da hub Sinfüßel an: „Der bat die letzte Wohlthat mir bie Königin gethan: „pe mit Stroh bewidelt warf fie mir zu ein Theil: Könnt ich dir bei, das wär und ein gemeines Heil.“ Er ri das Stroh herumter und fand mit freubgem Schred, Daß Gram die fcharfe Waffe geftoßen war in das Sped. Simrod, das Amelungenlieb. 1. 11
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162 Er erlannt ihn am Gehilge: ihm hatte das fo oft Siegmund befchrieben. „Da ift uns unverbofft Noch größer Glück gelommen! Es ift fürwmahr tein Traum: Das Schwert ftedt in dem Spede, das du zogeft aus dem Baum ! „Sch zieh es aus der Schwarte, da brauchts nicht deiner Araft. Nun habe Dank die Mutter, daß fie uns das verichafft, Und babe Dank Heervater, der dich damit berieth, Und Dank Iwaldis jüngfter Sohn, denn diefen weiß ich den Schmied.” Als das Siegmund hörte, da ward das Herz ihm frob: „Es mag fich herrlich ruhen hier auf Signes Stroh, Doch hat es uns zum Schlafen und bat zum Sterben Zeit; Wir müßen Felfen fügen; dazu bin ich ganz bereit. „Unter die Dede fchiebe die Klinge mit Gewalt: Kann ich fie erfaßen, fo fägen wir alsbald Ein Loch uns in den Felſen, daß man zufammen Tann. Es fchneidet Stein und Eifen die Schneide, die ich gewann.“ Hindurch ftieß die Klinge Sinfüßel ungefäumt: Sie fägten beide mädıtig; bald war binweggeräumt Die böfe Scheidemauer. Noch fahen fie fich nicht, Menn fie die Hand fich reichten: in den Hügel fchien kein Licht. „Wir find bier noch begraben im Hügel, Todten gleich: Doch fprengen wir die Pforte wohl heut von Nörwis Reich. Hier wälzten ung zwei Blöde vie Knechte vor die Thür: Sin diefer Springmurzel weiß ich den Zauber dafür.“
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163 Leicht mocht es Einfuß jagen, er fand es ſchwer zu thun; Doc ließen fie die Hände nicht mieder müßig ruhn Bis fie fih ausgefchnitten an friiche Lebensluft. Ta wandten fie den Rüden der fonft unmeiblichen Gruft, Und giengen nad) dem Haufe, wo Alles fchwer bezecht ‚sm Schlafe lag, ver König, ver Ritter wie der Knecht. Sie legten Holz darunter und Feuer in das Holz: Das fieng gleich an zu lodern, daß Erz und Eifen zerſchmolz. As über ihnen Drannte die Halle wie ber Eaal, Da erwadten von dem Dualme die Schläfer allgumal. Herab vom Söller fragte der König zorngemuth: „Ber bat Bier angezündet die unvernünftige Gluth?“ — „Das bin ich und Sinfuß, meiner Schweiter Kind. Es war zu kalt im Hügel, wo wir begraben find; Hier mögen wir und wärmen. Komm doch zu ung heraus: Sieh bier Odins Klinge, die hat fo herrlichen Saus.“ Da fah er feine Echwefter neben Siggeir ftehn, Die edle Königstochter; vie hub er an zu flehn: „Komm du herab, du findeft bier Schuß in Freundesarm, Mit Lob und großer Ehre wird dir vergiitet der Harm.“ Ta ſprach fie: „Höret Alle und zeuget mir fofort, Tb je ich diefem König verzieh des Vaters Mord. Ich warb nicht ungezwungen der Jüten Koönigin: Eiggeirn freundlich lachen Tonnte niemals Herz noch Sinn.
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164 Die ih ihm geboren, feiger Söhne zwei, Ich ließ fie erichlagen, manch Jahr gieng nun vorbei, Und geftern noch zwei andre: ich ſah, fie konnten nicht Dir Bruder Siegmund helfen bei ver Vaterrache Pflicht. „Ich kam zu dir gegangen am Abend in den Wald, Daß du mich nicht erfannteft in der Zauberin Geftalt, Der du Herberg gabeft dreier Nächte Frift. Nun magft du heut erfahren ter der freche Sinfuß tft: „Dein Sohn und ber meine, dein Neffe denn und Sohn. Er bat die gewaltige Heldenfraft davon, Daß er Walſens Tochterlind und Sohnskind ift zugleich. So fei er dir befohlen: führ ihn in der Franken Reich. „Hier in der Jüten Lande trachtet’ ich jo fehr Nadı König Siggeirs Falle, und auf der Bruft fo ſchwer Lag mir des Vaters Rache, daß ich nicht Ieben mag, Nun ich ihn fallen fehe und uns kam der Sühne Tag. „Mit König Siggeir fterb ih nun jo von Herzen gern Als ich im Leben lieber ihm lebte meilenfern.“ Sie lief die Stiege nieder und küſsſst' auf den Mund Einfüßel den verwegenen und ihren Bruder Siegmund. Dann Iprang fie ins Feuer und grüßte noch die Zween. Da war es um Signe und Siggeir gejchehn Und all das Ingeſinde: fie fchlang des Feuers Gluth; Siegmund und Sinfuß, fie ſahns mit trauerndem Muth.
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165 Das war ja theure Rache und eine große Roth, Ta König Walfes Tochter ſank in den Flammentod. Wer foll das nun entgelten, da König Siggeir ftarb? ‚hr habt doch wohl vernommen, welchen Zohn er erwarb. Neues Blut erbeifchte doch wieder Signes Fall: Eie war Sinfüßels Mutter, das börtet ihr wohl all. | Soll ers an Siegmund rächen, der junge Welfung ftolz? Ter war auch fein Vater, der jetzt in Rührung zerichmolz. Und war dazu fein Obeim, fein Pfleger, fein Genoß: Er konnt ihm nicht verderben, wie fehr es ihn verbroß. Und Siegmund, wer ift nun, der ihm bie Schwefter büßt? Sie war ihm mehr, er hätte fie billig Gattin gegrüßt. An Einfuß follt ers rächen; doch Sinfuß ift fein Sohn Und ift dazu fein Neffe; das mwißt ihr Alles fchon. Ib man die Welt ihm böte, den Anaben ftraft er nicht. Hier war ed nun zu Ende mit der Freundesrache Pflicht. Zu Einfuß fprad da Siegmund: „Nehmen wir das Schwert Und ſchlagen auf die Tuten fo lang ſich Einer wehrt!“ Sinfühel gab zur Antwort: „Es wehrt ſich Keiner bir: Cie wollen dich zum König, mie ich raunen höre bier.“ „Das find fie doch nicht würbig: fie halfen zum Verrath. Doch laß fie nur mit Frieden: fie büßten ſchwer die That. Bir halten Signed Erbmal und fahren dann nad Haus. Ich kann hier nicht dauern: mir iſts ein Greul und ein Graus.“
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166 Den beiden Königsſöhnen, die fie vor kurzer Zeit Aus wölfifcher Verwandlung ſchwerem Bann befreit, Des Reiches alten Erben, gaben fie das Land Und fuhren heim nad Franken auf dreien Schiffen zuband. — — mn — mu
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167 Eiuundzwanzigftes Abenteuer. Bie Sinfühel beftattet ward. Da ſprach König Neiving: „Du haft mid völliglich Bon Einfuß nun beſchieden: dafür lob ich dich. Erzeugt und geboren vor unfern Augen ward Der frevelfte der Helden. Mit Recht fchalt Siegmund ihn hart, „Ter feine Halbbrüder, die armen Küchlein, ſchlug. Und Doch von ihm hören Tann ich nie genug: Er iproß recht aus dem Kerne hervor des Heldenthums, Und wo fie Kühnheit preifen, gefchweigt man nicht feines Nuhms. „Siemit nicht zufrieden, daß wir ihn fahn entftehn, Tu ließeft ihn mit Siegmund aud in den Hügel gehn. Tod kannſt du Wunder wirken: der ſchon geftorben fchien, Zu berrlichen Geidiiden noch aufermwedteft bu ihn: „Den Ahnberm zu rächen und der Gefippten viel. Tu magft uns ferner jagen, es ift dir nur ein Spiel, Was begieng er bei den Franken mit junger Brüder Zahl? Lebt’ er ober gieng er in den Berg zum andern Mal?“
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168 Darauf beichied ihn Wieland, des Riefen Wate Sohn: „Ich weiß es nicht zu jagen, doch fingt man viel davon Mit Hamund und Helge mas noch begieng ber Helb, Und wie er Gubmund, Hodbrodds Sohn, den Enkel Hundings, gefällt. Doc erft wie fie fich fchalten: das ift ein prächtig Lieb, Das oft uns ward gefungen bei Mime dem Schmieb. Nun ift er hbeimgegangen: er ftarb an Borghilds Gift, Und Harbard, heißt es, hab ihn zu den felgen Auen geſchifft.“ „Das follteft du erzählen,” hub Neiding wieder an, „Und wie ſich diefe Feindſchaft mit Borghild entipann. Zwar Gutes weiß der Yeumund von Stiefmüttern nicht, Doch gehn fie nur felten mit Gift und Dold ins Gericht.“ — „Soll ich noch das vermelden, fo ſpitzt das Ohr und laufcht: Es lärmen fchon die Helden, von ſüßem Meth beraufcht. Der Faden wird am Beten ta wieder angefnüpft, No er meinen Fingern erft jo eben ift entichlüpft. Auf dreien Schiffen kehrten fie heim gen Frankenland, Die jene Königsſöhne befrachtet und bemannt; Doc als fie freudig landend ihr Reich befuhren jetzt, Da batte Mallands König es erobert und befekt. Es war unliebe Kunde; jedoch der Schrecen klein: Sie zogen drum die Flaggen und Banner nirgend cin. Siegmund ftieß ind Heerhorm: da liefen bald ihm viel Der Mannen zu, und weiter nun giengs mit klingendem Epiel.
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169 Er war des Landes Erbe, drum mehrte fih fein Heer, Und immer bünner wurde der Widerſacher Wehr. Die Burgen und vie Stäbte, fie bulbigten ihm all; Nicht lang fo kam ſchon felber die Königsvefte zu Fall. Gefangen war der König mit Kind und Kindeskind, Mit Hab und Gut und Schäßen, mit Heer und Hausgefind. Um Frieden muft er bitten und bieten Löſegeld, Tenn der Befiegte leiftet was nur dem Sieger gefällt. Er bot ihm Gut und Habe: „Die ftehn in meiner Hand;“ Er bot ihm Land und Leute: „Die find mir zugewandt.“ Er bot ihm feine Tochter, die ftolge Vorghild; Die war fo viel ummworben, die fchönfte Blum im Gefilb. Ta ward dem König Frieden und Freiheit und Geleit: Ziegmund empfieng die Tochter, und mit ihr Krieg und Streit. Sie bracht als Morgengabe ihm eimger Fehden Saat, Sie bracht ihm Sieg und Ehre, fie bracht ihm Mord und Verrath. Hunbing bieß ein König des nahen Friefenlands In Kraft und Macht erwachfen und in des Ruhmes Glanz. Zwiſchen Scheld und Elbe kam ihm Fein König gleich, Er Hatte fieben Söhne und jedem gab er ein Neid. Hodbrodd Hundings Sohne war Borghild verlobt: Als fie Siegmund weibte, wie hat der da getobt! Tas war des Streited Anlaß, der nie ein Ende nahm, Bis Siegfried Hundings Söhne bezwang mit dem Echiwerte Gram.
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In diefen Kriegen fielen mit unggählter Schar Hamund und Helgi, die Borghilb gebar. Da lag an Sinfüßel Siegmunbs befter Troft: . Hier beb ih an zu fagen tie ihm Borghild warb erboft. Einfuß warb um Swintha, der Warnen Königin; Noar, Borghildens Bruder, dem lag fie auch im Sinn. Da begegneten fie Beide auf grünem Holme fi, Und Roar fiel erichlagen, ver an Stärke Riefen glich. Tu nahm die fhöne Beute Sinfuß, Siegmunde Sohn, Und trug Land und Leute als Mitgift davon. Danach mit vielen Schiffen fuhr er zu beeren aus Und Fam im Herbfte fiegreih mit großen Schäßen nad Haus. Er jagt’ e8 Siegmunden wie er die Braut geivann; Der fagt' es Borghilden. Da hub fie zürnend an: „Erichlug er mir den Bruder, fo wag er fidh nicht, Es möcht ihn leicht gereuen, vor der Schweiter Angeficht. „Zu den Warnen mag er fahren, ich warn ihn einmal nur.” Da ſprach aber Siegmund: „Was dir auch wiberfuhr, Ich Tann ihn bier nicht miffen: Gold und großes Gut Biet ich dir zur Buße, wenn beine Klage berubt. „Soviel der Helden fielen von meiner Hand im Streit, Doch hab ich niemals Buße bezahlt, zu keiner Zeit: Tod dir will ich fie zahlen: denn es befommt uns fchlecht Mit Weibern zu ftreiten: fie behalten endlich Recht.”
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171 Sie zeigte ſich gefügig und ſprach: „Wie euch gefällt, er feid mein Herr und König,“ und nahm das Sühnegeld. Sie ließ alsbald auch rüften in Walfens hehrem Saal Dit des Königs Beirath zu des Bruders Leichenmal. Sie lud die Helden alle und viel der Reden ein Und ſcheute nicht der Koften: in Strömen floß der Wein. Tas Hom brachte felber ven Gäften Borghild: das war der Degen Freude, denn ihr Durft war ungeftillt. Las Salz in den Speifen reizte fo den Gaum; Roh fläts zum Trinken mahnend durchſchritt die Frau den Raum. Den Stiefjohn vor Allen nahm fie fharf aufs Korn: est kam fie angegangen mit einem mächtigen Horn Und reiht! es Sinfüßel und fprach: „Das trink mir aus.” Er nahm und hobs zum Munde: da faßt' ihn ein Graue. Er ſprach: Der Trank ift trübe.* Herr Siegmund hörte das Und fprach: Gieb Mir“ umd hob es und goß hinunter das Naß. Sie gieng mit dem Home und füllt’ es ihm aufs Neu. Sie ſprach: „Ein junger Ehmann, und haft vor Hörnern Scheu? Was follen Andre trinken,“ frug fie, „an deiner Statt? Tu biſt nicht in dem Alter, das Bormünder nöthig hat.” Er jah hinein und fagte: „Was ihr nicht Alles wälſcht! Aede lautre Worte, fonft ift dein Trank gefälfcht.“ Las hörte wieder Siegmund und ſprach: „Gieb mir nur ber, will noch dieſes trinlen; dann aber trint ich nicht mehr.“
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172 Sie fam zum drittenmale und sprach: „Der Trank it gut, Und teinfft du nicht, jo haft du nicht Welfungenmuth.“ Da nahm es Sinfüßel und fagte: „Gift ift drin.“ Siegmund fpradh: „Laß rinnen durch die Lippen immerhin.“ Der König war betrunfen und übertrunfen fchon, Sonft hätt ers wohl auch dießmal geleiftet für den Sohn. Sinfüßel nahm das Trinfhorn und schlürfte den Trant: Da brachen ihm: die Aniee, daß er tobt zu Boden janf. Da fiel zu ihm nieder; der König: diefer Harm Gieng ihm jchier ans: Leben. Er faß ob ihm, den Arm Um fein Haupt gejehlungen. » Er.hob die theure Laft, ' In feine beiden Arme hielt. er die Leiche gefaßt. ©p gieng er aus dem Saale und jah und hörte nicht; Es will; auch nicht verfangen was Jemand zu ihm spricht. Er Fam zu dem Walde und fuchte nad) dem Baum, ‚e Wo er den Sohn begrübe; doch that er Alles im Traum. Bar fein Baum ihm schön genug, ; der in dem Walde jtund?, Cr gieng immer weiter bis an des Meeres Sund, Da jah er einen Schiffer in einem Eleinen Boot: Der fragte: „Bft hinüber. euch vielleicht zu fahren Noth?“ Er fagte Ya und legte den todten Sohn hinein: Da war das Boot geladen; es jchien doch nicht jo Klein. | Hin fuhr, mit, ihm der Ferge; am Sund blieb Siegmund stehn: | Da war im Augenblide weder Mann nod Boot zu fehn. a. r r
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173 Sie jagen, Ddin war es, der ihn hinweggefchifft: Wie follt’ ihn Siegmund Fennen? ihn beraufchte noch das Gift. Er ftand noch lang am Sunde: und fahrin die Flut, Bis ganzin ihr erlofchen war des Abends xothe Gluth. Er blieb die Nacht im Walde; am Morgen gieng er hin Und verftieß zu Mittag Borghild die Königin. Nun hab ich euch gemeldet mehr als mich Einer frug: Es war fchon längft, gejteh ih, genug und übergenug.“ Noch zechten die Helden in König Neidings Saal, | AS Schon im Dften tagte des Morgens rother Stral. Längjt hatte Wein die Geifter entfeßelt und befreit, Sie fchrieen durcheinander: zum Aufbruch war es hohe Zeit. Da jprad König Neiding: „Nun trinkt die Neigen aus, Ihr hochgemuthen Helden, ein Ende nimmt der Schmaus. Seid morgen wieder rüftig: es Tommt, eh ihrs gedacht, Euch Degen neue Märe: mir ziehen bald in die Schlacht. „Du jehmied uns jcharfe Schwerter, Wieland, Elfenfohn, Und Schild und Helm und Harnifh, du findeft reichen Lohn. Auch wähle dir Gejellen, du fannft nicht Alles thun, Und ließeft du die Hände mir Tag und Nächte nicht ruhn.“ Da gieng König Neiding zu dem Schlafgemad) ; : Er fand fo früh am Morgen Bathilden wieder wach:
Er Äpradh: „Nun ward dir guten Elfweißens Ring zu Theil
. Und mir der Schwerter Beftes, mir jebt um KNeiche nicht feil;
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174 „Wie lange fann es währen, fo wird uns auch das Roſs, Schimming der ſchnelle, der Sleipnern entiproß. Wieland ſchläft und fonnt fi am Schimmer unſrer Gunft: Die lohnt ihm nicht zu reichlich der Elfen herrliche Kunſt.“
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175 — — —— — Zweinndzwanzigſtes Abentener. Wie Wieland den Siegerſtein holte. Ta braten fremde Märe in König Neivings Land Boten, die aus Schweden Rotherich gejanbt: Er komm ihn heimzuſuchen bald mit Heereskraft In feften Halsbergen, mit manchem efchenen Schaft. Einft datt auch Norwegs König Wilingen gezinft, Tod zog aus feinem Tode Neiding den Gewinnſt, Taf er nicht huldgen wollte dem König Nordian, Roh Rothern, als der fpäter das Land der Wilinge gewann. Auch ließ er feine Banner wehen weit umber Und gewann in vielen Schlachten den Sieg zu Land und Meer: Nit Neid ſah König Rother das Wachsthum feiner Macht; Gern hätt er zum Gehorfam die Niaren wieder gebracht. Terweil war ihm geftorben Ute die Königin; hm riethen feine Mannen, zu des Reichs Gewinn Sich wieder zu vermählen: noch darb er eines Sohns Und wenig taugten Töchter zu Erbinnen eines Throns.
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176 Nun hatt er oft vernommen wie ſchön Bathilde fei, König Neidings Tochter: ihm rühmte Jeder frei, Seit fie den Ring gewonnen, das Mägdlein wohlgeftalt: Eon Mander hab empfunden ber hoben Reize Gewalt. Da fandt er Botenbriefe Neiving dem König behr. Mas war darin gefchrieben? das fag ich euch nunmehr: „Rotherich der König von Wilingenland Hat an Neiding Boten, den Niarenhäuptling, geſandt: „Uns ift gejagt, ihr babet eine Tochter wohlgethan, Ihrer Schönheit willen fteht uns das Mägblein an: Die fendet ohne Säumen, euch bleibt nicht andre Wahl; Gefält fie uns, fo wird fie unfer königlich Gemahl. „Und fendet ihr zur Mitgift den Zins, den ihr ung habt Verſeßen allzulange; auch jet fie fonft begabt Mit Golde reich und Schähen, wie und geziemen mag: Wo nicht, jo wird zertrümmert euer Reich auf einen Schlag, „Eure angemaßte Hoheit getreten in den Staub Und eure windge Krone der loſen Lüfte Raub.“ Da wunderte fi) Heiving, als ihm bie Botichaft Fam: Wohl mar er um die Werbung dem folgen Rotherich gram. Damals hatt er Reigin zu König Rotherich Gefandt mit Botenbriefen, die Hangen munberlich: „Neiding der König in der Niaren Land Hat an Rother Boten, den Schwedenkönig, gejanbt.
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177 „Bahr ift es, wir haben eine Tochter "wohlgetban, Nicht iteht dem ſchönen Mägdelein der alte Freier an; Toh meldet uns den Brautlauf, den ihr zu geben denlkt: Sie iſt ung feil um Schätze, doch wird fie nimmer verfchentt. „Auch haben wir zween Söhne, ihr habt der Töchter zwo, Tie follten wir verloben, wärt ihr des Bundes frob; Ro nicht, jo mögt ihr holen den Zins, den ih verjaß, So fol eu überm Haupte balb üppig wuchern das Gras, „Bir fuchen euch auch felber wohl beim in euerm Reich Und frein um eure Burgen bis fie der Erbe gleich.“ Ta wunderte ſich Rother, als ihm die Botichaft Tam: Wohl war er um die Werbung dem Niarenfürften gram. Tem Boten dreut’ er heftig: da mar es Fliehens Zeit; Neidingen brachte Reigin keinerlei Beſcheid. Nun aber ſchickte Botſchaft der König Rotherich Und ließ ihm widerſagen: da beſandte Neiding ſich Und berief aus allen Landen ein ſtarkes Kriegesheer: Da kamen dreißig tauſend Geharniſchte, wo nicht mehr. Die Fahne muſte führen Reigin der raſche Held; Gram der verbannte wurde zum Marſchall wieder beſtellt. Dem Feind entgegen zogen die Scharen wohlgemuth. Mit ihnen ritt auch Wieland, der kühne Degen gut, Den Mimung an der Seité; die Waffen ſchienen hell, Die ſich geſchmiedet hatte der kluge Elfengeſell. Simrod, dad Amelungenlied. 1. . 12
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178 Auch waren wohlgewappnet der König und fein Bann, So gute Nüftgewande fein Kriegöheer je gewann. Wohl fchien aus Erz gegoßen, Reiter und Roſs: So übers Blachfeld führte Neiding den reifigen Trofe. Sie ritten fünf Tage und trafen keinen Feind: „Mas ſolls,“ begann da Neiding, „daß Rother nicht erſcheint ?“ Da kamen Kundfchafter, die er vorausgefchidt, Die hatten Schwedenſcharen durch Wollen Staubes erblidt; Und wieber andre kamen in bäuriichem Gewand, Die hatten in der Nähe des Feindes Kraft erkannt. Da mwarnten fie den König: „ES ift ein mächtig Heer: Wir zählten funfzig taufend; doch nahten ihrer noch mehr.“ Auch brachte man Gefangene zu des Königs Belt, Die Sprachen: „König Asprian zog auch mit uns zu Feld Und feine Riejenbrüder: ber fehnelle Abendroth Und Widolf mit der Stange; ver fchlägt viel Helden zu Tod. „Das folt ihr morgen ſchauen, wenn man die Schlacht beginnt: Bor feiner Kraft beitehen mag keiner Mutter Kind.” Das war dem König Neiving im Herzen leib genug; Doch traut’ er einem Steine, den er immer bei ſich trug, Wenn fih die Heere trafen zu blutgem Kampf bereit; Die ſolchen Stein befaßen, die fiegten jederzeit. Nun ſucht' er nach der Lade, worin er immer lag: Da war fie nicht zu finden: „Web dir, unfeliger Tag!
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179 „Und ift daheim geblieben ber gute Siegerftein, ” Nief Neiding der König, „wie fol ich dann gebeihn?“ Ta berief er ſeine Näthe und die er zugewandt Sich meint’ in ftäter Treue: fie kamen Alle gleich zur Hand. Ta ſprach er: „Hört ihr Freunde, mie mich Gefahr bedroht: Wohl war mir eurer Hilfe im Leben nie fo Noth. Cs fommt zum Sturme morgen, der Entſcheidung bringt, Ta fürdt ich, daß ung Rother mit feiner Uebermacht bezivingt, „Weil ih des Steins entbehre, dem ich Sieg verdantt, _ Eo oft im Kampf das Zünglein der Wage noch geſchwankt. Run iſt daheim geblieben der theure Eiegerftein: Ter follt an meiner Eeiten ein gewaltger König fein, „Der ihn zur Stelle brädite bevor der Kampf beginnt: Ich gäb ihm Bathilden, das brauenfchöne Kind, Und meines Reiches Hälfte Wer ihn nun holen will, Ter trete vor und rede.” Es fchwieg eine Weile ftill, Tann aber fprachen Alle ' wie aus einem Mund: „Tu forderft das Unmögliche! ift dir doch felber Fund, Tag wir fünf Tage brauchten zu der Fahrt hieher; Auch waren wir nicht läßig, noch ift ermüdet das Heer „Dom übereilten Zuge, ven büßt es in der Schlacht: Ber fol nun hin und wieder reiten in einer Nacht? Und böteft du die Erde mit allen Schätzen an, Tie ihre Tiefen bergen, du fändeft nimmer den Mann.”
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; | So traf er bei den Helden guten Raths nicht viel. Da gedacht er Wielands: „Dem war no ſtäts ein Spiel Wovor die Andern ftußter: er bringt auch dießmal Troft.“ Er ließ ihn gleich berufen, da ward ihm ſchmeichelnd gelof't: „Mein lieber Freund Wieland, du einzge Hoffnung mir, ‘ch müfte gar verzweifeln, ſäh ich dich nicht hier: Thu du die fchnelle Reife und hole mir den Stein Bevor im Diten tagte bed Morgens röthlicher Schein.“ Da verfegte Wieland: „Gar kurz ift, Herr, die Seit; Jedennoch till ichs wagen, meil ihr in Nöthen feid, Sofern ihr mir nicht weigert, wenn es gelingt, den Lohn: Bathilden eure Tochter und einen Sit auf euerm Thron.“ Da ſprach der König Neiving: „Ich halte ficherlich Was ich verbeißen habe: nun Lieber, fpute dich.“ „Ihr dürft nicht weiter forgen,” ſprach Wieland der Held, „Den Stein habt ihr fiher bevor der Dften fich erhellt.” Da gieng er hin und zäumte das mwindfchnelle Roſs, . Schimming den guten, der Sleipnern entiproß. Kein Vogel theilt im Fluge die Lüfte fo geſchwind Als ES chimming dahinfliegt, wenn er die Bügel frei gewinnt Er ſchwang fi} in den Sattel, als eben ſank die Nacht, Und burtig gieng es, burtig dahin in lichter Pracht. Ein weißer Streifen bellte, fo ſchien es, Thal und Höhn Und fchon vernahm die Ebne der fchnellen Hufe. Getön.
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181 Läßt Thor die Wetter leuchten? fuhr hier ein Blit vorbei? Und burtig gieng es, burtig durch Wald und Haide frei. Noch einmal fporne Fräftig den königlichen Hengft: Eile, Wieland, eile, daß du Bathilden umfängft. Hier noch ein Vorgebirge, dann kommt der Meeresitrand, Schon von der Flut gegürtet erfcheint das reiche Land: _ Da liegt die Burg am Üfer, geſchwind, fo ifts vollbracht. „Run weide, Schimming, weide.“ Es mar zu Mitten der Nacht, As Wieland aus ver Lade nahm den Siegerftein. „Run muß ich noch zurüde, das fiel mir gar nicht ein.“ Und wieder in den Eattel ſchwang fich der rafche Held Und mit verhängtem Zügel ftob Schimming über das Felb. Da muft er erft empfinden den fcharfgeiweßten Sporn, | Und burtig fprang er, hurtig und fcheute feinen Dorn. Kohl über Heden fegt! er, Gefträuch und Gräben hin, - Daß er mit hohen Sprüngen ein fladernd Srrlicht erfchien. Schon lag die Küfte wieder verhüllt in Finſterniſs, Da ftob er durch die Haide mit ſchäumendem Gebiß. Die Flocken flog es niever, dem Rofie ivar fo heiß; Eine Milchſtraße führte durch die Ebne filberweiß. Run über Bergrüden und wieder in den Echlund, Wie donnerten die Brüden, wie ſchlug der Huf den Grund! Und burtig gieng es, hurtig dahin in lichter Pracht: Ta ihimmern ſchon die Zelte, gefchwind, fo ift es vollbracht!
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— — — — — „Nun weide, Schimming, weide.“ Da ſchwang er ſich aufs Feld: Noch dunkelte der Oſten vom Morgen unerhellt, Doch goßen Mond und Sterne hernieder klaren Schein: „Nun mag der König ſchlafen: ich bring ihm ſeinen Siegerſtein.“ Da ſah er ſieben Maͤnner, der ſchnelle Degen gut, Die ritten ihre Roſſe zu tränken an die Flut: Das war Gram, der Marſchall, und ſeiner Ritter drei, Und drei feiner Knappen; ihre Straße gieng an ihm vorbei Bon des Königs Zelten. Da erlannt ihn Gram Und bot ihm guten Morgen. Den Gruß er ungern nahm: Ob er den Grund nicht wufte, ber Mann war ihm verhaßt; Doc ließ er ſichs nicht merken und grüßt” ihn wieder gefaßt. „Wie ift die Fahrt ergangen?” der Marichall fragte jo. „Die Fahrt ift gut ergangen, fürmahr, bes bin ich frob; Auch wirds den König freuen, ich bring ihm jeinen Stein.“ „Mein lieber Freund, du haft ihn?” fiel da der Marſchall ihn ein. „So lebt in allen Reichen Fein Mann deiner Art! Mer in fo kurzen Stunden vollbrächte ſolche Fahrt? Nun gieb in meine Hände den Stein und habe Dank.“ „Ich will ihn felber bringen,” verſetzte Wieland frei und frant. Doc wieder ſprach der Marſchall: „Ich bin dir ewig hold Und fülle. dir die Echmiede mit meinem rothen Gold, Willſt du den Stein mir laßen, daß ich ihn bringen mag, Als hätt ch ihn von Haufe geholt vor dämmerndem Tag.“
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„Marſchall,“ ſprach da Wieland, „du konnteſt diefe Fahrt Co gut ale ih vollbringen; fo hätteft dus gefpart Mich um den Stein zu bitten. Er kommt aus meiner Hand Rimmer in die beine, das fei dir willig befannt. „Unfern ift dein Verlangen, da bier ein Jeder weiß Um melden Xohn ſichs handelt, um welchen hoben Preis: Drum braud id) Feines Boten, ich bring ihn felber hin.“ Ta fpra der Marſchall zürnend: „Ss haft du thörichten Sinn, _ „Denn du dir träumen läßeft in deinem dummen Muth, Es fei die Königstochter dem Schmiede nicht zu gut: Um die vergebens warben von erlaudhteftem Geſchlecht Des Landes erfte Männer, die gäbe man dem niebern Knecht?“ Toh Wieland ſprach mit Ruhe: „War ich gut genug, Als man mir fie verlobte, fo forbr ih nun mit Fug, Tab man mir fie vermähle Und wird fie nimmer mein, So foll man doch erfahren, daß ich geholt den Siegerftein.” — „Da du auf meine Bitte den Stein nicht geben willft,“ Rief Gram, „noch auch mit Schätzen vie freche Habgier ftillft, So follft du ihn nun laßen mit Schmach, wie dir gebührt, Den Tod dafür empfangen; greift zu, ihr Mannen, und führt „Tag Echwert auf den Verräther, der nach dem Reiche ftrebt: Ter König wird euch danken, wenn ihr den Lohn ihm gebt.“ Ta zog er aus der Scheiben eine Waffe, die war lang; <o thaten feine Nitter und Stnappen: heulend erklang
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184 Die Luft von fchnellen Streichen. Da wehrte Wieland ſich: Wer ihn zum Borne reizte, der büßt' es fürchterlich. Wie fchnell da aus ber Scheide der ſcharfe Mimung flog! Er ſchwang ihn auf den Marichall, daß er nie wieder Fürften trog. Durch Helm und Haupt mit Saufen, durch Banzer, Bruft und Bauch Kam ihm das Schwert gefahren (es ift ein übler Brauch), Daß auf dem Sattelbogen erft Mimung ſtille ftand. Und wieder pfiff die Klinge, da lag ein Ritter im Sant. Dem Reiter wie dem Roſſe gebrady ed nur am Haupt: Die waren weit geflogen, fie hättens nie geglaubt, Daß fie fo Hurtig wären. Nun fprang ein dritter an, Den nad) dem Stein gelüftete: wie jauern Lohn er gewann! Dem fchlug er durch die Weichen einen waßerrechten Schlag, Daß er am Boden blutend mit Haupt und Rumpfe lag; Mit der andern Hälfte lief das Roſs davon: Erbaulicd war der Anblid, die Andern ſahns und entflohn. Das Alles war geicheben vor des Königs Belt. Hinein trat nun Wieland, der unerſchrockne Helb. Er neigte fi dem König und gab ihm feinen Stein; Da warb er wohl empfangen, wie mocht es anders auch fein? Er ſagt' ihm von der Neife, wie die ergangen war, Mie Gram ihm dann begegnet mit feiner Mannen Schar Und wie er den erſchlagen: „Mid zwang dazu die Noth, Er und zwei Ritter fanden für die Gewaltthat den Tob.”
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Ta ſprach König Neiding: „uUndank hab dir dafür: Nit Worten nicht beſchönſt du, Mörder, die Ungebühr. Neiner Freunde Beſter, der liebſte Dienſtmann mir, Der Herzog meiner Völker, liegt der erſchlagen von dir, „So heb aus meinen Augen, giftger Hund, dich fort: Rah Blut riecht dein Athem, dein Auge funkelt Mord, Ver kann den Blick ertragen? Hinweg, fo ſchnell du magft, Und komm mir nimmer wieder: fo bu es jemals noch mwagft, „Eo laß ih dich hängen wie einen feigen Dieb.“ Nicht gieng da der Geſcholtene, getuhig ftehen blieb Pie im den Boden wurzelnd der Elfengeno; Die Blide waren grimmig, die da fein Auge verichoß. Tod faßt’ er fih im Zorne und ſprach mit kühlem Blut; Ich weiß warum bu zürneft, ich weiß es nur zu gut:. Tu willſt den Bund nicht halten, der zwilchen uns beſteht, Tas iftö, warum des Marſchalls verdienter Tod dir nahe geht. „Rubt Jeder wird e8 loben wie du die Treue brichſt, Ran wird dir felten glauben hinfort, was du verſprichſt; Doch Wieland zürnt dir, König, darum nicht allzufehr.“ Ta gieng er aus dem Zelte, man fah ihn lange nicht mehr.
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186 Sreiunbzwanzigftes Abentener. Wie Neiding die Shladht gewann. Da leuchtete der Morgen auf das erlorne Feld, Wo bald erliegen follte manch junger Kriegesheld: Die Nacht hatt ihm geträumet, ihm wär ein Sieg geglüdt, Nun küfsr ihn Odins Mädchen: zu Walhall ward er entrüdt. Walküren flogen durch beider Könge Heer Und wählten ſich die Opfer; der Jungen wären mehr, Die fie umarmen wollten in blühnder Jugend Kraft: Eie fühlen ungern Greife, die bald zu Hel das Alter rafft. Da klingen Heerhörner und laben in die Schlacht, Wohl Manchem ſchlägt mit Bangen das Herz, der fröhlich lacht: Doch muthig wiehern Hoffe, - als fie im jehnellften Lauf Dem Feind entgegen ftürzen: da mwirbelt Staub zum Himmel auf Und dedt die beiden Heere mit dichten Wolken zu. Bald kommt ein Sturm gefahren und fegt fie weg im Nu: Da fieht man Schwerter bligen auf lichter Helme Bier, Die Fahnen flattern luftig und reizen Rampfesbegier.
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187 Ta Treugen ſich Gefchoße, da dedt ein Schild den Wann, Ter auf ein Knie gejunlen nicht weiter fechten Tann. Her bricht ein ftolzer Reiter fi Bahnen durch die Reihn: Ta wirft fih ein Geſchwader ihm in den Wed und fchließt ihn ein. Sier finkt ein junger Degen verwundet in das Gras; San Nachbar will ihn rächen, der Zorn gebeut ihm-bas, Ta ftürzt au) er zu Boden, vom gleichen Feind gefällt: So miſcht fi Blut mit Blute: die Freunde hat der Tod gefellt. 3m Zweilampf begegnen zwei ftolge Reden fich Und meßen ibre Kräfte in Sperwurf, Hieb und Stich. Toh Keiner überwindet und Keiner unterliegt, Ta trennt fie das Gedränge: Jedweder ſcheidet unbefiegt. <ih ſuchen nun die Beiden unb finden ſich nicht mehr: Tas büßen viel Degen im bittern Tode ſchwer. Tas Feuer ftiebt aus Helmen, ein Blutquell ſchießt hervor: Ta muß vom Roſſe finten, ven fi) der Zornige for. So würgt in den Heeren ber Könige der Tod. Roh wägt auf beiden Seiten die Nome gleich die Notb: Ta bricht durch Neidings Scharen ein furdhtbarer Held, Widolf mit der Stange, den feine Feßel mehr hält. ei ihm der König Asprian, bie Keul in ftarker Hand, Und Abendroth der ſchnelle, dem nie ein Gegner ftand. Vidolfen ſah man mwüthen, ben Riefen zorngemuth: Cr mähte Reihen nieder und vergoß in Strömen das Blut.
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188 Auch Asprian ließ fühlen ver fchweren Keule Wucht, Bor Abendrothen wandte ſich mancher Held zur Flucht: Wohin die dreie kamen, da modte Niemand ftehn; Da wurde mande Lüde in Neidings Reihen gejehn. . Erft wichen einzle Scharen und bald das ganze Heer, Die drei Brüder trieben Tauſende vor ſich ber. Vergebens mahnte Neiving, fein hatte Niemand Acht: Mär Reigin nicht geweſen, fo war verloren die Schlacht. Er und Hornboge, ber Marihall ward nad) Sram, Jedweder ein Ende einer langen Kette nahm . Und zog nach feiner Seite: jo ward fie ftraff gejpannt Widolfen einzufangen; der war den Brüdern vorgerannt: Cie Tonnten ihm nicht folgen, er war zu kühn und wild. Längſt hatt er weggeiworfen den ſchweren Eifenfchild, Der ihn am Laufen hinderte: jo drang er wüthend vor Als fole Niemand leben, der zu Neidings Fahnen ſchwor. Nun mit der Eifenkette Tief ihm Reigin Und Hornbog entgegen: die wanden fie um ihn Eo lang aus weiter Ferne bis fie ihn ganz umwob: Was half ihm, daß er rafte, aus Mund und Nafen Feuer ſchnob? Er fonnte mit der Stange, wie er das bald befand, Die Beiden nicht erreichen. Er fchoß fie aus der Hand Und wollte Reigin töbten: doch flog fie weit vorbei. Gefangen ift da Widolf, wie ftarl und fühn er auch ſei.
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189 Umjonft, daß er die Kette zu fprengen fi) bemüht: Tie batte Wieland felber gehärtet und geglübt. der ihlaue Elfe war es, der foldhen Rath erfann, Und noch verbannt dem König den Sieg im Felde geivann. Eie wanden ihm die Kette nun auch um Arm und Brut: Unmutbig trug der Riefe der Freiheit Berluft: Tief ftampft’ er mit den Füßen fidh in der Erbe Grund. ul wurde diefe Märe König Neidings Scharen fund: Gefangen ſei Widolf, der Riefe, dem fie flohn; Ta waren fie ermuthigt: fie kehren wieder fchon Und ftellen fidh gefammelt dem Feind vors Angeficht. Ter ftußt und weicht zurüde, denn bes verjah er fich nicht. Der dringen Neidings Scharen mit wachſendem Muth, ‚onen fteigen ſchnell die Kräfte, wie fteigt des Meeres Flut. Und dichter immer dichter füllen ſich die Reihn: Ter Feind muß endlich weichen, fie ſchlagen graufam barein. So wetzen fie den Schwertern die eriten Scharten aus. Ta bört man Helme ſplittern, wild fchallt das Rampfgebraus, Dazwiſchen Sterbefeufzen und jauchzend Siegsgeſchrei; Und wieder neue Scharen führt jetzo Reigin herbei. Hornbog der Marſchall ficht Allen weit voran, Und baut mit fcharfer Klinge ſich durch die Reihen Bahn. Den Feind ergreift Entſetzen, ſchon hält fi Niemand mehr Und in die Flucht geſchlagen ift König Rotherichs Heer.
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190 Vergebens mahnet Asprian, nicht hemmt fie Abendroth, Sie müßen ſelber flüchten als bebten ſie dem Tod. Mit fortgerißen fliehn ſie, da hilft kein Widerſtand, Denn Neidings Scharen drängen, die ſcharfen Waffen in der Hand. Da fließen Blutſtröme, wer ſtrauchelt, der ertrinkt, Ob nie ihm zu Häupten ein Schwert auch geblinkt. Des Siegers Scharen ſchwelgen in mörderiſcher Luſt, Die rothen Wunden klaffen und ſelten vorn auf der Bruſt. Gar mancher muß erliegen, der nicht zu Odin kommt: Wer nie dem Feind begegnet, noch in der Schlacht gefrommt, Soll der mit Helden zechen in hoher Väter Schar? Nur defien Wunden zählen, ver ftand in Kampfesgefahr. Da verfolgten fie die Feinde bis fanf die tiefe Nacht: Jenſeits der Schwedenmarken ward endlich Halt gemacht. Als röthlich nun der Morgen beſchien das Leichenfeld, Da fand man dreißigtauſend von Rothers Scharen gefällt. Der Niaren fehlten minder, nicht tauſend an der Zahl: Die konnte man verjchmergen beim frohen Siegesmal. Schon wollten weiter ziehen der König und fein Heer, Da kam mit Friebensgrüßen cin Bote Rothers daher. Der wurde wohl empfangen, man fchentt' ihm lautern Tranf Und bot ihm gute Dienfte: des jagt’ er allen Dant. Die Briefe die er brachte verlas der weile Held, Reigin der vielgewandte, fofort in des Königs Belt:
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191 „Rotherich der König von Wilingenland Hut an Neiding Botichaft, dem Norweg dient, gejandt: Bertrauet nicht dem Siege, ber euch gegönnet war, Tas Glül will euch verlocken, feine Gunft ift wanbelbar: „zen Rüden kehrts euch morgen, weil es euch heut gelacht; Vel ftarle Völker halten an unfern Marten Wadıt: Tie ftört nicht aus der Ruhe, fonft ftehn fie jchredlich auf, Nit Niederlagen hemmend eures kurzen Sieges Lauf. „Doch wollt ihr Frieden. fchließen, fir find dazu bereit, Co gebt zu euern Landen uns ficheres Geleit: Bir wollen euch befuhen und eure Tochter ſehn Und wenn wir ihr behagen, fo mag die Heirat geichehn. „Erwartet uns in Norweg nach fieben Monden Frift. Benn ſolches Friedensbündniſs euch nun willlommen ift, So zieht aus unfern Landen bald euer Kriegeßheer Und fendet Widolfen zurüd: wir löfen ihn ſchwer „Mit Gold und edeln Steinen.“ Eo lautete der Brief. Ter König feine Freunde zu Rathe gleich berief Und fragte, was fie dächten von Rothers Friedensluſt? Ta ſprach ein junger Degen: „Er hat fo großen Berluft In dieſer Schlacht erlitten: fein Land ift Alles bein: ieh vorwärts, du wirft König ber Wilinge fein.” „Richt alfo,“ ſprach ein andrer, „ſchon darbt das Heer der Koſt: dich beimwärts, eh wir Alle vergehn vor Hunger und Froft.
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192 „E3 droht ein harter Winter: wir find in Feindes Land: Sieh, wie die vollen Scheuern erglühn in lichtem Brand. Uns ift hier Niemand günftig, man giebt der Feuersgluth, Das uns ernähren fünnte, zum Raube lieber, das Gut.“ Reigin der weife einer Rede da begann: „Dir bietet König Rother einen fichern Frieden an. Du baft von feinem Zwange befrievet und befreit Das Land der Niaren; fein Uebermuth ift ihm leib. „Er rüdt den Zins zu holen dir felten mehr fo nab. Nun gieb ihm deine Tochter; er fpricht zu Allem Sa, Hat er nur erft gefehen das Mägdlein wohlgeftalt, Denn jeder muß empfinden ber hohen Reize Gewalt.” Hormbog der Marſchall ftimmte Reigin bei: „Und gieb ihm Widolfen zurüd: wie fühn er fei, Mir mwißen ihn Ju fangen und fürchten ihn nicht mehr; Auch ißt der Ungefüge fo viel als ein halbes Heer: „Behältft du ihn noch länger, wir leiden Hungersnotb.* Der Rede wollte lachen ſich mandher fchier zu Tob. Doch Neiding ſprach der König: „So folg ich euerm Rath, Und laßt uns heimziehen, bevor dem Heere Mangel naht. „Du Reigin, fertge Briefe an König Rother aus: Wir fähn ihn gerne Tommen als Gaft in unfer Haus, Er werde wohl empfangen in der Niaren Land: Auch find er manden Helden, den er vor Jahren gelannt.
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„Rt Widolfen ſende den Boten dann zurück; Taß er hieher gelommen, das rechn er fi zum Glüd: Ihm follen meine Kämmrer mein Silber und mein Gold Auf breiten Echilden bringen: fo wird der Degen uns hold.” Eımred, dab Amelungenliev. 1. . 13
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194 Biernndzwanzigfted Wbentener. Wie Wieland gelähbmt wurde. Mas ward aus unferm Helden? Wohin ift er geflohn? Wo fehürt nun feine Flammen des Riefen Wate Sohn? Wirbt er in fremden Landen um eines Königs Gunft, Daß die ihm einft vergelte der Elfen herrliche Kunſt? Wohl dacht er erft zu meiden der Niaren Land, Als Neiding ihn jo ſchnöde von feinem Hof verbannt; Den ihm verhieß der König, auf feinem Thron den Sit, Den mocht er leicht verfchmerzen, nicht fo Bathildens Beſitz. No übte feine Kräfte der Norne Zauberring, Daß er des Mägdleins dachte wo er auch ftand und gieng. Wie der Magnet das Eifen, fo zog der Ring ihn an: Bald hatt er unwillfürlih zurüd gemeßen die Bahn, Auf der ihn Schimming neulih fo ſchnell von dannen trug: Jetzt trugen ihn die Füße, das war ihm leid genug. Doch hielt ihn wohl verborgen der treue Nebelbut: Sp fam er ungejeben an de3 Meeres bläuliche Flut.
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Ta lag die Burg des Könige vor ihm im Abenvfchein ; Als man die Brüde ſenkte, ſchlich er ſich heimlich ein. Er gieng, mer mocht es wehren? frei durch Palaft und Saal; Ta rüfteten die Köche Bathilden eben das Mat. Er fab fie vor dem Feuer die Epieße fleißig drehn Und viel gefüllte Ehüßeln auf dem Heerbe ftehn. Die trugen fie Batbilden, vie fchon bei Tifche ſaß Und doch in ihrem Leibe von Feiner einzigen aß. Ihr war es unverhohlen was Niemand ahnte noch, Ter Marſchall fei erfchlagen. Wie wuſte fie es doch? Ihr tbaten Zauberrunen die üble Märe fun: Ta follt ihr feine Epeife mehr in den perlenreihen Munt. Tie ſchöne Königstochter war längft dem Marichall hold Und er dem Maägdlein wieder, doch mehr noch ihrem Gold Und ihres Vaters Schaͤtzen. Er hoffte noch ein Reich Mit ihr davon zu tragen: da traf ihn Mimungs Todesſtreich. Es war dem König Neiding niemals unbelannt, Daß fich die Beiden meinten; er hatt ihn drum verbannt. ‚st erft ein Ding beſchloßen, fo fehlt ein Vorwand nie: E3 war die Fahrt nach Wolfsthal, von der ihn Neiding entlieb: Tenn fie miferieth dem Marſchall. Das vergalt ihm ram: Er fand aud einen Vorwand, daß er zu Hofe kam, Tes Bannes ungeachtet. Denn Neiding entbot, br wißt es, feine Mannen einft zum zmölften Morgenroth:
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196 Da kam aud) er zu Hofe als des Könige Mann; Wohl freute ſich Bathilde, wie er die Zift erfann. Darauf als mwiber Rother der König zog ins Feld, Ward er auf ihre Bitte zum Marſchall wieder beftellt. Er hätt auch wohl errungen das langerfehnte Biel, Wär Wieland ihm gefallen, der Wielanden fiel. Darüber war fo traurig die junge Königin: Eie berührte feine Speife. Da ſprach ihre Meifterin, Herlinde die getreue; fie war Bathilden gut: „Was mochte dir betrüben, mein Kind, den hohen Muth? sch ſeh dich ganz verändert, du feufzteft nächten ſchwer; Nun willft du nichts genießen: ich duld es länger nicht mehr. „Iſt dir vielleicht ein Vogel entflogen, den du liebft, Hat fih das Reh verlaufen, dem bu das Futter giebft? Sch ſchaffe dir den Liebling. Wie oder bift du Franf? Col ich die Aerzte rufen? dein Vater wüſt es übeln Dank, „Wenn wir dich bier verfäumten indeſs er ferne eilt. Nun fag uns, mas du klageſt, fo wirft du bald geheilt.“ Eie ſprach: „Mir fehlt gar wenig, gewiſs, ich bin gefund; Doch bat mir nie gewäßert nach diefen Speifen der Mund.“ Da trug ein Truchſäß eben eine neue Echüßel hin. Herlinde ſprach da wieder zu ber Königin: „So wirft du bier entichädigt: es tft dein veibgericht, Nach dem ich ſtäts verlangte, und ißeſt du von dieſem nicht,
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197 „So ruf ich gleich die Aerzte, denn dir muß unwohl fen.“ Ta willigte Bathilde, wiewohl gezwungen, ein, Zu Ioften von der Speiſe. Als Wieland das ab, Er war der Königstochter und ihrer Meifterin nah, Ta goß er verftohlen von einem Gift dazu: Genoß davon Bathilde, fo fand fie nimmer Ruh Als in Wielands Armen: fie mwähnte zu vergehn, Wenn ihr der Schmieb nicht würde, von der Sehnſucht Qualen und Wehn. Tas Gift hatt ihm gegeben fein Bruder Helferich: Von allen Liebeögiften mar Keines das ihm glich, So bethört' es alle Einne und feßelte das Herz An bolden Wahn der Dinne, ven füß beraufchenden Schmerz. Bathilde nahm ein Meßer, das immer vor ihr lag, Mit dem fie jede Speife zuvor zu prüfen pflag. Ihr babt ſchon ch vernommen von feiner Klinge Kraft: Es berührte laum die Schüßel und den zugegoßnen Saft, Als ſchon die Wunderllinge mit lautem Ton erllang; Der Schall fi in den Lüften allgemach verichwang. Da erſchrak Bathilde, dazu die Meifterin Und Alle, die es hörten, denn Gift war fidher darin. Man ließ die Köche binden und manchen treuen Mann; Zie waren doc unfchuldig, man ſah es wohl, daran. Am andern Morgen kehrte Neiding mit Seereöfraft: Er befahl fie frei zu geben nach ihrer nächtlichen Haft.
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198 Dermweilen dachte Wieland auf neue Hinterliſt. Er ftahl das Meßer heimli und eh es wer vermiſst, Schuf er danach ein Andres, dem erften völlig gleich, So Gleiches fah man ſelten in aller Könige Reich. Nun faß der König wieder beim feftlihen Mal: Da wollte Bathilde mit des Meßers Stahl Die Speifen alle prüfen; ihr Lieblingsgericht Schien ihr audy heut vergiftet: doch fieh, da Hang die Klinge nicht. Darüber war verivundert bie junge Königin: Eie rief nach rohem Fleifche; das Meßer Hang darin Wie in dem ftärkften Gifte, das war ihr mohlbelannt. Nun warb aus der Küche ein Rehziemer ihr geſandt Noch blutig, ungebraten: da prüfte fie den Stahl; Doch nicht erklingen wollte die Kling auch diefes Mal. Da zog fie ihren Vater beifeit nur auf ein Wort: Eie fprach: „Ich bin betrogen, mein gutes Meßer ijt fort; „Dieß bier in meinen Händen ift ihm nur nachgemadht, Und Gift war in der Echüßel, wer e8 auch hat vollbracht.“ Da ſprach König Neiving, als er das Meßer jab: „Es gleicht dem alten völlig: fo ift auch Wieland wieder ba, „Denn Niemand konnt es ſchmieden als der Elfenſohn; Und wenn wir ihn betreffen, es bringt ihm übeln Lohn. Nur ſchweige vor den Leuten, daß er uns nicht betriegt:; Wir wollen ihn ſchon finden, wenn Alles feft enıichlafen Liegt.“
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Als fih das ereignete, war Wieland nicht im Saal. Zu groß war das Gebränge nun bei des Königs Mal: Pan bätt ihn leicht erlundet, fo wär die Liſt miſsglückt; Run meint’ er fie gelungen, Bathildens Sinne berüdt Bon feines Giftes Kräften, fie ſelbſt ihm zugethan Mit aller Macht der Minne: das war ein fchöner Wahn. Eo lag er in der Schmiede wie fonft auf weichem Flaum Und ſah viel Bötterbilder in feinem feligen Traum. Doch ftieg Fein Gott bernieder zu warnen vor Berrath, Kein Edart nahte heute, wie er ihm einft genabt. Er entführte fchon im Traume das wunderfchöne Kind, Schon wähnt' er zu gewinnen was Lich bei Liebe gewinnt, Ta fühl? er fih von Schlägen gar unfanft erwedt, Bon rotbem Fackelſchimmer aus fühem Traum gefchredt. Er fubr empor, da fah er den König vor fidh ftehn, Und unterm Schwarm der Knechte der Degen viel in Reidings Zehn. Schon einmal, das gemahnt’ ihn, hatt er dieß erlebt, Echon einmal in Ketten vergeblich losgeſtrebt. Tie Hände fi) gebunden merkt er mit ſtarkem Band, Merlt fih um die Füße die grimme Feßel geipannt. Tod dieſe jprengt er nimmer wie jehr er ſich bemüht, Tie er mit eignen Bänden gehärtet und geglübt. Ta ſprach König Neiving: „Mir ift lieb fürwahr, . Daß du uns wiederlameft: nun halt ich dich auf immerbar.
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0 „Ich forgte ſchon, du hätteſt gethan, mas ich gebot Und mir dad Land geräumet; das war vergehne Noth. Auch möcht ich ungern miffen jo kunſtreichen Mann: Drum fchneivet ibm die Füße, daß er nicht mehr gehen kann. „Er wird nicht weit entlaufen, wenn er auf Krücken binft.” So ſpricht König Neiving mit argem Spott und winkt Den Knechten, zu verrichten ihr gräjsliches Geſchäft: Da warb der Helb gelähmet, dazu verhöhnt und geäfft. Die Sehnen beider Füße bier außen an dem Bein, Durch die wir gehn und ftehen, die und Bewegung leibhn, BZerichnitt man ibm am Knöchel. Der Held es ftumm ertrug; Doc mar er in der Seele barüber grümmig genug. Was wändte fi) der König und Die in feinen Lehn? Mochten fie die Lähmung, das blutge Werk, nicht fehn? Nein Wielands jchnelle Blide, die er im Kreife warf, Die mieden fie zu Schauen: fie waren ſengend und jcharf. Da war es bald geichehen, gelöft der Sehnen Band. Mer fam nun, der die Wunden dem Blutenden verband? Schickt ihm der König Aerzte, daß er genefen mag? Mer Fürzt ihm mit Geſprächen die lange Nacht, den öden Tag? Einjam muft er liegen bei fchmal gemeßner Koſt, = Nun Fieberhige dulden und nun des Winters Froſt. Kein Freund, der ihn pflegte, kein Arzt, der ihn verband, Nicht einmal eine Krüde ward ihm von Neiding geſandt.
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201 Unmuth war fein Gefelle, fein Arzt war der Grimm, Verzweiflung feine Krüde: da heilen Wunden fchlimm. Ter Zeit ſchien wie ihm felber ver raſche Fuß gelähmt: Tie Stunden fchleichen langfam, wo man ſich kümmert und grämt. Tie erftn Tage füllte nur Zorn und Racheluft Verzebrend wie ein Fieber des Helden ſtarke Bruſt. Dann fühlt’ er feine Ohnmacht, das fchürte noch die Gluth: Kun lann fie nichts mehr löfchen ala feiner Feinde rothes Blut. Doch Alles geht vorüber, fo ſchwand auch dieß dahin. ‚on befuchte jezuweilen eine fanfte Tröfterin: Ti Minne wars, Bathilden an Aug und Wangen gleid). Holdſelig war der Anblid: da warb er wieber mild und weich. Almählih kam fie öfter und endlich blieb fie ganz: Ta beilten feine Wunden an fchöner Augen Glanz. Schon war ihm lieb geworden ber engen Schmiede Haft, Nicht wünfcht' er mehr Befreiung: das ſchuf des Ringes Zauberkraft. m — — — —
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Fünfundzwanzigſtes Abentener. Wie ihm die Augen aufgiengen. Nun Wieland von der Minne fich fühlt die Kraft erneut, Eein langes Etilleliegen bat ihn da bald gereut. Er ift gewohnt der Mühen, die Muße ſchafft ibm Qual, Gern möcht er wieber glühen im Feuer Eifen und Etabl. Sollt er noch länger feiern, fo würd er ernſtlich krank; Mie aber mag er ftehen? die Füße find ihm ſchwank. Ta ward aus Fichtenftäben ein Krüdenpaar geichnigt: Der lange liegen mufte, der wandelt wieber und fit. Schon blafen feine Bälge, daß heil entlodert Gluth, Schon ſchwingt er feinen Hammer, da ſchwillt ihm hoch der Mrutb. Als Thor Midlnern wieder aus Thrymurs Reich gewann, Da war er nicht fo freudig als Wieland, daß er fchmieden kann. Er ſchwang ihn auf den Amboß, des Helden Kraft war voll, Daß von gewaltgen Echlägen die Königsburg erfholl. Da fragte König Neiding: „Was pocht fo wunderſtark? Die lauten Töne dringen mir in bas innerfte Mark.“
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203 Ta fpeachen Kämmerlinge: „Wieland fie, der Schmied, Der wieder an die Arbeit fich. giebt, ber Störenfried; Run bat uns Heute Morgen ver legte Schlaf gelabt. Bas hilfts, daß ihr zerjchnitten der Füße Bänder ihm habt?
„Tie Sehnen feiner Arme find leider noch gejund.“ Ta late König Neiding: ihm fchiens ein lieber Fund, Daß Wieland noch zu hämmern gefchidt und willig war. Ta gieng er zu der Schmiede mit feiner Höflinge Schar: Cr ſprach: „Run Schaut den Lahmen, wie emfig er ſich rührt, Wie er das Eifen meiftert, wie er die Kohlen ſchürt! Er fährt auf feinen Krüden behende bin und ber, Tenn ihm muß Alles glüden, Hein Ding tft Helben zu fehiver. „Nie hat er von dem Unfall fi bald emporgerafft, Als wär ihm nichts geicheben! das heiß ich ehrne Kraft. Es wird mich ewig reuen, daß ich den wadern Mann So ſchwer beftzafen mufte; doch gieng e3 anders nicht an.“ Tarauf verjegte Wieland: „Es war nicht unverbient: Ch ihe mir Anfangs graufam und hartherzig fchient; ‚br muftet mir vergelten das Unrecht, das ich that. Ich darf euch drum nicht fchelten: ich fann auf übeln Verrath. „Run habt ihr mich auf ewig, ich kann euch nicht entflichn, Und wollt es wahrlich nimmer, wär mix die Macht verliehn: Ran würde mich verfpotten in jedem andern Land Wie ig auf Arüden humple; ihr habt wich rüftig gelannt.“
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204 Da ſprach der König Neiding: „Dein ſpotte Niemand bier, Daß man ihm nicht die Sehnen zerichneide fo wie bir: Nun mag fidh jeder hüten. Dazu bin ich bir hold Und mill es dir vergüten mit meinem Silber und Gold. „Man bringt dir aus der Kammer fo viel du haben willit, So au Geftein und Perlen, daß bu dein Herzweh ſtillſt Und dich gegründet fühleft in deines Königs Gunft, Denn Neiding will dir lohnen ver Elfen herrliche Kunſt.“ Da trat er aus der Schmiede mit feiner Freunde Schar. Wie eifrig nun der Gute bes Merfs beflißen war! Er ahnte feine Tüde und wirkte Tag für Tag Geſtützt auf feine Krüde mas man, in Erz nur bilden mag. Nun gieng eined Tages die junge Königin Sn ihren Garten fpielen mit ihrer Meifterin Und andern Jungfrauen: fie warfen wohlgemuth Ihre Neifen in die Lüfte, wie noch ein Mädchen gerne tbut. Die fiengen fie an Eteden behende mwieber auf. Bathilde war gefhwinde mit Wurf und Fang und Lauf; Nur ftörte fie der Goldring, den fie am Finger trug. Da legt’ ihn beifeite die junge Königin Flug: . Sie ſorgt' ihn zu verkieren von ihrer linken Hand. Wohl fahen die Gefpielen ibn liegen dort im Sand; Die Meifterin allein, Herlinde fah ihn nicht. Schon war ihr vor Alter nicht mehr fo ſcharf das Geſicht
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5 Als da fie Uten diente, um bie einft Rother warb: So kams, daß fie Batbilden den Goldring verbarb. Eie trat mit einem Fuße darauf von Ohngefähr: Taraus erwuchs Bathilden und ihr aud große Beſchwer. Run hatte von dem Ringe ſich abgelöft der Stein: Ta konnte Bathilde nicht trauriger fein. Doch wollte fie nicht Hagen dem Bater ihre Noth, Roc fonft ed Jemand jagen: es wär der Meifterin Top, Wenn Neiving es erführe: al feine Hoffnung hieng, Sat er mit Nothern Frieden geichloßen, an dem Ring. Herlinde ſprach: „Da hilft und nur Wieland der Schmied: ‚hm wirb es wohl gerathen, dem hier noch Alles gerieth.“ Ta gebadht in ihrem Sinne die Königstochter hehr: „Zenn er den Ring bebielte, jo wär bes Echadens mehr. Er wird ihn wohl erkennen, den fein Gemahl einft trug: Cr könnt ihn auch verwechſeln; ich weiß den Elfen jo Hug. — „Doch wird ers nimmer wagen, gebrochen ift jein Muth: Cr fürdtet härtre Strafen, wenn er uns übel thut. Voru follt ihm auch frommen der zauberkräftge Stein?” Ta Sprach fie zu Herlinden: „Dein Rath ift gut, fo fol es jein. „Geb fehleich dich zu dem Schmiede; doch dazfft du ihm nicht traum, Tu muft mit fcharfen Bliden ibm auf die Finger fchaun, Taß er ibn nicht verwechſelt wie jüngft den Bauberfiahl; Und warte bis er fertig.” Herlinde that wie fie befahl.
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206 Sie fchlich fich zu dem Schmiebe ven Leuten ungeſehn; Auf Krüden lehnend fand fie ihn vor der Efie ftehn. Betroffen war der Degen, als er Serlinven fah: Wohl überflog ihn Ahnung, nicht wuſt er, wie ihm geichab. Sie ſprach: „Mich ſchickt Bathilve, das fchöne Mägbelein. Der Ring tft ihr zerbrochen: gelöft hat fich der Stein Aus dem lautern Golde, darin er immer lag: Du follft ihn wieder faßen, mo möglich heut noch am Tag. „Sp bleibt dir ftäts gewogen die brauenfchöne Maid.” Da reichte fie den Golbring dem Degen allbereit. Als Wieland ihn erfchaute, mie ward ihm da zu Muth? Der lichten Elfweiß Gabe, die erlannt er nur zu gut. Da fiel es ihm wie Echuppen von dem Angeficht: Was ihn fo lang getrogen, das trog ihn länger nicht. Bathildens Angedenken verſank ihm tief in Nacht, Daraus ftieg Elfweiß wieder hervor in leuchtender Pracht. Er mufte fie verloren, es muft auch wie es kam: Nah Wolfsthal jandte Neiding feinen Marfhall Gram. Da lag im rothen Blute fein wonniglich Gemahl Und Wittich der Heine, in der Bruft den töbtlichen Stahl: „So erhörte mich Wachilde, als ich fie knieend bat: Hier war der Drt zu rächen die frevle Miflethat. Mic trugen ihre Wogen an ben verhaßten Strand; Der Ring bat mich getrogen, fonft hätt ichs früher erkannt.
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207 ‚Den nahm mir Neidings Tochter; es war ſchon recht gezählt, Als an den fiebenhunbert der eine hat gefehlt. Eo ftabl fie mit dem Ringe das Herz mir aus der Bruft, Dazu der Rache Glühen um ber lichten Elſweiß Verluft. „Cie haben mich gefnechtet durch falfcher Minne Zwang, Taß ich der Freigeborne den Hammer dienend ſchwang. Cin Enkel Wilings ftand ich hinter Neidings Tifch Und wahrt ihm feine Meer zu ſchneiden Brot, Fleiſch und Fiſch: Und wäre nichts als diefes, fo heiſcht es rothes Blut; Tod wie warb mir gelohnet der treu beflißne Muth? Bie man den Bogel blendet, daß er im Käfig fingt, Co bat man mich geſchändet: Heil mir, wenn Rache gelingt!“ Ta fprach Herlinde wieder: „Wie ſeid ihr fo verftört? 3b babe feine Antivort noch von euch gehört. Wollt ihr das Ninglein ſchmieden oder wollt ihr nicht?“ Und Yener Rache finnend: „Ex ift die fühefte Pflicht.“ — „Bann foll ich es denn haben?“ frug die Meijterin. „Noch heute wünfcht es wieder Bathild die Königin.“ Ta fuhr aus feinen Träumen der Elfenfohn empor, Als Vathildens Ramen erweckend ſchlug an fein Ohr. Ich thät es gerne,” ſprach er, „doch wärs zu viel geivagt; Rir hat bei feinem Zorne der König unterfagt Für irgend Wen zu ſchmieden, es wär denn fein Gebot.“ Tie Meifterin verfekte: „Damit hats wahrlich Teine Roth.
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208° „Wie fol der König zürnen, wenn bu Bathilben dienſt? Du bift noch nicht fo weile als du uns immer ſchienſt. Cr wird mit Dank dir lohnen, wenn er es je erfährt: Ihm bat als altes Erbe der Ring unſchätzbaren Werth. „Drum will fie ihm verſchweigen, daß er zerbrochen ift, Bis du ihn wieder Lötheft: das thu in kurzer Friſt.“ Er fpradh: „Ich kann nicht wißen, ob bu Wahrheit ſprichſt, Db du Bathildens Namen miſsbrauchend Lügen brein verflicht. „Sie müjte felber fommen, fo ftünde Zweifel fern; Befiehlt fie e8, fo befr ich Yes Ringlems Schäben gern. Daß er entzwei gewefen, du glaubft es dann nicht mehr, Ihren Vater dünkt er beßer, fie felbft fo gut als vorher.“ Herlinde nahm das Ninglen und jchieb mit träbem Sinn. In ihrer Kammer fand fie bie junge Königin. „Hat er den Ring geſchmiedet?“ frug Bathilde gleich. „Ad nein, ich bring ihn wieder,“ verjeßte zitternd und bleich Herlinde die getreue; „nun muß ich traurig fein: Er wollte mir nicht beßern das edle Ringelein. Er ſprach: Ich thät es gerne; doch wärs zu viel gewagt: Mir hat bei feinem Borne der König Schmieden unterfagt, „Wer es auch beftelle, es mär denn fein Gebot. Das fuhr mir in die Glieder, ich wurde bleich und roth. Was half, ob ich ihm fagte, daß es dein Wille jet? Nicht traut’ er meiner Nebe, ja er bekannt es mir frei:
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— „Tu müfteft felber fommen, fo ftünde Biveifel fern; Geböteft du's, fo beßr er des Ringleins Schäden gern. Taß ex entziwei geweſen, ich glaub es bann nicht mehr, Teinen Vater dünk er beßer, dich felbft fo gut als vorher. „Run wirft dus fchwerlich wollen in feine Echmiede gehn: Und wenn ed Neiding fühe, was würde mir geichehn? Denn dann erführ er fiber, daß ich den Ring zerbrach.“ Zie bebte wie ein Espenlaub; Bathilde ſah es und ſprach: „Warum ſollt ich mich fürchten zur Schmiede hinzugehn? Ich thu's in aller Stille und Niemand ſoll es ſehn.“ „Zo will ich dich begleiten,“ ſprach die Meiſterin. — „Richt doch, mir zwei gelangen fo unbemerkt nicht dahin „Als wenn ich einfam gehe: vor einem lahmen Mann Werd ich mich doch nicht filrchten, der mir nicht folgen Bam. Benn er dann lieber ſchmiedet, wenn ex mein Antlitz fieht, So hab ich nichts dawider: ich weiß, mich minnet der Schmied. „Auch dürft er wenig Gutes geivarten wohl von mir, Bolt er auch mir die Bitte verfagen fo wie bir.” Ta ſprach Herlinde wieder: „Davor ift mir nicht bang: Wohl ſah ih, daß er Anfangs unfchlüßig mit fich felber rang, „Lb er das Ninglein ſchmieden folle, oder nicht. Gern hätt erö gleich geleiftet: er nannt es fühe Pflicht; Tod hat ihm ſchwere Strafen wohl Neiding angebreut.” Sie ſprach: „So will ich harten, ob fich Gelegenheit beut.“ — — - — —— —2—3 Simrock, das Amelungenlied. 1. 14
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Sehönnbzwanzigfted Abentener. Die Wieland Neidings Söhne tödtete. Noch einmal laß mich fchöpfen aus deinem Wunberquell, D Saga, deinen Lippen entftrömt er goldenhell. So Tann der Meth nicht laben, kein Wein, ver fo erquidt, Wo ihn der Stral auch reife, den Freyr, der wärmende, ſchickt. Doch weh, in meinen Adern wie brennt und fievet Gluth? Sn welchem Aufruhr hadern muß mein erhißtes Blut? Iſt das der Trank, o Göttin, der labt und füß erfrifcht? Welch Gift haft du verzehrend mir in den Becher gemiicht? Wie mich die Pein zerreiße, ihr Dolch ift Scharf genug, Doc will ich fie ertragen wie Wieland fie ertrug: Er zog nicht aus der Wunde den Stahl in feinem Schmerz, Er drückt' ihn tief und tiefer in das verblutende Her. Er rief fih vor die Augen die lichte Elfenweiß, Der alle Sterne gäben der höchſten Schönheit Preis: Nun fteigt fie aus den Wellen, vie wonnigliche Maid, Jett fit fie ihm genüber, fein Weib, im häuslichen Kleid.
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211 Wie fie bed Anaben wartet, wie liehlich fie ihn ſtillt Hinweg! der gleiche Schauplak, doch welch ein andres Bild! Tie rothen Wunden tragen zwei Leichen zur Schau, Ter Knabe liegt erſchlagen und die holvfelige Frau. Da faßt' ihm wieder fhüttelnd Grimm ber Verſerlerwuth: Könnt er jet Feßeln fprengen wie einft, das wär ihm gut, Jett tiefe Wunden fchlagen in Feindes Bruft und Haupt, Das linderte die Zornwuth, bie ihn bes Sinnes beraubt. „Und der fie bat ermordet, ber trägt des Frevels Schuld Unfeliger, ich dient ihm, ich warb um feine Hulb: Da ward gerecht unb billig, daß er mid) lähmen Lich, Ten feigen Knecht, das bin ich, wie einen Hund mit Füßen fie. „Wir feine Tochter geben, ber es ruhig trug, Mir, der den Mordſtahl füfete, als mar mein Weib erfhlng? Vie muß er mich verachten! Und fo veracht ich mich Bis ich die Scherach gerochen in feinem Blute fürchterlich.” Ta fann auf hohe Rache der grunme Elfenfolm; Ibm ſchien was er erdachte moch ftäts zu larger Eobn. Cr weilte ganz vernichten fein Haus, fein Königthum It ping üben gu bergihten auf ben erbeiickten Suhme Sen Waffenglüt muß ſchwinden, fein Reich zu Grunde achn: Cr bat mich bingeopfert 1m es exchöht u ſehn Ich follt ibm Schwerter fdiuichen zu zwingen eine Bet, \h felbt der Aceien einer, die er in idmöder Quechtichaft hält.
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212 Nicht fol Fch ihm verbinden, ven er begmang durch mich, Der Wilinge König, der hehre Rotherich Dem meine Bettern dienen, der wirb fein Eidam nicht, Er fol fih vor ihm beugen, ver faliche, beuchelnde Wicht. Ha, wie fie gleiten konnte, die Natter, eh fie ftah, Wie er mir goldne Berge lächelnd ſtäts verſprach! Nun kenn ich dieſes Lächeln und übe mich darin: ch zerichneide dir die Sehnen, das ift fein tückiſcher Sinn. Man fagt wohl, daß Tüde ver Elfen Erbtheil je: Der Wellenmädchen Schönfte war ſolchen Borwurfs frei. Auch meinen Bater hab ih argliftig nie gekannt; Doch wenn aus meiner Seele nicht jever Funke verſchwand Bon Falfchheit und Berftellung, von tüdifchen Betrug, Den Funken will ich hegen bis er zur Ylamme ſchlug: Kommt dann auch nie mein Feuer der Menfchenbosheit gleich, So verſchlingts ein Ungeheuer doch dieſer Neidinge Reich.“ So fann er zommuthig auf Untreu und Verrath. Schon war mit rothem Schimmer der Abend genabt: Dom Wald mit Pfeil und Bogen, unmünbger Anaben zwei, Die Söhne Neidings zogen an Wielands Schmiebe vorbei. Sie laufhten an der Thüre und fahen ihn allein; Muthivillig, ſchaubegierig fprangen fie hinein, Ergesten fi) am Feuer, das luſtig Inifternd brann, An al dem Schmietegeuge: fie fahten jegliches an.
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213 Der eine ſprach: „So ſchmiede bu auch einmal für mid; Wenn ich einft König werde, ich lohn es ſicherlich. Angelbaten brauch ih, Pfeil und Bolzen viel; Es fol dich nicht gereuen: bebarfft du mein, fo befichl.“ Der andre lief zur Kifte, darin manch Kleinod lag: Was man von Erelfteinen und Perlen ſehen mag, Bon Eilber und von Golbe, bes war die Flle dort; Die reichen Schäße Tamen aus König Goldemars Hort. „D gieb uns von den Ringen,” rief Otwin bag Sind, „Bir wollen dirs vergelten, wenn wir erwachſen fin.“ As das der andre hörte, da lief er ſchnell hinzu: „Ja wenn ich König werde.“ Da langt’ er fehon in die Truh. Ter Elfenfohn gedachte mohl im erzlienten Muth: „Deriprechen und Berheißen! D rechte Neibingäbrut! Co lüftern nach Schägen mie nad) dem Konigsthron: Bir zerfchneiden bir die Sehnen, wenn du una traueft, zum Lohn.“ Er ſprach: „ES ift nun Abend, ich fchmiche heut nicht mehr. Und laßt mir jegt die Truhe: Tommt einmal morgens ber; Dann könnt ihr beßer wählen was euch da mohlbehagt. Zwar bat mir König Neiding bei feinem Zorn unterſagt, „Euch Goldeswerth zu fchenten; auch hat er mir gebroht, Wenn ich für Andre ſchmiede, es wär denn fein Gebot: ‚dennoch will ichd wagen, wenn ihr mir Eins verſprecht: Tenn ihr ſeid Königsſöhne; ich bin nicht mehr als ein Knecht.“
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214 „Was follen wir verſprechen?“ — „Nur eine Kleinigfeit: Daß ihr frühmorgens kommet, wenn es bie Nacht geichneit; Do müßt ihr rüdwärts geben, ſonſt laß ich euch nicht ein.“ „Ob vorwärts oder rüdwärts, das kann und einerlei fein. „Wir ihun es oft zum Scherze, was ift dabei für Weh? Wir wollen rüdwärts fommen bei friſch gefalnem Schnee.“ „Das thut,“ verjegte Wieland, „io ſchmied ich, was ihr wollt, Auch zeig ich in der Kiften euch all das Silber und Gelb: „So mögt ihr felber wählen.” Die Anaben freuten ſich Wie fie nach Haufe giengen: eine graue Wolle ſtrich Den Himmel überziebend daher von Mitternadtt: „Die bringt ein Schneegeftöber, gleich wird es ſchneien, gieb Acht!“ Schon fielen weiße Floden und dicht und dichter fiels Und hüpfte vurcheinander: fie ergetzten fich des Spiels, Bald hatt ein lichter Teppich den Hofraum überbedt: Eie giengen fröhlich fehlafen; doch vor der Eonne ſchon wedt Ein Knabe den andern: „Gehn wir die Ringe fchaun!“ Sie hoben fi) vom Lager beim erften Tagesgraun Und liefen nad dem Hofe, der war hoch überfchneit. Sie huben an zu maten, rüdwärts, „es ift ja Kleinigleit!“ So kamen fie zur Schmiede. Wohl ließ fie Wieland ein; Hinaus nimmer twieder, ihr Ende muft es fein. Der Bolzen und der Pfeile gedachten fie nicht mehr: So fallen über Schäße, wenn Krieg it, Plünderer ber.
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215 Roc offen ftand Die Kifte, die umielge, dort, Bon Erz der ſchwere Dedel übte graufen Mord. Nicht fehlte Wielanden Tüde noch Grimmigkeit: Der Zunle fchlug zur Flamme: wohl that er Neidingen beid. Da büdten ſich die Knaben nad Schäken hinab, Der Hort in der Trube holbfelgen Schimmer gab. Sein Blinfen war fo golden: da fchlug der Dedel zu; Bas fell ich weiter fagen? da wars geichehen im Ru. - Wohl möchten Augen ſtarren vor alfo reicher Pracht; Doch diefe vier Augen umzieht die ewge Nacht. Sat fie der Glanz geblendet, der Bid ind Sonnenlicht? Das mag dem Adler taugen, body Menſchenaugen taugt.es nicht. D laß dich nicht verleiten des Goldes gelfen Eichen: Gefährlich mag das Eifen, das mörberifche, fein, Geführlicher die Wunden, die Gold dir fchlagen mag: Gar felten wir gefunden wer feinem Schimmer erlag. Der Anaben Hofmeifter fand ihre Betten leer Ws er fie wecken wollte. Er fuchte bin und ber Bergebens in der Belle: da fiel ihm endlich ein, Sie möchten wohl zu Wieland in die Schmiede gegangen fein: Da lief er Hin und fingte, ob Wieland fie gefehn? Tas leugnet er mit Richten: was follt ers nicht geftehn? „Bohl finb fie hier geivefen beim erſten Tagedgraun: Sie Iamen, mein Geſchmeide und das Geräthe zu fchaun;
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216 „Auch follt ich ihnen ſchmieden Geichoße maunigfalt, Bolzen, Pfeil und Bogen zur Jagd im grünem Wald. Das muft ich ihnen weigern wie mir der Gert: befahl. Sie giengen fort. und nahmen den Weg zu bes Konigs Saal. „Hier jeht ihr ihre Spuren noch in ben: Schnee gebräd.“ Die Stapfen wieſen heimwürts: da mar. bee Lift geglückt Der König fie zu ſchauen ward in den Hof gebracht Und Niemand hatt auf Wielmb in dirfer Sache Verdacht Der ſaß indefö und fehabte das Fleiſch von dem Geben; Der Entel Wadildens, wie mocht ex grimmer fein? Dann naym er ihre Schäbel und ſchweifte fie in Gold: Da wurden Trinkſchalen; Rubinen funfelten hold Am Rande wie am Fuße: fich freut, wer fie erblidt; Doc) meilt fein Auge länger, er ſchaudert und erſchrickt. An Loken, dem Berräther, ver Afen Zorngericht Sieht er in Gold gebilvet, erhabne Arbeit ftreng und ſchlicht Ueber drei Klippen gebunden liegt er feſt; Ein Band, das fich nicht löſen noch zerreißen läßt, Ward aus den Eingeweiden des Sohns für ihn gefmüpft: Dieß Band bält ihn bezwungen, daß er wohl nimmer entichlüpft. Zum Wehrwolf umgeſchaffen zerriß ihm Sohn den Eohn, Der Bruder den Bruder: fo grimm ift Aſenhohn. Mit Luft fehn Thor und Odin auf des Befiegten Schmerz: Empor will er fich ringen, body zieht das Band ihn nieberwärts.
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217 Skadi nahm eine Matter, die Gift und Galle ſpie, Es fprübt aus ihrem Munde, der. Quell erichöpft ſich nie. Ueber Lokis Haupte die Schlange zornig hängt: - Bon ihrem Geifer würde fein ſtarrend Antlig beiprengt, Wenn nicht in eine Schale Sigyn, fein Gemabl, Tie immer bei ihm fitet zu lindern feine Dual, Tie giftigen Tropfen fienge. Doch wenn ſich bis zum Rand Tie Schale füllt und Sighn fie ausleert raſch und gewandt, Doch träuft ihm unterbefien das Gift ins Angeficht. Cr wendet fi und zerret das Band, das ihn umflicht, Er zerrt, daß er bie Erde ſchier aus den Angeln hebt Und oft viel Menſchenkinder in Schutt und Trümmer begräbt. Co ziert er beide Schalen. Wie gut der Wein auch fei, Doch tränfe Mancher ungern aus foldyer Schilverei. Indeſs die Kenner rühmten das Bildwerk allzumal: Man ließ die Echalen Freien bei jedem feftlichen Mal. Co warb auch überkleivet das übrige Gebein; Das reiche Tifchgeräthe gab furchtbar fhönen Schein: Her gähnte Fenrirs Radıen, bier boll der Höllenhund, Hier dräuten Feuerdrachen und bort der Weltgurtfchlange Echlunv. So wurden Meßerhefte und Leuchter ausgeſchmückt, In jede goldne Schüßel ein Bild des Grauns gebrüdt. Doch größer war das Grauen, das unterm Golde lag. Das aber ahnte Niemand: er bracht es felber an ven Tag.
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218 Dieß theure Tiſchgeräthe wird immer außgefebt, Wenn Neiding Gäſte Tomaten, die ex ver ankem ſchätzt. Wohl wär au das Geräte köſtlich und ſchön genug, Bärg es nicht foldde Tüde, fo graufenvollen Betrug.
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219 Siebenundzwanzigfied Abenteuer. Bie Bieland Bittihen geugte. Noch mifsten fie die Knaben, die fand man nirgendwo; Der König war in Sorgen, doch ſchien er ungern fo. „Sie zogen wohl zu Walbe, bie Jagd ift ihre Luft; Da iſt fein Thier mehr ficher, ich hab es lange gewuſt. „SFie ftellen auch nad Fiſchen am feergrünen Strand, Sie liefern meinem Tiſche Meerwunder allerhand, Ich macht es felbft nicht beßer, als ich ein Anabe war: Sie werden wieder kommen, dabei ift feine Gefahr.“ Doch Stunde floh nach Stunde, fie Iamen nicht nach Haus; Run ward zu Tisch gerufen: bie Knaben blieben aus. Ken Bien wollte munden dem König bei dem Mal; Er macht' ihm bald ein Ende, nicht trug er länger die Dual: „Laßt und die Kinder ſuchen, zur Neige geht ver Tag; Jh weiß, wenn fie nicht kehren, daß ich nicht ruhen mag. Bir wollen auffigen, durchſpähen Wald und Selb: Leicht haben twilde Thiere die Unbetvehrten gefällt.
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220 „And laßt uns an die Küfte, mein Herz ift jo verzagt, Weh, wenn fie unbefonnen ſich auf die See gewagt! Sch ſäh fie nimmer wieder!“ Da ſchwang er fih zu Roſs, Ihm folgten viel der Nitter und all der reifige Troſs. Die zogen durch die Wälder und Die den Strand entlang Und forfchten nad) den Knaben mit Ruf und Hömerflang. Der Adler ftieg vom Horfte, vom Lager fprang das Reh, Waldbäche ftürzten fchäuntend und ſchaurig hallte die See. Man rief in alle Thäler, in mande dimkle Echlucht, Durchforſchte jedes Eiland und jede Meeresbucht. Die Königsburg indeflen lag einfam und allein: Leicht nähm die Unbeſchützte em Häuflein Reiter nun ein. Bathilde fah die Stille, fo übe war das Haus: Da gieng fie zu dem Schmiebe beim Abendſchein hinaus. Eie gedacht in ihrem Einne: Nun wird mich Niemand fehn, Er muß das Rmglein ſchmieden, es kann noch heute geichebn. Eie fchlug an feine Thüre, die öffnete fich ſchnell; Doc hinter ihr verichloß fie ver Elfengefell. Sie ſprach: „Willſt du nun ſchmieden? Ich komme felber ber, Du haft dire ausgehalten; nun aber ſäume nicht mehr. „Hier ift der Ring und forge, daß er dir wohl geräth.“ Cr ſprach: „Den Ring zu fehmieden iſt es wohl heut zu fpät, Ich zündete nicht gerne mein Teuer wieder an; Erjt will ichandres Schmieden, was man bei Radıt und Dunkel fann.“
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221 Zorn fprühten feine Augen, fie wäre gern geflehn, Doch ſchon hat fie ergriffen der grimme Elfenſohn. Wie er auf Krüden hinkte, er war bach ſchnell genug, Als er zu feinem Lager die Widerſtrebende trug. Er war fo flark und zomig, fein Hauch war Flammenpluth, Es fengt’ ihr ſchier die Brauen: das ift Verſerkerwuth. Das mot ihr Alles helfen mie fie entgegen rang? Seine Kraft war ungefüge, als er Bathilden bezwang. Ta hatt er feinen Willen, fie wehrte fich nicht mehr: Der er das Magdthum raubte, das Mägblein meinte fehr. Schier hätt er fie getöbtet mit feiner Heimlichkeit. Ta ſprach der Vebermächtige: „Nicht länger heißeft du Maid. „Ja ächze nur und ftöhne: was fan es bier verfahn? Ich that es nicht aus Liebe, aus Haß hab ichs gethan. Zu triebeft allzulange mit mir dein Bauberjpiel: Tu zwangft mich zu vergehen die mir vor Allen gefiel. „Tas Blatt hat ſich geivendet, der Ring tft wieber mein Und Liebe, die nicht endet, flößt ex zu mir bir ein. Ti halt an mich gebunden ein unauflöslic Band, Ten Bid zu allen Stunden ift liebend ber zu mir gewandt. „Du wirft mich nicht verrathen, weil du mich lieben muft: So trägft du deine Schande den Leuten unbewuft. Sie länger zu verbergen hilft bir biefer Ring; Er gleicht dem andern völlig, den ich nun wieder empfieng.
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222 „Als du mir jenen gabeft, haft bu dich mir getraut: Den geb ich bir im Haße und nicht als einer Braut. Mir träumte beut, noch lebe die lichte Elfenweiß' Die ich mir doch verloren, feit Sram fie morbete, weiß. \ „Hat mir der Traum gelogen, weh mir, fo bin ih bein; Du gebft mit einem Finde, dem will ich Bater fein, Das fangen mir die Nomen wohl an der Wiege ſchon, Sch zeuge Feine Töchter: es wird ein wehrlicher Sohn. „Du ſollſt ihn Wittich nennen, fein Bater will es fo: Ich fehe dic) im Geifte noch einft des Sohnes froh. Er wird ein ftarfer Degen, dem mander Held fich beugt: Er felber beugt fi nimmer, er ift im Zorne gezeugt. „Sag ihm, wenn feine Jugend zu meinem Wuchs gebiehn, Daß fein Vater Waffen gefchmiebet bat für ihn: Mo das Waßer eingeht und der Wind hinaus, Da hab ich fie verborgen: er leg es felber fih aus.“ Wo er das Eifen fühlte, da hatt er fie verftedt, Unter den Echmiedebälgen, mit Erde body bebedit. Tas Schwert hieß Mimung, Glimme mar ber Helm genannt; Dazu den lichten Harniſch und einen feiten Schilbesrand, Die trug hernach in Stürmen Wittich der rafıhe Helb, Als er ſich Hildebranden und Dem von Bern gefellt. Davon follt ihr noch hören, wenn Sagas Mund mir tönt, Denn hr will ich gehören, fie hat mein Leben verkhönt.
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223 Und wieder ſprach der Stolge zu dem Mägbelein: „Du aber gebe jetzo zu deinem Kämmerlein; Mit feinem Ingeſinde kehrt Neibing aus dem Wald; Wie Hagen die Poſaunen, wie dumpf der Hörner Ruf erſchallt!“ Ta gieng die Betrübte, das Auge thränenrotb; Run mufte fie noch fürchten der lieben Brüder Tod. Das fügte Leid zu Leide, die Sorge zu ber Dual; Vericheucht war auch bie Freude nun aus des Königes Saal. Sie durft e8 Niemand Hagen, Herlinden felber nicht; Die hätte nidyt ertragen des Jammers Vollgewicht. „Eie würde Sich beſchuldigen, die doch dafür nicht kann: Bon mir erfährt fie nimmer, wie diefes Leib ſich entipann.“ „Hat er den Ring gefchmiedet?“ fragte die Meifterin. Eie ſprach: „Er mufte freilich, Fam ich doch felber hin. Vie follt er mir es weigern? Und wohl, du glaubft nicht mehr, Daß er entzwei geivefen, er ift fo gut als vorher.“ Co barg fie vor der Freundin ihr Leid und ihre Schmadh; ' Eie mufte heiter fcheinen, ob fchier das Herz ihr brach. Wenn heimlich eine Thräne dann ihrer Wang entrann, To ward um ihre Brüder, fo gab die Dulderin an. Vie war ihr nun gebrochen ver hohe Uebermuth! Der Stolz hinweg gefhivommen auf heißer Thränen Flut. Bomit fol fie nun feßeln ver reichen Freier Zahl? Ihr Auge will erlöfchen, vie rofge Wange wird fahl. *.
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= 224 Der Ring an ihrem Finger übt feinen Minnezwang: Sie felber muß ihn dulden und ſeufzen Nächte lang. Sie möcht ihn lieber haßen, der fie jo ſchwer gekränkt: Umfonft! Schon bat ihr Minne zu tief ins Herz ſich geſenkt. Die Rächerin vergalt ihr bie Sorgen ſchwer genug, Die je um fie ein Degen in feinem Herzen trug. Doc war dieß Leid erträglich, denn fü iſt Winnepein: Ein andres wuchs täglich, das konnte grimmer nicht fein. Bon ihrem Angefichte ber lezte Schimmer ſchwand: Sie gieng mit einem Kinde, das ward ihr bald befannt. Db fie's noch eine Weile ber Welt verbehlen mag, Doc endlich kommt die Stunde, bie Sonne bringt ed an den Tag. Wie das ergehen follte, das wufte fie noch nicht: „Wenn ich daran gebenfe, meh mir, mein Herz zerbricht! Sie glauben noch, ich traure nur um des Arüber Tod: Der geht mir nicht fo nahe als meine eigene Noth.“ — — — t —
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Adtundzwanzigfies Abentener. Bie Eigel jeinem Kinde den Apfel vom Haupte ſchoß. Ter König ließ vie Söhne noch fuchen lange Zeit; Sie wurden nicht gefunden, das fchuf ihm Herzeleid. Er mufte ſich ergeben zuletzt in ihren Tod: Bas halfe, daß er Bathilden die tiefe Trauer verbot? Er hoffte, wiederlehre dann ihrer Jugend Schein, Der Wangen friſche Röthe; das mochte nimmer fein. Mit dichten Schleiern hüllte fie Bruft und Angeſicht; An des Könige Tafel erichien die Trauernde nicht. So mocht es nicht verlauten, wie ihre Schöne ſchwand, Han wähnte fie noch reizend wie man fie einft gekannt; Toh König Neiding wuſte fie bleich und tief entftellt: „Was thuts? Das Hinglein wirkt, daß fie Rothern dennoch gefällt. „Lielleicht auch, daß der Söhne mir einer wiederkehrt, <o wird mein Neid; beftehen, wie ich es fläts begehrt: Tifingen und Niaren gehordden einem Herrn, Und überm Norden ftralet dann Neidings feliger Stern.” Zimrod, das Amelungenliev. 1. 15
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226, Sp häuft' er Königsehren auf feiner Söhne Haupt, Wenn ihn der Wahn betbörte, fie fein ihm nicht geraubt. Das war doch Alles eitel, der grimme Elfenfohn - Hatt allzuſchwer gerocden feine Schmad und feinen Hohn. Er trinkt aus ihren Schäbeln ſich leere Hoffnung zu, Er ißt aus ihrem Beine gewiegt in ftolge Hub. Wenn aus den goldnen Schalen der Wein ihn nicht beraufdht, Sp tröftet ihn das Ninglein; doch Wieland hatt es vertaufcht. Nun laßen wir bewenden fein Leid und feinen Troft: Der ift doch meiſt betrogen, dem Sktuld, die Norne, koſ't. Nun böret neue Märe: noch ift euch unbelannt Wie Eigel Fam, der Schüge, zu König Neibingens Land. Er hatte fagen hören, fein Bruder Wieland fei Am Hofe wohlgelitten, er lebe reich und frei; Auch bab ihm feine Tochter der König angetraut, Ihm werd ein Reich verlieben zu der munberihönen Braut. Das wollt er gerne fhauen: daß er fo lange Zeit Den theuern Bruder milste, das war dem Degen leid. Den ihm fein Weib geboren, den Tleinen ang, Den erit drei Sommer alten, er tor fi in den Sattel ſchwang Der Knabe war fein Leben, fein Gluͤck und feine Luft, Er Half ihm zu verfchmerzen feiner Schneeweiß Berluft. Da ließ er auf den Höfen den jungen Helferich, Daß er der Marken hüte: er felber fputete fich
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227 Und fpornte fo zum Laufe fein ſchnelles Jägetroſs, Kaum flog ein Beil geſchwinder, den feine Hand verichof. Er lam am dritten Tage zu Neidings Königefis: Ta lag die Burg am Ufer: bie Thürme fliegen ſchlank und ſpitz. Ta zog das Ingefinde die Pforten aus und ein, Sie gafften nad) dem Schügen wundernd indgemein: So blank war fein Geräthe, So ſchimmernd fen Gewand. Den zieren Degen hätte da Jeder gerne gelannt. Biel feltne Federn ragten ihm aus dem grünen Hut, Im bunten Zägerftante gefiel er Allen gut. Ta zog er aus ber Taſchen eine Flöte hellen Klangs, Nachahmerin der Sproßer und alles Bogelgefangs. Und wie er blies und lockte die Sänger in ven Wald, Das muntre Zwitichern ſtockte, fie fchwiegen alſobald Und Iaufchten feinen Tönen: die börten fie noch nie. Es waren ihre Weifen, er pfiff fo lieblich als fie; Doch reiner viel und voller und ftärder war der Laut, Die Radıt war kaum ber Kehle der Nachtigall vertraut: Zuerſt ein flötend Zagen, dann brach die Leidenschaft Hewor mit brünftgem Schlagen, mit hergerichütternder Kraft. Ta flog, es recht zu hören, all das (Gefieder ber. Ze kreiſten um ben Gehen ein ungezähltes Heer; Tie ſchwarze Wolle wehrte fchier dem Sonnenkkein: Ta wähnten alle Zeute, es müß ein Zauberer fein.
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Und wieder eine Flote zog Eigel hervor, Da biies er auf den zweien bemeifternb Herz ‘und Dr: AN das Geflügel folgte dem lockenden Gelang. Da fah man Falten ſchweben, der Aar fih königlich ſchwang. Nun blies er andre Werfen: das zadichte Geweih Trug da ein Rubel Hirſche mit klugem Aug berbei; Mit fieben Frifchlingen kam eine borfige Sau, Mit Rehn und Hafen füllte fich rings die grünende Au. . Da kamen Auerodhfen und Büffel bergerannt, So Bären, Wölfe, Füchſe und Wieſel allerhand. Eich ſchwangen Eichlägchen bebend von Baum zu Baum: Da. lief das Volk zufammen und traute den Augen kaum. Und eine dritte Ylöte gab Eigel feinem Som; Viel muntre Weifen konnte der kleine Spielmann fchon. Da bliefen fie zufammen einen Tanz, der Inftig Tlang, Und Alle, die fie hörten, fich im Kreiß zu dreben zwang. Man jah von gleihem Taumel fo Menſch als Thier gepackt, Sie muſten alle walgen nad ihrer Weiſe Takt. Mit einem Bären ſchwang fi ein altes Höferweib, Ein flinler Burfche fchlang ſich um einer Wölfen ſchnöden Leib. Da half fein Widerftreben: mit einem Bäuerlein Eah man im Kreife ſchweben bie Stördin Klapperbein. Da walzt' ein alter Auer mit einer Mähderin; Dem Ochſen warb es fauer: die Dirne riß ihn doch dahin.
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Da drehte fich geſchwinde ein Reh mit.einem Weib, Ein Roſs mit eimer Hinde: die ſchwebien leicht und frei. Ein wähliges Kaninchen nahm einen Specht beim Schopf, Ein Mäusen einen Sperling, eine Ratte den Wiedehopf. So tanzten fie den Reigen auf einem grünen Plab, Seine Künfte wollte zeigen Jeder vor ſeinem Schab. Eie hüpften durcheinander und feheuten feinen Stoß: Das Springen unb Umſchlingen warb auf der Freudenwieſe groß. Ta fah von hoher Binnen . ein alter Wächtersmam . 7 Herab auf das Getummel: zu rufen bub er an. .; Und in fein Hom zu ftoßen, bis König Neibing In feinem Saal die Kunde von den feltnen Gäſten empfing. Er hört’ auch von dem Tanze, wie Dienfch uns Thier fi ſchwang Und wie dad Wild verlodte der Flöten Wunderklang; Wie Alles was da lebe, gehorſam dem Ton, Ten Fuß zum Tanze hebe vor dem Spielmann und feinem Sohn. Auf ftand er von dem Site, das Wunder anzufehn; In heilen Haufen folgten ihm Die in feinem Lehn. Da zeigte vor dem Those ſich eine breite Schar: Gar bald erkannte Eigel, daß der König darunter war. Ta hört er auf zu blafen: ber Degen ſchwung geſchwind Sich nieder von dem Roſſe une bob hexab fein Kind. Da ſtob auseinander der Tanzenden Gewuhl: Ter taumelte zur Erde, der fiel in einen Brunnen Bühl;
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230 Was Menfchenfinne hatte, das. hielt fich aufrecht kaum, Mas Flügel regte bob ſich im blauer Lüfte Baum, Zum Walde lief behende was viergefußt erſchien, Die Würmer und die Schlangen fuhren pfeilgefchtwmmb dahin. Als nun der König nabte, dba war die Wieſe leer, Doch fah er noch zeritieben das buntgeſchaffne Heer; Bon Flügelichlägen rauſchte noch über ihm bie Luft Und unter feinen Füßen verkroch ein Dachs fich in vie Schluft. Da neigte fi) dem König Eigel, Wates Sohn; Doch Neiding ſprach: „Du forverft doch nicht von mir den Lohn Für deine Zauberlünfte? Ich babe michts geſehn: Was ließeſt du die Tänzer fich nicht noch eine Weile drehn? „sch kam den Tanz zu ſchauen, ba gieng er eben aus: Da ihr nicht weiter fpielet, jo zahl ich nicht den Schmaus.“ Und Eigel ſprach: „Sch durft es bei euerm Zorn wicht thun: Wer unfre Weifen böret, der läßt die Füße nicht ruhn. „Mit fortgerißen hätt euch ver zauberhafte Klang. Ihr jeid der Herr des Landes: wenn ich zum Tanz euch zwang So mar ich fchledht empfohlen. Spiel ich ein ander Mal Diefelbe Weife wieber, fo laß ich euch freie Wahl „Die Obren zu verftopfen mit Wadıs, wie wir getban, Die felbft auf dad Getimmel unangefochten ſahn.“ Ta ſprach König Reiding: „Wer bift bu, kühner Gaſt, Der du mein Ingeſinde zum Tanz genöthiget haft?“
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231 Cr ſprach: „Ich heiße Eigel, ala Schütze mwohlbelannt; Das Kind an meiner Seiten ift fang genannt. Meinen Bruder Wieland Iennft du, der bir den Siegerſtein Geholt bat vor dem Sturme: man fagt, er twirb bein Eidam fern.” „Da fagt man Unwahrhelt, bas wird er nimmermehr, Er büßt fein Ueberheben an beiven Füßen jchiver: Da zerfehnitt man ihm die Sehnen, daß er wuf Krücken (ati So mag auch dir gefchehen, wofern dein Stolz dem feinen gleicht. „Bas ſuchſt du hier im Lande?“ Da ſprach er: „Deinen Dienfl.” „Den wollt ich dir gewähren, wenn bu gefügig fchienft; Tod kenn ich übermüthig der Waßerfrau Geſchlecht: Teine Hand muß erſt beſchwören, daß fie Wielands Schmach nicht rächt.“ Ta bot der weiſe Schütze zum Eide hin die Hand. Ta ſprach der Wirth des Landes: „Noch hab ich nicht erkannt, Ch du fo ficher ſchießeſt ale dich die Sage zeiht: Wenn du mir das beiviefeft, jo wär mein Dienft bir bereit. „Mir wurden Wunberdinge von deiner Kunft erzählt: Ran rühmt, e8 babe nimmer dein Pfeil das Biel verfehlt. Tas folft du erft bewähren; zwar meine Leute fahn Wie du die Thiere lockeſt, doch haft du keinen Schuß gethan.“ Und Eigel ſprach, der Exhlige: „Gebt mir ein Peobeitüd, Taf ich vor euerm Antlig verſuche Kunſt und Glück. Tählt nur das Allerſchwerſte und kann ichs nicht beftehn, So möge wir zur Strafe wie meinem Bruber gefchehn.”
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„Die Wette fol gelten,“ fo ſprach ber König behr, „Du muft die Probe löfen und wär fte noch fo ſchwer. Ich boffe.dir zu nievern den hoben Uebennuth: Du und dein Bruber Wieland, ihr babet elfifches Blut. „Du wilft das Allerfchwerfte: bier iſt dein Kind, wohlan (Mit neivifchen Augen ſah er den Knaben an), Ich lege diefen Apfel ihm auf das Lockenhaupt: Schieß ihn herab; den Knaben zu treffen ift dir erlaubt, „Doch nicht: vorbei zu ſchießen, ſonſt wird wir Wielands Looß: Das macht dic, wohl beſcheiden; du ſprichſt nicht wieder groß. Nun Eigel, triff den Apfel, oder triff das Kind. Hier fei dein Stand, laß fchauen wer diefe Wette gewinnt.“ Doch Eigel ſprach: „Ich Tann nit und bötet ihr die Welt.“ „Sp baft du,” rief der König, „dein Urtheil ſelbſt gefällt: Ergreift ihn, ihm gefchehe mie Wieland ift geſchehn.“ „Schießt, Vater,” bat der Knabe, „ich will wie eine Säule ftehn: „Richt wanken mit dem Fuße, nicht mit dem Augenlied Noch mit der Wimper zuden ch dir der Schuß gerieth. Du holft ja oft den Vogel herab im fchnellften Flug, Du trifft das Reh im Sprunge, den Ball, den ich zum Himmel j ſchlug, „Zertheilteſt du im Steigen, wie wenn er nieberftel, Und follteft nun verfehlen dab unverrückte Biel!‘ Da fprady vr: „Wenn ich ſchöße, ich wär wie Höbur blind: Er traf der Götter Freude: ich träf mein einziges Kind.
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233 „Die Götter und die Menfchen betrübte Baldurs Tod; Rie blidt ich wieder heiter dem jungen Morgenroth, Dem Abendrotb entgegen, fie tbauten nichts ala Blut: 3b Tann und mag nicht fehießen, was mir der Koͤnig auch thut.“ „So greift ihn, meine Mannen,“ tief der König ſchnell. Toh Niemand gehorchte: da ſah man Thränen heil, Witleivge Thränen in manchem Auge Ren. Und wieder rief Neibing: Ihm miß wie Wieland geſchehn: „Greift den verlognen Praler, den übermüthgen Knecht. Verloren ift die Wette, er ſprach ſich jelbft fein Recht. Ter foll fich nicht berühmen, ver fich nicht felbft vertraut.“ Ta riefen ihrer Viele: „Er will ja ſchießen, o jchaut, „Er fpannte ſchon den Bogen, beichwingt tft fein Geſchoß: Laßt ihn geruhig zielen, er ſchießt wie Feiner ſchoß.“ Und ſchwirrend Hang die Senne und auf den Boden fiel Ter Apfel mit dem Pfeile: getroffen hatt er das Biel. FIrohlodend dem Vater entgegen lief der Eohn. Ter bebt ihn auf und küſst ihn: das mar ber fchönfte Lohn, Ter Eigel ward, dem Schüßen: feines Iſangs Kuſs. Bewundert und gepriefen ward lange dieſer Meifterfchuß; Ter König felber rühmt' ihn wie alle die es fahn. „Doc fage mir, Eigel,“ hub Neiding wieder an, „Bir faben dich drei Pfeile befiedern, leugn es nicht; Was follten denn die beiden?“ Da fprach der Held voll Zuverficht:
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234 „Ich habe nie gelogen, ich red auch biekmal wahr, Daß Ridrd nicht zürnen müße, der mir fo günftig war: Hätt ich mit jenem erfien dem Sinaben Tod gebracht, Sp waren euch, Herr König, vie beiben andern zugebacht.“ Da ſcholl es ringe im Kreife: „Sp fpricht ein Biedermann.” „Ich geſtehe,“ ſprach der König, „daß ichs nicht tadeln Tann: Du bift ein wackrer Schütze, auch hab ich deinen Eib; Du gewannft die Wette, fo fei mein Dienft dir bereit.“
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Reununbzwanzigftes Abentener. / Bie Gigel zu Wielanden kam. Ta gieng zu Wielanden Eigel mit raſchem Schritt: Ter ihm fo kühn geftanden, den Knaben nahm er mit, Jang den Kleinen; er warb ein Sänger gut: Mit Worten und mit Weifen erhöht’ er Manchem den Muth. Eigel fand und Flopfte vor bes Schmiebes Thür: Auf zweien Krüden hinkend trat Wieland herfür Und dauerte den Bruder; ala er den erfah, Mit mahnenden Worten zu dem Schüben ſprach er ba: „Dit du's, Bruder Eigel? Was führt dich in dieß Land? Tritt em, daß ich dich warne, o flieh diefen Strand: ‚n eine Wüſte lieber verbirg dich und bein Sind, Eh du dem König dieneft, der nur auf Trug und Tüde finnt. Was er an mir verbrocdhen, ver einft nicht alfo kroch, Rod if} es ungerochen, ich räch es aber noch; Bald ftehn wir uns entgegen zwei Drachen zornentglübt: Rum tritt nicht dazwifchen, daß dich ihr Feuer nicht befprübt.
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236 „Kommft du mich zu rächen? der Schade ber ift mein, Mein diefe Iahmen Füße, fo ſolls die Rache fein. Mir bat er erfchlagen mein leuchtend Gemahl Und Wittih, den geliebten: das räch ich Alles zumal.” — „Nicht komm ich dich zu rächen: ich ſchwur ihm einen Eid, Daf ich nicht ahnden wolle "meines Bruders Leib: Ich komme bir zu helfen, daß du ihm entrinnft, Der ſchnöden Feßel ledig die freiheit wieder gewinnſt.“ — „Was follte mir bie Freiheit, geſchändet wie ich bm? Ständ ih auf meinen Füßen, fie wär vielleicht Gewinn; Doch fo verftümmelt höhnt midy ' der Freie wie der Knecht: Ich lebte mir zur Schande und Wilings ganzem Geſchlecht.“ — „Auf deine Füße Helle dich. Bruder Helferich: Er ift fo kunſterfahren, er heilt dich ficherlich. Noch weilt er auf den Höfen und harret dein und mein: Zu ihm laß uns entrinnen, - gelingt es bich zu befrein.” Er ſprach: „Sch will Bier fterben und büßen Neidings Wuth: Was follte mir das Leben? Es iſt zu nichts mehr gut, Seit Elfweiß ift geftorben, entwid mir Sinn und Kraft. Nun flüchte, Bruder, flächte, eh dich der Zorn des Königs rafft.” Doc Eigel rief: „Du irreft, vie lichte Elfweiß lebt, Vielleicht daß uns zu Häupten die Schwanengleiche ſchwebt: Wenn ich die Bögel Iode mit Tönen wunderbar, Stäts hoff ih, einſt die Schweitern zu finden unter der Schar.“
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‚237 „O fpotte nicht des Armen! du fchmeichelft meinem Ohr, Doch fahn fie diefe Augen ermordet vor dem Thor: Im rothen Blute ſchwimmend mein leuchtend Gemahl Und Wittich den Leinen in ber Bruft den töbtlichen Stahl.“ „Richt trogen dich Die Augen, doch giebt bir nun bein Ohr Tie theuern Schäge wieder, die ſchon bein Blid verlor: <hön Elfweiß lebt und Wittlich, dir lebt Gemahl und Sind: Sie heilte Helfrich beide; du aber wareft taub und blind, „Als du verfolgen mwollieft den Marſchall über Meer: Bor Rachſucht zitternd hörteft und faheft du nicht mehr. Wie wir dich heimberiefen zu deiner Elfenweiß, Ta dräuseft du ven Brüdern und zimmerteft fort mit Fleiß „Ta riefen wir die Schweiten, der Wunden beizuftehn, Tie Helferich verbunden; wir felber wollten gehn Tie Rinder heimzuholen, vie bei der Höfe Brand Dem Stall entronnen waren; ſchwer büßten wir den Unverftan. „Bir ſuchten allzulange die Rinder, ach die Fraun Entflogen uns invefien. Ermeßen läßt das Graun, raͤßt unfer Schred ſich nimmer, als wir fie fliegen ſahn, Drei Schwãne und ein Knabe; wir erfannten fie daran. Schön Elfweiß trug den Knaben an ihrer Schwanenbruſt: Schieß, Bruder, ſchieß fie nieder! rief Helferich, du muft! Ich lann fie wieder heilen. Schon ſpannt ich mein Gefchoß, To Mitleid wehrt‘ und Liebe, daß id} das theure Blut vergoß.
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238 „So ftand ich unentſchloßen, Lieb und Verlangen ftritt, Zulegt hätt ich gejchoßen, wenn Helferich es litt: In feinem Herzen rangen, ber erft entfchloßen fchien, Sept Mitleid und Verlangen: fo ließen wir vie Beit entfliehn. „Schon hatten fie die Schwingen zu meit hinweggeführt, Doch unfre Blicke hiengen am Himmel noch gerührt, Als fie Schon nichts mehr fahen. Da kehrten wir nah Haus: Mit ihnen flog die Freude, flog auch das Gluck mit hinaus. „Mir war dieß Kind geblieben zum Troft in meinem Leid, Etätö hieng es an dem Vater, die Mutter ſahs mit Neid: Es wollt ihn nicht verlaßen und rang ſich Fräftig los Als fie empor zu fliegen es barg auf fchreeigem Schooß.“ „Wie fanden fie die Kleider?” frug da Wieland: „Es war doch wohl verborgen ihr feverreich Gewand.“ Er ſprach: „Berichlagen Hatte des Marſchalls Ingeſind Die Kiſten und die Truhen: aus einem Winkel ſah dieß Kind „Wie ſie die Schätze raubten mit wilder Habbegier. Sie warfen auf die Erde der Federkleider Hier Und traten fie mit Füßen, nicht ahnend ihren Werth: Da fanden fie die Frauen, als du den Marſchall fliehn gelehrt. „Da fie der Schweiter pflegten, vie allzufchnell genas, Und Wittichs, deines Kindes, das ihr gu Yüßen faß, Da fahn fie auf dem Boden Elfweißens Federhemd: Da eriwachte die Begierbe, bie lang die Liebe gehemmt,
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239 „ih in der Luft zu wiegen und durch des Himmels Blau Zur Mutter beimzufliegen und zu der Heimat Au. So lodendem Berlangen thut Niemand Widerſtand, Der je des Fliegende Wonne, jo fagte Schneeweiß, gelannt. „Ca war mit deinem Rinde Schön Elfweiß geheilt. Zie wäre mit den Schweitern geflogen unverweilt; Doch fehlt! es an dem Ringe, der die Berwandlung jchafft: Du batteft ihn verborgen, wohl kundig feiner Zauberkraft. „Da Ionnte Schneeweiß helfen mit ihrem Doppelring, Der ziwviegefteint ſich tbeilte und in zwei Hälften gieng, Wenn man ein Stiftchen drückte. Der Ausweg warb erwählt Und die Berwanblung glädte: fo bat mir lang erzählt." Und Wieland ſprach bebende: „Du gabft und nahmft mir Troft. Doc ſchimmert Hoffnung wieder: fchon hab ich umgelooßt Und wünfjcdhe noch zu leben. Willlommen bift du bier: Gefegnet fei die Stunde, wo bu eintrateft zu mir. „Sie ſoll auch dir fi lohnen und Iſang, deinem Kind: Jh weiß ja wo fie wohnen, die uns entflogen find. Zwar mag fein Schiff fie finden, vie heimlichen Aun, To follen mir erblinden die Augen oder fie ſchaun. „Run geh und ſchieße Vögel, zu zeigen beine Kunft; Und daß bu dich befeftigit in König Neibings Gunft, So liefre feiner Küche die fetten Braten all, Auch mag fein Dhr ergeben deiner Flöte lockender Schall;
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240 „Mir aber bring die Federn, daß ich ein Fluggewand Mir ſchaffen mag und ſchmieden. Gefieder allerhand Bedarf ich zu dem Werke, das fchon der Geiſt entivarf; Nun geb und fchiehe fleißig, daß ich wicht lange feiern darf. „Ich habe wohl betrachtet Elfweißens Federkleid Und hoff es nachzubilden, wenn Odin Sinn verleiht; Auch ift in meinen Händen der Ring, ver Wandlung fchafft, Daß ich mich ganz vollende zum Vogel durch des Steines Kraft. „Ich will auch Flügel bilden für dich und Helferich: Gelingt da8 Werk und trägt e8 zu unfern Höfen mich, Eo nehm ich eine Taube von dort mit zu den Aun: Die bringt euch) eure Ringe, wenn mir die Schweſtern fie vertraun. „Aud ſoll ein Brief euch melden, mie ich die Auen fanb Und was zu wißen nöthig, das mad ich euch bekannt. Dann fliegt auch ihr hinüber in der drei Schweſtern Neid Und Freude färbt ung wieder die Wangen, die vor Kummer bleic.“ Zu feiner Herberge Eigel der Schütze gieng Mit lang dem Knaben, an dem fein Auge bieng. Er fah die theuern Züge, ber Mutter Ebenbild; Ihn zu herzen und zu küſſen, die Luft marb nimmer geftillt. Sie wieder zu befigen mar Hoffnung neu erwacht: Die ließ ihn menig fohlafen vie liebelange Nacht. Dann ald der Morgen graute warb mancher Pfeil beſchwingt, Den Wieland zugefchliffen, daß er ins tiefite Leben dringt.
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241 As nun zur Jagd zu laden das Hifthorn ericholl Und an dem Leitſeile manch ſchneller Brade boll, Ta mufte ang blafen und das Geflügel kam Geflogen ihm zu laufchen und alles Wildbrät wurde zahm. Nit Staunen fah es Neiding und fah mie Eigel ſchoß Und wie er ficher zielte von feinem folgen Roſs. Cr ſprach: „Der Heine Spielmann ift eine Krone werth: Ih will ihm Norweg ſchenken, wenn er mich diefe Weile lehrt. „Und hoch, gefährlich jagen ift heut in meinem Wald: Es regnet Schneehühner und Trappen mannigfalt; Eternadler hageln nieder: ihr Jager feht euch vor, Daß diefe Schlagtauben euch nicht betäuben das Ohr. „Ran ftellt nicht mehr nach Hafen in meinem Jagdrevier: Zuſammen wirb geblafen manch ſpitz gehörntes Thier. Tod höret auf zu fchießen, daß euch ber Koch nicht fchilt: Er lann ja nimmer fpießen all dieſes herrliche Wild.“ Eimred, dab Amelungenlied. 1. 16
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242 Dreißigftes Abentener, ⸗ Wie Wieland entflog. Nun hatte Wieland Federn zu ſeinem Werk genug Und bald die leichten Schwingen bereit zum Vogelflug. Ich kann euch nicht beſcheiden, wie es vollbracht ſein Fleiß: Sonſt müft id Fragen leiden, auf die ich keine Antwort weiß Sie wollen alle fliegen, bie Gott zum Gehn erfchuf Und Niemand mag erkennen ben eigenfteri Beruf: Eh ihr den Stein nicht findet, den Nornengunft verleiht, Rupft ihr vergebens Vögeln bie Federn aus zum Flügellleid. Der Held war lang geihäftig, den Tag und aud bie Nacht: Es ließ ihn nimmer fchlafen bis er die Kunft erdacht. Doch endlich Tag gefertigt ein Flughemd vor ihm da Gleich einem Greifenbalge: als das fein Bruder erfab, Eigel der Schüße, mie mar er hocherfreut! Er Sprach: „Laß michs verfuchen, ich bitte dich, noch heut Eh du die andern fertigft: was noch dem Werk gebricht, Das beferft du und fchaffeft an jenen dann mit Buperficht.“
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243 Zufrieden war es Wieland: Eigel fuhr hinein Und ganz zum Bogel ſchuf ihn des Ringes Zanberftein, Ta hub er an zu fragen: „Wie heb ich mich empor - Und wie laß ich mic nieber? das fage, Bruder, zuvor. Ich hab es oft gefehen an junger Vögel Brut, Wiewohl fie Flügel haben und fluggewillten Muth, Daß fie nicht fliegen können ch fie bie Kunft erlernt. Tie lehren fie die Alten; fie bleiben felten entfernt, „Nein halten ſich zur Seite zu helfen, wenn es Noth, Tem Küdjlein beigufpringen, wenn es zu finlen droht. Auch zeigen fie ihm ſorglich den rechten Fluggebrauch Bis es die Kunft begriffen: fo thu du, Bruder, mir au.“ — Ich lann ihn dir nicht zeigen, der felbft ein Neuling bin; To 308 ich mir aus Worten Elfweißens den Gewinn: Tem Wind entgegen ſchwebe, wenn bu den Flug beginuft, Doch fenkft du dich, fo firebe, daß du zum Freund ihn gewinnt.“ Dem Raihe wollt er folgen und fehidte ſich zum Flug Ter Schwingen Pracht entfaltend, die breit und lang genug. Er bob fi) hoch und höher dem ſchnellſten Vogel gleich Ten Biden hier entnommen in ber Lüfte blauendes Reich. Run wollt ex niederſchweben, der Athem warb ihn Hein, Tie Luft in folder Nähe des Himmels war zu fein; Tod wie er das verſuchte und fehon gewann den Mind, Ta flürzt’ er rüdling nieder zur Erden allzugeichwind.
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244 Die Ohren und die Schläfe betäubt' ihm ſchwer der Yall, Er mwufte feine Kunde von feinen Sinnen all: Die gab ihm Wieland wieder durch Haren Waßers Flut. Er fprah: „Nun fage, Bruder, ift diefes Flughemde gut?“ Und Eigel rief der Schüße: „Wär dieſes Flügelpaar Zum Niederflug fo nüge als es zum Aufſchwung war, Sch weilte jetzo wahrlih in einem andern Land, Du bätteft mich nicht wieber gefehn, das fei dir befannt.“ \ \ „Wohlen, fo will ich beßern“ ſprach Wieland der Schmied, | „Was noch gebricdyt dem Werke bis es mir ganz gerieth.“ Cr jegte fich zu ſchmieden und ſchuf vorm britten Tag Zwei gleiche Ylügelfleiver fo gut fie einer ſchmieden mag. Da fprach er zu dem Bruder: „Nun hilf mir ins Gewand; Ich kann mich felbft nicht Heiden, das ift dir wohl bekannt.“ Die Krüden ließ er fallen und ſchwang ſich hoch empor, Empor zu blauen Lüften: Tein Adler flög ihm zuvor. Dann ließ er leicht fih nieder auf feiner Schmiede Dach Und ſprach zu Eigeln wieder: „Dir war body allzujach Zu Schneeweiß, deiner rauen: ich fah es wohl voraus, Drum lud ich dich zu Gafte zu einem falfchen Ohrenſchmaus. „Als ich dich lehrte, Iafe dich nieder mit dem Wind, Da wuſt ich wohl, du kämeſt nicht wieder fo geſchwind, Wenn du erführft, wie tauglich zum Auf: und Niederflug Das Federhemde wäre: darum bergeih mir den Betrug.
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245 „Und wiße, alle Vögel, die unterm Himmel find, Sie fliegen auf und nieder entgegen ftäts dem Wind, Da ſchon fo viel Geflügel zu zähmen bir gelang, Mid wundert, daß kein Liebling dir diefe Lehre noch fang.“ „D fpofte nicht,“ vief Eigel, „fchier büßt ichs mit dem Tod; Und doch, bu thateft weislich, es lehrte dich die Noth: Ber weiß, wo ich jet wäre, verlodt von Flugbegier! Benn du die Wahrheit fpracheft, verſchmachten mufteft du hier.” — „sh will nun zu den Höfen, daß Helferich mich heilt; Doch erft zu König Neiving: dem ſag ich unverweilt So unliebe Märe, daß es fein Herz verbrießt: Bern dann, er wird dich nöthigen, deine Hand nach Wielanden ſchießt, „So ziele nach der Blaſe hier unter meinem Arm, In der ich Blut verwahre; es iſt zum Rauchen warm. So magſt du ihm gehorchen und meiden Brudermord.“ Zum höchſten Thurm der Veſte ſchwang ſich der Elfe ſofort, Und rief: „Komm König Neiding, Niarentroſt, hervor: Ich habe böfe Beitung zu ſchmettern in bein Ohr.“ Und aus dem Saal gieng Neiding und mit ihm mandıer Mann. Nut Staunen fah der König zu dem hohen Thurm Binan. Ta ſah er Wielanden gefievert und befchtwingt: „Die? bift du jet ein Vogel? Was Alles dir gelingt! Bohin willft du num fliegen? Und warum riefft bu mir? Gar feltfame Wunder machſt du, Elfenfohn, aus dir.“
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246 „Herr, jet bin ich ein Vogel, ein ſchwarzer Rabe zwar, Dir Unheil anzukrächzen, unmelbliche Gefahr: Dann will ich dir entflisgen ımb nimmer zwingſt du mich In deine Feßeln wieder, das glaube du mir ficherlich. „Nicht ftehl ich mich von binnen, es fei dir frei befannt Mie grimm an bir gerochen fich hat des Schmiede Hand! Du bift ein armer König, dein Reich finkt in den Staub: O müfteft du's nicht hören! dir frommte beßer, wärſt du taub. „Erft aber ſchwör mir Eide, daß du's nicht rächen wirft An Eigeln, meinem Bruder: Bei deines Haufes Firft, Bei deines Schwertes Spitte, bei beined Roſſes Bug. An mir darfit du es rächen, da haft du Grund und vollen ug; „Doch nicht an deinen Kindern, an deinen Enfeln nicht, Was auch dich zu erzürnen mein Mund jeht zu bir ſpricht. Die Eide ſollſt vu ſchwören: jo mad ich Alles fund.“ Dem folgte König Neiding und ſchwur es ihm mit Hand und Mund. Und Wieland ſprach: „Wir haben uns viel zu Leid gethan, Und nie wird es gefühnet, der Tag bricht nimmer an. Mein Weib und meinen Knaben erfchlug dein Marihal Sram; Das Ninglein hab ich wieder, das beine Tochter mir nahm. „Es zivang mich dir zu dienen, bir meinem ärgften Feind, Dem kärgſten aller Herren, bie Sonn und Mond befceint: Du dachteſt nie zu lohnen der Kunft, die dich erhob, Dir Ruhm und Königöbronen um bie unwürdge Echeitel wob.
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247 „Du verfprachft mir deine Tochter, einen Sitz auf beinem Thron Tod Elend und Berbannung war meiner Dienfte Lohn. - Ter mic) erſchlagen wollte, daß ich den erichlug, Das brauchteft du zum Vorwand deines Zorns mit ſchnbdem Betrug.
„Als ich darauf mit Liften nad) Gegenminne rang Bathildens, die zu minnen mid) noch das Ringlein zwang, Da ſchnitteſt du die Sehnen der Füße mir entzwei: Zu Ddin, Rache heiſchend, ſtieg des Verblutenden Schrei. „Tas büͤßte deine Tochter, fie geht mit einem Kind: Ras wird nun Nother fagen, der fle zu freien finnt? Ihre Schönheit ift erblichen, vor Leib ift fie erkrankt, Und auch ber Heiz entwichen, ben fie dein Ninglein verdankt. „Nun rüfte nicht zur Hochzeit, nein rüfte dich zum Krieg Und teiffft du Dich mit Rothern, fo Hoffe nicht auf Sieg; Sieh bier in meinen Händen ben guten GSiegerftein; Ich wuſt ihn zu entwenden: ber Sieg, bu fiehft es, ift mein.“ Da ergrimmte König Neiding: -„Schieß Eigel, fchieß, du muft, Geſchwinde nimm den Bogen und fchieß ihn in die Bruſt.“ Doch Eigel ſprach: „Wie darf ih? tft er mein Bruder nicht?“ „Du bift mein Knecht,“ rief Neiding, „des Herrn Befehl ift deine Pflicht. „Eiſchieß ihn, oder büß es mit martervollem Tob: Den Ungehorſam ſtrafen der Eid mir nicht verbot.” Und Eigel ſchoß und traf ihn unter den linken Arm: Tas Blut fiel zur Erbe, noch rauchend fchien es und warn.
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— 248 „Du haft ihn wohl getroffen, bes Schußes bin ich froh,“ So ſprach der König Neiving, und Alle fpracen fo: „Er wirds nicht Überleben, wir ſehn ihn jchon herab Bum Thurme wieder ſchweben: nun grabt dem Helden ein Grab.” Da begann der Schmied zu fprehen „Gewiſs, er traf mich gut; Doch was bier dampft und rauchet ift deiner Söhne Blut: Die erfchlugen diefe Hände: um furdtbar ſchönen Schein Preift man das Tifchgeräthe, das ich ſchuf aus ihrem Gebein: „Trinkſchalen aus den Schädeln, du tranfeft oft daraus, Armleuditer aus den Armen, vie leuchten dir beim Schmaus, Delfchalen aus den Hüften, aus Andrem andre Bier In Silber und in Golde: fo rächt' ich, Neiding, mich an dir. „Und toiße, nicht erreicht mich jebt, @igel, dein Geſchoß, Unfihtbar will ich tummeln die Luft, mein blaues Role: Mid birgt die Nebellappe des Schüten fcharfem Blid‘; Die hatt ich nicht verloren, "ich dank es meinem Geſchick.“ Da ſchwang er fie zu Häupten und var nicht mehr zu jehn. Ins Leere ftarrend Neiding blieb da im Hofe ftehn. Ihm Tehrte niemals wieder der weile Elfenjohn, Er durft an Niemand rächen feine Schmach und feinen Hobn. „Geb du, mein treuer Kämmrer, Dankrat, geb geichwind Und heiß mir Bathilden, das brauenichöne Kind, Her in den Hof zu kommen, daß ich fie fragen mag.” Es ſah der König Neiding nie einen leivern Lebenstag.
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249 „Und ift das wahr, Bathilbe, was ich vernehme heut, Hat Wieland deines Bettes der Schmieb fich erfreut? Trägft du in deinem Schooße von feiner Minn ein Pfand? Malle meine Freude an dir zu. Leibe gewandt?” „Wohl ift es Wahrheit, König, was bu vernommen haft: 3 lam zu feiner Schmiede, da bat er mic erfaßt. Ich muß von feiner Minne mit einem Kinde gehn: D wär ich nie geboren! Ich vermocht ihm nicht zu widerſtehn.“ Bas foll ich weiter fagen wie es am Hof ergieng? Ta hörte man nur Klagen, die Freude war gering. Tas Weich der Niaren tvar feinem Falle nah, Denn alles, was ihm Wieland voraus verlündigt, geſchah. Den Sieg erfocht fich Rother in einer blutgen Schladht: Da wurde fehr gemindert Neidings Konigsmacht. Bald hub er an zu fiechen und ftarb dahin im Gram; 3 kann euch nicht verfünden mer nach ihm die Krone nahm. Iwar hör ich Saga flüftern, das that fein Sohn Driwin: Den Wieland hat erfchlagen, warb dem das Neich verliehn? Wie mochte das geſchehen? Und doch, ich glaub es gern; An Sagas Wort zu zweifeln, ihrem Sünger fei es fern. Die Königeföhne beide heilte Helferich, Seiner Kunft verfagte kein höchſtes Wunder fich. Tas goldne Tifchgeräthe gab allzugraufen Schein: & nahm daraus die Andchlein und fügte wieder Bein zu Bein.
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250 So rief er fie ind Leben, vie lange waren tobt. Doch lebte von den beiben der ältre nur zur Roth: Ein Knöchlein war verloren, es fand ſich nirgendwo; Doch Ortwin ward, der jüngfte, ein Dann und voller Jugend froh. Bathild ihres Leine durch einen Sohn gena®, Der Wittih ward geheißen: wie bald fie va vergaß Zu feufzen und zu wimmern! der Knabe warb ihr Glück: Da kehrte mit der Freude auch ihre Schönheit zurüd. Ihr hört von Wittichen, wenn mir ein Bott gebeut; Doc weitres euch zu melben, ehrt mir fein Wink für heut. Einft ſag ich aud) von Wieland, tie ihm ver Flug gerietb; Hie hat die Mär ein Ende; fahrt wohl, dieß iſt das Wielandslied.
Wittich Wielands Sohn
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Erftes Abenteuer. Wohin Wittich gedadte. Die Wieland feine Schmerzen gerochen, warb euch Hund; Der läßt nun weiter tönen ber Sage goldnen Mund? Rod Hingt in mancher Weile der deutſche Helvenfang, Rur erſt begann Die Reife, doch ſtreckt ver Weg fich noch Lang. Rod bis zum Rand gefüllet if meiner Dichtung Horn Und unerfchöpflich quillet der Göttin Wunberbom; Geldhwähig ift die Welle, fich hebt ein neues Lieb Don Wittich dem fehnellen, ven Wieland zeugte, der Schmied, Bie er mit Dietrich Tümpfte, dem jungen Vogt von Bern, Des Heldenruhm die Sande fchon füllte nah und fern; Auch wißen meine Reime von Hilbehranden viel Und von dem ſtarken Heime, wie gut ihm Schimming gefiel. Bon König Rothers Brautfahrt und ber Heunen Roth, Die Brunhild fehlief auf Segard von Webegluth umlobt, don Grein dem ſtarken Riefen und Elbegaft dem Zwerg, Bie Nagelring geſchmiedet warb in Glockenſachſen den Berg. 4
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% 254 Wie Sigrid die ſpröde die Finger ſchier verbrannt, Wie den jungen Herdegen erſchlug des Bruders Hand: Das Alles ſollt ihr hören, wenn ihr mir lauſchen wollt, Ich gieß aus vollem Horne der Sage flüßiges Gold. Bon Dietrichs andern Helden, denn zwölf iſt ihre Zahl, Berfpar ich euch zu melden” auf ein ander Mal: Bon Wittich fag ich heute, dem jungen kühnen Mann, Wie er von Norweg ausfuhr: hie hebt Has Abenteuer an Und fagt von Bathilden, der brauenihönen Maid, Wie ihr das Kind zum Trofte gebieh in ihrem Leid, Wie ſie's in Thränen babete der Wehmuth und ber Lust, Wenn e8 jo: lieblich athmete an ihrer mütterlichen Brufk. Herlinde war geftorben, die trene Meifterin, Verzehrend war der Kummer, fo ſchwand ihr Leben hin - Wie ein Waßer ſchwindet in. heißer Sommergluth: Sie mochte nicht extragen des Königs zürnenden Muth. Im Unmutb ſtarb auch endlich ber König Neiding; Nach ihm aus Rothers Händen Ortwin die Kron empfieng, Den Helferich geheilet, bevor er gu den Yun Weſtwärts war geflogen, feine Schwausweiß wieber zu ſchaum Ortwin der junge mar feiner Schweſter hold Und Wittich ihrem Knaben. Wie gem er gewollt, Daß fie den Gatten nähme aus feiner Helden Schar, Nicht mocht er fe bewegen, fie harzte Wielands immerbar:
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255 Dem hatte fie verſprochen der Ring, ben fie entwandt; Doch Wieland Tam nicht wieder in ber Rinren Land: „So bat er wohl gefunden die lichte Elfenweiß, Sein Traum war ungelogen, fie lebt durch Helfrichens Fleiß.“ Wittich ward indefien zwolf Winter alt Und Schon ſah man ihn meßen die volle Mannögeftalt. Groß vor allen Reden, vie feine Riefen find, Unmaßen ftarl von Kräften war das unmündige Hand. Sen Wuchs war ebenmäßig, zierlich und ſchlank, Breit in Bruft und Schultern, doch um die Mitte fchtunnd; - Sem Anſehn ſchön und kräftig, fein Gang leicht und frei, Ken Mann in allen Reihen kam in Gewandtheit ihn bet. SU ſchien fein Antlig ans lichtem Lockenhaar, Tch roth wie Blut erglüht' eg, werm er zornig var; Weiß wie Birlenrinde mar ihm auch all ber Leib, . Es hätt ihn mohl beneidet um feine Schönheit ein Weib. Er lernte früh zu tummein ein ſchnaubendes Roſs Und bfieb nicht oft dahinten, wo man mit Schäften ſchoß; Nut Schwimmen und mit Echlägen beitanb er manden Strauß, Im Schwimmen und im Raufen that er es Bielen woraus. Ta fragt’ ihn feine Mutter, Bathild die Königin, Borauf er gerichtet babe feinen Sian? ‚Es ift nun Zeit zu denen, mas aus bir werden foll; Ein Schmied war dein Bater, die Welt ift feines Namens voll:
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256 Willſt du die Kunſt erlernen, fo find noch Schmiede hier Aus deines Vaters Schule, fie fragen oft nach dir: Du wirſt in ihrer Lehre zu einem Meifter gut.“ Da jprad der junge Weigand: „So fteht mir nimmer der Muth, Daß ich Wieland Knechten vienftbar möchte fein, Mir bleibt wohl Arm und Antlig vom Schmug bes Efie rein. Und rietheft dus im Ernſte und geböt es Wieland, Hammer noch Zange nähm Wittich nie in die Hand. Doch iſts der Königstochter damit nur ein Scherz.“ Da ſprach feine Mutter: Da ſiehſt du mir ins Hey: Ein Schmieb jollft du nicht werden; das aber ift mein Emft, Ich wünfche daß du ehftens ein Ding und gründlich erlemit, Eh es zu fpät geworden, das bir mit Ehren mag Koft und Kleidung fchaften fo manchen Lebenätag: Das hat man nicht von felber; erwerben muß der Mann, Daß er auf eignen Fühen ſtehn und fich vertrauen Tann. Du denfft, deine Mutter iſt eines Königs Kind: Wiß aber, ih bin ärmer als Bäuerinnen find, Ich laße Heine Schätze bir nach bei meinem Tod: Verlaß dich auf die Erbichaft, fo fommft bu ficher in Roth. Da ſprach der fühne Wittih: „An Schätze dent ich nicht, Nur Ehre will ih erben: mic abelt, wenn man fpricht, Daß ich der Sohn geboren bin einer Königin: Drum fol nach hohen Dingen auch immer trachten mein Sinn,
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257 Tamit ich es erweiſe. Hätt ich ein gutes Roſs Ein Schwert mit fcharfer Schneide, fo braucht ich keinen Troſs, Jh ritt' allem und diente Königen um ein Land; Helm und Harniſch freilich und einen feften Schilbesrand, Die müß ich auch noch haben, dazu ben ftarten Sper: Eo deucht ich mich alleine wohl ein halbes Heer. yand ih dann einen Fürſten, ver Muth und Mannheit ehrt, Nit dem wollt ich reiten fo lang das Leben mir währt.” Da begann Batbilde: „Du begehrſt nit viel, Bir lönnten dir wohl helfen an deiner Wünſche Ziel: Erft aber follft du fagen: wenn bu nun Alles haft, cchwert und Helm und Harniſch und der ganzen Rüftung La, Tau ein Roſs, Das befte, das jemals Helben trug, Bohin dann willſt du richten ben einfamen Zug? Die it der Furſt geheißen, dem bu zu bienen finnft, Und haft du ſchon erwogen wie feine Gunſt du gewinnt?“ Ta ſprach der ſtolze Anabe: „An Amelungenland, Ta hört ic) von dem Helden Dietrich genannt, dem Eohn König Dietmard, der bericht über Bern: verühmtern weiß man nimmer in allen Landen nah und fern. Zu dem will ich ziehen, ex ift fo aft wie üb; Seine Gunft zu getvinnen, weiß ich ſchon einen Schlich.“ — ‚Einen Schlich? ei laß doch hören den Schlich, ben du erdacht, Rir haben deiner Liften und Echliche manchmal gelacht.” Einrsg, dad Amelungenlied. 1. 17
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Da fprach im hohen Muthe der junge Weigand: „Ich fordr ihn zum Biweilampf, wie Braud in allem Land: Geſchiehts, daß übermäcdtig er mich zur Erde fällt Und ich den Preis ihm laße, fo ift er ein jo edler Held, Er ſchenkt mir gern das Leben, reich ich ihm mein Schivert, Und gönnt mir ihm zu dienen, wenn ih mich fühn bewährt; Doch Tann fih auch ereignen, daß Er unterliegt: Bin ich dann beſcheiden, fo tft ex boppelt befiegt. Sch biete mich zu Füben dem jungen Bogt von Bern Mit dienftlihem Grüßen als meinem Lehensherrn Und forbre meiner Dienfte einen andern Lohn Als immerdar zu kämpfen für ven eveln Königsfohn.” Da fprach des Königs Bruder, er war zur Noth geheilt, Der hatt in den Gemächern Bathildens juft verweilt: Das Tann ich nimmer rathen, daß du zu Dietrich fährft, Der ift fo gewaltig, daß bu nicht lange dich wehrſt. Bor feinen fchnellen Schlägen friftet Niemand fich, Viel Stärke find erlegen dem Berner Dieterich. Doch willſt du dich verfuchen, fo weiß ich andern Rath: Du erwirbft dir Ruhm im Lande durch eine mannliche That. Eich bat wider Rothern Wibolf jüngft empört, Der Riefe mit der Stange; bon Uebermuth bethört Zerbrach er feine Feßeln und lief in einen Wald: Dg übt der Ungefüge an Menich und Thieren Gewalt.
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259 Und das hat er geſchworen, daß er fich nicht ergiebt, Wenn ihm des Königs Tochter nicht wird, die er liebt, Bertha, die ablide: das minnigliche Weib, Wie möchte fie wohl ofen des Unholds riefigen Leib? Rum will ich bir Helfen, daß bu ihm bezwingft, Und wenn bu ihn gefangen dem König wieder bringit, Er giebt dir feine Tochter, dazu ein reiches Land: Eo ift dir wohl gelungen, du baft dein Bläd in der Hand. Da ſprach der junge Degen: „Richt will ich in Gefahr Rich um ein Weib begeben, wie golben ftralt ihr Haar: Benn mid) ber Rief erfchlüge, fo hieß ich ein Thor, Daß ich des Mägbleins willen das Leben fpöttlich verlor; Und brädht ich ihn gefangen, fo könnt ich auch davon Biel Ehre nicht erlangen, denn id bin Wielands Sohn: Der war des Rieſen Better: man gäbe meiner Kraft Die Ehre nicht des Sieges, die Sippe hätt ihn mir verichafft. Drum will ich lieber wählen mas ich zubor geſagt Und Den von Bern befteben, ben Degen unverzagt: Riefen find unmenfchlih, doch Helden mild und gut; Wenn ih die Rüftung hätte, fo ftünde body mir der Muth,“
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260 Zweites Abenteuer. Wie Wittich die Waffen fand. Nun blieb mit Bathilden der junge Held allein: Da Sprach zu ihm die Mutter: „Das machteft du fein; Er rieth dir do zum Schaben, weil er bir abhold ift. Feind ward er allen-Wefen feit er ein Anöchlein nur milet. „Cr ſchleppt ein fieches Leben im Mifömuth dahin. Geſchieht Andern Liebes, das dunkt ihn Ungewinn; Auch glaubt der junge Neiding an NRiemands Muth und Kraft, Mähnt Allen fo die Sehnen und das Herz im Buſen erfhlafft. „Ex fprach, du möchteft nimmer Dietrichen wiberftehn Und lud dich doch mit Riefen in ben Kampf zu gehn; Dem Sohne Wielands wünfcht er gebranntes Herzeleid: So wähnt er, ſei gewiſſer ber Untergang bir bereit. „Ich hoffe doch, du habeft das befre “Theil erwählt Und getraue gern dem Muthe, der beine Jugend ftäblt. Als er dich zeugte, dachte dein Vater gut von bir Und was er je verheißen, erfüllt hat Alles fich bier.
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261 „Er ſprach: Gefungen wurde mir an der Wiege ſchon, Ich zeuge keine Töchter, es wird ein wackrer Sohn: Du ſollſt ihn Wittich heißen, fein Bater will es fo; 3 ſche dich im Geiſte dereinſt bes Sohnes noch froh. „Er wird ein ſtarler Degen, dem mancher Held fich beugt; Er felber beugt fich nimmer, er ift im Born gezeugt. Eag ihm, wenn feine Jugend zu meinem Wuchs gebiehn, Daß fein Bater Waffen geſchmiedet habe für ihn: „Do das Waher eingeht und der Wind hinaus, Da hab ich fie verborgen: er Ieg es felbft ſich aus. Zu fiehft, zum Schmied beftimmte der Elfenfohn dich nicht: Er ſchmiedete dir Waffen: auf Beßre leifte Verzicht. „Denn die der Fund gelänge, fo wärft bu wohl bebacht, | Geſchmeide wie das feine wird nirgend mehr gemacht. Bas er dem Eohne fchmiebete, das mufte feiner Kunſt Ein Meifterftäl geratben, denn ba half Neigung und Gunft. Auch fagte mir Eigel, der rechte Mimung fam Nie in Reivings Hände: mit ihm erfchlug er Gram, Als der erzwingen wollte ben guten Siegerflein: Benn ich daran gedenke, fo rührt mich ſchmerzliche Bein. „Bielleicht ift dir behalten das haarſcharfe Schwert, So wär dir in den Waffen der höchfte Wunſch gewährt. Tu findeft ſeines Gleichen nicht mehr in allem Land: König aller Schwerter, fo wurde Mimung genannt.
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262 „Ein Helm ift auch darunter, fo ward mir vertraut, Wie ihn im Geifte nimmer Amilias gefchaut: Er troßt dem Mimung felber, fo hart ift er von Stahl; Glimme nannt ihn Wieland, er leuchtet heil wie ein Stral; „Gewiſs vergleicht fich biefen ber Harniſch und der Schild, - Dazu die Eifenbofen, denn fie find fein Gebilb. Wo das Waßer eingeht und der Wind hinaus, Da bat er fie verborgen: nun leg es felber dir aus.“ Da ſprach der junge Wittih: „Das ift ein Räthielwort: Ich muß es recht bedenken, So find ich wohl den Dirt.“ Er gieng und dachte lange vergeblich brüber nad: Er mocht es nicht ergründen, wie er den Kopf ſich zerbrach. Da kam er zu dem Haufe, das Wieland einft bewohnt; Er batt eö ſonſt gemieden: ben Leuten ungewohnt Mars, ihn ba zu ſchauen. Noch baufte bier ein Schmied, Der als er ihn erblidte gleich auf den Einfall gerieth, Er fol’ ihn unterweifen in feines Vaters Kunft. Die hub er an zu preifen: „Ja, junger Herr, mit Gunft, Es ift ein ehrbar Handwerk, Gefellen, ſchweiget full, Und der ift wohl beratben, mein Path, ver es erlernen will. „Rur muß er nicht gebahren, wie ber Hanswiſchaus, Der fih das Maul wiſchte und lief zum Thor hinaus; Nein, holla, Stand gehalten, die Würfel untern Tiſch, Zur rechten Glodenftunde bei der Arbeit brunnenfrifch,
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„Und nicht zu Iang gefälafen, fonft dent ber Meiſter Schmidt: Lang fchlafen Tann ich felber, einen Burfchen brauch ich nit. Doch die zu zeitig kommen, die zahlen für die Muh Biers eine halbe Tonne, damit fommt Seiner zu früh. „est in der Werkſtelle du gleich den Hammer padit; ‚ft da kein Hammer, fo nimm eine Axt; Iſt weder Art noch Hammer, den Sperbafen nimm; IM auch kein Sperhalen, fo ftehte um bie Schmiebe ſchlimm. „Eo nimm das Eingeweide von einem Knebelſpieß, Und fchieß es an die Sandkumm, die Sanblumm aber jchieß An die Schleiffteinwrange, die Schleiffteinwrange muß An die Blasbalgftange: das ift bes Meifters Verdruß „An die Blasbalaftange ſchieß den Amboß, An dem Amboß prange der halbe Kühlwiſch bloß; An den Kuhlwiſch ſchweiße den ganzen Glodenthurm, Und wenn es brennt, fo läute mit dem Kochlöffel Feuerſturm.“ — „Ihr feib wohl nicht bei Sinnen,“ ſprach Wittich ber Helv, „Euer thöricht Beginnen mir übel gefällt. Rur euer Haus zu Schauen kam ich her zu euch: Da ſchwatzt ihr mir vom Schmieben viel unverftändliches Beuch.“ — „Mein Bath, das wird fich geben,” ſprach der Meifter gut, „Schwer ift des Anfang eben, verlier mur nicht den Muth. Sqhwarzberuſste Hände bei Harer Vernunft, So bringt® zu gutem Ende bie löbliche Schmiedezunft.
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264 „@etelle bei Gefelle und rüftig drauf und dran, Jeder an feiner Stelle, fo wird mas Rechts getban. Will Einer länger pochen als zur geſchlagnen Beit, Mas der bat verbrocen, das if eine Kleinigfeit: „Sp viel gebratner Gänje als auf der Wiefe gehn, So viel gebratner Enten als ſchwimmen auf den Seen; Das Fett einer Müden, der Winvmühle Saus, Das Rumpeln alter Brüden, der Waßermühle Gebraus, „Richt mehr gebadnen Broted als aus dem Dfen walgt, Nicht mehr Zugemüfes als fich von felber ſchmalzt. Auch Jungfernmilch foniel nur als ein Bauersmann Mit der Heugabel über die Mauer fteden Ian.“ Mittich ließ ihn reden und gieng das Haus beiehn; Man fah den Meifter immer an feiner Seite gehn. Nicht fand der Held die Stelle, mo der Wind hinaus Und das Waßer eingeht: „Und ift es nicht in dem Haus, „So ift es in der Schmiede.“ Das fam dem Meifter vecht: Nun glaubt’ er gar gewonnen den ftolzen Schmiedeknecht. Er führt ihn in die Werkftatt und ließ bie Eſſe glühn, Die Blafebälge faufen und dem Amboß Funken entfprühn. Wittich that gelehbrig und gab auf Alles Adht, Als müß er morgen wißen wie Jedes wird gemacht. Der Meiſter Tieß geſchwätzig der Zunge freien Lauf Und trug viel alte Späße, den Gaſt zu feheln, mit auf.
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2365 Da ſah man die Geſellen gefchäftig überall, Das Pochen und das Hämmern gab ungefügen Schall. Wenn fie das Eifen fühlten, fo ziſchte laut das Erz, Und Dampf entfiieg und ringelte fi) buch ben Schornitein himmelwärts. Das Waßer in dem Löſchtrog drang von außen ein: Wittich ſahs und dachte: „Soll dieß die Stelle fein?“ Tie Schmiebebälge liefen darüber bin, der Wind Gieng da hinaus: das Näthjel erriethe leichtlih ein Kind; „Bo das Waßer eingeht und ver Wind hinaus, Ta liegen fie verborgen, ich leg es felbft mir aus, Vo er das Cifen fühlte, da hat er fie verftedt, Unter den Schmiebebälgen, mit hoher Erde bedeckt. Ich weiß genug,” gebachte bei ſich ver junge Mann. Da nahm er feinen Urlaub. „Wie?“ hub der Meifter an, „Beginnt did Schon zu hungern? Du rührteft noch fein Glied: Ta bift du ja, Geſelle, mit Gunft, ein rechter Eſſeſchmied. ‚Bann willft du antreten, morgen ober heut? Jung frein und zeitig lernen hat Niemand gereut. Bas Hänschen nicht Iernte, lernt Hans nimmermehr.“ „sch Toınme,“ ſprach Wittih, „vielleicht bald wieder hieber; „Doch ch ich antrete, muß ich noch wandern weit.“ „Wandern,“ ſprach der Meifter, „ei, damit hats noch Beit. Benn deine Lehrzeit aus ift und es and Wandern geht, Ependierft du den Geſellen eine Kanne Bier oder Meth,
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„Rimmft Urlaub von dem Meifter und kommſt du ver bas Thor, So baft bu brei Febern, die blafe hoch empor. Die eine fliegt zur Rechten, bie anbre links hinaus, | Die dritt auf Winbesflügeln bis an dem Müller fein Haus. „Folgſt du der, die rechtswärts über die Mauer fliegt, Sp gieb wohl Acht beim Klimmen, daß dich Fein Stein betriegt: Es find der Iofen Gäſte viel bei der Maurerei, Die mauern oft nicht fefte, du brächſt den Hals bir entzivei. „Die Andre flog and Waßer und gebft du hinterbrein, Da liegt eine böhmfche Perle, zu deutfch ein Mübhlenftein: Die wirf hinein und ſchwimmt fie, fo haft du aud die Madt; Doc finkt fie zu Grunde, fo nimm dich weislich in Acht. „Dann folge bu der britten, fo fiehft du wohl fogleich Viel grüne Männer fiten an einem Mühlenteich: Die fchrein aus vollem Halfe: arg, arg, arg. Mas arg, wirft du fprechen, unfer Meifter war jo karg, „Aerger, den? ich, kärger ift man an feinem Ort. Auch börft du eine Mühle, die Happert immerfort: „Kehre wieder, kehre wieder!“ fo jprich, da wird nichts draus, Sol ich ſchon wieder Tehren? ich komm erft eben von Haus. „Ep geh in die Mühle unb haft dus nicht im Sinn, Dich heute fatt zu falten, fo ſprich zur Müllerin: Guten Tag, Frau Mutter, was macht euer Hund? Hat das Kalb auch Futter? Iſt noch die Kabe gefund?
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267 ‚gt auch das Huhn viel Eier? Wie gehts den Töchterlein? Saben fie alle Freier?“ — Da fiel dem Schmied erft em, Daß er den Winden prebige vor des Haufes Thor, Denn Wittich war gegangen, er ftand alleine babor. Darauf am andern Morgen, ch völlig noch die Nacht Ter Stral verfcheuchen konnte, war Wittich ſchon erwacht. Er hub fich fchnell vom Lager und gieng zur Schmiede hin: Ten Waffen nachzugraben die Zeit gelegen ihm fchien. gein lange fchlief der Meifter und bie Gefellen auch: Bie der Herr, fo die Knechte, das ift ein alter Braud). Tie Thüre war verfchloßen, doch wich fie feiner Kraft: Da erlöfl’ er das Geſchmeide von der langjährgen Haft. Wohl läßt Der Sad und Spaten nicht lange müßig ruhn, der Schäße denkt zu heben in golpgefüllten Truhn. Auch was da Wittich fchürfte war wohl ein reicher Hort: Bergraben hatte Wieland bie fchönen Kleinode dort. US er den fcharfen Mimung aus der Tiefe hob, Bie gern zollte Wittich dem Bater volles Lob: Juerft erflang ihm jetzo, der ihm noch oft erklang, Benn er die Helmzierden von der Feinde Häuptern ſchwang. „Soviel hab ich vernommen, o Schwert, von deinem Ruhm! Ter folge Neiding wähnte dich einft fein Eigenthum: Coll Ich dich nun befigen, fo dank ichs meinem Heil! Rz iſt um Nothers Krone die ſchneidge Waffe nicht feil.“
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— 268 Nun hört auch von dem Helme: wie angegoßen ſaß Der Hut zu Wittichs Häupten, er mar ihm völlig maß; Mit großen Nägeln prangend, dicht und ſtark und feit, Aus hartem Stahl geſchmiedet, fo hart ſich Stahl nur ſchmieden läßt. Die Wölbung glänzte filbern wie des Mondes Stral, Und alle Farben fpiegelten fich in dem blanten Stahl: Im Sonnenjcheine glimmt' er wie ein lichter Brand; Um feines Schimmers willen jo warb er Glimme genamt. Auf der Sturmbaube lag ein Lindiwurm, Schlange war fein Name, ber oft im Schlachtenſturm Gift und Geifer fprühte dem Feind ins Angeficht: Er war aus Gold getrieben, man pries bie Arbeit ftreng und ſchlicht. Da freute fi der Degen, als es den Helm geivann. Nach dem Schilbrand büdte fich der Weigand dann Und bob ihn aus der Tiefe: der Schilb war ſchwer genug Und großer Kraft bedurfte Wer ihn am Schilpriemen trug. Drei gleiche Kreife füllten vie Fläche bis zum Rand, Doch röthlih in der Mitte Hammer und Bange ſtand. Das mahnte feines Vaters den jungen Degen kühn; Und drei Karfunkelſteine fah man darüber erglühn, Denn von der Mutter ftammt’ er aus königlichem Blut. Er ſprach: „Zu viel vermeßen bat fich mein Webermuth, Hammer noch Zange Täm nie in meine Hand: Nun trag ich fie doch beide zumal in meinem Schilvesrant.”
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269 Roc hob er aus der Grube den Harniſch feft und dicht, Dazu die Eifenbofen: er hatte fie noch nicht Gemuftert und gepriefen, als er Geräufch vernahm: Das war mit ben Befellen ber Meifter, der zur Schmiede fam. Ta warf ber Held geſchwinde bie Grube wieder zu; Auch hatt er Alles twieder zurecht gerüdt im Ru Bevor der Meifter eintrat mit der Gefellen Schar. Die mochten fich munbern, als die Thüre offen war, Tod Wittich ſprach mit Laden: „Ihr fchlieft auch allzulang; Ich that mit Einem Finger der alten Thüre Zwang: Ta gieng fie in ven Angeln und öffnete fich meit. 3b lonnte ja nicht wißen, was ihr für Siebenfchläfer feib. ‚Drum gieng ich in ber Frühe, die Würfel untern Tiſch, Bei rechter Glockenſtunde zur Arbeit brunnenfrifch Und fieng bier an zu fchmieben: nun fchauet felbft, mit Gunft, Ob ich was Nübes leiftete in der lählichen Schmiebefunft ‚Derweil ihr lagt und fchliefet. Seht bier das gute Schwert, Echt Helm und Schild und Harniſch, find bie nicht geldeswerth? Ind diefe Eifenhofen, was tabelt ihr daran? Rich dünkt doch, für den Anfang hab ich nicht übel gethan.” Unf rig der alte Meifter die Augen fpannenweit: Sah er auf das Geichmeide, fo deucht ihn kurz die Zeit, Und bt er auf den Burfchen, fo wars ihm gar zu rund. Er gedachte jet zu ſprechen, da fchloß ihm Staunen ven Mund.
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270 Nun fiel ihm ein, daß Alles wohl nur ein Blendwerk fei, Den Augen vorgefpiegelt durch fchiere Zauberei. Doc) wie er das Geräthe betaſtend näher ſah, Da wars fo ſchön gefchmiebet, nicht wuſt er, wie ihm geſchah. „Mein Bath, das muß ich fagen,“ ſprach ba der Schmied, „Geſellen, ſchweiget ftille, daß es bir wohl gerieth. Sichtlich auf dir ruhte deines Vaters Geift. Man fieht an dem Beifpiel doch wieder Har, was es heißt, „Beruf zur Kunſt zu haben: habt nur recht viel Beruf! Gebricht es euch am Belten, beichlagt ihr Teinen Huf. Drum habt Beruf, Gefellen, ihr habt es nie zuviel, Beruf, Beruf, ihr Burichen, das fördert einzig and Biel. „Er bat uns bier beim Schmieden nur einmal zugefchaut Und gleich die Kunft begriffen; das preif ich überlaut. Du brauchſt nicht mehr zu lernen, feht was Beruf doch fei! Mit Gunft, nun bift bu Meifter, der Lehre ledig und frei.“
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271 Drittes Abenteuer. Die Bittih Urlaub nahm. Derweilen ſtand am Yenfter bie Königin Bathild Und mit der Schwefter ſprechend Ortwin der König milb. Sie rebeten von Wittih und feinem Reifemuth Us chen aus der Schmiede gewappnet trat der Degen gut. Da frug Ortwin der König: „Wer ift der Rede ſchlank? Bon Haupt zu Füßen ſchimmert fein Rüſtzeug licht und blank Bie Silber blinkt der Helmhut, der Harniſch und der Schild, Doc übern Helme leuchtet ein goldenſchönes Gebild. „Ber ift der weiße Ritter? Wer thut mir das befannt? Ich bab ihn nie gefehen in all meinem Land.“ | Bathilde gab zur Antwort: „Wohl faheft du ihn fchon, Denn ich glaube zu erkennen, daß es Wittich ift, mein Sohn: „a, Wittich ifts: mich freuet, daß er die Waffen fand, Tie für ihn gefchmiedet hat fein Bater Wieland. Sar ſchön ift das Geräthe und herrlich ſtehts ihm an, Ran wähnt aus Erz gegoben den jungen blühenden Mann,
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272 „Run fehlt ihm nichts als Schimming, den einft fein Vater ritt Und ber feitvem nicht wieder eines Mannes Schenkel litt; Er frißt eu Gerft und Hafer und rauft das buftge Heu Und ift des Strohs nicht würdig, das man ihm reichet zur Streu. „Bas fol an eurer Krippe das meifterlofe Roſs? Denn Niemand kann es meiftern, der Wieland nicht entfproß — So hat mir jüngft geträumet — und ſchenkt ihrs meinem Sind, So weiß ich, daß ers bänbigt und reitet leicht und geſchwind.“ Da ſprach Drtwin der König: „Es if fein Bigenthum; Wenn ichs ihm vorenthielte, bes hätt ich wenig Ruhm. Und märs ihm angeerbet wicht fchon vom Vater her, Doch müft e8 Ihm gehören, das Niemand reiten kann ald Er.“ Da trat in die Thlire der junge Rede aut: „Sprich, Wittich,“ ſprach der König, „hätteſt bu wohl den Muth Den Schimming zu reiten, der beine Vaters war? Er ftebt in meinem Stalle ſchon in das vierzehnte Jahr „Gefattelt und gegürtet, wie Wieland ihn verließ, Als er ihn vor dem Zelte des Königs graſen hieß. Als Neiding ihn verbannte, der den Siegerftein Geholt mit Schimmings Hülfe, da gieng der Helb zu Fuß allein „Zurück, bört ih fagen, und ließ die Mähre dort: Wohl forgt’ er, ihn verrietbe das gute Roſs fofort, Wenn er geritten Täme; denn heimlich weilt’ ex bier Und aller Welt verborgen: fo ſtellt' er, Schwefter, nad dir.
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373 Indefſen ſuchte Schimming, ber ſchnelle, feinen Herm — Und konnt ihri nirgend finden, ſchon war er allzu fern. Er gieng von Zelt zu Zelte, er gieng von Haus zu Haus; Doc wie er ſchnob und witterte; er fand den Herrn nicht heraus, „Da ließ er Neidings Lager und trat die Heimkehr am. Des Königs Scharen zogen” zurüd auf: gleicher Bahn: Da fahen fie ihn traben, erſt Tangfam, bann geſchwind, Und endlich flüchtig jagen als ob ihn wehte der Wind „So Iam er vor dem König hiet an, und unverwandt Nahm er im Marftall wieder den altgewohnten Stamb: - Er dachte, braucht mich Wieland, ſo weiß er wo ih Bin; Doc keinem Andern gab er je zum Gebrauche fich Hin. „Die es erzwingen wollten hattens übeln Sohn, - — — / Es Iam mit heilen Gliedern der Kübnfle nicht babon. So ſteht er unentgüirtet und unpeftriegelt da, Er duldet Feine Halfte und'Riemand magt fich ihm nah. „Willſt Du es, Wittih, wagen, du biſts, dem er gehört, Du magft von meiner Krippen ihn führen ungeftört. Bir wollen dir noch danken, enthebft du uns ber Laft: & war in meinem Stalle doch nur ein unnüger Gaſt.“ Da neigte fih Un Wirrich: „Verfuchen will ichs glei; Jedoch der Dank ift euer, ihr macht mich überreih. : — Und Hat ſich wilht verſianden das Mark mit Stilleftehn, Bie lönigliche Gabe mir ift an Schimming geſchehn! Eimrod, dab Amelungenlier, 1. 18
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274 „Um Eins ‚noch möcht uh bitten, denn ihr ſeid gut und mild: Schwert, Helm und Harniſch Hab ih, dazu den fehlen Schi, Sch wäre ganz gerüftet, nur daß der Sper mir fehlt; Doch Kat hier viel des Spere Wieland geglüht und geſtählt: „Der Einen laßt mir reichen, ſo bin ich wohl bedacht. Das that ver König gerne... Ver. Sper ward ihm. gebracht Als Wittieh ihn erblidte, gewann ex haben Muth: „Wohl auf, mein treuer Schimming, du haft dich lange gerubt: „Run zeig in froben Gprüngen die unvergeßne Kunſt, Dem Sohne Wielands gönne das Erbe deiner Gunſt:“ So ſprach er zu dem Pferde, „nach jahrelanger Haft Folg ihm ins freie Leben, und prüfe freudig ‚bie. Kraft Da warf mit hellem Wiehern Schimming das Haupt empor, Nach dem Süngling blidend mit aufgereditem Ohr. Wohl jchien e3, er erfenne den angeflammten Herrn, Denn er wandte fi und gieng ihm entgegen, willig und gem Bot er fich zu Füßen dem jungen Mann, und ſchwang Den Schweif, ihn zu begrüßen mit ſchmeichelndem Empfang. Da ritt ihn in die Schwemme zuerſt der rafche Held, Denn von verjährtem Schuuge war all fein Schimmer entflellt. Als er ihn dann geftriegelt und wieder aufgezäumt, Gefattelt und gegärtet, da ritt er ungefäumt Bor die Burg des Königs das fpiegelblante Nefe. Ortwin fam ihm entgegen mit feiner Höflinge Xxofs,
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273 Da bat er um Urlaub bie Mutter und den Ohm. Ex ſprach: „Ich will nun zeiten wach Bern ober Rom, Db ich den Helen finde, ber Dietrich wird genannt, Ban rühmt von feiner Gtärle fo viel in jeglichen Land: „Rum möcht ich erproben, ob man bie Wahrheit fpricht.* Da ſprach der Herr des Landes: „Den Urlaub weigr ich nicht: Bielleicht, daß du mir fünftig gemwichtger dienen kannſt, Bern du in fremden Landen erſt Ruhm und Ehre gewannſt. „Doch trennen Meeresarme Norweg und Bern; Auch von des Feſtlands Ufern iſt jene Stabt noch fern, Und eh du fie erreiteſt, wirb oft dir Behrung Noth: Drum nimm aus meinen Händen was ich dir williglich bet: „Drei Marl rothen Goldes und manchen Ebelftein, Und mögen Rorblands Götter bir immer Sieg verleihn.“ Da herzt' ihn auch die Mutter und ſchenkt' ihm ihren Ring, Den in der Angfiftunde fie einft von Wieland empfieng: „Den laß der Noth dich mahnen, vie ich erlitt um dich Und begieb nicht in Gefahren dein Leben freventlich! Eh du mit Dietrich kämpfeſt, fich dir den Gegner an Und ſchließe zeitig Frieden, ift er ein ftärkerer Mann.” Da lacht’ er zwiſchen Thränen über der Mutter Rath. Wohl fühlt er, weil er länger, fo folg ein Thränenbab. Er ſprach: „Sch foll erproben mannlich meinen Leib: Das wäre ſchlimm begonnen, wollt ich hier weinen wie ein Weib.
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276 „Gebabt euch wohl und trübet »ie Augen: nicht: zu fehr.“ Den Schile an der Linken, fo griff er nach dem Sper Wed wie er-ohne Stegreif in ben Sattel. ſprang, Da macht ers fo behende, daß laut. ihm ‚Beifall erklang. Weiß war der Ritter von Antlit und von Haar Und weiß wie Silber ßlänzte die Rüſtung ganz und gar; Weißer wie Schnee war Schimming, der ſchnelle, der ihn trug: Das ſilberne Geſchirre, das war auch ſchimmernd genug. Aus Elfenbein der Sattel von Elberich geichnikt, Darein war eine Natter, ein gifiger Wurm, gerißt, Mit lauterm Gold die Suppen des Rückens ausgelegt: Das war der’ Zwerge Wappen, die Schimmingen einft gepflegt Im Berg zu Glockenſachſen, bis ihn der Elfenfohn Auf feiner Flucht entführte: ihr börtet davon. So hatt auch das Geſchirre geſchmiedet Elberich Denn mit Geräth und Sattel bemeifterte Wieland fich Des windjchnellen Rofjes, und Beides war fo fchön, Er konnt es nicht verbeßern, noch feinen Reiz erhöhn. So war geſchirrt die Mähre, darauf der Jüngling ſaß, Als er nah Süden reitend die Falte Heimat burchmaß. Da war er allen Zeuten, die ihn reiten fahn, Recht eine Augenmweide, der Jüngling mohlgethan. Man hätt ihn gern behalten in der Niaren Land Und blidt’ ihm nach verlangend bis er den Augen entſchwand.
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Die Widolf gefangen ward. Ta ritt der junge Degen allein unb ohne Troſs dem fernen Biel entgegen auf windſchnellem Roſs. Tas trug am andern Abenb ihn an des Meeres Grieß, - Bo juſt vom Land ein Fährmann fein befegelt Schifflein ftiek. 1 Vo unter Schwedenmarken die Landſchaft Schonen liegt, Und zwiſchen zweien Kuſten die Flut gezwängt ſich wiegt, Denn jenſeits ſchlägt die Welle an Seelands grünen Strand, Ta war es, wo das Schifflein der kühne Reiſige fand. Da bot der Held dem Fergen von ſeinem rothen Gold, Denn er ihn überführe. Der diente gern um Sold Und nahm ihn in die Schalde: „Da ihr nach Seeland fahrt, So habt ihr,” ſprach der Serge, „ber rechten Stunde gewahrt, Es wäre denn, ihr kämet Schön Sigrid zu frein, Knig Asprians Tochter, das edle Mägdelein: Dann hättet ihr, bedaur ich, die befte Zeit verpafet Und wärt bei ihrer Hochzeit mit einem Andern zu Gaft;
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278 „Die wird man morgen feiern in Lethras Königsfaal Bor allen ihren Freiern bei feftlich frobem Mal.“ Er ſprach: „Bin nicht gelommen Schön Sigrid zu frein: Nie Hab ich nur vernommen von dem edeln Mägbelein; „Auch den? ich nicht, zu feiern in Lethras Königsſaal Mit allen ihren Freiem das frohe Hochzeitmal: Selbſt von des Feſtlands Ufern liegt jene Stabt noch fern, So hab ich fagen hören, zu ber ich wanderte gern. „Doc weil uns bi wir landen geraume Bpit verbleibt Und ihr beim Steuer gerne mit Reben fie pertreibt, So fagt mir von dem Mädchen und ihrem Bräutigam: Mich wundert, daß ih felten von ber ſchönen Sigrid vernahm.“ Das will mich felbft befremben, fprach der Steuermann, Da ſich das Lob der Schönen von Mund zu Munde ſpann Bis in die fernften Lande. Doc da ihr weiter wollt, Und Seeland euch nicht locket, fo gebt mir boppelt den Selb; Den wir bedungen haben, fo trägt mein Boot euch glei An des Feitlands Küfte zu König Botlungs Reich, Der über Windland herſchet mit Ekel feinem Sohn. Weit ift die Meereöftzede und Targ bebünlt mich ber Lohn, Doc beßer gleich verdienen ein mäßig Siberftüd Als müßig da zu liegen erhoffend goldnes Glück. Drei Tage währt die Hochzeit: mich wird die Fahrt nicht reun, Sch Tehre wohl nach Seeland, eh fig die Gäſte zerftreun;
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279 Denn dann iſts an ber Stunde, da edit ſich unfer Tiſch Und ung im Rebe zappelt manch golbgeſchuppter Fiſch. Ih leſ in emern Augen, daß ihr den Sold gewährt . Und fchon hab ich das Huber nach Windlands Ufern gelehrt. Der Wind ift uns gewogen, das bauchge Segel ſchwillt Und flüchtig auf den Wegen tanıt bes Mondes Bild. Das ift die Nacht, wo gerne der Schiffer euch ‚erzählt: Ihn lehrt der Stand der Sterne, daß er- fein Biel nicht verfehlt, Aud) bürgt der Have Himmel ihm für ber Wogen Ruß: Sigt her zu meiner Rechten und bört mir fleißig Au. Bon Sigrid will ich fagen, ber Tochter Aspricus Kein Marchen ifts, fein Inftig Gebilde dichtenden Wehns, „Rein Waheheit, jüingft erlebte, für die ich Bürge bin. Die khöne Sigrid hatte fo männerfeum Einn, Sie hate fo der Werber getünchtes Schmeichellob, Daß fie vor Helden nimmer ber Augen Schimmer erhok. „Sie hätte gem in Schleier gehlillt ihr Angeficht; Die Sitte wollt e8 anders, drum Kitts ihr Bater nicht. Doch lonnt ex fie nicht zwingen, - der Augen Haren Stra! Vom Schooß empor zu richten, wenn Männer ſaßen im Saal. Wie gern fih Manche ruhmen holdſeligen Geſchicks, Doch rühmte von ver Spröben ſich Keiner eines Blicks: Cb ihrer Augen Farbe ſchwarz oder blau, Das ſchien em Stantögeheimniis und Riemand wuſt es genau.
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230 Kein Bitten wollte fruchten und Feine“ Lift :vexfieng, Ihr Blick zu allen Stunden, am Boden wurzelnd hieng. So war es lange Sabre, und mancher Freierx Tau; Doch ſtäts blieb unbegwungen die eigenfinnige Scham. Da ließ, ihr Vater finden im allen Landen laut, Er verheiße feine Tochter dem Maun zu einer Braut, Dem ihren Blid zu feheln die Sabe fei verliehn, Den ftxengen Blick, der nimmer ein männlich Antlig beidjien. Auch hat er das bekräftigt mis einem theuern Schwur, Er gebe fie dem Manne und wärs can Bauer, nur. Da wuchs die Zahl der Freier von Tag zu Tage mehr. So kam Othar ver fchlaue, sin Cohn Ebbos, au baber: Das mar ein jchöner Jüngling und feine Stimme drang An jedes Ohr bethörend . wie elfifcher Gefang. Doc wie er warb und flehte, wie ſtark er fie beſchwor, Nie hob fie zu dem Freier ber Augen Glanzlidt empor. Da field vor wenig Tagen dem Riefen Widolf ein — Die Bruderstochter dachte das Ungethüm zu frein. Er ſprach zu Asprianen: „Du kannſt nicht mehr zurüd, Dich binden hohe Schwüre: wohlan, fo till auch ich mein Glüd „Verfuchen bei der Nichte. Du ſpracheſt unbebingt: Der Mann foll fie haben, der ihr den Blick entzwingt: Vielleicht ift dag zu machen.“ Da mufte Asprian Des plumpen Freiers lagen: „Wahrbaftig,“ ſprach ex, „der Mann
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281 ‚Den fie erharrt bis heute, bu biſt ed, Widetf: Die ſich vor Zümmern ſcheute, vie herzt gewijs den Wolf. ©. Doch muß fie hoch erheben Wünper und Augenied, — Die tät zu Boden fihweben, bis fie dein Antlitz erficht.“ Da unterbrach den Faͤhrmann Wittih, Wielands Kind: „Wie hat fich dem befonnen der Rieſe fo geſchwind⸗ Er wollte jüngft ertroßen der even Berta Hand, . Der Tochter König Rothers: um fie verheert' er daB Land.“ Da ſprach der Fährmann twicder: „Der Rieſ iſt weibertoll: „ Und wenn er aus ber Erbe ſich Eine Scharen ſoll, Er muß ein Weib nun haben. Doc Rother Tochter. hat Eich bald fein entledigt durch einen weislichen Rath. Sie ließ ihn zu ſich kommen . und fprady: Ich bin zu Hein dür euch, Herr Riefe Widolf, das ſeht ihr felber ein. Ihr überragt mich Arme ja um ein Rlafter feier: Ä Ihr that euch großen Schaden vorlieh zu nehmen mit mir. Nie hab ich meinen Wünfchen das Ziel fo hoch geftekt, Mir genügt, wenn ſich mein Gatie zwei Zoll breit höher ftredi, Mir könnt es fonft ergeben, wie es Dem Kater gieng, Der die Sonne freien wollte und nahm ein Thier, das Mänfe fleng. 3 habe mich, verſetzt er, an. Märden nie gehört. — So will ichs euch erzählen, weil e8 zu lachen giebt: Es war einmal ein Kater fo in fich felber verliebt,
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[4 Er fprach zu einem Fuchſe; ber war fem guier Freund: „Seht, wie fih alle Tage ver Pelz mir ſchöner bräumt. Wie wird ber Leib mir linde, wie wächſt mir der Bart Und habt ihr nie das Aniftern, wenn man mich ftreichelt, getvahrt? „Im Finſtern ſprühen Funken, lebendge, von mir auf; Wer ift auch jo behende beim Klettern und im Laufl! Wenn ich es recht bebente, ſo faß ich den Beichluß: Mich nicht fo wegiutverfen, wie wohl ein Anberer muß, „Der nicht fo mancher Tugend ſich rühmen darf mit Btedkk: Kein, die ich wähle ftamme vom adlichſten Geſchlecht. ‘hr, Yreund, ver vielerfahren die Höhn und Tiefen kennt, Sprecht, mas in allen Stralen ber Tugend leuchtet und brennt? „Dem will ich mich vermählen.“ Der Fuchs verſetzte ſchlau: „So blickt empor zum Himmel, da thront die hehrfte Frau: Die überftralet Alles mas fi auf Erden regt, Sie ſchenket Licht und Wärme, fie nährt uns, lleidet und pflegt. „Die bat den böchiten Abel, ift jchön und liebeswerth, Und der ift ohne Tadel, der fie um Weib begehrt.“ „Die Sonne,” ſprach der Kater, „behagt mir ſchon nicht ſchlecht: Doch kann fie nichta verbunfeln, nichts überwältigen ? ſprecht. „Das Höchfte nur, das Exelfte Tommt meiner Tugend gleich Da ſprach ber Fuchs: „Die Wolle dort in ber Lüfte Reich, Die kann fie wohl verbunfeln: mit ihrer Schleier Nacht Berhängt fie ihr das Antlig und benimmt ibe alle Macht
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Zu leuchten und zu wärmen.” — „Wenn bas bie Wolle thut, So bin ih,” ſprach der Kater, „der Sonne viel zu gut: Die Wolle ſei erforen; was dunkt euch von der Wahl? Wir müßens wohl erivägen, denn bitter ift. der Reue Dual. „IM denn fein Ding zu denlen, dem auch bie Wolle weicht? Wißt ihr was fie beſchränken, bemeiftern Tann vielleicht?" — Vohl weiß ich, was fie meiftert,“ verſetzt ber Fuchs: „ed gunut So vier feine Wolle, doch fegt fie weg die Windesbraut: „Die bläft bie vollen Baden, ein Hauch — umb fie zerſtücht.“ Wenn fo fih auf die Hacken vor ihr die Wolle giebt,” Sprach Hinze, „fo ift fie ed, die hier das Spiel gewinnt. Eine andse Braut zu fuchen mag fich entihließen der Win, «sh will fie jelber nehmen. Doch daß wir ſicher geh, Pag Riemand denn dem Sturme ber Windsbraut widerſtehn?“ — „Die Mauer dort des Thurmes, bie widerſteht dem Sturm: Ex läßt nicht ab, er rüttelt und fchüttelt ftäts an dem Thurm, „Und rennt und ſtößt dawider, und rüdt und drückt und preföt; Doc reißt er fie nicht nieder, noch ſteht die Mauer feſt.“ Die das der Kater hörte, befann er fich und ſprach: „So fheint die Mauer flärler, giebt fie dem Winde nicht nad}: „Wohlan, ich bin entſchloßen, die Mauer will ich frein. Doc follte fie auch wirklich unüberwindlich fein? Ihe dürfe mir wichts verheblen, fo lieb ala ich euch bin.“ „Das iſt fie nicht,“ entgegnete der Fuchs mit liſtigem Siun,
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288 „Ste wird nid ewig daheın, bald iſt es aus mit ihr: Die allerftärkften: Mauein bezwingt em winzig Thier, Das in ven Mörtel bohvend ſich Koch bei Loche grübt Bis in den. morjchen Velten die Mauer endlich erbebt, „Und einftürst Tammt dem Thurme, wis hoch er jeßo ragt: Die Maus ift das. Thierhen, das an der Mauer nagt.“ „gie freut mich,” vief der Kater, „daß ihr mir dieß vertraut: Ich hätte fonft verächtlich wur auf die Mäuslein geſchaut; „Doch jetzo, frei ich jemald, fo frei ich eine Maus. Wenn fie vor nichts fich fürchtet — ſonſt jagt es grad heraus, Denn wenn fie eine Andre noc über ſich erfennt, Eo will id diefe nehmen.” Dex Fuchs verfehte behenb: „So nimm denn eine Kate. Doc gieb wohl Acht, mein Freund, Daß fie div.nicht zerkratze den Pelz fo ſchön gebräunt. Um deinen Bart wärs Schade, Schab um ben linden Leib, Zerlläut’ ihn mit der Tate das mäufemorbende Weib. „Denn wiße nur, die Habe, die iſt der Miuſe Tod; Doch Sie Tann nichts bemeiftern, fie wird von nichts bebrobt: Drum frei die abe, Hater, ich rath es, fcheue nicht Sin Bißchen Katzenjammer und ein zerkratztes Geficht. „Du haft für deine Hochfahrt verbient die Büchtigung: Für einen Kater nabmft du zu hohen Flügelſchwung. Nein, bleib bei deines Gleichen, denn Art gehört zu Art: Dir rauft, willſt bu der Sonne fchön thun, die Habe den Bart.“
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Dieß Märlein erzählte dem Riefen Roechers Sind: | „Und fo,“ ſprach Bertha weiter, . „fo bin and Ich gefiunt; Zu meinet Gleichen halt ich, weil Art von Art nicht. läft. Und folgt ihr meinem Rathe, ber wohl gemeint iſt, jo meßt Ihr einmal mit den Ele, wie lang ihr. ſeid, genau Und fchiet das Maß im Lande umher nach einer Frau—⸗ Die Welt if weit und zenget ſeltſamer Wunder viel, Vielleicht, daß ſich auch findet für. eudy ein paſſend Gefpiel. Ich babe fagen hören, in Seeland Ich ein Weib Bon riefigem Geſchlechte: das wär ein Zeibwertreib, Der euch ergeien lönnte : mehr als ein HZwerg wie ich. Fahrt wohl, Herr Rieſe Widolf und derkt nicht weiter au mich.” Sie ließ für Hol und Kohlen ihn ſtehn mit einem Knir Und auf ‚beichwingten Sohlen eniſchwand fie augenblids. Da ſprach Der mit der Stange: „Am Ende bat fie Hecht; Jh Thor, daß ich fo hange am biefem mittlern Gefchlecht, „Das zwiſchen Zwerg und Riefen nicht Fleiſch iſt und nicht Bild: Wir würbe freilih beßer beſtellen Bett und Tiſch Ein Weib gediegner Glieder ala ſolch ein Schmetterling. Ich will nad Seeland wieder,“ beichloß er enbli und gieng, Und kam dort an die Führe, mo juft mein. Schafflein ſtand; 3 muft ihn überſahren: web mir, bis an den Ranb Sant da mein Boot ins Waher, fo fehwere Ladung wars: Daß wir ertranfen, fehlte die Breite laum eines Haars.
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Er frug nad) .einem Weibe von rieſigem Geſchlecht, Wo das in Seeland haufer Run wuſt ich nicht jo recht Beicheib im innen Eiland: mein Reich iſt auf dem Meer, Dean zwiſchen zweien Slüften fahr ich vahin und daher. Bon rieſigem Geſchlechte war mix kein Weib bekannt Als feine Brudersſtochter, Sigrid genannt. Das fagt’ ich ihm und fagte, fie fei des Mannes Braut, Dem ihren Blid zu feheln die Babe Frebia. vertramt. Was hab ich nicht geſchwiegen? Es iſt mir heute leid: Das Toftete viel Thränen Sigrid, der Ihönen Maid. Zwar fie iſt feine Riefin, ob herrlich von Geftalt, Nur ihres Vaters Brüder gewannen Rieſengewält; Doch deutet’ er auf Sigriv der weiſen Vertha Nath, Und da Fein Blid ihm wurde, wieviel er fleht' und bat, ‚Und fie nur tiefer ſenukte Wimper und Augenlied, Da begwang er ihre Amme, die ihm den Pflegling verrieth. In ihres Vaters Garten, von Sorgen unberührt, Da ward fie eines Abends mit ſtarker Hand entführt. Man fand durch Zaun und Heden ben Bruch, und auf der Ylur Und in ben fumpfgen Wiefen vie übermenfchliche Spur. Den Räuber lieh verfolgen der König Asprian, AU das Gefinde jagte durch Buch und Haideplan; Auch zog, ihm anfjujpüren, der zagen Freier Schar, Die ihm nicht zu begegnen im Herzen freudiger war.
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Dihar nur ruhte männer bis er ben Riefen txaf. Bor einer Bergfpakte Ing er im tiefen Schlaf Und decte mit dem Rüden des weite Felſenthor; Doc; blicte durch Die Biden die ſchöne Sigrid hervor. Us das der Held exihaute, gewann er hohen Muth. Ein Weilchen doch erueg ex, ob er zu Kampfeswuth Den Riefen wed und fporne? das ſchien ihm viel getongt: Er war des Könige Bruder uab Ohm ber herrlichen Magd; Ob er durch SER ihn lode von feinem Zekjenfige Eo hätt er dech das Mägblein befreit durch feinen Wigz. Der Rath ſchien ihm der Befte: er büdte ſich und nahm Des Riefen Eifenfiange, die ſchon Manchem übel bekam, Bom Boden auf und trug fie von feiner Eeite fort. Bie er nun gieng und ſuchte nad dem bequemften Det, Die Stange zu werbergen, ba fah der Degen werth Bor einem tiefen Brunnen ein halbgeſchemdenes Pferb. Berihüttet tvar der Brunnen, kein Waßer hielt er mehr. Ten Gaul da zu verjenten gedacht ein Mann bisher; Doch beßer mußte Beides ber raſche Jüngling gleich: & hieb den Hals ver Mähre nem Rumpf mit kräftigem Gtroich, Und ſtekr im auf die Stange. Die pflanzt’ er hinterm Hand Tes Brunnens in vie Erbe, zum Rieſen hingewandt Des Roſſes ſcheuslich Anilig. Dasauf bon manden Baum Beach ex viel dürte Reiſer: die warf er über den Saum
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Des Brunnens, ihn zu beden, und ftreute. Winterlaub Wohl untermengt darüber mit Hatbefanb unb Staub. Nachdem er fo bie:iDeffnung dem Boden gleich gemacht Gieng er zuräd zum Riefen. Der war indeilen erwacht Und rieb bie Augenlieder. Da ſprach ber junge Selb: „Biſt Du der Wildfang, MWibolf, der much bet München ſtellt? Ei, Idtiger Verführer, wie iſt es bir geglückt? ' Wie wird ein Blick gefeßelt, eine ftrenge Jungfrau berückt? „Das ſag, ich möcht es lernen: vielleicht, daß ich. mir auch Ein Liebchen bald gewinne nach Deinem. Kunftgebrauch. Wie haft dus angefangen, ich bitte, thu mirs fund.“ Da öffnete der Niefe den ebergaimigen Mund, Und ſprach mit lautem Laden: „Gewalt, mein. Freund, Gewalt! Gewalt bemeiftert Herzen, tote hart fie finb und Takt, Und was Gewalt nicht wirkte, bewirkt der Hunger doch: Gewalt und Hunger zwingen die Weibfen all unters Joch. „Nur muft du dic an Thränen nicht kehren noch an Schrein. Denn fieh, die Weiber wähnen, wir Männer alle fein Vom tollen Hund gebißen und bemnad twaherichen; Doch wenn fie einmal wißen, wir achten Thränen für Spreu, „So find fie ohne Waffen und werben weich wie Wachs. Auch laß fie immer raufen ber blonben Haare Flachs: An Seuhzen, Wimmern, Stohnen, Ohnmachten, Gichter, Rrampf, Muß fi ein Mann gewöhnen, fonft unterliegt er im Kampf.”
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289 „Ich danle dir,” verfeßte der Jüngling, „für den Rath Und will ihn gleich vergelten, Wibolf, mit der That. Drum wiß, ala Sungfernräuber bift du in Königsacht, Und weilft du bier noch länger, fo wird bir der Garaus gemacht. „Schon haben feine Knechte umzingelt Walb und Feld Und eine Neidſtange wider bich aufgeftellt. Eichit du das Roſshaupt ragen? Sie fehnikten in den Knauf Der Stange Bauberrunen: vie reizen gegen dich auf „Die Wichter all, die Elfen in Berg und Bad und Baum. Ein Neidingswerk begiengft du, wie Neibing felber faum Ein Gleiches bat begangen: des eignen Brubers Kind Ihm diebifch wegzufangen! denn finfter war die Nacht und blind: „Bie ziemt das einem Riefen? Ja wärft du Elbegaft! Trum Schafft die Neidftange, daß du ben Unfieg haft.“ Bie er die Sprache hörte, wohl zürnte Wibolf fchwer: Er griff nach feinem Eifen: das fand er aber nicht mehr: ‚Ja, hätte du die Stange,“ Dibar lachend rief, „So wär dir mohl nicht bange, Thor, der die Zeit verfchlief! Sich, deine eigne Waffe rüdt wider dich ins Feld: Sie iR als Neidftange dich zu vernichten aufgeftellt. „Dir fpricht von ihrem Anaufe das Roſshaupt gräfslich Hohn. Run meide das Verderben, das Zauberrunen brohn, Und gieb dich mir gefangen.” Der Riefe fprang empor: „Jh will doch fehen,“ rief er, „wenn ſich auch Alles verſchwor, Eimsod, das Amelungenlied, 1. 19
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2% „ Die Elfen und die Menſchen, ob Ich nicht flärter bin: Wird mir die Waffe wieder, fo iſts ihr Ungewinn.“ Da vannt er volles Laufes der Neibftange zu; Doc wie die leichten Reiſer betrat fein riefiger Schub, Da ſank er in den Brunnen mit ihnen fanft binab. „Die Elfen find bie Stärken,“ rief Jener: „in fein Grab Lebendig ſinkt, wer ihrer Gewalt fich widerſetzt: Nun lebe wohl, Freund Widolf, ich muß dich laßen für jet.“
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291 Fünftes Abentener. Wie Widolf fi verlobte. So gieng er nach der Höhle, wo er Sigriden fand. An einer Felſenſãule fie feſtgeſchloßen ſtand. Da löſt er ihre Stricke und ſprach: „Es gebt mir nah, Daß ih um holde Blicke fo hart gebunden euch ſah. „Run feid ihr frei, gefangen tft euers Zwingherrn Kraft; In einem tiefen Brunnen bezwingt ihn felber Haft. Bolt ihr mich nun begleiten, fo führ ich euch nad Haus: Ir findet euch alleine nicht aus der Wildniſs heraus.” Sie ſprach geſenktes Blides: „Ich bin in eurer Schuld, Doch größer Recht gewänne fich auf meine Huld Der mi einfam ließe: ich darf nicht mit euch gehn, Denn ungegiemend wär e8 und nimmer foll es geichehn.” Er ſprach: „Was ihr befehlet bin ich zu thun gewohnt, ob ihr auch den Gehorfam mit feinem Blicke lohnt. Nur nehmt euch in der Wilde vor Srregehn in Acht: ‚hr habt noch weit nach Haufe und nicht mehr fern ift die Nacht, *
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Da muft er fie verlaßen. Er gieng zu Wibolf, Bu dem berabgefallen derweile war ein Wolf Mit lodernden Augen. Da ſprach er: „Das ift gut: Hier zu belöftgen dachte dich ſchon mein thörichter Muth; „Run iſts nicht Roth: entweder freßen die Wölfe dich, Dder du die Wölfe; das beruhigt mich. Es fallen wohl auch Hafen und Rehe hier herab: Was braucht ein Rieſe weiter? es ift zuviel für ein Grab.“ Schön Sigrid unterbefien durchſtrich den tiefen Walk Allein und ohne Führer. Die Nacht befiel fie bald: Da konnte fie nicht weiter. Bor einem dunkeln Haus Bat fie um Herberge: da trat eim freislich Weib heraus, Weit über Menfchengröße wie eines Ogers Frau, Des ſchnöden Leibes Blöße von ſchwarzen Botteln rauh. Sie ſprach: „Mir fehlt ein Mädchen, das meine Mühle dreht: Da kommt ihr juft zurechte; nur forgt, daß fie nicht ſtille ſteht. „Ich geb euch andre Kleider, denn biefe find zu gut.“ Da zwang fie in der Mühle zu gehn das Königsblut. Darauf am andern Morgen nad Furz gewährter Raſt, Da muſte fie die Schweine binaus ihr treiben zur Maft. Da ſah Dthar, zerrißen war ihr beftaubt Gewand, Wie ihr die Niefin dräute. Ex hätte fie verlannt, Wenn ihrer Schönheit Schimmer nicht durch die Hüllen brach: Da erbarmt’ er fich des Leibe und ſann zu wenden die Schmad).
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293 Er folgt’ ihr ungefehen bis in ben tiefen Tann. „Wie find ich bier euch wieder,“ ſprach der junge Mann, „Die edle Königstochter in ſchlechter Magd Geftalt! Der durfte jo erniedern ver hoben Reize Gewalt? „Und doch, Ihr ſeids noch immer, fo fchön als borber, Und leider noch fo firenge wie vormals, wenn nicht mehr. Das Aug, von Männerbliden zur Erbe fonft geſchreckt, Das halten jet geſchämig zwei weiße Hände bededt. „So Einnt ihr ja die Heerde nicht hüten, Königin: Euch bringt zu großem Schaben der männerfchene Sinn. Der Wolf ift eingebrochen, er raubt’ euch fchon ein Schwein; Ich wills ihm abjagen.” Da lief er hinter ihm brein, Schlug auf den Schild und fchredt’ ihn: fo kam der Wolf in Noth Und ließ die Beute fahren; noch war das Schwein nicht tobt. Ta ſprach Othar ber fehlaue: „Run fagt mir, fürchtet ihr, „Daß euch die Riefin züchtige, wenn fie beſchädigt ficht das Thier? Cie ſprach: „Das furcht ich freilich, doch weiß ich Teinen Rath.“ „Und wenn ich es erlange, daß fie euch nie mehr naht, Denn von des Ungefügen euch meine Lift befreit, Seid ihr dann Aug in Auge mich anzufchauen bereit?” Da ſprach die ſtolze Sigrid: „Das hoffet nimmermehr. Viel lieber duld ich Alles und wär es noch fo ſchwer.“ — „So hört,” verſetzt der Jüngling: „es iſt ber Helden Pflicht, „Bon ſolchen Yngethümen, ob ihr es lohnet, ob nicht,
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294 „Die Welt umber zu fünbern: bes bin ich eingebent Und will zum Lohn nicht Blide noch holder Gunft Geſchenk. Sch weiß mir boch ein Mädchen, das kühne That vergilt.“ Er nahm das Schtwein und ſchwang es fich über Rüden und Schild, Das ihn die Niefin fühe beichwert mit ihrem Raub; Die hört’ er in der Nähe ſchon rafcheln durch das Laub, „Wohin, verwegner Räuber,” fuhr ihn das Mannweib an, „Wohin mit meinem Schweine? du muft ben Tod bier empfahn.” Er ſprach: „Ich will begablen, denn ich bin reich genug. Mir ftarb ein Anabe geftern, ben fein Geſpiele ſchlug: Ich könnt ihn nie vergehen, ber veinften Schönheit Bil! Nun will ich nieberfteigen zu Helas Todtengefild, „ob fie mir giebt vom Waßer des Lebens nur fo viel, Daß ich den Knaben babe, bevor in Staub zerfiel Der Glieder füße Fülle. Dafür will ih das Schwein Der Tobesgöttin opfern: fo ſchenkt fie gern ihm Gebeihn.“ Die Riefin ſprach: „Und mweift du den Weg zu Helas Reich?“ — „Ich bin ihn oft gewandelt, mie wär ich fonft fo reich? Denn golden find die Kiefel und Perlen all der Sand Und eine golbne Brüde führt in das herrliche Land. „Mit Goldſcherben füllt ih mir da die Taſchen oft; Nur konnt ich nimmer tragen fo viel, als ich gehofft: Gar ſchwer ift das Gefteine, fo muft ich öfter gehn, Und alle Jahre Tann es an biefem Tag nur geichehn.
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23 — „Drum bitt ich, laßt mich eilen. Nehmt dieſes rothe Gold; Kehr ich zurück To geb ich euch Alles, was ihr wollt.“ Da ſprach die Ungefüge: „Du kommſt allein nicht fort; Ich ſelbſt will bich begleiten zu biefem golbreichen Ort.“ „D weh mir diefes Leides,“ rief er, „das kann nicht fein! Ran läßt uns alle beide zumal nicht hinein. Es darf nur Einer kommen.” Sie ſprach: „Wenn dem fo ift, En warte du ein Jährchen bis wiederlehrt des Tages Friſt, „Denn dießmal geh ich felber. Her mit dem Opferthier Und zeige mir den Eingang, fo lieb das Leben bir.“ Da rauft' er ſich die Haare und fchlug fi) an die Bruft: „Dein Kind, mein füher Knabe, wie trag ich beinen Verluft?“ Zu Fühen vor der Riefin warf er fich jemmerbaft, Umſchlang ihre Aniee und fleht' aus Herzens Kraft: „So bringt mir von dem Waßer des Lebens nur fo viel, Daß id) den Knaben babe, eh ganz fein Leib mir zerfiel.“ „Das will ich wohl verfprechen,“ ſprach fie trügeriſch, Und dacht es nicht zu halten: „Nun aber eile, friſch, Daß wir zur Stelle kommen.“ Da führt er unverwanbt Se hin, wo an dem Brunnen das Rofehaupt auf ber Stange ftand. „ut das der Eingang?“ frug fie, „ich kenne wohl ven Drt; Doch fah ich auf der Stange das Roſshaupt niemals bort.“ Tas glaub ich wohl,” werfett’ er; „auch ift nur heut ber Tag, Bo man zum Reich der Gottin ungefährdet kommen mag.
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2% „Und wenn ihr jet hinunter blidt in ben Höllenichadht, Eo ſeht ihr von zwei Fackeln erhellt die tiefe Nacht, Die ihr auch fonft nicht ſahet. Nun fragt, ob fie das Schwein Da unten haben wollen, und werft es ihnen hinein, „Bevor ihr felbft hinabfteigt.” Als fie die Frage that, Da bungerte den Rieſen, fie ward jogleich bejaht. „Nun find die Höllenwächter euch günftig,” ſprach der Helb; „Doch müßt ihr erft noch fragen, ob ihr auch heil und ungerfchelllt, „Sp ihr hinnieder fpringet, bis auf den Grund gelangt?“ — Der Riefegab zur Antwort: „Springt zu, wenn euch nicht bangt !“ — „Wenn euch nıcht bangt,“ ſprach jener, „nicht wahr, euch bangt doch nicht? Sonft laßt e8 lieber bleiben, denn Arm und Beine zerbricht „Und oft den Hals, wen Bangen beichleicht, indem er fpringt. Laßt lieber mich binunter, menn ihr mit Aengften ring.“ — „Richt doch, ich fpringe felber: ift folchem Zwerg nicht bang, So werd ich mich nicht fürchten,“ fo ſprach die Riefin und fprang Hinunter in den Brunnen. Abſeits der Rieſe ſaß, Der mit dem Wolf gejellig vom Fleiſch des Schweines af. Das aber war ein Wunber, daß fie zu Boden kam Und doch an Leib und Gliedern Heinen größern Schaden nahm Als daß fie fich verrenkte vom linken Daum ein Glied. „Run jagt mir,” rief ver Jüngling, „mie euch der Sprung gerieth 7“ — „Er tft mir wohl gelungen, bab auch nicht Angft verjpürt; Wo aber ift die Thüre, die zu Helas Reiche führt?
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297 „Ich Tann fie nirgend finden.“ Da rief ber junge Gelb: „Eo nehmt der Fadeln Eine, daß fie den Pfad euch bet, Eonft Könnt ihr ewig ſuchen.“ Hin gieng das Riefenweib Und langte nach der Fackel: da griff fie eines Wolfes Leib, Der heulend an ihr aufiprang und mande Wunde biß „Euch hat der Schalt zum Beſten,“ ſprach Wibolf, „gewiſs, 3 Inn in an der Stimme, ber Mich auch herbetrog; Run fagt, wie heit das Märchen, womit Dibar euch belog? „Sagt er, daß ihr von binnen zu Helas Reiche kämt?“ Cie wollte nicht zum Schaden den Spott und ſchwieg befchämt. Ta rief Dihar hinunter: „Du fuchft ja eine Frau; Ta haſt du eine, Widolf, ihr pafst zufammen genau. „Und wollteft, hört ich, eine von riefigem Geichledht: Die ann ſichs beßer fügen? ihr Blut ift rein und edit. Riß ſelbſi, fie hat an Länge dein volles Ebenmaß: Run freue dich, daß Freyja dich zu bedenken nicht vergaß, „Und halte Iuftig Hochzeit. Nicht arm ift deine Braut, Eine ganze Heerbe Schweine zu dem, woran ihr Taut, Lefipt fie und des Landes mehr als ich wißen mag. Son ihrer Heerde ſoll man euch Tünftig jeglichen Tag ‚Ein Stüd hinunteriverfen, daß ihr in Fülle lebt Und euerm Hauögefinde, dem Wolf, zu nagen gebt.“ Ri dieſen Worten gieng er und ließ das feltne Baar Allein im tiefen Zwinger, ber ihre Hochzeitkammer mar.
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298 Denn Widolf that im Ernſte wie ihm ber Jüngling rieth. Er ſprach: „Du bift die Riefin, die Bertha mir befchieb; Jetzt greif ich es mit Händen, nicht Sigrid war gemeint; Auch iſts wohl mehr ala Zufall, daß dieſer Raum uns vereint: „Es ift ein Wink von oben, daß wir ung vorbeſtimmt; Und bift du auch gefonnen mie ich, wohlan, fo nimmt Did Widolf bier zur Gattin.” Der Riefin war es recht. So geht wohl, ſprach der Fährmann, fo bald nicht aus das Geſchlecht: Es wär auch ewig Schade. — „Das wärs,“ hub Wittich an; „Doch ſagt mir, wie Othar ſich Schön Sigrid gewann? Sie that ja noch fo fpröbe, wie er zuletzt fie ſah.“ Der Fährmann Sprach: „So höret, wie die Belehrung geſchah.“ Minen (nee
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Sechstes Abentener. Die Wittich einen hohen Schwur that. ‚Lang irrte fonder Führer Schön Sigrid durch den Wald, As ihr nicht länger dräute der Niefin Gewalt. Bergebens zum Geleiter erbot ſich ihr Othar Rad ihres Vaters Hofe: wieviel fie Dank ihm fchuldig war, Sie weilt’ es nicht geftatten; auch blieb ihre Blick verhüllt Und ließ die fühen Wünfdde des Jünglings unerfüllt. So irrte fie im Walde und fand fich nicht heraus; Schon fank die Nacht, da kam fie vor des reichen Ebbo Haus, der war des Junglings Vater. Da mwarb fie nicht erfannt Der ſchlechten Kleider willen, bis baß Othar fie fand. Ban bot ihr aber andre, die fie willig nahm, Und fuchte fie zu tröften, denn Alle hieltens für Gram, Bie fie die Wimpern ſenkte. Wohl ſah Dihar erftaunt, As er nach Haufe kehrte, das Glüd fo mwohlgelaunt. Zwar ſchien fie nicht zu lennen ber junge fchlaue Mann, Tab ſprach er mit der Mutter und ſtellt' eine Hochzeit an,
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300 Als wollt er ſich vermählen mit einer andern Braut. Da kamen Hochzeitgäfte, da fchollen Hörner laut, Ein ſchönes Mäbchen wurde geſchmückt hereingeführt Und Alles ausgerichtet, mas folcher Feier gebührt: Ein köſtlich Mal gerüftet, viel Fackeln angebramnt: Die trugen Knecht' und Mägbe gleich Leuchtern in ber Hand. Man fah die fchöne Sigrid auch in der Mägbe Zahl Die Fackel dienend tragen in Ebbos ſchimmerndem Saal. Nun faß bei Tiſch und ſchmauſte das junge Liebespaar, Dem manches Hoch erbraufte von frober Gäſte Schar. Man ließ den Becher Treifen bei freier Rebe Spiel Und begann die Braut zu neden, bie allen Herzen gefiel. Denn in der Nebenlammer ward fchon ber Thron erbaut, Der bald empfangen follte Bräutigam und Braut, An Sigrid dachte Niemand: unter den Mägben trug Sie die entflammte Fackel. Die brannte luſtig genug; Doch war fie heller Iobernb fo fehneller auch verzehrt; Ein Endchen noch ift übrig, das nicht mehr lange währt. Schon naht der Hand das Feuer, ſchon fpürt fie heiße Gluth; Doc Sie bei innern Schmerzen erträgtö mit dulbendem Muth. Auf fuhr von feinem Site der Bräutigam und fchrie: „Wirf aus der Sand die Fackel, Sigrid, und fchone fie, Ch du di ganz verſengeſt.“ Da ließ die Königin Beftürzt die Fadel finlen und wandte forfchenb dahin
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301 Und dankbar die Augen, wo ber SYüngling ftand. Als Blick dem Blick begegnete, da gieng er, nahm die Hand, Tie fo viel Schmerz ertragen und ſprach: „Warum, Sigrid, Das Auge niederfchlagen, das mir zu viel fchon verrieth?“ Da traf ihn wieder freudig der Augen blauer Stral. Sant rief er: „Seid mir Zeugen, ihr Alle bier im Saal, daß mich die Königstochter nun zweimal angeblidt: Ca iſt nicht weit von Lethra, geſchwinde, Boten geſchickt Zu Atprian dem König, daß er das Wunber ſchaut. Und menn nicht Alles trüget, iſt dieß die rechte Braut; Tie andre, Tonnt ich merken, hat faljh mit mir gefpielt Und über Tifch nur immer nad) meinem Better gefchielt.“ die Boten liefen eilig, und als der König am Und wiederfah die Tochter, und wie bie holde Scham I Bang und Blick die Liebe nicht fiegreich mehr beftritt; Us er erfuhr, was Alles fie von dem Riefen erlitt, Und wie Dihar die Beiden gelockt in ein Verlies: Da gedacht er feines Wortes und was er Dem verhieß, Dem ihren Blick zu feßeln die Babe fei verliehn: & füßete ſelbit die Tochter zu dem ſchlauen Junglinge hin, Rühar ihn und ſprach: „Du wuſteſt dieß Madchen zu befrein Und wuſteſt fie zu ſeheln, drum iſt fie billig dein. Tu magft fie hier behalten; doch kommt ber britie Tag, Co führe fie zu Hofe, daß. id derweil beſchiden mag
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302 „Die volle Hochzeitfeier. Denn nicht für vol erkennt Man die, wobei die Finger das Bräutchen ſich verbrennt; Doch gilt fie als Berlöbnifs durch meines Wortes Kraft. Hier aber find zwei Bräute (bie dritte hält des Brunnens Haftı „Und Einen Thron nur jeh ih und nur Ein Brautgemadh: Drum rüftet ſchnell ein zweites, daß fein verliebtes Ach, Kein Seufger eines Paares das Glüd des andern ftört. Hab ich derweil die Meinung des Riefenbrautpaars gehört, „So begebt ihr übermorgen bei mir ein dreifach Felt: Ihr Alle ſeid geladen und feiner, boff ich, läßt Den König auf ſich warten.“ So ſprach Herr Asprian, Und heut ift nun bie Hochzeit, denn ſeht, ſchon bricht ber Morgen an. Da wehen fcharfe Lüfte: in euerm Eifenfleid, Herr Nitter, wird euch frieren, zumal ihr nüchtern feib. Sch habe Brot und Honig und biefen Anker Bier: Verſchmäht nicht meine Armut und theilt den Spnbi mit mir. Nickt ihr hernach ein Ständchen (denn euch ift Ruhe Notb) Derweil die ſalzgen Wogen befegelt pflügt mein Boot, So hat's euch beim Erwachen an Windlands Strand geichafft.” Da afen fie und tranten des Meths ertvärmenden Saft. „Wie ſeid ihr nachdenklich und blickt fo ernfthaft brein? Ihr gönnt wohl nicht dem Jüngling das ſchöne Mägbelein? Kein Wort. des Beifalls habt ie noch feiner That gezollt: Sch lef in euern Augen, daß ihr dem Liſtigen grollt.“
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Da gab dem Fährmann Antwort Wittich der junge Held: „Freund, Wer euch leſen Ichrte, der bat euch nicht geprellt: Zum zweitenmal eniräthfelt ihr fchom der Augen Schrift, Obwohl eur Scharffinn diefmal nicht ganz bas Richtige trifft. Ih gönn ihm gern das Mädchen, und ſpürt ich ivgend Neid, So wärs, weil er die Lande von Widolf hat befreit, Dem Riefen mit der Stange. Sch will euch nur geftehn, JG ſelbſt ward angegangen in ben Kampf mit ihm zu gehn, Us er um Rothers Tochter fo großen Schaben that; Doch mir ahnte Tüde, drum folgt’ ich nicht dem Rath. Rid anders zu verfuchen hatt ich auch ſchon im Sinn; Run aber nimmt der Schlaue des Sieges Ehre dahin Und fängt auch noch die Rieſin. Die ich zu thun geſcheut, Tap Er die That vollbrachte, das ift es was mich reut. Trum will ichs hoch geloben, die Götter zeugen mir, Und braucht es andres Zeugnis, fo ift ein Schwurzeuge hier, Rich keiner That zu weigern und feines Kampfs fortan: Bird er mir zugemutbet, fo fteh ich meinen Mann. Jh will nicht, daß man mähne mein ‚Herz fei verzagt. Vie freut ſich nun der Düne, daß Ex zu leiften gewagt, Bes ich mich nicht getraute. Und brech ich dieſen Schwur, Zu Helas Reiche vaffe der Tod den Feigen nur, Jh will nicht Länger leben.“ Da wieherte fein Roſs Und eine Welle hob fih und ſank zurlid und begof
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304 Sie beide mit dem Schaume. Da fprach der Ferge gut: „Bas habt ihr angerichtet! ihr trübt und noch die Flut Mit euern hohen Schwüren: bie find bier nicht am Drt: Zu ſchwören und zu fluchen geziemt ſich wenig an Bord. „Laßt und was Andres reden, daß ſich Die Woge ftillt.” Sie ſchwiegen eine Weile, da warb fie wieder mild. „Es bat mich oft verwundert," bub da der Jüngling an, „Barum drei Riefenbrüber erwarb Konig Asßrian, „Da er doch felbft Fein Rieſ ift, noch von Rieſenart.“ — „Das Tönnte wieder hemmen, fürcht ich, unfre Fahrt,“ Sprad der gute Ferge, „man fpricht nicht gern davon; Doch will ich es verſuchen. Ihr wißt, daß Wiling einen Sohn „Bon einer Meerfrau hatte, ber Wate warb genannt. Das war ein flarker Niefe, dazu ſehr ungewandt (Doc Int uns leifer fprechen): er war fo plump als ſchwer Und mochte gar nichts lernen als immer waten im Meer. „Nah Wilingd Tode folgte Norbian ihm nach, Ein Sohn rechter Ehe, ber oft verächtlich ſprach Von feines Vaters Buhle: das kam ihm nicht zu Gut, Denn alle feine Schiffe zerſchlug ihm tüdifch die Flut. „Doch ſchwerer noch vergieng fich fein Weib die Königin An dem Wellenmädchen: das warb ihr Ungewinn. Sie hatte ſchon geboren den König Asprian, Da gieng fie einft am Ufer, wo manche Scheiter heran
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305 „Beipühlt ward won den Schiffen, die ihr das Meer zerfchellt; Da ſprach fie zu dem Gatten: „Sieb, welcher Lohn ihm fällt, Zer mit den Wellen bublet; unfruchtbar ift die See, Nie hat fie Frucht getragen als unermeßliches Weh. „Ras bat deinem Vater Wachildens Mutterjchooß, Ter Buhlerin, geboren, als einen Erdenkloß, Einen ungefügen Rieſen —“ fie hätte gern noch wiel Ginzugefügt, da ſetzte der Rede Edart ein Biel, „zer warnend füch beivegte in feiner Mutter Leib, Doch was fie hörte rächte das feuchte Waßerweib. Cie ſchuf, daß ihre Feinbin nur Riefen noch gebar Und immer ungefüger ber eine benn ber anbre war. ‚Doch Edart überragte nur wenig Menfchenmaß, Tenn als ſich feine Mutter mit Neben ſo vergaß, Ta war er ſchon gegliedert; es konnte feinen Bau Nicht völlig umgeftalten die meerbeherichende Frau.” — „3 habe fie geſehen,“ fiel ihm Wittich ein. — „Die? warn ift das gefchehen? Bor Jahren?“ frug er. „Nein, Tor wenig Augenbliden: fo eben, als ich ſchwor, Ta hub aus den Wellen ein Frauenbild ſich empor. „Bon Haupte golden wallte das Haar wie Sonnenlicht, Sie bob den Finger mahnend, als deut es, ſchwöre nicht. Gewiſs es war Wachilde; doch ift der Schwur vollbracht.“ Ta ſprach der gute Züährmann: „ch hatt es gleich mir gebacht. Eimrod, dad Umelungenlied. 1. 20
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| — „Das Schwören fol meiden Wer auf den Waßern fährt: Die alte Seemannsregel hat wieder fih bewährt; ‚ Wer weiß, wie ihr noch büßet den übereilten Eib.“ Da ſprach der junge Degen: „Wie ängſtlich, Alter, ihr ſeid! „Beruhigt euch, beruhigt find ja die Wellen längft, Und längft hat ausgewiehert Schimming mein Hengft: Wir haben nichts zu fürchten. Doch fagt, wie warb euch und Was ihr mir jetzt erzähliet? Iſts euer eigener und?" — „Es ift die lautre Wahrheit," ſprach der Steuermann, „Und die mir felbft vertraute der König Nordian, Als er vor Drinits Scharen aus feinem Lande flob. Ihn trug mein Boot nach Schleföinig: da mar ber Degen doch frob, „Als er auf dem Waßer noch eine Zuflucht fand, Das er fo oft gefholten, mie er mir felbft geftand, Und auch dad Wellenmädchen. Er fpradh, es reu ihn jehr: Das war fein Glüd, vermuth ich, denn fo verſchont ihn das Beer. „Doch hat er keine Seefahrt ſeitdem mehr geivagt Und bald für feine Söhne Seeland entfagt, Das er von fo viel Reichen allein zu Lehn empfieng: Er konnt e3 nicht verwalten, da er nicht mehr zu Schiffe gieng. „Er jagt, hab ich vernommen, in Deutichlands Forften jet Nach dem flüchtgen Wilde, das er mit Hunden hebt: Das war fein Leben immer als er noch Krone trug: Da macht' er fih mit Jagen im Lande Feinde genug.
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307 „Seit er dem Meer milötraute, ba warb der tiefe Wald Bei Nacht und bei Tage ſein liebfter Aufenthalt: j Ban ſah ihn oft vom Roſſe ſpringen auf den Hirſch Und ihn zu Tobe ſpornen .auf feiner grasdamen Birſch. „Er ſchonte kein Gereute, ver Wütherich zertrat Rt Mann und Roſs und Meute des Landmanns reife Saat, Und ſtürzten feine Knechte zu Boden athemlos, Eo het’ er fie mit Hunden bis tobt fie ſanken ins Moos. „Das muft er ſchwer enigelten, ala Ortnit ihn beftand, Tenn weil ihn Alle haften verlor er Leut und Land. Tod wo er jeko jaget, verliert er ſchwerlich viel, Beil Nichts ihm zugehöret, fonft wär er auch ſchon am Biel. „Do feht, wir nahen unferm: der Morgennebel ſank Und dicht uns vor den Augen liegt fchon die Küfte blank. Kun nehmt euch vor der Hehe bes wilden Heers in Acht, Daß es euch nicht zerfeße bei feiner nächtlichen Jagd.” — „Davor ift mir nicht bange,“ ſprach Wittih, Wielands Sohn; „Run, Alter, Laßt euch danlen, und bier ift euer Lohn: Hr habt mit euern Mären ein Aufgelb wohl verdient, Zumal ihr wahrheitliebender, als Fergen pflegen, erſchient. „Denn ſehr um Lug verſchrieen iſt eure ganze Zunft.“ Da ſprach der Alte lächelnn: „Bei eurer Wiederkunft Bird es ſich fchon befinden ob ich die Wahrheit ſprach: An den Maft mögt ihr mich binden, wenn ich ein Wort vom Baune brady.”
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Da stieß er durch die Brandung das Boot mit starkem Arm: Dem Fergen bei der Landung war von der Arbeit warm. Bald auf den Sand der Dünen zog der Held das Pferd, Auf saß er und entstäubte, den Blick gen Süden gekehrt.
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309 Siebentes Abentener.
Wie er Dietrihs Gefellen fand.“ N Da ritt er lange: Wege, über gebautes Land Se Und über ungebautes,' tvo bürre Haibe ftand; \ Bald zwischen Sumpf und Wiefen den fchmal gewundnen Pfad Und bald dureh tiefe Wälder, die faum ein Fuß noch betrat. Da hört’ er fchaurig hallen von Jagdgetös den Tann, Als hete feine Meute der König Nordian: Die Hifthörner fchollen, auf fuhr das Wild erjchredt, Man fah im Mondenfchimmer die Tangen Läufe geftredt; Dann ward e3 wieder ftille. Wie oft ihm das geichah, Doch wollt e3 nie fi) fügen, daß er ben SYäger fah. © trug ihn Tag und Nächte das fehnelle Nofs dahin, ; Er gönnt’ ihm Selten Ruhe, ihm ftand nad) Bern nur der Sinn. Ccyon über mande Brüde geritten war der Selb, Da Tam er an ein Wafer, das fchten ihm angefchwellt Von fchmweren Wolfenbrüchen: e3 gieng bi8 an den Gurt Dem Rofs beim erften Echritte, nicht ah er Brüde noch Furt.
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310 Was fol er nun beginnen, da er hinüber muß? Ihm fperrt den Weg nach Süden der reißende Fluß: Und drüben fab er blinfen die Höhn im ewgen Schnee Und Gletfcher nieverfinten eine fchollenftarrende See. An Nordens Eisfelder gemahnt’ ihn das Land, Doc tiefblau war der Himmel darüber ausgejpannt. Auch wehten warme Lüfte herüber aus dem Thal Und üppig ſproßten Kräuter; der Fels ſchien nirgendiwo Tabl, Bis zu den eiögen Firmen mar die Alpe grün, Und ſcheue Gemfen fprangen von Firſt zu Firſten kühn. Die Alpenhörner Ioden, ihn lodt der Jodler Sang Und von geitimmten Gloden des Hornviehs tönenber Gang. Da wird ihm weh im Bufen, daß er nicht über Tann. Eine Weile ftand der Degen gedaukenvoll und fan, Wie er die Furt wohl fände? Dann ſprach der Helb: „Sch muß Mit Schwimmen exit erforfchen die feihten Stellen im Fluß.“ Schimming ben fchnellen band er an einen Baum, Berbarg in einem Buche bei des Ufer Saum Den Helm und den Harniſch uud feine Waffen all Und ſchwang ſich nadend nieber:, die Flut mit vauſchendem Schwall Schlang ihn in die Tiefe; doch taucht’ er bald empor: Da ſchwamm er mwellentretend, fo ſchwimmt der Rige Chor, Im Strom auf und nieder und forfchte nach der Furt, Durch die er Echimming führe, das Roſs, mit trodenem Gurt.
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al Ta zogen dieſes Weges erlannter Helden drei. Bo er im Waßer wogte, da ritten fie worbei: Hildebrand ber alte, der Dietrich? Pfleger war, 2 Und Seime, den auf Segard Brunhildens Echaffnerin geber. Herdegen war ber britte, der Schwager Des von Bern, Ein Graf von Berchtoldsgaden; den hätte Dietrich gern Turd) Schwine ſich verbunden, ben Degen auserlannt : Drum hatt er jene beiden nach Berchtoldsgaden gefanbt, Ob Herdegen wolle fein Stallbruber fein? Vohl willigte gerne Berchtolds Enkel brein, Vrũderſchaft zu ftiften mit König Dietmars Kind; Rur war er Berchtoldsgaden nicht zu verlaßen gefinnt. Da ſprach fein Better Hildebrand: „Beim alten Berchtold, Der meinen Vater zeugte, wie euern, weigern follt | Ihrs nicht, nach Bern zu kommen, da Dietrich euch bat: Vie würd es aufgenommen? nein, folget weislichem Rath. „Bir hätten auch die Reife nicht gern umfonft gethan Zu euerm ruffiichen Eile, hab fein Gefallen dran. för lieber Schäfte fplittern als ber Lawinen Sturz; RE Euch ans Herz gewachſen, fo faßt euch meinthalben kurz, „Sagt guten Tag und müßt ihr zurüd, Gläck auf die Fahrt! Ih werd euch nicht beneiven um ben bereiften Bart. 3 Iobe mis Garten, imo meine Ute hauft, ' Da wird eiim boch die Schwarte von Eiszacken nicht zerzauft.“
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312 „Das ift auch nicht von Nöthen,“ ſprach ber edle Graf, „Euch zauft mein Schwager Dietrih, wenn ex euch fäumig traf: Wie ihr den Knaben hätfchelt, unjanft wirds euch gelohnt: Ich muß mur mit euch reiten, daß euch die Ruthe verfchont. „Sie lag derweil im Salge, nun beißt fie boppelt ſcharf.“ — „Shut er uns nur ben Willen,“ ſpruch Hildebrand, „fo darf Er waſchen wie ein Eisbär, den man im Käſicht zeigt: Wenn e8 Sfolde höxte, bie hätt ihn lange geichweigt. „Wir müßen fie erft fragen: mas hilfts, dab er’s verſpricht? Er darf nicht aus dem Haufe, erlaubt fein Weib es nicht. Er dudt vor Dietrichs Schweſter, wie er vor und auch prallt; Und blieb er länger außen, dba würd er garftig bezahlt.‘ So ſcherzten die Helden, ch ihre Fahrt begann; Doch jeto ſahn fie hüpfen im Fluß den jungen Mann. Da fprach zu den Befährten der alte Hildebrand: „Dort ſchwimmt ein Ziverg, ich wähne, mir ift fein Name bekannt: Elbegaft, der fchlaue berüchtigte Dieb, Den Dietrich jüngft im Walde fo in die Enge trieb, Daß er fi löſen muſte mit Eöftlichem Gut, Nagelring, dem Schwerte, das in Stürmen Wunder thut, „Und bei viel theuern Schätzen dem Helm Hilbegrein: Je älter der wurde, je lichter warf er Schein. Berfuchen wir das Gleiche und wenn ed uns gelingt, Daß wir ihn nochmals fangen, nicht minbres Löfegeld erzwingt
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313 „Ion dem reichen Zwerge vielleicht unfre Hand.“ Da wandten fie die Noffe unb ritten nad) dem Strand. Das Alles hörte Wittich, der nicht ein Wort verlor: 7 Ta rief mit lauter Stimme ber Held zum Ufer ephor ‚Rum fidert mich bes Lebens und laßt mich ans der Flut: Ob ih ein Zwerg bin, feht ihr dann, ihr theuern Degen gut, Ub ich höher trage vieleicht als ihr mein Haupt.” Da warb ihm von den Helden ans Land zu fteigen erlaubt Und Sicherheit verliehen. Da ſchwang ber Degen jung Eih aus des Stromes Bette, neun Fuß weit mar fein Sprung. Verwundert fprach ber Meifter: „Wer biſt bu, fag uns an? Und wo ift deine Heimat?“ Doch zürnend fprach der junge Bann: „Benn du ein guter Helb bift, wie magft du Solcherlei Einen nadten Degen fragen? Verſteckt hier nahebei Gab ih meine Kleider und Waffen: gönnt mir Beit Sie umzuthun, fo wirb euch auf eure Fragen Beicheib.“ Tas ward ihm auch verftattet. Sin gieng er unverwandt Und fuhr in ſeine Kleider und in ſein Rüſtgewand. E ſchwang den Helm zu Häupten und band vom Baum das Roſs: Tie drei Gefährten ſtaunten, wie liter Glanz ihn umflof. & faß auf Schimmings Rüden und ritt fie herrlich an: In drei guten Reden,“ iprach der junge Bann, „Bei Namen nennt’ ic) Jeden, wenn ich fie wäfte, gern; Run fragt mich was ihre wollet, ich geb euch Antwort, twofern
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314 „Mir felbft die Märe fund if.“ Da ſprach Hildebrand: „Sp fag uns, wie bu heißeft und vo bein Heimatland? Du bift bier nicht gebikttig,” bas hört man wohl: warum Denn irrſt bu fo verlaßen in fremben Landen herum?“ „Wittich ift mein Name,“ ſprach der junge Held, „Und Wieland hieß mein Vater, ber befte Schmieb der Welt Er war ein Enkel Wilings, der Driniten zwang, Als; ihm das Reich der Waßer fich zu verföhnen gelang. „Bathilde, Neidings Tochter, bes Königs, yeugte mich, Der über Norweg berichte. Ich will zu Dieterich, Dem.Sohne Dietmars fahren, ver König ift zu Bern; Und eh ich heimkehre, verſucht ichs gegen ihm gern „Die feft unfre Schilde, tie fcharf die Schwerter find, Wie ſtark Helm und Harniſch, bie Arme wie geſchwind. Denn Er vor allen Dingen ift in ver Welt belobt Der Kraft und Kühnheit wegen, bie er im Kampf hat erprobt.” Gar wohl gefiel bie Rede dem frommen Hilbebrand: Ihn freute, daß fein Bögling fo weithin warb erkannt. Auch hatt er ein Behagen an Wielands ſtolzem Sproß, Er ſah ihn mächtig ragen von feinem ſchneeweißen Roſs: Da ſaß er ebler Haltung, mit degenhaften Muth;: Auch waren feine Waffen und fein Gewand fo gut, Ihn beuchte, feines Gleichen hab er noch nie gejehn. Wenn er mit Dietrich kämpfte, der Alte muſt es geſtehn,
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315 Ber da den Sieg erwürbe, das blieb noch zweifelhaft. Wohl bangt’ er um den Liebling, beftünd ihn Wittichs Kraft . Hildebrand der Alte ba einen Rath erfann, Denn weifes Herzens war er, er bob zu Wittichen an: „Eo ſei doch Gott gepriefen, daß endlich kommt ber Held, Der es wagt und Dietrichen fich entgegen ftellt: Benn dich das Glück beglinftigt, wie du das Anſehen haft, So magft du wohl beihämen ven übermüthigen Gaft. ‚Tem unausftehlich ift es, wie er ſich überhebt: Beil er ein Baarmal fiegte, fo waͤhnt er gleich e8 lebt Kein Menſch auf Bottes Erde, der ihm das Waßer reicht; Mt aber fehlgefchoßen, des wird er inne vielleicht ‚Denn de ihm Zweilampf bieteft: ich hoffe viel von hir. Komm junger Held und mache Brüderfchaft mit mir: Geloben wir und Treue und ftehn für Einen Mann Hinfort in Fahr und Nöthen: das fteht und Beiden wohl an. „Eo auch mit diefen Helden befreunde bich, fie find Zwar Dietrichs Heergejellen, doch nicht aus Liebe blind dür feiner Jugend Fehler. Wir reiten jet nach Bern, Und willſt du mit uns fahren, das fehn wir willig und gern.“ Darauf verſetzte Wittic der Held: das ift mir recht. Tu ſcheinſt ein wackrer Degen und ablich von Gefchlect: Rdht darf ich ſolchen Reden verfagen Brüberkhaft; Doch nennt mir eure Namen, fenft hat der Bund keine Kraft.”
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316 Da ſprach die Wahrheit hehlend ver alte Hilbebranb: „Uto tft mein Name; mein Vater warb genannt Neinbald von Venedig und Erich hieß mein Ahn, Der dort gebot als Herzog im Neich ber bläulichen Ran. „Run, nennen bir die Andern Geſchlecht und Namen auch, Denn Jeder nennt die feinen: das ift der rechte Brauch.“ Zuerft begann da Heime, der Sohn Adelgers: „Herbrand hieß mein Bater, das Banner führt! er des Heers, „Wenn König Ortnit kriegte; hoch Nere nennt man mich. Meinen Ahn den alten Berchtold kennſt bu ficherlich; Er dient’ auch König Rothern, da er nach Geunland fuhr; In deiner Heimmt Tieß er wohl ewig währende Spur.” — „Ich hört ihn ſelten nennen,“ ſprach Witlich, „daß ich weiß.” „So lernft du ihn noch kennen: Zeugen von feinem Preis Eind diefe weiten Lande; aud fein Geſchlecht ift groß, Denn fechszehen Söhne gebar ihm eines Weibes Schooß. „Herdegen tft fein Enkel, Dietrichs Schweſtermann, Und Hildebrand der alte, der ihn nicht meiftern kann; Mir find nahe Sippen die Helden unverzagt. Nun hab ich meinen Namen und mem Geflecht dir gefagt.“ Da begann Herbegen, der Enkel Berchtolds: „Ich gefchtveige meines Vaters und bin nicht ahnenſtolz Doch Hornbog heiß ich ſelber; von Winbland ſtamm ich her Und focht einft gegen Rother in Neidings fiegenbem Heer.
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317 „Durch deinen Bater fiegt’ es: dafür ward er verbannt, Ja Reiving ließ ihn lähmen zum Dante nach der Hant. Toh bald nahm volle Rache der grimme Elfenfohn An feinem Haus und Reiche und flog ala Vogel davon. „Sieh, daß du Fein Fremdling bei den Amelungen bift.” Co fimmten ſchlau die beiben mit in des Alten Lift. Da reichten ſich die Hände und machten Brüberichaft Bittih und die Helden: doch war der Bund ohne Kraft. Ta ſprach Meifter Hildebrand: „Sch weiſ euch burch den. Yluß, Iſt gleich die Flut gefchwollen durch einen Regenguß: Bir finden weiter oben, die du gefucht, bie Furt.“ Ta ritten fie die Roſſe hindurch mit trodenem Gurt.
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—⸗ ze re m. 318 Adıtes Abenteuer. Wie Dietrih Elbegaft fteng. Als fie hinüber famen und vitten auf am Strand, Da ſprach der kühne Wittich zu Meifter Hildebrand: „Was war e8, das ihr fprachet, als ihr mich ſchwimmen faht, Bon Elbegaft dem Zwerge und Dietrichs mannlicher That? „Ihr bieltet mich, ich hört! es, für den verrufnen Dieb, Und gebadhtet, wie ihn Dietrich einft in die Enge trieb, Daß er ſich löfen mufte mit köſtlichem Gut: Das folltet ihr erzählen: uns kürzt den Weg nichts fo gut.“ Da Sprach Meifter Hildebrand: Wir ritten einft aus Bern Mit Habichten und Hunden, ich fammt den jungen Herm, Im Wald uns zu vergnügen bei des Hifthorns Klang; Wie nun in flohen Ylügen mand guter Falle fich ſchwang, Und auf des Wildes Fährte Dietrichs Brade boll, Sab er ein Wichtelmänndyen, zwei Fuß und einen Boll Nur maß es, vor ihm laufen. Er nahm es gleich aufs Korn, Das Leitfeil ließ er fahren und gab dem Roſſe den Sporm.
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319 - Bor einem boblen Berge, wo ſeine Klaufe var, Ergriff er das Gezwerge und ſchwang es bei dem Haar (Empor in feinen Sattel Er bielt es gut gefaßt: Da muft e8 ihm gefiehen, fein Name fei Cibegaft. Mit Lachen Hört es Dietrich, die Märe war ihm lieb: „Eo hab ich dich, du fchlauer, berüchtigter Dieb, Bor dem in meinem Lande Feine Tafche ficher ift: Du baft jo wiel geftoblen, fo viel ſtipitzt mit arger Lift, „Und wären Hälfe taufenb an beinem Leib zu ſchaun, Und ließ’ ich tauſend Galgen den taufend Hälfen baum, Das wäre viel zu wenig, Gaubieb, noch für dich; Doch dießmal ſollſt du's büßen, bir hilft hier weiter fein Schlich.“ — „Ban that mir zu viel Ehre,“ fo ſprach der Beine Mann, „Ein jeder bichtet gerne mir feine Unthat an: Der Meifter wie der Stümper, der erft ind Handwerk pfuhqht, Braucht mich zum Sündenbocke: ſomit ift Alles vertuſcht. „Ich kann wohl einige Griffe der holden Diebesfunft, Doch gegen Dienfchenpfiffe, tie eitel ift der Dunft! Sie haben hohe Schulen, wo man nad Regeln lehrt Bas wir beiwuftlos üben, es ift dev Rede nicht werth. „Auch leitet euer Bortbeil uns meift bei unferm Thun: Bir laßen edle Erze nicht gerne müßig rubn. Bas nügt das Bold im Schreine, was ein vergrabner Schaf? Es if der Welt verloren! Wein Bruder Goldemar hats
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320 „Umfonft mit blutigen Händen aus Nacht berborgefchüzft, Wenn ihrs dem Licht entinenden uud unterfdjlagen dürft. Drum leid ichs nicht und übe dann unfer altes Recht: Das Gold von Anbeginne gehört dem Elbengeſchlecht. „Wir fördern es zu Tage, toir leihns euch Menkchen gern, " | Dod daß es Früchte tvage und wechsle feinen Seren! Geräth es mo ins Stoden, id bins, dem «3 verfällt: Dieb Recht hab ich vor Jahren wit meinen Buübern: beftellt.“ Da ſprach zu dem Gezwerge mein Bögling Wieterich: „Du vedeft ſchlaue Worte; doch nicht bethoͤrſt bu mich: Du muft dem Diebftahl frößnen, weil dus nicht laßen kannſt; Nun ſolls/ nad Recht beichönen, das bu dir witzig erfannft. „Du ſtiehlſt auch Menſchenkinder, nimmt man fie nicht in Acht: Wem jet der fchönfte Säugling noch in der Wiege lacht, Kaum wendet er den Rüden, fo iſts ein Wechſelbalg Mit Kiellropf und Höfer und einem Antlig wie Talg. „Die Mutter und fünf Ammen faugt das Monblalb aus, Und kommt e8 auf, jo äfft e8 und höhnt das ganze Haus; Auch heult es übermenſchlich bis mans mit Ruthen ftreicht: Dann kommt die Roggenmuhme und holt es wieder vielleicht, „Und bringt dafür das redkte,. der Eltern blühend Kind.“ „Das mögen Andre büßen, vie deſſen fchulbig find,“ Sprach das Gezwerg: „mit Kindern hab ich mich nie befaßt, Das laß ich Heinen Geiſtern; mir ift ihr Grölen verhaßt.
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321 „Und ftehl ich jemald Menſchen, fo weih man wohl warum: Mir zollen alle Beifall und Niemand nimmt es krumm. Ich will euch doch erzählen einen Streich in meiner Art: Da fab ich geftern liegen einen alten Bröfelbart „Bei einem jungen Weibe. Er war zu alt zur Luft, Zu lalt um zu erwarmen an einer vollen Bruft. Zwölf Schritte weiter midte bei einer Bettel ein Ein frifcher Burſch, fie konnte wohl feine Großmutter fein. „Mich dauerte der Jüngling und bort das fchöne Weib; Da macht’ ich Ihnen Freude, Mir einen Zeitvertreib: Der Burfche muft hinüber, der Alte mufte ber; So wechſelt' ich die Paare nach junger Herzen Begehr. Dann wedt’ ich die zwei Alten und fchaute heimlich zu: Sie fahn fi an und gähnten, und ftredten fi zur Ruh. Das junge Paar nicht aljo des fühen Spiels verbroß: Mit weißen Armen Eines das Andre lieblih umfchloß. „Bar das nicht gut geſtohlen?“ frug der liftge Zwerg. — „Du fammelft heißer Kohlen aufs Haupt dir einen Berg,“ Rief Dietrich mit Ladyen: „es Ichärft nur meinen Spruch, Daß du zu fördern wagteſt ben boppelten Ehebruch. „Dir geht Dafür die Strafe zuerit an Haut und Haar, & du den Galgen baueſt.“ Ex ſprach: „Warum nicht gar Gepießt mit langen Stangen und lebend dann verbrannt? Ih bin nicht gern gebangen,- das fei bir offen befannt. Eimreod, das Amelungenlie. 1. 21
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322 „Ich will mich lieber Idfen mit alfo großem Gut, Als in ‚Herr -Dietmars Kammer, deines Waters, je gerubt. Der reiche Gothenlönig, dem Bern und Raben zollt, Sah nie auf einem Haufen fo viel geränbertes Golv. „Die diefen Hort. befigen, der Riefe heibet Grein Und Hilde die Niefin; ich fag euch von ben Bivein; Er pflegt jo übler Stärke, zwölf Männer wirft ex bin; Doc hat noch größte Kräfte fein Weib und grimmigern Sinn. „Ein Schwert führt der Rieſe mit Namen Nagelring, Das ift der Schwerter Beftes, davon ich Kund empfieng. Mit eignen Händen ſchuf es mein Bruder Elberich: Wie der verſteht zu ſchmieden wißt ihr wohl beßer als ich. „Du zwingft die Riefen nimmer, wenn du das Schwert nicht haft: Das muß bir erft gewinnen mit Stehlen Elbegaft. Dir aber ziemt e8 befer, bu Held ebler Art, ” Und dort dem Eifenfreßer im langen afchgrauen Bart, „Den Hort euch zu erobern mit Muth und Ritterfchaft Und Rieſen zu erfhlagen, wenn euch genügt die Kraft, Als daß ihr mich fo zärtlich an euern Harniſch drückt; Nicht ift, wenn ihr mich tübtet, ein Heldenwerk euch geglüdt. „Run laßet los, mich ſchmerzen die Glieder ingemein Bon euerm Minnefcherzen: es bricht mein morſch Gebein.“ Do Dietrich fprach, der junge: „Sch laße dich, du Fant, Lebendig nicht von binnen, du ſchwörſt mir denn mit Mund und . Hand
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323 . „Das Schwert mir zu verſchaffen noch heut an vielem Tag Und dann uns hinzuweiſen, wo man die Rieſen mag Und ihre Schätze finden.“ Der Zwerg gelobt’ es gem: Da ließ ihn von dem Sattel der junge König von Bern. Mit ſchnellen Heinen Schräten ver Zwerg ins Didicht jprang; ir aber jagten fürber ben grünen Wald entlang Rah Vögeln und nad Fiſchen und fiengen mandes Etüd, Das währte bis zum Abend, noch fam der Zwerg nicht zurück. Tod als wir müde rubten in einem Felſenthal, Da ſahen wir ein Schimmern wie des Leuchtwurms Stral: Das war mit Nagelringen der. Heine Elbegait; Das Schwert war dreimal größer, doch hielt er’3 wacker gefaßt. Cr gab es Dietriden und ſprach: „Dort in der Schlacht, ° Da findet ihr die Riefen und eurer Kühnheit Frucht. ‚hr könnt da Waffen holen umb manches Kleinod, Bes nur dad Herz gelüftet; doch ift euch Mannheit wohl Roth, „Eh ihr fie mögt erlangen. Jetzt aber follt ihr mid Hinfort nicht wieder fangen und lebt ihr ewiglich.“ Damit war sr verihwunden und auch der lichte Schein, Ta rief mit lauter Stimme Herr Dietridy hinter ihm brein: „So weile doch, ich ſehe das Schwert ift gut und ſcharf; Mid müht, daß ich dem Geber ven Dank nicht fagen darf. Auch möcht ich gern erfahren, wenn es bir felbft bekannt, Der feine Pathen waren und wer ven Namen ihm fand.”
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, 324 Doch Niemand gab Antwort, es ſchwieg in Wald und Selb. Da unterbrach den Meifter Wittich der junge Helb. Er fragte Hildebranden: Das Schwert hieß Ragelring? — „So hie es :weift du etwa woher es Namen empfing?" — Mir mar, als ob ichs wüßte: vielleicht befinn ich mich. Der es hat gefchmiebet, war es nicht Elberich? Da ſprach Meifter Hildebrand: „So hat der Zwerg geſagt.“ Wohlen, jo kann ſichs fügen, daß ihr den Wißenden fragt. Mir warb gefagt, daß einft auch mein Bater Wieland Alles Schmiebens Gipfel bei biefen Zwergen fand; Bon Elberih dem Heinen und König Goldemar Exlernt’ er manch Geheimniſs, das noch verborgen ihm war. Daß er als Mimes Jünger nad Glockenſachſen kam, Das half ihm nichts, ala Elberih ihn in die Lehre nahm: Da galt was er ſchon wuſte für keinen Nagel werth, Umlernen follt! er Alles, was Mime je ihn gelehrt. Bon unten auf zu dienen zwang ibn der Heine Mann, Und verzog er eime Miene, fo fuhr der Zwerg ibn an: „Du dünkft dich im Schmieben wohl fchon ein ganzer Helb; Doch weiſt du keinen Nagel zu fchaffen, ver die Probe hält. „sch biete dir die Wette, kein Nagel hält ung Stich.“ Das mochte nicht ertragen Wieland von Elberich. Er ſetzte ſich zu ſchmieden und ſchuf auf Einem Sitz Eine ganze Kifte Nägel, die waren kantig und fpik.
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Als fie ber Biver erſchaute, ſprach er: Du bift geſchwind; Doch laß uns jet verfuchen ob fie mas nüße find. Sieh diefe Klinge leg ich auf die Nägel bin Und einen Stein darüber: nun laß fie liegen darin „Die Nacht bis an den Morgen und fchließ die Kifte zu, Behalte felbft den Echlüßel und fchlaf in guter Ruh.“ So that mein Vater Wieland; doch als der Morgen kam Und er die Kifte Bffnete, da meint’ er Thränen vor Scham. Bis auf der Kiſte Boden gedrungen mar das Schwert, Die Nägel all zerfchroten: nicht einen Ragel mwerth Bar all fein Nagelſchmieden. Er ſchwieg und fagte nichts; Doch nie verſchob ſich wieder eine Falte feines Gefichts, Was man ihm auferlegte, wie Hein es ihm auch fchien; Tod Ragel, hört ich, nannten ſeitdem die Elben ihn, Und jene ſcharfe Klinge hieß Nagelring fortan: Durch Nägel ringend fchuf fie zum Grund ber Kifte fi) Bahn.
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326 Neuntes Abenteuer. Wie Wittih Vie Räuber beftant. . „Bier fcheiden fich die Wege zur recht und linken Hand: Wie wollen wir nun fahren?“ ſprach Meitter Hildebrand. „Die Wege führen beive nach Garten und Bern, Doch Lang: und ſchlimm der Eine, wohl Niemand reitet ihn gem; „Der Andre kurz und beßer, nur ift die Schwiertgfeit: Er führt an ein Gewäßer, Pas ift fehr tief und breit. Hier kommt ein Strom gegangen, dort fällt ein Andrer drein, Man Tönnte nicht hinüber, wär nicht bie Vrüde von Stein. „Doch diesfeits der Brüde mit hoher Warte ragt Eine Burg, die allen Zugang dem Wanderer verfagt. Da haufen zwölf Räuber und heifchen einen Boll; u Ihr Hauptmann heißt Gramaleif, der fie befehligen fol. „Wenn wir durch Brixen reiten, jo beißt das fefle Schloß, So müßen wir ba laßen Waffen und Roſs, Und die fein willig geben, denn wer ſich maufig. madıt, Dem gebt es an das Leben: den Zoll hat Mancher gebradht.
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327 „Ta ift geringe Hoffnung, daß man uns fahren läßt, Denn wir nicht zahlen wollen was Webermuth erpreist: Bergebens hat fchon Dietmar und auch Herr Dieterich Die Burg verfucht zu nehmen, noch ftät3 behauptet fie fich. » „Wer nun die Kämpen zwänge, bem wär ein Heil gejchehn: ‚om lönnte weder Dieterih noch fonft Wer widerſtehn. Tod ift mein Rath, wir fahren auf biefem Wege nicht: Biel fichrer ift der Andere, der reine Bahn uns yerjpricht." | Tie Rede mahnte Wittih an feinen hoben Schwur. | Cr ſprach: „Mich dünkt, der kürzere geziemt und Degen nur; Tod mögt Ihre anders halten; Sch laufe nicht Gefahr, Denn ich bin fremd im Lande, man wird den Gaft doch fürtwahr „In Frieden laßen reiten.“ Da fprach der Meifter gut: „Wohlan denn, wir begleiten dich an die wilde Flut. Nagft du darauf eö wagen; doch ich beforge fait, Man wird dich wenig fragen ob bu heimiſch bift, ob Gaſt.“ Ta fuhren fie des Weges, den ihnen Wittich rieth; Tie Roſſe muften laufen, daß fie der Sporn nur mieb. Die Helden ritten trabend bis an ben Lauerwald: An Reifigen und Säumern geſchah ba vielfady Gewalt. v Denn dicht dahinter ragte die Burg mit hohem Thor Und auf gewölbten Bogen die Brücde ftolz hervor: Us Wittich das geivahrte, begann er: „Harret mein Der vor den Wald, ich reite voraus zur Brüde von Stein.
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328 „Wohl möglich, ich erlang es, daß fie uns ohne Zoll Hinüber laßen reiten, mie man den Fremdling foll Und feine Heergefährten; geftatten fie- es nicht, So laß ih es beivenden und bring euch treulich Bericht. „Sp konnen wir beratben was meiter foll geſchehn; Doch hoff ich noch, fie werben es willig zugeftehn.“ Sie baten ihn zu reiten unb rühmten feinen Mutb; Doc Einer war dem Degen im Herzen heimlich nicht gut. Mie er nun ritt von binnen, ba wurde fein gewahrt: Es ſahen von den Binnen die Kämpen feine Fahrt. Gleich ſprach der ftarfe Gramaleif zu den Gefährten wild: „Hier kommt ein Mann geritten und trägt einen großen Schild. „Der Schild will Mir geziemen, mein eigen muß er fein; Hat er noch andre Waffen, fo tbeilt eu, Freunde, brein.” Da ſprach ber freche Beifuß: „Der Frembling führt ein Schwert Wohl auch an feiner Seite, und ift es irgend mas werth, „So möcht ich es nicht laßen für noch fo großes Gut.“ „Ich will den Panzer haben,” ſprach Dralle, „der ift gut." — „Mir fol der Helm genügen, er fcheint mir nicht von Sturz,“ Rief Drütfchleer. „So käm ih,“ ſprach Bellftab, „mwieber zu kurz „Wenn er das Roſs nicht hätte: feht wie es trieft von Schaum.“ — „Sp wirft du mir doch gönnen ben Sattel und den Saum?“ Frug Spunting, fein Vetter. Doc der veryog den Mund. „Run zankt euch um den Bettel, ich weiß mir veichlichern Fund
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329 „Noch find die Panzerhoſen,“ rief Drtlof, „unvertheilt.” — „So habt ihr,” höhnte Stelzfuß, „doch all euch übereilt, Der Sädel muß mir werben unb was er drin verbarg.“ „Ran ließ mir nur die Kleider,” rief Spitz, „das ift doch zu arg.“ „Eo weiß ich,” klagte Ripphahn, „nichts übrig als den Spieß.“ „Muft du mir den noch nehmen,“ grollte Widerbrieß, „So foll e8 mir entgelten des Mannes rechte Hand.” „Dir bleibt der Tinte Fuß noch,“ ſprach Lingenhannes gewandt. „Und mir fein Haupt,“ rief Schlemmer: „ich komm erft jetzt zu Wort.“ Doch Beifuß ſprach: „Nicht alfo, das märe vergebner Morb. Die Waffen und die Glieder vertheiltet ihr dem Gaft: Gr kommt doch fchtwerlich wieder, menn ihr das Leben ihm laßt.“ Zu Beifuß fprach da Gramaleif: „Geh nun hinab felbbritt, Tu nimmſt den diden Bellſtab und den Heinen Dralle mit. Heiß ihn den Schild dir geben und jedes andre Stüd Die fie vertheilt find eben; er mag noch fagen von Glüd.“ Hin ritten die Gefellen zu Wittich. auf das Feld, „Willlommen, gute Männer,” vief ihnen zu der Held. Doch Beifup ſprach: „Mit Nichten bift du willlommen bier: Du muft uns Roſs und Waffen und der Hichten Kleider Bier, „Die rechte Hand auch laßen, dazu den linken Fuß.“ Da ſprach der kühne Wittih: „Unfreunblich ift der Gruß: Empfängt man alfo Bäfte? Go bünkt mich ſcheltenswerth Der Brauch in eurer Veſte. Doch gäb ich was ihr begehrt, [
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[4 3 „Was gebt ihr mir dagegen?" — „Wir öffnen bie das Thor Und ſchenken bir das Leben, vas mancher hier verlor.” — „So ift der Handel ungleich,“ rief Wittih, „nimmermehr Will ich fo theuer Taufen: ruft euern Häuptling hieher, „Daß ich fein Urtbeil höre.“ Als Gramaleif vernahm Was fie da unten ſprachen, erhob er fich und kam Mit allen feinen Kämpen geivappnet ver das Schloß; Willkommen hieß ihn Witti) von feinem ftattlihen Roſs. „Richt bift du mwilllommen, dein Gut ift all verteilt, Und Hand und Fuß nicht minder; nun gieb uns unverweilt Jeglichem das Seine; mir reich den Schilorand ber: Das ift mein Theil der Beute, fo will ich meiter nichts mehr.“ „Wo ift wohl je ergangen fo. feltiamer Gruß,“ Sprach Wittih, „ſolch Verlangen hat weder Hand noch Fuß. Sollt ich den Schild dir geben, das wär mir Ungewinn: Wenn ich nad Haufe käme und brächte keinen Schild dahin, „So fagte meine Mutter, den habe Dieterich Mir mit Gewalt genommen, den ich doch ſicherlich Mit Augen nie gefehen.” — „Nun gieb mir jchnell das Schwert,” Sprach Beifuß, „Mir gehört es, wofern es irgend was werth.“ „Du weift nicht, ob es gut ift,“ ſprach Wittih, „oder fchlecht, Und wenn du es erführeft, fo käm es zum Gefecht, Und das will ich nicht wünſchen. Dazu gefteb ih bir, Ich möcht es felbft behalten, denn ließ‘ ich Mimungen bier, \
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331 „Womit. follt ich wich wehren, wenn Dietrich mich beiteht? Und kaäͤm ich beim nach Norweg, ſo ſagte man: da feht, Er dat fein Schwert verloren, das tft ein rechter Held. Drum geb ichs nicht, im Ernfte, für keinen Preis in der Welt.“ Ta forderte den Banzer der Räuber Drütfchleer: „Ler brächte dich ins Harniſch, er drückte dich zu fehr.“ Ten Helm verlangte Dralle und Bellftab das Roſs, Ter dieß, der jenes heifchend kam all der übrige Trofe. Tod ruhig fagte Wittih: „Sch gäbe gern Beſcheid Jedem insbefondere; doch laßt ihr mir nicht Zeit. Trum hört auf einmal Alle mein kurz gemeßen Wort: Denn ihr nicht beßer bietet, fo geht die Waare nicht fort.“ „Bir find wohl rechte Memmen,“ hub da Beifuß an, „Taß wir bier ftehn zu zwölfen vor dem Einen Mann, Ter fpöttifch gegenredet: fchlagt mit den Schwertern drauf, So läßt er hier die Waffen und das Leben noch in den Kauf.“ Jählings aus der Scheide riß er die blanke Wehr, Gar ſcharf war ihre Schneide: da deucht er ſich ein Heer. Laut fholl des Schwertes Stimme auf Wittichs Helmbut; Tod diefer Helm hie Glimme und fein Gefchmeibe war gut. Co forgfam hatte Wieland gehärtet feinen Stahl, Nicht haftete die Klinge, man ſah auch kaum das Mal. Run war die Reih an Wittich, der gleich zur Seite griff; Doch wie der gute Mimung bie Lüfte gellend burdpfiff,
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332 Des Näubers Imker Achſel galt der geſchwungne Hieb: Da ftand ihm niches im Wege, woran er haften blieb. Die Schulter war zerfehnitten und quer durch Bruft und Herz Die Klinge fanft geglitten, noch fühlt! er nirgenb den Schmerz: Doch als fie bei der Leber heraus fuhr, ſchwarz und roth, Da mochte der Getheilte wohl merken, er fei tobt. Das obre Stüd ſank niever von dem gefchredten Gaul Und dann die untern Glieder. Die Anbern zeigten ſich faul Den grimmen Streich zu rächen, fie ftußten vor dem Mann; Doch bald zum Angriff fpornte Einer den Andern an. Sie zudten raſch die Schwerter und drangen ſcharweis ein; Bor Allen zümte Gramaleif, der mochte grimmer nicht fein. Mit beiden Händen ſchwang er ein mächtig Schwert empor, Wie ein Wüthrich drang er unaufhaltfam vor. Da fuhr herab und fchmetterte der ungefüge Schlag: Der traf fo Wates Enkel, daß fchier der Jüngling erlag. Zum Glüd, daß an dem Schilde ſich brach des Streiches Madıt, Sonft dunkelte wohl ewig vor feinem Blid die Nacht. Doch als Beſinnung Tehrte, wie bald er aufrecht ſaß! Da zudt’ er auf den Häuptling, der fi von Neuem vermaß, Das Schwert empor zu halten, einen wagerechten Schlag, Daß er entzweigeipalten am Boden blutenb lag: „Das habe ftatt des Schildes; der Rand ift mir nicht feil. Nun kommt ihr Andern alle und hohl ein Jeder fein Theil“ — — - —— ——
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333 Behntes Abenteuer. Bie Wittich fein Roſs Shimming verwettete Tod laßen wir fie fechten und jehn nad; Hildebrand, Der noch mit den Gefährten vor dem Walde ftand. Schon warb den guten Reden des Harrend Weile lang, Da fprach der alte Meifter: „Mich dünkt, das ift Waffenklang. Einen Schild hört ich hallen umb jchmeitern ein Schwert; Hätten fie überfallen den jungen Degen werth? Ta müften wir ihm helfen: geſchwinde, reiten wir, Der Edhächer find zwölfe, mich duldets länger nicht bier. „Nein Eid wär gebrochen, wenn ber Ueberkraft Der tübme Held erläge: ich ſchwor ihm Brüderſchaft. Und wärb ihm Sieg, wir büfsten es billig mit dem Tod: Er muſt es an uns rächen, daß wir ihn ließen in ber Noth.“ Da ſprach der ſtarke Heime: „Hört erſt meinen Rath, Und greift nicht unbefonnen zu übereilter That. Bir wollen binreiten und fehen, wie es fteht: Sat er das Gluck zur Seite, daß ihm der Sieg nicht entgeht,
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334 „So mögen wir ihm helfen, dabei iſt kaum Gefahr; Doch fügt es fi anders und fiegt der Räuber Schar, Eo laßen wird beivenden und reiten fchnell hindann: Was follten wir und wagen um den unbelannten Dann, „Der ung mit Nichten angeht? Unbündig ift der Eib, Wir nannten falfche Namen: mie hätt er Gültigkeit?“ „Pfui,“ ſprach der Meifter, „ziemt bir fol ein Wort? Hätt ich es nie vernommen! Es wäre meucelnder Mord, „Den Freund erichlagen laßen vor unferm Angeſicht Herdegen ſprach: „sch hoffe, fo meint es Heime nicht. Nicht gilt der Bund, doch wacher iſt es, ibm beizuftehn.“ „Das fol,“ verjehte Hübrand, „aus allen Kräften geſchehn.“ Da ſpornten fie Die Roſſe und ritten näher hin. Doch unterwegs ſprach Heime: „Nicht wär nad) meinem Sinn Brüberichaft mit biefem; der Burich iſt abnenftolz: Er ſchämt fi, daß im Dfen jeinem Bater Eiſen ſchmol,. „Wer einen Halbefel nach feinem Vater fragt, Dem wird bie rechte Märe fo bald nicht gefagt. Das Maul giebt ihm zur Antwort: Mein Dbeim war ein Pferd: Doch hat von feinen Dehmen Niemand zu wißen begehrt. „So bringt immer Wittich Neidingen auf die Bahn, Der fei fein Ohm gewefen und Wiling gar fein Ahn. Mas aber jagt der Müller? „Nie war fo träg und faul Der Ejel, der die Säde trug, als jener zeltende Gaul.”
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333 „Eo meß ih Schmied und König auch nicht mit Wittichs Map: Wielanden wird erfennen, wer Neibings längft vergaß.“ „Sr gedenkt auch feines Vaters,“ ſprach der Meifter mild, „Sahſt du nicht den Hammer unb die Bang auf feinem Schild ? Derweil hatte Wittich im Streit ſich wohl gerührt Und viel geſchwinde Schläge nad Dann und Nofs geführt. Ta fab man Wunden Hlaffen unb ftrömen bas Blut; Noch ſchwoll dem Jüngling höher der unbezwungene Muth. Schon lag der Heine Dralle auf feines Rofſes Baud), Im Sande wälzte Drütichleer den meingefüllten Schlauch, Dem freien Ripphahn platte das Eingeweid hervor, Spitz, der unfaubre, fragte fich noch verſcheidend am Ohr. Da fprang auch von der Schulter Spuntings wüſtes Haupt. Ten wollte Bellftab rächen und ſchwingt das Schwert und ſchnaubt, Ta fieht er im Geichwindichritt die drei Gejellen nahn: Ta war e8 um fein Schwingen und um fein Schnauben gethan. Selbfünfter gegenüber zwar ftünd er Feinden vier, Wenn er noch fechten wollte; doch fiegt die Klugheit bier: Er darf fich felbft befcheiden nicht zählen, und mit Zug . Gilt Wittich ihm für fieben, ver fieben Schächer erfchlug. Er wär ſchon eh geflohen, hätt er es gleich bedacht; Doch bat ers nun eriongen und reißt aus mit Macht, Die ſchnsden Raubgefellen ihm ſpornſtreichs bintenbrein. Ter Dide war ihr Hauptmann, drum floh er niemals allein.
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336 Sie fioben durch bie Veſte und hinten ungefäumt Aus zu dem Raubneſte, das fo die Sippſchaft räumt. Jenſeits erft der Brücke ſchauen fie verzagt Nach ver Burg zurüde verwundert, daß fie Niemand jagt. Da rief dem fchnellen Wittich Herbegen zu: „Du haft nicht Wort gehalten, Fühner Rede du, Uns au zum Tanz zu laden; nun find wir höchftens gut Die Todten zu begraben, die du fchlugft im herrlichen Muth.“ Da ſprach beranreitend Meiſter Hilvebrand: „Er dachte fortzuwalzen; das Liebrhen hielt nicht Stand. Wir haben Schuld, wir madten ihm bie Pferbe jcheu; Die kommen her jo balde nicht mehr gefahren ins Heu „Bas meinft du, Freund Heime, bat unfer Helb gepralt? Berbient wohl der Sölbling, daß man ihm Handgelb zahlt? Er iſt erft halb geworben: gereuet Wen ver Kauf? Nein, thät es Roth, ich legte noch einen Schilling darauf. „Wir fagten dir die Wahrheit, junger Weigand, nicht; Dir reinen Wein zu ſchenken, ift jet unfre Pflicht. Nicht Uto ift mein Name, ich heiße Hildebrand: Der warb bir wohl öfter als Dietrichs Pfleger genannt. „Herdegen heißt der andre, der Schwager Des von Bern, Und Heime ber dritte; ber. ritt auch einft von fern Daher fich zu verfuhen an König Dietmard Sohn Und warb fein Waffenbruber: das warb dem Kühnen zum Lohn.
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337 „Sol nun das Bünbaifs gelten, das wir wit Haud un Mund, Db unter fallen Ramen getheibigt, thu es kund: Wir wollens treulich halten; gar oft hat größe Kraft Ws wär fie angeboren, vie gekorne Beüberichaft. „Du bift in biefer Veſte nächten unfer Wirth Und Wir deine Säfte; in ihren Kellern wirb Wohl mande Tonne kegen, bes edeln Saftes voll: So trinten wir den Weinkauf, mie man ber Sitte nach ſoll“ „Sol ich in viefer Beite Burgherr werben heunt, Heran denn, meine Bäfte, ich lab euch ein als Freund. Wir wollen gleich beichauen die Kammern und ven Saal, Und gebricht es nicht an Allen, So foll ein monniges Mal „Uns wegmüden Gäften alsbald gerüftet ſtehn.“ Da giengen fie, die Keller und Spinden einzufehn. . Es fehlte nit an Speife noch an dem lautern Trank; Auch mar fo viel des Goldes, es jäh ein Auge ſich krank. „Wem in den Neifeichnüren nun übrig ift ein Raum, Der beife mir entführen den köftlidden Saum: Wir laßen bier nicht liegen das hervenloje Gut. Ein Koch war mein Vater, das kommt mir heute zu Gut, „Denn ich das Mal bereite.” Ich denk, er war ein Schmich,“ Sprach Hilbrand; „nun bör ich, daß er auch Krapfen briet.“ — „Als er den Zwergen diente, war Nagel ihr Koch; An Neivings Hof verftand er füh auf die Ra von noch. &imrod, das Amelungenlied. 1.
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338 „Er falgt. einft meiner Mutter ihr Lieblingägericht; Das follt ihr künftig hören; nur heut erzähl ichs nicht Wer forgt nun für die Pferde?“" frug der junge Held. Sprach Hilbrand: „Das fol Studas: fo mirds am Beften beftells.“ Er frug: „Wer ift Studas?“ Sprach Heime: „Das bin ich. Es ift mein rechter Name, das wißet ſicherlich. Sol ich bier Marfchall werben, ich bin dazu bereit; Es weiß mit den. Pferden auch Niemand beßer Beſcheid. „Das gilt wohl nicht von allen, bie Wette biet ich dir. Du führft nicht nad) dem Stalle, mein Roſs, das fanfte Thier.“ Damwider fprach Heime: „Was ift der Wette Preis?“ „Das ſei mein Schimming felber, das beſte Pferd, das ich weiß.“ „Sp ſetz ich meins dagegen: es ift ein edles Roſs, Es fiel von Baeunhilds Stute, von der auch Grani |proß. Den ritt der fühne Siegfried, der Helb von Niederland. Den Schimmel gegen Rispa, daß ich mit eigener Hand „Dein Roſs zu Stalle führe.” „Die. Wette geh ich ein,“ Sprach Wittih, „mögt ihr. Anvern bier unjre Zeugen fein. Doch muß ich jegt zur Küche. Wär nur ein Dritter noch, Der nad dem Weine fähel es taugt gar felten der Koch „Zugleich zum Kellermeiſter.“ „Der dritte bin ich gern,“ Sprad Der von Berchtoldsgaden, „wenn ihr den alten Herrn Als Kämmrer wollt beftallen: er fol das rothe Gold Uns in die Bündel fchnallen; wir find ihm Ale gar hold.“
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339 So theilten die Helden die Aemter unter fd; Sie zu verwalten mühte ſich Jeder forgfamlich. Da war in kurzen Stunden ein köftli Mal bereit, Sie ſetzten fi zu Tifhe und nutzten fröhlich die Zeit.
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Eilftes Abentener.- Wie die Wette unentſchieden blieb. „Uns munden wohl die Bißen und lieblich ſchmeckt der Wein, Der Koch foll gepriefen und der Stellner fein,” Sprach Hilbrand ber alte; „mo aber fchreib ichs hin, Der Marſchall ſchweigt fo ftille: konnt er fein Amt nicht vollziehn ?“ Da ſprach der ftarfe Heime, der Sohn Adelgers: „Sch muß es wohl befennen, unlang verfchiwiegen wärs, Nicht konnt ich nach dem Stalle führen Wittichs Roſs, Im Böfen noch im Guten; ob es mich höchlich verbroß, „Es wich nicht von der Stelle. In meines Vaters Haus, Der Brunhilds Stuten pflegte, hatt ich das voraus Bor feinen Knechten allen: fo ftörrifch war Fein Pferd, Kein Hengft fo übermütbig, ben ich nicht Sanftmuth gelehrt. „Bier aber ward zu Schanden meine Kunſt und meine Kraft. Möcht ich ihm mit Schenteln erweiſen Meifterfchaft, Und mit fcharfen Sporen, jo wär mir gar nicht bang, Zum Lamme follt es werben und gern fich fügen dem Zwang.
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341 „Das fchien es felbft zu fürchten, weil es niemals litt, Daß feinen hohen Rüden mein Fuß überichritt: Dreimal von dem Bügel warf e8 mich in den Grieß, Und rührte fo die Hufe, daß es mich garſtig zerftieh. „Da ließ ich in Frieden das freisliche Thier. Doc, verloren ift bie Wette, das erlenn ich bier. Dir Wittich muß verfallen Rispa mein Hengft: Es ift ein halbes Königreich, das in dem Gaul du empfängſt.“ Da ſprach im hoben Muthe Wittih, Wielands Sohn: „sch will dich nicht berauben: daran genügt mir fchon, Dap Niemand meinem Roſſe Meiſter ift. ala ich: Sich behalte meinen Schimming, du halte Rispa für dich,“ „Das heiß ich wohlgeſprochen,“ rief Meifter Hilbebrand. „Schimming,“ frug Heime, „wird dein Hengft genannt? „So ift noch unverloren, die Wette, die ich bot: ft es mein trauter Schimming, fo hat es wahrlich nicht Noth.“ Auf fprang er von dem Tiſche und lief aus dem Haus; Ihm folgten Herdegen und Hildebrand hinaus. | Eie wollten gerne ſchauen was mit dem Roſs ergieng: _ Gefeftigt ftand es draußen an der hohen Pforte Ring. Er trat heran, da ſcheut' e8 und bot ihm übeln Gruß. Es bäumte fih und fchlug ihn, der linke Vorderfuß Traf Heimes rechten Schenkel. Doc Er vertvand die Pein: „Mein trauter Schimming,” fprad er, „tote graufam magft bu doch fein,
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„Deinen Freund zu. ſchlagen, bein Sjugendgefpiel, Ihn, der in fchönern Tagen dir herzlich wohlgefiel. Erfennft du mich nicht wieder? Auch ih verfannte dich: Doch Schau nur, es tft Heime, dein trauter Stubas, bes bin ich. „Dich hat Brunhildens Stute gebsren und gejäugt, Auf Segard bat did Sieipner, Odins Hengſt, gegeugt, Das flüchtigfte der Rofie, das jemald Helden trug; Als dich die Biverge kauften, das war mir bitter genug. „Sieh, ob ich dich erkenne; auch mich erfennft du jetzt. Wie oft bat dir den Gaumen mein Honigbrot geleht, Mie oft bie gelbe Gerfte, die ich dem Vater ftabl; Wie hab ich fette Weiden dir gezeigt fo manches Mal, „Bo du nicht grafen follteft, weil hoch das Heu noch ftand; Mein Rüden entgalt es, wenn Adelger uns fand. Wer bettete dich weicher, war dir zu karg geitreut, Und ließ man dich verburften, mer bat mit Born dich erfreut? „Als einſt die Schabrade, die alte, ganz zerriß, Da war nad deinem Geſchmacke die Dede gewiſs, Die Studas dir verehrte: du blicteft ſtolz umber: Ein freudig Wiehern lehrte, der Schmuck behage dir fehr. „Run ſah ich, dir geliebe Glanz und reiche Pracht: Da wurben neue Bierden dir Tag um Tag gebracht, Bald filbernes Geſchirre, bald Glödlein goldnen Klangs: Du trugft den Naden höher und fehritteft ftattlichern Gange.
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843 „Da warft du mir gewogen, da ſpitzte fich bein Ohr Nach meinem Tritt, und Im ich, So fuhrft du froh empor. Du haft es nicht vergeßen, du wirft mir wieder bolb | Und zahlſt für frühe Dienfte mir heut mit Zinfen ben Solb.“ Indem er ſprach, allmählich wurde Schimming mild. Run fchien ihm aufzutauchen ein halb verjuntnes Bild, Er fcharite mit dem Fuße, Mähn und Schweif ſich ‚hob, Bis er den Freund zum Gruße mit den Rüftern zärtlich beſchnob. Des Augenblids gewahrte Saeudas, nahm den Baum, Und führt ihn nach dem Stalle durch bes Hofes Raum. Er löſt' ihm Gurt und Riemen, gab das Gebiß ihm frei, Und band ihn an die Halfter bi Kripp und Raufe lebig fei. Dann gieng er nach dem Hofe, wo er die Helden fand: „Haft du verforgt den Schimming?“ fragte Hildebrand. „Berforgt und gewonnen,” ſprach Heime zurüd, | „Die Krone der Hengfte: mir lachte freundliches Süd.“ „Behaupteſt du an Schimming,“ frug Wittih, „ein Recht?“ „Gewiſs behaupt ichs!“ Sprach er, „mein Eigenthum iſt echt. Ich führ ihn nicht zu Stalle, die Wette boteft bu, Der Wette Preis war Schimming: die Zeugen hörten ung zu." — „Und willſt du ihn behalten, jofern du ihn gewannft?“ „Ich weiß nicht,” ſprach Heime, „wie bu fragen kannſt. Wie ſollt ich nicht behalten das mwinbfchnelle Pferd? Das bieße übel ſchalten: ver Hengſt ift Königreiche werth.
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344 Da begann Herbegen: „So haft du argen Stan; Gab dir der junge Degen doch Rispa wieber hin. Du follteft dich fchämen, wenn je das Herz dir ſann, Den Ehimming ihm zu nehmen, bu unerlenntliher Mann.“ Doch Heime ſprach trotzig: „Mag wer da will fein Gut Verſchenken und. vergeben, fo ift mir nicht zu Muth. Und hätt je) Ermrichs Schäte, der Kaiſer ift zu Row, Doc würf ich meine Kuchen nicht in den reißenden Strom.” Da Sprach der alte Meifter mit fchattenden Braun: „Hältft du dich am Rechte, mwohlan, jo laß uns ſchaun Db wir als Schöffen finden. das Recht, das dir gebührt: So wird bir, ich wähne, ber Bündel Iofer geſchnürt. „Du felbft verlorft die Wette, bein Mund geſtand es ein: Sie ließ ſich mit Richten gewinnen binterbrein. Du ſprachſt: Dir muß verfallen Rispa, mein Hengft, Es ift ein halbes Königreih, das in dem Gaul du empfängft. „Da ſchenkte dir ihn Wittih, denn er ift gut und mild. Noch wuſt er nicht, du trügeft den Neidhart im Schild, Doc mag er widerrufen die Schenkung, nun ers weiß: Thu es, Wittih, thu es, es ift mein Rath und Geheiß.“ Doc Heime ſprach: „Wer bat dich als Richter erfannt? Du bift nit Schulz noch Schöffe, du heißeſt Hildebrand. Iſt hier ein Schulz vonnöthen, fo ſeis der Held von Bern: Die Schöffen, die er orbnet, erlenn ich willig und gern.“
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345 Da begann Herbegen, ein Entel Berchtold: „So mag mein Schwager richten, der junge Rede ftol;. Derweil behält Jedweder fein Recht ungeichmält, Bis Dietrich auf dem Mahlberg die Stimmen fammelt und zählt.“ „Nun feet,“ ſprach der Meifter, „eines Jahres Friſt: Dietrich darf nicht richten, wenn er heftig ift. Wittich will ihn fordern, das trübt ihm leicht den Muth: Beginnt der Held zu zürnen, fo weiß er nicht, was er thut.“ Da dingten die Jungen nad) des Alten Rath. Run war mit rothbem Schimmer ber Abend genaht. Da ſprach der Enkel Berchtolds: „Geftört warb unfer Mal, Reicht euch die Hände, Helden, und laßt uns ſchmauſen im Saal. „NRährt der Pferde wegen im Herzen Teinen Groll, Und fcherzt, wie Reden pflegen, wo man bedhern foll,” Sie reisten fih die Hände: vergehen war der Streit. Da ſaßen fie zu Tiſche und hatten fröhliche Zeit.
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346 Zwölftes Abentener, Bon Brunbilds Stuten und Dietrichs Rampf wit dem NRiefen. Man ließ den Becher kreiſen „und fchonte nicht den Wein; Ihr Schenle Hervegen goß ihnen fleihig ein. Mit allerlei Geſprächen würzten fie den Schmaus Und hellen Schimmer breitete die Ampel über fie aus. Da wandte fich zu Heinun Wittih und begann: „Sicht zum erjtenmale ſahſt du, junger Mann, Den fchnellen Schimming heute: ihr kanntet euch ſchon Tängft: Nun möcht ich gern erfahren, woher bir fund ift der Hengft. „Auch ſprachſt du, Königreiche fei die Mähre werth, Und Rispa nur ein halbes, dein afchgraues Pferd. Mein Ohr bat die Rede wie Gejang gelegt; Doc weshalb baft du höher mein Roſs als deines geſchätzt? „Das laß uns vernehmen, ivenn es bir nicht mijsfällt.” Da ſprach der ftarle Heime: „Nicht weiß ich auf der Melt Ein befer Roſs ale Schimming, fo weit die Sonne fcheint. Ein Jeder lobt das feine; fo bin aud) ich nicht gemeint
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"347 Nispa zu ſchmaͤhen, der Schimmings Bruber ift Mutterhalb, no Falken, den Dietrich, wie ihr wißt, Bon Bern der junge König, aus meiner Hand empfieng. Vollbrüder find die beiden, auch ift ihr Werth nicht gering; Doch nur ein vierter Bruder ift Schimmingen gleich, Bon Vater und von Mutter an aller Tugend reich. Die vier hat Brunhilds Stute geboren und gefäugt; Doch Sleipner nur die beiten, Grani und Schimming gezengt. Denn der vierte Bruder ift Siegfriebs edles Roſs, Granit, der Difa und Sleipmern entfproß, Ein Vollbruder Schimmings, auch Er wie Vögel leicht: Kein Roſs wird gefunden, das ihm und Schimmingen gleicht. Biel ift in deutihen Zungen von Brunhild der Maid Geſagt und gefungen, tie fühn fie war im Streit. Eie gieng von Haupt zu Füßen gebüllt in blanlen Stahl: Da kürte fie Odin in feiner Schildmädchen Zahl. Walküren reiten bemwehrt durch Luft und Meer, Auf Fühnen Wollenroſſen ftürmen fie einher, Licht firalt von ihren Spießen und Funken fprühn aus Nacht, Wenn fie die Helden fiefen, die blutgen Opfer der Schlacht. Bon den Mähnen ihrer Roffe befruchtend träufelt Thau; Doch oft zerfchmettern Schloßen die Hoffnung der Au. So weben fie Geſchicke und ihre Schule raufcht Berborgen jedem Blide, von keinem Ohr noch belauſcht.
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348 Mer aber Odins Mädchen im Grimm der Schlacht gefällt, Dem küſst fie die Wangen und fchön erliegt der Helb. Sie führt ihn gen Walhalla zu hoher Bäter Schar, Sie reicht mit holdem Gruße den Meth im Beer ihm dar. Als Din Brunbilden zur Krieganorne Tor, Da that fie e8 an Kühnheit den Schweftern all zuvor: Sie fuhr unerfättlid von Krieg daher zu Krieg Und Königreiche zitterten, wenn fie das Schlachtroſs beftieg. Idhr ftand am Friefenmeere bie Burg, die Segarb hieß, Wo fie auf fetten Marfchen ihre Stuten weiden lieh, Die wie die Bögel flogen; vater: und mutterhalb Bon edelm Stamm gezogen, weiß, grau, braun ober falb, Doch ſtäts von einer Farbe. Da fah man auch die Zucht Der muntern Fohlen grajen, berühmter Roſſe Frucht; Dazwiſchen muthge Hengfte, beides, fchön und groß, Zu Allem abgerichtet, ſchnell wie ein Habicht im Stoß. Brunhildens Stuten pflegte mein Bater Adelger; Mit Roſſen umzugehen verftand fein Mann wie er. Nie einen Hengft befchreiten wollte die ftolge Maid Eh fie für König Gunther der kühne Siegfrieb gefreit. Das ſchuf meinem Bater herrlichen Gewinn. Er hatte jo gebungen mit der Königin: Was männlichen Geſchlechtes von ihren Stuten fiel, Das follt ihm angehören. Brunhilden deucht es nicht viel,
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348 Tod konnt es ihm genügen, er ward ein reicher Mann. Heil was er Tonnen Goldes für manchen Hengſt gewann! Ein ganzer Hort alleine Fam in der Friefen Sand Durch Brunhilds Beblingsftute, die Difa wurde genannt. Der erfte von den Hengften, der ihr von Odins Nof3, Dem achtgehuften Sieipner auf Segarb entiproß, Denn oft befuchte Hnikar die ſchlachtenfrohe Magd, War Grani der wilde: der wurde Mimen zugefagt Für Fafner, feinen Bruder. Ihr börtet von dem Schmied, Der Siegfried den fchnellen in den Wald beichied, Wo brütend über Schäßen ber giftge Drache Ing: Da gewann ber Held ven Grani und den Hort mit Einem Schlag.- Schwer hatte meinem Vater Mime das Roſs bezahlt Und doch nur halb vergolten; ich ſag es ungeprahlt. Der andre Hengft, den Diſa von Sleipnern empfieng, Ihr habt es oft vernommen, mar der gute Echimming. Den wog uns auf mit Golde der Heine Elberich. Bon dem erhielt ihn Wieland, dein Bater, ſicherlich: Daß er den Zwergen diente, baft du uns heut erzählt. Hernad wurde Difa einem andern Hengfte vermäblt Bom evelften Geblüte, dem fchnellen Windalf: Bon Dem ftammte Rispa, der mir verfchmerzen half Um ben verfauften Schimming ber jungen Seele Bram. Scyier wärs mein Tod gemeien, als ihn der Vater mir nahm.
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30 Der Freund, mit mir erwachſen, von einem Zwerg ſoweit Entführt nach Glockenſachſen, das war ein Herzeleid. Doc hatt ichs halb verwunden, mar weiß wie Kinder find, Und als mir Nispa wurde, ſchlug ich es gar in den Wind, Doech heute freilich brachen verharichte Wunden auf Und fchiver wird mir zu warten bis zu: bes Jahrs Verlauf. Auch hätt ich nie gewilligt in fo geraume Frift, - Müft ich nicht, Daß billig Dietrich und mir günftig iſt.“ Doch Wittich verſetzte, der Degen kühn im Streit: „Unbillig wärs zu richten nach Gunft und Billigkeit. Recht wird Dietrich ſprechen, ob es dich freut, ob Fränkt: Er giebt bir nicht den Schimming, weil du ihm Falten geſchenkt „Do daß der Etreit nicht währe, fo ſprich wie es ergieng, Daß Der von Bern die Mähre aus beiner Sand empfieng: Auch haft du dich gemeßen mit König Dietmars Sohn Und wardſt fein Waffenbruber, das ward bir Kühnem zum Lohn. „Du weiſt, ein gleich Gewerbe führt nun Mich nad Bern: Wie du den Strauß beitanveft, das vernähm ich gern. Sch gäbe was ich hätte und wärs ein Thurm vom Geld, Mär Uller nicht minder, der Bott des Zweikampfs, wir hold.“ — „Mir war er ungewogen, in Strömen flo mein Blut: Dietmars Sohn befteben, das ift ein Uebermuth. Doc will ich erft erzählen mie ich nach Bern gerieth Zu den Amelungen. Ich hörte fingen ein Lieb
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h 351 Bon Fahrenden und Blinden,“ das alfihärts wieberllang, Wie Dietrich und fein PBleger im der Miefen Höhle drang. Als Hildebrand: vun Hilden überwunden war, „Hilf mir, Dietrich,“ rief er, „nie ſchwebt ich fo in Gefahr.“ Eie hielt die breiten Kniee geftemmt auf feine Bruſt. Da lag der gute Meifter des Lebens unbewuft: Hilde wollt ihn binden, der Niefin Kraft war voll; Sie prüdt ihm fo die Hände, baß Blut den Nägeln entquoll. Da vernahm Herr Dietrich feines Pfleger Noth. Der Held begann zu zümen: da fprühten Funken roth Aus feinem Mund, er rauchte wie bürres Birkenholz, Zulegt er Flammen hauchte, daß Erz und Eifen zerichmol;. Greins feiter Harniſch wurde don feinem Athem weich. Da ſchwang er Ragelringen und hieb ihm einen Streich ‚ Daß auf den Boden wirbelte des Ungefügen Haupt; | Der Rumpf fiel zur Erden und war des Sinnes beraubt. Geſchwinde ſprang da Dietrich Hilbranden zu: Er ſchwang fein Schwert und theilte der Niefin Leib un Nu. Was morht es aber helfen? noch lebte jeder Theil, Es fügte fid zum Andern und Hilde war wieder heil. Das Wunder deucht ihm wunberlich: da Hang aufs neu fein Stahl; Doc einte das Getrennte fich gleich auch dieſes Mal, „Teitt fchnell mit beiden Füßen,“ vief da Hildebrand, „Zwiſchen Haupt: und Fußſtück ſobald ſie liegen im Sand:
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352 „So hat der Epul ein Ende.“ Dem folgte Dieterich. Unb aber durch die Riefin ließ er. bebenbiglich Die ſcharſe Klinge faufen: mit gleichen Füßen Iprang Er zwiſchen beide Stüde, daß ihr Verein nicht gelang: Ta lag dad untre regungslos, das Hauptftüd aber ſprach: „Grein, lumpge Vogelſcheuche, über Di die Schmach! Wenn den unbärtgen Anaben deine Hand zu Boden riß, Wie Ich Hildebranden, jo war der Sieg uns gewiſs.“ Da hört’ e8 auf zu leben, das rotbe Blut entſchoß. Bom Boden hob den Meifter fein junger Kampfgenoß: „Run hab dir meines Lebens Dank: ih war am Biel.“ Sie fanden in ber Höhle der guten Kleinode viel. Ein Helm war darunter, jchön und ſtark und bicht, Man fänd in allen Reichen feines Gleichen nicht: Er mocht in Glodenfadhfen wohl geſchmiedet fein. „Wie ſollen wir ihn beißen? Sein Name fei Hilbegrein.“ Die Märe hört ih fingen. Hier iſt nun Hildebrand: Nun fag ung, ift es Wahrheit oder eitel Tanp? Er ſprach: „Ich Tann nicht wißen genau, wie e8 geſchah: Ste hat mic) fo zerihmißen, daß ich nicht hörte noch ſah. „Ich ſpüre noch im Kopfe, gemahnt es mich, den Saus. Wer fpricht auch von Streiden in bes Gehängten Haus? Hein ftill davon gefchiviegen, wählt andern Zeitvertreib! Ich will nicht Kopfweh kriegen: es war ein freisliches Weib.“ |
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Dreizehntes Abentener. Bon Heimes Zweilampf mit Dietric. Die Helden alle ladhten, und Heime ſprach: Noch viel Hört ich von Dietmars Sohne, das meinem Sinn gefiel. Wohl bieß e& auch, er flamme von einem Nachtgeiſt ber i Und nicht von Mannes Samen; das wog mir aber nicht ſchwer. Da nahm ich eined Morgens Blutgang mein Schwert, Das Mime hat geſchmiedet, der gute Meifter werth, Zog Rispa aus dem Stalle, mein afchgraues Roſs, Und weckte meinen Vater, der noch des Schlafes genoß. Da ſprach ich: „Diefes Lebens bin ich herzlich fatt: Sol ih mich hier verliegen, two Niemand Muße bat Einen Schaft mit mir zu breden? Man fchügt Gefchäfte vor; Wer je ein Glied, ein Auge nur durch mich im Buhurd verlor, „Verſchreit mich um den Bettel, und ein gemein Gerücht Schildert mich ala boshaft, fo feig ift das Gezücht Diefer Schlotterbäuhe mit ihrer Zwillingstracht! Auf Hafen und Gäuche, da mad ein Anderer agb. Simrod, das Amelungenlien. 1. 23
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„Nicht Sol mich alten fehen dieſer Kaninchenwald. Drum laß es geichehen und gieb mir Urlaub bald: Erlauchter Männer Sitten erfahr ich in der Welt; Und wenn ih Ruhm erftritten als auch ein anderer Helb, „So mag es noch fich fügen, daß du mich wiederſiehſt.“ Da Sprach mein Vater Abelger: „Wenn du von binnen ziebft Und mir nicht länger büteft den Hof und das Haus, Wohin denn willft du fahren, mein junger Obenbinaus?“ Sch ſprach: „Da fol im Süden die Burgfein, Bern genannt, Die wehrt der Degen Dietrich mit fraftuoller Hand. Das möcht ich gern erproben, ob er mir ebenſtark Im Fechten ift und Kloben und wie er reitet fein Mark.“ Doch höhniſch fprach mein Vater: „Nun ift mir boch gefagt Bon Dem von Bern, wie body er ob allen Helden ragt. Behalte du die Braufchen, die er dir jchlägt, für dich; Sch will nicht mit dir taufchen, bein Webermuth ärgert mich. „Du haft den mäßgen Kräften das Ziel zu hoch geftedt: Mac dich nicht zum Käuzchen, fo wirft du nicht genedt. Du denkſt ven Mond zu röften zu deinem Abendſchmaus; Dein Durft fei groß, fo trinfft du die Norbfee dennoch nicht aus.” Das ließ ich mir nicht bieten. „Du heißeſt Adelger: Wie kommſt du zu dem Namen?“ ſprach ich, „er past nicht fehr: Unrühmlich ift dein Treiben und Inechtifch dein Sinn; Sch aber ftürbe lieber bes Todes, wie ich da bin,
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355 „Sollt ich nichts Beßres werden als Du bift auf der Welt; Adler wird nicht fangen wer nur nach Droſſeln ftellt. Nun zähl ich zwanzig Winter und Dietrich halb fo viel, Und ihn beftehen wäre mir zu hoch geftedt das Biel? „Ich bin der Schuft mit Nichten, für den ihr mich verkauft; Das lönnen dir berichten Die fi mit mir gerauft.” Da wandt ich ihm den Rüden und ritt davon im Zorn; Doch Rispa mufte fühlen den Icharfgejchliffenen Sporn. Nun ritt ich Iange Wege, über gebautes Land Und über ungebautes, wo dürre Haibe ſtand. Bald zwilhen Sumpf und Wiefen den fchmalgewundnen Pfad Und bald durch tiefe Wälder, die faum ein Yuß noch betrat. Und weiter ſah ich blinfen die Höhn im ewger Schnee Und Gletfcher niederfinten eine fehollenftarre See. Hier rannen ſchon die Waßer dem fchönen Etfchthal zu, Und als ich Bern erritten, dba gönnt ich doch mir nicht Ruh: Ich trat am felben Tage in König Dietmars Saal Und ſprach zu feinem Sohne vor den Helden allzumal: ‚ „Herr Dietrich, euer Name kam uns zu Ohren längft Und fern daher getragen hat mich mein ſchäumender Hengft, „Daß ich dein Antlig ſähe, und wiße ſicherlich: Groß und ungeheuer geichaffen dünkt es mich. Doch dieß ift mein Geiverbe, kein andres hab ich bier: Willſt du die Kraft verſuchen und deine Waffen an mir,
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356 — ñ— — — „So fordr ich dich zum Zweikampf auf dieſen Tag vor Bern: Da will ich in der Rennbahn dir begegnen gern. Der ſoll des Andern Waffen gewinnen und ſein Roſs, Der ſich im Kampf bewährte des Gegners Uebergenoß.“ Der Rede zürnte Dietrih: verwegen fchien ber Mann, Der unerhörte Worte redete bigheran. Mie ein Meerwunder ward ich angegloßt; Ihm Zweikampf zu bieten, fo hatte Niemand getroßt Bon Bern dem jungen König in feinem eignen Haus. Doc Dietrich fprach: „Ich meigere keineswegs den Strauß. Bringt mir Roſs und Waffen! Doc das vermuth ich faft, Es bat fich großes Unheil an den Hals gerebet der Gaſt.“ Da brachte man dem Degen fein Roſs, fein Eifenkleid, Die guten Panzerhofen, den Harnifch tief und weit. Da fah ich Hildegreinen: er ſchwang den Helm aufs Haupt, Den er mit Hilbrands Hülfe dem NRiefenpaare geraubt. Dann fchnallt’ er um die Hüfte den guten Nagelring; Der Held war hohes Wuchfes, doc zu den Sporen gieng Des Schwertes Drtband nieder. Sie reichten ihm den Schild: Da Stand in weißem Felde eines goldnen Löwen Bild. Die vorgeftredten Branken rührten fchier den Hand, Denn auf den Hinterfüßen ver Löwe fchreitend ſtand. In meinem Schilde jagte mit bleicher Farb ein Roſs, Das Männiglihem fagte, weldem Bater ich entiproß. —m — — EEE ——— — m m. m A üV
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357 Man jah diefelben Zeichen in unfern Bannern wehn, In Wappenrod und Sattel Roſs und Löwen ftehn. So faßen wir zu Pferde und ritten nach der Bahn; Das Volk lief in Scharen, den Kampf zu jchauen, voran, Und viel der edeln Ritter folgten unjerm Zug: Man öffnete die Schranken und ließ ung Raum genug. Da rannten wir zufammen und ftießen Eper auf Schild: Die beiden Schäfte fplitterten, die Hengfte trugen uns wild Borüber an einander, doch eitel war der Stoß; So blieb aud) unentjchieven beim zweiten Gang das Looß. Doch jebt ‘beim britten rüften mir ung mit ganzer Macht Jedweder den andern in den Eand zu fireden bedacht. Da ftieß ich jo gewaltig auf feinen Schild den Schaft, Das gute Stahlgefpänge wich feiner Kraft, Und tiefer drang das Eifen an Dietrichg Hand vorbei Und fuhr ihm auf den Harniſch: da brach der Sper mir entzivei. Mir aber ftach der Degen den Spieß im jelben Gang Eo tief durch Schild und’ Panzer, daß rothes Blut entiprang. Sp kräftig war geritten zumal der Rede ftart, Daß auf die Hinterbeine fich kauzend legte fein Marl Und feine Sporen Furchen rißen in das Feld; Doch wankt' er nicht im Sattel, fo herrlich ſaß der Helb. Uns waren beide Schäfte zerbrochen in der Hand: Da ließen wir das Etechen und fprangen ab auf den Sand.
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398 Die guten Roffe zogen die Knappen aus der Bahn, Den Kreiß fchloßen enger Die uns da kämpfen fahn. Da zudten wir die Schwerter und fchlugen manden Schlag, Daß wie geftreut am Boden die Saat der Eifenfpäne lag. Der Degen ſchwang nur läßig den guten Nagelring; Doch wuſt' er fich zu decken, daß mir Fein Streich verfieng. So lag er hinterm Schilde und drang nicht auf mich ein, Sein Geift ſchien fern zu fchweifen, er blidte träumeriſch drein. Nun hatt ich jagen hören in meinem Heimatland, Schredlich fer im Zorne derſelbe Weigand. Das dacht ich zu verfuchen und bieb aus aller Macht Ihm auf den Helm, daß Funken entſtoben leuchtender Pracht. Das mar doch all vergebens, ver Held gelaßen blieb. Da wollt ich ihn erzürnen mit einem zweiten Hieb: Sch doppelte die Kräfte und fchwang nach gleichem Biel Einen Schlag, der wie ein Blisftral auf feine Sturmbaube fiel. Da brach an Hildegreinen Blutgang mein Schwert Dicht über dem Gefäße. Da ftand id} unbemwehrt Und mufte mich ergeben in Des von Bern Gewalt. Zugleich empfand ich jetzo der Wunde klaffenden Spalt, Den in die Eeite flüglings mir ſtach fein ſcharfer Sper. Doc, fchonte meines Leben der kühne Degen hehr; Auch wollt er mir die Waffen nicht rauben, noch das Roſs, Und weil er wohl erfannte, wie mich der Unfteg verdroß,
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359 Sp rühmt' er meine Stärle und unerkhrodnen Muth. Nie ritt ein Degen, ſprach er, fein edles Roſs fo gut. Das wollt ic) ibm vergelten und ſprach: Du bift ein Helb: Der ift noch ungeboren, der bir den Steigbügel hält. „Ein fcharfes Schwert auch führft vu und einen Helm fo hart Als je von einem Degen im Sturm getragen ward. Der Schild ift wohlgeſchaffen, der Harniſch tadelfreig Tod ein fo guter Degen und großer König dabei, „Was reiteft du gefliken den elenden Hengit, Unmädtig dich zu tragen, wenn du den Stoß empfängft? Ich weiß dir einen befern, ver erft drei Winter zählt, Er ftammt von Vrunhilds Stute, die Sleipnern wurde vermählt: „Kommit du auf feinen Rüden, fo magft du wenn e3 gilt, Den ftärkften Stoß empfangen und auf des Feindes Schild Zugleih den Schaft zerbrechen mit kraftvoller Hand: Das will ih dir veriprechen, und fete mein Haupt zum Pfand, „Das Roſs wird dir nicht weichen, dein ſtarker Arm erichlafft Dir eher unter Streichen, als ihm verfagt die Kraft. Es ift der Bruder Rispas, auf dem ich felber ritt: Kein Kaiſer darf fich ſchämen, wenn den fein Fuß überfchritt. „Dieß Pferd will ich dir fchaffen, jo bift du wohl bedacht.“ — „Wohl hatt ich,” fprach der Degen, „deines guten Roſſes Acht, Und fannft du mir eins bringen, das ihm an Stärke gleicht Und unter meinem Sattel in Sturmes Härte nicht weicht,
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360 „Daß ich um nichts zu forgen braude, denn um mid, So mag bir ſtäts gewogen bleiben Dieterich. Du follft von meinen Mannen der liebfte Freund mir fein, Niemand ausgenommen als Meifter Hilbrand allein.“ Das lang mir in die Ohren fo füß wie Honigfeim: Sch gab dem Roß die Sporen und ritt nad) Segarb heim. Bon mein Vaters Stute wuſt ich ein Füllen ba, Drei Winter alt, und ſchöner als je ein Hengft, den ich ſah. Er war gebeißen Falle und Fallenfchnell im Lauf: Den zog ich aus dem Stall. Da fah mein Bater auf Und ſprach: „ES ift ergangen tie ich vorbergefagt, Du baft dein Roſs verloren: das hat dir Dietrich abgejagt; „Run kommſt du es zu löfen mit meinem beten Gaul.“ sch aber Tieß ihn reden, zu jever Antwort: faul. Fort ritt ich mit dem Hengfte zu Dietmars kühnem Sohn: Dem ward er zum Geſchenke und feine Gunft ift mein Lohn. — — — — — —
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361 Vierzehntes Abentener. Bon Wittichs Nornenrand und wie Rother Boten fdhidte. Da ſprach Meifter Hildebrand: „Er hat ein gutes Roſs; Doc beßer, fagft du felber, fei Schimming, Sleipners Sproß. So ift auch ſcharf und ſchneidig Nagelring das Schwert; Doch ſchneidiger und fchärfer bat Mimung heut ſich bewährt. „sch babe wohl betrachtet die Wunden, die es fchlug; Zieht ihr es unbeadhtet? Der Mond fcheint hell genug, Ihr mögt fie jeßt noch fchauen: geht und bewundert fie: Sie find gar gleih und eben, ſo jaubre Schnitte ſah ich nie. „Man rühmt vor allen Helmen Dietrichs Hilbegrein; Doch mag nicht fchlechter Glimme, Wittichs Sturmbut, fein: Als heut die frechen Räuber beftand der Degen kühn, Da ſah ich Gift und Geifer den Lindwurm tiber fie ſprühn, „Der von dem Helme kämpfte. Die Waffen all find gut, Die dir dein Bater fehmiedete, brum ſei du hochgemuth. Nur ſäh ich gerne näher den feften Schildesrand: Mas du für Zeichen führeft, das ift mir noch unbelannt.
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„Zwar weiß ich in der Mitte Hammer und Bange ftehn; Doc reich ihn ber, fo mögen mir ihn genauer jehn.“ Da hoben fie die Echüßeln hinweg mit Fleifch und Fiſch Und Wittich kam und legte den Schild dafür auf den Tiſch. Den batte fchön gebildet der weiſe Elfenfohn: „Die Wappen auszulegen,“ ſprach Hilbrand, „wüſt ich ſchon: Das Werkgeräth bedeutet deines Vaters Kunſt, Und drei Karfunfelfteine glühn bier in feuriger Brunft, „Und melden, deine Mutter fei eine Königin. Drei gleiche Kreiße füllen die Fläche meiterhin, ‚ Einer um den andern, in jedem Bild an Bild: Die kannſt du wohl erllären? wie ziemte fonft dir der Schild!“ — „sch babe lang gefonnen; body iſts der erfte Kreiß,“ Sprach Wittih, „alleine, den ich zu beuten weiß; Da ſeht ihr Thors Fahrten, des Aſen, vorgeitellt: Der Starke ſchwang den Sammer ein Schmied zugleich und ein Held. „Die bat der Schmied, mein Vater, mir in den Schild gefekt, Daß mir das Werkgeräthe nicht Jemand unterichäßt. Urda, die Nome, ein Weib vor Alter grau, Ragt hier vor dem Hochſitz, und eine jüngere Frau „Im ziveiten Kreiß, Werdandi, und dort im britten Skuld; So jung und fhön ift diefe, man würb um ihre Huld. Taher des Schildes Namen: ich hieß ihn Nornenrand, Denn jeder von den Kreißen iſt einer Norne verwandt.
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„Der um das Werkgeräthe zeigt Thaten grauer Zeit; So dent ich, war der zweite ber Gegenwart getveiht; Im Schooß der Zulunft ruhen des dritten Bilder noch. Wer fie enträtbfeln könnte! denn reigend dünkt es mich doch, „Schon heut voraus zu wißen was morgen foll geichehn. Mein Bater, heißt es, habe gar viel vorher gejehn: Hier hat er die Gefichte mir in den Schild gedrückt; Es wird fi bald erweifen ob er mit Trug ihn geſchmückt.“ Ta fprad der gute Meifter: „Mich dünkt, ich fehe Mich Hier in dem mittlern reife: ich bin es, ficherlich, Und dieß der alte Berchtold mit feiner Söhne Schar; So hab ich ausgeſehen, als ich ein Züngling noch ar. „Hier theilt der treue Edart des andern Edart Looß, Und Ute fegt unſchuldig den Fuß in Rothers Schoof. Das ift ja Rother Brautfahrt in der Heunen Land: O ſchöne Beit! die trägft du, Gefell, in deinem Schilbesrand? „Wohl hat der Elfentönig bier feine Kunft bewährt, « Der Schild ift unter Brüdern taufend Marken werth. Wie alles nad) dem Leben zu fchildern ihm gerieth! Und war doch nicht zugegen, der unvergleichliche Schmied.“ „So waret ihr zugegen?” frug der junge Help. „Es mwird fo viel gefungen davon in aller Welt, Und auch fo viel gefabelt, mich- dünkt es allzubunt; Doch hört ich gern erzählen aus mahrbeitsliebendem Mund.
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364 „So könnt ich auch die Bilder verftehn in meinem Schild.“ „Ich will fie dir erklären,” ſprach Hilbrand, „Bil für Bild. Das tft dir feines, wett ih, das ich nicht deuten Tann, Denn ich war jung und allwärts noch mit dem Yühlhorn voran. „Auch gab ich ven Augen und Obren wohl die Koft Und fcheute weder Hite noch des Winters Froſt. Durch Schauernächte fuhr ih vom Sturm unerfchredt; Dft bat uns in Monden Fein ruföger Ballen bebedt. „Sol ih den Kreiß dir deuten? rück näher her zu mir: Sogleich fteht lebendig die alte Zeit vor bir.” Doch Herbegen warnte: „Das ift für heut zu fpät, Er weiß fein Ende, wenn er auf foldye Dinge geräth. „Der Tag ift vergangen, die halbe Nacht dazu, Und fit ihr hier noch lange, fo leg ich mich zur Ruh.“ „So fchlaft denn, ihr Verfchlafnen,“ fiel der Meiſter ein; „Ihr werdet doch in Garten meine Gäfte morgen jein: „Will es da Wittich hören, ich leg ibm Alles aus: Da dürft ihr uns nicht ftören, es ift mein eigen Haus. Dafür foll Er erzählen, wie Thor den Hammer ſchwang: Die Aſen und die Wanen vergaß ich leider ſchon Lang. „Wir find getaufte Chriften und glauben Einen Gott, Dazu viel taufend Teufel: das ift ein arger Spott, Die Götter unfrer Väter, daß man die Teufel fahilt! Nun geh du auch zur Ruhe und laß mir bier deinen Schild.“
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365 „ Berichieb es nicht,“ ſprach Wittih, „noch ſpür ich keinen Schlaf; Froh bäng ich dir am Munde, daß ich den Zeugen traf, Der gründlich Tann berichten, was ich nur halb vernahm. Dft war ich meiner Mutter, daß fie es iveigerte, gram, „Don Rothern zu erzählen, der einft ihr Bräutgam hieß; Doc nicht ihr Gatte wurde, da fie dag Glüd verlieh. Die andern mögen fchlafen, ch laufche deinem Wort. Wer fteht denn mit der Harfen guf dem erften Bilde dort Bei dem alten Manne mit ellenlangem Bart? Und droben auf dem Schiffe ftehn Helden viel geichart Und winken wie zum Abſchied, dba der Wind ind Segel bläft.“ „Das ift der König Rother, ver feine. Boten entläßt. Meiner Oheime ſieben fandt er aus; Dazu fünf reihe Grafen; die jollten ihm ins Haus Die Schöne Ute werben; ver König war ihr hold Und mwolt es ihnen lohnen mit feinem Silber und Gold, Der Boten fiebft du zwölfe, die er nach Heunland fchidt Zu Melia dem König, der ſtolz vom Hochſitz blickt Hier auf dem zweiten Bilde Zwölf Ritter ftolz und hehr Hatte jeder Bote: fo fuhren fie über Meer. Doch eh die fühnen Boten fchieven aus dem Land, Da ließ er feine Harfe tragen an den Strand Und griff eine Weife: holdſelig war ihr Klang: Ver fie einmal hörte, ver behielt fie lebenslang.
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Da Sprach er zu den Schnellen: „Kommt ihr je in Notb, (Die Welt hat viel Gefahren: mer weiß mas euch bebrobt?) Eo laßt euch diefe Weife tröften Herz und Sinn, Und hört ihr fie erklingen, fo wißt, daß ich nicht ferne bin. „Nie bat ein Ohr vernommen bis heute diefen Ton: Ich hab ihn felbft erfunden.” Meine Kehle bat fie ſchon Vergeben, Rother Weife; auch ward fie viel zu raub; Doch Hornbog kann fie blafen, der dort fich dehnt auf feiner Strau. Dft hat fie ihm gefungen fein Bater Berchtold, Der alte, nicht der junge; der war auch Rothern hold Und half die Botichaft werben in der Heunen Land.“ Da ftörte Herdegnen im Schlaf der alte Hildebrand, Der fich verbroßen fträubte. „Nun laß den dummen Zorn Und blaf uns Rother Weife auf deinem krummen Horn.“ Wollt er Ruhe haben, fo muft er fich barein Ergeben: Rothers Weife blies er ber laufchenden mein. „Run laß uns aber fchlafen und ftör uns weiter nicht. Meines Bettgenogen Schlaf ift feit und dicht: Kein Laut drang meines Hornes zu Heimes Trommelfell: Wohl tft zu beneiven folch ein junger Gefell.“ „Das andre Bild des Feldes erkläre du mir ikt; Alfo das ift Meliad, ver bier jo drohen fit?“ Da ſprach der alte Hilbebrand: „Wie ich dir fchon gefagt, Cr zümte Rothers Boten, daß fie die Reife gewagt:
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367 „Rie um meine Tochter warb ein Mann, das glaubt, Der nicht fein Vermeßen entgalt mit feinem Haupt. Euer find zu Biele, fonft ftürbt ihr auch den Top; Doch feht ibr nie ihn wieder, ter dieſe Fahrt euch gebot. „Ergreift fie, meine Wannen, und werft fie in den Thurm.” Zu Dttern und zu Schlangen und mandem giftgen Wurm Wurden da geberbergt vie lieben Freunde mein: Da beichien fig nie die Sonne noch des Mondes lichter Schein. Sie litten Yroft und Näße, Hunger und Notb; Den grimmen Durft zu löfchen durften fie den Tob Nicht ſcheun im trüben Waßer, das unter ihnen floß: Manchem ift3 geſchehen, daß er häuptlings in die Tiefe ſchoß. — — — — —
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368 — — — —— — / Fünfzehntes Abentener. Wie Rother als Dietrih nad Heunenland fuhr. Hier ſitzt der König Rother trauernd auf dem Stein Und klagt um ſeine Boten. Doch klagt er nicht allein: Ihm hilft die Söhne klagen der alte Berchtold, Der Greis im langen Barte, der ihm zum Gürtel niederrollt.
Drei Tage, drei Nächte ſprachlos ſaß der Held. | Da begann er zu dem Alten: „Die Lieb ift mir vergällt. Nun ratbe, wie wir fommen gen Hamburg in die Stadt: Und wenn der König Meliad meine Boten enthauptet hat, „So findet nimmer Ruhe mein Herz, das Treue hegt, Big ich ihm vor die Füße das fchnöbe Haupt gelegt. D web, wie fo traurig hat er mich gemacht! Nun rathe, wie wir fammeln alsbald ver Wilinge Macht.“ Da ſprach der alte Berchtold, ein Graf von Meran: „Wie bin ich verwaiſet, ich unfelger Mann! Von fechözehen Söhnen, die mir mein Weib gebar, Blieben mir die fieben, die legten meiner Heinen Schar.
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369 „Bei Urtnit deinem Bater und dem alten König Gaut Hatten einft ſchon fieben den frühen Tob geihaut; Deinem Better Amlung ſandt ih Herbrand und Helfereich, Ihm wieder zu erftreiten das abendländiſche Reich: „Ob fie leben oder farben, das ift mir unbewuſt Run trifft mich auch der letzten unfeliger Verluſt. Wieviel lieber Söhne wir verloren find! Lüpold war mein jüngftes, Erwin mein älteites Sind. „Am nächſten geht mir Hache, ich verfchmerz ihn nimmermehr, Und Amelbrand der ſtarle, den klag ich wohl fo fehr. Berchtold und Verchther und ber fchnelle Berchtwein, Sol ich Die nicht wieder ſchauen, fo muß es mein Ende fein. „Rother, lieber Herre, nun ift das mein Rath, Daß ihr die Heunen alle ſchlagt ober faht. . Bir haben bald gefammelt ein Heer voll Kraft und Muth; Ich führ euch felber taufend: fo fahren wir über Flut,“ Da ſprach der König Rother: „Dem Rathe folgt ich gern; Doch unfre beiten Mannen ſitzen uns zu fern, Und eh wir fie beſenden, das dauert allyulang, Wenn noch die edeln Boten - vielleicht der Tod nicht bezwang. „Wenn fie im Kerker ſchmachten, und kommt dann unfer Heer Feindlich angefahren, fo quält man fie voch mehr. Würden wir dann felber Schuld an ihrem Tod, Das wär in bdiefem Leibe die allergröfefte Noth. ©imrod, dad Umelungenlied. 1. 24
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370 „Laßt uns in Nedentveife fahren über See, Und daß fi unfrer Feindſchaft nicht Melias verfeh, Solt ihr mid) Dietrich nennen, "tvie meinem Ahnberm Gaut Den Namen Wolfvietrih fein Vater Odin yertraut. „ans fol nach Heunland folgen der König Asprian, Der Seeland zu Lehen von meiner Hand gewann, Und ſeine Rieſenbrüder, Edart der Treue pflegt, Abendroth der ſchnelle und Wibolf, der die Stange trägt.” Da beſchickten fie die Reife nach der Heunen Land. Das war nun recht ein Leben für mich,“ ſprach Hildebrand. „Auch braucht ich nicht zu beiteln, man nahm mic gerne mit. Derweil mein Bater Herbrand "im fernen Welſchlande ftritt War Ich daheim geblieben: man ſprach, ich wär zu jung, Und war zu freveln Streichen doch lange groß genung. Doch kam ich jet zu Ehren: mich hätſchelte wie blind Berchtold unterweges, ich hieß fein einziges Kind. Nun wird man Hamburg ſchauen auf dem vierten Bild. Ja das ift Melias Veſte: mie wahrhaft ift dein Schild! Hier liegen unfre Schiffe fchon vor Anter Ted: Die guten Hamburger ergriff ein jählinger Schred Als fie die Rieſenbrüder mit ihren Stangen fahn. Nun kam der König Melias, die Gäſte zu empfahn: Da fiel ihm zu Füßen der verftellte Dieterich Und flehte: „Hehrer König, in Deinen Schuß befehl ich mich.
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371 „Mich hat im Zorne Rother gethan im feine Ad: Wir Ionnten uns nicht friften vor feiner Uebermacht Da er uns Heimatlofm fein Land und Reich verbot, Du bift groß und gütig, fo erbarme dich der Roth: „Rimm uns in beine Dienfte; wir find dir treu und bold.” Indeſs er alfo flehte, da tobte Witold, Daß man ihn binden mufte, fo fchredfich war fein Zorn: Die Hamburger wähnten, fie wären alle verlorn. Meliaz ver Kimig wuſte feinen Rath, Als fo tiefe Stapfen ver Fuß der Niefen trat. - Ihm wäre fanft zu Muthe, hätt er fie nie geiehn; Noch immer ſah man Dietrih ihm zu Füßen Inien und flehn. Er beſprach fi) mit den Seinen: die riethen ihm zumeift, Daß er und wohl empfienge, denn Keiner war fo dreift, . Ihm andern Rath zu geben. Da ſchickt' er fich darein Und ſprach zu Dietrihen: „Du follft mir willlommen fein. „Ich dachte erft, du kämeſt zu werben um mein Kind, Aller Jungfraun Schönfte, die auf Erben find: Führt’ ein ſolch Gewerbe dich nach Hamburg her, So thät ich dir wie Rother, der did) vertrieb über Meer, „Bor Dem du fo. dich fürdhteft, der war mir allzuichlecht Noch zum. Schtwiegerfohne. Manchen guten Knecht Sandt er in meinen Kerker: fo ftraft' ich ihm barob, Daß er je die Augen . zu meiner Tochter erhob.“
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372 Als Asprian das hörte, da faßt er feinen Schilv; Nah dem Hammer langte fein Bruder Edart wild; Die Eifenftange drobend wägte Abenbroth . Und ſprach zu König Melias: „Das thatet ihr ohne Roth.
„Es waren gute Degen, die Rotherich gejanbt; Etliche darunter find uns nahverwandt: Bil man uns aud bier binden, jo ergeht es nicht Ohne Kopfichmerzen, es fei daß mir die Stange bricht.” Der König ſah ihn fommen: „Nun zürnet nicht fo fehr: Ich wollt euch nicht beleibigen, ihr guten Reden hehr. Was ich geiprochen habe war ohne Vorbedacht: Mich haben meine Leute heute trunken gemacht.” Da gab man Herbergen uns Helden vor der Stabt Wohl eine halbe Meile. Derfelbe Flecken hat Noch heut davon den Ramen; man nennt ihn Altona: Den guten Hamburgern lag unſre Schar allzunab. Sieben ftarle Männer und grimmig überaus Führten Widolfen vor das Thor hinaus An einer Eifenkette; fie gaben ihm den Rath, Sich übel zu gehbaben; nun böre mas der Rieſe that; Zwei ſchwere Mühlfteine nahm er in bie Hand Und rieb fie in den Fingern zu eitel Staub und Sand. Das ſah mit Entfefen das Voll der Heunen an: Sie wagten nicht uns Degen auf hundert Schritte zu nahn.
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[4 373 Da fprac zu dem König die Heumenlönigin: „Hier führt man deinen Meiſter an einer Kette bin. O web, wie thöricht war es, daß wir dem König bebr Unfre Tochter weigerten, der biefe trieb über Meer! „Run Tönnteft du die Riefen fchlagen oder fabn, Hätteft du nach Meinem Rathe body gethan. Nach ihrer Pfeife muft du nun tanzen, wie du bangft: Um was fie dich auch bäten, du gäbeft Alles aus Angſt. „Lieber in dein Auge griffft du mit ber Hand, Als daß du erzürnteſt den kühnen Weigand. Richt wie ein König, nein wie ein Thor Haft du dich heut betragen: bu jchüßtet Trunkenheit vor. „Und wär der ftolge Fremdling jetzt wie ich gefinnt, So müſteſt bu ihm geben dein golbgelodtes Kind, Um die du jo Manchem in beinem Webermuth Das Leben haft genommen; in Strömen floß dir das Blut.“ Was ftellt denn nun das fünfte Bild Werbanbis vor? Ei ja, nun kommt ein Hauptſpaß: dem öffne gern bein Ohr. In reihen Kleidern Tehrten wir zu des Königs Saal Wohl taufend jchneller Helden: da war die Koft uns zu fchmal. Wir aßen fein beicheiven und nippten wie ein Weib; Doc reichten Trank und Speife zu kurzem Zeitvertreib. Die Schüßeln wurden ledig, bie Krüge waren leer, Und alles was fie braten, die Rieſen bungerte fehr.
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374 Einen großen Löwen hatte ber König Melias An feinem Hof erzogen: der pflegte wenn man aß In den Saal zu kommen: da fchuf er große Noth, Denn er mar gefräßig und nahm den Knechten das Brot. Das mollt er auch bei Abendroth verfuchen zu ber Yrift: Mit dem ift übel jpaßen, wenn er hungrig tft. Da nahm er ihn beim Schopfe und warf ihn an bie Band, Daß ihm der Rüdgrat Inidte; er hat Fein Brot mehr entwandt. Da ward es ftill im Saale; es wollte bei dem Schmaus Den Heunen nicht mehr munden: fte fchlichen ſich hinaus Einer nach dem andern. Da hatten wir genug; Auch fliß ſich Schen? und Truchſeß mit der Schüßel und dem Krug. Etumm ſaß der Heunenlönig: da fpradh die Königin; Cie mar gar wohl zufrieden mit des Löwen Ungewinn: „Run ſieh do, König Melias, was nimmft du dieſen Mann, Der jo Tann Hofzucht lehren, nicht bier zum Zuchtmeifter an? „Es wird fich noch befinden mas ich bir oft gefagt: Du bätteft an Rother die golbgelodte Magd Wohl nicht weggeworfen: er ift ein König hehr, Da er diefe Gäfte vertrieben hat über Meer. „ie gern ich noch dir riethe, vernähmft du guten Rath, Daß du die edeln Boten, die er geſendet hat, Aus dem Thurme nähmeft und fchidteft veich beſchenkt Sie ihrem Herren wieder, eh der dirs übel gedenkt.
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375 „Hätt ich Einen Helfer wie Ienen, der da liegt Bor feinem Zorn gebunden, mie bald mwärft bu befiegt! Wie erft, wenn Rother käme, ven dieje Riefen fcheun: Ich forge, dir ergieng es wie dem zerfchmetterten Leun.“ Störriſch gab zur Antwort der König Melias: „Das iſt vergebne Mühe: wozu ſprichſt du das? Ich bin noch unbezwungen von Rothers Ueberkraft: Du löſeſt feine Boten mit Worten nicht aus der Haft.” Ta begann zu Dietrihen Berchtold der alte Mann: „Wir trafen eine Freundin bier bei den Heunen an. Die Köngin ift uns günftig: die andern möchten gern Uns auf den Rüden eben; fie halten lieber ſich fern, „Als daß fie dem begegnen, ber hier den Löwen warf. Mich wundert, daß ber König im Saale bleiben darf. Run laß fie ſich erholen von dem Schred, den fie gehabt. . Indeſs fi) das Gefinde bier an den Brofamen labt, „Zu unfern Herbergen ziehn wir ung zurüd. Hier ift fo mancher Arme, der lieber wohl ein Stüd Trodnen Brotes nagte, ala an dem Hungertuch. Mid jammert ihrer Armut: ‚dich träfe ſchwerlich ihr Fluch, „Bäbft du ihnen Kleider und etwa einen Schwamm, | Daß fie ſich reingen könnten von ihres Unflats Schlamm. Run fieh doch an da draußen, tie fchüttelt fie der Froſt! Laß uns nicht wieberlehren zu des fargen Königs Koſt:
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376 „Du bift ja fo viel reicher: was ißeft du fein Mal?“ | „Gebiete mir,” ſprach Rother: „was mir dein Mund befahl, Dem gehorch ich willig, denn Du haft mweilen Muth: Was du mir je geratben, das war veritändig und gut.” Als fie das Waßer gaben, da erhob fi Dieterich Und fprach zu dem König: „Nun laßt mit Urlaub mich Zur Herberge fahren: da ift noch mander Mann, Der mit mir vor Rothern aus Wilingenland entrann. „Run helft mir, Yrau Königin, und meiner ſchwachen Schar: Wir armen Bertriebnen find alles Troftes bar. Ich war ein reicher Herzog vor biefer großen Nofb: Mir blieben nur die Schwächſten; die Beften ſchlug mix Rother tobt.“ Da ſprach der Heunenlönig: „Wir entbehren dich nicht gern; Doch zieh nur hin in Frieden: gehabt euch wohl, ihr Herrn. Begehrit du meines Gutes, das ift dir unverjagt; s Doch wenn bir in Zulunft mit uns zu tafeln behagt, „So mahne deine Leute zur Zucht in diefem Saal: Erſchreckt habt ihr heute mein Töniglih Gemahl. Mein Ingefinde kann ed wohl ohne Schreden fehn, Obwohl vergleichen jelten in meinem Saal ift gefchehn.“ „Es geichieht auch wohl nicht wieder,“ verſetzte Dieteridh. „Er fol die Unart büßen noch heute ficherlich.” „Herr, ſollt ich denn verhungern?“ ſprach da Abenbroth, „Ich mufte wohl mich mehren: mir nahm dein Maushund das Brot.“
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377 Da gieng der Degen Dietrich hinaus mit feiner Schar. Nun wurden auf dem Hofe die Heunen erft gewahr, Wie diefe Gäfte trugen fo herrliches Gewand. Da ſprach das Ingefinde: „Nie befres kam in bieß Land. „Reich find dieſe Reden, ihre Kleider all find gut; Wie fie vertrieben beißen, fie tragen hohen Muth. Wir dienen einem Zagen und einem Fargen Wirth, Der Riemand Gutes gönnet; Fein Wunder, wenn man feige wird.” Run hielt ſich Dietrich lange daheim mit feinem Bann. Nur wenn ein Armer nabte, fo warb ihm aufgethan. Da mocht er ſich erlaben an reichbeſetztem Tiſch, An allen Gottedgaben, Wein und Brot, Fleiſch und Fiſch. Er ließ auch Niemand weigern fein Silber und fein Gold. Da wurden ihm die Darbenden in Hamburg alle bolb. Da Iamen fie in Haufen dahin gen Altona Zu Dietrich gelaufen, wo ſolche Gabe geſchah. Auch mancher Ritter ftellte fich ein, manch ebler Knecht, Dem Armut längft verbunfelt fein glänzendes Gefchlecht. Sie hatten für den König Hab und Gut verthan Auf fernen Heerfahrten: nun ſah fie Niemand nur an. Ihnen war der Hof verboten: da muften fie ans Bein Ihren Schaden binden. Doch Dietridy ließ fie ein, Sie muften bei ihm fiten, er ftellte fie fich gleich, Mit Gewand und guten Roſſen entließ er fie freudenreich.
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378 Asprian war Kämmrer: der fand da viel zu thun: Er durfte ſich mit Geben Tag und Nadıt nicht ruhn. Dem einen neuen Mantel und dem ein köoſtlich Schwert; Mas Einer fih erwünſchte, das ward ihm willig gewährt. Das trieb der Held fo lange bis ihm fechötaufend Mann Der edeln Heunenritter wurden untertban. Man jah fi) täglich mehren fein ſtattlich Ingeſind: Das dient’ ihm wohl nach Ehren und war ihm treu und hold gefinnt. Da kam ein reicher Grafe mit Namen Arnold, Der hatte feinen Kriegern jo lang gezahlt den Sold, Daß nichts ihm war geblieben als bitter Armut Laft. Da kam zu Dietricden biefer herrliche Gaft. - Der ließ fich nicht erft bitten, er gab ihm taufend Mark Und den beften Hof in Hamburg. Die Gabe deucht ihn ftarf. Er gieng und Sprach zu Melias: „Dieß gab mir Dieterich, Den Rother hat vertrieben: ich dank es ihm ewiglich.“ - Das fam nun vecht gelegen der guten Königin: Eie ſprach: „D web mir Armen, wie ich veritoßen bin, Daß meine ſchöne Tochter dem König warb verfagt, Der diefen Gaft, den reichen, bat aus dem Lande gejagt. „Wie reich erſt muß er felber und wie gewaltig fein!“ AL das Ingeſinde ftimmte mit ihr ein. „Mifsjahre fieben wünſchen wir dem Fant, Der das hat hintertrieben: mir wären all aus dem Land
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379 „Mit Rothern gefahren: er hätt uns ficher reich Wieder beimgefendet in feines Schwähers Reich. Ta das uns ift entgangen, fo ift es wohl getban, Daß wir zu Dietrich gehen unb werden ihm untertban.“
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Sechzehutes Abentener. Wie Ute Dietrihen nicht ſehen tonnte. Run war von Dietrichd Milde der ganze Hof fo voll, Daß in Aller Ohren feiner Ehre Preis erfcholl. Da hätt ihn gern gefehen das golbgelodte Kind: Eie ſprach zu ihrer Jungfrau; fie war geheißen Herlind: „Run rathe mir, wie ftell ichs bei meinem Vater an, Daß ich den reichen Yrembling mit Ehren fchauen Tann?“ Da ſprach zu ihr Herlinde: „Ich weiß nicht wie du fragft, Da du bei deinem Vater doch Alles giltft und vermagſt. „Bitt Mon, daß er den Herzog zu einem Feſte lädt, So fiehft du ihn mit Ehren: das ift was Herlind räth.“ Da gieng zu ihrem Bater. die junge Königin Und ward da wohl empfangen: fie war fein Herz und fein Sinn. Eie ſprach: „Ich will dich bitten, lieber Vater mein, Man läßt uns bier am Hofe fo einfam und allein; Du willſt auch immer fparen und machſt es gar zu arg: Ich höre no am Ende, daß fie fagen, du mwärft karg.
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381 iS — — — „Nun kommt der Wounnemonat, we Alles gern ſich freut: Da gieb ein Gofgelage ten Gälten und entbeut Alle deine Rannen und Freunde zu der Auf: Was joll uns Königänamen, wenn nie fidh weiten darf die Vruſtre „O wohl dir, liebe Tochter, wie gern bu milte lebt,“ Sprach Melias der König, „und nad) den Ehren ſtrebſt! Du räthft mir Räts das Beſte: drum folg ich dir fo gern.” Ta entbot er zu dem Feſte Freund und Wannen nab und fern. Und wer ſich nicht geſtelle, ber werd alsbald gehängt. Da nahten fie dem Hofe zu Scharen bichtgebrängt. Wer jemals auf dem Füllen geſeßen, fand fi ein: „Doch lieber foldye Hochzeit, als des Eeilers Tochter frein.” Epielleute mit der Fiedel boben großen Schall; Doc fehlt’ es am Gefiedel in bes Königs Saal. Der Fürften Jeder jchidte feinen Kämmerling, Die Pläge zu belegen, die er vom Hofamt empfieng. Seinen Kämmrer Asprian ſchickte Dietrich bin, Tie Eike zu beforgen für fein Boll und ibn. Der holt’ aus unfern Ediffen Tiſche, Stühl und Bank, Aus Elfenbein geſchnitten und Gebern, zierlich und blant. Nun war am Hof ein Herzog mit Namen Eettegaft; Seine Kämmerlinge hatten die befte Zeit verpaist, om mar kein Platz mehr übrig. Der ſprach zu Asprian: „Zurüd mit euern Tiſchen, daß ich meine ftellen Tann.“
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382 Der aber ſprach: „So bat mir nächten nicht geträumt: Uns wurde diefe Seite vom Hofamt eingeräumt. Ihr mögt den Zorn wohl fparen auf eine andre Frift — Da mag er eher frommen — wenn es bier heimlicher ift.
„Seht wo ihr euch erholet und laßt mir mein Geſtühl.“ Da ward es dem Fürſten unterm Helme ſchwül. Er zählte hundert Knechte, auf die er fich verlieh, Und einen fühnen Rämmwer, ber eine Bank uns nieberftich. Kaum mar die Bank gefallen, fo batt er einen Schlag Bon Asprian empfangen, daß er am Boden lag. Da gab es bald ein Lärmen, ein Durcheinanberichrein;; Die‘ hundert Knechte rückten auf Asprian drohend ein. Settegaft der Herzog griff jelbft nach feinem Schild; Das wirft du Alles finden bier in dem jechöten Bild. Asprian dem König ward übel zugejeht; Des Herzogs Knechte hätten ihn überwältigt zuletzt. Da warb es fund am Hofe, wo Widolf ward betuadht, Den Kämmerer Dietrichs dränge große Uebermacht. Ihm beiquftehen liefen die Wächter in den Saal: Da fprengte der Gebundene die ſchwere Kette von Stahl, Nahm eine Eifenftange, nicht eben allzulang, Nur vierundzwanzig Ellen, die er mit Heulen ſchwang Auf die Heunenritter; wär ihnen Abenbroth Zu Hülfe nicht gelommen, fo fchlug ex fie alle tobt.
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383 Zaut rief der Niefe Asprianen zu; Der hatte vor den Sinechten eben wieder Rub: „Hilf, lieber Bruder, Wibolf ijt los: Kannft du ihn nicht befänftigen, der Schade wird allzugroß.“ Da trat aus dem Saale Asprian und frug Midolfen, der noch immer auf die Heunen fchlug, Barum er aljo wüthe? Der ſprach: „Ich dacht, es wär Dir was zu Leid geſchehen: das räch ich an dieſem Heer.“ „Mir ift nichts geicheben und feine Rache Roth; Run gieb diefe Stange " deinem Bruder Abenbroth.“ Da gab er fie dem Bruder; der gieng und trug fie fort. Eine Weile ruhte der Kampf um die Tifche dort; Doch bald begann aufs Neue Settegaft ven Stteit (E3 war dem Herzogen um feinen Kämmrer leid). Mit friſchen Kräften rüdt' er wider Asprian: Das fah aus der Ferne Widolf der ſchreckliche Mann. „D weh um meine Stange! ſie erfchlagen ihn.“ Da brach er mit den Fäuften ſich Bahn zum Herzog hin: Sein Haupt mit fcharfen Nägeln entlleivet’ er des Stahls Und warf ihn an den Saaren bis an die Dede des Saale. So gefchah es Jedem, der ihm zu Handen kam: Eie fielen unfanft nieder und wurden fromm und zahm. Da hatte wieder Ruhe Dietrichs Kämmerling: Eie fuchten andre Plätze, da bier Gewalt nicht verfieng. b 2
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[4 384 Nun kam hievon die Kunde zu König Melias. Da frug er einen Spielmann, der vor der Sammer ſaß Und feine Wunden bähte. Der ſprach: „Es gieng vertradt Geſchwind mit Diefem Tanze: da ſchlug Einer den Talt „Mit der längften Ruthe, die ich mein Leben ſah, » Bis fie ihm warb genommen; ich weiß nicht wies gefchab. Doc ließ er ſich nicht flören und fuhr zu zäblen fort, Daß fie fprangen an die-Ballen! ver Eine bier, der Andre dort. | „Jh mag von Glüd wohl jagen, daß ich fo früh entrann; Doch hatt er mich geworfen über vier Mann Eh ich die Erbe rührte. Oft hab ich aufgegeigt; Do hat mir nie ein Tänzer noch foldde Sprünge gezeigt.“ Widolf ward gefangen und wieder fcharf bewacht; Doch wurde mande Klage bei dem König angebradt. Der ſprach: „Run gebt und fagt es felber feinem Herm: Will ihn der beftrafen, das ift mir lieb; Ich thus nicht gern.” Da kam eben Dietrih zu Hof mit feiner Schar. Als der vernommen hatte was hier geichehen war, Da ſprach er: So holet mir den Berllagten ber: Und bat er fich vergangen, fo follt ihr fehn, er büßt es ſchwer. Da rieth feinen Leuten der Herzog Settegaft: „Beladet euch nicht wieder mit dem ungefügen Gaft. Er wär im Stand und fpielte noch einmal auf zum Tanz: Kriegt er euch zu faßen, fo bleibt fein Stüd an euch ganz.”
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385 Da giengen fie und baten ben Reden Dieterich: „Richt doch, edler Herzog, lab ihn nicht her vor dich. Wohl hat vor feiner Stärke fih Mander bier entfekt: Mas wir zu Hagen haben, \ es ift ein Bettel zulekt. „Und gilt dir unfre Bitte, fo trag ihm feinen Groll: Unfer kindiſch Bangen er nicht entgelten fol. Muft du aus deinem Lande, Selb, vertrieben fein, Es brädt uns große Schande, dich und bein Volk zu entzwein.“ So ſchwiegen die Gerauften und bargen ihren Schmerz; Nie zu gerechter Klage erkühnte ſich ihr Herz. Nur Melias der König Sprach zu der Königin: „O web mir Unfeligem, wie arg geböhnt ih nun bin! „So viel find meiner Leute und andrer, die daher Aus fremden Landen ritten, gerauft, geſchlagen fchwer: Eie verwinden nie den Schaden. Das hat in Dietrihs Banm Der ungeftüme Riefe eines Stuhle halb gethan. „Run müßen fie gebabten ala wäre nichts gefchehn. Hätt Ichs bei Beit erfahren, ich hab in meinem Lehn Biel guter Bogenjchügen: die hätt ich hingeſchickt, Das Herz ihm zu durchbohren; fie ſchießen äußerft geſchickt.“ „Run ſchweige von den Schüßen,“ ſprach die Köngin laut, „Was fol die Rede nützen? Hätt er dich erfchaut, Du wäreft felbft geflogen bis an des Saales Wand In einem fchönen Bogen: er jchleudert äußerft geivandt. Simrod, das Amelungenlied. 1. 25
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386 „Wär aber unfre Tochter König Rothers Weib, Sp dürfte Niemand raufen deiner Helden Leib; Den fürchten diefe Niefen: für deinen Eigenfinn Wird dir billig Schande von Dietrich Voll zum Gewinn.“ Da ließ den Zorn beivenden der König Melias Und ſchickte nach der Tochter. Als man zu Tiſche ſaß, Kam fie einher gegangen in jchöner Fraun Geleit; Doch fchöner ſah man prangen die golvenlodige Maib. Ich Tann bir nicht beichreiben mie fie gekleidet war. Nun gieng auch zu Tiihe mit feiner Helden Schar Dietrich der Rede: ver trug fo reich Gewand, Daß rings im Kreiß bewundernd ber Heunen Bolf ihn umftant. Und alle feine Helden zierte folche Tracht, Leuchtend aus dem Golde ſchien edler Steine Pracht. Don des Voll Gebränge verloren da die Fraun Und die Maid ihr Hofgelage: fie konnten Dietrich nicht fchaun.
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Siebzehntes Abenteuer. Wie die Schuhe das Berlöbnijs ftifteten. Das Hofgelage währte bis an den vierten Tag. Als man nun nad Sitte zuletzt ver Milde pflag, Seinen Hals da neigte der Rede Dieterich: Einem armen Spielmann gab er den Mantel wonniglich. Der war zu feinem Heile gelommen zu dem Schmaue: Arm war er eingegangen und gieng reich hinaus. Eon waren aud die Gaben feines Ingeſindes groß: Eie ftunden ihrer Kleider vor den Fahrenven bloß, Nah den Herbergen fuhr mit uns der Helb: Wir muſten uns bekleiden. Solch Wunder hat die Welt Bon Milde nie gefehen: nie that es Wer ihm gleich Und wollte man auch fuchen in aller Könige Reich. Nun war am andern Morgen bei Hofe groß der Ruhm Bon Dietriche reichen Gaben; man pries ihn hoch darum. Kaum war der Eine drinnen, fo ftand der Andre Schon Wieder vor der Thüre: es war fein Ende davon..
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388 Sie rühmten ihn fo lange bis ihm die ſchöne Maid Bon Herzen ward gewogen. Noch hatt ihn zu der Zeit Ute nicht gejehen, mit der der fühne Mann Bald große Weltmonne und manches Leid auch gewann; Doch hatte fie Gedanken, wie fie ihn fähe, viel. Da ſprach fie zu Herlinden: „O weh, mein traut Gefpiel, Wie groß find meine Sorgen um Herrn Dieterid Bom Abend bis zum Morgen! Ich fage bir ficherlich, „Ich ſäh ihn gern verftohlen, denn anders kanns nicht fein. Fünf Schöne Spangen von goldrothem Echein Gäb ich gern dem Boten, der ihn mit guter Art Zu meiner Kammer bräcdte; nur daß es Niemand gewahrt.“ „In Treuen,“ fprach Herlinde, „das Golb verbien ich gern: Tabl e3 wer da wolle, ich laufe zu dem Herr. Ich weiß ihn fo beſcheiden, auch pflegt er foldher Zucht, Es wird uns nicht gereuen, wenn er dich heimlich beſucht.“ Herlinde war gejchwinde, . das liftige Weib: Mit ihrem beften Staate zierte fie den Leib Und gieng zu Dietrihen hinaus vor das Thor. Eie fegte fi) ihm nahe und ſprach dem Reden ins Ohr: „Dir entbietet holde Minne Die mich hieher gejchidt, Hat gleich die Königstochter dein Antlig nie erblidt; Doch möchte fie dich ſchauen und ift dir herzlich hold, Die ſchönſte aller Frauen mit dem Lodenhaare wie Gold.“
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389 „Der Flüchtlinge fpotten,“ fprac da Dieterich, „Kann Niemand Ehre bringen: du verfünbigft dich. Sch bin wohl auch gegangen zu fchöner Yraun Gemach, Denn beßre Zeiten ſah ih, wie arm ich jegt bin und ſchwach. „Gewiſs auch gedachte ſolchen Hohnes nie Die Echöne, der du dieneft: zu gut und mild tft fie. Herzogen, Fürften, Grafen find bier am Hof fo viel: Yacht fand einen Andern euer Muthwill auf zum Spiel. „Doch ſoll auch ich erfahren was alte Weisheit ſpricht: Hat einer den Schaden, der Spott entgeht ihm nicht. Daheim in meinem Lande war ich des ungewohnt: | Ich hieß ein reicher Herzog: da bat mich Schallheit verſchont.“ Da ſprach zu ihm Herlinde, fie war mit Worten fchlau: „Herr Dietrich, denkt nicht alfo von mir noch meiner Frau. Sie hat mich bergefendet, weil fie dich gerne fieht; Sie freut ih, wenn dir Ehre und alles Gute geichieht. „Auch nimmt fie billig Wunder, daß du jo lange bier Am Hofe bift geweien, und niemals frugft nad ihr. Das ift nicht oft gefchehen von ſolchem ftolen Mann, Der doc) die Welt gefehen und Frauen wohl dienen kann. „Willſt du nun nicht Tommen, fie zürnt dir darum nicht, Dem landvertriebnen Manne: gern übt fie jede Pflicht. Doch mag fie wohl bebünlen, fie ift jo ſchön und hehr, Wollteſt Du ihr dienen, es zieme dir wahrlich mehr.“
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390 Wohl mwufte König Rother, daß fie im Ernfte ſprach; Doch wollt er fie verfuchen und gab ihr noch nicht nach: „Hier find fo viel ver Merker: wer unbeicholten will Bewahren jeine Ehre, der halte fich rein und fit. „Bor Allen der Vertriebne bevenle was er thut: Es nimmt doch leicht am Hofe - nicht Jeglicher für gut Sein Thun und fein Gehaben. Nun melde deiner Fraun, Sch woll ihr gerne dienen; doch twag ich nicht, fie zu ſchaun. „Die Wände haben Ohren, und wird es befannt, So verbietet mir ihr Vater eins das Land: Eo muß ich wieder flüchtig über Meer und Erbe ziehn Und Rother Rache fürdten: wo treibt die endlich uns hin?“ Eie wollte fort und zümte, baß er bie Schöne mied; Da bat er fie, zu weilen. Eckarten feinen Schmied, Hieß er zwei Schuhe gießen von Eilber und dazu Zwei andre von Golde. Bon jevem Paar einen Schuh Gab er der Jungfrau, dazu zwölf Spangen roth Und einen theuern Mantel. So foll man Botenbrot Der Vertrauten geben einer Königin. Da jprang von Dietrihen Herlinde fröhlich dahin. Sie fam zu ihrer Herrm und ſagt' ihr, Dieterich Hüte feiner Ehre. „Nicht jehen wollt er dich. Ihm tft die Huld des Königs, deines Vaters, allzulieb, Daß der ihn nicht verftoße wie Rother, der ihn vertrich.
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„Run ſchau diefe Schuhe, das tft mein Botenfold, Und biefer theure Mantel; der Degen war mir hold. Dazu zwölf rothe Spangen gab mir der mwerthe Held, D wohl mir dieſes Ganges! weil ich die Botſchaft beitellt. „Es lebt fein jchönrer Nitter wohl auf der Erde Kreiß Als Dietrich der Degen: ich wurde roth und beiß, Als ich fo nah ihn ſchaute, den fchönen jungen Mann. Ich mag mich jetzt wohl fchämen, ich gafft ihn abgöttiſch an.“ „Es ſcheint wohl,“ ſprach Ute, „daß ich unfelig bie; Er will mid nicht bejuchen, fagft du?” — Gebieterin, Er thät es gern, er darf nicht. — Eo laß mir diefe Schub: Sch Fülle te dir beive mit dem Gold aus meiner Truh.“ Der Kauf war bald gefchehen; fie zog den golbnen an: Gern hätte fie den filbernen an den andern Fuß gethan, Doch gieng er an den felben. „Weh,“ fprad) die Königin, „Wie find wir nun betrogen! Du muft noch einmal dahin. „Mit den ſchönen Schuhen iſt ein Mifsgriff gejchehn: Bitt ihn um die linfen und baf er mich zu fehn Geruhe, wenn anderd ber Degen auserwäbhlt Biel Fürften hohes Namens in feinem Gejchlechte zählt.“ „u weh,” ſprach Herlinde, „was wird aus unſerm Auf! Tas iſt der Merker Freude, denen Läſtern iſt Beruf. - Doc Yäfterer und Merker, ich verachte ſie.“ Da bob das rafche Mädchen das Kleid empor bie zum Stnie.
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392 Nicht trippelnd wie die Frauen, mit großen Schritten ftieg Cie über Goß und Dümpel — es heißt der Jungfernftieg Die Straße noh in Hamburg — bis fie zu Dietrich kam. Ihrer fchönen Herrin tar der im Herzen nicht gram. Warum fie wieder käme war ibm mohl auch bewuſt; Doch ftellte fich der Degen als fäh ers nicht mit Luft. Da Sprach die treue Botin: „Ich muß noch eine Zeit Mich am Wandern halten: fo wills die herrliche Haid. „Mit den Schönen Schuhen ift ein Mifsgriff geſchehn: Eie bittet um die linten, und daß bu fie zu ſehn Gerubeft, wenn anders du auserwählter Gajt Biel Fürften hohes Namens in deinem Gefchlechte haft.” „Wohl thät ich es gerne,” ſprach da Dieterich; „Des Königs Kämmerlinge, fürcht ich, melden mich.“ „Sei außer Eorge,” ſprach fie: „meiner Augen Kraft Neicht zu des Königs Hofe: da jchießen Ritter den Schaft; „Und andre feh ich reiten: nimm deiner Helden zivei Mit dir dich zu begleiten; bald ſtrömt das Volk herbei, Den Buhurd zu fchauen: da nimmt man dein nicht wahr. Sch bringe meiner frauen dich durch ber Gaffenden Schar.“ Schon wollte ſie von hinnen; da ſprach der Degen klug: „Geduld, bis ich den Kämmrer nach den Schuhen frug.“ Eckart ward gerufen; "der ſprach: „O welche Noth Um dieſe alten Schuhe! Es wurden auf dein Gebot˖ 4
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393 „Zwölftaufend einft gefehlagen: vie bat das Ingefind An den Füßen längft zertzagen; vie noch zu finden find Will ich dir gerne bringen.” Er gieng und brachte zwei, Und wieder zwei fo Tleine; auch war Fein rechter babei. Dazu gab man der Jungfrau zwölf Spangen roth Und einen guten Mantel. Mit diefem Botenbrot Hieß fie der Held vorangehn; er jelber folge gleich. Als das Ute hörte, vor Freuden ward fie roth und bleich.“ Da unterbrady den Meiſter Wittich mit frobem Muth: „Biel fagft du von Herlinden: es gefällt mir gar zu gut. Sie hat mich aufgezogen, die treue Meifterin; Doch weiter; dich zu ftören hab ich nicht wieder im Sinn.“ Hildebrand ſprach weiter: „Nun berietben ſich Wie es mit Fug geſchähe Berchthold und Dieterich. „Ich ſchaffe dir,” ſprach Jener, „im Hofe großen Schall; Auf Dich fol Niemand achten, die Merker betrüg ich all.“ Ta rief er den Niefen; der alte Jüngling Tauſend Ritter führt’ er felber in den Ning. Widolf mit der Stangen fuhr fchredihaft einher: Man ſah ihn ſich gehaben als ob er von Sinnen wär. Zu Pferde zeigte Künfte fein Bruder Aaprian, In der Luft fih überwarf er wie ein Gumpelmann. Abendroth that Sprünge zwölf Klafter lang; Der Stein war ungefüge, ben er geworfen erfprang.
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394 Auch fah man herrlich reiten ber taufend Nitter Schar; Dietrich und fein Geleite ward Niemand getvahr, Als oben in den Fenſtern zivei Mägplein wohlgetban. Nun ftand er vor der Schwelle, die Thüre warb aufgethan. Zwei Ritter waren mit ihm, Cdart und id). Wohl empfangen wurde der edle Dieterich. Willkommen bieß ihn felber die goldgelodte Maid; Zu allen feinen Wünfchen jet fie in Ehren bereit. . „Ich wollte gern dich fchauen, weil man viel Gutes ſpricht Bon dir an unferm Hofe; aus anderm Grunde nicht. Nun zieh die fchönen Echuhe mir an, die du geſandt.“ „Ich leifte dir gerne,” ſprach Dietrich, „hilfreiche Hand.“ Auf den Hochſitz ſetzte ſich das Mägdlein fchlanf; Zu Füpen faß ihr Dietrich auf einer Schemelbant. Die Füße waren zierlih und in der Mitte hohl, Und zierlih auch die Echuhe: fie pafsten ihr beide wohl. „Nun fage mir,“ begann er, „Mägdlein fchön und Har; Doch mache mir getreulib die Wahrheit offenbar. Um dich getvorben haben erlauchter Helden viel: Welcher deiner Yreier dir am beiten gefiel.“ Da ſchwieg eine Weile die edle Königin; Dann fpradh fie: „Nun höre ob ich aufrichtig bin. Ob ihr aus allen Landen, die dag Meer umflieht, Die beiten Weigande zu einander bringen ließt,
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395 „Mich deuchte doch von Allen Seiner Dein Genof. Ich wills auf meine Seele nehmen: nie entiproß Dem Schooß einer Mutter ein Degen, Dieteridh, Der fih in allen Tugenden dürfte ftellen neben dich. „Du bift ein Auserwählter aus aller Männer Zahl. Doch ließe mir mein Bater von Königen die Wahl, So nähm ich einen Degen, der kühn ift und hehr: Er fandte feine Boten, um mich zu werben, hieber: „In meines Vaters Kerler warb den Reden weh; Er ift geheißen Rother und fittt dort über See. Ich will auch Mägplein bleiben bis an den jüngjten Tag, So der edle König nicht mein Gatte werden mag.” Ta ftanden ihr bie Bähren in den Augen hell. Tas hörte Dietrich gerne; da ſprach der Degen fchnell: „Willſt du Rothern minnen, ich bringe dir den Mann: Kein Held lebt auf Erben, ver mir fo lieb hat gethan. „Tas will ich ihm vergelten durch ein fchönes Weib: Sch lieb ihn wie mich ſelber und wie den eignen Leib. Kir waren ftäte Freunde und genoßen frob das Land; Doch bat mich jeßt vertrieben der edle Fürft und verbannt.” „sn Treuen, Held, du haft mir ein Theil zu viel gejagt: Tu liebft den König Rother,“ jo ſprach die Schöne Magd, „Er hat dich nicht vertrieben: fein Bote famft du ber. Mein Mund ift verfchtviegen, nun verhehl es mir nicht mehr.“
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3% „Du wirft mich nicht verratben,” ſprach er, „Königin, Da ich auf deine Gnade hieher gekommen bin. Wohlan, in deine Hände befehl ich nun mein Looß: Ja deine Füße fteben dem König Rother im Schooß.“ Wie erichrat ba Ute! auf zudte fie gefchtwind Die zierlihen Füße; dann fprad das fchöne Kind: „Sehr ungezogen ſchein ich bir wohl, daß ich den Fuß In den Echooß dir ftellte, was ich entfchuldigen muß, „Du feift nun König Rother oder Dieterich. Bilt du der König, du fonnteft ficherlich Mehr Tugend nicht gewinnen als wir an Dietrich jahn. Mie nun dein Name laute, fo hab ich Unrecht gethan. „Doch freut ich mich von Herzen, wenn bu Rother wärft; Nie ſoll ichs aber glauben, fo du es nicht bemährft? Bewährft du mirs, erzürnt' es all meine Freunde gleich, Noch heute wollt ich räumen mit bir das heunifche Neid). „Mein Vater ift dir abhold, uns frommt die Flut allein; Doch erft will ich Beweiſe, fonft geb ichs nimmer ein. Wohl lebt Tein Mann fo herrlich und fchön in allem Land, Den ich lieber nähme, fo du Rother wärſt genannt.” „Wie ſoll ich es eriweifen,” Sprach erfreut der Held, „Als durch die armen Boten, die euer Kerker hält? Menn mid) die erfähen, jo würde bald bir fund, Ob dir bier die Wahrheit bezeugte ziveier Zeugen Mund.
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397 „Mir zeugen fie, wir fein Bräutigam und Braut: Eie haben deinen Füßen diefe Schuhe maß geichaut. Willft du noch andre Zeugen, daß ich Rother ei, So gieb aus euerm Zwinger die Gejandten Rotbers frei.“ Cie ſprach: „Ich will verfuhen ob mein Vater fie ans Licht Läßt auf wenig Tage; doch er gewährt es nicht Als wenn ih Bürgen ftelle, daß Keiner ihm entflieht: Willft du mir Bürge werden, fo forg ich, daß es gefchieht.“ „Dein Bürge will ich werden, dazu auch dein Gemahl. Wohlen, ich komme morgen zu beines Vaters Eaal: Da verpfänd ich ihm mein Leben: bier meine Hand darauf.“ Eie gab dem Degen Urlaub und einen Kuſs in den Kauf. Fröhlich aus der Kammer jchieb er von der Fraun; Auch war fein Herz getröftet, feine Boten bald zu ſchaun. Als er nun mit uns beiden durch dichte Scharen gieng, Und Berchthold ihn erfchaute, wie bald zerlieh der den Ring! Er folgt’ ung mit den Riefen und feiner Helden Echar. Dietrich ſagt' ihm Alles, wie ibm gelungen mar. Da ſprach aus grauem Barte der alte Herzog froh: „Run leb ih hundert Jahre, doch freut ich niemals mid) for”
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398 Adtzehntes Abenteuer. Wie die Boten befreit wurden und wie Hildebrand die Klingen vertaufcte. Darauf am andern Morgen gieng die evle Maid Zu ihres Vaters Kammer: verichoben war ihr Kleid, 208 und ungebunden der goldnen Locken Pracht, Bleich das ſchöne Antlig, die Augen trüb und verwacht. Sie warf fi ihm zu Füßen und ſprach: „Es ift geichehn Um deine arme Tochter! ind Elend muß ich gehn Eo weit die Füße tragen: von Wurzeln und von Kraut Wil ich lieber leben als wieder fchaun was ich geſchaut. „Wo fi) im tiefen Walde Geftrüpp und Dorn verflicht, Da finden mich die Geifter dieſer Boten nicht; sch finde wieder Frieden und meiner Nächte Rub: Leb wohl, Tieber Vater, und liebe Mutter, auch du.“ „Nicht aljo, liebe Tochter,“ ſprach Melias darein, „Bei deinem Bater follft du, bei deiner Mutter fein. Was wollen denn. die Boten, was quälen fie dich fo? Vielleicht kann Ich dir helfen: ich fehe gerne dich froh.“
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3% —— — —
Sie ſprach: „Sie kommen hager, bleich und abgezehrt, Nachts an mein Lager, daß Schauder in mich fährt. Ihre Haut iſt voller Beulen, ihre Augen, die ſind roth: Ich ſoll ſie wieder heilen eh ſie vergehn in der Noth.“ Da ſprach zu ſeinem Kinde der König Melias: „Sie aus der Haft zu nehmen, erlaub ich dir das, Wer ſoll ſie denn behüten, daß Keiner mir entflieht? Weiſt du mir einen Bürgen, ſo duld ich, daß es geſchieht. „Doch iſt fein Haupt verfallen, wenn Einer nur entweicht: Solchen Bürgen finden, das dünkt mich nicht fo leicht.“ Sie ſprach: „Ich will ihn ſuchen beut überm Mal.“ Da nun zu Tiſch die Helden giengen in bes Königs Eaal (Auch Dietrid war gekommen) und man das Waßer nahm, Da gieng umber mit Weinen das Mägplein wonneſam. Eie jchritt von Tisch zu Tifche, fie fchritt von Mann zu Mann, Ob fie der Degen Einem fo Liebes hätte gethan, Daß er ihr Bürge würde vor der Boten Flut; Doch all ihr Bitten bradite, ihr Flehen Feine Frucht. Von reichen Herzogen tar ber Hof fo voll: Sie dachten an das Sprichwort, daß man Bürgen würgen foll. Da wandte fih an Dietrich) das edle Mägdelein. — Sie ſprach: „Kühner Degen, willſt Du mein Bürge fein? “ Verzagt find all die Helden in meines Vaters Lehr: Sie gettauen Rothers Boten im Kampfe nicht zu beſtehn.
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400 „Nun gedenke deiner Güte, die du hier oft bewährt, Und nimm auf dein Leben die edeln Boten werth. Ich will ſie nur drei Tage löſen aus der Haft, Und will fie freundlich pflegen, ihnen ſchwindet Leben und Kraft.“ „Gerne,“ ſprach da Dietrich, „hehre Königin: Ein Werk hoher Milde haft du im Sinn. Das ehret dich; mir geht es an Leben nur und Leib; Doch gilt hier fein Bedenken: ich will bir bürgen, ſchönes Weib.“ Da gab man ihm die Boten; er gab fein Haupt zu Pfand. Der Kerler ward erbrochen und Licht hinab gefanbt: Das blendete die Armen: fie warens ungewohnt. Auch muft ed uns erbarmen, wie fie da unten geivohnt. Ihr Stroh gefault, zerrißen die jchönen Kleider fur Und klein; die Blöße deckte laum ein fchlechter Schurz. Der Helden blühnde Leiber zerichunden und zerſchwellt: Kaum daß wir fie erfannten, fo fahn fie bleih und entftellt. Erwin war der erfte, der aus dem Kerker kam. Dap es fein Sohn wäre, als Berchtold das vernahm, Da trug er nicht den Anblid: er wandte fich berum. Wohl, fonnt er nicht meinen; doch rangıer die Hände ftumm. Da giengen auch die Andern hervor aus Moberbuft: Zwölf reiche Grafen ftiegen aus ber Gruft, Und jedem Grafen traten zwölf ftolger Ritter nad; Doc brauchten fie Führer: fie waren felber zu ſchwach. 1)
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401 Den Jammer mufte ſchauen der edle Rotherich, Und durfte doch nicht weinen, denn fonft verrieth’ er fich. Die oft geiworfen hatten mit ihm der Feinde Heer, Die wankten nun wie Schatten fo fahl und farblos einher. Ihn ſchmerzten Berchtolds Söhne; fo ſchmerzt' ihn aud) zumal Der fünf andern Grafen und ber edeln Ritter Dual. Berchtold fah die einen und ſah die andern an: Wie feine fchönen Kinder hat Keiner ihm leib gethan. Der Enal war geräumig, worein die Boten gut Ute die ſchöne zu einem Babe lud. Dietrich Tieß fie führen; nur Züpold und" Erwin, Die giengen felbander ohne Führer dahin. Da ſprach Erwin zum Bruder: „Haft du ihn auch gefehn, Den alten Mann, den grauen, mit dem ſchönen Barte jtehn? Er bat mich betrachtet und ſchnell ſich abgefehrt Mit ftummem Händeringen, als wär ihm Weinen verwehrt. „Vielleicht, daß Gott der gute ein Zeichen denkt zu thun, Daß wir von binnen fommen: des tröft ich mich nun.“ „Wohl hab ich ihn gejehen,“ ſprach Lüpold freudenreich, „Den edeln Greis, den hehren: er ſah unjerm Vater gleich.“ Im Saale nad dem Bade war ein Mal bereit: Da pflegten fie die Frauen und mande fchöne Maid. Ute brachte ſelber mas fie im Schreine fand Und Mleidete die Degen in das herrliche Gewand. Eimrod, das Amelungenlied. 1. 2%
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Die Heunen wurden alle aus dem Saal gejchidt, Mit Wein und Brot die armen Gefangenen erquidt. Da kam mit feiner Harfe der edle Dieterich: Hinter einem Vorhang vor den Freunden barg er ſich. Wie er begann zu harfen, dem Durſtigen entfchoß Der Becher vom Munde, daß er den Tiſch begoß. Und der dad Brot zu fehneiden "gedachte, dem entfiel Das Meßer auf den Teller: fie borchten ftaunend dem Spiel. Und wie er weiter harfte, da fuhren fie empor Und blidten nad) dem Vorhang: „Dahinter kommts hervor! Das ift Rothers Brautlied und Rother muß es fein.“ Ueber drei Stühle fprang der jchnelle Berchtwein; Doc überlief ihn Hache und riß den Vorhang fort: Da ftand mit der Harfe der König Rother dort. Ein Jeder wollt ihn küſſen, fie gönnten fid) nicht Friſt: „Siehſt du nun, Schön Ute, daß mein Name Rother ift?” Die Boten hiengen weinend an des Könige Mund. Es brauchte Feiner Heilung, fie waren all gejund. Ein fichrer Arzt ift Freude, mie ſchwer die Krankheit jei. Da kam auch im Barte der alte Berchtold herbei Und berzte feine Kinder: da ward der Jubel groß. Biel lieber Freunde kamen: fie priefen laut ihr Looß. Bald jeßten fie mit Rothern wieder fi zum Mal, Die Becher muften kreifen und Freude füllte den Saal.
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403 Die beiden Edarte wurden da befannt, Die man als treue Freunde nun rühmt in mandem Land: Cdarten mein ih, den Sohn Norbiang, Und Haches Sohn Edart, den Enkel Berchtolds, meines Ahns. Sie glichen ſich audy beide: drum warb es nicht gewahr . Melias der König, daß Nordians Sohn e3 war, Der für den andern Edart in den Kerler gieng, Als man nad).dreien Tagen die edeln Boten wieder fieng.“ Wittich frug: „Ste muften nocd einmal in das Grab?“ „Freilich wohl,“ ſprach Hilbrand, „da es andern Rath nicht gab. Tu weiſt ja, Rothers Leben war zu Pfand geitellt.” — „Doch hätt ichs nicht gelitten, um alle Schäße der Welt!" — „Tu haft dem Kind die Beine noch nicht gejehn, mein Sohn; Auch erzähl ich heute dir weiter nicht davon. Tu trägft es ja im Schilde: hier werben fie befreit, Und bier entführt Rother die goldenlodige Maib. Nun geh zur Ruh: die Augen gehorchten längſt nicht mehr.“ Er konnt es nicht leugnen, der Schlummer drückt' ihn ſchwer. Er war des harten Lagers an Heimes Seite froh: Bei Herdegen barg er fich in das rajchelnde Stroh. Eie lagen all und fchliefen; nur Meifter Hildebrand Saß' noch, die Bilder mufternd auf Wittichs Nornenrand. Er fand im mittlern Kreife noch Tieber Freunde viel Und Herbrand feinen Vater und manches Jugendgeipiel,
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404 So jchwelgt’ er im Gedächtniſs an jene beßre Zeit; Verſchwunden war, verwunden der reifen Sabre Leid. Er ſprang von Bild zu Bilde und ſaß bis Mitternacht, Da war der Kreis durdlaufen. „ern hätt ich länger gewacht, „Wenn da nod) Bilder ftänden,” dacht er in feinem Sinn. Da glitt zum äußern Kreife fein Auge forfchend Hin, Ob er enträtbfeln möchte was da gejchildert war? ‚Und gleich im erften Felde bot ſich ein Anblid ihm dar, Ein Anblid, daß ihn Staunen zumal und Schreden traf, Es ſcheucht' ihm von den Wimpern noch ftundenlang den Schlaf: Mit Wittihen fah er im Zweikampf Den von Bern, Und Dietrich jchien zu wanken, ihm war der Unfieg nicht fern. Schon ift fein Schild zerhauen, des Helmes fteht er bloß, Ein Schlag noch, fo fällt ihm das bittre Todeslooß. Das ſchuf dem Meifter Kummer und großer Sorge Noth, Denn Dietrich ift fein Pflegling und ſchlüg ihn Wittich zu Tod, Wie ſollt ers überleben? Wohl dacht er auch dabei, Wie ftart und heldenmüthig Wilings Sprößling fei, Sein Roſs wie geſchwinde, dazu fein Schiwert wie ſcharf: „Er führt ſolche Waffen, daß Niemand ihn befteben darf.“ Da ftand der gute Degen gebantenvoll und fann, Denn weiſes Herzens war er, das zeigte fich hieran: Er jchlid auf den Zehen dahin, mo Wittich fchlief; Da laufcht’ er erft bedächtig, ob fein Schlaf auch feſt und tief,
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405 Dann zog er aus ber Scheibe Brinnig fein Schwert, Sp that er auch dem Mimung: es blieb ihm unvermwehrt; Doch wenn es Wittich fähe, fo höbe ſich der Streit. Da ſprach er zu den Schwertern: Es ſei euch lieb ober leid, Ihr müßt die Griffe wechſeln, da ift fein andrer Rath, Die Scheiden auch, und Niemand vermelden, was ich that. Zum Diebe ſoll ich werden, das räth mir Angſt und Noth, Da mich am lieben Freunde ſo großer Schade bedroht. Da ſtieß er den Mimung in Brinnigs Griff und Knauf, Und dieſen in jenes: fie paſsſsten wohl darauf. Du bift gefangen, Mimung, entwendet deinem Herrn, In Brinnigs Scheide führt did) Meifter Hildebrand nad Bern. Wie ungewohnte Ehre dir Brinnig widerfuhr! Dir kam das Glüd im Schlafe, tie faßeft du es nur? St ein Gehen? wie diefed auch deinem Stand gemäß? Die Scheide glänzt wie Silber und golden ftralt das Gefäß. Da legte ſich der Meifter zur Ruh mit feinem Raub; Mon! ſchilt ihn das Gewiſſen, er aber ftellt fi taub. Der Schlummer mied ihn lange, doch endlich fchlief er ein, Da ſchon im Dften tagte des Morgens röthlicher Schein.
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406 Itennzehntes Abeutener. Wie Heime Vittihen nicht helfen wollte. Die Helden jchliefen alle bis hoch die Sonne Stand: Da war ber erfte wieder Meifter Hildebrand. Er weckte die Gefellen und ſprach: „ES wird zu ſpät; Nun eßt als Talte Küche, mas ihr geftern warm verfhmäht, Und laßt mir unbefholten das karge Morgenbrot: Die ung bewirthen follten, vie liegen braußen tobt. Doch kürzen wir den Imbiß, es ift nad Garten meit.“ Ta waren bald zum Aufbrud die guten Reden bereit. Da ſprach zu den Gefährten Wittih, Wielands Sproß: „Was fol aber werden aus diefem alten Schloß, Das wir getvonnen haben? Leicht fett fih in dem Neft, Wenn wir es wehrlos laßen, das Gefindel wieder feit. „Ein Theil ift ung entronnen, ein Riegel muß dafür, Sonſt ehren fie und treiben die alte Ungebühr.“ Da ſprach der fromme Meifter: „Vernimm denn Hilbrands Rath; Noch ſtäts ift gut gefahren Wer nad feiner Weifling that:
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407 „Laß unfre zwei Gefellen die Burg zu. fchirmen bier, Bis wir Beſatzung fehiden. Ich aber folge dir Nach Bern zu Dietrihen: und wenn es dann geichieht, Daß ihr als Freunde fcheidet, fo mag dieß Schloß und fein Gebiet „Eudy beiden angehören, dir und Dem von Bern: Er lohnt dir feine Hälfte, wohl auch das Ganze gern. Sm andern Fall, denn Niemand weiß was ihm Gott beſchert, Magft dus allein behalten: es ift fürwahr viel Gutes werth.“ Ta fprady der junge Weigand: „Es war ein fchwerer Zoll Gelegt auf diefe Brüde, den man nicht dulden fol, Für Heimifhe und Fremde eine unverfchämte Mauth: Niemand behielt das Hemde und Manchem giengd an die Haut. „Eine große Heerftraße gebt über diefen Strom Für alle, die da follen nad Bern over Rom; Doch hat es nun feit Jahren felten Wer gewagt Auf ihr einher zu fahren, vor diefer Warte verzagt Und vor den argen Männern, vie lang gehauft darin. Menn ih nun Bollmadıt hätte zu thun nach meinem Sinn, So follt auf diefer Brüden in Frieden Jedermann Hin und wieder fahren und Niemand zollen fortan.“ Ta begann Hervegen: „Billig iſts und Recht, Der diefes Schloß getvonnen hat im ehrlichen Gefecht, Taß der darüber ſchalte. Gebiete, junger Held, Tein Wink muß enticheiden ob es fteht, oder fällt.“
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So ſprachen auch die Andern, fie ftimmten gerne bei. Und wieder Sprach Wittih: „Stellt ihr mir es frei, So will ich es verbrennen, damit den Tobten Rauch Und Gluth die Glieber löſe nach unferm norbifchen Brauch.“ Da nahm der Degen Feuer und ivarf es in den Saal; So that er aud der Scheuer und den Ställen allzumal. Pallas und Kammern fiengen die Gluth nicht fo geſchwind; Doch bald blies in die Sparren der Flamme Buhler, ver Wind, Und von des Thurmes Binnen Träbte hell der Hahn. Ein gelbes Wämmschen hatte die Burg ſich umgethan, Brandroth war die Mütze und ſchwarz der Zipfel drauf, ALS goldene Verbrämung erſchienen Echnörkel und Knauf. Schon ſank hier ein Pfeiler und dort eine Wand, ‘ Der Wind trug die Funken meilenweit ins Land. Jetzt ftürzte prafielnd nieder der Warte halber Thurm, Und halb blieb er ftehen, als wollt er trogen dem Sturm. Hoch ftieg der Staub zum Himmel vermifcht mit Raud) und Dualm. Mas brennbar war, verbrannte bis auf den lebten Halm; Doch an den Duabern ledte vergebens die Gluth. Man foll mit Quadern mauern, denn die find haltbar und gut. Mas nicht verbrennen wollte, das rißen fie ein: Das Haupt warb geniebert der hoben Burg von Stein. „Run fchont der Weberrefte,” mahnte der Degen behr, „Es wehrt ung in der Veſte die Brüde nun Niemand mehr.“
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409 Da ritten ihres Weges die Helden mwohlgemuth. Die Burg war gebroden, das deuchte eben gut, Die rings in den Landen fo großen Schaden that: Daß fie die Straße wählten, jchien nun ein weislicher Rath.
Da warb den fchnellen Roffen Zügel und Zaum verhängt: Die berrlihen Genoßen famen heran gefprengt, Als wollten fie ermeßen tie lang die Welt und breit; Sie fürzten oft mit Liedern und mit Gefprächen die Beit. So kamen fie zur Eifad und machten wunbernb Halt. Sie Ionnten nicht hinüber, das fahn die Degen balb: Die Brüde, die den Wandrer von Fels zu Felſen trug, Yag tief im Bett des Stromes; auch war es deutlich genug Wer fie binabgeworfen, denn Bellftab und die Schar, Die geftern vor dem Helden fo ſcheu geflohen war, Hielt jenfeit? am Ufer, bereit mit aller Kraft Den Uebergang zu wehren, denn leidig fchien die Nachbarſchaft. Sie verfahn fih wenig Gutes von den Reden allzumal. Bon Wittichen hatten fie ſchon das erftemal Den Antheil nicht empfangen feins Rüftgeräths, Auf den fie ausgegangen: fo fomm es, forgten fie, ftäte. Ob aud die Brüde mangelt,” rief da Wielands Sohn, „Bir müßen doch hinüber und rächen diefen Hohn. Ich bin der Jüngſte,“ ſprach er, „mich trifft zuerft das Looß.“ Da gab er Schimmingen ben Sporn mit fräftigem Stoß
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ng m 410 | Und ritt ihm auf den Felfen, wo einft die Brüde ftand: Da Iprang die Mähre flüglings zum andern Felfenrand, ! So hof der Pfeil vom Bogen, menn Eigels Senne Fang. Man weiß noch heut die Stelle, wo Schimming hinüber jprang. Auf beiden Feljenfpisen, mo ihm der Sprung geglüdt, Sind feiner Hufe Nägel tief in den: Stein gebrüdt. Und kommt ihr je nach Boten, das Mal wird euch gezeigt Und dazu das Abenteuer auf einer Fiedel vorgegeigt. Als Wittich Fam hinüber, mit eingelegtem Sper Nannt er auf die Schädher und zwang fie, fich zur Wehr Zu fegen vor dem Feinde. Da fam er felbit in Noth, ° Denn Fünfe wider Einen ift unvermeiblicher Tod. | „Nun ift, an dir die Reihe, Stubas, fcjneller ‚Held, Kief Hildebrand, „zu fpringen, eh uns der Degen fällt. Du eil ihm bald zu Hilfe, man jet ihm grimmig zu.“ i „Mit Nichten,“ vief Heime und faß in trogiger Ruh. „Herdegen jei der nächjte, der jünger ift als ich. £ Und bift auch du hinüber, jo fommt die Reih an mid.“ | „It hier wohl Zeit zu fcherzen?” Frug der Meifter gut, | . „Geichwinde fpring und hilf ihm, eh ers entgilt mit feinem Blut.“ | | | „Es ift mein Ermft,“ fprady Heime, „daß ich älter bin als ihr. Sit Euch der Sprung geläufig, fo fpringt und zeigt ihn mir; Bevor ihr Füngern fpranget, rühr Ich fürwahr Fein Glied: Dieb ift ein Stüd, das immer der Jugend beßer gerieth.” |
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f} “ 411 „Knabe,“ jprad) da Hildebrand, „die Welt ift ein Strumpf, Du zählft bei fiebzig Wintern, dein Wit ift nicht ftumpf, Sch till e8 zugeftehen und was du fonft verlangit: Doch jest mac) fort und hilf mir aus diefer folternden Angft.“ Das war doch all vergebens, Heime blieb dabei, Daß er nicht vor ihm fpringe, meil Hilbrand jünger fei. „uerkopf,“ fchalt der Meifter, „fo fpring ich denn zuerft; Hernacd) aber hoff ich, daß du uns gründlich belehrit „Wie du mit zwanzig Jahren älter bift als ih: Du möchteft übel fahren jonft bei Dieterich.“ Da fpracy der ftarfe Heime: „Darauf bin ich gefaßt, Leicht ifts zu erweifen, ich trug mohl fchmwerere Laft.“ Da nahm zum Sprung den Anlauf der gute Meifter werth. Er jorgte, Wittih büß e8, daß er vertaufcht jein Schwert. Noch einmal fpornt’ er Fräftig ven Hengft, und flüchtig jchivang Sich der mit ihm vom Felfen; doch war der Sat nicht jo lang, Daß er hinüber reichte zu jenem Felfenrand, 3 Und mit dem Rofs im Strome lag Meifter Hildebrand. Doc) hielt er fich im Sattel und ward nicht bügellos. Nun zwang aud) Herdegen das Nofs mit Fräftigem Stoß Zum Sprunge; doch gefhah ihm tie Hilbrand war gefchehn. Und jhwammen nicht die Pferde, fo konnt es jchlimm ergehn; Sie trieben hin und wieder und litten Ungemad). Herbegen fand ein Ufer zuerft, das jeicht war und flach. j .
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412 Da ſprengt' er aus dem Strome und jäumte fidh nicht lang: Wo auf die Räuber Wittich vie fehnellen Streiche ſchwang, Da ritt der Degen kühnlich hinzu und ſtand ibm bei; Auch ließ er bald empfinden wie ſtark und mannhaft er fei. Derweil hatte Wittih gefochten wie ein Held; Wie. nun ſich Herdegen ihm hülfreich beigefellt, Hatt er die halbe Arbeit: ' die Räuber waren wund, Den fünfen ftanden ziveie genüber heil und gejund. Nicht Lang, fo fiel der Schächer Einer in den Tod Und bald die andern viere: da war vorbei die Notb. Noch fahn fie Hildebranden nicht aus dem Strom herauf; Doch Heime fpornte jetzo den Hengft im jählingen Lauf Empor zur Felſenſpitze und überiprang die Kluft. Der Meifter ſah ihn fchweben über ihm in der Luft: Daß er den Fels erreichte, das gönnt’ ihm nicht fein Herz: „O lägit du in ber Tiefe für den ungeitigen Scherz!“ Des langen Zögerns willen tar er dem Degen gram. Noch wuſt er nicht, welch Ende der Räuber Unfug nahm; Doch als zum niedern Ufer das Roſs ihn endlich trug, Und er den Ausgang hörte, da ward er fröhlich genug. Da mochte ſich auch legen feines Zorns ein Theil: Den er erfchlagen wähnte, der war gefund und heil. Er küſste Wittihen und ſprach: „Hein Hälmchen Stroh Gab id für dein Leben; mir ifts geſchenkt, des bin ich froh.”
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413 Er dankt’ auch Herdegen und ſchüttelt' ihm die Hand; Doc war der Gruß unfreundlib, den da Heime fand. Gr wandt ihm ftät? den Rüden und blidt ihn gar nicht an; Das fchien er nicht zu merken, ver junge ftörrifche Mann.
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Zwanzigfted Abenteuer. Wie Siegfried Brunbilden erwedte. Sie ritten eine Strede, dann hielt der Meifter gut: Nicht länger mocht er bergen den Groll in feinem Muth. Er wandte ſich zu Heimen und fprad: „Womit erweiſt Dein Mund nun, daß du älter als ich und Herbegen ſeiſt? „E3 geht dir an die Ehre, wenn du es nicht bemwährft.“ „Die Sorg ift überflüßig, wie du wohl bald erfährft,“ Sprach der ſtarke Heime; „doch reit dein Roſs nur zu, Wir traben fachte weiter, fo meld ich Alles in Ruh. Du warft noch ungeboren, als ch das Weltlicht ſah; Nach meines Vaters Stuten Studas hieß ich ba. Nichts liebers wuſt auf Erden mein Vater Adelger: Bon den Hengften, die fie warfen, kam all der Reichthum ihm ber. Drum gab er mir den Namen, tie ich hernach erfuhr. In meinen erften Jahren bört ich von Rofjen nur, Bon Stuten und von Fohlen, das war mir Muttermilch). Noch lief umher der Knabe im groben Röckchen von Zwilch,
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415 Da war mein erftes Lallen: Gebt mir ein Pferd, ein Pferd! Doch erſt nach manchen Jahren ward mir der Wunſch gewährt. Ein Heupferd unterdeſſen zum Spotte gab man mir, Wie ſie im Graſe hüpfen; doch an dem winzigen Thier Hatt ich meine Freude: es ſprang, ich ſprang ihm nach In Sägen, glücklich war es, daß mir kein Bein zerbrach. Und zu Brunhildens Küche hüpfte mein grünes Roſs, Ich eilt ihm nach zu hupfen durch all den dienenden Trofs. Da war es unterm Heerde verſchwunden auf ein Mal; Nur hört ich es noch zirpen. Nun blieb mir keine Wahl, Ich nahm ein langes Eiſen, das auf dem Boden lag, Mit dem der Küchenjunge das Feuer zu ſchüren pflag Und ſcharrte meine Grille damit aus dem Verſteck. Doch wie ich wieder aufſtand, da ſtieß ich, welch ein Schreck! Zwei Töpfe um, die Brühe floß weithin durch das Haus. Da begann der Koch zu zürnen, zum Schlage holt' er ſchon aus, Als plötzlich durch ein Wunder ſeine Rache ſich verſchob: Es konnte mich nicht treffen die Hand, die ſich erhob. Dieß Wunder hatte Odin gewirkt, der ſtarke Gott, Brunhilden zu beſtrafen für ihren frevelnden Spott. Helmgünther hieß ein König, dem Odin Sieg beſchied, Und Agnar ein andrer, den lang das Kriegsglück mied. Doch jetzo half ihm Brunhild wider Odins Macht, Helmgünther fiel bezwungen und Agnar ſiegt' in der Schlacht.
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416 Das ließ nicht ungerochen Dbin an feiner Magd, Den er Sieg verfprochen, daß fie dem Sieg verjagt. Da follte fie nicht länger Wallüre fein: Das Looß ward ihr beichieven, das allen rauen gemein, Eines Mannes Bett zu tbeilen und fein Geheiß zu thun. Sie ſprach: „Du magſt gebieten; doch hier gelob ich nun, Dich Keinem zu vermählen, der Furcht empfinden kann, Ja lieber wollt ich fterben, als daß er würde mein Mann.“ Da ftieh ihr Allvater den Schlafborn ins Haupt: Sn voller Waffenrüftung ſank fie machtberaubt Dahin zu tiefem Schlafe. Und Alles fohlief mit ihr, Es ſchlief was Odem holte auf Segard, Menſch oder Thier. Die Küh im Stalle bogen die Knie und nidten ein; Die Jagdhunde ftrediten ſich auf ihr Nagebein; Die Tauben auf ber Zinne, die Fliegen an der Wand, Die hatten alle Sinne zu fühem Schlummer gewandt. Da warb es in der Küchen auch ſtill um mich ber, Das Teuer auf dem Heerde fladerte nicht mehr, Der Bratenwender feierte, der Braten hört! am Spiek Zu brußeln auf, die Rechte der Koch ermüdet ſinken lieh, Die mich zerbleuen follte, ich felber lag und fchlief: Der uns bezwungen batte, der Schlaf war feit und tief. Die Zeit ftand ftil auf Segard, der Tag war wie die Radht, Der Morgen wie der Abend, fie wurden ſchlafend vollbradht.
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417 Doc draußen giengen Wochen dahin und Monden gar, Aus Monden wurden jahre, wir fchliefen immerbar. Und Niemand konnt und mweden: bazu gehörte Muth, Denn um das Schloß geichlagen war eine webende Sluth, Die auf und nieder wallte und Niemand ließ heran. Doch Allvater hatte den Ausſpruch gethan: Wer durch das Feuer reite zu Brunbildens Saal, Und ihr den Harmisch löfe, der werd ihr Herr und Gemabl. Viel Königsſöhne famen dahin von Zeit zu Zeit, Die alle freien wollten vie königliche Maid; Doc als fie Segarb fahen von Webegluth umlobt, Da fcheuten ihre Pferde und Mancher fiel in den Tod. Odins Zauberfeuer befieng die Veſte dicht; Doch um die Marftälle draußen brannt es nicht, Noch wo mein Bater wohnte; auch fiel er nicht in Schlaf. Wohl war es ihm empfindlih, als mein Verluſt ihn betraf. Ta ward aus jenem Stalle Grani, Sleipners Sproß, Berfauft an Fafnirs Bruder, das windſchnelle Roſs. Von Dem empfieng es Siegfried, als er den Schmied erichlug; Davon ift viel gefungen, ich übergeh es mit ug. Noch zormig aus der Schmiede ritt der Degen gut, Er verhieng dem Roſſe Zügel und Baum im milden Muth; Es durfte mit ihm rennen wohin es ihm gefiel: Da war die liebe Heimat feines Laufes erfted Ziel. Simrod, has Amelungenlied. 1. 27
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418 Es trug den Unverzagten Brunbildens Burg jo nah, Daß er dad Zauberfener um Segard weben ſah Und auf dem Thurm beivegungslos das Königsbanner ftehn. Der Drachentödter konnte der Vögel Stimmen verftehn: Da klang es in den Lüften mie Nachtigallenfchlag: „Nun lodert funfzig Jahre die Gluth und einen Tag; Der fie löfcht ift nahe. Wer zu Brunbildens Saal Durch Webelobe reitet, ber wird ihr Herr und Gemahl.“ Der tbeure Degen hörte was ihm der Bogel fang; Doch wie er durch die Flammen ben wilden Granit zivang, Da war es eine Schilöburg, beglänzt vom Sonnenjcein; Die Echilde [hoben willig ſich auf und ließen ihn ein. Ta fand er in der Veſte die allertieffte Ruh, Die Eonne ſchien vom Himmel,. doch Alles ſchlief noch zu. Die braunen Jagdhunde fchnüffelten im Traum, Die Schlagtauben hatten das Köpfchen unter den Flaum Des Flügels verborgen und als er fam ind Haus, Da ftredte "noch die Rechte der Koch nach mir aus, Noch ſaß die Magd ala rupfte fie an dem ſchwarzen Huhn, Noch ſchien der Küchenjunge die ſchwere Arbeit zu thun. Und in den Kammern neigten die Häupter ſchlummerſchwer Der Truchſeß und die Schenfen und ber Diener zahllos Heer. Die Fliegen an den Wänben fchliefen ſüßen Schlaf; Und wie er weiter eilte, fchlief Alles was er betraf.
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419 Und rings blieb es ftille, Hein Lüftchen rührte füch, Er börte feinen them: das deucht ihn wunderlich. Da lam er zu dem Saale, da jchlief im Waffenkleid Ein Wann fo voll gerüftet, als käm er eben vom Streit. Dem band er von dem Haupte ben Helm: ba wars ein Weib; Wie angewachſen fugte der Stahl dem fchönen Leib. Ihn aufzuihligen dacht er mit klugem Schwertesſchwang: Vom Haupt bis ganz berniever und an den Armen entlang Zerfchnitt der Held die Rüſtung und rigte nicht die Haut; Dann ſchält' er aus dem Eiſen vie wonnigliche Braut. Sie war jo ſchön gefchaffen, o Wunder, Glieb für Glied: Da mufte fie eriveden mit einem Kufle Siegfried. Der Kuſs war ergangen, fie ſchlug die Augen auf: Mit Staunen lehnte Siegfried auf feines Schwertes Knauf. Er ſah die blauen Augen und fenkte Bid in Blid, Eie frug: Das Odin fügte, Hat ſich erfüllt das Geſchick? „Kam bieber der kühne Siegfried, Siegmunds Sohn? Fiel in der Grüne der Wurm der Haibe ſchon? Durch Webegluth zu reiten, wer hatte fonft die Macht?“ Gr ſprach: „Er ift ein Welfung, der dieſes Werk hat vollbracht. * Ta erhob fi) von dem Bette die fchöne Königin Und fchritt an Siegfrieds Seite durch die Gemächer hin. Der Truchſeß und die Schenken, der Diener zahllos Heer Eritanden aus dem Schlafe und Leben warb um fie her.
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— — — —— Da regten wiederkäuend die Kühe ſich im Stall, Die Jagdhunde ſprangen empor mit lautem Schall, Die Fliegen von den Wänden ſummten durch den Raum, Die Taube zog das Köpfchen hervor aus wärmendem Flaum. Die Magd rupfte weiter an ihrem ſchwarzen Huhn, Der Küchenjunge eilte die Arbeit zu thun, Das Feuer flammte wieder, ſo ward an ſeinem Ort Der Bratenwender munter, ber Braten brutzelte fort. Doc auch der Küchenmeifter, der vor dem Heerde lag, Erftand in feinem Zorne und gab mir einen Schlag. Da hub ich an zu greinen und lief aus dem Haus; Doch vergaß ich nicht des Heupferds, das nahm ich mit mir hinaus. Schluchzend und heulend Tam ich vor das Thor Zu meines Vaters Wohnung. Der fprang erftaunt bervor: Mar ich es, der Knabe, der ihm entlaufen ift? Nun hatt er funfzig Winter den kleinen Studas vermijst. Die Mutter fagt‘, ih wär es, kaum mochte Zweifel fein. „Und bift dus, jo bewähr es: wo warſt bu? fag ung fein.“ „Ich war in Brunhilbs Küche, da fihlug mich der Koch, Weil ich mein Heimchen holte; ich aber holt eö mir doch.“ „Hat dich der Koch geichlagen? das räch ich, wart, er fol" — Da liefen aus dem Schloße die Leute freudenvoll. Gr frug: „Was ift geichehen, daß ihr fo lärmt und tobt?“ Da hieß es: „Brunbild wurde dem Fühnen Siegfried verlobt.“
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Kaum wollten ihn ertennen die Leute, die er frug, Denn er war alt geworden; doc gli er Zug um Bug „Dem Schaffner Brunhildens, ver bei den Ställen wohnt.” Sie waren jung geblieben, von all den Furchen verfehont, Die das Alter geme in Stim und Wangen gräbt. Er ſprach: „Erft wird mir deutlich, welch Wunder wir erlebt: Die in der Befte fchliefen, ich hielt euch all für tobt, Und freute mich der Fügung, daß ich nicht theilte die Noth. „Hätt ich nun mitgefchlafen, fo wär ich jung wie ihr. Doch tröftet mich der Knabe, der mit dem Heimdhen hier: Zu Brunhilds Küche hüpft' er ihm nad) vor mandem Jahr; Er fol mir Heimchen heißen, der Springinsfeld, immerbar.“ Nicht länger hieß ich Etudas; mir war es anfangs leid, Do aus dem Heimen wurde ein Heime mit der Zeit: Da ließ ih mirs gefallen, ver Name jagt’ mir zu. Hab ich dir nun bewiefen, daß ich älter bin als du? Mich dünkt, es wär zu greifen.“ Da lachte Hildebrand; Er ſprach: „Willft du dich fteifen auf alten Märchentand, So bat mir meine Amme der Wunder mehr erzählt; Nie hab ich meine ‘jahre doch nach dem Plunder gezählt.“ Doch Herbegen meinte: „Es ift wohl mehr ala Trug.“ „Ich hört! es auch in Norweg,“ ſprach Wittih, „oft genug. Zwar immer Hang es anders aus jedem andern Mund; Doch wie die Worte wechfeln, fo liegt doch Wahrheit zu Grund.” —
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— —— „Wer mag es unterſuchen wer am tollſten log? Genug, daß aus der Sache ſich Heime dießmal zog. Doch laßt uns raſcher reiten, wir ſind dem Ziele nah: Bald klingt es meiner Ute vom Thurm: da lommen fie ja.“
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423 Einundzwanzigited Abentener. Bon den Wölfingen und Harlungen. Da Hang es ihr vom Thurme: der Wächter ftieß ins Hom; Hätt er fie nicht gemeldet, das wär ber Herrin Zorn. Wie ließ man vor den Degen die Brüde fchnell herab! Zie ritten durch die Halle in einem freubigen Trab. Auf dem Schloßhofe hielten fie nicht lang, Frau Ute aus der Küche den Herm entgegenfprang. Der war nach Hilvebranden ſchon manchen Abend weh; Sie wurden mohl empfangen in der Burg am Bartenfee. Mit fchallendem Kufle begrüßt! er fein Gemahl; Cr bat fie aud zu füflen vie Helden allyumal. Das that fie nad der Sitte und ihres Herrn Gebot; Ich kann euch nicht befcheiden ob fie bleich warb ober roth. Da wurben von den Knechten die Mähren abgezäumt: Die wollten fie zum Stalle ziehen ungefäumt; Das ließ aber Heime bei Rispa nicht gefchehn. Er ſprach: „Ih pflege jelber mein gutes Roſs zu verfehn.”
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424 Er nahm es bei dem Zügel und zog es in den Stall. Da fprady der fchnelle Wittich: „sch bin in gleichem Fall; Doch mögt ihr meinen Schimming nur jeßt zur Krippe ziehn, Sch komm ihn zu verforgen nad) einer Weile dahin.“ Da ſchritt er zu dem Saale an Utens rechter Hand; ‘hr Vetter Herdegen ſich ihr zur Linken fand. Willkommen hieß die Helden der Wirth in feinem Haus: „Heut ſeid ihr weit geritten; nun fißet ber und ruhet aus.“ Frau Ute fchenfte jelber den lautern Firnewein; Er mocht ihnen felten fo gern geboten fein. Begoßnen Brotes reichte fie dann auf Tellern blanf: Zu füßer Märthe mundete den Degen herrlich der Trant. Da kam Heime wieder, den Hilbrand auch empfieng Und Ute bediente. Wittih aber gieng Den Echimming zu entfchirren; auch gab er ihm genug Zum Dank, daß er jo flüchtig vom Fels zum Felſen ihn trug. Als er zum Saale lehrte, begann des Haufes Wirth: „sch wette, daß auch Andre die Rüftung drüden wird. Nun weil uns in die Kammern und ſchaff uns gut Gemach: Da entwappnet eudy, ibr Helden: ihr jeid bier unter Freundes Dad. „Den du am Weichſten beiten und pflegen ſollſt zumeiſt, Herr Mittich ifts: won Ferne kommt er daher gereift, Und morgen fteht mit Dietrich ihm ein Etrauß bevor: Es tft ein hartes Tagewerk, das er ſich felber erfor.
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425 „Sieh, daß bu vor dem Degen deiner Wirthſchaft Ehre machſt: Er verfteht ſich auf die Küche, in Treuen, ob du ladjit. Er war in Briren geftern uns Wirth und Koch zugleich Und ſchwerlich ißt man beßer im aller Könige Reich.“ „Der euch die Speifen würzte, Hunger hieß ber Koch.“ — „Der ift mohl fo gefällig und thut e& heute noch,“ Eprad Ute, die getreue, „fonft wär der Wirthin bang.” — „Willſt du viel Worte maden, fo währt es uns allyulang. „Er ift fein Koftwerächter, ihm mundet Wild und Zahm; Nur füttr ihn nicht mit Weben, der Speife find wir gram. Doc eh der Tifch gebedt wird, weiſ uns bie Kammern an.” Das wurde da von Üten den Degen willig gethan. Drei gute Echlafgemädher waren fchon bereit, Man ſah aus den Fenſtern auf See und Landichaft weit, Der hatte neue Reize der Abend verliehn, Denn alles war. vergoldet mas jeßt die Sonne beſchien. Ta wurden fie entledigt von der fchweren Nüftung Laſt; Erft half der Wirth den Gäften und dann dem Wirth ein Salt. Zuerft war umgelleivet Wittich der Held: Da trat er in ein Fenfter und jah hinaus in die Welt. „Sind das eure Kinder,” ſprach er zu Hildebrand, „Die fih dort im Kahne rudern an das Land? Mic dünkt, fie fehn euch ähnlich.” Er ſprach: „Das mag wohl fein: Es find die Mölfingen, die lieben Echwefterfühne mein.
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426 „In Rom bei: Ermrich weilet ihr Vater Amelolt, Und Mergart tft geftorben; doch Sch bin ihnen holt. Nur find fie fchwer zu ziehen, es liegt in der Art: Mas wird erft Künftig werben, wenn ihnen fprießen will der Bart? „Die jungen Waghälfe find voller Uebermuth, Bon Vater und von Mutter eine vechte Welfenbrut. Urenkel Berchtolds von beiden Eltern ber: Die drei Wölfe ziemen im Schilde Niemand fo fehr. „Roc in der Wiege fchaufelt das dritte Wölflern fich Wie diefe bier im Nachen. Das glaubt mir fierlid: Soll der zu Jahren fommen, er bringt ung AU in Noth. Als er geboren wurde, gab er der Mutter ven Tod.“ Da begann Herbegen: „Da du nicht Kinder halt, So hüte dich, Alter, zu Nacht vor Elbegaft. Schier bift du Greiz; Frau Ute ift noch ein junges Weib: Leicht macht der Zwerg fich wieder einen nedjchen Zeitvertreib. „Wir drei find jung, ihr wäre willkommen wohl ein Taufch.“ Doch Hildebrand verfehte: „Was fchnadjt du doch im Rauſch! Und wär ich fechzig Sommer und Winter über Land Und kämen eurer hundert zu frein um meiner Ute Hand, „Sie lacht' euch aus und bliebe dem alten Graubart hold. Ihr Sinn ift feft wie Eifen und lauter wie das Gold. Die Welt geht zu Grunde, eh fie die Treue bricht.“ Die Rede freute Jenen, er widerredet' es nicht.
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427 Doch Hilbrand ſprach: „Sch fchelte darum nicht andre Fraun; Ein Jeder Iobe feine und follt ihr billig traun. Eo trau ih Reinbalds- Tochter, Erichs Entelin: Die Art tft zuverläßig, es war nie Faljchheit darin. „Tas tft da8 Wahrzeichen Venedigs ihrer Stadt, Daß' da das Waßer Ballen, darauf zu bauen, hat. Doc gehn wir jeßt zu Tifhe, man rief zum brittenmal.” Da dampften jchon die Speijen von ber ‘runden Tafel im Saal. Als man das Waßer reichte, da |prangen aud herbei, Die erft den See befuhren, beherzter Knaben zwei. Als Ute fie erblidte, ven Finger jchmälend hob Die gute Pflegemutter, es ſchien, fie habe wenig Lob . Bon ihnen zu berichten. Da legte Siegftab Den Finger auf die Lippen. Das Zeichen, das er gab, Bemerkte wohl der Meifter und ſprach: „Das hilft euch nicht: Was ihr verbrodhen habet, das muß heraus an das Licht. „Gefteht es lieber felber, fo ftraf ich8 minder hart.“ „Wohl, ich will es jagen,“ rief da Wolfbart: „Bir find nah Welſchbreiſach gefahren über See Und hatten feinen Urlaub. Daß es nicht wieder geicheh, „Berbürg ich midy für Eiegftab.” — „Und er für Dich vielleicht?“ „Das fag ich nicht, doch fcheint mir, daß ihm der Muth nicht reicht, Es wieder zu verſuchen. Es kam einmal en Sturm; Da ward er Heinmütbig und krümmte fich, wie ein Wunn.
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428 „Bir find doch nicht geftorben, wir leben, fiebft du nun?“ — | „Was gilt die Wett, ih wag ed noch einmal zu thun?“ — „Was ſagſt du?” rief da Hilbrand. — „Wenn du uns Urlaub giebft, Verſteht ſich,“ ſprach Siegftab, „und es nicht ewig verfchiebft „Bis wir groß geworden, wie es immer heißt.” Da ſprach ihr Oheim Hildebrand: „hr werdet allzubreift:; Doch welch Gewerbe hattet ihr dort? das faget mir.” — - „Da war neulich Edart mit den beiden Harlungen bier, „König Dietmars Neffen (fie kehren bald zum Rhein, Ihre Mutter ift geftorben und Harlung nun allein): Sie kamen unjertivegen, das leugneten fie nicht; Nun ift doch eine Ehre der andern werth, wie man ſpricht: „Den Befuch eriviedernd fuhren wir heut bei guter Zeit, Und drüben ftanden Pferde fchon für uns bereit: Die brachten uns nach Breifadh und wieder an bie Flut, So daß wir zeitig Tehrten.” — „Das ift fürwahr ein Uebermuth,“ Eprad Hildebrand, „und übel fonnt es euch ergehn. Mas gedenkt ihr nun zur Buße dafür auszuftehn? Ich hab euch oft verboten auf hohem See die Fahrt: Beitimmt die Strafe jelber; fie wird euch ſchwerlich erjpart.“ Nicht Iang befann fi Wolfbart: „Du wilfft zu Dietrich ziehn, Nie wir hören, morgen: fo nimm uns mit dahin. Da fol ein Held fi meßen mit König Dietmars Cohn: Das ſehn und ftille fiten, der Buße gnüget uns ſchon.“
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„Wir wollens überlegen,“ ſprach lächelnd Hildebrand. Da reichte Herdegen den Neffen die Hand. Ihr wadern Knaben,” ſprach er, „ihr beftraft euch ſchwer; Kann Ichs zu Wege bringen, fo wird der Buße noch mehr.” Da ſetzten fih zu Tiſche die Helden allyaumal; Frau Ute nahm, die Gäſte zu ehren, Theil am Mal. Ich zählte nicht die Schüßeln, die man vor fie trug: Es brachten Truchſeßen der guten Speiſen genug. So waren auch die Schenken nicht ſäumig mit dem Wein; Der mochte wohl bei Garten um den See gewachſen fein. Da aßen fie und tranken und Batten frohe Zeit: Wem man den Bedjer brachte, der that dem Freunde Beſcheid.
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Zweinndzwanzigfted Abentener. Die Sintram jeinen Bruder Herdegen erfhlun. Darauf am andern Morgen, als Meifter Hildebrand Die Wölfinge zu weden von Utles Seit erftand, Da batt er fich verfchlafen: die Sonne war ſchon längft Herauf und Wittih zäumte im Stall den muthigen Hengft. So fand er auch die Betten der Wölfinge leer; Sie banden fich ein grünes Fähnlein an den Eper: Das hatt ihnen Ute gejäumt und geiftidt; Ihr hört no dem Wappen, dem mandher Held einft erjchridt. Sie muften Schild' entbehren, dazu das fcharfe Schwert: Doch hatte fie mit Ringen und fchönem Helm bemehrt Ihr Oheim Herbegen: er half den Knappen gern Und nahm es für entichieden, fie dürften heute nach Bern. Hildebrand ihr Oheim hatt es auch im Einn; Doc) ließ er fichs nicht merken und frug: „Wo wollt ihr hin?” Herdegen ſprach: „Antwortet dem Siebenfchläfer nicht; Beginnts ihm erft zu tagen, giebt er fich felber Bericht.
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431 „ist auf, längft brachte Hetme die Pferde vor das Haus; Eben zieht auch Wittich den Schimming beraus. Der alte Zaubrer folgt una mohl nad mit anderm Trofs.“ Doch Hildebrand war burtig, er ſaß noch vor ihm zu Roſs. Da fuhr ihn zu neden Herdegen fort, Und ſprach zu den Knaben: „Ihr feib wohl vor ung dert: Da meldet uns bei Tietrid und König Dietmar an, Daß wir nit warten müßen, eb fie ung Degen empfahn.“ Nicht widerfpradh der Alte; die Jungen freuten fich, . Ste fpomten ihre Roſſe, die giengen hurtiglid). Die Gäſte zu entlaßen trat Ute jet bervor; Bald ritten audy die andern aus Gartens hallendem Thor. Noch habt ihr nicht vernommen von jedem Wappenbild, Das die Helden trugen im Fähnlein und im Schild; Nur von Wittichs Rüſtung ift fchier zu viel gefagt: Nun meld ich von den andern, wenn euchs zu hören bebagt. Erft von den Wölfingen: drei Wölfe goldesroth Führten fie im Banner bis an ihren Tod, In lichtgrünem Felde; jo wollt es Hildebrand: Bon den Wölfen waren fie auch die Wölfinge genannt. Einft hatte man das Zeichen an dem Meiſter jelbft gefchaut: Seinem Ahnherrn Berchtold verliehs der alte aut, Eine weiße Burg nun führt! er im rothen Schilde gern, Jedoch mit golbnen Thürmen, ob es Garten war oder Bern.
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432 In Herdegens Schilde mar ein goldnes Horn Auf braunem Grund zu ſchauen; bei dem Munpftüd vorn Saß ein goldner Habicht: er war ein Freund der Jagd; Doch hatt er oft zum Heerhorn fein gutes Hifthorn gemacht. Heime der grimme trug auf blauem Grund (Bläue thut wohl Treue, doc öfter Kälte fund) Ein Roſs von bleicher Farbe: das gab ihm Adelger; Au ritt in allen Landen Fein Mann fo herrlich als er. So ritten die Helden und famen Bern fo nah, Daß man von der Höhe die Veſte ragen ſah; Auch meldete der Wächter die Freunde früh genug, Da eben fie hinüber die ſchöne Etſchbrücke trug. Als das Dietrih hörte, da ſäumt' er fich nicht lang, Entgegen eilt’ er ihnen zu freundlichem Empfang: „Hab Dank, lieber Schwager, daß dich. mein Aug erblidt, Und habt auch) Dank, ihr Freunde, die ich als Boten geſchickt.“ — „Ich komme dir zu Liebe und Hilbrand deinem Mann; Doch nur um dir zu fagen, daß ich nicht bleiben kann,“ Sprach da Herdegen: „Feſt ſteht mein Entſchluß, Salzburg ſoll nicht verwaiſen; doch ſchmerzt mich, daß ichs weigern muß.“ „Iſt es dein feſter Vorſatz,“ verſetzte Dieterich, „So kann ihn nichts erſchüttern; doch feſt beſchloß auch ich, Es ſolle Herdegen hier mein Geſelle ſein. Dabei muß es verbleiben: geht es der Vater nicht ein,
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433 „So ſchick ich nad) dem Sohne, ver gleichen Ramen trägt.“ „Laß Mich hierauf dir dienen,“ fprach Hilbebrand bewegt; „Herbegen mag inzwilchen zu König Dietmar gehn: „sch weiß, er wirb fih freuen, den Eidam wieder zu ſehn. „xaß ihn nicht lange warten; Ich babe jeht das Wort.“ Mit verbaltnem Schmerze gieng Herbegen fort. „Da haft du eine Saite,“ ſprach Hildebrand, „berührt, Tie feinen guten Klang giebt, iver auch den Bogen drüber führt. „Sein Sohn Herdegen ift leider lange tobt; Doch das ift nicht das Echlimmfte: viel ſchwerer wiegt die Roth, Daß ihn der eigne Bruder, der junge Sintram, ſchlug. Er verlor zwei liebe Söhne, des ift er traurig genug.“ „Wie ift denn das ergangen?” — „Das thu ich dir fund, Will gleich Das Herz mir bluten — auch deines wird dir wund; Tod ſoll mi das nicht hindern, bu haft es ja gewollt. Tu weiſt, drei Söhne zeugt’ er mit deiner Schweiter Iſold. Herbart heißt der dritte, den fie zuerft gebar. Auch hörteft du, daß Wigbald in Berchtolbsgaben war, Der berühmte echter, den man uns öfter pries, Ch er gleich den Hieb nicht kann, den ich jo manchmal dir wies. Dem gab er in die Lehre der Söhne rohe Kraft Und ließ fie unterweifen in aller Nitterfchaft. Die beiden ältern faßten auch Alles gar geichwind; Doch nichts begriff der jüngfte, er war wie taub und wie blind. Zimrod, dad Nmelungenlied. 1. 28
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434 Nun kam es einft zur Sprade, als er bei Tiiche ſaß Mit feinen Zöglingen (denn Wigbalb vergaß, Sie Schweigen auch zu Iehren), daß Eintram nichts begriff Bon allen Fechterlünften, auch nicht ven leichteften Griff. Der junge Herbegen meinte nad) feiner Art, Und nicht widerſprach ihm fein Bruder Herbart, Am beften wär es, Sintram lernte fonft ein Ding, Da bei der Fechtkunſt nimmer Beifpiel noch Lehre verfieng. „Ihr meint wohl, Euer Beifpiel,” ſprach da Sintram (Er war der Rede willen dem Bruder herzlich gram): „Das Tann nicht viel verfangen, denn es ift wenig werth. Mag fein, daß ich nichts leme; doch Feiner ift jo gelehrt „Bon Euch, dem ich nicht ftünde: wenn ihrs verfuchen wellt, Ihr thut mir eine Liebe, ich bin euch wahrlich hold.“ Herdegen ſprach: „Mit Freuden, du bift ja jo erpicht.“ „Heraus denn,” rief Sintram mit troßiger Zuverficht. „Bir wollens gleich erfahren: wozu der Aufenthalt?“ Da gieng mit Herbegen der Meifter Wigbald Die Nappiere holen, womit fie immerdar Eich zu üben pflegten. Des wurde Sintram gewahr; Da rief er: „Pfui! die Hieber find ja zum Reiten ftumpf. Hinweg, ba fchlüg ich lieber in einen faulen Sumpf. Wir müßen fcharfe haben, ſonſt wirb man nimmer flug Daraus, wer bier dem andern die jchönften Sitzhiebe ſchlug. ‘
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435 „Doch ohn uns zu erzümen; Ich habe kaltes Blut.“ Das deudte Herdegnen, feinen Bruder, gut. „So laß ich mir nicht dreuen,“ dacht er in feinem Simi: „Was brauch ich das zu fcheuen, da Ich der überlegne bin?“ Wigbald war fo thöricht, und ließ es geichehn. Er dachte wohl, fe würde man jet am Beſten jehn Ob fie etwas könnten, das fie bei ihm gelernt: „Nur haltet Eifer,“ bat er, „und alle Bosheit entfernt.“ Herdegen ſprach: „Wir bleiben gelaßen, altes Haus.“ Da banden fie die Klingen und legten weit ſich aus. Nun trat zum erften Hiebe der junge Sintram vor, Er ſchwang das Schwert gewaltig und hob den Schilbrand empor. Ta fieng ihm die Klinge Wigbald mit dem Schwert Und tabelte den Schüler: „Wann hab ich dich gelehrt, Den Schild jo hoch zu heben? So deckt er dich ja nicht.“ Doch Sintram rief: „Verſchone mich jeßt mit deinem Unterricht. „Der kann bier nichtö mehr frommen: hab ich bie diefen Tag Nichts erlernen können, fo ifts zu fpät, ich mag Auch heute nichts erlernen. Nun fall nicht wieder ein: Bleib dort auf deinem Plage, es möchte dein Schabe fein.“ Wigbald trat zurüde und ließ fie ohne Roth. Da fprangen fie zufammen und Funken feuerroth Stoben aus den Klingen. Als Herbegen jah, Daß Eintram fich nicht fchirmte, zwei Braufchen jchlug.er ihm da;
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436 Doc; fam Fein Blut geflopen. Der junge Sintram fiel Nun mädtig aus und nahm ſich Herbegens Haupt zum Ziel; Der bielt den Schild dagegen und gab fi) unten bloß: Brubershände warfen ihm da das bittre Todeslooß. Als Sintram jah vom Schilde des Gegner? Haupt beivehrt, Da ftieß er in die Weichen ihm unterm Schild das Schwert Mit aller Kraft, die Klinge fuhr hinten blutig aus. Herdegen fiel zu Boden: das Ende nahm diefer Strauß. Den Schild warf Sintram nieder bei des Bruders Fall Und mit gezüdtem Schwerte lief er nad dem Stall. Da ſchwang er fih zu Pferde und ritt aus dem Land; Wohin er fich gewendet, das ift noch Niemand belannt. Als Hervegen hörte, fein einer Sohn jet tobt, Und der andre fortgeritten, das fchuf ihm billig Roth. Da ließ er Herbart fommen und fragt’ ihn: „Iſt dem fo, Herdegen liegt erihlagen und jein Mörder Sintram floh?“ „Dem ift jo,” fprad) er, „leider; doch laß das lieber ruhn.“ Da ſprach der Graf: „Zwei Söhne verloren bab id nun (Nicht will ichs ruhen laßen) durd Deine Schuld allein, Der du als Erſtgeborner aud der Klügfte jollteft fein. „Du konnteſt fie berathen, das jüngre Brüberpaar Zur Pflicht ermabnen, thaten fie was vom Uebel war; Nun baft du fie ftatt deſſen zufammen noch gebeßt. Schwer genug an jenen bin ich geftümpft und verlekt,
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437 „Sonft müfteft dus entgelten mit deinem eignen Blut. Doc geh mir aus den Augen: es thut nimmer gut, Wenn id dein Antlitz ſchaue: du gleichſt ihm allzufehr, Dem armen Erfchlagenen, und gleichjt dem Mörder noch mehr.“ Eeitdem muft er meiden des Vaters Angeficht. Der Unfall ver beiden ift feine Schuld doch nicht; Das fagt’ ich auch dem Pater, als ich es bort erfuhr: An Wigbald müß ers ahnden, ver fei der Schuldige nur. Das ließ er mir nicht gelten und blieb dem Sohne gram. Als ich von feinem feften Entfehluße drauf vernahm, Steier nicht zu verlaßen, da rieth ich, daß er fich Mit Herbarten löfe, wenn Dirs gefiele, Dieterih, _ Daß du ihn ftatt des Vater zum Stallbruder nähmft; Ein Tauſch, bei dem du fchmerlich fehr zu Schaden kämſt: Er ift ein ftolger Degen, das magft du jelber ſchaun, Gewandt in allen Dingen und gern geſehn bei den Fraun.”
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A38 Dreinubzwanzigftes Abenteuer. Die Wittihen das Schwert zerjprang. Zu Wittichen wandte ſich da der Held von Bern: Eo tritt doch näher, Herbart: mas hältft du dich fo fern? Ich habe wohl vernommen, daß feine Schuld du haft: Du bift mis willlommen, Taum ſah ich noch liebern Gaſt. — „Wittich ift mein Rame, Herbart heiß ich nicht: Nun nimm diefen Handſchuh, ver für fich felber fpricht.” Er war mit Erz beſchlagen: den reicht’ er ihm bar. Mas fol das bedeuten? ſprach Dietrich, der verwundert war. „eo fordr ich di zum Zweikampf: bu bift gleich alt mit mir; Daheim in meinem Lande vernahm ich viel von bir, Und weit bin ich geritten und mancherlei Beſchwer Und Noth bab ich erlitten auf ver langen Fahrt bieher, 4 „Meil ih erfahren wollte, ob du fo kühn und ftarf Als dich die Leute rühmten in meiner Heimat Marl. Doch fteb ich jetzt am Ziele, wenn ee dir Freude ſchafft, Und ganz bereit fchon bin ich mit dir zu meßen die Kraft.
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439 „Und ſeit dem eriten Tage, daß ich von Haufe fuhr, ° Konnt ich es Taum erwarten, bis ich recht erfuhr, Wie feſt unfre Schilde, wie fcharf die Schwerter find, Wie ftarl Helm und Harniſch, unſre Arme wie gefchwind.” Entrüftet jprach da. Dietrih, König Dietmars Sohn: „Kampf ift mein Leben, nie hab ich Kampf geflobn, Und meiß ich Kampf zu finden, ber mir das Herz burchloht, Sp freut fi) meine Seele, denn folder Kampf ift mir Noth. „Doch, fo gewißigt, mad ih den Frieden nun befannt, Daß in meinem eignen und meines Baters Land . Nicht jeder Landftreiher und feiger Böferwicht Mit ſolchen Anträgen mid, höhnen darf ins Angeficht.“ Da ſprach der alte Hildebrand: „Nicht alfo, Yreund, vu haft Dir noch nicht recht betrachtet, merk ich, diefen Gaſt: Du weiſt nicht was du redeſt, und ich weiß wahrlich nicht Wie diefer Kampf ſich endet und wem den Sieg er verjpricht. „Und eher möcht ich glauben, bir falle das zum Looß Mas fie Unfteg nennen: drum mad) dich nicht zu groß. Wohl braudft du Kraft und Kühnbeit, doch Uebermuth fei fern: Das laß dir von mir rathen, du junger König von Bern.” Da ſprach der Ritter Reinald, ein Höfling Dietriche: „Allzugroßer Unfug jedoch bedünket michs, Daß in deinem Lande, Herr, dich jeder Schuft, Und jeder lange Lümmel alsbald zum Zweikampfe ruft.“
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A440 Da ballte Metfter Hildebrand bie Fauft zu grimmem Schlag, Und ſchlug ihm an die Ohren, baß er am Boben lag: „Fahr bin, verzagte Schrange! Du beihimpfft mir wohl nicht mehr Den Freund und den Gefährten: du fahft, Ich bracht ihn hieher.“ „Es fcheint mir,” ſprach da Dieterih, „daß du ſehr eifrig biit, Diefem Mann zu helfen, der mir zuwider ift. Doch wiße, daß ihm wenig deine Hälfe frommen mag: | Bor Bern am Galgen bangen follft du ihn jehn noch diefen Tag.“ Da ſprach der gute Meifter: „Wenn du ihn bezwangft In dem Kampf, der noch zu kämpfen (ihm ift davor nicht angft), Eo magft du ‘mit ihm fchalten mie eö dir gefällt: Er muß fi) untertverfen dem lrtheil, das bu gefällt. „Roc ift er ungebunden; auch hat es nicht den Schein, Als ob erö heute würde, wenn ihr zwei allein Im Ring die Kräfte mehet: das wirft du noch geiwahr. Mit dem Berner Galgen hat es wohl feine Gefahr.“ Da rief nad Roſs und Waffen Dietrih aus Herzenstraft; Die wurden ihm beide alsbald berbeigejchafft. Herrlich ftand dem Degen fein Lichtes Eiſenkleid; Erſt fuhr er in die Hofen, dann in den Panzer tief und weit. Nun ſchwang er Hildegreinen, den guten Helm, aufs Haupt, Den er mit Hilbrands Hülfe dem Rieſenpaar geraubt. Dann um die Hüfte fchnallt er den guten Ragelring. Der Held war hohes Wuchfes; doch zu den Füßen ibm bieng
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MH Des Ecweried Drtband wieber. Cie reichten ihm den Schild: Die vorgeftredten Branfen rührten jchier ven Rand, Denn auf den Hinterfühen der Leu, ber fchreitende, fund. Man fah daflelbe Zeichen von jeinem Banner wehn, In Wappenrod und Sattel den golbnen Löwen ftehn. Zam gutes Roſs hieß Falle, den Tifa gebar, Der Schimmings Halbbruber und Rispas Bollbruber war. Dem fprang er auf den Rüden und ritt nad) der Bahn: Das Boll lief in Echaren den Kampf zu ſchaun voran. Der Grafen und der Nitter folgten ihm genug; Mit den Wölfingen jab man aud König Dietmar bei dem Zug. Seime der ftarle ritt neben Dieterich. Als fie zur Stelle famen, da ſaß ſchon Wittich Zu Pferde ganz gerüftet, den Sper in feiner Hand; Geleit gab ihm Niemand außer Meiſter Hildebrand. Man öffnete die Schranten und ſchuf da Raum genug. Da trat der ftarle Heime zu Dieterih und trug Eine goldne Schale, die füllt! er ihm mit Wein: „Trink Herr, und heut und immer möge Gott dir Sieg verleihn.” Die Schale leerte Dietrih und gab fie dann zurüd. Nun wünſcht' aud Wittihen der Meifter Heil und Glüd Und bot ihm eine Schale: da bat ihn Wittich till: „Erft bring fie Dietrichen,, ob er mir zutrinten will.”
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442 Das wollt er nicht, der Stolge, er mies fie ab beitimmt. Der Meifter ſprach: „Du weift nicht auf Wen du bift ergrimmt: Du finbeit einen Helden bald an ihm und nicht, Mie du eben fagteft, einen feigen Böſewicht. „Trink nun guter Degen,“ fprad er zu Wielands Kind, „Und webre di mit Mannbeit, wer auch den Sieg gewinnt: Gott mag bir feinen Beiſtand und feine Kraft verleihn.“ Witti nahm die Schale und trank den Föftlichen Wein ; Gab fie zurüd dem Alten und gab ihm auch den Ring, Den in der Angftftunde feine Mutter einft empfieng: „Leb wohl, guter Meifter und babe das zum Dank Für die getreue Hülfe und für den ſtärkenden Trank.“ „Biſt du nun fertig, Degen?“ frug da Dieterich. „Richt länger werd ich ſäumen,“ verſetzte Wittich. Da fchufen fie den Roſſen mit fcharfen Sporen Pen, Nichteten die Schilde, die Lanzen legten fie ein. Schon trugen fie die Pferde zueinander pfeilgefchwind, So ſchießt der Habicht nieder, daß er den Raub gewinnt. Als fie zufammentrafen, den Eper mit aller Kraft Stieß Seder auf den andern. Da krachte Wittichens Echaft Und fprang in taufend Stüde, das Spereifen fuhr In Dietrichs Schildnabe: da ließ es kaum die Spur - Und blieb ale Budel haften. Dem jungen König glitt Der Sper von Wittichs Echilve, fo daß den Sieg er erftritt,
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443 Penn Der kann Steger beißen, der nichts vollbracht im Streit. Doch bielt er mit der Lanze zum andern Gang bereit. Die Roſſe waren heftig vorüber fich gerannt _ Und diefer Gang geendet: des freute ſich Hildebrand. Yaut rief da Wittih Dietrichen zu: „Das Roſs burtig wende, Fühner Degen du, Schlag es mit den Sporen und reit auf mid mii Macht. Mein Sper ift zerbrochen, den deinen haft du heimgebradht. „sch will bier rubig halten: ziel her auf meine Bruft: Da foll ver Schaft dir bredden, wo nicht ich dir zur Luft Dem Sattel tobt entffüre. Vom Schild unbewehrt Will ich den Stoß erwarten.” Zugleich zog Wittih das Schivert. Ta wandte Dietrih Fallen und trieb ihn mit dem Sporn, Und freudig ftieß der Degen in fein goldnes Horn, Schon ganz gewiß, er gebe dem Yeind den Todesſtoß. Seinem guten Echwerte vertraute Wittich fein Looß: Ten Schaft entzwei zu ſchlagen gedacht er ihm damit; Doch blieb der ungerhauen, meil es fo feharf nicht fchnitt. Ihm half der gute Panzer, auch ſaß jo feft der Helb: Auf feiner Bruft in Splitter ſah man Dietrichs Sper zerichellt. Ta jprangen von den Mähren die Kämpfenven zumal Und zogen aus den Scheiven der Schwerter blanken Stahl. Dietrich Ichlug dem Gegner manchen ſchweren Schwang Mit Nagelring dem Schwerte, daß oft der Helm ibm erflang.
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444 Einen Hieb auch gerne ſchlüg ihm Wittich jetzt: Wär er ihm gelungen wie er ſich vorgeſetzt, Ein Mal wär wohl geblieben, das ſchien nicht zweifelhaft. Da ſchwang er zu dem Hiebe das Schwert mit zorniger Kraft Wider Dietrich Helmhut, den guten Hildegrein: Der war fo bart, die Klinge drang mit Nichten ein; Doc Eines müfte brechen, zu mächtig war der Streidh: Und fo geihahs, in Stüde zeriprang das Schwert ihm fogleich. In gerechtem Eifer rief da Wittidh: „Ha, Wieland, mein Vater, der Afen Zorn auf dich, Daß du dieß Schwert, den Mimung, fo fchlecht gefchmiebet haſt, Wie gut du ſchmieden Fonnteft, wenn du mwollteft, Elfengaft. „Nun hätte dein Erzeugter ſich als ein Held gewehrt, Ja mohl den Sieg erfochten, hatt ich ein gutes Schwert; Doch dieſes bringt mir Schaden und Schande folgt ihm nad; Dir aber, der es fchmiedete, dir bringt e8 ewige Schmach.“ Da freute fih des Sieges Dietrih und nahm Das Schwert in beide Hände: er war dem Jüngling gram, . Der nun ohne Waffen noch troßig vor ihm fand: Er wollt ihn nieverhbauen. Da fprang der alte Hildebrand Gilends dazwischen und ſprach zu Dieteridh: „Sieb diefem Manne Frieden, fein Bürge bier bin Sch, Nimm ihn zum Gefellen, zum Freunde nimm ihn an, So ward dir nie ein befrer und nie ein kühnrer unterthan,
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445 „Als diefer uns bewährt ift in aller Ritterfchaft. Er bat allein erftritten durch feines Armes Kraft Bon zwölf Naubgefellen Briren das feſte Schloß, Das du nicht zwingen Tonnteft mit all dem reifigen Trofe. „Es bringt dir wahrlich Ehre, dient dir foldh ein Held.” Doch Dietrich verfebte: „Sein Urtbeil ift gefällt. Er muß den Galgen zieren heute noch vor Bern.” Roc dringender ermahnte Hilbrand den zürnenden Herrn: „Richt alfo, Herr, verfahre mit biefem edeln Knecht; Biel erlaudhter Namen zählt fein hoch Geſchlecht, Von Bater und von Mutter ift er von Königsart: Eieh nur felber, Dietrih, wie kühn und ftolz er gebahrt. „Es muß dich immer ſchänden, ihm folde Schmad zu thun.“ „Das Geſetz will ich gebieten,” ſprach Dietrich, „und nicht ruhn, Bis ich ihm Anfehn fchaffe, daß mich in meinem Land Kampfes muß erlaßen jeder hergelaufne Fant. „Richt länger mag ichs dulden, der Unfug iſt zu groß, Ich ſage mich noch heute von ſolcher Knechtſchaft los. Wenn dann am Galgen baumelt dieſer arge Hund, So thut er allen Leuten meinen feſten Willen kund. „Es ſoll ihn nicht friſten, daß Du ihn hergebracht. Nun geh aus dem Wege und nimm mein Wort in Acht, Und fo dus überhöreſt, fo wiße ſicherlich In Stüden werb ich bauen vor deinem Schüßlinge Dich.“ — — — — —
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446 Bierundzwanzigites Abentener. Wie Dietrih befiegt warb. Da nun vernommen hatte der alte Hildebrand, Daß Fein Gehör fein Bitten bei dem jungen Dietrich fand, Da er fein felbft nicht fchonen wollt im Uebermütb, Der Pflegling feinen Meifter, ver ihm treulich rieth und gut, Das deucht' ihn großer Frevel. Er ſprach: „Das gebt zu weit: Wohlan, fo jol denn haben das Kind, monad es fchreit.“ Da zog er aus der Scheide das leuchtende Schwert, Und wandte fi zu Wittih, der vor ihm ftand unbewehrt. Er ſprach: „Gott hüte Jeden, der gerne Treue hält, Daß er in Untreu falle! Sieh nun, guter Helb: Die wir beſchworen haben, die Bundesbrüderſchaft, Als wir zuerft ung faben, die will ich halten in Kraft. „Es reut mich, daß ich zollbreit je davon gewankt: Nun wird mein Herz erleichtert, das längft mich ausgezankt. Nimm bier den Mimung wieder, den ich dir forgend nahm, Und mehr dich als ein Degen; mir aber ſei drum nicht gram,
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417 „Daß ich in Brinnigs Scheide gen Bern geführt dein Schwert — Der Fürſorge war er, ich ſeh es jet, nicht werth. Ich will nicht weiter fragen, was ihm davon gefchiebt, Und nur dem Himmel Tagen, daß mir der Yögling miſsrieth.“ Als Wittib das erhörte, und jest in feiner Hand Den Mimung bielt — er hatt ihn beim erften Alid erfannt — Da ftand der Held betroffen, doch als er jetzt begriff, Daß er Die Scheib alleine von Briren bracht und den Griff, Da warb in feinem Herzen Wittich jo frob, -e8 mag Kein Bogel mehr fich freuen, wenn er grauen fieht den Tag. Er küſsſte den Mimung auf jedes goldne Mal: „Vergebt mir nun, ihr Götter in Asgards leuchtendem Saal, „AU die Schmähworte, die ich thöricht ſprach Wider Wieland meinen Vater, der nichts an mir verbrach. Sieh nun, edler Dietrich, den Mimung balt ich bier: Jetzt bin ich fo freudig den Kampf zu Tämpfen mit dir „Wie der Durftige zu trinken, wenn er die Quelle fand, Nach ver er lang geichmadtet in heißer Eonne Brand. Tank dir, guter Meifter, beine Treue fei gelobt! Du haft fie an dem Pflegling und an dem Gaftfreund erprobt.“ Da wandt er fi zu Dietri und fchlug ihm Schlag um Echlag, Daß bier ein Stüd des Banzers und dort des Schildes lag; Die lichten Helmzierden fielen wie gejchneit: Mit Eorgen ſah es Hilpebrand und Heime jah eg mit Neid.
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448 Die herrlichen Streiche konnt ihm Dieterich, Der edle, nicht erwiedern, nur ſchützen fonnt er fid; Das macht ihm noch zu ſchaffen: fchon trug er Wunden viel, Und immer weiter jpielte Mimung das freisliche Spiel, Als er von Bruft und Stirne fich fließen jah das Blut, Da mocht er wohl erfennen, daß diefer Kampf nicht gut Für ihn enden möge, wenn ihm in kurzer Frift Nicht andre Hülfe käme, noch Jemand ſchiede den Zwiſt. Die Schlange, die von Glimme, dem Helme, Geifer ſpie — hm bangte vor dem Grimme der Ungethüme nie: Bor Mimung muft ihm bangen, dem haarſcharfen Schwert. Jetzt hätt es ihm das Leben mie längft die Rüſtung verfehrt, Da rief er Hildebranden, feinem Pfleger, zu: „Magit du den Kampf nun fcheiven, lieber Freund, das thu: Ich weiß nicht, wie ich ſelber ihn noch fcheiden fol.“ Da fprady der gute Meifter: „Ich trage dir feinen Groll; „Do als ich euch zu ſcheiden gedachte, haft du Rath Verſchmäht und jede Bitte, wie dringend ich auch bat, Da dir noch Ehr und Frommen verhieß diefer Streit: Es wär davon gefungen und gejagt in allen Landen weit; „Do will mich jeßt bedünken, ale wär dein Schild zerhaun, Der Zierden ledig Hildegrein und Niemand mehr ein Graun, Dein Panzer arg zerichlagen, du felber fährlih wund: Du fommft aus diefem Kampfe nicht wieder heil und gefunt.
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449 Zu ſolchem Ende bracht ed dein hoher Uebermuth, Dazu dein kindiſch Trotzen: das thut auch nimmer gut. Scheide dich nun ſelber, das iſt was Hilbrand räth: ch kann dich nicht mehr ſcheiden, mein Scheiden lommt hier zu ſpät. „Rum fteht es bei dem Eieger, der dich töbtet ober fängt, Ob er daſſelbe Urtheil über dich verhängt, Das dem Königäenlel dein Stolz bat angebroht, Oder ob er milder dir erläßt jo fchmählichen Tod.“ Als Tietmar ſah, der König, fein Sohn ſei befiegt, Da er dem grimmen Feinde beim nächften Streich erliegt, Mit einem rothen Schilde trat er ba zwiſchen fie, Ihm Frieden zu erbitten: fo ſchlug das Herz ihm noch nie. „Bas foll das heißen, König?" ſprach da Wittich, „Was ftehft du mir im Wege? Wiße ficherlich, Wilft du Gewalt dem Gafte thun in deinem Land, Du wirft darım mit Nichten ein befrer Degen genannt. „Auch blieb’ es ungerochen von meinen Freunden nicht: Meiner Mutter Bruder, dem meine Rache Pflicht, Sf ein mächtger König, jo mächtig wohl als bu.“ Da ſprach der König Dietmar: „Wie trauft du Solches mir zu? Ich will dir eitel Gutes nur thun, daß du es lohnſt; Ich will dich freundlich bitten, daß bu den Sohn mir fchonft, Denn unfehlbar ſeh ich ihm jet das Ende nahn, Wenn ihr länger fechtet. Läßt du ihn Frieden empfahn, Simrock, das Amelungenlied. 1. 29
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#50 „Sp hab ich reicher Burgen in meinem Sande viel Und fchöner Hergoginnen: gebiete mir, befichl, Bon beiden follft vu wählen Die dir zumelft gefällt: Wie möchte dir dann beßer gelungen fein in ber Welt?” Da fprach der Kühne Wittich: „Nicht alſo, König hehe, Ihm frommen Herzoginnen und Burgen nun nicht mebe: Ihm wird daflelbe Urtheil, das Er mir zugebacht, Es fei, daß ihr mich Binbert durch eurer Bollszahl Uebermacht Da trat zuruck der König: alsbald begann aufs Neu Der wilde Kampf: zu teben. Dietrich ohne Scheu Vor Wittichs Todeswaffe wergalt ihm jeden Hieb. Wollt er jetzt erprimmen, das wäre dem Glmgex' lieb. D Held, dein Yeuereifer, begänn er zu erglühn, Nicht möchte Gift und Geifer des Wurms dich überjprühn, Der fcharfe Mimung würde von deinem them ftumpf; Doch mäht er jet wohl früher das edle Haupt dis vom Rumpf, Eh er dich recht erbittert, eh er dich ganz erboft. D Dietrich, deinen Feinden iſt diefe Langmutb Troft; An deiner Macht verzweifeln bie nächſten Freunde ſchier: Doch ch muß immer fagen und immer fingen von bir.- Einft wirb die Welt erfennen den Preis, der bir gebührt; Doch erft durch mande Prüfung wirft du hindurch geführt, Und eh du ftehft am Ziele muß Wittich wor bir fliehn; et zwingt dich feine Waffe, bein Zorn einft bandiget ibm.
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451 Da fchlug der kühne Wittih auf Dietrichs Hilvegrein, Die Stüde ftoben nieder, fein Saar flog binterbrein. Bon der rechten Hand zur linken war ber Helm zerfpellt: Dein Stern will niederſinken, o Dietrich, herrlicher Helv. Als Hildebrand erlannte, daß zerihlagen lag Der fefte Helm, der ſtarke, von des fcharfen Mimung Schlag, Und er vor Augen fchaute des Pfleglings fidhern Top, Da fprang er zwiſchen beide, wie ihm die Treue gebot. „Lieber Freund Wittich, nun halt auch Du in Kraft, Die wir befchtworen haben, die Bunbesbrüberfchaft: Gieb Dietrichen Frieden, er tft ein König hebr. Und werbet ihr Gefellen, fo wirb in der Welt nicht mehr „Sol Helvenpaar gefunden, als er ift und bu. Und wollt ihr fie erobern, ter wehrt es? greifet zu. Dieß ift ihm widerfahren für feinen Uebermuth; Sein Leben jollft du fparen, denn er ift edel und gut.” Da ſprach der kühne Sieger: „Er bat es wahrlich nicht Berbient um feineiwegen; doc weil das Wort ihm ſpricht Hein neuer Bundesbruder, der fo die Treu bewährt, So foll ihn nicht vertilgen dieſes mörberifche Schwert.“ Da legten fie die Waffen bin und reichten fich Die Hände: Freunde wurden Mittich und Dieterich. Bon unferm jungen Helden, da ihm der Sieg gerieth, Was bliebe noch zu melden? Fahrt wohl, dieß ift das Wittichslied. — — — ——
Ecken Ausfahrt
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Erfies Abentener. Wie Frau Geeburg Herrn Ed rüftete. Du winkft mir, Saga, wieder, o Luft! ich folge gern Wohin du mich auch führeft, unb wär es noch fo fen. Eie ſprach aus goldnem Munde: Du bift mir hold, ich weiß, Und giengft in eine Wuſte auf deiner Gbttin Geheiß. Das wii bir heute lohnen bie Herrin beiner Wahl: Sie will am Rheine wohnen, in bein geliebtes Thal, Dein trautes, dich begleiten, mo bir bie Rebe blüht Und an ben fieben Bergen bie Sonne ſcheidend verglüht. Tas Land hieß Agrippen in grauer Väterzeit, Am Niederrheine herrfchten die Obinge weit: Die Namen find verfchollen und Niemand fchier bewuft ; Doch Köln ihre Hauptftabt nennt man noch heute mit Luft. _ Ta faßen drei Brüder in einem Konigsſaal Und ſprachen viel von Kühnbeit, von Wundern ohne Zahl. — Das war der fchnelle Fafold und der wilde Ebenroth; Herr Ede hieß der jüngfte: der brachte Manchen in Noth.
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456 Sie fprachen: fühner wäre Niemand ficherlich In allen Erbenreichen als von Bern Herr Dieterich. Der habe viel der Wunder vollbracht mit feiner Hand; So wär aud Niemand weiſer als der alte Hildebrand. Herr EE vernahms nicht gerne: Er ſprach: „ch duld es nicht, Daß man dem Vogt von Berne fo viel zu Lobe ſpricht Und meiner gar gejchweiget: nun hat man boch gejehn Mie Manchen ich geneiget: mie ift den Leuten geſchehn? „Es mag mich wohl verbrießen beut und immerbar, Soll ich des nicht genießen. Die Welt ift blind fürwahr: Thut Einer ſtäts das Befte, das kommt ihm nicht zu gut, Eie loben andre Gäfte: das ift ein thörichter Muth. „Sie ‘lügen auf den Haufen: wer bat, dem giebt man mehr. Käm Einer jebt gelaufen von den twilden Preußen ber, Ya käm er auch gekrochen, fo würde Dieterich Gelobt und nichts gefprocdden von mir, das iſt ärgerlich. „Wüſt ich nur wo ich fände den Reden auserjehn, Wärs an der Welt Ende, fo wollt ich ihn beftehn. Er bat mein Lob geftohlen, des ift mein Herz betrübt: Ich will es wieder holen, wenn er die Tugend nicht übt, „Um die fie jo ihn preifen; und ift es wie man fagt, So verlohnt fih wohl die Reife zu dem Helden unverzagt. Wer fann mir nun vermelden wie weit es ift nach Bern? Ich will zu dem Helden und wär es boppelt fo fern.“
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4537 Da ſprach der ſchnelle Faſold: Es ift zur Hälfte Wind, Glaubt mir, ich bin ein Kenner, was man fingt von Dietmars Kind. Das Marchen von dem Wunbrer, der gerne Jungftaun aß, Ein Thor bat es erfunden, und niemals, wähn ich, geſchahs. „grau Eälde hieß die Jungfrau, die er von ihm befreit, So fingen fie; nun gebe die immer ibm Geleit: Das bat fidh nicht eriwiefen in jenem Kampf mit Grein Und Hilden, den Rieſen; er war mit Hilbrand allein.“ Da wiberfprad dem Bruder der wilde Ebenroth: „Wohl war mit ihnen Eälbe: fie lägen beibe tobt Bon dem Niefenpaare, wenn Eie nicht Heil verlieh. Den Berner zu beftehen, das rath ich Ede bir nie. „Unüberwindlich iſt er, das bat fich oft bewährt, Wenn der Flammenodem ihm aus dem Munde führt. Du haft wohl keine Kunde noch von des Feuers Macht: Er brächte dich zum Sieven: drum nimm dich weislich in Acht.“ Doch Faſold ſprach, der fchnelle: „Es braucht aber Zeit, Und lange muß man fchüren, bis Dietrich Flammen fpeit. Zwar nicht beim erften Hiebe ſtürzt. der Eiche Wucht; Oft muß man zweimal ſchütteln eh nieverfällt die reife Frucht; „Doch Schütteln half noch Rütteln, als Wittich mit ihm focht: Er konnt ihn nicht erzümen, es hätt ein naßer Docht Wohl eher Feur gefangen. Er fehlug ihn doch fo wund, Und nicht ein bleicher Funke fuhr ihm jemals aus dem Mund.”
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458 Herr Ed ſprach: „Laßk gewähren! es füllt einmal ver Held Mit feines Namens Ehre allein die halbe Welt. Bon mir ift Feine Rebe, man weiß nicht wer ich bin: Drum wenn id ibn befiege, das ift gewifler Gewinn. „Ich zähl exit zwanzig Jahre und ſchlug wohl hundert Maun Mit tiefen Wunden nieder: wer aber denkt daran? Wär Einer mir erlegen dafür, von dem man weiß, Ein hochberühmter Degen, fo hätt ich dauernden Preis. „Die Schwachen zu befiegen, bas it vergebner Mord: Adler fängt nicht Fliegen, fo mahnt ein altes Wort. Erſchlüg ich dieſen Reden, fo tönt’ es laut genug: Seht ber, da kommt Herr Ede, der den Bogt von Bern erichlug. “ Nun faßen in dem Saale, mo dieß Geſpräch geſchah, Drei jchöner Königinnen den ebeln Helden nah. Da ſprach die höchfte drunter, die Seeburg war genannt: „O weh, wer tft der Berner, ben man rühmt in allem Land? Sol ich nicht ſchaun den Helden, wie Goban mein vergißt, Den man in deutfchen Wäldern nun für den höchſten mißt! Ihr habt jo lang geworben um meiner Minne Sold: Der mir den Degen brächte, dem mwär ich inniglich hold. „Willſt Du ihn, Eck, beitehen, willlommen feift bu bier; Mit meinen beiden Ohren vernahm ich das von bir. Nun bin ieh bergegangen, dich freundlich zu empfahn: Und bringft du ihn gefangen, bu haft mir Liebes gethan.
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450 Er ſprach: Ich habs geſchworen: ſo muß es auch geſchehn. Ich will ihn freunblich.bitten, mit mir hieher zu gehn Zu Lieb euch Königinmen: ift er. des unbereit, Ich bring ihn wider Willen, fo du mir lohnſt, ſchöne Maid.“ „Ich will dir gerne lohnen,“ fo ſprach das Mägbelein, „Und will dir Handgeld geben: das foll die Rüftung fein, Um die du ſchier fo lange wie um mich felber freift, Damit du mohl behütet im Kampf mit Dietrichen jeift. „Die Waffen zu erwerben bat mande Fahrt getban Bor feinem frühen Sterben mein Bater Drufian. Run ift dir, Held, auf einmal das Alles zugebacht, Was Er zu Land und Waßer mühlam zufammengebradht. „Nimm bier zuerft den Panger: er ift yon hartem Stabl; Nur felten fiehft du fyimmern ein rothgoldnes Mal. Ihn und bie Panzerhoſen bat hier im Franlenland Ein guter Schmied geichaffen, ver alte Mime genannt, „Den Siegfried nach dem Drachen erfchlug noch ſchier ein Kind. Er war in Königöwinter mit der Königin Sieglind (Herr Giegmund war gefallen) damals unfer Gaft. Der Schmied ſprach: Beßer läg er den Hundingen fo zu Laft, „Die feinen Bater ſchlugen, als Ihm immerbar In den fieben Bergen, wo feine Schmiede war. Er ſandt ihn Kohlen brennen zum Drachen in den Wald, Daß ihn fern Bruder töbte, was er felbft im Tod entgalt.
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460 „Mein Bater drauf erbaute die Veſte Drachenſtein, Die hoch vom Drachenfelſen herabſchaut in den Rhein. Du teift, daß wir da wohnen: fo bring uns Dieterich Dahin, daß wir es lohnen, meine Schweitern ober ich: „Du magft fie felber wählen, Die bie zumeift gefällt. Beßern Harniſch findeft du nicht in aller Welt. Er ift dem Banzer Siegfrieds in allen Stüden gleich; Sie waren Drtniten beftimmt, dem Herm im Dftenreich. „Es ift Taiferlihe Gabe, Held, die du empfängft: Die folft du von mir haben, daß bu ihn lebend fängft.” Cr ſprach: „Ich laß ihn leben, mern mir der Degen gut Sein Schwert will übergeben; doch ich zweifle, daß ers tut.‘ „Hei! ſollt ich ihn erſchauen!“ ſprach die Königin, „Ich will es dir vertrauen, das wär mir Hochgewinn Ich laß ihn aus dem Herzen vielleicht, wenn ich ihm fab; Jetzt dent ich fein mit Schmerzen, ich weiß nicht, wie mir geſchah „Er lann ſich nicht verbergen,“ fo ſprach Herr Ed, „vor mir In Wäldern noch in Bergen: du ſiehſt ihn nächſtens bier. Nur der Tod alleine ſcheidet diefen Krieg.” Da ſprach die Konigstochter: „So gebe Godan dir Sieg.” Da begann zu Eden ein fahrender Bann: „Wes willſt du dich erkecken? das ift nicht mohlgethan. Glaube mir die Märe, dein Ende wirb nicht gut: Wenn ich der Berner wäre, ich ftrafte ſolchen Uebermuth.“
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461 „So haft du ihm geſehen?“ ſprach die Kbugin hehr: „Trauter Freund, fo fag und: von bem Helden mehr.“ Da ſprach der Frembling: „Gerne, ic ſah ihn mandes Mal, Den jungen Bogt von Berne: ver ift von Brüften nicht ſchmal. „Er vergleicht fi wohl dem Leuen von Antlig. und Geßeit.” „Damit will er uns dreuen,“ ſprach Herr Ed alsbald. — „Nur zu denn, geh ihn holen, fo wirft du felber ſehn: Er wehrt ſich doch wielleicdht noch, wie es öfter iſt geichehn.“ Sie lieh den Helm fich reichen; Frau Seeburg felber band Zu Häupten ihn dem Helden mit ſchneeweißer Hand; Aud fach: iur an mit Biden voll Huld die ſchöne Maid: So lieh er ih wohl ſchicken im ven. allerfährlichftien Streit. Sie ſprach: „Der Selm-ift beher als jener Dieteriche, Als ihn Wieland ſchmiedete, der Unter Wittichs, Hat er des Lindwurms Schadel, ven, Siegfried erſchlug, In den Hut verlöthet: drum ift er feſt und Bart genug.“ Dann gab fie ihm zu tragen den ſtahlharten Echild: „Den lab bir beichlagen mit deinem Wappenbild. Bor Schreden muß er ſtarren, fo er nicht eilends flieht, Wenn er mit Floß und Aralle das grimme Meerwunder ſieht.“ ‚Yulegt gab ihm Frau Seeburg das berühmte Schwert, Das Sachs war gebeißen und Konigreiche werth. Sie fagt’ ihm Wunderdinge was mit dem Schwert geſchah, Und wie fchön es wär und töftlich, obwohl er felber es jah.
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462 Als Herr Ed mit Freuden das edle Schwert gewann, Da bat er um den Urlaub: er wollte gleich‘ hindann. Eie ſprach: „Wie eilig bift du! ſo gönne mir doch Beit: Willſt du zu Fuße laufen, ſo kommſt du bente wicht weit. „In meinem Etalle ſtehen der guten Roſſe viel: . Das befte ſollſt du haben, das trägt. Dich bald aus Biel” „Das Roſs lapt hier verbleiben,“ ſprach er, „Königin: Ich komm auf meinen Füßen wohl nod eher dahin. „Ich bin. zu ungefüge, zu ſchwer ift mein Gewicht, Auf die Länge trüge das ſtürkſte Rofs mich nicht. Und mährt’ es eine Woche, fo gieng' ich Tag und Nacht, Daß Hunger no Made mir nie benähme die Macht.“ Sie ſprach: „Laß dich erbitten und nimm von mir dns Rofe: Kämft du unberitten vor König Dietmars Schloß, So fpräden alle Leute, daß ich thöricht fei, Daß ih dir gab die Waffen und kein Rofs bir gab dabei.“ Da ſprach Herr Ed: „Sch gebe zu Fuß, ich bin nicht. frank: Erlaßt mirs, edle Königin, und habt der Gabe Dank. Ich komme doch wohl eher als ihr zum Drachenſtein.“ Da muft ihm Urlaub geben das minnigliche Magdelein.
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weites Abenteuer. u \ Wie Herr Ed nah Bonn kam und meinte, ei wäre zu Bern . j ”. Die Königinnen blieben, zu Fuße ſchied der ‚Held; Er fuhr dahin in Spelingen, recht wie ein Epringinsfslb. Richt Feld zwar war es damals, es var ein tiefer Walb. Seine Helmzierden klangen wie ein heile &tödlein ſchallt, 4 Wenn fie die Aefte rührten; duch läutsten am Schild Ihm taufenb Heine Schellen; verwundett jah das Wilb Hervor aus dichten Viſchen auf den geſchuinden Mann; Erſchreckt fiogen ſchwarmweis die Vögel auf aus dem Tann. r So fuhr am Vorgebirge der raſche Held dahin. Die Dörfer ließ er liegen, eine Stadt lag ihm im Sinn: Bern die ftolge Veſte, bie Heimat Des von Bern: Tab er die nicht fchaute, und auch nicht. einmal von fem, Des mödgt ihn wohl verdrießen. Da hob mit Thum und Thor, . Mit Mauern und mit Binnen fi) Bonn die Stabi empor. Das jah der Degen gerne, er mähnte füh am Biel. Wen ſollt es auch verwundern, daß ihm die Stabt jo gefiel,
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464 Da fie ihm zu den Füßen ber fieben Berge lag. _ Er begann fie zu begrüßen und ſprach: „Slüdfelger Tag, Da ich Dich erfchaue, des Helden Baterftabt, Der nun in allen Bauen ben Ruhm vor ben Helden hat.“ Er ſah am Thor das Wappen Bonns, den golpnen Leun, m weißen Felde prangen: da muft er wohl fidh freun, Denn der golbne Löwe war Dietrihs Wappenbild: Auf weißem Grunde trug er ihn im Fähnlein und im Schild. Nun zog er durch die Strafen: da floh das Volk erfchredt In Häufer und auf Thürme: wer hätte ſich erkeckt Dem Helden zu begegnen? ein Rieſe ſchien er faſt; Die Häuſer jelber zitierten wohin er fehriit, der ſtolze Gaſt. Auch glühte feine Rüftung fo heil im Abendroth, Die Wächter auf den Ihürmen beforgten Feuersnoth Und fließen in die Hörner. Das war umfonft gethan: Die Eprigenmänner wagten ſich zu Herrn Eck nicht keran. Der gedachte: „Wie gebahren die Leute fo vergagt? Wenn bier nicht Dietrich wohnte, fo hätt ich bald geſagt, Sie hätten all ihr Leben noch feinen Mann erſchaut.“ Nun kam er zu dem Marlte: der war fo freundlich gebaut: Das Rathhaus in der Mitte hielt er für Dietmars Haus. Er rief mit lauter Stimme: „Herr Dietrih, komm heraus, Daß wir die Kräfte meßen, du junger Vogt von Bern.“ Doc rührte nichts fi drinnen: fie hielten Alle ich fern.
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465 Der Degen rief noch einmal: „Dietrib, Dietmars Kind, Laß mich nicht länger warten und fomm hervor geichmwint. Drei Königinnen haben mich zu dir bergejchidkt, Und weit bin ich gegangen eb ich dein Haus hier erblidi.” Doch wieder ſchwieg es ftille, auch kam kein Dieterich. an ließ ihn lange ſtehen; doch endlich wagte fich Ein alter Ritter näher, der ihn für Eiegfried nahm (Er kannt ihn, und die Rüftung, die er von Mimen befam): Da Sprach zu ihm der Nitter: „Herr Siegfried, Dietrich iſt Noch weit von bier zu Haufe; jedoch zu diefer Friſt Vielleicht in großer Nähe: die Knechte jagen mir, Man hab ihn heut gefehen und nicht drei Meilen von bier.” „Drei Meilen,“ rief Herr Ede, „das iſt noch graufam fern.“ Ta ſprach der alte Rede: „Doch nicht fo weit ale Bern.“ „So tft es,“ frug er ftugend, „nicht Bern wo ich bin?“ — „Der Weitem nicht, es find wohl noch hundert Meilen dahin.“ „5a,“ ſprach Herr Ede lachend, „das ift ein Unterjchicd; Ich Tann auch jelbft nicht fagen tie ich darauf gerieth. Doch find ih nun den Berner, fo heiße Bern fortan Tie Stadt, wo ich ihn ſuchte und Kunde von ihm gewann.” — Ihr werdet ihm begegnen, Herr Siegfried, edler Helb: Habt Dank denn ‚für den Namen, der ung gar wohl gefällt.“ So ward die alte Bonna Bern am Rhein genannt; Doc verjcholl der Name wieder, nur Wengen ift er bekannt. Simrod, das Amelungenliev. 1. 30
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466 Da gab Herr Ed aufs Neue fich auf die Wanderſchaft; Ihm murde von den Leuten noch lange nachgegafft. Der Kühne fuhr geſchwinde, da ſchon die Nacht fo nah. Er kam an eine Linde; einen Ritter fand er da » Verwundet auf dem Grafe bei feinem todten Pferd. - „Wer bat dich fo verbauen?” frug Ed den Degen werth. Der ſprach: „ES ift der Berner, der ſolche Wunder thut; Niemand kann ihn beftehen, er bat eines Löwen Muth.“ Herr EE ſaß zu ihm nieder und fah die Wunden an. „Wetter!“ Sprach Herr Ede, „hat das ein Schwert gethan? So tiefe Wunden ſchlagen Tann Thor der Af allein: Der Ichlägt mit feinem Hammer wohl fo durch Fleiſch und Gebein.” Der Wunde ſprach: „So legte mich nicht der Wetterftral; Mein Webermuth ift felber Schuld an diefer Dual. Sch fuhr von Bonn felbvierter auf kühne Thaten aus: Wie ſchwer ich das entgelte! nie komm ich wieder nah Haus. „Die Drei will ich nicht Hagen, fie wehrten ſich nicht lang: Die hatt er gleich erfchlagen beim erften Schwertesſchwang. Doc bin ich jeßt der vierte: ber Tod naht unvermeilt; Mär nicht mein Roſs gefallen, fo hätt ich Bonn noch ereilt.” Da verband ihm feine Wunden Herr Ed und frug aladann: „Die bift du denn geheißen? Held, das fag mir an.“ Da ſprach der Todwunde: „Mein Nam ift Helferic: Er erihlug an meiner Seite, nicht ſehr gereuen fie mid),
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467 „Xüdegaft von Epeier, son Meb Herrn Urtewein Und Hug von Mainz, den ftarten. Das trug es ihnen ein, Daß fie von ibm erbeifchten ihres Landes Zoll. Der Zoll, den er bezahlte, ber deuchte fie ſchwer und voll.” — „Run fage, guter Degen, wie trug ſich diefer Helv? Tamit ih ibn erfenne, find ich ihn auf dem Feld.“ Er ſprach: „Den golonen Leuen trägt er im weißen Schild; Gewaltig ift fein Antlitz, boch anfangs heiter und mild. „Beginnt er dann zu zürnen, fo blidt er fireng und fcharf, Tap Niemand mit den Augen ihm begegnen barf. Zum Angriff ift er langfam, doc fchredlich in der Wehr: Nun laßt ihn Etreites ledig, fein entgülte leicht ein Heer. „Man rühmt, es fei manch Wunder gefchehn von meiner Hand; Doch hab ich nie gefunden fo Fühnen Weigand. Nun meide du den Reden und. flieh fein fcharfes Echwert, Was uns ift widerfahren, daß birs nicht auch wiberfährt.“ „sch ſehe,“ fprach Herr Ede, „du weiſt nicht wer ich bin. Dein Schwert ift auch fo ftumpf nicht, noch jo verzagt mein Sinn, Daß ich ihn fcheuen follte. Da er fih Mordens fleißt, Will ih dich an ihm rächen: das ift was Ed dir verheißt. „Mich Schmerzen deine Wunden, bein Leid erbarmt mid) fehr; Doch wirft du wohl gefunden. Nun fage, Degen hehr, Mo ließeft du den Kühnen, von dem dir das gejchah? Mo ward der Kampf gefochten? mar e3 fern over nah?“
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468 Der Bunde ſprach: „Da drüben bei Erpel wars am Rhein; Bei Unkel fuhr ich über, ihm aus dem Blick zu fein. Und willſt du ihn nicht meiden, fo fahr hinüber bald, Vielleicht daß du ihn findeft dort ober Selhof im Wald.“ Da fchloß er in die Arme den wunden Helferich; Er hätte meinen mögen, er erbarmt’ ihn ficherlich. Nun kann ich nicht berichten wie er hinüber kam; Zwar hör ih Saga fliltern: ihm war das Waßer jo zahm, Die beiden Werber legten quer ſich in den Fluß: So trugen fie hinüber Herrn Ed mit trodnem Fuß. An Sagas Wort zu zweifeln fei ihrem Jünger fern: Bald fand er in dem Walde den jungen König von Bern. — — — — ——
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469 Drittes Abentener. Wie Dietrih Herrn Ed nicht beftehen wollte. Ber Menzenberg im Walde, da barg fi Der von Bern An meingrüner Halde; er wollte noch nicht gem So ftarlen Mann beftehen als man ihm Eden pries, Erft anders fi) verſuchen, wofern es fich fügen ließ. Ihm war gar tief gefunfen der hohe Uebermuth, Seit Mimung getrunfen fein fließenves Blut; Auch glaubt’ er noch die Wunden zu fühlen, die ihm fchlug Wittichs grimme Waffe: die deucht' ihn fchneidig genug. Wohl mocht er fie auch fühlen: er war noch ungeheilt Der Schande zu entfliehen aus Dietmars Reich geeilt. Er ſchämte fich des Falles, zumal vor Hildebrand: So räumt er eined Morgens allein die Etabt und das Land. Niemand außer Wittih muft um feine Fahrt: Dem hatt er in der Stille den Vorſatz offenbart. „Du haft mid überwunden,“ ſprach er, „guter Held: Men Ruhm ift verloren, denn bald erfährt es die Welt.
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470 „Nun Tann ich hier nicht bleiben, mo Diefer mich beflagt, " Und Der mid fucht zu tröften: das mädht mich gar verzagt. Find ich draußen wieder den Muth in meiner Bruft, So mag ich wohl verfchmerzen des jungen Ruhmes Berluft. „Leb wohl und fage Niemand imo ich geblieben ſei.“ Da gab er feinem Fallen Gebiß und Bügel frei Und ritt durch tiefe Wälder, mo ihn fein Auge fah, Und über hohe Berge, ven eimgen Echneefirnen nab, Dann wieder in die Thäler mo Alles grünt und lacht; Dom Morgen bis zum Abend, den Tag und aud) die Nacht Nitt er wohl eine Woche gar ohne Wahl und Zieh Da in die Welt zu ftürmen feinem wirren Sinn gefiel Ihm ritt ein Held entgegen bei Breifadh an dem Strom. Wohl kannten fih die Degen: Harlung mars, fein Ohm. Der küſste feinen Neffen und lub ihn in fein Haus; Doch nicht willfahrt! ihm jener: allen Leuten wich er aus. Er ſprach: „Laß mich gewähren, es zieht mich fort und fort Und treibt mich in die Weite wie ein begangner Mord. Mir ift es nicht geheuer als in dem tiefen Tann: Find ich ein Abenteuer, vielleicht genef ich aladann.” — „Suchſt du Abenteuer, fo fieh dich vor, es hauft Das fchönfte Abenteuer dort wo der Schwarzwald brauft: Ein Weib auf weißer Hindin im grünen Jägerkleid, Den Wurffpieß in den Händen trägt die herrliche Mai.
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471 „Es kann fie nie vergeben wer ihren Reiz geichaut; Du fabft fie oft im Traume wie deines Herzens Braut. Und jeder fieht fie anders, der braun, der fahl von Haar, Der Hein, der hoch gewachſen, und Manchem mird es einft wahr. „Mir gab fie diefes Bildniſs, das ihrer Schönheit gleicht; Doc trägt diefelben Züge . ein irdiſch Weib vielleicht. Kenn du ihr je begegnet, ſo denke, Dietrich, mein: Ch ih das Urbild finde kann mein Herz nicht fröhlich fein.“ Das verfprah ihm Dietrih und fchied mit Urlaub bald; Jedoch vermied der Degen den ſchwarzen Zauberwalb. Sin reizend Abenteuer wie dieſes lockt' ihn nicht, Es lag auf feinem Hergen noch mit zu ſchwerem Gewicht. Ein wenig warb ihm leichter als er zu kämpfen fand Und er der Reden viere bei Erpel überwand. Doch hatt er nur gezwungen fich in den Kampf gewagt: Er war noch Heinmüthig, daß ich nicht fage, verzagt, Nun fcheut! er fih vor Eden bier an des Landes Mark: Ein Einfiedel hatt ihn gerühmt als wunderftark. Er bofft’ ihn zu vermeiden; doch eh er ſichs verfah, Da ftand in Kraft gerüftet ver fühne Ed vor ihm dba. Als fich die Helden fanden, da war es Mitternacht. Von Dietrich® Helme glänzte der Stein in lichter Pracht Und Edes gute Rüftung gab lautern Widerfchein: Zwei Vollmonde Tünnten nicht hellen Echimmer verleihn.
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472 — Herr Eck mit voller Stimme rief Dietriden an: _ „Wer ifts, der fo ftattliy reitet durch den Tann? Es leuchtet in dem Dunkel wie eine Kerze Har Eeined Helms Karfunkel; nie ſah ich ſchönern fürwahr.“ Herr Dietrich gab zur Antwort: „Hier reitet der Held, Der Studas ift geheißen und Manchen bat gefällt. Er will daheim bejuchen feinen Vater Adelger: Hier hat er nichts zu fchaffen, mit dir noch mit anderm Heer.“ Da ſprach Herr Ed: „Wohl mögli, daß du dein Wort bewährft; Doc lautet deine Etimme als ob du Dietrich wärft, Der Sohn König Dietmars, der bericht über Bern. Mofern du num fo kühn bift, mie fie rühmen nah und fern, „So darfit du nicht verleugnen den Namen, den du trägjt.“ Cr ſprach: „Da du fo ftreitlid nad meinem Namen frägit, So will ich dir nieht länger verſchweigen wer ich bin: Dietrich ift mein Name tie du erriethft mit Hugem Einn. „Doch hab ich nicht? zu fchaffen mit dir, wer bu auch ſeiſt.“ Gr ſprach: „Ich bin Herr Ede, den man aud tapfer preift. Drei Königinnen haben mich nad) dir ausgefandt ; Und ift es wie man fagte, daß jüngft ein Held dich überwand, „Eo hat es ſich nun herrlich fürwahr für dich gefügt: Du magft dir hier mehr Ehre gewinnen als genügt, Dich wieder rein zu waſchen von jenes Unſiegs Schmach. Auch bört ich von dir fagen, daß dire an Waffen gebradh,
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473 „Ta Bielands Gefchmeide dein Eieger Wittich trug: Wohlan denn, wenn im Kampfe mid; beine Hand erfchlug, So magft du Waffen erben, vie nicht fchlechter find, Und beßer wohl, als Wieland geichmiebet bat feinem Kind.” — „Bas follt ich dich erſchlagen? du tbateft mir Fein Leid; Unvorbereitet ritt ih von Haus zu foldhem Streit. Mein Helm ift ſchwach verlöthet, mein Harniſch noch zerhaun, Hein Schild hängt in Echerben wie du bören magft und fchaun: „Zo bat ihn zugeridhtet ein Held, der Helfrich hieß: Ich dank es meinem Heile, daß er mich leben ließ, Als er die Freunde rädhte mit Fraftuoller Hand: Mich fchmerzt von ganzer Seele diefer kühne Weigand. „Und wie Fönnten wir uns ihlagen? wir jehn einander faum; Ter Wald auch würd es wehren, denn bier fteht Baum an Baum. Wollt es endlich tagen, jo möcht ich dir vielleicht Die Bitte nicht verfagen: noch Jeder hat fie erreicht, „zer mich auch minder flehte: ob man es hier nicht weiß, In meinem Lande weigert mir Niemand foldyen Preis. Und ſolchermaßen will ich dich nicht im Kampf beftehn.“ Ta zudt’ er mit den Sporen und ließ fein Roſs in Sprüngen gehn. „Da rief Herr Ed: „Nicht alfo, Held Dietrich, warte mein: Ich bin nad) dir gefendet von Königinnen brein, Tie gern did fchauen wollten: von Weiten ritt ich ber, Und eh ich dich gefunden erlitt ich große Beichwer.
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474 „Ich bin zu Fuß gekommen: entfliehen kannſt du mir Auf deinem ſchnellen Fallen; das fürdht ich nicht von dir: Wer ein Held will beißen erwartet feinen Mann. Das befte Roſs im Stalle bot Frau Seeburg mir an; „Daß ich es ausgefchlagen will mich nun ſchier gereun: So braucht ich nicht zu flehen den Helden mit dem Leun, Du müfteft mit mir fechten, du wolleſt oder nicht.“ Da fprach der Selb: „Run gieb mir von deinen Waffen Bericht: „Du fagteft mir ja Wunder tie fie jo trefflich find.“ Da fprah Herr Ed: „Ja glaube, wer die mir abgewinnt Hat.einen Echab ertworben fo rei, daß auf mein Wort Ihn nicht vergelten könnte der reichften Könige Hort. Nun Schau diefen Panzer, er ift von hartem Stahl; Nur felten fiebft du ſchimmern ein rothgolpnes Mal. Ihn und die Banzerhofen bat bier im Frankenland Ein guter Schmied geichaffen, der alte Mime genannt, Den Eiegfrieb nach dem Drachen noch ſchier ein Kind, gefällt. Beßern Harnifch findeft bu nicht in aller Welt. Gr ift dem Panzer Siegfrieds in allen Stüden glei: Sie waren Ortniten beftimmt, dem Herrn im Üftenreich. Auch diefer Helm ift beßer als dein Hilbegrein. Ta Wieland, Wittichs Vater, ihm fehmiedete hier am Rhein, Hat er des Lindwurms Schädel, den Siegfried erſchlug, In den Hut verlöthet: drum ift er feſt und hart genug.
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Eieh diefen Schild, den neuen, wie iſt er fpiegelllar! Ihn fchufen zwölf Zwerge mit Fleiß in einem Jahr; Denen gab dafür ein König Golves taufend Pfund. Bon Echwertern noch von Speren wirft du nie darunter mund. Befteh mich, werther Degen, fo wird dir auch dieß Schwert: Gehen? und Scheid alleine find Tonnen Goldes werth. Tas fshmiedeten die Ziverge dem König Goldemar In jenem hohlen Berge, wo Wieland ihr Schüler war. Eie fuchten, es zu bärten, nad) dem Waßer lang, In neun Königreihen, und eher nicht gelang Den Boten, es zu finden, bis fie famen an die Drohn, Die da bei Trier rinnet. Die Zwerge jchöpften davon Eo viel fie Waßers brauchten und brachten e8 nad Haus: Tarın ward es gehärtet. Bon rothem Gold durchaus Gegoßen und gefchlagen find Stichblatt und Griff Und mie ein Spiegel leuchtet der Knauf durch künſtlichen Schliff. Du fiebft mit rothem Golde die Scheide, die es hegt, Vom Gefäße bis zum Ortband künſtlich ausgelegt. Auch ſchmückt die golbnen Ringe und Budeln am Gehent Mandy edler Stein: fo ziemt' e8 zu eines Königs Gejchent. Die belle Klinge pranget mit manchem goldnen Mal. Setz ich zur Erde nieder der fcharfen Spite Stahl, So fcheint e8 dir nicht anders, als ob die Kling hinauf Eine golone Schlange liefe zum Gefäß mit hurtigem Lauf.
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4776 Doch andern Anfchein wirft du geivahren, der dich äfft, Wenn ich empor fie halte: dann fiebft bu von dem Heft Diefelbe Schlange laufen die Epite raſch binan, Als ob fie lebend wäre, die doch nur Schein ift und Wahn. Dieß Schwert ift Sachs geheifen und Eckenſachs nah Mir: Den Namen laß ihm bleiben, erwirbft du, Help, es bier. Ich will dir auch erzählen mas mit dem Schwert geichah Bis geftern in der Frühe: Yrau Seeburg gab es mir ba. Diefe Waffe ward geftoblen dem König Goldemar: Wie dächt er, ders entiwandte, daß es fein Bruder war? Elbegaft, der fchlaue berüchtigte Dieb, Den Elberih zur Etrafe dafür aus dem Berge trieb. Das Echwert ihm zu entführen, zivang ihn große Noth: Nicht anders mocht er meiden den grimmigen Tod. Gefangen und gebunden hatt ihn mit feitem Band Rudlieb von ben, dieſer kühne Weigand, Als Löfegeld gelobt‘ er ihm dieſes Schwert fofort, Das ihm erfämpfen follte zweier Könge Hort: Immung bieß der Vater und Hartung der Sohn: Die mög er zivingen, werde dieſes Schwert ihm zum Xohn. Tes ganzen Landes Erbin, Herburg die ſchöne Maid, Der werd er fidh vermählen, fieg er in dem Streit.” Die bring ihm dann als Mitgift Arabien das Reid): An Gold und Evelfteinen ſei dem kein Anderes gleich.
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477 Zum Zwerge ſprach da Rudlieb: „Dich tödten mwollt ich nicht, Wüft ih, daß du hielteft was mir dein Mund verſpricht. Doc löf ich deine Bande, und fühlft du erſt dich frei, Eo ift ed mit dem Echwerte und mit dem Reiche vorbei.“ Da fprady zu ihm der Elfe: „Da wär ich wohl ein Gauch! So ehrlos zu betriegen ift nicht Schmwarzelfenbraud): Ta würden wir wohl jelten fo alt noch fo gefund; Die Menſchen freilich fprehen nur aus betrieglihem Mund. „Daher erreicht auch Keiner die Zeit, die ihm beitimmt, Da bald der Tod den Falſchen zu Hel hinunter nimmt. Bir Zwerge reden nimmer als was das Herz gebadit: Auch fliehn wir Trank und Speife, die den Gaumen lüftern madıt, „Und Krankheit zeugt und Schwäche und frühen Alters Noth: Drum leben wir fo lange, drum flieht uns der Tod. Du darfft mir wohl vertrauen; doch wenn du Bmeifel haft, Eo fol mein Weib dir bürgen.“ hr rief der Tleine Elbegaft. Da trat fie aus der Höhle, das zierlihe Weib; Ein Kleid aus Gold gewoben umgab den fchmuden Leib. Eie warf fi ihm zu Füßen und bat: O laß ihn ziehn: Bis Alles dir erfüllt ift, nimm Mich zur Geifel für ihn. Ta ließ ihn Rudlieb ledig; auch empfieng er bald das Schwert, Und was er ihm verheißen, das ward ihm all gewährt: Der Sieg und auch die Krone, dazu die ſchöne Maib. Er trug die Scharfe Waffe noch oft in fährlichem Streit,
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478 Bis er fie feinem Sohne, dem jungen Rudolf, ließ: Der warb damit zum Ritter und feine Kühnheit pries Man bald in allen Landen, dazu fein feharfes Sachs. Der halbwüchsge Knabe mit der blonden Haare Flachs, Viel grimmer Ungethüme erfchlug er in dem Wald, Darunter einen Niefen mit Namen Hugebalt. Es trug wohl Klafterlänge der ungeichlachte Held: Durch feines Schwertes Güte hat ihn der Knabe gefällt.“ Da fprach der Berner wieder: „Sit dieſes Schwert jo ſcharf, Daß es Riefen nieder und Ungethüme warf, So will ih mich wohl hüten dich zu beftehn im Streit. Sch war jchon halb entfchloßen: nun aber wird es mir leid. „sh bin noch meines Lebens fo überbrüßig nicht, Daß ich Kampf begehrte, der nimmer Sieg veripricht. Du rühmft au Helm und Harniſch, dazu den feiten Schild Und ſagſt, kein Schwert verfehre ber guten Meifter Gebild: „Was hilft mir denn mein Fechten, wenn vich fein Hieb verlegt? Mas frommt mir meine Rüftung, wenn fie dein Sachs zerfetzt? Gebrannte Kinder fcheuen, fagt man, des Yeuerd Gluth: Sch will mit die nicht fechten; es wär auch ein Mebermuth.“ — — —— —— —
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479 Viertes Abentener. Wie Dietrih Eden beſtand. Ta fpra Herr Ed: „Gelogen hab ih dir von dem Schwert, Ich bin damit betrogen, feinen Heller iſt es werth. Sch glaubt an deine Mannbeit, drum rühmt ich dir es fo: Run geb ich auch für diefe nicht ein armes Hälmden Stroh. „Man nennt did einen Degen: wie kennt man bich jo fchlecht! Tu bift nicht fo vertvegen ala ein gemeiner Knecht. Tu magft wohl Dietrich heißen; doch gleicht du nicht von fern, Des ich mich hier verfehen, dem jungen König von Bern.“ Dem ſprach der Held entgegen: „Warum beichiltft du mich? Es will dir nicht geziemen, das wiße ficherlich. Der iſt noch ungeboren, vor dem ich mid gejcheut: Säh ich den Tag ergrauen, ich beftünde dich noch heut.” — „Was braucht der Tag zu grauen? dir graut vor meiner Kraft, Dir graut vor bloßen Schwerten, dir graut vor Nitterfchaft. Aller Tugend öde und aller Zagheit voll Iſt dein Herz, das blöde, den Niemand mehr rühmen foll.
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480 „Verwünſcht ſeien alle, die dich fo hoch gelobt: Die deine Mannheit priefen, wie haben die getobt! Den Wegen und den Stegen fluch ich, die mich her Zu dir Verzagtem trugen: wich gereut bes Ganges fehr.“ Herr Dietrich ſprach: „Wie mag did gereuen deiner Pflicht? Wär ih wie Du den rauen zart, fo flucht' ich nicht Den Wegen und den Stegen, die ih um fie betrat: Mohin er mich auch führte, es wär ein feliger Pfad. „Was joll ich mit dir ftreiten? der mir fein Leid gethan: Leb wohl und Gott geleite dich auf deiner Bahn. Vermelde meine Dienfte den fchönen Frauen bein, Und ſprich, der Berner wolle ihr Ritter heut und immer fein.“ „Don Dir fag ich ihnen,“ ſprach Sener, „nicht ein Haar. Dein Herz tft voller Echanden und aller Ehren bar. Verzagtheit lehrt dich fliehen, und fag ich dir das nad), Daß du mir bift entronnen, fo erwirbit du Spott und Schmach.“ Da Sprach der fühne Dietrich: „Wenn du die Wahrheit fagit, So that ich dir fein Leides: bu weiſt nicht was du klagſt. Du fchlugft mir auch den Vater und die Mutter nicht zu Tod: Was hab ich bier im Dunkel mit dir zu kämpfen denn Notb?” Herr Ed begann und klagte: „Muß ich nun fcheiben fo, Viel lieber möcht ich fterben, man ſieht mich nie mehr frob. Dich zeiht nun felbit des Lafters die fchöne Königin, AS wüſt ich nicht zu werben um Preis mit mannlichem Ein.
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481 „Wie ſoll ich dich erbitten? ſo ſchau doch, edler Held, Dieß köſtliche Geſchmeide, ob es bir. nicht gefällt? Und ſchau in dieſem Beutel, wie glüht und brennt es drin! Zwölf Pfund des rothen Goldes, das wird dir auch zum Gewinn, „Denn du mich überwindeit: fo brennt und glüht auch hier Mein Herz, daß ich nicht nahen und ftreiten kann mit bir. Und willft du mir nicht ſtehen um Waffen noch um Sol, So thu es doch zu Ehren ver drei Königinnen hold, „König Drufans Töchter dort auf dem Drachenſtein, Tie alles Land beberichen bier um den Nieberrbein. Cie haben mich gerüftet und nach dir ausgefchidt: Frau Eeeburg hätte gerne dich Fühnen Helden erblidt.“ „Ich fechte nicht,“ ſprach Dietrich, „um rothen Goldes Brunft; Schon lieber möcht ich ſtreiten um edler Frauen Gunſt. Tu ſagſt, der Königinnen des Landes wären drei, Do komm ich nie von binnen, wenn ich weiß mer Eine fei. : „Wenn wir und um fe. fchlügen, es wär ihr Spott fürtwahr. Macht Einer hier den Andern von uns des Lebens bar, Bas kann e3 ihnen frommen? blüht der ber Einen Hulb, Zo trüge ſie doch ungen an deinem Tobe die Schuld.“ Ta ſprach Herr Eck im Zome: „Vergebens weichft du aus. Ich bin um dich gelaufen viel Meilen weit von Haus: Das laß dir genligen, wenn bu Fein Feigling bift. Ich muß mit dir ftreiien: ob mein. des höchite Gott vergikt, Simrod, das Amelungenlied. 1. 3]
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482 „Ich entſage feiner Hülfe und traue meiner Kraft: Mas ift daran gelegen, wenn mich die Rorne rafft? Bilt dus, vom dem man Märe ven Männern fagt und Fraun, So mehre Held dich, wehre: den Morgen ſeh ich ergraun.“ „Run haft du dich verſprochen,“ ſprach da Dieterich: „Den bu mir vorgegeben kann mehr als Du und Sc. Es fchlüg ein Heer alleine des höchften Gottes Hand: Dich mag feiner Hülfe noch verlangen, Weigand.“ Bom Pferde fprang der Degen und bands an einen Baum. Als das Herr Ed erſchaute, gab er der Freude Raum: „Willlommen auf dem Boden! nun entrinnft bu mir nicht mehr: Sch zwinge dich zu ſchauen die brei Königinnen behr. „Und willft du fie nicht ſehen, und bift bu frauenfchen, So muß e3 doch geicheben: das hab auf meine Treu.“ Dawider ſprach Herr Dietrich: „ich bin noch nirgend lahm, An Muthe no an Gliedern: mie dunk ich dich fo fingerzabm ? „Mit ſolcher Märe ſchick ich dich leicht den Frauen beim, Daß fi in Galle wandelt ihr füher Honigfeim.“ Da griff er nad dem Schilde und Ed entblößt' ein Schwert: Das hatte guten Degen ſchon Helm und Harniſch verſehrt. Auch Dietrich zog das feine: da wurde trüb und bleich Ihrer lichten Helme Schimmer von mandyem fcharfen Streich. Zwar blitzt' es jezumweilen vor ihren Augen Keil; Doc) jehmten nad) dem Morgen ſich die Helden kühn und ſchnell.
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483 Tem Tag entgegen fangen die kleinen Bögelein; Ihr Singen überllangen Dietrichs Hildegrein Und Edes gute Rüftung: bier fchmetterten fo laut Die Schwerter auf den Helmen, fo Hagt fein Eproßer die Braut, Da fchlugen fih zu Thoren die Hugen Helden gut: Aus Nafen und aus Dbren rann ihnen rotbes Blut Und quoll aus den Schligen und aus den Eiſenſchuhn. Beſinnungslos von Schlägen ſah man fie ſitzen und rubn. Cie fprangen auf und buben den Streit von Neuem an: Bon Hieben wiberballten der Bergwald und der Tantt, . As riße durch die Wollen der wilde Donnerſchlag: Der Berner mufte Hagen, daß er Eden fand in dem Gag. Ihnen wuchs indem fie firitten der Zom und auch die Kraft; Haß ift der beite Meifter in aller Ritterſchaft. Auf ihren Helmen brannte das Feuer lichterlob, Das Laub begann zu rauchen und zu glühn wie feuchtes Stroh. Ihren Streit zu ſchauen würde verzagten Mann gereun. Einen Schlag ſchlug da Ede durch Dietrichs golbnen Leun, Daß er den Schilb zerklobte. Ex ſprach: „Du muft mit mir Nach dem Drachenfelſen: deines Bleibens ift nicht hier.“ Er ſprach: „Will Gott mir helfen, fo geichieht es nicht fo bald: Den bu mir vorgegeben, bat über Dich Gewalt. Du bift von biöben Sinnen, daß du ihm nicht vertsauft: Nun läßt er bir mifshingen, ver in Himmeläwelten bauft.“
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484 Der Tag begann zu leuchten: dba war fein Schild zerhaun; Der Berner mufte rückwärts, mollt er nicht zu den Yraun. Ed trieb ihn in die Eümpfe: jetzt hätt er ihn ertränft, Wär nicht die breite Eiche, die feine Flucht noch beichrantt. Er ſtemmte fich dawiber und ſprach: „Nun hilf mir Gott! Wie viel ih auf ihn baue, das ift ihm nur ein Spott. Wohl eher zu vermunden wär ein Berg von Stein: Es muß, foll ich gefunden, durch meine Vorgabe fein.“ Da liefen fi von Neuem bie beiden Kämpfer an. Auf Eden hat der Berner da einen Schlag gethan, Den nachmals wohl vergolten ihm hat ver ftarle Helb; Doc jet ward von dem Schlage Herr Ed zu Boden gefällt. „Wie kommt dir ſolche Stärle?” rief Ed und fprang empor. „Des Schlags will ich mich ſchämen; doch jetzo fieh dich vor.” Er jchlug ihm nach dem Helme, daß hoch entiprang das Blut; Dem leuchtenden Karfunfel war gelöfcht die lichte Gluth. Mit Echmerz empfand der Degen der tiefen Wunde Spalt. Da frug er: „Wohnft du immer in diefem Schauerwald? Zogft du in deine Schlingen mich ber durch Zauberliſt! Herr Gott laß mir gelingen, wenn bieß ein Walbteufel tft. „Er hat auf dich verzichtet, es ift der böfe Yeind: Nun wehr e8 heine Güte, daß er mich alſö peint.“ Er wär ihm wohl entronnen, wüſt er fein Roſs nur nah; Doch ſchlug ihn Ed fo grimmig, daß er den Fallen nicht fab.
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„Du muft die Waffen ftreden und die Königinnen fehn.“ Der Berner ſprach: „Die Ehre Tann dir nicht gefchehn, Daß du mich lebend bringeft; im Tode möcht es fein.“ „Gieb mir dein Schwert, * rief Ecke, „du fannft nicht anders gebeihn. „ie willſt du dich noch friften? zu ſchwach ift deine Wehr, Du bebarfft wohl guter Liften, ich bin vor bir ein Heer: Du muft dich mir ergeben.“ Er fchlug dem Degen gut Durch den Helm mit Kräften und ſprach aus herrlichem Mutb: „Ich ſchone dich nicht länger: komm lebend oder tobt.” Er ſchlug dem Fürften wieder eine Wunde, die var roth, Und ſprach: „Wer fol dich flehen, wenn er dich ziwingen kann?“ Er ſchlug ihn, daß den Halaberg das Blut hernieder ihm rann. Als er die Wunden ſpürte, das ſchuf dem Degen orn. Da quoll ihm neue Stärle aus unerfchöpften Born. Eines Löwen Muth gewann er, das mehrte feine Madıt. Cr ſprach: „Sch helf euch ftreiten dieſen Tag und auch die Nacht.“ Da ftanden auch die Kräfte den Kampfgefellen gleich. Da wuchs erft beider Kummer durch manden fcharfen Streich. Jedweder fällte jetzo den Andern auf ven Grund: Zie badeten im Blute; doch war der Berner nur wund. Serr Ede war verwundert als ber ihn nieberichlug, Woher die Kraft ihm käme: da hub er an und frug: „Wo nimmft du diefe Stärke? ich hatte dein Gewalt; Run fchlugft du mich danieder: des entgiltjt bu, Held, mir bald.
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486 „Wie fichft du nun fo mächtig, dem ich die Kraft gebämpft . Mit mancher tiefen Wunde? wer ifts, der mit dir Lämpft? Du ftreiteft nicht alleine, du fichſt wie deiner Zwei. Das muß ich bald erfahren, ob @iner noch in dir jei. „Wie wehrlich du da ſteheſt, du bift gar tief verhaun. Dich muß ein Geiſt befigen (das fchafft mir ſchier ein Graun), ‚Der dir mit heilen Kräften. aus wundem Leibe ficht. Ich glaubte dich zu fangen: der Geift nun duldet es nicht.” — „Du gabft mir Gott zu Hülfe, der leiht mir feine Kraft; Bin ich von Gott befeßen, , fiehb was er Wunder Ichafft.“ Da ſchlug er Eden wieder zur Erbe zorniglich: „Was bilft mir, daß du Tiegeft? nicht verfehren kann ich dich. „Drum möcht ich ihr wohl fluchen, vie dich gewaffnet hat Mit diefer Demantrüftung: die ſäh an diefer Statt Uns Beide gern erfchlagen: mas frommt ihr unfer Tod? Was thatft du ihr zu Leide, die diefen Kampf dir gebot?“ Er konnt ibn nicht erfterben: Herr CE ſprang wieder auf. Da wollt ihn Dietrich treffen mit feines Schwertes Anauf. Er ſchwang die Fauſt und maß ihm fo ungefügen Schlag, Daß er betäubt und finnlos vor ihm auf der Erde lag. Was aber fonnt ihm frommen der Eieg, den er erfocht? Gr hätt ihn umzubringen aud) jeßo nicht vermodht: Bald kehrten ibm die Einne und neue Leibesmadht. Herr Ed ſprang von der Erbe und wieder tofte die Schlacht.
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487 Ed ſchlug ihm tiefer Wunden durch Helm und Harniſch viel. Der Berner fchlug entgegen: zum vierten Male fiel Herr EE zur Erde nieder; doch dießmal ließ er ihn So bald nicht aufftehn wieder: er warf ſich über ihn bin.
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488 Fünftes Abentener. Wie Dietrih Eden erfhlug und mit Faſold lämpfte. Als unter fih der Rede den Starken hielt gezwängt, Er ſprach: „Ergieb dich, Ede,: daß fich dein Leben längt: Mie groß unfre Feindſchaft hier mag geweſen fein, Um deiner Mannbheit Willen laß ich dich gerne gebeihn.“ Herr Ed ſprach: „Mich ergeben, das brächte mir nur Scham, Mir wären ewig Männer und fchöne Frauen gram. Dir kommt die große Freude zu früh auf meinen Tod: ch wäre deiner Zweien wohl noch gewachſen zur Noth. u Da fprad der Held von Berne: „Nun laß ich dir die Wahl: Du wirft mein Mann, der willig vollbringt was ich befahl, Oder ftirbft des Todes: Fein drittes giebt es mehr.“ „Sterb ib,” ſprach Herr Ede, „fo ftirbft du felber vorber.” Er griff ihm in die Wunden und färbte roth den Klee, Mit Zerren und mit Drüden geſchah dem Eieger weh. „Was hilft dir,” fprad) der Starte, „mie ſchwer du auf mir liegit* Du muft nody Ader laßen eb du mich völlig beſiegſt.“
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489 Sie rangen lang und glitten im Grafe ber und hin Und hatten nichts erftritten als großen Ungemwinn. Aub Tietrih drüdte mächtig auf den, der unten lag: Er konnt ihn nicht bewältigen: nie ſah er leivigern Tag. Es war fein zärtlih Drüden: herzte jo ein Weib, So wollt ich nimmer koſen der jchönen rauen Xeib. Er drückt ihn, daß aus Naſen und Ohren quoll das Blut: Zu großem Schaden kamen dieſe Helden kühn und gut. „Zu muft doch enblich fterben, du kühner Degen wert, Wie wir den Raſen färben: drum übergieb bein Schwert: So werden wir Gelellen, als Freunde Hand in Hand Gehn wir vor die rauen: ſo werd ich ihnen befannt.“ „Meines Schwertes hüt ich ſelber,“ ſprach Ed, der ſtarke Mann. „Drei Königinnen fandten wid ber in biefen Tann, Taß ich dich ihnen brädte; eb Du mid, ihnen bringft Will ich noch wehrlich fechten: laß fehen, ob du mich zwingſt.“ „Rein, auserwählter Hede, Gott weiß wohl, daß ich dich Gar ungerne tödte,“ ſprach dba Dieterich. „Run ſollſt du dich ergeben: das ift mein Rath in Treun; Sonft nehm ich dir das Leben, jollt es mid, ewig gereun.” — „Nimm mir das Leben, wenn bu mir Meifter bit. Eh meiner Kraft zu fpotten ſich gar ein Weib vermißt, Will ich den Tod erleiden: von deiner ftarlen Hand Sterb ich ihn mit Freuden, du bift ein kühner Weigand. “
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490 „Sp dauerſt du mich, Ede,“ ſprach jammernd Der von Bern, „Eo muß ich dich erichlagen, mied' ich es noch fo gern. Ergieb dich, frommer Degen, und wende deinen Sinn, Bei allen werthen Frauen! fonft wird eö dein Ungewinn. „Du willft empor dich raffen und blidft mich grimmig an: Ließ’ ich dich auf, ich müfte den Tob von dir empfahn.“ | Da brach er ihm den Sturmhut vom Haupt und fchlug darauf: Viel ftarke Schläge that er mit bes Schivertes lichten Anauf: Er konnt ihn nicht bezwingen. Da fchob er fein Echwert Durch des Halsbergs Schlitzen dem ftarlen Reden werth Und ftach ihm durch das Herze: des zwang ihn große Roth; Doch hätt er lieber felber von ihm erlitten den Tod. Als er ihn erfchlagen zu feinen Füßen fab, Begann er ihn zu Hagen: mit Schmerzen ſprach er da: „O weh dieſes Mordes! Mid madıt vor Echam fo roth Wie diefes Blut, das heiße, mein Sieg und dein junger Tot. „Run haßen mich die Werthen, daß ich dich ſchlug, o Held: Ich muß um deinetwillen ein Scheuſal fein der Welt. Mit Fingern auf mid zeigen wird künftig Jedermann: Seht bin, das tft der Berner, der Könige ftechen Tann. „Du erbarmft mich, Ede,“ ſprach der König gut, „Di hat ein Weib verrathen, dazu bein hoher Muth. Nie ſah ich einen Degen, bas muß ich dir geftehn, Eo nad dem Tode rennen als hier von dir ift gefchebn.
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491 „Du kannteſt kein Beventen, Teine Bagheit war in Dir, Das Lob muß ich dir ſchenken, tie feind bu warejt mir. Du mwufteft nicht von Falſchheit, dein Herz war ſonder Arg: Was hab ichs denn erftochen, das nichts als Tugenden barg? „Des muß ich mich wohl fchämen, es bringt mir ewig Schmach: Robin ich num entfliehe, die Schande folgt mir nad). Wär ih nur von dem Namen, wie ich auch wär genannt, Daß ich nicht Dietrich hieße, nicht ale Mörder würd erlannt. „m eine Steinwand lieber vermauert wollt ich fein, Daß mich die Luft nicht rührte, noch goldner Sonne Schein; Was braucht’ ich dann zu klagen? Mich ſollt um biefe That Tie Erde nicht mehr tragen, fie dünkt mich fchwarzer Berrath.” Als er den Feind erftochen, er meinte wie ein Weib, Er hätt e8 gern gerochen an feinem eignen Leib. Er ſprach: „Wie muß zergehben das Lob, um das ich warb! Mein Preis ifts, meine Ehre, die in bir, Herr Ed, erftarb. „Mit rafchem Fluge jchwebte mein junger Ruhm empor; Kun taucht er tief hinunter, verfintt in Schlamm und Moor. Darf ih das Schwert noch tragen, das dir das Herz durchſtieß? U web mir, daß ich Edle dich nicht Länger leben ließ! „Doch weil ichs vollbrachte was ewig mich gereut, So fol aucd Niemand leben, ber mir bie Tagszeit beut. Bas hilfts, ob ich verhehle den Morb der ganzen Welt? Benn ich felbft daran gedenke ift mir die Freude vergällt.
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492 „Drum will ich es nicht bergen, daß ich dich, Held, erfchlug: Die ich mir auferlege, die Buß ift ſchwer genug. | Ich will zum Morde fügen ben Raub, daß Jeder fieht, Welche Untbat ich begangen und den Gebranbmarlten flieht. „Deine Rüftung will ich tragen und auch dein fcharfes Schwert: Ich weiß wohl, daß mir Jeder alsdann den Rüden kehrt. Den Haß und die Verachtung, die duld ich beibe gern: Weh daß ich fie verdiente mir armem König von Bern!” Da nahm er feine Rüftung: doch war fie ihm zu lang Bis er wohl eine Elle - mit dem Sachs hernieder ſchwang. Da fuhr hinein der Degen; er bob den Helm zu Haupt; Den leuchtenden Karfunkel batt er darüber gefchraubt: Da empfieng der Helm den Namen der neue Hildegrein. Der Tühne Degen wollte nun auf den Drachenftein, Eckes Tod zu rächen an den Frauen bort: Sie hatten ihn gerüftet und trugen Schuld an feinem Mord. Da ſchwang er ſich zu Roſſe und ritt aus dem Tann: Bald hört’ er eine Stimme, die rief ihn kläglich an. Sie fam aus Frauenmunde: „Sch bin ein Menfchenbild, Hilf Held! doch jagt Herr Faſold mich wie ein flüchtiges Wild.“ Eie floh vor feinen Hunden wie ein fcheues Neb: Dietrihen gieng zu Herzen der fchönen Jungfrau Web. Da fprang er aus den Sattel und hob fie auf fein Pferd: „sh will ihn Bier ertvarten; derweil reit heim zu deinem Heerd.
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493 „Cs kommt mir zwar zu frühe, wenn id) jetzt ftreiten fol; Eeltfamer Abenteuer ift diefe Wildniſs voll. Raum hab ich mich des Einen ermwehrt, den ich gefällt; Auch fchlug mir viel der Wunden, bie noch nicht heil find, der Held.“ Sie ſprach: „Das war Herr Ede, der Bruder Faſolds; Ich ſah dich mit ihm kämpfen am Morgen bier im Holz. Nun muß ih um bi bangen; es lebt Fein Mann jo kühn.“ Ta kam ein Ritter jagend hervor aus waldigem, Grün. Ohne Band im Winde flog jem langes Haar. Er blies ein Horn fo fräftig, daß es ein Wunder war: Die Berge wiverhallten, das Wild erjchraf im Tam; Doch nur die Jungfrau jagte der riefenmäßige Mann. Er ſprach zu Dietrihen: „Was raubft du meine Magd? Ich bin ihr in den Bergen fo lange nachgejagt. Tir triefen deine Wunden (mer bat did) jo verhaun?), Sonft jollteft du die Strafe deines Uebermuthes fchaun. Ihr müftet beide bangen; doch jo erbarmit vu mich.“ „Erbarmen mag ich Niemand,” ſprach da Dieterich, „Ich will dir Rebe ftehen, that ich bir was zu Leib: Ch ich die Jungfrau laße, bin ich zu kämpfen bereit.” Herr Faſold ſprach: „Und hätten di Wunden nicht gefchtwächt, Tu wärft mit Faſolds Stärke zu feinem Kampf gerenht. Tie hoben Worte meide: mid; beftehft du nicht.“ „Xeifteft du,“ ſprach Dietrich, „auf diefe Jungfrau Bericht,
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494 „Did zum Kampf zu fordern, das fällt mir gar nidyt em.“ „Eo zieh denn hin in Frieden,“ Sprach Faſold, „fie ift dein; Doch daß du nicht noch einmal, Freund, den Rath vernimm, | Mir bier im Thal begegneft, denn fonft ergeht es dir fchlimm.“ | | Die Jungfrau fprad zu Dietrih: „Run reitet eilends fort: Er ift fo unbeftändig, und reut ihn jen Wort, Wir müßens beid entgelten.” Ihr folgte Der von Bern. Sie ritten eine Strede und waren Selhof nicht fern, Da kehrt' er feine Hunde ſuchend fchon zurüd. Er ſprach: „Deine Wunden waren erft bein Glück; Doch jet bit du des Todes, ich fagt’ es bir voraus.“ Da begann zwiſchen beiden der allergrimmigfte Strauß. Es hätt ihn anzufchauen wohl kaum ein Mann gewagt. Bor Schreden barg im Walde fich die fheue Mage: Faſold war gewaltig; der ungefüge Gaft, Von den Bäumen nieder brach er manchen ſchweren Aft Und ſchlug ihn auf Dietrih; der wehrte fi mit Muth: Daß er fo zeitig kehrte, Das nahm er nicht für gut. & zürnt' ihm ob des Wortbruchs und ob des Jungfernraubs. Die Baumäfte hieb er der Zweige fahl und des Laube; Dem Bogel, den ald Helmgier Faſold trug, den Greif, Dem fchlug er folde Schläge, daß er verlor den Schweif. Das wollte Fafold rächen und riß aus dem Grund Einen mädt'gen Eichbaum; wohl that er Riefenftärte kunt.
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495 Den unterlief ihm Dietrich, als er ihn bob zum - Schlag Und riß ihn zu Boden, daß er bezwungen lag. Frau Sälde hatte wieder an Dietrich fich bewährt. Herr Faſold bat um Frieben. „Der wird dir gerne gewährt, „Wenn dur mir Eide fchwöreft, mir treu zu fein und hold Und nie von mir zu wanken.“ Da ſchwor ihm Faſold Drei geftabte Eide; die brach er alle drei. E& ſprach: „Nun laß mich wißen, Wer mein Herr geworden fei. „Wie du Degen heißeſt, das tft mir unbekannt.“ — „Dietrich ift mein Name und Bern mein Heimatland. Ich fuhr daher in Frieden und Niemand zum Verdruß; Ich weiß nicht was ich immer bier kämpfen und ftreiten muß. „sh kam erft heute Morgen in Angft und große Roth Von einem jungen Manne, der auch mir Bmeilampf bot.“ Da ſprach das Yräulein warnend, die hüllten Zweige dicht: „Bas braucht ihr das zu fagen? warum verſchweigt ihr e& nicht ?"— „Barum foll ers verichiweigen? mas fcheltet ihr ihn aus, Benn er die Wahrheit redet? wart ihr bei dem Strauß, So wißt ihr wohl zu fagen, Wer ihn beſtanden bat? Der Tapfre fchlug ihm Wunden, vie liegen eben und glatt. ‚Tu dankſt es deinem Heile und meinem Unheil ich, Tag dir nicht begegnete, vermeßner Dieterich, Wein jüngfter Bruder Ede: der ift fo Fühn im Streit; Auch werk er mit dem Schwerte, mit Helm und Harniſch Beicheid.
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496 „Der hätte dich bezivungen, ift er gleish nur ein Kind.“ „Ich weiß nicht ob der Eden,” ſprach Dietrich, „zweie find: Einer ließ mich heute große Stärke fchaun; Todt oder lebend wollt er . mich bringen zu feinen Traun.
„Sch konnt ihn nicht erbitten, daß er mich ledig Lieb; Wir haben lang geftritten, eh ihn dieß Schwert durchftieß. Ich dank es Gottes Güte, daß er mich nicht erſchlug: Doc fiehlt du an mir Wunden, die er mir frommte, genug.“
„Haft du meinen Bruder in echtem Kampf gefällt,“ Sprach Faſold der fehnelle, „fo bift du wohl ein Held. Doch jeh ich ganz die Waffen alle, die du trägft, Womit du großen Ziveifel in meinem „Herzen ervegft. „Wie kommſt du an den Harniih und wie an Schild und Helm? Haft du fie wohl erworben? du bift ein arger Schelm, Wenn du meinen Bruber vielleicht im Schlaf erichlugft, Als Dieb und Meuchelmörver feine. Waffen binnen trugft.“ Da ſprach der Held von Berne, vor Born ward er bleic: „Run verlehrt. ſich deine Rebe, du bleibt dir felbft nicht gleich. Mas bu ein Jahr lang redeſt, iſt meiltens wohl ein Lug. Du neigteft mir die Hände und gabft mir über dich Aug: „Mit drei geftabten Eiven fchmurft du Dich mir zum Mann; Nun hat einen Treubruch dein Mund an mir gethan. Du muft die Rede büßen: wer bat dich die gelehrt?“ Da zog er aus der Scheide den Sachs, das ſchneidige Schwert.
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497 Grimm ward ihm fein Gemüthe, da glich er einem Leun, Und ſchlug als ob er wüthe auf den Ungetreun. Herr Faſold fiel zur Erbe; doch fehnell mit Fuß und Hand Warf er ihm ind Antlig eine Wolle Staub und Sand. Ter Berner muft erblinden; doch ließ er ihn nicht auf: Er gab ihm fo viel Stöße mit des Schwerte Knauf, Gr hätt ihn fchier erichlagen; doch bat das Mägblein ſehr: „Rein, ſchenket Mir fein Leben, er thut es künftig nicht mehr.“ Da ließ von ſeinem Grimme der edle Fürſt von Bern. Er ſprach: „Da Du mich bitteſt, ſo thu ichs herzlich gern. Ich ſchenk ihn dir, doch wiß er auf die Treue mein: Seh ich ihn wieder wanken, ſo muß es ſein Ende ſein.“ Da hob ihn von der Erde die wunderſchöne Maid, Verband ihm ſeine Wunden und ſprach: „Nun laß den Streit, Und laß die falſchen Tücken; mich ruft es jetzt nach Haus; Doch willſt du länger leben, ſo halte treu bei ihm aus.“ Sie verband auch die Wunden dem edeln Dieterich. Als fie die erſchaute, fie meinte bitterlich, Daß fie fo fährlih waren, jo tief und fo groß; Dem guten Gotte Belver befahl fie. feheidend fein Looß. Simrod, das Amelungenlied. 1. 32
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498 Sechstes Abentener. Wie Dietrich zu den Königinnen fam. Als ſich beurlaubt hatte die edle Jungfrau bebr, Zu Faſold ſprach da Dietrih: „Nur ſchwöre mir nicht mehr: Du bringft dich noch mit Eiden um Heil und Seligkeit. Du folft den Weg mir zeigen zu ber ungetreuen Maid, „Die Eden, ihren Buhlen, hat in den Tod gefchidt; Doch hätt ich erft mich gerne mit einem Trunk erquidt. liegt bier nicht eine Quelle, die mir den Gaumen nekt, Und des verloren Blutes ein Theil emeut und erſetzt?“ Da fprad) der fchnelle Faſold: „Ein Thal erichließt fich "dort: Da mwälzt die Grendelmühle die Räder immerfort. Der heiße Dunft, der ziidend aus hohem Schlote dampft, Wirkt, daß mit taufend Füßen das Pochwerk hämmert und ftampft. „Ta wird uns gerne laben mein Bruder Ebenrotb; Du aber ſchweige ftile von des ftarfen Ede Top. Daß du den haft erfchlagen, des gedenke nicht; Er möchte fonft vergeßen im Zorn der gaftlichen Pflicht.
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499 „Dort jteht er auf dem Hügel und blidt im Thal umber; Gr bat ums ſchon gefehben und freut fich drüber ſehr: Wie ſchwenkt er mit dem Hute! Dir, fcheint es, gilt fein Gruß: Er hält dich wohl für Ede, ven er vermifst haben muß.“ Entgegen lief dem Degen Herr Ebenroth alsbald: „AU meine Leute hab ich gefendet in den Wal: Es hieß, du wärft erichlagen, mein lieber Bruder Ed; Noch Taum zu Athem kommen läßt mich die Angſt und der Schreck. „Nun wohl uns, noch hat dich die Norne nicht gerafft, Du kehrſt, wo nicht als Sieger, ſo doch in blühnder Kraft. Und gar auf einem Pferde, wie du doch nie gepflegt! Haft dus im Kampf gewonnen, das dich Gewaltigen trägt?“ Da ſprach von Bern Herr Dietrich: „Nicht länger ſchweigt mein Mund: Ich bin nicht Ed’ geheißen, das fei dir Degen Fund. Herr Ed ift erichlagen, du wirft ihn nie mehr ſehn.“ - „Beh, das tft üble Märe, fie ſchmerzt mich, muß ich geftehn. „Kannft du mir denn jagen,” hub er zornig an, „Wer ibn bat erichlagen, tugenbhafter Dann?” Da Sprach unverhohlen der edle Dieterich: „Eo fieh mir ins Antlitz: der ihn erfchlug das bin Ic. „Die Rüftung, die dich täufchte, vererbt’ er mir im “Tod.” „So geht es dir an's Leben," fprady Herr Ebenroth, „Das ſollſt du bald erfahren.” Da lief er in das Haus, Riß einen Brand vom Heerde und ftürmte wieder hinaus.
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500 Die Scheite war gewaltig und brannte lichterloh. Als das Herr Faſold ſchaute, da ward der Falſche froh. Doch Dietrich riß die Schlange ſich von der Seite ſchnell Und ſchlug ſie nach dem Brande, daß Funken und Kohlen hell Durch die Bäume ſtoben und ſengten braun das Grün. Ä Da kam in große Nöthe von Bern der Degen kühn. | Es muſt ihn wohl erzürnen: er wäre: fchier verbrannt. Da ſchwang er im Unmuth ven Sachs und fchlug ihm die Hand Sammt dem Arme nieder, daß bald der Scheite Gluth Erftiden muft am Boden in einem Schwall von Blut. Den Reden felbft ergriff er und warf ihn in ven Badı. Da hört man noch ein Schluchzen wie eines Sterbenden Ad). Bevor ba in die Scheide Herr Dietrich ftieh das Schwert, Da küſst' er feine Schneive: der Ehre war es wertb: „Mir ift mein Leid zerronnen, Du ftebft mir hilfreich bei: Sat ih dich, Sachs, geivonnen bin ich aller Sorge frei.“ Als er den wilden Rieſen batt in der Flut erträntt, | Da ſprach der fchnelle Faſold zu Dem von Bern: „Was tenli Ihr wohl von meiner Langmuth? vie hat doch auch ein Ziel Ihr wollt mid; ganz vertvaifen, es wird mir emblich zu viel.“ Da fpradh der Held von Berne: „Du unftäter Mann! Kun muß ich dich vertilgen, da nichts dich befern kann Daß du die Farbe wechſelſt, ift dieß das letzte Mal: Du kannſt mir nicht entrinnen, wärſt du fchlüpfrig wie ein Aal.“
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501 Den Fallen wollt er binden an einer Erle Schaft, Ta ramnt ihn von der Seiten Herr Faſold an mit Kraft. Ihn unverfehns zu ſtoßen gedacht er in ven Teich; Doch Dietrich gewahrt‘ es und fchnell mit faufendem Streich Hieb er ihm vom Halſe das ungetreue Haupt; Ter Rumpf lag auf dem Damme und war der Macht beraubt. Da ſprach der edle Berner: „Dir ift dein Recht gefchehn: Die feine Treue halten, möcht es Allen jo ergehn. „Du reuft mich nicht wie Ede, bein Tod ift leicht verfchmerzt. D wär nun alle Falſchheit mit deiner ausgemerzt! Daß man Mannesivorten vertrauen bürfte blind: So braudt’ es feine Echmüre, nie würden Eide zu Wind.“ Da ſchwang er fi zu Roſſe und warb es faum gewahr, Daß er das Haupt des Kiefen mit trug am langen Haar. Er ſprach: „D mwär gegraben auf jedes Mannes Stimm Mit golonen Buchſtaben was er dächt in feinem Hirm! „So gäb es ftäte Treue und feiten Männerbund Und eine Luft zu leben wärs auf der Erde Rund. Die könnte mir verleiden der gleifsende Verrath, Wie er jo liebreid, lächelt und finnt auf tüdifche That.“ So fprady er weiter reitend; da warb ihm erſt betouft, Rarum er zu der Mühle mit Faſold hingemuft: „Da wollt er nich verrathen ‚feinem Bruder Ebenroth: Pfui, deine Schande macht mid) für die ganze Menfchheit roth!
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502 - „Was trag ich auf dem Gaule dein feiges Haupt fo fahl? Da liege du und faule.“ Er warf es in das Thal, Das man die Faſoldskaule noch zum Gebächtnifs nennt; Es liegt nicht weit von Rhöndorf, wo jeder Bauer es Tennt. „Run muß ich felber fuchen ven Weg zum Dradyenftein; Dort feh ich ihn fchon ragen, er wird zu finden jein. Durch einen Hohlweg ftieg er. den fchönen Berg hinan Und 309 das Roſs am Zügel empor auf fchivindelnder Bahn. Als ihn von Oben ſahen der Königinnen drei, Frau Seeburg mufte glauben, daß es Herr Ede jet. Sie kannte wohl die Rüftung; fie ſprach: „hm ward ein Sieg: Wie käm er fonft zu Pferde, der nie ein Roſs noch beftieg?“ Sie hatt auch wohl vernommen, ver edle Yürft von Bern - Set in das Land gefommen, und weile nicht mehr fern. Da lief fie ihm entgegen und ſprach: „Willlommen, Selb; Den du mir bringen jollteft, du haft ibn, feh ich, gefällt.“ „Wen follt ich euch bringen?“ ſprach Herr Dieterih. — „Den edeln Bogt von Berne: nach dem verlangte mich.“ — „Und wünſcht ihr ihn zu fchauen?” — „Sa Ihn zu allermeift.” — „So ſeht ihr ihn vor Augen: ich bins, der Dieterich beißt.“ Er nahm den Helm vom Haupte: da war es nicht Herr Ed, Sie jah ein zornig Antlig: die Frau befiel ein Schred. „Die habt ihr nun verrathen den Mann, der euch vertraut! Er war euch hold ven Herzen, und nannt euch gern feine Braut.
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903 „Habt hr ihn, Ungetreue, nicht in den Tod gejandt? Mir fchafft es ewig Reue, ich fluche meiner Hand, Taß fie ihn bat erfchlagen. Faſold und Ebenroth, Die feine Brüber hießen, die fanden auch ihren Top. „Doch reicht mir jeßt zu trinten, denn ich bin müb und matt. Wo lebt der Held, der jemals fo viel gejtritten hat? Im Kampf mit eur und Waßer hab ich die Straft erprobt; Zulegt noch mit dem Winde: der hat gefehnaubt und getobt! „Ed trieb mich in die Sümpfe, ſchier hätt er mich erträntt: Darauf bat Feuerbrände nach meinem Haupt geſchwenkt Ter Teufel aus der Mühle; zuletzt bald tygrm bald kalt Blies diefer windge Faſold, daß ichs ſchier im Tod entgalt.” Ta führte fie den Helden in einen hohen Saal. Ta empfieng ihn Bolfriane, der Echönheit volliter Etral. Den edeln Menzenberger reicht’ ihm das Mägplein gut: Ter Wein war fein Behagen, er nannt ihn nur Eden Blut. Auch brachte fie ihm Speife, den Reiher und den Fiſch, Und jaß, ihm vorzulegen, neben ihm am Tiſch. „sch jollt euch nicht bevienen,” ſprach die Königin: Ihr fchluget mir den Freier; ich fchlug ihn ſchon aus dem Sinn.” „Kann eudy an Freien fehlen, die jevem Blid gefällt? Ich will euch was erzählen: zu Breiſach mohnt ein Held, Ter gab mir dieſes Bildniſs: ſeht felbit, ob es euch gleicht; Yängft fucht er nach dem Urbild, das doch Fein Maler erreicht.“
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504 „Wie ift er denn gebeißen? es gleicht mir Zug um Zug. Doch warım fchidt er ſeins nicht? an dem iſts nicht genug: Wenn er mir ſehr gefiele, fo würd ich feine Braut.“ „sch will ihn zu euch ſenden, baß ihr ihn felber befchaut. „Man fagte mir, bier wären ber Königinnen brei: Wo ift denn nun die dritte? ich jehe doch nur zwei.“ „Ein Kind tft noch die dritte; Frau Seeburg jchalt fie aus: Sie fam heute Mittag ein wenig jpät erft zum Schmaus; „Do ſoll man fie euch zeigen.” Sie fam nady kurzer Zeit: Da mar es, o Wonne, die munderholde Maid, Die um feine Wunden fo bitterlich geweint, Als fie ihm die vebunden, und jo die Treue bejcheint. „Ih hab euch auch den Freier erſchlagen,“ ſprach der Held, „Er wird euch nie mehr jagen. Wenn es euch wohl gefällt, Ich muß Erſatz euch fchaffen, fo mwill ichs felber fein.“ Bedachte fie fich lange, fie fprach doch ficher nicht Nein. Berlobt ward Dietrichen die fchöne Gotelind. „Ein Jahr muß länger warten Frau Seeburg als dieß Kind: Ich jchid ihr meiner Helden noch Einen zum Gemabl; Doch befehle fie ihm nimmer mas fie Herrn Ede befahl.“ Hier ift genug gefungen von Dietrichs Siegerpreis: Der follte nie beginnen, ver nicht zu enden meiß. Euch fingt noch Dietrichslieder der alte Lieberfchmieb; Dieß ift von Eden Ausfahrt das oft gefungene Lieb. — —
Dietleib
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Erftes Abentener. Bie Herbart ald Brautwerber zur Normandie fubr., Mit Indem Finger rührte Frau Saga mir das Haupt: „sh hab am Rhein zu mweilen dir fchon zu lang erlaubt. Dir liegen ſehr am Herzen die Leute wie das Land, Du börft dich allzugerne den rheinſchen Dichter genannt. „Wer ſoll zu Ende fingen den deutichen Helbenfang? Laß ab von andern Dingen eh vieles dir gelang. Bozu das irre Streben? verliere nicht dein Wort: Was ch dir eingegeben, das fpült die Welle nicht fort. „Die theure Heimat preifen, das ift wohl gut und fchön; To follten deine Weifen das Baterland erhöhn. Ihm haft du dich verpflichtet, es ift fo groß und hehr; Denkſt du der Jugenbträume, ber frühen Eide nicht mehr? „Da zu des Auslands Göhen ſich alles Vollk verlief, Im Rauſch von melicher Größe den deutſchen Sinn verichlief, Schier wollte dir verbluten das Herz ob folder Schmach; Run da fie reuig kehren, ba ließe dein Eifer nach?”
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4 — — — Ich ſprach: „Vergieb mein Säumen, mir var das Herz verzagt: Mit meiner Kraft, wie hätt ich ſo kühne That gewagt? O wollteſt Du mich ſtärken, ſo fänd ich noch das Ziel; Wo Andre vor mir irrten, der Wege ſeh ich ſo viel: „Der rechte Weg, o Herrin, iſt Dir allein bewuſt.“ — Da bot fie mir die Schale; ich nahm und tran? mit Luft. Nun ſah ich Har die Pfabe, mo Nebel lang gebraut: So mögt ihr gerne hören was ich erlebt und geſchaut. Zu Bern auf dem Hodfi, ſaß Dietrich der Gelb, Der einft bewältgen follte die weite beutfche Welt. Dem Sohn ſaß zur Seite Dietmar der König hehr | Und rings im Kreiß gefchloßen der Helden Schar um ibn ber. Ihnen diente Heime heute und reichte lautern Trank In goldenem Gefäße: er gieng von Bank zu Ban. Da tranten fie Willlommen dem jungen Bogt von Bern; Wohl freute fie die Heimlehr des lang gewanderten Herrn. Da zog er aus der Scheide Nagelring fein Schwert Und ſprach vor den Gefellen: „Du baft dich wohl bewährt Und harten Strauß beftanden, bu guter Nagelring, Den ich zum Löfegelde von dem fehlauen Zwerg empfieng. „Ih war allein gejchieven aus meines Vaters Land, Auch war daheim geblieben mein alter Hildebrand; Noch fchmerzten mich die Wunden, dazu des Unfiege Schmad Und das war das Schlimmfte, daß ich mir felber gebrach.
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5 „Du baft mich nicht verlaßen, du warſt mein Troft, mein Glüd, Du gabft mir neue Siege, gabft mich mir felbit zurüd‘; Uneigennügtig haft du bein Frommen nicht bedacht: Du haft den Sachs gewonnen und dich entbehrlich gemacht. „Ich darf dich nicht behalten, du Liebft dir friiches Thun Und magit in deiner Scheide nicht roften und nicht ruhn. Nun will ich für dich forgen, daß du den Herren gemwinnit, Der dir mit neuen Thaten die alte Tugend verzinst. „Tritt uns nun näber, Heime, du Sohn des Wbelger: Niemanden gönn ih den Ragelring fo fehr. Dir brach auf meinem Helme Blutgang bein Schwert Und Iang haft du_vergebend fo guter Waffe begehrt. „Auch ſchuld ich dir den Fallen, das windſchnelle Nofs, Das der Stute Brunhilds auf Segard entſproß. Dafür wird dir der Zwerge Gefchmeide zum Gewinn: Rimms, guter Freund, und braud) ed nach deinem würdigen Sinn.“ Da nahm aus Dietrich Händen Heime das Schwert fo blant Und fagte dem Gebieter der Gabe großen Dant. Und rings umber im Kreiße dankte Jebermann Herrn Dietrich für die Wohlthat, die er an Heimen getban. Nur Wittich erzürnte, daß der das Schwert empfieng: „Uebel angelommen bift du, Nagelring! Eines Biedermannes Waffe verdienteft du zu fein, Und wirft dem Ungetreuen, ver eitel Lug ift und Schein.
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6 „Ich hab ihn kennen lernen, fein Gleiſſen täufcht mich nicht. Seit ich nach Bern gelommen in des jungen Königs Pflicht, Acht ich feines Umgangs als eines Weib, nicht mehr: Mer möchte fih verlaßen auf der Gefellen ein Heer? „Weber die Etſch gefprungen war ich auf fchnellem Roſs: Da ward ich angefallen von milder Räuber Troſs, Fünfe wider Einen: Er ließ mich in der Noth Und börte nicht Herdegens noch bes alten Hilbrand Gebot,
„Obwohl an Ihm die Reihe zu fpringen war, und längft . Er mid emitten hätte auf feinem fchnellen Hengit.
Da mid der Schächer fünfe bebrobten, hielt er ba Und ließ fi) wenig fümmern was mir zu Leibe geichab. „Wär ich erichlagen worden, es hätt ihn nicht betrübt; Das ift an dem Gefährten die Treue, bie er übt. Die beiden andern waren vom Strom noch nicht herauf; Als die mir Hülfe brachten, ba trieb auch er fein Roſs zum Lauf: „Das dank ich ihm mit Richten, ich beburfte fein nicht mehr.” Die Klage hört! entrüftet der junge König behr. Er ſprach: „Und haft du, Heime, ſolch Neidingswerk gethan, Und Hilbrand wills bezeugen, dem Alten feb ich ed an, „Sp beb aus meinen Augen, unreiner Hund, dich fort. Dem Gefährten in den Nöthen nicht beiftehn, das iſt Mord. Wohl ziemte bir zu bangen vor Bern noch diefen Tag: Hinweg aus meinen Augen, eb dich mein Zorn erreichen mag.”
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7 So wies ex ihm die Thüre. Heime fprach gefaßt: „Ich gehe; einft gereut dich mas du geſprochen haft. Wittihen ſolls nicht frommen; fein Schimming, der ift mein: Er wähnt mit folder. Klage des Anſpruchs ledig zu fein; „Doch werd ich ihn erlangen, ich laße nicht mein Recht: Nicht umfonft war Studas eines Schmiedes Pferbeinedht.“ Da trat er aus dem Saale, nahin Rispa, Diſa's Sproß; Den Ragelring am Gürtel ritt ex hinweg als dem Schloß. Nun laßen wir ihn reiten und kehren in den Saal. Da ſprach der edle Dietrich zu der Gefellen Zahl: „Ihr lieben Freunde, höret was ich euch lagen muß: Mein Leid um die VBerlobte und meines Vaters Beichluf. „sch hatte mir erworben eine berageliebte Braut, Die treufte Maid, die jemald die Sonne hat gefchaut. Ich liebte fie, fie liebte mich wieder inniglich: D weh mir, daß ich fußbreit je von ihrer Seite wich! „Run ift fie mir genommen, entſchwunden räthſelhaft: Ich weiß nicht, lebt Gotlinde, hält fie des Todes Haft. An der Ruhr ift eine Veſte, Schloß Hardenberg genannt: Da war fie bei dem Oheim als fie fo plößlich verſchwand. „Wir fuchten die Entrüdte vergebens weit umber: Die jedes Aug entzüdte, kein Auge fah fie mehr. So ließ ich überwunden das Land, das ich erwarb. Hätt ich es nie gefunden, wo meine Freude verbarb!
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8 „Ich muß es theuer büßen, am Rhein das [önfte Thal; Daß ich dich, Eck! erfchlagen, das rächt an mir die Qual. Hätt ih nun meinen Willen, ich thät ihr Treue fund; Mein Herz wird ihr doch halten was ich verhieß mit Hand und Mund. „Herz, Hand und Mund, die follten fi nimmermehr entziwein: Es ift nicht wahre Ehe, fehlt Eines von den brein. Drum wär es wohl am Beften, ich bliebe wie ich bin; Doch jagt mein Vater Dietmar, ich hätte kindiſchen Sinn, „Ließ ich das Land entgelten der lieben Maib Berluft: Nicht dürften Fürften freien nad, ihres Herzens Luft. Zur Landesmutter müft ih vom herrlichſten Geſchlecht Mir ein Gemahl erliefen: das wär ber Könige Recht.“ Da ſprach Meifter Hildebrand: „Er bat dir wahr gefagt: Du darfſt Hierin nicht fchalten wie beinem Sinn behagt. Wir nehmen unfre Lehen von keinem Hageftolz: Du muft uns Erben ſchnitzen und aus dem ebelften Holz.“ Da ſprach zu den Getreuen Dietmar der König hehr: „Was wir ihm auferlegen zu leiften iſt nicht ſchwer. Es giebt noch Königstöchter, die ſchön und lieblich find, Und manche wohl ift ſchöner als König Drufians Kind; „Der Mitgift zu gefchweigen, die erfreien mag mein Sohn: Gotlinde brächt ihm Feine, ibr Land gehört ibm fchon. Do fieht er nur auf Schönheit, ich laß ihm freie Wahl: Auf allen Erdenthronen kieſ er das fchönfte Gemahl.
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9 „Run wißt, ich babe Boten geſandt in alle Welt Ihm eine Braut;zu fuchen, bie jedem Sinn gefällt. Sie wißen wohl von Schöne, von ebler Frauen Werth; Einft faben fie die Beſten, bie je ein König begehrt. „Sie find umbergefahren in allen deutſchen Gaun Nach Anmuth, Huld und Liebreiz zu ſpähen und zu ſchaun. Sie Tehrten beim und fprachen zumal aus Einem Mund: So bebr und herrlich blühe auf allem irdiſchem Rund „Kein Weib als Ludwigs Tochter, des Herrn der Normandie, Und bolder fei und edler Feine Königin als fie. Doch hütet fie ihr Vater vor aller Männer Blid; Sie felber nur erfaben fie dureh ein günftig Geſchick. "So dächt ih, wär es Güte und Feine Graufamleit Bad wir von ihm verlangen: zu frein die fhöne Maid. Auch fol er Hartmuths Schweiter nicht Taufen unbejehn: Er fahre fie zu ſchauen, id) laß es gerne geſchehn.“ Ta fprach der edle Dietrih: „Das wär vergebne Notb: Ich nehme fie, mein Vater, nur weil es eur Gebot. Gar Leicht ift Hilde ſchöner ala je Gotlinde war; Biel Fieber doch von diefer wär mir ein einziges Haar. „Wenn ich nad euerm Willen die Schöne nehmen muß, Zur Rormandie zu fahren darum, wär Weberfluß. Schickt Werber bin; mit felber fteht nicht der Sinn zum Fein, Und käm id aus und fähe noch einmal fließen ben Rhein,
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10 „Der Fahrt zu den Rormannen gedächt ich bald nicht mehr, Schön Hilde wär vergeßen, ich fag es euch vorher. Ich lief auf alle Berge und fucht in Wald und Flur Gotlindens Namen rufend der Unvergeßlichen Spur.“
„Sp möcht es wohl gefcheben,” ſprach Hildebrand: „ihr wißt Schon lange, Herr und König, daß er ein Träumer ift. Doch hier ift gar nicht theuer ein guter Rath, der Fund Iſt fchon zur Hälfte euer, denn euch gehörte der Grund. „Ich fand in meinem Sinne wie bier zu helfen fei. Seht diefen jungen Reden mit golbnem Hirſchgeweih: Das wär ein fehmuder Werber, ihn fehen gern die Fraun; Auch ift er Dietrich Neffe: er mag die Braut ibm bertraun. „So ſchickt den Sechzehnender zu den Normannen hin; . In allen Reichen fänd er Brautiverber nicht wie ibn. Er ift ein höffcher Knabe und weiß auch Huge Ef: - Nun gebt ihm Brief und Siegel, damit er beglaubigt iſt.“ Da ſprach König Dietmar zu dem jungen Herbart: „Willſt du, mein Enkel, vollbringen diefe Fahrt, So laß ich dich bereiten mit Roſs und Gewand Und vierundzwanzig Ritter geleiten dich in das Land. „Und bringft du dem Freier das Mägdlein auserfehn, Salzburg und Steier wird bir zu Yahnenlehn. Dir bürgt mein Wort, daß nimmer ein Andrer fie erwirbt, Wenn einft zu Berchtoldsgaden dein Bater Herbegen ftirbt.”
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11 Da ſprach der fchnelle Herbart, Herdegens Sohn: „Hätt ih Gewand und Rofle, ich führe heute fchon. Wohin ihr mich auch fendet, ich bin der Fahrt bereit.“ Die gab man bald dem Degen: er ſchied mit fchönem Geleit.
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"12 Zweites Abentener. Wie Heime zu Ingram kam. Nun iſt es Zeit zu ſchauen was aus Heimen ward Seit Dietrich ihn geächtet, dazu geſcholten hart. Er war hinaus geritten und wuſte nicht wohin: Wie er die Schmach noch räche, das lag ihm einzig im Sinn. Da zog er aus der Scheide ben guten Nagelring; Das war ihm Troſt im Leibe, daß er den noch empfieng. „Wenn du mich bannen wollteft, mas gabft du mir dieß Schwert ? Haſt dus fo lang getragen und verlannteft feinen Werth? „Mit diefer Waffe find ih wohl einen andern Herrn: Es dienen alle Reiche noch nicht dem Bogt von Bern.“ Als er fich recht bedachte, da fiel ihm Rother ein, Er hatt es oft vernommen, wie der fo mild follte fein. „Er iſt zwar Dietmars Blutsfreund; vernahm ichs aber recht, So ift mit fih zerfallen des alten Gaut Geſchlecht. Es ſteht nicht mehr in Liebe wie es geftanden eb: Zu Rothern will ich reiten bin an die öſtliche See.“
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13 Er ritt zum Hochgebirge, durchs Schöne Land Tyrol, Unb weiter gegen Rorben (bie Wege kannt er wohl) Durch alle deutihen Gauen bis an der Elbe Strand. Sein Roſs trug ibn binüber in der Holfaßen Land. Er kam in eine Wildniſs, die hieß der Sachſenwald; Richt allerdings gebeuer mar diefer Aufenthalt. Auch ward er angeritten von wilder Männer brein; Den Einen warf er nieder; der britte ſprach zu ben Zwein: „Laßt mich allein mit Diefem; mich duünkt, ich fah ihn ſchon. DIR du nicht Heime? Adelgers Sohn? Wie ftehts in BVerchtoldsgaden? Was führt dich in dieß Land? Hat dich etwa Dietmar zu König Rothern geſandt?“ — „Du wirft es nicht erfahren, ob bu bie ragen mehrft; Erft fag mir deinen Namen, und bein Gefchäft zuerft: Ich fteh bier unbezwungen.“ Da fprach der fremde Mann: „Erkennſt du nicht den Sintram, der feinem Vater entrann ?” Da ſprach der ſtarke Heime: „Das lehrte did die Noth; Doch Schul war Meifter Wigbald an Herbegens Tob: Mer giebt auch fcharfe Klingen in ungeübte Yauft? War ich dein Bater, ich hätt ihn anders zerzauſt. „Run will ich dir auch fagen mas bu mich hafl gefragt: Im Indischen Eifer bat Dietrich mich verjagt. Nun will ich Rothern dienen. Biſt du vielleicht fein Mann? Mich freuts, daß ich dich finde, der mir von ihm melden kann.“ —
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14 „Das wolle Gott nicht,” ſprach er, „daß ich fein Dienfimann wär: | Der Wolf in eigner Heerde! fein Zoch ift allzufchiwer. | Noch hab ich nicht vernommen, daß Wer es lang ertrug: | Man fol ihm immer bringen und bringt ibm. nimmer genug. „Wie er die Leute ſchindet, auf neue Steuern finnt, Und Wucher treibt und Schacher mit jeden. Menfchentind, Doch geht es immer hungrig und ſchmutzig bei ihm zu Und nimmer will ſich füllen mit Gold die gähnende Trub.
„Es it, als ob3 die Wellen verichlängen allzumal. Soldem Herren dienen wär meine letzte Wahl.” „Wie tounderlich” Sprach Heime, „wenn ich mich recht befann, Er bieß in feiner Jugend der allermildefte Mann.“ Sintram verfegte: „Das ift fo manches Jahr. Seit Berchtold farb, der alte, verwandelt ift er gar. Berchtold war mein Urabn, drum mollt ich erſt dahin; Als ich es näher anſah, fchlug ih mir das aus dem Sinn.“ — „Du ſprachſt, in feinen Händen zerränne ftäts das Golb: "Führt er denn große Kriege und zahlt fo ſchweren Sol?" — „Wohl führt er große Kriege, doch mit gar Heinem Glück: Er kehrt aufs Haupt gefhlagen aus jeder Feldſchlacht zurück. „Heunland ift ihm genommen und Samburg feine Stabt, Die Uten, feiner Trauten, WMeljas vererbet hat. Die nahm ihm König Etzel, Botelungs Sohn: Er beißt nun Geunenlönig; doch verlegt’ er feinen Thron
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15 „Rad Sufat, wie wir fagen; ibr aber heißt es Soeſt. Darum ift König Rother dem Ekel fo erboft, Daß er ihn zu bezwingen nad Schätzen ſpäht und fpürt. Füngft that ihm Etzel Schlimmres: denn feine Tochter entführt „Hat Rüdiger der milde, ber Etzels Dienftmann ift: Er führt‘ es lang im Schilde; doch jekt gelang die Lift. Run wird die ſchöne Helle Etzels Königin: Der ift fo gewaltig, es duünkt fie billig Gewinn.“ Da ſprach der ftarle Heime: „Wem aber dieneft bu? Bir du in Etzels Solde?“ „Das gäb ich eher zu; In Wahrheit aber dien ich viel einem ftärlern Mann: Sein Reich ift hier in Holftein der unermeßliche Tann. „Ber aus der Mark der Dänen zum Sachſenlande fährt, Und wer vom Sachſenlande gen Dänemark ſich kehrt, Muß feine Macht erkennen und zahlen ſchweren Boll: Es toftet ihn das Leben wenn er nicht zahlt was er fol. „Willſt du zu Rothern fahren, fo geb ich dir Geleit, Daß fie dich reiten laßen und bleibft vom Boll befreit.“ „Ich will nicht mehr zu Rothern,“ ſprach der ftarle Held; „Auch find mir Etzels Dienfte durch Dietmars Freundſchaft vergällt. „Wie beißt denn euer Häuptling, Sintram, fag mir an?“ „Man nennt den Degen Ingram, ben wunderſtarklen Mann. Nie hab ich feines Gleichen gejehn in aller Welt; Er Bat mit fchnellen Streichen zumal oft Zwölfe gefällt.“
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16 „Sind der Gefellen Viele?" — „Noch ift nicht voll die Zabl. Wir find erft unfer Eilfe.“ — „So führe mich einmal Zu Ingram deinem Herren: gefall ich ihm, er mir, So bleib ich als der Zwölfte, die Zahl zu füllen, wohl bier.“ Als Ingram fah den Neuling, es war ihm fein Verdruß. Sie ſprachen lang zuſammen, und dieſes war der Schluß, Daß Heim in ihrer Bande der zwölfte Räuber warb. Sie follten ſich verfuhen vesfelben Tages noch hart. Reicher Kaufleute kam ein halbes Heer Gen Dänemark gezogen ‘vom Sachſenlande ber. Sie mochten felbit geleiten der ebeln Güter Fracht: Sie fuhren jo gewappnet, fie hätten wahrlich gedacht, Nicht Wenige dürften es fein, die kühn genug Den Weg zu Iperren wären fo ftarlem Männerzug. Gar unerfchroden ritten fie durch den Sachſenwald;: Auch warb bei hellem Sange mit Peitſchen Iuftig gelnallt. Da rief der Räuber Ingram: „Seht diefe Männer dort Mit ſchwerem Frachtwagen: es ift ein ganzer Hort! Sie find zwar mwohlgerüftet und ſtärker viel als wir; Doch Wer ein Held will heißen mit rechter Kampfesbegier, „Der muß um reich zu werben die Uebermacht nicht fcheun. Nur Tröpfe zählen Köpfe: fo darf man Uns nicht dreun.“ Sie eilten zu den Roſſen und flürgten auf fie ein. « - Die Kaufleute ſahen ihrer Feinde Schar fo Hein,
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17 Da fprangen fie von Roſſen und Wagen wohlgemuth, Schwangen ihre Spieße, und züdten Schwerter gut, Denn ſich zu firmen führten fie Tartiche nicht noch Schild. Da ward viel Blut3 vergoßen, es bampfte heiß das Gefild. Der Kampf währte lange; doch kams zulekt dahin, Daß Ingrams Gefellen ver Sieg zu winken ſchien. "Da wurben fie noch fühner und ließen eh nicht ab Bis alle ſechjig Männer im Walde fanden ihr Grab. Sie nahmen reiche Beute und jubelten ben Yang. Ben follten fie noch fürchten, da ihnen bieß gelang? Heime felber bauchte fich nun ein beßrer Held. Mit feinem guten Schwerte hatt Er die Meiften gefällt. Eimrsd, das Amelungenlied. 11. 2
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18 Drittes Abentener. Mie Dietleib zur Hochzeit fahren wollte. Wo ſich in, Mutfchen weidend das Rind nur büdt und feredt, Zu freier That und Rede ber Bauer fidh: erkedt, Im Dietmarjenlande, da wohnt «in mächtiger Mann, Ein Bauer wie die Andern, mar daß er Schäge geivann. Der Huben und ber Höfe beſaß er alfo viel, Der Wiefen und ber Heerben: wer zählte ſich ans Biel? Dazu war er an Kräften wie an ber Habe reich, Bon Friefen und von Dänen mar ihm ber Stärkſte nicht gleich. Er batt in jungen Jahren das halbe Theil der Welt Wohl unterm Schilb erfahren als aud ein andrer Held. Seht hielt er fich zu Haufe, das bradıt ihm mehr Gewinn; Doch gern empfieng er Bäfte, er hatte fürjtlichen Sinn. Er war auch einer Fürftin felber anvermählt: Eine Herzogin von Sachſen, die hatt ihn frei erwählt. Sie war geheißen Ute, das eble Frauenbild: Der beiden Sohn hieß Dietleib und ihre Tochter Simild.
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19 Sperſchwingens unvergeßen war noch Herr Biterolf; Meift traf er zwar mit Spießen ben Eber nur und Wolf; Doch kamen feine Schiwäger daher aus Sachſenländ, So brach der alte Jäger den Sper mit kunſtreicher Hand: Früh fah der Knab exfprengen manch wohl gelehrtes Roſs - Und nad) drei Nägeln zielen, wenn man den Sper verſchoß. Bon Helmen und von Schilden ftob oft die lichte Bier, Herab aus reihem Banner ſah mandyes grämlide Thier. Die Knaben üben gerne was fie an Männern fehn Und bildens nad) in Spielen: fo pflegt’ es zu geichehni; Jung Dietleib bielt es anders: er hatte wenig Adht Auf Ritt und Kampf der Helden und ihre kunſtliche Schlacht. Der Bater ſah es ungern wie er ſich geben Heß Und in der Küche lieber wendete den Spieß, Lieber Bauerlümmel in Scheuern rauft' und jchlug Als unter feinen Gäften fich fein und ablig betrug. Er konnt es auch wohl merken, ver Vater liebt’ ihn nicht; Die Mutter zeigt! ihm ſelten ein freundliches Geſicht: Sie Himmerten ſich beide zuletzt nicht mehr um ihn, Der aus der Art gefchlagen wohl gar ein Wechſelbalg ſchien. Er war fo ganz entwildest bem herzoglichen Stamm, Niemals in bie Haare bracht er einen Kamm, Nie flieg er in die Wanne, war auch das Bab bereit, Ruſsgen Alcheninechten glich ex von Antlitz und Kleid.
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20 Einft Iud man feinen Bater zu einem Gaftgebot Gen Lauenburg am Elbftrom beim dritten Abenbroth Mit ftattlichem Gefolge, vorab mit Weib und Kind: Er wollt es nicht vertveigern; er mar dem Wirthe holbgefinnt. Er rüftete fih herrlich alsbald zu diefer Fahrt Mit Neifigen und Roſſen. Das hatte wohl gewahrt Dietleib der junge: der bildete ſich ein, Er follte mit den Eltern auch bei dem Gaſtmale fein. Da fprang er auf vom Heerde, bei dem er lag beitaubt, Und fchüttelte die Aſche von Händen und von Haupt. Dann wuſch er fih das Antlig im eisftarren Bach Und trat mit Haren Augen in feiner Mutter Gemach. Die bat er, ihm zu geben fein hodhzeitlich Gewand. Die Mutter ſprach: Was wilft du damit, unnüger Yant? Er ſprach: „Wir find geladen zu einem Gaftgebot Gen Lauenburg am Elbſtrom vor dem dritten Abendroth.“ Was küummert Dich da3? ſprach fie: Du willft doch nicht dahin? — „Freilich will ich, Mutter, da ich geladen bin. Ich hab es wohl vernommen, es biek mit Weib und Kind Und ftattlihem Gefolge: ich zähle mit zum Hausgefind.” — Wohl zählt du zum Gefinde, leider ift es wahr; Zum ftattlihen doch nimmer, unftattlich bift du gar. „Ihr gebt mir nicht die Kleider, fonft wär ich ftattlich fchon.“ Da Sprach die Mutter zürnend: „Was fällt dir ein, mein Herr Sohn?
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21 „Run lagft du in der Aſche zwölf Monden madıt ein Jahr, Und willſt zum Gaftmal fahren, zu werther Männer Schar? Wohl Schade wär es, bliebft du zu meit davon entfernt: Du haft von Küchenjungen fo edle Gitte gelernt, „Bon Knechten und von Bauern, es kann nicht anders fein, Wir legten große, Ehre mit ſolchem Sprößling ein. Doch gäb es Neid: drum barre du lieber hier in Ruh Der nädften Hunbehodyeit: da ziemen Gäfte wie bu.“ Dietleib ſprach: „Frau Mutter, das war fein höflich Wort: Ihr meidet folde Reben, boff ich, beim Gaſtmal bort. Gönnt ihr mir nun die Ausfahrt, fo dünkt es mich Gewinn; Vergönnt ihrs wicht, jo fahr ich nichts beito weniger bin.“ Er gieng hinaus und ſuchte bis er den Vater fand; Der hatt im Hof zu ſchaffen; ber unge ſprach zuhand: „Ih fahre mit zur Hochzeit, Herr: geliebt es euch, So gebt mir Roſs und Waffen und alles reifige Zeuch.”. Da fprach der Vater: „Träumt dir am hellen Tage gar? Es brächt uns eitel Schande, viel Ehre nicht fürwahr, Wenn fol ein Bärenhäuter mie bu bift, Tagedieb, Bei wohlgegognen Söhnen fein rohes Unweſen trieb. „Biel edle Herren lommen zu dieſem Gaftgebot: Da find halbwüchsgen Burfchen wohl andre Künſte Noth As Gänſſ und Hühner braten und blafen in die Gluth Bis hell das Neificht lodert: darauf verftehft du dich gut.
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22 „Sonft wollteſt du nichts lernen, Herr Oberküchenknecht. Ganz ausgeartet bift du bon würdigem Geſchlecht, Und Wahrheit dünkt mich endlich mas hier ein Jeder ſpricht, Der auf dein Treiben achtet: mein Sohn, ber wäreft du nicht.“ Da verjegte Dietleib: „Weflen Sohn ich fei, Kann ich nicht felber wißen: ich war nicht mit babei. Pur hab ich jagen bören von Allen, die davon Nächſt dir wohl wißen mögen, ich wäre Biterolf3 Sohn. „Sp bu aber irgend Zweifel halt daran, So frage Sie ſtatt meiner, die es wißen Tann, Nämlich meine Wutter; ich habe Teinen Grund Andern Bater zu fuchen als den mir nennt ber Yeute Mund; „Obgleich ich nimmer mwäte, das fieht man wohl au blind, So geringer Bauern und armer Leute Kind, Die mein nicht beßer hätten gepflegt, als bu gethan Bis biefen Tag, denn nimmer nahmſt du dich meiner noch an. „Ich danke dir, wie wenig an mir gethan du habit Doch dieß, daß bu mir eine fo gute Mutter gabft Als die an der du ziveifelft; denn wär fie nicht jo gut Als alle Leute jagen, und nicht von fürftlichem Blut, „Ich könnt ihr nicht vertrauen, da folden Vorwurfs Laft Auf die Unbeicholtne bu ſelbſt geladen haft. Wären ihre Freunde, beine Schtwäger hier, Du bätteit ſolche Dinge wohl nicht geſprochen von ihr.
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28 „Do fie muß Mein entgelten und dap.ich noch nicht wpll., Erwachen bin zum Wanne, denn glaube.nur, ed fol. Das Niemand von ihr denken, wenn- ih zu Jahren lam, «7 Redens zu geſchweigen, was id won die nun vernahm - ı _ „Geh, Schalksnarr, und tale dich an Den Küchönheerd,“ Sprach Biterolf. mit Lachen, „nicht? beßres biſt du werth, Bon meines Hausfrau glaube nur bu und Jedermann, Daß ich nie andre Meinung als eine gute gewann, „Zumal fie. immer Guter , wur bat, verdient um wich, Du aber bift ein Mondlalb wab nimmer kann ih dich Für unfer Blut erfennen, Wer dich nun auch gehar, Bon mir und meiner Frauen haſt du gewiſs nicht eim Haar.” Darauf verſetzte Dietleib: „Wenn endlich denn ihr Kind Hier abzuholen fommen die meine Eltern find, So ſchulden fie euch Beiden gar mäßgen ‘Bflegelohn, Denn wenig Müh und Koften habt ihr verwandt auf ihren Sohn. „Das laßen wir beruben bis Solches ſich begiebt. Wenn nun mir diefe Ausfahrt zu günnen dir beliebt, So habe Dank; verjagft dus, weil du dich meiner jchämft, ' So fahr ich doch, und lieber nur, wenn Du darüber dich grämft.“ Da gieng er nach dem Stalle und nahm das beſte Pferd, Das Biterolf da hatte; zwölf Marken war es werth. Er hatt es bald geftriegelt, gejattelt und gezäumt: Da Schritt er in die Bügel und ritt hinaus ungejäumt
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Rad einem nahen Eiland (es war zur Winterzeit): Das junge Eis erkrachte: das fchuf ihm all Fein Leib. Da wohnt ein Mann, den bat er um Waffen und Gewand. Er lich ihm mas er hatte, da er fo Fühn ihn befand. Ws er nun wiederlehrte, da ſah fein Vater Har, Daß er ohne feinen Urlaub zu reiten Willens war. Er dacht: „Ich wills nicht wehren: wer weiß? am Ende mad Er fi bei Leuten beßer als unfre Sorge gedacht.“ | Auch ſah er ein, man rechn es ihm felbit zum Vorwurf an, Benn ex ihn zeiten liehe fo ſpotilich angethan. Da gebot er feinen Leuten, ibm Harniſch, Schild und Schwert Und gut Gewand zu geben: des war der Knabe wohl wertb.
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Viertes Abenteuer. Wie Dietleib Heimen begegnete Der fuhr ft zum Bade und wuſch ben Leib fich rein Vom Staub und von der Aſche: da hatt er klaren Schein. Dann fprang er in die Kleider und in fein Streitgewand; Da hätten ihn die Eltern fchier ſelbſt nicht wieder erkannt. Er gieng zu feinem Rofſſe und ſchwang fich zierlich auf; Er wuſt es wohl zu führen im Zelten wie im Lauf. Auch fagten alle Leute, da fie ihn reiten ſahn, Er wär ein fiolger Anabe und würb ein maderer Mann. Da ritt er mit den Eltern zu jenem Gaftgebot, Wo fie erwartet wurden beim britten Abenbroth. Das mwährte mandye Tage und war an Freuden reich; Da that es Dietleib völlig den andern SYünglingen gleich. In Hoßzucht und Sitte fand er fi) leicht und frei Als ob er zeitlebens am Hof geweſen ei. Die Wirthichaft und das Prangen -war Ihm recht ein Genuß: Er mochte gerne ſchwelgen fo in Freud und Veberfluß.
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Die Hochzeit gieng zu Ende; das war dem Süngling leid. Da fuhr feine Mutter mit ftattlichem Geleit . Heim zu ihrem Haufe; der Bater aber ritt Bu einem andern Gaftmal: da nahın er Dietleiben mit. Der war des unverdroßen; und gieng’ es immer fo Bon Einem Jahr ind Andre, bes wär er herzlich froh. Doc Alles nimmt ein Ende; fo gieng das Gaftmal aus: Unluftig mit dem Water . fuhr Dietleib wieder nach Haus. Nun lag auf ihrer Straße der tiefe Sachſenwald: Da daucht' es nicht gebeuer: denn Manchem var Gewalt An Leib und Gut geicheben; doch blieb kein andrer Rath Als durch den Wald gu fahren was man ben Beiden auch that. Als fie nun vorwärts ritten, da ſah der alte Helb Sich von verdächtgen Männern im Pidicht eng umſtellt. Erfchroden ſprach da Biterolf zu Dietleib jeinem Sohn: . „Nun deuchte wich eö befer, da diefe Räuber uns drohn, „Du wärft nady Haus geritten als deine Mutter fuhr. Um Mid ift mir nicht bange; dich zu verlieren nur Beſorg ich, deilen Jugend ſich ſelbſt nicht fchügen Tann. Du bift mir lieb, zumal ih den Einen Som nur gewann.“ Da ſprach zu dem Vater Dietleib aus ftolgem Sinn: „Run muft du doch geiteben, daß ich bis theuer bin; Du hätteft mir es eher wohl mögen anvertraun. Doc wähne nicht, es Ichrede wich dieſe Männer zu jchaun.
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— „Mein Rath ift, verſchmähſt du nicht mas ein Kind dir väth, Wir fpringen von den Roſſen umd jchließen feſt und ftät Die Nüden aneinander: und hab ich nicht den Muth Mich als ein Mann zu wehren, ſo fer ab nimmer bein But. „Es mag fi hier erproben was du geſprochen haft, Ich wär in deinem Haufe ein eingeichobner Gaft. Ein Monvlalb will ich heißen, ein Wechfelbalg, ein Wicht, Wenn ih mich irgend fürchte vor diefer Männer Angeficht.” Der Bater hörte freudig des Sohns beherztes Wort. Sie fprangen von den Rofien und ſchloßen eng fofort Die Rüden aneinander. So fah fie Heime ftehn: Er hatte kühnre Blide wicht oft verfenden geſehn. Da gieng er hin zu Ingram, der feinen Rauſch verichlief In dichten Buchenichatten; fein Schlaf war feft und tief: Doch weckt' er ihn und fagte: „Biveen Männer ritten her Mit breiter Bruft und Schultern; . fie find entfchloßen zur Wehr. „Sie tragen Schwarze Helme, jo wunderſtark, mir fcheint, Der diefe Helme fchmiebete, das war ber böſe Feind. Ste find mit großen Nägeln beichlagen, feit und hart; Und ficher find es Hitter, mo nicht noch eblerer Art. .. „Wir finden volle Arbeit.” Das nahm der Hauptmann chief: „Sch meint‘, es wären Zaufend. Wie darfit die, da ich fchlief, Rich um den Quark erweden? Wir fchlugen jüngft ein Schock Und fcheuft dich nun vor Zweien? Das it eim garftiger Bock.
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28 „Du baft die Warte heute, drum laß mich bübfeh in Ruh. Schämſt du dich nicht, fo wähle fünf andre noch da, Nimm Alles mas fie haben und fchlag fie felber tobt.”. Er gieng noch nicht: da warb ihm mit Flüchen grimmig gebrobt. Da ritt der ftarle Heime ſelbſechſter auf fie ein. Sie fanden volle Arbeit in Wahrheit an ben Zwein. Es wehrte fih gar ritterlih der Vater mit dem Sohn; Und als die Yünfe Ingen, da war ber Sechſte geflobn. Bor Ingram biutberonnen trat Heim mit ftummen Gruß Und fette tief erathmend den Schild vor feinen Fuß. „Bar da nicht viel zu holen? Ich dacht es wohl voraus, Es mären arme Schäder; drum ließ ich gern euch ben Strauß.” Er ſprach: „Sie find erichlagen, die fünf, bie ich gewählt; Scier war ich felbft der Sechſte, es bat nicht viel gefehlt. Da ift ein ſchwarzer Anabe, der wie beſeßen fidht; Einem nad dem Andern bläft der Vater aus das Licht.” „Bas jeid ihr alle Memmen!“ rief Ingram und fubr Mit großen Scheltworten von feiner Bärenichur. Da rafft' er fchmell zufammen das Gäuflein, das ihm blieb, Und warf ſich auf die Gäſte mit hochgeſchwungenem Hieb. Mit Schrit, feinem Schwerte, empfieng ihn Biterolf; Es wehrt fi vor dem Säger nicht grimmiger der Wolf. Dietleib ſchlug derweile viel tiefe Wunden rotb; Doch ftanden fie gar lange nod in der ängſtlichen Noth.
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29 Jet ſchlug nach Dietleib Heime, der fich bisher gerußt; Doc ihm vergaltö der Sinabe: es Foftete fein Blut. Da wog der alte Biterolf Ingramen einen Schlag, Daß ihm entziweigefpalten der Helm auf der Erbe lag. Auch war fein Haupt getroffen, er ftußte, ſchwankt' und fiel: So fand fein fchnöbes Leben ein ehrenvolles Biel. Doch wollt e8 Heime rächen "und ließ von Dietleib ab. Der bracht an Sintrams Seite zwei flarle Männer ins Grab. Da bieb nad Dietleibs Vater Heime mit Gewalt; Der ſchlug ihm zürnend wieder einer langen Wunde Spalt. Nun erft erbofte Heime, der wunderftarle Dann, Der wenn er Schmerzen |pürte vier Ellenbogen gewann. Er drang mit fehnellen Schlägen auf ben gewaltigen Gaft: Der hatt ihm nicht entgegen zu ſetzen gleiche Haft; Da bieng ihm bald in Scherben der Schild vor feiner Hand. Schon fürdhtete fein Sterben Dietleib der junge Weigand. Er fchlug der Räuber Einen, die ihn fo lang bebroht; Den Andern warf er nieder und gab auch ihm ben Top. Dem Bater wollt er helfen: da bielt ihn Sintram auf. Doch Dietleib fchlug ihn nieder mit feines Schwertgriffes Knauf. Eh er fich, des entledigt, warf Heim den Alten bin Mit einem ftarlen Hiebe, daß er des Todes ſchien. Das rächte Dietleib herrlich: er fprang auf Heimen los Und gab ihm mit ber Glocke des Schwert? mand) Träftigen Stoß.
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30 Auch ſchlug er ihm dazwiſchen geſchwinder Schläge viel: Er ftieß und fchlug, daß Heime ſchon in die Kniee fiel. Er hatte nie getroffen fo fühnen jungen Mann; Sieg Tonnt er nicht mehr hoffen, das Beſte war, er ewirann. Auf fuhr der Held geichwinde und fprang auf den Gaul, Und ritt fo ſchnell er mochte; er war zu fliehn nicht faul. Er ritt gar ohne Weile desfelben Tages lang, Und baut’ es feinem Heile, daß er dem Wüthrich entranı. Da ſprach er zu ſich felber was oft fich bat bewährt, Nichts kam von allem Eiſen den Sporen glei an Werth. Sie vetteten fein Leben wie Manchem noch ſeitdem. Drum foll man Sporen tragen, fie find zum Fliehen bequem. Er kam zu einem Strome, ber bieß die Stedenig; Sein Hengft Rispa trug ihn binüber wie ver Blitz. Kein Bolzen von der Sehne flog jemals jo geſchwind; Drum freut ein Held fih billig, der gute Sporen gewinnt. Und in des Stromes Grunde, da gieng ein Muhlenrad: Ihm klangs, als wär ihm Dietleib auf fchnellem Roſs genabt. Wenn fi) die Schaufeln wälzten Ziff, klaff, kliff, Ihm Hangs ald mahnte Biteroli den Züngling: Triff, ſchlag, triff! Da ſpart' er nicht die Sporen, und ritt immer zu, Den Tag und auch die Nächte; es ließ ibm nimmer Rub: Die Sporen fühlte Rispa bis er ihn trug gen Bern; Sch weiß nicht wie ihn Hilbrand da verfühnte feinem Herrn.
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31 Ihzn hatte Dietleib gar nicht verfolgt: er mar zurüd Geblieben bei dem Bater; der erholte fih zum Glück. Sie ritten mit der Habe ' der Räuber frob nad) Haus, Für tobt blieb Sintram liegen; noch taugt’ er feinem Wolf zum Schmaus.
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Fuuftes Abentener. Bon Dietleibs Ausfahrt und Sintram dem Griechen. Da blieb nun Biterolfen kein Zweifel mehr daran, Dat Dietleib Ihm gehöre. Dem wurben zugetban Seitdem die Eltern beide: fie erfannten Bar, Daß er der hohen Ahnen Frau Utens nicht unwürbig tar. Einft ſprach zu feiner Mutter Dietleib der junge Held: „Run gebt mir gute Kleider, wenn e8 euch mohlgefällk. Denn euern Urlaub will ich, zu meinem Ahn zu ziehn, Der Herzog ift in Sachſen: komm ich mit Ehren dahin, „Und jebe deinen Bater und deine Brüder aud, So lern ich fremde Sitten und andrer Männer Braud. Auch mag ich mich verfuchen mehr ala ich that bisher: Und ift es mir gegeben werd ich ein Herzog wie Er.“ Erfreut ſprach zu dem Sohne des Herzog Billung Kind: „Willſt du zu meinem Bater, fo bift du wohlgeſinnt. Ich will dir Kleider geben, gar monniglidhe Tracht; Sie wurden in der Stille von meinen Mägben gemacht,
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33 „Weil dir ein Dank gebührte zu beiner Kühnheit Lohn.“ Da fagt’ er Biterolfen, dem Bater, auch bavon. „Run gebt mir gute Waffen, und Bellen, euer Roſs, Das ih auf andern Fahrten fchon mit den Schenteln umfchloß.
„Und wollt ihr Schrit mir laßen, das trefflidde Schwert, Das an Ingrams Schädel feine Güte hat bewährt (Mimed Gefchmeide bat immer mir bebagt), So blieb mir in den Waffen der höchſte Wunfch unverfagt.“ Er ſprach: „Du ſollſt fie haben, die gute Waffe ſcharf, Und das fo hoch dich manchmal auf feinem Rüden warf, Das Roſs will id dir geben und Hamilh, Helm und Schilv; Nur bleibe nicht zu lange von deiner Heimat Gefild. „Du magft dich auch verfuchen wohl in ber Welt wie ich: Gut ift es frembe Reihe zu fchaun: das fördert dich Eo du einfh wieberlehreft und bier mein Gut ererbft. Wenn du in Schlachten draußen deine gute Waffe färbft, „So wirft du einft beſchirmen was dir dein Bater ließ, Wohl auch das Erbe mehren. Ein trogig Volk ift dieß, Den Herren ungewogen: es blidt mit Haß und Reid Auf meine fhönen Höfe und meiner Knechte Geleit. „Das halte ſtäts vor Augen und reite nicht zu fern Hinaus vom Sachſenlande, nach Naben ober Bern, Rein bleibe bei dem Herzog, fo leitet dich bein Ahn Zu Allem was den Yürften zu mwißen nöthig ft, an. 3 Simrock, das Amelungenlied. 11.
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34 „Bei ihm magſt du verweilen ſo lang es dir gefällt; Dann kehr in deine Heimat, denn nirgend in der Welt Wirſt du es beßer finden.“ Da ſprach der junge Mann: „Warum ſoll ich nicht reiten nach Bern? das ſage mir an.“ Der Vater ſprach: „Da flöge dir leicht zu hoch der Sinn, Und träfſt du Dietrichen, das wär dein Ungewinn. Du kannſt ihm nicht entreiten wie du dein Roſs erſprengſt, Denn Falle beißt das feine und fallenſchnell iſt der Hengſt.“ f 1 „Was follt ich ihm entreiten? ich fürdht ihn nicht fo ſehr.“ Da ſprach der alte Biterolf: „Er ift dir doch ein Heer. Bor feinen ſchnellen Schlägen friftet Niemand ſich; Viel Stärkre find erlegen Dietmars Sohne Dieterich. „Es bat fo fcharfe Schneide fein Schwert, heißt Eckenſachs, Das beite Bruftgefchmeide wird tweich davon wie Wade. Ihn kannſt du nicht verwunden: fein Helm beißt Hildegrein: Gar felten fhlugen Schwerter nur eine Scharte darein. „Bei ihm find allerwegen erlaucdhter Helden viel: Die ſollſt du nicht erzürnen, fonft bift bu bald am Ziel. Zumal den ftarten Heime, das ift ein geimmer Mann, Der Sintram ben Griechen einem Drachen abgewann. „Den follteft du bejuchen: er wohnt im Diterland, Wo in die Saale Iuftig die Drla kommt gerannt: Da ragt ein Schloß wie nimmer bu wohl ein jchöner fahlt: Und wenn du auf der Höhe dem offnen Saale dich nahſt,
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35 „So fteht ein Stuhl im Saale, der ift gar ſchmuck und reich; Ein Horn liegt auf dem Stuhle: dem nahe du dich gleich, Ergreif es und ftoße mit Kraft hinein Ein Mal, So tritt der Herr des Schloßes alsbald zu bir in den Saal. „Das ift mein Stallbruder, Sintram, Herbrands Sohn; Er war mir einft gewogen und bliebs, das meiß ich ſchon. Du wirft ihn bald erfennen, wenn du ihn fiehft, den Greis: Er ift von hohem Wuchſe, mie eine Taube fo weiß „Bon langem Haar und Barte, dazu von Brüften breit. Wer in das Horn bläft, fordert ihn bamit heraus zum Streit. Drum kommt er wohl im Zorne: fo nenne dich ihm nur: Wenn er deinen Ramen und beines Vaters erfuhr, „Heißt er dich froh willlommen und führt dich in fein Haus. Sag fie ihm gleich und meide mit feiner Kraft den Strauß: Du kannſt ihn nicht beftehen, er wär dir überftarf Und ob du von zwölf Mannen die Kräfte fpürteft im Mark.“ Da Sprach der junge Rede: „Sch dank euch für den Rath, Und kann es fein, jo will ich ihm folgen mit der That. Run laßt mich Urlaub haben: ich bin bereit zur Fahrt.“ Koch wurden gute Räthe nicht an dem Jüngling gefpart. Der Bater bat ihn, milde zu fein mit Reich und Arm Und gern fein Gut zu geben: „Das bringt dir nimmer Harm.“ Der Rath war überflüßig mie ihr noch hören follt. Er gab ihm zwanzig Marken dazu, geläutertes Golb. N
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36 Seine Mutter Ute ſchenkt' ihm einen grüngefteinten Ring, Den fie von ihrem Vater, dem Herzog, einft empfieng. „Er gab ihn mir beim Abſchied, und wird er ihm gezeigt, So ertennt er feinen Enkel und ift dir herzlich geneigt.“ Schon ftand ihm vor dem Haufe Belle ſein fchnelles Roſs: Das Weite follt er fuchen allein und ohne Troſs. Ob fie beim Scheiben meinten, und Zähren floßen viel, Ich Taf es ungemelbet: das fördert fchneller and Biel. Da ritt er lange Wege, über gebautes Land Unb über ungebautes, wo bürre Haide fand. Bald zwifchen Sumpf und Wieſen den fchmal gewundnen Pfad Und bald durch tiefe Wälber,. vie faum ein Fuß noch betrat. Nun lag ihm ſtäts im Sinne feines Vaters Wort Bon Sintrams ſchönem Schloße bei der Saale Blumenbord. Das ward zuerft erritten: er fand es wohl gebaut: Der Süngling hatte Schlößer, doch nie ein ſchönres, geſchaut. Bor des Saales Stufen ftand ein hoher Baum. „Gewifs eine Linde.” Meint ihr? ich denke faum. Pinien freilih wachſen in deutſchen Wäldern nicht, Nicht einmal in Sachſen; doch glaub ih Sagas Bericht. Sintram der Grieche war fchwerlich deutſch gefinnt; Seine Tochter hieß mit Ramen zwar Schön Adelind: Und wuchs nicht auf der Linde, die Adelinde hieß? Wie es fih nun befinde; ich melde mehr nicht als dieß:
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37 Feſt band an dem Baume fein Roſs der junge Held Und flieg hinauf zum Saale: der war von Glanz erhellt. Und mitten in dem Saale ftand ein goldner Stuhl, Den Hröfhen nicht, zu Springen darauf aus fumpfigem Pfuhl: Auch nicht dem Gaſt zum Sie; das wäre beutfcher Brauch: Ein Horn lag auf dem Stubhle. Verſtand ers Blaſen auch? Er nahm es von dem Polſter und hob es an den Mund: Da fieng er an zu blaſen ob er es gleich nicht verſtund. Er mocht es felber merken, daß ihm die Kunſt noch fremd; Doch wollt er fie erlernen: er hatte fich geitemmt Wider eine Säule und blies aus Herzenskraft: Das Horn wollte berften; fchier brach der Säule der Schaft. Einmal binein zu ftoßen rieth ihm Biterolf; Er aber blies, als wollt er Eber, Bär und Wolf Aus dem Walde blafen; er hörte gar nicht auf: Wie zum Zapfenftreiche blies er mit Triller und Lauf. „D weh meinen Ohren!“ rief da Sintram: „SR mir der Tod gefchtvoren? dem Künftler bin ich gram. Wo lernt’ er ſolche Noten? die lauten abgeihmadt, Wie Kiefel und Schroten zum Mus zufammengehadt. „sch gebe mich gefangen, wenn das noch lange währt; Ich bin fchon überwunden und zudte noch fein Schwert.“ Da rief er feinem Knechte: der bracht ibm auf Befehl Ein Thier aus fremdem Lande; ich las es war ein Kameel.
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38 Kameel er felbft, der Schreiber! Wo hat er das wohl ber, Daß ein Held auf dem Kameele zum Streit geritten wär? Ein Thier mit langem Rußel gebraucht man wohl zum Krieg, Zwei lange Zähne hatte das Neid, das Sintram beftieg. So kam er angeritten vor feinen ſchmucken Saal Und flieg im Pinienichatten von dem Rüßelthier zu Thal; Laut wieherte vor Schreden Belle, Dietleib3 Mark, Zerriß den Baum und barg fih in Sintrams grünendem Par. Der Schritt empor die Stufen, wie eine Taube weiß Bon Haar und langen Barte, ber hochgewachſne Greis. Als Dietleib ihn erfchaute, hielt ex mit Blafen ein. Da ſprach der Wirth des Haufe: „Run laß den Kapenjammer fein. „Es ward zum Lautenfchläger ein Eſel wohl beitellt: Hat fi dem Kammerfänger ein Walbbornift gejellt? Will deine Kunft zeiftören, den Saal, den ich erbaut? Wenn es die Ballen hören, fie müßen brechen von dem Laut.“ „Ich dachte nicht,” ſprach Dietleib, „von meiner Kunft fo gut: Laß mich nur gleich verfudhen, ob fie ſolch Wunder thut. Wenn fie den Saal zerftörte, die beine mag ihn baun.“ „Rein, Lieber, laß,” verſetzte Sintram mit heimlichem Graun. „Deinen Namen fage-mir und wie bein Vater heißt. In diefes Horn zu ſtoßen war niemand noch fo dreiſt, Der nicht getvonnen hätte den Tod von meiner Hand. So heifcht map mich zum Streite: das war bir wohl nicht befannt?“
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39 „Allervings, Herr Sintram: darum blies ich juft: Das Reiten und das Streiten iſt meines Herzens Luft. Ich ritt erft ganz dor Kurzem hinweg von einem Ort, Blutge Schwerter gab es und zerklobte Helme bort. „Schnelle Kämpfer ftürzten zu Boden links und rechts; Der fchnellfte floh den Ausgang des mörbrifchen Gefechts. Bon dannen ritt ich herwärts: mir warb von euch gefagt, Ihr wärt bei hoben Jahren noch nicht zu kämpfen verzagt. „Und bat euch Altersſchwäche die befte Kraft gelähmt, Ihr weigert mir doch ſchwerlich einen Gang, weil ihr euch ſchämt. Ich bin ein Kind an Jahren, Ihr feid der Yahr ein Greis: Euch wendet Schon den Rüden, mir lacht erſt künftig der Preis. „Und meßen wir die Kräfte, fo hab ich nichts voraus.“ Der Rede zürnte Sintram: „Wer biſt du?“ rief er aus, „Ein Raufbold wie du ſcheineſt oder ein Zungenheld? Wo haft du fagen bören in allen Reichen der Welt, „Daß Sintram der Grieche je einen Kampf gefcheut? So lang ich nicht ſieche, .noch feft den Grund mie heut Mit dem Fuße ftampfe und Kraft den Arm mir ftählt, So bin ich weiß Gott ungern verlebten Greifen zugezäblt. „E3 ift mein Wunſch inbrünftig, mein tägliches Gebet, Daß ich zu kämpfen finde: nie bat mich drum gefleht Ein Jüngling: ungeftreiihelt gewähr ich fol Geſuch; Die ich vergebens flehte, ſtehen Viel' in meinem Bud).
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— „Auch dir will ichs nicht weigern, du biſt zwar nur ein Kind. Erſt aber laß mich hören wer deine Eltern ſind Und wie du ſelber heißeſt. Dein Vater, merk ich ſchon, St Biterolf der Marſe: dem ſchlüg ich ungern den Sohn.“ „Den du mir ba nenneſt,“ fprach Dietleib, „kenn ich nicht; Du willft mis ausweichen. Der Mann ifts, ber da ficht; Doch muft du Namen wißen, fo beiß ich Amelger Und Hildemel mein Bater: nun aber zaudre nicht mehr.” Da ſprach Sintram der Griede: „Wohlen, fo komm heraus. Doc fechten wir zu Fuße; es möchte bei dem Strauß Dein Roſs dich nicht tragen, wenn ich mein Thier beftieg. Es ſcheut den Elephanten; ich ſcheue wohlfeilen Gieg.“
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4 GSedstes Abentener. Bon Dietleibs Sonderfühne mit Adelinden. Da giengen bin die Beiden und prüften ihre Kraft; Eie fochten mit dem Schwerte, nicht mit dem Giäenfäont Sintram der Grieche war ein ftarler Held, Doch ſtaͤrler war der Jungling, der ſich zum Kampf ihm geſellt. Ihr Streiten währte lange; die Schwerter waren ſcharf, Db Keiner auch den Anbern verivundet niederwarff. Die gute Rüftung wehrte dem fchneidigen Stahl; Doc flog von Helm und Harniſch mandhes goldene Mal. Sie trieben fich mit Sieben wohl um und um im Kreiß, Bon Schlägen und von Schirmen ward beiden Streitern heiß. Rad) manchem Gange hielten fie eine kurze Raſt, Denn Sintram mar ermüdet vom Kampf und von der Jahre Lail. Da ſprach er zu dem Süngling: „Biſt du Bitrolfs Sohn, So ſag es; allzulange geftritten wäre ſchon.“ Dietleib verfehte: „Sch hätt es längſt bekannt; Doch kenn ich nicht den Reden, ben du nun zweimal genannt.
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42 „Du wärſt mein gerne ledig, ich merk es nur zu gut; Ich will dir Friſt vergönnen bis du dich ausgerubt. Dann laß uns diefe Schwerter verfuchen noch einmal: Eh wir heute fcheiden muß Einer finlen zutbal.“ Da boben fie die Waffen und liefen fih an; Sie machten ſich zu fchaffen, daß meit erfcholl der Tann. Sie wollten beide fiegen; doch Keiner unterlag. Da rubten fie nicht wieder bis zur Neige gieng der Tag. Da ſprach Sintram der Grieche: „Nun laßen wir dieß Spiel; Ihm fegt für Heut das Dunkel wie auch dem Tag ein Ziel. Beim Sternenfchein zu fechten hab ich mich nicht bedacht. Fahr jebt mit mir zu Haufe und fei mein Gaft über Nacht. „Doch morgen in der Frühe, ſobald erbleicht der Mond, Vielleicht daß unfre Mühe dann Eines Sieg belohnt. Eh wir am Abend fcheiden nehm ich dich aljo vor, Du folft mit falichen Tönen nicht mehr entjegen mein Ohr.“ Ihm ſolche Yrift zu gönnen war Dietleib bereit, Denn alſo fprady der Grieche, weil er müde var vom Gtreit Und matt von einer Wunde. Auch fiel ihm jet erft ein, Daß ihm daheim geblieben mar fein guter Giegerftein. Sie giengen felbander zurüd zu Sintrams Schloß; Da ward auch eingefangen Dietleibs fcheues Roſs. Bor des Saales Stufen eine hohe Jungfrau ſtand: Die ſah den Bater kehren dieſem Jüngling an der Hand. ‘
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3 5 Daß: fie geftritten hatten war ihr mohl bewuft; Auch fah fie an dem Alten manch goldnen Mals Verluft. Ta wollte fie es rächen an dem jungen Mann, Daß er von ihrem Vater den Sieg im Streite gewann. Sie lief ihm entgegen und griff ihn an fo ſchnell, Zu Boden war gerifen mit Eins ber Junggeſell. Eie hatt ihn bei dem Kragen nicht eben fanft gefaßt Und jchier den Hals gebrochen den übermwältigten Gaſt. Den daucht' es große Schande, daß ihn ein Weib gefällt. Eid rang an ihren Händen empor ber junge Helb. Die Fingeripiken drüdt' er der Maid mit ſolchem Drang Wie ein von eb Entzüdter, daß Blut den Nägeln entiprang. Ihr um den Hals zu fallen hätt er wohl auch gewagt; Doc fah er überiwallen die Augen jchon der Magd. Ste bat gerührt um Frieden: der ward ihr gern gewährt: Er war von ihren Kräften mit manchem Male befchiwert. Hätt er das rächen ſollen an dem fchönen Kind? Sie hatte blaue Augen und hieß Yung Abelind. So fam es wohl zur Sühne; doch war fie noch nicht voll, ob mit dem Blut befiegelt, das ihren Nägeln entquoll. Sie traten nun zu Drein in Sintramd fchmuden Saal: Den fanden fie erleuchtet, auch ſtand bereit das Mal, Die vollen Schüßeln dampften, ſüß duftete der Tranf. Ihm diente Sintrams Tochter und übte fleißig den Schanf.
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4 Als er ſie recht beſchaute, ſie war nicht ſtark allein, Sie hatt auch goldne Haare und minniglichen Schein. Blauäugig, goldhaarig, es giebt nichts auf der Welt, Das den Männern beßer, zumal den braunen, gefällt. Da ſchwand aus feinem Herzen allgemad der Hab; - Sie zürnt' ihm auch nicht länger, wohl gewahrt' er das. Als fie-ihm jeht den Becher mit kühlem Wein gebracht, Da fat’ er ihre Finger, zum Dante drückt' er fie ſacht. Biel gelinder drückt er fie jeko denn vorber: Der Drud fchuf Feine Wunden, er beilte fie vielmehr. Als fie ihm wieder ſchenkte, vergalt fie ihm den Gruß: Da trat ihm Adelinde auch jo gelind auf den Fuß. Das Alles ließ der Vater, fo fchien es, unbemerkt; Der hatte fich für Morgen mit Cyperwein geftärt. Auch gieng er früh zur Ruhe: wer früh zur Ruhe gebt, Reibt nicht fo lang die Augen, wenn er am Morgen erftebt. Den Griechen Sintram machte der Cyprier fo Hug, Doch nicht fo, daß er zeitig nad feinem Steine frug. Man fol nichts verjchieben auf den andern Tag! Das war eine Lehre, die in dem Weine nicht lag. Auch Dietleib gieng zu Bette fo bald der Alte fchieb; Er braucht' um einzufchlafen nicht leicht ein Wiegenlied. Er wäre vor der Sonne gewiſs nicht aufgewacht, Wenn ihn nicht Jemand wedte; doch das geſchah um Mitternacht.
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45 Schön Abelinde war es, die an fein Bette kam Und als er jänftli rüdte ihm Pla zur Seite nahm. Run weiß ich was ihr denket: ihr denkt, das wär nicht fein Geweſen von der Jungfrau; doch leicht betrügt euch der Schein. Ich will fie nicht vertheidigen: erzählen ift mein Amt, Und eures ift zu bören, bebor ihr fie verdammt. Der Brauch ift nicht zu loben, ich geb es gerne zu: Man fol Niemand ftören in feiner nächtlichen Ruh. Es ift nicht deutliche Sitte, das fei euch auch bekannt, Die Mädchen fchlafen einfam fogar in Griechenland. Wo hatt ed denn gejeben die ſchöne Adelind? Ei, Roth lehrt beten, urtbeilt darum nicht allzugelchwind. Eie ſprach zu dem Jüngling: „Ich komme jebt hieher, Sch fah vielleicht euch morgen vor euerm Kampf nicht mebr. Bleibt aber rubig liegen und rühret nicht mein Kleid. Ihr habt zwar heut erfahren, daß Ihr der Stärlere feib; Doc damit iſts zu Ende: bei Mir ift jetzt die Kraft, Das Blatt bat fih geiwendet: ſeht diefen Stein, er fchafft Wenn ihr nicht Frieden haltet, daß ihr dem Bett entfliegt: Ver ihn befikt, das wißet, wird nie im Streite befiegt. Ich nahm ihn aus ber Lade des Baterd als er fchlief. Daß ich nun zu euch komme, das deutet mir nicht fchief. Ich hörte von dem Alten, als er fich beim begab, Er hab euch erit gehalten, ihr aber ftrittet es ab,
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46 ‚ Für Bitrolfs Eohn, des Marfen: dem ift er herzlich hold. Nun kann ich nicht erdenken marum ihrs leugnen wollt, Daß euch der Vater zeugte. Mir ifts gewiſs genug: Ich hab ihn eimft gefehen und ihr gleicht ihm Bug um Zug. Noch muß ich euch befennen, mich zwingt bazu die Roth, Da meines Vaters Sterben ober eures mich bebroht: Es haben unfre Eltern uns beide früh verlobt. Wenn ihr nun morgen wieder die Kraft im Zweikampf erprobt. So erſchlagt mir nicht den Vater. Wenn ihr mir das veripredt So ſchaff ich, daß ihr fiegreih mir Fehrt aus dem Gefecht. Ich will den Stein euch ſchenken, den ich dem Vater nahm: Cr foll mir auch nicht töbten den verheißnen Bräutigam. Am Beiten wärs, ihr ließet das Kämpfen ganz und gar: Mich ängftet, wie es ende, doch bier wie dort Gefahr. Gefteht, ihr heißet Dietleib, ſeid unfres Gaftfreunds Sohn, So ſchwinden mit dem Kampfe die Sorgen, die mich bebrobn.” Wundernd borchte Dietleib auf ihre Rede bin; Er zürnte nicht dem Glüde, das ihm fo freundlich ſchien. Do wollt er erſt verfuden die forgende Maid. Er ſprach zur Bettgenofin: „Wenn ihr im Irrthume ſeid, Und ich der Sohn des Marfen, tie ihr gewähnt, nicht bin, Wie habt ihrs mit dem Steine zu halten dann im Sinn? Wollt ihr ihn dem Vater geben ober mir? Das laßt mich doch erfahren: ich frage nicht aus Neubegier.”
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47 \ Sie ſprach: „Wie follt ich denten, daß du nicht Dietleib wärſt? Doch ift dir viel gelegen baran, daß dus erfährft, Wohlan: ih gäb euch Beiden dann nicht den Siegerftein; Das Glüd möcht entjcheiden und bie Stärke zwiſchen euch Zwein.“ „So gönnft bu mir Gutes,“ ſprach Er, „nicht darum bloß, Beil einft die Eltern dachten zu einen unfer Zoo. Wenn aber ch dich bäte: Gieb mir den Stein, und gieb Dich felbft Dazu: ich habe dich mehr als Leib und Leben lieb, „Und will dir Treue halten mit Herz und Hand und Mund, — Ver dann ben Etein empfienge, das thu mir auch noch fund.” Eie ſprach: „Iſt das nur Vorwitz, die foldhe Frage ftellt, Ed bift dus gar nicht würdig, wenn bir die Antivort gefällt. „sch ließe mich erbitten, wenn bu fo ſprächſt, vielleicht, Geſchäh es in dem Tone, der rechtem Ernſte gleicht. Meinem Bater unbeichabet, denn fchüfe feines Steins Berluft ihm Web, fo fchläng ihn die Tiefe befer des Rheins.” Er fpradh: „Sch bin zufrieden, ich frage dich nicht mehr. Run bift du mir verfallen, du ſchönes Mägblein hehr. Tu muft nun bei mir liegen bis an den lichten Tag, Dich näher an mich fchmiegen, die ſchon zu nahe mir lag. „Denn hör, ich ſprech im Exnfte: Gieb mir den Stein, und gieb Dich ſelbſt dazu: ich habe dich über Alles Lieb Und will dir Treue ſchwören mit Herz und Hand und Mund. Nimm diefen Ring als Mahlſchatz, So iſt gefchloßen der Bund.
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| 48 „Ich bins, den dir dein Vater beftimmt, bes Marien Sohn; Der Bettfprung ift geichehen: fo find wir Gatten fchon. Es braudt davon zu wißen Niemand als bu und id). Dein Vater hört e8 morgen, wenn ihm die Kampfluft entwich. „Der Kampf muß doch geichehen; mir feine Waffen muß Dein Bater übergeben, nichts ändert den Beſchluß. Wenn ihn ein Andrer zmänge, wo bliebeft bu, mein Hort? Er führe mit dem Horne das Abenteuer nicht fort. Sein Stein ift mir geworben, ic malte künftig fern; | Er Fönnt aud deinem Vater nicht ewig Sieg verleihn. Wenn er am Stabe jchleichet, wird er dem Stein vertraun? Er ift, und wärs ein Felſen, keinem Kinde mehr ein Graun.“ So fpracdhen diefe Beiden im trauten Schirm der Nacht; Mit Küffen und mit Kofen ward nun die Zeit verbracht. Sich wehrte feiner Minne nit mehr Schön Abelind ; Bas könnt es ihr auch frommen, da Ihm ber Stein den Sieg getoinnt? Da kams zu voller Sühne; die erfte war es nicht. Sie bat ihm ab verfländig, wie es der Gattin Pflicht, Was fie ald Jungfrau geftern dem Gaft zu Leibe that, Und büßt’ es ibm aud willig: bas mar ein weislicher Rath. Sie brauchten Teine Helfer, wie Brauch bei Sühnen ift, Sie ſchlichteten alleine bier allen ihren Zwiſt. Ein Frieden durch zwölf Männer hält oft nicht lange Stich; Doc diefer follte währen nad ihrem Willen ewiglid).
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49 — — — — Sie ſchied aus feinen Armen da kaum der Tag begann. In Hochgebanten ſchwelgte noch fort der junge Mann. Er hatt in kurzen Stunden _ein liebes Weib erjagt; Anch freut’ ihm wohl ala Mitgift der Stein der herrlichen Magb ®imred, dad Amelungenlied. 1. 4
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50 Siebentes Abentener. Wie ibm Adelinde, fein Gemahl, verlobt ward. Der Mond war längft erblichen und Mar der Sonne Sieg, Da Sintram der Grieche dem weichen Bett entftieg. Er gieng den SYüngling weden, ber abgewendet lag Und gern den Eingang hätte geivehrt dem blendenden Tag. Doch fuhr er froh vom Lager und gieng im Morgenlleib Dahin an Sintrams Seite durch Saal und Halle weit. Der wies ihm feine Schäge, manch edles Kleinod, Geftein und Perlen prangend an Gefäßen golbesroth.. Die lichten Zierden hatte der Griechen Kunſt erbadıt; Noch fremd in deutfchen Landen war fo erleine Pracht. Dazwiichen forjchte Sintram nad) feinem Siegerftein Und konnt ihn nirgehb finden: wo modht er verborgen fein? Das Suchen muft er laßen als man zu Tiſche lub. Der kurze Morgenimbiß belam dem Gajte gut; Der Wirth war verbroßen, daß er den Stein nicht fand, Und gieng noch einmal ſuchen in Lade, Schrein und Gewand.
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As Alles ihm nicht frommte, da macht’ er ſich bereit Und hieß audy den Jüngling ſich rüften zu dem Streit. Eie fochten eine Stunde und Kraft und Muth bewies Der Greis, obwohl er wuſte, daß ihn fein Tröfter verlieh. Sein Eidam ließ ihn Hoben, doch fieng er jeden Hieb Ihm auf, der hinterm Schilde gerubig lieben blieb. Nur unterweilen fchlug ee ihm einen Schlag zurüd, Und keinen Schlag vergebens, die Gunft erwies ihm das Glüd. Des Alten Harniſch büßt es, fein Helm und fein Schild; Yon felber zu verwunden ivar- er nicht gewillt. As jeht der Grieche nachließ, von Müdigkeit befchivert, Schlug er ihm aus den Händen Welſung das ſchneidige Schwert. Der Gegner war entwaffnet; doch nutzt' es nicht der Help: Er hätt ihn gern im Ringen zu Boden noch gefällt. | Er warf auch Schrit die Waffe zu Welſung auf ben Sand Und faßte bei den Hüften ven Alten raſch und gewandt. Der ftemmte fi) entgegen; er hatt es oft geübt: Sollt er ſich fo verfuden, bed war er nicht betrübt. Doch befre Lehrer hatte der Jungling wohl geiehaut: Dem Ringkampf trotz den Griechen find Marſchlands Bauern vertraut. Run kam e8 ihm zu Gute, daß er ſo manden Tag Den Eltern zum Berbruße auf Bühn und Boden Ing, So oft mit Bauerlümmehn in Schenern ſich gerauft: Stier warb die Kunſt zu Gelbe, die er ſich dort hatt erlauft.
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52 Er hob in beiden Armen gemach empor den Greis Und legt’ ihn nad der Länge zu Boden ſacht und leis. Er ſprach: „Willſt du noch ander verſuchen deine Kraft,’ Ich ſteh dir gern zu Dienften: ich weiß zu ſchießen den Schaft; „Sch Tann den Bogen führen und werfen den Stein.“ Sintram aber ließ ſich darauf nicht mit ihm ein. Er ſprach: „Ich ſah der Proben genug von beiner Runft: Es klingt mir in den Obren, im Kopfe braut mir der Dunft. „Du haft mich übertvunden und baft mich noch gefchont, Ich hab es wohl empfunden: des bin ich ungewohnt. Es ift mir nie geſchehen, ſeit ich die Waffen nahm. Das Fechten meib ich künftig: beine Stärke macht mich zabm. „Ich will dein Mann nun werden und leiften dein Gebot: Dir ift mein Schloß verfallen und all mein Gold fo rotb. Doc laf mich erft erfahren, wer mir binfort gebeut; Es fühlt’ auch mein Gedächtniſs feine Schwäche nie wie heut: „Dein Nam ift mir entfallen, den du genannt mir haft.” „Sch hab ihn felbit vergeßen,“ ſprach ber ftolge Gaſt: „Es war au nicht rechte, das fei dir jeht befannt: Sch bin der Sohn des Mannes, den du mir zivier haft genannt,
Biterolf des Marfen, ver dein Gejelle war; Er trank den Blutbecher mit bir vor mandem Jahr. Nicht fchelte dein Gedächtniſs, es ift fo Schwach noch nicht: Du haft des Freundes Züge doch erkannt in meinem Angeficht.“
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53 Des freute fih der Grieche: ihm ſchwand fein altes Leib . ° Mit dem Berbruß, dem neuen, um bie Nieberlag im Streit: „Run ft mir unerwartet der liebfle Wunfch erfüllt! Barum aber blieb mir fo lang dein Name verhüllt? — „Den bargeft du mir fchiwerli mit deines Vaters Rath.“ „Rein, ich gefteh es ehrlich, daß Biterolf mich bat Richt mit dir zu ftreiten: und hätt ich Zwölfmannkraft, Doc, dürft ich es nicht wagen mit bir zu brechen den Schaft. „Run wollt ichs doch verſuchen und hehlte mich bisher: Ich war beforgt, wir fimen zum Streit fonft nimmermehr.“ Er ſprach: „Wir find Geſellen; vu tbateft mohl daran: Sollt ih den Sohn ihm fällen? ich hätt es nimmer gethan. „Da du nun überwunden mich haft im Einzelftreit — Ich hätte body. gefunden den Meifter mit ber Zeit — So tedft ich mich des Unſiegs, denn auf ver Erde Kreiß Lebt nicht der Mann, dem lieber ich Taken möchte den Preis. „Roc ift ein Wunſch mir übrig: wär e8 auch beine Wahl, So gäb ich meine Tochter dir gerne zum Gemahl, Unb mit ihr Gold und Silber fo viel als dir gefällt; Dir ift doch Alles eigen was meine Kammer enthält. „Mir denit, bein Bater begte den gleichen Wunſch fchon früh.” Doch Dietleib verjeßte: „Das wär vergebne Müh. Ich weiß, daß deine Tochter mid nimmer nehmen wird, Weil fie mich haßt; wir machen die Rechnung ohne den Wirth.
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54 „Du fabft wohl, geitern Abend fiel fie mich feindlich an; Schier hätten ihre Kräfte den Tod mir angethan. Kaum kann ich fie noch fehen, daß nicht wein Herz erſchrick: Was that ich ihr zu Leibe, daß fie jo grimmig nad) mir blidt?“ Sintram ſprach, dev Griede: „Es wird fo fchlimm nice fein.“ Er gieng zu Melinden und ſprach mit ihr allein. Ä Mit holden Worten trug er ihr feine Wunſche vor Und rühmte jehr ben Bräutigam, ben feine Sorg ihr erlor. Die Tochter ſprach mit Zürnen: „Was mutheft bu mir an? Der fo dich hat mifähandelt, den gönnft du mir zum Bann? Er ſchlug dir geftern Wunden und that vie heut noch mehr: Dafür foll ich ihn freien? das ift mir feltfame Mär. „Hat ex dic fo bezwungen, daß du nicht anders kannſt? Wenn du auf die Bedingung das Leben nur geivannft, So muß ichs freilich leiften.” Der Bater ſprach: „Nicht doch: Ich wünſch es felbit am Meiſten; er aber weigert ſich noch, „Weil du ihn geftern anfielft: er meint, bu trügft ihm Ga.“ Sie ſprach: „Aus ganzem Herzen, unb Niemand wundert das Warum fol ich ihn nehmen, wenn mich nicht will der Gaſt? Es wird mir immer runder, wenn Du bezwungen ibn haft. „Rie einen Mann zu nehmen hab ih dir oft gelobt, Der nicht jo große Stärle wie du im Kampf erprobt.“ Er ſprach: „Ich lann bir melden, daß er viel größre hat; Dazu erzeugt’ ihn Biterolf: drum leifte, wes ich dich bat.“
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Sie ſprach: „Ich will ihn freien, wenn es nicht anders iſt.“ „So recht: ih muß dich loben, daß du gefügig Bit, Du wirft ihn alfo nehmen, gieb mir die Hand barauf, Daß dich nicht wieder veue, eh man fie umbrebt, der Kauf." — „Das darfft du nicht beforgen: ich Kalte gern mein Wort.“ Fröhlich mit der Votſchaft gieng der Alte fort. Die Tochter ſprach im Stillen: „Wenn Er es auch nur hält, Richt morgen eine Andre vielleicht ihm beßer gefällt.“
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Wie Heime Sintram den Griechen aus dem Draden bieb. Bon Adelinden bracht ihn der Vater nun Bericht, Sie füge feinem Wunſche ſich gern nad Tochterpflicht. „Ih dank euch,“ ſprach der Füngling, „tie ich billig fol: Euer Anerbieten ift mir lieb und ebrenvoll. „Auch bleibt euch unverfchtviegen der Dank, der euch gebührt: Das ihr meine Sache fo gut bei ihr geführt, Unb fie berebet babet, fo miſslich es auch war, Dafür bin ich zu Dienften euch verpflichtet immerbar. „Doch jetzt begehr ich Urlaub zu meinem Ahn zu ziehn, Der Herzog ift in Sachſen Es ift nicht weit dahin; Auch weil ich da nicht lange: meine Mutter wünfchte ſehr, Sch möcht ihn nicht verfäumen, und billig ift ihr Begehr. „Wenn ich von dannen kehre und find euch noch gefinnt Wie heut, fo will ich freien die fchöne Adelind.“ Der Greis verfeßte: „Halt e8 damit, wie du begehrft Und fahre bald, damit du uns deſto zeitiger kehrſt.
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= Obwohl ich gerne ſehe, wenn du bie Welt beſchauſt Eh du in Dietmarien des Baters Fluren baufl. Du bift noch jung, das Freien bat foldhe Eile nicht: Auch iſt noch unveraltet meiner Tochter Angeficht. Ih will dir Waffen geben; Sch brauche fie nicht mehr. Auch hab ih wohl geſehen, dein Schilb iſt noch Teer. Da Sintram den Griechen deine ‚Kraft übertwand, Soll dir im Schilde prangen fein NRüßeltbier, der Elephant. Wir aus der Hand gefhlagen haft bu heut ein Schwert, Welfung geheißen; das ift viel Goldes werth. Bon Mimen wards gefchmiebet Siegfried dem Degen jung; Doch bat es ihm zerbrochen feines ſtarken Armes Schwung. Einer andern Waffe, die Schrit ift genannt, That zuvor das Gleiche bes Helben ſtarke Hand: Drum ſchuf er diefes ftärler; zu ſchwer gerieths jebodh; Einft wuft ichs zwar zu führen, eine Weile weiß ichs noch. Den Schtit gab dir dein Vater, ich Ienn ihn am Gehent; Doch ſollſt du höher halten den Welfung, mein Gefchent. Biel beßer iſts und ſchärfer, Mimens Meifterftüd. Von Siegfried zerbrochen ließ er die Klingen zurück: Nach ſeinem Tode fand fie fein Freund und Kunſigenoß Hertrih von Straßburg, den nicht der Fahrt verbroß; Doch Drufian dem König des Landes war es leid, Daß ihm jo weit entführte der Gaſt das edle Geſchmeid.
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Da ftellt’ er aus den Städen bie Schwerter wieder ber: Daß fie entzivei geweſen, man glaubt es gar nicht mehr. In Napel drauf erſtand ich fie von dem weiſen Schmied Um hohen Preis und fchentte deinem Bater dann ben Schrit. Hier liegen fie beifammen wie fh ein Brüberpaar Wohl unverhofft begegnet, das lang gefchieven war. . Sie melden fi der Thaten nun viel, die fie vollbracht; Auch Welſung könnte jagen von mancher fährlicden Schlacht. Dir bleibt bier viel verfchiwiegen; nur Eines file ich am, Das ohne mich zu rühmen ich bir erzäblen kann: Du magft daraus erfeben wie gut dieß Schwert und ſcharf, Das fih den Höchftberühmten in der Welt vergleichen darf. Sch war vor wenig Jahren gelandet bei Otrant, Der Stadt an ber Spike von Großgriechenland. Meinen Bruder zu befuchen gedacht ich bort bei Bern Sn Garten feinem Erbe; das lag mir aber noch fern. Mein Roſs gieng nicht geſchwinde: es war ein Rüßelthier Wie das du geftern ſaheſt: der Roſſe batt ich vier; Drei ließ ich dort im Hafen, das vierte trug mich nun. Neun Tag und Nächte var ich geritten olme zu zuhn. Am zehnten ward ich mübe, beögleichen auch mein Nofs, Zumal mit glühem Pfeile die Sonne niederſchoß. j Da legt‘ ich mid im Schatten zu Ichlafen auf den Schild; Mein Thier lieh ich weiden im gelben Saatengefilb.
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b Da mied wich nick ber Echlummer. Ynlange wäh es nur — Ich muß dir jegt jchon melden was ich hernach erfuhr — Sp Im ein Wurm gefahren aus walbgen Bergeögruind, Und riß mich von dem Schildrand in feinen gähnenden Schlund. Als mein geiveuer Wächter erfah des Drachen Graus, Er Ionnt es nicht ertragen: ba riß er fchnaubend aus. Der Anblick macht ihn raſend; die Thiere ſcheun ihn all, Der Löwe felbft erzittert, vernimmt er feiner Stimme Schall. Ich lag in feinem Rachen, und blidte halb hervor. Da drüdt! ihn meine Schwere, daß er den Flug verlor, Umfonft die Flügel fchlagend am Boden rampft’ und glitt; Es waren fcharfe Spuren, bie mit ben Krallen er fchnitt. So kroch er aus der Ferne dem Elepbanten nad, Der mit der Kraft bes Ruͤßels den Walb darniederbrach, Die Zornwuth zu Fühlen an Baum und Felſenwand. Das ſah mit Erftaunen Dietrich der junge Weigand. Er hatte nie gefehen ein Thier, das dieſem glich. Zu Heime dem Gefährten begann da Dieterich: „Sieh diefen Auerochſen, wie grinmm er ift und wilb: Benn wir ihn zwingen Tönnten, würd unfre Jagdluſt geftilit. „Bir haben nichts gefangen noch heut den ganzen Tag. Willſt du mir Hülfe leiten, daß ich ihn töbten mag? Jh will ihn vorn beftehen, du greif ihn hinten an: & kann und nicht entgehen, um fein Beben iſts gethan.“
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— eo Da ſprach der ſtarle Heime: „Richt um ein Königreich Beſtund ich fol ein Scheufal; es fieht nicht Stieren gleich. Zwei Hörner trägt ber Auer, die find kaum halb jo groß Als diefes Unthiers Hauer: des Kampfes fag mich los. Es ift ein Teufeläbraten: laß dich mit ihm nicht ein: Und ift die nicht zu raten, bein Ende muß es fein. Sieh wie das Ungeheuer ben Schwanz am Kopfe trägt, Mit dem es Bäum entiwurzelt, junge Stämme nieberfegt.“ „Willſt du mir nicht helfen,” ſprach der Helb von Bern, „So leifte Gott mir Beiftand, Ihm vertrau ich gern: Er bat mich nie verlaßen. Ich muß dieß Thier beftehn, Das fo den Walb verwüftet, mag was dba will mir geſchehn. Da fprang er von dem Roffe und bands an einen Baum; Mit Nagelring dem Schwerte burchmaß er raſch den Raum Und flug mit großen Schlägen auf mein gegäbmtes Thier: Sch ſah es aus ber Ferne, mo ber Drache kroch mit mir. Die Schläge frommten wenig, fie rikten nicht die Haut; Doch als mein Thier fie fühlte, da ſtands und ftöhnte laut. Mit dem Rüßel z0g es nieber den edeln Dieterih - Und ftampft' ihn mit Füßen, dab ſchier der Geiſt ihm entwich Da machte doch Heime den Herrn in feiner Noth Ä Nicht ohne Hülfe lahßen; ihm jammerte fein Tod. | Er eilte von der Seite dem Ungethüm zu nahn; Doch wollten ferne Streiche nicht auf der Schwarte verfahn.
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* 61 Da fprach er zu dem Berner, der unterm Bauche lag: „Das Thier iſt hart gepanzert, da haftet nicht Ein Schlag: Wenn du mit freien Händen das Schwert gebrauchen Tannft, So ftoß es bei dem Nabel in des Ungeheuers Wanft. „Da mein ich, wird ed haften.“ Der Rath war gut genug, Doch ift kein Thier auf Erden wie der Elephant fo Hug: Er drückt' ihn mit dem Wanfte fo feit dem Boden an, Er konnte fich nicht rühren: um den Berner ſchiens gethan. Als Falle, Dietrichs Gtreithengft, des Derren Roth erfah, Da wollt‘ er es nicht dulden was ihm zu Leib geſchah. Er zerriß den Zügel, der an den Baum ibn band Und kam in großen Sprüngen ihm zu helfen angerannt. Mit beiden Borverhufen, die er hoch erhob, Shlug er auf die Lenden mein Thier, daß laut es ſchnob, Unb aufiprang fi) zu räden. So kam ber Berner los: Der faßte gleich die Klinge und fließ mit Träftigem Stoß Dem Feinde fie von unten in die Weiche bis ans Heft. Dann war hervorzufpringen fein etligftes Geſchaͤft; Doch hatt er beide Arme beftrömt mit roibem Blut. Mein Thier fiel zu Boden, das ſtäts getreu mar und gut. - Mit Streicheln fagte Dietrich dem ebeln Fallen Dant. Da kam der Drache näher; . immer tiefer ſank Ich in den Schlund des Wurmes. Da fah das Helbenpaar Dem Rüßelthier entronnen beftürzt die neue Gefahr.
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62 ‚Der Wurm mar ungefüge, wüft und greuelbaft, Doch in den Waffen lähmte meine Schwere feine Kraft. Die grimm er mit den Krallen und mit dem Schweife ſchlug. Zu fliegen und zu fiegen ließ ihm die Beute nicht Fug. Das faben die Gefellen: da rief ih fie an: „Ihr guten Degen, beifet bem gottverlainen Mann. Ihr babt mein Thier erichlagen, das aus der Hand mir aß, Der Zahmheit nur im Schreden vor biefem Lindwurm vergaß Das Ungeheuer riß mid von meinem Schild im Schlaf: Sch hätt e8 wohl beftanden, wenn e8 mich wachend traf. Sch ſteck ihm tief im Rachen, das ſchwächt feine Wehr. | Nun haut mich aus dem Drachen; nicht lang ertrag ich es mehr.“ Da waren fie zu beifen mir willig und bereit: Sie zudten bald die Schwerter und mieden nicht den Streit: Doc, letzten bie noch minder bed Wurmes Hautgeflecht Als erft den Elepbanten: fie fchnitten beide zu fchlecht. Noch eher ſchien zu frommen Dietrich! Nagelring Als Blutgang, Heimes Waffe, die nie zu Blute gieng. Dem rief ih zu: „ch fehe, bu bift nicht wohl bewehrt, Nie haften deine Streidhe: nimm diefes treffliche Schwert Aus des Drachen Kiefern, das er mit mir verichlang: Das wird die Schuppen fchneiden, wenn es ein Held nur jchwang.“ Da lief der ſtarke Heime und griff mit kühnem Einn Dem Drachen in den Radıen: er fand die Waffe darin,
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63 Zog fie heraus und ſchwang ſie nach dem Wurme gleich: Durch Schuppen und durch Schilder fuhr ibm da jeder Streich. Mir aber mufte bangen für meine Glieder mit, Da Welfung folge Stüden aus dem Ungeihüme fchnitt. Da rief ih, ihn zu wamen: „Du guter Helb, hab Acht, Sch Rede tief im Wurme: drum bitt ich, baue fach. Ih forge, du verwundeſt mich mit dem eignen Stahl: Gar ſcharf if feine Schneide.” Gern that ex, wie ich befahl. Doch muft ich widerrufen das eigne Wort alsbald, So geſchah in feinem Schmerze mir von dem Thier Gewalt. Da ſprach id: „Gute Degen, baut zu nur ungehemmt, Da jetzt mit beiden Kiefern ſo fchlimm ber Drache mich klemmt, Daß mir das Blut in Strömen aus Mund und Nafen rinnt. Benn ihr nicht bald ihn töbtet, bin Sch des Todes Kind.“ Sie fchlugen zu und hatten das Scheufal bald gefällt Und mich aus feinem Rachen heil auf die Füße geftellt. Noch kannt ich nicht die Helden; da bot ich ihnen Lohn: Den weigerte zu nehmen Dietrich, der Königsfohn; Auch verfchmäht’ ihn Heime: er babe jo viel Gold Und nehme feiner Dienfte nur von dem Herten den Solb. Gr gab mir doch nicht wieder, das ich ihm lieb, dad Schwert, Ich wollt es ungern miffen, das fi) fo gut bewährt. Doch es zurüd zu fordern von ihm verbot mir Scham, Das er dem Drachenſchlunde mit Gefahr des Lebens entnahm.
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64 r Ich ſprach: „Eine Bitte muß ich wohl an dich thun: Rimm, diefes Schwert zu löſen, ben Schatz in meinen Truhn. Es hat mir Sieg erfochten fo oft in hartem Streit, Und warb mir jet noch tbeurer, das von dem Wurm mich befreit.“ „er bift bu, guter Degen?“ bub ba Dietrich an, „Und wohin wilft vu fahren, du fremder, greifer Mann?“ Ich ſprach: „isch heiße Sintram und fomm aus Griechenland: | Meinen Bater Herbrand haft du vielleicht mit Ramen gelannt,
Der in Amlungs Kriegen des Neiches Banner trug. Sch felber hab im Dften geftritten lang genug: Hilbrand meinen Bruder ſuch id nun auf zu Bern; Auch ſäh ich Dietrichen, feinen kühnen Pflegling, gern.“
„Willkommen denn,“ vief Dietrich, „im Weiten, guter Held Du follft dein Schwert erhalten und was bir nur gefällt. Du baft bier Dietrichen gefunden, und mir abnt, Mein Meifter iſts, der dorten fi) Weg durch Wildniſſe bahnt.“ Er wars, der nach dem Jünger audgeritten war. Das gab ein Wiederſehen nad) manchem Trennungsjahr ! Doc meld ich es nicht weiter; Dir gnügt (ih fteh am Ziel) Wie fcharf ſich Welfung zeigte und wie er Heimen gefiel.“ Noch fuhr er fort: „Den Draden trag ich feitbem im Schild: In großen Irrthum brachte ſchon Manchen dieſes Bild. Ich bin kein Drachentödter, das ift dir jet wohl fund; Siegfried den Griechen nennt mich jedoch der Leute Mund.“
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Neuntes Abentener. "Wie Dietleib Iſang dem Spielmann begegnete. Da freute ſich der Jüngling, als er das Schwert gewann: Er bieng es feiner Rechten, den Schrit der Linken an. Dazu gab ihm der Alte eb er gu Roſſe gieng Noch Halb fo viel des Goldes als er vom Vater empfieng. Er ließ ihn auch nicht fcheiven ohne feinen Kuſs; Die Tochter muft es meiden, das war ihr ein Verdruß, Ihn fo oft zu Füllen als fie wohl gern gewollt: Sie biß ihn in die Wange zum Zeichen, fie fei ihm bolb. Er ritt den Burgweg nieder und hielt ſich auf der Bahn, Die Sintram ihm befchrieben zu Billung feinem Abn. Richt Iange doch, fo hemmt’ er im rafchen Gang fein Pferd, Als fich zwei Wege ſchieden: der eine, nordwärts gelehrt Gen Sachtenland, war eben, breit und bequem; Der fchlechtre lief nad Süden; body war ihm ber genehm. Er dachte: Mehr Verlangen veripür ich nach Bern Zu Dietrich und Heimen, die Helden ſäh ich fo ven, Simrod, das Amelungenlieb. II.
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Als zu meinem Ahnheren, dem fteinalten Greis. Sch lobe mir die Tugend, die zu genießen weiß. Grämlich ift das Alter, und ihm ift gram die Welt: Ich Tann ihn noch beſuchen, wenn es mir künftig gefällt. Da ſchlug er mit den Sporen den Hengft und ohne Ruh Entlang der Saale gieng ed dem Hochgebirge zu. Da fah er vor fi reiten in farbenbeller Tracht Einen Wann, der war mit Liedern die Zeit zu kilrzen bedacht. Den grüßt’ er näher fommend, und ihn ber Sänger aud. Sie fragten fih um Märe wie es der Wandrer Braud), Wohin fie fahren wollten. Da ſprach der Gaſt: „Roc meit Sit mir das Biel entlegn und nußen muß ich die Zeit, „Daß ich e8 bald erreiche: es liegt mir mancher Strom Und mancher Berg dazwiſchen. Der Kaiſer hat von Rom Zu Etzel mich gefendet, der Heunlands König ift. Den fand ich nicht zu Haufe und fchier verſtrich mir die Frijt „Eh ich ihn traf. Nah Welſchland eil ich nun zurüd, Daß ich ihm Botſchaft bringe.” „Das fügt fi mir zum Glüch“ Sprach der junge Degen: „mir fteht nad Bern der Sinn. Da ſchuf es mir ſchon Sorgen, daß ich des Wegs unkundig bin. „Darf ich dich nun begleiten, fo ift das abgetban; Dich führt deine Straße wohl nah vorbei daran.” Der Fremdling ſprach: „Sich hätte dich zum Begleiter gern; Magft du mir aber fagen Wen du fuchen willſt in Bern!
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67 „Vielleicht des Kaiſers Neffen?“ Der junge Held ſprach: Ja. „Den wirſt du dort nicht treffen,“ begann der Spielmann da. „Er iſt nach Breiſach eben geritten an den Rhein Zu Harlung, feinem Oheim: der Sammelplatz ſoll da fein „Hür die deutſchen Fürften, von dort gen Rom zu ziehn: Ermenrich entbot fie zum Reichstag dahin. Es kommt mit König Rothern wohl bald zum offnen Bruch; Es hängt nur an dem Sailer und feinem enblichen Sprud.“ „So muß ich denn nad Breiſach, meilt da Dieterich. Wenn ich den Weg nur findel du weiſt ihn ſicherlich Und willft ihn mir beichreiben.” Das that der Gaft alsbald: „Gen Beten muft du reiten durch den Thüringer Wald, „Dich dann gen Süden wenden dem fchönen Spechtshart zu. Vom Spechtshart in den Schwarzwald: von bannen findeft du Di leicht zu Harlungs Veſte. Du weiſt hieran genug; Bielleicht auch begegnet dir bald des Landgrafen Bug, „Der von Hildburgbaufen nah dem Spechtshart fährt Mit Iran feinem Bruder. Wie Hildburg fich befchiwert, Sie rächen bald an Salmann die Jagd in ihrem Tann, Mag fie derweil ein Andrer aud jagen als ber eigne Mann.“ „Bas redeft du von Hildburg? Weshalb beſchwert fich die? _ Das muft du mir noch jagen, denn ich vernahm es nie.” Da ſprach der gute Bote: „Das ıft ein langes Lieb; Doc will ich dir es fingen bevor der Schwarza Bett uns fchieb:
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68 Herr Eberwin der Landgraf im Thüringerwald Erharrte kaum der Stunde, da früh der Hahnruf ſchallt, Mit Habichten und Hunden zu reiten in den Tann: Das gefiel der rauen übel, denn fie entbehrte ver Mann. Am Abend fchlich fie traurig ind öde Bett hinein, Es mar fo kalt und fchaurig bei Winterzeit allein; Erwachte fie am Morgen, fo war es wieder leer: Sie hatte nicht vernommen fein Gehn noch feine Wiederkehr. Einft ließ der Graf entbieten bei frifchgefallnem Schnee Sein fürftlih Ingeſinde zu jagen Hirſch und Reh. Drei Wochen follte währen die Luft, der Hörnerklang. Als das Fran Hilbburg hörte, die Weile dauchte fie Lang. Da nun beim erften Jagen der Landgraf ihr Gemahl Sich ohn ein Wort zu fagen von ihrer Seite ftahl, Da blieb audy fie nicht liegen, fie fuhr alsbald empor: Den Mantel umgefchlagen gieng fie hinaus vor das Thor. Vor dem Thor im Felde ftand ein Lindenbaum Und rings wur Schnee gebreitet wie ein weicher Ylaum. Sie ſah fih um und fpähte, ob fie auch Niemand feh: Den Mantel ließ fie fallen und warf ſich felbft in den Schnee. Sie lag bequem und ſtreckte fich aus bie Länge lang. Dann ftand fie auf, den Mantel fie eilends um fi ſchwang. Da war ihr Bild eriwiedert im tiefen Schnee zu ſchaun: Sie war gar ſchön geglievert, die allerfchönfte der Fraun.
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69 Sie gieng zurüd zur Veſte; bei Tiiche ſaß der Graf: „Wie frübftädt ihr fo zeitig und flört das Haus im Schlaf? Was fol uns das bedeuten?“ Da fprad ver Graf: „Das madıt, Es if ein Schnee gefallen, der läbt den Waidmann zur agb.“ Sie ſprach: „Du reiteft immer auf öde Marten aus Und haft die fchönften Thiere zu jagen dicht am Haus. Wenn bu die jagen wollteſt, fo wärft du Abends bier Und ſchliefft in deinem Bette.” Da ſprach der Landgraf zu ihr: „grau, bier bei meiner Veſte lief nie fo edles Wild, Das ſich zu jagen lohnte, noch meine Jagdluſt ſtillt. Hier läuft nur kurzes Wilbbrät, das nicht des Schießens werth. Nie hab ich foldhe Thiere meine Hunde jagen gelehrt.“ Da ſprach die ſchöne Gräfin: „Du irrſt, bei deinem Schloß Iſt ſolches Wild zu finden, daß du auf fehnellen Rois Wohl lang auf öden Haiden und Marken fchweifen magft, Eh du fo edle Thiere, wie bier zu fahn find, erjagſt. „Das befte diefer Thiere, das jemals ward gejehn, Sab ich erſt diefe Stunde vor unjerm Burghof gehn. Willſt du hinaus mir folgen, nur eben in das Feld, So magft du noch es jagen, wenn es bir anders gefällt. „Dein Roſs in Schweiß zu ſetzen bebarfft du nicht darum, Die Hunde, bie es heben, ſchlägt es nicht lahm und krumm. Du ganz alleine fängft es, wofern es bir behagt; Bebagt dir nicht, fo wiße, daß es ein Anderer jagt.”
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70 * Der Graf ſprach: „Run verlangt mich doch dieſes Wild zu ſchaun. Da gieng er vor bie Veſte hinaus mit feiner Fraun. | Sie kamen an die Linde; da ſprach fie zu dem Mann: „Ser hat das Thier gelegen: nun fieh die Fährte bir an.
„Belinne dich: erfennft vu mas für ein Wild es war?” Der Graf befah die Fährte: da ward es bald ihm klar, Hier hatt im. Schnee gelegen ein ebled Frauenbild. Es brauchte kein Befinnen, alsbald erkannt er das Wild. Da ſprach die Königstochter: „Beben es wohl, Gemabl, Wo haft du eb gefeben fol Thier in Berg und Thal? Willſt Du es nicht jagen, fo jagt ein andrer Mann.” - Der Landgraf ſah die Schneefpur und fah die Landgräfin an. Er ſprach: „Sch muß gefteben, das ift ein edles Thier Und Niemand fol es jagen, das wiße, außer mir. Wer des fih unterfienge, dem nähm ich wohl ein Pfand, Er käme mir nicht wieder in meine Schnüre gerannt.” Da kehrt' ex in die Veſte und rief den Mannen zu, Daß fie mit Roſs und Hunden ſich gäben in die Ruh. Der Schnee fer ſchön, doch wiirde fo bald nichts aus der Jagd. Ein ander Wild zu jagen mar er zu Haufe bedacht. Doch wahrt er jet fo ängſtlich nicht ferner fein Geheg: Wenn bir fein Bug begegnet, fo zeigt er dir den Weg. Nur hüte dich vor Salmann, nimm an der Jagd nicht Theil, Noch Theil an der Beute: bebente befer dein Heil.“ |
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1 „Sc muß dich jetzt verlaßen: ich reite grabe fort Der Saal entlang; dich leite der Schwarza fteiler Bord. Bielleicht fehn wir uns wieder zu Bern oder Nom, Wenn du dem Berner folgeft zu Ermenrich feinem Ohm.“ So ſchied der fchnelle Bote; doch eh er ihn verließ, Muft er ibm noch fagen, dab er Iſang biek, Eigele Eohn, des Schützen: er war ein Sänger gut. Mit Worten und mit Weifen erhöht er Manchem den Muth.
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72 Zehntes Abenteuer. Wie Hildburg den wilden Jäger verwünſchte. Dem Thüringer Walde ritt nun Dietleib zu. Bald muft er Herberge, die Sonne gieng zur Ruh, Bei einem Köhler nehmen unterm Dad) von Moos. In diefer Wildnis wohnen ſchien ihm ein glüdliches Looß. Doc wollt er e3 nicht theilen und ritt gar früh davon; Der Wirth, der ihm den Weg wies, verjchmähte jeden Lohn. Da dankt’ er ihm und wandte ſich tiefer in den Tann. Der Rennweg war erftiegen eb der Tag den Sieg gewann. Set von der. Höhe nieber trug fein Roſs ihn bald; Bei Hildburghaufen Fam er wieder aus dem Wald. Da ſah er einfam fteben im Feld den Lindenbaum: Er dacht an Stange Märe von dem Bilb im fchneeigen Jlaum. ! Auch jebt war Schnee gefallen, doch jenes Bild verfchneit. Die Gräben und die Wälle der Burg umritt er weit: Da fand er offen ftehen das fühliche Thor Und auf den Grafen warten viel grüne Jäger davor. d
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73 Mit Hingendem Spiele zog manche Schar voraus; Die Andern barrten lange des Grafen dort im Haus. Yon bielt fein Weib zurüde, fie bat und fleht' ibn lang, Die feinen Hals inbrünftig mit weißen Armen umfchlang. Sie ſprach: „Laß dich erbitten, zieh nicht auf diefe Jagd: Mich quälten böfe Träume nun jchon die dritte Nacht, Als hätt ein wilder Auer dich auf fein Horn geſpießt: Der Auer ift mein Vater, den deine Ausfahrt verbrießt. „Der Dfifrantentönig ift mächtiger als bu: Nun laß ihm feine Marten, laß ihm fen Wild in Ruh. Zieh nicht zum Frankenwalde, zum Speflart zieh du nicht; Ich fürchte, ſich erfülle zu bald mein nächtlich Geficht.“ „Träume find Schäume,“ ſprach Herr Eberivin, „Sch hab es geichworen auf diefe Jagd zu ziehn. Bon Brandenburg entbot ih den Markgrafen ber: Herr Iran ift gelommen, du fabft ihn hier, auf mein Begehr. „Dlieb ih nun felbft zu Haufe um eines Weibes Angft, Bas follt er von mir denken, und dir, daß dus verlangft?“ Ste fpra und rang die Hände: „So zieh in deinen Wald, Mit Hörnern und mit Hunden werd er durchforſcht und durchhallt: „Da mögt die Luft ihr büßen.” Er ſprach: „Wir mögens nicht, Mein Wald ift ganz veröbet: Rolf, mein Waidmann, Tpricht, Des Evelwilbes lebe keine Klaue mehr darin: Das hat dein Bater Salmann getban mit wölſiſchem Sinn.
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74 „Ex 309 vom Frankenwalde dem hoben Rennjtein nad, Brach dann in mein Gehege; da fchlug er fo und ſtach Und fchoß mit feinen Jägern: mein Wild ift alles tobt, Er wollte mein nicht harren, obwohl es Rolf ihm gebot; „Doch ließ er mir jagen, daß Er mein Wild erichlug. Den Schaden und die Schande foll rächen diefer Zug. Es wird ded Speſſarts Thieren belannt in kurzer Friſt, Ob ein ſchlechtrer Jäger der Eidam als der Schwäher iſt.“ Da ſprach mit hellen Thränen das ſchöne Frauenbild: „Ihr hetzt die Hunde beide: ich Arme bin das Wild. Bald jagt mich der Vater, bald jagt mich der Gemahl: Wie lange fol ichs tragen? mich töbtet endlich die Qual. „Biſt du nicht erſt geritten in meine? Vaters Marl Mit Iran, deinem Better? Wohl war der Schade ftarl, Den ihr getban: ihr weiltet im Speflart einen Mond: Der Bären, Wifende habt ihr da wenig geichent, „Der Eber noch der Hirfche: wohl ſechzig Thiere fchlugt Ihr Zwei dem Frankenkönig: warb ihr dazu befugt? Sch weiß, zu dieſem Zorne wer euch geftachelt hat: Nordian der alte; der wird des Jagens nicht fatt. „O müft er ewig birfchen, wenn er im Grabe lag, Nach Auen und nad Hirſchen bis an den jüngften Tag! Sp würd ihm wohl vergolten das Leid, das er mir ſchafft, Da bald ber Tod den Bates, mo nicht ben Gatten mir rafft.“
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[5 Obnmädtig in den Händen barg fie ihr Angeficht; Ras man zum Troft ihr fagte, fie vernahm es nid. Der Landgraf ſprach: „Mit Weinen bebältft du beut nicht Recht, Wie ſchwach fonft gegen Bähren fich zeigt der Männer Geſchlecht. „Richt Norbian, dein Bater Yhat-diefen Born entflammt: Du baft ihn mit Unrecht verwünjcht und verbammt. Zuerft brach der König mein Recht und auch zulekt: An eben wirds gerochen, ber mein Gehege verlegt.” Für tobt blieb Hildburg liegen, binaus fchritt ihr Gemahl. Da hatt er bald beftiegen fein Roſs vor dem Saal; Mit feinen Jagdgefellen ritt er den Andern nad: An Salmann wollt er rächen feine Schand und feine Schmadh. So fuhr nach dem Spefiart der fühnen Jäger Zug, Er fuhr gar wohl gerüftet und war auch ſtark genug. Voran auf hohem Hirſche der Jäger Rordian; Einft hieß er Schwedenköonig, jegt eines Markgrafen Mann. Dann lam der Marlgraf felber, ran genannt, Dem Etzel gab zu Lehen Brandenburg das Land. Hund und Habicht führt er im Fähnlein und im Schild, Auf Helm und Satteldeden der beiden Jagdthiere Bild. Der folge Landgraf folgte, der eifrige Mann, Der von dem Heunenlönig Thüringen geivann. Ihm Tief im gelben Schilde ein Eber und ein Bär; Der Eber war fein Zeichen: Schtveinslöpfe trug er noch mehr
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76 Berftreut im Wappenrode, an Sattel und Panier. Das Wildſchwein ift im Walde das wildeſte Thier: Zum Wappenbild erforen hatt es Herr Eberwin, Weil ihm Fein Wild dem Waidmann fo übel zu faben fchien. Der nächſte war ein Ritter von Brandenburg der Watt, Aus wendiſchem Geſchlechte, gewaltig hoch und ftark, Dabei verzgagten Muthes, des Grafen Kämmerling, Bon dem er Schimpfeshalber im Schild den Hafen empfieng. Nun folgten ſechzig Ritter Irans und Ebertvins; Die waren hohen Muthes: fie fpotteten, fo ſchiens, Des Wenden und des Hafen; doch Ritter Waldemar War bes ſchon längft durchäßig, er warb es kaum mehr gewabr. Das Jagdgeleite fchloßen gelernter Jäger viel; Sie führte Rolf-der Waidmann, dem biefe Fahrt gefiel. Wohl hatt aud ihn verdroßen des Königs Uebermuth, Der ihm dem Wald verödet trotz feiner forglichen Hut. Schweißhunde, Saufinder , fprangen viel umber; Dachsſchliefer, Bullenbeißer, es mar ein zahllos Heer. Die beften Braden führte zuletzt am golbnen Seil Sintram der Hundewärter: der verjuchte bier jet fein Heil. Dietleib erlannte mit Nichten diefen Mann. Er batt ihn fchier erfchlagen: wer ſäh iym bad nun an? Er hört' ihn Gintram nennen; vielleicht beivog ihn dieß, Daß er fih ihm gefellte und ins Geſpräch mit ihm ließ.
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— Sintram erlannte den ſtolzen Gaſt alsbald; Hier ſchwieg er der Begegnung doch gern im Sachſenwald. Daß er der Haut ſich wehrte, er trug ihm drum nicht Haß; Barum ihn frug der Yrembling, gar willig fagt er ihm bas. Er frug: „Du beißeft Sintram: wer bat dich fo genannt? Sintram der Grieche, ver ift mir wohl befannt.” — „Bon dem hab ich den Namen, hört’ ih, empfahn. Mein Bater ift fein Vetter: der alte Berchtold. war ihr Ahn.“ „Du weiſt wohl auch zu jagen,“ fprad da Dietleib, „Weshalb jo mufte Hagen des Lanvgrafen Weib? In naher Freunde Herzen wer hat den Zorn entfacht? Barum ift feinem Schwäher ber Graf zu ſchaden bedacht? „Wohl hört’ ich, daß auch Salmann dem Eidam Feindſchaft trägt; Wer aber hat der Erfte fo beftgen Zwiſt erregt? Hat alle Schulb der Alte, das bleiche Schattenbiln ? Und zümen fi) die Fürften nur um das wenige Wild?“ Darauf verſetzte Sintram, Herdegens Sohn: „Ich bin bier noch ein Neuling und weiß nicht viel davon; Doch will ich gern vermeiden was ich biäher erfuhr. Das Wild iſts nicht alleine, dir half dein Wit auf die Spur. „Der Alte trägt auch ſchwerlich allein die Schuld am Streit — Er dient dem Markgrafen, der wohnt von bier jo weit — Vielleicht, daß er das Feuer fo viel er kann noch ſchürt. Doch bat der Graf dem König die einzge Tochter entführt, =
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— — „Wie möcht er ihm vergeßen, daß er ſich des erfühnt? Ward auch feitvem der Handel vertragen und gefühnt (E3 war einmal gefchehen), doch blieb ein Groll zurüd: Der zeugt nun neues Unkraut; es bringt auch ficher fein Glück.“ — „Entführt, die fchöne Hilbburg? So ward fie ihm verſagt: Warum denn hat dem König ber Eidam miſsbehagt? ft er nicht ebenbürtig?" Der Andre fprah: „Man weiß Es nicht genau zu fagen; viel Wunder flüftern fie leis, „Als wären biefe Brüder, ober ob es Bettern find (Daß Niemand auch, wie eigen, bier rechten Grund getwinnt!), Bon einem Schwan gezogen erſt jüngfl an deutſchen Strand, Vielleicht gar hergeflogen: mem ift die Wahrheit belannt? „Dem König Ekel waren gerade Länder feil. Heunland hatt er gewonnen, und mufl ed in Eil An Lehnsfürften geben: da kamen fie zurecht. Sie heißen beide Grafen, doch Niemand kennt ihr Geſchlecht. „Ben follt es noch erftaunen, daß König Salmann Den Eberwin nicht wollte zu einem Tochtermann ? Nun ift erd doch geworden durch einen Wunderring. Das laß dir erzählen, eg ift ein feltiames Ding.
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79 Eilſtes Abenteuer. ) Die der Landgraf Schon Hildburg entfährte. Der Landgraf ſandte Boten in der Dftfranten Reich, Schön Hilbburg zu werben, das Mägblein ohne Gleich. Eie wurden wohl empfangen; doch ihr Gewerbe nahm Sehr läßig auf der König: folddem Freier fchien er gram. Die Boten kehrten wieder und brachten ven Bericht, Ihn wolle König Salmann zu einem Eibam nicht. Herr Eberwin ergrimmte, der eifrige Mann: Er fuhr zu feinem Bruder und fprad um Beiftand ihn an. Mit Heereöfraft erzwingen Moll er bie fchöne Maib. Der Markgraf Sprach: „Wir find ihm gewachſen nicht zum Streit. Er ift ein reicher König und zählt der Wannen viel: Mit Gewalt nicht, nur mit Güte gelangft du bier an das Biel.“ Da gab ihm der Markgraf ein Föftlich Kleinod; Bon Wem es der empfangen, ift nicht zu wißen Roth. Ein Ring wars, der fich theilte und in zwei Hälften gieng, Benn man ein Stiftchen brüdte: wer Einen Halbreif empfieng
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80 Entbrannte Dem in Minne, ber den andern trug. „Run reite felbft zu Salmann, mit feinem Heereszug, Mit wenigem Geleite, und bitt ihn um die Magd. Es darf dich nicht befümmern, wenn er fie wieder verfagt. „So wende dich an Hilbburg und gieb ihr halb das Bold Und balb bebalt es felber:- jo wird die Maid bir hold. Wie bu den Goldfinger ber Schönen haft beringt, So geht e8 nach dem Sprichwort: dir ift die Jungfrau bedingt.“ Der Landgraf fuhr zu Salmann nad des Bruders Rath Und ward da wohl empfangen, bis er um Hildburg bat. Der König Sprach, er leifte fonft gerne fein Begehr: Die Tochter geb er Keinem, ver nicht König ſei wie Er. Da wandt er fih an Hildburg und ſprach zu ihr allein . Viel zärtlicde Worte. Da ließ dad Mägdelein Den Bater mit fich fchalten: der Mann fei ihre Wahl, Den ihr der König gönne zu einem Herm und Gemahl. Er wiße, Wer ihm zieme zu feinem Schwiegerſohn: Sie wolle ven am Wenigften, dem ihre Hand er fchon Zweimal geweigert babe.“ Er bat, fie hielt ſich fteif: Da ftieß er unverfehens ihr an den Singer den Reif Und ſprach: „Dein Water weigert dich Jedem noch zur Zeit; Dennoch bift du wahrlih eine adlige Maid. Ih muß dich ewig minnen: nimm bieß zum Pfand dafür.“ . Er wünfcht' ihr wohl zu leben; fie @leiches ibm nad Gebühr.
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81 Run wähnten die Gefährten den Grafen mit der Fahrt Gar übel zufrieden; Er nad) feiner Art Zieß fie bei dem Glauben; doch heimlich war er froh Als wär ihm wohl gelungen: zu fich felber ſprach ex fo: „Bir bleiben in der Nähe und fahren noch nicht heim: Der Samen, den ich fäte, treibt balb feinen Reim.” . Sie ritien um bie Befte: da währt’ es kurze Zeit, So kam die Königstockter in fchöner rauen Geleit. Nun lüfste fie den Grafen und zeigt’ ihm holden Muth In freundlichen Gebärden: einen Apfel roth wie Blut Gab fie ihm beim Scheiden und ſprach: „Sei mein gebent.” Vie Hein es war und wertblos, ihn freute doch das Geſchent. Er Tof’te mit dem Apfel den Tag über viel, Warf ihn in die Lüfte und fieng ihn auf zum Spiel. Und einft im Niederfallen griff er fo hart darnach, Daß ihm in zwei Stüde ber ſchöne Apfel zerbrach. Er nahm die Stüde beide und fah fie an genau: Mit Kunft gefchnitten hatte fie die Hand ber fchönen Frau; Und in dem Kerngehäuſe, fchier hätt ers nicht entdeckt, Da war mit Golbbuchftaben ein zierlich Briefchen verftedt. Das las er ganz alleine; gefchrieben ftanb darin: „Dix entbietet holde Minne Hilbburg die Königin. Sie hörte dich betbeuern, du liebteit fie jo ſehr, Und es ift wahr, jo glaube, das Mägblein liebt Fi noch mehr. Simrod, dad Amelungenlied. II.
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„Willſt du nun zu ihr fommen, wenn fie dir Botichaft ſchickt, Geheim, daß nicht ihr Vater noch fonft Wer dich erblickt, So wirft du wohl empfangen: nur laß beine Hand | Keinen Schaben ftiften an König Salmanns Reid, und Land.“ Da freute fich der Landgraf; er hielt den Brief für fich Und harrte nun der Botſchaft. Eh lange Zeit verftrich, So fuhr daher der Sänger, der lang wird genannt: Der ift in allen Reichen, an allen Höfen befannt. . Er war ded Grafen Günftling, bem er von feinem Lieb Dießmal ein Schreiben brachte. Was ihm die Schöne ſchrieb, Das hab ich auch erfahren: „Dir jendet holden Gruß Hilbburg die Königstochter, die dich heimlich minnen muß. „Der König ift geritten gen Breiſach ober Bern: Willſt du fie nun befuchen, vieweil ibe Bater fern, So fahr in aller Stille mit wenigem Geleit: Sie hofft e8 bald zu fügen, daß bu ſchauen magit die Main.“ Da bie er gleich fich rüften vertrauter Freunde zehn; Niemand am Hofe wuſte mohin es follte gehn. Sie ritten durch die Wälder, und meiſt in tiefer Nacht, Und vor dem britten Morgen tar ihre Reife vollbracht. Bei Würzburg am Maine wuſt er ein heimlich Thal: Er hieß am Tag da harren der Mamnen Tleine Zahl, Und ſchlich fich nad dem Dorfe. Gar niedrig var das Haus, An dem der Landgraf Hopfte: da ſah ein Mannweib heraus
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83 Und Zub ſchon an zu ſchelten. Sein Kleid geftidt mit Gol Bot er ihr an zum Taufe: ba wurde fie ihm hold. Er wand ihr fahles Kopftuh fi um das dunkle Hear Und ſchloff in ihre Hadern. Da hatt es feine Gefahr, Daß Wer ihn Tennen follte. Sein Ausſehn mar nicht fein; Die Gaßenjungen liefen ibm allmärts Binterbrein - Und fchrieen: Heppa, Heppa! So hie das Bettelweib. Die hatt in befern Jahren zu Kauf getragen den Leib; Jetzt fehlten ihr die Kunden: fie war verlebt und alt; Doch ift Fein Mannsbild länger und derber von Geftalt. Drum wählt’ er ihre Kleider zu ſeiner Mummeret. Das Schlofthor war offen; in die Halle trat er frei. Die Königin, Frau Herburg, ſaß da mit ihren Fraun Und Hildburg, ihrer Tochter. Die faßte gleich ein Graun, Als fie die Vettel ſahen: „Was folls, mas mwillft du bier? Wer bat dich eingelaen? fort, aus dem Haufe mit dir!“ Sie ſprach: „ch will auch geben, wenn ihr mich gut beichentt; Umfonft kanns nicht gefchehen: mer das von Heppa denkt, Der Iennt fie noch übel. Sie thut es gern fürs Gelb; Sie borgt aber Niemand, fie ift nicht: gerne geprellt.” Als das von ihr Frau Herburg, die muritre Frau, vernahm, Daß fie Heppa heiße, fie war ihr minder gram. Sie hatte von der Alten vernommen manches Mal: Run ſchuf es ihr Kurzweil, fie zu ſchaun in ihrem Saal.
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84 Es ſchien auch nicht zuwider der loſen Mädchen Schar, Die gerne lachen mochten, daß ſie gekommen war. Sie ſpaßten mit ihr lange und trieben manchen Scherz. Da faßte fih auch Hildburg, die Königstochter, ein Herz. Sie ſprach zu ihr: „Nun fage, wenn bu es wißen Tannft, Wie Manchen du zum Manne in Einer Nacht getvannft 2" Da that das Weib, als fehle zu fprechen ihr ver Muth, ‚Da eine Königstochter fie anzureden gerubt, Und bob al ihre Finger empor ob ihrem Haupt. Die Mädchen Iachten wieder: fie hatten wohl geglaubt, Zehn Männer habe Heppa gehabt in Einer Nadıt. Viel Andres hatte Hildburg fich bei dem Zeichen gedadht. Ihr blieb es unverborgen wie fie den Saal betrat, Es ſei ala Weib verkleidet der Landgraf ihr genabt. Als überm Haupt er reckte die Finger alle Zehn, Da wuſte fie, wie Manchen er zum Geleit ſich erjehn. Da nahm das Fräulein Aepfel und gab bavon den Fraun; Mit rothen Wangen waren fie golden anzufchaun. Und Einen golonen Apfel warf fie dem Weibe zu: Die ſchnitt ihn wie bie Andern entzwei und aß in in Ruh. Der Brief, den er wieder darin verborgen fand, Gab ihm gewiffe Kunde, daß ihn die Maid erkannt. Da ſputete fih Heppa zu fcheiben aus dem Saal, Der Frauen Heil erwünfhend und ihren Mädchen zumal.
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Da gieng zu ihrer Lade Herburg die Königin. Ein Kopftuch und ein Hemde fand fie darin: Die fchenkte fie ihr beide und ließ fie aus dem Thor. Wie fehr den Brief zu leſen ber Graf fich fehnte davor! Doc muft er ſichs verfagen bis in den ftillen Grund. Ihr möchtet felber hören was in dem Briefe ftund. Er las, das Fräulein komme zu Nacht an jene Statt, „Wo Heppa zehn Männer in Einer Nacht genommen bat.“ Sie mochte leicht erratben, wo er verborgen lag; - Do währte nun ohn Ende der jommerlange Tag. Bis Mitternadht zu barren, das war auch gar zu arg! Dazu fchien ibm nicht ſicher der Winkel, der ihn verbarg; Doch blieb er unvermelbet bis in die tiefe Nacht. Da raufcht' es in den Büfchen, Yußtritte fchlichen ſacht: Ber Iommt, wer it3? Zwei Frauen: die Eine ſprach: „Bift bier Mein Lieb, mein allerliebftes? und Wer ift ferner mit dir?“ „Ich bins, mit meinen Zehnen,“ ſprach der Graf beglückt. Berrath beforgend hatt er fchon das Schwert gegüdt. Das warf er jetzt zu Boben, und fprang hinzu und fchlang Irr um den Hals die Hände und herzt' und küſste fie lang. „Run bringt uns die Roſſe, Gefährten, bald herbei!” Ein Weib war mitgelommen: er fragte, wer die ſei? „Ein armes Weib aus Würzburg, die bei dem Schloße wohnt ; Run gieb ihr Hemd und Kopftudh, fo ift fie reichlich belohnt.”
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86 Die wurden ihr gegeben, es fchien ihr volles Glück: Mit einem Briefe ſchickte man fie zus Stadt zurüd. Den brachte fie am Morgen Herburg der Königin: Hildburgs Entführung warb ihr gemeldet darin: Doc folle fie nicht trauern: es fer der Tochter Wahl; Bon Thüringen heiße der Landgraf ihr Gemahl. Alſo kam zu Tage diefe ganze Lift. Was fol ich mehr erzählen? da ihr das Uebrige wißt.
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Zwöälftes Abentener. Bie Baldemar bie Braut erwarb. Die kühnen Jaͤger ritten den Tag unb auch die Nadıt: Da fanden fie am Morgen bed Speſſarts grüne Pracht. Die Kronen ſah man ragen von Silberreif erhellt, Es gab ein berrlih Sagen: bes freute ſich mancher Helb. Einen großen Wiſend hatte der König Salmann Bon Jugend auf erzogen in feinem tiefen Tann. Es war ein Stier, der flärlite, ber jemals Hörner trug, Groß und ungeheuer und wilb und müthig genug. Edler Wifende hatt er viel erzielt Mit den Auerlühen, die der König hielt. Ihn durfte Niemand jagen nod feine junge Brut:
Herr Salmann ließ fie begen als wärs fein theuerftes Gut. Da ſprach Markgraf Iran zu feiner Jäger Schar: „Run nehmt mir vor Allen. des alten Wiſends wahr. Wir find ihm nachgeritten bei unfrer erften Jagd Und haben feimer Kälber genug zu Falle gebracht.
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58 „Son felber zu erlegen, gebachten wir ſchon oft, Da warf er grimmig nieder, bie ihn zu fahn gehofft. Doc foll ers jetzt entgelten: fein Leben währt nicht lang: Hr Mannen, hört, ich fee den höchften Preis auf ben Yang.
„Es gelte Tangermünde, die blühende Stabt, Unb Lorenz die Jungfrau, die fie zu Lehen bat. Ein Wald ift bei dem Lehen wohl fieben Meilen breit: Da mag er immer jagen mit feiner herrlichen Maid.“ Als das die Degen hörten, ba murben fie erpicht: Lehn und Jungfrauen verichmähen Helden nicht. Sie wollten alte fangen ben alten Wiſendſtier, Dazu die Braut erlangen: das regte große Begier. Sie ließen gerne leben die Bären und die Saum, Die Büffel und die Hirſche: das half nicht zu der Yraun. Nur ran und der Landgraf, dazu der Jäger Rolf, Die wollten nichts verfchonen als nur ben Fuchs und ben Wolf. Auch fo der alte Jäger, der König Rordian, Der batt in kurzen Stunben veröbet ſchier den Tann. Die Thiere, die fie fällten zum Verdruß und Hohn Dem Dftfranlenlönig, fie berührten nichts davon Als was die Hunde fraßen und was die Knappen ſich Zum Imbiße brieten: fo war es ritterlidh; So hatt e8 auch gehalten Salmann ver König hehr Im Thüringer Walde, wo er Schaden that fo ſchwer.
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89 Des Holzes enthielten fich nicht bie Fürften ſtolz Sie brauchten Nachts zur Beiwacht mande Scheite Holz Und fällten rings die Bäume um jebe Yeuerftatt; Noch heut ift es wüſte, wo ihr Heer gelagert bat. Am Morgen mit den Jägern den dichten Wald durchfuhr Rordian der greife, und fand eine Spur Mit ungeheuern Stapfen tief in den Sand gebrüdt: Da freute fi) der König als wär der Yang ſchon geglüdt. Hier war der große Wifend gegangen offenbar. Er flog mit Spornſtreichen voraus der ganzen Schar Und bracht auf biefe Fährte manch guten Stöberhund: Es war der große Wiſend, Fein Zweifel blieb an dem Fund. AS das die Jäger hörten; fie wurden alle froh: Das gab ein Hörnerfchallen, ein Rufen, ein Halloh! Eie riefen Tangermünde und Jungfer Lorenz! Und kamen all gefahren die Spur bes großen Wilenbs. Der Fährte folgend trieben die Hunde bald ihn auf, Hochlautende Braden mit vogelfchnellem Lauf. Das Thier war geſchwinde; doch holten fie e& ein. Auf feinem Zwanzigender ritt Nordian bintendrein. Zwei Waidhunde führt er am Seile, Stutt und Stapp, Und manchen Jagdſpieß trug ibm Sintram nad, ber Knapp. Dann kam der Markgraf Iran in ftürmender Eil; Baron und Bonike, die Braden führt! er am Seil.
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90 Des Grafen Truchſeß folgte, er war geheißen Trenk, Mit Sellmann und Heila. Der Nächſte war der Schenk: An feinem Leitfeil ſprangen die Petzen Rauſch und Yauich: Für eine Freiherrnkrone gäb er file nicht in den Tauſch. Die beiten Schweißhunde, die der Graf befaß, Und deren Ruhm mit Richten das Helbenlieb vergaß, Die waren von den Beben gefallen allzumal; Man zählte fie auch jelber zu der .beiten Braden Zahl. Als der Wiſend hörte der Hifthörner Schall, Und ſah um ſeine Weichen die Hunde ſpringen all, Die ihn gelöſt umbollen, da jet’ er ſich zur Wehr, Und ftieß mit den Hörnern ben Einen bin, den Andern ber. Die ihm gelang zu treffen, die ließen ihm wohl Rub; Da fehten ihm die Andern nur deſto härter zu. Doch ward die Meute dünne von feinem Grimm zuletzt; Die Bullenbeißer hatte fchier all der Bulle zerfeht. Als Nordian der Jäger die Hunde mangeln ſah, Dem Truchſeß ded Grafen gebot der Alte da: „Run löfe deine Braden unb laß fie an das Thier.“ Das that der Trenk: da fprangen fie drauf mit mörbrifcher Gier. Bon beiden Seiten fubren fie auf den Wiſend los, Hella und Sellmann, und jcheuten .Teinen Stoß. Jetzt mieden fie das Kläffen, das Beißen aber nicht: Sie twuften wohl zu treffen, was man von Kläffern auch ſpricht.
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N 91 Er mufte Zahnweh Hagen, ſo bißen fie fich feft Und hiengen ihm am Ohre von rothem Schweiß genäßt. Da wandte fi zur Rechten das Waldthier fchnell genug Und ftieß mit den Hornern dem Heila unter ven Bug, Daß er ihn ganz durchbohrte unb weithin von fich ſchmiß. Und gleich zur Linken ſtoßend, wo Sellmanns Bahn ihn biß, Nahm er ihn auf die Hörner und warf ihn hoch empor. Das ſah der milde Tiger, der feine Zeit nicht verlor. Da gebot er dem Schenten, ber Buttlig mar genannt, Die Peben zu löfen: ber that e8 unverwandt. Die Petze Lauſch erſpaͤhte ſich gleich den fchlimmften Platz: Unter die Beine mit einem jählingen Satz Fuhr fie dem Auer und fat’ ihn beim Gemädt: Dem wehrlofen Opfer ergieng es ba Schlecht. Brüllend vor Schmerzen in die Höhe fuhr der Stier Und fiel auf die Hündin herab, das ächzende Thier, Daß ihr der Rüdgrat knickte unter feiner Wucht: Sie bradite nimmer wieder fo guter Hunde Zudt. Run hatt ers zu fchaffen. noch mit der Raufch allein: Am Fleifhwulft des Höders fchuf die mit Nagen ihm Bein. Da ftieß er fie berniever an eines Baumes Aft Und ſchlug fie mit den Hufen zu Tob in grimmer Haft. Dann ſchaut' er ſtolz nach Feinden fi um im weiten Kreiß. Das fah der Jäger Nordian: nicht lange fäumte ber Greis.
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Die eignen Hunde fandt er auf das Horntbier ab, Die für die beiten Jäger galten, Stutt und Stapp, Bon allen Waibhunden, die man in Liedern preift, Mit Nordian dem König in hoben Jagden ergreift. Da fprang ihm auf,den Raden Stutt und biß ſich an, Daß Blut die weiße Wamme des Stierö Binunter rann; Stapp fuhr ihm an die Gurgel und bieng und fchwelgte da In Fleiſch und Schweiß bes Wildes, dem nimmer weher geichab. - Burüd warf der Büffel das Haupt mit folder Kraft, Daß fie emporgetvirbelt, den Bliden entrafft, . Die Glieder ſchon zerbradden in reiner Lüfte Blau CH fie den Boden färbten ſchier nur ein blutiger Than. Run ließ feine Braden der Brandenburger les: Das Thier. begann zu fcheuen, feine Schmerzen waren groß. Der Landgraf heite feine, mit Namen Frech und Gier: Die jagten durch die Haide den graunvoll brüllenden Stier. Die beiden Jäger folgten fo fchnell mit Hörnerllang, Daß weißer Schaum den Roſſen aus rothen Nüftern fprang. Bald giengs durch Did und Dünne: der Dxchfe wurde toll, Da fih die Meute mebrte der Hunde, die ibn umboll. Gier ftand er jetzt am Berge: den mocht er nicht hinauf; Da ehrt! er um und wandte verzweifelnd den Lauf Das Haupt zum Stoß gebogen durch all der Jäger Schar. Der ihm zuerft begegnete, das war der feige Waldemar.
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93 Der ritt ihm aus dem Wege in großer Herzensnotb; Der Wiſend folgt ihm brülfend, denn fein Gewand war roth. Es macht die Dchſen wüthend, wenn fie bie Farbe fehn: Der mit dem Hafenbanner meint’ ed wär um ihn geſchehn. Bom Roſſe fprang er eilends und klomm auf einen Baum: Auch auf den Hinterfüßen erlangt’ er da ibn kaum; Doc Hielt er ſich nicht fiher und flieg zum höchſten Aft. Der war zu ſchwach, er Inidte und niederftürgte der Gaſt. Run fand das Thier darunter, von mandem Hund gefchredt: Da fiel der Ritter nieder (wer hätte ſichs erledt?) Dem Bullen auf den Raden, von dem er nieberglitt, Ein Bein an jeder Seite auf feinem Rüden ſaß und ritt. Der Stier riß aus; der Ritter vor der Gefahr des Falls, Die Hände beide Hammer!’ er dem Auer um den Hals Und bielt fo gut er Tonnte ſich feft in feinem Sig: Sein Roſs, das nie gerittne, gieng mit ihm durch wie ein Blitz, Den Feigling zu tragen am Wenigſten gelaunt. Die dieſes Reiten ſahen, die waren all eritaunt; Wie es begonnen hatte, der Zehnte wuſt es nicht. Der Markgraf fprach: „Ich ſehe dort ein wunderlich Geficht: „Den Wiſend feh ich laufen und rennen was er Tann, Und zivifchen feinen Hörnern reitet ihm ein Mann.“ Auch Nordian der alte ſah es, Wilings Sohn; Das fah er nicht, der Neiter wär gern mit Ehren davon.
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Da rief der wilde Jäger: „Das heiß ich kühne Birich! Ich bin wohl eh geiprungen vom Roſs auf den Hirſch: So tollen Sprung zu wagen hätt ich mich noch bedacht. Das Thier muß bald erliegen: fo kommt zu Ende die Jagd. „Ahr Jäger, hebt es alle bis es zu Boden ftürzt.“ Da wurde keinem Roffe ver Bügel verkürzt. ‚ Sie fprengten durch die Heide dem Hornwild nad) im Flug, Das wilder nur den Boden mit gefpaltnen Klauen ſchlug. Die Horner und die Hunde, die fehollen, bollen laut, Die Berge widerhallten, daß allem Wilde graut. Die Bären und die Wölfe und mancher giftge Wurm Verbargen fi im Didicht nicht zu erliegen dem Sturm. Da blies der wilde Jäger, dab ibm pas Hifthorn borft. Die jungen Wifende im innerften Forft Wurden aufgetrieben von dem beifern Schall. Der Kälber waren fieben, dem Alten folgten fie all. Der feige Wende ſah ee: das war ihm erft ein Graus! Ihm drohten fechzehn Hörner: wie brach der Schweiß ihm aus! Ex hielt fih an der Mähne, er bielt ſich an dem Wulſt: Er forgte, wenn er fiele, er kriegte felbft ein Geſchwulſt. So lief das Thier gegeiftert zu Ende ſchier den Walb; Zuletst auf grüner Lichtung erathmend macht es Halt. Da griffen es die Hunde des Grafen, Frech und Gier Und Baron und Bonile: vie ftanden es alle vier.
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— — Kaum konnt es ſich noch rühren, geſchwächt war ſeine Wehr, Die ſtolzen Hörner führen: der Mann war ibm zu ſchwer. Da lam der Markgraf Iran herbei mit blanlem Spieß: Der alte Wifend ftöhnte indem der Stahl ihn durchſtieß. Ein Blutftral fam geichoßen, bin ſank das edle Wild. Bom Sattel fprang der Nitter, des Todes bleiches Bild. Er dankt’ e3 feinem Heile, daß er entlommen war; Doch ward ihm Lob zu Thelle, dem Iran ſprach zu Waldemar: „Aller Männer feigfter dauchteſt du bisher, Der Kühnfte nun erſcheinſt du in aller Männer Heer. Wer hätte meiner Leute feld Wageſtück vollbradht ? Des genieheit du noch heute: bir ift die Braut zugedacht, „Die Braut und Tangermünde, bie blühende Stabt: Mit Helm und Aſt empfange das Gut an diefer Statt; Dazu wird dir die Jungfrau daheim in unfrer. Marl.” Gr nahm die Gabe zitternd, es daucht ihn felber zu ftarl. Da ſprach der greife Nordian: „Mich haft vu heut befchämt, Der ich bisher zum. Ritte mir Hiriche nur gegähmt; Du lehrſt mich Auer reiten: des bin ich eingeben. Nimm diefen Zwanzigender denn deiner Maid zum Geſchenk.“ Er nahm Die Wahrgeihen und nahm das zahme Wild Und führte ſtatt des Hafen den Hirſchen nun im Scilb. Er hatte Glüd: wer Glück hat,- der führt die Braut wohl beim. Hier fchließt das Abenteuer: es gab dem Sprichwort den Kein. — ⸗· — — — —
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Dreizehntes Abentener. Wie Iran gefangen ward und Frau Hildburg ſtarb. Die Jagd war zu Ende, und doch nicht ganz und gar, Da junger Wiſende noch mancher übrig war. Doch Dietleib weilte länger nicht bier in träger Ruh: Er nahm von Sintram Urlaub und ritt dem Schiwarzivalde zu. Den Belle ließ er traben und |parte nit den Sporn, Doch ſcholl ihm in der Nähe noch manch geivunbnes Horn. Da kam er an ein Waßer, dem war gefchwellt die Flut Bon großen Thaumeltern, wie ed im Frühjahr wohl thut. Eine breite Weide bob fih dort cinfam aus dem See; Ein Mann faß auf der Weihe, dem war von Herzen weh. Er winkt aus allen Kräften, als er den Gaft erſah, Und fleht ihn um Erlöfung, denn er verlümmerte ba. Er konnt ibn nicht erreiten, das Waßer war zu tief; Er ſah auch Feinen Nachen, bis ihm ber Fremdling rief Und zeigte, wo im Weibicht verborgen lag ber Kahn. Da fuhr er bin, und fiebe, der Alte war ed, Norbian.
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97 Der fluchte Wachilden, als er ihm näher Ihm, Und allen Wellenmäbchen: er war dem Waßer gram: „Mir felber ſollt ich fluchen, daß ich mich täufchen ließ, Der ihre Tüde kannte, die fie fo oft mir bewies. J „Die manches Schiff zerſchlagen mir hat auf hohem Meer, Mich aus dem Land ließ jagen, — daß mich ihr Haß hieher Verfolgen würd aufs Feſte, ſo tief ins innre Land, Ich hatt es nicht vermuthet: ſie wird mir heut erſt recht bekannt.
„Auf dieſem Weidenſiumpfe ſaß ein Auerſtier Ich weiß nicht, ob den Jägern hierher entrann das Thier, Ob es die Welle wachſend ſich hier zu bergen zwang? Genug, ich fand es fitzen, und mich verlodte ber Fang. „sh nahm diefen Nachen, der dort am Ufer Ing: Nie lernt ih Schiffe fteuern, nun, einen Kahn vermag Wohl meine Hand zu führen, dacht ich in meinem Sinn: Und fieb, zur Weide glitt ih auf glattem Spiegel dahin. „Hier trat ich, nach dem Auer zu zielen, auf den Grieß. Ta |prang er von dem Baume in meinen Kahn und jtieß In die Flut hinaus das Schifflein durch feines Leibes Wucht: Hier von dem Stumpfe ſah ih ihn landen bort in der Bucht. „So hatten wir die Pläße getauscht, ich war geprellt Und mufte bier verſchmachten, wenn Du mich, junger Held, Nicht jest zu Lande brächteſt.“ Das that der Jüngling gern; Doch mocht er heimlich lachen des alten flutjcheuen Herrn. Eimrod, das Amelungenlied. II. 7
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Bald fchieden fich die Degen: zum Speflart fuhr der Greis, Wiſenden nachzuftellen in Tühner Jäger Kreiß. Ben Süden ritt Dietleib, über gebautes Land Und durch die tiefen Wälder, imo bie ſchwarze Yöhre ſtand. Wie manchen Tag er brauchte bis er nad Breiladh kam, Das kann ich euch nicht melden, teil ich es nie vernahm; Doch fand er da den Berner bei Harlung feinem Ohm. Da war aud König Ebel: fie wollten alle nad Rom. An Dietrichs Seite fah er einen ſchwarzen, ſtarken Mann: Dem mar er fchon begegnet, er wuſt aud wo und wann: Er durft ihm ohne Bangen wohl in die Augen ſehn; Doch Dietrich war gewaltig, er muft es ftill ihm geftehn. Er ſchien auch zu behagen Dietrich dem Degen hehr, Drum mied er nicht zu fragen wie er geheißen twär. Da ſprach der Gaft: „Ich heiße mit Namen Amelrich, Und Hilbemel mein Bater; Dietmarfenland erzeugte mich.” „Bas willft du denn bier fuchen?“ fuhr der Berner fort; „Du fuhrft lange Wege hieher an dieſen Ort.“ Der Fremdling ſprach: „Mein Belle muß immer traben fcarf Bis ich den Häuptling finde, der meiner Dienfte bevarf, „Der Waffen ihm zu pflegen, der Roſſe vie des Guts: Und was mir wird befohlen, das leift ich willgen Muths, Denn mir die Kräfte reihen: denn viel vermag ich nicht, Obwohl ich Manches lernte. Bon Einem hört ich Bericht,
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99° „Der Dietrich heißt von Berne; am liebften dient’ ich dem Bon allen Königsföhnen, wär ihm mein Dienft genehm. Run aber laßt mich fragen wer Ihr feid, und wohin Ihr denkt von hier zu fahren, mofern ich zu dreift nicht ‚bin, „Bon Euch Beicheid zu heiſchen, wie Sch ihn euch geſagt: Ihr müßt mirs nicht verdenken, wenn ich zu biel ‚gefragt. Ich bin bier fremd, und weiß ich auch was ſich ſchidt zu Haus, Doch kam ich früher niemal® aus meiner Heimat heraus „Und kenne nicht die Sitte, die hier zu Lande gilt.“ Da ſprach der Bogt von Berne: „Du thateſt vecht, es Ichilt Did Niemand um die Frage und Jedem ftebt fie .an. Run bat es ſich nicht übel Für. dich gefligt, junger Mann, „Wenn du Dietrichen ſucheft, Dietmars Sohn, Und ihm zu dienen denkeſt: du ſiehſt ihn nor bir ſchon; Mit ihm ben guten Degen, ben man Heime beißt, Und mandyem Held vertwegen, ver in feinem Dienft ſich fleißt. „sch werden? es auch mit Richten, dir zumal, dem Gaſt, Daß zum Gebieter lieber bu Mich erfehen haft As andre edle Männer. Dir iſt mein Dienft bereit: Bewahr uns denn die Roſſe und unfer Eiſengeſchmeid. „Bir weilen nicht mehr lange bei Harlung meinem Ohm: Dann folft du mich begleiten zu Ermenrid gen Rom; Eines Rnappen eben beburft ich fo wie du.“ Das hörte Dietleib gerne: gar willig fagt’ er ihm zu.
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100 Nicht manchen Abend währt' es, ſo bracht ein Bote gut Dem Konig Etzel Märe, die trübte ſeinen Muth. Gefangen ſei im Speſſart der Markgraf Iran Und Eberwin verwundet: das habe Salmann gethan. Zu Hildburghauſen liege der Landgraf auf den Tod, Und groß ſei um den Gatten der ſchönen Hildburg Noth; Doch ihren Vater freue, daß er die Schmach gerächt, Den Fall des edeln Wildes und ſein gebrochenes Recht. Von Tangermünde ſandte den Boten Waldemar, Der von den Brandenburgern allein entronnen war. Auch Nordian der Alte lieg in des Königs Haft, Sintram und all die Ritter, fo viel der Tod nicht gerafft. Kaum mar diefe Zeitung erjchollen an dem Rhein, So ritt ein ſchwarzer Nitter zu Breiſachs Thoren ein. Aus feinem Schilde drohte der Eber und der Bär; Doch wollte Niemand glauben, daß es der Landgraf ſelber wär. Ob fein Herr geftorben, fo fragte man ihn bang, Ob Feine Hoffnung bleibe? da er vom Pferde fprang. Er ſprach: „Mo ift Herr Etzel? dem geb ich gern Beſcheid: Sch bring ihm beßre Botichaft als erratben läßt mein Kleid.“
Er ſaß in Harlungs Saale: fie führten ihn dahın: Da erfannte gleich der König feinen Grafen Eberwin: „Willkommen, Todtgeglaubter! Du ftellft dich unferm Spruch: Wir müßen dich beftrafen, wenn Salmann klagt um Friedensbruch.
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101 —„Ihr hießet mich willlommen, die Strafe käm zu ſpät; Doch will ich fie erdulden, wenn fo der Sinn euch räth, Und ch zuerft dem König in feine Marken brad). Nur löſet mir den Bruder; nach Willen fchaltet hernach.“ „Wird er ihn löſen lagen?” ſprach der König hehr. „Den ihr ihm beide thatet, der Echaben tft zu ſchwer. Du nahmft ihm feine Tochter und ſchlugſt ihm fein Wild: Er ift in großem Zorne, der mwirb fo leicht nicht geftillt.” „sh muß um den Bruder in Angft und Sorgen ftehn,“ Sprach Eberivin, „ich möchte den Stolzen felber flehn, Daß er ihn ledig ließe; doch bin ich ihm verhaßt. Man Sagt, in diefem Haufe werd er erwartet zu Gaft. „Wenn ihn da bitten wollten fein Wirth und diefe Here, Was die begehren- möchten, das thät er Alles gern; Dazu Frau Bolfriane, Herrn Harlungs Gemahl: Wo ift die Wohlgethane, der Schönheit leuchtender Stral?“ Eie fprachen: „Unfern Bitten würd er fein Ohr nicht leihn; Doch wenn dein Weib ihn bäte, fo gieng er Alles ein. Schön Hildburg, feiner Tochter, die er fo lang nicht ſah, Der könnt er nichts 'verfagen, zu jeder Bitte ſpräch er Ja. „Die hätteft du beßer an deiner Statt gejanbt.“ Als das ber Landgraf hörte, da deckt' er mit der Hand Die Augen und kehrte fich wie gefoltert um. Er kam nicht zu Worten, jeder Frage blieb er ftumm.
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108 Da ſprach Rdırig Etel: „Run fag uns beine Roth.“ Da brady er aus: „Wohl wär ih Unſelger beßer tobt, Als daß den Hader büßte das herrliche Weib, Ich konnt es nicht verhindern, fie gab um mich den fühen Leib.
„Hätt ich mich warnen laßen! oft ſprach das edle Bild: Ihr beit Die Bunde beide, ich Arme bin das Wild. Bald jagt mich der Vater, bald jagt mich der Gemahl: Wie lange fol ichs tragen? mich töbtet endlich die Dual. „Richt Dual hat fie getöbtet, fie ftarb den Tod mit Luſt. Das Gift entfog fie Tädelnd der Wund in meiner Bruft Und legte fid zu flerben mit freubigem Gefühl; | Ich konnt es ihr nicht wehren: ich Ing für tobt auf dem Pfühl. Der Sper war vergiftet, mit dem mid Salmann flach; Doch hat fie und verziehen eh ihr das Auge brach. Den Bruder nur zu reiten gebot fie mir zuletzt: Sie ſorgt', aus Rache würde dem bald das Meßer gewetzt. „Bolt Ihr ihn nun nicht flehen, fo weiß ich feinen Troft: Es ift um ihm geſchehen, fein Herz ift ihm erboſt. Mein Weib hab ich verloren; wenn auch mein Bruder ftarb, Was foll mir dann das Leben, das fie fo 'theuer erwarb?“ Die ebeln Fürften ſprachen: „Biel Hoffnung bleibt dir nicht; Wir haben der Gewährung gar Heine Zuverficht. Bernimmt er, baß fein @iftfper die eigne Tochter traf, Wer fol das anders büßen als der gefangene Graf?“
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103 Bierzehntes Abentener. Die Frau Benus Jran und Bolfrianen beftridte. So gieng er ungetröftet hinaus von den Herrn. Da ſpräch' er Bolfeianen, des Haufes Wirthin, gern. Er Tieß fih zu ihr Bringen unb bat fie um Gehör: Er könnt es nicht ertragen, wenn er den Bruder verlör. Was er fie bitten mochte gewährte fie mit Luft. Ein Bildnifs fah er bangen der Grau an fhöner Bruft. “ Berwundert ſprach der Degen: „Wer gab euch diefes Bild? Berzeiht und gönnt mir Anttivort, die mehr als Neugierde ftillt.“ Sie ſprach: „Es ift mein Gatte: er hats zum Drachenſtein Gefendet mit dem Werber, des mich ihm follte frein. Ihr findet es doch ähnlich?" Er Sprach: „Richt allzuſehr: Es gleicht meinem Bruder Iran je länger je mehr. g „Wenn ihr ihn ſchauen folltet, gewiſs, ihr gäbt mir Recht; Er wird euch ewig danken was ihr zu thun verſprecht.“ Da ſprach die Wohlgetbane: „Bielleicht, daß es gelingt; Leid ift mir um ben Jüngling, daß ihn der Kerler bezwingt.
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„Wenn anders dem Graubart noch Frauenhuld behagt, Will ich ihn alfo flehen, daß er mir nicht verfagt. Bertveilt fo lang, doch meidet des Schwähers Angeficht: Erfährt er Hildburgs Sterben, fo gewährt er mir nicht.“ Am Morgen kam der König: Herr Harlung, ihr Gemahl Mit Dietrich und Etzel empfieng ihn vor dem Saal. Er trat hinein: da mühte fi Niemand noch um ihn Bis jet ihn zu begrüßen des Haufes Wirthin erfchien. Den goldnen Becher reichte fie ihm, der mar fo blant, Sie trug ihm Schild und Waffen beifeit, dieweil er trant, Empfieng den Becher wieder und küſste froh den Gaft Ch fie mit linden Händen ihm nahm des Halöberges Laſt. Sie hatt ihm bald am Harniſch den lebten Haft entſtrickt; Verbindlich that fie Alles und zierlich und geſchickt. Ihm ward an ihrer Seite der Ehrenfiß am Tiſch, Sie fohnitt ihm jede Speife, das Brot, den Reiher, den Fiſch. Die beften Bißen legte fie ihm von Allem vor Und war über Tiihe für Ihn nur Aug und Ohr. Die Andern zu bedienen fliß fi manch edler Knecht; Ihr blieb den Greis zu pflegen ein vorbehaltenes Recht. Es verbroß auch nicht die Andern: fie waren jung, er alt; Doch ließ fie ihn nicht merken, daß er dafür ihr galt. Er ſchien fi zu verjüngen indem er bei ihr faß, Sie zog ihn in Geſpräche, daß er der Jahre vergaß.
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Dem Alter hilft zu Jugend des Weins berebter Saft, Scheintobte zu beleben hat auch die Schönheit Kraft; Hier hatten fidy verbündet die Schönheit und der Wein: | Herr Salmann ward ein Süngling, denn Bolfriane ſchenkt' ihm ein. Der grämlich war und mürrifh, verbroßen, lebensmüd, Den ſah man heiter, fröhlich, entſchloßen, luſtdurchglüht. Dem ſonſt die Rede ſtockte, dem floß es nun vom Mund, Selbſt hohe Schwüre lockte dem Lieb und. Wein aus Herzensgrund. „hr jagt mir viel,” begann fie und nüßte wohl die Zeit, „Wie ihr fo treuergeben mir wärt und bienjtbereit; Doch ſollt' es fi erweifen, man fänd euch nicht zu Haus. „Ihr Tennt mich ſchlecht,“ verſetzt er und trank den Golbbecher aus. „Stellt mich auf eine Probe, ich befteh fie ficherlich.“ „Wohlan, auf Eine Frage,” ſprach fie, „beicheidet mid: Wozu ift diefer Schlüßel, der euch im Gürtel ſteckt? Er tft fo groß und mädtig, daß mich fein Anblid erjchredt.“ Er ſprach: „Es iſt der Schlüßel, der meinen Zwinger ſchließt: Der Freche ſoll verfhmacten, der all mein Wild geſpießt.“ „Iſt viel daran gelegen, daß er euch nicht entipringt? Das freut mich: fo erfahr ih ob ihr ein Opfer mir bringt. „Ich bitt euch um den Schlüßel und den gefangnen Mann.“ Er ſprach: „Sch wills geftehen, es liegt mir viel daran; Doch gilt bier kein Bedenken, denn es ift Eur Begehr. Ich will den Thurm euch fchenten; nur fag ich Eins euch vorher:
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J 106 „Gar wenig mag euch frommen womit ich euch begabt, Wenn ihr ſie zu befreien nicht ſchnelle Boten habt. Sie ſaßen eine Woche bei Einem Laibe Brot Und find fie nicht geftorben, fie tödtet bald die Hungersnoth.“ Sie nahm von ihm den Schlüßel und fagt’ ihm freundlich Dan. Gar bald von feiner Seite, der lang noch ſaß und trank, Schlich fie fi) weg und ſuchte den Grafen Eberwin: Sie warfen ſich zu Pferde und flogen pfeilfchnell dahin. Bom Schwarzwald gieng zum Maine die Reife Tag und Nacht: Zu Würzburg warb im Zwinger der Gefangene bewacht. Sie ſchenkten ihm das Leben, der fchier verichmachtet Tag: Aus Bolfrianens Augen fchien doppelt Hell ihm ber Tag. Er ſah ihre Züge nicht heut zum erftenmal: So war ihm oft erfchienen, der Schönheit vollſter Stral, Ein Weib auf weißer Hinde beim Abenbfchein im Wald: Bor einem hohlen Berge verſchwand die holde Geftalt. Wohl hatt ihn vor der Schönen Edart einft gewarnt: Gar viel der Herzen babe das Trugbild ſchon umgarnt. Er nannte fie Frau Benus, eine arge Zauberin: Der ſei gewiſs verloren, dem fie bethöre den Sinn. Andern hieß fie Freyja, und die geringfte nicht Von Asgards hehren Göttern; gütig, mild und licht Wurde fie gepriefen und allen Menfchen bolv; Unfelig fei, der niemals der Liebeögöttin gegollt.
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107 Herr Iran glaubt‘ ihm gerne, der Gutes von ihr Sprach; Sie zog ihn oft verfchleiert in Waldesnacht ſich nad). Run kam fie, ihm die Bande zu löfen, unverhüllt; Er ftand erftaunt, betroffen als wär ein Traum ihm erfüllt. Aus großen Augen lange hatt er fie angeſchaut Mit brünftigem Berlangen wie feines Herzens Braut. „Dit du vom Himmel,“ ſprach er, „zu Hülfe mir geſandt? Frau Benus, oder hörſt du dich Lieber Freyja genannt? „Mein Troft war dein Gedächtniſs allein in diefer Noth: In Asgard dich zu ſchauen erwünſcht ich mir ben Tob. Run fchentfi du mir das Leben: o ſchenke Dich dazu, Mein Herz ift dir ergeben; bei bir nur findet es Ruh. „Fliehe mich nicht wieber wie du mich flobft im Wald! SR in den hohlen Bergen dein liebfter Aufenthalt? D weil auf grüner Erbe! unheimlich ift es dort.” Sie ſprach: „Du redeſt irre, ich verftehe kaum ein Wort. „Sch heiße Bolfriane, Frau Venus bin ich nicht. Iſt fie die wohl erfhienen mit meinem Angefiht? Die Sraufame weidet ſich gern an Andrer Qual: Sieh, dieſes Bild, dir gleicht e8 und gleicht nicht meinem Gemahl, „Doch glaubt er es, es glauben es Viele, die es fehn: Das mag wohl durch ein Blendwerk der Zauberin gefchehn. Als Harlungs Bildniſs ward e8 mir einft zum Drachenſtein Gefendet mit dem Werber, der mich dem Herzog follte frein.
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108 „Das Bild fprach mir zum Herzen, ich fagte freudig Ja Und verlobte mich dem Herzog, den ich nicht jelber ſah. Die Hochzeit ward begangen, der Bräutigam mar fern, Das Bett befchritt der Werber an ber Stelle feines Herrn. „Ich lag an feiner Seiten und zwifchen uns ein Schiwert. Da dacht ich mir den Gatten wie mich das Bild gelehrt. Als ich ihn ſah in Breifah, da glich ihm nicht ein Zug; Doc ift er felbft unschuldig, er weiß von feinem Betrug. „Frau Venus war im Spiele, fie iſts, die uns betrog; Sie wirkte, daß dieß Bildniſs mir deine Züge Iog. Es log fie deinem Bruder und lügt fie bir vielleicht; In Breiſach ſchwören Alle, daß ed dem Herzogen gleicht. „Bielleicht find Sie geblendet, Wir aber fchauen Ilar. Braun ift do Herr Harlung von Antlig, Aug und Haar, Und bier find belle Augen "und lichter Locken Pracht, Dazu ein lautres Antlig: das bat Frau Venus erdacht. „Sie ſinnt uns zu verderben mit teufliſcher Liſt: Ich habe ſagen hören, daß ſie ein Teufel iſt. Auch dich will ſie umgarnen, die oftmals dir im Wald, O Jüngling, laß dich warnen! erſchien in meiner Geſtalt.“ Er ſprach: „O ſchelte Freyja, die Himmliſche, nicht ſo: Uns führte ſie zuſammen, des bin ich billig froh. Dieß ſind nicht Harlungs Züge, du wurdeſt Mir vermählt: In dieſem Bilde haft du zum Gatten Mich dir erwählt.”
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109 Eie ließ ſich nicht bereven und Sprach: „ch bleib ihm treu. \ Den beilgen Bund zu brechen verwehrt mir fromme Scheu. Sch will nach Breifach kehren und dich nicht wiederſehn. Die Brüder fprachen Beide: „Das könntẽ ſchwerlich gefchehn.“ „Wir müßen auch nad Breiſach meil da Herr Ebel meilt.“ Da ritten fie zufammen und hatten® bald ereilt. Unterweges nahm fie von feiner Hand den Ring, Den von dem Landgrafen einft Salmanns Tochter empfieng.
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110 - tunfzchntes Abentener. 8 Wie Dietleib Herrn Walthers Haupt gewann. Die deutſchen Fürſten waren verſammelt allzumal, Bon da gen Rom zu fahren, in Herzog Harlungs Saal: Sie bradden auf, der Helden wohl zwanzig ober mehr; Mit ihnen auch die Grafen und der Knappen fchier ein Herr. Ekel und Dietrid und Harlung fein Ohm Und Salmann der König, die fuhren all gen Rom. Bei Dietrich mar Heime, fein Freund und Genoß: Den beiden wahrte Dietleib das Heergerätb und das Nofe. Die Kaiſerſtadt erritten bie Helden an dem Tag, Wo da beginnen follte des Kaifers Hofgelag. Sie fanden aufgefchlagen manch köſtliches Gezelt Und in des Kaiſers Sälen die höchſten Yürften ber Welt. Bon Königen und Grafen mar die Hofburg voll: Da ließ fie Ermrich pflegen tie man Fürften fol. Deriveil lag bei den Ställen fernab das ngefind In weiter Herberge, Manches edeln Ritters Kind.
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111 Eie wuflen wann am Hofe warb Brot und Fleiſch gefaßt. Doch Dietleiben daucht' es zu große Weberlaft Da immer binzulaufen; ihm rieth fein ftolger Muth, - Er woll inzwiſchen zehren von feinem eigenen But So lang eö reichen möge: „fo kommt mir dann vielleicht Schon wieder was zu Handen, wenn e3 nicht länger reicht.“ Als nun am erften Tage begann das Gaftgebot, Zu Markte gieng Dietleib, der dreien Knappen gebot, Wein und Mil zu kaufen, Brot, Fleiſch und Fiſch Die Hülle und die Fülle, daß jelbit des Kaiſers Tiſch Mit Ehen und mit Trinlen nicht befer war beftellt Als feine Tafel zierte der junge freudige Held. Da lud er all die Knappen und Mannen zu ſich em, Das fahrende Gefinde, die Sänger Groß und Klein, Die Blinden und die Lahmen, Niemanden trieb er aus, So viel ihm Gäſte kamen, die bat er alle zum Schmaus. Sn taufenb Freuden lebt’ er drei ganze Tage fo; Die mit ihm leben durften, die macht’ er alle frob. Da war am vierten Tage das Gut zumal verzehrt, Das er von Haufe Hatte, und das ihm Sintram verehrt. Doch war er fein Gelage zu enden nicht bebadht, - Dieweil des Kaiſers Gaftmal beftund in voller Pracht. Er gieng zu Markt und Taufte was er da Gutes fand Und ſetzte Heimes Waffen für zehn Marl Goldes zu Pfand.
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Hebräiſch muſte lernen der gute Nagelring Und Rispa, den Diſa von Windalf empfieng. „Gottswunder,“ rief der Hauptjud, als er beſah den Schatz: „Das Gutchen ift das Goldchen wohl dreifach werth auf dem Plat „Wie fol dns Pfandchen Iöfen ver Knapp? mo nähm era ber’ Daran gedachte wenig der junge Degen behr. Er fann nur wie er jchmüde fein köſtlich Gaftgebot; Wovon er morgen zehre, das ſchuf ihm heute nicht Roth. Es währt! auch kaum bis Morgen, fo war ed all vertban: Er hatte fo viel Helfer; die machten reine Bahn. Das fchuf ihm aber Freude, er ſah nicht ſchel dazu; Nur muft er wieder füllen die öden Schlünde der Truh. Da gieng er nach dem Stalle und nahm da Wittichs Rofs, Schimming den fchnellen, der Sleipnern entiproß, Und all das Heergerätbe, Wielands Gebild, Nahm er aus der Kammer, das Schwert, den Helm und den Schild. Die ſchickt er dem Hebräer und nahm dafür das Gold. Da warb ibm der Hauptjub erft recht von Herzen hol: Er zahlt! ihm zwanzig Marten dafür auf Einem Brett. Er dacht: „Es muß verfallen, bie Schuld wird anders nicht wett.’ Da rüftete der Degen ein wonniges Mal, Mit Seid und Sammt umbängt' er der Herberge Saal Und ließ fich nicht gereuen ben tbeuerften Kauf. So lebt’ er noch zwei Tage mit Freuden herrlich und vollauf.
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113 Die Trub war wieder ledig, man ſah ihr auf den Grund; Doch währte noch der Reichstag, das Hofgelag beftund. Schon fieben Tage hatt es beſtanden und noch zwei Sollt es beftehn: am zehnten erft war die Hochzeit vorbei. Man fol nicht Schmählich enden mas herrlich begann: Aus vollen Händen fpenden gefiel dem jungen Mann. Er mwufte noch den allen, Dietrichs Roſs, im Stall Und wuft in der Kammer die ebeln Waffen noch all. Da gieng er mit den Anappen zu Markte wohlgemutb: Das waren Lederbißen, momit er fie belud! Das Theuerfte, dad Beſte mar eben gut genug; Da war bald gemarftet, er gab nicht mehr als man frug. Und fand er auf dem Markte für zwanzig Pfennig feil Was einer laufen wollte, dem ward es nicht zu Theil: Er bot vierundzwanzig eb er es Andern ließ, Und wars des Kaiſers Schaffner, dem er folden Hohn erwies. Eh Alles war beifammen zu feines Males Luft, Zum Hauptjuden hatte Herrn Dietrichs Hengft gemuſt Mit Hildegrein den Helme und Eckeſachs dem ‚Schwert; Gehenk und Scheib alleine waren Tonnen Goldes werth. Durch des Gewölbes Dunkel als wär es voller Tag Schien hell der Karfunkel, der auf dem Helme Iag- Der Jude mochte. laden, dem man die Pfänder gab: Er zahlte dreißig Marten und zog die Binfen nicht ab. Eimrod, das Amelungenlied. 11. 8
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’ 114 Da mehrten fih die Köche, die ber Jüngling hielt; Wie ward ihm über Tifche gefiebelt und gejpielt! Wohl dreißig hundert Bäfte zählt‘ er in feinem Saal: Die zechten all aufs Beite, fo lange währte das Mal. Und als fie taumelnd fchieden, dba faß noch Dietleib lang Und horcht' eines Spielmanns entzüdendem Geſang. Wenn er die Töne lodte, fo ſchwoll ihm hoch die Bruft, Des höchſten Adels warb er fich ftolz und felig bewuſt. Iſang bieß der Spielmann, ver ſolche Wunder that; Er war ihm fchon begegnet vorbem auf waldgem Pfad. Damals hatt er Eile; jegt ließ er ihn nicht fort: Wohl ewig möcht er laufchen feiner Weil und feinem Wort. Er ſprach: „Ich kann nicht Iohnen fo ebler Himmelstunft ; Doch will ich wenig fhonen zum Zeichen meiner Gunſt.“ Er gab ihm einen Golbring, der war brei Marken wertb; Auch ward mand) Kleid von Burpur mit goldenem Saum ihm verehrt. Die Ehrenkleiver waren? Dietrich des Königsſohns. Der Spielmann nahm fie gerne und freute ſich des Lohne. Wie heute noch ein Sänger tar er ein ſchlechter Wirth; Man läßt ihn lieber darben, weil er doch nicht reicher wird. Nicht alfo dachte Dietleib, er war den Sängern hold: Nicht Einen ließ er fcheiden, er gäb ihm benn fein Gold. Er dachte: „Mags nicht frommen, es muß fie doch erfreun: Wie fehr verdienen Freude, die uns die Sorgen zerſtreun!“
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| 115 Die Wirtbichaft und das Prangen ließ nad am andern Tag: Mit Ehren war zergangen des Kaifers Hofgelag. Nicht länger konnt au währen Dietleibs Gaftgebot, Zumal fein Herr am Morgen zu Hof den Knappen enibot. Der trat vor Dietriden und frug, was fein Begehr? Da fprach von feinen Waffen der eble Degen hehr: Die follt er eilends rüften, ihm und dem Heergefind, Dazu die Roſſe fatteln: „Wir müßen reiten gefchwind: „Der Krieg ift beichloßen; doch will ich erft nach Bern.“ Da ſprach zu Dietrihen der Knappe: „Herr, gar gern; Doch müßt ihr erft bezahlen das ich verzehrt, das Gelb, Dieweil ihr auf dem Reichstag dieſen Fürften wart gefellt. „Denn Wir und andern Anappen war doch Zehrung Roth, Die nicht befuchen durften bes Kaiſers Gaftgebot; Und an den Hof zu laufen und ftäts die Koſt daher Zu holen, dauchte billig mich allzugroße Beſchwer, „Zumal die Rom viel Winkel und. krumme Wege bat, Die nie mit einem Fuße meines Vaters Sohn beirat.“ Sprach Dietrich: „Noth ift freilich, daß bu den Hunger ftillft;. Doch fage, wieviel ift es, das du bezahlt haben willſt?“ „Das ift nicht viel,“ ſprach Dietleib, „auch hab ich wenig Acht, Db ihr mir das erftattet was ich bieher gebracht Und bier zuerft vergehrte: des Goldes dreißig Marl; Es war mein eigen freilich, was aber liegt an dem Quark?“
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, 116 „Doch die ich dann verzehrte, die ſechzig Marten Gold, Die mögt ihr wohl dem Juden bezahlen, wenn ihr wollt. Ihm Steht dafür zu Pfande Heimes Roſs und Schwert Für zehn Mark Gold; e8 wäre wohl noch das Dreifache werth. „Dann Wittichd Rof und Waffen für zwanzig: Gurt und Baum Am Pferde zu bezahlen veicht foldyer Bettel kaum. Zulegt Dein Roſs und Waffen für dreißig Mark: der Filz Bon einem Hauptjuden! für deines Schwerte Gehilz „Wulſt ich dir mehr zu fchaffen. Dazu bein beftes Kleid Gab id; einem Spielmann; doch war es ihm zu meit, Die andern faßen beßer: bie gab ich in den Kauf Und einen fohönen Golbring. Der Pförtner ſchloß mir nicht auf,
„Als ich jebt kam zu Hofe, und Eil war bein Befehl: Da fprengt’ ich die Pforte, des hab ich dir nicht Hebl, Mit meinem linlen Fuße, daß fie den unfanft traf, Der fie bewachte drinnen; ich weiß nicht, war es ein Graf? „Mit breiten Golbborten war Kleid und Hut befet. Da wurben gleich die Hunde im Hof nad mir gebekt; Die Kellner und die Köche thaten mir den Schimpf Des todten Grafen willen: das ertrug ich nicht mit Glimpf. „Bei den Füßen nahm ich Einen und fchlug zivei Andre tobt; Auch dünkt mich, läßt der dritte mic, künftig ohne Roth. Das weiß ich wirft du billigen und gern mein Anwalt fein; Es wäre nicht gefchehen, ließ man mich zeitig herein.“
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117 Jetzt erſt bebauchte Heimen, er babe diefen Mann Schon früher kennen lernen — als er fo ſchnell entrann. Ihn aber hatte Dietleib im erften Blid erlannt Zu Breifach, jehr verwundert, daß er Heime wär genannt. „Run fcheint mir,“ Tprach da Stubas, „wir haben ſolchen Knecht In unfern Stall genommen, wes ſich der auch erfrecht, Bir müßend von ihm dulben, und ob er in den Mift AU unfre Waffen träte, er bliebe doch was er ift.“ Da erhob fih Der von Berne und trat vor Ermenrich: Er ſprach: „Herr und Kaiſer, wozu beftimmft bu bich? Willſt du das Geld bezahlen, das unfre Roſſe bier Und das Gefind verzehrte, dieweil wir tagten bei dir?“ „Bern will ih das bezahlen,“ ſprach der Kaiſer hehr: „Rufet meinen Kämmrer, den treuen Sibich ber, Und laßt euch ausbezablen mas es betragen fann. Was kann es denn betragen? er greift nicht gerne ſich an.“ „Fragt diefen Burſchen,“ fprach Dietrich zu dem Ohm. Da ſprach zu dem Knappen der höchite Vogt von Rom: „Zaß hören, junger Burfche, wieviel haft bu verzehrt Bei diefem Hofgelage?" Er ſprach zum Kaiſer gelehrt: „Herr, was ich bier verzehrte von meinem eignen Gut, Das find nur dreißig Marken: wenn das auch noch beruht, Es ſchadet nicht und findet ſich wohl ein andermal; Doch außerdem verzehrt‘ ich noch ſechzig Mark: die bezahl,
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118 „Denn Roſs und Waffen fieben zu Pfande meines Herrn Dafür und der Gefellen: vie löften wir doch gern.“ Da rief der Kaiſer zornig vom boben Sit ihm zu: „Wie, dreißig Marl, und fechzig? was für ein Dann denn bift du, „Daß du fo viel vertbun darfft in einer Woche Ziel? Mas kannſt du jo Großes verrichten und fo viel, Das ſolchen Aufwand Iohnte? du bift ein theurer Gaſt! Ein Wechfelbalg nur hätte, nur ein Narr jo viel verprafät.“ Da ſprach er zu dem Kaiſer: „Es war noch allmärts Braud) Wohin wir jemals kamen, und ift e8 bier wohl auch, In edler Männer Kreiße, daß fie mit keinem Mann So lang geſprochen hätten als eure Rebe ſich ſpann, „Ohn ihn zu Tiſch zu bitten, wenn er noch nüchtern war. Ich bin noch ungegehen, das fag ich euch fürwahr.“ Er ftand und ſah dem Kaifer ins Antlig frei und frank. „So bringt ihm,” ſprach Herr Ermenrich, „die Speife denn und ' den Trank.“ Das mufte gleich geſchehen: ihm warb ein Tiſch gebedit: Da aß er wohl für Dreie, fo hat e8 ibm geſchmeckt. Und Weines warb ein Humpen fo groß ihm dargebracht, Daß kaum zu tragen mufte ber Schenk die goldene Pracht. Den nahm er an und trank ihn in Einem Zuge leer. Der Kaifer und Dietrih und die Mannen rings umber Sahn ihm zu und flaunten was Alles ihm gelang. Ä Er merkt’ es nicht und that ſich bei feinem Mal keinen Zwang.
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Da war ein Nitter, Walther genannt vom Wasgenftein, Er mocht in Spanien König ob Gothenftämmen jein, Der für der Helden Kühnften in manchen Landen galt, Ein Neffe des Kaiſers, gewandt und hoch von Geftalt, Der ſprach: „Was kann denn diefer, der bier fo troßig fikt, _ As Schlemmen und Demmen? Wenn er anbre Kunft befigt, Das fol er ſchauen laßen und zeigen feine Kraft. Kannſt du den Stein werfen oder Ichieken ven Schaft?“ „3% kann es mit euch Allen zur Wette,” ſprach der Gall. „Wohlan,“ ſprach der Spanier in zürnender Haft, „So follft du diefe Spiele mir zeigen gleich zur Hand: Mein Haupt fer dir verfallen, wenn mich dein Spiel überwand. „Du feße deins bagegen, und kannſt du, mie du pralit, Mich nicht im Spiel beftehen, mit deinem Leben zahlſt Du bier den unerbörten, verivegnen Webermutb, Und nie binfort verſchwenden ſollſt du jo herrliches But, „Als du vergeuden burfteft bei vielem Hofgelag, Und einem Fürften wieder, bu lebft nicht an den Tag, Soft du noch ſolche Schande fügen, foldhen Spott, Wie du dem Kaiſer thateft: beine Wirthſchaft war ja, bei Gott! „Roh Eins an allen Dingen fo prächtig jeberzeit Als des Kaiſers felber! das ift Bermeßenheit Bon einem Wann, der mehr nicht bedeutet ala du ſcheinſt, Wietvohl du ung mit Keckheit hier zu verblenden wermeinft.“
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120 „Zwar fteht beſcheidne Rebe,“ ſprach Dietleib, „Allen gut, Doch diefen Kampf zu wagen gebridyt mir nicht der Muth. Wie es nun auch ergebe, fo wird doch offenbar, Wer hier von uns der ſtärkſte und ber gewandteſte var. „Kann ich dich nicht befteben, fo fährt mein Leben bin, Der Welt ift dann mein Sterben kein großer Ungewinn; Auch mögen meine Freunde verfchmerzen den Berluft, Wenn Kraft mir nicht im Arme, nicht Muth mir wohnt in ber Bruft.” Sie giengen vor die Halle und fanden einen Stein, Zwei Schiffzpfund mocht ex wiegen, er war aud mäßig Hein. Herr Walther wägt' und warf ihn aus feiner ftarlen Hand: Da flog der Stein, neun Fuß weit hatt ibn der Degen entfandt. Dietleib war vertuogen, er hatt auch große Kraft, Bon ſolchem Spiel verftand er mehr ala von Nitterfchaft. Er nahm den Stein und ſchleudert' ihn ferner Einen Fuß: „Kannft du ihn mweiter bringen,“ ſprach er zu Waltbern, „fo thus.“ Der Weftgothe zümte: ba mehrt' ihm Zorn bie Macht. Er warf: da hatt er weiter des Steines Wucht gebracht: Dreizehn Fuß weit wälzt' er bie ungeflige Laſt. Da warf ihn achtzehn Fuß weit Dietleib der herrliche Gaſt. „Willſt du es mehr verfuhen? Die Stärke kommt uns erft. Allmaͤhlich lern ich werfen wie du mich werfen lehrt.“ Das wollte nicht Herr Walther: er fühlte ſich am Ziel Mit feiner Kraft, gewonnen gab er dem Yüngling das Spiel.
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- 121 Das hörten all die Ritter, . dazu der Kaifer hehr, Herr Dietrich und Herr Etzel, und munberten ſich febr. Ein ander Spiel ertheilen muft ihm ber edle Held, Und bier den Preis erfiegen, ſonſt war fein Haupt ihm verfällt. Da neigt er fih Herrn Ebel, der vor dem Saale jaß, Und bat im um bie Stange, die ber nie vergaß Dem Heer vorauf zu führen, wenn es zum Sturme gieng: Es war die Bannerftange, daran des Königs Fahne bieng. Die Stange war gewaltig, hoch wie ein Tannenbaum: Der ftärkite Mann umfpannte fie mit den Händen kaum. Da erwies Herr Walther wieder des ftarlen Armes Kraft: Durch die Konigshalle fchoß er den mächtigen Schaft Bon einer Wand zur andern. Das mar ein ſchweres Spiels Des Sanles Eftrich vröhnte, da er zu Boben fiel. Das prie® man body; auch büßte der meifterliche Schuß Um bes Neffen Unfieg des Kaijers erften Verdruß. Da nahm die Bannerftange Dietleib vom Boden auf Und fchoß fie durch die Halle zurüd; in fchnellem Lauf Lief er zum andern Ende bis vor das offne Thor Und fieng den Schaft, den fchweren, in den Lüften auf davor. Da rief von Spanien Walther: „Das thu ein Andrer nad)! Du baft das Spiel gewonnen, leid ift mir was ich ſprach Bor diefen Fürften allen; dein Sieg tft mir nicht leid: ft gleich mein Haupt verfallen, mich freut, daß Kraft noch gedeiht.“
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122 Da ſprach der Kaiſer Ermenrih: „Wie hätt ich das geglaubt? — Nun laß mich, guter Degen, meines Neffen Haupt Mit Gold und Silber Iöfen, und wär es noch fo viel, Daß ſich nicht blutig ende dieſes ritterliche Spiel.“ „Verhüte doch der Himmel,“ ſprach da Dietleib, „Daß der geringfte Bauer um unjern: Beitvertreib Sein Haupt verlieren müfte, geichtveige ſolch ein Held. Sch geb es bir, bezahl es, Herr, wie dir felber gefällt. „Durchaus aber muft bu die Waffen meines Herrn Und der Gejellen löſen; auf Mehr verzicht ich gern; Die guten Roſſe freilich dazu, die ich verfegt: Das halt ich aus; zu niebrig ift doch fein Haupt noch geichäßt.“ „Gern geb ich,“ ſprach der Kaifer, „auf die Bedingung ein: Bor Gott und vor den Menichen ift Lob und Ehre bein. Ich felbft will dir vergelten fo wohlfeilen Kauf: | Der du ein Anappe beißeft, knie bin und fteb als Nitter auf. „Mein Kämmrer zahlt dir Alles was bu von Haus gebradt, Mein Schneider mißt bir Kleider von fürftlicher Pracht ; An Hof haft du mit Fürften hinfort auch gleiches Recht. Doch fag uns deinen Namen und deines Baters Geſchlecht.“ Er ſprach: „Ich log dir, Dietrich, nicht Länger hab ichs Kehl, Ich wär geheiken Amelrih und mein Vater Hildemel. Mein Ram ift aber Dietleib, aus Holftein ftamm id) ber, Mein Bater heißt Biterolf: dem dankt ich Alles bisher;
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123 Die Ehre dank ich lieber allein der eignen Sand.“ Da berzte den ungen der alte Hilvebrand. „Ich Tannte deinen Bater, und deinen Schwäher auch; Mich wollteſt du nicht lennen: das iſt unfreunblicher Brauch. „Ich bin doch bein Oheim, : du bift mein Neffe doch, Und find wird nicht ſchon heute, mir werdens Fünftig noch). Schön Xelinde trauert, ihr währt zu lang bie Frift: Steh, daß du kein Fremdling bei den Amelungen biſt!“ Da drängten ſik ſich Alle, mit dieſem werthen Gaſt Brüderſchaft zu trinlen; das Drängen müht' ihn faſt. Doch ſollt ihn nicht verdrießen der Sieg, den er gewann, Denn Dietrich nahm ihn jetzo zu ſeinem Stallbruder an. Da ſprach der Schatzmeiſter zu Kaiſer Ermenrich: ‚ „Dein Haupt: und Hofjude Schwarzſchild weigert ſich, Die Pfänder auszulöjen als gegen baares Gelb; Du weit, damit ifts übel in unfern Truben beftellt. „Diefer NReichötag Loftet meit über bie Gebühr; Nie Hat das Schwert geroftet, nun ift gar vor der Thür Ein neuer Krieg: wo will das hinaus, wenn Er nicht borgt? Er löſt die Pfänder ungern, drum bin ich wirklich beforgt. „Er bat fich wohl verſprochen unmäßigen Gewinn: Nun da fie nicht verfallen iſt all der Nuten bin. Nur eine Freiherrnkrone — fie koſtet uns ja nichts” — Der Kaiſer ſprach: „Mit Freuden: was giebt e8 leichtern Gewichts ?“
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124 Sechzehntes Abentener. Wie Wildeber entzaubert ward. Was wir verheißen haben vordem im erſten Lied, Von Wieland einſt zu ſagen ob ihm der Flug gerieth, Das mag ſich heut erfüllen: Herr Dietleib iſt der Mann, Der aus Iſangs Munde von ihm die Kunde gewann. Dietleiben wurde Wittich vorgeſtellt, Wielands Sohn, des Schmiedes: dem glaubte nicht der Held. Er ſprach: „Ich weiß es beßer, daß es Herr Iran iſt: Er bat gar ſcharfe Züge, bie man fo leicht nicht vergißt. Sie Sprachen: „Wittich ift es, du kennſt den Degen ſchlecht Darob erzümte Dietleib und ſprach: „Was ihr doch ſprecht! Hier ift der König Etzel, der fol mir Zeuge fein; Er muß den Grafen Innen: wie würd er fonft ihm Fahnen leihn? „Run fagt mir, Herr Etzel, iſt bieß Herr Iran nicht, Bon Brandenburg der Markgraf? er fteht in eurer Pflicht. Sie wollen mich beihören als ob es Wittich wär.“ Freilich iſt es Iran, ſprach Ekel der König hehr.
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125 Der Ofifranten König, Herr Salmann flimmt' ihm bei, Und andre beutfche Fürſten, daß es Herr Iran fei. Das wunderte von Berne den ebeln Dieterich: Er ſprach: „Run rede, Degen, wofür hält bu felber bich? „Sag uns, bift du Wittich, bift du ein andrer Gaſt, Und ob du Doppelgänger vielleiht am Elbftrom haft?“ Da ſprach der Sefragte: „Mich wundert biefer Streit, Ich hieß doch immer Wittih und gedenk auch nie ber Zeit, „Da man mich anders nannte. Sch fah euch bier in Rom Zuerft, Herr Esel, niemald noch an der Elbe Strom. Doch ſprachen bier fchon Andre mich für den Grafen an; Ich glaube, geftern Morgen habt ihr es jelber gethan. ⸗⸗ „Ihr fragtet, wo der Landgraf denn wär, Herr Cberwin: Das konnt ich euch nicht ſagen; wie mir die Frage, ſchien Wohl euch die Antwort ſeltſam: ihr ſchütteltet das Haupt, Da ich die Achſeln zuckte als wär mir Sprache geraubt.“ Da rief der König Etzel: „Wenn du nicht Iran biſt, Wo mag denn JIran weilen? Wahr iſt es, längft vermiſst Hab ich den Landgrafen: weiß Niemand wo fie find?“ Sie fuhren Büffel jagen, ſprach des Königs Ingefind. „Vielleicht, daß Ich das Räthſel,“ ſprach Dietleib, „Iöfen mag. „Ich dachte nicht, es käme durch mich erſt an den Tag, Daß ihr Brüder wäret. Wie Wieland der Schmied Zwei Wittiche zeugte, davon weiß ang manches Lieb.
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126 „Wittich von ber Aue, den Elfweiß ihm gebar, Der ift e8, den ihr ran nanntet immerbhr. Eberwin der Landgraf ift Schwanweißens Kind: Sie gelten hier für Brüder, die Geſchwiſterkinder find. „lang ift, der Spielmann, ber britten Schweſter Sohn, Der dieß mir hat gefungen; was burft ich meinen Lohn Ihm nicht auf Schilden reichen? er ift ein Sänger gut; Mit Worten und mit Werfen erhöht er Mandem den Muth.“ „Er bat es wohl erdichtet,“ warf ihm Wittich ein. „Bon Eigeln börte fagen Batbilb die Mutter mein, Schwanmweiß blieb unfruchtbar: es hat fie ſtäts gekränkt, Und Ihn, der Heilfunft Meifter, daß fie fein Kind ihm gefchentt. „Die wäre nun der Landgraf ein Sohn von Schwanenteiß?” „Da fagft du mir nicht? Neues,” ſprach Dietleib, „ich weiß Es jelbft aus Iſangs Munde, wie lang fie finberlos Mit Thränen hat befeuchtet den ungejegneten Schooß. „So war es dort in Wolföthal; auch in den Auen blieb Es lange fo, ala Helferih, ver ſchönen Frau zu lieb, Die heimlichen erflogen. Einft kehrt' er von der Jagd Mit einem Wildeber, den er zu Falle gebracht. „Der Schweitern Kinder fpielten vor ihr im Abendfiral: Da legt’ ihr vor die Yüße die Beute der Gemabl. | Sie ſah die Kinder ſehnlich und ſah das Waldthier an | Und bat die Götter weinend: „O laßt ein Kind mich empfabn
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127 „Und wär es nur ein Eher!” Das war fein fromm Gebet; Doch warb ihr bald zu Theile das Kind, das fie erflebt. Aus Tagen wurden Moden, aus Wochen Monden ger, Sie fühlte fchon ein Pochen, eb halb erfüllt war das Jahr. Drei Monden noch: wie trübte ber Eltern Freude ſich! Eie hatt ein Kind geboren, das einem Eber glich. Der Bater wollt es töbten, das litt die Mutter nicht: Sie Tonnt es mehr nicht lieben, hätt es menfchlich Angeficht. Sie herzt es viel und zog e8 an Mutterbrüften groß; Gern legt’ e8 ihr die Pfoten, den Rußel in den Schoof. Sie ftridh den borfigen Rüden herab mit linder Hand; Den Schweif beiveg?’ e8 freudig, wenn es ihr Schmeicheln empfand. Run fieng ed an gu ſprechen; das war ein Grunzen mehr; Und wälzte fi im Schlamme zu feiner Luft umber. Kam e3 dann beim zur Mutter, fo ward ihr Kleid voll Schmuß; Das litt fie doch geduldig und wars der fauberite Puß. Gern bielt e3 fih zu fang, wenn er die Flöte blies Und auf der Harfe Saiten die Finger tanzen ließ. Dann lauſcht' es mit Behagen und fpigte wohl das Obr; Zu feinem Harfenſchlagen ein Grummen bradıt e8 hervor Als dächt es zu begleiten mit feinem Sang ben Klang. Das mochte wohl erfreuen den guten Yang: Da ließ er ihn gewähren, wenn felber Helfrichs Sohn Dem Spiel mit plumpen Fingern entloden wollte den Ton.
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128 Sie ſchienen zu den Dingen nicht eben wohl gemadt, Die Saiten wollten fpringen: oft rief er: ſachte, fact! Doch gönnt’ er ihm auch Lehre und zeigt’ ihm manchen Griff: Da war ed gar ein Wunder, wie bald er Alles begriff. „Gewagt ift halb gewonnen, am Ende geht e8 doch! Du haft es frifch begonnen, ein Meifter wirft du noch. Den macht die Uebung häufig: mit Ueben bör nicht auf, Bevor du ganz geläufig den Triller fannft und den Lauf.“ Es fehlte nicht dem Schüler am Fleiß nod am Geſchick: Er nutzte fi zu üben fchier jeden Augenblid. Man ſah ihn fo verfeßen, er that ſich nie zu viel, Ward Trinlen auch und Ehen vergeßen übe: dem Spiel. Das Ehen und das Schlafen; er fpielte Tag und Nadıt. Bald hatt ers ohne Strafen zur Meifterfchaft gebracht. Die ihn als wüſt verwarfen, weil er der Wildſau gli, - Vernahmen fie fein Harfen, wie verwunderten fie fich! Einft ſpielt er eine Weiſe voll feliger Rub: Da fonnte fi) am Strande ber Nix und hört’ ihm zu. Die Weile gieng zu Ent:: da Sprach der Nie: Wie fchön! D fpiele das noch einmal! es ift entzüdend Getön. \ Wildeber fpielte die Weife noch einmal. Wie wohlig war dem Elfen im warmen Sonnenftral! Es Hang ihm fchön und fhöner, am Schönften Hang der Schluß: Doc wieder wars zu Ende: das fchuf dem Nige Berbruß. |
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129 „Roh einmal,” rief er, „ipiel es, noch einmal mir zu Lieb.” Er gewährt ihm nicht die Bitte. Als die verfagt ihm bieb, Der Elfe tauchte fachte hinab ins feuchte Haus, Doch Tehrt’ er bald und brachte ven fchönften Armring heraus. Den bot er ihm zum Lolme und fprad: Für biefes Gold Magft du mir gerne fpielen: bu wirft mir einft noch hold. Da fpielt! er ihm die Weile noch einmal für den Ring. Noch kannt er ſelbſt ven Schatz nicht, den er zum Spiellohn empfieng. Er lam nad Haus und zeigte ber Mutter das Geſchenk: Des eignen Schwanenringes ward fie da froh gebenf. Sie Sprach: „rag ihn am Arme, wenn du zu Bette gebft: Wir iverden frei vom Harme, bevor du morgen erftehft.“ Da wies fie ihm ein Bette, das war gar weich und warm: Er burg fih unterm Flaume den Wunderring am Arm. Bald jchlich die Mutter wieder zu ihm um Mitternacht: Sie zog den Armring nieder: da war ber Zauber vollbracht. Mit dem Ringe löfte fi ihm die Eberhaut: Sie hatte Ichönern Jüngling im Leben nicht geichaut, Als der mit ſchwarzen Haaren auf weißem Linnen Ing; Er war auch ſchwarz von Augen, als ihn erweckte der Tag; Doch fonft von lichtem Anılig, die Hände weiß. und fein, Die Bruft von hoher Wölbung und die Geftalt nicht Klein; Die Rafe fanft gebogen, die Arme ſtark und did Und breit die Ellenbogen, ein Mann voll Kraft und Beichid, Simrod, das Amelungenlied. 1. 9
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130 Als fie das Wunder fchaute, wie lieh ihr da geſchah Er freute fich der Wandlung auch felbft, als er ſich fab. Herr Etzel wird mir zeugen, er ift ein jchöner Mann, Wilveber sber Ebertvin, wie bier er Namen gewann.“ Herr Wittich rief: „Sch ſah ihn, von dem der Spielmann fang: Faſt möcht ich Alles glauben, wie wunderbar es Hang: Solch einen Jungling ſah ich, wie bu beſchrieben haft, Am erſten Tag des Feſtes an Etzels Tafel zu Gaſt. „Ex ftreifte fich den Aermel, als man das Waher nahm, Empor bis an die Achſel: da ſchien mir wunberfam, Wie theuern Ring am Arme der Thlkringer trug: Den gab ihm wohl ver Elfe, weil er fo fhön die Harfe ſchlug „So fand ich einen Bruder und fand zwei Bettern bier Und hör auch bald von Wieland: das dank ich, Dietleib, dir. ‚ Barum aber zeigen ſich uns die Grafen nicht? Ä Um alte Feindſchaft meiden fie wohl Herrn Salmanns Angefict? „So hätte doch der Spielmann ſich billig mir vertraut: Was er dem Freund verfchiviegen, bir fang ers überlaut.” Doch Dietleib ſprach: „Ich macht ibn wit Gaben mir fo hol: Auch hatt ihm Wein die Zunge gelöft, das flüßige Gelb. Er ſprach: „Mich Ind der Kaiſer; doch fing ich Lieber hier: So offne Ohren finb ich an Hof nicht al8 bei bir. Nun muß ich morgen fcheiden, da hier das Feſt zerrinnt, Muß traben über Haiden; du grüße mir Bathildens Rind.”
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Auch warb von deinem Vater mir Runde nicht werbehlt; Doch haft du fchen entnommen aus dem was Ich erzählt Bon Eberwins Erlbfung, daß er die Auen fanb | Und auch die Brüder hintrug das gute Flugelgewand. Wie fie die Zeit vertreiben in jenen felgen Kun Mag ang dir beſchreiben; du wirft ihn einft wohl ſchaun. Doch jeht hab ich zu ſprechen allein mit Dem von Bern: Wenn es Andre hörten, vielleicht verbröß es den Herrn. Noch viel hab ich vernommen aus dieſes Spielmanns Mund: Er fährt von Hof zu Hofe, fo wirb ihm Alles Fund. Du fandteft deinen Neffen, Dietrich, um eine Frau, Des wirft du Dich befinnen; doch weiſt du fchiwerlich genau Wie er empfangen wurde dort in ber Normanbie. Er ward da wohl empfangen, doch ala er warb um fie Fur dich, der ihm geiendet, ba blieb fie ihm verſagt. Was kommt dein Herr nicht felber? fo Bat ihn Ludwig gefragt. „Das wehrten Chehaften,“ ſprach Herbart, „meinem Ohm, Und der Befehl des Kaiſers, der ihn entbot gen Rom. Mich fandt er, feinen Neffen, tem er gar wohl vertraut, Daß ich Ihm heilig halte die viel bewenderte Braut. „Auch hatt ex andre Männer zuvor ſchon hergeſchict Die haben doch Die Schöne wait keinem Aug erblidt. . Hier bring ich Brief und Siegel, daß er an feiner Stau Schön Gilden im ya werben ben Eiwehesiahn gefebet hat.”
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132 Dennoch, ſprach ba Ludwig, ſollſt du fie auch nicht ſehn: Wenn er felber füme, fo möcht es noch geſchehn. Ä So wohlfeilen Kaufes, . vielleicht iſts Sitte bort, Gehn bei den Normannen die Königstörhter nicht fort.
Als Herbart ſah, ver Kühne, daß ihm fo ſchlimm gelang, Da nutzt' er doch am Hofe den freundlichen Empfang. „Komm ich auf gradem Wege,” gedacht er, „nicht ans Ziel, Vielleicht gelingts mit Liſten;“ der Liſten wuſt er jo viel. Er blieb am Hof und mühte fich um bes Königs Gunft: Dem ſucht' er zu gefallen durch mandje gute Kunft. Doch will ich es nicht längen bis Ungebulb dich rührt: Laß michE zufammen drängen: er hat Schön Hilden entführt.“ — „Das hätt er laßen follen, es war mein Wille nicht; Auch wird ihm Ermrich grollen, daB er den Frieden bricht. Ich war nicht fo verlegen noch um ein Ehgemahl, Daß ich fie fiehlen follte: fie some auch nicht meine Wahl. „Hätt ich meinen Willen, fo blieb’ ich unvermäßlt; Ich liebe doch im Stillen nur bie ich frei erwählt. Der Tod bat fie genommen weil ich unfelig Bin; Sie wird nicht wieberlommen, doch liegt fie ſtäts mir im Sinn.” — „Spridft du von Gotelinden, der Tochter Draſians, So Tann ich. dich entbihben fo traurigen Bahns. Vom Smrbenftein entführte fie Goldemar der Zwerg; Sie iſt noch nicht geftorben in Blodenfachien dem Berg.“
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183 „Bas fagft du?“ rief da Dietrih: „und follt es alfo fein, So wär ich überlaven mit Bräuten mir zur Pein; Die Eine, die ich meine, weilt unerreichbar fern, Die Andre muß ich meiden, wenn fie Herbart bringt nach Bern.” — „Er wird fie ſchwerlich bringen „ bat ang mir vertraut, Denn nicht für Dich geivorden hat er die fhöne Braut. Er warb fie für fidh felber, wenn Jener Wahrheit ſprach.“ „Das räch ic,“ vief da Dietrich, - „wenn er bie Tree mir brach.“ Dietlib ſprach: „Ich weiß nicht ob. er fo ſchuldig if; Er weilt bei König Rothern mit ihr zu diefer Frift. Da magft du fie befragen, wenn euch der Zug gelingt, Und ihr den Schwedenkönig in feinem Bande bezwingt.“ „Mein Bater,* ſprach der Berner, „hat diefe Fahrt gelobt; ' Ich jelber hätte gerne wich anders erft erprobt. Iſts weit nach Glockenſachſen? da meilet Gotelind; Geht Rache dir vor Liebe, fo bin Ich anders gefinnt.”“ „Es find wohl tauſend Meilen,“ ſprach ba Dietleib. — „O Lieber, laf uns eilen, mid) ruft das theure Weib.” — „Die Eile Tann nicht frommen: verſchloßen ift der Berg, Du findet nicht den Eingang, dir weiſ ihn denn ein Gezwerg.“ — „So laß uns Zwerge fangen,“ rief Dietrich in Haft. „Es ift wohl eh ergangen: einft fieng ich Elbegaſt: Bar nicht Goldmars Bruder der liftige Schelm? Was ließ ich ihm entwiſchen für ein Schwert und einen Helm?“
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134 Siebzehntes Abenteuer. Bon Adnig Laurins Rofengarten. Doch Dietleib ſprach gu Dietrich: „Das fei Die, Herr, nicht leid, Ex wär dir doch entronnen durch feine Schlauigkeit. Sch weiß dir andre Geifel, die du geivinnen magſt, Wenn du den Rofengatten Laurins zu fchäbigen tvagfl. „Dem find bie Berge frähnig im nahen Sand Tyrol, Dem veichen Zivergelönig; bie Berge die find hohl: - Da ſchimmert Gold and. Silber und koſtliches Beftein. Das ift ihm alles eigen: wie mhdht er wohl veidher jeinf „Damit war nicht zufrieden Laurin ber Heine Mann, Er ziert’ auch einen Anger ſich in dem offnen Tann Zu einem Roſengarten: tie Rojen, die find reth - And wilſſt du eine brechen, du kommſt in ſchreckliche Neth. „Der Garten hat vier Thüren, die ganz von Golbe find: Die wage zu berühren, du bift des Todes Kind. Ben Seiden iſt ein Jaden von Thür zu Thür geipanmt: Den brich, Sp kommt zu Schaden der linke Fuß, die rechte Hand.”
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„Das möcht ich doch beſehen,“ ſprach der Held von Ben, „Wo rothe Rofen fichen, da Wind ich Kränze gern. Will er mir das verbieten, das ift ein Uebermuth: Nicht für die Zwerge blühet der Roſe duftende Gluth.“ Herr Dietleib ſprach: „Sie. werben da unten allaulühn: Es follten Fürftentöchter auch nicht für Zwerge blübn; Doch raubte Dir Getlinden der Beine Goldemar Und Wir Laurin die Schweſter: es ift ein Frevel fürwahr. „Er nahm auf offner Straße, bat Yang mir gelagt, Das ift doch außerm Spaße, Simild die ſchöne Magd. Das hilft mir, Degen, rüchen, ich fteb dir mieber bei: Benn wir Stmilden Iöfen, wird aud Gotlinde dir frei.” „Das Wort gelob ich gesne, dir treulich beiguftchn,“ Sprach der Vogt von Berne; „doch muß es bald geichehn. Die Zürften find gerüftet, gen Heunland zieht daS Heer, Dieß Heine Abenteuer beftelm wir billig vorher. „Tyrol liegt auf dem Wege, wenn wir gen Heunland ziehn; Hildebrand der alte, der ſoll mit ung dahin. Laß gleich uns Urlaub nehmen, die Pferbe ſtehn bereit. In Bern ift noch zu Schaffen: mir müßen nutzen bie Zeit.“ Die Helden nahmen Urlaub und ritten balb nach Bern; Hildebrand und Wittich geleiteten die Herrn. Mit Wittich ritt auch Iran, des Schmiebes andrer Sohn; Die Zeit war in Geiprächen zu raſch den beiden entflohn.
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136 Sie hatten fig von Wieland . zu melden noch gemug. Sn Bern war viel zu haften für biefen Kriegeszug: Noch fehlte dem Geſinde Roſs und Gewand. „Das geht nicht fo geſchwinde,“ ſprach ber alte Hildebrand. „Und wirft du ungebulbig, fo reite nur voraus Mit Iran; Ich beftelle derweile bier dein Haus Und forge, baß im Kriege. dem Wolle nichts gebricht: Du bift zu folchen Dingen nun doch der Tauglahfte nicht. „Laß Dietleib mir und Wittich, bie greifens beßer an; Und Hilft uns König Dietmar, jo iſt es bald gethan. Was gilts, in furgen Stunden holen wir euch ein?” Mit Wittih von der Aue ritt da der Berner allein. ‚Das Hochgebirg erritten die Tühnen Helden bald: Da fuchten fie den Garten Laurins im grünen Wald. Sie fuchten und verierten fich tiefer nur im Tann: „ir treffen feinen Hirten in biefer Wildniſs mehr an. „Hier gebt kein Weg, lein Jäger fand jemals fich hieher: Hat uns Laurin verzaubert in dieſes Felfenmeer ?“ Der Berner ſprach: „Rur weiter! riechft du nicht Nofenbuft? Der dien uns zum Geleiter: ganz durchbalſamt ift die Luft „Auch hör ich Bügel Inden mit wonniglichem Klang: Den Athem laß ich ftoden zu laufchen dem Belang. Hier ftehen goldne Pfoften: dieß muß der Garten fein. Laß mich die Wonne kaſten! wie find die Fäden fo fein,
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| „Die ihn ringeum befangen! und wie die Roſen blühn! Ich trage kein Berlaugen und wär auch nicht fo Bike, - Die Schönheit zu verwüfien, die mix bad Herz erfreut: Lägs an Mär, fie müften mir ewig blühen wie heut.“ _ 48V Doch Wittich ſprach: „Ein Blendwerk bat euch ven Sinn beſtrict, Daß ihr am ſolcher Hoffart viel Preisliches erblict Ihr follt von Pferde fteigen, das lehrt euch beßer ſehn. Ich will Die Hoffart neigen: um ‚bie Roſen iſts geichehn. Da brach die feinen Faͤden Wittich der kühne Mann Und trat die .golbnen Thüren mit Füßen auf den Plan.- Er nahm den füßen .Rofen mit feinem Schwert den Glanz: - _ Da ließen fie ihr Duften, ihr Gluͤhen ließen: fie ganz. Die weißen und bie votben unb bie.geftreiften auch, Die moofigen, die gelben; es war ein übler Brauch. Er trat fie in den. Boben, zerriß fie mit dem Span: Sie konnten fich nicht rächen, nicht ihn Stechen konnt ihr Dorn. Die Helden fahen jchweigend auf grüner Rafenbant. Da kam Laurin geritten: die Ruſtung glänzte blant; Sein Sper war goldumwunden; im Yähnlein lief ein Wild Bor fchnellen Windhunden zum Wald aus lichtem Gefilb. Er ritt einen Scheden, ein Reh mag größer fein; Bon feiner goldnen Dede fchien mancher Edelftein. Bon Gold Gebik und Sattel, die Bügel und der Baum, Doch von Rubinen ftralend, ber Glanz erfüllte den Raum.
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138 Er ftieß fein Roſs mit Sporen wie man im Horne thut: Sein Harn war gegohren im twilber Drachen Blut. Ihn bielt ein Gurt zufammen, ber gab ihm Zwölfmannkraft: Das beivies er oft in Stirmen; ev übte gute Ritterfchaft. Wie rothe Flamme glühte fein edles Veingewand, Sein Schwert nad feiner Güte mar beßer als ein Sand: Hell bligten bunte Steine, wenn ers im Streite fang. Es fchnitt auch Stein uns Gifen, ob eine Spanne nur lang. Wie Hein er war, er machte ſich nach Belieben groß Und Mander fiel unfachte vom feiner Lange Stoß. Auch trug fein Helm die Krone: ex war ein König bei, Ihm diente tuef im Berge Tleiner Zwerge mandes Heer. Sein Bappenred war ſeiden mit Perlen veich durchwebt: Im Schilde war ein Yalle gebildet wie er lebt. So ritt er im Yluge den beiben Helden nah. Bon feinem Glanz geblendet rief Wittich als er ihn ſah: „D weh meinen Mugen, wie if das lichter Schein! Dieb mag ber Götter Bote, der Lichtgott felber fein.“ „Den Boten,” ſprach von Berne Dietrich, Dietmars Kind, „Den ſeh ich hier nicht gerne: ex ift umS feinblich gefimmt. „Und gehört ihm diefer Garten, fo bat er Recht daran. Laßt uns den Helm verbinden, ich feh ihn zurnend nahm.“ So empfieng der Hochgeborne ben Zwerg mit holdem ort: Laut rief aus ftarlem Zorne Saurin der Kleine fofort: \
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129 „Geſindel ihr und Affen, verivegne Mörberbeut, Was habt ibe bier zu ſchaſſen in meiner Reifen Bluth? Was meint ihr zu erſchnappen in diefes Gartens Pracht, Daß ihr die ſchubden Rappen in die Roſen habt gebracht? „Und laft ihr bier noch länger die Mähren auf ber Streu, Mit meinem Hirſchſaͤnger lehr ich eu Bauern Scheu. St dieß ein Stall für Efel wie eure Bäule find? Geſchwind aus meinem Gurten, aus meinen Roſen geiibwind! " „Wer rieth ench einzubrechen in meine Herriichleit? Das werd ich übel sächen, Teoſsbuben, bie ihr ſeid! Die Rofen mir zu fchänden, wer Iub euch ber zu Band Dafür will ch euch pfänden den linlen Fuß, die rechte Hand. „Ich frage wenig, heißt ie Nitter oder Knecht, Ihr geltet mir die Rofen, das tft nun bier mein Recht, Die ich in meinem Tanne gefreit wohl Jahre lang Bor manchem ftolgen Manne; euch lohnte billig der Strang.“ Da ſprach der Held von Berne, des Gerz nur Güte fann: „Richt doch, won ſolchem Zone laß ab, bu Heiner Mann. Un Füben und an Händen, es wär zu fchwerer Sold, Sollſt bu nicht Yürften pfünden, die Silber haben und Gelb. „Des nächſten Maien Sonne bringt neuer Rofen viel, Gebt Bott und Sommerivonne. Gold bab ich ohne Ziel; Euch anders Pfand zu bieten laß ich mich nicht herbei.” Da ſprach ber Biverg: „Ih babe Goldes mehr denn deiner brei.
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180 „Ihr Gäuche,“ ſprach der Kleine, „was Fürften ındgt ihr fein? Wärt ihr Biebermänner, fo: ftänd. euch dieß nicht fein. Was habt ihr wohl gerochen, ſagt felber nur, an mir, | Daß tie hereingebrochen ſeid in meines Gartens Hier, „Die Thuͤren babt mit Füßen getreten auf ven Plan? Was ließet: ihr mich büßen, der nie euch Leid geiham? Verdient' ich euer Grollen, To haͤttet ihr mir doch Erſt widerjagen ſollen: das ließe fuͤrſtlicher noch.
„Da ich euch nie erzliente, fo geſchieht es wider Recht, Daß ihr in mein Gehege wie Dieb und Mörber brecht. Run büßet mir den Frevel: Roſs, Harniſch und Gewand Soft ihr zur Sühne geben, ven linten Juß, die rechte Hand.“ Da ſprach Der von der Aue zu Dietrich, Dietmmars Sohn: „Run böget, wie verwegen Spricht uns der Däunling Hohn! Es wäre Zeit, wir fchlügen ihm auf fein Läſtermaul: MWürf ich doch am tie Steinwand alleine Reiter und Gaul.“ nDer Wunder,” ſprach ber Berner, „bie Gott wirkt, ift kein Ziel: Vielleicht erfchuf er Tugend an biefem Zwerge viel. Hätt er nicht Kraft und Mannheit, wie ſpräch er wohl fo ftol? Ex kann vielleicht auch zaubern: ich wollt, ich wär aus diefem Hol. „Berfuchen wir die Güte und kommt es doch zum Streit, Sp laßt uns Bott vertrauen: er iſts, der Sieg verleiht. Mir bangt nur, vor dem Berge befängt uns bald die Nacht: Wir würden von dem Zwerge leicht in üble Roth gebracht.“
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144 Im Zorn ſprach dagegen Wittich: „Erlauthter Held; En hr nennt euch einen Degen; auch hielt euch fiäts bie Welt Für einen kühnen Reden: das ift doch Lug und Trug: Nur eine Maus zu ſchreden babt ihr nieht Mannheit genug. „Fürdhtet ihr zu Bierien den Kampf mit einem Kind? Ihr habt es micht zu fchenen, wenn feiner Tauſend find. . War Muth bei eurer Stärle, die fchlügt ihr ohne Wehr; Ihr ſeid verzagt, ich merle, font wärt ihr Diefem ein Heer, - „Er hat kaum Ellenlänge, fein Roſs gleicht einer Geiß. | Jh bin mit euch verglichen nur ſchwach, wie ich wohl weiß; Doch wären feiner Zwölfe, mich deucht es nicht zu viel, Daß ich fie alle fienge und bienge dem Wind zum Spiel.“ Das Zwerglein fprach mit Lachen; „Gar ſtark ift eur Sinn, Ihr dünkt euch große Sadıen: fo kommt denn ber, ih bin Hier ganz allen: erzeiget was eure Kraft vermag, Den Sper auf mich geneiget! fo kommt es gleih an den Tag.“ Der Rede kam von Aue Wittich in ſtarken Born: Er fprang in den Sattel und gab dem Roſs den Sporn. Sie trafen auf einander zwei fchnellen Fallen gleich: Da lag in den Roſen Elfiweißens Kind nicht zu weich. Eh er überwunden bes alles fich befann, Hatt ihn auch ſchon gebunden Laurin der ſchnelle Mann. Bär Hülfe nicht gelommen, fo hätt er gleich fein Pfand Bon feinem Feind genommen, den linken Fuß, die rechte Sand.
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142 Doch ſchnell die Waſſe dedte der Berner fiber ihn, Die den Geſellen deckte; fo ſprach er zu Laurin: „Das wär mir große Schande! Tieh’ ich Dir Hand und Fuß Des Freundes bier zu Pfande, verwirkt' ich aller Frauen Gruß. „Es wär geringen Schaden entgolten allzuſchwer. „Ich achte deiner Schande,“ ſprach Laurin, „nicht febr. Es kommt an dich die Reihe, du giebft mir auch dein Pfand, Idhr gebt mir alle Zweie den linten Fuß, die rechte Band. „Die Roſen follt ihr büßen (das laß ih euch wohl ſchaun) An Händen und an Füßen, euch grüßen nie mehr Fraun.“ Der Rede var erſchroden der edle Dieter: Ex ſah den Freund gebunden und forgte ſelber fiir ſich Er nahm fein Roſs beim Baume und ſchwang ſich eilends auf: „Run wiße, Zwerg, dich vent noch fo übermüthger Kauf. Ich will bir widerſagen.“ Der ſprach: „ch bin bereit.“ Die Lanze fahte Dietrich und eilte freudig zum Streit.
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143 Achtzehntes Wbentener. Vie Dietleib Dietrihen beftand. Da kam zur vechten Stunde ber Weiter noch herbei Mit Dietleib dem ſchnellen. Der Reden waren brei: Wolfhart Tamm der dritte an Wittichs Stelle gen; Den hatte König Dietmar zurüdgebalten zu Bern. Hildebrand ber alie rief den Berner an: „Du rennft in dein Verberben in beinem tollen Wahn. Er ſticht dich aus dem Sattel, du kennſt den Zwerg noch nicht. Ich fag es dir in Büte: dich zu warnen adıt ich Pflicht. „Zu gut ift fein Geſchmeide als daß bein Sper es lebt; Da fruchtet leine Schneive, wie ſcharf fie wär geiveht. Rein, Ichlag ihn um die Ohren mit deinem Schwert, bad frommt: Er wird zu einem Thoren, ivenn er noch lebend entkommt.“ Da that der Held von Berne wie ihn der Meifter hieß: Er zog den Sachs und ſchwang fh vom Satiel in den Erich, „Run komm besan: zu Fuße will ich bir biex beftehn.” Da fprang Laurin vom Roſſe und ſprach: „Huch das mag geſchehn.“
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a Er ſchlug und fchlug ihm wieder auf feinen Schildesrand, Daß er in Stüden nieder ihm ftob von feiner Hand. \ Des fchämte fih der Degen: gern hätt er fich gewehrt, Den Zwerg fo gern begwungen: wie ihn fein Meifter gelehrt, Sudt’ er ihn zu bethören mit manchem flachen Schlag. Da vergieng ihm Sehn und Hören, zur Nacht warb ihm der Tas: Mit Fuchteln fuhr die Klinge‘ dem Ziverg um Haupt und Obr: Er ward fo übler Dienge, daß er den Gleihmuth verlor. Im Zorne fprad der Kleine: „Der Graulopf rieth dir das: Die Gicht ihm ind Gebeine, die Sonne trag ihm Haß! Jetzt lägft du ſchon gebunden, blieb ich mit bir allein.“ „Schweig,“ ſprach da Dietrich, „laß dein gottlos Fluchen fein.” Noch ftieß er Knauf und Glocke des Schwerts ihm auf Das Haupt: Er ward zu einem Stode, der Sinne ganz beraubt, Und hatt er nicht Die Kappe, fo wars um ihn geſehn: Die warf er um den Naden, da modt ihn Steiner mebr fehn. Wittichen löfte derweilen Hildebrand. „Wo tft der Zwerg geblieben?” rief Dietrich: „er verſchwand. Er war nicht ganz verſchwunden, er fchlug dem treuen Mann Unſichtbar Tolde Wunden, daß rothes Blut ihm entrann. „Wie träf ich Dich fo gerne!” ver edle Degen tief. Da ſchlaug er in die Steinwand wohl eine Spanne tief. Das konnte doch nicht ftommen; er war in große Roth Jetzt von dem Zwerg gekommen?‘ ber Meifter forgf! um feinen Tor.
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Da rietb er dem Plegling: „Sieh, daß du mit ihm vingft: Nicht frommt ihm mehr die Kappe, wenn du ihn dazu bringt.“ „za, möcht ich ihn erfaßen,“ rief. der edle Held, „Ich wollt ihn nicht mehr laßen, und böt er Nom zum Loſegeld.“ Da mit dem Zwerg zu ringen der Selb von Bern begehrt, Bar bald aus den Händen warf Laurin fein Schwert, Ergriff ihn bei den Beinen und warf ihn in den Klee. Der Berner möchte weinen: dieſe Schanbe that ibm eb. Da rieth der Meifter wieder dem lieben Herren fein: „Zerbrich ihm feinen Gürtel, fürwahr, der Sieg ift bein. Der giebt ihm ſolche Stärke.“ Dem folgte Dieterich: Der Gürtel riß, va ſah man mie alle Kraft ibm entwic. Vom Boden hob ihn Dietrid mit feiner linken Hand. Da barg den guten Gürtel ber weile Hildebrand. Der Berner zurnte mächtig, daß er gefallen war: Tas wollt er an ihm rächen, aller Güte blieb er ber. Er ftieß ihn an die Erde, daß laut fein Schrei erſcholl. Da ſprach zu Dietrichen das Zwerglein kummervoll: „Run laßt mir das Leben ſeid ihr ein frommer Mann: Ich will mich euch ergeben und alles Gut, das ich gewann.“ „Dir frommt nun fein Ergeben, deiner Hochfahrt war zu viel,“ Sprach Der von Bern, „erheben will ic ein ander Spiel. Der mich zu Falle brachte, der gilt es mit dem Tod.“ Das arme Bwerglein dachte bei fidh im Drange der Roth: Eimrod, das Amelungenliet. N. 10
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146 „Dietleib ift mein Schwager: und wär ibm das belannt, Er: bülfe mir von binnen.” Er rief ihn an zuhand: „Run laß mich deiner Tugend genießen, fühner Mann, Und daß ih deine Schwefter Simild zum Weibe gewann.“ Der Held fprady zu dem Ziverge: „Haft bu die Schweſter mein, So follit du nicht verderben: ich will dein Anwalt fein.“ Da trat er bin vor Dietrih und ſprach: „Erlauchter Held, Gebt mir frei den Kleinen, bei allen Füriten der Welt!“ Der achtete der Bitte vor Zorn nit Haares breit. Da bat ihn wieder Dietleib, der Degen kühn im Streit: „Run laßt den Zwerg mir ledig, bei allen wertben Fraun!“ Der Berner ſprach ungnädig: „Er muß den Tod bier erichaun.“ Noch einmal bat ihn Dietleib in großer Herzensnoth, Der flebend fi zu Füßen dem Vogt von Bern erbot: „Gebt mir den Zwerg, fo bin ih euch immer untertban. Meine Schweiter hat ver König: laßt ibn den Tod nicht empfabn.“ Die Bitte war verloren. Da fäumte ſich nicht lang Der ſtarke Helb: wie eilig er in den Eattel ſprang! | Er flug fein Roſs mit Sporen und ſprach: „Will Der von Bern. Daß man ihm willig diene, ich dien ihm willig und gern: Doc wiß er Dienft zu ehren.” Er ritt vor Dieterich Und ſprach: „Fürſt von Berne, nun wiße ficherlich, Zaurin fol ungefangen bier fein und ungelräntt: | Der bat mit mir zu fchaffen, der ihm ein Glied nur verrentt.
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147 „Ich fteh für ihn zu Buße: fo räche nun bein Leib.” Dietrich ſchwieg und gab ihm keinerlei Beſcheid. Sein Herz brann im Borne, das war ihm anzufehn. Gar wohl erkannt es Dietleib; er wollt ihn gleichwohl beſtehn. Da zog er den Geifel ihm aus den Händen fchnell: Als er ihn zu fich ſchwenkte, erklang fein Harnifch heil. Dann mit dem kleinen Manne lief er geſchwinde fort Und bary ihn in dem Tanne gar fern am heimlichen Dirt. Dietrich ſprach zu Hilbrand aus zürnendem Muth: „Run bring mir ber den Fallen; das nehm ich nicht für aut. Er will den Zwerg entführen: geht ihm vor Recht Gewalt, 35h kann den Arm noch rühren, das laß ich fpüren alsbald.“ Den Helm verband der Berner, nahm Schwert und Schild zur Hand Und gieng dahin im Eifer, wo er den Fallen fand. Dem fprang er auf den Rüden, und rief den Meifter an: „Reich mir den Schaft, ich räche was uns der Ziverg hat getban.“ Er verbieng dem Roſs den Zügel und ftach es mit dem Sporn. Der gute Meiſter hätt ihm gefänftigt gern ben Zorn: Mit Wolfpart und Wittich gieng er ihm eilends nad). Als Dietleib ihn erichaute, noch einmal bat er und ſprach: „Gebt mir den Zwerg, ſo lieb euch alle Tugend iſt.“ Er hörte nicht und gönnt ihm auch weiter keine Friſt: Er hob den Sper und drohte. Da war es hohe Zeit. Zu Roſſe ſprang auch Dietleib und eilte freudig zum Streit.
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Als ſie zuſammen trafen, wie feſt Jedweder ſaß, Der Eine ſtach den Andern vom Sattel doch ins Gras. So kamen von den Roſſen die Helden auf den Plan. Sie zuckten ſcharfe Schwerter und vannten feindlich ſich an. Sie lagen hinterm Schilde: jedweder ftach und ſchlug, Haß war es und nicht Milde was fie zufammen trug. Im Klee den füßen Rofen ergieng es nun erſt ſchlimm: Die armen, blätterlofn, nun zerftampfte fie ihr Grimm. Dietleib war vermogen, ex wehrte ſich gar gern; Mandy ſchweren Schlag gewogen ſchon batt er Dem von Bern: Set traf er ihn gewaltig auf feine Helmes Hut. Der Helm war probebaltig, doch hell entloberte Gluth. Das wollte Dietrich rächen; er dachte: Zwing ich ihn, Mein Sachs ſoll ihn erftehen und aucd den Zwerg Laurin. Da fiel er aus und bradte den alten Meifterfchlag, Den Hildebrand erdachte, daß geftredt ber Gegner lag Am Boden, der verhaßte. „Wie nun, dummer Mann,” Sprach er zu dem Gafte, „Iprichft du den Zwerg noch an? Es kommt dir zu Sorgen, daß du ihn haft fo ſchnell Bor meinem Zorn verborgen: bu büßeft mir für ihn, Gefell.“ Bom Boden jprang Dietleib, daß laut fen Harniſch Hang. Er ſchlug dem Berner wieder manch fchnellen Schwertesſchwang. Doch jebo litt der Meifter nicht länger foldhen Strauß, Er ſah beforgt im Geifte des Einen Sterben voraus.
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149 Er fieng dem Herm die Klinge und fprad: „Nun haltet Ruh; Ihr Andern wehrt dem Jüngling,“ rief er den Beiden zu: „Sie find mit Zorn beladen, bie Thoren, obne Noth Und thun fi ftarten Schaden, und Uns dazu durch ihren Tod.“ Wittich und Wolfhart fprangen mandyen Sprung Eh fie die Klinge banden dem fühnen Neden jung. Da rieth um die Sühne Hilbrand feinem Herrn. Er ſprach: „Degen lühne, meinen Rath vernimm du gern. „Du und Dietleib, beide follt ihr Gefellen fein: Wie thät euch mas zu Leide wohl alle Welt, euch Zmein? Und ſoll Laurin erfterben, ter weiſt dich in den Berg, Zu dem dir König Goldemar die Braut entführte, der Zwerg?“ Da ſprach der fühne Degen von Bern Herr Dieterich: „Was ihr mir rathet, Meifter, dem folg ich williglich.“ Da gieng zu Dietleiben der alte Hildebrand: „Nun laßt das Zürnen bleiben, es ift zur Liebe gewandt. „Seit Freunde, feit Gefellen, das fteht euch beßer an.” Der Jüngling ſprach: „Gar gerne wird das von mir gethan. Will Dietrich den Frieden, ich thu ihm Frieden fund; Doch fei er auch befchieden dem Zwerg, den fchließ er in den Bund.“ „Laurin fei eingefchloßen,” fo ſprach der Meifter gut, „ir feien al Genoßen und haben Einen Muth. Wo haſt du ihn verborgen? er trete breift hervor: . Er braucht nicht mehr zu forgen, wenn er den Frieden beſchwor.“
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150 Wie ſprang Laurin der Kleine geſchwind aus feiner Haft! Da ſchworen dieſe Dreie fich ſtäte Brüberfchaft: „Wir wollen immer ſtehen binfort für Einen Mann: Nie fol der Bund vergeben, den wir gelobt -bier im Tann!“
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151 — — — — — Neunzehntes Abeutener. Bon Laurins Hofhalt und der Helden Gefangenſchaft. Da ſprach Laurin zu Dietleib: „Nun wir Gefellen find, So mil ich dir auch fagen von deines Vaters Kind, Wie ich fie Hab erivorben, die fchöne Schweiter dein; Sie flralt vor allen Schönen mie der Mond vor Sternenfchein. Einft ſaß mit dem Gefinde die mir gar wohl gefiel Unter grüner Linde bei einem Pfänberfpiel. Da ward es aufgegeben ber Eignerin des Pfand Allein im Wald daneben zu winden einen Eppichkranz. Das Pfand war Similben: ba gieng die ſchöne Maid Den Eppichkranz zu winden in des Waldes Einfamleit. Sie braudte kaum zu fuchen das wuchernde Gerant, An Eichen und an Buchen wuchs es boch empor und ſchlank. Sie löfle von den Rinden das immergrline Laub Und fang den Iofen Winden ein leichtes Lied zum Raub. Als fie den Kranz gewunden, fie fränzte fih das Haar: Da war der Weg verſchwunden, fie warb ihn nicht mehr gewahr.
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152 Wohl rief fie den Gefpielen und die Geipielen ihr: Was Ionnte das erzielen? es verſcholl im Waldrevier. Sie folgte falfchen Pfaden, die meine Kunſt erſchuf Sie in mein Neich zu laden, und folgte täufchendem Ruf. Bald hatten Eleine Zwerge fie meilenweit entrüdt Tief in den Schooß ber Berge, di: manches Wunder fchmüdt. Sie ſah erftaunt die Schöne, zu ihrer Luft erdadit; Wohl wuſt ich, fie gewöhne fich bald an elfiiche Pracht. Sie kehrte jet wohl nimmer zu eurer bleichen Welt. Aus unferm Glanz und Schimmer, wär ihe die Wahl geſtellt. Arm ſeid ihr aller Wonnen zu freuen Herz und Sinn, Und was ich je gewonnen bient Ihr, als meiner Königin. Das Große wie das Kleine, das ift ihr untertban, Gold, Silber und Gefteine mehr als je Augen ſahn. Kommt mit zu meinem Reiche, fo mögt ihr felber ſchaun, Daß Ihr ſich nicht vergleiche die reichſte menſchlicher Yraun.“
Der Yüngling ſprach: „Gefällt es ihr in ber Erde Schooß, Das ift mir lieb, der Schweſter gönn ich ein felig Looß. Will dich zum Mann die Feine, zufrieden bin ich ganz.“ „Wiße,“ ſprach ber Kleine, „noch blieb der Jungfrau der Kranz. „Morgen, laßt euch melden, fol unfre Hochzeit fein: Ihr hochgemuthen Helden, euch alle lad ich ein. Die Sonne will fi bergen, des Tages Schein wird ſchwach: Ihr trefft in hohlen Bergen das allexbefte Gemach.
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— „Da wird Genuß gefunben, ber allen Sinnen lieb, Da ſchwindet euch die Stunde, ihr mißt nicht wo fie blieb, Eine Woche dünkt euch borten nur ein kurzer Tag. Glaubet meinen Worten: dba tft Gejang und Vögelſchlag, „Da tönt Schalmei und Cymbel, zum Tanze läbt das Spiel, Es ift im neunten Himmel der Freude nicht jo viel. Auch fehlt es nicht an Frauen: da iſt manch ſchöne Maid: Mögt ihr mir nun vertrauen, ſo dient euch all die Herrlichkeit.“ Dietrich und ſeine Helden ſahn einander an, Ob fie glauben dürften Laurin dem Heinen Mann Und feinen Ichönen Reben? Den Meilter nahm beifeit Der Bogt von Bern und fragt’ ihm: ber gab ihm weiſen Beſcheid. „Ich hört in meinen Tagen oft von Laurin die Mär, Wie er den Bivergen allen Herr und gewaltig wär. Drum laßt ung mit ihm fahren, ihr Wunderwerk zu ſchaun. Was mag uns wiberfahren? es wäre kindiſches Graun, Die wir von Niefen Beute wohl nahmen im Gefecht, Wenn wir die Wichte jcheuten, das winzige Geſchlecht. Sie gehn zurüd, fie merlen es jedes Weltjahr mehr, Und tragen, fih zu ftärden, nad Erdentöchtern Begehr. Wir können fie bemeiftern, fie wundet unfer Schwert: Es find gar plumpe Geifter, die diefer Erdſtrich nährt.“ „Meiſter,“ ſprach der Berner, „bu baft mir wahr gejagt: Ich will nicht zweifeln ferner, mit Gott ift nichts zu gewagt.“
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154 Doch Wittich ſprach: „ch börte von meinem Vater oft, Der fei ein Thor, der Gute von diefen Zwergen bofft. Drum laßt‘euch nicht verleiten, er bat Betrug im Sinn.“ „Müften wir auch ftreiten, es tft zulegt nur Gewinn,“ Sprach Wolfhart der kühne; „ich ſäh die Wunder gern; Wenn Ihr Betrug befürdhtet, jo bleibt ihe billig fern.“ Der Rebe zürnte Wittih, er trieb fein Roſs zum Lauf, Und ftäts bei diefer Reife ritt er den Andern vorauf. Zaurin fprach zu den Helden: „Verzagt an Mir doch nicht: Mir heißen Schwurgefellen, das lehr euch Zuverſicht. Wie dürft ich Euch vertrauen, wenn hr mich Trugs verbentt? Ich laß ihn Treue fchauen, der mir Treu und Glauben fchentt.“ Da ſprach der alte Meifter: „Gar freunblich Klingt bein Wort, Und gleichen ihm die Werke, das iſt ein großer Hort. Es fol an uns nicht fehlen, wir zählen feft auf dich: Dein Beiſpiel lehre Treue die Gefellen bier und mid). „Run zeig uns deine Reiche.” Der Ziverg ſprach: „Laßt mich vor: Bei einer großen Eiche, da ift des Berges Thor. Bon bier ift eine Meile mohl noch zum Lauerwald. Man öffnet uns in Eile wenn das golbne Horn erichallt.“ Da folgten fie ihm gerne; nur Einem war es leib: Er mwufte wohl, fie kämen in Roth und großen Streit. Des Ipotteten die Anbern; das ſchuf dem Helden Zorn: Da war er ſtäts der Erſte bis er ſah das goldne Hom
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155 An einer Eiche bangen. Raum batt er das erjchaut, So blies barein Herr Wittih fo ſtark er lonnt und laut. Des mufte Dietrich lächeln. Da ſprach Laurin der Zwerg: „Die Rofle labt bier außen; die taugen nicht in ben Berg.“ ‚Da nahm der Heine König Dietleiben bei der Hand, Der Berner nahm von Garten den alten Hildebrand: Wolfhart und Wittih, die giengen ungejellt: Bon Furcht hatt er gefprochen, des zürnte Wittich der Helv: „Wie lange,” fprad da Wolfbart, „läßt man uns davor!“ Da trat mit dem Home Laurin an bad Thor Und blies es noch viel ftärter. Im Berg ericholl der Klang. Da lief ein kleiner Kämmrer, Teine Spanne war er lang, Und fuchte nah dem Schlüßel in des Königs Saal: Damit erſchloß den Helden ver Ziverg ein Thor von Stahl. Mit ihm viel Heine Wichter, doch höflich und gewandt; Sie trugen bunte Lichter, grün, roth und blau an der Hand. Im Thorgang mar es dunkel, doc in ben Hallen nicht: Da gaben Karfunkel gefunfelveiches Licht; Jacchanten und Demanten und der verwandten mehr, Gar hellen Schimmer fandten ſie in den Hallen umber. Des Königs Hofgefinde trug wunderreich Gewand, Auf Gold Geftein und Perlen, man laufte wohl ein Lanb. Wohin die Helden famen, va fahn fie Glanz und Pracht, Es brauchte keine Fackeln, von Steinen bligte die Nacht.
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Da war au aller Kurzweil genug und überviel, Tioft und Lanzenrennen und ander Ritterfpiel. Man fah zum Ziele werfen und fchießen den Scaft;' Edeln Stemen dankten die Ritter größliche Kraft. Auch Schlangen fie den Reigen mit mancher edeln Maid, Spielleute muften geigen, daß Jedem ſchwand fein Leid. Da ſah man Beine Knirpſe, die fangen daß es ſcholl, Man hörte kein Gezirpfe, der Ton war lauter und voll. Dort in des Königs Halle beſchickten fie ein Feſt: Da fliß zum Freudenſchalle der Zwerg ſich allerbeft. An jedem Tifch erhoben vier Sänger füßen Sang, Den jeder mujte loben, zweie kurz und zweie lang. Zur Tafel wollte geben Laurin der König gut. Da bat er feine Leute noch ohne ſalſchen Muth: „Nun jollt ihr wohl verpflegen die mit mir fommen find, Die auserwählten Degen.” So that an Hof das Geſind. Nun ſaß im Saal ein Zaubrer, der war den Helden gram: Er nahte fi der König ch man dad Waßer nahm: „Spracht ihrs im Ernſte?“ frug er. Er ſprach: „Sind fie getreu Und geben mir Stmilden, fie zu ſchädgen trage Scheu.” „Ich weiß genug,“ verſetzt er und neigte fi dem Herrn. Da hörte man Pojaunen und Ylötenflimmen fern: Similde kam gegangen, des Berges Königin ; Biel furge Diener fprangen ihr vor mit ſchalliſchem Sinn.
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157 dann kurzer Dienerinnen ein ſtattliches Geleit; Ran möchte Manche minnen, wär nicht jo Hein bie Maid. Zur Seite ſchritten Singer, die fangen wonniglich, Gar höfſche Liederbringer, daß alle Trauer entwich. Poſauner, Flötenſpieler voraus je zwei und zwei; Dazwischen ließ man Hingen auch Waldhorn und Schalmei; Der Schall der Fidelbogen verſteht ſich ungefagt. So kam zum Saal gezogen Stmild die herrliche Mag. Sie kam in Sammt und Seide den Augen eine Luft Und biigendes Geſchmeide hieng ihr an Ohr und Bault. Auf immergrünem Kranze die Kron in ſchwarzem Haar, So fchritt fie wie zum Tanze und blidte roſig und klar. Aus ihrer goldnen Krone zuoberft ſchien ein Stein, Vertraun dem Erbenfohne und Wonne gab der Schein. Allen Bauber bannte fein kleegrüner Stral, Der doch viel lichter brannte als alle Lichter im Saal. Simild trat vor die Gäfte und empfteng fie würbiglic. Als er erfah die Schwefter, wie freute Dietleib fich! Sie fprah zu Dem von Berne: „Willommen, edler Held! Ich ſeh euch bier gar gerne, eure Mannbeit rühmt die Welt. „ser hütet euch vor Schande, das bringt euch ewig Preis.” So empfieng fie auch die Andern mit Worten Klug und weis; Nur ihren Bruder küſste die wonnige Maid. Er fam bei ihr zu fien und frug fie heimlich beifeit:
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158 „Run ſprich, in biefen Bergen ob es bir mohlgefällt? Sehnft du von den Zwergen dich nicht in unfre Welt? Dir wird, läßt du dir helfen, wohl nod ein bievree Mann.“ Sie fprad: „Einen Elfen zu freien ſteht mir nicht an. „Er zählt vierhundert Jahre und ift ein Knabe kaum, Zängft lieg ich auf der Bahre fprießt ihm der erfte Flaum. Ihm kommt die Kraft von Steinen, Betrug ift mas ihr ſchaut. Hilf mir von diefen Kleinen, vor denen Similden graut. „Es ift bier nicht gebeuer, ich baße ſolchen Bund Und flieh ihn wie das Feuer, das fei bir Bruber fund. Ich habe bei den Wichten was nur mein Herz erdenkt: Darauf will ich verzichten wird mir die Freiheit gefchenft.“ Da fprach er zu der Heinen: „Nun fei du wohlgemuth, ‘ch nehme dich dem Kleinen, und Toftet! es mein Blut. Doch darf der Zwerg nicht wißen mas dir mein Mund beſchwor ft er Betrugs beflißen, fo fehn wir billig uns vor.” Die bier bei Tiiche ſaßen, die Helden kühn im Streit, Sie tranfen und aßen und hatten frobe Zeit. Sich flißen Heine Schenten, Truchſäße jpannenlang ; Auf Stühlen und auf Bänfen vernabm man füßen Gefang. Da ſprach Laurin der König: „Nun ift genug gegeigt, Ihr Stimmen taufendtönig, laßt mich zu Wort und ſchweigt. So frag ich Dietleiben bier laut, den jungen Mann, Ob ich zu einem Weibe feine ſchöne Schwefter gewann?”
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— Eine Weile ſchwieg der Jüngling, dann Sprach er klar und feft: „Die Frage lommt zu frühe, zu frübe fommt bieß Felt: Ich Tann fie dir nicht geben, ihre Bruder bin ich nur, Bis id), da beide leben, der Eltern Willen erfuhr. „Wir wollen fie befenden, fo wird dir volles Recht. Man wird fie dir nicht weigern, zu hoch ift bein Gefchlecht.“ Da ſprach Laurin verdroßen: „Sch ſeh, ihr ehret nicht In mir den Schwurgenoßen, fo ehr ich auch Feine Pflicht.“ Da ftand ex auf, ibm folgten die Kleinen allzumal. Man fchob zurüd die Tifche, zu Ende war dad Mal. Der König bat Similden mit ihr. hinaus zu gehn: Da warb der Enal verfinftert, die Helden konnten fich nicht jehn. Da fprad der führe Witih: „Nun reut mich diefe Fahrt: Hatt ich nicht recht geiprochen? mas dünkt euh, Wolfhart? So viel hier Lichter brannten, erlofchen ift ihr Schein. Wär ich aus dem Berge, ic käme nimmer hinein.“ Zu Dietleibs Schweiter draußen ſprach der kleine Mann: „Laß dir den Kummer Hagen, Similb, bör mid) an: Biel thaten mir zu Leide bie Reden ohne Noth: Sie zerförten mir den Garten und bie lichten Roſen roth. „Die goldnen Thüren traten fie nieder mir zur Schmach: Das hätt ich wohl gerocdhen, wenn mir der Gurt nicht brach). Ten Gurt mir zu brechen rieth Hilbrand Dem von Bern, Damit werd er mich ſchwächen: das lohnt’ ich dem Graufopf gern.
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„Da tor ich fchier geftorben, ſchönes Mägbelein; Doch bin ich nicht verborben, mir half bee Bruber bein. Die Andern büßens theuer, beinem Bruder bin ich bolb. Gieb mir den King zur Steuer, bein edles Ringlein von Gold." — Sie ſprach: „Laßt ibr fie leben, die Helden hochgelobt, Ich will den Ring eudy geben, menn ihr mir bas gelobt.” Er dacht es nicht zu halten und gab ihr doch fein Wort; Sie gab zwölf Manns Gewalten ihm mit dem Plinglein fofort. Dietleiben aus dem Saale der Ziverg zu fich beſchied; Große Untreu war es, bie er dem Degen rietb: „Sie büßen mit dem Tode mas fie mir Leids gethan; Dir wirb ein Land zum Lohne, nimmt bu dich ihrer nicht an.“ Er fprad: „Mit ftäter Reue büßt' ich ſolche That. Sie haben meine Treue, drum meid ich gern Verrath. Deiner Huld mag ich entbehren: geicheh wie Ihnen Mir.“ Da ſprach der Zwerg: „So bleibe dich zu befinnen denn bier.” Da gieng er aus der Kammer und fchloß vor ihm die Thür. Dann that er an den Anderen auch große Ungebühr. Nun hört von Untreu fagen: er ließ den Helden Licht Und ließ ein Trinken tragen; er faß nad wirthlicher Pflicht Freundlich bei den Gäften und fcheritte wacker ein. Was gab er da zum Bellen? ein Tolllraut war im Wein. Selbft hütete fi, weislich Laurin vor ſolchem Saft; Die Andern tranken fleißig, und fanten bald obne Kraft.
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161 Da band er ihnen lachend zuſammen Fuß und Hand Und rief dem jungen Riefen, der draußen Schildwacht ftanb: „Trügſt du wohl zum Kerker die Biere, Riefenfind?“ Der ſprach: „Wär ich nicht ſtärker!“ An eine Stange gefchtwind Nahm er die Reden alle und trug fie tief zu Berg. An der Helden Falle freute fich der Zwerg: „So räd ich meine Roſen und mein gebrochnes Recht; Wie darf der Menſch erbofen der Elben waltend Geichlecht!“ Eimrod, das Amelungenlied. 11. 11
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Zwanzigftes Abentener. Wie Wittih vor Widolfen fiel Nun tönt von andern Dingen der Sage goldner Mund: Sn Bern dem König Ehel ward die Märe kund, Ins Heunenland gefallen fer ihm mit ftarlem Heer Rother der grimme: da ſäumt' er länger nicht mehr.
Er Sprach zu König Dietmar: „Nun drängt mid) die Zeit, ch darf nicht müßig liegen bis euer Heer bereit. Den ich heimſuchen wollte in Wilingenland, | Der ift nun bei den Heunen und heert mit Raub und mit Brant. „Gebt mir Wittihen und Heimen: mit den Zwein Und meinen eignen Helden will ich mein Land befrein.“ Herr Dietmar fprah: Wie ließ’ ich euch wohl alleine ziebn? Zwar bin ich alt und fäumig, doch will ich mit euch dabin. „Dietrich der junge jagt feinen Grillen nad: Berlört ihr darum Heunland, das zählt ih mir zur Schmad. Sein Meifter, den das Alter vor einer Thorheit wahrt, Iſt ihm gar nachgezogen, das Kind im grauenden Bart!
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163 „Bir finden die Geſellen wohl noch im Lauerwald: Den Zwergen nadyzuftellen, das wird man müde bald. Die fängft du nicht, zerwühlteſt du auch der Erbe Schoß; Tod haft du fie gefangen, das Uebel wirft du nicht los. „Run laßt das Heerhorn blafen: ich geb euch zu dem Zug Fünfhundert Nitter, fo ſeid ihr ſtark genug Mit den fiebentaufend, die euer Heer fchon zählt Und jenen, die Herr Salmann zu feinen Sölblingen wählt.“ Das Heerhorn ward geblafen, die Helben braden auf Und fpornten wohl die Roffe zu bustigem Lauf. Im Lauerwalde riefen fie viel nach Dieterich, Und Wittich rief nach Iran; doch Niemand meldete ſich. Ste ritten eilends weiter und Tafteten ſich nicht; Heunland zu befreien, das fchien die erite Pflicht. Sie kamen reifemüde dahin nad manchem Tag, Wo der König Rother mit feinen. Wifingen lag. Achttauſend Ritter zählte der deutfchen Fürſten Heer, Ta batte König Rother wohl um die Hälfte mehr; Tod war er diefen Landen ein unlieber Gaft, Den Bürgern tvie den Bauern, ja dem eignen Voll verhaßt. So ſchätzte nicht geringer Herr Ekel feine Macht: War gleich jein Heer ermüdet, er wagte doch die Schlacht. Da trug Herrn Egeld Banner Wittih der Held, Darin ſah man prangen ein Schwert in blutrothem Feld.
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164 Die große Bannerftange, die jüngft durch Ermrichs Saal Dietleib gefhoßen — als man ihm bie befahl, Da ritt er heldenmüthig dem deutſchen Heer voran Und hieb mit -Mimung wüthig ſich dur die Wilinge Bahn. Wie Mandher in dem Sturme vor ihm zu Boden jchoß! Bu beiden Seiten ftürzte darniever Mann und Roſs. Daß fich die Todten häuften, fo mäht' er durch die Reihn. Wie auch Herr Wolfram fpotte, der Sage glaub ich allein. Den kühnen Amelungen ritt er jo herrlich vor, Daß Rother von dem Einen ein halbes Heer verlor. Er trug des Aſen Sammer nicht bloß gemalt im Schild, Er ſchwang ihn in den Händen, daß fruchtbar ward das Gefild Das rothe Blut der Helden, das ift doch theurer Dung. Auch Siegſtab focht gewaltig, der Fühne Degen jung: Er verdiente heut die Sporen an manchem ftolen Gaft; Der Wölfinge Namen macht' er den Yeinden verhaßt. Da ftritt auch Wildeber, der eifrige Mann, Als gält es Wifende zu jagen in dem Tann. Seine Jagdluſt büßten die Wilinge ſchwer: Sie fragten fih: „Wie heißt er, Wildeber over Wildebär? „Er trägt fie beid im Schilde, der Landgraf Eberwin, Und wo er kämpft, der wilde, da ift wohl Zeit zu fliehn. Wen feine Tagen fragen, ber bleibt wohl auf dem Plan, Der bleibt wohl auf dem Plage, den er zerfleifcht mit ſcharfem Zahn.“
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165 Wittich und Siegflab und Wildeber au, Die übten auf dem Walfeld den ſchwertgrimmen Brauch. Ste fhlugen Alles nieder was Mannesfamen war; Dreimal bie Kehre nahm Wittich durch der Yeinde Schar. Als Rother fah im Sturme der Seinen Fall jo groß Da gebot er Aöprianen: „Run laß den Riefen Ios. Er grummt noch wie vor Alters, wenn ihn die Slette zwängt: Macht ihn fein Weib nicht zahmer? Die Kette Löft, er fie ſprengt!“ Da löften ihm die Wächter der Eifenkette Laft. Bei ihm lag feine Stange, die hatt er bald erfaßt. Damit brady er Straßen fich durch der Yeinde Reihn: Die ihn zu fliehn vergaßen, ber mochten nicht Biele fein. Da kam ihm aber Wittib entgegen body zu Roſs: Der wollte fih nicht wenden wie rings der feige Troſs. Er ritt zu allervorverft den Amelungen vor Und züdte nach dem Riefen den Keil ein jüngerer Thor. Wie möcht er den erreichen? fein Schwert war nicht fo lang: Es blieben eitle Streihe. Doc feine Stange ſchwang Jetzt Widolf auf den Sippen (ihm galt die Sippe nichts), Daß er vom Pferde ftürzte blutübergoßnen Angefichts. Den guten Helm getroffen hatt ihm ber ſchwere Schlag Und fo betäubt die Schläfen, daß er für tobt da lag. Das Fonnte Niemand rächen, denn mit der Keule Wucht Kam Abendroth und fchredie die Kühnften jetzt in die Flucht.
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166 Vor drang mit Notherd Banner der ftarle Aöprian, Othar ihm zur Seite, der ſchönen Sigrid Mann. Wie Bienenfhwärme ftürmen unzählbar durch den Wald, So ftürmten jeßt die Schweden, und Wer geböt ihnen Halt? Nun war aber Heime ' nicht fern ala Wittich fiel: Schimming dem fehnellen, ber ihm fo wohl gefiel, Dem konnt er im Gebränge nicht bei: da büdt’ ex fi Und bob ven guten Mimung vom Boden auf und entwid. Die Wilinge fchritten nun über Leichen fort: Da ward ein Blutvergießen, ein grimmiger Mord! Die Amelungen mehrten dem Feind mit Kampfbegier: Die Heunen aber ſtutzten, fie ſahn wicht mebr ihr Panier. „Da gab feine Fahne Dietmar der König bebr, Den Leu im weißen Felde, dem grimmen Wilbebär: „Dem Zeichen folgt, ihr Heunen, es führte ſtäts zum Sieg, Friſch auf, das Land ift euer, um bas mir kriegen den Krieg. „Ihr kühnen Amelungen, nun gebet Niemand Frift, Laßt Schweden fchaun und Heunen mas euer Handwerk ift. Sch will nicht daß ihre fechtet mit fo gelaßnem Muth, Nein, lapt die Schwerter blitzen und jpornt die Roſſe zur Wuth.“ Da trug er in die Feinde den goldgelrönten Leun Und lehrte fie den König aller Thiere fcheun: Unter Dietmars Zeichen fiegte Eberivin. Die Schiweden wanken, weichen, und endlich lernen fie fliehn.
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167 Da half nicht mehr die Stange, noch half der Keule Wucht, Es fant Rother Banner, die Lofung war die Flucht. Mit fortgerigen liefen Wibolf und Abenbroth; Die Thoren, daß fie mieden den unvermeiblichen Tod! Da floh mit feinem Volle Rother der König hehr, ‚sünftaufend Ritter ließ er im Felde, wo nicht mehr. So große Niederlage daucht' ihn noch nicht fo fehlimm: „Doch mußich Heunland räumen,“ Tpracher und knirſchte vor Grimm. Biel Todte zählt auch Ebel; er ſchlug fie aus dem Sinn: Die modt ihm mohl.erfeßen des reichen Lands Gewinn. Schön Utens Erbe blieb ibm nun immer untertban; Ein Recht auch bracht ihm Helle nad Rothers Tode daran. Herr Dietmar fuhr nach Haufe mit feiner kühnen Schar, Tie um fechzig Reden ibm nun gemindert var, Wittichs zu gefchweigen: wie groß auch ſchien die Zahl, xieber ala den Einen miſst' er die Andern zumal. Doch war noch unerftorben zum Glück der edle Held. Als Widolf ihn, der Riefe, mit feiner Kraft gefällt, Da kam der junge Ortnit, Rother Brubersjohn, Mit feiner Schar gefahren, eh des Oheims Scharen flohn. Er fah den Helden liegen für tobt auf feinem Schild; Den NRornenrand erfannt' x, Wielands Gebilb, Und au von Sehn und Sagen den Degen bochgemuth: Er ſchien ihm nicht erfchlagen, ob er da lag in feinen Blut.
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168 Er ließ den Geiſel binden und ſandt ihn feinem Ohm, Da Dietmar fliehen lehrte ber Schwebenvöller Strom. Dem war es liebe Gabe; ihn tröftete der Yang. | Er ſprach: „Das ift das Beſte was uns für dießmal gelang.” Als er nun Heunland räumte und jenfeit des Meers, An Seeland ſammeln wollte die Trümmer jeined Heer, Wo Asprian zu Lehen von ihm die Krone trug, Da büßt’ in Lethras Kerler Bathildens Sohn den kühnen Zug In Heunland war ein Degen, der trug groß Leib um ihm: Herrn Dietmar bat um Urlaub der Landgraf Eberwin. „Was brauchft du meines Urlaubs? du bift mein Dienſtmann nicht Wer gab dir Thüringen? du ftehlt in König Etzels Pflicht.“ Wildeber ſprach: „Euch dien ich hinfort nach meiner Wahl: Unfieg batt ich immer jeit Ekel mir befahl. Unter Euerm Banner war mir ein Sieg beichert; > Doch fomm ic jebt und bitte, daß ihr mir Urlaub gewährt. „Ich will Orendel ſuchen: vielleicht, daß er eripäht In Schweden oder Seeland, mie e3 um Wittich ſteht.“ Er ſprach: „Wer ift Drendel?“ — „Der Spielmann fang: Sie gaben ihm ven Namen, feit Eigeln jener Schuß gelang. „Mag ich ihn erfragen, ich weiß, er thut es gern. Nicht eher will ich ſchauen dein Angeficht zu Bern, Bis ich weiß, ob noch am Leben mein Freund ift ober tobt: Wittich iſt mein Vetter, drum geht mir nahe die Roth.
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169 „Etzels Bannerftange hat ihn zu Fall gebradht; Unter Deinem Zeichen bätt ihm das Glück gelacht. Das fol er immer tragen, befreit ihn fang: Laß dir und deinem Sohne dann uns dienen lebenslang.“
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170 Einunbzwanzigftes Abenteuer. Wie Laurin Oauller zu Bern ward. Nun mag euch wohl verlangen zu kehren in den Berg: Da bielt Laurin gefangen der Helden viel, der Berg. Im tiefen Kerker lagen bie vier, befinnungslos In Bande gejchlagen; es mar ein Tlägliches Looß. Men follt e8 nicht erbarmen mie fie gebunden find An Hand und Fuß, die Armen, von eines Rieſen Kind? Der band fie erſt noch fefter eh er fie liegen ließ Um Dietleibs fchöne Schwefter, betäubt; im bunleln Verlies. Noch ahnten nicht die Degen der Freiheit Berkuft. Wie lang fie jo gelegen, es ift mir unbemwuft: Da drunten in den Bergen gebricht der Zeit das Maß, | Da jcheint nicht die Sonne, da netzt der Thau nicht das Gras. | Da nicht mehr mochte Heden des Trankes Schlummertraft, Erkannten fie mit Schreden fo ſchmähliche Haft. Sie wollten gerne rächen den Schimpf und den Betrug; Doch wie die Feßeln brechen in die der Elbe fie ſchlug?
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171 Wie man die Opfer bindet, die man zur Schladhtbant- führt, Die Hände zu ben Füßen mit Knebeln feftgeichnürt, So lag der Preis der Fürften, die höchfte Bier der Welt. Als Dietrich das erlannte, vor Scham erglühte der Held. Sein Zorn ergriff den Degen, wie er in Banden bieng, Daß roth ihm aus dem Munde des Feuers Flamme gieng. Den hänfnen Strick verbrannte die lodernde Gluth: Die Rechte ward ihm ledig: das kam der Linlen zu gut. Als er auch die befreite, ſie wurden alle froh. Doch muſt er liegen bleiben gefeßelt auf dem Stroh, Da noch ihm an den Füßen die Stahllette lag Mit armgroßen Ringen: es war ihm ein leiver Tag. Die Schmach verbroß den Fürften: er zwang die Hand zur Fauft Und wie zum erſten Schlage fie hämmernd nieberfauft, Da ftoben auseinander, als wärs ein weiches Ei, Die ſchweren Eifenringe; aller Feßeln warb er frei. Nun löft er auch die Andern von mandem ftrengen Band: Zerbrochen und zerihlagen ward von des Helden Hand Was fie der Ketten trugen, die Helden auserwählt. Er ſprach: „Nun find wir dennoch den Verlornen zugezäblt. „Bir Tommen nicht von. binnen, uns hält ein tiefer Thurm, Und dieje Felſenwände trogen jedem Eturm. Im Berg vor uns verfchloßen in wilder Zwerge Hut Sind unfre fcharfen Schwerter, unfre Panzer feft und gut.
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172 „Run rafbet, lieben Freunde; ich felber weiß nicht Rath, "Uns wolle Gott vom Himmel denn helfen mit der That.” Sie rietben hin und wieder, das frommte nicht ein Haar: „Der Zwerg till ung verberben, wir erfterben bier fürwahr!“ Sp Ingen fie mit Sorgen id weiß nicht mie lang. Sie wären auch geitorben in dieſes Zwingers Zwang, Doch Lieb und Treue machten. Dietleib der junge Mann Wars, der ihr Heil bebachte; doch hielt ihn felber in Bann Das ftarle Schloß der Kammer, das feine Kraft nicht fprengt: Die Thüre will nicht weichen wie er auch drückt und drängt. | So blieb er da gefangen bis ihm zu Hülfe kam Die Königin der Ziverge, die ihn den Sorgen entnahm. Simild die fhöne trug um den Bruber Leib Im Herzen, und um alle die Reden kühn im Streit. Da deckte fie dem Steine den Glanz, der fie umwob, Und gieng den Schlüßel fuchen, der der Kammer Riegel bob. Da kam bervorgefprungen Dietleib im Webermutb: „Wie nun, liebe Schweiter,“ fo ſprach der Degen gut. „Wie ließeit du fo lange den Bruber in der Roth? Wo find meine Freunde? find fie lebend oder tobt? „Das räch ich an dem Kleinen fo jehr ich immer mag: Ich ſah ihrer Keinen, es tft wohl miandyer Tag.” Da ſprach die Magb, die hehre: „Lieber Bruder mein, Nun folge meiner Lehre, Soll es nicht dein Ende fein. ‘
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® 173 „Die Helden find gefangen, geftorben find fie nicht; Doch mag fie wohl verlangen nad Lebensluft und Licht.“ Dietleib ſprach: „Den Zwergen zumal fei wiberfagt, Die eitel Tüde bergen im Herzen, das vor Mannheit zagt. „Hätt ic meinen Harniſch, Dazu mein gutes Schwert, Zaurin der König deuchte mich keine Bohne werth, Und all die Heinen Wichter nicht eine taube Nuß: Ich erlöfte die Gefellen aus ihres Kerkers Verſchluß.“ Da bot fie ihm ein Ringlein, mie Klee der Stein jo grün. Sie ſprach: „Run laß dich warnen und fei nicht allzu Fühn. Dieß Ringlein ift dir befer als wärs ein Königreich: Du fiehft durch feine Stärke, es jchügt vor Zauber zugleich. „Run zeig ich. dir den Harniſch und Helm und Schwert und Schild; Bor Laurin dich zu hüten, das räth dir Similb. Er hat zwölf Männerftärke: vertrau bir nicht zuviel: Wenn er dich beitände, vein Leben brächt er ans Ziel.” — „Run Trutz und Trab den Elben! verflucht ihr Webermutb, Ich will den Freunden helfen was mir Laurin auch thut.” — Da ſprach fie gute Sprüche mit fegnender Hand " Und führt! ihn zu dem Saale: da lag das Eifengewand, Dazu die guten Schwerter; der Degen ſahs erfreut. Er ſprach: „Nun will ich ſchauen ter und noch Fehde beut.“ Er wappnete ſich balde zum Haupt empor vom Fuß: „Wo find nun die Geſellen? ich bringe fröhlichen Gruß.“
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[5 174 Da nahm er Schwert und Harniid der Helden alle vier Und mit den beften Schilven der Helme lichte Bier. Was Viere tragen jollten, er trug allein bie Laft Und brachte fie den Yreunden; das jah der elbifche Gaft. Sie kamen an den Kerler: ob er den Freunden rief, Sie konnten ihn nicht hören, der Abgrund war zu tief. Nicht lang befann ſich Dietleib: er jchob die Waffen all Hinunter in den Zwinger: das Gewölbe gab Widerhall. Wohl hörte dieß Getöſe der alte Hildebrand: Da geiff er bin gejchwinde mo er die Waffen fand. Er ſprach: „Seit guter Dinge und gebt mir Botenbrot: Wir baben unfre Waffen: mas hat es weiter für Notb? „Sch ſehe Licht dadroben, die Thür tft aufgethan; Hier hängt ein Seil herunter: da Flimmen wir binan. Gewiſs bat ung Dietleib gefenbet das Geräth: Nun hab er Dank und Ehre, daß er fo treu ift und ftät.“ Dietleib der junge bielt vor dem Thurme Wadıt; Hell bligten feine Waffen durch des Berges Nacht. Da ſah Laurin den Kecken: es ſchuf ihm großen Zorn. Da rief er feinen Reden und ftieß mit Kraft in ein Hom. Laut Hang es durch die Hallen, die Schluchten tief und weit Und mer es hörte fchallen, den rief es auf zum Streit. Da quoll e8 aus den Gängen, den engen, mit Gewalt: Behelmte Zwerge drängen ſich viel aus Ritz und Frelfenfpalt.
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Da hörte man erklingen manch zierlih Heine Wehr; Den König bald umringen Zweitauſend ober mehr. - Da ſprach er zu den Treuen: „Seht dort ben großen Dann (Ihr werdet das nicht fcheuen): der hat mir Leides gethan. „Im Thurm gebunden liegen ihm ber Gefellen viel: Wenn die dem Schacht entftiegen, fo bringt fie auch ans Ziel. Nicht Einen laßt entlommen, gebt ibnen all den Tod.“ Dietleib den frommen, den ſah man lachen der Noth. Dreibundert Reden rüdten beran in blinder Wutb, Dreihundert Schwerter züdten fie auf den Degen gut. Der ließ den Welfung bligen und ſprach: „Was wollt ihr mir? Mit euern Nadelfpiten mas fucht ihr Däumlinge bier?“ Da fprang ein Ritter zornig daher wohl ellenlang Mit großem goldnem Helme. Dietleiben wurde bang. Er fprad: „Du bift ein Nedel erfchrede mich nicht So! Träumte mir doch nächten, einen Goldhelm trüg ein Floh.” Der Rede zürnte Jener: „Hochgeborner Held, Uns kann der Tod nur fcheiden: der Spott wird euch vergällt.” Er ſprach: „Kein Spott, bewahre! ſo fpricht aus mir die Angft. Nun ftih, wenn du fo durſtig nad meinem Blute verlangt.“ Der Zwerg fiel aus; er warf ihn zu Tod mit einem Stein Und ſprach: „Sch muß dich knicken, bein Stechen ſchuf mir Bern.” Als das die Andern fahen, fie liefen all berbei, Des Fürften Tod zu rächen bebacht, mit großem Gefchrei.
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176 Da mahnte kühn zu ftreiten fein Zwergevolk Laurin: „Springt an won allen Seiten und lafit ihn nicht entfliehn. Laßt auch nicht aus dem Schachte die dort gefangen find, Denn ibre Waffen brachte den Helden Bitrolfens Kind. „Sie würden und nicht |paren, erftünden fie zum Streit: Wie fie gebunden waren, ich fürdhte, fie befreit Mit fernen ſchlauen Näthen Hilbrand der giftge Wurm: ‘Die an die Thüre treten, die ftoßt zurüd in den Thurm.“ Da ſprang der König näher, nachdrang der Zwerge Schar: Dietleib ftand unerfchroden, als gäb es nicht Gefahr, Und bedite fich den Nüden mit bes Gemölbes Wand; Ein Schwert fah man ihn züden, ein Schwert an jebtveber Hand. Die rechte trug den Welfung, die linke trug den Schrit: Mie Manchen da der Elfen fein Haß vom Leben fdhied! Er bäufte ganze Berge von Todten um fih ber: Das frommte nicht, der Zwerge warb es im Berge nicht leer. Sie fliegen auf die Leichen und fchtenen größer nun; Ihm möchten von den Streichen die müben Arme rubn. " Da balfs mit feinem Spotte nicht mehr: gefangen nahm Der Däumlinge Rotte fehier Adelindend Bräutigam. Da bob fi) aus dem Thurme von Bern der edle Helb: Dietleiben ließen die Zwerge freies Feld Und wollten Jenem wehren: doch trat er aus der Thür, Und feine Seergefellen, die kamen alle berfür.
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177 Mit fetten Panzerringen, mit lichten Schilben breit, Gefund und guter Dinge, fo eilten fie zum Streit. Doch fahn fie nicht die Feinde, da3 war ein Ungemach! Rur Hilbrand bieb aus Helmen des Blutes rauchenden Bad). Roc währte jener Zauber, fie fonnten Niemand fehn: Da wäre diefen Reden bald großes Leib geſchehn. Die Thüre war gar enge, das dankten fie dem Glüd; Mit zwanzigtaufend Helden ftieß fie Laurin zum Thurn zurüd. Derweil hatte Dietleib der Held ſich ausgeruht: Da balf er den freunden: der Yunlen rothe Gluth Lockt er aus den Helmen und brach auch manchen Rand: Der Berg erfcholl den Schlägen feiner tugenibreichen Hank. Darüber möchte weinen ver eble Vogt von Bern. Er Sprach: „Sch ſehe Keinen und ftritte nun fo gern. Sch möchte Jenem danlen, der dort fo herrlich ficht; Doch Blindheit jegt mir Schranken, ich höre Streit und ſeh ihn nicht.“ Da ſprach Meifter Hilvebrand: „So nimm ben Gürtel hier: sch gönne dir bie Ehre viel lieber doch als mir. Nun folge meinem Rathe und gürte dich darein, Sa ftehft du taufend Lichter, bunt gligt und bligt das Geſtein.“ Der Degen nahm den Gürtel: da ward er freudenreich: Er jah mit feiner Hülfe der Zwerge Heer jogleich Und dort den jungen Degen in großen Nöthen ftehn. Da lief er ihm entgegen, er forgt' e8 wär um ihn geichehn. Eimrod, das Arelungenlied. 11. 12
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1778 „Zurüd, bleibt zurüde,” rief Dietleib, „aus dem Sturm. Ihr feht nicht die Feinde, nein, haltet euch im Thurm. hr kommt zu großem Schaden, bes Gelichters ift fo viel, Nie fab ich fol Gebränge: laßt mich vollenden dieß Spiel.“ Dietrich rief: „ch jehe dich wohl, du bift fo roth, Weiß nicht von weſſen Blute, du ſtehſt in großer Noth.“ Er wollt ibm Hülfe bringen, da rief ibm Hilbebrand: „Laurin trägt ein Ringlein, der König, an feiner Hand. „Wenn du mir das erwürbeit, jo wär ich auch nicht blind. Zwölfmanntraft vor dem Steine ber Keine Gaft gewinnt. Kannft du ihn doch bezwingen, der ſolche Stärke hat, Und mir das Ringlein bringen, du wirſt mir vanlen den Ratb.“ Da fprang der Helb entgegen dem Zmerg und feiner Schar, Er ſchlug fo Manchen nieder, daß es ein Wunder war. Zaurin, den Herrn des Berges, verbroß feiner Schmadh: Er bieb ihm nad dem Schilde, daß der Feßelriemen brach. Der Berner rief im Zorne: „Nun "mag dir deine Wehr, Meineidiger, nicht frommen, nod dein ungefügeö Heer. Es muß zulegt milöglüden dem ungetreuen Mann: Dir belfen deine Tüden, dir hilft dein Ring nicht hindann.“ Zaurin ſprach fonder Grauen: „Richt fürdt ih deiner drei: Ich laße dich noch Schauen, wer bier der ftärkre fei.“ Er bob den Schild, und holte gewaltig aus zum Schlag: Da ftieß ihn Dietrich nieber, daß er am Boden ftrampelnd laa
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„Nun muft Bu bier gefangen, großmächtger König, fein. Dir helfen nicht die Rangen, ' die langen Reden bein.“ Cr bob ihn auf die Arme und z0g ben Ring ihm ab: Wie freute ſich ber Meifter, als den der Berner ihm gab! Nun war hbinausgelaufen derweil der Riefen Kind. Vier Riefen wohnten draußen, den Zwergen boldgelinnt: Die blies er all zufammen, fein Horn durchſcholl den Wald. Als fie die Märe hörten, die Stangen faßten fie bald. Sie kamen mit dem Kinde gelaufen in den Berg Und fahn im Blut fi winden manch fchmergetroffnen Zwerg. Da boben fie die Stangen und fchlugen mächtig brein: Da wär es ſchlimm ergangen den Helben ſchier, diefen drein. Als Wolfhart aus der Ferne vernabm diefe Noth, Er ſprach zu Wittihen wie ihm bie Treu gebot: „Sie erfhlagen uns die Freunde: komm, tbeilen wir ihr Looß. Berfäßen wird und legten die Hände feig in den Schooß, „zeitlebens grüßten rauen und Männer ung nicht mehr. Und fehn wir nicht, wir hauen im Blauen bin und ber.” Wittich ſprach: „Ich träume ſchon lange ſolche That: Laß uns nicht länger fäumen, das ift mein Wunſch und mein Rath.” Da hoben fie, den Freunden zu helfen, Schwert und Schild; Doch ihrer Eile wehrte die Königin Simild. Entgegen trat den beiven die grün befränzte Magd: Sie ſprach: „Ich börte Alles was ihr einander gejagt.
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180 „Sch muß euch große Mannheit billig zugeftehn: Ihr wollt die Feinde Schlagen und könnt fie doch nicht jehn. Hier geb ich Jedwedem zum Lohne grünen Klee: Wer ſolch ein Vierblatt führe, dem thut kein Zauber mehr web. | „Bewahrt fie gut, fo fchaut ihr fo Kar als je zuvor.“ Da wurde der Wölfing vor Freuden fchier ein Thor. Wohl that er hohe Sprünge als ihm fo lieb gefchah, Daß er Zwerg' und Rieſen und das ſchöne Mägblein fab. Ihm war als hätt er nimmer fo Holdes noch geſchaut. Er berzte fie zum Dante, der Kuſs ſcholl überlaut: „Dir dankt ich all mein Leben mas du mir haft gefchentt: Es muß mir Etärle geben, wenn mein Herz.im Streit dein gebenit.“
Da ließen diefe Beiden die wonnigliche Maid Und halfen ihren Freunden im angſtvollen Streit. Dietrich und Dietleib und der alte Hildebrand, . Die hatten ſich der Riefen erwehrt mit kraftreiher Hand. Sie ftanden doch entgegen den Fünfen ihrer drei, Und aud die Zwerge ließen fie noch nicht kampfesfrei. Als jetzt die beiden kamen mit herrlichem Muth Und bald den Riefen wieſen die Kraft, die nur zu lang gerubi. Da fah der Held, fie fchlügen nicht blind nur ins Gelag, Sie mwüften wohl zu fügen, - zu zielen jeden Schlag. Er rief erfreut: „Nun wehrt eu, ihr Niefen, wenn ihr könnt Wir Reden fehen wieder; euch iſts nicht lang mehr gegönnt.
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181 „Ihr müßet bald erblinden und jchaun die ewge Nacht, Und aller Spuk verſchwinden, der uns zu fchaffen macht.“ Da fchlug er fehnelle Schläge, daß laut fein Sachs erklang. Auch Wolfhart gedachte bei manchem fräftigen Schwang Der Ihönen Similde, die all fein Leid gewandt: Da fiel der erfte Riefe von feiner Fühnen Hand. Den zweiten ſchlug Dietleib, der übermüthge Held; Bald lagen aud die andern, ich weiß nicht wer fie gefällt. Sie hatten all gefochten fo Fühn den heißen Streit, Daß fie wohl Ioben mochte Similb die ſchöne Maid. Die Riefen und die Zwerge Ingen alle tobt. Es floß ein See im Berge fpannentief, vom Blute roth. Da rief Laurin der König: „Weh mir, mein Neid) ift bin, Mein Bolt iſt todt, o Sammer, daß ich geboren bin! Es iſt um mich ergangen und alle Hülfe fen: Sie führen mid) gefangen als ihren Gauller nach Bern.“
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182 Zweinubzwanzigfted Abentener. Wie Rother Schön Uten entführte. \ Die: Sage kann entrüden in tiefer Berge Schadht: Sie hat euch ohne Brüden fchon über Meer gebradt. Sie führt euch jebo wieder in Seelands Buchenwald, Den Sigrid einft die fchöne durchſtrich in niebrer Magd Geftalt | Gejang und Jubel raufchten in Lethras Königsfanl Den langen Tag und würzten am Abend noch das Mal. Das börte König Notber, und fprad: „Mas fol das Spiel? Es wirst mir die Gedanken, mid dünkt es endlich zu viel.“ „Uns ift ein Heil geſchehen,“ ſprach Herr Asprian: „Ihr folltet felber fehen den großen Spielmann, Eigeld Sohn des Schügen, der uns gelommen ift: Was gilts, er kann euch Spielen, daß euer Herz des Grams vergißt.” Er ſprach: „Ich Ichlug wohl felber die Harfe meiner Beit, Hab manches Lied erfunden zum Tanze wie zum Streit. Noch hört ich Feine Weile, die Seine Kunſt erprobt. Die Zeit ift unmweife, daß fie die Gaufler befobt.
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183 „Mit fürftlihen Gepränge zieht Mancher durch die Welt, Des Diebesfingerlänge dem blöden Volk gefällt. Wenn er ihm aus den Taſchen das Gelb bebende ftiehlt, Es läßt ſich überrafchen und. ruft: das heiß ich gefpielt! „Bon Herzen ift mir Altem ver leere Schall verhaßt; Ich will mein Geld behalten: drum meid ich ſolchen Gaft.“ „Horchet denn,” ſprach Asprian, „nur aus der Ferne bin, So wünſcht ihr bald euch näher, ich weiß, e3 dünkt euch Gewinn.” Ans Feniter trat der König: da drang ein voller Ton Ihm aus dem Saal herüber; er ftand und laufchte ſchon. Bald zog es ihn von bannen, es blieb ihm Feine Wahl, Mit allen feinen Mannen zog ihn das Spiel in den Saal. Da ſaß ander Harfe der Spielmann fang: Es war Rothers Brautliev, das er fpielt! und fang. Holbfelig Hang die Weife, die, er einft ſelbſt erdacht; Doch recht erfuhr der Greife heut erft ihre Zaubermacht. „Er ſprach: „Du machſt dir Ehre und mir durch beine Kunft: Kannſt du auch andres fpielen, fo ift eö mehr als Dunft. Run gieb und neue Lieber: dieß hab ich fchon gemwuft; Mach uns zu Helden wieder, fing uns von Krieg und Stegesluft.“ Da fang ihm Orendel von dem wilden Imelot, Der Melias dem König der Heunen Krieg entbot. Mit zwei und fechzig Fürften brach er ihm ind Land: Da muft ibm Rother helfen, der da Dietridy war genannt.
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Sr ſprach: „Nun gieb mir wieder die Boten aus dem Thurm; Mein Haupt mag dir bürgen; die führ ich in den Sturm. Und führe Du die Deinen: fo wird ber Feind zu Spott Und diejer Thor von König, der fich felber wähnet Gott.“ Da gab man ihm bie Boten; er gab zu Pfand fein Haupt. Die Söhne zu befreien, da das ihm warb erlaubt, Bor Freude möchte fpringen der alte Berchtold: Die hellen Zähren famen ihm den Bart berabgerolit. Die eveln Boten giengen hervor aus Moderbuft, Zwölf reihe Grafen ftiegen aus der Gruft, Und jedem Grafen traten zwölf ftolge Ritter nad). Mit Sachen kam Edart: es fcholl ein freubiges Ach, Als den der andre Edart umbalste, Haches Sproß, Für den Wikings Enkel fi in den Thurm verichloß. Zwar hatt unlange dießmal die ftrenge Haft gewährt; Doch heiß ich rechte Freundſchaft, die fo die Treue bewährt. - Da gab man ihnen Alles was fie ind Land gebracht: Auf ſchneeblanken Roſſen ritten fie zur Schlacht. Da führt auch König Melias ein Fräftiges Heer Dem wilden Feind entgegen, funfzigtaufend ober mehr. Am dritten Tage kamen fie an des Landes Mark: Da lag ter Feind geherbergt; der war wohl zwier fo ſtark: Das ſchuf den Heunen Sorge, fo große Angft und Dual, Daß Weib und Kind Jedweder des Andern Treue befahl.
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185 Ste getrauten nicht zu leben vor Imlots Heerestraft. Aber Dietrich tröftete die bange Ritterfchaft: Er legte fih zuvorderft mit feiner Helden Schar Zwiſchen beide Heere und trug zunädjft die Gefahr. Des fagten fie im Herzen dem Kühnen großen Dant. Als nun mit rotbem Schimmer der Abend nieberfant, Da ſah man mit den Seinen Dielrichen raunend gehn, Db ihnen vor den Heunen die Ehre möchte geichehn, Daß fie die Feinde fchlügen und fiengen Imelot Ch Melind gedächte des Kampfes und der Noth. „In Treuen,” ſprach da Wibolf; „laßt mir die Hände frei, So bin ich diefen Wilden nicht fo weich als ein Ei.“ Da mappnete fih Asprian, der niemals rieth zur Flucht, Abendroth der Tchnelle ſchwang der Keule Wucht, Die beiden Edarte kamen Hand in Hand, Zwölf Grafen, zwölf Ritter fchloffen in ihr Streitgewand. Bon diefem Ritte muften allein, und Niemand mehr, Die da gefloßen waren von Norden über Meer. Schon fprang zu Roffe Rother und ritt der Schar voran. Da Sprach zu den Rieſen Lüpold der getreue Mann: „Run bleibet in der Nachhut, menn wir den Thoren nahn (Sie beten einen Menfchen als ob er Gott wär, an). Die hohen Halöbergen fcheinen euch zu weit: Daß fie den Feind nicht wecken, verbergt ben Glanz bis es Zeit.”
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186 „Die Wächter follen glauben, mir fein von Imlots Heer Und hätten uns verfpätet: fo fparen fie die Wehr.” \ - Sie kamen an das Lager und fahn der Zelte viel: Sie konnten fie nicht zählen, da war nicht Ende noch Riel. Sie ſprachen zu den Wächtern: „Wir hatten und verfäumt: Nun mit den Winden ritten wir bei der Nacht: das räumt. Der Gott mag ſich freuen: bier fommt ihm mander Helv.“ Da wielen fie die Bäfte zu ihres Gottlönigs Zelt. Mit feinen Rieſenbrüdern trat Asprian hinein. Imlot ſah fie ftehen vor fi im Mondenſchein - Gleich zwei Felfenfäulen. Er ſprach nicht viel dazu: - Den Stangen und den Heulen genüber hielt er gerne Rub. Der König war gefangen: ‚nun gieng ed an fein Heer; Nur Flucht mochte frommen, zu Schanden warb die Wehr. Midolf fuhr dazwiſchen tie ein Wetterftral: Schlug er ins Gedichte, fo ftürzte Mann und Roſs zumal. Auch ſah man im Gebränge den fchnellen Abenbrotb: Der fchlug die meifte Menge mit breiter Keule tobt. Doch war bier viel zu fchaffen, denn unerſchöpflich quoll Das Bolt noch aus den Zelten: alle Hände hatten voll Die Grafen und die Ritter und der edle Dieterich, Dazu der alte Berchtold, der heut dem Kriegsgott glich. Der Bart war ihm beronnen mit Blut jo rauchend warm: Als wär er jung geworden, unermüblich fchlug fein Arm.
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ı Die Jugend gab ihm Freude, daß er die Söhne ſah Und wie im Streite Wunder von ihrer Kraft gefchab. Bald flohn die legten Feinde als jagte fie der Mord: Eie ließen ihren König und ein Heer von Todten dort. Da wandte mit den Seinen Rother ſich zurüd Zu Melias dem König und barg fein Siegesglüd: . „Der Wächter fah uns kommen: fchon ftößt er in fein Horn; Legt Ihr each hin und ſchlafet und achtet Niemandes Zorn.“ Laut rief der Wächter über das Heer fo breit; „Wohlauf, König Welind, nun gilt es harten Streit. Die wilden Feinde ritten dir nah mit großem Schall: Run wehrt eu, Heunendegen, ſchlagt zurüd den Leberfall.“ Wie erjchraf der König, da ſolche Mär ihm kam! Der fie ihm angeblafen, dem Wächter mar er gram. Doch griff er nach dem Schilde und barg ſich unterm Helm. Da ſprachen ihrer Viele: „Nun fieh doch, Dietrich der Scyelm, „Der feige Großfprecher, ob er ein Glied nur rührt. Er wollt und doch beichügen und bat ung bergeführt: Hier dacht uns zu verratben der untreue Gaſt.“ Der allermeiit jo redete, das war der Herzog Settegaft. Melias der König ritt-vor ein lichtes Zelt: „Wohlauf,“ rief er, „Dietrih, mohlauf, bift du ein Held. Der Feind ift eingebrochen, und Allen naht der Tod.” „Herr, ihr wollt mein fpotten,“ rief der König Imelot.
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188 1] „Sch kann dir nicht mehr fchaden, da ich gefangen bin; Das ich ein Gott mich wähnte, das bringt mir Ungemwinn. An Händen und an Füßen mit ſchwerer Feßeln Laft Läßt mic) den Unfinn büßen den du mir gefendet haft. „Als ich in meinem Bette lag beut um Mitternacht, Und meinen Leuten traute, die draußen bielten Wacht, Da trat herein felbbritter ein freisliher Mann: Unter feinem Arme trug mich das Wunder hindann. „Die Meinen find erfchlagen, drum fürchte dich nicht mehr.“ Als Melias das hörte, die Zeitung freut’ ihn fehr. Er ritt zurüd und ſagt' es feinen Mannen at, Gefangen fei Imelot; das babe Dietrich gethan: „Geflohen find die Feinde oder meiſtens tobt. Nun müßen Die fi) ſchämen, die den Herren ohne Roth Bei mir verläftert haben mit großem Unrecht.“ Da lief zu Dietrichs Zelte mander Ritter und Knecht. Bom Rofle fprang auch Melias und gieng der Erfte hin Mit bittenden Händen: da warb ihm gern verziehn. „Run lohne Gott dir, Dietrih, daß du den König fiengft Und daß du folche Tugend an feinem Heere begiengft. „Es bringt dir immer Ehre, mo man es fagen bört. MWüft ich nur von Allem, was mir angehört, Ein Ding, das dir behagte, das wär mir nicht zu leib: Ich will dirs immer banfen; es kommt mohl künftig die Zeit.“
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189 Als nach dem Morgenſchlafe die Nacht dem Tage wich, Zu Melias gegangen lam da Dieterich Und befahl ihm Imeloten, den Gefangnen, an. „Hätten wir einen Boten,” ſprach der liftige Mann, „Wir meldeten den rauen mie uns gelungen ift. Eie find in großen Sorgen um euch zu diefer Friſt.“ „In Treuen,“ fprach der König, „Du follft der Bote fein Meinem Weib und meiner Tochter; du bift beliebt bei den Zwein. „Sag ihnen wie wir famen aus aller Roth und Angft: Zum Botenbrote geben fie was bu nur verlangft.“ Er ſprach, er thät es gerne und ſprang alsbald zu Roſs. Da Sprach er mit den Seinen, die der Märe nicht verbroß. Den theuern Weiganden war nad der Heimat weh: Sie ritten mit dem Boten nad) Hamburg bei der See. Dietrichs Sturmfahne trug man ihm vorauf; Sie Tamen feldflüchtig im überftürzenden Lauf. „O web,” ſprach die Königin, „mas bebeutet das? Dietrich, lieber Herre, mo iſt Melias Und al die werthen Ritter? jehn mir fie nimmermehr?" — „Rein, wahrlich nein, erfchlagen hat Imlot ihn und fein Heer. „Der fommt uns nachgeritten mit großer Heereskraft. Er will die Stadt zerftören: Tod und Gefangenfchaft Iſt Aller Looß, der armen, die in der Befte find. Sie Iennen fein Erbarmen, fie reißen von ber Bruft das Kind.
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1% „Ich Tonnt ihn nicht beftehen: mer troßte folder Wuth? Zu Schiffe will ich gehen: fo ſcheidet und die Flut.“ Die Köngin rang die Hände: „OD weh mir armem Weib! Wer fol denn beſchirmen mein unb meiner Tochter Leib? „Bon dieſen Unholden errett uns, Dieterich!“ ‘ Sie bot fih ihm zu Füßen umd bat inbrünftiglich: „Nimm uns in die Kiele und führ uns bin mit dir; Bei allen Göttern, laß ung den Wilden nicht zur Beute bier.“ Da bie den Königinnen Zelter und Pferd Aus den Ställen ziehen, der fchlaue Degen werth, Und führte zu den Schiffen die weinenden Fraun. Da fah man Hände ringen das Volt mit ängftlihem Graun. Sie Tiefen all mit Dietrich hinaus an den Strand Bor Imelot zu räumen die Stadt und das Land. Zuerft mit den Seinen trat Dietrich in ben Kiel; Den Schatz hinein trug Eckart: da war des Golbes noch vid. Da ließ König Rother die Mutter am Geftad, Als ihre Tochter Ute das fchnelle Schiff betrat. So rief: „D web, Herr Dietrih, tugendhafter Mann, Uns elende Frauen, mem befieblft du una an? „Laß mich nicht bier verwaifen, nimm auch mich an Bord Zu meiner lieben Tochter; ich ſprach dir ſtäts das Wort.” „Gehabt euch wohl,“ fprach Dietrih, „und fiellt das Weinen ein: Noch lebt König Melias: bald wird er bier bei euch fein.
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„Es ift ihm wohl ergangen, geichlagen tft der Feind, Und Imelot gefangen. Wenn Melias erfcheint, Sagt ihm, feine Tochter fei norbwärts über Meer Mit Rothern gefahren: ich heiße nicht Dietrich mehr. „Gebietet mir, ich leifte gern Alles was euch frommt.“ | „O wohl mir,“ rief die Königin, „daß mir die Märe fommt! Genieße meiner Tochter nun lange mit Gemach: Ste wär dir längft geworden, gieng es meinem Willen nad). „Es ſoll mich wenig härmen wie Melias nun klagt, Um feine goldgelockte Maid bald wüthet bald verzagt. Das ift mir das Mindefte, nun du Rother 'bift: Fabr wohl, edler König und hüte Gott dein alle Friſt.“ „xebt wohl, liebe Mutter,“ rief das ſchöne Kind. Da ergriff die Segel ein fühliher Wind; Die werthen Frauen giengen mit Lachen von dem Strand: Eie freuten fih, daß Rother mit Ehren kam in fein Land.
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192 Dreinndzwanzigfted Abenteuer. Wie Wittih befreit und Rother erfhlagen ward. Dem alten König fchmeichelte das Lieb, das er vernahm: Gefänftigt eine Weile mar ihm der bittre Gram: „Es wedt mir Siegesfreude was du gefungen baft: Die mar meinem Herzen allzulange ſchon ein Gaft. „Ich babe fangen hören von deiner Kunft vordem, Sie wär den wilden Thieren des Waldes auch genehm. Du könneſt Löwen zwingen und bänbigen den Stier, Den Wolf felber zähmen, das allergrimmigfte Thier.” „Das find nicht eitle Mären,” ſprach da Yang. „sh fieng einen Bären erſt geitern mit Gefang. Ihr mögt ihn jelber fchauen, ich bracht ihn bieher. Erlauben e3 die rauen, fo fol euch tanzen ber Bär.“ Da erlaubt’ es Bertha, die adlihe Maid, ' Und Sigrid die ſchöne, die Othar gefreit; _ Doch hinter Tiſch und Bänke verſchanzten fich die Fraun. Bald kam er mit dem Bären: der war fo grämlich zu ſchaun,
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193 Zottig, gluthäugig, des Waldes echter Sohn: Manche die ihn ſahen, münfchten fidh davon. Schwer auf allen Bieren kroch er durch den Saal Und grummte wie verdroßen ob der Kerzen hellem Stral. Grad auf den König wandt er feinen Schritt. Als feiner Herſchaft fiher Hang das litt, . Zrat ihm Othar entgegen: da fprang der Bär empor. Ein Schrei des Entſetzens erfüllte jegliches Ohr; Sigriden um den Gatten entfubr er unbedacht — Do ohne Roth; fie kannte mohl nicht der Töne Macht. Mit wenig Flötenlauten war das Thier gezähmt, Das nad dem Herren ſchauend fich feinem Willen bequemt. Der fuhr nun fort zu fpielen, erft langſam und leis: Da fchritt der Bär im Tacte der Weife durch den Kreiß. Nun lauter und beivegter: da bob er mit dem Spiel Sich aufrecht und tanzte gefüger Wenbungen viel. Er ſchwang fi um und büpfte wie ihn die Weiſe wies; Allmählich fprang ex rafcher, da Iſang raſcher blies. Jetzt gieng es wild und wilder wie Sturm die Wipfel fegt; Nun wieder fanft und fittig wie ein junges Reh fich beimegt. Am Scluße ganz er felber, großmächtig, Töniglich, Der wohl dem alten Herſcher beuticher Wälder glich, Schritt er dahin zu Yang und bog mit ftummen Gruß Das Haupt, den ftolgen Naden unter feines Meifters Yuß. ESimrod, das Amelungenliev. I. 13
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194 Der that ihm lieblofend feinen Beifall kund; Auch griff ihn mit den Händen Drenbel in den Mund, Daß man im teiten Rachen die blanten Zähne fah: Das litt er al geduldig; doch trat ein Andrer ihm nab, So hob er gleich die Tagen und grummt’ und fuhr ihn an Mit Beißen und mit Kratzen: es mocht ihm Niemand nahn: Bor ſolchem Hausgenofen nahm Jeder fi in Adht. Doch Rother der grimme gedachte heimlich der Jagd. Er fprach zu Drendel: „Wie ıft dein Bär genannt?" — „Weisleu, den Namen hab ich ihm zuerfannt, Denn klüger und gelehriger ift er als Löwen find Und andre wilde Thiere, felbft als manches Menfchentint. „Er lernt alle Spiele, die ich ihn lehren will; Wenn ich mit ihm rede, er horcht und merkt es ftil. Bleib ich eine Woche nod mit ihm gefellt, So ſah in allen Künften kein größer Wunder die Welt.“ Der König ſprach: „Du fiengft ihn in meinem Sjagbrevier: Das wundert mid: da fah ich doch nimmer fold ein Thier. Bor meinem Horn verkroch es fich tiefer in den Wal; Du brauchteft nur zu pfeifen, fo folgt’ es deines Spiels Gemil: „Es ift gar ungeheuer, nie fah fo gram ein Wild, Vom Auge fprüht e8 Feuer und ift doch zahm und mild. Willſt du es mir nicht leihen, daß ich verfuchen mag Wie ſtark es ift und muthig? morgen nur, den Einen Taa.“
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195 Der Fremdling prach: „Berfagen darf ich bir, Herr, nicht viel Doc gieng’ ed mir nahe, müſt ich dir ein Spiel Mit meinem Thier geivähren, wenn bu es allzuſehr . Dabei verfuchen mwollteft: das erlag mir, König behr.” \ Er ſprach: „Es ſoll ihm wenig dabei zu Leid geichehn. Ein Heines Heben ließ’ ih die Frauen gerne ſehn Mit Winden und mit Hunden auf einem grünen Plan; sch weiß, es mird.fie freuen, die nie noch Bären heben ſahn.“ Stang ſprach erſchrocken: „Du haft es übel vor, Herr, mit dem armen Thiere, das mich zum Herrn erfor. Es ift mir treu ergeben;- ich warb auch ihm fo hold, Richt nähm ich für fein Leben dein Silber all und dein Gold. „Das Spiel mit deinen Hunden gieng’ ihm an Haut und Hnar. Und ob er ungefchunden entläme ver Gefahr, Doch möcht es leicht fich fügen, daß er dir manden Hund Bei feiner Wehr erfchlüge: fo würde, Herr, dir Zürnen fund. „Du rächteft an dem Bären dann deiner Pader Tod. Denn glaube nur, fih wehren würd er in feiner Notb, Sich nicht fogleich ergeben, dazu ift er zu grimm.“ Da ſprach König Rother: „Du denkſt dir Alles zu fchlimm. „Du kannſt mir nicht verfagen das Spiel mit dem Thier: Wiße, Mir gehört es und meinem Jagdrevier. Doch will ich dir verheißen, ihm ſoll fein Leid geſchehn Bon Mir noch meinen Leuten, mag eö den Hunden enigehn.”
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196 Da bier kein Weigern frommte, ergab er ſich darein. Am andern Tage follte das Bärenhetzen fein. Mit Fragen warb Drendeln noch fund denfelben Tag, Wo Wittih gefangen in fchiwerem Halseiſen lag. Er hoffte, wenn am Morgen die Männer und die Fraun Zum nahen Plane liefen das Yagdfpiel zu ſchaun, Und auch der Kerlermeifter, der ihn fo lang bewacht, So mög er ihn befreien: drum batt er ſolche Lift erdacht. Da nun mit rothem Strale der neue Tag erſchien, Nach kurzem Frühmale lief alles Bolf dahin, Mo fie das Spiel zu Schauen gedachten auf dem Plan. Mit Mannen und mit Frauen zog bald der König beran. Mit Rothern kam auch Asprian, der Seelands Krone trug, Und Widolf, der Rieſe, den man in Eifen fchlug, Wenn er nicht kämpfen follte die mörberifche Schlacht. Abendroth fein Bruder bielt ihn aufs Schärffte bewacht. Sie kamen ohne Waffen auf das erlorne Selb, Und all das Ingeſinde, fo mandyer kühne Held.
Heut galt es nicht zu kämpfen: wozu da Helm und Schild? Ein Spiel nur galts zu fhauen, zu quälen nur ein armes Wild. Im weiten Kreiße ftanden fchon Alt und Jung umber; Die Burg war verlaßen, der Zwinger ohne Wehr. Auch hatte Wittih Kunde, daß Sfang nahe fei: Da hoffte der Gefangene, er würde ledig und frei.
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197 Run bradte feinen Bären Iſang vor das Thor. Man ſah nur nach dem Thiere; der Spielmann verlor Sich leicht im Volksgewühle, und gieng zur Burg zurück, Ob ihm den Freund zu löſen verhienge günſtiges Glück. Die draußen vor dem Thore begannen bald das Spiel: Auf den Bären hetzte man großer Hunde viel. Von allen Seiten ſprangen ſie auf den weiſen Leun, Sechzig Bärenpacker; der ſchien ſie wenig zu ſcheun. Auch that er große Stärke den Vorwitzgen kund: Mit den Vorderfüßen griff er den gröften Hund Bei den Hinterpfoten und ſchlug zwölf andre tobt. Den König erzürnte feiner liebften Köter Roth: Mit gezudtem Schwerte Tief er den Bären an (Das, hatt er nicht verheißen dem treuen Spielmann) Und bieb ihm in den Rüden einen Schlag in feinem Grimm: Der Bär mufte fallen; doch ergieng es nicht jo ſchlimm. Bon Oben zwar bis unten burchichnitten war das Fell, Doch unverlekt darunter der heimliche Gefell: Auf hartem Eifenpanzer blieb das Eifen ftehn. Der König gedachte zu feinen Mannen zu gehn, Da warb ihm entwunden, nicht wuſt er wie's gefchah, Das Schwert aus der Rechten, und eb er ſichs verſah, Fuhr ein Schlag hernieder und ſpaltet' ihm das Haupt. Hin ſank König Rother und lag des Lebens beraubt.
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198 Der in dem Bären ftedite, der eifrige Held, Daß er den großen König fo unverhofft gefällt, Das war ihm fein Genügen: zu Wibolf rannt er glei Und gab dem Wehrlofen im Zorn den töbtlichen Streich. Den Riefen wollte rächen fein Bruder Abenbroth An dem Bär, dem fredden: ber gab auch ihm ben Tod. So ſchmählich Tieß fein Leben Rother ber König reich, Und feine beiven Rieſen, vie fein Troft getvefen, zugleich. Beitürzt und erfchroden ob feines Königs Look Umber ftand das Gefinde, waffen: und willenlos. - Guter Rath war theuer jet mehr als je vorber, Da gar fo ungeheuer fich geberbete der Bär. „So zahm war er geftern: was für ein böſer Geift Iſt heut in ihn gefahren, daß er fi Mordens fleikt, Das Schwert in den Händen wie ein Helb gebart? Wohl tanzen lehrt' ihn fang; doch kämpfen auch nach Menfchenart?" Indem ſie alſo ſprachen, war der wilde Bär Schon in die Stadt gelaufen, ob er wohl gute Mär Von ſeinem Freund vernähme: da war er längſt befreit. Das ſchuf der fhönen Sigrid bald unermeßliches Leib. Erſchloßen hatt Drendel das enge Haftgemach; Die Eijen auch zu Töfen ber Sänger var zu ſchwach Da gab dem Sohn des Schmiedes die Freude neue Kraft: Er brach das Halseiſen und entrann der leibigen Haft.
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199 Da lief er nach den Ställen und fand. da fein Roſs, Schimming den jehnellen, der Sleipnern entjproß. Wie viel er in den Kammern auch fuchte nach dem Schwert, Er konnt es nirgend finden: des war fein Herz mit Leid beſchwert Er fand nur die Scheide dazu und bad Gehenk; Der Mimung blieb verlosen. Auch war ihm eingedenk, Wie hoch er in den Händen die bloße Stlinge trug, Als Widolf ihn, der Riefe, mit der Stange nieberfchlug: Wie follte fie wohl müßig jeßt in der Scheide rubn? In Heunland fie zu finden, die Hoffnung blieb ihm nun. Wie er mit dem Gedanken durch Lethras Hallen ftrich, Da kam ein Mann gegangen, der ganz einem Bären gli. Als ihn der Dann erfhaute, mit freubigem Auf Drüdt’ er an dem Goldring, der die Verwandlung fchuf, Den Stift, daß er ſich löſte: da fiel die Haut herab. Wildeber war es, der fihazu ſchauen ihm gab. Nun kam auch der Spielmann und fagt' ihm von ber Lift, Und Wildeber jagt ihm was Ihr ſchon lange wißt, Bie er den kargen König und die argen Rieſen fchlug: Darüber ward Wittih im Herzen freudig genug. Doch muft er noch beflagen bes guten Schwert Berluft. Der Landgraf wollt ihn tröften und ſprach: „Ei Freund, du mujt Um ein Schwert nicht trauern: hier giebt es Schwerter fatt. Der Erxfie läßt das feine, der und begegnet in der Stadt.“
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200 Sie Tiefen durch die Gaßen: da kam Herr Asprian: Den erſchlug Wildeber, daß er ſein Schwert gewann. Er gab es ſeinem Vetter und ſprach: „Da haſt du Eins.“ Wittich dankt' ihm gerne; doch war es leider nicht ſeins. Da kam Othar gegangen, Sigrids Gemahl. Wittich, zu prüfen des neuen Schwertes Stahl, Schlug den Recken nieder: da freute ſich ber Held: Das Schwert war gut und bieder, das ſolchen Degen gefällt.
Noch andre Männer kamen aus dem Feld zurüd: Wären fie dort geblieben! das hieß ich gutes Glüd; Nun wurden fie erfchlagen‘ von zweien Degen hehr. Da fehlt’ e3 bald an Roſſen, an guten Schwertern nicht mehr. Sechzehn ſtarke Männer erfchlugen diefe Zwei. Wildeber zeigte den Bürgern Wer er fei, Ein Helb, und kein gefpenftger Spuk, wie Mancher wohl geglaubt. Mit großen Liften hatt er fie ihres Königs beraubt. Den dachten fie zu rächen und riefen überlaut Nah Waffen fchon und Roſſen. Da wär ed an die Haut Den Beiden und dem Spielmann gegangen doch zulekt, Wenn fie geblieben wären; fie aber eilten fich jetzt Und ritten aus der Veſte und fort zum Meeresſtrand: Da trug fie eine Barle gar bald gen Heunenland. „Es ift und wohl gelungen,“ Drendel fpradh da fo, „Und finden wir den Mimung, fo wird auch Wittich wieder frob.“
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21 Ste kamen bald zu Egel und fragten nad) dem Schwert; Keine Kunde wuſte davon ber König werth. Doc fehr verwundert war er, als er Wittich ſah: Er fam wie aus dem Grabe, : nicht wuſt er wie ihm geſchah. Da fagt’ ihm Wittih Allee was fich mit ihm begab, Wie Yang ihn mit Singen ermwedt aus feinem Grab,’ Wie Rother den alten dann Wildebär erſchlug, Wie auch die Riefen fielen und andrer Helden genug. „Wie fchmählich nun verbarbit du, Rother, König bebr, Preis aller Fürften weit über Land und Meer! Den Wilden und den Kühnen pried man dich dort und hier; Doch bätteft du Sühne genommen beßer von mir „Als fo in ewgen Kriegen vergeubet deine Kraft. Keine Schande brachte dir unfre Schwägerſchaft: Eine hochgewaltge Yürftin ift Helle mein Gemabl, Obwohl fie mir zu mweigern unfelger Stolz dir befahl. „Bir haben blutger Yehden um Heunland viel geführt; Run blieb es deiner Tochter, der es mit Recht gebührt. Du fchufft ung Mifsbehagen, vergebnen Schaven groß; Jedennoch muß ich Hagen, erhabner König, dein Looß. „Dein Ruhm Hänge lauter, der doch wohl ewig tönt, Hätten wir uns beide vor mandem Jahr verföhnt.” So Hagte bier um Rother Ebel der König reich; Sie klagten ihn läßiger daheim in Wilingenreich.
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Der in guten Jahren ſchön und reich geblüht, - Berbittert hatt im Alter das Unglüd fein Gemüth. Einft hatt ex mild geheißen, jetzt bieß er grimm und karg, Und wenig Thränen floßen an des großen Königs Sarg. Der mehr betrauert wurde mar Ebbos Sohn Dibar: ‘Den weinten zwei Augen, die waren fchön und klar. Die keinen Blid ihm gönnten vordem auf all fein Flehn, Wenn fie ihn ſchauen fönnten, fie begehrten fonft nichts mehr zu fehn. Sie muften doch erblinden der Weinenden vor Leib; Sie konnt ihn nirgend finden und ſucht' ihn jederzeit, Dem Wald den Namen lündend, ver Ylur, dem ſtummen Thal Nun mwünfcht ihr bald Erlöfung von ihrer ſchmerzlichen Dual.
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——— — — — Bierundzwanzigſtes Abentener, Wie Gotlind befreit wurde. Run ritten diefe Dreie von Heunenlanb nad Bern; Wie es um Dietrich fände, das wuſten fie gem. Sie ritten fo geſchwinde, dem Spielmann war es leid. Er ſprach: „Gemach, ihr Freunde, es iſt auch Morgen noch Zeit. Ich ſprengte deine Feßeln: zum Lohne nimm mich mit; Wenn ich den Schimming hätte, fo ritt’ ich ſelbſt nicht Schritt. Ich will euch auch erzählen was fich in Bern begab, Benn ihr mich hören wollet in einem mäßigen Trab. Ich hab im Heunenlande die Sänger all befragt; Auch ward mir manche Kunde von Yahrenden gejagt, Bär ich dabei geivefen, genauer wäft ich3 nicht. Von unerhörten Dingen geb ich euch treulich Bericht. ‚hr wißt, ein Zwerg entführte bie fchöne Gotelind, Dietrichs Berlobte, König Druſians Kind. An der Ruhr iſt eine Veſte, Schloß Hardenberg genanni, Da war fie bei dem Oheim, als fie fo plöglich verſchwand.
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204 Niblung bieß ihr Oheim, das ıft befannt genug, Jenes Niblung Neffe, des Söhne Siegfrieb ſchlug. Dem alten Niblung diente der Meine Elberich Und Goldemar fein Bruder: das erfuhrt ihr ficherlich. Er hatte fie bezwungen, dazu ihr Land und Reich, Im Berge Glockenſachſen mit manchem jchnellen Streik. Sie konnten fich nicht mehren, noch waren beibe wund Bon Wieland, deinem Bater; ich weiß nicht, iſt es dir Fund?
Nah Niblungs Tode mufte Siegfried dem kühnen Mann Elbrich Eide ſchwören; doch Golbemar entrann Und fam nad Glockenſachſen und berichte wie vorbem; Doch da fich zu vergraben, das mar ihm nicht mehr genehm. | Er befuchte jezumeilen den Neffen feines Herrn Dort auf dem Harbenfteine; den nannt er Schwager gern, Schlief mandmal mit dem Grafen zu Nacht in Einem Bett Und verlor oft zwanzig Marten an feinen Gaftfreund im Brett. Er fchien ihm ganz ergeben und zeigt’ es mit ber That, Wenn er den Niblung warnte vor gleifgendem Berrath. Nichts war jo fein gefponnen, er bracht es an das Licht; Er ſah ihr Treiben alle; ihn aber faben fie nicht. Bon Niemand ließ ſich fchauen der heimliche Gaft; Auch ſchien er als ein Späher dem Hausgeſind verhaßt. War er bei guter Laune, fo ließ er über Tiich Wohl feine Hand befühlen: wie ein Froſch oder Fiſch
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War er anzugreifen, mager, kalt und weich; Doc feine Stimme lautete den füßen Ylöten gleich. Sein Sprechen ſchon, fein Flüftern war lieblich wie Gefang, Und griff er in die Saiten, fo that er allen Herzen Zwang, Daß ihn lieben mufte wie gram ihm Einer mar. Drum batt ihn Niblung gerne, ben König Goldemar. Stäts blieb an der Tafel ein Play ihm aufbewahrt, Und feinem Roſs im Stalle; das mar auch elbifher Art. Das Heu ſchwand in der Kaufe, die Speife warb verzehrt, Und nur den Schatten ſah man vom Mann und von dem Pferd. Der Mann fchien nach dem Schatten ein Kind nur von Geſtalt, Und war boch, wie er fagte, mehr als taufend Winter alt. Man hatt ihn oft vernommen fonit auf dem Harbenftein; Doc fett Gotlind gelommen, fand er fich täglich ein. Er fang ihr feine Lieder und lehrte fie das Spiel; Es war gar leicht zu merken, daß ihm das Mägblein gefiel. Auch Ihr ſchien zu behagen des Kleinen Unterricht: Sie war die Kunft zu lernen mit allem Fleiß erpicht. Das Harfen und das Singen währte Tag und Nacht; Wohin die beiden giengen ward das Spiel ihr nachgebracht. Dft trug er ihr es felber an einen Waßerfall Und fang in das Rauſchen der Flut mit füßem Schall. Sein Heines Röfslein weidete babei im blühnden Klee: Das wurde Dietriden zu unermeßlichem Beh.
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f - u u \ 206 : Was fol ich weiter fagen? mir ift nicht mehr befannt, Als daß eines Abends der Ziverg mit ihr verfchtwand. Vielleicht hatt er der Schönen den Albleich gefpielt (Bethörend ift die Weife),;, oder wie ers jonft erzielt, Genug auf feinem Röfslein entführt er Dietrichs. Braut. Sie wurden auf dem Hardenftein hinfort nicht mehr gejchaut. Wie Dietrih um fie trauerte, das ift euch wohl bemwuft, Verbarg er gleich, die Schmerzen in feiner männlichen Brut. Als er nun jagen hörte, e3 habe fie der Ziverg eg Entführt nad) Glodenjachfen, da wollt er in den Berg. Es find wohl taufend Meilen, das fcheut’ er nicht, dahin. - Doc Dietleib hieß ihn meilen; er vieth mit treulichem Sinn: „Die Eile kann nicht frommen, märft du gedanfenfchnell: Dir muß den Eingang zeigen ein elbijcher Gefell. Kannft du den König fangen, Laurin den Heinen Mann ‚an feinem Rofengarten, den er zierte fi im Tann, „Sp haft du einen Geifel, den Goldemar wohl: löft. Da mar ihm in die Seele der..heiße Wunfch geflößt, ‚Den reichen Ziwverglönig zu fangen im Tyrol. Wie er die Fahrt beeilte, gebenkt dir, Wittich, noch wohl. | Nun hab ich jagen hören heute, Morgen früh: Laurin ward gefangen nach großer Noth, und Müh. | Sie entführten aus dem Berge der deutichen Zwerge Herin | Und brachten ihn gefangen als ihren, Gaufler nad) Bern. |
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207 i Nun höret neue Wunder: fehon dachte mit Laurin Zum Berge Olodenfachfen der Vogt von Bern zu ziehn,, 77 Da tam ihm vor Venedig, der treuen Stadt am Meer, Die Kunde, da gelandet fei dreier Könige Heer, Der Riefen und der Zwerge gar ohnemaßen viel: Zaurin zu befreien - ei ihrer Reife Biel. . Nun währt e8 auch nicht lange, fo zog ein Xleiner Mann, Den Krieg ihm anzufagen, mit zwölf Gefährten heran. Schiltung hieß der Herold: er trug gar reich Gewand Und feltfame Märe bracht er in das Land, Er fprach, er fei gefendet von Künigen drein, | Die Laurins Genogen und nädjten Blutsfreunde fein. ” „Die woill ich dir benennen: PBalakers heißt die Stadt | Im fernen Zebermeere, die den Magnetberg hat: Sie Itegt an feinem Fuße gelagert als ein Ring , Und alle Schiffe fcheitern, es ift ein wunderlich Ding, | „Bor ihrem: Angefichte, : denn alles Eifen vafft | Aus Bohlen und aus Brettern des Magnetfteins Kraft; , Die fchwerften Anker fliegen empor mie Vögel: leicht | Und haften body am Feljen, wohin nie Menfchenhand gereicht. „Sinnels von Palafers, dem find die ‚Ziverge hold, Die in dem Berge wohnen: fie wirken aus dem Gold, Das mit den Schiffen ftrandet, mandy edles Kleinod: Das ift’der erfte König, der diefe Fahrt mir. gebot, | \ | \ Pa
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208 „Des Zwerges Halbbruder, den du gefangen baft. Den follft du nicht miſsbrauchen; löſ ihm ber Yeheln Laft, Sonft bricht, dich zu verderben, fein mächtig Heer ins Ban. Der Andre, der mich fenbet, ift der König Walberand, „Dem alle Biverge dienen im Berge Libanon: Zaurin ift, dein Geifel, feines Vaterbruders Sohn. Bibung der dritte mar feiner Muhme Kind, Der Fürft aller Zwerge, die in den Waslenbergen find. „Eh möchteft du die Sterne wohl am Gewölb der Nacht Als al die Reden zählen, vie fie bieber gebracht. Es find auch ſtarker Niefen in ihrem Heer genug. Nun gieb den König ledig, den bu fiengeft wider Zug, „Sonft büßeft du den Frevel an Leib und Leben ſchwer.“ Als Dietrih das vernommen, es daucht' ihn üble Mär. Er empfieng den Boten gütlih und fann ber Antwort nad. Doch Wolfhart erlachte, der junge Wölfing, und ſprach: „Wir fürchten und vor Riefen und Zwergen bier nicht viel: Es bat fich jüngft eriwiefen, das ift nur Slinderfpiel. Wir lagen ihn nicht ledig, was uns darum gefdhiebt, Und kam feine Sippſchaft bis in das fiebente Glied.
„Schweig,“ ſprach da Hilvebrand, „bu baft bier nicht das Wort." — „Laßt Mich mit ihm Dingen,” ſprach Dietleib fofort. „Simild bat von Zwergen mir Stunde viel gefagt.“ Das erlaubt’ ihm Dietrich. Da ſprach der Degen unverzagt:
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209 „Richt wider Fug gefangen halten wir ben Zwerg: Er brady uns ohne Treue das Gaftrecht in dem Berg. Der Gaftfreunde ſchonen ift allerwärts Gebrauch Bei Göttern und bei Menfchen und bei den Lichtelben audh: „Ihr Schwarzelben haltet allein die Treue nicht, Eud darf man nicht vertrauen, ihr ehret Teine Pflicht. Den Gaftfreund beraubte der König Goldemar: Er ftabl des Grafen Nichte, deſſen Tifchgenoß er war, „Mit arger Lift entführt! er König Dietrichs Braut, Die fein Gefang ihm heimlich gemacht und ganz vertraut. Des Unfugs gevenlet eh ihr von Fug uns ſprecht; Wir hätten? an dem Geifel mit dem Strange billig gerächt. „Run fage den Königen, den drein, die dich geſandt, Den Blutöfreund zu befreien fteh in ihrer Hand: Wenn fie dem Berner bräcdten König Drufians Kind, Zaurin würde ledig für Dietrichs Braut Gotelind.“ „Das heiß ich wohlgefprochen,“ rief der Vogt von Bern: Du zierlicher Herold, daS melde deinen Herrn. Der Weg nad Glockenſachſen ift ihnen wohl bewuſt; Und bringen fie die Schöne, den Zwerg entlaß ich mit Luft.” Der Heine Bote brachte den Fürften den Bejcheib: Die verſchmähten ſolchen Frieden und griffen gleich zum Streit. Berbeert ward und veriüftet der Berg und der Wald, An Menſchen und Thieren geſchah im Felde Gewalt. Simrod, bad Amelungenlied. 11. 14
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210 DZu Roſſe fprang da Dietrih und mit ihm mander Held: Dietleib und Heime, die ritten ihm gefellt, Wolfhart und Siegſtab, dazu der Meifter gut. Da wimmelte, da wogte unüberſehbar die Flut Der Zwerge vor ver Brüde und bießfeitö vor dem Thor; Gleich hohen Thürmen hoben fich Niefen draus hervor. Es kam zu hartem Kampfe; wer da das Belle that, Das weiß ich auch zu melden: man preift um mannlide That Nächft Dietrichen Dietleib und Heim den ftarlen Mann: Der trug Dietmar Banner und ritt dem Beer voran. Der ftärkiten Riefen fielen da Drei von feiner Hand: Sie hießen Ort mit Namen, Lieberbein und Uelfenbrant. Dieb grimme Streiten währte bis es die Radıt benahm Am andern Morgen daucht' ed die Helden wunderſam, Daß ſich kein Zwerg mehr zeigte, fein Rieſe rief zur Schlacht. Sie waren abgezogen in aller Stille der Nacht. Bon Bern bis Venedig verichwunden jede Spur; Doch nicht für alle Zeiten tie man hernach erfuhr: Raum eine Woche währt’ es, fo kehrten fie zurüd Ä Mit friſchen Heerlräften, ja größter Macht, doch zum Glüd Nach fchmerzliher Erfahrung nun friedlicher gefinnt: Sie brachten Dietrichen die ſchöne Gotelind; Im Berge Glodenfachien dem König Goldemar Hatte fie entrißen ber Fürften fiegreihe Schar.
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211 Drei Könige fonnte der Eine nicht beftehn. In einer kurzen Woche mar diefe Fahrt geichehn Bon Bern nad) Glodenfachfen und mieber ber nach Bern. Es find zweitaufend Meilen; Ihnen war e3 nicht zu fern. Nun heiſchten fie den Gaulfler, den König Laurin: - Den weigert’ ihnen Niemand, man ließ ihn willig stehn. Wir hätten feine Künfte doch gerne dort gefchaut: Es ift zu fpät; toir ſehen nun dafür des Berner Braut.“
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212 Hünfundzwanzigftes Abentener. Wie Gotlind von Goldemar ſchied. In Bern war große Freude und große Freude kam Dahin, als man die Kunde von Rothers Fall vernahm: Bei beiden Köngen fanden gar freundlichen Empfang Wittich, Wildeber und der Spielmann Iſang. Da dankte Wildebern von Bern der edle Vogt, Und Iſang dem Spielmann: „Daß ihr zu Rothern zogt, Und mir den Freund erwectet, der für erſchlagen galt, Sc verdien es all mein Leben und würd ih hundert Winter alt. „Wildebär, dein Name wird ftäts mit Ruhm genannt: Einen großen König erichlug deine Sand. Man wird in allen Reichen dich preifen um ben Sieg, Der mit einmal endigt den in Rom beichloßnen Krieg. „Mein Bater wird dir lohnen und Kaifer Ermenridh; Doc zürnten fie dir eber, empfänden fie wie ich. Ich liebte König Rother, denn er war groß und bebr; Er ift auch unfres Stammes, von dem alten Gaut noch ber.
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213 „Mag fein, daß ich mich irre, doch hab ich ſtäts gemeint, Es fei mit Grund nur Etzel „dem Schwebenkönig feind, Der follte dir vergelten was deine Kraft vollbracht: Run ift ihm Heunland fiher und fehr gemehrt feine Macht.“ Der Landgraf ſprach: „Auch dünkt mich, er ſelbſt erfannte dieß, Weil er mir zum Dante Thüringen ließ, Als ih jüngft in Heunland aus feinem Dienfte ſchied Um Dir binfort zu dienen, wie ich ſchon längft mich berieth.“ — „Willſt Du mir dienen, dir ift mein Dienft bereit, Und deinen Ruhm zu mehren auch gleich Gelegenheit. Wir ziehen nad) dem Rheine, zum feiten Germersheim; Raum bab ich felbft erfahren zu diefem Kriege den Keim. „Graf Rimftein will dem Kaifer nicht zinfen wie bisher: Er troßt auf feine Wälle, auf ftarler Mauern Wehr. Ermrich, ihn zu züchtigen, will felber mit dahin, Und Sch fol ihn begleiten, der eine Reif ihm Schulbig bin. „Die Fahrt nach Heunland hab ih erft in dem Berg verfäumt, Und dann um Gotlinden in Sehnfucht verträumt, Zulebt fie zu erftreiten fiel mir das fchöne Looß. Nun reißt von ihrer Seiten mich des Oheims Wille los. „Wie ſchweigt aber Wittich,“ ſprach Dietrich, „jo fill? Wie lommts, daß meines Glüdes er fich nicht freuen will? Mir lehrte die Berlobte, die lang mein Herz entbehrt, Ein Freund, ein todtgeglaubter, ift heut mir wiebergelehtt;
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214 „Ein neuer Freund erworben: das rührt ihn alles nicht, Er fiebt auf meine Freude mit traurigem Geficht. Dir ift doch wohl gelungen: was trauerft du denn jo?“ Da Sprach der fchnelle Wittih: „Ich werde nie wieder froh „Bis ich den Mimung finde: das Schwert warb mir geraubt, Als Widolfs Eifenftange betäubend traf mein Haupt. Und mag ich ihn erfragen, der mir die Waffe nahm, Der bat mit mir zu fchaffen, ich bin ihm grimmer als gram. J „Wir reden mit einander ein Wort, wir Zwei allein; Mein Leben will ich laßen, es iſt mir doch zur Pein, Oder den Mimung haben, Wielands Geſchmeid.“ Da war dem Vogt von Berne des Geſellen Kummer leid. Er ſprach: „So viel zu fragen bebarfft bu nicht darnach: Ich kann den Dann dir fagen (doc füg ihm keine Schmad), Der hier den Mimung führte, es ift noch nicht fo lang, Im grimmen Riefenlampfe damit die ſtärkſten bezwang. „Unfer Gefelle Heime bob ihn auf zum Glüd, Als du dem Streich erlageit; er giebt ihn dir zurüd. Du magft dem Freunde danfen, der dir ihn aufbehielt:; Hier hat die fcharfe Waffe den Feinden übel mitgefpielt.“ Erfreut gieng da Wittih zu dem Sohn des Abelger. „Du haft den Mimung,“ ſprach er, „o Freund, den gieb mir kt. Wenn ich ihn wiederſchaue, mein wundes Herz wird bel; Mir ift um Ermrichs Schäte die ſchneidge Waffe nicht feil."
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| 215 „Mix auch nicht,“ ſprach ba Heime, „das glaubft du mir wohl gern. Doch dich ihn fchauen lagen, dich, feinen alten Herrn, Was follt ichs nicht gewähren? erquidt e3 dir das Herz. Ich war hen in Sorgen, der Anblid fchüfe dir Schmerz.” . \ . „Wie redeft du fo eigen?“ ſprach Wittich erftaunt. „Du wärſt ihm zu behalten vielleicht wohl gar gelaunt!” — „Gewiſs will ichs behalten, es ift mein Eigenthum, Unb fchon in zweien Schlachten ertvarb eö mir hohen Ruhm. nBielleicht in wenig Tagen erwirbt es mir ein Land.” „Dein Eigenthum?“ ſprach Wittih, „fo thu mir boch befannt, Wie haft du es eritanden? das ich bisher beſaß. Wie du das Recht erlangteit, ich bitte, fage mir das.“ Er ſprach: „Du lagſt erfchlagen, da war es herrenlos, Ein Jeder konnt es nehmen, und nicht die Freunde bloß: Der Feind hätt es ertvorben, bob Ichs nicht zeitig auf." — „sh war noch nicht geftorben, drum gilt mit Nichten der Kauf. „Du ſähſt mich jeßt nicht leben, wenn ich geftorben wär.” — „Erzählteft du nicht neulih von deinem Ohm bie Mär, Wie mar er auch gebeißen, ich glaube Helferich, Der Todten auferweckte? vielleicht erweckt' er auch dich, „Denn maufetobt gefchlagen ſah ich dich in der Schlacht. Hat der ein ſolches Wunder hernach an dir vollbracht, Das Tann an meinem Rechte nicht? ändern, bünkt mich doch. Den Mimung hab ich jeho; mir wird auch der Schimming noch.“ [4
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216 Im Zorne fprad) da Wittih: „Du giebſt mir nicht das Schwert?“ Er ſprach: „Sch will dirs leihen wie ich dir lieh das Pferd, Bis unfre Wette fchlichtet der junge Vogt von Bern. . Ich weiß ſchon wie er richtet, denn einen gnäbigen Herrn „Hab ich an ihm gewonnen: ich half ihm zu ber Braut. Sch ſeh auch dieſe Sache gar gern ihm anvertraut: Mag er fie beid entfcheiden, es geht in Einem ber. Das Jahr ift längft vorüber, feines Spruchs verlangt mich ſehr. Da Sprach der fchnelle Wittih mit Hug verhaltnem Grimm: „Wenn ihn die Gunft beſtäche, das wäre freilich ſchlimm. Doch will ich es drauf wagen: gieb ber, du haft mein Wort: Wenn er für dich entſcheidet, geb ich es wieder fofort. „Das Roſs und die Klinge, fie feien beide bein; Gehen! und Scheide laß ich dir willig obenein.” - Heime gieng und bracht ihm alsbald die Klinge gut. Als er die wieder hatte, gewann er herrlichen Muth. Rad) diefer Stunde währt' es nicht manchen Abend mehr, So kam der Kaifer Ermenrid von Rom mit feinem Heer. Bereit fah man die Berner mit ihrem Heergefind. Da nahm Herr Dietrich Urlaub von ber ſchönen Gotelind. Er ſprach fie zu tröften: „Ich ſcheid' auf kurze Friſt: Ich kann nicht lange dauern, wo bu, mein Lieb, nicht bit. Bald wird der Tag erfcheinen, ver völlig uns vereint. Wie feucht find bir die Augen? Du haft doch wohl nicht geweint?"
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217 Sie ſprach: „Es geht vorüber, ich weiß nicht wie es kam, Sch bin ein Kind geweſen, das meint auch ohne Gram. Du muft darum nicht forgen, ich forg auch nicht um dich.“ Da ſchied mit ſüßen Küſſen von ber Schönen Dieterich. Noch einmal vor dem Haufe ſah er nad ihr zurüd, Denn in dem Haufe wohnte fein Wunfch, fein Traum, fein Glüd, Wie er nun geben wollte, ba fam es ihm jo vor Als ob er ſchluchzen hörte, mit Schreden traf es fein Ohr. Er ftand und laufchte lange: jett ſchwieg es frill⸗ bein. Doch muft er wiederfchauen die junge Königin. Da fand er fie in Thränen; ſie bedite mit der Hand Die Augen; lange währt! es bis fie den Gram ihm geftand. Eie ließ ihn flehn und bitten und fagt’ ihm nicht den Grund. Eie ſprach: „Von deinem Scheiben ift mir das Herz fo wund.“ Da ſprach der edle Dietrih: „Das ift es nicht allein: Das durfteft du mir fagen, es fchuf mir felber ja Bein.“ Sie muft ihm endlich melden mas ihre Sorge war: „Mir läßt keine Ruhe ver König Goldemar. Er fieht mich allerwegen mit böfen Bliden an: Ich fürdt, eh du zurüdkehrft, bat er mir Leibes gethan.“ — „Erſcheint er dir denn leiblih mie bu ihn ſahſt im Berg, Und Tann man ihn nicht fangen, den häßlichen Zwerg?“ Sie ſprach: „Er bat im Berge fich nie vor mir gezeigt, Rod auf dem Harbenfteine: er hat geharft und gegeigt,
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218 Mit lieblicher Stimme gejungen manches Lieb, - Wohl auch erzählt ein Märchen; doch bis ich won ihm ſchied Sich niemals ſchauen laßen tote oft ich ihn auch bat. Nur einmal erlangt ichs (mie reut mich jett, daß ichs that!), Daß er fein Roſs mir zeigte, das uns im Stalle ftand, Doc jett den Klee zu raufen ſich fliß am Uferrand. Er hatte mir gefungen an einem Waßerfall: Bon dem Gefang bezwungen und ber fühen Stimme Schall Erbat ichs, ihn zu ſchauen; doch Er gewährt es nicht. „So thu ich auf dein Singen, bein Harfen auch Verzicht. Ich will fein Lied mehr hören, die Ohren halt ich zu: Laß mich mit deinen Liedern, mit beinen Märchen in Rub. „Zum Mindeften das NRöfslein verlang ich jebt zu fehn.“ Ich hatt im Ernſt geſprochen: da ließ er es gefchehn: Sch ſah es plöglich weiben drei Schritte faum von mir. Stäts mocht ich Pferde leiven und dieſes fchien ein janftes hier, Nicht größer als ein Füllen und zierlich wie ein Reh. Es ließ fi) gerne ftreicheln die Mähne meiß wie Schnee; Das Grad aus meinen Händen empfiengs und füßes Kraut, Dann bog e3 mir den Rüden und fah mid an fo vertraut. Da ließ ich mich verleiten und fette mich darauf. Es trug mich erft im Schritte, doch bald im Trab, im Lauf Beganns mit mir zu jagen fort über Thal und Berg. | Und jeßt zu größerm Schreden fühlt ich hinter mir den Zwerg.
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Run wollt ich innehalten, da lief es erſt geſchwind! Mein Flehn, mein Hülferufen war alles in den Wind. Bald ſchwanden mir die Sinne, der Athem gieng mir aus; Hernach ale ich erwachte war ich weit von Niblungs Haus, Wie weit konnt ich nicht wißen, in eines Berges Schooß, Wo kleines Boll mir diente und felig pries mein Looß. Sch hatte was ich wollte und hieß auch Königin; " Da war was nur entzüden, berüden mochte den Sinn, Es kann im neunten Himmel wohl nimmer ſchöner fein. Doc durft ich mich nicht freuen, denn ich gebachte Dein; Auch ließ mit feinem Werben der Zwerg mich nicht in Ruh. Die andern fah ich alle; Er ſprach unſichtbar mir au, Mit füßen Schmeichelreden aus Hangreihem Mund, Mit Liedern und mit Weifen verfolgt’ er mich allftund, Mit Löftlicher Gezierbe, ber Tunftreiche Gaft. Mir war der Entführer, der freche Räuber verhaßt. Aus feiner Hand verfchmäht ich Geftein und goldnen Schmud'; Auch lags auf meinem Herzen noch mit zu fchwerem Drud, Nichts konnte mich erfreuen mas ich auch hört und fab; Nur wenn der Albleich tönte wuſt ich nicht wie mir gejchab. Da muft ich mich bezwingen, bes Willens ganze Kraft Dem Zwang entgegenftemmen, fonft warb ich fortgerafft In dieſes Tanzes Taumel, in dieſen Raufch der Luft. Da galt es aufzubieten allen Haß in meiner Bruſt,
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. 220 ® Und alle Lieb und Zreue zu bir, mein Schub unb Hort, Mit allem Schmerz der Trennung, fonft riß es mich mit fort, Denn alle Sinne faßt' ed, durch alle Abern drangs, " Das tieffte Herz erbebte der Macht des zaubriichen Klangs. In diefer Marter litt ich wie lange weiß ich nicht; Nie zeigte mir ber Kleine derweil fein Angeficht. Sch follt ihn nicht erfchauen als in der Hochzeitnacht: Durch Neugier mich zu kirren hatt er biefe Lift erbadht. Schön waren all die Wichter und zierlich von Geftalt, Die edlern immer fchöner; denn Stände mannigfalt Fand ich in bem Berge, vom geringften Knecht Hinauf zu Herrn und Grafen und zu des Fürften Geſchlecht. Man Iann nichts fchöner denken, nod fah ichs nah und fern, Als des Königs Schenken und feinen Kammerherrn. Bon Engeln hört ich fagen, und fehn fie diefen gleidh, So lohnt e8 wohl zu werben um euer bimmlifches Reich. Was meine Augen fahen, ich weiß nicht mar e8 Trug, Doch fahen fie e8 gerne und fahn es nie genug. Das aber ſollt ich fchließen, und Alle ftimmten ein, Der allesihönfte müße ber König Goldemar fein. Ich will dir auch geftehen, ich hätt ihn gern gefchaut. Es Toftete mich wenig, nur einen leifen Laut; Doch · dieſen Laut zu fprechen entfchloß fich nie mein Mund: Dir hatt ih Ja geſprochen und ewig wuſt ich unfern Bunb.
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Da fie jo ſtät mich fanden, fie ließen drum nicht nah Mit Geben und mit Diemen, daß mir an Nichts gebrad,, - Berboppelten den Eifer, bie Sorgen und den Fleiß: Sie hofften noch zu brechen meines Sinnes ftarres Eis, Da ſah ich eines Tages die Zwerge ſehr verftärt, Ein Flüftern und ein Raunen ward rings umber gehört. Dann traten fie zufammen und hielten lange Rath, Es fielen beftge Reden und endlich kam es zur That. Da drangen laute Schritte zu meinem Kämmerlein. Die Fürften des Berges traten plöglich ein Und geboten mir zu folgen hinaus vor ben Berg. Da zuerft erichien mir König Goldemar der Zwerg. Sch kann ihn nicht beichreiben: von feiner Schönheit nichts, Ich ſah nur das Zürnen feines Angefidts Und feine böfen Augen, die ftehend, meßerſcharf Mir nad) dem Herzen zudten bis mich der Blid zu Boden warf. Was er zu mir gefprochen ala ich in Ohnmacht Ing, Ich hab es nicht vernommen; doch fommt es an den Tag, Denn ſicher warens Flüche, die noch erfüllt die Zeit. Daß er mich laßen mufte, daß fein Bolf nicht in den Streit Für ihn zu ziehn gewilligt mit dreier Könge Heer, Das draußen ftand in Waffen, drum zürnt er mir fo ſchwer. Hatt Ich es aufgeboten? warum verfolgt er mich? Es kam mir willlommen, das Dir mich brachte, Dieterich;
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_ "222 „Doch kam es unerwartet: drum trag ich keine Schul. Doc ſei's, ich will es büßen, ‚und fterben in Gebulb. Auch hab ich es erlitten bis diefe Stunde ftumm: Er bringt mit feinen Bliden mid arme Königin um. „Bo ich nur geb und ftehe, da zielen fie nach mir. Der Augen fcharfe Sehe, mit mörberifcher Gier Zerſchneidet mir den Buſen, durchbohrt mir die Bruft: Der Schmerz wehrt aller Freude, vergällt die lauterſte Luft. „In deiner Näh alleine wagt ex mir nichts zu thun. Drum mag ich fo gerne dir, Freund, im Arme rubn, Ins tiefe, milde Auge fo gerne, Lieb, dir ſchaun: Das bannt mir alle Sorgen und dieß geipenftiiche Braun.“ Da fprach der edle Dietrich zu der fchönen Gotelind: „Nun trodne deine Thränen: ich ſchütze dich, mein Kind. Ich will dich nicht verlaßen, follft immer bei mir fein. Noch heut ift unsre Hochzeit; dann folgft du mir an ben Rhein. „Simild, Dietleibs Schwefter, die herrliche Maid, Und andre fchöne Frauen geb ich dir zum Geleit: Die laßen dich nicht einfam bei Tage noch bei Nacht: So haben feine Augen dir zu fchaden keine Macht.“ Da rief er die Genoßen berbei und mandıen Wann; Auch kam der König Dietmar mit Ermenrich heran. Er trat mit der Schönen in einen Weiten Ring: Da warb ber Maid gebunden eb fie den Mahlſchatz empfieng.
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2323 Db fie ihn minnen wolle, fragte man die Braut. Sie ſchämte fich nicht lange, Sa Sprach fie überlaut. Da gelobt! auch Er zu minnen das Mägblein wonniglich. Dabei ftand fein Bater und der Kaifer Ermenrich, Und Alle die es hörten beftätigten den Bunb. Da wurde Gotlinden große Freude kund. Sie ſchien der Sorg enthoben, die lang ihr Herz beichwert. Nun wünfcht ihr Heil und Frieden und daß ihr Leid nicht wieberlehrt. %
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Sechsnundzwanzigftes Abentener. Wie Iran erfchlagen ward. Run naht diefen Helden die Fahrt nach Germersheim. Die gerne Waffen trugen, die blieben nicht daheim. Das Haus nur mufte hüten der alte Hildebrand: * Dietmar der König ließ ihn nicht mehr von ber Hand. Die beiden Wölfinge befahl er Dietrichs Hut: Wolfhart und Siegftab, die wurden hochgemuth, Daß fie fämpfen durften und beieinander fein. Bald zog durchs Hochgebirge der Fürften Heer an ben Rhein. Gotelind die gute, Dietrich Gemahl, Trug ein weißer Belter über Berg und Thal. Dietleibs ſchöne Schweiter, Simild gab ihr Geleit, Dazu viel ſchöne Frauen und mande herrliche Maid. Wenn Nachts vie Helden fchliefen in Gras und grünem Klee, So deckt ein Zelt die Frauen, das war fo weiß wie Schnee. Sie fah auch alle Tage den edeln Dieterich: Da ſchwieg ihre Klage, ihr Herz berubigte ſich.
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225 Eo waren fie gen Breifad geritten manden Tag Und famen eined Morgens in einen grünen Hag: Da fanden fie am Wege liegen einen Mann, Todt war der edle Degen, fein Blut aus tiefen Wunden rann. Mit goldgetriebnem Sattel ftand dabei ein Roſs, Das beroch die Wunde, der das Blut entfloß. Es wollte Niemand leiven bei feinen Herren bie, Si felbft nicht von ihm fcheiden, es bik und fchlug wider fie. Da waren aud zwei Hunde, bie büteten den Herrn Und ledten ihm die Wunden: es burfte ſich von fern Niemand ihm nahen, fie fchrien und bollen laut; Und auf dem Baume wurden zwei Habichte dort geichaut, Die fchrieen auch erbärmlih und Hagten feinen Tob. Dietrihen rührte der treuen Thiere Noth. Er ſprach: „Run fteigt vom Pferde und ſchauet Wer hier liegt: Es ift ein edler Degen, wenn fein Gewanb uns nicht triegt. „Eins aber fann nicht trügen: er war ein guter Held Und wohl zu leben würdig, Wer ihn auch bat gefällt. Ihn lieben Hund und Habicht, ihn liebt fein Roſs fo jehr: Da fie ihn fehn geftorben, zu leben freut fie nicht mehr.“ Sie fliegen ab und ſahen Wer es möchte fein. Den Thieren wehren fonnte Wildebär allein. .Es kannten ihn die Hunde; auch Er bat fie erfannt: Paron und Bonile, fo find fic leider genannt. Ss im rod, das Amelungenlied. 11. 15
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226 Das fchuf dem Degen Kummer und große Herzensqual. Er fah nad dem Schilde; der trug manch friihes Mal. Hund und -Habicht führte der tobte Held im Schild, . Auf Helm und Satteldede der beiden Jagdthiere Bild. Da rief er Wittihen und Den von Bern berbei: Sie mochten felber ſehen Wer bier erichlagen je; Er konnt es nicht vermelden, es gieng ihm allzu nah. Wie erſchrak auch Wittih, als er den Bruder erfab! Da ſprach der eble Dietrich: „Hier liegt in feinem Blut Ein theuerlicher Degen, ein Rede hochgemuth, Wittih von der Aue, der Markgraf Iran. \ Ich will ihn nicht verfluchen, der diefen Mord hat getban. „Wittih, Wildeber, Euch gebt dieß an allein, Und fang den Spielmann, euch foll die Rache fein. Wer ihn nun bat erfchlagen und mas dazu ihn trieb, Der Erde follt ihr geben was von dem Helden uns blieb.“
Da gruben fie mit Spaten ein würbiges Grab, An Seilen ſchwere Bäume ließen fie hinab; Vier Seitenwände füllten fie mit den Xeften aus Und ſenkten dann den Tobten in bas gezimmerte Haus. Mit allem Heergeräthe ward er ins Grab gelegt, Mit Schwert und Helm und Harnifh, mie man bei Helden pflegt Dann deckten fie die Grube mit mandem Eichenflamm Und wählten Felfenfäulen von des nächſten Berges Kamm.
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227 Erjt füllten fie mit Erde die wohlgeſchloßne Gruft Und thürmten dann von Steinen ein Mal hoch in vie Luft, Daß man erlennen möchte noch manches Jahr nachher, ' Hier fei zur Ruh beftattet ein Degen fühn und auch hehr. Da fie nun weiter wollten und gegen Breiſach ziehn, Roſs, Hund und Habicht nähmen fie gerne mit dahin: Die Ionnte Niemand fcheiden von dem geliebten Herrn. Der Hunde Heulen hörten fie überm Grabe noch fern. Sie waren Breifach nahe, da 308 aus feinem Thor Die Helden zu empfangen Herr Harlung fchon hervor; Eckart ritt ihm zur Seite, der getreue Mann. Zu Ermenrid dem Kaifer hub des Breisgaus Herzog an: „Sei mir willlommen, Bruder, als meines Haufe Gaft; Willkommen, Neffe Dietrih: ihr findet gute Naft. Mein Heer euch zu begleiten ift fertig und bereit. Ich felber wollte reiten wider Rimftein in den Streit; „Run kann es nicht gefehehen, ich bin nicht jo wohlauf. Ein ander Mal vergelt ih die Fahrt zu gutem Kauf. Den Grafen zu bezwingen bebarf e3 mein auch nicht: Epart immer meine Kräfte zu einer ſchwereren Pflicht.“ Da fprad der edle Dietrich zu Harlung, feinem Ohm: „Es mag dein ſchon entrathen der höchſte Vogt ‚von Rom: Wohl zmwanzigtaufend Mannen führt- er in feinem Zehn. Doch Sprich, haft du vernommen von dem Mord, der bier gejchehn? -
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228 „Wir fanden einen Todten nicht fern in deinem Hag: Iran wars, der Markgraf, der da erſchlagen lag. Kannſt du uns vermelden, Wer ihn bat gefällt? Herr Edel wird es rächen und mander andere Held.“ — „Run räch es, Wer da wolle, Er fei Klein ober groß: Bon Meiner Hand gefallen ift ihm das Tobeslooß. Ich fand ihn heute Morgen nicht weit von hier im Tann, Und nie zuvor im Leben traf ich geivaltigern Mann.“ Betroffen fprach zu Harlung der Berner Dieterid: „Du erfchlugft ihn, Dheim? warum? beicheibe mich. Er war ein guter Degen, beberzt und ohne Trug: Mas that er dir zu Leide, daß deine Hand ihn erfchlug?“ „Das Tann ich dit wohl fagen: in meinem Jagdrevier Gedacht er zu erjagen ein zweifüßig Thier, Mir zur Schmach,“ ſprach Harlung, „mit arglifiger That, Wider meinen Willen, nach beider heimlihem Rath.” — „Aud bat er wohl vergolten,* ſprach Edart, „jeinen Tod; Daß ihn ein Andrer räche, fürivahr, das thut nicht Noth. Er hat fo ſchwer verwundet den Herzog meinen Herm, Daß er davon gefundet, der Tag ift, forg ich, ihm fern. „Es ift ein großer Frevel, daß er das Blut nicht ftillt; Seht, wie e3 aus den Ringen des Halsbergs niederquillt. Wenn er fein Heil bebächte, fo pflegt’ er fich zu Haus: Euch zu empfangen muft er iiber meinen Rath hinaus.
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229 „Das wär wohl unterblieben: ihr hättets nicht verbadht, Kam Ich an feiner Stelle, da hm gebrad die Madıt.“ Kaum war das Wort geſprochen, fo fant Herr Harlung hin. Mer Edarts Rath verfhmähte, dem bracht es felten Gewinn. Obnmächtig lag der Herzog in bes Getreuen Arm. Sen Antlig war erbliden, das Blut entfloß ihm warm. Man muft ihn aufbahren und fchaffen in die Stabt: Da lag ef ſchwergetroffen, der ran erichlagen hat. Wohlgelehrter Aerzte kam Mancher bald herbei: Eie gaben wenig Hoffnung, daß ihm zu helfen ſei; Doch ward er jeßt verbunden und fleißig verpflegt, In gute Herbergen derweil der Gäfte Heer gelegt. “ Die jungen Harlungen empfiengen Gaft um Gajt Und fchufen ihm mit Edart Gemad und gute Raft. Die Wölfinge zu fehauen, die fie fchon mehr gejehn, Bei ihrem andern Leide konnt ihnen Liebres nicht geichehn. Sie hatten Eine Sorge, der keine zweite glich An ihres Vaters Bette, Frittel und Emmerid: Wenn ihre Freunde ſchieden, fo blieben Sie daheim, Ohne Harlung ließe fie Edart nicht gen Germersheim. ©ie hatten recht vermuthet, er gab e3 nimmer zu. Wenn fie ihn flehen wollten, verwies er fie zur Ruh: „er ſoll den Bater pflegen? Die Mutter darf es nicht: Der Arzt bat ihr verboten feines Kranken Angeficht.”
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— — — — — Den Gatten nicht alleine, die Helden mied zumal Die edle Bolfriane, der Schönheit lichter Stral. Es hieß, fie wär unpäſslich, drum kann fie nicht herab; Nur einer war der Helden, dem ſie zu ſchauen ſich gab. Es blieb ihr nicht verborgen, als Iran fiel, der Graf; Sie hatt auch wohl vernommen, daß Harlungs Schwert ihn traf, Der felbft unheilbar büßte des theuern Helden Tod: Sie wufte fi die Urſach al diefer ſchmerzlichen Noih. Sn ſolchen Aengſten ſah fie, und konnt es nicht verſtehn, Den Markgrafen ran auf dem Hofe gehn, Wie er leibt! und lebte, mit andrer Helden viel. Sie frug fih: Treibt ein Blendwerk mit mir fein graufames Spiel Jetzt ſah fie ihn kommen, fich ihrer Kammer nahn: Sie traute nicht den Augen, die ihn doch klärlich fahn. Doch ſchon war er vorüber der halboffnen Thür; Nicht lang, fo Tehrt! er wieder: da trat fie völlig berfür. „Biſt du es,“ ſprach fie, „Iran, ben man mir tobt gefagt? Als hätt ich dich gemorbet, fo mar mein Herz verzagt. Run ſeh ich dich am Leben, ein Gott erhielt dich mir,“ „Richt Fran,“ Sprach der Degen, „feinen Bruder fiebft du bier. „Ihn bat mir erfchlagen Harlung der Herzog reich.“ Sie fah ihn an, erröthend vor Scham, vor Schredien bleich. Sie gieng nad) ihrer Kammer und fchloß die Thüre ſacht. Wittih ftand als wär er aus lieben Träumen erwacht.
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231 Die Thüre wollt er öffnen: fie war und blieb ihm zu. Nun ließ ihm die Begegnung keine Stunde Ruh: Er konnte nicht vergeben das edle Frauenbild; Wenn er fie wieberfände, wär al fein Wünfchen geſtillt. Er jagte Wildebern mas ihm begegnet war, Und macht' ihm fein Verlangen, fein Sehnen offenbar; Der ſprach: „Sch kann dir fagen Wen du gefehen haft; Doch greife nad) dem Gute nicht mit fo thörichter Halt. „Du faheft Bolfrianen, Harlungs Gemahl. Wohl heißt die Wohlgetbane der Schönheit Lichter Stral. Dein Bruder ward erichlagen, weil er nad) ihr begehrt: Du magit dic) vor ihr hüten, daß dird nicht auch widerfährt.“ Nun hörte diefe Rede der Spielmann fang: Der dacht ihn auch zu warnen und ſprach: „Mir wäre bang Bor ihrem Hirfchgeweibe: fo krönte fie ven Mann: Das Wild zu täufchen muft er mit diefer Zier in den Tann. „Sich da im Grafe bergen als äſe fih ein Hirſch: Lieb fi ein Thier betriegen, fo hatt er gute Birch. Doc mar er der Betrogne meift felber bei dem Trug: Sie unterdeſſen höhnt' ihn mit Iran bitter genug.“ Als das Wittih hörte, da ſchwieg er ftillbetrübt. Wildeber ſprach: „Ich weiß nicht, ob fie die Lift geübt; Mir feltfamen Geſchichten trägt fich der Leute Mund. Doch war Sie auch betzogen, da fie mit Harlung ſchloß den Bund.
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232 Nicht Harlungs Züge zeigte das Bild, das er geſchickt, Es glich deinem Bruder: fo wurde fie beftridt. Frau Venus war im Spiele, dazu ein Zauberring: Der zwang fie, den zu minnen, von dem fie halb ihn empfieng.“ — „Wie war e3 mit bem Ringe? das melde mir genau: Sch höre gern entfchuldigen die wunderſchöne Frau.“ — MWildeber ſprach: „Wie heftig du noch dich nach ihr fehnft; Doch höre zu, es geht dich viel näher an als du wähnſt. Du börteft von dem Ringe, den Wieland einft befaß. Er brachte deiner Mutter groß Leid; bu weiſt auch bad. ° Bon Elfweißens Finger z0g er das Gold ſich ab, Das als fie warb geboren eine Norne milb ihr gab. Es war der Minne Zauber des Ringes Stein vertraut, Und ihren Gliedern fügte der Ring die Schwanenhaut. So ward auch ihren Scheitern ein Schiwanenting geichentt; Do nur zum Verwandeln, nicht daß man ihrer gebenkt. Schwanweiß, Zange Mutter, hatt einen Schiwanenring, Der ziviegefteint fich theilte und in zwei Hälften gieng, Wenn man ein Stiftchen drüdte. Der Ausiveg warb erwählt, Da Elfweiß follt entfliegen und ihr der Ring bat gefehlt. Da wir nun laßen follten die heimlichen Aun, Das Glüd zu verfuhen und die Welt zu fchaun, Dein Bater Wieland tbeilte den Ring und auch den Stein Seiner lichten Elfweiß: der Eine warb ihm zu zwein.
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233 An Schwanweißens Golde hatt er es abgejehn: Eine Feder ließ die Hälften auseinander gehn, Mit der Feder wurden fie wieder geeint. Für ganz galt jede Hälfte; fie waren beide gefteint. Die Eine gab er Iran und gab die andre mir; Nun zog zu einander uns fehnlihe Begir: Wir Ihwammen ungefchieden in blauer Lüfte See. Borftürmen mochte feiner: nad dem Freunde war ihm weh. Als ob fich wieder ſuche das kunſtgeſchiedne Gold, So ſah man Die e3 trugen nun Eins dem Andern bolb. Bir Ionnten uns nicht fcheiden, das gab der Ring nicht zu. Nach feiner Hälfte ſtrebt' er, es ließ uns nicht Raft noch Ruh. „Schön Hilbburg auch erfuhr es, das unfelge Weib: Sie ſchenkte Mir das Leben und ließ den jchönen Leib. Zuletzt muft es erfahren dein Bruder von der Au, Den Harlung bat erfchlagen um die holdſelige Frau.” — „Wo ift der Ring geblieben?” frug Bathildens Sohn. „Bon feinem Zauber hoff ih einft ſüßen Minnelohn. Ward er mit ihm begraben?“ Er ſprach: „ch zog ihn ab Bon feinem Goldfinger, eb wir ihn fanbten zu Grab. „Doch meib ich, ihn zu tragen: mid) warnt des Freundes Looß, Und meines Weibs, die beide nun birgt des Grabes Schoof. Du bift fein rechter Erbe; doch bat ed mir nicht Eil: So lange Harlung lebet, wirb er dir nimmer zu Theil.”
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231 Giebenundzwanzigftes Abenteuer. Wie Wittih Nimfein erjhlug. Am dritten Tag von Edart nahm Urlaub Ermenrich: Er bat ihn, feinen Bruder zu pflegen fleißiglich Bis er wieder lüme. Das that fürwahr nicht Roth; Doch fah der Getreue voraus des lieben Herren Tob. Traurig zu dem Kaiſer ſprach Edart, Haches Kind: „Läg es an meiner Pflege, ich bin ihm fo gefinnt, Er lebte taufend Jahre und etlidhe mehr. Ä Gott laß euch Sieg erwerben und führ euch bald wieder ber.” Die kühnen Amelungen fuhren über Rhein: Da lag ein ander Breifah, das nahm die Herren ein. Sie oroneten die Scharen und zogen mohlgemuth Der ZU entlang und weiter an des Rheines grüner Flut. Rad mandem Tag erreichten fie Rimſteins fefte Stadt, Die Ermenrich dem Kaifer den Zins getweigert hat. Bergebens wohl drei Monden lagen fie davor Und konnten nicht gewinnen nur einen Thurm, nur eim Thor
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235 Berheert und verwüftet warb rings umher das Land; Was mocht aber frommen fo mörberifher Brand? Hier lag vor Einem Thore des Kaifers ſtarker Bann, Dort Dietrih vor dem Andern mit manchem herrlichen Mann: So hatten fie die Veſte im Halbkreiß eng umftellt, Ihr mochte Feine Zufuhr mehr naben aus dem Feld; Doch blieb der Rhein ihr offen: da hatt es feine Noth, Zum Spott auf die Belagrer fchoßen fie mit Weizenbrot. ® eo Da ſprach eines Morgens Ernrich der Kaiſer hehr Bor Dietrich feinem Neffen und andrer Helden mehr: | „Uns führt nicht zum Ziele der Weg, den wir erdacht. Sie liegen drinnen ſchmauſend und fpotten unver Uebermacht. „Wenn wir nun wieder ftürmen des Feindes feites Haus, Co füllen wir die Gräben und richten doch nichts aus. Hier ift nichts fo theuer als ein guter Rath. Er fehlt uns, den ich nimmer darum vergebens noch bat, „Hildebrand der alte: den ließen wir zu Bern.“ Da ſprach der treue Sibich zu Ermrich feinem Herrn: „Schwer ift hier Rath zu jchaffen, der euch zu Gute kommt, Da was wir AU erdachten bisher noch wenig gefrommt. „Rad meinem Willen hofft ihr vom Hunger nicht ben Sieg, No durd ein blutig Stürmen zu enden biefen Krieg. Gewalt will nicht verfangen, fo denkt auf eine Lift: Bon Alters kenn ich Rimftein, den Grafen, weiß wie er ift:
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236 „Er bält ſich nicht verfchlofien wie der Bär in feiner Schluft, Er kommt hervor gekrochen und fonnt fi an der Luft. Fällt er mit feinen Scharen nun aus, wie fchon geſchah, Wenn er uns läßig wähnet, die Zeit ſich günftig erſah, „So ſcheid ihn von den Seinen ein ftarler Hinterhalt: Gelingt es ihn zu fangen, die Stabt ift unfer bald. Zur Uebergabe forbert ihr fie nicht zweimal auf: Nehmt ihr fie.an zu Gnaden, das dünkt fie billiger Kauf.“ Da fo die Herren tagten vor Ermenrichs Gezelt, Da kam einher geritten ein mutbiger Held Auf milchweißem Schimmel mit ſchäumendem Gebiß: „Es tft der Unjern Einer, ja Wittich ift es gewiſs. „Er bringt uns gute Märe, fo ſtolz ift fen Gelaß.“ Da ſprach der ftarle Heime aus feinem alten Haß: „Wie bochfährtig fpornt er den Schimming durch die Saat! Dächt er in feinem Sinne nicht eine große Heldenthat „set vollbracht zu Haben, das wäre wunderlich! Noch werther jet, noch wichtiger als fonft bebünlt er ſich Wie er das Haupt zurüdiwirft, des Schmiebes eitler Sohn. Haltet eine Krone bexeit, er beifcht fie zu Lohn.“ Da kam auf Sleipners Füllen der Held herangeſprengt Und zog zurüd den Zügel, ben er dem Roſs verhängt. Er wurde wohl empfangen von manchem ebeln Mann; Sie fragten ihn um Märe: da ſaß er ab und begann:
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237 ı „Wir heben um den Grafen nun Zeit genug verfäumt; Uns ift von dieſen Thoren der Riegel weggeräumt. . Der fie uns ſchloß war Rimflein, der Liegt in feinem Blut.” Sie ſprachen: „Wer vollbrachte dieß Werk mit herrlichem Muth?“ Da wollte fih nicht rühmen ver junge Degen werth. | Er ſprach: „Ich fah ven Degen, der ihn mit blanlem Schwert Für tobt von feinem Roffe zux Erde hat gefällt. Er kam uns auszufpähen: da erſchlug den Späher ber Held.” — „Du darfft es nicht verleugnen vor uns,” hub Studas an, „Bir fahen an deinem Prangen alöbald, Du haſts gethan. So ſehr darauf zu pochen ift bir jedoch nicht Noth: Er brauchte Teined Rieſen, er war ja halber fchon tobt, „Sp hatt ein fieches Alter ermattet feinen Leib; Es hätt ihn wohl erſchlagen ein weinendes Weib, Wenn fie die Waffen hatte und ihn im Selbe traf Wie Dir entgegen ſchwankte der alte zahnloſe Graf.“ Als Wittich das erhörte, er gab ihm Antwort nicht, Doc roth wie Blut erglühte fein lichtes Angeficht. Da fuhr ihm gleich die Rechte nach ſeines Mimung Griff Und riß ihn aus der Scheide, daß er beil die Luft durchpfiff. Sein Feind ftand ohne Waffen: das ſah er bald und gieng Nach dem Gezelt und holte den guten Nagelring: Den warf er vor bie Füße dem Sohn des Adelger, Ihn fo zum Zweilampf heiſchend mit blank geſchwungener Wehr.
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% 238 Nicht ſäumig ließ fih finden dazu der arge Mann: Er hob das Schwert vom Boden und fihnallt’ es ruhig an. Dann zog er aus der Scheive der Zwerge ſcharf Gebild Und ftand vor ihm gelaßen; fein Blick nur loderte wild. Yet hätten fie begonnen das blutige Spiel; Da fprang aber Dietrich mit ver Gefellen viel Dazwiſchen, fie zu fcheiden: er bat und befahl Wittichen, einzufteden das Schwert, den morblicden Stahl. Der aber ſprach im Zorne: „Nun thut mir nicht Gewalt, Ich muß den Neiding ftrafen, der mich fo ſchwer beſchalt. Nicht eh fahr in die Scheide das leuchtende Schwert, Bis es den dreiften Lügner die Wahrheit ehren gelehrt, „Wo nicht, entziwei gefpaltet bes Läftrers Haupt und Bauch. Wenn id) die Schmach ertrüge, To hieß’ ih ein Gauch. Zu lang hab ichs ertragen wie mich fein Haß geichmäht. Er hat der Zwietracht Samen nicht heut zuerft ausgefät, „Er bat mich oft verleumbet, und Mancher weiß darum. Es könnt aud wenig frommen, verfäß ich heut noch ſtumm, Ich müft e3 morgen rächen: ich weiß, er läßt nicht nad). Drum eh wir jebo fcheiben, ſei ausgefochten die Schmad). „Sch will ihm nicht gedenken wie er mich einft verrietb, Als ih von Räubern, fünfen, kaum mit dem Leben ſchied. Du haſt ihm ſchon vertiefen die Untreu, Held von Bern, Dod ihm feitdem verziehen; er fand zu gnäbigen Herrn.
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239 „Doc größer war bie Unthat, die kannſt du nicht verzeihn, Als Widolf mit der Stange durchbrach der Heunen Neihn Und ich den Amelungen das Banner Etzels trug: Da traf mich ber Rieſe, daß er zu Boden mich ſchlug. „Da hätt Er mid geborgen, wenn e3 fein Wille wer, So blieb ih ungefangen von Rothers ſchwacher Schar. Er ſah mich wohl da liegen, auch kam er, büdte ſich Und bob den guten Mimung vom Boden auf und entwich. „Er gab die gute Waffe mir käum in Bern zurüd. Sprid Dietrich, fprechet Alle, war das ein Freundſchaftsſtück? Ihm war der Waffenbruber des Büdens nicht fo werth, Ergönnt’ihngern den Feinden; doch fich nurgönnt' er das Schwert.” Die Rede hörte Dietrih: da ward er Heimen gram; Ein Jeder muft ihn baßen, der feine That vernahm. Er aber ſprach: „Ich günnte den Mimung nicht dem Feind; Den. Todten wohl, und haben nicht Alle tobt ihn gemeint? „Er war auch tobt, mir zeugt es ein Jeder der ihn ſah. Nun ift er auferftanden, ich weiß nicht wie's geichab, Ob Helferich ihn heilte mie feinen Ohm Diwin; Doch Mir gehört fein Mimung, denn berrenlos fand ich ihn. „Dem Feind, dem Sieger nahm ich ihn fort im Drang der Schlacht; Wir miſsten ihn noch heute, hätt ich es nicht bedacht. Das will er mir verkehren, daß er das Schwert behält: Ich batt es ihm geliehen bis Du ein Urtheil gefällt.
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240 „Hier fteh ich nun und fordre mein Eigenthum zuräd, Dazu den fohnellen Schimming: den gab mir auch das Slüd. Ich führ ihn nicht zu Stalle, die Wette boteft Du; Der Wette Preis war Schimming, die Zeugen börten uns zu. „Ich führt ihn doch zu Stalle: fo ift der Hengft denn mein.“ Da gieng ein Gemurmel durch all der Helden Reihn, ” Als er das Schwert verlangte und auch das fchnelle Roſs. | Wohl Niemand ward gefunden, den nicht der Anspruch verbrof. Da ließ fi) berichten der junge Vogt von Bern; Doch konnt er3 heut nicht fchlichten, die Zeugen waren fern. Er ſprach: „Soll Ich entſcheiden, den ihr zum Richter Tort, Sp haltet erft den Frieden, den ihr ala Freunde beichiwort. „Die Schwerter in die Scheibe! bis Ich den Kampf verbieng: Des Richteramtes walt ich nur unter dem Beding. — So recht, und nun verheiß ich ein Urtbeil an dem Tag, Da ich von ziveien Zeugen die That erkundigen mäg. „Du aber fag uns jetzo, Wittich, ichneller Held: Site wahr, haft du den Grafen von Germersheim gefällt? Er war nicht alt und zahnlos, er blüht in voller Kraft; Auch war e8 nicht fein Siechthum, das dir den Sieg bat verfchafft." „Ich fagt es nur im Scherze,“ fprach Heim, „bei meinem Eid.’ Wittih Sprach: „Ich ſchlug ihn zu Tod nach kurzem Streit. Er ritt und auszufpähen felbjechfter aus dem Thor Ob wir gerüftet wären; fonft ftand ein Ausfall bevor.
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241 „Da er nun hatt erlundet was ihm zu wien Noth, Da kehrt' er nach der Veſte. ch war auf dein Gebot Zur Warte heut geritten: als ich die Späher traf, Da maßen wir die Schwerter und nieberftürzte der Graf. „Die andern fünfe flohen zur Stabt in jäher Eil. Die wehrt ſich nicht mehr lange, bedenkt fie wohl ihr Heil.“ Da muft ihm Dietrich danken, dazu der Kaifer reich: „Fürwahr, da bift ein Degen, ein kühner Held ohne Gleich.“ Lv Eimrod, das Amelungenlied. 11. 16
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Actundzwangigites Abenteuer. Wie Herbart Edarten erſchlug „Run laßt das Heerhorn blaſen,“ ſprach Kaiſer Ermenrich, „Daß wir die S'adt erjchredien: vielleicht ergiebt fie ſich. Die Mauerbrecher rüdet, die Schleudern all heran, Den Gräben und den Wällen laßt uns mit Wurffeuer nabn.” Eh fie das Zeichen bliefen zum Angriff und zum Sturm, Mehl eine weiße Fahne jchon von dem höchften Thurm: Die Fahne war das Zeichen, daß ſich die Stadt ergab. Das Thor warb erfchloßen, man ließ die Brüden binab. Die Burgmänner famen barhaupt im Bußgewand, Die Schlüßel Inieend legten fie in des Kaiſers Hand. Da warb ihnen Frieden des Leibes und des Guts Bon Ermenrich beſchieden; auch ſprach er gnädigen Muths: „sch weiß, der euch verführte war Rimſtein der Gxaf, Dem mohl der Tod gebührte zur Strafe, der ihn traf. Nun ſetz ich meinen Neffen zu euerm Grafen ein: Euch hält wohl in Gehorfam der edle Gelb von Wasgenftein
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⸗28 Am andern Tag zu Dietrich begann der Kaiſer hehr: „Hab Neffe Dank: ich brauche nun deinen Dienft nicht mehr. Du haft dich wohl beflifen mit deiner kühnen Schar; Ich will es ihm gedenlen, der mir zum Sieg bebälflih war. „Dieweil ich bier noch rafte, zieh wit ber Braut gen Bern Und halte fröhlich Hochzeit; Tannft bu, ich ſäh es gern, Ueber Breifach veiten nach deinem Ohm zu ſehn, Db er genas der Bunde, fo wird mir Liebes geſchehn.“ Urlaub von dem Kaifer nahm Dietrich der Held, Urlaub die Degen alle, die er fi zugeſellt. Sie ritten mande Tage und kamen Breiſach nab: Nun mögt ihr gerne hören was an der Mark da geichah. - Den Helden vorgeritten auf winbichnellem Roſs War Wittich der kühne, den Säumens verdroß. Da fand ex an ber Straße fchlafen einen Hann Bon balbrieigem Wuchſe; für Edart fprach er ihn an. Da welt’ er den Getreuen und fcherzte: „Schlafe nicht: Soft du die Marl behüten, zu wachen it dir Pflicht.” Als Edart erwachte, nach feiner Stange fubr Er bald und Sprach: „Ich wache; wenn es Roth ift aber nur. „Doch mag ich deinetwillen wohl thun was mir behagt, Schlafen oder Wachen. Wie haft du Zwerg geivngt Den Shlummer mir zu ftöven? mas für ein Burſch bit bu? Fahr deines Wegs befiheiden und Ink die Schläfer in Ruh.
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244 „Es dünkt mich zu beſchwerlich deinthalben aufzuſtehn Nur um dich zu erſchlagen; ſonſt wär es bald geſchehn.“ Da wandt er ihm den Rüden und ſchlief in Ruhe fort. Den guten Degen wunderte fein Gehaben und fein Wort. Er ſprach: „Mas ſolls beveuten? erkennſt du mich nicht mehr? Wir waren jüngft noch Freunde, drei Monden ift es ber. Jetzt auf und ſteh mir Rebe: es wird bein Ungewinn; Denn auch vom Freundenehm ich fo ſchubde Antwort nicht bin.“ Stumm blieb der Markmann liegen verjagend Wort und Grub. Da ftieß ihn in die Seite Wittich mit feinem Fuß. Jetzt fuhr empor ber Starke, die Stange hob er dreund Und ſchwang fie unfreundlich nach dem aufgebrungnen Freund
Der ſah fie nieberfahren, da wich er früh genug, Daß in den Grund erkrachend die ſchwere Stange fchlug. Den Krach vernahm von Weitem Dietrich der eble Helb. Er ſprach: „Dort ftreitet Wittih: mer ift zum Kampf ihm gejellt? „Laßt ung ihm Hülfe bringen, er ſteht in großer Notb.“ Da eilten fie und mwehrten des lieben Freundes Tod. Als fie zur Stelle famen und Edarten ſahn, Verwundert ftarrte Dietrih: „Was hat dir Wittich getban, ! „Was that Ich bir zu Leide, daß du den Freund mir fchläglt” Run laß die Stange nieder, die du fo grimmig mwägft. Wir ſchieden jüngft in Liebe, Edart, Haches Sohn: Wie ſeh ich dich nun feindlih deines Herren Neffen brobn?“
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245 Da ſprach Harlungs Markmann: „Ich bin nicht Haches Sohn; Eckart bin ich geheißen, das iſt die Wahrheit ſchon.“ — „Biſt du Wikings Enkel,“ ſprach der Held von Bern, „Nordians Erzeugter? die Märe hören wir gern. „Sp muſt du Wittichs ſchonen: Ihr ſeid Ein Fleiſch und Blut: Wikingen auch entſtammte ber Degen kühn und gut. Doch Was hat dich nach Breiſach geführt aus Rothers Reich? Kamſt du den Freund beſuchen? da ward er wohl freudenreich?“ „Ich kam den Freund beſuchen; die Freude war nicht groß: . Er ftarb in meinen Armen; unfelig ifi mein Looß! Als ich ihn ſah erfchlagen, da trat ich für ihn ein:- Im Tode nicht zu fcheiden follen zwei Gefellen fein.” . „Iſt Haches Sohn erfhlagen? der treufte Mann der Welt! D weh, das muß ich Elagen,” ſprach Dietrich der Held. „Auch ſoll ichs billig rächen, und Harlung auch, mein Ohm.“ Vergebens wollt er bergen der Zähren fließenden Strom. „Bar Harlung euer Oheim? Wenn ihr der Berner ſeid, So bab ich fchlimm empfüngen euch bier, das ift mir leid; Doch fchlimmer ift die Märe, vie ich euch künden foll; Jh bin nicht gern der Nabe; tragt mir darum feinen Groll. „Euer Oheim Harlung ift feit drei Monden tobt Er ftarb an feiner Wunde; wohl fchmerzt auch mich die Noth: Nach des Gefellen Sterben geht mir kein Leib jo nab; Doch lernt die Bein ertragen, ihr ändert nicht was geſchah.
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— „Ihr könnt ihn auch nicht rächen: er rächte ſelber fi; Meinen Gefellen könntet ihr rächen wohl für wich, Dem Er es felbit verwehrte: ich ſchwor ibm Eide ſtark, Der Harlungen zu pflegen und zu fchügen ihre Marl.“ Da Sprach der edle Dietrich: „Wohlan denn, thu mir fund, Wer bat ihn dir erfchlagen? ſo räch ich ihn zur Stund, "Wenn du mich lehrſt zu finden den fhulbigen Mann. Iſt es ſchon lang gefchehen? weiſt bu wohin ex entrann? „Und Eennft du feinen Namen?“ Er ſprach: „Bedenk ichs redt, So follt ihr ihn nicht rähen am eigenen Geichlecht: Herbart mars, eur Neffe, der mir den Freund erichlug; Doch ihn beftrafen dürft ihr: er that euch Leides genug. „Die Braut follt er euch freien; er hat fie Sich entführt.“ Er ſprach: „Ihm wird die Strafe wohl noch, die ihm gebührt. Zwar gönn ich ihm Schön Hilden, da Mir Gotlinde warb: Doch Untreu muß ich rügen an meinen Neffen Herbert, „Wer bat die Amelungen der Falſchheit je gezeiht? — Wo mag ich ihn nun finden? ift er von binnen weit? Doch fag uns erft, wie ward er Eckarten gram? Was that ihm der Betreue, daß er das Leben ihm nahm?“ Da ſprach zu Dietrichen Ecart, Nordians Sohn: „Er war zu König Rothern mit feiner Braut geflohn. Dort hielt er fi) nicht ſicher als fein VBeichüger fiel Bor deiner Helden Einem: da wählt‘ er Breifach zum Biel.
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247 „Harlung ſollt ihn verföhnen dem Kaiſer Ermenrid. Hier fand er Berchtolds Enld und nahm ihn wohl für Mich. Ich hatt ihn oft gefeben in Wifingenland; Doc wollt ihn Der nicht kennen: das ſchuf ihm Zorn, dem Weigantı „Den Eingang wehrte Edart dem ungeftümen Gaft: Da ri er aus ber Scheibe das Schwert in zornger Haft. Er Sprad: „Wie fund mein Wein dir und mein Wappen fei, Noch leraft dur beßer innen den Hirſch mit goldnem Geweih.“ „Da fprangen fie zufammen zum blutigen Spiel Und Iodten Gluth aus Helmen bis mein Geſelle fiel Golbwart und Seewart, die wollten feinen Mord An dem Verwegnen rächen: er erſchlug auch fie ſofort. „Da kam son Harlungs Mannen jo große Uebermarht, Den Rüden muft er wenden und meiden weitre Schlacht. Doch war ihn zu verfolgen der Kechſte nicht verfucht: Bor weldem Allen graute, wer mocht ihm ivehren die Flucht? „Er fol zu den Burgunden von hier geritten fein, Zu König Gibichs Söhnen, der König ift am Rhein. Siegfrieb ward. ihr Schwager, der kühne Frankenheld; Brunbild Hagt vergeben, ibr ift das Leben vergällt.“ „Roh fag uns, Wilings Enkel,“ der edle Dietrich frug, „Bann ift das gefchehen, daß er den Freund bir ſchlug? Da ſprach er: „Ebegejtern; ich fand ihn noch; er ftarb Doc bald in meinen Armen, an dem viel Tugend verbarb.“ ®
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„Wohlan denn, Genofen, die Waffen nehmt zur Hank: Ich veite felbzwölfter in König Gibichs Land, Und frage meinen Neffen wie er die Treue bielt. Wer getraut mich zu begleiten? bier wird ums Leben gefpielt!“ Dietleib erbot fih, und Wittich zu der Fahrt; Auch ſähen fih nicht gerne die Wölfinge gefpart. Wildebär und Heime, die blieben ihm nicht aus; Biel Helden noch verlangte nach diefem fährlichen Strauß. Da wählte Dietrich fünfe zu jener Siebenzahl; Es waren kühne Helben, ihm wurde ſchwer die Wahl. Er ſprach: „Die bier verbleiben, kurzweilen mit ben Fraun: Ich muß nun Gotlinden, mein jüß Gemahl, euch vertraun. „Du Edart, ſollſt fie pflegen; mein mübes Boll dazu In Herbergen legen: es braucht wohl guter Ruh. Das darf ich dir befehlen, ich weiß, du thuft es gern.“ Da fchied von Gotlinden der junge König von Bern. Sie ließ ihn. willig ſcheiden und klagte drum nicht ſehr. Schon trabt' er über Haiden: da warb das Herz ihr ſchwer. Sie sang die Hände ftille und blickt ihm trauernd nad: „Daß ich den Tag erlebte, da er zu kehren verf 1m
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29 Neunundzwanzigftes Abentener. Wie der Wolfing Siegfried den fhnellen an die Linde band. Run ritten diefe Degen durch Feld und Flur geſchwind, Herbarten zu erjngen, Herdegens Sind, Ste ſchonten nicht der Roſſe und Sparten nicht den Sporn Und mit verhängtem Zügel giengs durch das reifende Korn. Ste Iamen in zwei Tagen und vor ber andern Nacht In Gibichs Land gerittim auf ihrer fohnellen Jagd Und hatten feine Kunde noch von dem jungen Mann. Da pflegten fie ver Ruhe vor einem fchattenden Tann. Sie fließen mit dem Banner den Sperfchaft in den Grund; Das Banner trug ihr Wappen, da3 Wappen that fie fund. Da flog alebalb die Märe gen Wormes an ben Rhein, Es kämen tühne Gäfte; doch ohne Voll, die Zwölf allein. Als Stegfriev das erhorte, das freut’ ihn überaus; Er weilte mit Kriembilden noch in des Schwähers Haus. Zang bat er keinem Gegner im Kampfe ſich gefellt, Und fich verliegen wollte noch nicht der freubige Helv.
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250° Da nahm er Helm und Panzer, dazu ein’ fohlechtes Pferd Es hatte feinen Sattel und war ed auch nicht werth) Und ritt allein den Gäften entgegen fie zu ſchaun: Er traf fie vor dem Walde bei des Morgens erftem Graun. „Heil euch, ihr guten Degen,” To bub er an und ſprach: „Mit Namen nennt ich jeden von euch der Sitte nadh, Wenn ich euch beßer kennte: willlommen allzumal Heiß ich euch edle Gäfte, wie mir der König befahl.“ Da hießen ibn willlommen die fühnen Helden aud. Und meiter ſprach Siegfried: „Es ift des Landes Beach Hier bei den Burgunden, daß man bem König zollt Mit Gold oder Silber: fo zollt ihm auch, wenn ihr wollt. „Wenn ihr mie Schagung ſendet, fo habt ihr frei Geleit "Wohin ihr wollt zu reiten; wo nicht, in kurzer Zeit Müpt ihr das Leben laßen, dazu auch alles Gt.“ Da ſprach der Bogt von Berne: „Uns ift wohl anders zu Muth. „Dazu nicht bergeritten find wir in ſchneller Fahrt, Dem König Zoll zu bringen: das wirb von und geſpart. Was wir zu werben kommen, das fei dir frei belannt: Meinen Neffen Herbart {uch ich, der mir die Braut bat entwantt. „Iſt er bei den Burgumden wie man mir hat gejagt, Er fol mir Nebe ftehen, wenn ihm das Her; nicht zagt. "Der König Gibich jende den Schübling mir heraus, Sonft biet ich ihm Fehde vor feinem thurmfeſten Haus.
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351° „Von bier nur werig Meilen liegt uns ein ftarles Heer: Wenn wir das entbieten, jo braucht ihr guter Wehr. Das melde deinem König; dazu auch unfern Gruß. Er wird uns wohl willfahren; er thut es gern, weil er muß.“ „Erft laßt mich Eins euch fragen,” ſprach Siegfrieb der Held, „Wenn ſolche Mär zu jagen‘ euch Degen nicht mijafällt: Wie heiß ich den Helden, der fo entichieden fpricht? Sol ichs dem König melben, fo verhehlt es mir nicht. „Aus welchem Land ihr kommet, das auch erführ ich gern. Den Herbart Obeim heißet, das ift der Helb von Bern. Weilt noch der Hufch im Lande (er warb ba jüngit geiehn), Mic dunkt, er wird nicht fcheuen dem Leuen Rebe zu ftehn.“ Da ſprach zu dem Boten Wittih, Wieland Kind: „So will id bir fagen wer diefe Reden find: Ihre Namen fpllen euch unverhohlen fein; ch weiß, ihr Ruhm erichollen ift Längft auch euch an dem Rhein. „Uns Anbern bier gebietet von Bern Herr Dieterich Nächſt Dietmar feinen Bater und Kaifer Ermenrich; Es ift der junge König, ben du geſprochen haft. Bon Thüringen der Landgraf ift diefer herrliche Gaſt, „Einft König Etzeln pflichtig, jeßt in des Berner? Bann, Auch Er in deutfchen Landen ein vielgerühmter Mann. Der mit dem Elephanten ift Dietleib, Bitrolfs Sohn, Der Sintram ben Griechen bezwang; nun Tennft bu ihm ſchon.
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252 „Der vierte, das ift Heime: er führt ein Roſs im Schild, Weil er die Stuten pflegte der Königin Brunbtlv. Das that er in der Sjugend, der Stubas war genannt; Jet dient er Königsfühnen um den Ruhm und um ein Land. „Bon Mir will ih nur jagen, daß mich Bathild gebar, Die Neidings Erzeugte, Rothers Verlobte war. Doch Wieland meinen Bater verleugn ich nicht vor bir: Der Hammer und die Zange find meines Schildes befte Zier. „Roc find bier wadre Degen, beberzt und unverzagt, Hab ich dir gleich von fünfen die Namen nur gefagt. Die Wölfinge darunter, bie find voll Uebermuth, Bon Bater und von Mutter eine rechte Welfenbrut. „Die Namen mägft du melden, wenn es bir fonjt gefällt. Doch wenn ſich uns zu ftelen Herbart gedenkt, ber Held, Sp that und nichts zu Leive Gibich der König hehr, Richt her zu den Burgunden zieht Kaiſer Ermrichens Heer.” Da jprach der kühne Siegfried, der Held von Niederland: „Die Namen kenn ich alle, die du mir baft genannt. Den Herbart will ich ſchicken: er ſcheut fich nicht vor Streit; Doc kommt auch Siegfried mit ihm, denn Der giebt ftäte ihm Geleit „Run thut fo wohl, ihe Helden, und fdhidt dem König Zoll: Berweigert nicht die Schagung, die man ihm zahlen fol. . Billig fügt ihr allwärts euch dem gemeinen Recht; Euch ehrt ihr und den König, wenn fein Geſetz ihr nicht bredii.
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233 „Wenn ich nad) Bern einft komme, fo weigr ich auch mich nicht Des Landes Brauch zu halten; gern ehr ich jede Pflicht. Habt ihr nicht Gold und Silber, fo ſendet Geldeswerth, Was Ihm geziemt zu nehmen, Euch nicht zu geben beſchwert.“ - Da fprach der Helb von Berne: „Du fpridyft gewandt und Hug; Der Fremde Recht zu ehren, das dünkt mich felber Fug. So will ich mich bedenken mit der Genoßen Rath Was Mir geziemt zu geben, was Ihr mit Ehren empfaht.“ Da ſprach zu den Genoßen ber edle Held von Bern: „Was follen wir ihm geben? nun rathet, Yreund und Herrn. Wenn wir ein Roſs ihm fchidten und etwa einen Schild, So wär das Recht befriedigt und aller Haber geftillt. „Geliebt ed euch, fo werfen wir Zwölfe gleich das Looß, Und Ben es trifft, befümmert fich drum nicht Fingers groß. Ib kann zu andern Seiten in meines Vaters Land Ein ander Rofs ihm laufen, einen andern Schildesrand.“ Des waren fie zufrieden unb ftimmten willig ein; Nur Wittich ſchwieg; doch wollt er auch nicht dawider fein. Da warb das Looß geworfen und fiel auf Siegeftab, Den älteften Wölfing, der fich ver Habe-begab. Da ward fein Schild genommen, dazu fein gutes ‘Pferd; E3 war gefchwind und muthig und mander Marle werth. Das fandte den Burgunden - Dietrich mit höfſchem Sinn: Dieß Roſs beichritt da Siegfried und fuhr mit Urlaub dabin.
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234 Das gefiel dem Wölfing übel, dem Gohn Ameloiis, Sein Gut wollt er nicht miſſen, der junge Rede ſtolz Dem Boten nadıygureiten gebacht er in den Tann, Ihm wieber abzuitretten was er als Schatzung gewann.
Da bat er feinen Bruder, den ſchnellen Wolfhart, Ihm Roſs und Schild zu leihen auf diefe Wagefahrt. Der wollt ihm nicht gewähren; er ſprach: „Lab Mich dahın! Du bift zu unbehende: wirſt ben lürzern wieder ziehn.” Ihn verbroß das Wort, da that er ale ſtünd er ab davon, Und bat um Roſs und Schildrand des Schmiebes Fühnen Sohn. Der ſprach: „Nicht wieder ſetz ih mein Glück auf ſolch ein Spiel: Ich Stand in taufend Aengiten bis ein günftig Looß mir fiel.“ , & Da wandt er fih zum Dritten an Heim ven Degen ſtark, Ihn um den Schilb zu bitten und um fein fchnelles Marl. Der ſprach: „Wenn ich den Rispa bir liche, Windalfs Gprof, Und du zurüderftreiten nicht könnteſt Schilorand und Roſs, „So ließeft du den Boten bie meinen noch bazu; Wie würd Ich dann entichädigt? was haft, was bieteft du? Du willſt nicht meinen Schaben; er wär auch allaugroß; "Dir giebt noch Dietrich wieder mas dir entführte das Looß“ „So geb ich dir Garten“, fprach der junge Held, „Soviel von Burg und Auen mir einft zu Theile fällt. Du weiſt, unferm Meifter gehört das Schloß nicht gar, Zur Hälfte feiner Schweiter, Mergarten, die mich gebar.
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235 „Mein Ohm bat Feine Kinder, wir erben ihn. allein: So wird denn ein Sechſtel, wo nicht ein Drittel mem. Das Drittel folft bu haben, die Mutter und den Ohm An meiner Statt, beerben; ich nur den Vater in Rom. — „Wenn ich dein Roſs verliere und beinen feiten Schild, Das wird dir fo vergolten, daß dich dein Herz nicht jchile: Bring ich fie beide wieber, fo wird bie nur der Danf; Dann hab ich auch die meinen mir erfiritten frei und franf: „Und wieder will ich baben mein Gut, wo nicht, den Tod.” Da ſah der ftarle Heime des Jünglings große Noth. Er dachte fie zu nutzen und Sprach: „Iſts wie du fagft, So fell der Handel gelten, da Du zumeift dabei wagſt.“ Da beſchritt den Rispa Siegftab der junge Dann, Und ritt mit Heimes Schilde durch einen tiefen Tann. Er hatte lang geritten, als ihm das Heil geſchah, Daß er bei grüner Linde des Königs Boten erjab. Den bat er, fein zu harten; und Jener harrte fein. Da ſprach er: „Das du reiteſt, das edle Roſs iſt mein; Steig ab, ich will es wieder, denn weit bab ich nach Haus: Es hält die lange Reife das Eine Pferd mir nicht aus.” Verwundert ſprach da Siegfried: „Wer bift vu, junger Held, Der du fo kühnlich anſprichft dieß Roſs, das mir gefällt? Du wirft wohl bier nicht finden was bir dein Muth veripricht, Db du das Roſs nun früher befeßen babeft ob nicht.“
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256 „Sit ab, es ift das meine”, ſprach wieder Siegeftab; „Und auch den Schildrand trägft bu, den mir mein Water gab. Die reich mir beide wieder: betreibft du das nidyt bald, Das Leben muft du lahen und Rofs und Schild Hier im Walb.“ Wohl hört! er an der Rede, der junge Wölfing fets, Der Roſs und Schild gegeben auf Des von Bern Geheiß Er mar in feinem Hergen den Süngling heimlich hold: Der Sohn feiner Muhme mar fein Bater Amelolt. Da ſprach er: „Willſt du ftreiten um dieſes Roſs wit wir, Vielleicht zu einem Witte verftünd ich mich mit bir. Es gilt bier zu entfcheiden ob du dein Roſs erlangft, Ob du auch das noch miflelt, auf dem du fo flattlich pranaft. „Ein Jeder, hört ich fangen, ift feines Glückes Schmied: Du follft dein Roſs erjagen, wenn dir ein Nitt gerietb. - Ich will bier ruhig halten; du reit aus aller Kraft Mir Bruft und Herz zu fpalten mit dem eingelegten Schaft. „Dein Schild ſoll mich nicht ſchützen: bringt mich vom Roſs dein Stoß, So baft du beide wieder, die dir geraubt das Looß. Befteh ich deinen Angriff, fo reit ich wiber Dich, Und dieſes Spiel fol währen bis Einer fiel hinter fidh.* Des Franlen Anerbieten gefiel dem Amelung: Da ritt auf Siegfrieben der ftolge Rede jung. Er ſchlug in die Weichen den Rispa mit dem Sporn Und ftieß ihn zu ermutben laut in fein goldenes Horn.
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Da traf auf Siegfried Panzer des Jünglings Sper fo Stark, Auf die Hinterfüße dem Welfung ſank das Mark; Der Neiter blieb im Sattel: fo herrlich ſaß ber. Held; Auf feiner Bruft in Splitter ſah man Siegitabs Sper zerfchellt. Auf fund das Roſs ihm wieder; da bob der Melfung an: „Das heiß ich wohl geftochen von einem jungen Mann! E3 mag wohl Freunde zählen dein erlaucht Gejchlecht, Die ſolches Reiten konnten vordem und ander Gefedt. „Run fleige du vom Pferde und gürt ihm wieder feft; Auch rüfte zu dem Gange dich felber allerbeft. Sitz auf und halt im Sattel mir Stand wie ih bir hielt; Doch nimm dich wohl zufammen, fonjt ift Schilb und Roſs verfpielt.* Da that der junge Wölfing wie ihm gerathen mar: Schon faß er wieder herrlich und troßte der Gefahr. Da ſah man Siegfried reiten mit umgewandtem Sper: Er zudite nach dem Jüngling den Schaft, der ftark mar und fchiver, Und traf ibn fo gewaltig mitten auf die Bruft, Daß er den Eattel räumte und lag in Staub und Duft. Da nahm beim Zaum den Rispa Siegfrieb der Degen ſchnell: „Run wird bir nicht wieder das Roſs, du güter Gejell, „Das du zu löfen kameſt in unberathnem Muth; Du baft auch dieß verloren, das dreifach war fo gut, Und das, wie ich errathe, dir viel gefoftet bat Eh du es bringen burfteft an dieſe fieglofe Statt, Simrod, das Amelungenlied. 11. u 17
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258 „Wenn anders, wie ich glaube, der Hengft Rispa beikt Und Heime dir ihn borgte, des Milde Niemand preift. Denn ficher haft du volles, ja tolles Pfand geſetzt, Und wirft, da dus nicht beimbringft, doch noch gefcholten zuleßt. „Wärft du nun Stil gefeßen! es mag dich jet gereun.“ „Rein,” Sprach da Siegſtab, „Unfieg ſoll Niemand fcheun. Mer immer nur bevädte, daß ihm mijslingen kann, Der thäte nie dad Rechte, er würd ein Weib und nicht ein Mann. „Es mag mir noch gerathen, wenn es dein Willen ift, Hab ich bisher Gelingen auch allzuſehr vermiſst.“ Der Welfung fpradh: „Laß hören, was mir verbeißeft du, Daß du dein Roſs erhalteft und das geliehne dazu?“ | Da fprach der Amelunge: „Zu menden dieſes Leib Was Alles mir gezieme bin ich zu thun bereit, Und feine Schande bringe dem Meifter, der mich 309: Ich folge feiner Lehre, der nie von Ehre mir log.” „She wir uns maßen, befinne dich nur recht, Da fragt ich dich,“ ſprach Siegfried, „nach Namen und Geſchlecht. Das wollteft du nicht fagen aus Stolz: nun thu mirs Fund, | So merben beine Roſſe dir beide mwieber zur Stund.“ Der Amelung verfeßte: „Dir nannte beide ſchon Bei meinen Heergejellen des Echmiebes fühner Sohn; Haft du fie nicht behalten, fo melb ich fie nicht mehr: Man bielte mirs für Feigheit und ich fürchte mich nicht febr.
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259 „Steht mir auch Roſs und Schildrand, fteht all mein Gut darauf, Ich mifje nicht die Ehre: das wär zu theurer Kauf. Nun halt e8 mit den Roflen wie immer bir gefällt.“ Siegfried Sprach: „Ich frage dich darum nicht, junger Held. „Deine Schande brächte mir wahrlich nicht Gewinn; Ich frage nur, zu hören ob ich dein Better bin. Denn wiße, Freund, ich heiße Siegfried von Nieberland, Und bift du ein Wölfing, fe find wir nahe verwandt.“ Da ließ der Amelunge von feinem Starrfinn ab. Er ſprach zu Siegfrieven: „ch heiße Siegeftab Und Amelolt mein Bater, den Stegrun gebar, Die Amelbrande Getraute und deiner Mutter Schweiter war. „So find wir Blutöfreunde, du baft mir wahr gejagt.“ — „Sind mehr als das,“ ſprach Siegfried, „du Degen unverzagt, Eind anderthalbe Vettern, da halb der Name ftimmt. Wenn ich dir ſchaden wollte, ich wär mir felber ergrimmt.“ Da_fprang er aus dem Sattel und fprad zum Freunde mild: „Rimm beide Roſſe wieder, nimm den und jenen Schild, Und reite zu den Deinen und fprich, du habeft mir Mit Gewalt dieß Roſs genommen, und eb du fcheibeft von bier „Solft du an diefe Linde mich binden, child und Sper Und auch das Roſs mir nehmen, die ich gebracht hieher.“ — Das wollte nicht der Junge; doch Siegfried ſprach ihm zu. Es muft es endlich leiſten, er ließ ihm fonft nimmer Ruh.”
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260 Da ritt mit breien Roſſen der junge Held zurüd: Er mochte fi) wohl brüften, es war ein ſeltnes Glüd. - Er fand auch bald die Helden und Heim den largen Mann. Er ſprach: „Ach bringe wieber mas hier der Bote geivann: „Deim Roſs und deinen Schilvrand nimm' hin und babe Danl; Und hier ift noch ein drittes: das fcheint mir aber krank. Wie kam auf ſolche Mähre der Helb von Nieberland? Denn Siegfried wars, der fchnelle, den uns Gibich bergelandt. „Als er ſich Siegfrieb nannte, wohl ward mir eng ums Hey: Es ift ein großer Name, man preift ihn allerwärts; Doch war mir hold die Stunde, ich trug den Sieg davon: Da band ih an die Linde der Afen herrlichen Sohn. „Mit feinem Schilbfeßel band ich ihn an den Baum, Mit meinem Gurt und feinem; noch reichte das mir kaum, So ſtark von Gliedern war er, fo did der Linde Stamm; Doc wird er nicht entrinnen, denn ich band ihn feft und firamm.“ ALS das die Andern hörten, fie wunderten ſich ſehr, . Und als fies recht bedachten, dba glaubte Niemand mehr, Daß er gebunden hätte jo bochgelobten Helv: - „Er ift e& nicht gewefen, der den Draden bat gefällt.“ Der Yüngling ſprach: „Er war es, ihr mögt eö felber febn: Ihr findet ihn am Baume noch dort gebunden ftehn. Nun reitet hin zur Stelle; er kann fi nicht befrein.“ Da ſprach ter Bogt von Berne: „So ift Lob und Ehre drin.“
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Noch wollt es Heim nicht glauben, es ſchien ihm Bralerei: „Ich will zur Stelle reiten, wo er fagt, er ſei An einen Baum gebunden, der bier die Schagung nahm. Und iſts der fchnelle Siegfried, der ala Gibichs Bote kam, „Und den zu einem Baume gebunden hat ein Kind, . So will ih Alles glauben was Ammenmärdhen find.“ „E83 wär ihm große Schande,“ Hub auch Wittih an, „Wenn er gebunden ftünde von dem halberwacdinen Mann Und fi) nicht löſen könnte: ich belf ihm, mag ich, gern.” Da ließ fie willig reiten der eble Bogt von Ben. Schon fprangen fie zu Roſſe und ritten in den Wald: Da fahen fie am Baume den ſchwergebundenen bald. Derweil ſprach zu Dietrich der junge Siegftab: „Sch will dir gern geftehben, Herr, mie es ſich begab. Der Andern wollt ich fpotten; dir hab ich es nicht Hehl: Er ließ ſich willig binden; ich thats auf feinen Befehl. „Erft hatt er Mich bezwungen, ber Held von Nieberland, Denn wirllid mar es Siegfried, den Gibich hergeſandt. Nun hört er meinen Namen: da warb der Helb mir hold: Der Sohn feiner Muhme war mein Bater Amelolt. Da gab er mir die Roſſe, die Schilde mir zurüd Und gebot mir ihn zu binden: das heiß ich gutes Glück! Zwar wollt ich erft nicht leiften; er aber ließ nicht nad Bis ich zuleßt gezwungen den Schimpf ihm that und die Schmad).“
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262 „Das find mir fremde Mären!“ ſprach da Dieterich: „Den Blutöfreund zu ehren befdhimpft er felber fich! Wie fol das Spiel nun enden? den Ausgang ahn ich faum: Wird er ſich finden laßen von jenen Zwein an dem Baum?“ „Er kann fich felbit nicht löfen,” ſprach der junge Mann. Da kehrten jene Beiden ſchon wieder aus dem Tann. - Sie ſprachen: „Wunderdinge find Bier vor uns gefchehn: ‚Wir famen bin und ſahen ihn an bem Baume noch ftehn.“ „Der Bote Gibichs war es,“ ſprach Heim, „das fab ich Kar, Doch konnt ich nicht erfennen ob es Siegfried war. ‚ Und doch ift ers geweſen, wie ihr wohl bald gewahrt, Denn kaum zu Roffe fab er uns nahn in eilender Fahrt, „Sp riß er gus dem Boden den fchiveren Lindenftamm Und war im Wald verfchtvunden vor uns gar wunderfam. Wir fonnten ihn nicht finden; doch feine Stimme fcholl Uns jetzt aus dichten Büfchen, ihr Klang war lauter und voll: „sch Lehre bald mit Herbart,” jo rief es aus dem Laub. Da ftanden mwir des Staunens und der Bewundrung Raub. Den ſtarken Baum entivurzeln! mem reichte wohl die Macht? Es iſt der Niederländer, o kein Andrer hätt es vollbracht.“
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263 Dreißigftes Abenteuer. Wie Tietleib Herbarten und Dietrih Siegfrieden jwang. Sie erlannten ihn mit Staunen, der den Drachen fchlug. Da fprad von Bern Herr Dietrich: „Wohl ift er ftarf genug; Doc kann ich Eins nicht loben, es fieht der Untreu gleich: Er hat die Braut verlaßen, Brunhild die Königin reich. „Die einft nach funfzig Jahren fein Kufs ins Leben rief, Da fie von Wodans Dorne getroffen Iag und fchlief, D wär fie noch auf Segard von Webegluth umloht: Sie ftirbt um ihn vergeßen aufs Neu den fchmerzlichen Tod.“ „Er ift wohl nicht fo ſchuldig,“ Sprach Biterolfens Kind. „Ihr habt nicht recht erfahren wie diefe Mären find. Er kam zu König Gibih auf goldgefchmüdten Roſs Und die Burgunden ftaunten wie lichter Glanz ihn umfloß. „Dor allen Männern ragt’ er in Kraft und Heldenfinn. Da dacht an ihre Tochter die alte Königin: ” Sie reicht! ihm zum Empfange mit Trug gemifchten Trank, Daß gleich Brunhilde Gedächtniſs in tiefe Nacht ihm verſank. _
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264 „Er denkt nidyt mehr der Dinge, die vorbem geſchahn, Vergeben find die Schwüre, es ift ihm angethan. Da warb er Kriembilden, der ſchönen Maid, vermäblt Und Brunbild König Gunthern; fo hat mir Iſang erzählt.“ Der Berner ſprach: „ch weiß nicht mie das gefchehen mag; Sit es ein Trug geweien, fo fommt e8 an den Tag. Selig ift auf Erden nur wer die Treue hält: ° Einft wird ihm, forg ich, übel des Trankes Süße vergällt.” Kaum mar feinen Lippen das fchnelle Wort entflohn, Eo kam herangeritten Siegfried, Siegmunds Sohn, Auf goldgeſchmücktem Roſſe, den Draden in dem Schild, Dazu auf Helm und Wappen ein goldenſchönes Gebild. In Wappenrod und Sattel fab man ben Dradyen ftehn. Er war von hohem Wuchſe und herrlich anzufehn ; Gar fcharfe Augen hatt er unter ſchwarzen Braun: Die Allerkühnſten fcheuten ſich doch darunter zu ſchaun. Der Held kam nicht alleine: mit goldnem Hirſchgeweih, Das ſechzehn Enden zählte, ritt ihm ein Degen bei. Es war der Neffe Dietrihs, ihm gleih an Kraft und Muth, Ihm glei auch an den Jahren; doch nicht fo mild und fo gut. Da empfieng ber Berner die Zwei mit kurzem Gruß. „Run fage mir, Herbart, mas ich dich fragen muß: Wie ift dir gelungen in Normandie dem Land? Schön Hilden mir zu werben Hat dich mein Vater geſandt.
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265 „Du Tebrteft nicht zurüde und brachteft nicht die Braut, Dir felbft warb Ludwigs Tochter, To fagt man, angetraut. Auch baft du uns erfhlagen Edart den treuen Mann: Ich muß darum dich fragen, da es Harlung nicht mehr kann.” Da ſprach der Held verwegen: „Das ift div bald gefagt. Ih kam zu Ludwigs Hofe zu werben um die Magb Und warb da wohl empfangen; doch mein Gewerbe nicht. „Bas kommt bein Herr nicht felber? das wäre des Freiers Pflicht. „Bir lagen fie die Boten,” ſprach Ludwig, „nicht fehn. Wenn er felber käme, fo möcht es noch gefchehn. So wohlfeilen Kaufes, vielleicht iſts Sitte dort, Gehn bei den Rormannen die Königstöchter nicht fort.“ Sp ward ich abgewieſen; doch hielten fie mich gut. Auf eine Lift zu finnen begann mir da der Muth, Wie ih Schön Hilden ſpräche, die man mir vorenthielt. Da ſprach ich zu dem König: Die Ehre hätt ich verfpielt, Wenn ich zu Dietmar Tehrte mit folcyerlei Beſcheid: Sch darf gen Bern nicht wieder, ich brächte denn die Maid. Willſt du nun meine Dienfte, ich weiß manch gute Kunſt Und will mich treulich mühen um meines Königes Gunft. Das gefiel dem König; mir warb fein Dienft gegönnt. Da fliß ih mi am Hofe, wie ihr wohl denken Tönnt, Erft in geringem Amte; als ich das wohlverjah, Zu feinem Schenten jegte mid, König Ludewig ba,
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266 Den Gäften Meth zu fpenden und hm aud über Tiich. Hernad ward ich fein Truchſeß und muft ihm Fleiſch und Fiſh An feine Tafel tragen, menn man ein Feſt begieng. Die Königin zu Schauen hielt man mich noch zu gering. Sie lebt’ in hohen Ehren dort in der Rormanbie. Gieng fie aus ihrem Saale, fo mühten fi um fie Sechs Grafen ihr zur Rechten und ſechs zur Linken ihr, Der Maid emporzubalten des Gürtels goldene Bier. Darnach kamen Ritter in voller Harniſchtracht: Mit Pfauenwedeln hielten die Zwölf fie überdacht, Daß nicht die Sonne bräune ihr Lichtes Angeſicht: Dazu vor allen Bliden verhiengen Schleier es dicht. No traten zwölf Knappen ihr nach auf jedem Echritt, Die lange Schleppe tragend, daß fie von Staub nicht litt. Das Voll alles drängte neugierig fidh herbei Die Königin zu ſchauen wie fie gieng leicht und frei. Die man fo fcharf bewachte, ließ man mich lang nicht febn: Al3 man mir befer traute, da durft es mohl geichehn. Einft fchicdtte mich der König mit einer Schüßel bin, Die feine Lieblingsſpeiſe und auch ihr zu munden fchien. Da bracht ich mein Gewerbe nun an und gab mid kund. Daß ich dein Bote wäre, als das die Yrau verftund, Sie ſprach: „Was für ein Mann denn ift Dieterih dein Ohm’ Ich habe nie vernommen zuvor von Bern oder Rom.“
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267 Da fprach ich zu der Schönen: „Der allergröfte Held Iſt Dietrich der König, den jetzo meiß die Welt. Und wirft du feine Hausfrau, So fehlt e3 dir an Gold Und andern Schäten nimmer: drum mirft du billig ihm hold.“ Sie ſprach zu mir hinwieder: „Weiſt du fein Angeficht An diefe Wand zu malen?” Ein Maler bin ich nicht, , Verjegt ich, Doch ich zeihne mohl fo ihn an die Wand, Daß ihn ever mag erkennen, der ihn. zuvor bat gelannt. - Da nahm ich eine Kohle vom Heerd und warf dein Bild Ihr an die weiße Mauer; du blickteſt wild und mild. Ste aber daucht es furdhtbar und ungeheuer groß. Sie ſprach: Ein Gott bewahre mich vor fo fchredlichem Looß! Dem Ungethüm gehören möcht ih um Alles nicht: Schon ftumm ift er entfeglih: wie dann erft, wenn er jpricht! Du wirbft für König Dietrich, fuhr leis die Schöne fort, Und haft du für dich felber nicht auch ein freundliches Wort? MWürbft du für den Neffen: dem wär ich nicht fo gram. Ich ſprach: Erft für den Oheim, da ich fein Bote kam, Geftattet mir zu werben; fo ihr den nicht wollt, Mag ich euch wohl bitten, daß ihr mich felbft nehmen joltt. Und bin ich gleich kein König, fo ift doch mein Gefchlecht Ep edel als das feine; auch hab ich Goldgeflecht Und Spangen bir zu geben fo viel als du verlangit; Und Niemanden fürdt ich, vor feinem Mann ift mir angit.
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Bor Lubtvig nicht, dem König, noch Hartmann, feinem Sohn; Auch fürcht ich nicht den Berner, ich laße mir nicht drohn, Frei bin ich wie der Vogel, der in den Lüften fchwimmt. Und nichts ift, das Herbart nicht für dich unternimmt, Willſt du ihm, Königstochter, Herz und Hand vertraun. Da ſprach unverhoblen die berrlichfte der Fraun: Herr, von allen Männern, die ich noch jemals ſah, Wähl ich dich am liebiten: wäre Dietrich felber da, So möcht id) euch vergleichen; jet weiß ich von ihm nichts Als daß er behrer ift denn du und grimmen Angefichte: Das Eine gilt mir wenig, das Andre macht mich fcheu. Drum will ih Ihn nicht haben; Dir wär ich bolb und getreu. Da tar es gleich gefchehen, fie gab mir Herz und Hand Und balb entführt ich Hilden aus ihres Vaters Land. Zwar ließ er mich verfolgen, das half ihm doch nicht viel: Ich wehrte mich und bradite fie an ein ficheres Biel. Hier fteh ih nun, und fchein ih dir fchuldig, Dieterich, Sch bewähre was ich fagte: vor Niemand fcheu ich mich. An dreißig Mannen Ludwigs hab ich e8 wahr gemadit; Du ftehft bier nur felbzwölfter: willft du, beginne die Schlacht.“ Der Berner ſprach: „E83 deutet zu fehr auf deine Schuld, Daß du verzagen muftefl an deines Oheims Huld. Du wärſt gen Bern gekommen, nad Heunland nicht geflobn, Wenn mid) zu ſchwarz geſchildert nicht hätte mein Schwefterfohn.
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269 Bon dort vertrieben wandteſt du dann nad Breifach dich, Daß Harlung dich verfühne dem Kaiſer Ermenrich; Da haft du uns erſchlagen Edarten, Haches Sproß. Wenn ich bei den Rormannen deiner ganzen Treue genoß, Das wär wohl unterblieben: Getreuen bin ich mild, Wie furdtbar an die Mauer gemalt mich bat dein Bild. Du haft und Kampf geboten; auch mag es ohne Strauß Hier nicht ergehen: ſuche meiner Helden Einen dir aus, Nur Einen, nicht den ftärkften, doch auch den ſchwächſten nicht. Und magft du ihn beftehen vor meinem Angeſicht, So fag ich aller Schulden dich frei, wie groß fie find; Ich mag nicht mit dir fämpfen, du bift meiner Schwefter Kind.“ Da ſprach der Drachentöbter: „Weiß Gott, Herr Dieterich, Ihr Tießet frei den Neffen, dächtet ihr wie ich. Euch wollte nicht dag Mädchen: was follt Er fie nicht frein? Ihr fändet eine andre, ſäht ihr jo grimmig nicht drein.“ „Auch ließ’ ich eh ihn ledig," ſprach der Helb von Bern, „Eh ich die Schwüre hräche; Untreue bleibt mir fern. Ihr habt die Braut vergeßen, die euer Kuſs erivedt; Kriemhilden hätte billig der Walküre Looß geſchreckt.“ „Ei edler Vogt von Berne,“ ſprach Der von Niederland, „Man ſpricht, ihr kämpft nicht. gerne, und weigert eure Hand Den Neffen zu beſtehen, der ſtark iſt und beherzt, So bat euch allzufurdtbar feine Kohle freilich geſchwärzt.
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270 „Ahr fürchtet feine Kühnheit und ſchiebt die Sippe vor. Wollt ihr aus dem Verdachte, bier ift fein ander Thor, Ihr müft euch bequemen mir felbft im Kampf zu ftehn. Ihr könnt wohl mannlidy ftreiten, doc ward es jelten gefebn.“ Dietrich war im Unmuth, er ſprach zum Kampfe Ja. Da gieng umber im Kreiße Gerbart und beſah Des Berners Mannen alle vom Haupt berab zum Fuß. Cr Tannte wohl die Meiften und manchem nickt er zum Gruß, Da kam er auch an Einen, das war ein ftarler Mann, Wie eine Eiche ſtand er vor ihm aus grünem Tann, Hocragend, ſtark von Hüften, mit jchattenben Braun. Der Mann fchien ihm der ftärkfte, er fah ihn nicht ohne Graun Doch wollt er mit ihm kämpfen und meßen Straft an Kraft. Er ſprach: „Dich will ih wählen, wenn es dir Freude ſchafft — „Du wählteſt recht,“ ſprach Dietleib, „denn wie ber Berner ſpricht Bin ich nicht der ftärkfte, ver ſchwächſte dünk ich mich nicht.“ Da Stellt’ er fih dem Degen mit feinem Schwerte Schrit. Nun trat auch dem Berner genüber Siegfried: Im meiten Kreiße fanden die Helden all umber. Da follt ein Kampf beginnen, ber war beides, lang und ſchwer Aller Augen faben auf Den von Nieberland Wie er fo unerſchrocken vor dem Berner ftand. Doc eh ers mit ihm anhub, erheiſcht' er einen Eid, Daß er das Schwert nicht habe, des kühnen Wielands Geſchmeid
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271 Da fprach der Vogt von Berne: „Wein Schwert heißt Edefadhs:. Der fchneidet auch durch Ringe als wär es weiches Wach. Den Mimung mag ich mifjen ſo lang dieß Schwert mir hält.“ Da bob die Hand zum Schwure von Bern der berrliche Held. Da traten fie zufammen und fchlugen manchen Hieb; Wie aus den Helmzierden ber Wind die Funken trieb! Siegfried war verivegen, auch war der Berner kühn; Doch unter ihren Schlägen ſah man bie Haide nicht blühn. Dietleiben beßer gelang die fchnelle Birſch: Schon mandes Ende mijste der goldgelrönte Hirich, Es waren tiefe Wunden, die er mit Schrit ihm fchriet: Die rötbeten die Haide, daß fie ins Blühen gerieth. Da mübeten die Beiden, Siegfried und Dieterich: „Daß dich nicht mag verwunden mein Sachs, das wundert mich. Dein Schwert muß beßer fchneiden, Dietleib, guter Help: Du haft dem Klee, dem blühnden, die rothe Heide gefellt.“ Gr ſprach: „E3 ift das befte noch nicht, das Mime fchuf: Mit Welfung erft bewährt er den alten Meifterruf. Ich will dirs gerne leihen, da Ich fein nicht bebarf. Zwar ihm zerbrach es Siegfried, doch wie es gut ift und jcharf, „Das fol er erjt erfahren, wenn Deine Hand es führt; Du weiſt es wohl feit Jahren, daß ihm der Preis gebührt: Als Sintram der Grieche dem Drachen ſaß im Schlund, In Heime Händen that ed euch einft die Schärfe jchon kund.“
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Da nahm die gute Waffe Dietrich der Held. Als er dem Niederländer nun ftand im Kampf gefellt, Da zeigte To dem Welfung der Welfung feine Kraft, Noch nach dem Tod erfannte Siegfried des Schmiedes Meifterichaft. Es fehnitt ihm durch die Ringe, ſchnitt tief ihm durch das Kom. Er ſprach: „Die ſchwache Waffe, die ich zerbrach im Zorn, Iſt fie fo fcharf geweſen? wie hätt ich das gedacht! Es hat der Helb von Berne den Schmied zu Ehren gebradt.” Schon ftand er feines Helmes und ftand des Haläbergs bloß. Auch Herbarten fiele jetzt ſchier das Todeslooß; Da ſprach er: „Laß mich leben, du Degen auserkannt: ‘ch will dir Steier geben und Salzburg das ſchöne Land.” „Schone mir den Neffen,” rief da Dieterich, „Sein Wort fol dich nicht äffen, zum Bürgen haft du mid.“ — „Soll ih den Hirſchen fhonen, So fhone du den Wurm: Es kann der Drachentöbter nicht mehr beftehn deinen Sturm.” Da that der edle Dietrich mie fein Gefelle rieth. Da aus dem Kampf als Sieger der Vogt von Berne fchied, Da neigte fih ihm Siegfried und ſprach: „Du bift ein Helb: Ich war noch unbezwungen; bir aber räum ich das Feld. „Dieß Schwert halt in Ehren, es ift den beiten gleich: Das bat mir erwieſen manch löblicher Streich. Doch braucht’ er deiner Stärke, die mich-noch ſpät befchied, Es war, den ich gefcholten, doch wohl kein unnüber Schmied.
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273 „Willſt du nah Worms num kommen mit biefer Helden Schar, Da will ich vor den Fürften bir dienen offenbar. Ihr findet viel der Helden, die euch zu Willen find.” — „Mich brennen meine Wunden; bu bift auch kühn und geichwind, “ Geftand der Vogt von Berne: „mir wär ein Arzt wohl noth. Wir folgen dir, der freundlid uns Herberge bot. Da trinten wir die Sühne in König Gibichs Wein.” Sie wurden wohl empfangen bei den Helden an dem Rhein. Nach dreien Tagen fuhren fie all mit Urlaub heim, Und fanden noch den Kaiſer im nahen Germeräheim. Da warb dem kühnen Dietleib Steier das Land; Er empfieng auch bald mit Fahnen das Lehn aus Herdegens Hand. Da führt! er heim aus Sachſen die ſchöne Adelind; Und Wolfhart nahm Similven, Biterolfend Kind. Die Schöne Bolfriane ward Wittichs Gemahl; Mit ihr empfieng er Breifah, das ihm Ermenrich befahl. Da fuhr zum Drachenſteine Siegftab der junge Mann: Da war e8 Frau Seeburg, die er zur Braut gewann. Ahr feiner Helden Einen zu fchiden, hatt ihr dort Der Held von Bern verheißen, und alfo hielt er fein Wort. Nach Breiſach mit den Freunden zog Dietrich nun ber Helb: Da ward ihm feine Freude, ward all fein Glück vergällt. Er fand da Gotlinden, die edelfte der Yraun, Am böfen Blick geftorben und an geipenftifchem Graun. Simrock, das Amelungenliev. I. 18
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274 So grimm gerodyen hatte ber Zwerg ſich, Goldemar. Bon Schmerz betäubt lag Dietrich unthätig manches Jahr Bis der falfche Sibich zu feinene Schaden rieth. Das follt ihr künftig hören; hier endet ſich das Dietleibälieh,
Sibichs Verrath
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Erftes Abentener. Wie der getreue Sibih zum.ungetreuen warb. Die heitre Jugend ſchwindet, ernſt blidt die Welt dich an Als fragte fie, was haft du geleiftet und gethan? Du muft zum Werke greifen, bas bu zu fördern haft, Läſt du die Jahre fchleifen, bu bift ein unnützer Gaft. Mir ward ein Lieb zu fingen, bes beutfchen Sinnes Bild, Der lange lau und läßig im Zorn erhaben ſchwillt. D laß mich ihn begießen ber heimichen Dichtung Baum AusDeinem Born, o Göttin? dir fließt er frifch und frei von Schaum. Sie gönnte mir zu ſchöpfen: nun werde wieder grün, Baum, der ſo lange dorrte und wachſe ſtolz und kühn, Daß bald in deinem Schatten dem Matten Kühlung rauſcht, Und gerne deinem Fliftern ein fpäter Enkel noch lauſcht. Zu Rom des Reiches Krone trug Kaiſer Ermenrich: Bon allen Erbenfürften mar Keiner, der ihm glich. Vom Meer zum Hochgebirge und jenfeits an bag Meer War er ob allen Böllern, ob allen Königen behr.
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278 Der reiche Kaifer hatte gar einen. treuen Mann, Von dem er ftäte Hilfe mit Rath und That gewann: Er war geheißen Sibich und batt ein ſchönes Weib, Die gern in Ehren wahrte den reinen blühenden Leib. Das ſah der ftolge Kaifer und warb in Luft entbrannt: Er hätte gern dem Marſchall das ſchöne Weib entwandt. Das konnt er nicht vollbringen fo lang der Gatte nah: Mit einer Botſchaft jandt er zu König Etzel ihn ba. Der weilte fern in Sambung: da braucht’ er zu der Fahrt Zwölf Wochen doch und hätt er auch Inapp bie Zeit gefpart. Der Kaiſer, der begierig bie Frift zu nußen ſann, In aller Stille legt’ er mit andern raum es an, Daß ein Hof von Einer der falfchen warb gemacht, Und Sie dazu geladen. Sie fchöpfte nicht Verdacht Und fam aud zu dem Hofe mit andrer Frauen viel Und war mit ihnen fröblih bei Tanz und klingendem Spiel. Doch fand der reiche Kaiſer die Schöne nie allein, Und was er heiß begehrte, das konnte heut nicht fein. Mit einem andern Hofe verſucht' er ba fein Glüd; Doch von Begierde glühend Tam er auch dießmal zurüd. Beim dritten Hofe gieng es, beim vierten ebenfo, Er fand fie nicht willfährig und warb des Ziels nicht froh. Da ward mit böjen Weibern ein arger Fund erdacht, Odilie die reine um Ehr und Frieden gebracht.
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2379 Da nun der Marſchall mübe von langer Reife am, Sein Weib umarmen wollte, da fand er fie im Gram. Auch ſtieß fie ihn zurüde und ſprach: „Ach bin nicht werth, Daß bu den Mund mir bieteft: mir ziemt Im Bufen ein Schivert. „Ich will mich ſelbſt nicht tödten: bu muſt mein Richter fein; Doc wünjch ich nicht zu leben, es wär zu feharfe Bein. Sie miſchten Wein mit Giften: da war es bald geſchehn, Sie brachten mich zu Sale, ich vermochte nicht zu widerſtehn.“ Da frug der Marſchall ſchaudernd: „Wer bat mir das gethan?“ Sie ſprach: „Es ift der Kaifer, der alfo lohnen kann. Er fandte dich nach Hamburg und wufte wohl warum: Er brach in deine Hürbe, der Wolf, und brachte gu um.” Run hört! er mit Entfehen wie es ergangen war, Wie niebrige Ränle die arge Bier gebar. Da ſprach er zu der rauen: „Unſchuldig find ich dich: Du foÜft gerochen werden an dem Kaifer Ermenrich. „Roc war ich all mein Leben als fromm und gut befannt Und warb der treue Sibich von Männiglich genannt; Nun fol mid anders taufen des Volle gemeines Wort: . Der ungetveue Sibih till ich ihm heißen binfort. „Dem reichen Kaiſer hab ih manch nüten Rath erdacht, Ich fann ihm ftäts zu mehren die Ehre wie die Macht. Nun will ih Unheil brüten, Verderben finnen aus Bis ihn mein Rath zu Grunde gerichtet, ihn und fein Haus. „e
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„Du Weib, gebave heiter und ohne Harm wie einſt: Wie bitter in der Kammer du beine Schmach beiweinft, Doc zeige vor den Leuten ein Hares Angeficht; Ich will mich auch gehaben als ahnt ich meine Schande nicht.“ Da verkehrt er fein Gemüthe: ber fromm unb bieder war, Nun ward er aller Güte und aller Tugend bar. Wie fih die Schlange häutet in ihrer Felſenſchlucht, So legt' er ab die Treue und ward nun falſch unb verrucht So ſchildert ihn die Enge, dba fie Dazu gelangt, Daß er den Sinn verlehrte, des Lob einft hoch geprangt: Er war von Anfehn gleifiend und roth von Haar und Bart: An feiner Haut, der weißen, warb mancher Flechen gewahrt. Sein Kopf war Hein geichaffen, er felber kurz gedrängt; Doch ſaß er wohl zu Roſſe und kam einbergefprengt. In aller Waffenübung mar. er gar wohl gelehrt, Doc) zielt! er nie die Lanze und zuckte niemals ein Schwert. Nachtragend, unerfättlich war fein verftedter Groll, Verſchmitzt und hinterliſtig und aller Tüde voll. Bon Worten ſchön und lieblih, doch graufam, hart umb fall: Sein Name währt dennoch bis beutfche Rede verhallt.
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281 Zweites Abentener. Wie drei Söhne Ermenrih3 ums Leben kamen. Da gieng zu dem Kaiſer Sibich der falihe Mann: Er grüßt ihn mit Berneigen und ftellte froh ſich an. Bon feiner Botſchaft gab er ausführlich ihm Beſcheid Und ſprach: „Der König Etzel ift euch getreu allezeit. „Die Länder, die er zwinget, find euerm Reich Gewinnſt, Da er mit Gut und Leben euch gerne dient und zinft. Doch mögt ihr ihm die Schagung erlaßen vor der Hand, Tenn ſchwere Kriege führt er mit mandem wendiſchen Land. „Da darf er fi nicht ſchwächen und leeren feine Truhn: Drum laßt noch eine Weile die Forderung berubn. Ein Andres ift mit Ortnit, der Rothers Neffe war, Und Ilias Sohn, des Griechen: es gebt nun ins dritte Jahr, „Daß ihm Schweden dienet nach feines Oheims Tod, Und zahlte nie euch Schagung, noch hört’ er eur Gebot. Das darf nicht’fo bewenden, es hieße Würb und Macht Der Kaiſerkrone ſchänden: drum zieht es bald in Betracht. & .
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282 „Auch Engellands gevenlet, das fern im Meere Tiegt Und von der Ylut umgaufelt in Sicherheit fich wiegt. ‘hr hießet nicht der Kaifer, gebötet nicht ber Welt, Wenn e3 euch troßen dürfte mie feinem Stole gefällt. „Den König Dffa kenn ich, er ift nun hochbetagt, Der greife Fürſt der Angeln; ich meiß, daß ers nicht wagt Die Schatzung euch zu weigern, wie es denn auch nicht frommt: Er fügt ſich, wenn nach England ihm euer Inſiegel kommt.“ Das Reich mehrte gerne. der Kaiſer Ermenrich (Im Reiche folgt’ ibm Mancher, der ihm darin nicht aid): Er ſprach alsbald zu Sibih: „Ein großer Unfug ift, Daß Schweden mir zu dienen und der Angeln Land vergißt. „Ben ſend ich fie zu zwingen? Laß ich fogleich ein Heer Aus allem Volk entbieten und zieh im Zorn einher? Nicht länger mag ichs dulden, baß fie mir untreu find: Bon der Erde will ich tilgen ihr Geſchlecht mit Weib und Kind.’ Der Marſchall ſprach: „Wehüte, des Heers bebarf es nicht: Geht mit den nächſten Freunden ſo ſtreng nicht ins Gericht. Ihr wißt, es iſt auch Ortnit dem alten Gaut entſtammt: Daß ihr ihn ſchont, iſt billig, und nicht ſogleich ihn verdamut „Ich will euch anders rathen: ſchickt euern Sohn dahin, Den wackern Jüngling Friedrich: da wirb ber König ihn Mit Ehren wohl empfangen, ber gleihem Ahn entfproß: Er ift au im Alter wie an Ahnen fein Genoß.
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283 „Wenn er nad langer Reife Wilingenland erblickt, Soll er den König mahnen, daß er die Schakung ſchickt, Zuerft mit Freundihaftsworten, und hilft das nicht, mit Drobn, Daß ihr fie holen kämet: gar wohl vollbringt das euer Sohn. „Mit Gold und Silber rüftet ihn ftattlich zu der Fahrt, Daß er am Königähofe nach Standsgebühr gebatt. | Doch laßt nicht viele Männer ihm folgen: wenig nützt Das einem Abgejandten, den das Botenrecht beſchützt.“ Der Rath gefiel dem Kaifer, er ſprach: „Geſcheh es fo: Wenn ichs dem Jüngling fage, ich weiß, bes wirb er froh, Denn feine Luft ift reifen, er thut nicht gut zu Haus. Kun fertige Brief und Siegel ihm zur Beglaubigung aus. „Wie aber wirds mit Dffa?, Soll ih auch da Gebuld Noch haben, erſt ihn mahnen der wohlbelannten Schuld, Da keine Pflicht mich bindet und keiner Sippe Vand? Ich wollt ihn gleich bekriegen, wär mirs zu Ehren gewandt.“ Der Marſchall ſprach: „Das dürfte mit allem Fug geſchehn; Doch laßt ihr billig Gnade noch erſt für Recht ergehn. Auch kommt ihr ſo zum Ziele, ein Krieg wär ohne Noth: Das loſtet viel, und Manchem iſt mit dem Tode gedroht. „Nein, laßet Boten heiſchen den Zins, der euch gebührt; Ein Jeder wird ſich freuen, den ihr dazu erkürt. Es drängt ſich zu der Reiſe wetteifernd Jung und Alt; Doch ziemt die Schar zu führen nur euerm Sohne Reginbald.
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284 „Auch müßt ihr ihn entſchädigen, daß; Reid ihm nicht verzehrt, Wenn zu den Wilingen der ältre Bruder fährt. Was ihr dem Einen gönnet, der Andre will es auch; Schelſucht zu vermeiden ift guten Hausvaters Brauch. „Dazu will ich euch fagen, wenn ihr mir horchen wollt, Wie ihr bei diefer Reife den Sohn berathen follt. Sie kann nicht wohl zu Lande gefchehn bis an das Biel: Nein, laßt ein Schiff ihm rüften, daß er auf eigenem Kiel „Im Winde bläh die Segel und bändige das Meer. Es koſtet nur die Hälfte und fchafft euch Anfehn mehr Bei einem Inſelvolle, das auf dem Meere lebt, Untwillig dem zu dienen, der an ber Scholle nur Flebt. „Und wirb ihm da die Schabung und der verfeßne Zins (E3 freute fich viel Jahre Tein KHaifer des Gewinns), So führt er fie zu Schiffe bequemer mit fi) fort Als er zu Roſſe könnte fo unermeßlidhen Hort. „Ein Kaifer muß gebieten zu Land und aud zur See; Es bat mich oft verbroßen, daß ich es nur gefteh, Wie wir an unfern Werften fo wenig Schiffe baun: Das wird einft Reinbalb ändern, wenn er ber See lernt vertraun. Das ſchien dem reichen Kaiſer ein wohl erwogner Rath: Er Tieß die Söhne rufen und folgt’ ihm mit der’ That, Nach Schweden Jenen endend und Den nach Engelland. Ihnen gab der Marſchall Briefe, darin Fein Buchſtabe Rand;
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285 | Nur Friedrich nahm ein Schreiben an einen Ritter mit, Der von der Burg in Eftbland als Ortnits Heermann ftritt. Der würb ihn geleiten, fo meinte Friederich, An den Hof des Königs mit großen Ehren ficherlich. Biel andre Dinge fanden geſchrieben in dem Brief. Berrath hieß die Schlange, die drin verborgen jchlief. Alsbald erfhlagen ſollte der Ritter diefen Gaft: Er war ein Blutsfreund Sibichs und allen Menfchen verhaßt. Nun rüftete mit Freuden ber Jüngling feine Fahrt, Und ſechs der beften Ritter hatt er fich geſchaart: Sie waren holb dem Kaifer und Sibidden gram; Da freute fi) der Falſche, daß Heiner ihrer wieder kam. Da Friedrich war gefahren, da wollt auch Reinhalb fort: Das befte Schiff zu rüften gebot er fih im Port; Doch anders hatte Sibich befohlen, follt es fein: - Das befte vorbehalten wär für den Kaiſer allein. Noch lagen im Hafen hier guter Schiffe viel; Doch NReinbalden wies man ven allerfchlimmften Kiel. Geärgert ftand der Jüngling, der nichts davon begriff, Und ſprach: „Soll ih fahren, fo will ich ein gutes Schiff.” Da ſprach der Hafenmeiftr: „Wenn es der Marſchall will; Sch thu wie mir befohlen und fchweige gerne fill.” — „Ro find ich denn den Marſchall?“ frug der junge Mann. „Er ift heut früh geritten: ihr trefft ihn ſchwerlich mehr an.”
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Da gieng den Marfchall fuchen der junge Königsſohn: Wo er ihn finden follte, da war er juft davon. Er folgt’ ihm auf der Ferſe und trieb ihn doch nicht auf Bis endlich es ihm glüdte nach einer Woche Verlauf. „Was jeh ich," ſprach ber Falſche, „Herr Junler, ſchon zuräd Bon eurer werten Reife? das heiß ich allzuflück! Bringt ihr von Engellande den reichen Zins gebracht Mit allem Rückſtande? da bat das Schiff wohl gekracht?“ „Das Echiff ,“ Sprach der Jüngling, „war mir zu fchlecht zur Fahrt Und gebt ihr mir kein beßeres, fie wirb von mir gefpart. Es Tann die See nicht halten, fo lahm ift es und led: AU die Gefährten faßte, da fie es fahen, ein Schred.“ Der Marſchall Sprach, der weile: „Der Kiel ift völlig gut Zu folcher kurzen Reife; es fehlt euch mohl am Mutb. Wir haben größre Schiffe: die gäb ich ‘euch, jedoch Ihr Tönntet fie nicht lenken, zu groß ift dieſes euch noch. „Die liebe Jugend freilich mill oben gleich hinaus: Soll fie von unten lernen, da tft fie nicht zu Haus. Sie kann noch oft nicht gehen, wenn ihr von Laufen träumt: Ein wildes Roſs, wie ritt! e8, der nie ein zahmes gezäumt?" Der Jüngling ſprach: „Ich fag euch, das Schiff ift leck und alt Das Bugfpriet gerißen, der Maft bat einen Spalt. Ihm ift an Kiel und Planen der Haverei noch mehr: Dem Bater werd ichs Magen, ſchickt ihr mich jo auf bas Meer.“
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287 Da ſprach der Marihall ruhig: „Jungherr, das rath ich nicht, Eh ihr die Botſchaft warbet, zu ſchaun fein Angeſicht. Er wähnt euch längſt gefahren: aufbraufend ift fein Muth, Er kennt ſich nicht im Zorne: darum bedenkt was ihr thut.” Als Reinbald das erhörte, da ward dem Yängling weh. Er fürdhtete den Vater mehr als die grimme See. Da warf er todesmuthig ſich in das lecke Boot Und fuhr mit-wenig Freunden entgegen fchauriger Noth. Darnach warb es fiiller am Hofe Ermenrichs, So lautlos HN und rubig, der Ruh des Grabes glidhe. Dann Tam ein Sturm gefahren, mand Dad warb weggeführt, Die Erde ſchütternd ſchwankte wie im Tiefften aufgerührt. Da dachte wohl der Kaiſer: „Wir ftehn auf feftem Grund, Doch fiebern wir und taumeln, gebt Alles mit uns rund. . Wie mag ed auf den Wellen den Schwebenden fein? Mein Sohn ift jeßt in England, die Hoffnung bleibt mir allein.” Da ritt eined Tages Herr Ermrich auf die Jagd Mit Habichten und Hunden; bei ihm in grüner Tradıt Sein Rathgeber Sibih unb Amelung das Kind, Der jüngfte feiner Söhne und allbeliebt und geminnt. Unmutbig ritt der Marſchall neben dem Kaifer hin; Berftört und verbüftert fchien er in feinem Sinn. Da ſprach zu ihm der Hair: „Du guter Sibich, Warum bift du jo traurig? ganz verändert find ich dich.“
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Erft ſchwieg der Gefragte, dann fat’ er ſich und fprad: „Zu groß, die mir gefchehen, bedünkt mid, Herr, die Schmadh. Gewalt an meinem Sindel fie war fo jchön und jung! Ich darf es felbft nicht rächen an euesm Sohn Amelung: „Doc folltet Ihr es ſtrafen, euch ziemte das fürtwahr.“ Da griff im Born ber Haifer in feines Sohnes Haar. Vom Roſs riß er den Jüngling und ließ den eignen Hengft Ihn noch mit Hufen ftampfen, als er gebüßt hatte längſt, Gebüßt mit dem Tode die nie begangne Schul. „Gnade,“ rief da Sibih, „habt Nachſicht, habt Geduld Mit feiner rafhen Jugend! ihr Ichäbigt ihn, laßt ab. D hätt ich fill gefchwiegen! ihr bringt den Jüngling ind Grab.“ Jemehr er bat, je grimmer warb Ermenrich dem Sohn. Längſt war den wunden Glievern des Lebens Hauch entflon, Dar fiel ihm in die Zügel der Marfhall mit Gewalt | Und riß ihn von ber Leiche: „Richt weiter, ich gebiet euch Halt!“ Unmillig ritt der Kaiſer zurüd zu feinem Schloß. Der Marſchall rief mit Klagen herbei der Jäger Troſs: Er tniete zu dem Tobten und hob fein Haupt empor; Mit Weinen und mit Schluchzen er ihn zu leben beſchwor. | Da das nicht helfen wollte, es follt es nicht einmal, | Da flocht man ihm aus Weide, wie Sibich befahl, | Eine grüne Bahre: mit Trauern trug man ihn Zu feinem Beltgemade. Wie mancher Arzt da erſchien,
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289 She ſprachen achſelzuckend: „Hier find wir nicht am Drt.“ Boten jebt auf Boten ſchickte Ermrich fort Nach feinem Sohn zu fragen, wie fein Gehaben fei. Als fie nicht wiederkamen, da eilt er felber herbei, u Fand ihn entjeelt da liegen in feinem rothen Blut, Mifshandelt und verftümmelt mie es Fein Vater thut. Er wuſte doch, das hatte Niemand ald Er gethan. Da bätte gern fich felber gerauft der zormige Mann. Auch fuhr er mit den Nägeln fich tief in feine Bruft; Doch barg er vor den Leuten die Selbftzerfleifchungsluft- Und lag in feiner Kammer vor feinem Bett geftredt. Da bald von zweien Raben ward er geitört und gemerkt. Die Raben waren Boten; doch heifchten fie fein Brot, Sie kreifchten ihm die Märe von jeiner Söhne Tod: Der Eine war ertrunten im Meer beim lebten Sturm, Den Andern batte Meuchelmord gefällt, der giftige Wurm. An Einem Tag verlieren der lieben Söhne drei, Es thut gar weh, da bräde wohl Euch das Herz entzwei; Herr Ermenrich ertrug ed, weil alſo unmuthsvoll Wider Gott und Himmel des Herzens Eifer ihm ſchwoll. Der Marſchall ſah ihn toben: da mar er nicht gerädht. Mer tobt ift nicht vernichtet, er ift noch kaum geſchwächt. Auf neue Bosheit denken muft er in feinem Sinn, Doch jetzt ihm noch nicht nahen: das brachte Niemand Gewinn. Simrod, das Amelungenliev. N. 19 - . \
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Drittes Abenteuer. Mic Randwer um Smwanbilden warb. Run ſaß in dumpfem Muthe von Rom der Kaifer hehr: Sein Zorn war verglommen, man ſcheut' ihn jeht nicht mehr. Da Sprach eines Tages zu ihm der faljche Mann: „Ihr febt die Welt zu trübe, fie lacht euch doch freundlich an. „Sie liegt euch vor den Füßen zu jedem Dienft bereit, Sie fann euch nichts verfagen, ber ihr der Raifer feib. Begebrt ihr goldne Schäe? fie füllt euch alle Trubn; Berlangt euch, fie gewährt es, an fchönem Bufen zu rubn? „Denn euch nach Ruhm gelüftet, nach Ehr und Herſchermacht. Da hättet ihr erfonnen was fie verlegen macht: hr habt die höchften Ehren auf diefer Erbe ſchon. Doch laßt fie nur gewähren, fie hebt noch hoch euern Thron.“ „Wie albern,” ſprach der Kaifer, „wie unwahr redeft bu! “ Die Welt läßt mich flehen und hält die Ohren zu. Sie weigert jebe Freude, verwehrt mir jedes Glück. Wenn ich nun zu ihr fage: gieb mir die Söhne zurüd,
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291 Sie hört nichts von den Söhnen, und hörte fie es auch, So lachte fie mit Höhnen mid, aus wie einen Gaudı. Ein flolger Name Kaifer! doch ftolger ift die Welt: Sie thut nah Ihrem Sinne, nicht was dem Kaifer gefällt.“ Da ſprach der falſche Sibich: „Wenn es die Söhne find — Die Welt bat fie genommen bis auf das eine Kind; Sie wird fie wiedergeben ſobald es euch beliebt: Es bat mich fchon geivundert, daß ihrs fo lange verichiebt. „Roc habt ihr einen Erben von euerm Fleiſch und Blut; Allein er könnte ſterben: wen käme das zu Gut Als lachenden Freunden, die euch Fein Heil erflehn? Es darf auf ziveien Augen des Reiches Hoffnung nicht: ftehn. „Rein, fchöpfet aus dem Bollen, fo veicht ihr immer aus: Mit lieben Kindern füllt aufs Neu das Bde Haus, Bei holdem Weibe bettet euch wieder fanft und warm, Daß Frauenhuld verſcheuche der Grillen laͤſtigen Schwarm. ⸗ | „Ahr feid ein reicher Kaiſer und trauert immer fo: „Die Frauen,” jagt ein Weiler, „die Fraun nur machen froh. Wär ich wie ihr, ich Füfte die allerichönfte Maid, Die man auf Erben wüfte, fo hätt ich fröhliche Zeit.” Da ſprach zu dem Marfchall der Kaifer Ermenrich: „Zum dritten Mal zu freien vielleicht entichlöß ich mich; Doch wo die Schönfte finden, die mir zu Herzen kommt, Und die auch dem Reiche zur höchſten Königin fremmt?“
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Da fprach der Rathgeber: „In Onakers Reidı Lebt eine Königstochter, die tft gar ohne Gleich. Hier fingen fchon die Blinden von ihrer Schönheit viel Und die fie jaben, finden ihres Lobes erft. fein Ziel. „Die ziemt euch zum Gemahle, dem Reich zur Kaiferin. Herfcht Sie in euerm Saale, uns Allen bringts Gewinn. Dann kehrt in diefe Hallen ein neues Leben ein: Wenn Huld und Macht ſich paaren, mo gäb es jchönern Verein““ Der Kaifer ſprach: „Wie liegt uns Onakers Reich jo weit! Vorbei an Englands Hüfte: die mahnt mih an mein Leib! Sch dürfte Niemand fenden als meinen legten Sohn. Was? in den Tod? fein Bruder ift da dem Tod nicht entflobn.“ Der Marſchall ſprach zum Kaiſer: „Muß euer einzig Kind Die Braut für euch werben, bie eure Seele mimnt, So lapt Mich ihn begleiten, es fchafft mir nicht Beſchwer: Sch fuhr jo manche Reife für euch zu Land und zu Meer. \ „Ich Tenne Englands Hüfte wie meine flache Hand; Dazu bin ich erfahren im fernen Schottenland. Sch hab auch oft am Segel geſeßen bei der Nacht, Durch lauernde Riffe genug der Schiffe gebradt. - „Wenn dem geübten Segler ihr euern Sohn vertraut, Und die er euch fol werben, die zauberfchöne Braut, Sch bring euch heil zurüde den Jüngling mit der Maid. Kein Haar fol fi ibm negen und ihr fein Faden am Kleid”
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293 Da ließ den Sohn berufen von Rom der Kaiſer reich Und fprad: „Du follft mir fahren in Onakers Reich Mit meinem Rath und Marichall, Sibich dem weiſen Mann, Ter tundig iſt des Meere und dich wohl geleiten Tann. „Da wird Smwanbild erzogen, die zauberfchöne Magd, Die auf der Welt ihr Gleichniſs nicht bat mie man mir fagt. Drum will ich fie befigen: ich biet ihr Reich und Thron. Dir ziemt mir zu werben die Braut, mein einziger Sohn. „Und wenn der Schotienkönig fein Stieflind mir gemährt, Du ſollſt ihr beiltegen und zwifchen euch ein Schwert. Der beften Ritter geb ih dir ſechzig zu der Fahrt Und Gold noch Silber werden an deinem Aufzug gejpart.“ Da fprach der junge Randiwer mit dienſtbeflißnem Sinn: „Ich will die Botfchaft werben tie ich euch fchulbig bin, An eurer Stelle freien das zauberichöne Kind. Was ihr gebieten möget, ich bin euch treu und holdgefinnt. Gerüftet warb im Hafen das allerbeite Schiff: Das fteuerte Sibich vorbei mandem Riff. In Onalers Reihe ſahn fie Swanhilven bald, Die Maid mit feharfen Augen, von evelm Wuchs und Geftalt. Da ſprach zu dem König Randwer gezogentlich: - „Euch bietet Gruß und Freundſchaft der Kaifer Ermenrich. Er Hat von Swanhilden vernommen fern in Rom, Ihrer Schönhett Ruf durchſchwommen bat bes Meeres breiten Strom.
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„Da ward fie auderloren zu feinem Ebgemabl: Ihr ſeid fo hochgeboren, es reut ihn nie die Wahl. Es mag euch auch gefallen: denn Mächtigern wißt Ihr nicht unter Fürften als Kaiſer Ermenrich if.“ Onaler ſprach, der König: „Ich laß ed ohne Haß: Will fie der Kaiſer freien, wohl geziemt und daß. Wir hörten bier die Kunde von feines Reiches Macht: Will Gudrun, ihre Mutter, fo wird die Hochzeit vollbradt‘ Doc Gudrun ſprach, die Mutter Swanhilds: „Es ſoll nicht fan Ich fchnitt heute Runen, die fprachen alle Nein. . Mit meinem Willen nimmer wird fie ihm anbermählt, Und nicht zu feinem Güde hat fie der Kaiſer erwählt.“ Da wollte fie nicht laßen die ſtolze Königin; Doch Dnakern daucht' ed fo größlicher Gewinn, Sp mande Lift erdachte Sibich der falfhe Mann, Daß er wider ihren Willen die Braut dem Kaifer gewann. Schon war das Beilager mit großer Pradıt bereit: An feines Vaters Stelle lag Randiver bei der Maid, Ein Schwert zivifchen beiden, ertiblößt den fcharfen Stahl. Swanhild die [höne war nun des Kaiſers Gemahl. Da führte fie zu Schiffe der junge Kaifersfohn; Gudrunen half nicht ihr Weinen noch ihr Drohn. Die Tochter im Geleite von Mädgelein und Yraun Gieng an des Zünglings Seite nicht ohne heimliches Graun
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205 Sie ſah bie. Hutter warnen als follte große Noth Im Elend fie umgarnen und graufamer Tod. Doch konnt ihr Hex, das ftarle, nicht beben vor Gefahr: Sie faß im Dbersaume und blickte ruhig und Har. Da faß ihr an der Seite Randwer der junge Helb; Zu freundlichem Geſpraͤche hatt ex ſich ihr gefellt, Der Yrau die Beit zu fügen bis an bas ferne Ziel; Er wufte manche Märe, Die ihr zu hören gefiel. Da ſprach zu dem Jüngling Sibich aus falſchem Muth: Wenn ihr beifammen ſihet, das ziemt euch beiden gut. Es ſprechen alle Leute: „Seht an das fchöne Paar: | Wenn fie fich fcheiden müſten, es wär ein linrecht fürwahr. „Er follte fie befiken, nicht ein jo alter Mann, Der achtzig Jahre zählet umd nicht mehr minnen kann.“ Ich will dem Kaifer ratben eh er Swanhilden fchaut, Ein ander Weib zu wählen und dir zu laßen die Braut. Da fprach zu dem Berführer der junge Degen werth: „Richt doch, uns beide ſcheidet ein fcharfgeichliffneg Schwert. Es ſchwebt mir ftäts vor Augen wie ich es liegen fab; Auch Hab ich nicht vergehen tie meinem Bruber geichab.” Sp konnt er noch gebaren bejonnen, Zug und kalt Und fühlte ſchon im Herzen ber tiefen Wunde Spalt, Schon ganz ſich Hingegeben der zauberfchönen Yraun. Es war fein Glück, fein Zeven fie zu hören und zu fehaun. ,
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206 Muft er des Schwerte gebenlen und ſchuldger Sinbestreu, Des zorngrimmen Vaters, jo 308 ihn an aufs Neu Der Schönen Liebeszauber, dem Niemand widerſtand Als Sibich der falfhe, dem Haß die Liebe gebannt. So litt er grimme Marter unb unerhörte Bein. Und bob er jetzo flehend zu ihr der Augen Schein, So fchaute fie entgegen mit Bliden ſtreng und ſcharf, Daß er die Worte wieder, die er erfonnen, berivarf. Er durfte nie beiennen mas ihm im Hergen lag Und mufte bei ibr figen doch manchen lieben Tag. Nach Rom vom Schottenreiche, der Weg ift fo lang; Noch länger find die Stunden, da die Seele duldet Zwang.
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Biertes Abentener. Wie Ranpwer und Swanhild geridhtet wurden. Doch Alles geht vorüber, fo ſchwand auch diefe Roth: Es kam ihn zu erlöfen willlommner Gaft der Tod. Sie ſahen Welſchlands Küfte und bald das eimge Rom; Das Volt lief zufammen an der Tiber gelbem Strom. Sie wollten alle ſchauen die eble Kaiferin. Der Kenner fchöner Frauen kam Mander auch dahin. Sie fpradyen, als fie ſahen der jcharfen Augen Schein, Es müße Siegfriebd Tochter, des Drachenbändigers, fein. Sie folgten all der Schönen bin zu des Kaiſers Haus. Der falfche Sibich eilte der ganzen Schar voraus Mit feiner Mannen zweien: aus ziveier Zeugen Mund Ward da dem reichen Kaiſer die ſchnöde Unmahrbeit Fund. Der Marſchall ſprach mit Lügen: „Es ift ein ſchweres Amt, Zu dem deinen Diener des Reiches Noth verdammt. Doch ziemt dir, Herr, zu wißen was bier im Schwange gebt, Eh aus dem Fleinen Uebel ein großes Unheil entſteht.
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‘ „Sie bringen Gubrund Tochter, die zauberfhöne Maid, Die in Onakers Reiche dein Sohn dir hat gefreit. Nun laß dich nicht bethören der fcharfen Augen Brunft, Sie darf dir nie gehören: bein Sohn genoß ihrer Gunft. „Ich will ihn nicht verklagen, es ift ihm angethan: Laß diefe Männer fagen, die fie beifammen fahn, Ob dir der Bund gezieme mit.der Kebſe deines Sohnes; Mir ziemt es, dich zu warnen und gern entbehr ich des Lohne.“ Die falihen Zeugen fprachen manch ſchwer bezahltes Wort, Die böfen Zungen ftachen, ber Meineid warb zum Word. Da konnte ſich nicht mäßigen der Kaiſer Ermenrich: Bor Unmuth muft er beben, fein klares Antlit erblich. Ich kenne meine Pflichten: die Worte, die er ſprach, Mag Wer da will berichten, ich ſpreche ſie nicht nach. Ich ſchon auch Meiner Ohren, des hab ich euch nicht Hehl. Daß man ihn hängen ſollte, das war un Zorn fein Beſehl. Da ſprach zu Ermrichen der Marſchall falfchgefinnt: „Wer follt ihn hängen wollen? es ift des Kaiſers Kind, Und ftünde Belagunder, das reiche Land, zu Lohn, Mic, nähme groß Wunder, vergriff fih Wer an euerm Sohn“ „Was fprichft du,“ rief der Kaifer, „in deinem dummen Wahn Bin Ich nicht dein Gebieter und du mein Unterthan? Und fol der Knecht nicht leiften feines Herrn Gebot? Ich Schi euch alle dreie wie ihr da feib in den Tod,
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| „Habt ihr in kurzen Stunden ben Frevler nicht gehentt. - Das Land zu Belagunder wird euch zu Lohn geichentt; Doch wißt, den Ungehorfam vergelt ich mit dem Strang! Run mögt ihr felber wählen: ich thät euch ungerne Zwang.“
Er wies fie vor die Thüre, er warf fie halb hinaus. Der Marſchall mit den Beiden beſprach ſich vor dem Haus: Er ſprach: „Sch will es wagen auf meines Herren Horn, Das Land zu Belagunder ift mir foldder That fein Sporn.“ Die beiden Andern meinten: „Nicht ſchwer ift doch die Wahl. Hier winkt ein reiches Lehen, dort bittre Tobesqual. Wir wollen uns nicht fäumen des Heren Befehl zu thun: But ift in Belagunder nach gethaner Arbeit ruhn.“ Er ſprach: „Man meint, ihr hättet mit Fahnen ſchon das Lehn. Bahr its, ihr müßt gehorchen, fonft iſts um euch geſchehn. Doch ſeid ihr fchlimm gebettet auch wieder, wenn ihrs thut: Der Mord gereut den Kaiſer bald am eignen Fleife und Biut. „Den Dienfteifer bißet ihr dann mit Tod und Schmach. Bielleicht ift euch zu belfen, ich denke drüber nad). Ya, fo nur könnt ihr meiden den zwiegeſtaltgen Tod, Wenn che den SYüngling richtet wie ed Ermenrich gebot; „Doc ohn ihn zu erfterben, des Kaiſers einzig Kind, Des Reiches letzten Erben.” Da fprachen fie geſchwind: „Wie wäre das zu machen? das gienge ſchwerlich an: Hängt Einer erft am Galgen, um fein Leben iſts gethan.”
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300 Der Marſchall ſprach: „Mit Nichten! Das Ding verfteht ihr ſchlecht. Wie Mancher ift dem Galgen entlaufen wider Recht, Den Amt und Würden zieren und bem es trefflich ſchmeckt. Hat gleich fchon in der Schlinge der geile Schlund ihm geftedt. „Ein Band am Halfe tragen tit allen Hunden Pfluht. Es geht nit an den Kragen, davon erſtirbt man wicht. Die Schlingen und die Schleifen trägt man im guter Rub; Doch foll der Schlingel reifen, fo zieh die Schlinge fich zu. „Ihr mögt ihn immer hängen, doch baltet ihm ein Brett Und macht mit eurer Stärle des Jünglings Schwere Wett: Kann er die Füße ruben, fo thut es ihm fein Leib. Vielleicht, daß der Kaifer fich befinnt in kurzer Zeit „Db er den Sohn begnadigt, ob feinen Top beſchließt: So thut ihr jetzt nicht jählings mas ihn hernach verbrießt, Seid feiner Gunſt verfihert, was immer fol geſchehn: Das Land zu Belagunder wird euch dann ſchwerlich entgehn.“ Da ſprachen diefe Beiden: „Das ift kein übler Rath.” Als in des Haufes Pforte der Jüngling jetzo trat, Da Tamen fie und rißen ihn von der Schwelle fort. Sie hatten keinen Schergen, der ihnen half bei dem Mard. Das Bolt wollf es wehren, man ſah mand Schwert entblößt: Schier hätten fie den Züngling von feiner Haft erlöft. Da brach durch die Haufen des Kaiferd Rath ſich Bahn. Er ſprach: „Das wirb ihm ſchaden: foll er Gnade noch empfahn,
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301 „So mehrt durch Wiberftreben nicht erft des Vaters Wuth. Er ift fo fehr im Zorne, er weiß nicht was er thut. Wollt ihr ihm Heil erwerben, fo fleht auf den Knien Den Kaifer, fein zu ſchonen: vielleicht noch wird ihm verziehn.
„Er bat fein Bett geſchändet: wer iſts, ber ihn entſühnt? Mer noch für ihn gu bitten bei Ermrich ſich erfühnt, Ein Jeder wirds ihm danken, der Weg zum Schloß ift frei: Ich fee Niemand Schranlen, nur wär ich ungern babei.“ Da fahen fi einander die kühnen Kämpen an: Der Erſte wollte Riemand ſich wagen auf die Bahn. Sie fannten wohl den Kaifer, wenn er im Borne war. Da griff den Yüngling wieder ber feigen Söldlinge Paar. Heim ſchlichen fi die Andern: mer trägt gern feil die Haut? Im Gemach des Kaiſers ward keine Bitte laut, Nur Heila kam mit Winfeln und Heulen, Randwers Hund; Doch blieb er unverftanden, er war dem Kaiſer nicht fund. Da nahm den Edelfallen Randwer von feiner Hand, Der ihn begleitet Hatte gen Onalerd Land. Dem treuen Vogel rupft' er nun alle Federn aus Und bat, dag man lebendig ihn trüg in feines Baterd Haus. Dem wollt ihn Niemand bringen, nod war bie Furcht zu groß. Doch Sibich ſprach: „Mich dauert, Randwer, bein grimmes Looß, Und Iann ich es noch wenden, ich thu es herzlich .gern: Ich will das Sinnbild tragen, tie jehr er zürme, dem Kern.”
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302 - Der Gleifiner nahm den Fallen und gieng und barg fi dort Um unbelaufcht zu laufchen auf feines Jungherrn Mord. Der Stand ſchon auf ber ‚Leiter und keine Gnade kam. „Bo mag der Marfchall weiten? ward ihm der Kaiſer nicht yahm? „Das follt er uns doch melben, fo wüfte man Beſcheid. Nun, ftoß ihn von der Leiter, es ift hernach noch Zeit. Recht fo, er hängt und zappelt: geſchwind, das Brett herbei! Sa tanzt, Herr Junker, beifa! der Bater giebt euch noch frei.“ Kein Marſchall fam, kein Bote vom Kaifer warb gefaubt: ‚ Halb bieng am bänfnen Stricke, Halb auf dem Brette ftand Der herrlihe Jüngling in unverbienter Dual. Es mährte lang den- Beiden, fie rubten gern fich einmal. „Der dürre Baum, der Galgen, trägt Teine leichte Frucht: Je länger wird, je ſchwerer, wie Blei zuletzt tie Wucht. Ih Tann nicht mehr, mir ſinken die Hände, gute Nacht! Herr Kaifer, Belagunder! ſeht eur Befehl ift vollbracht! “ Sie ftürmten fort und ließen ibn bangen mitleiblod. . Da gieng der faljche Sibich, noch eilt’ er ſich nicht groß, Ihm Gnade zu erfleben bei Kaiſer Ermenrid. Es war fhon um die Stunde, da meift ver Zorn ihm entwich Als Ermrich ihn erfchaute, da frug er: „Iſt getban Was ich befohlen babe? Gr Sprach: „Herr, hört mid an: Wie oft ihr es gebötet, ich thät es nimmermehr. Wenn ihr den Jüngling töbtet, ich weiß, es reut euch nachber.
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303 „Die Andern dachten anbers; fie fürdhteten den Tod; Ihr habt ihre mir wie ihnen in euerm Zorn gebroht. Site wollten euch geboren: Bei meinem rothen Bart, Sprach Ich, ich laß euch henken, wenn ihr fein Leben nicht fpart. „Und muß er an den Galgen, fo haltet ihm ein Brett Und madt mit eurer Stärle bes Jünglings Schwere: wett: Kann er die Füße ruhen, fo thut es ihm kein Leib. Ich erflebe noch den Vater, daß er dem Gohne verzeibt.. „Run neigt mir, Kaiſer, neiget ein gnädiges Ohr, That jemals Wuni und Willen euch Sibich biebevor. Laßt euern Knaben leben mie ſchwer er ſich vergieng: Sei ihm damit vergeben, daß er am dürren Holze bieng. „Wo warb fo fchmähe Buße noch einem Kaifersfohn? Der einft die Welt foll erben, ver Erde hödften Thron. Das Ichönfte Net ift Gnade, das Gott dem Kaifer giebt, Des Vaters zu gefchweigen, ber nur beftraft, meil er liebt. „Schaut diefen Edelfalken, nun flug: umd feberlos: Er krümmt die ſcharfen Faͤnge, .ihn friert, denn er ift bloß. Wie er die Ylügel fehüttelt, fie tragen ihn nicht mehr, Und Treifte heut noch Föniglich in der Lüfte blauem Meer. „Den Fallen, ven gerupften, ven ſchickt euch euer Kind. Ihr wolltet ihn nicht hören, der Born macht' euch blind; Doc werdet ihr verftehen mas dieſes Sinnbilb meint: Daß ihr ibm aller Ehren beraubt wie dieſer Vogel ſcheint,
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304 „Der Federn und des Fluges, und euer Reich verftört, Das keinem Leibeserben nad) euerm Tod gehört. Verwaiſt ihr euch des Sohnes, fo feid ihr halber tobt: Ihr lebt in ihm der Zukunft: bedenkt, o Herr, diefe Roth!“ Der Kaifer ſprach: „Er lebe: verziehen fei die Schul. Seine Schwächen und Gebredjen ertrag ich in Geduld, Daß fie des Vaters Leben nicht morden in dem Gohn. Wie haft du wohl geſprochen! es reute mich lange fchen! „Dank dir, daß du dem Vater fein einzig Kind beivahrft: Sie hätten ihn gerichtet vielleicht, wenn bu nicht warft, Zumal ih Belagunder zum Lohn verbieß, das Land: Das nimm nun-du zu Lehen: fo ift e8 beßer bewandt. „Lab und nun Randvern fuchen, daß wir ihn ber Gewalt Der Henker entreißen, und fie nicht noch ihn kalt Des Lehend wegen maden in fchnöber Habbegier.” „Sch verbot e8 bei dem Strange,” ſprach Sibich, „aber eilen wir!" Sie eilten nach der Stätte: da bieng der Sohn herab Entjeelt: e8 war kein Zeichen des Lebens, das er gab. Entſetzt rief der Kaifer: „Run bängt mir dieß Geſchmeiß! - Das Haar möcht ich mir raufen, daß ich Argern Tod nicht weiß. Gefangen und gebangen warb bald das feile Baar; Den Dritten fab man prangen in Golb und Seide Har. Als man die Zwei erhöhte zu folddem Ehrenplatz, Für Belagunder dauchte fie das Fein voller Erſatz.
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305 Wie fehr der Kaiſer tobte um feines Sohnes Top, Er hatt ihn ſelbſt befohlen: das mar die gröfte Noth. Da durft ihm Niemand nahen als Sibich allein. Der fprach: „Hier ift doch "Niemand, dem bu böfer haft zu fein’ „Als Swanhild der fchönen, der argen Zauberin, Und Gubrun, ihrer Mutter: ber lag Betrug im Sinn. Man ftand dir nach dem Leben, dazu nach Reich und Thron; Dich hätten fie vergeben, die dir verführten den Sohn. „Die Mutter wirds nicht büßen, uns liegt ihr Reich zu weit: Entgelte denn der Untreu die zauberlundge Maid. An all diefem Jammer ift nur ihr Buhlen Schuld; Und läft du fie gewähren, das Volt betbört ihre Huld.“ Der ſchwache Kaifer glaubte was der Berräther ſprach. Da erdachte er im Zorne graufamen Tod voll Schmad). Die Häfcher hieß er greifen Unfchulbge dich, Swanhild! Gebunden an der Erde lag alles Liebreizes Bild, Den Pferden vorgeworfen die zauberfchöne Frau, Bier laufgetvohnten Tbieren, weiß, ſchwarz und braun und grau: Sie follten fie zerftampfen mit ihrer Hufe Wucht. Das wollten nicht die Pferde, fie waren nicht jo verrucht. - Die guten Mähren fcheuten der fcharfen Augen Stral, Sie fhonten ihrer Schönheit, bis Sibich befahl Mit Decken zu verbüllen ven blühenden Leib: Zerftampft von Rofshufen ward da das herrliche Weib. Simrod, das Amelungenliev. 11. 20 °
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306 Hier ift genug gefungen von Morb und von Betrug; Und ift eö nicht für immer, für heute ſeis genug. Mir ift um Swanhilden das Herz im Bufen fchiver; Ich Mag auch den Jüngling, die falfchen Zeugen nicht febr.
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Fünftes Abentener. Wie Edart die Harlungen warnte, Swanhild war gefallen und Ermenrich verwaift: Da wich von dem Raifer nicht mehr ber böfe Geift. Er ließ fi) Niemand rathen; Sibichen glaubt’ er blind, Bon dem die böfen Räthe in die Welt gelommen find. % Er hielt feiner Treue fich mehr als je gewiſs, Seit er um Randwers Leben fich heuchlerifch beflik. Da rieth ihm der Falſche, zum viertenmal zu frein: Ohne Erben dürf er des Reiches wegen nicht fein. „Die euch die Schönfte dünket, die ziemt euch zum Gemabl. Mer möchte Kaifer heißen, bätt er nicht freie Wahl? Ein Fürft begehrt, ein König wohl eine Königin; Wie er die Ehre mehre, das liegt ihm immer im Sinn. „Des Kaiſers ift unwürdig auf Hochgeburt zu ſehn; Und wollt er Abftand meiden, fo fünnt es nicht 'gefchehn. Die Ebenbürtge findet er weder nab noch fern, Dem alle Könge dienen als Oberlönig und Herm.
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308 u „Doch Fürftentöchter weilen an euerm Hofe viel.” Mit ſolchen Reden bracht er ihn enbli an das Ziel, Daß er Beckhil den mwählte, Sibichen nah verwandt, Bom Stamm der Baninge, der einft gebot einem Land. Der Frau -[chönfter Namen iſt Friedeweberin, Doch Zmietracht wirken dauchte Bedhilden mehr Gewinn. Zu Sibichs großer Freude unfruchtbar blieb ihr Schooß: Des Manns Verwandten wünfchte fie drum ein glüdlicher Look. Da gieng einft Odilie, Sibichs Gemahl, Mit Mägden und mit Frauen in Beckhildens Saal Zu ihres Mannes Nichte, der hehren Raiferin. Fürſtlicher Frauen noch kamen Manche dahin. Da ſaßen fie beifammen und tranlen guten Bein. Der Wein belebt die Geifter, die Zungen obenein; Des Revens und Erzählene mar weder Maß noch Ziel. Da ſprach auch Odilie von beiden Harlungen viel, Wie fie vertvegen wären, Yrittel und Emmerich, "Und keine Zucht mehr kennten; mit Nichten ziem es ſich, Daß man fie Schalten ließe fo zügellos im Land. So jehr zumal fei Frittel zu allen Lüften entbrannt, Daß eine Frau der Ehre, des Magbtbums keine Magd Bor ihm mehr fidher wäre. Er bab es felbft gefagt, Die Ihönen Fraun im Reiche, von Rom bis an den Rhein, Er woll ibr aller Buhle, und auch der Kaiferin, fein.
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- 309 Der Rede fchöpfte Bedhild den Neffen großen Haß. Sie ſprach: „Ganz unerträglid von Frittel find ich das.“ „Sa,“ Iprach des Marſchalls Traute und würdge Schülerin, „Euch ganz befonbers bot er dieß Gewerbe, Kaiferin. „Mir ziemt euch zu warnen, es thut uns wahrlich Noth.“ Da ward vor Zorn Frau Beckhild bleich und wieder roth. Sie ſaß beim füßen Weine geichredt und unerfreut Und wähnte fi von Frittel mit Schmad und Schande gedreut. Da kam mit feinen Helden auch Ermenrich nah Haus, Saß zu den Fraun und leerte viel Becher überm Schmaus. Da ſprach Odilie wieder: „Heut weht ein lauer Wind, Zumeilen firömt ed nieder in Schauern fanft und gelind; „Bleich reinigt fih die Sonne und fcheint fo brütewarm. Mer pflegt bei folchem Wetter mit feinem tollen Schwarm Wohl anders herzureiten als Vetter Emmerich Und Frittel fein Bruder: fie fommen uns ficherlich. „Da wird Fein Thier im Walde vor ihnen fichet fein, Kein Bogel in den Lüften bat Frieden vor den Zwein. Und Nordian der alte, wenn der mit ihnen ift, Da brauft ed Nachts und tofet, daß man Sehn und Hören vergißt.“ „Kein Wunder,” Sprach verbroßen die Kaiferin Bedhild, „Daß fich nicht friften Lönnen die Vögel und das Wild Bor ihrem Ungeftüme; bat bier doch feine Maid Und meiner Frauen feine vor ihnen freies Geleit." -
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310 Noch immer ſchwieg der Kaiſer, ben Becher leert ex fadt: Was biefe Frauen fpraden, er nahm es faum in Ad. Nun war mit ihm gefommen ber Mann, der Edart biek Und felten aus der Pflege die jungen Harlungen ließ; Doch war er jeht geritten mit Hache feinem Sohn, Weil ihm den Pflegbefoblnen ein Unbeil fchien zu drohn: Das wollt er bier erkunden; Swanhildens fchmäher Tod Und all der Kaifersfühne, das fchuf ihm ſorgliche Noth. Da ſprach Frau Bedhild wieder: „Nun ward mir binterbradt Bon wahrhaften Leuten; ich hätt es nie gedacht, Weiß ich fie gleich vermeßen und frevel überaus: Ich felber fei nicht fiher, die Kaiferin, in meinem Haus. „Das laß dir Hagen, Ermenrich, großmächtger Kaiſer reich. Ich zittre vor den Knaben, die Furcht macht mich bleid: Daß fie mich ſchänden twollen, der Unfug ift zu groß; In deine Hut befehl ich der armen Bedhilde Looß.“ Da ſprach aus hohem Zorne Der Kaifer war zu Rom, - Als er der Frau fah fließen ver Zähren hellen Strom: „Soft Du nicht Frieden haben vor ihnen, Saiferin, So haben fie des Friedens von mir aud nimmer Gewinn. „Das will ich hier derheißen und dir mein Kaiſerwort Mit einem Schwur beftärten, daß ich nicht wieder dort Die andre Nacht will liegen, wo ich die erfte lag, Bis ich mit diefen ziveien zufammentraf am Sühnetag.
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311 „Mir fteht nun nicht länger der Buben Greuel an, So hoch will ich fie hängen, baf Niemand höher Tann. Mein Haus halt ich billig von ihrem Unflat rein. Wohlauf nun, meme Helden, ihr zieht mit mir an den Rhein.” Als Edart das erhörte, ber ihm zur Seite faß, Wes fih in feinem Zorne Herr Ermenrich vermaß, Beirübt und erfchroden fprach aller Treue Kranz: „Ihr armen Pflegeſohne, unſchuldig weiß ich euch ganz. „Ihr wollt Riemand höhnen, von Herzen feid ihr gut, Die felten ihr auch zügelt den tollen Jugendmuth. Doc, ſeid ihr hier gerichtet noch eher als verhört, Schon halb dem Tod verpflichtet, da ihn ein Kaifer euch ſchwört. „Rum müht ihr des entgelten, daß Wittich fo fern Mit Dietrih Raths zu pflegen geritten ift nach Bern. Und käm er noch zurüde eh diefe nach dem Rhein, Biel Helme würd er Spalten und manches Haupt binterbrein. ' „Dur Schild und Harnifch führe der Mimung wie der Wind: So große Unbil büßt er an mander Mutter Kind. Nur Stieffühne find ibm Yrittel und Emmerich, . Doch feins Kaifers Neffen; er wehrte fie ſicherlich.“ So fchürt! er nur dem Kaiſer des blinden Zornes Gluth. „Daß Du für fie gefprochen kommt ihnen nicht zu Gut. Sie follens nicht genießen, daß du ihr Pfleger bift, Nur drum noch höher hangen und noch in kürzerer Friſt.“
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312 Da ſprach der treue Edart; er Heß fich ungern drohn: „So lang ich aufrecht ftehe, und Hache mein Sohn, Geftatt ichs nicht dem Oheim, daß er die Neffen hängt.“ Zu Roſſe liefen beide, die Hengfte wurden erfprengt. Die ſchlugen fie mit Sporen und ritten Tag und Nacht Hinauf zum Hochgebirge, Hinab in fchneller Jagd, Bis wo vor dem Schwarzwald Deutfchbreifacd lag am Rhein Da barrten fie nicht lange, fie fprangen muthig hinein. Derweil hatt auch Ermenrich die Zeit nicht verträumt, Noch Sibich fein Marſchall: ver ließ ungeſäumt Die Heerhörner blaſen: da kam ihm mancher Mann. Es war am andern Tage, da ihre Heerfahrt begann. Da nun mit ſeinem Sohne Eckart den Rhein durchſchwamm, Am Ufer ſah es Emmerich; den daucht es wunderſam. Da ſprach er zu dem Bruder: „Dort mitten in dem Strom Seh ich zwei Männer ſchwimmen, ich weiß, bie fommen von Nom „Es ift mit feinem Sohne Eckart, der Treue pflegt. Eie harrten nicht des Kahnes, ver fie hinüber trägt, Sie fprangen in die Wellen: baran nehm ich wahr, Zu diefer Fahrt, der fchnellen, bewegt fie große @efchr.“ Da ſprach binmwieder Frittel: „Es thut wohl nicht fo Roth: Er fieht Gefahr in Allem und laufchenden Top. Er gönnt uns feine Freude, die Liebe noch die Jagd; Du weift wohl, wie Nordian des Sohnes Vorſicht verladt.
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„Run iſt er gar zum Kaiſer geritten mit dem Sohn, Als Fönnt und von dem Oheim Tob und Berberben drohn. Er hat audy mit den Sorgen Wittichen angeftedt: Der ift gen Bern geritten von Edart3 Träumen erfchredit.“ Nun kam zuerft ihr Pfleger geritten an den Strand; Ihm giengen entgegen die beiven unverwandt: „Wie fährft du fo eilig. daher, jo athemlos? Was fol und das bedeuten? ift deine Sorge fo groß?“ Erathmend Sprach da Edart: „Zur Eile zwinget mich Gar ftarle Roth: gefahren kommt Kaifer Ermenrich Mit wallenden Yahnen, ber euch zu fangen ſchwor. Drum rettet euch und fliehet; ich kam ihm laum noch zuvor.” Ungläubig ſprach da Frittel: „Was hätten wir gethan Dem Kaifer, unferm Obeim, daß er uns follte fahn?“ Er ſprach: „hr ſeid verleumdet; daran ift Sibih Schuld: Er räth ihm zum Verberben und hat Bertraun doch und Huld.” Die Harlungen fprahen: „Wenn wir verleumbet find, Wir beweiſen unfre Unſchuld. Der Oheim iſt nicht blind Noch taub, er wird den Neffen ein willig Ohr verleihn. Wir müften, wenn wir flöben, erft recht die Schuldigen fein.” Da ſprach der Getreue: „Wenn ihr nicht glauben wollt Dem Pfleger, fraget Sachen, ich weiß, ihr ſeid ibm hold, Bie euch der Kaiſer zürnet und ob zu weilen frommt: Ich nahm ihn mit zum Zeugen: nun fragt ihn felbft, wenn er lommt.“
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Da kam herangefhwommen Hache, Edartö Sohn. Der hatte felbft vernommen des zorngen Kaiſers Drohn, Wie er die Brudersfühne zu hängen ſich vermaß: Da fagt' er ihnen Alles, der Taum ein Wörtchen vergaß. Sie wollten doch nicht fliehen: „So feft ift dieſes Haus, Es hält bei guter Wehre den eriten Sturm wohl aus. Wir wollen unfre Mannen beienden morgen früh: Des Kaiſers Huld eriverben mir ſchon hernach ohne Müh.” Da ſprach der treue Edart: „Wollt ihr der Veſte traun, So giebt es viel zu fchaffen, zu rüften und zu baun. Wir haben alle Biere die Hände voll zu thun: Laßt uns zum Werle greifen und nimmer raften noch rubn.“
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315 Sechstes Abentener. Vom Benusberg und dem wilden Heer, und von der Harlungen Fall Da griffen fie zum Werke und fäumten ſich nicht lang: Es war dem guten Pfleger vor Ermrichs Scharen bang; Die Harlungen fcheuten nicht jo des Dheims Som: Den Beiden war zur Arbeit die Yurcht ein läßiger Spern. Sie dachten auf Ergeben oft übers Werk hinaus; Mit Warnen hielt fie Edart doch Einen Tag zu Haus. Dem Tage folgt der Abend, das ift der Dinge Lauf: Da zog mit rothen Wangen der Vollmond prächtig herauf. Die duftgen Kräuter hauchten, die Luft war fo warm: Der junge Frittel fehnte fich in ber Liebiten Arm. Er blidte von’ven Wällen nur ftät3 nach Einer Statt: Es warb an ihr zu hängen fein feuchtes Auge nicht jatt. Ihm mag dabrüben wohnen die Wonnigite der Fraun; Es kann doch nimmer lohnen hinüber ftät3 zu fchaun: Ihm kommt ja von drüben fein Zeichen und fein Wort. Im ftolzen Jagdgeleite, wer tft die Herrliche dort?
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316 Die fi) im grünen Schleier auf weißer Hinde wiegt Und alle Erdenſchöne mit Liebesreiz befiegt, Um ihre Schläfe Treifet ein Turteltaubenpaar ’ Und Glühwürmer leuchten ihr aus geringeltem Haar. - Die Nitter, die ihr folgen fo bleih im Mondenftral, Sie fchauen tie gefoltert: iſt das von Liebesqual? Sie tragen Blumenketten; die tragen fie wohl gern? Sie folgen ihr fo willig als einem feligen Stern. | Run nahte dem Walle, wo Frittel ſtand, der Zug. Als fie mit langen Wimpern empor das Auge fchlug, Wohl kannte fie der Jüngling, der fie doch nie gefchaut: Sie war es, bie er träumte, feines Herzens ſüße Braut. Vorüber 3098, vorüber zu ſchnell: o weile bier! Barum zu Walde wieder? halt ein, nimm Mid mit bir! Er fühlt fi fortgezogen: geſchwind, wo iſt mein Roſs? Er hatt es bald befchritten, fchon ftürmt' er fort aus dem Schloß Da warb er noch am Thore von Edart gewarnt: „Zurüd! eb dich" mit Liften die Zauberin umgarnt! Sie ift nicht, die fie fcheinet: du ſiehſt fie mild Ind gut; Doc laß dich nicht bethören, fie will deines Herzens Blut. „Daß ihr dein Bater traute, mit Tode büßt’ er bag, Und Iran der Markgraf: aus Liebe ſproß ihr Haß. Sie will auch dich verführen mit teuflifhem Betrug, Daß fih ihr Hofltaat mehre und ibr geſpenſtiſcher Zug.
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317 „Denn die du fiebft find Geifter, und Sie bat fic entleibt. Im Tode noch ihr dienen muß Wer ihr treu verbleibt. Und folgft du ihr zum Berge, wo du in Flammen brennit, Da wandelt Frau Benus gar bald aud dich zum Gefpenft.“
Erfchredit wich der Jüngling zurück bei feinem Wort. Da Uangen Zaubertöne, die rigen ihn mit fort, Ob fie ten Albleich fptelten, ob Iſangs Stimme Hang, Er flog, ihn zog zum Berge der berüdende Gejang. Er gab dem Roſs die Sporen und ließ den Warner ftehn. Der fprady: „Ließ ich dich reiten, es wär um dich gefchehn: Ich muß dich vor bir felber beſchützen mit Gewalt. Doch hab ich recht vernommen? meines Vaters Hifthorn ſchallt.“ Da fam auf fchnellen Roſſen das wilde Heer gerannt, Mit feinen Waidgenoßen die Fackel in der Hand Nordian der König, den Wadild vertrieb: Die Wälder zu durchbrauſen ift aller Troft, der ihm blieb. Er reitet nicht den Hirſchen mie feine Sitte war; Den Auer lehrt! ihn reiten der feige Walbemar. - Hoch ragt er auf dem Rüden des wilden Wilendftiers Und reizt mit Feuerbränden den Grimm des wülthigen Thiers. Der brüllt und fchlägt die Erbe mit dem geipaltnen Huf; Ihm folgen die Geſellen mit grellem Jägerruf. Hochlautend jagt der Brade, die Meute klafft und belt, Die krummen Hörner blafen: fo ftürmt das Heer über Feld.
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318 Das hörte von den Wällen der Harlung Emmerich. Ihm war daB Waidwerk Freude, dem leine Freude glich. Er griff nach Pfeil und Bogen, fein Roſs war bald gegdumt: Schon ritt er nach dem Wilde, dem ftät8 vom Wilde nur tr&umt. Da warb er noch am Thore von Edart ermahnt: „Zap nächtlidhes Jagen, der Weg ift ungebahnt, Den diefe Jäger fahren durch Heden und durch Dorn; Durch Dickicht und Geftrüppe führt fie das gellende Horn.” Er hörte wohl die Warnung und fchlug fie in den Wind. „Sp ſpricht die Furt; man weiß fchon mie alte Leute find. "Er gönnt uns Teine Freude, die Liebe noch die Jagd; Da ift fein Bater anders, der ihn verhöhnt und verlacht.“ Er gab dem Roſs die Sporen und ritt dem Zuge nad; Den Pfleger ließ er ſtehen, ber eitle Worte ſprach. Da raufte ſich die Haare Cdart der treue Mann Im Schmerz, daß er fein Mittel fie zu bewahren erfann. „Die Harlungen zu hüten hab ich dem Freund gelobt, Und kann es nicht vollbringen, da fo die Jugend tobt. Nun mag der Kaiſer brechen Breiſach dein feſtes Haus: Soll er den Knaben hüten, fo muß aud Edart hinaus.” Da fprengt’ er aus den Thoren auf feinem Pferde Ruſch Und ritt auf lichten Pfaden durch den verwachsnen Bulch. Er kam zum Benuöberge vor erſtem Tagesgraun: Da harrt' er an der Thüre feines Jünglings und der Fraun.
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319 Er mufte lange Barren des erften Morgenſcheins: Da flieg zum Berg Frau Venus empor vom Thal des Rheins. Als fie den Albleich fpielten, hielt er die Ohren zu; Doch hätt auch ihn ergriffen der Liebestaumel im Nu, . Wenn er des Freunde nicht dachte und hochgelobter Pflicht. Nun zeigt’ ihm Frau Benus ihr reizend Angeſicht; Die Augen müft er fchließen, fonft wars um ihn gefchehn. Erblinden muß, ertauben Wer nicht will zu Grunde gehn. Ein z0g zum hohlen Berge der bleihen Ritter Schar, Und mancher Beine Geiger, der lieblich fpielt’ und Har; ’ So groß war dad Gebränge, zu enge ward das Thor. Sie waren all im Berge, da trat erſt Edart hervor: Den Eingang wollt er wehren : dem lieben Pflegefohn ; Er konnt ihn noch nicht Schauen, doch hört’ er ferne ſchon Das Wiehern und Schnauben des Pferdes, das ihn trug: Es ſcheute vor den Geiftern und dem geipenftiichen Zug. Erathmend lief da Yrittel den Berg hinan zu Fuß, Ch fi das Thor ibm jchlöße. Da bot ihm ftummen Gruß Der vielgetreue Pfleger; mit Gleſte feinem Schwert Vertrat ev ihm den Eingang; der blieb dem Jüngling verwehrt. Da wollt ihn der erzwingen und zog fein Schwert heraus, Sein Lieb fi) zu erftreiten. „Dieb ıft des Todes Haus, Der Seele wie des Leibes: ich laße dich nicht ein Zur Beute dieſes Weibes, in herzverzehrende Bein.“
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Er hörte nicht die Mahnung, ibn trieb der blinde Wahn, Mit blintenver Klinge lief er den Pfleger an. Ihr Kampf währte lange, man fah die Funken ſprühn. Edart war gewaltig, doch Yrittel eifrig und kühn. Da ſchlug ihm aus: den Händen die Klinge Wikings Sproß Den Süngling muft er fangen und binden auf fein Roſs. Er thats mit beißen Zähren, ibm blieb nicht andre Wahl. Mit der geliebten Beute ritt der Getreue zu Thal. „Wo find ich nun den Andern, ber mir am Herzen liegt, Der felbft dem Tod geſchworen unſchuldig Wild befriegt? Ich muß die Spuren fuchen bes wilden Heers im Wald, Bis mir das Waldhorn dDröhnend aus wilden Bergfchluchten ball.“ Er fand gar bald die Spuren auf jäh gemundnem Pfad, Jetzt nieder in die Schlünde, jetzt auf zum Feliengrat. Auf höchſten Bergestuppen verſcholl ihm fern der Ton; Er wird fie nicht erreiten, zu meit entſchwanden fie fchon. Da ballt! ihm ein Geitöhne herauf aus tiefem Grund. Er klomm die Halde nieder: da fand er, welch ein Fund! An ſchwankem Afte ſchweben den dreiften Emmerich, Und ihm zu Füßen gähnen ven Abgrund tief und fchauerlid. Er hatt im Fall gefangen‘ den Aft mit Einer Sand, Und unten lag gerichmettert fein Roſs am Felfenrand. Mit dem Alten jagen, den Hilbburg einft verfludt, Das bat ohne Schaden einer Mutter Kind noch verfucht.
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321 Den Pflegling zu retten flieg Edart auf den Baum. Mit ftarker Rechte reicht‘ er ihm an die Füße kaum; Doc ſchwenkt er ihn hernieder zu ſich ins dichte Laub. - Er trug au ihn zu Roſſe und fprengte fort mit dem Raub. Da dankt ihm wohl der Eine, den er zujüingft befreit: Er mufte fih verloren, kam Hülfe nicht zur Zeit; Doc Frittel fchalt und grolt’ ihm um feines Herzens Braut: Das Urbild aller Schöne hatt er in Freyja gefchaut. Als er nad Breiſach Tehrte mit feinen jungen Herrn, Die Heerbörner Fangen des Kaiſers fchon von fern; Die breite Staubwolfe verhieß ein mädhtig Heer. Er ſprach: „Run ift verloren bie Zeit zu dauernder Wehr: „Uns bleibt feine Hoffnung als ehrlicher Tod. Erkämpft ihn euch: mit Galgen und Rad ift euch gedroht. Wollt ihr nicht gerne bangen noch heut am dürren Aft, So laßt im Kampf uns ſchauen ob euch die Schande verhaßt.“ Sie modten gerne ftreiten zu Fuß und aud zu Roſs Und fandten von den Wällen manch tödtliches Gefchoß. Au vor den Thoren zeigten fie Muth und große Kraft Und brachen mit den Beften im Heer des Kaiſers den Schaft. Da ritt Herr Ermrich felber zur Burg nah Sibichs Rath; Wo feine Neffen ftritten tar er dem Wall genabht. Als Die den Oheim fahen, da riefen fie ihn an: „Was haben wir verbrocdhen, was, Herr, zu Leib dir getban, Simrod, das Amelungenlled. II. 21
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- 322 „Daß du die Brudersſöhne mit Heereskraft belriegſt? Wir find mohl fchiver verleumbet, daß du uns bier beliegit. Du haft uns überfallen noch eh ala widerſagt, Mir find verdammt und wißen nicht einmal, Wer uns verklagt.“ Da ſprach aus hohem Borne der Kaiſer Ermenrid: „Ihr kämpft immer vorne; doch twißet ficherlich, Noch heute follt ihr bangen mir an dem höchſten Baum, Gleichviel, was ihr verbrachet; bier iſts zu fagen nicht Raum.“ Er wandte fih und Sibich begann aus falfhem Mund: „Die Schuld, der man euch zeihet, die wird euch hier nicht Fund. Wenn ihr euch ledig mwißet und frei der böfen That, So kommt zum Zelt des Kaiſers, daß ihr ein Urtheil empfahl „Und mwüftet ihr euch ſchuldig, eur Oheim ift ex doch; Kommt reuig und geftändig” und er verzeibt euch noch. Die Gnade quillt der Demuth aus unerfjhöpften Born; Mit eitelm Streiten mebrt ihr nur eure Schuld und feinen Born." Da fahn ſich unentichloßen die Harlungen an Bis der erfte Frittel zu Emmerich begann: „Wir wollen ihm mwillfahren; ver Kampf ift und nicht gut: Er Tann nur noch erbittern bes Oheims zümenden Mutb; „Wenn wir die Waffen ftxeden, fo wird er uns verzeihn.” Der Andre trug Bedenten; doch gab er fich darein. Da giengen fie zum gelte des Kaifers waffenlos. Die Edarts Rath verfchmähten, bald erfüllte ſich ihr Looß.
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323 Sibich ließ ſie greifen und ſchleifen vor Gericht. Sie verſtummten vor des Kaiſers ergrimmtem Angeſicht. „Hat man euch doch gefangen? was half die tapfre Wehr? Nun müßt ihr gleichwohl hangen und höher viel denn vorher. nDen bödften Baum im Forſte fucht den Berräthern aus: Ich will von Untreue gefäubert fehn mein Haus. Hinweg ! nicht widerfprochen! auch Sibich du, fein Wort! Ich hab es hoch geichworen: hinaus, und hängt fie ſofort!“ — Als man zum Schandenbaume des Waldes Bier erkor, Nie trug der Eiche Wipfel fo edle Frucht zuvor. | Doch wär ihr Sinn verlieben, fo jentte fie das Haupt Zu trauern unb zu dorren, fie ftünde fahl und entlaubt. N
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Siebentes Abentener. Wie Heime das Harlungengold entführte. Als Edart in der Veſte vernahm der Knaben Tod, Das Herz und die Seele zerriß ihm biefe Roth. „Mein Leben ift verloren,” Bub er mit Jammern an, „Der Eid war falfch gefchtuoren, den ich dem freunde gethan. „Die Harlungen zu hüten bat ibm mein Mund gelobt: Ich mocht es nicht vollbringen, es hat fi nun erpröbt. Ihr Armen büßtet tbeuer verfchmähten Freundesrath. Ihr Tonntet ehrlich fterben, im Kampf, mit rühmlicher That. „Ihr Tonntet herrlich rächen die freche Läfterung Und lieber Bettern Sterben; die mwellten auch fo jung. Das thatft du Alles, Sibih, den man den Treuen preift! Sch werd es nicht erleben, ich bin ergraut und ergreift;
„Doc einft wird deine Falſchheit der Welt mit Schreden kund. Zum Sprichwort wirft du werden dann in ber Leute Munt. Seht laß die Wälle ftürmen, bethörter Ermenrich, Und laß die Schleudern fpielen: ohne Furcht erwart ich dich.”
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325 Da ließ zum Sturme blafen Ermrich der Kaifer hehr Und ließ die Werke fpielen mit Steinen groß und fchiver, Dazu mit Feuerbränden: hell glühten Stabt und Schloß. Die Burg wehrte Edart und mander treue Genoß. Da ſprach er zu den Freunden: „Laßt uns bierinne nicht Verbrennen wie die Mäufe. Wohl ift ung Sterben Pflicht, Zuvor jedoch zu rächen der lieben Herren Schmach. D daß wir Sibich fänden, der all ven Mord bier verbracdh!“ Da giengen ſechzig Helden mit Edart vor das Thor Und ftritten mit dem Kaiſer, ber mandjen Mann- verlor: Fünfhundert Degen fielen von des Pflegerd Hand. Edart ergrimmte, daß er den Marſchall nicht fand. Da brach er durch die Reihen in wachſendem Zorn Und fchlug aus den Ringen des Blutes rothen Born. Mit Blut war er beronnen, nicht bloß mit Feindesblut, Aus zorngem Herzen fprang ihm die heiße zürnende Flut. Er winkte feinem Sohne, als ihm die Kraft entwich: „Die Freunde find gefallen, du Hade, fpute did. Was bier ergangen melde Wittichen, deinem Herrn; Bring Edarts lebte Grüße dem jungen König.von Bern. „Sag ihm, daß er ſich hüte vor Sibichs Verrath.“ Da ſank er zwifchen Todten; ihm mar der Tod genaht. Zu drüdte noch die Augen der Sohn dem treuften Mann, Dann ſchwang er füch zu Pferde: und fprengte kämpfend bindann.
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326 „Waffen!“ rief Heime, als er ihn fallen ſah, „Wie von dem reichen Kaifer bier großer Morb geichab An Edart dem getreuen, ver aller Güte -Bilb: Mer weiß ſich nun noch fiher, wenn Ihm die Zornaber ſchwillt „Die Neffen ließ er hängen, er thats dem Sohn zuvor: D weifer, greifer Kaifer, fürwahr, du bift ein Thor! Willſt du dich felbft vernichten und al dein Fleiſch und Blut Mit dir zu Grunde richten, das ift ein kindiſcher Muth! „Sol ich dabei dir helfen, mir recht, ich bin bereit; Ich ſchwor bir meine Hülfe mit einem theuern Eid. Ich war des faulen Lebens an Dietmar Hofe fatt: Da befahlft du mir Bologna, die zinnenglänzende Stadt. „Ich bin ein Graf geworben, ein Herzog werd ich bald, Gebiete Land und Leuten mit fürftliher Gewalt. Schon fehlt eö nicht an Männern; doch oft gebricht der Selb: Wo ift nur bier verborgen das reiche Harlungengolb ? „sm Burlenberge, hört ich, fol es begraben fein ; Und wüſt ich es zu finden, der Hort würd aller mein. Des Edart bat gehütet,” nun ift er unbewacht; | Ihr plündert bier und müthet und habt bes Schatzes nicht Acht. „Das Raufgut verihmähet der Eohn des Adelger, Studas weiß fi Beute, die taufendmal fo ſchwer.“ Da ließ er Breifady brennen, das weiland fefte Haus, Und ritt mit zwolf Gefellen ven Schatz zu heben hinaus.
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327 Er kam zum Burlenberge, und fuchte lang ben Dit, Wo fie vergraben hatten den Amelungenhort; Sie forfchten lang vergebens, al Suchen nicht verfieng. Da ſah Stubas blinken einen dicken Eifenring Sin einen Stein gegoßen, der noch viel ſchwerer war: „Hier ift zum Schatgewölbe der Eingang offenbar. Eine Stiege führt hinunter: hebt dieſen Stein nur auf. Das Glück ift Hold, ich hoffte noch kaum jo wohlfeilen Kauf.” Sie giengen AN und hoben: dem erſten wurde warm, Sich renkt' aus dem Gelenke der andre ſchier den Arm, Dem dritten riß das Wammes, der vierte fluchte viel, Ein Jeder wollt es können und kam doch Feiner and Biel, Da Sprachen die Gefellen: „Kein Einzelner vollbringts. Laßt uns den Baum ba fällen: vereinter Kraft gelingts.“ Da fällten fie die Eiche und fchoben ihren Schaft Ins Dehr des Rings, dann hoben fie mit gemeinfamer Kraft. Sie hoben lang und fchoben; - der Stein blieb unverrüdt: Die Schwere Laft zu heben mar Zwölfen nun miſsglückt. Da ſchwang aus Rispas Sattel ſich Heim der ftarte Mann, Er ſprach: „So muß ich felber wohl verſuchen ob ichs kann. „Was Edart vermochte, vielleicht gelingt® auch mir: Man fagt, id hätte Stärke für andrer Rieſen vier.“ Da griff er nach dem Ringe und zog empor mit Madıt: Wie bald aus dem Gefchränfe hatt er den Dediftein gebracht!
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328 Da zeigte fih die Stiege, die führte tief hinab, Wo es ftille war und bunfel wie das verfchiwiegne Grab. Eie muften Späne zünden aus harzger Yöhre Kien: Das Gut war unermeßlih, das da die Flamme beſchien. Des altgemünzten Goldes, des rotben, einen Berg Mie Elberich ihn hatte mit Goldemar dem Zwerg, Des Silberd große Haufen, Kleinode mancdherlei Sand Heim im Burlenberge, viel edler Steine dabei. Den Nothpfennig hatte den Harlungen gejpart Haches Sohn und fpäter ein andrer Edart. Wittichs Stiefföhnen kam es doch nicht zu Gut, - Da Heime jebt, der gierige, damit die Mähren belub. Die Säumer giengen langjam, fie trugen fchivere Laft: Die hätt in taufend Jahren ein Schlemmer nicht verprafst. Sie feuchten reifemüde wohl unterivegd und matt Eh fie Bologna fanden, die zinnenglänzende Stabt. Da barg feine Schätze Brunhildens Schaffner Sohn; Den zmölf Gefährten gab er ihr reichlich Theil davon. Sie hattens ihm zu beblen gelobt mit theuerm Eid; Auch hielten fie'3 verjchtwiegen ; ex felbft verrieth es nach der Zeit. Nun thut das Abenteuer uns andre Dinge fund, , Denn vielfach tönt und heute der Sage goldner Mund. Die Märe brachte Hache Wittichen feinem Herrn Und Edarts legte Grüße dem jungen König von Bern.
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329 Wohl dacht er unterweges: „Der Berner tft ein Held, Beßern weiß man nimmer noch kühnern in der Welt. Er wird an Sibich rächen der lieben Freunde Tod; Bor Dem fol ih ihn warnen, denn Edart wuſt ihn bedroht. „Ich hab oft hören jagen, hebt er zu zümen an, So iſt auf Erden Niemand, der ihn beftehen Tann. Das Zümen wird, das Schreden bei meiner Märe groß Von Edarts jähem Falle und von der Harlungen Loop.“ Gr fand e3 gar viel anders in Bern ala er gedacht. Herr Dietmar war gejtorben; der Erbe feiner Macht In maßlos Leid verfunten um Frau Gotlindens Tod, AU anderm Leibe fühllos und aller übrigen Noth. Der Bote ſprach: „Und wenn dich der Bettern Tod nicht rührt, Edarten du die Thräne nicht zollft, die ihm gebührt, Eo denke deiner felber; vor Sibichs Berrath Rieth Edart dich zu hüten, eh ihm der Tod war genaht.“ „Wie ſoll ich mich behüten vor ihm?“ ſprach Dieterich: „Wüſt ich es anzuftellen, ich thät es ficherlich. Sch konnte mich nicht [hüten vor eines Elfen Lift; Der Menſch ift noch fchlimmer, wenn er der Güte vergißt. „sch muß es fill erwarten mas mir gejcheben foll; Mas Tünftig mein noch harre, mein Leid war lange voll. Dem Schmerz doc unverzehrbar ift meiner Knochen Mark: Gotlinde ftarb, ich lebe und bin gefund noch und ftarf.
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330 „Dein Vater ift gefallen; fein Tob wär neidensivertb, Hätt er jo ſchön zu fterben die Mündel auch gelehrt! Am dürren Afte biengen fie gleihiwohl ohne Schmach, Da der Schande Werthes der Knaben Keiner verbrach.“ Die Rede hörte Hache und-Ichättelte das Haupt: Daß man fo fühl hier dächte, das hätt er nicht geglaubt. Da gieng er hin und klagte Wittichen feinem Herrn, Wie ihn befchieven hätte der junge König von Bern. Ihm felber bracht er Kunde, die Burg fei verbrannt, Breiſach, die der Kaiſer befohlen feiner Hand; Zu eines Dorfes Hütte geflüchtet fein Gemahl, Die edle Bolfriane, der Schönheit leuchtender Stral. Wohl erſchrak da Wittih; er ſprach: „Es ift geichehn Was Edart bat, dein Bater, im Geiſt vorausgefehn. Als Ermrichs Söhne fielen, da rüt er felbit nad Rom; Mid, jandt er ber zu Dietrih, ob Der bedeute den Ohm. „Ich bat ihn, daß er ritte zu Kaifer Ermenrich Eh ganz fein Haus verbürbe der falſche Sibich. Ich fand den Berner nimmer, ich fand bier einen Traum, | Bon Dietrichs Kraft und Kühnheit einen bleichen Schatten laun „Vergebens harrt ich lange, er wird nicht beßer mehr; Mit Stunden giebt er Hoffnung, und bleibt dann wie vorhei Des Vaters Tod zu rächen, daran gedente nicht; Mit Dietrichs Hülfe, glaube mir, erfüllft du nimmer die Pflicht
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331 „Ich bleibe nicht am Hofe, es iſt ein fauler Sumpf, Man würd am Ende felber an allen Sinnen jtumpf. Schon längſt erlannt es Heime, der Ermrichs Dienfte nahm, Eine Burg mit hohen Zinnen von ihm zu Lehen belam. „Mir war die ftolge Breiſach befohlen, Harlungs Stadt, Die nun der Kaiſer felber verbrannt, vermüftet hat. Ich trage doch mit Nichten an diefem Zorn die Schuld: j JH war ihm treu, verwirkten die Neffen gleich feine Huld. — „Wolltet ihr dem Kaifer noch dienen, Wielands Sohn? So bin ich nicht gefonnen, er wägt zu übeln Lohn. Ich will in Bern verbleiben, Bei König Dietmard Kind: Er ſoll es nicht entgelten, daß er ſo inniglich minnt.“ Wittich ſprach: „Ich bleibe Dietrichen hold, Doch kann mir nicht mehr frommen fein Dienſt noch fein Sold. Er half mir jelbft zu Breifah, und wird mir ficherlich Zu anderm Zehn verhelfen, menn bier vorbeifährt Ermenrich.“ Da nun von Breiſach kehrte Herr Ermenrich gen Rom Und Dietrichs Mark berührte, da fuhr zu feinem Ohm Dietmars Sohn mit Wittih in Hildebrands Geleit. Er ward da wohl empfangen; noch dachte Niemand an Streit. Da ſprach zu dem Kaiſer von Bern der eble Held: „Bar fchweren Richtſpruch haft du in Breifadh, Herr, gefällt: Den fie an dir begangen, der Frevel war wohl groß,. Daß du fo graufam mandteft der armen Harlungen Looß.
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332 „Mir ziemt nicht dich zu fragen, warum dieß warb gethan; Ein? magft du mir wohl fagen: bat Wittich Schulb daran? Meift du ihn frei, jo trüg er den Schaden nicht mit Fug: Er that dir große Dienfte, der den Grafen Rimftein fchlug.“ Da ſprach der reiche Raifer: „Er that uns nichts zu Leib, Sein Recht ift unverfümmert auf unfre Dankbarkeit; Auch fei fein Anfehn Fünftig nicht minder denn zuvor: Iſt Breifach gleich verbronnen, das fich wider uns verſchwor, „Ich will ihm Raben geben, die faiferlide Stadt: Die mag ihm zwier erſetzen was er verloren bat.” Da ritt mit Urlaub Dietrich gen Bern: ibn bärmte nur, Daß Ermenri fo übel mit feinen Freunden verfuhr.
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333 Adıtes Abentener. Wie der Raifer Dietrichen nach Rom entbot. Zur Hirſchjagd war geritten von Rom der Kaiſer hehr: Da kam er fpät nach Haufe, die Glieder müd und fchiwer. Er fand das Mal bereitet; auch hätt es ihm gejchmedt, Doch war dem reichen Kaiſer die Tafel halb nur gedeckt. Da ſprach er zu Bedhilden: „Des bin ich ungewohnt! Seit wann wird bei Hofe das Linnen fo gefchont? Uns ftrogen alle Schreine von Töftlichem Gebild, Da ſitzt und fingt der Vogel, da fest der Hund nad) dem Wild. Dir rauſcht dazu die Spule vom Morgen bis zur Nacht, Du ftehft am Webeftuhle und lenkſt die Fäden fact: Die Theurung kommt fo balde noch in die Leinwand nicht; Auch giebts noch Tifchtücher, wenn man von Uns nicht mehr ſpricht.“ Da gab dem Kaifer Antwort die ftolge Kaiſerin: „Ich ſpar an dir das Linnen nicht ohne Fug und Sinn. Du ‚bift ein halber Kaiſer, das Reich iſt halb nur dein: Mit halbem Tifchgebede magſt bu mohl zufrieden fein.“
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334 „Wie?“ rief der Kaiſey zürnend, „mer fchmälert mir mein Recht? Wer hat an meine Krone zu taten fich erfrecht? Die Welt ift dir gehorfam, fo wird mir ſtäts gefagt: Wo nun der Gegenlaifer, der in Kampf fi) mit mir wagt?“ Da nahm ihn bei der Rechten fein herriſch Gemahl Und führt’ ihn bin geſchwinde vor eine Wand im Saal. Da hiengen viel der Schilde herab: auf Einem mar Der goldne Leu gebildet und des Reiches halber Aar. Sie ſprach: „Kennft du dieß Wappen? das ſollſt du mir geftehn: Du fiebft den golbnen Löwen bier bei dem Adler ſtehn. Dem du das verftatteft, daß er dieß Zeichen führt, Der ift dein Mitlaifer, dem gleiche Ehre gebührt.“ Hiemit ließ fie ihn ftehen und fchritt zur Thür hinaus, Der Kaifer ftand betroffen; ihn lodte nicht der Schmaus; Auch mie feine Augen bei fpäter Nacht der Schlaf. Er ſchickte gleich zu Sibih, den man zu Bette fchon traf. Der Bote ſprach: „Es hilft nicht, ihr müßt mit mir zum Herm. Er ift in großem Zorne: da wartet er nicht gern.” j Das Wort war kaum gefprochen, ein andrer Bote fprang Bom Schloße jchon und fragte: wo eilt der Marſchall fo lang? Der ſprach: „Ich werde kommen; das thut dem Kaiſer fund.“ Noch kam auf Boten Bote bis er vom Bett erftund; Und eh er war gelleidet, ftand Truchſeß und Schent Bor feiner Kammerthüre, dazu der Knecht und der Enlk.
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335 Er ließ fie alle warten mit Fleiß geraume Beit, Dann gieng er nad) dem Schloße mit fürftlichem Geleit. Da fand er Ermriden vor Unmuth bleich und fahl: Der führt ihn bin geſchwinde vor eine Wand in dem Saal. Da biengen viel der Schilde herab: auf Einem war Der golone Leu gebildet, bazu ber halbe Xar. Er ſprach: „Kennſt du dieß Wappen? Das follft bu mir geftehn: Du fiehft den goldnen Löwen bei des Reiches Adler ſtehn.“ Da ſprach der falfche Sibich, der ſich nicht Iang befann: „Bedurft' es, Mich zu fragen mas ever wißen kann? Es ift das Wappen Dietrichs: Tennt Ihr es nicht, fein Ohm? Das führt Schon lang im Edjilve der junge König von Rom.” — „Was fol uns das bedeuten, daß er dieß Zeichen führt?“ Sprach Ermenrich im Zone, „das ihm doch nicht gebührt. Ich bin fein Herr und Kaifer, mein ift der Adler ganz: Nicht eine Feder saufen laß ich aus Fittih und Schwanz. „Ber hat in Rom zum König den Knaben wohl gekrönt? Ein Ram iſts, der gar übel in meinen Obren tönt. Ich will ihn nicht mehr hören, beherzge dieß Verbot: Wo der Kaiſer waltet, da ift ein König nicht Noth.“ „Sch meid ihn euch zu Liebe,“ ſprach Sibich, „herzlich gern. Es ift doch euer Erbe ber eble Vogt von Bern. Jetzt ift er dort nur König: einft wird er hier es auch Und führt fchon jet den Namen mit Zug nach altem Gebrauch.“
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336 „Mit Fug? mit Unfug fag ih: tie haft du Brauch genannt Was nur ein Miſsbrauch wäre?" rief Ermrich zomentbrannt. „Hab ich nicht Leibeserben, wer fügt, eö bleibe fo? Und müft ich kindlos fterben, Ex wird des Erbes nicht frob. „Ex hat zu früh den Adler in feinen Schild gemalt Und mit der Königewürde von Rom zu früh gepralt. Er hätte warten follen bis ich geitorben mar, Vielleicht, daß ihm geivorden der Name wär und der Aar. „Verwirkt nun bat fie beide des, Knaben Miftethat: Bor Gericht follt ich ihn ftellen um feinen Hochverrath, Daß Henlershand zerbräche den Adler famt dem Leun: Ich bin ihm zu gnädig, fonft jollt ers bitter bereun.“ Da ſprach der falfche Sibih: „Ahr fein ihm allzuſcharf. Zwar hat mich oft verwundert wie er fo berriich darf Sn euerm Lande fchalten als wär fein Kaifer mehr. Er ift ob allen Fürſten, ob allen Königen hehr. „Ex tbeilt Herzogskronen ohn euch zu fragen aus: Dietleiben gab er Steier und Gräz, das fefte Haus; Sigftaben Nifland und Köln die alte Stadt; Sein Schwurbruder Heime Bologna empfangen hat. „Wittichen gabt ihr Raben auf feine Bitte gar, Die Stadt, die von Alters nad Rom die zweite war. Wenn er mit feinen Freunden fo Stadt um Stadt befekt, So bleibt euch nur der Schatte ber höchſten Würde zuleßt.
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337 „Was frommt euch, daß ihr König und Kaifer ſeid geriannt? Er hebt allein die Schatzung von ganz Lampartenland, Das euer Vater Amlung gewann durch euer Schwert In feinen fpäten Tagen, von des Alters Laft befchwert. „Ihr muftet es erftreiten, denn Dietmar war ein Kind; Doch ward es ihm zu Theile, man weiß wie Väter find, _ Daß Er ein Land auch hätte, der Sohn der zweiten Frau, Die doch nicht ebenbürtig ihm mar, ich weiß es genau. „Dem dritten Sohne; Harlung, ward Breiſach verliehn; Als Lehnsherrn erkannten doch noch die Kinder ihn, Und dieſe Würde ließ er dem ältſten Sohn allein; Dem war es auch beſchieden der andern Kaiſer zu ſein.“ Herr Ermenrich verſetzte: „Sie zahlten nie den Zins, Nicht Dietmar noch Harlung; das iſt gleichviel, ich bins Mir ſchuldig und der Ehre, daß ich ihn fordre jetzt Bevor mich dieſer Anabe von Amt und Würden entſetzt. „Was rätbft du nun, Marihall? Soll ich mit Heereskraft In Berns gefchleiften Mauern ihn ziehn zur Rechenſchaft, Soll ich ihn vor mich laden zu firengem Haudgericht? Wenn ih das Lebte wähle, jo kommt der Knabe mir nicht.” 2 —3 Der falſche Rath verſetzte: „Wir ſchonten Blutes viel, Wenn er geladen käme, und wären bald am Ziel. Denn traun, ſich wehren würd er, er athmet Schlacht und Krieg, Wenn ihr Gewalt gebrauchtet, und ungewiſs wär der Sieg. Simrod, bad Amelungenlied. 11. 92
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" 338 „Drum laßt ung Mittel finden wie wir ihn ohne Harm Herbeiziehn, bier zu beihten in eurer Diener Schwarm.“ „D Sibich,* rief der Kaifer, „du bit ein treuer Mann: Wohl mir, daß ich dich habe, der manch guten Rath erjann! „Laß hören, was du wieder für ſchlaue Lift erfannit.“ „Herr,“ ſprach er, „fol ich fagen wie du ihn fangen Fannit? Der Tod der Harlungen gieng ihm gar fchmerzlich nah, Er ftelt! euch drum zur Rede, da er euch jüngitbin erjab. „Nun laßt dem Thoren melden, ibr hättet es bereut Und dächtet es zu büßen; ich weiß, daß ıhn das freut. Nun giengt ihr Gott zu dienen ins Klofter auf ein Jahr, Auf dag euch Ablaß würde: das glaubt er Alles aufs Haar. „Doch daß nicht inzwiſchen verwaiſe römifch Weich, Sollt Er es zu verwalten geritten fommen gleich Mit wenigen Gefährten: ihr wüſtet Niemand mehr Bon feinen Freunden allen, der es pflegen möchte wie Er. „Das fchmeichelt dem Knaben: ich zweifle nicht, er kommt: Sp mögt ihr mit ihm fchalten tie euern Ehren frommt. Mas mag euch dann gefährden? ihr habt das Ziel erreicht Und Niemand lebt auf Erden, der eurer Macht fich vergleicht.” „Wie aber,“ frug der Kaifer, „wenn er nicht fommen will?" — Er ſprach: „Ihr heißet rüften derweil in aller Still Ein ftarleö Heer, und rufet eb ihr erfcheint vor Bern Auf Einen Tag zufammen des Landes -Fürften und Herri.
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339 „Wenn die euh Schagung zahlen am Dingtag williglich, So braucht ihr nicht in Sorgen zu ftehn vor Dieterich: Ihr mögt ihn leben laßen, wenn es euch fonft gefällt, Nur daß er fi) des Ablers und des Königsnamens enthält. „Wird euch der Zins geweigert auch von bes Landes Vogt, Den Frevel muß er büßen, wenn Ihr mit Vollskraft zogt Bor Bern feine Beite, bie ihn nicht lange ſchützt: Dann forg ih, daß ihm wenig fein Gnabeflehen mehr nüßt. „Der dann ihm Frieden auswirkt, das bin ch, ‘Herr, allein: Er fol das Land euch räumen, fo laßt ihr ihn gebeihn. Er ift doch euer Neffe- und ſchadet euch nicht mehr: Er muß das Elend bauen und unftät flüchten umber.“ „Wie ſchnell,“ rief der Kaifer, „zu gutem Rath du bift, Du goldner Mund! Gott gönne mir dein nur lange Frift! Nun thu an mir das Lebte und wähle felbft den Mann, Der unfre Botichaft werben und ben Berner berloden kann.“ Der Falſche ſprach: „Den Boten hab ich euch ſchon gewählt: Herr Ranbolt von Ancona, den ganze Treu bejeelt. Er wird und nicht verratben; er weiß auch felbft nicht viel: Uns beiden fund alleine fei der Botichaft letztes Biel.” [4
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340 Nenntes Abentener. Wie Dietrib einen Epielmann ju WVittiben jandte. Herr Randolt von Ancona ritt fonder Arg gen Bern Und brachte Brief und Siegel des Kaifers jeines Herrn. Er fprach zu Dietrihen: „Dienftliden Gruß entbeut Euch euer Oheim Ermenrich: den bat es bitter gereut, „Daß er den Harlungen ſolch ftrenger Richter mar. Nun will er Gott zu dienen ins Klofter gehn ein Jahr Und Buße thun um Ablaß. Daß aber römiſch Reich Derweil nicht verwaife, fo follt ihr mir folgen gleich „Mit wenigen Gefährten; er weiß ſich dort noch bier Bon feinen Freunden Keinen, ders pflegen mag wie br. So will er Reich und Krone zumal euch vertraun: Mit Diether euerm Bruder hofft er euch bald in Rom zu ſchaun. Als Dietrich das erhörte, von Herzen freut‘ er ſich, Daß feine Schuld gedächte zu büßen Ermenrid). . Er war gar hold dem Boten, der Botschaft auch nicht gram: „Run rube dich und rafte bis ich der Freunde Rath vernabm.”
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341 Er fagt’ es Hilbranden und Haden, Edarts Sohn. Da fihüttelte der Alte das Haupt und fprach mit Hohn: „Run wirft du bald zum Kaiſer gekrönt: ich wünſche Glück! Geht Ermenridy ind Klofter, er kommt fo ſchnell nicht zurüd, „Wenn er die Sünden alle foll büßen, tie er that: . An beiden Harlungen den meudjelnden Verrath, Swanhilds zerftüdte Glieder, vier lieber Söhne Mord. Er büßt e3 nicht auf Erden: in der Hölle büß er dort. „Wenn du nach Rom willft fahren, jo nimm Mich nicht mit dir: Du haft da Sibichen, fo bleib ich füglich bier. Der weiß fo gut zu.ratben, daß es ein Wunder ift; Wenn er nur Meines Hauptes in feinen Räthen vergißt!“ Der Berner Sprach: „Du ließeit mich doch allein nicht hin: Du thuft nur mwiderhaarig; doch milder iſt dein Sinn. Und fürdhteft du im Ernfte für mi in Rom Gefahr, Ich ſehne nach Gefahren mich fchon ins andere Jahr.“ „Herr,“ jprach der junge Hache, „gedenkt was Edart ſprach, Mein Bater, eb im Zorne fein Herz verblutend brad). Bor Sibich euch zu warnen gebot er mir im Tob: Nun laßt euch nicht umgarnen: es ift Verrath, der euch droht! „Glaubt nicht den fchönen Worten: kämt ihr nad Rom, br fändet nicht ind Klofter gegangen euern Ohm: Ber Häſchern und bei Henkern ſäht ihr den Würger ftehn, Und tie euern Bettern geſchah, fo würd Euch geichehn.“ v
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342 „Ihr ſchildert mir den Oheim,“ ſprach Dietrich, „allzuſchlimm. Ich kannt ihn immer gütig: wie wär er jetzt ſo grimm? Wenn man ihn nicht erzürnte, fo blickt er wie ein Kind: Was that ich ihm zu Leibe, daß er mir feind wär gefinnt? „Der Zorn hat ihn zum Böſen und Sibichs Rath verlodt. Das muß ihn jeßt gereuen, ich glaub ihn nicht verftodt. WIN ers im Mlofter büßen, ich helf ihm dazu gern; Er wär ein Scheufal, bliebe feinem Herzen Reue fern.“ „Vielleicht ift der Kaiſer,“ ſprach Hache, „nicht fo hart; Bor Sibich hieß euch warnen mein Bater Edart. Dem war in die Zulunft jchon oft gegönnt zu ſchaun; Mas er im Tod vorausſah, dem dürft ihr ſicher vertraun. „Run rennt fo unbefonnen dem Tod nicht in den Schlund, Fragt Freunde, fragt Gefellen: getreu ift Freundesmund. Ob Sibich fer zu trauen, und Ermrich euerm Ohm, Das fragt, die beide kennen und der Dinge Stand in Rom.” — „Gern ließ’ ih Wittich fragen: ich weiß, daß er mich liebt: Er bat von Allem Kunde mas fi in Rom begiebt. Willſt Du die Botichaft werben, Hache, Edarts Sohn? Es foll dich nicht gereuen, mit Schilden meß ich den Lohn.“ „Auf Lohn wollt ich verzichten,” ſprach Hache, Edarts Kind, „Nur forg ich, ift mir Wielands Sohn nicht mehr jo hold gefinnt. Ich ftand in feinen Dienften, ſteh nun in Eurer Pflicht: Schickt den entlaufnen Diener, wenn ihr Beſcheid wollt, ihm nicht." —
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313 „Sp will ich gehn und ſuchen wer diefe Reife thut.“ Da gieng er durch die Hallen mit grambefchtwertem Muth. Noch ſchwebt' ihm vor den Sinnen Gotlind die füße Maid. Da hört’ er einen Spielmann, der fang von Lieb und von Leid. Dietrich ftand und lauſchte dem innigen Spiel; Und fäng er tauſend Jahre, das deucht' ihn nicht zuviel. Wort und Weile Hangen ibm wie aus eigner Bruft : Warum er am gegangen, da3 mar ihm nicht mehr bewuſt. Er ſprach: „Du folljt mir dichten ein Lieb von berber Bein: Dein Glüd iſt geftorben, du bift vermwaift, allein. Du Tannft von Leid umfangen nichts denken und nicht? thun: Du haft auch kein Verlangen als in der Erde zu ruhn. „Daß du geboren wurdeſt, das muß dich fehr gereun, Du Fannft nichts mehr fürchten, bu kannſt dich nicht mehr freun. Was je dich herrlich dauchte, Holpfelig von Geftalt, Was ftäts von allen Wünſchen für den höchſten Wunfch dir galt, — „Das lockt, das reizt dich nimmer und würd es heute wahr. Solch Lied ſollſt du mir finden und ſingen immerdar.“ Der Spielmann ſprach: „Ich will es verſuchen heute noch: Kann ich euch ſonſt nicht dienen? Da ſprach der Berner: „Ja doch! „Du ſollſt nach Raben reiten, vergaß ich es doch ſchier, Und Wittichen fragen, wozu er rathe mir. Nah Rom hat mich beſchieden mein Ohm, der Kaiſer hehr: Randolt von Ancona kam als fein Bote hieher.
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314 " „Er will ins Klofter gehen zu büßen feine Schule. Nun möcht ich gerne wien ob ich in feiner Hulb, Ob mid von Sibichs Räthen vielleicht Gefahr bedroht: Er bat von Allem Kunde und ſchickt mich nicht in den Tod. „Nimm diefe goldnen Spangen und bring mir Kunde bald.“ Der Bote ſprach: „Ich reite: das ift Fein Aufenthalt. Ich mag euch unterweges wohl finnen auf das Lieb; Ich bring es mit der Kunde fobald mich Wittich beſchied. „Steht mir ein Roſs gefattelt fchon draußen vor dem Schloß?“ Er ſprach: „Nicht Doch, ich dachte, du hätteſt felbjt ein Roſs. „Es wurde,” ſprach der Spielmann, „mir nimmer noch fo gut.“ „So laß ich dir eins geben.” Da ward der Spielmann wohlgemuth Bald trabt' er aus dem Schloße und fang aus voller Bruft: Sol edles Roſs zu reiten, das war ihm eine Luft. Er kam jo bald nicht wieder: fie harrten lange Zeit; Randolt von Ancona begehrte täglich Beſcheid. Er konnt ihm doch nicht werben big jener Bote Fam. Einft gieng mit Hilbebranden der Held in feinem Gram Durch die gewölbten Hallen: da fcholl in fein Ohr Des Spielmanns Stimme wieder, den er zum Boten erkor. Er folgte dem Gejange und trat in ein Gemad: Da ſaß der fchnelle Bote und fann dem Liebe nad). „Bift du zurüd? wir harrten mit Schmerzen dein fo lang: Mas bringft du uns für Kunde mie dir in Raben gelang?“ —
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345 „Das Lied war noch nicht fertig: man kann von tiefem Schmerz Auf edelm Roſs nicht fingen: mir jubelte das Herz, Wenn es mich trug in Sprüngen durch reifer Saaten Pracht. Wollt ihr es jetzo hören? ich hab es eben erdacht.“
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346 BZehntes Abentener. Wie Wittih ein Beifpiel erzählte Da ſprach der alte Hildebrand: „Undank hab dir dafür, Daß du uns warten ließeft mit großer Ungebühr Eines Lieded wegen: was dir für Kunde warb Sag endlih an, in Raben: Bier ift zu lange geharrt.“ „Was follt ih in Raben?” hub ber Spielmann an. „Wohl Iuftig war das Traben, doc ganz umfonft gethan. : Da ließ euch nichts entbieten Wittich, der Held erwählt, Als ein altes Beifpiel, das man den lindern erzählt.“ — „Und trafft du ihn alleine?" — „Nicht doch, in feinem Saal Saßen viel der Helden; ich weiß nicht ihre Zahl. Er ſprach: „Es ift nicht billig, daß ihr die Reife thut: Ich fand in Dietrichs Dienften: da rieth ich ihm immer gut. „Er felbft hat mich gegeben dem Kaifer Exrmenrich; Es war doch wohl zu fchaffen in Seinem Land für mid. Nun ich dem Kaifer diene, hat fi das Blatt gewandt; Ich darf ihm nicht mehr ratben: Verräther würd ich genannt.
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347 „Doch werb ich erzählen ein Beifpiel über Tifch: Magft du das behalten und hinterbringen frifch, So fchafft es deinem Herren an Leib und Gut Gewinn, Wenn erö verftebt zu merlen und zu thun nad) feinem Sinn. „Da fagt’ er überm Male das Beifpiel, wie der Hirſch Verlockt ward von dem Fuchſe. Des ward ich unwirſch, Denn bundertmal erzählt‘ ed vie Mutter mir ſchon früb: Nah Raben drum zu traben fchien mir vergeblide Müh. „Run gebe,“ ſprach der Spielmann, „ihm Gott ein übel Jahr. Wollt ihr das Lied jet hören?” — „Das Lied, warum nicht gar!” Rief der gute Meifter: „das Beiſpiel tbu uns kund, Das Wittich erzählte: es hatte ficher guten Grund.” — Will es Herr Dietrich hören, aud das erzähl ich gern;' Doc ſchien an dem Liede gelegen mehr dem Herrn. Es geichah in den deutſſhen Wäldern, fo hat der Held erzählt, Daß Bögeln und Thieren einft ein König warb erwählt. Da koren fie den Bären und fetten ihm auf? Haupt Der Goldkrone Schimmer mit grünem Reis umlaubt. _ Da eilten ihm zu buldigen ber Thiere viel herbei; Zulegt kam vor dem Male der Hirſch mit golpnem Geweih. Wie der das Knie gebogen ihm vor die Füße fiel, Sein Fleiſch erfchien dem Gaumen ein wünſchenswerthes Ziel. Als nad) dem Braten lüftern die Tate hob der Bär, Zu fpät Berrath beforgend entrang der Hirich fich ihm ſchwer.
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348 Dem Bären in den Branken ließ er der Kopfzier Wucht, Als er im Waldesdunkel ſich barg in fchneller Flucht. Der König that mit Brüllen des Herzens Unmuth kund: Er fand fich ſchwer beleidigt, daß ihm ber Bißen entftund. Da klagt' er vor den Großen ihn an um Hochberratb: Das Urtheil warb geſprochen, da Niemand ihn vertrat. Do war es zu vollitreden am Sculdgen minder leicht: Ihn trugen fehnelle Läufe dahin: wer hätt ihn erreicht? Run war am Königähofe der Fuchs ein fchlaues Thier: Den ſandt er nad) dem Flüchtling hinaus ins Walbdrevier. Da trat im Walde Reinhard den Hirſchen an und frug: „Wo blieb dein ſchmuck Gehörne? wars noch nicht ftattlich genug? „Haft du es abgemworfen, daß es fich mehr verzweigt? Es bat doch fechgehn Enden und drüber fchon gezeigt.“ Da ſprach der Hirfh: „So weiſt du nicht mas am Hof geſchab' Wie mich der Bär gefährdete? die Zierbe ließ ich ihm ba.“ Der Schlaue ſprach: „Ich hörte davon, es fällt mir ein. Du warſt zu fcheu, zu blöde, des fpotten Manche dein. Du bift des Königs Liebling, biſt feiner Augen Luft: Er wollte dich nur füllen, drüden nur an feine Bruft. „Da ſprangſt du auf und rißeft dich wild aus feinem Arm: Darüber ift der König betrübt und voller Harm. Du liegft ihm ftäts im Sinne: er ſäh dich wieder gern, Ihm ſchmeckt nicht Trank noch Speife, da du Theurer weileft fern.
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349 „Nun laß dich belehren und kehr ihm bald zurüd: ' Dein barren große Ehren, dir blüht das fchönfte Glück. Du folft im Reich ihm folgen, denn Er bleibt kinderlos. Für das Gehörn die Krone! beneiden muß ich dein Looß. „Do bift du's werth: wer hätte fo Töniglihen Wuchs?" — Da gieng der Bethörte zu Hofe mit dem Fuchs: Kaum neigt’ er fi) dem König, fo griff der grimmig zu: Zerjtüdt ward, zerrißen der arme Günftling im Ru. Da war der Fuchs nicht müßig: verftohlen aus ber Stirn, Die das Geweih getragen, fog er das ledre Hirn. Als das der König milste, da brüllt’ er laut vor Grimm. Der Fuchs war im Verdachte und fchier ergieng’ es ihm ſchlimm. Man batt es wohl gefehen, das Leugnen half ihm nicht. „D web mir,“ hebt er endlich gefoltert an und fpricht, „Wie mocht ich doch entwenden was nie der Hirſch gehabt! Mit feinem Hirne hatte den feine Mutter begabt. „Er ließ zum Exrftenmale bier fein Geweih im Stich, Und ward doch berberevet zum andern Mal durch mid). Hätt er Gehirn bejeßen, fo blieb er heute fort: Der hat fein Hirn, der Tobtfchlag nicht weiß zu meiden und Mord.“ Als dieſes Beifpiel hörte der alte Hildebrand, Da führt! er aus der Kammer den Herrn an feiner Hand. Er ſprach: „Dem blöden Sänger war biefes Beiſpiel ftumm; Ich Tann e3 dir befcheiden, weiſt Du nicht felber darum.
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330 „Du bift der Hirſch, der König ift Ermenrich dein Ohm Und Reinhart ift Sibih, , der ſchlaue Fuchs in Rom. Du liegeft in den Händen des Bären fchon ein Pfand: Das find bie Harlungen, die er hieng mit Mörberhand. „Zrügft du nach folder Warnung dem Worb den Schädel dar, Sp würde Niemand glauben, daß Hirn darunter war. Nun laß dich nicht verloden das Reich, das man bir beut, Das find nur Luderbrocken, die der Vogelfteller ftreut.” „Ih muß wohl endlich glauben,” ſprach ver Held von Bern, „Daß fie mir übel wollen; doch glaub ich es nicht gern. Was fol ich aber jagen dem Boten, der mich Iub? - Randolt von Ancona, ver ift doch bieder und gut.” — „Was brauchft du viel zu fagen? du haft zur Fahrt nicht Zat: Di halten andre Pflichten, drum liegt dir Rom zu weit. Und woll ins Klofter geben der Kaiſer Ermenridh, Des Reichs zu walten, wähl er Sibichen beßer ale dich. „Mit dem Beicheive büß ich des Boten Ungebulb; Er felbft ift, will ich glauben, an Feiner Untreu Schuld. Drum laß ihm ungetvogen dein Silber und bein Golb Auf breitem Schilde bieten: fo wird der Degen uns bolb. „Des mögen wir bebürfen vielleicht in kurzer Yrift, Daß uns in Ermrichs Dienften noch Wer gewogen ift. Der die ihm bat gerathen, läßt es bewenden nicht: Wir hören neue Mären noch vor dem wechſelnden Licht.“
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351 Der Bote ward befchieven; ob er pas Gut nicht nahm, Zu reich war folder Gabe der Degen lobejam, Es freut’ ihn doch zu fchauen, daß man es bot fo gern. Mit Freuden nahm er Urlaub und ritt zurüd zu dem Herrn. Als Sibich das erhörte, ihm that es Ermrich fund, Daß fich der Berner weigte, er ſprach aus falichem Mund: „So ift gewarnt der Degen; er weiß ſich auch nicht frei: Hätt er ein gut Gewiſſen, er käme ficher herbei. „Du ſiehſt nun, reicher Kaifer, was er im Schilde führt: Er nimmt dir Reich und Krone, wenn ſich dein Zorn nicht rührt. Nun laß dich nicht verftoßen und thu mie ich dir rieth: Dein Heer fteht unterm Banner: rüd ihm ins eigne Gebiet. „Erit aber fende Reinald, den Ritter auserfannt, Und ſechzig Degen mit ihm gen Lampartenland Und laß die Schagung beifchen: vermeigert man fie nicht, So haft du Heine Sorge: wer aber dawider fpricht, „Ob Dietrih, ob ein andrer den Ungehorjam wagt, Der ift ein Empörer und hat bir mwiberfagt. Iſts Der von Bern, fo frommt ihm Berftellung nicht mehr. Er muß das Land dir räumen und deinem mächtigen Heer.” Ermenrich dem Kaifer gefiel des Marſchalls Rath; Reinald wars von Mailand, der ihm die Botichaft that. Er diente jetzt dem Kaiſer, ſeit Hildebrand ihn fchlug, Der vor dem Kampf mit Wittih in Bern die Kammerfchlüßel trug. —
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. 352 Eilftes Adentener. Mie Samſon Schön Hildeſchwid entführte. Nun flogen neue Mären daher. von Land zu Land: Die Schagung zu begehren ſei Reinald ausgefandt Mit jechzig Genoßen von Kaifer Ermenrid). Das war noch nie gefchehen: alle daucht es wunderlich. Die ftolzen Boten fuhren von Stadt zu Stadt einher Someit dem Berner diente das Land von Meer zu Meer, Und luden zur VBerfammlung die Landesmänner ein: Am achten Tag in Garten, da follte das Landgeding jein. Da follt ein Jeder rathen, alt ober jung, Wie fie gewähren möchten des Kaiſers Forderung. Bon allen Städten mieben fie nur das Eine Bern; Doc rietb zum Ding zu fahren Meifter Hildebrand dem Herm. „Und zahl ich dem Kaiſer den Zins, den er begehrt?“ Da ſprach der gute Meifter: „So wärft du fcheltensiwertb. Es ift ein freies Erbe, das bir dein Bater ließ Und Diethern, deinem Bruder, und frei bewahre du dieß.“
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353 Da ſprach von Bern Herr Dietrich: „Iſt denn mein Recht fo klar? Er heit doch Oberlönig, beißt Kaiſer fogar.“ Der Meifter ſprach: „Ja Kaiſer läßt er fich fchelten jet; Er bat die Kaiſerkrone ſich ſelber aufs Haupt geſetzt „Nachdem er Rom bezwungen, die kaiſerliche Stadt, Und Raben auch, das Wittich von ihm zu Lehen hat. Doch ſollſt du nicht beſtreiten, daß er dein Kaiſer iſt, Den Zins nur, den ſich Sibich von dir zu heiſchen vermißt. „Kein Lehn der Kaiſerkrone war deines Vaters Reich. Zwiſchen beiden Söhnen theilte Amlung gleich; Nur Harlung deinem Oheim, dem Sohn der dritten Frau, Die ihm nicht ebenbürtig, gab er den einzelnen Gau.“ — „Trug denn des Reiches Krone nicht Amlung auch, mein Ahn? Und war ihm Lamparten, das Land nicht unterthan?“ „Zum Kaiſer bracht ers nimmer,“ ſprach Frau Utens Mann, „Auch nicht als er im Alter noch dieſe Lande gewann. „Erſt hatt er nur beſeßen Apulien und Salern, Ja in der Jugend dient' er viel einem kleinern Herrn Als ein geringer Ritter, Samſon genannt, Bis er den Herzog Rüdiger und König Brunſtein überwand.“ — „Nun machſt du gar mich irre: ich hörte doch davon, Er war Wolfdietrichs Enkel und ſelbſt ein Königsſohn. Wir leiten ja von Wodan unſer hoch Geſchlecht, Denn als Hugdietrich zeugt' er den alten Gaut, vernahm ichs recht.“ — Simrock, dad Amelungenlied. 11. 2
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354 Du haſt fchon recht vernommen; nur fei nicht ahnenſtolz Uns ſchnitzte Wodan alle zulegt aus Eſchenholz. Wolfdietrich, hundertjährig, jener alte Gaut, Ließ der Söhne zweie; das ward dir auch wohl vertraut. Drtnit und Herder (der iſts von dem ihr ftammt), Gegen Wiling fchlugen fie eine Schlacht gefämt, Als der erichien zu zivingen das weite Oftenreich, Dem ſchon die Wilzen dienten, die wilden Preußen zugleid). DOrtnit ward bezwungen, bein Urahn Herder fiel: Des Dftend Unterwerfung war dieſes Krieges Biel. Im Weftenreich erwuchſen zwei Knaben wonniglich, Des gefallnen Herder Söhne, Amelung und Amelrich. Als ihre Mannen hörten, Herder ſei tobt, Drinit bewältigt und feine Sorge Noth, Da wollten fie den Waifen nicht mehr gehorfum fein, Und festen fi) zu Königen, zu Fürſten felber ſich ein. Brunftein nahm Neapel und Rüdiger Ealern, Venedig nahm Elfe, ein Baiernfürft, und Bern; Rom und Raben wurden tie vor Alters frei: Die riefen keinen Yürften, ihr Gut zu fchaten, herbei. Die zivei vertriebnen Knaben, enterbt, der Hülfe bar, Berfuchten aufzutaudhen im Elend manches Jahr: In Spanien gelang es dem jüngften noch zuletzt Eine Herfchaft zu erwerben; die ift ein Slönigreich jegt.
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355 Bon Amelrih auf Alpfer, vom Bater auf den Sohn, Bon Alpker fams auf Walther, ber Eheln ift entflohn. Du fahft den handftarten in Rom, es ift nicht lang, Als ihn in Waffenfpielen der milde Dietleib bezwang. Der ältere blieb der Knaben verjchollen lange Zeit: Doch fund noch ward fein Namen in deutichen Landen weit. Ber Rüdigern, dem Herzog, nahm Dienft ein Rittersmann, Samfon gehbeißen, der große Ehre gewann. Er war vor andern Degn an Muth und Stärke reich, Den Kühnften überlegen; an Wuchs wohl Riefen gleich, Kürzer nur von Beinen, an Füßen nicht fo did‘, Doc ihnen gleih an Kräften, fie ungleich ihm an Geſchick. Auch glich Menichenkindern fein breites Antlitz kaum, Zwiſchen feinen Augen zwei Zoll breit war ber Raum. Schwarze Brauen fihmebten ihm wie ein Rabenpaar Ob dunkeln Augenfternen, er war auch dunkel von Haar, Und braun von Angefichte, dabei der ſchmuckſte Mann, Dem auch edle Bildung der Frauen Gunft gewann. ie breit feine Brüfte, die Schultern wie ſtark, Wie hart und derb bie Arme, die Knochen voll Kraft und Mark, Doc war er weich von Fingern, von Händen wohlgeſtalt, Schwank um die Mitte und breißig Winter alt. Auch ſah man ihn behende zu aller Ritterſchaft Und ſiegreich in den Waffen mehr noch durch Uebung als Kraft.
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356 Er war wenn er nicht zürnte der Güte Spiegelbilb, Den Reichen gefällig, ben Armen gab er milb; Kein Mann war jo geringe, dem er Verachtung bot, Denn weile war er, bieber, und dacht im Glüde der Noth. Den Freunden war fein Beiftand bereit immerbar: Da ſchont' er nicht des Gutes, da ſcheut' er nicht Gefahr. E3 mar aud) fo vermogen der ftseitbare Held, Ob Ueberzahl ihn drängte, doch räumt’ er nimmer das Feld: ‘hm ward zulett im Streite doch noch der Sieg zu Theil. Man durft ihm vertrauen: er war dem Gold nicht feil, Der Bitte noch dem Schmeicheln; ein Fels war fein Wort, Dem Sturm unbeweglih, die Welle fpült’ es nicht fort. Gutes oder Böſes, was er je verbieß, Das Große wie das Kleine, es ward vollbracht, er ließ Bon feinem Leben eher. Drum war er Freunden werth, Den Gegnern gefürchtet, den Feinden ein jcharfes Schwert. Doch was zum Ruhm des Helden mehr als dieß Alles jprict, Das hört ich von ihm melden und bu vergiß es nicht: Er mochte fi) nicht rühmen tie viel er aud vollbracht, Und wenn ihn Andre priefen, er nahm es felten in Adht. Eins lag ihm viel im Sinne, das war Schön Hildeſchwid, Rüdiger Tochter, zu der das Herz ibm rieth. Da wollt er fie erwerben ohn alle Hülf allein Und wollt ein König werben, der Jungfrau würdig zu fein.
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397 Einft jandt ihn der Herzog, er war der Tochter hold, Zu ihr mit zwei Gerichten auf Schüßeln von Gold. Der Ritter nahm die Schüßeln und gieng unverwandt Zu der Schönen Schloße; fein Knappe gieng ihm zur Sand, Da fprad er zu dem Knappen; „Nun nimm mein gutes Roſs Und alle meine Waffen und halte vor dem Schloß Bi ich herunter fomme. Am Thore Hopft’ er an: Der Wächter hört' es drinnen: wie balb warb ihm aufgethan! Ins Schloß trat der Ritter und ftieg mit ftolgem Sinn Hinauf zum höchſten Thurme: die junge Herzogin War da mit den Gefpielen gefeßen überm Mal: Da wünſcht' er Heil der Schönen und ihren rauen zumal. Er wurde wohl empfangen; ihn bat die fchöne Maid, Daß er mit ihr äße: das that er ohne Streit. Er faß zu ihrer Linken und ſprach mit ihr allein; Er brauchte nur zu winken: fie, fagte Ja und nimmer Nein. Das Mal war zu Ende, auf fand die Schöne frob, Nahm ihre Ring und Spangen und fprach vor Allen fo: „Hier ift nun Ritter Samfon gelommen in dieß Schloß, Der zu Troß euch Allen mich zu entführen beichloß. „Wer will es aber wehren? denn ob gewappnet hier Auch hundert Ritter wären, er führe doch mit mir Wohin er felber wollte. Und fteht es gleich nicht fein Auf und davon zu geben mit einem Mann fo allein,
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358 „Sp mag ichs doch nicht weigern. Wenn ihr mir Gutes gönnt, So hehlt meinem Vater die That fo lang ihr könnt. Denn kämen fie zufammen, die zwei, auf offnem Feld, So ift Ritter Samjon ein fo gewaltiger Held, , „Eh er den Vorſatz ließe und die entführte Braut, Zerbrochen würden Schilde und Helme viel® gefchaut, Viel Panzer müft ich blutig und hauptlos manden Mann Vom Sattel ftürzen fehen: das meib ich gern, wenn ich Tann." Da bob Ritter Samfon die Braut auf den Arm Und trug fie aus dem Schloße; fie jchieden ohne Harm. Mit Händeringen folgten die Frauen bis zum Thor: Schon hielt der treue Knappe mit ziveien Roſſen davor. Das Eine war gejattelt; das andre trug das Gut. In jein Gewappen fehlüpfte der Ritter wohlgemuth, Sprang in den Sattel und bob fie auf den Schoof: Das Roſs ließ er gehen: feine Furcht war nicht groß. Er ritt vom Schloße langjam und fonder Aufenthalt. Da kamen fie am Abend in einen tiefen Wald, Der öde war und ftile und reich an Moos und Kraut: | Auch hätt er ſanft geichlafen im Schooß ber herrlichen Braut: Er fand es doch geraten am Morgen fih ein Haus | Zu bauen und der Schönen. Da fucht’ er Eichen aus, Uralte, himmelhohe; wohl braucht es manden Schlag Dis fie zuſammenkrachten; doch ftand am fiebenten Tag
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359 Das Waldhaus gegimmert den glüdlichen Zwei. Derweil vernahm ber Herzog, Schön Hilſwide fei Entführt und Samfon habe die frevle That vollbracht: Das fchuf ihm großen Kummer und mande qualoolle Nadıt. Kein Auge mocht er fchließen vor Zorn und Racheluft: Wo er den Räuber fände, das, war ihm unbemwuft; Dod nahm er feine Habe und macht' ihn vogelfrei. Als Samjon das erhörte, daß er recht: und friedlos jei, Da brady er aus den Wäldern in feines Schwähers Land, Schlug Menſch und Vieh und heerte mit Raub und mit Brand. Am Abend, da er heimritt in feinen ftillen Tann, j Da kam mit ſechzig Nittern der Herzog und ritt ihn an. Ich will es nicht längen, es würde bir zuviel: Zap michs zufammen drängen von ihrem Waffenipiel. Es konnte fi wohl wehren Den man den Samfon bieh. Schon lagen Drei am Boden, die feine Waffe durchſtieß, Da fchlug er nach dem Herzog jelber einen Streich, Der Helm und Harniſch fpaltete, des Pferdes Haupt zugleich, Daß todt zur Erbe fielen der Neiter und das Roſs. Da hätte ſich wohl Mander zurüdgejehnt nach dem Schloß, Doc trieb fie Scham zu rächen. des Herrn vermeßnen Mord. Da fette ſolches Morden Samfon an Ihnen fort Und jchlug noch dreimal Biere. Die Seuche warb im Heer: Wen fie beim Schopfe faßte, den kuſsſsten Frauen nicht mehr.
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360 Schon ſah man Zweie fliehen; das ward auch eine Sucht Anftedend wie ein Fieber: kaum fahen ihre Flucht Die nädjiten, jo ergriff fie der Rettungsſchwindel auch: Zu traben und zu rennen, das warb ein gemeiner Braud). Niemand wollte gerne der Lebte fein, doch war Stolz auf feine Marfhallichaft „der Vorberfte der Schar. Da hatte Samfon unweit in feiner Liebiten Arm; Doc eher war zu Haufe der Ritter flüchtiger Schwarm. Da brachten fie die Kunde von Rüdigers Tod, Dem Fall der funfzehn Ritter und ihrer eignen Notb. Da war nun große Klage, daß hauptlos fl Sale; Doch ohne Suchen findet man einen Fürften und Herrn. Defielben Tags kam Brunitein, der Rüdgers Bruder war Und Herzog in Neapel, herbei mit feiner Schar. Dem wuchſen nun die Schwingen als er dieß Erbe nahm: Er wollte König beißen und fo befchwichtgen den ram. Run batt in feinem Reihe der Rönig einen Mann, Der kam nicht ihm zu buldigen hervor aus feinem Tann; Zu fengen und zu brennen fiel er wohl oft heraus, Das war Ritter Samfon: der Eine Mann ſchuf ihm Graus. Da nahm er Ritter hundert und fuhr in den Wald; Doc konnt er nicht erfunden des Ritters Aufenthalt. Die Radıt kam unverfehene: da zog er in ein Schloß, Das er im Walde mufte und das ſich gern ihm erfchloß,
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361 Und nahm da Herberge. Sie fchliefen alle jacht, Die Wächter auch nicht minder, da kam um Mitternacht Samfon der Ritter ganz allein dahin. Die Burg mar zu, er hörte die Leute fchnarchen darin. Was follt er nun beginnen? dieß fchien ihm allerbeft: Er fprang vom Roſs und band es an einer Hütte feit, Wo arme Leute wohnten: die faßen mohlgemuth Nach Tageslaft und brieten fi Kaftanien in der Gluth. Da nahm er ſich Feuer und legt’ es an ein Haus: Bald fchlug es ungeheuer zum Strohdach hinaus, Eh das die Wächter weckte, hatt er noch volle Zeit, Er zog aus dem Brande hervor ein glühendes Scheit Und warf ed nad) dem Schloße: dem brannte bald das Dad Und krachend ftürzten Ballen. Die Wächter wurden mad Und ftießen in die Hörner: auch riefen fie, der Feind Sei in die Burg gebroden; das hätt ein Tauber gemeint, So toll ward das Getöfe. Denn von dem Schall erweckt Griff Jeder nad) den Waffen und ftieß, die ihn erfchredt, Mit in die Lärmpofaune. Der König hört’ ed auch Aus feinem Traum von Größe gejchredt von Feuer und Rauch, Sprang auf und rief den Knechten; doch Niemand gab Beicheid. Da mappnet’ er ſich felber und fuhr ins Eiſenkleid. Er fand im Volksgewühle die Ritter dünn gejät; Mit Müh hatt er endlich fich fünf Begleiter erfpäht.
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: 362 Die. führt’ er vor die Veſte und weiter in den Tann; Sie fuchten nad den Feinden und trafen Riemand an. Da mähnt’ er fie geflohen vor feiner Heinen Schar Und ritt im Walde weiter bis er verirrt darin mar. Nun ward es in den Mauern den Andern auch zu warn; Aus diefem Thor und jenem hervor brach Schwarm auf Schwarm. Den Feind zu ſuchen, hieß ed, den Manchen doch gar jehr Berlangte, nicht zu finden: es war ein mächtiges Heer Gewiſs, ein Häuflein hätte den Angriff nicht geivagt, Noch in jo großen Schreden fo manchen Mann gejagt. Und recht ertvogen waren es wohl der Heere drei, Denn dort und hier erfchallte und auch drüben Kriegsgeſchrei Und Heerhörner bliefen mit graunvollem Klang, Als eine Schar der andern erjchroden näher drang. Sie hatten ſich doch jelber die meifte Furcht gemadht: Bon ihrem eignen Lärmen erſcholl die gräſsliche Nacht. Als fie fih näher famen, fie waren all erfchredt: Drei Heeren zu begegnen, wer hätte ſichs erkeckt! Da flohen fie, die Einen zu Roſs, dag befte Look, Zu Fuß die andern; jener gefleivet, dieſer Eleiberlos; Die Einen flohn gewaffnet, das war doch Ueberfluß, Die andern ohne Waffen; die reut ed noch am Schluß, Als fluchtge Schar entgegen ſich ftlitzte flüchtger Schan Und Freund den Freund mit Schlägen empfieng, jo lieb er ihm maı.
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363 Die da den Tod nicht fanden, die lehrte Sterben bald Samfon der Nitter aus feinem Hinterhalt. Der ftieß auf die Verfprengten jeht bier und jetzo bort Und übte bis zum Morgen im Feld den fchiwertgrimmen Mord.
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364 Zwölftes Abentener. Wie Brunftein fiel und Amelung König wart. Selbſechſter unterdeflen ritt Brunftein durch den Wald Und fand den Yeind nirgend, dem all fein Suchen galt. Schon dacht er umgulehren, da kam er an ein Haus: Eine Frau ftand an der Thüre und Iugt’ in den Wald binau Er ſah ihr ins Antlig beim erften Tagesgraun: Da glaubt’ er betroffen Schön Hildeſwid zu ſchaun, Seine? Bruders Tochter, die Samfon hatt entführt; | Ihm fiel nicht ein, der wär es, der heut den Brand ihm gefcir:
„Wie kommſt du,“ frug er wundernd, „hieher an diefen In’ Wo ift dein Entführer? und mwilft du mit und fort?“ Da ſprach fie zu dem Oheim: „Herr, unfre Herberg ift In diefem Heinen Haufe, das wenig Schritte nur mißt, „Doh Raum hat für und beide. Bei Anbrud der Nacht Iſt Samfon fortgeritten; er fagte zwar, zur Jagd, Doch ift es nicht zu glauben; marb Euch nicht fund der Sl: So kann ich nicht erdenken mas ihn fo lange verhält.
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365 „Run aber laß Mich fragen: mo kommt ihr ber fo früh? Denn eben will es tagen; es braucht viel Zeit und Müh Durch diefen Wald zu reiten, er ift gar tief umd dicht: Es geht nach allen Seiten ein Tag dazu, wie Samfon ſpricht.“ Da ſprach König Brunftein: „Ex log daran nicht viel; Aud ritten wir geften bis an des Tages Ziel. Da bot uns Herbergen ein nahes Schloß zu Nadıt, Und eher nicht vom Schlafe find unfre Wächter erwacht „Bis alle Häufer brannten und rings die Nacht ericholl Bon Waffenllang und Hörnern; und geftern zählt ich voll Die Hundertzahl der Mannen, beut aber blieben mir, Da wir zu Pferde fprangen, nur dieje fünf Ritter bier. „Wir wißen nicht, von wannen der Ueberfall ung kam.“ Da ſprach die Grau: „Ich weiß e8, und nicht mehr wunderſam Iſt jeht mir Samſons Weilen: Er hat dein Schloß verbrannt, Die Mannen bir erfhlagen und dich zu Walde gefanbt.” % Da ſprach König Brunftein: „Fürwahr, du bift nicht Hug! Wie thöricht, zu wähnen, Ein Mann wär genug Auf einmal hundert Hörner zu blafen und ein Schloß In Brand zu fteden, wäre ber Mann auch Riefen Genof. „Run aber geh und hole Gewand und Schmud heraus: Du follft nun mit ung fahren in deines Vaters Haus. Hier warſt du fchon zu lange, zu großer Schande dr - Und deinen Blutsfreunden.” Sie ſprach: „Für dießmal bleib ich bier.
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„Ich weiß, ihr findet Andres zu thun in kurzer Frift: Blickt um, und fteht zuvörderſt Ihm, der gelommen ift Mit euch zu fpredden, Rebe.” Der König ſchaut umber: Da ritt aus dem Walde Ritter Samfon groß und bebr. Vom Morgenftral beglommen ſah er wohl Göttern gleich. Sie ritten ihm entgegen: da fuhr ein jäher Streich Als ſchwänge Thor den Hammer berab auf Brunfteins Hau Hin fank er wie vom Blitze gerührt, des Lebens beraubt. Noch andre Wunder wirkte derſelbe Schwertesſchwang: Er fuhr der Ritter Einem den Halsberg entlang; Den dritten rannte nieder mit feinem Sper der Helv. Als das die andern fahen, fie räumten gern ibm das Feld So hatt er nicht gewettet: den Flüchtgen ſeht' er nad) Und rubte nicht, bis Zweien nod das Gehäus zerbrach: Den lebten ließ er ziehen: mer thät es anders fund, Herr Brunftein fei erfchlagen? doch aud der Bote war mund. | | Als der doch Kunde brachte den Nittern in Salern, Wie Samfon wär begegnet dem König ihrem Her, Und wie der Beiden Zwietracht nun fo gejchlichtet fei, Sie fagten all, e& käme kein Mann auf Erben ibm bei. Nun Fam Ritter Samfon und fprach zu feinem Weib: „Es ift in diefem Walde gering der Zeitvertreib. Ich will vor meinen Yeinden nicht mehr verborgen fein: AU dieſes Land tft unfer: komm mit, wir nehmen e8 ein.“
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367 | Da fiengen fie die Roſſe der Tobten, bie im Hol; Mit Ieerem Sattel liefen und luden brauf des Golds Und Silber große Fülle, der jungen Frau Gewand, Und was von Kleinoden in ihrer Lade fih fand. Die eignen Roſſe trugen ihn und Frau Hilbefwin; Der Wald begann zu trauern, da fol ein Paäärchen fchied. Eie ritten fanft die Straße; nicht groß mar ihre Eil: Sie wuften, folgen Muthe wär die halbe Erbe feil. An eine Lichtung famen fie um den mitten Tag, Ro mande Maibuche gefällt am Boden Iag. Da fahn fie Waffen ſchimmern von ferne durch den Tann: Die trugen edle Männer und ritten herrlich heran. Der Gefährten waren zwölfe, von Wuchs wohl Helden gleich, Allgolden ihr Geräthe, die Rüftung ſchön und reich. Sie ritten hohe Rofle, die Schilde waren breit; Der Erfte fchien der Hehrſte, dem gaben eilfe Geleit. Da fra er zu der Frauen: „Wer mögen dieſe fein! Ihre Waffen glänzen fo blant im Sonnenfcein.“ Sie fpradh: „Sch ſah fie nimmer und weiß nicht wer fie find. Der Eine gleicht Fürſten und bat ein flattlih Gefind. „Ertennft du fie nicht jelber? fich dir fie an genau Und was fie Zeichen führen.” Da ſprach er zu der Frau: „Sch ſah die Herren nimmer zuvor in einem Land: Die Zeichen, die fie führen, die find mir beßer befannt.
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368 „Der ba zuborberft reitet, der führt im weißen Schil Gekönt den goldnen Leuen: daſſelbe Wappenbilv Hat Herber mein Bater vor Alters geführt Und Drtnit fein Bruder, wie mir es felber gebührt. „Den beiden nächſten jeh ich drei Wölfe golvesroth In grünem Felde laufen: nun bat es feine Noth, Daß diefe mit mir ftritten! dieſelben ebeln Herrn Sind meine Blutsfreunde: nie fah ich Gäfte fo gern.” Bald Tamen fie ſich näher: da hub der Ritter an Und frug, warum fie fümen in biefen tiefen Tann, Moher, wohin fie ritten: „und wenn e3 euch gefällt, Sp nennt mir eure Namen: es lebt fein Mann auf der Bl. Der euch gewogner wäre.” Da fpracd ihr Oberhaupt: „So nehn und erft den deinen; vielleicht wird dir geglaubt.“ Er ſprach: „Ich heiße Samfon; zwar ift mein Name nidt: Doch frage, wen du wolleſt, ex giebt dir ſolchen Bericht.“ Da ſprach zu Herders Sohne der Vorderſte der Schar: „So jet uns willlommen: uns führt noch wunderbar Das gute Glück zufanmen: denn manchen Sommertag Sind wir’ nad) dir geritten durch diefen einöden Hag, „Und dachten ſchon zu kehren; gut, daß es unterblieb: Wir haben dich gefunden, das ift ung Allen lieb. Wir hörten ferne jagen, du müfteft Fürften bier Die Schüßel dienend tragen, die Inieen follten vor dir.
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369 „Da bringen wir dir Hülfe: ſieh, dieß ift Helfereich Und HSerbrand fein Bruder: aus meines Sohnes Reich, Der Schweben hält beziwungen, ſchickt dir vie Söhne zu Berchtold der alte; ihm lieh dein Looß keine Ruh. „sh bin dein Oheim Drtnit, den Wiling einft bezwang, Als Herder fiel, dein Vater. Die Knechtſchaft währte lang; Doch find unſern Schwertern die Scharten ausgewetzt, Und Rothern, meinem Sohne, zinft das Land der Wilinge jeht. „Willſt du nun auch erfireiten was beines Vaters war, Dazu joll dir helfen der Wölfinge Schar. Bedarfft du eines Heered, das ift bir auch bereit, Sch will dir nichts verweigern mas dir Noth ift zu dem Streit. „Samfon gefcholten bat man dich lang genung: Nun laß die Welt erfahren, du beißeft Amelung.” Als das der junge König vernahm, da war er frob; Die Blutöfreunde küſſt' er und fprach zu Ortniten fo: „Du muft auch diefe küflen, fie ift mein traut Gemahl, Nũdigers Tochter, der einft mir befahl. Ich hab ihr erihlagen den Vater und ben Ohm: Das Tann ich nicht erfeken und würd ich Kaifer von Rom. ‚Gefallen ift der König von Napel und Salern: Die geben nun die Krone mohl ihrem rechten Herrn. E38 braudt nur Euer Zeugniſs, daß ch ber rechte bin, Ind Herder mich erzeugte, ſo ift der Sieg mein Gewinn.” ©Stmrod, das Amelungenlied. 11. 24
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370 Mas fol ih mehr erzählen? Es war gar bald geſchehn. Salern und Reapel, da ließ er kaum fich ſehn An feines Oheims Seite, der einft für Samſon galt, So erboten Alle willig fi in des Amelung Gewalt. Es trieb fie Furcht und Liebe: einft waren fie ihm hold; Sept hatt er ihrer Feindſchaft gezählt fo fchweren Sold Dem Herzog und dem König, den man zu Grabe trug; Dazu war er der Erbe des Landes: Grundes genug, Ihn Inieend anzufleben, er möcht ihr König fein. Ihn bat auch Schön Hildefwin; doch weigernd fprady er: „Rem, Ihr helft mir denn bezwingen Apulien das Land, Dazu auch Sieilien.“ Das gelobten fie zuhand. Da trug die Sturmfahne Herbrand, Bertholds Sproß Die Welt hatt er erfahren in Schiffen und zu Roſs. Er kannt auch alle Spraden, die man auf Erben fpricht, _ Und aller Völker Sitten: ich bin fein Sohn, doch pral ich nick. Da half ihm auch ftreiten mein Oheim Helfereuh, Der ſchlug nah allen Seiten manch ſchweren Schwerteöftreid: ch faß derweil mit Rothern vor König Melias; Sch wills nicht wiederholen, gar oft vernahmeſt bu das.
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Dreizehutes Abentener. Die Amelung den alten Elfe bezwang. Laß mich dafür erzählen von Amlungs letzter Zeit; Er war ein mädtger König; fein Reid, groß und weit. Da ſaß er eines Tages, dem fchon bie Lode blich, Auf feinem Hocfige, vor ihm ftand Ermenrich, Der Einzge feiner Söhne, den Hilſwid ihm geſchenkt. Der diente heut dem Bater; oft ward ihm eingefchenft In goldgetriebner Schale: des Weines bot er auch Den Helden all im Saale, denn alſo wollt es der Vrauch. Zu feinem Erftgebornen ſprach da Herr Amelung: „Mein Sohn, du bift erwachſen, dein Arm hat Kraft und Schwung. Ich will nicht, daß du länger ' mir bienft in diefem Saal: Du magft mir beßer dienen, wenn ich ein Land dir befahl. Zwolf ſtarke Burgen hab ih weitwärts in Spanienland, Die ich mit Amelrichen erfocht mit eigner Hand: Die will ich dir geben: es ift nur ein Beginn: Bald wird dem eignen Streben ein größer Reid zum Gewinn.
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„Ich ſelber, meinen Helden iſt das wohl eingedenk, Erhielt der weiten Lande nicht Eines zum Geſchenk; Auch erbt' ich keins; doch fehlt es mir heute nicht daran: Du folft ala Fürft beginnen, da ich als Ritter begann.” Als das dein Vater Dietmar vernahm, der andre Sohn: Erft wenig Winter zählt er, doc, ſproß der Bart ihm fchon, Schwarz war er, ſtark und männlid und ganz dem Bater glad. Der liebt’ ihn fonft am Meiften; doc gab er jet ihm Fein Reich. Da trat er vor den Bater und ſprach mit feften Laut: „Run haft du Ermrichen ein Fürſtenthum vertraut: Es mehrt den Preis dir immer mo man das von dir fpridt: Ich aber leifte nimmer auf gleiche Güte Verzicht. „Wie Er an deiner Seite bab ich noch ſtäts gemweilt; Auch baft du gleich bis heute noch zwiſchen uns gethetlt. Drum laß die Welt nicht wähnen, ich fei dir minder wertb, Und gieb auch Mir die Ehre, die du dem Bruder gewährt.“ Da foldhe Rede hörte der König Amelung, Bon Haupt zu Füßen maß er den Knaben, allzujung Scien er fo breiften Worten. Nicht Unrecht hatt er doch: Herr Amelung empfand e8; er ſchwieg und hehlt' es nur nob. Als feine Antivort wurde dem jungen Dietmar, Da gieng er bin befcheiven wo feine Stelle war: Er wollt ihn nicht erzürnen, ber ſchrecklich war im Born. Doc biieb feine Rede nicht an dem Water verlorn.
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373 Run faß einmal der König in feines Alters Ruh Daheim mit feinen Helden: da gieng es herrlich zu. Mit Löftlihen Geweben umbangen war der Saal Und hundert Tiiche Iuden gebedt zum üppigen Mal. Die vollen Schüßeln dampften, der Wein floß weiß und rotb- Und Niemand durfte weigern, dem man die Schale bot. Des Königs Mundſchenken trugen durch die Reihn Allgoldne Weingefäße beſetzt mit tbeuerm Geftein. Bon Harem Silber prangte durchwirkt mit rothem Gold Auch alles Tifchgeräthe. Nun fchien die Sonne hold Herein durch offne Fenfter von Tifch zu Tifch bes Lichts Goldfäden binzufpinnen: da fehlte zur Freude nichts, Was Herzen mag entflammen, was Aug und Obr erfreut, Das fand man nie beifammen fo völfiglich wie heut. Pofaun und Harfe Hangen, den Fuß bob manche Maid Und Spielleute fangen von der Helden Lieb und Streit. Sch füttre dir die Ohren mit einem Schaugeridt;; Doc ift Fein Wort verloren; dir ahnt das Ziel nur nid. Denn als die Zuft gebüßt war “am Reiher und am Fiſch, Da ftredte feine Rechte der König Über den Tiſch Und ſprach vor feinen Mannen: „An zwanzig Winter nun Saß ich daheim in Frieden und ließ die Waffen rubn; Und nicht hab ich erweitert mein Reich in al ver Zeit. Doc bat ſich viel verändert: große Pracht und Herrlichkeit
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3a ft jet in diefem Saale, von Häuptlingen zumal Und theuerlihen Helben erfüllt ihn große Zahl. Sodann ift er felber hochzeitlich ausgeſchmückt Und mande Luft bereitet, die reizt und Sinne berüdt. Doc bat fich bier noch Anderes feitvem verwandelt gar: Schwarz wie die Raben war font mir Bart und Saar, Jetzt find fie beide wie eine Taube weiß: Mein Arm, der braunrotbe, gebleicht erblidt ihn ber Greis Sonft kam mir in Monden der Halöberg nicht vom Arm; Mein Schwert warb geröthet von Blut im Feindeßſchwarm, Und fchartig von Hieben; jet ſcheint es mir allein Bon Roſt noch roth und ſchartig in feiner Scheide zu fein. Auch meinen Helden gebt es viel anders nicht ald mir: Wie blant mancher fcheuert des Helms, des Halsbergs ie, Die dünnen Bleche fchlottern, kein Niet, Tein Nagel hält, Die alten Schilde berften, ob auch kein Stoß fie zerſchellt Wo find unſre Hengite? Die gern durch Feuersgluth Mit und gelaufen wären, die wilb, voll Schlachtenmuth Wohl felber Feuer fchnaubten? ihr findet fie nicht mehr: Auf einem Yrauenpferbe will Jeder gelten einber. Das dünkt ihn nicht geheuer, es gienge denn fo facht, Daß, trieb er mit ben Sporen es auch zur ſchnellſten Jagd. Ä Sich doch auf feinem Helmbuſch nicht eine Feder rührt: Yon friert, wenn einen Windſtoß feiner Wange Flaum verſpürt |
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375 Und was bedeutet ander® dieß taubenweiße Haar, Als daß, wie ich erhaben ob meiner Helden Schar Hier auf dem Hochſtitz rage, gefreit dor Hieb und Schuß, Ich doch noch wor euch allen in die Grube fahren muß. Und find wir geftorben, ſo fine auch mit uns tobt Gemach und Behagen, die weiches Leben bot. Viel anders iſts mit Siegen, mit beldengleihem Thun: Nach taufend Jahren leben fie fort, wenn unſre Leiber ruhn. Drum will ich nicht bis Morgen noch bleiben in Salern: Bernehmt es, Herzugen, Yürften, Grafen, Herrn, Dieß Gebot will ich verfünden über all mein Reich: Zur Heerfahrt fi) rüften fol mas ein Schwert trägt, fogleich. In zweimal fechs Wochen, dazu der Tage drein, Sol Männiglich zu ftreiten bereit und fertig fein. Dazu will ich beftellen drei Mann an jedem Ort, Die Roſſe zuzureiten, die Sättel zu rüften dort, Die Schilde neu zu fügen, Helm und Harniſch blank, Die Schwerter glatt zu fchleifen, die jegt von Rofte krank. Und ift die Zeit gelommen, fo zieh ein jeder Held Daber mit feinen Mannen und reite mit mir zu geld.“ Da fo geiproden hatte der König Amelung, Entſchlafne Luſt erwachte des Kamps in Alt und ung. Sie fprangen von den Stühlen und griffen nad dem Schwert; Doch ward mit Gelübden noch mancher Becher geleert.
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376 - Defielben Tages fchreiben hieß Amlung einen Brief, Den er gen Bern zu bringen ber Ritter ſechs berief. Darin war gejhrieben: „Amlung der König bebr, Schickt Gruß dem Baiernberzog (er ertennt ihn nicht für mehr), „Dem kindiſchen Alten, ber Elje wird genannt. Du baft den Zins verfeßen uns lang von deinem Land. Nun ſchick, die man die fchönfte von deinen Töchtern Kalt, Mir gen Salern als Schatzung; wenn fie dem Baftard gefällt, „Dem jüngften meiner Söhne, fo foll fie, feine Magd, Mit ihm das Bette theilen fo oft es ihm bebagt. Ihr follen Maide ſechzig geihmüdt im Ehrenkleid Und ſechzig Ritter folgen in Stabl gewappnet zum Streit. „Der beiten Habichte fein fechzig auch babei Und fechzig Waidhunde: ber allerbefte fei Geziert mit goldnem Halsband, und merk, das Seil daran, Das fol aus deinem Barte geflodhten fein, alter Wann, „Damit du mwißen mögeft, bu babeft einen Herrn. Dieb Alles unverzüglich entjende mir gen Bern. Willſt du das nicht, fo rüfte "dich bald mit ganzer Madıt, Denn binnen drei Monden wird unfre Heerfahrt vollbracht. „Beiende deine Mannen und zeig uns gute Wehr.“ Mit folder Botichaft ritten gen Bern bie Boten hehr Zu Elfe dem alten, Gelfratens Sohn. Er ließ den Brief verlefen: . da fand er fchmählichen Hohn.
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8377 - Er ſprach zu feinen Wannen - das Antlig roth wie Blut: „Uns fendet Amlung Botfchaft mit frevelm Uebermuth. Er heiſcht von und im Alter, was gerne, da wir jung, Er Uns geleiftet hätte; doch verlennt mich Amelung. „Er will, daß ich ihm diene mit Schmach und doch dabei Noch feine Feindſchaft habe. Ch das geichehe, fei Mein greife Haupt verfallen dem graufamften Tod.“ Die Boten zu fahen, das war alabald fein Gebot. Zum höchſten Baume bieng er Den der das Wort gethan; Enthaupten ließ er viere; den fechften fah ex an: Der war erft halbwachſen: ba büßt' er um die Hand, Die rechte, nur den Süngling und fchidt’ ihn beim in fein Land. Dann ließ er feine Burgen und Schlößer wohl verjehn Mit Wal und tiefen Gräben und Die in feinem Lehn Mit allem Heergeräthe, mit Rofien, Schwert und Sper;. In feine Dienfte bracht er auch bald ein mädhtiges Heer. Als gen Salem der Nitter verftümmelt wieberlam, Wie fie empfangen worden, als Amlung das vernahm, Er ftellte fi wie taubftunm; auch merken ließ er nicht, Db wohl oder übel ihm gefiele der Bericht. Doch als nad dreien Monden gerüftet ftand fein Heer, Dem alten Elſe frommte nicht viel die ſtarke Wehr. Ihn felber im Gewühle der Schlacht traf Amelung Und bieb das Haupt ihm nieber mit des ſtarken Armes Schwung:
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378 „Das habe,” rief der Stolge, - „für meiner Boten Mord!“ Da bub er bei dem Barte das Haupt empor ſofort Und zeigt’ es Elfen? Wannen: er rief: „Die Waffen ftredt! Denn fo ergeht e8 Jedem, der noch zum Streit ſich erfedt.” als Elſens Mannen ſahen das bärtge Haupt des Herrn, Da ließen fie vom Streite und huldigten ihm gern. Noch hatten fie in Steier, in Schwaben Helfer viel: Die zwang er auch zu leiften was feiner Willkar gefiel. Als er mit ſchweren Wunden nun heimkam aus dem Krieg, Ein Mal ließ er rüften zu feiern feinen Sieg. Der Hochgemuthe fühlte wie nah der Tod ihm fa: Da rief er feine Söhne das Reich zu theilen berbei. Dem jüngften gab er Breifah, dem Sohn der dritten rau, Die ihm nicht ebenbürtig; dem warb das Eine Gau. Zwiſchen Ermrich theilt’ er und deinem Bater gleich: Den ältern ließ er ſcheiden in zwei Hälften all fein Reid: Der jüngre durfte wählen: das ift das alte Recht. Dein Bater war befcheiben: die Wahl gefiel mir fchlecht, Daß er Bern und Baiern erwählte mit Tyrol Und Salzburg und Steier; doch Ihm gefiel es gar wohl. Da war noch nicht befeftigt der Amelungen Macht: Das reiste deinen Bater: er fchlug noch manche Schlacht, Bevor er ganz bezwungen das ihm beſchiedne Theil, Und das von Harlungen. Auch Ermrich hatte derweil
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379 Sih Naben unterworfen und Rom die alte Stabt, Deren Freibeit nimmer dein Ahn verlümmert hat. Er hatte mit den Römern auch manchen harten Strauß: Im Frieden endlich wirkt er die Kaiſerkrone ſich aus. Was ſoll ich weiter fagen: du ſiehſt, dein Land ift frei, Und deinem Ohm nicht pflichtig, ob er der Kaiſer ſei.“ Da ſprach der edle Dietrich: „Du baft es mir bewährt: So weigr ich denn die Schaltung was mir darum widerfährt.“
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Bierzehntes Abentener. J Wie die Landesmänner am Garteniee Dinaten. Run war der Tag gelommen, dba zum gebotnen Ding Die Landesmänner fuhren. An einer Eiche hieng Der Heerſchild des Kaifers fchon mit des Aaren Bild. Die freien Männer ftubten, fie Tannten nicht diefen Schild. Bei Garten war ein Hügel, da fand das alte Mal, An dem zu tagen pflegte der Landgenofen Zahl. Ein Stuhl im Eſchenſchatten war in den Fels gebaun, Umber im balben Kreiße zwölf moosge Site zu fchaun. Hier wollte Reinald begen bes Kaiſers Zinsgericht. Das Boll war berufen, zu kommen fäumt’ es nicht. Was da geichehen follte, das wunderte fie ſehr: Nie ſah der See gefpiegelt fo große Menge vorber. Als ein jeder Schöffe nun ſaß auf feinem Stein, Da nahm des Kaiſers Bote den Stuhl des Richters ein. Die ſechzig Genoßen ſah man ihm nahe ftehn: Das war ungebräuhlih, man batt ed nimmer gefehn.
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381 „Mit fechzig Genoßen! das ift ein volles Heer! Selbfiebter jollte fommen des Landes Bogt, nicht mehr Begleiter jollt er bringen, wenn er zum Dinge ritt. Siebtehalb Pferbe, nicht mehr nicht minder, bracht er mit, „Einen Habicht und zwei Hunde: das war fen Dinggeleit. Doch diefer, der gerüftet eimberfährt wie zum Streit, Die Schatung zu erzivingen, wer iſts? er dünkt und neu, Der dort den Stuhl befiket ala ein grieögrimmenber Leu „Und Bein bebedt mit Beine: wir weilen ihm das nicht, Daß er mit Furdt fol fpannen und hegen das Gericht. Er überleg es hundert und ziwanzigmal und drei, ch wir alles Zwanges nicht ledig, los find und frei.” Da nahm Ritter Reinald den weiken Stab zur Hand, Stand auf und ſprach vom Sailer, ber ihn hieher geſandt Die Schatung zu heiſchen von jedem freien Mann. Da ließ man ihn nicht reden, ein großes Murren begann, Sin Raunen und ein Rufen, man hörte nicht fein Wort. Da ſprach ein alter Schöffe: „Das ift noch nidht am Ort. Ihr müßt zuvorderſt fragen, ob es Stunde fei und Tag, Daß man bem Landesherren das Binsgericht hegen mag.” {13 das Herr Reinald hörte, dem Rath gehorcht! er gern. Iſt es denn Zeit und Stunde, da man dem Landegherrn >as Zinsgericht mag hegen?” Der Schöffe ſprach dazu, Ind al die andern folgten: „Es ift Zeit und nicht zu frub.“
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382 Da fprady Herr Reinald wieber von Kaiſer Ermenrich, Wie er dem Reich gebiete -behr und gewaltiglich Und ihn gefendet habe. Das ſprach er in den Wind; Es mar ihn anzuhören Niemand willig und gefinnt. Das Murren und das Lärmen wurde groß und breit. Da ſprach der Alte wieber: „Das ift nicht an der Zeit. Ihr müßt die Schöffen fragen, ob dieſes Zindgericht Soll Bann und Frieden haben: die geben dann euch Bericht” Als das Herr Reinald hörte, ba ſprach er underweilt: „So mahn ich euch, ihr Schöffen, daß ihr Beſcheid ertheilt, Db Bann und Frieden haben foll dieß gebotne Ding?“ Da traten zu einander die Schöffen all in den Ring. Sie hatten auf die Frage ſich kurze Zeit bebacht, Da ſprach der alte Schöffe: „Wenn Einer Kraft und Macht Zu dieſem Ringe brächte bier ſolch Gebot zu thun, Der möchte Bann und Frieden zu gebieten wohl geruhn.“ Da foldden Sprudy gefunden der Schöffen weiſer Rath, Des Kaiferd Bote wähnte fich Schon dem Biel genabt. Doch wollt er erft noch fragen: „Hab ich denn Macht und Kraft Frieden zu gebieten und Bann zu broken und Haft?“ Da riefen alle Schöffen wie aus Einem Mund; Auch that ihnen Folge der Umitand kurz und rund: - „Du daft die Kraft mit Richten, die Wacht noch das Recht, Unfer Bogt, der Berner, der hat fie eben und fchlecht.
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383 „Dir hier an dieſem Dinge gebührt nicht Statt noch Stuhl, So ift auch bier des Kaiferd nicht Moor noch Moos noch Pfuhl. Wir weiſen Dietmar Sohne das Land und aud den See; Bon einem Beer zum andern, fo mweit dad Landgeding geb, „Erlennen wir zum Herren ihn über Berg und Thal, Ueber Erb und Eigen, Hals und Haupt zumal. Sein ift der Fiſch im Waßer, der Vogel in ver Luft, Das Wilde wie das Zahme, der graue Wald, die dunkle Schluft. „Don der Erde bi zum Himmel und tief zum Erbenichoß, Ob Allen was da lebet ift feine Ehre groß. Er hat audy Zins und Zehent, den Fund, den Pfrund, den Bann. Gebot, Verbot und Folge und den hergefommnen Mann. „Waßer und Weite, Maß und Gewicht, Seten und Entjegen, das weigern wir ihm nicht. Grund und Grat, Zug und Flug bezwingt des Yürften Bann, Dazu Gericht, Geleite, Mühlengang und Glodenflang. „Dir, der zum Frohnboten fich felber hat beftellt, Dir weifen wir des Dienftes nichts anders zum Entgelt Als des Königs Malter: das find mit grünem Hol; Zweiunddreißig Schläge: drum gehab dich nicht zu ſtolz.“ Als fich des Kaifers Bote mit Schlägen hörte drohn, Er fprad zu feinen Rittern: „Das tft unwürdger Hohn. Sie greifen an die Ehre dem Herrn, der uns gejandt: Yeım wehrt mi, Gefährten, und ſteht mir ſchühend zur Hand.
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j 384 „Ich will noch einmal reden, vielleicht daB man mich biärt, Zu diefem Voll, das wider den Kaifer fi) empört.“ Da nahm er mit dem Reichsaar den. Schild vom Efchenbaum Und trat zu den Schöffen in bes Kreißes innern Raum. Er ſprach: „Ihr guten Männer, bedenkt was ihr thut, Erzürnt‘ nicht den Kaifer, ich rath euch treu und gut. Wenn ihr dem Berner alleine ſchatzt und zinft, Was gebt ihr dann dem Reiche, was ift bes Katjers Getoinnf’ „Das Reich ift groß und mädtig und zäblt der Völler viel, Der Adler ſchwingt fi) prächtig empor und weiß fein Ziel. Kann euch der Berner fchügen vor frember Böller Schwamm? Das kann der Aar, der Kaifer: weitreicht fein Blick und weit fein Arm. „Ich möcht euch ungern drohen; doch ift des Reiches Yeind Wer nicht gehorcht dem Kaiſer und feine Macht verneint. Run laßt euch nicht verfehmen wit Acht und mit Bann: Der Sturm ift ungefüge, den der Aar erheben kann. „Er ift der Leichenfchiwelger: wenn er mit Flügeln facht, So ftürzt von den Thürmen der Binnen golbne Pracht, Die ftarlen Burgen fchüttern, der Erbe Belle bebt Bis unter Schutt und Trümmern begraben Tiegt was gelebt. „Den Sturm mögt ihr meiden, wenn ihr gehorfam ſeid.“ Als das die Schöffen hörten, da traten fie beifeit Auf einen grünen Hügel: wer bat nicht auch als Sind Bernommen, von den Flügeln bes MWlers komme der Wind?
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385 ' Da galt e8 Raths zu pflegen wie zu gebaren fei. Man z0g aus der Gemeinde mand weiſen Mann berbei Und hielt ein lang Geſpräche; doch nach geraumer Zeit Nebrten fie zum Ringe und gaben biefen Beicheib: „E3 ift von Urälten dieß Recht auf und gebradt: Wir ſchulden dem die Schagung, der über Bern bat Macht. Will aber Der von Berne zu Gunſten feines Ohms Den Zins miſſen gerne, ber ein Kaifer beißet Roms, „Sp mag es wohl geicheben, wir zahlen fünftig dem; Doch ihnen beiden ſchatzen, das tft uns nicht genehm. Wir haben auch ſchon Boten gefandt zu Dietmard Sohn, Daß er uns bier vertrete und Antwort geb euerm Drobn.” Run währt es nicht mehr lange, jo kam Herr Dieterich Selbfünfter gefahren; er bracht auch mit ſich Nur fiebtehalb Pferbe: das halbe war ein Maul. Doch ſchalt unterweges Meiſter Hildebrand ihn faul, Daß er des Tags vergeßen mar und des Zinsgerichts: „Du denkt nur Gotlindens, an anders denfft du nichts. Vergiß nur eins nicht Beute: daß du des Heergeleit® Ermahnft die treuen Leute, des nahen Kriege und des Streits. „Des Kaiſers übler Willen ift dir nun jattjam fund Und daß vor Sibih warnen did Edart ließ mit Grund. Das Hage deinen Mannen, dem Heerbann klage dieß: Laß fie nicht ziehn von dannen eh man dir Hülfe verhieß.“ &Simrod, das Amelungenlied. I. 25
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386 So mahnt’ er vor dem Abfchied den fummervollen Herrn: Er hatte viel zu fchaffen noch diefen Tag in Bern. Mit Urlaub ritt der Meifter: Herr Dietrich aber gteng Und bieng dahin den Löwen mo erft der Reichsabler hieng. Da nun Beicheid erheifchte Reinald der kühne Mann, Des Kaiſers Abgefandter, da ſprach er und begann: „Run fage deinem Herren, daß mir mein Vater frei Dieß Erbe hat gelaßen: ich wills erhalten babei. „Ich zahl ihm Zins mit Richten: alfo fleht mein Sinn, So lang ich leb und König in Bern gebeißen bin. Du babe großen Undank der Botichaft obenein Und daß du zum Gebinge riefft meiner Mannen Berein.“ „Vermiß dich nicht wieder zu greifen in mein Nedht: Was unter ihm gefrevelt wird, daß es der Baum nicht rädt' Das hießen wohl gefprocdhen die freien Männer ring2. Da räumte mit den Freunden Neinald die Stätte des Dings Dem Kaiſer anzufügen wie er beſchieden war. Des Aufbruch® gedachte da auch der Freien Schar. Sie hatten weit nad) Haufe, der minder, jener mehr: Am Gartenjee zerftreute ſich bald das reifige Heer. Noch ſaß am Dingmale der Berner trauernd ba. Es war Gotlindens Sterben, davon ihm Leib geſchah. Ihn mahnte der Geliebten des Seegeländes Pracht: Her hatten fie die Zwerge von Glockenſachſen gebradt.
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387 Hier hatt ihm oft geichattet mit ihr der Eichenbaum. War das nun Trug geweien, ein lieber Morgentraum? Er meint’ es zu ergründen und bradıt es an fein Ziel; Sein Boll des Kriegs zu mabnen, daran gebacht er nicht viel.
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388 Fuufzehutes Abentener. Mie Mittib hbinmwegritt den Berner zu warnen. Dem Sailer anzufagen wie er befchieven war Ritt Reinald von Mailand mit der Genoßen Schar. Er fam am dritten Tage gen Bern und fand den Herm: „Wie hat man dich befchieven? mas ſprach der König von Bern” „Ich wurde jchlimm befchieden, man hat mir ſchwer gebröbt Mit des Könige Malter, das man zu Lohn mir bot: | Zweiunddreißig Schlägen mit einem Holze grün, Weil ich das Landgedinge zu entbieten war jo kühn. „So ſprach die Gemeinde; Herr Dietrich ſah mid kaum, So droht’ er mich zu hängen an einen Eichenbaum. Euch hieß er mich fagen, fein Vater bab ihm frei Sein Erbe Hinterlaßen: erhalten woll er3 dabei „Und keinen Zins euch zahlen: fo lang er König wär Und Vogt von Bern geheißen geſcheh es nimmermehr. Das hießen wohlgeſprochen die freien Männer ringe. Da muft ich ihnen räumen alebalb die Stätte des Dinge.“
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Als Ermenrich der Kaifer die Drohung vernahm Und feiner Boten Schande, dem Neffen ward er gram. Ihn ließ der Zorn nicht ſprechen; da hub der Marichall an: „Nun muß ich freilich glauben, ich glaubt es faum bisheran, „Daß Dietrich nicht geringer als ihr zu fein gedenkt: Das mag ihm auch gelingen, wenn ihre nicht anders lenkt. Hat er den halben Adler erft in den Schild gefebt, Er nimmt euch beide Hälften, wenn er kann und darf, zuletzt.“ „Siehft du nun felber, Sibich, den Hochverrath ?“ Sprach Ermenrich der Kaiſer zu feinem falichen Rath. „Du wollteft mir nicht glauben den großen Webermuth, Den der unbärtige Knabe, der Dietrich, wider mich thut. „Run will er ſich auch meßen mit mir und meiner Madıt; Ihm das zu vertragen hab ich mich nicht bebadht. Nein eher fol er bangen, das glaubet ficherlich, Als meine Kron erlangen: dann weiß Er und auch Ich „er ftärler ift von beiven, ob er mir eben ftarf. Kun kommt es mir zu Gute, daß an bes Landes Marl Schon unfre Heere ftehen in Helm und Panzerkleid. 23or Bern foll man uns fehen in allerfürzefter Beit. „Wittich und Heime, nun zeigt euch geſchwind Und laßt die fchnellen Roſſe wettlaufen mit dem Wind. Ihr ſollt zum Aufbruch mahnen mein fampfbereites Heer, Vaßt flatten die Fahnen und führt es fiegreich einher.
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„Bevor ihr Bern erreitet, follt Ihr mich bei euch fehn. Was fteht ibr und zaubert? geliebt euch nicht zu gehn? Friſch auf, die Zeit ift koſtbar: eh Dietrich Bern bewehrt Und andre feiner Burgen, unterwirft fie unfer Schwert.” Da fprach der ftarle Heime: „Herr Kaifer Ermenrich, Ich hab euch nicht geſchworen zwar wider Dieterich; Doch will ich gern euch helfen; nur wider Hildegrein Und Edenfadhs, des Kampfes will ich überhoben fein. „Den Berner zu beiteben, die Luſt hab ich gebüßt. Daß ihr die Freunde hänget, ift greuli zwar und wüſt, Mer fih die Rafe ftümmelt, verſchämt fein Angeficht: Doc, ftümmelt’unbelümmert, das verwehrt euch Studas nick. „Wenn ihr es einft entgeltet mit Schmach, wie euch gebliktt, Daß ihr ihn dann nicht fcheltet, als hätt Er euch verfühtt. Sibichen euerm Marſchall gebührt allein der Ruhm, Eure Söhn und Freunde bracht er, er bringt euch felber noch um.” „Ja, großer Kaifer,“ hub Wittih an und ſprach, nie ihr den ſchalten laßet, das tft bie gröfte Schmad), Die gröfte Schand auf Erden, fo lang die Welt noch ftand: Eh ich dazu euch böte, ich miſste lieber bie Hand. „Hab ich euch gleich geſchworen ohn allen Vorbehalt, Doc, würd ich taufend Winter in euern Dienften alt, Den Berner zu vertreiben thu ich euch feinen Schlag: Run nehmt mir al mein Lehen, es gilt mir gleich, noch biefen Tag"
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391 Da gieng zu feinem Roſſe Herr Wittich ungefäumt, Er hatt e8 bald gegürtet, gejattelt und gezäumt, Er z0g ed aus dem Stalle und fprang darauf geichwind, Von Niemand nahm er Urlaub; ſchon ftob er hin wie der Wind. Da ſprach zu dem Kaifer der Sohn des Xbelger: „sh bin euch gehorfam und reite zu dem Heer. Mein Lehn will ich nicht miffen noch künftig euern Sold; Iſts gleich zu euerm Schaden, wir genügt, daß ihr jo wollt. „Ihr kamt zu vollen Jahren, babt Teines Vormunds Noth: Laßt mich mit Urlaub fahren und leiten eur Gebot. Bor Bern fehn wir uns wieder: verfäumt euch nicht zu Haus.“ Da gieng er auch zum Stalle und zog den Riöpa heraus. Den hatt er bald beichritten, er gab ihm den Sporn Und war hinweggeritten. ‘Der Raifer ſprach im Born: „Ein andermal gehorche mir ohne Widerwort. Was mad ich nun mit Wittih? nehm ich das Zehn ihm ſofort?“ — „Ex wird ſich noch befinnen: damit feid nicht zu ſchnell; Es tagt ihm wohl im Kopfe nicht immer allzuhell. Hab Ich euch je geheißen mas ber verfuchte Helb Die gröfte Schande nannte, die gröfte Schmad in ber Welt? „Eins will ich jegt euch rathen, der euch noch niemals rieth Zu eurer Freunde Schaden, ja ber ihn gern vermied: Heißet auffiten noch heute vor ver Nadıt, Bevor dem Berner Wittich diefe Märe hat gebracht.
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392 „Zu dem ift er geritten, das fieht man wohl auch blind: So ſeid ihr in der Frühe bei euerm Heergefind. Da heißet widerfagen tie man nad Sitte muß; Doch euerm Boten folge das Kriegäheer gleih auf dem Yup.“ Der Rath gefiel dem Kaifer: nicht lang befann er fich, Er hieß die Gefährten fich rüften fchnelliglich, Wenn er zum Aufbruch bliefe das Horn zum drittenmal, Daß Never fertig ftünde hoch zu Roſs vor feinem Saal. Da nun zum brittenmale des Kaiferd Horn erfcholl, Da zählt’ er die Gefährten und zählte Sechzig voll. Sie ritten zu dem Heere den Tag und auch die Nacht Und eh der Morgen tagte mar ihre Reiſe vollbracht. „Wer will nun widerſagen,“ ſprach Ermenrich, „von mir Dietrihen, Dietmard Sohne? ift nicht ein Bote bier?” Da ftand an der Seite Heime feinem Herm: Der follte Bote werden zu dem jungen König von Bern. Da ſprach der ftarle Heime: „Kerr Kaifer, ſchickt mich nicht: Dietrich war mein Herre, ich ftand in feiner Pflicht. Ich hab ihm Treu gefehworen; er that mir nie ein Leib: Sol Ich ihm Kunde bringen, daß ihr ihm Feind geworden feib?’ Darob begann zu zürnen der edle Kaifer reich: „Run rede nicht von Treue, es fieht der Untreu gleidh; Mir haft du jett geſchworen, du bift mein Untertban: Was ich dir befohlen, werd ohne Weigern gethan.“
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j 393 — — — — — „Was ſoll ich ihm denn ſagen? das meld ich Wort für Wort; Und laßt ihr ihn erſchlagen, mich kümmert nicht der Mord.“ — „Ich ſei ſein Feind geworden,“ ſprach Ermenrich, „ich bins: Ich ließ die Schatzung heiſchen und er verſagte den Zins. „Böt er fie jetzo doppelt, das gieng' ich nicht mehr ein: Er muß das Land mir räumen, das frommt ihm noch allem, Wil er fih widerſetzen und fällt in meine Hand, Es geht ihm an das Leben: das thu ihm fund und belannt.“ „Bekannt und fund unb wißlich thu ich ihm Alles gern: Gut Botenbrot gewifslih erwartet mich zu Bern. Die Antwort, die ich bringe, hat nächten mir geträumt: Er läßt ſich lieber hängen als er das Land vor euch räumt.“ — — — —3
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34 Sechzehntes Abentener. Wie Dietrich ſich berieth ob er fliehen ſollte. Den Bogt von Bern zu warnen vor Kaiſer Ermenrich Ritt Wittich, als am Abend das letzte Roth verblich. Nicht ſcheut' er mehr den Kaiſer, nicht fchont’ er mehr fein Lehe: Es gilt des Berners Leben: mag was dba will denn geichehn. Mit fcharfen Sporen trieb er Schimmingen, Sleipnerd Sprof: Wie Inirfcht’ er in die Zügel, den ſolche Zucht verbroß! Kein Bogel theilt im Fluge die Lüfte fo geſchwind Als Schimming dahinfliegt, wenn er die Zügel frei gervinnt. Und hurtig gieng es, burtig dahin in lichter Pracht: Bor Bernd Thoren hielten die Zwei um Mitternacht. Vom Sattel fprang der Degen: da war bie Pforte zu Und drinnen fchlafbefangen lag Alles in tiefer Rub. Da nahm er von der Seite fein Horn und ftieß hinein Mit folder Kraft, erwachen muft aus dem Schlaf ein Stein. Die Wartmänner wurden im Burgtbor wohl gewahr, Daß ein Held mit feinem Roſſe vor die Burg gelommen war.
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395 Sie riefen: „Wer ift draußen, der alfo blafen kann?“ — „Ich bin es, eures Herren Gejell und einft fein Mann.” — „Seid Ihr es, Herr Wittih? Gemach, wir öffnen gleich.” Sie lannten an der Stimme ben Degen edel und reich. Da giengen Zwei und ſchloßen ihm auf das fchwere Thor. Dann lief zum Schloß des Königs ein Anderer ihm vor, Dem Berner anzufagen, Wittich der Degen bebr Sei in die Burg gelommen und ihn zu fehn fein Begehr. Noch war der Held gelleivet, der Kummer hielt ihn wach: Da fchritt ex ihm entgegen durch manches Prunlgemach. Er hieß ihn froh willlommen und ſchüttelt ihm die Hand: „Run hätt ich gern vernommen, hat dich der Kaiſer gefandt? „So hör ich frohe Märe, mir bürgt des Boten Wahl: Du bift mir hold und zeigft es nicht heut zum Erftenmal. vang zümte mir der Oheim ohn alle meine Schuld; Nun bat er ſich befonnen und fchenkt mir wieber die Huld.“ Da ſprach der -fühne Wittih: Des wär ich herzlich froh: Wie gern ich dir das gönnte, Dietrich, ftünd es fo. Viel anders fteht e3 leider: daß ich es melden muß, So böfe Zeitung bringen ift meines Herzens Verdruß. „Do wirft du mir nicht zürnen, denn auf bein Heil bedacht Ließ ich den Schimming ftieben den Tag und aud die Nacht. Du baft den Zins verweigert, ber Kaifer zürnt bir ſchwer: Schon kommt er angezogen und fein getvaltiges Heer.
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396 „Das zählt wohl achtzigtaufend der Helden auserfannt: Du kannſt dich bier nicht halten, bir frommt fein Widerſtand. Wenn du den Tag erivarteft, fo ziehen fie vor Bern Und fo bift du verleumbet, ob ohne Schuld, bei dem Herrn, „Daß er dich will erſchlagen wie feiner Freunde viel; Des barrt ein ſchmählich Ende, der feinem Zorn verfiel. Laß dich der Söhne warnen, der Harlungen Tod Und thu mas Freunde rathen in diefer ängſtlichen Notb.“ „Web mir," ſprach Dietrih, „mie verdient’ ich das, Daß mir des Baters Bruder trägt fo grimmen Haß? Wohl wär mir ba vonnöthen ein freund mit Rath und That: Doc melchen giebft du, Wittich, o melchen ſchrecklichen Rath? „Sol id das Elend bauen, die tbeure Heimat fliehn? Mein Erbe zu mehren fol id das Schwert nicht ziehn? Hab ich dich miföverftanden? du fpracheft es nicht aus; Nun ſprichs in dürren Worten, ertragen kann ich den Graue.’ Da ſprach der Sohn des Schmiedes: „Wenn andre Wahl noch bleibi So fol dir Niemand ratben was dich ins Elend treibt. Nun laß das Heerhorn blafen, daß in den Königsſaal AN deine Freunde Tommen, al deine Ritter zumal. „Die laß alsbald erfahren in welcher Noth du ftehft: Bielleiht, daß du getröftet dann aus dem Saale gehſi. Wo nicht, fo thu entfchlußen mas bu das befte weift; Es bringt ein Tag noch wieder mas biefer Tag dir entreißt.“ —
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397 „Kann er noch heute Tommen, und iſt fo ſtark fein Heer, Ahtzigtaufend Degen, fo frommt uns feine Wehr. Ja Freund, ih bin entſchloßen, ins Elend foill ich gehn, Es Tann mir in der Fremde noch manche Liebe geſchehn.“ Da gieng hinaus der König, wo er die Diener fand: Das Heerhorn zu blafen gebot er allguband. Da fprang von den Betten erfchroden mancher. Wann, Fuhr ind Gewand, und legte den Gurt, den Halsberg fi an. Sie eilten nach dem Saale wo man den König fand: Zuerſt kam der Meifter, der Wölfing Hildebrand: Der hörte Wittichs Märe, die leidige, gefaßt. Da kam auch geiprungen Wolfhart in ftitemender Haft: Der griff nad) dem Schwerte, ba ihm die Kunde warb; Des Kampfs auch gedachte fein Bruder Alphart. Irentel Berchtolds famen der Wölfinge nody mehr, Bolfbrand und Wilnant und der Fühne Wicher. res alten Nere Söhne, der Hilbeands Bruder war, 3olfivin und Ritichart, die ragten aus der Schar. erbart und Hache, Wichart und Helſerich, delhart und Helmnot, mit Nichten fäumten die fidh. ‚IEmwin und Nantwin, Siegber und Helmfchrot, rchter und Andre, die nicht zu wißen Roth. ch viel der Heben kamen, die nicht von Berchtolds Saat, zrrbrecht une Harkung, verjucht in fährlicher That.
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398 Bottel und Branter, Jubart von Lateran, Amelger von Brifen und Walbrih von Meran. . Da war aud von Bologna Berchtram der wertbe Helb, In Stürmen und in Streiten ben Amelungen gejellt. Nicht alle kann ich wißen, die bier gefommen find; Ihm folgten dreiundeierzig, ein ftattlich Heergefind. Da fie nun Alle ſahen auf Bänken rings im Saal, Da begann’ Herr Dietrich, fo traurig blickt' ex und fabl. Er klagte feinen Freunden des Herzens bittres Leib Und bat um Rath und Beiftand in fo bebrängter Zeit. Er fagte, welche Märe Herr Wittich ihm gebracht: Schon an des Landes Marke fteh mit großer Uebermadit, Der ihn erfhlagen wolle, Ermenrich fein Ohm. „sch weiß nicht, wes mir zürnet ber Kaifer von Rom. Der ungetreue Sibih Hat foldden Rath gelehrt: Dürft ich ihn nur befteben! och niemals zog er ein Sin „Zwiſchen zweien Dingen ſieht uns die Wahl nun frei: Zu warten, ift dad Eine, bis Ermenrich berbei Zieht mit den Achtzigtauſend, vie feine Heerkraft zähle, Und uns aufs Blut zu wehren: wenn ihr dieß lieber ertwähl: „So läßt wohl bier der Kaifer viel Degen auserlannt, Ihm fällt ein Theil des Heeres gewiſs von unfrer Hand: Wir aber fterben felber auch all unzweifelhaft: So bat er Bern und nimmer wird es ihm wieder entrafft. %
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„Der andre Rath ift dieſer und der mir mehr gefällt, Denn weit blaut der Himmel und groß ift Gottes Welt, Und überall zu Haufe der Dann von redhtem Schlag: Wir rüften und und reiten von binnen noch diefen Tag. „Die Burg, der Bäter Erbe, wir laßen fie dem Feind. Ob wir fie wieder ſehen, ob einſt der Tag erfcheint, Das mag der Himmel wißen, und der im Himmel lebt, Wenn ihr fie heut dem Kaiſer, dem Sieger heut übergebt.“ So fprad der Held und Thränen entftürzten ihm gedrängt; Ihm mar das Herz beflommen, die Bruft geprefät, beengt. Als ex ſich nieberfeßte und in der Hand bad Haupt Berbarg, da war die Sprache noch manchem Helden geraubt. ine Weile ward es im Saale todtenftill, Zo ift e8 vor dem Wetter, das ſich entladen mil; Noch jeto brach es grollenb hervor mit ganzer Macht, Bre wenn der Donner rollend in den Bergen wiederkracht. ie fprangen von den Siten und riefen überlaut: a3 Land dem Kaifer räumen, o nimmer, nimmer fchaut an uns fo feig, wer follte mohl ohne Schwertichlag fliehn? er dir nicht helfen wollte, wir rufen Pfui über ihn, fui über den Verzagten, der von Ergeben fpridt. m Land, das und geboren, wo uns das heilge Licht rft beichien, verfirömen mir unfer Herzeneblut; 5 Riemand fol uns rauben das unerfehlichite Gut.
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400 „Willſt du das Elend bauen? weiſt du wie trüb und grau Sich da die Tage Fleiven tie eine Tobtenfchau? Das Elend und die Knechtichaft, fie find Geſchwiſterlind Alle Freude fliehet beimatlojed Heergefind. „Sie ſchleichen wie die Schatten und Niemand tröftet fie, Im Dienft des Schugheren Tämpfend erfreut der Sieg fie nie, Und find fie bingefchmacdtet am Durft nad Wiederkehr, Sp bedt der fremde Boben ihr Gebein und laftet fchiwer. „Wer möghte das erleben, wer wünſcht ſich fol ein Looß?“ MWolfbart der kühne brad auch mit Schelten los: „ir Tennen dich nicht wieder, du flobeft fonft nicht gern, Seit mann zur Flucht zu rathen beſtimmſt du dich, Vogt von Bern’ „Bir ſahen dich unmännlich gebaren nicht erſt heut, Gebrochnen Muths zur Erbe bliden unerfreut, Als hätte famt Gotlinden dich Goldemar entfehn Mit böfem Blid der Augen: feit Monden ift e8 gefchehn. „Wirf endlih ab die Trauer, blid auf und fei ein Mann, So wirkt du bald erlennen, daß Kampf nur frommen kann. Der Tapfre gilt im Streite Verzagter wohl ein Heer! Mit feinen Söldnern ziebe der feige Sibich nur ber, „Sp lehren wir ihn laufen und heilen ihm vie Gicht; Do fol er Arztlohn zahlen dafür, der falfche Wicht! Daß er in meine Hände nur fiele, ſchweren Lohn Drang ich ihm ab, fo wahr ich heiße meines Vaters Sohn!“
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401 Da ſprach in großen Treuen ber alte Hildebrand, Der mit betrübten Sinnen vor feinem Herren ſtand. Er Sprach von feinem Neffen: „Nun 'laßt den Löwen los! Er würgt euch achigigtaufend mit Einem Mal, fo fpricht er groß. „Du warft ein Eifenfreßer nicht beut erft, immerbar; Daß bu jo lieblos wäreſt, werd ich erſt jeht gemahr. Mein Schweiterfohn zu heißen acht ich dich nicht mehr werth Seit den Vogt von Berne dich Unart fchmähen gelehrt. ‚Wars nicht genug des Leibes, daß ihm die Liebfte flarb, Ind daß mit Gotlinden fein hoher Muth verbarb, Ruft du ihn auch noch fchelten mit großer Ungebühr? Yu danfit es feiner Langmuth: billig wieſ er dir Die Thür. Ihr theuerlichen Helden, daß ich es fagen muß zas Herzen brechen möchte, der Schimpf und der Verbruß it groß bei grauen Haaren; doc kanns nicht anders fein: a wir des Heeres barben, jo frommt die Flucht uns allein. IS Bier die Landesmänner fich fammelten zum Ding, rieth ich Dem von Berne, was wenig doch verfieng, n Boll des Kriegs zu mahnen und brängender Gefahr: zög uns jet zu Hülfe manche fampfbereite Schar. folgte nicht dem Rathe, daran ift Trauer Schuld: Tode noch vererbt und Gotlindens Liebeshuld. müßen fchimpflid laßen nun unfrer Heimat Gaun, Himmel mag wißen ob wir fie wieder erſchaun. imrod, das Amelungenlie. 11. 26
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„Sp fol nun aufftehen König Dieterich, Nicht länger uneniſchloßen Fi er und fäume ſich, Denn Reden kann nicht fiommen, verbleibt doch keine Wahl! Wir müßen und von binnen ſchon heben für dieſes Mal. „So retten wir das Leben; bie Ehre, dimkt mich, auch, Denn Kampf, dem Sieg nicht winket, ift Teines Weifen Braub. Mit achtzigtaufend ftreiten, da mir nicht taufenb find, Das heißt zur Schlachtbank gehen wie das Lamm geht und das Rind „Gott gebe, daß wir rächen einft' biefes Tages Schmach!“ Da vor den Amelungen der Meilter alfo ſprach — Er batte wahr geſprochen unb meint’ es treu und gut, Doch fühlt im Herzen kochen Mancher Zorn und grimme Butt Und Mandyem ftürzten Thränen die Wangen heiß herab: Ins Elend gehen dauchte ſie ſchlimmer als ins Grab. Wer mocht es aber wehren? ſie zwang die bittre Noth, Da Niemand andre Hülfe, andern Rath den Armen bot. Da hörte man ein Klagen alsbald in Bern umber; Das Weinen und das Bagen, das wurde groß und ſchwer Bon Weibern und von Kindern und mandem alten Mann: So laut jcholl der Jammer, daß e3 Riemand fagen kann. Die meinten um die Männer, um liebe Söhne bie, Um Bäter, Brüder, Freunde; die fahn fie wieder nie. Da muft auch Ute wenen um Meifter Hildebrand, Db fie ibn mwiederfähe vdereinft, das war ihr unbelannt.
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408 Derweil war Lärm und Rufen auch in des Könige Schloß, Dan hörte Waffen llirren und wiehern manches Roſs, Da ‘jeder feines zäumte und nach dem Schwerte griff; Dazwiſchen hellen Hörner und mancher gellende Pfiff. Da nun in Waffen Jeder zur Fahrt gerüftet flund - Mit Reiſigen und Knechten, dazu mit Pferd und Hund, Da giengen fie zufammen noch in den Königsſaal Und ließen Becher Tneiin und beipradden ſich beim Wal, Wohin fie reiten follten? „In König Ehels Hand Zind Salzburg und Steier,“ ſprach Meilter Hildebrand, Die Kunde kam uns gefteen: alle Tage lommt Ins-unliebe Märe: nun rathet Freunde, was uns frommt. Dazu ward ung gemeldet das große Herzeleib: m Baierlande bieten uns Elfe Söhne Streit. ie hörten, daß der Kaiſer - mit uns zerfallen ift: elfrat und Elfe, die ſpannen längſt ſchon Trug und Lift. as hört’ auch König Ekel: als Dietleib ferne war : feinem Ahn in Sadjen, da fandt er mande Schar Wilzen und der Wenden, ber Heunen aud, zugleich ſchlang unfre Lehen in fein unermeßnes Reid). blieb und nur Lamparten und Bern: die räumen wir Kaiſer heut; und duldet fein Haß nicht länger bier. nun Die Zuflucht finden? ter nimmt bie Flüchtgen auf? guten Rath wüfte! doch nirgend ift er zu Kauf.”
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404 Der Eine nannte Franken, der Andre Griechenland, Der dritte hätte lieber ſich an ben Rhein gewandt. Man rieth bin und wieder und kam nicht überein Bevor im Dften tagte des Morgens röthlicher Schein. Da dachten fie zu leiften mas ihnen Hilbrand rieth: Der ſprach: „Mich dunkt das befte, daß ihr zu Etzeln zieht. Die Bafe Dietrichens ift Helle fein Gemahl; Er jelbft ein großer König: wohl nie gereut euch die Wahl.“
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Siebzehntes Abentener. Wie Dietrih von Bern ſchied. Da trug der ſchnelle Rispa Heimen aud gen Bern: Dietricden widerfagen follt er von feinem Herrn. Er fprad: „Dein Yeind geworden ift Kaiſer Ermenrich. Er hieß die Schagung heiſchen; bu aber weigerteſt bich. ‚Und böteft du fie doppelt, er gieng’ es jet nicht ein: Du muft das Land ihm räumen, das frommt dir noch allein. RR du dich widerſetzen und fällſt in feine Hand, 53 gebt dir an das Leben, das fei dir fund und befannt.“ )a fprach der edle Dietrih: „Du ſiehſt uns ſchon bereit )a3 Land ihm zu räumen bei voller Tageözeit. Bie ift fo mild geworden nun Ermenrich mein Ohm? r wollt uns Al erfchlagen, die Kunde brachte von Rom Zittich der fchnelle, nicht lange noch iſts ber: te ift nun mit dem Lande begnügt der Kaiſer hehr? u bringft uns liebe Kunde, daß uns fein Herz jo feind ht iſt, als Wittih fagte und als wir Alle gemeint.”
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406 — — — — Da ſprach der ſtarle Heime: „Und denkſt du ohne Schlag Das Land ihm zu räumen, ſobald ſich hebt der Tag? Daß ich die An.wort brächte, das hat mir nicht geträumt. Ich ſprach: Er läßt fih hängen eh er das Land vor euch räumt.“ „Hört ihre, Meifter Hildebrand!“ hub da Wolfhart an. Da ſprach der gute Meifter: „Du bift des Kaiſers Mann Und rätbit zum Widerftande? Und darfft du's vor dem Herrn, Wie follen wir und fchüten vor feiner Macht bier in Bern?“ ⸗ 3 Der ſtarke Held verſetzte: „Sch geb euch feinen Rath; Doch daß ihr fliehen würdet eb nur fein Heer genabt, Wie ſollt ich das vermuthen? wer flieht ch man ihn jagt, Der zählt zum Haſenorden, fo warb mir immer gelagt.“ Da fprangen von den Sitten die Helben all im Kreiß, Sie wollten nicht mehr fliehen, zu große Schande fei's. Der Bote felber fage, fie zwinge nicht bie Noth, Unb beßer ala das Elend fei ihnen ehrlicher Tod.“ Da ſprach der alte Meiſter und fchüttelte das Haupt: „Bir haben Wielands Sohne wohl nicht zuviel geglaubt. Er rietb und nie zum Schaden, hats reblich ſtäts gemeint: Nicht immer bat uns Heime noch fo die Treue beſcheint. „In Sibichs Schule lernt’ er vielleicht fchon allzuviel Ihr wißt, des Herrn Berberben iſt feiner Rathe Biel. Will und der Gelb verleiten? o pfut, das wär em Graun! Berdenten mag ich Niemand; doch au nicht blinblinge vertraun
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407 „Er zeig uns, wie wir mögen dem Kaiſer mwiberftehn: Und könnt ihr ungebangen noch dieſer Noth entgebn, Silbrand ift der legte, der euch zu fliehen räth. \ Doch find wir ungerüftet: drum dünkt die Wehr mich zu ſpät.“ Da ſprach Heime wieder: „Und Bern, das feſte Haus, Solls keinen Tag euch ſchützen? Inzwiſchen ſchickt ihr aus Und laßet Söldner werben: ein Heer ift bald geichert, Wenn ihr mit Lohn nicht karget und auch das Handgeld nicht ſpart.“ „Und wo das Handgeld nehmen,“ ſprach Hilbrand, „und den Lohn? Wenn wir mit Scheffeln mäßen, fo gieng’ es an, mein Sohn. Weiſt du uns volle Kiften? die unfern, die find leer. Was Dietmar nadließ, wurde durch Dietrichs Milde nicht mehr. „Bir nehmen es im Geben nicht mit dem Kaiſer auf: Die milden Herren fuchen, die find ihm al zu Kauf. Er fand m Breifahe Brande das Harlungengolb, Das Cdart erfparte: davon giebt er noch large Sol, ‚Wen willft du bier verrathen? fag an, ich frage dich, Ob unse, ob den Kailer: den Einen ficherlich. Ins möchteft du verderben, das glaub ich allermeift, Da du uns räthſt zu bleiben und Beine Hülfe doch weiſt.“ Da wanbt er ihm den Rüden, ver alte Hildebrand; Er ſchwang den Helm zu Häupten und nahm den Child zur Hand. er fprad: „Laßt ung reiten, ihr lieben Freunde mein; as Elend müft ihr bauen, es kann nun anders nicht fein.“
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— — Nach den Waffen griffen die Helden kühn und gut: Was Hibrand that, fie thaten es all mit trübem Muth. Man z0g herbei die Pferde: da brach der Sammer los: In der Stabt und in ber Veſte ward die MWehllage groß. Da ftand allein im Saale der Sohn des Adelger Und rang mit ſich felber, fein Kampf war hart und ſchwer. Wohl wuſt er volle Kiften; fie waren fein jedoch, Er mollt ein Herzog werden, vielleicht König, Kaiſer no. Doch follt er Dietrich hehlen, den Schaß, ber ihm gehört, Ihm jetzo helfen könnte? dem ſann er nad) verftört; Ihm bieng jo ſehr am Golde, am Gut das karge Hey: Dem reichen Hort entfagen, das fchuf ihm grimmigen Schmen, Doch diefen Jammer bören, der Stabt füllt und Haus — Er Stand und wand die Hände, der Schweiß brach ihm aus. Da war ihm doch die Seele zulegt um Gold nicht feil: Die Habgier bezwingend erfor er ewiges Heil. „hr trauten Freunde,“ rief er, „Gefellen allzumal, Noch einmal kehrt, Herr Dietrich, noch einmal in den Saal: Ich bin ein Dieb, ein Räuber, ich will es gern geftehn; Doch fein Berrätber, mag euch mein Haupt dafür zu Pfande ſteha „Ich künd euch gute Märe, wenn euch nur Bold gebricht. Ihr meint, der Kaiſer wäre fo veich, das ift er nicht Ich trug gen Bologna der Harlungen Schaf: Nur diefer Schlüßel fchlieht ihn, ich weiß alleine den Platz &
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409 „Des altgemüngten Goldes, des rothen, einen Berg Wie Elberich ihn batte und Goldemar der Zwerg, . Des Silbers große Haufen, Kleinode mandherlei Fand ich im Burlenberge, viel edler Steine babei. „Ich nahm es dem Kaifer: das hat mich nie gedrückt: Ich nehm ibm noch die Krone, wenn es mir künftig glüdt; Doch war es dein zur Hälfte, ja ganz, Er hat das Land. Das ließ mich oft nicht fchlafen, es fei dir willig beiannt. „Des ſchnöden Goldes willen mag ich fein Schurke fein: Mit diefem Schlüßel laß ich die Schätze, fie find bein. Hier ift von Bologna Bertram der Degen hehr: Den fende jelbzwölften: er ſchafft den Schatz dir hieher. „Ich will ihm Alles fagen mas ihm zu wißen Noth: So weigern ihm die Meinen fein goldnes Kleinod. Das Gut ift unermehlih, das da gejpeichert liegt, Genug ein Heer zu werben, das die halbe Welt befiegt.“ „Waffen!“ rief Hilbrand, „hier ift ein Ding gefchehn, Ind leb ich taufend Jahre, ich werd es nicht mehr jehn. Jier giebt dir Heime Schäge, Dietrich, der karge Mann! Ind muft du ins Elend, das tft Troft, ber tröften Tann. Soft du Bern nun miffen, bu bift nicht ganz verarmt, sich bat deines Leides ein Herz von Stein erbarmt.” aum mochte fi) der Thränen erwehren Hilbebrand, r mufte Stubas Fühlen, und Wittich reicht‘ ihm die Hand.
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Da ſprach der edle Dietrich: „Heim, ob der Hort mir frommt, Ob uns aus diefen Nöthen von ihm Erlöfung kommt, Sch weiß es nicht; doch bleib ich der Gabe ftäts geben: Du haft mir Dich gegeben, das ift das beſte Geſchenl. „Reich mir die Hand; es kann dich im Leben nicht gereun. Wie nun, ,liebe Freunde? gebt Rath, ihr Bielgetreun, Db mir ein Heer werben und fühner Wehr vertraun, Ob wir von binnen reiten alsbald, das Elend zu baun?” Sie wollten alle bleiben, fie tiefen insgeſamt: „Hier wird in die Erde noch mancher Pfahl gerammt Eh Ermrich mit dem Heere bie Stadt bedrohen mag: Wir thun ihm gute Wehre wohl länger als Einen Tag. „Kommt uns der Hort zu Hülfe, ber wirbt und manchen Maar, Und wirbt ſich felbit Bedeckung, die ihn befchüben Tann. Laßt uns die Zwölfe wählen, die gen Bologna ziehn.“ Da zog der Erfte Bertram, Bologna® Bürger, dahin. Helmfchrot und Wolfhart, Bollwin und Hildebrand; Ich weiß ſie nicht alle, die Dietrich bat geſandt. Sie fäumten nicht und ritten mit mannlichem Muth. Berwünfcht jei die Reife, bie fie thaten um bad Gut! Sie faben bald Bologna, die zinnenreiche Stadt. Wie reifemüb fie waren, von fchnellem Reiten matt, Sie luden no auf Säumer diefelbe Nacht den Hort: Soviel fie Inden mochten des Goldes, führten fie fort.
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411 Da war ein Berräther in jener Zwölfe Schar, Die einft von Breiſach brachten den Hort mit Heimen bar. Er hielt fi) entbunden des Eidg, "den er gethan: Er ſprang zu Roſs geſchwinde und zeigt‘ es Ermrichen an. Der freute fi) der Märe: bei Malalberg im Wald, Zweitaufend Reden legt! er in einen Hinterhalt. Die Säumer giengen langfam, fiestrugen ſchwere Laft: Bei Malalberg im Walde, da hielten fie nächtlih Raſt. Ste lagen auf ber Haide bei eines Feuers Gluth. , Da kamen ihre Feinde: mas frommte Kraft und Muth? Ob fie die Rüden kehrten zufammen Mann an Mann Und manden Yeind verfehrten, die Helden in Dietrichs Bann, Sie muften doch erliegen zuletzt ver Hebermadht: Da murden fie gebunden gen Mantua gebracht. Wohl freute fi) der Kater, als ihm die Kunde kam: Er war dem Hort gewogen, den Gefangnen war er gram. An einen Baum zu hängen gedadıt er fie jofort. Da ſprach aber Sibih: „Nicht hier an diefem Drt: !aßt ihnen Galgen bauen im Angefiht von Bern: Nag Dietrich es erfchauen, er läßt euch Sand und Leute gern.“ )a that der Ungetreue mie ihm der Falſche rieth. sibichen freute, daß er den Kampf vermieb. em Berner zugezogen mit mander tapfern Schar har Dietleib von Steier, der nun Etzels Dienftmann war.
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412 Auf brach der reiche Kaiſer: vor Bern auf dem Feld Gebot er aufzufchlagen Hütten und Gegelt. Dem Berner ließ er melben: „Nun räume mir das Land, Wo nicht, jo fiehft du hängen beine Helden auserlannt.“ , Der Bote fprach zu Dietrih: „Dir lünden die Getreun, Sie wollten gerne fterben, des Galgens Schmach nicht ſcheun. Du folleft fie nicht Iöfen, doch rächen ihren Yall; Dein Land um fie zu geben, das verbieten fie dir all.“ Da ſprach aber Dietrich: „Des hätt ich ewig Schmach: Und läge dreißig Jahre Lampartenland mir brach, Ya hätt ich alle Reiche der Welt, die gäb ich gem Um Hildebrand alleine: das entbiete du den Heren. „Dem reichen Kaiſer melbe, er habs auf meinen Gib, Das Land wird ihm ledig, wenn er die Zwölf befreit.“ Was fol ich weiter jagen? ich meld euch künftig mehr; Man gab fie frei, der Berner zog bin und freute ſich ſehr. Wittich und Heime hatten das Geleit Dem Bogt von Bern gegeben wohl eine Meile weit. Da ritten fie mit Urlaub zurück in die Stadt, Die feinem Neffen Dietrich der Kaiſer nun entrißen bat. Da trat vor Ermrichen mit klirrendem Sporn Heime der grimme und ſprach aus großem Zorn: „Du Kaifer, gotwergeßner, unzeiner, hör mich an: An deinen Blutöfreunden haft bu recht teuflifch gethan. N
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413 „Zuerft lieber Söhne zwei in den Tod gefchidt, Gemwürgt des Dritten Leben wie man die Blume Inidk, Den letzten Bingerichtet mit Schmach ohn alle Schuld, Den Pferden vorgeworfen gar Swanhildens Liebeshuld. „Die auf dem Todesbette dein Bruder bir empfahl, Du biengft fie, deine Neffen, du Herz von Stein und Stahl. Nun haft du auch vertrieben, Wuthrich, aus beinem Land Dietrih und Diethern und den alten Hildebrand „Und manchen guten Ritter, des Reiches Preis und Bier, Trieb dich hinauszuſtoßen verruchte Habbegier. An allem diefem Uebel, manch frevler Miffethat, Iſt Sibich Schuld, der Marichall: der übt hier ſchnöden Verrath, “ Dem Kaifer an der Seite fand Sibich bei dem Wort: Der wuſt es abzuſchütteln. Der Schlaue ſprach fofert: . „Das jagt’ ich euch, Herr Kaiſer, voraus, gedenkt euch recht, Als ihr hieherzogt Heimen unb den geborenen Knecht „So hoch erhobt, daß wahrlich euch jelbft er überragt, Ihr würdet es bereuen, eb mancher Tag getngt; Und beßer wär's, ihr wieſet zu Wald ihn an das Meer, Der Rofje da zu hüten wie fein Bater Adelger.“ „Weit Gott,“ rief da Heime, der jegt erft Feuer fieng, „Wenn ich mein Schwert bier hätte, den guten Ragelring, Ich wollte dich erfchlagen mie einen räudgen Hund.” Er zwang die Fauſt zufammen und that ihm Unmillen kund. ©
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414 Er traf ihn auf die Bade, daß er am Boden lag Dem Kaiſer zu Füßen von dem gewaltgen Schlag. Ihm fchoß das Blut vom Munde; fünf Zähne fpält' es aus: Der Sinne wenig Kunde ließ ihm im Haupte der Saus. Ohnmächtig lag der Marſchall: ba rief ber Kaifer hehr: „Ergreift ihn, meine Mannen, er fteht da ohne Wehr. Am Galgen laßt den Frechen die frevle That bereun.“ Als Heime das erbörte, da gieng er bin ohne Scheun Wo feine Waffen waren und wo ibm Rispa flanb: Gewaffnet in den Sattel fprang er unverwandt Und ritt aus dem Burgthor: ihnm nach ſetzten ſchnell Der Nitter Ermrichs ſechzig: ihre Schwerter bligten hell. Da war aber Wittich den Schnellen jchon voraus; Den fcharfen Mimung z0g er aus feinen Sammethaus, Stand in des Thores Mitten und wies das fcharfe Schwert: Die fechzig Ritter ftugten wie gut fie waren bewehrt. Da bätte fih nicht Einer ans Thor beran getraut. So lam von ‚binnen Heime; dem hatte sicht gegraut. Er ritt gen Bologna, mit eignen Händen bort Hieng er den Berrätber, der gemeldet hatte den Hort. Verwegener Gejellen zweihundert mähl!' er dann Und hub das alte Räuber: Leben wieder an Mit Sengen und mit Brennen; das Handwerl war ihm lieb: Und dießmal kam nicht wieder ein Dietleib, ber ihn vertrieb. ©
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415 Wo er ein Hofgut wuſte Sibichs und Ermenrichs, Tas war fein Gelüften, zum Ziel ermählt' er ſichs: Die Scheunen brannt er nieder und fchlug bie Leute tobt. Nie ließ er Belagunder, des Marihalld Land, ohne Roth. Er nahm es ein am Ende und lag da mandes Jahr Bis er es ganz zu Schanden gemacht mit feiner Schar: Da ließ er ihm die Wüfle und for fih andern Sik; Ihn felber zu gefährden part’ er nicht Mühe noch Wik. Kaum wagte fi der Marſchall zulekt noch anszugehn: Nie ohne Leibwache ließ er ſich draußen ſehn Und hatte doch vor Heimen noch Angft und große Notb; Er mar ſchon fonft fo feige, nun bebt’ er gar vor dem Tdd.
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416 Achtzehntes Abentener. Wie Ermenrich beftrait wurbe Gedenkt euch noch Gudrunens im fernen Schottenland, Der Mutter Swanhildens, wie fie bie Hände wand, Als fie ihr Flehn veradhtend, ihr Weinen, ihr Gebot, Zu Schiff die Tochter führten in unvermeiblichen Tob? Run follte fie erfahren, in welchen Tod fte gieng. Db nur ein leichter Schleier ihr vor der Zukunft bieng, Sie hatte fi ihr Sterben fo fchredlich nicht gedacht Der war auch hart und graufam, der ihr die Kunde gebradt. Da barg fie im Gemache, im ſchwarzverhangnen Saal, Ein Jahr lang die Trauer, der Seele ſcharfe Dual. Sie fragte die Geſchicke, ob keine Rache je Den Schmerz befänftgen möchte, der Mutter Jammer und Web. Das fagten ihr die Runen: Wenn Exp, zum Mann erwuchs (Die Stieflöhne nennen ihn neidiſch nur den Fuchs), Wenn erft das Schwert umgürte: dein und bes Könige Kind, Vielleicht, daß Gudrun Rade dann an Ermenrich geivinnt.
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417 Run nahm das Schwert der Süngling mit lichtbraunem Haar, Der Onalers Sprößling und Gubrunens tar. Da reizte fie zur Nache mit Epott und bitterm Hobn Der andern Mutter Söhne, To auch ten eigenen Sobn, Bang trugens Sar und Emmel, ertrugen es nicht mehr. „Was verlangft vu, Gubrun? es tft una allzufchwer Di immer klagen hören ob unfrer Lauigfeit. Sprich, wenn du kannt vor Zähren, willft du uns rüften zum Streit? . 1 Magſt du mit Erp uns ſenden, ſo fehlt uns nicht der Mutb: 'r ıft Swanhildens Bruder; doch tun Wir was er- thut. ihn wirft du bald beiveinen wie jeßt die lichte Magd, Benn er auf fchnellen Schiffen mit un? den Tod hat erjagt.“ ie ſprach: „Ich will euch waffnen, daß euch kein Stahl verfebrt; tur "hütet euch vor Steinen, auf daß ihr wiederlehrt. brn werd ich nicht bewehren, erfüll er fein Geſchick! ch Tann das Looß nicht ändern; nur erſpähen kanns mein Blid. zört was euch Rornen woben, was Sluld euch hat beftimmt: aß Sar des Raifers Füße, des graufamen, nimmt, id Emmel beide Hände; doch Erp nimmt das Haupt. ein Leid hat ein Ende, wird ihm das Leben geraubt. inen Thurm mit vier Thoren, der nad vier Winden fchaut, t ſich auf hohem Felfen in Romaburg erbaut nenrich ber Kaiſer: nun wohnt er immer dort d hütet feiner Schätze wie Fafner Iag auf dem Hort. Simrod, das Amelungenliev. 11. 27
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418 „Ihr mögt ihn nicht gewinnen am Tage, wenn er wacht Und al fein Volk darinnen, zu Hülfe nehmt die Nacht. ‘ch geb euch einen Schlüßel, der fein Gemach erfchließt: Erfchlagt den Unwerthen daß er des Lichtes genießt. „Ermorbet ihn im Schlafe: das ift den Göttern lieb, Der auf Smwanhildens Schläfe beichlagne Hufe trieb. Die Pferde fpürten Mitleid: fie menbeten ſich ab; Er fpürte keins im Herzen, es ift öde wie das Grab. „Der feine Söhn und Neffen erichlug, ver Wütherich, Den Bogt von Bern hinausftieß, den edeln Dieterich, Ihm leuchten nicht die Sterne, die Sonne trägt ihm Haß, An feiner Bahre trübt ſich Tein Blick, kein Auge wird nak. „Das Schiff liegt im Sunde, das eu gen Welſchland trägt: Schon bläht der Wind die Segel, vom Zauber aufgeregt. Da findet ihr die Kleider und findet was euch Noth; Lebt wohl, und meibet Steine; Erp, meide meuchelnden Tor.’ Da sitten fie das Seeroſs big an der Tiber Strand; Unweit der Katfervefte fttegen fie ans Land. „Run fag uns, Erp, den Rothen zu trauen ift nicht viel: Wie denkt du ung zu helfen dort bei dem blutigen Spiel‘ „Was magft du uns frommen, verzognes Wutterlind, Halbwüchsger Anab, wo Männer und bloße Schwerter fint: Swanhildens Bruder ſtutzte; unfreundlich mar der Gruß. Er ſprach: „Sch will euch helfen wie Hand ber Hand, wie Fuß dem Fur-
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„Das ift nicht viel,“ verfeßten die Zwei, „auch dünft uns das Nicht Hug, dab du uns mahneft an beiner Mutter Haß. Sie gab Uns Händ und Füße, das Haupt dem eignen Sohn: So wird dir Ruhm und Ehre; mas Wir gethan, wer fpricht davon? „Doch fol es nicht gelingen der argen Zauberin, Du wirft es nicht vollbringen: wir laßen dich nicht hin.“ Sie zogen aus der Scheide des Schivertes Falten Stahl, Die herzlofe Schneide, die ba morbet ohne Wahl. An ihrer eignen Stärke begiengen fie den Raub, Als fie ben Liebling neigten der Eltern in den Staub. Sie trugen alyubillig in Rom das Leben feil, Da fie die Kraft gemindert muthwillig um das dritte Theil. Sie fehüttelten die Hüllen, daß Staub entiprang und Blut; Mit Gudruns Kleidern wehrten fie fih vor Feindeswuth. Ste fuhren hin und famen an einen’ fchmähen Drt: Dem Sohn der Stieffchtoefter, dem begegneten fie dort. Beftlich vor dem Thore am grimmen Marterholz jieng er geſchaukelt, den kühn fie jahn und ſtolz. )er übeln Vorbedeutung enteilten fie geſchwind: 3 Schien als winkte Randwer, menn ihn bewegte der Wind. ' a ftrauchelte der ältre vor eines Grabens Rand; och fieng er fih und wehrte dem Fall mit Einer Hand. 2 Sar begann da Emmel: „Erp hätt ung doch genübt; - chter lag ih im Graben, da hat die Hand mid) geftüst.”
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420 Richt lang, fo kam ein Stolpern dem jüngern Bruder an: Da Ichob er geſchwinde ben andern Fuß voran Und bielt fih auf den Beinen. Zu Emmeln ſprach da Sar: „Gin Zuß half dem andern: der Rothfuchs redete wahr.“ Sie nahten nun der Belle, die Rachgier in ber Brut: Entgegen aus dem Hofe ſcholl ihnen laute Luft. Trinkhörner kreiſten und Becher giengen rund, Sie dadıten feiner Feinde: da that ber Wächter fie kimd. Sie fagten Ermrichen; „Die ſchwarzen Brüder nahn Der lihten Swanhilde, die Radluft treibt fie an. Die Mächtgen find gelommen, es gilt uns blutgen Streit: Zum Schaben ftorfen Männern zertreien liebt ihr die Maid.“ Der trunine Kaifer lachte und ſtrich fich ben Bart: Er dauchte ſich im Kreife der Krieger wohlverwahrt. Das rothe Haupt ungläubig bewegt’ er hin und ber: „Wo ſäumt ihr, läßge Schenken? hiehergeſchaut, ber Stauf ift ir: „Stoßt an! Ich wünſcht eö immer: würd es mir endlich wabi Daß ich in meinem Hofe den Enmel ſäh und Sar! Mit Bogenfennen binden Hieß’ ich fie, an den Baum, Den winbbürren, hängen; doch eitel bleibts, ein fchöner Traun Da ward ein Getümmel im Hofe, Schwerterklang Erſcholl, daß von den Tifchen mancher Becher ſprang Ins Blut fanden Männer, nicht in der Traube Blut. Der Tod warb fih Beute; der Sailer blieb ohne Hut.
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' 421 Da nahten ihm die Kühnen mit hochgeſchwungnem Schwert. „Habt Ihr und bier zu ſchauen, Herr Ermenrich, begehrt? Der Hände ſchon, der Füße ſeht ihr euch nun beraubt; Zurüd! ihr wehrt und nimmer, es gilt ihm jeko das Haupt!“ Ste deiiten ihn mit Schilden, dein Hieb erreicht' ihn mehr: Geftümpft von bannen tragen ſah man den Kaifer bebr. Run erft begann zu toben Dnalers ſtark Geſchlecht: Daß fie den Kaiſer bargen warb an den’ Mannen gerädht. Da ftand an den Stufen bed Saale ein alter Mann: Der trieb zum Kampf mit Schelten bie Amelungen an. ‚Wie bulbet ihr die Schande? Zwei Männer find genug Behnhundert gegenüber? Nicht weile thut ihr und Hug.“ — Mas murrſt du, Einäugiger, was Inurrft du wie ein Bär? zſt guter Rath dir wohlfeil, jo künd uns deine Mär. kein Schwert mag fie verfehren, das bringt uns Ungewinn: ihr Kleid unverleglich jchuf die arge Zauberin.“ — So werft fie tobt mit Steinen, wenn feine Waffe frommt. _ Der Rath ift gut, der Siegsgott iſts felbft, von dem er fommt.“ ah Onakers Söhnen flog Stein über Stein. Siebft du nun, Sar? Was Gudrun vorausſah, Alles trifft ein. Run wär berabgefchlagen das Haupt dem alten Mann, enn unfer Bruder lebte, ber uns nicht beiftehn Tann. en wir erfchlagen haben, jetzt wär er unfer Heil. ir tragen allzubilig in Rom das Leben nun feil.
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422 „Wir tHaten wie die Wölfe, die bungrigen, im Wald, Der Nornen wilde Hunde: im Winter, wenn es Halt, Daß fie nicht Beute finden, ba fallen fie ſich am, Sich felber zu zerfleiſchen: fo haben Wir an. Exp gethan.“ „Wir baben ſchön gefochten doch beide,” ſprach da Sar; „So fit auf dem Afte gelättigt der Aar Wie wir auf Leichenhaufen, und Leichen rings umber. Der Ruhm ift geivonnen; fo dunkt mich Sterben nicht ſchwer. Am Saale ſank Emmel . und Sar nm Vorderhaus. Der Kaiſer hatt entgolten Swanhildens Tobeögraus. Nun ihn von Fuß und Händen des Marſchalls Rathen ſchied, Hier hat das Lieb ein Ende: fahrt wohl, es iſt das Sibichslicd ‘
Die beiden Dietriche
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Erſtes Abentener. Wie Dietrih nah Bedhelaren kam. Frau Saga ſprach: „Du fingeft mir weder leis noch laut: Iſts Mitleid mit dem Helden, daß cr das Elend baut? Du folft e8 nicht entgelten noch wer dein Lied vernimmt: Ich miſche jo den Becher, daß er zu Freuden noch ftimmt.” Sch ſprach: „Den Dietrich trintet, den Kelch verfchmäh ich nicht: Ich tbeile Leib und Freude mit ihm nad füßer Pflicht. Magft du den Hörer laben, daß ihm mein Sang behbagt, Der Ruhm ift dein, er bleibe dem Sänger immer verjagt. „Sein Name wird vergeben, es darf ihn nicht gereun. Das Lied, des ein Jahrtaufend ſich deutiche Völker freun, Mer es jein eigen bieße, wie eitel wär der Thor! Der Göttin fol er danken, die ihn zum Dollmetich erfor. „Du haft ihn eingegeben und dein ift mein Gefang, Wie oft all mein Gemüthe dich zu vernehmen rang. Du fprihft im Seelenraufde, im halben Traum zu mir: Sprich wie du willſt, ich lauſche und die Ehre bleibe dir.
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4 Erſtes Abenteuer. Sie ſprach: „Du börft mein Fliftern und hörft mein lautes Wort, Dem leifeften Winke gehorcheſt du fofort. Du haft an andern Tagen die Ohren fein gefpikt; Ich will jezumweilen vernebmlich reden anit. Traurig ind Elend ritt Dietrich der Held Mit dreiundvierzig Reden; auch war ihm noch gejellt Dietleib von Steier, der nur fein Volk entließ, Als fie die Raft verfhmähten, die Berchtesgaden verhieß. Sie ritten Holz und Haide und das gebaute Land Und Sprachen wenig Worte; doch eine Zähre ftand Dem landvertriebnen König im Auge, wenn einmal Aufblidend ihm fo trübe die Welt erichien, und fo fahl. Was er noch jüngft befeßen ſchwebt' ihm immer vor, Welſchland und Garten und Bern mit Brüd und Thor. Doch weh, der Väter Erbe, die Heimat ifts nicht mehr, Sie fandten ihn zu quälen nur ihr liebes Bild daher. Wenn er das geivahrte, er hielt und feufzte tief. Doch giengen bin die Tage, die er halb verfchlief Auf feinem Fallen träumend; wenn nur bie Nacht nicht wär, Die lange Nacht, die öde: die zu verbringen warb ihm ſchwer. „Web,“ ſprach er heute wieder wie ſchon zu mancher Frift: „Elend, o wie übel du anzufchauen bift! Dabeim hatt ih Ehre und Zönigliches Gut; Nun ift mir nichts geblieben als immer trauriger Muth.“
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Wie Dietrich nach Bechelaren kam. 5 Da fprad der Helden Einer, er meint’ es gut und treu: „Eo Hägli zu gebaren trügt ihr billig Echeu. Hoher Muth ift Zierde Königen und Henn: Wär der euch nicht erlegen, ihr hättet heute noch Bern. „Es mag euch wieder werden, wenn ihr die Trauer bannt, Den Harm, mit dem noch Feiner fein Leid überwand. Das wird auch uns ermutben, tvenn wir euch heiter fchaun; Verzagtem Yührer mögen dieſe Recken nicht vertraun.” Da ſprach aber Dietrih: „Das ſprichſt du nur fo leicht; Doch Schwer ift froh gebaren, wenn Gram die Schläfe bleicht. Und dem man Alles raubte, bab ich nicht Grund zum Gram? Mag aud) ein Baum noch blühen, dem man Aeft und Zweige nahm? „Wer nur ein Haus verlöre mit einem Dad) von Strob, Unempfindli hieß’ er, blieb’ er gefaßt und froh. Ich hatte Land und Leute, das fchönfte Reich der Welt, Und ward mir eine Hütte gelaßen, blieb mir ein Zelt? „Wo ich geftern ruhte, da raft ich nicht mehr beunt, Der Landflüchtge findet den Wirth nicht noch den Freund. Wer weiß bier meinen Abel, wer kennt mein hoch Geſchlecht? Ich heiße Volkskönig und bin ärmer als ein Knecht.” Sie hätten noch gewechjelt vergebens manches Wort, Doch Dietleib von Steier begann: „Und feht ihr dort Die folge Burg fih heben mit Thürmen feit und ftarf? - Da wohnt der milde Rüdiger und hütet Eheln die Marf.
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6 Erſtes Abenteuer. „Und eben da ich melde wird aufgethan das Thor, Geſenkt die Zugbrüde: men laßen fie hervor? Es iſt ein edler Degen und ftattlich fein Geleit, Gewiſs der Markgraf felber: ob ihr gemelbet ibm ſeid? „a Rüdger ifts, der gute und bei ihm Gotelind, Des edeln Nere Tochter und deiner Bafe Kind; Du magft dich freuen, Dietrich, und ihr au, Hildebrand, Und Wolfwin gar und Ritihart, die ihr zunächſt find verwandt. „Was trägt in den Händen die edle Marlgräfin? Bon weißer Seid ein Banner, ein rotber Löwe drin. Das will fie dir verehren; fie bat es felbft geftidt. Scharfäugig war der Späher, ber uns fo fern bat erblidt. „Was fagft du nun, Dietrich? lebt dem Fein Freund, fein Wirtb, ‚Der in Bechelaren fo wohl empfangen wird? Kennt Niemand deinen Abel und dein erlaudht Geſchlecht? Den fo fie grüßen, ift er ein König oder ein Knecht?“ Der Troft nahm dem Berner des Kummers ein Theil. Bald nahten ſich die Scharen, Berlangen trieb zur Eil; Als Aug in Auge blidte, das gab ein ſchön Empfahn: Willkommen hieß die Helden König Etzels Untertban. Die fchöne Gotelinde, Rüdigers Gemahl Säumte nicht mit Grüßen bis es ihr Herr befahl: Ungeheißen füfste die Gäfte Gotelind: Erft Dietrih den König: fie war feiner Bafe Kind;
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Wie Dietrich nach Bechelaren kam. 7 Den Meiſter nun: es hatte ſie Rüdigern der Ohm Verlobt, als er zum Reichſstag mit Etzeln kam gen Rom; Die lieben Brüder küſſte darauf ihr rother Mund, Des edeln Nere Söhne, denen that fie Freundſchaft Fund. Der Wölfinge dreie, Dietleib von Steier dann (Er war ihr auch befreundet als Adelindens Dann), Und manchen noch der Reden, ich weiß fie alle nicht; Doch wer den Anſpruch hatte, der that wohl ungern Verzicht. Das Grüßen und das Küſſen mährte lange Zeit; Dann waren auch Geſchenke den Reden viel bereit, Daß fie fih willlommen müften in dem Land: Dem Vogt von Bern das Banner, dazu ein Purpurgewand. Dann gab ihm der Markgraf, den Gebens nie verbroß, Mit Gebiß und Bügel von Gold ein edles Roſs, Und jebem der Ritter .ein gutes Kleinod; Verſchmähen durfte Niemand was er jo gütli ihm bot. „Run fagt mir, Her Dietrich,“ ſprach er, „das wüſt ich gern, Wie feid ihr geichieven von Rom oder Bern? Hat euch zum Heunenlönig gefandt Herr Ermenrich? Was ihr auch fommt zu ſuchen, das gewährt er williglich.“ Die Frage, die in Güte dem Berner geſchah Betrübte fein Gemüthe, das Weinen war ibm nah. Da ſprach der gute Meifter: „Iſt euch das nicht bemuft? Mein Herr ift vertrieben; ihr mahnt ihn an den Verluſt.“
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8 Erſtes Abenteuer. Als das der Markgraf hörte, die Frage reur’ ihn ſehr. Da kam der Helb zu Worte: „Biel edler Rüdiger, Wohl habt ihr Recht zu fagen, daß ich geſchieden ſei Bon Bern; von allen Ehren bin ich geſchieden babei, „Don Leut und Land, von Allem was mir mein Bater lieh. Nun mag ich erft heißen, tie man mich immer hieß, Dietrih von Berne, da Bern mir nicht verblieb. Da hab ich nichts zu fchaffen, ſeit mich der Oheim vertrieb.” Da bog vor ihm die Kniee der Markgraf Tummervoll: „Verzeiht mir, ebler König, ich büße wie ich foll, Daß euch das Herz betrübte mein unzeitig Wort: Könnt ich es wiederkaufen, gewiſs mich reute fein Hort. ‘ „Hat euch ein Leid betroffen, das war mir unbelannt: Auch wuft es nicht der Bote, den Dietleib hat gefanbt, Bon deſſen Märe Freude nur mein Herz gewann.“ Da ſprach aber Dietrich: „Steht auf, ich bin ein armer Mann. „sh habe Land noch Burgen noch fahrendes Gut: Wie ziemt denn die Ehre, die ihr dem Bettler thut? Nehmt eure Gaben wieder, ich bin foviel nicht werth, Es Tann fie nie vergelten dem dad Glüd den Nüden kehrt. „Run muß ich euch zürnen,“ ſprach der Markgraf reich, „Ich will mit euch theilen Erb und Eigen gleich, Das Gold in den Truben, die Garben auf dem Barm: Soviel gab mir Ebel, mich madt die Theilung nicht arm.
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Wie Dietrich nach Bechelaren kam. „Womit denn verdien ichs, daß ihr mich verdenkt, Ich hätt um Gegengaben euch dieſes Gut geſchenkt? Die Rede ſollt ihr büßen, Dietrich, in meinem Haus: Bis ihr mich anders kennet, kommt ihr nicht wieder heraus. „Greift zu, meine Mannen und fangt euch einen Gaſt.“ Schon hatte Gotlinde des Berners Zaum gefaßt, Und Rüdiger des Meiſters: da thaten alle ſo. Die Amelungen waren ihrer holden Wirthe froh. In Bechlaren fanden die Helden gut Gemach, Sie wohnten bei den Freunden wie unterm eignen Dach. Da waren ſchöne Frauen, da war Geſang und Spiel, Und kurze Freude ſetzte nun langem Kummer ein Ziel. e
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Zweites Abentener. Wie Rüdiger von Rudlieb zu erzählen begann. Mit Worten und mit Mären fliß der Markgraf fich Seinen Saft zu tröften, den edeln Dieterich. Er ſprach: „Ihr müßt nicht trauern weil euch der Ohm verbannt; Auch Ich warb vertrieben aus der lieben Heimat Land; „Doch ſeht ihr jet mich wieder getroft und wohlgemuth. So mild ıft König Etzel und bat fo volles Gut, Er mag euch wohl vergelten was ihr verloren habt: Seht an mir das Beifpiel, den er fo reich hat begabt!“ Da fprad im Zweifelmuthe der edle Vogt von Bern: „Ihr rühmt mir große Dinge von ihm, ich hör es gem; Doch gab er euch wieder das Land, das man euch nahm? Hat ers zu thun verheißen? Das wär ein Troft mir im Gram.” Wieder zu dem Berner ſprach der Markgraf reich: „Alzuferne lag ibm Arabien mein Reich: Wie weit fein Arm auch greife, doch langt er nicht dahin; Mir ward im Dfterlanvde fo viel, daß ich entichädigt bin.“
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Wie Rüdiger von Nublieb zu erzählen begann. 11 „Er gab euch Land und Leute und manche Burg zu Lehn: Das ift fo eitel,” ſprach er: „von Etzeln nicht geichehn. hr Tonntet3 wohl verdienen, ihr warbt ihm fein Gemahl, Helle, Rothers Tochter, geivann ibm Heunland zumal. „Ich ſchweig eurer Dienfte; es ift nicht mein Begehr, Daß er umfonft mir helfe, viel ebler Rüdiger. Doch weiß ich für die Heimat mir nirgendwo Erſatz, Böt er mir alle Reiche, ja unerfchöpflichen Schatz. „DaF laßen wir beivenden; es fommt dazu die Zeit. Eins möcht ich jet erfahren, da ihr mein Wirth noch jeib Und gern mit guten Mären die Weile mir vertriebt: Wie eu Arabien wurde, und warum ihr da nicht bliebt? „Doch will ich das nicht wißen, wenn es euch Schmerzen fügt, Wie ihr e3 ledig wurdet; nur jagt, das genügt, Wie in fo fernen Reihen ihr Land und Leute ziwangt. E3 muß mich immer wundern, daß ihr es je habt erlangt.“ Da ſprach der gute Markmann: „Auch hab ichs nicht gethan; Sch hab es nur verloren. Rudlieb wars, mein Ahn, Dem Glüd und Tugend gönnten ein Reich zu gründen dort. Denn mit dem Echwert erfämpft’ er fich ziveier Könige Hort, „Mit dem ein Zwerg fi) löfte, daß er am Leben blieb: Elbegaft, ver ſchlaue berücdhtigte Dieb. Das Schwert muft er ftehlen dem König Golvemar, Der Bruder dem Bruder, denn ihn zivang dazu Gefahr,
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12 Zweites Abenteuer. „Als er den Tod nicht ander? von Rudliebs Hand vermied, Der nun den beiden Königen damit den Tod befchied. Die waren dort gewaltig in jenem fernen Sand; Immung bieß der Vater, der Sohn war Hartung genannt. „Des reihen Immung Tochter, Herburg ber fchönen Maid, Der durft er fi) vermählen als Sieger in dem Streit. Sie bracht ihm dann als Mitgift Arabien das Reich; An Gold und Edelſteinen ift kein Anderes ihm gleich.“ Als das der Berner hörte, er ſprach: „Wie ift mir doch? Das hab ich einft vernommen von Ed, mir denkt es noch. Nudlieb bieß dein Ahnherr, und Sad, das ift mir lieb, War wohl das Echwert geheißen, das der Zwerg ihm brachte, ver Dieb? „Rudolf, dein Vater, erſchlug er nicht im Wald Einen Hafterlangen Rieſen mit Namen Hugebald, Der halbwüchsge Knabe mit blonder Haare Flachs? Sp ift die gute Waffe denn dein, das fcharfe Eckenſachs. „Ich darf dir nicht verhalten das Taiferliche Schwert, Gehen? und Scheid alleine find Tonnen Golbes wertb. Hier ift es, hab es wieder; ich nahm es Eden einft. Es muß dir gehören, der fein rechter Erbe jcheinft. „Du bätteft nie verloren das ferne Land vielleicht, Wenn du das Schwert nicht miföteft, dem kaum ein andres gleicht. Nun wirb es dir erft heute, das ich fo lange trug; Doch nicht zu fpät, du wirkeft damit noch Wunder genug.“
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Wie Rüdiger von Nublieb zu erzäblen begann. 13 Da Sprach der milde Marfmann: „Das Schwert ift nicht mehr mein, Nun laß es euch gefegnet der Himmel immer fein. Ihr habt es wohl erworben, das Leben drum gewagt Im grimmen Kampf mit Eden, davon man finget und jagt. „sch will es euch nicht ſchenken: hätt ich ein Recht daran, Dem würd ich nicht entfagen: wie wär ich jo verthan? Mer weiß auch, wie theuer es Drufian erwarb Nach meines Vaters Tode, der in diefen Landen ſtarb?“ Der Berner ſprach: „Wen wundert nun noch, daß milbe heißt, Der joldy ein theures Kleinod fich zu verleugnen fleißt? Mit fieben Eibeshelfern hätt e8 ein andrer Mann Erftritten, und bejäß er den halben Anſpruch daran. „Wohlan denn, ich bebalt es Hinfort als dein Geſchenk; Noch andrer Wohlthat bin ih Dir in den Tod gedenk. Ich Tann fie nie vergelten: du und Gotelind Thut den Heimatlofen was Tein Vater thut dem Kind.” — „Ihr überbebt mich,“ ſprach er, „edler Vogt von Bern. Wo blieben wir? ich fagte von meinem Ahn noch gern. Wollte ihr nicht wißen wie Arabia Uns ward, das fern gelegne? mich bünlt, ihr fragtet mich ja.“ „IH frug darnach,“ verſetzt' er; „doch fagtet ihrs nicht ſchon?“ Cr ſprach: „Nicht halb, ihr hörtet gar wenig noch davon. Sag ich freilich Alles, es wird ein langes Lieb; Doch hört!’ es Mancher gerne, den ich der Märe befchieb.
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14 Zweites Abenteuer. „Ich könnt es euch erzählen zu Abend überm Mal, Daß Dietleib auch es hörte und eurer Helden Zahl — Wenn ihr es gern vernähmet, denn eben freut e3 nicht, Wenn man von alten Zeiten, von entlegnen Landen fpridt.“ „Mir ifts ein Feſt,“ ſprach Dietrich, „nichts kann mich mehr erfreun Ihr verhießt damit die Grillen mir Armen zu zerftreun. Bon euerm Ahn erzählt ihr: das reizt mich um fo mehr, Ich verbant ihm diefe Waffe: das würzt die Märe noch fehr.“ Da nun mit rothem Schimmer der Abend nieberfant Und nad dem Mal die Schenlen reichten lauten Trank In goldgejchweiften Schalen, da mahnten fie den Wirth Bon feinem Ahn zu jagen, mas kein Enkel weigern wird. Wollt ihr nun gerne hören was Rudlieb begieng, Wie ich die Märe felber aus Sagas Mund empfieng, So neig ich eine Weile des Liebes hohen Ton: Arm war er felbft und niebrig und geringer Eltern Sohn. Es liegt ein Land am Nheine, man nennt ed nur das Gau, Da kommt ein Bach geronnen dur manche grüne Au, Borüber fanften Hügeln, die Korn und Wein erziehn: Der Bach heißt die Appel, fie windet fanft fi dahin. In diejes Thales Frieden einft ſaß ein junger Helb Allein bei feiner Mutter; noch kannt er kaum die Welt; Doc mwünfcht er fie zu ſchauen: in harter Herren Pflicht Muft er fein Leben wagen, er ertrug es länger nidt.
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Wie Rüdiger von Rublieb zu erzählen begann. 15 Da ſprach zu der Mutter Rudlieb der junge Mann: „Könnt ihr mich bier entbebren, fo zieb ich ſtill hindann. Mir wird für treue Dienfte ein Dank bei diefen Herrn: Eie verheißen und geloben, doch Halten liegt ihnen fern. „Fehden noch und Feindſchaft gewinn ich in den Kauf: Hinfort will ich mich Sparen, den Dienft geb ich auf; Man ißt in andern Landen mohl aud fo ſchwarzes Brot. Wollt ihr mir Urlaub geben, fo bin ich ledig der Noth.“ Eie ſprach: „Zieh hin und ebne mein Segen bir den Pfad; Daß du das Glück verſuchteſt, war längft der Mutter Rath. Sch mag mich hier behelfen, dba mander Freund uns blieb; Kehrſt du einft reih an Ehren und Gut, fo ift e8 mir lieb.“ Bewehrt und gerüftet beſchritt er bald fein Roſs, Dem links in reichen Wellen die ſchwarze Mähne floß. Das Hifthorn an der Seite, den Leithund voran, Er ritt nicht wie zum Streite, nein wie zur Jagb in dem Tann. Doch Wer den Knappen fähe, den täufchte nicht der Schein: Der Knappe trug ihm Bogen und Köcher nicht allein, Er führt! ihm auch den Harnifch,. den Schild und den Sper, Die Trub und goldnen Safer und des Reiſevorraths mehr. So ſchied er von der Mutter — mit trodinen Augen nicht; Do ift Ihr Schmerz der größre, mie fie gelaßen ſpricht. Sie folgt ihm mit den Augen bis feine Spur gerrinnt, Und auf die Zäune Slettert, ihm nachzufehn, das Gefind.
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ar = —— meer {onen {ı 1 16 r Drittes Abenteuer. Als fie ihn nicht mehr Schauen bricht erft der Sammer aus, Mit Weinen und Schluchzen füllen fie das Haus. Die Mutter muß fie tröften, die felber Kummer trägt, Indem fie Rube heuchelt ſich der Sorge nicht entichlägt. Derweil ift auch der Jüngling nicht aller Neue frei, Daß von der lieben Heimat er fo geſchieden jei, Nicht länger hab erbulvet der Herren Trug und Lift. Wie fänd er in der Ferne das Glüd, das er daheim vermifst? Hat es ihm zugeſchworen die Ungunft des Geſchicks, Dder iſts ihm angeboren, jo follt er augenblid3 Zurüd die Schritte wenden, denn befer wirds nicht leicht; Doc mag es fchlimmer werben, wenn er verzagenb entweicht. Unſchlüßig hat er lange gezweifelt und geſchwankt, Da blidt er auf zu Jenem, dem er das Leben dankt. „Du laß mich nicht verderben, fei mir ein gnäbger Gott, Daß ich mein Leid bezwinge, der Feinde hämiſchen Spott.“
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Drittes Abentener. Wie Nudlieb Karpfen fieng und Wölfe blenvete. Er fam nad langen Fahrten ins ferne Africa, Mo eines Königs Jäger ihn auf der Straße jah. Er mar von ſchönem Wucfe, drum jchaut’ ihn der mit Luft: Mer der Fremdling wäre, das hätt er gerne gewuſt. Er Tieß fih in Geſpräche mit ihm und fragt” ihn auch Wohin, woher des Landes wie es Gefährten Brauch; Doch warb ihm wenig Antwort. Wer mag er nun wohl fein? Für eines Königs Boten ift fein Gefolge zu Klein. Do kommt er aus der Ferne nad feiner Sprache Laut, Und iſt ein fühner Degen, der eigner Kraft vertraut. Er gefiel ihm immer beßer; da hub er endlich an: „Verdenkt mir nicht die Fragen, die ich zubor euch gethan. „Ich möcht euch nüßlich werden, denn ihr behagt mir fehr. Sich dien einem König, der groß tft und bebr; Er bat aud fein Vertrauen vor Andern mir gefchenft. Wenn ihr in fremden Landen euch zu verfuchen gevenft, Simrod, das Amelungenlied. II. 2 a
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18 Drittes Abenteuer. „Weil ihr daheim der Neider, der Fehden habt zuviel, Ich mwüft euch wohl zu rathen, zu helfen an das Ziel. hr Tennt von Grunde, jcheint es, die edle Waibmannskunft: Wie mohl empfohlen wärt ihr damit in meines Königs Gunft! „Die liebt der Egypter und ift den Jägern hold, Giebt ihnen gute Roſſe, Gewand und reichen Sol. An feiner Tafel fiten wir ihm die lebten nicht, Er fcherzt mit uns und fendet mir oft das befte Gericht. „Denn ihr nun die Rechte mir gerne reicht zum Bund, Sp thun wir ftäte Treue bis in den Tod uns fund. Schlagt ein, bier ift die meine, wir wollen Einen Muth Nur haben, miteinander zu theilen Bös oder Gut.“ Da fpricht zu ihm der Jüngling, der jegt Vertraun gewinnt: „Du baft meine Sachen errathen tie fie find. Und wenn du fo getreu bift, mie bu mir heut erfchienft, So ſchlag ich deine Freundſchaft nicht aus, noch deines Königs Dienit." Des freute ſich der Jäger; fie ritten hin gefellt Und kamen bald ins Lager und vor des Königs Zelt. Als der fie beid erfchaute, zu Jenem hob er an: „Was haft du guter Märe mit bir gebracht aus dem Tann? „Iſt dir ein Wild begegnet, ein Eber oder Hirſch, Den ich mit Hunden morgen mag beten auf der Birſch?“ Er ſprach: „Der dreie feinen fand ich auf diefem Ritt; Doch der fie weiß zu fahen, den bring ich, König, bir mit.
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Wie Nublieb Karpfen fieng und Wölfe blendete. 19 „Den Süngling bier, der Vieled von Waidmannskunſt verfteht Und dem in die Falle das Walbthier willig geht. Willſt du ihn verfuchen, er macht es felbft bir wahr; Eo wirft du gern ihn orbnen in deiner Amtleute Schar.” Da ſprach der Egypter: „Willfommen ſei er bier, Er ift wohl empfohlen, da Du ihn bringft zu mir. Es fommt zum Jagen morgen: da wird es wohl erprobt, Du babft feine Künfte nicht umfonft jo hoch gelobt.” Zur Jagd am andern Morgen ritten fie hinaus Bei glübem Sonnenbrande: da bot ein Jägerhaus Am Saum des Waldes Schatten. Der König, froh der Rait, Sprach zu dem Koch: „Nun bringe was bu zubereitet haft. „Bir wollen erft tafeln, und jagen nad) dem Mal; So heiß brennt am Abend nicht mehr der Sonne Stral.” Der Koch bei den Worten erjchraf und fprach verzagt: Was follt ich denn fpießen? ihr habt noch wenig erjagt.“ „Ein Schlimmer Fall,” entgegnet der König und lad: Dazu ift Fafttag heute, das hatt ich nicht bedacht. Zum Glüd ift der alte Fiſchteich in der Näh Mit großen Muttlarpfen: mer fie nur ſchon gebraten ſähl“ Da winkte dem Gefährten NRublieb und gieng Mit ihm zu dem Teihe, wo man die Karpfen fieng. „Laß mich nur machen,” ſprach er, „du kennſt noch nicht die Art, Wie man bei und zu Lande Karpfen fängt mit ſolchem Bart!"
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20 Drittes Abenteuer. Er goß aus einer Büchfe viel Körner, Pillen gleich, Sid in die Hand und warf fie hinaus in den Teich. Gleich hoben gierig ſchmatzend fi) Mäuler aus der Flut Und fchnappten nach den Körnern tie der Hund nad Broden thut. Die nun ein Korn erhaſchten, die waren wie beraufcht Und fprangen hoch ala hätten fie Flügel eingetaufcht. Untere Waßer tauchen konnten fie nicht mehr, Mit Schwanz und Floßen fehlagend fuhren fie dahin, daher. Ein Nachen lag im Teiche: mit dem Gefährten fprang Hinein der fehnelle Fiſcher, der eine Ruthe ſchwang. Die er bamit berührte, meil fchnell ver Kahn fie trug, Die folgten ihm aufs Trodne: fo fieng er Karpfen genug. Da brachten fie den Köchen die kleinern aus der Schar; Die großen auf dem Schilde trug man dem König dar. „Sieh diefe Fettmönche! mie ihnen gleißt der Wanft! Belt, diefe Jagd ift beßer als du heute hoffen kannſt?“ „Wie habt ihr fie gefangen?“ frug ber König bebr. „Mit Neben oder Samen? der Yang bebagt mir ſehr.“ Nudlieb ſprach: „So fängt man bei uns die Fiſche nicht; Wir freuen ihnen Körner, darnadı fie haſchen erpicht. „Kaum baben fie die Pillen verſchluckt, jo find fie tell Und Springen wie befeßen, tie füßen Weines voll. Sind fie endli müde und matt von dem Tanz, So rührt des Fiſchers Ruthe nur ihnen Kopf oder Schwanz,
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Wie Nudlieb Karpfen fieng und Wölfe blendete. 9] „Gleich folgen fie ihm willig und wärs auf Kohlenglut; So zieht man die Fiſche mit Haufen aus der Flut.” — „Das möcht ih,“ fprach der König, „mit Augen einmal ſehn. Was ift denn in den Pillen, und verftehft du fie zu drehn?“ „Gar wohl,“ fprach der Fremdling; „man nimmt dazu ein Kraut, Sch weiß nicht, ob ihrs kennet; doch hab ichs bier erfchaut. Uns heißt e3 Farrenzunge und bat noch andre Kraft: Mer e3 in Wein genöße und in beraufchendem Saft, „Der würde laut und munter, ja felig von dem Tranf, Doc nie, wieviel er tränke, betrunken ober krank. So wirkt es auf die Menſchen und auf die Fiſche fo; Die einen macht es närrifh, die andern glüdlih und froh. „as aber blindgeboren am neunten Tag erft ſieht,“ (Auf Schwaben oder Helfen zielt bier nicht das Lieb) „Exrblinden muß e3 wieder von dieſem Kraut alsbald: So mögt ihr leicht von Füchſen und Wölfen fäubern den Wald.” Erfreut ſprach der König: „So wär es ja ein Schatz, Könnt es das bewirken, daß Füchs und Wölfe Platz Dem Edelwilde machten: es fer ſchwarz oder roth, Es lauf oder fliege, diefe Schelme find fein Tod. „Du bift der befte Säger, der je zu Holze kam, Bewährſt du, mas ich eben von deiner Kunit vernahm.” „Sch werd es,” ſprach Rudlieb, „wenn ihr mir folgen wollt.“ Als das der König hörte, er warb dem Sünglinge hold.
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22 Drittes Abenteuer. „Woblauf, meine Mannen, die Karpfen find verzehrt, Mir find dem Wirth verpflichtet, zumal wenn er uns lehrt Mie man die Räuber blenvet, den Wolf, den Sfegrim; Den Fuchs laß er ledig, ber ift roth, doch nicht ſo fchlimm. „Die Sonne gieng zu Gnaden, Erfriihung haucht das Grün.“ Da ſah man aufbreden die eveln Jäger fühn: Mit Rublieben zogen fie tiefer in das Holz; Der ließ die Armbruft ſchwirren: da flog ein ſpitziger Bol; Und traf eine Ziege, die über Felſen ſprang. „Der Atzung,“ Sprach der Jäger, „bebarf ed zu dem Yang. Die Wölfe find gar eigen, fie nehmen fonft nidt ein. Ihr müßt die Ziege häuten und zerftüden ihr Gebein. „Hab ich es dann gepfeffert mit meinem Wunderfraut, So widelt ihr die Stüde wieder in die Haut, Und bergt euch bier im Dickicht, derweil ich von dem Baum Dem Wald ein Liedchen finge, ein fchönres hörtet ihr kaum.“ Sie folgten feiner Lehre; er aber jäumte nicht Und fprang auf eine Eiche; das Laub verbarg ihn dicht. Da hub er an zu fingen ein Lied, das klang gar wüſt, Es hätt euh am Gefange die Luft auf lange gebüßt. Er beulte wie die Wölfe, wenn fie der Hunger quält Und jebt der Wolf der Wölfin den Jammer vorerzählt. Man unterfchieb die Antwort der Wölfin, ſchrill und grell, Und auch mit zarten Stimmen ver Brut verzweifelt Gebell.
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Wie Nubdlieb Karpfen fieng und Wölfe blendete. 23 Gräjslih Hang das Klaglied der leidigen Schar: Doch allen Jagdgenoßen fträubte fich das Haar, ME jebt um Hülfe rufend des Alten Nothſchrei ſcholl: Der Schrei war gram und heifer und doch aller Schauer voll. Vor Schrecken wär erlofhen Sonne ſchier und Mont. Auch war den Wölfen jelber ſolch Heulen ungewohnt: Sie braden allerorten aus dem Gebüjch hervor Mie den Gefährten fuchend, der fie fo graunvoll beſchwor. Als fie den nicht fanden, das munderte fie jehr. Da fanden fie die Ziege und fuchten nun nicht mehr; Eie fielen gierig drüber und Schlangen fie fo bald, Als wär ihrem Schlunde jenes Hungerlied entſchallt. Doch Taum binabgefchlungen mar ber ledre Fraß, Als die Sonn am Himmel den lichten Schein vergaß. Die Icharffihtig kamen, vie fcheiden ſtockblind; Sie rennen iiber Bäume, umrennt die Mutter ihr Kind. Als das die Jäger ſahen, da hatt es feine Noth, Mit Sperfchäften fchlugen fie nun die Wölfe tobt. Ruhig auf dem Baume ſaß Rudlieb noch und frug: Soll ih noch einmal fingen over habt ihr Wölfe genug? „Rein, ums Himmelötoillen, du haft uns fo erjchredt,“ Sprach Puras der König, „daß es für heute Fledt. Du bift ein guter Jäger, mein Dienft iſt dir bereit, Und reit ich zu Walde, fo feis in deinem Geleit.“
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Biertes Abentener. Wie Rudlieb zu den Mohren gefandt wird, Frieden zu ftiften. Nun warb den Egyptern der junge Rede lieb Und auch am Hof je lieber, je länger er verblieb. Und gerne mocht er bleiben, denn milde fonder Gleich Und mweife war der König; in Ehren ftand ihm das Reich Und blüht’ in ftätem Frieden; Handel und Verkehr War mit dem Mohrenlande, dem nahen, bin und ber. Sie freiten auch berüber, hinüber mandes Jahr, Gevatter felbft und Vetter hieß der es nicht eben mar. Doc diefe Lieb und Freundſchaft ward plöglich jetzt geſtört: Ich will den Anlaß melden, menn ihr es gerne hört. Bei der Grenzitadt follte der große Jahrmarkt fein: Da dacht ein Egypter ein fchönes Mohrentind zu frein. Sie war ihm gewogen, die Eltern fahn es gern, Er wähnte ſich am Ziele, da war es ibm nod fern. Zwei edle Neger gönnten ihm nicht die reihe Braut: Man riß ihm von der Seite die ihm eben war getraut. I)
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Wie Nublieb zu den Mobren gefanbt wird, Frieden zu ftiften. 95 Da griff zu den Waffen im Born ber junge Mann, Sclug Einen tobt, der Andre mit der Braut entrann. Bald kam e8 im Gewühle des Markts zu blutgem Streit; Die Mohren ſchrien, gebrochen ſei ihnen Frieb und Geleit. So Hagten die Egypter den freveln Sungfernraub: Eie waren beid im Eifer und aller Mahnung taub. Der Markt ſchien ein Schlachtfeld, eine Veſte jedes Haus; Doc trieben die Egypter die Mohren endlich hinaus. Dabei konnt es bleiben, fo warb noch Alles gut, Doch Blut war geflopen und Rache fordert Blut. Biel Freundichaft hatt im Lande der erfchlagne Mohr, Darunter einen Grafen, der war ergrinmt und beſchwor Die Großen al und Kleinen, zu rächen diefen Mord, Und manden Unbejonnenen riß feine Wuth mit fort. Auch ftieß des Gefindeldö zu feiner Fahne viel, Dem Plündern mehr und Rauben als ehrlich Kriegen gefiel. Was da an den Nachbarn die wilde Schar verbrad Mit Sengen und Brennen, des laßt ein Theil mir nad). Doch blieb feine Schande vergeßen und gefpart, Ch fi zum Widerftande das Volk im Lande gefchart. Da börte König Purad von dem verwegnen Bug, Wie Leut und Land verbarben: es war ihm leid genug. Doc ftand im tiefen Frieden nicht gleich das Heer bereit Und ungern verlieren mollt er die Toftbare Zeit.
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96 Viertes Abenteuer. Da fandt er Rudlieben die Räuber zu zerftreun Mit dem Volk des Landes und wenigen Getreun. Vermöcht ers nicht, fo zög ihm zu Hülfe bald das Heer. Er ſprach: „Was ich dir aufgab, tar dir noch jelten zu ſchwer.“ Da mochte nun erproben Geſchick und Muth ver Held. Nur ſchwach war erft die Mannfchaft, die ſich ihm zugefellt; Doch führt‘ er fie zum Siege: da wuchs die Macht ihm balt: Der Mohr must empfinden des Franken Uebergemalt. Cr fieng den Friedbrüchigen zulegt mit eigner Hand Und band ihn, dem im Ringen die wilde Stärle ſchwand. Da muft er auch ergeben fein fieglofes Heer. Der Held ließ ihn leben, doch aber Schalt er ihn ſchwer. Vor allen feinen Mannen fuhr er ibn ftrafend an: „Morbbrenner du, verruchter, was haft du, Thor, gethan? Das bat dir nicht befohlen Bertuma, der ift gut; Dein dummer Stolz befahl es und bein unberathner Muth. „Ich weiß den Mohrenkönig fo weiſ, er will es nicht, Daß man um Kleinen Anlaß befchwornen Frieden bricht. Er hätt auch nicht gebilligt den Raub, den man uns nahm, Die ſchwarze Braut; doch Ehre haft bu vergeßen und Scham, „Da du der Ziwietracht Funken zu ſolchem Brand geſchürt. Sieh nun, zu welchem Ende dich blinder Eifer führt: Dich und die Mordgefellen, ließ' ich dem Recht den Lauf, Bei den Beinen bieng ih an Galgenbäumen eu auf.“
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‘ Wie Audlieb zu den Mohren gefandt wird, Syrieben zu ſtiften. 97 „Was thuft du das nicht?” riefen ihm die Egypter zu. „Bielleiht, daß ich es follte,” ſprach Rudlieb mit Ruh. „Doch trifft mich wohl Fein Tadel, wenn ich ihm gnädig bin, Hab ich anders recht begriffen unfers großen Königs Sinn. „Laßt ab, es ift des Blutes zuviel vergoßen bier. Wann endlich follte ſchweigen die wilde Morbbegier ? Ihr habt eure Freunde nicht alle noch befreit: Die mögt ihr nimmer löfen, wenn ihr jetzo graufam feib. „Beſiegt find die Sieger, das ſei euh Ruhm genug: Mer wollte feig erfchlagen die Feinde, die er ſchlug? Rache bringt nicht Ehre; wer aber Rache liebt, Der rächt ſich am ftärkiten, wenn er dem Schuldgen vergiebt. „Der Graf ift mein Gefangner, und folgt ihr meinem Rath, So thut ihr den euern wie ich dem meinen that. Er fol fein Wort verpfänden, ein Wort hat große Kraft, Daß er mir nicht entfliehe: fo wird ihm ehrliche Haft.“ Des war der Graf zufrieden; doch die Egypter nicht, Denn Rache ſchien Bedürfniſs und Gnade feine Pflicht. Nur Wengen in die Herzen war milder Sinn geflößt: Die gern aus Mohrenbanden hätten lieben Freund erlöft. Rudlieb von ben ſprach den Ergrimmten zu: „Ich will nichts entjcheiden, gebt euer Herz zur Ruh. Sch weiß in Bleiner Ferne des Königs Lager ftehn: Den fragt was mit den Räubern, ben gefangnen, fol geichehn.
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28 Viertes Abenteuer. „So wird uns ohne Zweifel des Herren Wille kund. Bezwingt den Zorn indefien, fonft ftraft er euch mit Grund.“ Dem mujten fie fih fügen; man for den Boten bald Und einen, ber für zomig, ja für ben eifrigften galt. Man z0g ihm aus dem Stalle das Roſs, da faß er auf Und ritzt' es mit den Sporen; es ftob dahin im Lauf. Ihn fahn des Königs Späher; vom Thurme rief er laut: „Uns nahen neue Mären, einen Boten bab ich erfchaut, „Der Marlmänner einen, gar groß ift feine Eil.“ Sie hätten gern vernommen von ihm der Mär ein Theil. Da ſprach er: „Gebt dem Roſſe genug, es thut ibm Notb; Ich will felbft verdienen unterbes das Botenbrot.” Erathmend vor den König ver fchnelle Bote trat. „Sag an, ift ein Ende des Kriegs, der freveln That? Men haben wir verloren in biefem blutgen Etreit? Habt ihr die Beute wieder? find die Gefangnen befreit?“ Er ſprach: „Sch bringe Botfchaft, Herr, die euch billig freut. Geſchlagen find die Rotten der Räuber und zeritreut, Der Graf felbft gefangen und feiner Meutrer viel. Wie follen wir nun rächen die Unthat, Herr? das befiehl.” „Wer fieng den Mohr?” Der Degen, ben bu uns haft gefantt, | Rudlieb von ben fieng ihn mit eigner Hand. Doch wollt er ihn nicht richten, der folden Morb verbrach, Er wehrt auch und, den Mohren zu vergelten unfre Schmach.
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Wie Rudlieb zu ben Mohren gefandt wird, Frieden zu ftiftn. 29 „Wir follen fie nicht tödten um unfrer Kinder Blut, Nicht aud den Himmel röthen mit Ihrer Dörfer Glut. Und bleibt ungerochen der Frevel, die Gewalt, Die Wüthriche lehren zurüd, wer weiß denn wie bald?“ Da ſprach der weile König: „Sage mir zuvor, Hält der Unfern Keinen gefangen mehr ein Mohr?“ Der eifrige Bote ſprach in des Zornes Rauſch: „Wir haben mehr der Schwarzen, e3 wär ein ungleicher Tauſch.“ Da ſprach König Puras: „Wohlan, fo fer geſchwind (Ein Roſs fol dich tragen, das ſchnell ift wie der Wind) Und melde den Genofen des Königs Dank und Gruß. Eie follten die Gefangenen, die ich fehn und fprechen muß, „Durch Rudlieben ſenden, ſoviel ihrer fein; Sie dürften keinen tödten und keinen auch befrein. Nimm dieſe rothen Spangen, das ſei dein Botenſold.“ Da ritt er fo geſchwinde als ſchüf ihm Flügel das Gold. Er fam in dreien Stunden fo meit ala erſt in act; Drum foll man Boten geben: es wird wohl eingebracht. Als er zur Grenzſtadt kehrte, wie wohl man ihn empfleng! Sie ftanden ihn zu hören um ihn ber in weitem Ring. Da bob er fih im Bügel und fprach zu der Schar: „Ich ſah König Puras; tie er mit gnädig War, Das zeigen diefe Spangen. Euch dankt er und grüßt Und läßt euch entbieten was ihr thun und laßen müßt.
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30 Fünftes Abenteuer. „Er bat mir auch gegeben dieß windſchnelle Roſs, "Da in der Luft des Sieges ihn Schenkens nicht verbroß. Nun merkt-feinen Willen und laßt ihn bald ergehn: Ihr jollt die Gefangnen, die er jprechen will und ſehn, „Durch Rudlieben fenden, ſoviel ihrer fein, Denn feinen follt ihr töbten und feinen auch befrein. Sich felber vorbehalten hat er das Strafgericht. Ich hab ihn noch zur Rache geſpornt, das verfäumt ich nicht.“ Die Markmannen freut’ es, fie hatten es nicht Hehl Und thaten um fo lieber nun nach des Herrn Befehl. Da ließen fie den Franken mit den Gefangnen ziehn. Als den erjah der König, in die Arme ſchloß er ihn, Küſst' ihn auf die Stine und ſprach: „Wohl mir der Wahl, Daß ih Dich hab entfendet aus meiner Helden Zahl. Gehorfam find mir Viele, zu jedem Dienft bereit, Doch wo ich nicht befehle, da weiß mir Keiner Beſcheid. „An Dir hab ich Freude, du kennſt den Sinn des Herm; Auch ift deinem Herzen unedle Rache fern. Du fchonteft des Grafen, den deine Kühnheit fieng, Der doch an den Unfern fo große Schandthat begieng. „Du haft auch errettet die andern Mohren all; Und wärft bu nicht fo weile, fo flöge wie ein Ball Wohl ewig hin und wieder von Volk zu Voll der Mord, Und Race, diefe Seuche, fräße grimm und grimmer fort.
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Wie Rudlieb zu den Mohren gefandt wird, Frieden zu ftifin. 31 „seht mag ich fie erftiden, und das verdanf ich dir, Durch Sanftmuth und Güte Nun thu noch ein? an mir: Fahr als mein Gefandter ins Mohrenland felbbritt Und wirb uns ftäten Frieden. Senamunis geb ich dir mit, „Deinen Bundesbruder; den dritten wähle du, Und fürftlih Geleite: das kommt euch billig zu. Da feht, wie ihr jühnet der beiden Völker Zwiſt, Daß des vergoßnen Blutes ihr Herz beruhigt vergißt. „An unſrer Lande Marken gefprochen werd ein Tag, Mo ich mit Bertuma zufammen fommen mag Und felbft den Bund befiegeln. Ohne Löſegeld Geb ih da frei die Mohren, die mir viel der Freunde gefällt. „Wie fie gewüthet haben in meinem. armen Sand, Nur liebreiche Pflege werd ihnen bier befannt. Sch vergeße, daß fie Räuber und Blutjtürzer find, Und bege fie wie Gäfte, ie der Vater beat fein Kind. „Ruhe dich drei Tage, fo magft du felber fehn, Daß ihnen eitel Gutes und Liebes wird gejchehn. Das melde dort dem König, fo wird fein Herz ermahnt, Daß er mir Frieden wirfe, der Haß mit Güte nur ahnt.”
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Fünftes Abentener. Wie Rudlieb bei den Mohren empfangen wart. Als Rudlieb zu den Mohren mit den Gefährten kam Und edelm Gefolge, und man am Hof vernahm, Ihm hab eine Botfhaft Egyptens Fürſt vertraut, Da hätten Alle gerne den kühnen Franken geichaut. Co fremd war feine Bildung, ſo rei feine Tracht; Er hatt auch gejchlagen ihr Voll in mander Schladt. Noch Tam ihm zu Statten, daB man ibn milde pried, Wie er fi an dem Grafen, den Gefangnen all erivies. Was die feitvem erfahren, das wuſten fie noch nicht, Und wie ergangen wäre des Königs Strafgericht. Und hätte fih der Fremdling aud dort für fie verivandt, Wie fähn fie ihn fo gerne von dem Egypter gefandt! Nun wüft auch Bertuma, der Mohrenkönig, nern Mas er ihm für Botichaft brächte von dem Herrn. Er war fih an dem Nachbarn betouft fo ſchwerer Schulp, Theuer zu erfaufen forgt' er nun des Siegers Hulp.
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Wie Rudlieb bei den Mohren empfangen ward. 33 Er ſprach zu dem Marfchall: „Ich wüſt es gem vorher Ch ich die Boten ſähe. Und wär fie noch jo ſchwer, Ich muß die Buße leiften. Für euern frechen Raub Trät er nicht unbilig mich und mein Reich in den Staub.” Da mühte fi der Marſchall ihn auszuforfchen viel; Doch wie er das verfuchte, fo kam er nicht ans Ziel. Rudlieb war geſprächig: er jagt’ ihm vom Rhein, Bon Franken und Burgunden; auf Andres gieng er nicht ein. Als das Bertuma hörte, nicht länger ers verbieng, Er fandte nach den Boten, die er gar wohl empfieng. Da fagt’ ihm Rudlieb Alles mas ihm zu wißen Noth Und was des Friedens wegen Egyptens Herr ihm entbot. indem er fprach, dem Boten ward der Mohr fo hold, Er bätt ihm gönnen mögen fein Silber all und Gold. Den Hut unwillfürlid bob er vom Haupt: Die Meldung Hang jo gnädig, er hätt es nimmer geglaubt. Noch traut‘ er nicht völlig, drum gab er fih nicht Fund; Doch dreimal den Finger legt’ er auf ven Mund Bis fi ganz zu Ende des Boten Rede fpann. Da batt er fi befonnen und ſprach gefaßt und begann: „Gern hört’ ich, guter Bote, was mir dein Herr entbeut: Wenn unfern Böllern der Friebe fich erneut, Das ift aud mir willlommen. Nun ruht euch völlig aus; Nad wenig Tagen fend ich euch mit der Antwort nad Haus.” Simrod, das Amelungenlied. I. 3
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34 . Yünftes Abenteuer. Da berief alabald Bertuma der Seinen engen Ratb; Sch Tann euch nicht beicheiden was man ba ſprach und that. Doc bot man Gold den Boten und Dienft und füße Raft, Und trug man fie auf Händen, fo fchien es nur leichte Laft. Die Großen und die Kleinen neigten ihnen tief, Und als fie jet der König in feinen Eaal berief, Da mocht er fi nicht hehlen; ihm war das Herz zu voll: Er brachte dem Egypter des Dankes ſchuldigen Zoll. Zu Nudlieben ſprach er: „Du haft mein Gold verſchmäht, Der einem Größen pflichtig der Gabe wohl enträth. Eins magft du doch nidyt weigern, das ich dir ſchuldig bin: Des Herzens freie Neigung: du nimmt fie ganz mit dir bin. „Drum hab ich ohne NRüdhalt dir Alles offenbart, Denn du und bein König, ihr fcheint mir gleicher Akt. Er ift groß und gütig, fo bift du kühn und mild; Du warſt im Kampf gewaltig, boch der Bewältigten Schild. „Fahrt bin, wir fehn uns wieber, ich freue mic) ber Zeit. Bis an des Landes Marke giebt euch mein Heer Geleit.” Er ließ die edeln Boten nicht ſcheiden ohne Kuſs; Daß fie nicht länger blieben mar feines Herzens Verdruß. Eie ritten hin geſchwinde und trugen hohen Muth: Sie hatten wohl geworben und ihr Empfang warb gut. Froh grüßte fie der König, Taum hatt er fie erfhaut: „Nun fagt mir an die Botichaft, die euch der Mohr hat vertraut.”
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Wie Rudlieb bei den Mohren empfangen ward. 35 Da ſprach zu dem Milden Rudlieb ohne Spott: „Dir iſt gut Frieden ſtiften, denn gnädig iſt dir Gott. Was kaum ein andrer König erſtrebt mit Sorg und Mühn, Das läßt der Herr im Schlafe, weil dus verdienſt, dir erblühn. „Es mag der Leu wohl ſchlafen, dem ſtäts ein Auge wacht: So ehren rings die Völker und ſcheun deine Macht. Sie müßen dich auch lieben, der fromm iſt wie das Lamm; Du wirkteſt mit dem Schwerte nicht mehr, es iſt wunderſam. „Niemand mag ergründen, wohin er ſich begiebt, Ob du mehr gefürchtet ſeiſt, oder mehr geliebt. Nun laß dir, König, melden, mie der Mohr empfieng Die Botſchaft, die du fandteft und wie es weiter ergieng: „Als der König hörte mit Zwein aus ſeinem Rath Den Anfang der Meldung, die ihm dein Bote that: Gruß über Grüße und brüderliche Treu — “Er bob den Hut vom Haupte, das that er ziveimal aufs Neu. „Er hatte nicht erwartet den Anfang, nahm ich wahr; Doch zwang er fich zu ſchweigen bis ich zu Ende war. Nun bub ich an und fagte der Markmänner Zwift, Wie erft von den Seinen der Frieden uns gebrochen iſt, „Da fie die Braut entführten; wie dann ein Schächerhrer Uns unverfehns befallen, beraubt, gefchäbigt ſchwer, Berjengtes Bauland düngend mit der Bauern Blut, Bis Du erbarmend fchauteft der Dörfer lodernde Glut: R— —4 * — — — — —
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36 Fünftes Abenteuer. „Wie da dein Wort erwedte deines Volkes Kraft, Sohn dem Bater fprengte die fchmähliche Haft, Bruder dem Bruder, und mit erftarkter Macht Die Friedbrecher ſchlugen und fiengen in Einer Schlacht, „Sie dir dann überwiejen zu ftrengem Strafgeridt; Wie du, er hört! e8 gerne, denn er wuſt ed nicht, Die ſich verloren glaubten würdiglich empftengft, Mit Troft an den Verzagten fo große Milde begiengft; „Wie du die Todten bahrend die Wunden haft geheilt, Zur Pflege die Gefunden im Land umher vertheilt Den Fürften und den Reihen; in Klöftern und Abtein Ihre Pferde ftellteft, auch Ihnen liebreich zu fein. „Die zwier den Tod verbradhen und alle ſchmähe Dual, Als Tiebe Gäfte faßen fie im gefchmüdten Saal; Man mahnte fie zu trinfen und fchnitt ihnen vor Wie einem Freund des Könige, den man zum Gönner erfer. „Du hatteit es befohlen, daß Keiner bei dem Herm Sich einft der Haft befchwere, die Niemand dulde gern. Dem grimmen Grafen felber, al diefes Uebels Quell, Dem ward die befte Pflege, denn als des Königs Gefell „Gieng er dir, Herr, zur Seite und theilte Glanz und Luft, Und oft im Rauſch des Males ſank er dir an die Bruft. Du wollteft feinem Andern fo übeln Gaft vertraun, Damit ihn Niemand fchelte, der allem Boll war ein Graun.
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Wie Nubdlieb bei den Mohren empfangen ward. 37 „Das fagt’ ih all dem Mohren, und fchloß damit zuleßt, Auszuwechſeln dächteſt du die Gefangnen jet, " Die Bielen für die Wenigen, die wir nicht ſelbſt befreit, Was fie an uns verbrodhen, das unausſprechliche Leid, „Du hätteſt e8 vergeßen und gäbft fie alle frei Beichenkt und gut gehalten, daß wieder Friede fei: Nur Frieden fol’ er wirken, du molleft mweiter nichts. Das wär unfre Botſchaft, ſprach ich am Ziel des Berichts. „Da bieß er uns fiten; Mir folgten dem Befehl. Er war erjtaunt; vergebens hatt er es noch Hehl. Erjt ſchwieg er lang, dann ſprach er: „Nun rubt euch heut noch aus, Nah wenig Tagen fend ih euch mit der Antwort nach Haus.” „Eines Morgens wieder berief er feinen Rath; Sch Tann euch nicht beſcheiden mas man da fpradh und that: Man Ichloß des Saales Thüre; doch von den beften Wein Und ledre Bißen trug ung der Koch, der Kellner herein. „Bir waren noch zu trinten, zu ſchmauſen bedacht, Da gieng in den Angeln des Eaales Thüre ſacht: Der Marihall kam und lud uns vor feines Königs Thron. Mir traten ein; da ſprach er zu uns mit ſchmeichelndem Ton: „Ihr des erhabnen Königs Gefandte, unſres Herrn, Mir gäben, daß wirs Tünnten ! geziemend Antwort gern Der Botjchaft, die er gnädig und thut und väterlicdh; Doch läßt der Dank veritummen meine Räthe fo wie mid.
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38 Fünftes Abenteuer. „Eo bringt von mir, von ihnen, von allem Volk zumal, So teit ed rings die Berge beivohnt, das tiefe Thal, Bon Großen und von Kleinen, von Alt und von ung hm. Gruß und Gehorfam, Ehrfurcht und Bewunderung. „Er bat ung mit Milde, mit Weisheit beihämt Und mehr no mit Güte als mit dem Schwert gegähmt. Er könnt und vernidten: Wehr: und maffenlos Sind mir feiner Stärle, aller Hülfe bar und bloß. „Verdient wär die Strafe, groß ift unfre Echulb Und ganz unwürdig leider find wir ſolcher Huld. Dody übt er fchönre Rache, der gnädig ift und mild: Er zwingt den Feind zur Liebe: das ift ber feitefte Schild. „Dit deinanter Mauer umfchließt er fein Reich, An ewiger Dauer - ift fein Wall ihr gleid). Aus der Völler Segen, aus der Nachbarn Dant Thürmt er die Burg entgegen, die feinem Eturme noch fant. „Der frei, ungebeten den Schuldigen verzeibt, Haß vergilt mit Liebe, mit Wohlthat giftges Leid, Wer mag den bezwingen, wer wär ihm erboft, Der wie ein Gott vom Himmel erjcheint, ein englifcher Troft? „Sa mag ein Gott nicht herſchen nun in Egpptenland, Wie eines Gotted Boten doch fchient ihr mir gefandt, Die Leben mir und Freiheit der Meinen habt gebracht Und Frieden meinem Bolle wie faum ein Wunſch ihn erdacht?
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Wie Rublieb bei den Mohren empfangen ivard. 30 „Bas mögen wir nun bieten, das folchen Gaben gleicht? Den Gott, dem er nachahmt, und den er bald erreicht, Den müßen mir erflehen mit Herzen und mit Mund, Daß lang fein Neich beftehen mög auf fo herrlichem Grunt. „Soviel umber der Völker an feinen Marken wohnt, Uns allen ift8 ein Segen, wenn Gott ihm Güte lohnt Mit ſüßem Zangleben: er ift und ein Hort, Unter deflen Schilde mir fiber wohnen hinfort. „Dieß Sprach er und noch Andres, das mir zum Theil entfiel; Cr mufte deines Preifes, beine Ruhms fein Ziel. Uns bot er reiche Gaben, ihm ftoben von der Hand Goldgeſchirrte Rofje, Geftein und Purpurgeivand. „Daß mir fein Gut verfchmähten, das war ihm ein Berbruß; Doc ließ er uns nicht ſcheiden ohne feinen Kuss. Mir muften Minne trinfen mit ihm in ebelm Wein, Mit Mund und Hand geloben ihm ftäte Freunde zu ein.“ Ter König war der Botſchaft und folder Märe froh, Er lächelte befriedigt, obwohl ihn Hochmuth floh. Das Nühmen und das Xoben, er hielt es nicht für fein, Ihm kam der Rath von oben, von oben aud das Gebeihn. Da ſprach nad) furzem Schweigen Puras der König gut: „Es ift euch wohl gelungen, des trag ich hoch den Muth. Ihr vergaßt doch auch des Ortes und des Tages nicht, Da wir den Bund erneuen in der Völker Angeficht? Bl _L — — —— — — —— —
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40 Fünftes Abenteuer. Rudlieb entgegnete: „Wo der Egypter Macht Die Mohren hat bezwungen in jener lebten Schlacht, Da fol nad) dreien Wochen, wenn es dir, Herr, gefällt Der Bund gefeftigt werben: bequem und weit ift das Feld.“ Der König ſprach: „So fei es; ich billige die Wahl. Ihr fandet die Bewirthung in Mohrenland nicht ſchmal; Mit welch andrer Kurzweil vertriebt ihr noch die Zeit?” Lachend ſprach Rudlieb: „Ich fag euch gerne Beſcheid. „Die erſten fünf Tage ließ man uns nicht vor, Wodurch manches Goldſtück der Marſchall verlor. Schachzabel wollt er ſpielen, und dachte mich beim Spiel Behaglich auszufragen; doch traf er neben das Ziel. „Ich kam ſeinem Beutel eher auf den Grund Als er meiner Meldung. Als er das verſtund, Daß er nichts verſtünde von meinen Litanein, Wieviel ich ſprach, da führt' er zu ſeinem König uns ein. „Was nun geſchah, vernahmt ihr: daß er ſich Friſt erbat Bis er geſprochen hätte die Herrn in ſeinem Rath. Wir wollten gehn; da brachten ſie auf des Königs Wink Geſchachten Tiſch getragen, zwei Seßel ſchoben fie flint „Davor mit weichen Pfühlen: da ſollt ich vor dem Mal Mich mit dem König meßen wie mir ſein Mund befahl. Ih ſprach: „Mit Köngen kämpfen miſsziemt geringem Dann.“ Er aber ſaß und rückte ſchon beide Bauern voran.
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Die Rubdlieb bei den Mohren empfangen ward. 4l „Da muft ich mich bequemen, ich ſah, er ließ nicht los. Wenn ich verliere, fprach ih, der Schaden ift nicht groß; Doch wenn ich gewinne, verlier ich erft recht, Denn euern Zorn gewinn ih; den miebe gern euer Knecht. „Doch fcherzend Iprach Bertuma: Der Sorg: tft allzuviel, Nicht eine Falte fiehit du, gewinn ich auch Tein Spiel. Nein, alle Kunft erfchöpfe, und zieh mit ganzem Fleiß, Eo lern ich neue Schlide von dir, die ich noch nicht weiß. „Wir hoben an und zogen, der Slönig und id; Mir war das Glüd gewogen, beinah verbroß es mid: Er ließ Mich nicht Sehen, Er ſetzte ſchweres Gold. Beim andern Spiel, beim dritten war das Glüd mir wieber hold. „Und Alles muft ich nehmen, daß feine Bohne blieb. Die Fürften ftanden wundernd und fahen wie ich8 trieb. Sch hoffte ftäts, es wende fich endlich noch das Blatt; Doch dreimal nach einander ward der fchwarze König matt. „Da dachten ihn zu rächen Die unjer Spiel gefehn; Daß die fid) auch verjuchten, er ließ es gefchehn. Sie legten hin die Pfänder; mein Einſatz warb verfchmäht. Wie fie dem Glüd vertrauten, ihnen blieb es auch nicht ftät. „Der Eine half dem Andern, und fchabeten fich nur, Denn ihren Liſten kam ich fo leichter auf die Epur; Eie aber wurden irre, da Jeder anders rieth, Bis Ich unerwartet Schach bot und das Spiel entſchied.
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42 Fünftes Abenteuer. „Eo geſchah es dreimal, das bauchte mich genug: Ich wollte nicht mehr ſpielen, da ich fie immer fchlug. Doch meigert’ ich zu nehmen der Fürften Gold fo rotb, Hatt ich es auch gewonnen, und war es gleich ihr Gebot. „Ih ſprach: „Es wär mir Schande, nähm ich den Schaf dahin, Ich mag mich nicht bereichern mit euerm Ungewinn. Es war ums Geld zu fpielen auch nimmer mein Gebraud: Wir fpielen um die Ehre daheim, und in Egypten auch.“ „Da riefen Ale: „Lebe nad Unfrer Sitte nun; In der Heimat magft du bernad beliebig thun.” Nach langem Zügelbrechen ftrich ich die Rollen ein: Eo wollte zu dem Ruhme das Glüd mir Bortheile leihn.“ Da fprad von Egypten Puras der König hehr: „Dieß Spiel follit du lieben von nun an immer mehr, Das dir fo gut die Schäden der Sohlen hat geflidt. Nun babet Dank der Werbung: ihr warbet klug und geichidt.” — ——— — — —
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Sechstes Abentener. Wie der Friede gejhloßen ward. Nach den Gefangnen fandte der König unvermweilt, Die er zu füßer Pflege im Land umher vertheilt. Die bracdten ihm die Fürften gerubt und gelabt, Und Die zu Fuß gelommen mit fchnellen Noflen begabt, Dazu von Haupt zu Füßen gerüftet wie zur Schlacht. Dem Grafen, feinem Pflegling, gab er reihe Tracht, Zwei föftlihe Mäntel und Waffenröde zwei, Bon Gold und Perlen ftralend ein Kleid von Scharlacdh dabei, Am jeltnen Felt zu tragen als feines Königs Schenf: Arabſcher Zucht ein Zelter aud ward ihm zum Geſchenk - Dit Shönem Kopfichmude, von Gold Gebik und Zaum; Dazu Helm und Halöberg, beide feit und gerauın, — — — — — — Darin er ſicher ritte zum Kampfſpiel wie zur Noth. Auch ward ihm geſchmiedet auf Puras Gebot Ein Schwert mit zweien Schneiden und leuchtendem Knauf, Und bunten Schäften fügte man ſcharfe Spereiſen auf.
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44 Sechßtes Abenteuer. Seiner Knappen Jeder empfieng ein gut Gewand, Das er zu Haufe fchonte, weil es ihm zierlich ftand. Auch gab man ihnen Waffen zum Angriff wie zur Wehr, Die fie gerne trugen, denn fie lafteten nicht ſchwer. Darauf entbot der König den Fürſten feines Lands, Daß fie zu Hof ihm kämen beim neunten Abendglanz Und Alles mit fich brächten mas Noth zu langem Zug, Den Knechten und den Pferden zu breien Wochen genug. Er ließ auch beſcheiden manch meifen Bilchof Und gelehrter Aebte zwölfe lud er an den Hof, Ihm an der Mark der Mohren den neuen Bund zu meibn Mit Gefang und Weihrauch: das werd ihm Dauer verleihn. Da nun nad) dreien Wochen der Sühne Tag erſchien, Durd eine weite Ebne ſah man den Grenzitrom ziehn Und rechts und links gelagert ber beiden Fürſten Heer: Auf breiter Brüde liefen ihre Boten bin und ber. Zunädjft beiden Ufern ein meiter halber Ring Hüben wie drüben, den das Gejtühl umfieng: Jedweder König mochte da beim Mal Mit den Fürſten fiten und viel der Pfaffen zumal. Gen Oſten ftieß das Lager daran fo hier wie dort: Von Hütten-fahb man wimmeln des Stromed Blumenbord. Aus König Puras Belte lief ein breiter Gang Zu dem SHeiligthume, wo man Complet und Meſſe fang. °
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Die der Frieden gefchloßen warb. 45 Nach kurzem Frühamte, denn Eil war heute Noth, Hieß er den Gefandten, den er ſchon mehr entbot, Dem andern König melden: eh er zu Tiſch zu gehn Geruhe mit den Fürften, möcht er ihn fprechen und fehn. Der Mohr empfieng ihn gütig und bot ihm den Mund: „Wohl mir, daß ich dich fchaue: mas thuft du mir fund? Deiner Mären freuten mir und immer bier.” Rudlieb ſprach: „Mich fendet Egyptens König zu dir, „Daß du ihn ſähſt und fprächeft, wenn du es gerne thuft, Bevor du mit den Fürften zu Tiſch zu gehn geruhft. Er fommt dir auf der Brüde, die beide Marken eint, Entgegen mit den Fürften, nun dem Freund, nicht mehr dein Yeind. „Da wird der Bund gefeftigt, daß es die Völker Shaun, Und Alles kurz gejchlichtet in Lieb und Bertraun. Wir wechſeln die Gefangnen, die lang vermijsten, aus; Geftärkt Tehren unfre, und nicht geſchädigt, nad) Haus.” Bertuma fpradh: „So fer es;“ der Bote ritt bindann. Mitten auf der Brüde der Sühne Werk begann. Bon hüben der Egypter, von drüben ber Mohr, Eie ſprachen nicht, fie reichten den Mund zum Kußs fich zuvor. Da küſsten fih die Fürften, die Grafen, Herren aud, Die Biſchöf und die Aebte, denn jo gebot der Brauch. Und wie die Herren thaten, fo that ihr Geleit, Sie küſsten ſich; es braudte zu dem Gruß geraume Zeit.
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46 Sechstes Abenteuer. Nun ftanden fie im Kreife ſich freundlich zugefellt, Der Braune bei dem Schwarzen und weiß nur unfer Selb. Da ed nun galt mit Worten zu feftigen den Bund, Erhob fid) der Egypter und ſprach aus tönendem Mund: „Bertuma, Mohrenkönig, uns höchlich Lieb und werth! Wie ich gelobt, und wieder von Deiner Treu begehrt, Ev fol, was unsre Völfer fich jüngft zu Leid getban Sn des Eifer Blindheit, wer aud die Schuld habe dran, „Berziehn fein und vergeßen ala wär es nie gefchehn, Und ewig fol und Eintraht und Friede nun beftehn. Mir gebieten auch den Unfern bei Acht und Aberacht, Es fei am Andern Keiner fein Leid zu rächen bedacht.“ Verbdienten Dank zu fagen mar ihm der Mohr bereit: Er bog ein Knie; der andre verkehrt” es noch zur Zeit. Doc ſprach er: „Groß und ebel, Herr, thateft du an mir, Du mehrft mir dir zu danken nad meiner Luft und Begier. „Sp mehre dir die Ehre Den du im Herzen hegſt Und defien Waffen fiegreih bu in ben Händen trägft. Es ift nicht Noth, auch würden. uns nur die Zungen lahm, Dich allem Volk zu rühmen, das deine Güte vernahm. „Deine ſüße Weisheit, dein tugendreiher Muth Läßt rings dein Lob erblühen mie Lenz die Blumen thut. Du haft und nun mit Güte in deinen Dienft gebracht, Die ſchon dein Schwert, deinBanner dir bezwang inmandherSchladht.”
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Wie der Frieden geſchloßen ward. 47 Da Sprach von Egypten Puras der König mild: „Ich will Feine Dienfte, die Dienft nicht bald vergilt. Dein Recht und deine Ehre zu fchmälern ſei mir fern: Sch weiß dich einen König, der Mohren einzigen Herrn. „An Würden nicht geringer bift du denn ich bin: Mich über dich zu ftellen, das kommt mir nicht in Sinn. So laß uns jeßt verrichten was uns hieher geführt Und die Gefangnen wechſeln: Jedem mirb was ihm gebührt.“ Da gab er jenen Grafen in königlichem Kleid Zurüd, mit Rojs und Waffen als zög er in den Streit; Und feinen gab er wieder der Mohren allefamt, Der nit in Stahl einherritt, in Seiden oder in Samt. Er ſprach: „Dieß find die Deinen, fo viel’ ich lebend fieng. Mas mit Schwert und Feuer ihr Haß an mir begieng Will ich nicht wiederholen; wie Sch dafür fie hielt, Das mögen fie dir jagen daheim, wenn e8 dein Mund befiehlt. „Run feien fie den Meinen, das hab ich nur gewollt, Wie fonft und wie wir Ihnen von Herzen treu und hold.” Da wurden ihm gegeben die Seinigen auch, Und dann der Bund beſchworen und geweiht nach heilgem Braud). Das ward den beiden Völkern im Angefiht gethan, Die an den Ufern ftanden und es mit Augen fahn. Die Friedenwirker ſchieden, die Brüde ward geräumt, Die Könige kehrten zu ihrem Volk ungefäumt.
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48 Sechäted Abenteuer. Ihnen ftand vor den Geftühlen ein Töftlih Mal bereit, Sie faßen mit den Shren und hatten frohe Zeit. Dem war ein Eobn, ein Bruder, ein Vater heimgelehrt; Die muften nun erzählen: fo warb die Freude gemehrt. Als auf der Mohrenfeite das Mal zu Ende gieng, Plan eilte die Geſchenke zu orbnen in dem Ring, Die fie verehrten wollten Dem von Egyptenland, Den Fürften auch und Pfaffen und ben Boten, die er gelantt: Des Goldes funfzig Marlen, des Silber fünfmal mehr Und viel der edeln Pfellel, von Eamt und Seide ſchwer. Harnifche hundert und Helme von Stahl, Funfzig fchnelle Pferde und der Mäuler gleihe Zahl. Dreißig Kameele, Waldeſel zehnmal drei, Zwei Leoparden, dazu der Löwen zwei. Nicht minder ſchwarz gefeßelt ein meißes Bärenpaar, Die in Einem Wurfe die gleiche Mutter gebar. Sie waren aufzuiwarten gelehrt nad Knappenpflicht Und Gäften vorzufegen ein dampfendes Gericht. Nah Tisch, wenn Saiten Elangen, die ſchnell der Bogen ftrid, Auf zweien Füßen fprangen, gefüge ſchwangen fie fich, Und folgten ftäts der Weife mit Anftand und Geichmad. Sie trugen fi im Tanze wohl auch Hudepad Und rangen mit einander bebend, bis Einer fiel, Dann füfsten fie fi) wieder und walzten fort zu dem Spiel.
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Wie der Frieden gefchloßen warb. 49 Wenn bei der Linde draußen das junge Volt fi ſchwang, Sm Kreiſe jtehend Eine den Andern lieblich fang, Sie faßten bei den Taten die Hand der Sängerin Und büpften, felbft die Weife nun brummend, mit ihr bahin. Mer es ſah, der lachte, fo ſchwenkten fie fich um; Was man mit ihrien machte, fie nahmen es nicht Trumm. Die beiden Bären ivaren, als Niemand leicht ergrimmt Und fehr im Tanz erfahren, dem Egnpter jeht beftimmt. Noch wollten fie ihm geben ein ſeltnes Thier, den Luchs, Im Anbeginn der Dinge gezeugt von Wolf und Fuchs. Weit ſpäht fein Auge, er gebt nicht leicht ind Garn; Den lichten Karfunfel gewinnt man aus feinem Harn. Dem nüben Thiere wurden unnübe beigejellt; Gott hat fie mit erfchaffen als er erfchuf die Welt. Der Affe, ftumpf von Nafen und Schwanz, mit bloßem Steiß; Er mag doch auch ergeben ob man den Nuten nicht meiß. Die graue Meerkatze, hellkreiſchend troß den Weihn; Dann rebende Bögel, zwei bunte Papagein, Raben und Dohlen und der geſchwätzge Staar, Der was ihm Einer vorjagt nachplaudert deutlich und klar. Diefe Gaben waren dem König zugedadht, Dazu feinen Fürften und Grafen reihe Tracht, Der Helm und der Halsberg, das Schwert und der Schild, Und goldne Hifthörner, damit zu meden das Wild; Elmrod, dad Amelungenlied. III. 4
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50 Sechäted Abenteuer. Auch Heerhörner mädtig von Klang aus weitem Mund. Bon Hermelin und Marder Pelze grau und bunt, Neichgefteinte Sättel, Schabraden goldverbrämt, Und manches Kampfgeräthe, das ihr gerne ſäht und nähmt. Auch fehlt’ e8 nicht an Roffen, Gold, Perlen und Gefchmeit. Als dieß nun geordnet ihm ftand und bereit, Da wollt ein Weildhen niden ver König nad dem Mal; Doch follte man ihn weden, tie er den Spähern befahl, Sobald der Andre drüben erflanden wär vom Echlaf. Als das geſchah, da ritt er und mit ihm mancher Graf, Auf zeltendem Maule, das längft gejattelt ftand, Ueber die Brüde zu Dem von Egyptenland. Da warb er wohl empfangen; man bot ihm fühlen Tranf. Da ſprach er: „Herr, gerube bevor der Abend ſank In mein Gezelt zu kommen mit Freund und Untertban: Da nehmt die Heinen Gaben, die wir bieten, gütig an.” Das ward ihm verbeißen; er ritt zurüd vergnügt. Da beſchied alöbald die Seinen Puras und fügt’ Ihnen all zu wißen mas Jener trägt im Einn; „Doch feit meiner Ehren gedenk, fo lieb ich euch bin, Und nehmt von den Mohren Fein golones Kleinod, Daß es nicht fcheint ala wär und ihrer Steuer Notb; Ich kanns euch wohl vergüten. Folgt mir hinüber nun Und thut in allen Stüden wie ihr Mich ſehet thun.“
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Mie der Frieden gejchloßen warb. 5} Da ritten fie hinüber, wo man fie wohl empfieng. Man hieß die Herren fiken; durch alle Reihen gieng Dreimal der Schenfe mit Wein und fühlem Tranf. Dann führte fie der König in den Ring, wo manche Bant Dem Voll war geridtet, das ſchauend jaß umher. Und innen ftanden Tiihe von Gold und Perlen fchwer; Und ftanden Pferd und Mäuler mit Goldgebiß und Saum, Und Kameele vedten die Hälje hoch in den Raum. Da ſah man Waldefel dreißig ungeſchirrt, Denn Schwer find fie zu zähmen, tie auch die Geifel ſchwirrt; Da brüllten Leoparden und Leun, es war ein Schreck, Da blidt’ an goldner Kette der Luchs aus feinem Berfted. Da fah die Meerkatze, die greife, fchnöbe brein, Da Schnitt der Aff Gefichter, noch fchnöber wollt er fein; Da ſchwenkten auch die Bären die Häupter auf und ab Und fragten an dem Zwinger: bier fchien der Raum ihnen Tnapp. Da ſah man auch geftengelt den bunten Papagei; AU die berebten Vögel, fie machten groß Geſchrei. Gewänder auch und Waffen mies man den Gäften viel Und manches ziere Kleinod, das Aller Augen gefiel. Da fprach zu dem Egypter, der ihm zur Seite blieb, Der Mohr: „Dieß find die Gaben, ihr Freunde: nehmt vorlieb. Die Thiere, großer König, zumal find Dir beitimmt, Bis auf ein Theil der Pferde, die dein Jagdgeſinde nimmt.
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59 Sechstes Abenteuer. „Dieß ift den Herzogen, den Grafen zugebadht, Und dieß den edeln Boten, die gute Mär gebracht. Deinen Kämmerlingen thbeilt mein Marfchall dieß, Und den getreuen Räthen mas ich dem Schenk überwies. „Den dreien Biſchöfen wird diejes rothe Gold, Und dieß den zwölf Aebten, fo werben fie mir hold. Ich vergaß auch im Kloſter ihrer Mönche nicht; Sieh dort meinen Kämmrer, der weiß genauern Bericht.“ Da ſah des Mohren Gaben Egyptens König an. Er ſprach: „Was du mir bieteft ift reich und mohlgethan. Doch daß dich nicht verfürge des Herzens milder Ratb, So habe Dan; wir nehmen deinen Willen für die That. „Ihr folt auch nicht Hagen, wir toollten euch verſchmähn, Drum nehm ich die Bären, die fich jo Tünftlich drehn, Und gebe meiner Tochter den Staar als dein Geichent. Wir find, ala ob du Alles uns gäbft, der Güte gebent. „Ich will nicht, daß du gebeft den Fürften und Herrn, Noch den Biſchöfen; Armut ift ihnen fern. Was du den Aebten und ihren Klöftern fchenfft, Das weigr ich nicht, weil aljo das eigne Heil du bebenfft. „Sie dienen Dem im Simmel, der Alles weiß und mag Und werden für dich beten inbrünftig Nacht und Tag, Daß ſolches Almofen dir fromme bort und bier. Drum magſt du ihnen ſchenken, denn fie vergelten es dir.“
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Die der Frieden gefchloßen warb. 53 Da madıt’ er die Aebte, die zwölfe, fich jo hold, Eie hatten weite Säde, die faßten faum das Golb. Den Andern wagt’ er Gabe zu bieten groß noch klein; Sie mochten es entbehren und jahen nicht lüftern drein. Eh da mit Urlaub der König fhied hindann, Da brachte man gebunden mit Striden einen Mann Und in der Sänfte rubend ein Weib von ſchwarzer Haut: Das war mit dem Räuber die geraubte mohrifche Braut. Bertuma ſprach der König: „Die Gaben, bie ich bot, Haft du verfagt; doch diefe find mir zu geben Noth: Die Braut des Egypters, die euch mit Recht gehört, Und diejer Friedensbrecher, der fih mir und dir hat empört. „Ich weiß hier zugegen ˖der Jungfrau Bräutigam: Will er fie wieder nehmen, die feinen andern nahm, So mwäre dieß zu jchlidhten; der fie ihm hat geraubt, Den ſollſt du, König, richten: dein Schwert denn über fein Haupt.” Da ſprach König Puras: „Vergeben und verziehn, Du weiſt, iſt Haß und Zwietracht: dieß Wort fpricht für ihn. Ihm muß zu Statten fommen der neue Friedensbund. Löſt feine Stride, dieß Urtheil fällt ihm mein Mund. „Und weil jene Hochzeit fich balb bei uns erneut (Denn ſeht nur den Bräutigam wie er der Braut fidh freut), So geb ich diefem Mohren meiner Muhme Kind Und zwier fo reihe Mitgift als der Egypter gewinnt.
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54 Sechstes Abenteuer. „Ihr habt ein Feſt dann hüben, das jenem drüben gleidt; Vielleicht, daß mandıes Pärchen fich bald die Hände reicht Ueber unfre Marke und viefes Stromes Flut.“ So ſprach der meife König und alles Volf warb ihm gut. Er dauchte fie des Friedens wohl würdig und der Ruh, Die er fo gerne Faufte; drum jauchzten fie ihm zu. Die beiden Könge ſchieden mit berzlihem Kuſs; Geſchloßen war der Friede mit des Abenteuers Schluß.
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Eiebentes Abentener. Wie Nupdlieb von Africa ſchied. Daheim an Puras Hofe fand Rudlieb einen Gaſt: „Wie gebt es meiner Mutter?” fo frug er ihn mit Haft. Der Bote ſprach: „Sie grüßt dich und ift noch wohl gefund. Lies dieſe Briefe, die thun das Lebrige fund.” Er gab fie feinem Schreiber; der ſprach: Sie lauten fo: „Deine Herren wären - beiner Heimkehr froh. Daß fie dich ziehen ließen bat fie längft gereut; Man hatte dich verleumbet, das befennen fie dir heut. „Auch bift du längft gerodden an deinen Feinden all: Ein Theil ift geftorben, ein andrer fam Zu Yal Und büßt mit tiefen Wunden ben ſchnöden Betrug; Sie ſchaden dir nicht wieder, des haft du Bürgichaft genug. „Run kehr ohne Sorgen, bu bift uns lieb und werth, Wir haben deiner Dienfte mit Schmerzen längft entbehrt, Denn Niemand weiß der Andern fo meislichen Rath, Mie Du im Feld ift Keiner fo rafch zu rühmlicher That.
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56 Siebentes Abenteuer. „Drum jöhnen wir mit Gaben uns billig mit dir aus, Daß du nicht wieder fremdeſt der theuern Mutter Haus. Mas je dir warb verheißen gewähren wir nun gern, So oft Leib und Leben Haft du gewagt für die Herm.“ Dem Maren wenig Worte der Mutter beigefügt: „Mein Sohn, was du befchließeft, damit bin ich vergnügt. Wenn hold das Glück und golden dir blüht in fremdem Lard, Um meiner Thränen willen laß du es nicht aus der Hand. „Iſt aber, das du bringeft, das Dpfer nicht zu groß, Geliebter, fo bedenke der alten Mutter Looß. Sonſt halfeft du ihr tragen was je fie hat gebrüdt; Nun ſchwerer wird die Bürbe bift du fo weit ihr entrüdi.“ Rudlieben freute die Botfchaft, die ihm kam; Doch muft ihn auch erbarmen der armen Mutter Gram. Die aber um ihn ftanden gebabten ſich nicht frob; Laut klagte Senamuntis, den alle Freude nun flob. Es fchmerzt’ auch all die andern der drohende Berluit, Die liebreichen Tröfter bisher an ihm gewuſt. „Denn Seinesgleichen faben mir felten bier bis heut, Der Niemand denkt zu Schaden und ben zu belfen nur freut.” Da nahm den Gefährten Rudlieb an die Hand Und gieng mit dem Bewährten wo er ben König fand. Er ſprach: „Darf ih dir melden was man mir entbot? Mir war in meinen Sorgen deines Rathes nie jo Notb.“
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Wie Rudlieb von Africa fchied. 57 Der König ſprach: „Laß hören und thu mir Alles Fund. Er umſchlang des Herren Kniee und drüdte drauf den Mund; Darnach fich erhebend fprach er und jeufzte tief: „Wie meine Sachen ftehen, gerub und fieh aus diefem Brief.“ Der König las; dann ſprach er: „Sch miſſe Dich nicht gern; Doch wenn was fie geloben auch halten deine Herrn, Ep laß es nicht, zu kommen, denn Heimat ift lieb; Auh muß dich erbarmen mas deine Mutter dir fchrieb. „Die Heimkehr widerrathen darf ih als Freund bir nicht: Fahr bin, fie zu tröften, es ift des Sohnes Pflicht. Es wird au andre Freunde verlangen dich zu fehn. Schon heute haft du Urlaub; doch verbleib, kann es gejchehn, „Bei und noch diefe Woche, daß ich bedenken mag Wie ich dir würdig lohne vor deines Abſchieds Tag. Du haft dich lange Jahre gemüht in meinem Dienft; Molt ich das vergeßen, und wie beflißen bu fchienft „Für mich, meine Völfer und meines Neiches Macht, Wie du den Tod nicht fcheuteft in mancher beißen Schlacht, Eo wär ich unerkenntlich, unmwürdig folder Treu; Doch welchen Lohn ich finde, dir bleibt mein Dank immer neu.” Den guten Reden freute, daß feiner Dienfte noch Der König gedächte; er ſprach zu ihm jedoch: „Was ich dir jemals diente, das haſt du wohl gelohnt. Seit ich hieher gekommen ſo mildes Herrn ungewohnt,
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58 Siebentes Abenteuer. „War mir an deiner Seite jeder Tag ein Felt. Mir blühte Lieb und Güte mehr als fi fagen läßt Bei allen, die dir dienen, Herr, nicht bei dir allein; Und geht e8 an ein Scheiben, fo muß ich wohl traurig jein.“ Bier Schüßeln heißt der König da fchmieben, zweie hohl Nach innen, flach die andern, daß je zwei flache wohl Den beiten hohlen fugen: die will er dann mit Spelt Ueberkleiftern laßen, daß man für Brote fie hält. Das Eine der Gefäße mit Gold erfüllt er dicht, Ihr zwängt fein Stüd dazwifchen, mit dem Hammer nicht, Gerüttelt und gefchüttelt erklänge nicht der Hort: Der Anhalt follt ihm frommen dereinſt am heimiſchen Drt. Das andre der Gefäße fchieb eine Mittelmand: Die Hälfte mit Bejanten erfüllt! er auch zum Rand; Mit theuern Kleinoden die andre warb befchwert, Perlen, Ringen, Spangen und Geftein vom höchſten Werth. hr Bruftgefchmeide legte die Königin hinein Und dreißig Fingerreife mit blikendem Geftein Und fchöner Ohrringe mit ebeln Perlen acht, Daß bei des Helden Hochzeit ihrer dankbar würde gedacht. Da fo die tiefen Schüßeln gefpidt find mit dem Schaf So gedrang und dichte, da fände nichts mehr Plak, Man ſchloß und übergoß fie mit einem Teig von Mehl, Und buf fie zu Broten, die des Inhalts hätten Hebl.
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Wie Rudlieb von Africa jchied. 59 Nun war mit bleihem Echeine des Abſchieds Tag genaht, Da entbot der Egypter der Freund und Mannen Rath Und ſagt' ihnen trauernd was jenen heimberief ; Er ließ auch verlefen vor ihnen allen den Brief. Da wurden die Gefichter umher im Saale lang: Sie riethen all dem König, daß er ihn mit Zwang Und Bitten bei ſich hielte: „gebt ihm mas billig ift Und eine reihe Erbin, daß er ber Heimat bergißt.“ Gr ſprach: „Nein, quält den Guten nicht mit vergebnem Schmerz. Er bat zum Unmuthe mir nie bewegt das Herz, Sm Zorn mich oft frommer als ein Lamm gemadit: Das darf ihn nicht gereuen. Ich habe ſolchen Rath erdacht: „Ich will ihn ziehen laßen, jedoch nicht unbeichentt, Damit er in der Ferne noch gerne ber gedenkt. Dann kehrt er einft von felber vielleicht zu uns zurüd, Und bleibt er dort, fo lächelt gewiſs ihm freundliches Glück: „Das müßen wir ihm gönnen.“ Die Andern ftimmten bei. Da ließen fie ihn kommen. Der König ſprach: „Nun fei Gefelliger Treue dir freundlich Dank gejagt; Du mwarft und zu rathen und zu helfen unverzagt. „Gern theilt’ ich dir noch einmal heute meinen Eolb; Was aber willft du lieber, Weisheit oder Gold? sch halte bier von beiden genug für dich bereit, Und will dich wählen laßen; mas mwählft du? gieb mir Beſcheid.“
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60 Siebentes Abenteuer. Ein Weilchen um die Antivort verlegen fann er nad, Doch hatt erö bald erwogen: da bub er an und ſprach: „So will ih Weisheit wählen. Um Gold wird ohne Scheu Der Freunde Bund zerrißen, und die Habgier jchlingt die Treu. „Ich will Goldes lieber auch darben als des Sinne. Mer Weisheit bat die Fülle, dem giebt fie reichen Zins, Goldes und Silber8 genug jein Zebenlang ; Da doch aus Reichthum felten noch Einem Weisheit entiprang.
„Wohl wurde reicher Thoren fchon mancher jählings arm: Sie jchlemmten nur und demmten und füllten fi den Darm Bis fie zur Grube fuhren verachtet, nadt und bloß; Das Gold war ihr Unglück, drum acht' ich des nicht fo gref. „Du, Herr, bift fo weile, Du lehrſt mich leicht ein Ding, Dreißig Marken deuchten dagegen mid) gering, Das doch der Neid nicht anfchielt, kein Dieb von dannen trägt. Um das mich au im Hohlweg Tein Räuber tückiſch erfchlägt „In des Königs Kammer ziemt wohl ein golbner Hort; , Kraft und Gewandtheit hilft dem Geringen fort. Gold will ich nicht, mich dürftet nach deiner Weisheit Duell. Der König ſprach: „So folge mir auf die Seite, Geſell.“ Er zog ihn in die Tiefe des Saals auf weichen Sitz, Wo Niemand anders hörte der golbnen Lehren Witz. Er ſprach zu ihm: „Nun merle und übe früh und fpät Was ich dir treulich rathe wie der Freund dem Freunde räth.
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Wie Rudlieb von Africa fchieb. 61 „Bon Haar und Bart dem Rothen vertrau nicht unbevingt, Denn er verräth die Freundſchaft, wenn ihn die Luft bezwingt. Zorn ift ihm gefährlid und gar ein Gift der Wein, Und wär er noch fo ehrlih, er mag ohne Falſch nicht fein. „Wär auch die Straße Tothig, doch wähle nicht den Pfad, Zumal den verbotmen, zu reiten durch die Saat. Man wird ba leicht gepfändet und Manchem zu dem Zaum Hat es das Pferd gefoftet und allen reifigen Saum. „Siehſt du bei jungem Weibe bejahrten Mann im Haus, Ta meide Herberge, nichts Gutes kommt daraus. Cie hofft und Er fürdtet; damit vergeht die Nacht: Am andern Morgen bift du um den guten Ruf gebracht. „Do wo betagte Wittwe ein Süngling nahm zum Weib, Da forge nit um Schaden für Seele noch für Leib. Nicht fürchtet dich der eine, die andre liebt dich nicht: So magft du ruhig fchlafen bis an das helle Tageslicht. „Laß zu vertraut nicht werden, mie fchön fie fei, die Magd, Daß fie dir übermüthig nicht ſchnöde Antwort jagt. Sitzt fie mit zu Tische, zieht fie die Schub ſich aus Vor deinem Bett, fo bift du nicht mehr Herr im eignen Haus. „Der Zorn ſei nie fo heftig, dem du dich rafch ergiebit, Daß du die Rache nicht Über Nacht verichiebft. Dich freut vielleiht am Morgen, wenn du e8 beßer weiſt, Daß du falſch berichtet bezwangſt den ftürmifchen Geift.
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62° Siebentes Abenteuer. „Wenn aus des Landes Töchter du dir die Hausfrau wählit, Damit du liebe Kinder im Herbſt des Lebens zählſt, Sp folge deinem Herzen und eignem Sinn allein, Und fein Andrer rede, auch nicht die Mutter dir ein. „Mit deinem Herrn zu rechten, das laß bir nicht zu, Cr ift, wenn nicht gerechter, doch mächtiger ala du. Was du ihm ungezwungen gewährft, ift nicht verlorn, Denn feine Gnade frommt dir immer beßer als fein Born. „Will er von dir borgen, fo leih ihm williglich, Denn eine Schuld zu finden nicht lang bedächt er ſich: Dann nähm er dir zur Strafe das erſtverſagte Stüd, Du mwärft des Dankes ledig und belämft dein Gut nicht zurüd. „sa mag er dich berauben und fehädigen ſchwer, Du laß es geichehen und fteh ihm nicht zur Mehr. Berneige dich und danke dem Herm, daß er an Gut Und Habe fi) vergreifend doch fchonte Leben und Blut. „Siebft du am Weg Capellen oder Kirchen ftehn, So ſollſt du ohne Andacht nicht vorüber gehn. Und lädt das Bol! zum Opfer der Gloden holder Ton, Sp jag auf flühtgem Pferde nicht wie ein Heide davon. „Den Bettler laß es halten, der vor der Thüre Iniet, Bis guten Neifefegen der Priefter dir beichieb. Da du Gott dieneft, die Zeit ift unverfäumt, Und du entgebjt Gefahren derweil, davon dir nicht träumt.“ Bu 2
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Wie Rudlieb von Africa fchied. 63 Die Lehren gab dem Jüngling bes Königs weiſer Mund; Er gab ihm wohl noch andre, mir find nicht alle fund. Dann ftand er auf-und führt! ihn zurüd in den FKreiß, Und ſprach noch von dem Hochſitz viel zu des Scheidenden Preis. Da ftimmten Alle freudig mit ein und lobten ihn. Der König ſprach: „Mit Ehren nun magſt bu, Theurer, ziehn, Daß du die Mutter fchaueft, dein Haus und die Herrn, Ob die was fie geloben auch halten willig und gern. „Wenn fie ihr Wort nicht löſen, fo weiſt du genug Und trauft du ihnen wieder, fo trauit du offnem Trug. Des Kargen Dienft vermeide, der weder lohnt noch ehrt. Ich will dich gern entbehren, erfennt man dort deinen Werth. „Doch wenn dir begegnet mas guten Dann verbrießt, Und an der Heimat Brüften dir fpärlich Labe fliebt, Willſt du dann wieberfehren, du findeft wie mich heut Dir zugethban, das wiße, wenn es zu hören dich freut.“ Da gab er einem Diener mit leifem Finger Wint Befahl ins Ohr ihm flifternd: da lief der Knabe flink Und brachte jene Brote herbei, der Kämmerling, Darin zu goldnen Lehren Rudlieb goldnen Lohn empfieng. Da ſprach König Buras: „Die beiden Brote nimm Mit heim zu deinen Freunden, damit fie jehn, jo ſchlimm Nicht fer es, Brot zu eßen bei ung in Africa. Laß fie unangelchnitten, bevor die Mutter erfah
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64 Siebentes Abenteuer. „Dein liebend Aug in Iben und bolden Gruß ihr bot: Da darfit dus nicht verjchieben, ſchneid an das kleinre Brot; Das größre darfft du jparen zu deinem Hochzeitsmal, Menn bei der Braut du figeft mit lieben Yreunden im Eaal.“ So ſprach und Füfste dreimal der König ihm den Mund; Den netzt' er ihm mit Zähren und that ihm Liebe fund. Auch der Ritter meinte, da er mit Urlaub ſchied Bon ihm und den Gefährten, die er alle trauernd mie. Da gab ihm Senamunid drei Tage noch Geleit Und kürzt' ihm mit Gefprächen, mit freundliden, die Zeit. Bon Ihrem Abſchied ſchweig ich, der ſchweigend auch geſchab: Er faß zu Schiff, verlangenb ftand Jener lange noch da. |
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Achtes Abenteuer. Wie NAupdlieb den erften drei Lehren nachlebte. Wir finden Rublieb wieder der Heimat nicht mehr fern Allein mit Einem Knappen; ver führte feinem Herrn Das Saumpferd am Bügel mit mancher ſchweren Lait. Da gejellte Beiden fich ein unberufner Gaft. Die Schwarze Reiſemütze barg fein rothes Haar; Doch ward es am Barte Rublieb wohl gewahr. Wohin, woher des Weges? auf folder Yragen mehr Beeilte der Gewarnte fich mit der Antwort nicht fehr. Er ſprach: „Nehmt mich zum Führer, ich bin von Enkenbach Und oft des Wegs gefahren: ich fchaff euch gut Gemach. Ihr werdet bier im Weſtrich wohl nicht jo kundig fein.” Er konnt ihn nicht vertreiben und ſprach: „Der Weg ijt gemein.” Nun goß daber der Rothe von Worten eine Flut; Doc felten hört’ er Antivort, es ward ihm nicht jo gut. Das ſchien ihn nit zu ftören: als jet! er Trumpf darauf, Ließ ex geſchwätzig nun erft der Zunge den Lauf. Simrod, das Amelungenlieb. II. 5 zu. - — — — — — ⸗⸗—
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66 Achtes Abenteuer. Um Mittag fand vom Mantel der Ritter ſich beſchwert, Er nahm ihn ab und ſchnallt ihn hinter ſich aufs Pferd. Der ſtach in die Augen Dem mit dem rothen Kopf. Er dacht: „Er muß mir werden; warum ift er ſolch ein Tropf?“ Eie ritten jebt die Pferde zu tränken in den Glan: Ch da fich die Gefährten des Diebftahls verfahn, Die nach den Pferden fchauten, löſt' er der Riemen Band, Und hatt in rafchem Griffe den guten Mantel entwandt. Er hielt ihn unterm Arme bis er ans Ufer ftieg: Da fprang er vom Pferde und fchob, da Jener ſchwieg, Ihn in den Ead geſchwinde, den ihm die Mähre trug; Als wollt er ihr gürten gehabt' er, liſtig genug. Da nun auf der Etraße weiter gieng die Fahrt, Zu Nudlieben fprach er alsbald mit guter Art: „Herr, hattet ihr nicht eben den Mantel binter eu? Ließt ihr den im Stiche? er ſchien von trefflidem Zeuch.“ Da ſprach zu feinem Köter der Nitter: „Sud verlorn,“ Und gleih auf den Rothen fiel der Hund im Zorn. Ta gebot der Herr ihm Frieden und nahm ihn an ein Exil. Er wuſte wo er wäre: fo hatt es weiter nicht Eil. Er ſprach: „Mich wundert felber mo der Mantel blieb. Wenn er nicht beim Tränlen den Glan hinunter trieb, So ließen wir ihn liegen mo wir gerubt im Wald.“ Der Rothe ſprach: „Wir reiten zurüd, es ift fein Aufenthalt,
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4‘ Wie Rudlieb den eriten brei Lehren nachlebte. 07 „Ob wir ihn wiederfinden.“ Da fprach er: „Das fei fern. Ich folge nicht dem Mantel: er folge feinem Herrn. Es giebt wohl noch Mäntel, wenn ch nicht mehr bin.“ Eo gehabt’ er ſorglos als fchlüg ers leicht aus dem Sinn. Sie ritten tagüber bes Weges meiter fort: Da fahn fie am Abend liegen einen Drt, Zu dem die Straße führte. Die warb nun unbequem, Denn an den Hufen lebte den Rofien ftarrender Lehm. Aın Ichlimmften war der Knappe daran: der gieng zu Fuß, Doch klagt' er nicht; der Rothe nur fludhte: „Warum muß Ich auch den Kothiveg reiten? bier ift ein trodner Pfad.“ Da wandt er von der Straße das Roſs und ritt durch die Eaat. Nicht lange, fo veriperrt’ ihm ein Bauer den Weg Und ſprach: Warum reitet ihr bier durch mein Geheg? Dort ift die Straße nad Glanodernheim. Der Rothe gedachte: „Den chi ich mit Grobheit Beim. „Slanodernbeim, fagit du, ift euer Neft genannt? Dredobernheim ſolls heißen” (es hieß jo nach der Hand). ‚Als das der Bauer hörte, verſtand er nicht ven Schimpf, Er nahm den Drejchflegel und walkt' ihn durch nicht mit Glimpf. Bon dem Roſs gerißen empfieng er manchen Schlag; Rudlieb Hört’ ihn fchreien als er am Boden lag. Da ihm der Arm erlahmte, der Bauer ſprach: „Das Pferd Wär gut zu behalten; doch ifts den Hafer nicht werth.
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68 Achtes Abenteuer. „Für dießmal entrinne und wenn bu wiederlommſt, So ſchilt nicht den Eigner, dem du Schaden frommit. Zu dem Unrecht duldet Niemand gern den Epott.” Zurüd zu dem Gefährten der Rothe ritt in lahmem Trott. Er ſprach: „Diefe Flegel, die feinen Spaß verftehn, Sie haben mich bemworfen mit Koth, ihrer Zehn. Mit einem Dubend freilih nehm ich es nicht auf, Ein ganzes Schock Bauern, das ift ein ungleicher Kauf.“ Da lächelte Rudlieb: er mwuft, ihm war mehr Geſchehn von dem Einen. Er ſprach: „Es dunlelt ſehr, Wir Tönnen heut nicht weiter. Weift Du uns vielleicht Hier gute Herberge, denn fieh, das Dorf ift erreicht.“ Da wandte zu dem Hirten, der eben heimwärts trieb, Der rothe Gefährte ſich unfres Nublieb: „Iſt Einer wohl im Dorfe, der uns behalten Tann? Du fiebft, wir find Dreie, ein Pferb auf jeglichen Mann.“ „Da ift mehr ala Einer,” ſprach der, „der nicht erfchridt, Wenn ihm der Raugraf ein ganzes Fähnlein ſchickt. Wie gern er rupft, er zupfte bier Keinen noch fo Tabl, Der euch nicht unterbrädhte und eure Pferde zumal. „Gäſten Herberge giebt Mancher bier im Dirt; Doch forglicher Keiner als der Schöffe dort, Der die reihe Wittwe, der Süngling, bat gefreit: Er und feine Alte find euch zu dienen bereit.“
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Wie Rudlieb den erften brei Lehren nachlebte. 69 „Pfui,“ rief der Rothkopf, „muft er die Vettel frein ?” Der Hirt ſprach: „Beßer konnt er nicht beitattet fein. Er war zuerft im Haufe der Ent, der ärmite Knecht; Nun ift er Herr geworden; mich dünkt, der Taufch ift nicht Schlecht. „Do gönnt e3 ihm ein Jeder, denn er ift fromm und gut; Drum half auch der Himmel dem armen jungen Blut.“ Rudlieb ſprach: „Ei ſag und doch, Freund, wie es gefchab, Daß den armen Burfchen die reihe Frau ſich erſah.“ „3a,“ Iprach der Hirt, „aus Liebe frißt der Wolf das Echaf. Do mir behagt nicht übel die Wahl, die fie traf. Ihr erfter Mann, der Rnaufer, ward feines Guts nicht froh; Er konnt auf Federn ſchlafen und gönnte kaum fich das Stroh, „Er mwufte feiner Rinder und Pferde nicht die Zahl, Noch der Lämmerbeerden; doch ihre Koſt war fchmal. Nie ward ein Kalb geſchlachtet, fie brieten nie die Wurft, Sie nagten harte Rinden und Mollen ftillten den Durft. „Berlauft warb Vieh und Weizen und alles Gelb gejadt. Da kam Sener hilflos ins Haus und fplitternadt, Zu jedem Dienſt erbötig um eine Schnitte Brot: Die aß er ehrfürdtig gebüdt und ftillte die Noth. „Nah Tiſch das Geſchirre hob er ab zur Stund, Daß es nicht die Kate befuble noch der Hund, Und ftellt! es filberblinfend auf den Schüßelfchranf‘; Auch Meer und Gabel und Xöffel jcheuert’ er blanf,
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10 Achtes Abenteuer. . „Sie in der Tifchlade vertwahrend, wenn man af Daß fie zur Stelle feien; wobei er nichts vergaß, Den Becher noch das Salzfaß, zu würzen den Brei; Und was fich fonft zum Male gehörte, trug er herbei. „Er tränkt' auch im Stalle die Ziegen und die Sau, Den Ochſen und den Echafen bracht’ er frifhe Strau, Und duftges Heu den Pferden zu gelbem Hädfelftrob; Ungeheißen that e8 der En, der Herberge frob. „Der Knider, dem im Stillen fein Thun gefallen bat, Gab ihm noch ſchmale Bißen, nicht balb hatt er fatt. Als er am dritten Tage nicht länger bungern Tann, Neigt er ſich dem Herren und fpridt um Urlaub ihn an. „Der bat ihn: „Eine Woche balt noch bei uns aus; Vielleicht nach beßrer Prüfung bleibft du als Knecht im Haus.“ Er twilligt ein; da wird ihm die Koft jo weit gemehrt, Er mag es nun ertragen, der nur der Nothdurft begehrt. „Inzwiſchen fragt der Alte: „Was weift du denn für Runfı?“ „Herr,“ ſprach er, „mas verdiente mir beßer eure Gunſt Als allerlei Gerichte, die ich bereiten mag Aus Mehl und fchlechtem Kraute, ein andre jeglichen Tag, „„Wozu ich nichts gebraudhe als etwas Mil und Ednul; Und zu aller Würze zwei Meßerſpitzen Salz? Doc wäre, Herr, ein andres uns hier vor Allem Noth; Ich jagt’ e8 gerne, würb ih von euerm Zorn nicht bebrobt.”
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Wie Rudlieb den erften drei Lehren nadhlebte. 71 „„Sprich ohne Sorgen,“ ſagt' er. Da hub der Jüngling an: „„Herr, alle Leute melden, ihr wärt ein reicher Mann; Doch iſt voller Kleien und Raden eur Gebäck, Bon Farbe fahl und fuchſig und jedem Gaumen ein Schreck. „„Gebt, das ihr zu brauchen gewohnt ſeid, Mir das Mehl, Ich back euch gleichviel Brote daraus, ohn allen Fehl, Schmackhaft und nährend, den Augen eine Luſt. Was ich mit dem Siebe vom Roggen ſchied, iſt kein Verluſt. „„Die Gänſe will ich ſtopfen damit; auch ſchmeckt es gut Den Enten auf dem Teiche, der Gluck und ihrer Brut. Das Brot, ſo geſäubert, giebt dem Geſinde Kraft Und Freudigkeit zur Arbeit, daß es gerne wirkt und ſchafft. „„Bewähr ich nicht die Rede, ſo ſtraft mich wie ihr wollt.“ Er macht' es wahr; allmählich warb ihm der Bauer hold Und ſchenkt ihm Bertrauen, da er ihn treu erfand Und Hug, und Alles einſchlug, wes fich der Knecht unterwand. „Der ganzen Wirtbfchaft endlich fah er fich vorgefegt Bei des Alten Siehtbum. Das Lafter ftarb zulegt; Schmutziger und ſchlechter hat nie ein Filz gelebt, Und groß iſt nicht der Jammer, wo man den Geizhals begräbt. „Auch wartete die Wittwe das Trauerjahr nicht ab; Sie wäre wohl zur Kirche gegangen gleich vom Grab. Nun theilt ſie Tiſch und Bette mit ihm, dem beßre Koſt Sie ſchon zuvor verdankte, und Winters Schutz vor dem Froſt.
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„Er nennt fie Frau wie immer, fie beißt ihn lieben Sohn; Auch ihre Kinder bangen an ihm, wie früher fchon, Und Knecht und Mägde bleiben ihm dankbar zugethan, In dem fie ftäts den Pfleger und den Beſchützer erfahn. „So fand ich größte Liebe noch nie in einem Haus Und beßer mit einander Tam nie ein Ehpaar aus. Das Wittwen und Waiſen verichloßen ftand zuvor, Den Armen wie den Reichen ift gaftlih aufgetban das Thor. „hr findet Herberge da auch, wenn euch behagt. Dort iftö im erften Haufe; die andern überragt Sein Stattlicher Giebel: er bat es felbft gebaut Mit Scheuern und Ställen, wie man fie beßer nicht ſchaut.“ Der Rothe Sprach verivegen: „Das wär ein Zeitvertreib! Mag er alleine fchlafen bei feinem alten Weib, Weiſt du nicht einen Graubart bei einer jungen Frau?“ Der Hirt ſprach: „Gegenüber iſts wie ihr wünſchet genau. „Da bat vor wenig Monden der Greis aufs Neu gefreit, Ein leichtfertig Dirnlein; es wird ihm wohl noch leid. Eie hat nad ftrammen Burſchen ſchon am Altar gefchielt Und hört mit Cchulgenobren mas ihr Ehekrüppel befichlt.” Der Ritter Sprach: „Sch wähle das andre Ehepaar.” „Sp müßen wir und fcheiden,” rief der mit rothem Haar. „Der alten Meerlage bin ich von Herzen feinb.“ „Es Tann dich noch gereuen, daß bu nicht weift tie fie greint,”
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Die Rudlieb den erften drei Lehren nachlebte. 3 Sprach Rudlieb: „Süßes Lachen ift oft nicht ohne Gift, Wie man den Bienenftachel wohl im Honig trifft.“ Der Rothe ſprach: „Wir bleiben und nachbarlich gefellt.” „Wohlan,“ fprady der Ritter, „Jeder thu wie ihm gefällt." Er trat mit dem Knappen in des Schöffen Haus: Da ftand der Wirth und zahlte die Scharwerler aus, Zu dem Tagelohne, den er reichlich gab, Schnitt er feines Brotes eine Scheibe Jedem herab, Und Fleiih und Zugemüje theilt' er ihnen viel, Das ihm in der Woche von vierzehn Tiſchen firl. Sie dankten ihm der Gabe und zogen heim erfreut. Da ſprach zu den Gäften ber Wirth: „Wie glüdlich bin ich heut! „Wenn Gott mir Gäſte fendet, die ich bemwirtben ınag, Das iſt Mir und den Meinen der Freuden Dftertag. So kommt mich zu erfreuen hr beide dieſe Nadıt. Sitzt her, daß wir euch dienen: fchon wird das Mal ung gebracht." Den Gäften zu Ehren ſchnitt er den Schinken an, Schickt' ihnen Zugemüfe und feißte Hammen dann Und gab aud Frau und Kindern von jedem Gericht, Und all dem Gefinde und vergaß fein felber nicht. Geſottnes und Gebratned® trug man dem Herrn noch mehr, Und goldnen Monzinger, der feurig ilt und ſchwer, (Man bat ihn faum geloftet, fo ift man ſchon beipikt) Aus edelm Napf zu trinfen von Nußbaummafer gejchnikt.
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14 Achtes Abenteuer. Am Rande ſah man Lauben von Trauben eingefügt Und fchnäbelnde Tauben auf grünem Zweig bergnügt, Doch auf dem Grund gebilbet Gottes rechte Hand Bon Gold, ala ob fie winte: Vertrinke nicht den Verſtand. Die Töltlihe Echale war ein Gaftgefchent Und dankbar heut dem Geber der Wirth noch gedenk. Nie pflegt’ er draus zu nippen, wenn fie ihm nicht wie nun Ein edler Frembling brachte, dem er Beſcheid muſte thun. Das Waßer ivard genommen; eh man das Tiſchtuch bob, Saß Rudlieb no und rühmte des edeln Weines Lob. Setzt ſchenkt er ein und foftet und bringts dem Herrn vom Hans; Der reicht es erſt der Alten und trinkt die Neige dann aus. Nun ftand er auf, der Nitter, ber heimlich überlegt, Wie er dem Wirth vergelte, der fein fo wohl gepflegt. Da gab er der Hausfrau von Samt ein Manteltud, Daß fie fih morgen ſchmücke damit beim Kirchenbefudh.
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Neuntes Abentener. Wie ed der Rotbtopf bei der jungen Frau bielt. Nun ſchaun wir nad) dem Rothen, wie man den emyficng Bor feiner Herberge. Nicht nad) dem Pfortenring Griff er, mit dem Fuße ftieß er nad) dem Thor Und rief: „Thut auf! wie lange laßt ihr mich barren davor?“ Der Greis fprach zum Knechte: „Frag an, ver draußen ſei“ Da rief der Knecht: „Wer Schlägt uns die Thüre fchier entzwei?“ — „Schließt auf,” rief der Rothe, „ihr hört dann wer ich bin.” Da wünjdten ihn die Knechte im Unmuth anders wohin; Doch hieß der Greiz fie öffnen. Ein ritt der rothe Gaſt Im Zom, den Hut nicht lüpfend; er ſchwang fih in Haft Rom Pferd, warf die Zügel zurüd und riß den Stahl Heraus, den Knechten dräuend, die nicht gethban was er befahl. Jetzt zu dem Wirthe ſprach er, unfreundlich aud: „Da ihr mich kennt, wasgrüßt ihr mich nicht, ift das wohl Brauch?“ Der Alte ſprach verdroßen: „Sch weiß nicht wer ihr ſeid Und hab euch nie gejehen; ihr jcheint mir fehr ungeſcheid.“
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76 Neuntes Abenteuer. Er ſprach: „Der nächſte Vetter ja bin ich eurer Fraun. Unter vier Augen vergönnt mir fie zu ſchaun, Ich muß mit ihr ſprechen.“ „Hier fommt fie,“ ſprach der Greis, „Da mögt ihrs nach Belieben ihr fagen, laut oder leis.“ Ihm mar zu Begierden alsbald das ‚Herz entbrannt Als er fie fah; er faßte die gern gebotne Hand Und ſprach, Ein Auge kneifend: „Die Mutter ſchickt mich ber, Dir insgeheim zu fagen ihren Wunſch und ihr Begehr. Da führt' er ſie zur Seite und raunte: „Lache nicht Und laß uns leiſe ſprechen: es ſoll was man hier ſpricht Dein Drache nicht belauſchen: ſo will ich dich befrein Alsbald aus ſeiner Höhle, giebſt du den Willen darein. „Denn wiß, ein ſchöner Jüngling, an aller Tugend reich Und dir an den Jahren wie an Schönheit gleich Hat dich gejehn und liebt dich; ihm ift auch mohl bewuſt Was tu an der Seite dieſes Grieögrams leiden mut. „Das ift ihm leid von Herzen: „wenn ich dir theuer bin,“ Sprach er zu mir, „jo eile zu ber Betrübten hin, Und ſag ihr, wär fie gerne von folder Dual erlöft, So fol fie morgen frühe, wenn ins Hom man draußen ftößt, „„Vor die Schwelle treten wie aus Neubegier: Ich fomme dann mit Freunden und führe fie zu mir, Daß fie ald Herrin fchalte Binfort in meinem Haus.” Nun laß ihm Antwort fagen: ich richt es, Nichte, dir aus.”
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Wie es der Rothkopf bei der jungen Frau bielt. 77 Sie ſtand vor ihm in Züchten bis ſie es ganz vernahm Und ſprach mit innrer Freude, doch -mit erlognem Gram: „Das leift ich Alles gerne der Mutter, zweifle nicht.” Als das der Rothe hörte, er ſprach mit frecher Zuverficht: „sch meld es, wenn du dreimal mir feinen Wunfch verſagſt.“ Sie ſprach: „Bon Herzen gerne, wenn bu nicht öfter magſt.“ — „Ich thu, ala wollt ich fcheiven; du bindr es,” fpradh er leis. Da bat er um den Urlaub, den gern ihm gäbe der Greis. „Habt ihr was aufzutragen? ich beftell es gern.” Doc ihn nicht ziehn zu laßen bat fie den Eheherrn, Es ſei Schon ſpät und dunkel. Dem war es zwar nicht lieb; Doch ſprach er: „Bleibet immer und nehmt mit Armut vorlieb.* Sie hatt ihm zum Stalle das Roſs alsbald geführt; Doch Sie noch Er gedenken der Koft, die dem gebührt. Es äße gern und tränle, wär da ein Halm, ein Korn Zu finden, oder brächte der Knecht ihm kühlenden Born. Doch wohl empfängt im Haufe den Gaft die Nichte jet. Sie haben auf ein Ruhbett vertraulich fich geſetzt Und plaudern viel und koſen und fchließen Hand in Hand Und pflüden ſüße Küffe fich von den Lippen entbrannt. Da tritt herein jo grämli der Greis wie nie ein Mann: Berjunfnen Augen fchattet der Brauen dunkler Tann; Das Antlig, rauh und ftruppig von grauem Bart und Haar, Wär nicht die krumme Nafe fo roth, man nähm es nicht wahr.
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8 Neuntes Abenteuer. Auch ift nicht aufzufinden fo leicht des Mundes Thor, Denn lange Granen legen ſich Epießen gleich davor. Doc wird er jetzt erfchloßen, denn er befiehlt der Magd Das Mal zu bereiten, und meil ihm übel behagt Der Beiden Liebesicherzen, - das feine Schranke kennt, Pflanzt er ſich dazwiſchen als Schranke, die ſie trennt. Sie ſchweigen erſt und trauern, daß ſie geſchieden ſind, Dann neigen fie ſich vorwärts und neues Fliſtern beginnt. Nicht länger mag ers dulden, ba fpridt er: „Bring berkci Das Tiſchtuch und die Teller und mach der Löffelei Ein Ende: ungebührlih ift das einer Frau Ä Mit fremden Manne ſchön thun, zumal dem Gatten zur Eau.” | So ſprach er und erhob fih nad dem Gemad zu gehn: Da konnt er durd ein Bohrloch wohl all ihr Thun erjpähn. Der Rothe, ders nicht wuſte (er hätte haaresgroß | Auch nicht darum gegeben) zog ſich die Fran auf den Echorf; Da tappt' er mit der Linken wohl nad) der jungen Bruft; Die Rechte fand an Anieen und Lenden befre Luft. Eie ſucht' es nicht zu hindern, doch barg ſie's mit dem Kleid - Das fah aus dem Berftede ber Greis mit grimmigem Zeit. Als er wiederkehrte, der Fuchs erhob fich nicht; Eie hielt ihn felbft zurüde: das gab ihm Zuverſicht. Da nahm mit finfterm Grollen ten Hochſitz ein der Greis. „Schaff doch herbei das Ehen,“ war wicherholt fein Geheib. |
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Wie e8 der Nothlopf bei der jungen Frau hielt. 9 Erſt ſchien ſies nicht zu hören, dann hatt es ihr nicht Eil; Noch hielt fie bei dem Buhlen Maulaffen feil. Da rief er den Knechten: „Bringt ihr das Ehen bald?“ Cie fpraden: „Gar ift Alles, zu gebieten habt ihr Gewalt.” „So richtet an und dedet: Takt uns eßen, Weib, Und zu Bette gehen. Ihr habt an euern Leib Den trauten Schatz ermüdet: nun gieng’ er gern in Ruh Mit und zu Tiſche, ließet ihr ihn nur kommen dazu.“ Eie Iprangen auf betroffen und ſchamroth von tem Wort. Da fam aud das Gefinde: man faß zu Tiſch fofort. Süßer Meth zum Nachttrunk ward dem Gaft gebradt: „Der Wein möcht euch erhiten, daß ihr nicht fchlieft bei der Nacht. „Run leuchtet ihm zu Bette; ihr wißt fein Echlafgemacdh. Für dießmal hat er Frieden unter meinem Dad; Doch wag er fich nicht nochmals hieher, ich möcht ihn jetzt Nicht mehr als Freund erfennen, der fo das Hausrecht verlegt.” Co ließ er jeßo ziehen den läftigen Gaſt, Und war doch nicht erledigt bamit der Weberlaft. Doch deckt mit ihrem Schleier die Nacht, was noch geſchah: Wollt ich ihn lüften, euern Ohren thät ich zu nab. Nun war bier am Morgen eine graufe That geichehn: Man ſah zu dem Gehöfte den Arzt, den Prieiter gehn. Der Arzt ſprach: „Meine Hülfe Leider fommt zu fpät: Gebt ihm die Wegfteuer, daß eö ber Seele nicht miſsräth.
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80 Neuntes Abenteuer. „Derweil will ich jorgen, daß man den Mörder fängt, Db er dem lahmen Kllepper die Zügel verhängt. Den Schultheiß unt die Schöffen befenden ließ ich ſchon; Und faßen ihn die Knechte, fo entgeht ihm nicht der Lohn.” Der Briefter fand der Spradde den Sterbenven beraubt: Er fpricht nicht mehr den Glauben, er nidt nur, daß er glaubt. Er mag auch nicht beichten was er verbrochen bat, Nur reuig aufwärts bliden um jede fündige That. Da gab ihm der Priefter mas feiner Seele Noth Und löft ihm fo die Zunge nod einmal vor dem Tod: „Dergieb mir, Herr, und denen, die dieß an mir getban, Und Kind und Kindeskinder laß ben gleihen Sinn empfahn.“” So fprad) er und verftummte: das Leben floh ihn bald. Da drängte vor die Kirche das Volk fih mit Gewalt, Ald man da dingen jollte bei dem Lindenbaum. Schon ſaßen fieben Schöffen auf eingefriedbigtem Raum: Da kam aud der Schultbeiß und ſprach: „Gerücht erfcholl, Ein Greis fer uns erjchlagen, der aller Tugend voll.“ Die Schöffen ſprachen trauernd und all der Umftand rietb: „Es muß gerochen werden, daß nie mehr Gleiches geſchieht.“ Maan ſchickte nach den Söhnen und nad den Mördern auch; Da bradten vor die Schranten die Häfcher bald den Gauch. Hätt er das Roſs gefüttert, das geitern Hunger litt, Er wäre noch entronnen; jo gieng es fchleichenden Schritt.
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Wie es der Notblopf bei ber jungen Frau hielt. 81 Doch trat er jetzt mit Lachen vor den Richter hin; Beihämt zur Erde blidte die arme Sünderin. „Du lachſt noch, Verrucdter, mo Alles weinen muß? Was that, den du erfchlugeft dir wohl ver Greis zum Verdruß?“ Der Rothe ſprach: „Zwei Zähne fchlug er mir aus hier vorn, Nur weil er bei der Nichte mich fand in feinem Zorn.” Der Schultheiß verfegte: „Wenn uns bein Mund nicht Tügt, Eo haft du Blutfchande noch zu dem Morde gefügt. „Deine Nichte mufle dir boppelt heilig fein.” „Was ſchlich fie,” rief der Rothe, „fih Nachts zu mir herein? Ich hätt ihr Haus gemieden, wenn Sie nicht ſtäts mich lud.“ Da erftidt” ihr die Rebe der Thränen falzige Flut. Der Strom zulett war blutig, der ihr vom Auge brach; Doc erjt nach langem Schluchzen Fam fie zu Wort und ſprach: „Was lügft du, Ungetreuer? mas ſchwärzeſt du mich an? Ich lud dich nicht, den nimmer noch meine Augen erjahn. „Zuerſt hab ich dich geftern und nie zuvor erblidt: Da haft du mich mit falſcher Verheißung umitridt. Sch will nicht mich entſchuldigen: au deiner ſchwarzen ‘That, Ich wars, die dich verlodte; mein Buhlen gab dir den Rath: „Drum follt ihr Mein nicht fchonen, indem ihr Ihn verbammt. Brecht nicht den Stab, Herr Richter, übt, Schöffen, nicht eur Amt Bis ih mich ſelbſt verklagte, fo lange habt Gebulp: Mein eigner Richter ſprech ih: den Tod verdient meine Schulb. Eimrod, das Amelungenlied. III. 6
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89 Reuntes Abenteuer. „Sol ih am Baume bangend erfüllen mein Geſchick, Aus meinen langen Haaren gewunden ſei der Strid, Durch die ich oft gefündigt, ich ungetreues Weib; Do nehmt nach dreien Tagen berab den fchulbigen Leib, „Verbrennt ihn zu Aſche und mwerft die in die Flut, Daß nicht um mich ſich berge der hehren Sonne Glut, Der Himmel füßen Regen nicht weigr um mich der Welt Bis es in Wolkenbrüchen auf die Saaten nieberfällt. „Wollt ihre mich erfäufen im Faß mit offnem Epund, Sp thue Schrift von außen mein Verbrechen kund, Daf nicht mich zu begraben gedenke Wer mid) fand; Die Dauben nur zerfchlag er und die dünne Bodenwand „Und ftoß ind Waßer wieder den Leib der fündgen Frau Allen Meerivundern. zur wunberliden Schau, Bis ihn mit weitem Rachen vielleicht ein Hai verichlingt Die lebte Epur vertilgend, die Keinem mehr Echaden bringt. „Sol ich verbrannt lebendig im glühnden Dfen fein, Willkommner Tod, entgeh ih damit der Höllenpein. Spart nicht das Holz, mich reinigt die Blut, die ihr mir ſchürt. Doch wenn im faulen Sumpfe mir zu erftiden gebührt, „Er ift noch nicht fo ſchmutzig als meines Laſters Schlamm: Ich will mich freudig ftürzen BHinunter von dem Damm. Der Strafe bin ih würdig und weiß den Schöffen Dank, Da folder Tod mir beßer ift als dort der hölliſche Stank.
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Wie es der Rothkopf bei der jungen Frau bielt. 83 „Doch melden Tod ihr findet, vielleicht erfinnt ihr Herrn Was Schwerer ift zu dulden, ich erleid ihn gern. Wohl Schlimmeres verdient’ ich mit Chebruch und Mord.” Da erbarmte fie den Richter, mitleibig Sprach er fofort: „Sie ift bereit zu fterben: ihr Schöffen ſprecht und jagt, Hat fie den Tod verbrocdhen, die fo ſich ſelbſt verklagt?" Sie dauerte die Schöffen und all das Volk umher: Sie Sprachen: „Fragt, Herr Schultheiß, nach ihrer Buße nicht mehr.” Die Beifiter riethen: „Bereut fie ihr Vergehn, Eo mag fie lebendig für dießmal wohl entgehn.“ Ihr trugen guten Willen die Stiefföhne nicht; Doch jett wie janfte Lämmer erflehten fie das Gericht. Die Arm im Etaube ſchlangen fie um des Richter Knie: „Herr, ſchenkt ihr das Leben, laßt aller Buße fie Grledigt wieder Schalten im Haus und Herrin fein; Eie ift durch Neu gebeßert und aller Untreue rein.“ Der Schultheiß gelobt’ es; fie ſelber widerſprach: „Sollt ich im Hauſe herſchen, das wär des Hauſes Schmach. Seht zu, daß eure Milde mich nicht am Heile kränkt: Würd ich der Pein erlaßen, mir alle Strafe geſchenkt, „Ich müſt es drunten büßen, am Ort der ewgen Qual. Eterbt ihr mich nicht, fo ſchneidet mir Naf und Mund zumal Hinweg, daß der Kiefer die Zähne fcheuslich bleckt, Und niemand mich zu küſſen begehrt, vom Anblid erfchredt.
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84 Reuntes Abenteuer. „Dann laßt auf beiden Wangen, die jet wie Roſen blühn, In Kreuzgeſtalt gefchmievet ein heißes Eifen glühn, Daß mich gebrandmarkt wißen Alle, die mich fchaun, Und [ih von der Verworfnen mit Schauber wenden und Graun. „So bleibt doch ungerochen nicht ſolche Miffethat.“ Doch überließ der Richter fie nach der Weiſen Rath Den Eöhnen, daß fie künftig des Haufes Mutter fei, Nicht Stiefmutter wieder, und ſprach fie ledig. und frei. Da that fie Schöner Kleider ſich ab und aller Pracht, Die zarten Glieder hüllte jadgrobe Tracht; Unbarmberzger Scheere fiel das goldne Haar, Das zu den Brüften reichte, zu den weichen Lenden gar. Mit Striden ward gegeifelt die Haut, fo weiß und rein, Eie mufte voller Schwielen und ekler Schwären fein. Ein rußig Tuch verftedte ihr bleichend Angeficht, Man fah nur Mund und Nafen und die blauen Augen nidt. Den Pfalter Iernt fie beten und fingen Nacht und Tag, Ob fie des Greiſes Eeele damit erlöjen mag. Sie hielt auch ftrenge Faften bis roth der Abend fant, Dann nagte fie an Kruften, mozu fie trübes Waßer tianf. Sm Eommer gieng fie barfuß und gieng im Winter fo, Und fchlief an ber Erden auf hartem Haberitrob; Bon Reiſig war ein Bündel ihr unterd Haupt gelegt. Vor Tag, eh draußen hallend der erfte Fußtritt fich regt,
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Wie es ber Rotblopf bei der jungen Frau hielt. 85 Stand fie auf zu beten an des Gatten Grab: Sie that jo manden Fußfall und bat die Echuld ihm ab, Daß fie in Schweiß gebabet ohnmächtig ſank zulekt, Das Angefiht im Rafen, den ein Strom von Thränen nebt. Des Nachts bei Schnee und Regen, ſobald ein Glödchen rief, Man fah fie ftäts die erfte, die zur Capelle lief; Die lebte blieb fie drinnen, and helle Tageslicht: Dann eilte fie zurüde, zu waſchen Hänb und Geficht, Denn bald lub zur Kirche der Gloden voller lang: Da wollte fie auch hören wie man die Meile fang Und was von der Kanzel der würdge Priefter ſprach, Dem nie die Welt zu ftrafen das Wort, das ftrenge, gebrad). Eo ließ fie im Haufe den Söhnen freie Hand Mit Wenigerm zufrieden als man ihr zugeltand. Man jah fie niemals lachen, und niemals trieb fie Echerz, Meinen war ihr füßer, denn es erleichtert das Herz. Mo Andre fröhlih waren, da fchlich fie fich hinaus, Das nicht ihr Kummer ftöre der Freude lauten Braus. Doch hielt fie allen Unmuth, bielt Bank und Hader fern; Sie braucht’ auch nicht zu fchelten, denn fie geborchten ihr gern.
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Zehntes Abenteiter. Wie der Rothe Hunde führen mufte bis Entenbad. Da fo den Stieffühnen die Wittwe war vertraut, Zum Boll und zu den Schöffen Sprach der Schultheiß Iaut: „Run findet auch dem Rothkopf mas ihm dafür gebührt, Daß er ven Mann erichlagen und die Frau ihm bat verführt.“ Der Rothe war in Sorgen, fie brächen ibm den Stab: Beit wars, daß er fih vorſah und gute Worte gab. Er ſprach: „Um Gott, ihr Schöffen, eb ihr ein Urtheil ſprecht Beruft mir den Gefährten, ber mich fennt und mein Geſchlecht. Der Schultheiß gewährt! es, vielleicht aus Neubegier. Da ſprach der junge Schöffe: „Er ift nicht weit von bier. Er bat in meinem Haufe gehberbergt diefe Nacht.“ Da war er bald beſchieden und vor ven Schultheiß gebradit. Der nannt ihn gleich mit Namen; er war ihm tmohlbefannt: Oft hatten ihre Herren als Boten ihn gejanbt. Da ſprach er: „Edler Ritter, ift diefer Mann euch Fund, Und ſeid ihr fein Gefährte, oder log und das fein Mund?” —
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Wie der Rothe Hunde führen mufte bis Enkenbach. AR =! „Wohl bat er ald Gefährte fich jüngft zu mir geſellt; Doch kann das an dem Urtheil nichts ändern, das ihr fällt, Denn fremd ift mir fein Name, fein Treiben wie fein Thun.” Der Rothe ſprach: „O mollet mich anzuhören geruhn. „Unter vier Augen ſagt' ich ein Wort euch gern.” — „Wenn eud) das geftatten,“ Sprach Rudlieb, „viefe Herrn, So bin ich nicht dawider.“ — „Er Tann uns nicht entgehn,” Meinten feine Richter, „drum mag e8 immer geſchehn. — „Was haft du mir zu jagen, bu ſiehſt, wir find allein.” — „Herr, euern Mantel ftahl ich, es muß geſtanden fein.” Rudlieb Sprach mit Laden: „Das war mir längft bewuſt; Iſt das aber Alles, mas bu mir vertrauen mujt? „Cs mag dir wenig frommen. Zu Mord und Ehebruch Daß du den Diebftahl fügteft, das fchärft nur deinen Sprud). Dazu baft du gelogen als kennt ich dein Geſchlecht.“ „Nein Herr,“ ſprach der Rothe, „es ift bie Wahrheit jchlecht und recht. „Ich hieß' euch Herr Vetter, wenn ihr ed gern vernähmt. — „Beweiſe mir die Sippe, fonft find ichs unverſchämt.“ — „Wohlan, ift euch von Welftein ber Junker nicht verwandt? Er war noch ein Knabe, da ihr räumtet biefes Land.” Er ſprach: „Nicht allzunahe; im jechsten Glied doch ſchon.“ — „Nun, der ift meiner Mutter Bateröbrudersfohn. Rudlieb ſprach: „Ach glaub es, obgleich Beweis mir fehlt. Wie treibt es Better Rudwin? hat er ein Weib fich ermählı?“
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88 Zehntes Abenteuer. „Rein,“ ſprach der Rothe, „er lebt mit feiner Magd, Denn er liebt den Wechjel mie er felber fagt. Mir aber fcheint e8 anderd, denn er getraut fidh nicht, Daß er diefer aufſagt oder nur ihr widerſpricht. „Sie ſetzt ihm felbit am Ende den Stuhl noch vor die Thür.” — „xt fie jo berfchfüchtig?" — „a über die Gebühr.” — „Hält fie ihm denn Treue und ift ihm zugethan?“ „ein, Herr, fie pflegt nach Allen zu angeln, die fih ihr nahr. „Sanz unerfättlih ift fie in geiler Liebesbrunſt.“ — „Kannft du ihr das beweiſen?“ — „Sa, Herr, ihrer Gunft Mag ich mich felber rühmen; mit Strumpfband und Kranz Will ich es bewähren, denn ich denke ftäts eines Pfands „Und babe foldher Pfänder zufammen viel gebracht: In euerm Mantel barg ich fie geftern in der Nadıt, Da werdet ihr ſie finden; es fteht auch) dabei In klarer Schrift gefchrieben von Welcher jegliches ſei.“ „Du bältft ja große Ordnung!“ ſprach da Rudlieb, „Wo bat man das vernommen je von einem Dieb?" — Ich ftehle, Herr, nur Minne; den Mantel nahm ich zwar; Doc liefen goldne Schätze bei mir fonft kleine Gefahr. „Nach euerm Mantel trug ih ein fonberlich Gelüft, Weil mich darin ein Mädchen im Stillen lieber küſt. Ich muß euch Alles jagen damit ihr mich begreift; Ihr forgt dann, daß der Henker mich nicht zum Richtplatze ſchleift.
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Wie der Rothe Hunde führen mufte bis Enkenbach. 89 „Das Tann ich nicht verfprechen.” — „Doc Herr, es wär zuviel, Büßt' ich mit dem Leben das loſe Minneipiel. Gern leid ich ſchwere Strafe, der ich wohl würbig bin, Denn großed Unrecht that ich; ich trag auch reuigen Sinn „Und will auf Behrung denken, benimmt mirs nicht der Tod; Gin Andermal entgieng’ ih nicht wieder folcher Noth.“ — „Erſt ſollſt du mir jagen,” bub da Rudlieb an, „Barum fih deine Augen an meinem Mantel verfahn.“ „Herr,“ Iprach ver Iofe Bube, „es tragen bier zu Land Die Mönche ſolche Mäntel, drum hab ich ihn entiwandt, Denn gut ift Minne ftehlen unterm Drbenstleid: Da find die Frauen fiher: fie zählen auf Verſchwiegenheit.“ — „Du biſt in böſen Kniffen und Pfiffen ausgelernt,“ Sprach Rudlieb, „und von Neue, fürcht ich, weit entfernt. Ich will nach meinem Mantel nun fehen, harte mein: Wenn du die Wahrheit fagteft, leg ich ein Wort für dich ein; „Doc werd ich Sorge tragen, daß du nicht ftraflos bleibit, Und hier im Land nicht wieder fo großen Unfug treibſt.“ Er gieng und frug die Häfcher nach des Gefangnen Saum: Da fand er Liebespfänder foviel, ihr glaubtet es Taum. Etrumpfband und Gürtel, Kranz und Bufenzier, Dazu Caputz und Kutte, Brevier und Stapulier. Da nahm er feinen Mantel und was darinne ar Und Sprach zu feinem Knappen: dieß nimm für mich in Verwahr.“
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90 Zehntes Abenteuer. Dann trat er zu den Schöffen und ſprach: „Es ift ſchon recht, Ich Tenne diefes Rothen Herkunft und Geſchlecht. Eein Bater war ein Behrer als jeines Vaters ind; Doc dünkt mich, daß er deshalb verdientem Lohn nicht entrinnt. „Bolt ihr ihn leben laßen, fo ftraft ihn anders fchiver Und feßt den Tod als Buße auf feine Wiederkehr. So räumt eure Marken der unwilllommne Gaft, Und euch noch euern Kindern fchafft er nie mehr Ueberlaft. „Dünkt euch feiner Unthat die Ahndung nicht zu ſchwach, So führ er räudge Hunde von bier bis Enkenbach. Denn da ward er geboren, drum ift die Schande groß. Mit folder Schmach entgeht er jedoch dem bittern Todeslooß. | Als das die Schöffen hörten, fie folgten ihm zumal: „Sa, Hunbe fol er führen, das ift ihm fcharfe Dual, Und läßt er ſich betreffen in unfrer Mark binfort, So büß er mit dem Tobe den Ehebruch und den Mord.” Als Hunde führen follte der mit dem rothen Schopf Zu feines Vaters Haufe, das wollt ihm nicht in Kopf. | Jedoch ift Leben ſüße, er ſprach dazu nicht Nein, Und ſchwur dad Land zu meiden und kam nicht wieder hinein. Rudlieb ritt gen Iben alsbald noch dieſen Tag, Da er die theure Mutter noch heute fchauen mag. Doch heiße Stralen fandte der Mittag jebt herab, Die Luft war ſchwül und drüdend und ftil die Welt wie ein Grat. |
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Wie der Rothe Hunde führen mufte bis Enkenbach. 91 Weithin auf dem Felde ſah man nicht Weib noh Mann Und in dem Thor der Hofwart fchlief und jchlug nicht an; Ihn und feinen Knappen vernahm man nicht im Haus, Es trat ſie zu empfangen nicht Koch noch Kellner heraus. Da ſah ein Gitterfenſter Rudlieb offen ſtehn, Aus dem ihm einſt beim Abſchied die Mutter nachgeſehn. „Da war ihre Kammer, da ſchlief ſie bei der Nacht: Da wird ſie jetzt wohl nicken.“ Zu ſpähen naht' er ſich ſacht: Sieh, auf dem Bette lag ſie, doch halb zur Wand gekehrt, Daß recht ihr treues Antlitz zu ſchaun ihm war verwehrt. Doch dort in der Ecke mit halb ergrautem Haar Schlief ein Mann im Lehnſtuhl, er wuſte nicht wer der war. Da ſtieg in ſeiner Seele ein düſtrer Argwohn auf; Die Hand unwillkürlich fuhr nach des Schwertes Knauf. „Der Mann im Lehnſtuhl, ſollt er mein Stiefvater fein? Mer hat mir die Mutter berebet, wieder zu frein? „Bielleiht, wenn fie mich ſähe, ſchüf es ihr Beſchwer; Sie hat nicht jehr gedrungen auf meine Wiederkehr: „Mein Sohn, was du befchließeft, damit bin ich vergnügt.” Wär ich nur dort geblieben! Wenn jelbft die Mutter mir lügt, „Was hab ich zu hoffen von meiner Herren Gunft? Wie kindiſch wars, zu bauen auf eitler Worte Dunft? Der du wie eine Sonne mir mild und wärmend jchienit, Puras, großer König, mas verließ ich deinen Dienft?
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92 Zehntes Abenteuer. „Ich ſollt ihn wieder ſuchen, gewiſs, ich will es gleich Und nimmer wieder laßen des weiſen Fürften Neid; Er wird mich gern behalten, ich war ihm lieb und traut. Ich bin nicht hier geweſen, noch hat mich Niemand erichaut.“ Er griff nad dem Zügel, faß auf und ritt hindann Erft Iangfam, dann geſchwinder, daß kaum der Knappe Tann Mit dem Saumrof8 folgen dem wunderlichen Herrn. Doc hielt er wieder inne, der lieben Heimat ſchon fern.
Was warnt’ ihn wohl zu meilen? Des felben Königs Rath: Im Zorn zu verfchieben Entihluß und rafche That. „Ih will das Land nicht räumen,” dacht er in feinem Einn, „Nicht jo der Mutter lohnen bis ich recht berichtet bin.“
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Eilftes Abentener. Wie Rudmwin in Freilaubersheim die ſchöne Nanna fah, Das Roſs trug ihn weiter im grünen Appelgrund, Als jet mit hoben Zinnen ein Burghaus vor ihm ftund. Er Hatt es oft gejehen, der Welftein wars genannt, Und Rudwin, der Junker, ihr wißt, der war ihm verwandt. „Das Iommt mir im Babftmond,“ Spricht er und lacht, „Ich will ven Better fragen was meine Mutter macht.“ Da ward er wohl empfangen, unb wohl bewirthet auch; Doch fand er in dem Haufe gar einen feltfamen Braud. Die Magd war ſtäts zugegen und ſprach in Alles drein, Cie faß auch mit zu Tiſche und trank den Willlommtein. Einmal übers andre nannte fie den Gaft Rudlieb und Herr Vetter; ihm war die Bafe verhaßt. Eie ſchien es nicht zu merken obwohl ihr nichts entgieng Und legte fi auf3 Schmeicheln. Als das auch nicht verfieng, Räumte fie den Walplag und ließ allein die Herrn. „Sun, ſage mir, Better," bub Rublieb an, „ich wüſt e8 gern,
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94 Eilftes Abenteuer. „Iſt das deine Hausfrau, die uns jeßt verließ Und die mir foviel Ehren und Freundichaft erwies? Ich börte doch Jagen, du wärſt noch unvermählt.“ — „Dan bat dich recht berichtet, Tein Weib noch hab ich ermwählt »„Ich wähl auch ſchwerlich Eines und bleib ein freier Mann: Der Bund behagt mir wenig, den ich nicht löſen Tann. Ein Weib, das in der Jugend mit Vollmondwangen glüht, Sieht Meerkatzen ähnlih, wenn fie alt ift und verblüht. „gu früh mit alten Schrunzeln wird man bes Lebens fatt; Die Stirne furchen Runzeln, die eben fchien und glatt. Einft Taubenaugen ftehen wie Kälbern nun bervor Und triefen, auch die Nafe fie trieft und etwa das Uhr. „Die Kirfchen einft die Lippen, fie bangen welk und fabl, Der Mund ift eingefunfen, der fonft dir Küſſe ftahl. Der Nafe zu begegnen krümmt fidh das Sinn, Du wirft es nicht mehr finden das liebe Grübchen darin. „br holbfelig Lächeln, mo blieb der Zauber nur, Wo der weißen Zähne Doppelperlenfchnur? Hier und dort noch ſchlottert heraus ein Eberzahn, Einft hold, mie an Klippen zerjchellt die Rede daran. „Der Hals, den weißen Schwanen dein Lob fo oft verglid), An gerupfte Eltern jet gemahnt er dich. Sit das die Bruft, die wallend . dir entgegenſchwoll? Wie hängt ſie ſchlaff und dürre, die zart du ſaheſt und voll.
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Wie Rudwin in Freilauberäheim die ſchöne Nanna fah. 95 „Einſt reichte zu den Füßen das golbgelodte Haar, Nur greife Stoppeln blieben, die find des Reizes bar. Zwiſchen hohen Schultern fteht gebüdt das Haupt Und nidt wie der Geier, der ein Aas zu wittern glaubt. „Die jung mit langer Schleppe den Staub der Gaßen fegt Und Töniglihen Ganges einberzufchweben pflegt, Sie bindet eine Schürze fich vor als altes Weib, Wenn fie den Brei will kochen: das iſt jet ihr Zeitvertreib. „Dem Fuße war, dem Leinen, kein Echub zu eng vorbem; Nun bängt an beive Schlappen fich pfundſchwer der Lehm, Wenn fie den Quark durchwatet und Teine Pfübe fcheut, Denn wie ein Füllen trabt fie beim erften Kirchengeläut. „Die zierlichen Finger, fleifchig einft und weich, Sind jetzt nur Haut und Knochen, doch efler Warzen reich. Die Nägel ungefchnitten, von derbem Schmutz geſchwärzt: Solch eine Hand zu füllen, ich weiß mich nicht jo beherzt.“ Rudlieb Sprach mit Lachen: „Sieh deine Füße, Pfau! Wie meifterlich du zeichneft das Bild der alten Frau, Des alten Mannes Conterfei verlangts als Gegenftüd: Willſt du es nicht entwerfen? denn wir altern auch zum Glück. „Drum hätten mid am Freien die Dinge nicht geirtt: Denn wenig mag ich jungen, dieweil fie älter wird. Zwar eine Alte nehmen ftünde mir nicht an; Doc jung mit junger greifen, bas ift nicht übel gethan.
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96 Eilftes Abenteuer. „Auch hab ih Einer Rebe viel Glauben nicht geſchenkt, Womit das Herz die Leute mir unterwegs gefränft: Meine Mutter babe zum Andernmal gefreit. Haft du davon vernommen? Ich gefteh, es wär hir leid.“ „Das hab ich nicht vernommen,” ſprach der junge Mann: Mir ift wie dir zu Muthe, daß ichs nicht glauben kann. Doc hab ich deine Mutter feit Jahren nicht gejehn: Du follteft um Gewiſsheit nah Laubersheim mit mir gehn. „Da wohnt mir eine Muhme, die ihr Gevatterin: Sie kommt, bört’ ich fagen, noch manchmal zu ihr Bin. Du bift in meinem Haufe mohl unfer Gaft die Nacht: Sp reiten wir am Morgen binaus um deinen Verdacht.“ — Sn Welftein blieb der Degen und kümmerte fich nicht, Ob hold oder unhold ihm mar der Magd Geficht. Am Morgen zu der Muhme ritten fie hinaus Und wurden wohl empfangen in ber guten Wittwe Haus. Zu Tifche bei der Muhme faß da Rublieb, Und Rudwin bei der Tochter; das war dem Süngling lieb. Sie war jung und bildſchön und Nanna genannt; Noch heißen jo die Töchter im überrheinifchen Land. Biel zahmen Singoögeln ſah man überall Geftängelt an den Wänden, die fangen füßen Schall. Don Etab zu Stabe hüpfte die Grasmüde flinf, Die Amjel und der Dompfaff und mandjer Beifig und Fint.
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Wie Rudwin in Freilauberäheim bie ſchöne Nanna fah. 9% Sie famen au, wenn offen des Bauers Pförtchen war, Dem Fräulein geflogen ind nußbraune Haar, Bom Haar auf den Finger, menn fie ihn freundlich bot, Ihr aus der Hand zu piden das lodre, ſchneeweiße Brot. Eo ätte fie das Fräulein und ftrich des Lieblings Flaum, Bis fie gefättigt ſuchten des Käfichts trauten Raum. Da faßen fie und fehnäbelten fich Tieblich mie zubor Mit füßem Mohllaut füllend ter Gäſte lauſchendes Ohr. In der Stare Käfiht mar Futter nicht noch Trank, Die doch reden Tonnten und plaudern manden Schwank. Durft und Hunger hatten fie ſolche Kunft gelehrt: Eie heifchten durch das Gitter fi Koft; jonft blieb fie verwehrt. Von Tholei Schweſter Statza war ihre Lehrerin, Die bracht aus dem Kloſter manch frommes Lieb dahin. Eie lehrte fie auch beten wie ein andrer Chrilt: „Vater unfer der bu bift bift bift bift bift.“ Die Vögel nicht alleine mit Singen flißen ſich, Zwei alte Singer harften nicht eben meifterlidh. Die Stimmen waren übel und lahm das Eaitenfpiel, Dazu die Kunft geringe, die felbjt ven Hunden mifsftel: Sie heulten erbärmlich bei dem Ohrenzivang. Nudlieb war erfahren in Spiel und Gefang: „Habt ihr Teine Harfe," frug er, „ſonſt im Haus?” Die Wirthin fprah: „Noch eine, die ift trefflich überaus. Simrod, das Amelungenlieb. 11T. 7 =
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98 | Eilftes Abenteuer. „Es hat fo lang er lebte mein Helb darauf gefpielt, - Die ich feit feinem Sterben der Welt verborgen hielt Und mir: an Sehnſucht krankte mein Herz bei ihrem Ton. Die laßt uns erklingen; die Leute bringen fie Schon.” Sie brachten ihm die Harfe; er griff hinein gewandt Bald mit zweien Fingern bald mit der ganzen Hand Und fpielte Gäng und Läufe fo deutlich und Har, Und fang ein Lied von Minne, daß Allen wohl zu Mutbe war. Wer Hand und Fuß im Neigen fein Leben nicht bewegt, Dem warb doch bei der Weile die Luft zum Tanz erregt. Die beiden Singer ſchwiegen und priefen fein Geſchick, Berlangend ſenkten Nanna und der Süngling Blid in Bid. So fang er drei Lieber, die kannte niemand dort, Er felber hatt erfunden die Weife wie das Wort. Um ein Viertes bat die Wirthin, daß jettt ihr Töchterlein Mit dem Junker tanze, denn ein Reigen follt es fein. Da hub er an zu fpielen und fang ein Lieb bazu, Es hätte hüpfen mögen das Kalb in der Kuh. Vom Tiiche frohlodend fprang die jchöne Maid Und ſchwang ſich gefällig und hob mit Anftand das Kleid. Da kam ihr entgegen ver ſchnelle Süngling frob Die Meidende zu fuchen, die ihn doch ungern floh. Cr kreißte wie der Falle, da fie der Taube glich; Meint’ er fie zu bafchen, entichlüpfend wandte fie fich.
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Wie Rudwin in Freilauberäheim die fchöne Nanna jah. 99 Sein Tanzen war ein Fliegen, zu ſchweben fchien die Magd; Nun hatt er fie gefunden, das holde Wild erjagt. Sie reiht die Hand ihm willig und beut ihm ben Franz, Doch fchnell dem Genedten entflieht fie wieder im Tanz. Nie ſah man beßre Tänzer und nie ein fchöner Paar: Alle Gäfte klagten als es zu Ende war. Doch ſaßen jet beifammen und rubten Hand in Hand Die Schon zu hellen Flammen die Herzen fühlten entbrannt. Cie möchten fich gehören noch heute, gleih zur Stund; Die Mutter will nicht ftören, fie jähe gern den Bunt. Zum Wurfgabelfpiele lädt ihn das Fräulein jeht: „Die Ring’ an unlern Händen zu Pfande feien gelebt. „Sie werden dem zu Theile, der dreimal obgefiegt.” Er ſprach: „Berloren habe mer einmal nur erliegt.“ Sie war e3 auch zufrieden, warf und gewann das Spiel. Gern gab den Ring der Süngling, dem zu verlieren gefiel. Das Mäbchen in der Freude des Sieges gab nicht adıt; Da hatt auch fie ihr Ringlein verloren unbedacht. Sie z0g ihn von dem Finger, ihr Kummer war nicht groß, Sie ließ ihn freundlich rollen dem jungen Mann in den Schooß. Inzwiſchen nach der Mutter frug Rudlieb insgebeim, Ob fie noch öfters käme zu ihr nach Laubersheim? „Auch das möcht ich wißen, ob ein Geſchwiſter mir, Dem ihr den Namen gabet, geboren wurde von ihr;
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100 Eilftes Abenteuer. „Ob euch vielleicht den Täufling Ste aus dem Brunnen bob?“ Erft ftaunte fie der Frage, dann zürmte fie darob. „Weh,“ ſprach die gute Wittwe, „wie ihr die Mutter Träntt! Sie hätte freien mögen! die nur des Sohnes gebentt, „Der ohne Euch dad Leben verhaßt ift und zur Laft, Die blind um den Erfehnten die Augen meinte faft! Eie hat aus der Taufe gehoben dieß mein Kind; hr wißt es nicht, dergleichen vergeßen Männer geſchwind. Sie hat e8 nicht vergeßen, fte fommt noch oft bieber Zu ihrer Goth, und niemald find ihre Hände leer.“ Als das der Degen hörte, da fchämt’ er fih und ſprach, Dem um die arme Mutter die Zähre vom Auge brad: „Ich Tönnte wohl noch heute bei ihr zu Haufe fein.“ Die Wirthin ſprach: „Das könnt ihr gar wohl, ich räum es ein; Doch will id) erft verdienen bei ihr das Botenbrot: Drum laß ich euch nicht fcheiden, das wißt, vor dem Abenbroth.” Bald flog von Mund zu Munde die Kunde von dem Glüd, Es kehre der Gevatterin der liebe Sohn zurüd. Das fchuf große Freude, denn Allen war fie werth, Daß noch fi ihr erfülle der Wunſch, fo fehnlich begehrt. Den Ichnellften Reiter wählte die Wittwe, den fie fanb: Der warb mit der Botfchaft nad ben gejandt, Daß die Freundin wiße, noch Beute käm ihr Eohn. Derweil war den Liebenden die Zeit mit Kurzweil entflohn.
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Wie Rudwin in Freilaubersbeim bie fchöne Nanna ſah. 101 Dreimal gewonnen hatte Rudwin, Dreimal warb dem Fräulein vom Glüd der Sieg verliehn. Des Andern Pfand gewinnen, die Freude dauchte groß, Ein Pfand dem andern geben fdhien noch ein feliger Looß. Sie waren fi) geivogen, verborgen blieb es nicht, Das Herz hat nie gelogen, das aus den Augen fprict. Ein zärtlih Händebrüden giebt es noch beßer fund, Und daß Fein Zweifel bleibe, fo fagt e3 deutlich der Mund. Doch fol man Worten trauen? in Worten oft ift Lug; Wenn es ein Kuſs befiegelt, fo glaubt man ihm mit Fug; Der Siegel braucht es fieben und zwei und fiebzig noch. Eo hätten fied getrieben noch heut, bis in der Che Joch. Da fam neue Märe dem werthen NRublieb: Den Sohn heimzuholen, der ihr zu lange blieb, Schickt' ihm die Mutter Boten, drei aus der Knechte Zahl. Wie liebe Freunde küfste fie der Gebieter zumal. Eie ſprachen: „Nur uns dreie hat fie nach euch gejandt; Die Andern find euch ſuchen ſchon geitern über Land. Wart Ihr in ben geftern? der Oheim fah euch dort: Es wollt es Niemand glauben; die Mutter glaubte dem Wort. „Der zog euch zu empfangen hieher vom Idarwald. Er rief euch nach, zu harren; doch machtet ihr nicht Halt. Er wär auf fchnellem Pferde fogleich euch nachgefegt ; Da kam, ob ihrs geivefen, ihm doch ein Zweifel zuletzt.“
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102 Eilftes Abenteuer. Nudlieb ſprach: „Sch war es; iſt er fo bald erwadt? Sch will der Mutter büßen den häßlichen Verbacht. Ihr Freunde, laßt uns reiten; Rudwin, willft du mit?“ Der möchte lieber bleiben, und ſchied mit zögerndem Schritt. Schon fteht dort in ben ein Späher auf der Wart An einem Kirfchbaume, ver des Gebieterö harrt. Wie fü die Kirfchen loden, er greift nach ihnen nicht, Er blickt in die Ferne und ftrengt fih an das Geſicht. Das wunderte die Dohle, bie ihm im Naden ſaß, Daß er nicht Kirſchen pflüdte, der reifen Frucht vergaß. Sie laufchte feinen Worten und lernte fie gefſchwind: „Herr Rudlieb, kommt doch endlich,“ ſprach er und gudte ſich blind. „Herr Rudlieb, kommt doch endlich," Sprach ihm die Dohle nach, Und flog zurüd, der Herrin zu melden was er ſprach. Sie faß ihr auf der Achſel und rief ihr ins Ohr: „Herr Rudlieb kommt doc) endlich,” und ſprach es dreimal ihr vor. Sie lachten all, verwundert über des Vogels Sinn. Da ſprach fie: „lieg wieder nun zu dem Späher hm, Gieb Acht auf feine Worte, und ruft er, rufft auch du.” Da flog die Huge Dohle dem Kirſchenbaum twieber zu Jedes Worts begierig aus des Spähers Mund. Der ſchwieg; doch thät’ er gerne die Freubenbotichaft Funk. Jetzt taucht aus Erlenbüfchen, Rudlieb wird es fein? Ein Ritter mit dem Knappen; „nicht doch, der Wuchs ift zu Klein.
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Wie Rudwin in Freilaubersheim die fchöne Nanna ſah. 103 „Der folgt, ift mein Gebieter; bleibt einem Zweifel Raum? Der Rnappe gebt zu Tube, das Roſs trägt ſchweren Saum. „Run jauchzt,” rief der Diener, „ich feh ihn Tommen bort.” „Run jauchzt,“ rief der Vogel, unb wiederholte das Wort.
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Zwölftes Abenteuer. Wie Ruplieb in Iben das Brot anfhnitt. Wie Rudlieb empfangen mit Freuden warb zu Haus, Das haarklein zu melden reicht uns die Zeit nicht aus. Der Sohn war erjchroden, als er die Mutter ſah So ſchwach und gealtert, es gieng ihm inniglich nah. Ste mag den Blid nicht menden von feinem Angeſicht, Wie fügen Honig fhlürft fie die Worte, die er fpricht. Doch heißt fie jet ihn fcheiden: „Wenn ihr gebadet ſeid,“ Sprad fie, „kommt zurüde, fo ift das Mal euch bereit.“ Als Rudlieb in die Kammer trat mit Rudwin, Friſchbezogne Betten ftanden zivei darin, Und in großen Wannen die dampfende Glut, Deren Spiegel dedite der Roſe duftende Blut. Doch kam fie zu reiben mit Händen zart und lind Gelſch ift die Sitte) Fein Weib, Fein ſchönes Kind: Sie muſtens felbft beforgen und klagten nicht darum; Der ſchönen Nanna dachte doch wohl Rubwin, er blieb fo jtumm.
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Wie Nudlieb in ben das Brot anſchnitt. 105 Das ließ nicht unbeſpottet der Held, als ers gewahrt, Wie träumeriſch im Bade ſein Freund die Worte ſpart. Er ſprach: „Du liebſt den Wechſel, haſt du mir ſelbſt geſagt: Nun tauſchteſt du wohl gerne die Tänzerin um die Magd. „Der Wechſel wär nicht übel, das mag ich dir geſtehn.“ „Ja könnte,“ ſprach der Jüngling, „ſolch ein Tauſch geſchehn, Nie wollt ich wieder wechſeln bis an den jüngſten Tag: Nun erſt hab ich empfunden was ſtäte Liebe vermag.“ „Wird ſie dir alt gefallen? auch dieſe bleibt nicht jung, Dem Morgen ihrer Schönheit einſt naht die Dämmerung. — Er ſprach: „Vergieb die Rede, die ſprach ich als ein Thor, Rechter Minne, fühl ich nun, ſteht nie ein Wandel bevor.“ „Nach ſolchem Wunſch,“ ſprach Rudlieb, „wirſt du doch nie vermählt, So lange zum Geſinde dir jene Magd noch zählt. Und magſt du ſie verſtoßen, wenn ſie dir treu verblieb? Ich müſt es an dir haßen, denn ſie war dir einſt doch lieb.“ Wiederum verſtummte Rudwin, der Schuld bewuſt, Doch tiefe Seufzer ſtiegen ihm aus bedrängter Bruſt. „Ich kann ihr nichts beweiſen,“ ſtammelt' er zuletzt, „Doch hab ich längſt ſchon Zweifel in ihre Treue geſetzt.“ Da erbarmt' er ſich des Jünglings und ſprach: „Wohlan, Ich kanns, Die Buhlerin unwürdig weiß ich ſolches Manns. Die Beweiſe leg ich noch heut in deine Hand, Daß ſie das Haus dir räume und mag es ſein, auch das Land.
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106 Zwölftes Abenteuer. „Das folft du morgen fchaffen, und ift das Haus dir rein, Sp mag dir wohl noch werden das edle Mägbelein, Menn ihr euch treulich minnet aus ganzer Herzensmacht.“ Da ward das Badelinnen von ihren Knappen gebracht. Damit bedeckt entftiegen dem Bab die Herren nun Und fchlüpften in die Betten, da wei und warm zu rubn Bis fie getrocknet waren und alles Fröſteln wid: Nach den Gewändern griffen fie da und kleideten fi, - Und traten aus der Kammer Hand in Hand gefügt. Man rief fie bald zu Tiſche: das hörten fie vergnügt. Da ſchlug den Hochfig Rudlieb ehrerbietig aus Und feßte fich der Mutter zur Rechten wie ein Saft im Haus, Die Herſchaft ihr belaßend als ein getreuer Cohn. | Damit war Laft verbunden, er balf ihr gern bavon, Und Schnitt das Brot in Stüde und fchenkte Wein und Metb: Er wuſt auch vorzulegen wie eö nicht Jeder verftebt. Dem Better an der Seite faß Rudwin am Tiſch Und aß von feinem Teller den Braten und den Fiſch, Aus Einem Becher tranfen den Meth fie und den Wein. Die Dohle, font der Mutter bei Tiſch Gefährtin allein, Eh der Oheim anlam, tar beut auch nicht verbannt; So oft ein Brotlrümden ihr bot der Herrin Hand, Ä Schritt fie ftolgen Ganges den ganzen Tifch entlang. Ä Nach vielen vollen Bechern und manchem reichlichen Gang,
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Die Audlieb in Iben das Brot anfchnitt. 107 Hieß das Waßer bieten der Herrin ftummer Winf, Bon Tiſch zu Tifche trug es ein junger Kämmrer flinf; Auch brachte bald den Nachttrunk der Schenk, wie man pflegt. ALS jetzt der Tiich gerüdt ward und das Tuch in Falten gelegt, Sie ſprangen auf und mwünfchten der Frau bes Hauſes Glück, Daß heil aus fernen Reichen der Sohn ihr kam zurück, Bon dem fie Rath und Hülfe liebreich nun empfängt, Wenn fie der Raugraf wieder, wenn fie der Wilbgraf bebrängt. Den Freund an die Eeite zog da Rudlieb: „Es fei dir zu hören nun leid oder lieb, Ich muß dir Alles fagen von deiner falfchen Magd.“ Des Rothen Geftänbnifs ward ihm da haarklein gejagt. Als das der Junker hörte und die Beweiſe ſah, Erſt hub er an zu weinen, es gieng ihm wahrlich nah. Kein Zweifel blieb: Er hatt ihr einſt vieles Pfand gefchentt; Doch liegt ihm Troft nicht ferne, wenn er bes Fräuleins gebentt. Da riß ihn aus dem Traume des Freundes ernftes Wort. „Bor Morgen in der Frühe Laß ich dich nicht fort, Dann reit mit dem Anappen nah Welftein hinaus Und gieb der Magd den Abſchied, bamit du fäuberft das Haus, „sm Böſen oder Guten, wenn du fie nur vertreibft, Und ledig folder Schaffnerin der Echlüßel Herr verbleibft. Iſt das gethan, fo wähle drei aus der Anappen Zahl Und reit zu den Sippen von Schwert und Kunfel zumal.
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108 Zwölftes Abenteuer. „Soviel lieber Freunde du in den Landen haft, Die lade zu der Muhme nach Zaubersheim zu Gaſt: Da fol am dritten Tage die Verlobung fein, Menn es die Freunde rathen, es fage Nanna denn Nein. „Ich habe mit der Mutter geſprochen ſchon der Braut: Sie ſieht es mit Freuden, wenn ſie dir wird getraut. Drum lad auch Ihre Freunde (die Deinen ſind es meiſt) Mit ein zu der Muhme, daß man die Maid dir verheißt. „Leb wohl, wir ſehn und wieder bei der Gevatterin; Mit meiner Mutter lomm ih dein Werber auch dahin.“ So ſprach er und erfüllte mit Luft des Jünglings Herz; Bor Freuden möcht er weinen, der eben meinte vor Schmerz. Da trat mit der Mutter in ein Gemadh der Helb: Die Anappen mit dem Saume hatt er dahin beitellt. Da zog er aus den Bündeln der Schäße manderhand, In Gold und in Perlen, in Pelz und Purpurgewand. Ihm hatt es im Elend ertvorben mandıes Jahr, Mas nun der lieben Mutter zur Augenmweide ar. Doc heifcht' er von dem Knappen die beiden Nee jetzt: Die africanfchen Brote will er ihr zeigen zulekt. „Es dünkt dich viel; nicht Alles erſahſt du jedoch; Den Hunger zu ftilen zwei Brote hab ich noch. Sie gab mir der König und ſprach im Scherz: Die nimm Mit heim zu deinen Freunden, damit fie fehen, fo ſchlimm
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Wie Rudlieb in Iben das Brot anfchnitt. 109 „Nicht fei e8 Brot zu eßen bei uns in Africa. Ich will fie anfchneiden: haft du ein Meer da?” Das gab ihm die Mutter: er fchnitt beherzt in Eins: Da fah er unterm Epelte dag Eilber gliternden Scheine. Er ſchabte verwundert hinweg die Kruſte ganz, Da ward immer beller und leuchtender der Glanz. „Zwei Schüßeln find e8, fiebft du? mit Etiften bier verſchraubt, Die dreb ich leicht zurüde — mie hätt ich das nun geglaubt?” Er Hob die flache Schüßel hinweg mit Neubegier, . Da fah er in der hohlen des Goldes blanke Bier: Gemünzte Kaifergulden erfüllten fie fo dicht, Man zwänge feinen Heller dazwiſchen, mit dem Hammer nidt. . „Laß und dem Himmel danken, uns fchwindet alle Roth. Eo ift auch das andre gewiſs nicht eitel Brot. Biel größer noch ift dieſes und fühle felbft wie ſchwer! Sch hätt es merken follen, wenn ich fo albern nicht wär.“ Neugierig ſchabt' er auch dem ben Kleifter ab, Da war es eitel Silber mas fih zu jchauen gab. Der Schrauben waren fünfe, bie drebt’ er bald zurüd, Und bob hinweg den Dedel und ſtand eritaunt vor dem. Glüd. Den tiefen Bauch der Schüßel ſchied eine Mittelmand: Beſanten aud erfüllten die Hälfte bis zum Rand; Mit theuern Kleinoven die andre war befchiwert, Perlen, Ringen, Epangen und Geftein vom höchſten Werth.
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110 Zwolftes Abenteuer. Als fo reich und köſtlich die Mutter ſah den Schatz, Und fo gebrang und dichte, da fände nichts mehr Pla, Sie trat erftaunt zurüde mit freudigem Schrei. Des Gebers gedachte doch bald die Gute dabei: Mit weinenden Augen, die fie dankbar bob, Sagte fie im Herzen dem Himmel Preis und Lob: „Mir war der Sohn fo lange, der theure, weit entrüdt: Du ſchickſt To reich ihn wieder, du haft mich doppelt beglüdt.” Laut rühmte Rudlieb den Töniglichen Herrn: „Was gleicht deiner Milde nun auf der Erde Stern? Puras, edler König! dürft ich bir den Dank Noch fagen folder Wohlthat, eb der Leib in Afche mir fanf! „Das bitt ich alle Tage den Himmel flehentlich. Gnabdenreich empfiengst du armen Müding mich, Gabft mir Gut und Ehren und meifer Lehren Gold Und mehr als wir begehren an Geſtein und rothem Gold.“ Nun laßt die Augen weiden die Glüdlichen bort; Sie müßen endlich fcheiven doc von dem reichen Hort, Daß fie ihn forglich bergen in eiferner Trub. Sie hätten wohl geſchworen, ihnen ſähe Niemand zu. — m — — —
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Dreizehutes Abentener. Wie Rudwin und Nanna die Brautlauft begiengen. Ein ſanftes Maultbier ſchirrte Rudlieb am dritten Tag, Daß es die Mutter trage, die nicht mehr geben mag; Er felber fehritt zur Seite, den Baum in der Hand. So kamen fie nach Zauberöheim: da warb nun Freude befannt. Die Wittwe mit der Tochter ſah man ber Gälte froh Und Niemand war im Haufe, den nicht der Kummer floh. Doc zog an die Seite die Wirthin jet der Gaft Und ſprach: „Thut nicht fo fröhlich: wir bringen euch Weberlaft. „AU eure Freunde fommen hieher nach Laubersheim Und Rudliebs Sippen alle; doch haltets noch geheim. Die wollen wir fragen, ob fie dawider find, Menn wir Den von Welftein verloben mit euerm Kind.” Die Wittwe war erfehroden, als fie das Wort vernahm; Man las in ihren Zügen doch Freude mehr ald Gram. Sie ſprach: „Wie bewirtb ih auf einmal ſolch ein Heer? Und heute gleich! Was fandtet ihr mir nicht Kunde vorher?" —
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‚112 Dreizebntes Abenteuer, „Wie mocht ich denn eıwarten, daß ihr fo zornig ſchaut? In Lauberäheim der Garten ift immer rei an Kraut, Voll Vieh find die Etälle, von Filchen ftroßt der Teich. Laßt Ahr. die Kälber jchlachten; die Fiſche fang Sch ſogleich.“ Da kam auch der Junker und mit ihm mander Mann, Hier einer fam der Gäfte, der andre bort heran. Sie wurden auf dem Göller der Wirthin zugeführt: Die hieß fie willkommen, tie lieben Freunden gebührt. Nudlieb ſprach: „Nun ſchauet mir. bier von oben zu, Wie ich die Filche fange mit meinem Stab im Nu. Ich hört immer loben, kaum ſei noch in der Welt Ein Fiſch, ich wild erproben, ven biefer Teich nicht enthält.“ Da winkte dem Junker Rudlieb und gieng Mit ihm zu dem Teiche, wo man bie Filche fieng. „Laß mich nur machen,” ſprach er: „du Fennft noch nicht Die Art Wie man in Egypten Fiſche fängt mit foldem Bart!“ Er goß aus einer Büchfe viel Körner, Pillen gleich, Sich in die Hand, und warf fie hinaus in den Teich). Gleich hoben gierig ſchmatzend fi Mäuler aus der Flut Und ſchnappten nach den Körnern wie der Hund nach Brocken thut Die nun ein Korn erhaſchten, die waren wie berauſcht Und ſprangen hoch, als hätten ſie Flügel eingetauſcht. Unters Waßer tauchen lonnten fie nicht mehr, Mit Schwanz und Floßen ſchlagend fuhren ſie dahin, daher.
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a Wie Rudwin und Nanna die Brautlauft begiengen. 113 Cin Nachen lag am Teiche, mit dem Gefährten fprang Hinein der jchnelle Fifcher, der eine Ruthe ſchwang: Die er damit berührte, weil fchnell der Kahn fie trug, Die folgten ibm aufs Trodne: fo fieng er Fiſche genug. Da oben laut erjauchzen die Männer und die Fraun Und klatſchen in die Hände, da fie den Reichthum fchaun. Mit freudgem Stolz bewundert Rudwin des Freundes Kunft Und blidt empor, als haſcht' er nach einem Antheil der Gunit. Ta fprang aus der Küchen, und lief zum Teiche bin Koch und Küchenjunge, zu bergen den Gewinn. Ans Land ftieß den Nachen der Degen allbereit Und gieng zu dem Haufe in vieles Volkes Geleit. Da ward er wohl empfangen, man pries den Filchfang laut: „Wie Ihr ward Tein Fiſcher im Leben noch erſchaut.“ Da ſprach er: „Wollt ihr wißen mas es für Gäfte find, Sm weichen Grafe legt fie alsbald bier aus das Gefind.” Da legte man im Grafe den reichen Yang zur Schau Und fonderte die Arten; die meld ich euch genau: Der Hecht zuerit, den Fiſchen der Wolf, mit geilem Schlund, Der doch bei Karpfen Noth thut, fonft rubn fie faul auf dem Grund. Der „Braffen” und der „Nafen,” dann Barbe, Salm und Schlei, Der Ach und der Karpfen, ber „Orfen“ auch dabei, Die bunte Forelle, der Maififch und der „Renk,“ Den Aal nicht zu vergeßen, ver fchlüpfrig iſt und gelent. ZSimrod, das Amelungenlicd. IM. 8
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114 Dreizehntes Abenteuer. Der Wels und der Aland von Häuptern ſchwer und groß, Und was fonft noch Stummes verbirgt der Welle Schoß. Hielt' ih die Faſten beßer, fie wären mir befannt; Doch nur die Aufter lieb ih; ſonſt hab ich wenig Fiſchverſtand. Die alle fchlugen zappelnd mit Schwänzen auf das Gras, Ob fie ins Waßer möchten; mit Nichten doch geſchahs. Sie muften in die Kühe, mo man fie fehnitt und briet: Was halfs, daß aus der Pfanne noch fprang ein ftörrifches Glier? inzwischen warb im Sanle die Tafel gebedt, Dazu mit grünen Maien die Wand umber beftedt. Da ſchickte nach dem Fräulein die Mutter mehr als ziwier: Sie fam, von Schönheit ftralend und regte große Begier. Zwei Golbborten trug fie, die fie einft ſelbſt geftict Dem Bräutigam, den künftig ihr Gottes Wille fchidt. Kennt fie nun Gottes Willen? fie gab fie Rudwin. Der ftand erfreut und ftaunte wie lichter Glanz fie umſchien. Die leicht vor ihm fchwebte und faum die Füße bob, Bor ihrer Schönheit dacht er nicht an der Arbeit Lob. Da legte fie ihm jelber die Borten an das Schwert: Er mufte vor ihr -Inieen bis fie ihn wieder bewehrt. Noch waren nicht verfammelt die Sippen allzumal, Doc ließ man nicht verderben das dampfende Mal. Rudlieb und die Mutter fchied die Wirthin da Und ſaß ziwifchen beiven; die bolde Braut faß ibm nab,
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Die Rudwin und Ranna die Brautlauft begiengen. 115 Und an Schön Nannas Seite der frohe Bräutigam; Ich kann nicht weiter melden tie man zu fißen fam. Hinter dem Gebieter, das thu ich noch euch Fund, Saß mit dem Schwanze wedelnd der diebftahllundige Hund. Ward der zum Tellerleder von feinem Herrn beftellt, Ep reicht’ er ihn gefäubert, es wundert alle Welt, Dem dienenden Knappen, der um bie Tafel gebt. Nun aber Tommt ein Diener, den bat der Hund kaum erfpäht, So fpringt er mit Bellen ihn an und zerrt fein Kleid; Und wehrt’ es nicht ein Schilbfnedt, er tbät’ ihm größer Leid. Rudlieb erlacdhte, die andern ftaunten rings. Da fprach die Frau des Haufes: Uns wundert alle bes Dings. „Ich will das Räthſel löſen,“ ſprach da Rudlieb, „Man darf bier nicht ſtehlen, der Hund verräth den Dieb. Geſchwind bring zurüde mas bu geftohlen haft.“ Er lief und zwei Bügel von Silber bracht er in Haft: „Die löft ih euch vom Sattel: fo eben iſts geſchehn, Kein Menſch war zugegen und Niemand hats gejehn: Ter Böfe war im Spiele, tie wüſt' es fonft das Thier!“ Er ſprach: „Nach folder Warnung bezwing binfort die Begier. „Tun gieb dem Hund die Bügel, fo fieht man wem fie find.” E/ wirft fie bin, der Mutter trägt fie der Hund gefchtwind. Gr ſprach: „Sieb fie ihm wieder, fie find ihm gefchentt; Ich weiß, daß er fich beßert, menn er der Gabe gebenft.”
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116 Dreizehntes Abenteuer. Er trug fie bin und ſchwenkte den Echweif mit Freundlichkeit. „Kun fall ihm zu Füßen, damit er dir verzeibt.” Da legt' er in die Füße das Haupt dem Bügelvieb Und heulte fo und mwimmerte, als wollt er jagen: Vergieb! „Run ſprich: Steh auf, und feien mir Freunde wie zuvor.“ Der Dieb ſprachs zu dem Hunde: da fprang er froh empor, Dem Knechte Dank bezeigend, dem Herrn, und all der Echar. Der Ritter ſprach: „Nun faße den Knecht nur Einer beim Haar, „Und droh ihm mit dem Stode als wär ihm nicht verztehn.“ Als das Zweie thaten und „warum ftabljt du?” fchrien, Gleich fiel fie an der Köter, nach ihren Waben bif Er grimmig, bis er gänzli den Freund den Häfchern entriß. Da lachten all die Säfte und wunderten fich fehr; Solcher Kurzmweil ſähe wohl Mancher gerne mebr. Die Trucdfeßen brachten indeſſen manch Gericht Und manchen Trunfdie Schenken: „die Fiſche ſchwämmen fonft nicht.“ Da war die Hül und Fülle und mehr als genug. Als man nad) foviel Bechern zuletzt den Nachtrunf trug, Da faß man noch und lobte den Wein und that Beicheib. An Kirfchen fehlt’ es heute, fie zu pflüden blieb nicht Zeit, Da mar es willfommen als mancher kleine Gaſt Erdbeeren feilbot in friihem Hafelbaft, Die fie an der Halbe beim fühlen Quell gepflüdt: Die aß man noch mit Eahne, bevor ber Tiih ward gerüdt.
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Wie Rudwin und Nanna die Brautlauft begiengen. 117 Das Waßer var genommen, da gieng mit Rudwin Rudlieb in die Kammer, fich feftlich umzuziehn, Wobei auch nicht des Ringes der Bräutigam vergaß, Den er im Spiel gewonnen, dem kleinen Finger nur maß. Sie traten aus der Kammer bochzeitlich angethan ; Da ſah man noch dem Enale viel frohe Gäfte nabn. Die liebiten Freunde famen der Bräutigam, der Braut, Um die fie verlangend bisher ind Weite gefchaut. Auch Rudlieb empfieng fie mit Freuden allzumal. Da brachte man die Tifche wieder in den Saal, Die fpäten Gäſte labend mit Wein und füßer Koft; Doc ſchonten auch die frühen nicht Meth noch ſchäumenden Moft. Nun mandes Mal die Becher gefüllt find und geleert, Zu fröhlicher Weisheit die Gäfte rings befehrt, Epriht Nublieb: „Alle find wir fo froh beifammen heut, So thun wir was uns morgen unb übers Jahr noch erfreut. „Ihr werthen Sippen alle, verjagt nicht Hülf und Rath Dem trefflihen Süngling, der euch zufammen bat. Bon Welftein hier mein Neffe Tiebt unfrer Wirthin Kind; Mag fie euch ſelbſt beſcheiden ob fie auch wieder ihn minnt. „Beim Epiel vor wenig Tagen der Wunfch warb ihnen fund, Wollt Ihr es nicht verfagen, zu fchließen erniten Bund.” Als das die Säfte hörten, fie riefen insgemein: „Das rathen wir und geben den Willen gerne darein,
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118 Dreizehnteß Abenteuer. „Daß fol ein wadrer Degen, der noch fo viel verheißt, Die ſchnöden Feßeln endlih der Buhlerin zerreißt. Sie wär auf einer Hürde ſchon manden Tag verbrannt, Ergieng’ e8 nad) der Würde nur ftäts, das fei dir bekannt.“ Der werthe Junker dankte den Freunden ihrer Gunſt, „Daß die mir nicht verwirkte der Schein gemeiner Brunſt. Wahr iſts, ich war verblendet, von arger Liſt bethört: Ich glaubt' an ihre Treue: den Trug hat Rudlieb zerſtört. „So ſchaut ihr ſelbſt, mir wäre nun einer Hausfrau Noth, Die treuer Liebe lohnte getreu bis in den Tod. Mag ich die hier kaufen, ſo kargt und ſträubt euch nicht, Wenn man nach Brauch den Brautſchatz und die Widerlage beſpricht.“ Sie ſprachen: „Laß uns ſchauen die dir ſo wohlgefiel, Und gäbſt du Erb und Eigen, es deucht uns nicht zuviel.“ Derweil beſprach auch Rudlieb ſich mit dem andern Theil: Da war mit reicher Mitgift die edle Maid ihnen feil. Da dieſes war vertragen, bewilligt und verbrieft, Er ſprach: „Die ſchöne Nanna, wenn ihr ſie jetzt berieft, Möcht uns allein beſcheiden ob dieſe Rechnung gilt: Die müßen wir zerreißen, wenn Sie den Bräutigam ſchilt.“ Sie kam alsbald gegangen mit ſtattlichem Geleit, Anmuth war ihr Antlig, ihr Gang Beſcheidenheit. Da nahmen fie mit Rubwin in einen Kreiß die Herrn Und fragten die Beihämte, ob fie den Yüngling nähme gern.
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Die Rudwin und Nanna die Brautlauft begiengen. 119 Cie ſprach: „Sollt ich ihn laßen, den ich im Spiel gewann, Der mir als Knecht zu dienen mit Recht nicht weigern kann? Gr leiſte treue Dienfte bei Tag mir und bei Nacht; Mir ift er um fo lieber um fo beßer er das macht.“ Sie muften laut beladen, nocd lange hallt’ es nad, Mas fie fo unfhuldig und treuherzig ſprach. Cie fahn, die Mutter wäre des Bundes freubenreich, Und beide jo von Adel wie an dem Reichthume gleich. Da wurden fie zu Rathe, ſich ziemten bieje Zwei, Und follten fich gehören: dem ftimmten Alle bei. Da zog aus der Scheide die Waffe Rudwin Und wette fie am Stable, daß fie hell und glänzend fchien. Dann hieng er den Brautring an des Griffes Knauf Und gab mit diefen Worten” der fehönen Braut ihn auf: „Die diefer Ring den Finger dir ganz umichließen foll, So jei deine Treue mir unverbrühlih und voll. „Die ſollſt du ganz bewahren, dieß Echwert fonft töbtet dich.“ Sie gab dem Jüngling Antwort, nicht lang befann fie fidh: „Einem wie dem Andern gebührt das gleiche Recht: Sollt ih euch Treue wahren, wenn ihr fie leichtfinnig bredt? „Das ift nicht rechte Ehe, fie bat wohl andern Sinn, Nicht eure Hausfrau wär ih, nur eure Buhlerin. Geh bin, auf die Bedingung werd ich dir nicht gefellt: Magft du Andre febfen, wenn bir zu bublen gefällt. 7
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120 Dreischntes Abenteuer. „Mich laß in Frieden, ich finde wohl den Mann, Der ftäte Treu geloben, fich ganz mir eignen Tann.“ Da gab fie ihm das Ninglein zurüd und wollte gehn. Der Süngling ſprach: „Geliebte, fo fol dein Wille gefchebn. „Werd ich dir untreu, minn ich ein ander Weib, Mein Gut will ich verlieren und Leben au und Leib: Mit diefem Schwerte löfe mein Haupt, du haft die Macht.“ Sieh, da Fehrt fie zärtlih au ihm zurüd und erladt: „Das laß ich mir gefallen, den Handel geh ich ein.” Der Freier füfst fie freudig und ſpricht: „Eo fol es fein.” Als fie mit weißen Armen ihr trautes Lieb umjchlang, Im Kreiß bie Freunde ſtimmten in des Brautliedg fröhlichen Klang. Darnach als die Sippen die Gaben braditen dar, Das Allerbefte ſchenkte Rudlieb dem jungen Paar: Dem Neffen edles Pelzwerk mit Tnifterndem Saum Wenn es die Erde fegte, und ein Roſs mit goldnem Zaum; Mit dreien Miedern det’ er der Braut die zarte Bruft, Zwei Goldſpangen wand er ihr um den Arm mit Luft, Dreien Fingern fügt’ er noch den gelteinten Ring, Eh er den Scharlacdhmantel um den fchönen Naden ibr bieng. Was da die Andern fchenkten, das warb mir nicht vertraut; Sie gaben gern dem Bräutigam und lieber noch der Braut. Daß fich die Beiden fanden, erfreut euch der Bericht, Wie fie zufammen ftimmten hernach, es fümmert uns nidt.
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Bierzchntes Abentener. Bon Rudliebs Merbung und woher Merrheim ven Namen bat. Nun gieng es Rudliebs Mutter alle Tage nah, Daß fie den Sohn, den theuern, noch unberathen fah. Sie ſprach: „Nun baft du Rudwin dem Fräulein vermählt, Die ih Dir beftimmte; mas hab ich3 auch dir verhbehlt ! „Do eile nun und ſuche dir jelbjt gemäße Braut, Daß noch des Sohns Ermählte die alte Mutter fchaut. Dein Leben ftebt, nicht meined® allein, in Gottes Hand: Wer nähme, wenn du ftürbeft, unfer Erb und eigen Land? „Es gäbe Zank und Hader und blutigen Streit: Das laß mich wenden balde, denn furz ift meine Zeit. Mir iſt die Kraft geſchwunden, das Alter fam zu früh: Dieweil du ferne meilteft hatt ich nur Kummer und Müb. „Ich bärmte, Sohn, und jehnte nah Dir mid Tag und Nacht, Das kleine Gut zu [hüten mit Sorgen ſtäts bebadht. Wenn du noch länger bliebeit, du ſähſt mich blind vor Gram: Das wandte mir die Freude, da mein Troft mir endlich fam.
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122 Bierzehntes Abenteuer. „Bon Freude borgt’ ich Stärke; die war doch nur geliehn, Muß ich fie wiedergeben, fo well ich bald dahin. Nun laß dich erfleben zu thun wie ich dich bat: Laß unfre Freunde fommen und vernimm getreuen Rath, „Ob fie ein Fräulein wißen, das bir geziemt zu frein. Schön und guter Sitten und ablig muß fie fein “ Und bat fie Land und Leute, das freut und um fo mehr, Daß unſer Haus erblühe und werther ſei denn vorher.” Da gab der Mutter Antwort Rudlieb mit fanftem Sinn: „Noch heute [hi ich Boten zu unjern Freunden bin: Was die mir alle rathen, wenn es. auch dich erfreut, Will ich es treulich leiſten, da fo die Pflicht mir gebeut.“ Die Botenknaben liefen, die Freunde fäumten nicht: Da empfieng fie Rudlieb nad mwirtblicher Pflicht Und fette fie im Saale je zwei an einen Tiich, Daß fie fich tbeilen mochten in ben Reiher und den Fiſch. Die Mutter wars alleine, die ohne Nachbarn aß Und Alles überfchauend auf dem Hochſitz ſaß Als des Haufes Herrin: das lobte Jedermann, Daß er die Mutter ehrte und ſich den Himmel gewann. Zwei Wächter ftellte Rudlieb da an des Eaales Thür, Die ließen Niemanden binein noch berfür, Bis er in feiner Sache der Freunde Rath erfragt Und von des Landes Töchtern fie ihm die Kunde gefagt.
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Bon Rudliebs Werbung und woher Merxheim den Namen bat. 193 Er ſprach: „Ihr lieben Freunde, noch ift nicht allen fund Warum ich euch gebeten: das fagt’ euch gern mein Mund. Eures Raths und eurer Lehre Mar mir nie jo Notb: Die wollt mir nicht verfagen, ich gedenk es in den Tod. „hr wißt, meine Mutter war lange mein beraubt, Des Gatten noch viel länger: ihr ehrwürdig Haupt Seht ihr vor den Jahren gebleicht von Sorg und Müb, Eie fühlt die Kräfte ſchwinden, das Alter fam ihr zu früh. „Run wünscht fie, ich fuchte mir die gemäße Braut, Db fie vor ihrem Ende noch lieben Enkel fchaut. Mein Leben fteht, nicht ihres allein, in Gottes Hand: em bliebe, ftürb ich vor ihr, unfer Zehn und eigen Land? „Doch find des Landes Töchter mir fremd allzumal, Zu lange war ich draußen: wie teäf ich jelbft bie. Wahl? Wißt Ihr vielleicht ein Fräulein, die mir gegiemt zu frein? Schön und guter Eitten und ablig müſte fie fein, „Und bat fie Land und Leute, das fchredt und nicht zurüd, Daß unjer Haus erblühe dereinft zu vollerm Glüd. Solch Fräulein wollt ich werben, riethet ihr dazu, Weil ih der Mutter Willen, der theuern, immer gerne thu.“ Sie Ipraden: „Dazu rathen wir allen frohen Muths: Wir wünſchen felbit zu fehen den Erben deines Guts, Der Ehren auch und Tugenden, die wir an dir erfchaun; Doch ift nicht leicht zu finden, die dir geziemte zur Fraun.“
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124 Vierzehntes Abenteuer. Da riethen diefe Sippen ihm lange ber und bin Und konnten Teine finden, die Allen würdig fchien. Da Sprach zulebt die Mutter zu Einem insgeheim Don Meta der fchönen auf der Burg zu Mebdersbeim. Der hörte kaum den Namen, fo rief er: „Wunderlich, Daß wird nicht gleich gedachten! die ift jo ſäuberlich, An adliger Tugend ift ihr Fein Fräulein gleich, Und ob wir ewig ſuchten in allem römifchen Reich.“ Als das die Andern hörten, ihm ftimmten alle bei, Daß fie dem Beſten zieme, gar ohne Tadel fei. Da war es biefer Sprache der endliche Beichluß, Daß er um fie würbe; der Held vernahms mit Verdruß. Doc ließ er ſichs nicht merken und ftellte fich bereit: „Habt Dank, lieben Freunde, daß ihr gelommen ſeid Und mir fo treulich riethet: ich lohn es wie ich Tann, Und wüſt ich einen Werber, ich bielte gleih um fie an.“ Da nun die Andern ſchieden, blieb Rudwin zurüd. Er ſprach zu ibm: „Verfuhe mein Werber Du das Glüd. Sch will dir Alles jagen mas bu zu melden haft Und will dir heimlich klagen: mir wär die Heirat verbaßt. „Mir rieth ein weifer König: „Wenn du die Hausfrau mar: Damit du liebe Kinder im Herbit des Lebens zählft, So folge deinem Herzen und eignem Sinn allein Und fein Andrer rede, auch nicht die Mutter, dir ein.””
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Bon Rudliebs Werbung und woher Merrheim den Namen hat. 125 Gr 308 ibn auf die Seite und that ihm Alles fund, Was er zu wißen brauchte vernahm er auf den Grund. Der Junker ſprach: „Vertraue hierin mir unbedingt, Ich will fein Roſs mehr reiten, wenn dieſe Lift nicht gelingt.“ Gen Meddersheim gefahren der Junker fam zuhand: Die Burg lag in der Nähe mo er das Fräulein fand. Ta ward er wohl empfangen, zumal als fie vernahm, Daß er um fie zu werben Des von ben Bote Fam. Der Wirtbihaft war fein Ende mit Wein und füßem Meth; Doch als er jet um Urlaub zu bitten vor ihr fteht, Gr ſprach: „Was aber meld ich dem lieben Herren nun, Durch mid ibm zu entbieten was willſt du, Herrin, geruhn?“ Eie ſprach: „An Treue grüße du mir den trauten Mann Und fag ihm foviel Liebes als Laubes hat der Tann, Als Wonnen haben Vögel foviel der Minne mein, Soviel dad Gras hat Aehren ſoviel fol feiner Ehre fein.“ Der gute Bote dachte: „Das heißt nicht abgeſagt.“ Doch plötlich eh er ſcheidet gebart er wie verzagt Und fchlägt fich vor die Stimme: „Wie albern war ich Thor, Daß ih den beiten Auftrag fo aus dem Sinne verlor! „Unter ſieben Siegeln follt ich ein Gejchent Dir deines Freier bringen; des mar ich nicht gebenf. Zürne nicht, mich felbjt dünkt der Fehler abgeſchmackt.“ Da zog er aus der Taſchen ein Kleinod zierlich verpadt.
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126 | Vierzehntes Abenteuer. Gie nahm es an und eilte von ihm hinweg geſchwind Und ftand unterm Fenfter neugierig wie ein Kind: Es war von feinem Ringe mit Siegeln wohl verwahrt, Mit ſeidnem Band umwidelt und Feine Sorge gefpart. Sie löfte fchnell die Knoten und brach die Siegel ab: . Bon Purpur war die Hülle, die fich zu fchauen gab. Die ſchlug fie auf: wie köſtlich erft wird der Inhalt fein! Wohl perlenreih Gefchmeive, wohl Schmud mit ebelm Geiler Nicht alfo, Kniebänder und ein vergilbter Kranz! Die hat fie einft verloren — bei einem Abendstanz? Nein, in verfchwiegner Laube bei einem Capellan, Den jung und feurig nimmer ihre Augen mehr erjabn. Das fein Geſchenk! erfchroden erfennt fie gleich den Raub, Erblaßt und bebt, jo zittert wohl faum der Espe Laub. „Der Unverfchämte! daß er mir foldde Gabe jchidt! Wie, oder trügt der Bote, der jo blöb und fchüchtern blidt? „Rein, fie jendet Rudlieb, von dem man Wunder fpridt: Wär er fein Herenmeifter, die Dinge wüſt er nicht.“ Da nahm fie ſich zuſammen und wandte ſich beherzt: „Sag an, übler Bote, wer hat ſo grauſam geſcherzt? „Dich aus dem Hof zu hetzen mit Hunden trüg ich Luſt, War dir, was das Gebünde verbarg nicht unbewuſt.“ Rudwin ſtand und ſtaunte und hob die Hand zum Schwur Bei Dem, der Alles wiße, „daß ich niemals erfuhr
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Bon Nubliebs Werbung und woher Merxheim den Namen bat. 197 „Roc weiß ich was ich brachte verfiegelt und umbüllt. Ich Tann auch nicht erdenken mas dich mit Born erfüllt, Es babe denn vergriffen fich meines Herren Hand: Willſt du mir nicht zeigen mas dir der Gute geſandt?“ Eie fprad: „Wohlan, fo fage du deinem Freund und Herrn, Ob fonft fein Mann am Leben wär auf der Erde Stern, Daß Er zum Brautſchatz brächte mir all die meite Welt, Tod würd ich dem Verhaßten zum Weibe nimmer gejellt.” Als das der Bote hörte, die Antwort jchien ihm leid: „Mein Botenbrot verlier ih,” Sprach er, „mit dem Beſcheid. Hier muß ein Irrthum walten, es Tann nit anders fein.” Sie ſprach: „Nun geb zum Henker, und hab Undank obendrein.” Der Werber faß zu Pferde und ritt auf Iben zu. Als Rudlieb ihn erfchaute, er ſprach: „Was melbeft du? Gefüllt und gefüttert bat fie dich ficher gut; Doch als fie meine Gaben erſah, wie warb ihr zu Muth?” Da fchüttelt fih vor Laden Rudwin und ſprach: „Es fcheint Du baft fein Glück bei Frauen, fie find dir fpinnefeind. Hat fih an dir vergangen ein ungetreuer Knecht, So ſchick nah Merksheim wieder, da wirft bu ficher gerächt.“ Da ſprach er: „Laß mich hören, was hat zu dir gefagt, Ta meinen Antrag hörte die jäuberlihe Magd?“ — „Sie ſchwieg,“ verjeßt der Junker, „und ſprach dazu fein Wort; Doch Koch und Kellner muften mir Töftlich dienen fofort.
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. 138 Vierzehntes Abenteuer. „Der Wirthichaft war fein Ende mit ſüßem Meth und Wein, Sn goldenen Becher goß fie mir ſelber ein, Mobei fie nach den Frauen mich dieſes Landes frug, Ob fie auch ehrbar wären und ſchön und artig und Flug? „Das Lachen verbiß ih, und ſprach: „Das weiß ich nicht, Es ift darauf zu achten auch außer meiner Pflicht Was die Frauen fchaffen; das thun die Geden gern. Wenn ich vorüber fomme bei Frauen nah oder fern, „Da grüß ich full und gehe mohin der Weg mich führt; Nah ihnen umzufchauen hab ich nie Luft verjpürt. Don dir was aber meld ich dem lieben Herren nun, Durh mid ihm zu entbieten was willſt bu, Herrin, geruhn ?* Sie ſprach: „In Treuen grüße bu mir den trauten Mann "Und fag ihm fo viel Liebes als Laubes hat der Tann, Als Wonnen haben Vögel foviel der Minne mein, Eoviel das Gras hat Aehren, ſoviel fol feiner Ehre fein.“ „Daß fie dich gerne nähme, da nun fein Zweifel blieb, Verwundert fah fie plötzlich ie ich die Hände rieb, Weil ich nicht gleich gegeben dein Liebeskleinod. Sie nahm es an mit Jubel und fprang zur Eeite freudenrotb. „Nicht lang, fo Tam fie wieder; nun fchien ihr Aerger arg: Sag an, ob du wuſteſt mas das Gebünde barg? Ich ſprach: „Wie mocht ich wißen was unter Eiegel lag? Sch ſchwör es bei der Eonne, die Alles bringt an den Tag,
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Bon Rudliebs Werbung und woher Merrheim ben Namen bat. 129 „Ich hab es nie vernommen und weiß es jetzt noch nicht. Willſt du e3 mir nicht fagen?" Das weigert fie und ſpricht: „Wohlan denn, jo melde du deinem Freund und Herrn, Ob fonft fein Mann am Leben mär auf diefer Erde Stern, „Daß er zum Brautfchat brächte mir all die weite Welt, Doch würd ich dem Verhaßten zum WWeibe nie gejellt.” Hiemit hieß fie mich ſcheiden, und ich gehorchte fchnell, Denn Alles hör ich lieber als lofer Hunde Gebell. „Nun aber laß mich wißen, mas baft du ihr gefchidt?" „Du börft es noch, für heute fei dir mit Danf genidt. Die Braut nun darf ich wählen, die meine Seele Tiebt, Und die ſich nicht im Stillen gar einem Andern ergiebt.” Hat Rudwin geplaudert, daß man ben inhalt Fennt Des Pädchens und nod) heute das Stäbtchen Merksheim nennt, Bon Mebversheim nicht ferne und näher noch der Nah? Weil es Rudlieb merkte, gab ınan den Namen ihm ja. Eimrod, das Amelungenlieb, III. 9
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Zunfzehntes Abenteuer. Wie Rudliebs Mutter träumte und wie ihr Traum | fih erfüllte.
Nun fleißt ſich Rudliebs Mutter und raftet nicht noch ruht, Daß fie ſich Gott geliebe mit ihrem golbnen Gut. Den Wittwen und den Waifen theilt fie die Habe mild, Den Kranken und den Pilgern als der Belümmerten Schild. Dad wollte Gott vergelten an dem geliebten Eohn, Im Traum ihr offenbaren den ihm beftimmten Lohn. Eie ſah zwei Eberſchweine mit bledendem Zahn, Die einer Heerde liefen von wilden Baden voran. Schon wirft fi auf Rublieb die wilde Schar und fchnaubt, Da löft er den Ebern mit ſcharfem Schwert das Haupt Und ſchlägt die Bachen nieder und füllt mit Blut den Raum: Das ſchien der guten Mutter ein beilverfündenvder Traum. Darauf am andern Morgen fab fie ein neu Geficht: Eine hohe Linde wölbte die Dolden breit und Dicht: Da wiegt im, höchften Wipfel fich Rudlieb boch und hehr, Dem rings die Streitgenoßen auf Xeiten faßen umber.
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Wie Rudliebs Mutter träumte und wie ihr Traum fich erfüllte. 131 Nun ſchwang filh eine Taube herab aus Himmelähöhn, Die lichte Kron im Schnabel, gefteint und goldenſchön: Die fügte Rudliebs Haupte den blitenden Ring Und gab ihm füße Küſſe, des Kuſs fie willig empfteng. Da ſolche Wunderdinge die Mutter träumen fab, Was fie bedeuten möchten, erivog fie wachend da; Und ob es eitel Ehre zu fünden ſchien und Glüd, Doch Schritt fie drum nicht ftolzer und warf das Haupt nicht zurüd. Nur demüthger ward fie, bejcheioner Tag für Tag, Die es nur Gottes Gnade, nicht fich verdanken mag Mas Ehren ihrem Sohne das Glück hat aufgefpart. Sie fagt’ ihm bald auch Alles mas ihr der Traum offenbart, Wie er den grimmen Ebern die Häupter nieberfchivang, Ei vor den Baden wehrte bis er aud) fie bezwang; Nie er im Wipfel tbronte der Linde hoch und hehr Und rings die Streitgenofen auf Aeſten ſaßen umber; Wie ihm die golone Krone die Taube trug herab Und auf dem Finger fitend ihm füße Küfle gab. „Als ich dieß ſchaute,“ ſprach ſie, „zum Leide wacht' ich auf, Gern hätt ich fortgeichlafen, zu ſchaun den Meitern Verlauf. „Daß ic erwachen mufte, das deutet mir ber Geift, Sch ſoll e3 nicht erleben mas dieſer Traum verheißt. Nun Rudlieb gedente tie oft der Himmel mild Dich in Gefahren ſchützend ein Schirm dir mar und ein Schild,
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132 Sunfzehntes Abenteuer. „Wie er im Elende dir gütgen, Herm verfchafft, Dich heil und reich uns ſchenkte nach langer Wanderfchaft. Nun weiß ich, böchfte Ehren find dir noch beitimmt; Eins aber fürdht ih Arme, bie bald der Tod dir benimmt, „Uns fei damit vergolten, wenn je was Gott gefällt Mir oder dir vergönnt war zu Wirken auf der Welt. "Drum rühme, Sohn, dich nimmer und meide Seinen Zorn: Das Beſte mag wir haben entfließt doch himmliſchem Born. „Was fönnen wir ihm opfern es fer denn Sein Gejchent? So ſei in Glück und Unglüd des Dankes ſtäts gedenk. Das laß in dieſer Stunde dir mein Vermächtniſs ſein, Mein Segen, Rudlieb, möge ſo milden Sinn dir verleihn.“ So ſprach die gute Mutter und legte ſich zur Ruh; Ihr drückte bald die Augen der Sohn mit Weinen zu. Doch hielt er ihre Lehren bewahrt in treuer Bruſt Und ward ein weiſer König und Milde blieb ſeine Luſt.“ So weit von ſeinem Ahnen erzählte Rüdiger, Und wars mit andern Worten, das wiegt uns hier nicht ſchwer. Das hörte Dietrich Alles und ſeiner Helden Schar. Da ſprach er: „Wie ähnlich der Ahn dem Enkel doch war! „Er bat von König Puras erft milden Sinn gelernt, Sich nad der Mutter Lehre von Milde nie entfernt. Du Vogt von Bechelaren, das hat er Dir vermadt: Wohl nie in allen Landen warb mildern Mannes gebadit.
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Wie Rudliebs Mutter träumte und wie ihr Traum fich erfüllte. 133 „Do fag und mehr, du ließeft den Ahn im Elternhaus; Nun führ ihn nah Arabien und fag die Mär uns aus. Zwar mag ich wohl erbenfen, wie fih der Traum erfüllt, Zumal ein Theil mir Ede vor feinem Tod bat enthüllt. „Immung hieß der Vater und Hartung der Sohn, Die ihm im Traum bebeutet der beiden Eber Drohn. So War die weiße‘ Taube Herburg die ſchöne Maid, Die ihm Arabien brachte, das er erfiegt' in dem Streit. „ie aber ließ er wieder den heimifchen Heerb? ft er dem König Purad gen Afrifa gelehrt? Zog nach der Mutter Sterben ihn feine Güte fort? Und löften ibm auch dießmal feine Herren nicht ihr Wort? „Bon feinen Herren fagte noch wenig uns dein Mund.” Da ſprach der milde Markgraf: „Mir ift nicht Alles Tund; Doch mag euch wohl genügen was mir der Ahn erzählt; Sch will euch nicht erlügen mas fich halb mir felbft verhehlt. „Du rietheſt vecht, ihm blieben die Herren immer Targ; Auch wollten fie ihm rauben was feine Truhe barg. Berrathen hatt ein Späher was er barein gelegt, Ihn reicher noch gefchilbert wie ſtäts der Neibifche pflegt. „Da beifchten fie ein Darlehn zu einem Kriegeszug: Er gab was er hatte; das fchien noch nicht genug. Und hätt er mehr zu geben, er ließ’ auch diefes gern: Gerathen hatt ihm Purad, nicht zu rechten mit dem Herrn.
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134 Funfzehntes Abenteuer. Eins fonnt er auch nicht geben: das größere Brot, Das ihm König Puras zu fparen gebot (Und dem wollt er gehordhen) zu feinem Hochzeitmal, Wenn bei der Braut er ſäße mir lieben Yreunden im Saal. „Wie fie ihn da vertrieben, ich weiß davon nicht viel, Schier muß ich aber fteben an meiner Märe Ziel. Doch als die übeln Herren, das ward mir wohl gejagt, Ihm nach dem Leben ftanden, das er oft für fie gewagt, „(Des Königs lebte Lehre bewahrt es ihm allein), Da wollt er nicht länger der Falſchen Dienftmann fein. Auch hört' er ſich verrufen als Zaubrer überlaut Des klugen Hundes willen und um ber Buglofia Kraut, „Und weil ihm unverborgen war manche Heimlichleit: Das trieb ihn nad Egypten wie fern e8 lag und weit, Denn bier war ihm geiheben mas guten Mann verbrießt, Und dort winkt' ihm Labe wie fie aus Güte nur fließt. „Da freute fich der König als der ihm wieberlam, . Um den er oft getrauert in heimlichem Gram. Er wuft ihm wohl zu fänften des Elends Ungemad: Zur andern Heimat ward ihm jein Haus, fein wirthliches Dad. „Er ward der Wahrheit inne, die feinen Frommen triegt, Daß Biedermannes Erbe in allen Landen liegt. So wird auch dir gefcheben, Dietrich, in kurzer Frift, Wenn du Epeln dieneft und ihm treu gewärtig bift.
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Wie Rudliebs Mutter träumte und wie ihr Traum fich erfüllte. 135 „Er ift auch groß und gütig wie König Puras war, Der meinen Ahnherrn Rudlieb berieth vor manchem Jahr. Er half ihm erftreiten Arabien das Reich; An Gold und Edelſteinen ift dem fein Anderes gleich. „Sp gab feinem Enkel Herr Etzel diefes Land: Eo wird er dir auch geben aus feiner milden Hand. E3 find der wertben Yürften in feinem Dienite mehr, So darfft du auch ihm dienen wie groß du mwareft und hehr. s „Ihm kam von Thüringen erft neulich Irmenfried Und Sring der ftarle, der ihm zu Etzeln rieth. Die hat der Frankenkönig vertrieben, Dieterich; Er war bir gleich im Namen, ven fonft dir Niemand verglich. „Du bift der Treue Spiegel, er fpiegelte Verrath, Den Spring bat erichlagen um feine Miffethat. Da floh mit feinem Herren Iring der ftarfe Held; Do freut fich nicht des Siege der Falſche, den er gefällt.” So tröftet’ er dem König da3 Herz und auch den Muth Heut und alle Tage mit füßen Mären gut; Doch als er jeßo wieder ihm König Eheln pries, Da ſprach aus freiem Muthe den Kaifer Ermrich verftieß: „Ich will dem König dienen, wenn du mich zu ihm führft: Iſts Noth, daß du den Eifer dem Willigen noch jchürft? Doch find mir fremd die Dinge, die du von JIrnfried ſagſt, Bon Sting und Dietrih, den du nicht rühmft noch bellagſt.
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136 Funfzehntes Abenteuer. „Der Franke wär erfchlagen, Dietrich der König hehr, Dem zwiſchen Rhein und Seine bezwang fo Land als Meer? Er bat auch mir entrißen am Rhein das fehönfte Thal; Ich mag ed nie vergeßen, noch dein, Gotlinde, zumal. „Du fagit guter Mären mir alle Tage viel: So fage mir noch diefe, wie er von ring fiel, Und wie der Held von Scheidung dann fchieb mit feinem Her." Da ſprach ber milde Markmann: „Das fag ich dir Alles gern.“
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Sechzehntes Abentener. Wie Dietrih der Frankenkönig fih mit den Sachſen verbant. Um einen Herm beriethben die ſtolzen Franken fich Und foren zum König den jungen Dieterich. Da warb ein fehneller Bote zu Irmenfried gefandt, Der Mär ihn zu beicheiden in der Thüringer Land. Der ſprach: „Uns iſt erftorben Huga ber König hebr, Dem weit die Welt gehorchte, das Land und auch das Meer. Nun bericht fein Sohn gewaltig, Dietrich, an feiner Statt, Der dieß dir anzufagen mich zu dir entjendet hat. „Er will, du bift fein Schwager, ein gütger Herr dir fein: Dieß Land fol dir gehorchen, ihm aber Schelb und Rhein; Nur daß du unverbrühlih ihm mahrft der Treue Pflicht: Vom Volk der Franken wende die eveln Thüringer nicht.” Als Irnfried das erhörte, er ward dem Boten hold Und ließ ihm milde bieten fein Stiber und jein Golb. „Run raſte dich und ruhe bis an ben britten Tag, Daß ih um die Antwort‘ der Freunde Rath vernehmen mag.
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138 Sechzehntes Abenteuer. „hr lieben Freund und Mannen, Genoßen mancher Notb, hr hörtet was der König der Franken mir mtbot. Was Uns zu thun gejieme nad Recht und Würdigkeit Und zu des Landes Nöthen, des fagt und morgen Beſcheid.“ Von diefer Botjchaft hörte die ftolge Königin: Da ſchickte fie zu Iring, dem Markgrafen, bin Und ſprach zu dem Bertrauten: „Der Franken Reich ift mein, Denn Ich bin Hugas Tochter und feine Erbin allein. „Darum geziemt mit Nichten, das ift dir bald gejagt, Daß mein Gemahl gehorhe dem Sohn meiner Magd. Laß uns ihm beide rathen, daß er die Hand zum Bund Dem Kebsſohn nicht reihe, Schmach und Schande würd uns lund. „Du bift im Felde tapfer und bift im Rathe klug, Der oft mit ſchnellem Angriff den Sachs, den Sieger, ſchlug: Dir allein vertraut er aus feiner Freunde Zahl: Bon ſchimpflichem Frieden wend, ring, mir den Gemabl.” Da nun am andern Morgen König Irnfried Die Freunde, die Getreuen in jeinen Saal befchied, Da rietben fie ihm Alle, dem Franken hold zu fein: „Bir find ihm nicht gewachlen und den Sachſen obenein.“ Doch ring ſprach, der ſtarke: „Wer ift der Dieterih, Der diefen Boten fandte? Einen König nennt er ſich, Den eine Magd geboren; auch bat er fich erfrecht, Seine Hulb dir zu geloben, der billig bieße dein Knecht.
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Wie der Frankenkönig fi) mit den Sachſen verband, 139 „Dein ift der Franken Krone: nimmft bu dein Recht in Acht, Eo ift au bald beziwungen der wilden Sadien Macht, Du wirft ein reicher Kaifer, gehorchſt du meinem Rath. Was haft du zu befahren, wenn der Franken Heer dir naht? „Dein Reich iſt groß und mädtig, bein Volk, an Krieg gewöhnt Bernimmt e3 unerfchroden wenn das Heerhorm tönt. Die weichen Franken ſchwächte Genuß und Ueppigfeit, Berratb ift ihre Waffe, nicht Kampf und ehrlicher Streit.“ Da bieß den Boten fommen der König Srmenfried; Nun mögt ihr gern vernehmen wie er den bejchieb: Dieß, guter Bote, melde Dietrichen deinem Herrn: „zer Franken Freundichaft Tauften die edeln Thüringer gern. „Doch fei ich verwundert, daß er zu herſchen denkt Ch ihm Amalaberga mein Weib die freiheit ſchenkt. Sch ſchulde Feine Treue dem Sohn meiner Magd; Mit dem gebornen Knechte fei mir ein Bünbnifs verfagt.“ Der jchnelle Bote zürnte, da er das Wort vernahm: „Um den Beiheid, Herr König, bin ich euch herzlich gram. Lieber ala ihn melden ließ' ich euch hier mein Haupt: Biel Thüringer und Franken habt ihr bes Lebens beraubt.“ Er hub fi) bald zu Roſſe: die Stabt ift Bonn genamt Und Bern in den Liedern, too er den Herren fand. Er jprad zu ihm: „Sch heiſche von euch Fein Botenbrot, Und hehlte gen, Herr Dietrih, was euch der Schwager entbot.
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140 Sechzehntes Abenteuer. Er ſprach zu mir: „Dieß melde Dietrichen deinem Herrn: Der Franken Freundſchaft kauften die Thüringer gern; Doch bin ich verwundert daß er zu herſchen benft Ch ibm mein Weib die Freiheit, Amalaberga, gefchentt. „Ich Schulde Feine Treue dem Eohn meiner Magd, Mit dem gebornen Knete der Bund ift mir verſagt.“ Nicht weiter ſprach der König; auch bünkt mid, dieß genügt; Daß ich e3 melden mufte bat mir das Unglüd gefügt.“
Die unweiſe Rede vernahm Herr Dieterich; Doch barg er fein Zürnen und ſprach: „Du mahneſt mich, Ich muß mich gleich begeben in meines Schwagers Dienft. Du biſt ein guter Bote mie du mir alliwege fchienft. „Auf breitem Schilde biete mein Kämmrer dir den Lohn.” Da rief fein Voll zum Aufbruch Hugas Tühner Sohn: „Gedenkt nicht des Schimpfes allein, der Mir gefchieht, Da mich zu feinem Knechte heiſcht mein Schwager Irmenfried. „Gedenkt eurer felber, denkt eurer Väter Schmach, Wie oft beſchwornen Frieden der Thüringer bradh: Er flug eure Geifeln, von Waldbäumen bieng Der Knaben frifche Jugend, denn alfo rieth es Sring. „Zwiſchen Pferden banden fie hundert Mägdlein zart, Daß fie zerrißen wurden in jäh gekreuzter Fahrt. Sn ein Fahrgleis legten fie manches junge Weib, Ihm warb von fchweren Rädern zermalmt ber blühende Leib.
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Wie der Frankenkönig ſich mit den Sachſen verband. 141 „Das it des Bolles Treue, das und Berräther fehilt, "Nun eurer Race billig, eures Zorns entgilt. Mas aud an mir fein König Uebles hat vollbracht, Gr that an euch viel übler; das rächt in blutiger Echladht.” In dichten Scharen zogen die Franken über Rhein: Ueber Thüringen brach Verderben ein. Ber Ronneberg gefhlagen warb bi8 zum dritten Tag; Der ftarke ring zürnte, da er dem Meriving erlag. N En ſchwer doch an dem Sieger gerochen hatt er fi, Des Heimzugs gedachte der König Dieterich. „Run rathet, lieben Freunde, mas euch das Beſte jcheint, Ob an den Rhein zu Tehren, ob zu verfolgen den Feind.” Auf fteht der alte Degen Walderich und Spricht: „Die Tobten zu begraben, das ilt die erſte Pflicht; Die andre, mit den Wunden, die noch zu heilen find, Die Heimat zu gewinnen eh gar die Kraft uns zerrinnt. „Da füllen wir die Lüden des Heers, das thut und Noth, Denn wund ift und ein Drittel und gar die Hälfte todt. Mit welchen willjt du fiegen, menn rings im fremden Sand Die wilden Völker aufftehn uns zu Zorn und Haß entbrannt?“ Da ftand bei dem König NRatbert ein treuer Mann, Der oft ihm in Gefahren fchon guten Rath erfann, Darum ihm Herr Dietrich auch holden Willen trug; Der ſprach, als um die Meinung der Frankenkönig ihn frug:
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142 Sechzehntes Abenteuer. „Mich dünkt zumal im Kriege das Beſte Stätigkeit: Mit Zaubern und Schwanfen gewinnt man nichts im Streit. Dem lebten unfre Väter zu allen Zeiten nad, Daß nie bis zum Ende der Muth dem Werke gebrad. „Do kommt ihren Thaten der Enkel Thun nicht gleich, Mit Heinem Heer gegründet ward ihr gewaltig Reich. So laßt auch uns beharren; bezmungen ift das Land: Warum dem Feinde weichen, den unfer Heer überwand? „Er wird fich bald ermannen, ienn er uns flüchten fieht. Wohl lieb auch Ich die Heimat, die ich ungern mieb: Ich rieth’ euch, beimzufehren zur Stärfung unfrer Macht, Wüſt' ich, müßig würde die Zeit vom Feinde verbradht. „Die Wunden braudien Pflege, ich geb es gerne zu: Hier im verfehanzten Lager mird ihnen Pfleg und Ruh. Uns iſt ein Theil erfchlagen — und find die Feinde heil? Stehn fie im Feld und tragen die harten Häute noch feil? „Hier liegen fie im Blachfeld, rührt Keiner Hand noch Fuß; Der Reft ift ausgerißen vor unfrer Schwerter Gruß. Ihr Marſchall verkroch fih wie der Bär in der Schluft In Scheidung feiner Befte und wagt fich nicht an die Luit. „Die wilden Völker endlich im fremden Land umber, Die laßt den Feinden dreuen, uns dreun fie nicht jo fehr. Nie hat den Thüringer der Franke fo gefchredt Als der wilde Sachſe, der halb fein Land fchon bebedt.
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Wie der Franfenkönig fi mit den Sachſen verband. 143 „Einft reicht” ed von dem Maine bi an die Friejenfee; Das ıft geworben Tleine, es ſchwindet wie der Schnee. Eo mehren ſich die Sachen fo fchnell ald wär es wahr, Daß fte auf Bäumen wachſen und daß der Wald fie gebar.“ „Bon Thüringen wurde Herrn Eheln auch ein Theil, Das habt ihr fchon vernommen; es war ihm eben feil Als von verborgnen Auen Wildeber fam Mit ran feinem Bruder, und es zu Lehn von ihn nahm.“ „Run hört was ich euch melde aus eines Spähers Mund; Kaum ward unfre Heerfahrt um den Harzwald fund, So brad) aus feinen Marten das Volf der Sachen auf Thüringen anzufprechen, denn Ihnen ſei es durch Kauf. „Sie hätten es erhanbelt um einen Echurz voll Golb. Wenn ihr zu Eidgenoßen fie nun gewinnen wollt, Sie liegen um die Helme, die in die Unjtrut fällt. Das ift mein Rath, dem folget: ihr haltet fiher das Feld.“ — — — —— ——
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Siebzehntes Abentener. Wie der Frankenkönig ſich wieder zu den Thürinaern wandte, Dem Rathe folgte Dietrih, er daucht ihn Flug und ſchlau. Da fandt er fchnelle Boten hinab zur goldnen Au, Wo die Sachen lagen, neun Stämme froh des Kriegs, Ihnen Bündniſs anzutragen und gleiche Beute des Eiegs. „Wenn ihr den ſtarken String aus feiner Höhle treibt, Daß auch Irnfrieden fein leßter Halt verbleibt, Sp fol bis an die Unftrut Thüringen euer fein Und uns die andre Hälfte genügen, bis an ven Main. „Burg Scheidung mag dann ſcheiden mein und euer Theil.” Dafür war den Sachfen Fried und Freundſchaft feil. Bald nahten ihrer Fürften erwählte Häupter neun, Mit jedem hundert Ritter den Aar im Schild und den Leun. Das Heer blieb zurüde wohl eine Meile fern. Sie fragten vor dem Zelte nad Dieterich dem Herrn. Der trat hervor und grüßte die Fürften auserfannt; Doch ftand er betroffen als er folde Männer fand.
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Wie der Frankenkönig fich wieder zu den Thüringern wandte. 145 Eie reichten fich die Hände zu Pfand an Eibesitatt; Dann fprach der Fürften Einer: „Das Voll der Sachſen hat Uns zu dir bergefendet; es ift dir zugethan Und dienftwillig, hege bu feinen Zweifel daran. „Des Volks erkorne Fürſten fiehjt du bereit zu thun Mas immer zu gebieten dein Wille wird geruhn: Bereit für dich zu fiegen, wenn es die Norne fügt, Bereit auch zu fterben, wenn uns die Ahnung betrügt, „Die uns vernehmlich fliftert, der Sieg wirb euer fein. Wir ftehn für unfre Freunde mit Blut und Leben ein: Das iſt des Volles Sitte, das dir vertrauend nabt, Und willſt du es erfahren, fo verſuch es mit der That. „Die Wir das Bündniſs halten, bewähr auch Du dein Wort: Geſchworne Eide wahren, das iſt ein großer Hort.” So ſprachen fie und ſchwiegen und fahn den König an Mit feftem Blid und ftätem, der dem Wort Vertrauen gewann. Die Franken fahn betroffen der Gäſte frifche Kraft, Wie fie erwartend lehnten an langer Langen Schaft Mit hoch gewölbten Brüften; die breiten Schultern barg Nur halb die fahle Locke; im bellen Auge lag fein Ag. Eie trugen raube Felle und Schwerter Meßern gleich, Kurz, ohne Echeide, meil ſtäts bereit zum Streich. Die ſpitzen Schilde ftießen fie vor fich in den Grund, Haltung und Gebärde gab Muth und Ausdauer Fund. Simrod, das Amelungenlied. II, 10
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146 Siebzehntes Abenteuer. Da hörte man wohl jagen, den Franken fei nicht Noth So ftolger Eidgenoßen: „Dereinft Verberben droht Uns folche Leibesftärte, jo unbeziwungner Sinn; Allzukühnen Nachbarn welklt des Reiches Ehre hin.” Doc ſolchen Sorgen gönnte jett Dietrich nicht fein Ohr. Er ſprach: „Wir brauchen Streiter por Scheidungs Wall und Thor.“ Da nahm er ohne Zaubern der Sachſen Bündniſs an: Ihm wurde was er heifhte gewährt und willig gethan. Das Heer ward gleich entboten und zog ber Unftrut zu. Am andern Morgen gönnten die Sachen fi nicht Rub: Südlich auf den Wiefen, wo die Vorflabt lag, Da ward der Kampf erhoben; fie fiel am felbigen Tag. Run dachten fie zn fürmen den öſtlichen Wall: Alsbald erichofl von drüben bes Heerhorns graufer Schall, Denn die fih in ber Veſte fo hart umſchloßen fahn, Zum fetten Kampfe drangen fie tobesmutbig heran. Und wie fie näher famen, da warfen fie den Sper Und blind vor Eifer ftürzten fie auf der Sachien Heer. Und Schwert wider Meber entbrannte gleich der Streit; ring. war Marſchall, des Schladhtruf hörte man Weit. Auch Irnfried entlodte den Helmen rothen Wind; Doch wichen nicht die Feinde: man ſah für Weib und Kind Die Thüringer kämpfen, dazu um Gut und Blut, Um Lanbbefig und Ehre der Sachſen herrlichen Muth.
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Wie der Frankenkönig fich wieder zu den Thüringern mandte. 147 Sie mahnten laut einander, zu ftehn dem grimmen Feind; Dem grimmen Feind zu weidhen war Seiner doch gemeint. Die ehrnen Echilde dröhnen, die Echwerter hallen hell, Und mandıer fällt mit Etöhnen, den man für fühn pries und ſchnell. Da war zu beiden Eeiten Berluft und große Noth, Bom grimmen Perberben jedwedes Heer bebroht. Hier war Gejchrei und Heulen, dort Heulen und Gefchrei, Doch wollte Keiner weichen bis der Feind bezwungen fei. Die fih nicht ſcheiden mochten, die ſchied zulebt die Nacht, Der Thüringer waren viel taufend umgebracht. Doc hatten fie den Sachſen vergolten mohl den Mord: Schzighundert Tagen erichlagen auf der Walftatt dort. Doch war in Burg Scheidung die Beſtürzung groß: „Die Beiten find gefallen, Unſieg iſt unſer Looß.“ Da ward ins Frankenlager der Marfchall gefandt Dietrihen anzuflefen um Frieden für bad Halbe Land. ring Sprach, der file: „Herr Irnfried ſchickt mich ber (Dein Dienftmann jetzt, er rühmt fich nicht deinen Schwager mehr), Ihm Frieden zu erbitten. Und jammert dich nicht fein, Der Schweiter muß dich jammern und ber lieben Neffen bein. „Sieb nicht ihr armes Leben den grimmen Sachſen Preis, Mir wollen treu dir dienen und thun all dein Geheiß.“ So ſprach der Helb mit Fleben, und rührte nicht den Herm: Er fann nur zu herſchen und Erbarmen lag ihm fern.
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148 Siebzehntes Abenteuer. Da fprachen feine Fürften (ed hatt ein Theil mit Gold ring geivonnen): „Wirft bu dem Schwager hold, Der feine Echuld bereute, das fteht dir löblih an, Du magft an ihm geivinnen einen Yreund und Untertban. „Verwirf nicht die Bitte, die er gezwungen thut, Dir bürgt für feine Treue der Neffen gleiches Blut. Er lag auch fo darnieber in dieſer blutgen Schlacht, Auf fteht er nimmer wieder zu gefährben deine Madıt. „Bon andrer Seite brechen Gefahren auf uns ein: Die wir zu ſcheuen haben, die Sachſen finds allein. Du haft fie felbft geſehen und ſahſt du fie recht, So weit du, fie find furdtbar, ein unbezwinglid Geſchlecht. „Die Teiner Schreden achten, des Todes felber nicht, Land iftö alleine, das ihnen noch gebridt. Und giebft du Thüringen an fie, das eine Theil, So ift auch bald das andre, ſo ijt die Welt ihnen feil. „Laß nicht zu mächtig werben ein Volk jo wunderſtark, Daß fie nicht ehſtens ſtehen an unſres Landes Mark. Drum frommt dir mehr, o König, der Thüringer Bund, Daß fie den Sachſen wehren; ſie zu fürdten ift fein Grund.“
So fpraden fie und wandten des Königs wanfen Sinn. Er ſprach: „Sch will verzeihen, daß ich fein Chfind bin, Und mit den Sachſen breden. Sie werben, wenn es tagt, Bon uns beftanden morgen und in die Wälder gejagt.
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Wie der Frankenkönig fich wieder zu den Thüringern wandte. „Das fol mit eurer Hülfe, Thüringer, gejchehn: Sie fönnen beiden Heeren zugleich nicht wiberftehn, Zumal wenn von dorten die Franken plöglih nahn, Da eures Ueberfalles ſie eben bier fich verſahn.“ Da warf fih zu Füßen dem König Sring Und dankt’ ihm der Gnade, die fein Herr empfieng. Auch fandt er fchnelle Boten, dem Alles fund zu thun, Damit er Troft empfienge und bis zur Nacht möge ruhn. Er jelbft blieb im Lager bejorgt, über Nacht Würd andrer Rathſchluß wieder im Frankenheer erdacht. „So falſch ift diefer König: Lieber ala ihm vertraun Wollt ih auf Wolfen, auf den Regenbogen baun.“ 149
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Adtzehntes Abentener, Wie Iring den Frantenlönig erjhlug. Die Freude war in Scheidung num groß, ald man vernahm Die frohe Friedensbotſchaft, die aus dem Lager fam. Da ritt ein junger Degen, ben Habicht auf der Hand, Einen Bogel beizen an ber Unftrut jchilfigen Rand. Da bob fi ein Reiher jenfeitö aus der Flut, Gleich ließ den Habicht fliegen Wido mit frohem Muth. Der Habicht fieng den Reiher; doch war zu ſchwer der Raub. Der Thüringer lodte; da blieb der Vogel ihm taub. Er flog am andern Ufer zu einem Sachſen bin Und bracht ihm den Reiher: den freute der Gewinn. Doc ſchwer verbroß den andern der toppelte Berluft, Des Reihers und des Federſpiels: er rief aus tönender Bruft: „Gieb mir den Habicht wieder und fer der Reiher bein.” Der Sachſe ſprach mit Lachen: „Nein Schatz, das Tann nidt fein: Mein find fie alle beide.” Das gieng dem Süngling nab. Nun hört was um den Habicht, was um den Reiher geſchah.
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Wie Jring den Franlkenkönig erfchlug. 151 Er ſah wohl, daß das Feberfpiel ihm fonft verloren fei, Da rief er ihm hinüber: „Laß mir den Habicht frei: Ich will dir etwas jagen, das euch viel nüßer ift Fürwahr als hundert Vögel, wenn ihr es heute noch wißt.“ Ihm rief zurück der Sachſe, der Goßhold war genannt: „Dir werden beide Vögel, thuſt du mir das bekannt.“ Nun wuſte durch die Unſtrut die Furt der junge Mann: Die durchritt er eilends und kam ans Land und begann: „Nun gieb die Vögel beide.“ Der Sachſe gab ſie hin. Der Jüngling ſprach: „So wiße: euch wäre Noth zu fliehn. Verſöhnt ſind die Schwäger; und nützt ihr nicht die Nacht, Euch wird von beiden Heeren der Garaus am Morgen gemacht.“ „Du ſpotteſt,“ rief der Sachſe, „wie oder ſprächſt du wahr?“ — „Wartet bis zum Morgen, ſo werdet ihrs gewahr.“ Da wandt' er durch die Seichte das ſcheue Roſs zurück: Daß er die Vögel hatte, ſchien ihm ein einziges Glück. Hin zu ben Eeinen der Sachſe ritt zur Stund Und that im Rath der Fürften der Schwäger Arglift Fund. Groß war der Schredien und die Beftürzung groß: „Laßt und aufbrechen und entgehn dem Todeslooß.“ Im Heer warb auch vernommen aus Goßholds Mund die Mär Und Manchem fchlug beflommen das Herz, von Sorge ſchwer. Nur war ein alter Rede, der unerichroden ftand: Der Bater aller Tugend wurde Hadugaft genannt.
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152 Achtzehntes Abenteuer. Der griff nad einem Banner, das ihnen heilig war, Und das er oft in Stürmen getragen vor der Schar. Den Leun mit dem Drachen fah man im Kampf darin; Doc über beiden ſchweimte der Aar’mit waltendem Einn. Dieſes Banner trug er in der Fürften Kreiß, Lich die Fahne flattern und ſprach: „ch bin nun greiß, Sm Volt der Sadjen hab ich verlebt der Winter viel Und ſah es niemals fliehen: fäh ich es jet, fo nah dem Ziel? „Sollt ich es felber lernen? Yürwahr, das will ih nicht. Sch bin zu alt, wer zwänge mich bier zu foldher Pflicht? Zum Streiten blieb mir Jugend genug: ihr Götter, gönnt (Wenn ihr ein länger Leben mir nicht bewilligen könnt) „Das Eine mir: zu fterben in diefes Banners Hut. Zu unfrer Väter Tugend was höb uns mehr den Muth Als der Brüder Leihen? noch liegen fie umber, Die lieber fterben wollten als weichen vor ber Feinde Heer. „Do euch vom Fliehn zu wenden was preif ich viel den Tod? Da bier nur Sieg und mwinfet, und Taum Gefahr bebroht. Wir gehn nur die Feinde zu ſchlachten, nicht zum Streit. Schon hat fie in Schlummer geiwiegt des Friedens Sicherheit. „Richt Feuer find gezündet, nicht Wachen ausgeitellt, Sie fchlafen, daß ihr Schnardden uns in die Ohren gellt. Vom gefirigen Kampfe ruhn fie forglos aus, _ Daß fie am Morgen frifcher erftehn zu dem leichten Strauß,
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Wie Jring den Frankenkönig erfchlug. 153 „Da von der Erd und tilget der beiden Schwäger Heer. Das laßt uns nicht erwarten: mohl auf, ergreift die Wehr, Goßhold fol uns zeigen die Furt durch den Fluß: Eo ſteht und Echeibung offen, das fein Haupt nun neigen muß. „Erſchlagt die blöden Schläfer und rächt den Verrath: Dieß greife Haupt zum Pfande, bevor der Morgen naht, Iſt euch das Land geivonnen, zu Ende gar der Krieg. Folgt diefem heilgen Banner, es führt zu glorreichem Sieg.” Voran fchritt der Alte und riß das Volk mit fort. Da wurde bald durchritten die Yurt an jenem Dirt, Die Mauer überfprungen, die Niemand bier bewacht, Und fchon wars gelungen und ein Blutbad ſah die Nacht. Per nicht im erften Schlafe dahinfuhr, lief erfchredt Wie trunfen durch die Straßen, bis doch das Schwert ihn ftredt. Auch ſprang von der Mauer ein Theil und fiel ſich tobt. Der Wehrhaften Keiner entgieng der mordlichen Noth; Der Weiber und der Kinder fchonten fie allein: ” Die muften leibeigen jedoch den Sachſen fein. Eo war die Stadt der Echreden und Mords und Naubes voll, Des Heulens voll und Stöhnene, das aus allen Häufern hol. Denn eins blieb in Frieden und als die Eonne dort Heraufzog im Dften, da hatte jo der Mord Die Thüringer gepfändet: zu Ende war ihr Neich, Getilgt von der Erde hatt es ein einziger Streich,
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154 Achtzehntes Abenteuer. Der den verhaßten Feinden unblutgen Sieg beidied. Mit wenigem Geleite geflohn war Irmenfried Und Amalaberga mit ihm, fein ſtolz Gemahl: Leer ſtand der weite Ballad und leer der fchimmernde Eaal. Doc lag in der Kammer gehäuft das rothe Gold. Da warb dem alten Fähnrih das Voll der Sachſen holt. Sie hoben bis gen Himmel das Lob feiner That, Und bimmelber gelommen ſchien ihm fo mweislicher Rath. Doc war der Rath auch weile, den er jetzo rietb: „Burg Scheidung iſt getvonnen, entronnen Irmenfried, So zieht zu Dietrihen und mahnt ihn an fein Wort: Nähmt ihr dem Landgrafen die lete Zuflucht noch fort, „Bis an die Unftrut folte Thüringen euer jein Und Ihm die andre Hälfte genügen, bis zum Main. Sp mird euch Frieden fichern was ihr im Krieg gewannt Und euern ſpäten Enkeln verbleibt das herrliche Land.” Sie folgten ihm, ind Lager der Franken gieng der Zug. Da empfieng fie wohl der König und lobte fie genug. Er hieß fie Eidgenoßen und liebe Freund und Herm, Und gab des Landes Hälfte, das fie ganz erftritten, gern. Das Alles ſah ring, der Held, mit grimmem Muth. „Das tft der Franken Treue,” fprach der Degen gut. Da naht’ ihm der König und ſprach: „Es bat das Glück Entſchieden für die Sachſen: fo bleiben Wir nicht zurüd.
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Wie Jring den Frankenkönig erichlug. 155 „Was hilft Ihm wiberftreben? jein Wille muß ergebn. Ich gäbe Thüringen nun gerne dir zu Zehn Von der Unftrut bis zum Maine, foweit ich es gewann, Wenn du ihn tödten wollteft, dem ein Anfpruch bleibt daran.“ „Soll ih den Herrn verrathen?“ frug der Degen werth. „Und haft du für den Schwager nur eines Mörderd Schwert ?“ „Du baft mich wohl verftanden,” ſprach Herr Dieterich, „Ich will dir Weile gönnen; ich denke, bald befinnft bu dich.“ Da Tieß er ihn ftehen und trat aus bem Belt; Bon dannen wollte reiten Iring ber jchnelle Held. Da fand er draußen ftehen den König Srmenfried; Der frug: „Wo ijt mein Schwager, der Falfche, ber ung verrieth? „Zu König Etzeln hab ih Weib und Kind gefandt Mit fiherm Geleite, dem Herrn in Heunenland. Sch felber kann nicht fcheiden bis ich den Franken ſprach.“ — Und wollt ihr an ihm rächen euer Leid und eure Schmach? — „Dazu bin ich gekommen: to ift er? ſag mir bald. Sch bin jett in dem Muthe, mir frommt Fein Aufenthalt” — „Er bat mich kaum verlaßen und jchwerlicdh weilt er fern; Er bot mir Thüringen, wenn ich verriethe den Herrn. „Da ift er jchon zurüde und mit ihm mander Mann.“ Die beiden Helden traten gar unverzagt heran. Und Iring frug: „Hier ift er, den ich erfchlagen foll. Denkſt du dein Wort zu halten und wird der Lohn mir auch voll?
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156 Achtzehntes Abenteuer. „Das halbe Thüringen? fchon zog ich, ſchau, das Schwert.“ „Zweifle nicht,” ſprach Dietrih, „dir wird dein Lohn gewährt.“ „Ihr wollt es fo,” ſprach ring: da ftieß er gewandt Dem Franken in die Weichen das Schwert bis dicht an die Hant. Zog es heraus und fragte: „Herr, rädht ihr dag an mir, Daß ich euch hab erjchlagen den lieben Schwager bier!“ — „Deswegen haft du Frieden.” String fuhr fort: „Der ift uns nicht heſchieden von jenen Schwarzlöpfen dort: „Sie wollen an und rächen ihres Herren Tod. Zieht Ihr nun auch die Klinge beraus, das ift ung Noth. Db fie den Weg uns fperren, mir öffnen ihn fo meit, Als käm ein Gott gefahren.” Da fah man herrlihen Streit. Die beiben Helden fchritten durch ihrer Feinde Schar, Ihre Schwerter ballten auf Helme hell und klar; Zu beiden Seiten fanlen die Franken in den Klee: Bon diefem Heimgeleite ward guten Weiganben ieh. So weit war die Gaße zumal, die Sring bieb, Daß er feinen Namen an das Geftirne fchrieb. Der lichte Pfad am Himmel, als Mildftraß euch befannt, Wird noch nach taufend Jahren die Sringsitraße genannt. Das Mitgehn wollten fparen die Franken und mit ug: Sie fanden aufzubahren der Wunden ſchon genug. Da giengen ganz alleine die Reden über Selb; Eie Tamen zu ben Ihren und wurden Egeln gefellt. — — — —
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Nennzehntes Abenteuer. Wie Etzel Geiſel für Walther und Hildegunde gewann. Bald famen neue Mären daher aus Etzels Stabt Bon Krieg, ber fich entfponnen und fchon begonnen hat. Der diefe Märe brachte, wir Tennen ihn fchon lang: Wittih Better war es, der eble Fiedler fang. Den freute ſich zu fchauen Dietrich der König hebr, Und Dietleib von Steier, den freut’ es noch viel mehr. Er ſprach: „Du ſollſt mir fingen und jagen wie vorbem: Haft du von Krieg zu melden, das ift ung doppelt genehm. „Mir und Dietrihen, den Ermenrich vertrieb, Iſt in der Heunen Lande der Friede nicht fo Lieb. Wir müßen für ihn ftreiten, jo wird und Egel hold; Nun fag uns deine Märe und nimm vom Schilde den Sold.“ Da ſprach der gute Bote: „Herr Ebel fandte mich Zu Dem von Bedhelaren; den ebeln Dieterich Und Euch bier auch zu finden, wie hätt ich das gedacht? Euch wird nach Gräz in Steier die Mär von Shwemmelgebradt.
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158 Neungehntes Abenteuer. „Dem Markgrafen melb ih, Rüdigern euerm Wirth, Was ihn, der Frieden liebet, nicht fo erfreuen wird. Eteln dem König ift feiner Hülfe Noth, Da ihn von Holmgard der Bruder Rothers bebroht. „Mit Starken Heerſcharen befchritt er feine Mark Mit Dietrich feinem Sohne; ihm wär nicht ebenftarf Etel der König mit aller Heeresmacht, Hätt er fie fchon beſendet und auf die Beine gebradit. „Der Reußen und der Polen dient ihm fo manche Schar, Reich ift und mädtig der König Waldemar, Dazu in großem Borne; in euer fiehn und Rauch Uns Burgen weit und Schlößer und die Stäbt und Dörfer auch.“ „Bas will er an und rächen?" Hub da Dietleib an; „Bas bat ihm Herr Etzel zu Leibe getban? Rother fiel, fein Bruder, nicht wor bes Königs Hand; Mer ihn erſchlug, dir ift e8, und beinem Better, befannt.“ Der Bote ſprach: „Um Heunland trägt er noch alten Groll, Der jebt durch neues Umrecht zu Haß und Eifer ſchwoll. Alpker entführt’ ihm fein junges Ehgemahl, Walthers Sohn des ftarfen, den du beziwangft in Ermrichs Saal.” Da ſchüttelt verwundert fein ſchwarz Gelod der Held: „Was kann der Heunenlönig dafür in aller Welt? Dem einft mit Hildegunden der Vater ift entflohn, Soll Etzel des entgelten was au fchelten ift an dem Sohn?
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Wie Etzel Geifel für Walther und Hilvegunde gewann. 159 „ind Die von Epanien Diebe an Fraun und Frauenhuld, Der jelber ward beftohlen, mer zeibte den der Schuld? Schien feinem alten Geijel doch Ekel nie zu hold; Ich Tonnt in Nom wohl merlen, er hat ihm eher gegrollt. „Als Etzels Bannerftange Herr Walther fich erbat, Er mulfte fie gewähren, ie ungern er es that; Als Ich fie wiederbradte, die mir den Sieg errang, Das ſah er gern und ladite, weil ed dem Stolzen mifjslang.“ Da Sprach der gute Spielmann: „Dem Bater. war er feind, Und war den Zorn zu rächen auch an dem Sohn gemeint: Als der mit Frau Demuth durd feine Marke ritt, Er nahm ihn gefangen und die entführte Schöne mit. „Da warb ihm Alpker Geifel an feines Baters Plat Und für Hilgenden Demuth der Königin Erfak. Gefangenſchaft ift bitter; doch gäben fie ſich brein, Müften fie nur ficher vor dem Verfolger zu fein. „Da der fie heifchen ließe, die Stunde jchten nicht fern: Weh, wenn fie ſchauen müften das Antlit foldes Herrn! Da waren fie zu dienen bemüht mit ganzem Fleiß, Den Yürften in den Augen zu lefen Wunſch und Geheiß. „Sie wuften gute Künfte, viel höffchen „Zeitvertreib, Fin König Er, Sie eben noch eine® Königs Weib, Durch Liebe neu verbunden nun einem Königsſohn: Die man noch Geifel nannte, fie waren Günftlinge fchon,
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160 Neunzehntes Abenteuer. „Dem König unentbehrlih und auch der Königin; Eh fie es jelber wuſten, verkehrte fich ihr Sinn. Zu fpät fandte Boten da der betrogne Mann, Sein flüchtig Weib zu heiſchen, die Helkens Liebe gewann. - „Auch liefert den Entführer ihm Ebel nicht mehr aus: Den Blutsbecher leert’ er mit ihm beim jüngiten Schmaus, Und trank mit dem eignen vermiſcht des Freundes Blut: Und follt er jebt ihn opfern der Eiferfudht und der Wuth? „Da ſprach er zu dem Boten von Holmgarb Walbemarz: „Ex fol mein Geifel bleiben; fein Vater Walther wars, Der einft mit Hildegunden entrann meiner Haft; - Für die ift mir Vergütung nun in Yrau Demuth verſchafft. „Mir jagen Chriftenpriefter, fie fei jein Weib nicht mebr, „Und fei eö nie geweſen: noch Pferde fchladhtet Er Und Sie empfieng die Taufe; unbündge Ehe jeis; So zählt fie dreißig Sommer und jechzig zählte der Greis.“ „Da murmelten die Boten von ihres Königs Zorn, Der bald erſchallen ließe das krumme Heerborn. Das ließ er fich nicht bieten: den Rüden wandt er ftol Und ritt den Hirſch zu jchießen mit dem Bundesbruder ins Hol; „Er hatte wenig Wothen gebirfcht und gejagt, So ward ihm von Geſandten des Reußen mwiberfagt. Die waren kaum geſchieden, fo Fam ihm Poſt auf Boft, Ein wilde Heer bedränge feine Burgen all im Dft.
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Wie Ekel Geifel für Waltber und Hilbegunde gewann. 161 „Sie könnten fi nicht halten: wehr Er nicht felher gleich, So hab er verloren alsbald das halbe Reich. Da lie er fehnelle Boten nach allen Enden gehn, Die Mannen zu entbieten, daß fie dem Feind möchten ftehn. „Dich bat er gefendet, Rüdiger, zu dir; Bon Bern find ich gerne den König Dietrich bier Und jeine ftolgen Reden: die tragen hoben Muth Und belfen Heunland mehren vor der wilden Völker Flut. „Du aber follteft, Dietleib, zu Gräz in Steier fein: Daß Schiwenmel dich nicht findet, ich weiß, es fchafft ihm Pein. Nun thu fo wohl und eile dahin in furzer Friſt, Daß Ekel deine Fahnen in feinem Heer nicht vermiſst.“ Da war in Becelaren der Helden Freude groß. Daß fie Tämpfen follen, des preifen laut ihr Looß Die edeln Amelungen, die ftäter Kummer drüdt, Eeit fie ihr Land verlaßen, und Schwert noch Lanze gezüdt. Da Sprach von Bern Herr Dietrich: „Nur Klein ift meine Schar; Doch find wir der Hoffnung nicht ganz im Herzen bar: Wir reiten eine Rüde wohl in ber Reußen Heer. Sch dank es meinem Glüde, daß es zum Kampf zieht daher.“ Da ſprach von Bechelaren der edle Markgraf mild: „Ich will mich auch nicht fparen, und freudig Schwert und Schild Zum guten Kampfe beben, der unfre Marken wehrt: Bor dräuenden Feinden hab ich Frieden nie begehrt.” Simrod, das Amelungenlied. III. 11
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162 Reunzehntes Abenteuer. Dietleib von Steier begann: „Das ift wohl fund; Auch wollte dein nicht fpotten des edeln Sänger Mund. Mic mahnt er, daß ich ſcheibde, abe, ich folg ihm gern; Mir ſehn ung, Rüdger, wieder; fahrt wohl, ihr Reden von Bern.“ Da wollt er aus dem Stalle den Belle ziehn in Haft, Doc Iſang ſprach, der Spielmann: „Die Sonne gebt zur Raft; Willſt du am Abend reiten, das fördert dich nicht viel, Nein, warte bis zum Morgen, fo bringt Ein Tag dich ans Ziel. „Laß diefe Nacht mich ruhen, ich bin des Weges müd, So will ich dich begleiten ſobald der Tag erglüht Und dann zu Eheln fehren in Schwemmels Geleit; ch Fürze dir mit Liedern und guten Mären die Beit.” Das that der Degen gerne, er war dem Spielmann hold Und gönnt’ ihm alle Tage fein Silber gern und Golb. Er ſprach: „Mit dir zu reifen, des bin ich wohlgemuth, Mit Worten und mit Weifen erhöhſt du Fürften den Muth. „Du bift der Lieber Tundig und weiſt auch gute Mär; Doch Feine, die und heute zu hören lieber wär Als wie fih Der von Spanien Frau Demuth gewann; Es brauchte gute Kiften fie zu entführen dem Dann. „Der Spielleute befter bift bu in allem Land, Die Boten und die Fahrenden find dir zumal befannt; Was ſich an Fürftenböfen begiebt, erforfcheft bu; Du fagteft heut uns Kunde, fo fag uns dieſe dazu.“
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Wie Ekel Geifel fir Walther und Hildegunde gewann. 163 Da ſprach der gute Sänger lang, Eigels Eohn: „Wohl blieb mir unverborgen wie fie von Holmgard flohn Und welde Lift bethörte bes Reußen treu Gemahl: Das part’ ich Alles Tieber bis zu Abend nah dem Mal. „Es haben viel zu fehaffen die Fürften noch zuvor, Zu prüfen Roſſ und Waffen: fie leihn mir jett fein Ohr.” Da fpradh von Steier Dietleib: „Die Zeit bedenkſt du Flug; Die tauben Ohren fingen, ver Thoren weiß ich genug. „Dieweil die Andern ſchaffen, mag ich nicht müßig fein, Ein Mal will ich rüften und miſchen Meth und Wein. Am Abend meine Gäfte mie oft ich eurer war Zu meiner Herberge Tommt mit der abligen Schar.” Das gelobt ihm Rüdiger; auch Dietrich fagte Ya. Als das der Degen hörte, wie lieb ihm da geichah! Der Knappen hatt er wenig, jo fehlt’ ihm auch ein Koch; Doch aus des Vaters Küche gedacht er alter Künfte noch. „Zwar mangelt ung Speiſe; doc hab ich fang bier, Bon Wild und Vögeln wimmelt des Wirthes Jagdrevier. Haft du no, fang, die Flöte hellen Klang, Nachahmerin der Sproßer und alles Bogelgefangs? „Du haft mir oft gefungen die Jagd in Neidings Wald, Wie du das Wild bethörteft; drei Winter warſt du alt. Die Flöte blafe wieder, fo wird genug gefpießt; Und fchieß ich nicht wie Eigel, doch fuch ich ihn, der beßer ſchießt.“
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164 Neunzehntes Abenteuer. Der Spielmann ſprach: „Die Flöte blieb auf den felgen Aun; Den Hirsch zu blatten weiß ih doch wohl, ihr follt es fchaun, Und fo viel Wild zu loden, die Knappen tragens nidt; Nur müßt ihr nicht boden, ſonſt giebt es nie ein Gericht.“ "Da ritten fie und ließen verenden Hirfch und Reh, Und Birf- und Auerhähne ſank Mancher in ven Klee. Auch fehlt! es nit an Sauen; die Schnabelweibe war Am Fluße reich: da Schoß er von jeder Art nur ein Paar; Die Andern ließ er leben. Schuf Mangel erft Verdruß, So modt ihn nun verbrießen beim Spießen Ueberfluß ; lang muft ihm fingen, er führt es fonft nicht aus. Da ftand in kurzer Stunde bereit ein föftliher Schmaus, Und rings in hoher Halle gebedter Tiſche viel;, inmitten eine Harfe, Iſangs Eaitenfpiel. Die Knappen übten Schenfen: und Truchſeßenamt Und als die Gäfte kamen und taufend Lichter entflammt Auf fo viel Schüßeln ſchienen, jo mandes Hirſchgeweih Herabjah von den Wänden, da ſprach der Markgraf frei: „Wie haft du das geleiftet, da bier fein Jude borgt? Du machſt den Vogt von Berne um Roſs und Waffen beforgt.“ Der Steirer ſprach mit Laden: „Sein Gut ift nicht verſetzt, hr felber zahlt die Zeche: al dieſes Wild gehetzt Hab ich in euerm Walde, ſeis lieb euch oder leid; Kommt ihr nach Berchtesgaden, fo thut mir wieder Beileid. “
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Wie Etzel Geifel für Walther und Hildegunde gewann. 165 Da wurde viel gefpottet bes milden Rüdiger: Nach folder Kunde ſchmeck ihm Fein Entenflügel mehr; Er fei dem Jäger abholb, drum lob er nicht den Koch; Den Kellermeifter rühme fein leerer Becher jedoch. Da mocht ihm wenig helfen, daß er fo eifrig aß, Denn nur fein Theil zu retten von jenem Raub geſchahs; Er hatte zu dem Schaben den Epott, das wer nun jo. Man ſah den Markgrafen doch nie fo glücklich und froh. Daß Dietrih kämpfen durfte und frein um Etzels Hulp, Das war an feiner Freude, und nicht der Becher, Schuld. Doch wollt er den nicht fchonen und trank dem Berner zu: „Heil,“ ſprach er, „ebler Dietrich, der Helden beiter bift bu. „Wohl uns, daß du gefommen bift in der Heunen Land: Nun wird den wilden Völkern bald unfre Macht befannt. Wie hart fie find und graufam, fie werden mild und weich. Dann tbeilen in die Herfchaft Heunen ſich und Gothen gleich.“ Da dankt’ ihm für den Trinkſpruch von Rom der edle Vogt. „Du und die deinen, die auch ins Elend zogt, Wer tröftete mir beßer das Herz, das Troft bedarf? Seh ich euch frob, fo dünkt mich feine Bein nicht mehr fo fcharf. „Du dienteft König Eteln im Frieden und im Arieg, Er wuchs, feit weile Räthe dein Mund ihm nicht verſchwieg. Mag ich fein Reich im Kampfe nun mehren, wohl mir dann! Doc laßt uns jett vernehmen mie diefer Krieg fich entſpann.
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166 Neunzehntes Abenteuer. „Die Alpfer entführte des Reußen ebles Weib, Mas ſchüf uns beim Weine wohl beßern Zeitvertreib ? Und thut uns das Iſang, der Sänger befter, fund, Wir laufchen doppelt gerne ſo liederkundigem Mund.“
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Zwanzigfteö Abenteuer. Wie. Alpler um Frau Demuth warb. Da hub er an und fagte gar wunberlide Mär: Wenn fie euch nicht behagte, das jchüfe mir Beſchwer. „Es batt ein Weib erforen der König Waldemar, Die fern am Rhein geboren gar fchön und holbfelig war. Man bieß fie Frau Demutb: dem Namen that fie nad: Edel und beſcheiden mar mie fie blidt’ und fpradh; Auch war ihr angeboren fo Map als füße Zucht, Denn Töniglihem Namen entiprang fo ablige Frucht. Er batte fie vor Sahren dem Vaterhaus entführt, Und nie des Heimwehs Regung in ihrem Sinn verfpürt. Getreu war fie dem Gatten und rang nad) feiner Huld; Sie trug aud feine Launen und feinen Zorn mit Geduld. Man fah den Reußenkönig des jungen Weibes froh: Sie ſchien ihn zu verjüngen, er brannte lichterloh Für fie in reiner Minne: das gab ihm hohen Muth. Er dacht in feinem Sinne: „Sie ift jo ſchön und fo gut,
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168 Bwanzigfted Abenteuer. „Ih mag in Yreuben leben, mir ift ein Himmelreich An diefer Frau gegeben. Was hat die Welt ihr gleich? Die Jagd auf fehnellem Roſſe, der Walb, ver blühnde Klee, Das ift mir all entfunfen, wenn ich die Liebliche feb. „Sie liegt mir im Herzen die Nacht und auch den Tag Und ſchafft mir Freud und Schmerzen wie ich mich wehren mag. Ich darf ed Niemand jagen wie hold ich ihr bin, Unb wüſten e8 die Leute, ihr Spott nur wär mein Gewinn.“ Da warb ihm eines Tages von Freunden binterbracht, Es ftünden Helden draußen in mwunberlicher Tracht Mie fie am Rheine trügen und in der Chriftenheit. Es jchein ein reicher König in feiner Fürften Geleit; Denn aufgefchlagen ſehe man herrliches Gezelt. Da fandt er hin zu fragen, wer er denn fei, ber Held, Der aljo reichlich führe mit mandem fühnen Gaft: Käm er als Freund, fo ftünd ibm geöffnet Saal und Palaft;
Dem Feinde hab er Waffen bereit und manden Schild. Da ritt ein fchneller Bote hinab in dag Gefilb Und kam zu den Rittern und frug nach ihrem Herm, Ob er ihn Sprechen möge: das gewährten fie ibm gern.
Da warb er wohl empfangen: fein Golb nad) Fürftenbraud Ließ ihm der Herzog bieten in weitem Schilbesbaud). Er ſprach: „Nun geh und melde dem Herrn, ber dich gefanbt: Ich jei auf Abenteuer bergeritten in fein Land,
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Die Alpter um Frau Temutb warb. 169 „Ob ich zu ftreiten fände: das fei all mein Begehr. Menn er mich gern beftände mit Schwert ober Eper, Hier halt ih auf der Haide geivappnet ganz allein, Db er alleine komme, ob auch zu zwein ober brein.“ Der Bote fuhr erfehroden zu feinem Herrn zurüd. Des rothen Goldes bracht er mit ſich ein einzig Stüd Und zeigte das Gepräge daheim der Königin. „Er ift aus Chriftenlanden,“ Sprach fie mit freubigem Sinn. Als der König hörte, mas ihm emtboten war, Die fremde Märe mühte den König Waldemar. Er ſprach: „Ihn foll gereuen der unbebadhten Fahrt; Wär er daheim geblieben, fein Leben bliebe geſpart.“ Er hieß ſich eilends wappnen und ritt auf den Plan. Da ſprach zu den Fürften bie Herrin wohlgethan: „Bir wollen ihn begleiten; nicht fo alleine darf Er mit dem Chriften ftreiten: der Franken Waffen find fcharf. „Er wollte fich nicht nennen dem Boten, Wer er jet; Vielleicht mag Ich ihn kennen, drum mwär ich gern dabei.” Da warb alsbald geblafen ein ftarkes Heerhorn: Daß ihn der Gaft gefordert, das ſchuf dem Könige Zorn. Sie ritten zu einander auf weit gemeßnem Feld; Als er den König fchaute, bes freute fich der Held. Eie ſäumten fih nicht lange, ihr Mund aud viel verſchwieg Bor dem erften Gange; doch hoffte Jedweder Sieg.
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170 Zwanzigſtes Abenteuer. Als fie die Epere bradhen einander auf der Bruft, Wie feft die Helden faßen ſah alles Volk mit Luft. Es Sprach: „Die fi fuchen auf diefer Haibe grün, . Der Ein ıft Tühn und tapfer, ber Andre tapfer und kühn. „Sie werben billig beide den Beſten zugezäblt; Und thun ſich nichts zu Leide die Reden auserwählt, Doch wäre Zeit, man ſchiede den fährlichen Zwiſt Und würde guter Friede.” Das hörte gerne der Chrift; Doc zümt’ in wilden Muthe der König Waldemar, Daß ihm fo felt im Sattel ver Feind gejeßen war. Er rief um neue Spere: da fprach die Königin: „Run folge meinem Rathe fo Tieb ich, König, dir Bin. „Ex ift ein kühner Degen, das haft bu wohl gejehn, Du ſollſt ihn nicht verwegen zum andern Mal beftehn.” Da ftrafte fie der König: unweiſe Rebe feis, „Den Tod wollt ich leiden eh ich ihm ließe den Preis.” Als das Frau Demuth börte, fie neigte fi) dem Herrn, Hieß den Gaſt willlommen und ſprach: „Ich bät euch gern, Menn Frauenmwunfch zu leiften nicht euer Herz verbrießt, Daß ihr Frieden fchüfet und diefen Kampf unterließt, Der wenig Nuten bringet, mir Angft und Sorge fchafft. Der König ift im Zorne, fonft müſt er eurer Kraft Den Preis des Muthes lagen. Als Gaft in unjerm Haus Soll e3 euch nicht gereuen daß ihr vermiedet den Strauß.“
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Die Alpfer um Frau Demuth warb. 171 Der Fremdling ſprach: „Gebietet mir, Frau, und bittet nicht. Und follt ih nie mehr ftreiten, ich leift um Euch Verzicht. Auch laß’ ich gern dem König den Preis, ba ihrs begehrt.” Da dankt' ihm Frau Demuth, daß er die Bitte gewährt, Ritt wieder zu dem Gatten und ſprach: „Es gönnt der Gaft Den Preis euch und den Frieden: drum thut jo wohl und laßt Auch ihr den Kampf beivenden.” Der Rebe zürnte ſchwer Waldemar ber Frauen, daß fie hold dem Fremdling wär. Er droht’ ihe mit dem Tode, dazu mit Schand und Schmadh, Und rief feiner Helden ein Theil herbei und ſprach: „Run belft mir, ihr Degen, daß er den Sattel leert. Würd er nicht abgeitochen, wir alle wären entehrt.“ Da ſprang aus dem Kreife Ringold der Helb Und fprad: „Er fol mir laßen den Breis im Ehrenfeld.“ Ihm traten bald zur Seite verfuchter Fürften drei, Wolfger und Dietmann, Degen alles Tadels frei; Kühnrich hieß der dritte, auch Er der Mannheit voll. Da war noch mander Andre, dem fo die Aber ſchwoll, Daß er Tämpfen wollte mit Dem aus Chriftenland. Ringold war der Erfte, der kam verwogen gerannt, Und ſtach nad dem Srembling, des Stich ihn fo empfieng, Daß ihm aus dem Munde das Blut in Strömen gieng. Aus dem Sattel taumelnd färbt’ er roth den Klee. Da warb auch bald dem Anbern vor des Helden Lanze weh.
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172 Zwanzigſtes Abenteuer. Den britten ritt er nieder und ſtach den vierten tobt, Dem fünften und dem fechiten jchuf er gleiche Notb. Als das erfah der König, wie ftrettbar jener war, Da mocht es ihn doch freuen, daß er entgieng der Gefahr. Er ſprach zu der Frauen: „Mein Leben dank ich bir: Beitand ich ihn, ich läge wo bieje liegen bier. Nun reit hin und rede mit ihm, ob du mit Lift Den Kühnen magft gewinnen, daß er der Feindſchaft vergißt „And bei und eilt zu vaften fo lang es ihm bebagt. So wird und geivogen der Degen unverzagt.“ Das that fie und geivann ihn, ibr Gaſt zu werben, leicht; Wonach ihn je verlangte, das fchien ibm Alles erreicht, Da er reden durfte mit ber Königin Bei Tiſch an ihrer Seite nach feines Herzens Sinn. Er mocht auch bei den Frauen fißen ftundenlang, Dieweil der König jagte: dba warb die Zeit ihm nicht lang. Nun frug ihn einft alleine der Frauen rother Mund: „Ber ift fie, der ihre dienet fo ftreng? das thut mir fund. Wer zollt der Abenteuer euch Lohn, die ihr erfahrt? Sie verdient groß Schelten, wenn fie fargt damit und fpart. „Auch möcht ich gern vernehmen wie ihr geheißen feib; Mir waren Chriftenritter wohl fund in alter Zeit. Ihr führt den rothen Löwen in einem weißen Schild: Mich dünkt, fchon eher ſah ich, ich weiß nicht wo, dieſes Bilt.”
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Wie Alpker um Frau Demuth warb. 173 Er ſprach: „Ich heiße Alpfer und bin des Walther Sohn, Der einft mit Hildegunden den Heunen ift entflobn. Ihr habt auch wohl vernommen wie er von Gunther fchied; E3 fingen auf den Straßen davon die Blinden ein Lied. „Run meldet Euern Namen, Königin, mir auch. Wer fragt muß beiennen, das ift ein alter Brauch. Ceid ihr nit Frau Demuth geheißen und am Rhein Auf Lömwenburg geboren? mich dünft, ihr müſtet es fein. „Ihr ſaht das Wappen freilih, da e8 eur Vater trug; Es ift in den Landen auch fonft befannt genug. Bon Spanheim hieß mein Better, von Spanien nennt man mid); Wie fremd ihr immer blidet, ihr erkennt mich ficherlich. „Wohl find es lange Jahre, doch kamt ihr, Königin, Db früh ſchon aus den Augen mir niemal3 aus dem Sinn. Das ift mit Euch ein Andres: ihr tragt langes Haar. Auch eure Hand entführte mir der König Waldemar. „Wer mir die Bafe raubte, ich wuft es lange nicht, Noch ahnt es euer Vater, fo wahr ift was man Sprit: Was im Haufe vorgebt, erfährt der Herr zulekt. Der Frage, die ihr thatet, wohl gern beſchied ich euch jet; „Doch fürcht ich, daß ihr zürmet; ihr feib mir fo nicht hold.“ Sie ſprach, und ſah zu Boden: „Redet was ihr wollt.” Da ſprach aus freiem Muthe der Ritter unverzagt: „Sie ıft wie ihr geheißen, die durch die Lande mich jagt,
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174 Zwanzigſtes Abenteuer. „Goldne Locken trägt fie mie ihr und Augen blau: Ihr ſeid mir felbft, Yrau Demuth, die auserwählte Frau. Ihr habt ins Herz geſchoßen mich mit der Minne Stral, Die Wunde ſteht noch offen und ſchafft mir grimmige Qual. „Mir ringen alle Sinne in ungefüger Pein, Gewährt mir eure Minne: das hilft mir, Frau, allein. Gedenkt alter Zeiten und endet diefe Notb; Mas ihr mir einft verheißen, das thut, fonft ſchau ih ten Tor.“ Die Königin erfchroden das Tede Wort vernahm, Daß Zung und Athem ftodten, fo übergoß fie Scham. Auch wär ihr in Ohnmacht gebrochen fchier das Knie; Der Zorn wars, der zu reden ihr wieder Kräfte verlieh: „Bin ichs, der ihr zu dienen fo weit die Welt durchfahrt, So bättet ihr befer der Red ein Theil gefpart. Der Dienft ift gar übel, das wißt, ben ihr mir thut: Ihr habt mir ſchwer mit Worten das Herz betrübt und den Muth. „Ich hab euch nichtE verheißen und nie wird euch gewährt Was ihr ungefittet von einer Frau begehrt. Um Eins will ih euch bitten: laßt euern Spott mit mir: Sch will mit Ehren alten, fonft kenn ich Feine Begier.“ Der Ritter fprach mit leben: „Ihr zürmt ohne Grund. Wohl bat mir reine Minne verheißen euer Mund, Und nichts als reine Minne begebr ich, Königin. Ein Blid, ein Händebrüden, das ift mir voller Gewinn.
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Wie Alpler um Frau Demuth warb. 175 „sch babe fagen hören: wer rauen dient getreu Aus unverwandtem Mutbe, dazu mit zarter Scheu, Wird fie deſſen inne, daß er fie herzlich liebt, Dem wird das zum Gewinne, daß fie fein Minnen vergiebt; „Und mag ers nur erwarten, fo wird ihm auch der Lohn.” „Das hoffet nie,“ verfeßte die Frau, „fteht ab davon. Es ift nit reine Minne, wo man fih Lohn verbeißt: Ihr wollt mich nur betriegen ie eure Rebe beweilt. „Ich Tann euch nichts verfprechen, brum tft nicht mohlgetban, Derliert ihr eure Jugend um einen dummen Wahn. | ‘br mögt daheim wohl finden ein alfo fchönes Weib, Die euer Dienen lohnet mit Herz und blübendem Leib. „Hier fpart eure Dienfte, ihr frommt damit nicht viel, Und laßt ihr nicht die Werbung, ich fe ihr wohl ein Biel: Ich Tag e3 meinem Manne: wie fühn ihr dann auch feid, Und wärt ihr ftarf wie Ede, wie Dietrich eifrig im Streit, „Ihr müſtet doch erliegen zuletzt der Uebermadht: Nun ftürzt in die Schwerter euch nicht mit Unbedacht. sch ſäh euch als Berwandten und als Gejpielen gem; Doch Ihr wollt mich betrügen: drum mwüjt ich lieber euch fern.“ Da ſprach zu der Frommen Alpfer, Walthers Sohn: „Ihr weigert ftäter Minne voraus jo Dank als Lohn, Dazu aus eurer Nähe vermeift ihr mi um Schuld, Die ich nicht begangen: das trag ih all mit Geduld.
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176 Zwanzigftes Abenteuer. „Eins müßt ihr doch geftatten, weil eure Macht nicht reicht Mir das noch zu vermehren; ſonſt thätet ihrs vielleicht: Daß ich an euch denke die Nacht und auch den Tag, Und euch bis zum Tobe nicht vergeßen fann und mag. „Ich will euch mehr vermelden: ihr hindert das auch nicht, Daß ich mein Banner führe binfort in eurer Pflicht, Für euch das Leben wage als wärs ein Pfifferling, Und nicht darum verzage, ſchätzt ihr das Alles gering. „Ihr mögt mir fonft gebieten: ich geborch euch gern. Nun gebt mir, Frau, den Urlaub: ich will zu euerm Herm. Juſt kehrt' er heim vom Jagen: mit meiner Ritterichaft Will ich für ihn ftreiten wider wilder Völker Kraft.“ Sie ſprach: „Ich kanns nicht wehren, ihr feid ein freier Mann. Doch Meineid ifts, beſchwört ihr, ich habe Theil daran Was ihr thut und laßet: ich würd euch eher hold, Ließt ihr mich bewenden und mürbet um beßern Sold.“ Da fuhr er bin und Hagte: „Ihr feid ein hartes Weib.“ Sie ſprach: „Nicht mehr als billig, ich wahre Seel und Leib Und büte meiner Ehre. Und wer mir bas verfebrt; Der ıft reiner Yrauen, imo er fie findet, nicht werth.“
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Einundzwanzigftes Abentener. Welches Theil Alpter wählte. Da fuhr mit wilben Völkern Alpker in den Streit Sn ſtürmiſchem Mutbe; das Leben war ihm leid: Er wollte fi) verderben und in ben grimmen Tob Mit jungem Leibe ftürgen, daß zu Ende gienge die Notb. Ihn fragten wohl bie Leute: „Wie ift die Frau genannt, Um bie ihr in die Spere fo blinblings kommt gerannt?“ Er ſprach: „Das follt ihr hören, wenn ich im Grabe lag Drei Tag ober viere: dann bringts die Sonn an den Tag.“ Frau Demuth frug die Bäfte nad ihm um neue Mär; Sie hätte gern vernommen, daß er erſchlagen wär Oder tobt geftochen: fo hätt ihr Ungemad Sich all an ihm gerochen; doch wenn ber Fahrende ſprach: „Er dient einer Frauen, die Niemand kennen fol; Sie lohnt auch feinem Dienen mit eitel Haß und Groll: Darum will er fi) töbten und ficht wie ein Thor. Mid wundert, daß er tollkühn nicht längft das Leben verlor.” Simrod, bad Amelungenlied. II. 12
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- 178 Einundzwanzigſtes Abenteuer. Betroffen ſchwieg ſie ſtille, es war ihr leid um ihn. Sie gieng in ihre Kammer, ſaß auf ihr Bette hin Und rang mit Gedanken, die ließen ſie nicht los. Daß ſie ihn tödten ſollte, unſelig ſchalt ſie ihr Looß: „Ich hätt ihn tröſten mögen, es galt mir nur ein Wort; Daß ich ihm ganz verſagte, mich reut nun der Mord! Ich ſollt es an mir rächen, die ſolchen Lohn ihm gab, Und mich zu Tode ſtechen, ſo käm des Leides ich ab.“ Sie zwang zu bitterm Weinen des Jammers Ueberlaſt; Wachend oder ſchlafend fand ſie keine Raſt. Oft wollte ſies verſchmerzen; es währte doch nicht lang; Mit Lachen und mit Scherzen that fie ſich ſelber nur Zwang. Sie ſprach: „Nun werd ich inne, es war nicht Lug und Trug, Daß er mich ſchmerzlich minne: das ift bewährt genug. Er war mir jung gewogen und blieb eö all die Zeit. Mich felbft Hab ich betrogen, daß ich den Heiden gefreit.” Ein andermal gedachte das kummerhafte Weib: „Run ift doch meinem Manne verhaftet Seel und Leib, Und minn ich einen Andern, fo heiß ich ungetren. Der Ehren will ich hüten und tragen weibliche Scheu.” Hinwieder Sprach die Gute: „Ach wär boch falſchgeſinnt, Wenn ich den tödten wollte, der mich von Herzen minnt. In meinen jungen Tagen war mir fein Dienft genehm: Sch hätt ihn zwier erichlagen, wenn er um mich zu fterben läm. '
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Welches Theil Mipker wählte, 179 So quälte fi Frau Demuth und warb fo ſchwach und Franf, Daß fie unverfonnen auf ihr Bette fan, Da Tamen ihre Frauen und fanben fie für tobt; Dod keine mocht ihr helfen, fie erkannten nicht ihre Noth. Da kroch ein Weib am Stabe herbei, viel Winter alt: Wie es beſchaffen wäre, erlannte die gar bald. Sie trieb mit ihrer Krüde die Andern vor die Thür Und rief: „Laßt mich gewähren, ihr kennt hier nicht die Gebühr. “ Sie bradte fie ind Leben und fagt’ ihr frei und franf, Nach einem andern Manne ſei fie vor Liebe Trank, Und wenn fie länger hehle, fei jäber Tod ihr Theil. Nah langem Läugnen enblih ward das Geheimnifs ihr feil. Da ward ein treuer Bote dem Helden zugefandt, Daß er Tommen follte der Guten unveriwandt. Nicht lange ließ fich bitten des Starken Walther Sohn: Er ritt mit dem Boten und gab ihm herrlichen Lohn. Da ward er wohl empfangen bei König Waldemar; Er hatt ihm viel zu danken und feiner fühnen Schar. Er hieß ihn ‘wohl verpflegen und fehenkt’ ihm felbft den Wein; Er durft au ohne Hüter bei feiner Königin fein. Da warb. er um Minne viel dringender als je: Er ſah wohl, ihr war felber von feiner Minne weh. Noch mwollte,fie es hehlen vor ihm: „ch rief euch ber, Daß euer Blut nicht tränfe der Heiden Schwert ober Eper.
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180 Einundzwanzigſtes Abenteuer. „Man fagte mir, ihr fuchet fo frevelbaft den Tod, Weil ih an mich zu denlen euch allzuſtreng verbot. Nun will ich euch beiennen, ihr feid mir lieb und werth Und kann euch nichts verweigern das ihr mit Züchten begehrt. „Iſt eurer Liebeswunde die Bein benn alſoſcharf, So hofft, ed fommt die Stunde, da ih euch minnen barf Und fchont des ebeln Lebens: es tft vielleicht die Zeit, Die euch Rofen lachet, gar ohne Dornen, nicht weit.“ Er ſprach: „Die fihern Roſen find die am fchönften blühn: Mag um die zweifelhaften ein Andrer ſich bemühn. Mit eiteln Worten kühlt ihr nicht mehr der Wunde Brand, Nein, Nerztin, legt die Salbe mir auf mit lindernder Hand. „Habt ihr mich hergeladen zu einem Schaugericht? Des Hungernden zu [potten, fo graufam ſeid ihr nicht. Sonft Tonntet ihr mich laßen wo Schwert und Lanze droht, Denn nicht fo ſcharfe Marter wär mir ein rübmlicher Tod.“
So drängt’ er fie mit Reden und ſetzt' ihr alfo zu, Wie fie ſich winden mochte, fo ließ er ihr nicht Ruh. Da ſah fie fih gefangen und fann auf eine Zift: „Ich will ihn verfuchen, ob er reines Herzens ift. „Beſteht er nit, fo Schi ich ihn heim mit Schand und Spott Und ift er gut und edel, fo zürnt der Chriften Gott Mir minder um die Minne, die Maß beiwahrt und Bucht.” Sie ſprach aus klugem Sinne zu Hilgundens edler Frucht:
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Weldyes Theil Alpker wählte, 181 „Euch gänzlich zu gehören ift mir, ihr wißt, verjagt: Sp wählt von zweien Dingen das euch zumeift bebagt. Ich will mich felber theilen vom Gürtel niederwärts Und aufwärts zu der Scheitel, wo das Haupt liegt und das Herz. „Welchen Theil ihr wählet, ver foll der eure fein Und willig euch geboren; fo jet der andre mein: Ihr follt ihn nicht begehren, ſo lieb als ich euch Bin. Die Wahl ift euch beſchieden: nun wählt mit weislichem Sinn.“ Der Ritter ſaß betroffen und hatte böfe Beit: Er meint, er dürfe hoffen, da kam ibm der Beſcheid. Er ſprach: „Ihr erfinnet mir immer neye Qual; Nun gönnt mir Frift drei Tage, daß ich bedenke die Wahl.“ Die Frift warb ihm gegeben, dazu ber Urlaub gern. Er muft nlleine fehlafen; doch blieb der Schlaf ihm fern. Er mälzte mit Gedanken fich bin und ber die Nacht Und ftäts miſsfiel ihm wieder mes er eben ſich bedacht. Er wollte gleich das eine und gleich das andre Stüd: Könnt er fie beibe haben, das däucht' ihn volles Glüd. „ie mag ich das erreichen, daß eins das andre bringt? Darauf muß ich denken, ob foldhe Lift mir gelingt. „Wenn ich das Dbre wähle, daß mich ihr Arm umfängt, Und Mund an Mund gefchloßen fi Bruft an Brüfte drängt, Eolit ih es nicht erlangen, daß fie mir ftillt die Bein? Wird fie nicht felbft verlangen mir ganz zu Willen zu fein?“
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182 Einundzwanzigſtes Abenteuer. Hinwieder muft er denken: „Das obre Theil ift gut, Doch beßer viel das andere, es löſcht die Liebesglut. Was Tann fie noch verfagen, nachdem fie dieß gewährt? Doch weh mir ftät3 der Schande, wo man im Land das erfährt, „Daß jo geforen babe guter Leute Kind. Mich haßten alle Bievern, wär ich jo falſch gefinnt. Sie wiejen wohl mit Yingern auf den unwürbgen Mann: „Da Tommt er bergegangen, ber fo ſchnöde wählen Tann. „Wohl wird er nimmer ivieber getreuen Frauen lieb, Der ſolche Wahl getroffen, der Schelm, der Minnebieb.“ Und käm ich halt mit Küren zu Schaben und Berluft, Mir will fein Theil gebühren als der Liebften Mund und Bruft.” So war ber Held befangen mit Lieb und mit Leid, Mit Sorg und großer Klage der drei Tage Zeit. Drei Nächte wich der Schlummer von femer Augen Lieb Bi er die Wahl gefunden, zu der fein Herzſchlag ihm rieth. Da ſprach am vierten Morgen die Königin ihm zu: „Wie haft du dich entichieben, fag an, wie wählteit bu?“ Mit Züchten gab ihr Antwort der bochgefinnte Held: „Ich fleh euch an um Gnade, wenn meine Wahl euch miſsfällt. „Mag ich nicht Beides haben, fo fei das Obre mein.” Sie lacht' ihn an mit Freuden: „Sa, Freund, fo joll es fein. Ein Geift mit goldnen Flügeln mar der dir bieß befahl. Du hätteft mich verloren, erfannft du andere Wahl.”
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Welches Theil Alpter wählte, 183 Da Iprad er: „Soll es gelten, fo eile fich mein: Theil, Mich lieblich zu umfangen: fo wird das Herz mir heil.” Sie ließ es gern geichehen. „Auch Fülle mich mein Mund.” Da muft au das ergeben: er warb vor Freuden gefund. Das Haljen und das Drüden, das ward da lang und biel: Pen möchte nicht entzüden fo liebliches Spiel? Doch ſprach nad einer Weile der minnetrunfne Mann: „Hilf zu dem andern Theile mir auch, ich flebe dich an.“ „Das Tann nicht fein,” verfeßte fie fireng; „bu haft dein Stüd: Daran laß dir genügen, ich forbr e3 fonft zurück.“ — Eo nimm und gieb mir deines, ber Taufch bebagt mir jehr. — Sie ſprach: „Ich will nicht taufchen, laß ab von foldhem Begehr.“ Er ſprach: „D weh, Geliebte, ie bift du voller Lift! Warum willft du nicht taufchen, da meineß beßer ift Und mich ein guter Engel berieth bei folder Kür? Du kannt doch nur gewinnen, giebft bu mir deines bafür.“ Sie ſprach: „Ich wills behalten, behalt deines auch. Das Wechſeln und das Taufchen, das ift ein übler Braud.“ Er fprad: „Hier ift vom Uebel nichts als dein Eigenfinn. Will ich denn deinen Schaden? es ift dein barer Gewinn.” Sie ſprach: „Wenn ich gewänne, To wär der Schade bein Und deinen Schaden brächte mir mein Gewinn nicht ein. Viel befer, Jedweder behält was er gewann, Daß nicht der Freund des Wuchers den Freund beſchuldigen kann.“
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184 Einundzwanzigſtes Abenteuer. Sie bracht’ ihn hier von Sinnen mit Worten ſchlau und Hug. Er ſprach: „Nun werd ich innen, du übteft fchon Betrug: Ungleich find die Theile, die du zur Wahl geftellt.” Sie ſprach: „So nehm ich beide zurüd, wenn das dir gefällt.” So konnt er nicht bezwingen das liſtige Weib. Was ſollt er nun beginnen? Er fpradh: „Dein füßer Leib Iſt halb mir angefallen und balb verblieb er bir. Wohlan, was ich gebiete, mein Theil, vernimm du bon mir. „So gebiet ich meinen Augen, daß fie den König hehr Noch anzufehen taugen von nun an nimmermehr. Sch verbiete meinen Augen, zu bören fein Gebot, Ihm gütlich zuzuſprechen meinem füßen Munde roth. „Ich gebiet euch, meinen Armen, daß ihr in Liebesluft Den König nicht erwarmen mehr laßt an meiner Bruft. Das follt ihr Alles leiſten und mir gehorfam fein.” Sie ſprach: „Sie werden müßen, denn alſo gieng ih es ein.”
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Zweinndzwanzigſtes Abentener. Wie fie aufbraden den Heunen zu belfen. Ihr börtet die Gebote; nun bört wie fie die hielt; Mi allen Liften batte fie doch das Spiel verfpielt. Der König kam vom Jagen, da fab fie ihn nicht an Und was er heifhen mochte, das warb verfehrt ihm getban. Wollt er zu eben haben, fo brachte fie ihm Trank Und Tran? für das Ehen, und für den Tiich die Bank; Sprad Er, daran genüge, ſo holte fie ihm mehr Und frug ex nad) dem Schwerte, fie reicht’ ihm Schild ober Eper. Wollt er zu Bette geben, fo tanzte fie und fprang; Sprad er: Du bift trunfen, fie ſprach: Drei Meilen lang. Eprad er: Du bift von Sinnen, fie frug: Am Müllersteich? Sprach er: Run geb von binnen, fie rief: Ich komme fogleich. Was er fie fragen mochte, fie gab ihm quer Beſcheid. Das trieb fie fieben Tage; dem König war es leid. Erft meint’ er fie wohl irre, doch warb er bald gewahr, Daß fie den Andern weile, ihm allein von Sinnen war.
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186 Zweiundzwanzigſtes Abenteuer. | Er ſprach: „Hier mag nichts helfen, bat mir ber Daum vertraut, ALS ungebrannte Aſche, dazu Fünffingerkraut.” | Da fuhr er zu Holze und hieb drei Knittel ab, Die waren berb und Inotig und hart wie der Bettelftab. Das fchien ihm zu genügen zu ihrer Arzenei. Er gieng zurüd, da ſchaute die Frau an ihm vorbei; Ihn grüßte nicht die Kranke, fie hört’ ihn auch nicht an. Da zwang er zu dem Tranle die Königin wohlgetban. Er gab ihr für das Uebel ihn ein, nicht Löffelweis, Er maß ihr mit dem Kübel. Sie fiel alabalb in Schweiß, Und in fo fchwere Krämpfe, daß fie erbärmlich fchrie. Man trug fie zu Bette, denn ihr verfagten die Knie.
Er ſprach: „Nun magft du fehlafen mit Yäuften zugebedt, Dieweil ich reite jagen. Wenn die Arznei nicht Tledt, So wächſt noch mehr des Krautes im Wald, wo diefes wuchs.“ Da ritt er bin und jagte — den Wolf vielleicht und den Fuchs; Er hatte fi die Hinde wohl heut fo jcheu gemadt, Er wird fie nie mehr finden binfort auf feiner agb. Kaum war er fort, jo fpitte das Ichlaue Wild dad Ohr Und wie fih in die Weite des Jägers Huffchlag verlor, Da ſprang es auf vom Lager und lief dem Gafte zu Mit weinenden Augen. Der frug in guter Ruh: „Wer that dir was zu Leide?“ Sie ſprach: „Um bein Gebot Hat mich der Mann gefchlagen; ich muß bir klagen die Noth.“
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Wie fie aufbrachen den Heunen zu helfen. 187 Er ſprach gelaßned Muthes: „Und thun die Schläge weh?“ — Gewiſs, wie magft bu fragen? — „Wo denn, am großen Zeh?“ Eie ſprach: „An Haupt und Rüden zerichlug der Rohe mid Mit drei großen Rnitteln: das duld ich Alles um dich.” Er ſprach: „Das ift böfe; haſt du noch andern Harm?” „Sa,“ ſprach fie, „wund geichlagen ift auch ber rechte Arm.” — „Run, ich verfchmerz es,“ ſprach er, „es traf nur meinen Theil. Ich will dem Himmel danken, blieb dir der deine nur heil.“ „Den bat er nicht getroffen in feinem Zorn, nicht wahr? — „Rein, Herr.” Nun gut, fo krümmt mir das Andre nicht ein Haar. Zwar bin ih auf dem Rüden der Schläge nicht geiwohnt, Do will ichs ihm vertragen, weil er bein Theil bat verfchont.“ Sie ſprach zu ihm und zümte: „Du ſprichſt wie ein Kind, Und fiehſt doch wie zerichlagen mir alle Glieder find.“ Er ſprach: „Doc nur die meinen; das trag ich mit Gebulp; Zerſchlüg er dir die deinen, fo müft ich rächen die Schulb.“ „Ad laß dein Spotten,” rief fie, „bier ift dazu nicht Zeit. Wohl follft du es rächen: drum Flag ich dir mein Leid: Sieh an was ich erlitten als wär es bir gethan.“ Er ſprach: „Deine Hälfte in meinen Schub zu empfahn, „Kann ich mich nicht beftimmen, wenn fie mir nicht gehört: Sch muß fie wie die andere befigen ungeftört.“ „Das folft vu ja,“ verſetzt fie, und hielt den Mund ihm zu, „Doch nicht bei ven Reußen; es läßt mir bier keine Ruh.
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” 188 Bweiunbzwanzigfteß Abenteuer. „Stät3 fteht mit ‚großen Knitteln der Heibe vor mir ba Und zielt nad deiner Hälfte wie e8 mir heut gefchah. Das ift in unferm Lande doch nicht der Männer Brauch, Daß fie die Frauen ſchlagen? nicht wahr, fo dunkt es dich auch?" „Die das thun, das find Heiden, verftodte,” ſprach der Helb. „So nimm mid) mit von binnen, denn nichts iſt auf der Welt Mir fo zuwider ala Schläge, fag ich dir.” Da nahm fie Gold und Silber und alle fräulihe Bier Und fuhr mit ihm von bannen und feiner Ritterfchaft. So hatt er fid) mit Liften das ſchöne Weib verfchafft. Den Reußenkönig reute, als er nach Haufe kam, Daß er fie fo zerbleute: was half ihm aber der Gram? Was balf ihm aud fein Suchen? er fand doch nicht im Walt, Da ſchon die Nacht fie ſchützte, des Flüchtlinge Aufenthalt. Daß Alpker fie entführte, warb ihm am Morgen klar, ALS er auch den vermiſste und feine veifige Schar. Auf ſchnellem Roſſe ſetzt er ihm nach im Walde tief, Bis an des Landes Marke. Doc wie der Hengft ihm lief, Der Räuber war geborgen jchon in des Heunen Reid). Als ihm die Kunde wurde, ba fanbt er Boten fogleich
Und ließ fie von ihm heiſchen, da Taum ein Bweifel blieb, Daß er ihm fenden würbe mit feinem Weib ven Dieb. Doc hatt ex fich betrogen: fchon war ihr Helle hol Und Egel ihm gewogen, und böt er Berge von Gold,
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Die fie aufbrachen ben Geunen zu helfen. 189 Er möchte fie nicht löfen aus der Belchüher Hand. Auch half ihm Feine Drobung; das ift euch fchon belannt. Doch hier bin ich zu Ende, ba ich euch nichts verſchwieg, Denn fo entiprang die Feindſchaft und diefer reußiſche Krieg.“ Dieß hatt er kaum berichtet, fo fchlug es an das Thor Bei nächtlicher Stunde: feht zu, wer fleht davor? Da war ed Etzels Bote, Werbel der Fiedelmann, Der erft drei Becher leerte, eb er zu jagen begann. Dann ſprach er erathmend: „Der Trunk that mir Roth. Zwei Handpferde ritt ich unterwegs zu Tod; Mein Hengft wird auch wohl fallen, der mich zur Stelle trug. Ihr fit bier beim Weine und babt auch Speife genug. „Biel anders ftand es geftern in König Ehels Saal Und Munkatſch feiner Befte: da mar bie Koft uns fchmal. Er wird fie räumen müßen; vielleicht geſchah es jchon; Denn Waldemar bebrängt ibn und fein gewaltiger Sohn; „Dietrich der Neuße, vor bem ber Heune zagt: Er jagt fie wie der Falle die fcheuen Heunen jagt, Obwohl er erft die Sporen verbient bei biefem Ritt. Denn nie zubor im Kriege nahm ihn der Water noch mit, „Der ihn zu zärtlich bütete, den Sohn ber erften Frau; Und um die vierte heert ev und legt und wüft das Gau. Nun ſchickt um Schnelle Hülfe Herr Ebel mich bieber, Daß du nicht länger fäumelt, vielgetreuer Nübiger.
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190 Zweiundzwanzigſtes Abenteuer. „Ziel Munkatſch erft, fo ift es ums halbe Land getban, Er muß um Ofen fürdtn und feine Stabt zu Gran. Biel ftärker find die Reußen, bazu vom Sieg gebläht: Drum mollt ihr lange zaubern, fo fommt die Hülfe zu fpät.” Da Sprach von Bechelaren ber vielgetreue Dann: „Ich hab erit heut erfahren, daß fi ein Krieg entſpann; Doc bin ich gerüftet, ihm morgen zuzuziehn: Sch bringe taufend Nitter mit ihren Fähnlein bahin. „In wenig Tagen folgen die ich erft heut entbot. Auch fügt es ſich zum Glüde Hei diefer großen Noth, Daß hier die Amelungen uns beiftehn, und der Held, Den fie den Berner nennen, den Ruhm und Schredien der Welt. „Hier ift auch von Steier Dietleib der Held erwählt, Auf den, wie ang meldet, vor Allen Edel zählt. Auch will er fih nicht Sparen; nur ift ihm Eines leid: Daß er in Gräz entbieten fein Voll erft muß zu dem Streit. Da war doch halb getröftet bes treuen Boten Muth. Da pflegten fein die Schenlen und Truchſäßen gut, Auch wies ihm Herberge des Markmanns Schaffner an. Cr war Gemachs bevürftig nach dem Ritt, ben er gethan. Schon war die Nacht gewichen bem erften Tagesichein, Da faßen auch die Helden nicht länger bei dem Wein: Sie fuchten kurze Ruhe, den Schlummer, nicht den Echlaf, Daß als das Heerhorn tönte, man feinen Säumigen traf.
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Wie fie aufbrachen ben Heunen zu helfen. 191 Das wurde früh geblafen mit ungeftümer Kraft: Da faß alsbald zu Roſſe die ftolge Ritterfchaft. Doch fchieden fich die Helden: nad Gräz in Steier ziehn Cab man die einen; die andern fuhren auf Wien.
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Dreinnbzwanzigfies Abentener. Die Dietrih den andern Dietrid fieng. Die ritten lange Wege über gebautes Land Und über ungebautes, imo bürre Haibe ſtand. Bald zwifchen grünen Wiefen den fchmal gewundnen Pfad Und bald am Donauufer auf hohem felfigen Grat. Sie fuhren Wien vorüber und fuchten Etzels Heer. Da börten fie, das halte in Munlatfch fich nicht mehr. Die Stabt fei ausgehungert und in der Feinde Madıt: Die zwängen wider Willen die Heimen ehſtens zus Schlacht. Als das der Berner hörte, da faßt' ihn Ungebulb: Er wollte gleich verdienen des reichen Königs Hulb. Cr fprach zu dem Markmann: „Ihr könnt fo ſchnell nicht fort Mit euern ſchweren Knechten; wir Ritter wären fchon dort, „Wenn wir alleine zögen, und bier bedarfs der Gil. Sp gebt mir zu dem meinen berittnen Bolls ein Theil, Daß wir den Heunen zugiehn ch fie der Reuße zwingt; Sonſt fommt zu fpät die Hülfe, die ihr von Bechlaren bringt.“
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Wie Dietrich den andern Dietrich fieng. 193 Da Sprach der milde Markgraf: „Ahr wißt guten Rath: Nehmt meiner Ritter Hälfte und greift zu rafcher That. Herr Ebel wird euch danken die Hülf in ſolcher Notb. Was könnt euch mehr empfehlen, dba hier ihn Unfieg bedroht? „Ich warte bei den Knechten; fahrt bin und folg euh Glüd.“ Auf brach der Amelunge, der Markgraf blieb zurüd. Da führte fchnell und fchneller der Held von Bern die Schar Die Schlacht nicht zu verfehlen und den König Waldemar. Nach nächtlichem Ritte kam er dahin bei Tag, Wo Heer dem Heer entgegen des Kampf begierig lag. Den König Ebel freute die Hülfe, die ihm kam; Doc wollt er nicht trauen als er von Dietrich vernahm. Hier blieb nicht Zeit zu fragen: ber Reuße rüdt’ ins Feld. Nun hört, die Heere hatten die Könge fo geftellt: Wider Eheld Banner mit dem berufnen Schwert Hatte feine Fahnen der Neußenkönig gefehrt. Da richtete die feinen, das fügt fich munberlich, Wider Dietrih8 Scharen der Reuße Dieterich. Nun ftehn fich bier entgegen der Dietriche zwei: Laßt jehen, Wer der ftärkfte und Wer der eifrigfte fei. Schon trafen fi die Heere . und maßen Kraft an Kraft, An harten Panzerringen brach mander Eſchenſchaft, Daß hoch die Splitter flögen und Tehrten Tag in Nadıt; Da warb das Schwert gezogen und kurze Arbeit gemadft. Simrod, dad Amelungenlied. MI. 13
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194 Dreiundzwanzigſtes Abenteuer. Da ritt der Held von Berne mitten vor feiner Schar — Und ließ das Schwert erklingen, das Sachs geheißen war. Des Klang war voll und lauter und lauter aud fein Glanz. Doc blieb feine Brünne und wenig Halsbergen ganz: Der Helmzierden murben auch viel von ihm zerflobt. Zu beiden Eeiten ſanken dem Helden bochgelobt Die Reußen von den Sätteln. Die Amelungen jahn Mit Freuden, melde Wunder von feiner Stärle geichahn. Sie Sprachen zu einander: „Seht, unfer König rädt Sein Leid an den Neußen und fein gefränftes Recht. Die Kühnbeit kehrt ihm wieder und fein entjunfner Muth. Nun wird er bald erjtreiten fein Land und berrnlofes Gut.“ Das mwährte doch nicht lange, denn ihm entgegen ritt Dort der Reuße Dietrich, der Den von Bern beftritt. Der war fo hohes Wuchfes, er überragt’ ihn weit, Er fchien auch verwegner und ungeftümer im Streit. Er gab ihm ſchwere Etreihe und ließ ihm feine Raſt, Der kaum fich fchirmen mochte vor folcher Jugendhaſt. Schon trug er fieben Wunden und batte fie noch nicht An feinem Leib empfunden: da gab ihm Jener Beridht: „Du biluteft, fühner Degen und kannſt mich nicht beftehn: So gieb dich gefangen, ſonſt iſts um dich geichehn." Als das der Berner hörte und nun den Schmerz empfand, Da toben ſchnelle Schläge von feiner Traftreichen Hand.
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Wie Dietrich den andern Dietrich fieng. 195 Er ritt aufs Allerfhärfite den freveln Süngling an, Und ftieß ihn blutend nieber vom Roſs auf ven Plan. Bom Sattel fpringend ſchlug er ihm aus der Hand das Schwert Und band ihn mit der Feßel des Schildes hinter fein Pferd. Als das ihm war gelungen, vernahm er lauten Ruf, Dazu die Erde dröhnen von fchwerer Roffe Huf. Das war der König Ebel mit allem Heunenbeer: Eie flohen vor den Reußen vergeben rühmlicher Wehr. Da rief der Held von Berne laut und grimmiglidh: „Alle meine Mannen, blidet ber auf Mid. Richt will ich alfo fliehen, der bier gewann den Gieg, Und dort ihn mag geiwinnen, wenn ich mein Roſs nur beftieg. „Wenn Ihr dazu mir belfet, fo wenden wir die Schlacht.“ Da fprang er in den Sattel und warf mit ganzer Madıt (Ihm folgten feine Degen und Die in Rüdgers Bann) Dem Reußen ſich entgegen, daß der zu flugen begann. Er ließ von den Heunen und ftand dem neuen Feind; Daß der fo furdtbar wäre, mie hätt er das gemeint? Die ſchwache Schar, die freche, ein Häuflein wider Ihn, Soll ihm den Sieg entreißen, da er fchon gewonnen jchien? Doch muft es fo geicheben: fein ftarfes Heer erlag, Denn Dietrich ließ mit Streiten nicht nach denfelben Tag Bis ſich die Neußen wandten, als fchier der Abend ſank. Da ſagt' ihm doch Herr Ebel feines Sieges keinen Dank:
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196 Dreiundzmwanzigfted Abenteuer. Der war fchon heimgeflohen und faß in fichrer Ruh. Doch Dietrich, wo bringt er die öde Nacht nun zu? Denn rings ift Teine Veſte, da er fich birgt und ſchützt Als.-Munfatih, das verbrannte, das zur Wehr wenig nützt, Und das ihn doch muß decken, das winddurchſtrichne Haus; Da zog er eilends Gräben und ftellte Wachen aus. Am Morgen aber kehrte der König Waldemar Mit zwölftaufend Rittern wider feine kleine Schar. Da muft er täglich ftreiten mit überlegnem Heer; Noch thaten Durft und Hunger des Schadens ihm viel mehr. Denn da war Tranf noch Speife, dad Waßer noch das Brot, Die eignen Pferde aßen die Helden in bes Hungers Noth. Da ſprach König Dietrih zu Meifter Hildebrand: „Wer mag nun Rath erdenken, da Koft und Speife ſchwand? Mir brauden eines Boten, der Eteln Kunde bringt, Ob er und will entfeßen eb gar die Noth uns bezwingt. „Doh Wer ift jo verwogen, daß er die Reife thut Und durch die Reußen reitet?" Da ſprach der Meifter gut: „Dazu ift Niemand beßer als Landgraf Eberwin: Der ift fo heldenmüthig: er bringt die Kunde wohl hin.“ Da gab aber Antwort der ftarle Wildebär: „Ich bin zu wund zu reiten durch ein fo großes Heer. Wenn mir die Kräfte reihen zu tragen Helm und Schild, Wil ich nicht von dir weichen bis deine Noth ift geftillt.
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Wie Dietrich den andern Dietrich fieng. 197 „Bitte Wolfbarten: der ift ſtark und bart Und will immer ftreiten, wieviel ihm Kampfes warb.” Da ſprach zu Wolfbarten der Berner: „Reit denn du Durch das Heer der Reußen und ſprich dem Markgrafen zu: „Bir brauchen fchnelle Hülfe, da ſonſt Verberben dreut.“ Da ſprach aber Wolfhart verftört und unerfreut: „Laß Wilbebern reiten: dem thut es Keiner gleich In al unferm Heere, ja Taum im heunifchen Reich. „Ich aber bin viel jünger und nicht erfahren noch Sn folden Mannheitswerken.“ Herr Dietrich ſprach jedoch: „Wildeber kann nicht reiten, er ift fehr übel wund.” Und wieder ſprach da Wolfhart: „Ich weiß wohl beßer den Grund. „Er wagt nicht zu reiten, drum wies er dich zu mir. Nun gieb von deinem Helme bie leuchtende Bier, Gieb Eckenſachs, die Waffe, und Falke deinen Hengft, Und gern will ich reiten Wohin du immer verbängft.“ Er ſprach: „Das fol dir werden und mas du fonft begehrit.“ Da taufchten Roſs und Waffen die beiden Helden erft Und bald ftanb der Degen bewehrt und Tampfbereit. Da fuhr er aus der Veſte bei mitternächtlicher Zeit, Und Tam zu einem Teuer, das er verlaßen fand. Dem riß er aus der Aſche noch lodernden Brand Und ſchwenkte hoch in Händen die Scheite durch das Heer, Das ihn für Reußiſch anfah, fo forglos ritt er daher.
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198 Dreiundzwanzigſtes Abenteuer. Und mitten in dem Heere ſah er ver Belte viel: Das prächtigfte darunter, mie gut es ihm gefiel, Doch warf er drein die Flamme. Und in dem Zelte war Den Häuptlingen gebettet und dem König Waldemar. Mit Rafcheln lief das Yeuer alsbald das Zelt hinauf Und fchoß von allen Seiten hinab vom goldnen Knauf. Und eh fie all exwachen, die da der Schlummer hält, Eprang Wolfhart vom Pferde und lief hinein in das Zelt Und fchlug der Fürften eilfe zu Tob mit grimmem Streid); Men er zur Hölle ſandie, das galt ihm alles gleich. Sp wuſt er auch nicht, hatt er den König umgebracht? Er ſprang zu Roſſe wieder und ritt davon in die Nadıt. Nun Stand auf ben Binnen der Belte Dieterich Und bei ihm Meifter Hildebrand: die freuten beide fidh Wie er die Flamme fehürte, und giengen dann zur Ruh. Da ritt aber Wolfhart bei Tag und Nacht immerzu Bis er bei den Heunen den König Etel fand. Da ſah der gute Markgraf, der vor dem König ftand, Dietrichs Roſs und Waffe, dazu den Hilbegrein. Wie follt er anders denken als er müß es felber fein? Er ritt ihm entgegen und grüßt’ ihn fchon von fern. Da grüßt’ ihn Wolfhart wieder von fi) und von dem Herm. Und ſprach: „Sch bin nit Dietrih, doch Dietrichs Untertban. Du follft ihm Hülfe fchaffen, es ift fonft um ihn gethan;
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Wie Dietrich den andern Dietrich fieng. 199 „Um all die Amelungen und Die in deinem Zehn.“ „Sn Treuen,” ſprach der Markgraf, „pas joll aldbald gejchehn. Doch komm zu dem König und fag uns dort Beſcheid.“ Da ritt er bin zu Etzel und Rübger gab ihn Geleit. Da nun der König hörte von Dietrichs Kampf und Eieg, Dazu von feinen Nöthen, die Wolfhart nicht verfchtvieg, Und daß gefangen wäre Dietrich, des Reußen Sohn, Da freut er fih der Märe und fann auf herrlichen Lohn. Da rief der Heunenlönig: „Nun thut uns nichts jo Noth Als deinem Herrn zu helfen, den Waldemar bebrobt. Und ift der andre Dietrich in dieſes Dietrich Haft, So find es zwei der Siege, die ich danke feiner Kraft.“ Da ließ er abbredyen Hütten und Gegelt, Hieß das Heerborn blafen und rüdt’ alabald ins Felt. Auch gönnt er feinen Nittern und fich nicht eher Raſt Als bis er ftand vor Munkatſch, wo belagert ward ber Gaft. Nun hatte kaum vernommen der König Waldemar, Daß mit dem Heer gelommen der Heunenkönig war, So bieß er feine Mannen ſich rüſten alſogleich Und ließ das Heerhorn ſchallen und fuhr zurück in ſein Reich. Als das der Berner merkte, daß Jener flüchtig ward, Da fiel er aus der Veſte und ſetzt' ihm nach ſo hart, Daß er der Flüchtlinge zweihundert noch erſchlug. Hiemit ließ er halten, es daucht ihn heute genug.
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200 Dreiundgwanzigfted Abenteuer. Als er nach der Veſte nun nahm die Wiederkehr, Da fand er König Ekeln davor mit großem Heer. Als die zufammen famen, das Grüßen währte lang: Es ward im Heunenlande Dietrichen holder Empfang. Ihm dankt' auch König Ekel, daß er die Schlacht gewann, Und bot in feinem Reihe für Bern Erſatz ihm an. Er ſprach aus ganzer Treue: „Daß ich euch ſeh geſund Nach fo großen Nöthen, das ift mir ein lieber Fund.“ Und Rüdger ſprach, der Markgraf: „Daß wir euch bier nicht ch Zu Hülfe mochten fommen, das ſchuf und Herzeweh.“ Da ſprach der gute Meifter: „Ich bin nun grau und greis Und fam in fchärfre Klemme doch niemals noch, daß ich eis. „Schier fraß ung der Hunger; das iſt ein ſcharfes Schwert. Wir haben unfrer Pferde ſechshundert verzehrt; Nur fieben find uns übrig; ein Theil fiel in der Schlacht. Doc dieß ift all vergeßen, da ihr und Hülfe gebradt.“ Da z0g König Dietrid aus feines Thurms Berlies Empor den Gefangnen, den er dem König wies. „Hier ift ein andrer Dietrih, der Sohn des Waldemar: Den nahm ich gefangen mit großer Noth und Gefahr. „Noch find nicht Heil die Wunden, die mir fein Schwert verfeht. Doc unſrer Freundfchaft willen fei er dein Geiſel jetzt. Du magft ihn erjchlagen, wofern es bir beliebt, Magit feinen Bater fragen mas er zur Löfung bir giebt:
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Wie Dietrich den andern Dietrich fieng. 201 „Ein Rei und fefte Städte, Silber oder Gold.” Herr Shel ſprach: „Der Gabe bin ich bir wahrlich hold. Kein Schiffepfund rothen Goldes nähm ich für ſolch Geſchenk. Nun bab unfre Yreundfchaft dafür, ich bin es gebenf.“ Sie blieben bier und pflegten fich bis zum andern Tag, Dann fuhren fie gen Heunland. An ſchweren Wunden lag Da Der von Bern barniever und war ſehr ungefund; Sp auch der andre Dietrih; doch fchien ber mäßiger mund.
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Bierundzwanzigftes Abentener. Wie Dietrih der Reuße binmwegritt. Der König Ebel mochte daheim nicht lange rubn, Er wollte wieder ftreiten und eine Heerfahrt ihun. Viel Städt und Dörfer hatten die Reußen ihm verbrannt: Das dacht er jebt zu rächen an allem reußifchen Land. Als er nun ftand gerüftet mit all feinem Heer, Da zählt er achtzig taufend Gemwappneter und mehr. Die Amelungen waren mit ihm au ziehn bereit, Dabei der gute Meifter: der verfäumte feinen Etreit. Herr Dietrich leider Tonnte nicht bei der Reife fein; Er lag noch fieh an Wunden und litt oft fcharfe Pein. Da gieng zu König Etzel Frau Helfe fein Gemahl Und ſprach vor allen Rittern und feiner Häuptlinge Zahl: „Um Eins will id euch bitten, eb eure Fahrt beginnt: Daß ihr mir gejtattet, meines Oheims Kind Aus der Haft zu nehmen, den Reußen Dieterich, Damit ich ihn heile; denn fein Siechthum dauert ınid).
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Wie Dietrich der Reuße hinivegritt. 2903 „Er ift do mein Better und eines Könige Sohn. Und hält der Thurm ihn länger, fo kommt er nicht davon. Leicht mag euch aber reuen, wenn er im Kerker ftirbt, So mit den Reußen Frieden Uns eure Heerfahrt erwirbt.“ Da ſprach König Ebel: „Das dünkt mich nicht gut x Und nicht gewähren mag id die Bitte, die ihr thut. Denn wird er Beil und ledig, fo flieht er alſobald, Und mer bräcdt ihn wieder alsdann in meine Gewalt?“ Da Sprach zu dem König die Königin zuband: „sch feße für den Vetter mein eigen Haupt zu Pfand. Und ift er meggeritten, wenn ihr nach Haufe kehrt, Eo löſ es von den Edhultern mir ohne Gnad euer Schwert.” Da rief König Ebel aus großen Zornes Kraft: „Willſt du der Feinde Schlimmften mir nehmen aus der Haft, Waldmars Sohn Dietrih, den man den Reußen heißt, Und denkſt ihn zu heilen, der veriwegen tft und dreiſt! „Wenn ich ihn nun verlöre, daß er von bir hindann Und heim nad) Holmgard ritte, das Täm mir faurer an Als meine Burg zu miffen in Gran oder Soeft. Er ift mir eine Hoffnung im Kerfer und ein lieber Troft. „Denn feine Freunde müßen, es muß fein Bater ihn Mit meiten Reichen löſen: giebt er die nicht hin, Er wird ihm nimmer wieder. Nun baft du, Frau, zu Pfand Mir zwar dein Haupt geboten; das aber jei dir belannt,
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204 Vierundzwanzigſtes Abenteuer. „Und zweifle nicht, ich Halte mein Wort untvandelbar; Wenn Dietrich entreitet, ver Sohn des Waldemar — Und Du wirft ihn nicht halten, wenn ihn der Thurm nicht balt — So ift das Haupt verloren, das du zu Pfande geftellt.“ Hiemit nahm er Urlaub gen Reußenland zu ziehn. Da gieng aber Helle alsbald, die Königin, Und nahm den lieben Better aus feines Thurmes Haft Und ſchuf ihm gute Pflege, damit er käme gu Kraft. Gemach und weiche Betten, daran gebrach ihm nicht; Sie fickt’ ihm von der Tafel manch köſtliches Gericht, Und heizt! ihm Wannenbäber mit edeln Specerein, Und ſchenkt' ibm Kleinode, daß er getroft möchte fein, Und nicht an Heimweh leiden, und gieng aud Tag für Tag Zweimal in die Kammer, wo er gebettet Ing, Verband feine Wunden und fchuf ihm Troft und Rub. Da mocht er wohl gefunden, denn mehr gehört nicht dazu. Nun war ihrer Sippe doch Dietrich auch von Bern: Dem aber blieb Frau Helle und ihre Hülfe fern. Der Spieltveiber Eines ward an fein Bett geſandt, Die nicht fih auf die Heilung wie die Königin verftand. Da böferten die Wunden ihm alle Tage mehr Und gieng Geftank von ihnen; er ſelbſt ertrug ihn ſchwer. Derweil war von Helfen des Reußen Sohn geheilt: Da batt er allzulange fich in der Kammer verieilt.
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Wie Dietrich der Reuße hinwegritt. 205 Er nahm feine Waffen, das Schwert und den Schild Und fuhr in Panzerhofen, Mimes Gebild; Den Harniih warf er über, der zweibrätig var, Und ſchwang den Helm zu Häupten, wie Stahl fo hart und filberflar. Da ſprach er zu dem Helme: „Du haft dich wohl erprobt, Du harter Helm, als Dietrih von Bern dich bat zerfloht Mit viel jchiweren Hieben, ich weiß nicht ihre Zahl. Doc wärend noch fo viele, ich vergalt fie allzumal. „No heute muß er fiechen; ich aber bin nun Beil. Und hätt es mir ein Anbrer getban, er müſte feil Dafür fein Leben tragen. Der Degen fühn und hehr, Ich mag ihn nicht erichlagen, zumal er liegt ohne Wehr. „Ih aber will nun reiten aus Etzels Stabt zuhand Und meiner Straße fahren bis in der Reußen Land. Das wehrt mir nun nidt Ebel noch Dietrih von Bern, Mir mag e3 Niemand wehren von all den beunifchen Herrn.“ Als Helle das gewahrte, die Heunenkönigin, Daß er hinwegzufahren gedacht in feinem Sinn, Sie gieng zu dem Gefangnen und ſprach: „Was foll das fein, Daß du geharnifcht fteheft und fchauft fo kühnlich darein?“ Da gab ihr Dieirich Antwort, des Reußenkönigs Sohn: „Sch war bei den Heunen nun allzulange ſchon Und will zu diefer Stunde heimfahren in mein Reich.” Da ſprach Rothers Tochter vor Schreden zitternb und bleidh:
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206 Vierundzwanzigſtes Abenteuer. „So reiteft du von binnen unritterlich fürwahr ‚Und lohnſt es mir übel, daß ich bir gütig mar. Du weiſt mein Haupt und Leben für dich zu Pfand geftellt: Das läſt du dich nicht fümmern und ftürmft hinaus in die Welt. „Ob id) den Tod erleide, das gilt dir Alles gleich.“ Er ſprach: „Die Königstochter, die Königin reich, Mer thät ihr mas zu Leide? das wagt Herr Ebel nicht; Doch über Mid, erwart ich ihm hier, ergeht fein Gericht.“ Da gieng er in die Kammer, wo Dietrich lag von Bern Und frug, „ob er der Wunden genefen wär fo fern, Daß er wohl reiten möchte?" Da fprad Herr Dieterid: „Biel find meiner Wunden und übel fehmerzen fie mich. „Ich mag nicht gehn noch reiten.” Da gieng der Süngling kin Und nahm aus dem Stalle das ihm das beite fchien Bon Etzels Roſſen allen: das hatt er bald gezäumt, Gejattelt und gegürtet: da bejchritt ers ungefäumt. Noch einmal Sprach Frau Helle zu ihres Obeims Kind: „Run bleib, lieber Vetter; ich bin dir Hold gefinnt Und will nicht ruhn noch raften bis dich in Frieden läßt Mein Herr von binnen reiten: darauf vertraue bu feft. „Willſt du das nicht, fo haſt du des Lebens mich beraubt. Sch weiß fo grimm den Gatten, er nimmt mir dad Haupt.” Das war in Wind geredet, denn Dietrich blieb ihr taub. Er gab dem Roſs die Eporen und ritt davon mit dem Raub.
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Wie Tietrich der Reuße binwegritt. 207 Gar bitterlih zu meinen begann die Königin Und riß ihre Kleider entzwei und gieng dahin, Wo an ſchweren Wunden ber Berner Dietrich lag. „Web,“ jprach fie, „guter Degen, „das ift ein leidiger Tag! „Mein Haupt ift verfallen, wenn Ebel mieberfehrt, Wird mir nicht Rath und Hülfe von deiner Huld gewährt. Ich babe Dietrihen geheilt, des Neußen Sohn: Nun ift er fortgeritten, den Undanf hab ich zum Lohn. „Wie viel ich bitten mochte, er ließ fich nicht erflehn, Und wuſte doch zu Pfande für fi) mein Leben ftehn. Kommt nun König Ebel zurüd, jo iſts mein Tod, Es fei daß du mir belfeft in diefer grimmigen Noth.“ Zur Königin der Heunen , begann da Dieteridh: „Bar Recht ift dir geſchehen und herzlich freut es mich, Daß er dir übel lohnte, nachdem bu ihn gepflegt, Geftärkt mit Wannenbäbern, ihn wie ein Kind haft gebegt, „Ihm füße Lederbißen vom eignen Tiich gebracht Und Schmud und Kleinode gejendet golbner Pracht; Du baft ihm aud die Wunde geheilt mit eigner Hand. Zu Mir aber wurde die geringite Magd gejandt: „Die konnte mich nicht heilen, noch wollte fie es recht: Sie muſt allnächtlich liegen bei einem andern Knecht; Getreuen Aerztinnen iſt das nicht Sitte doc). Run find meine Wunden um die Hälfte fchlimmer nod) ME —— Mh
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208 Vierundzwanzigſtes Abenteuer. „Als da ich fie empfangen, denn faules Fleifch ıft drin; Dazu bin ich fo kraftlos und fieh, Frau Königin, Ich mag nicht gehn noch reiten, nod einen Mann beftehn. Auch hab ich euch nicht eher an meinem Lager gelehn „Als heute, Yrau, jo lange die Wunden trägt mein Leib.” Da jammerte und weinte Sönig Ebel Weib Und ftellte fih gar übel und ſchlug fih Stim und Bruſt; Daß er die Wahrheit fagte, war ihr leiber wohl bewuſt. Und wieder ſprach die Königin: „Herr Dietrich, frommer Held, Aller Männer edelfter und befter in der Welt, Sa, Weh fol mir gejcheben, und großes Unrecht wars, Daß ich dich nicht heilte vor dem Sohne Waldemars. „Sp möchteſt du mir helfen und lägft nicht hier fo krank; Auch hätt ih von dem Reußen nun nicht jo übeln Dant. Nun ift kein Mann zu finden in allem Heunenreich, Der mir helfen möchte, denn Seinen weiß man bir gleich. „Run nimmt ohne Gnade mein Haupt der König hin. Ich arme Rothers Tochter, unjelge Königin! In allen Landen fagen wird man mein grimmes Looß. D König Dietrih, wäret ihr eurer Wunden nun los! „Mir blieben Reich und Leben, wäret Ihr nun heil!“ Und alſo wiederholte fie ſtäts dasfelbe Theil Und fchrie und zerraufte die Kleider und das Haar, Und ſchlug fi an die Brüfte, daß es ein Oraun zu ſchauen war.
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Wie Dietrich der Reuße binmwegritt. 8209 Da rief König Dietrih, als er ihr Leib gejchaut: „Run bringt mir Rofs und Waffen!” Unb aber rief er laut: „Roſs und Waffen bringet und mein Eifenfleib: Zwei Dietriche kommen noch heut zufammen im Streit.” Er hub fih von dem Bette und fuhr in fein Gewand; Das Schwert hieß er gürten und nahm den Schildesrand. Der Falke ftand gefattelt: da ſchwang er fih empor Und ritt fo ſchnell er mochte, denn weit war Jener ihm vor. Und wie er ritt, den Wunden entjtrömte rothes Blut Und färbte Roſs und Waffen: er ſahs mit gleichem Muth Und gab dem Roſs die Sporen bis er den Ylüchtling fab. Als der ihn vermerkte, wie erjchraf der Reuße da! Er wollt ihm entreiten und fuhr dahin im Saus Und blieb dem Berner immer viel Klafter weit voraus; Mie gern er ihm entritte, gebrach ihm doch die Macht. Eo gieng e3 zwei Tage und eine monbhelle Nacht. Da Tamen fie in Ejthland vor jenes Ritters Schloß, Der einft des Kaiferfohnes® unfchuldig Blut vergoß. Er war ein Neffe Sibichs und aller Welt verhaßt; Dem that er eö zu Liebe, daß er erfchlug diefen Saft. Nun ftand auf dem Thurme des Schloßes eine Maid Und blidte von den Binnen; die Ausficht war ba meit. Sie hatt als er vorbeiritt den Jüngling wohl gewahrt Und weiblich ſich verivundert ob feiner eiligen Fahrt. Eimrod, dad Amelungenlieb. II. 14
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210 Vierundzwanzigſtes Abenteuer. Nun fah fie einen zweiten, den Dieterih von Bern, Der jenem ſchien zu folgen, und blieb ihm doch noch fern. Eie ftieg hinab und ftellte ſich an des Schloßes Thor. Da ritt heran der Berner und ſah die Jungfrau davor Und fragte: „Stob nicht eben ein Mann vorbei im Flug - Mit weißem Schild, und weiß war der Panzer, den er trug, Und ritt auf grauem Roſſe? Es war mein Gefell: Ich möcht ihm gerne folgen, doch er reitet allzujchnell.” Sie ſprach: „Hier ritt vorüber ein Mann wie du bejchriebit: Du muft ihn bald erfchauen, menn bu die Sporen giebit Und nicht jo läßig reiteft.”" Des Wortes ihn verdroß: Er ließ die Sporen Flirten: da ftob das windſchnelle Roſs. Nun ſah an feinem Harniſch die fromme Maid das Blut; Auch dauchte fie: „Bar zornig ift diefer Helb gemuth, Er will ihn wohl erjchlagen, den er fo baftig jagt: Nun mag mich gereuen, daß ich die Wahrheit gelagt.“ Da rief fie den Helden zurüd und fprady mit Liſt: „ende, guter Degen, ich jeh wie wund du bift, Du darfit fo fchnell nicht reiten: von Blut bift du fo roth. Nun laß dich verbinden von mir, es thut dir mohl Noth. „Du magft dann jchneller folgen dem Mann, der vor dir ritt: Und läft du dir nicht rathen, du bift des Lebens quitt.“ Da wollt aber Dietrich nicht foldhen Aufenthalt: Den Falken fpornt’ er wieder und fprengte fort in den Malt.
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Wie Dietrich der Reuße binwegritt. 211 Nun ziveifelte die Jungfrau nicht mehr, das ſchuf ihr Pein, Die beiden Ritter müften ingrimme Feinde fein, Und ſchwere Wunden tragen Der von bes Andern Hand: Sie gieng nicht von der Stelle bis fie die Wahrheit befand.
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Fünfundzwanzigſtes Abentener. Wie der Berner den reupijhen Dietrich erjchlug. Nun ritt der Eine Dietrich aus Kräften in den Tann, Und als er jah ven andern, da rief er ihn an: „Run wende, Degen, wende: fürwahr, ich bin dir holt; Sch will dir auch geben mein Silber all und mein Gold, Und Di zu Freundſchaft bringen mit Dem von Heunenlant.“ Da ſprach der Reuße Dietrich über den Echildesrand: „Bas bietet Gold und Silber mir doch mein böjer Feind? Ich bin dein Freund zu werden mit Nichten, wiße, gemeint. „Und wär e3 mir nicht Echande, du follteft nimmermehr Frau Helfen wiederſchauen, die Königin hebr. Nun reit hin und wiße mir deines Leben? Danf, Und deinen böfen Wunden: ich ertrage nicht den Geſtank.“ Da ſprach zu dem Neußen der Berner Dieterich: „Roc wende, guter Degen, das Roſs; befinne dich, Daß Flucht zu kleinem Ruhme dir dient vor aller Welt: Es hat ihr Haupt die Muhme für dich zu Pfante geitellt.
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Wie der Berner den reußifchen Dietrich erfchlug. 9213 „Sie wird audy gerne helfen mit mir, das glaube feft, Daß did der Heunenlönig in Frieden reiten läßt, Und gute Freundfchaft ftiften mit dir und dem Gemabl.” Da ſprach was er geiprodhen des Reußen Sohn das andre Mal. „Wohlan,“ rief der Berner, „wenn bu bich fo bebenfit, Daß du un Gold und Silber gen Heunenlanb nicht Ienfit, Auch nicht um deine Muhme und Lebenäretterin, Und zieht dich eigne Ehre und deine Stamm nicht bahın, „So fteig nun vom Roſſe und miß die Kraft mit mir In offnem Streit, fonft ſag ih, es it Tein Herz in dir, Und folft ein Neiding beißen binfort vor Jedermann: Pie wäre ber ein Degen, ber mir aus Teigheit entrann? „Aud wird dein Roſs ermüden, das nicht von Dija fiel, Und Falle wirds erreiten, er bringt es an bas Biel. Auf der Flucht erihlagen mie ein ent|prungner Dieb Wird nimmer wadern Männern dann bein Name wieber lieb.“ Als ſolche Worte hörte Dietrich des Reußen Eohn, Er dauchte vor dem Berner fi ſchon zu lang geflohn: Er wollte wahrlich ftreiten und nimmer fliehen mehr, Wuſt er fein Verderben auch ohne Zweifel vorher. Da Iprangen von den Rofien die Degen Tampfbereit Und traten zufammen und fochten grimmen Streit. Der Haß war gewaltig, der fie zufammen trug; Auch fielen ſchwerer Streihe auf Helm und Haldberg genug;
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214 Fünfundzwanzigſtes Abenteuer. Do, fchlugen fie nicht Wunden, noch Iodten fie das Blut, Das fchirmende Geſchmeide war Beiden allzüugut. Zuerſt hieb der Berner den Reußen übel wund; Doch der vergalt es wieder, daß großer Schaden entſtund. Das mehrte noch ihr Zürnen und beider Kämpfer Grimm. Da wurden ihre Wunden an Bruſt und Stirne ſchlimm, Aus Helm und Ringen ſpritzte ber blutrothe Bach; Des achtete doch Keiner und Keiner fühlte ſich ſchwach. Doch Dietrih hatte Wunden ſchon viel dahin gebracht, Ihm mocht im Arm gebrecdhen die fonft gewohnte Macht. Da ſetzt' er vor die Füße den Echild und rubte fich; Sich ruht’ am Schilde lehnend auch der Reuße Dieterich. Da brach zuerjt das Echweigen den Ermenrich vertrieb: _ „Du Freund und Namensbruder, mir auch als Blutsfreund Lieb, Kehr um an meiner Eeite zu König Etzels Stadt, So will ih dazu helfen, daß der Strieg ein Ende bat, „Der Reuße mit dem Heunen binfort in Frieden lebt. Und fo der Heunenkönig der Sühne wiberftrebt, So nehm ich meine Waffen und reite fort mit dir Mit meinen Mannen allen: fieh, das gelob ich dir hier.“ So fprad der Held und wandte doch nicht des Reußen Sinn. „Du bringft mich lebend,” ſprach er, „nicht zu den Heunen bin.“ Da mufte wieder ftreiten der vielverjuchte Held, Der doch den Frieden liebte mehr ald ein Mann in der Welt.
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Wie der Berner den reußifchen Dietrich erfchlug. 215 Er ſprach: „Sch möchte weinen, daß bu fo ftörrifch bift; Nun muß ich dich erfchlagen, da hilft mir feine Lift: Die Königin der Heunen erläßt mir nicht die Notb; Des mag ich ihr wohl zürnen, die mird fo übel erbot. „Run muft du's wohl entgelten, daß bu mid) zmwingft zum Streit; Ich hatte Blut vergoßen genug, es tft mir leid, Muß ich denn immer fechten, jo nimm deinen Edhilb; Ich will auch nicht mehr fragen wer meines Unmuths entgilt.“ Da traten fie zufammen noch einmal, diefe Zwei, Sich ſchwere Streihe mwägend, und Seiner fuhr vorbei. Der Berner mar im Zorne, gewaltig holt! er aus Und ſchwang nach dem Reußen das Schwert mit Ichallendem Saus. Das traf ihn rechts am Halfe, daß links das Haupt entfuhr Und weit im Sande blinfte die blutige Epur. Da trug zu feinem Roſſe der Held des Feindes Haupt; Daß er fo grimmig wäre, ich hätt es nimmer geglaubt. An feine Eattelriemen knüpft' er es noch warm. Er ſprach: „Nun magjt du ftillen der Königin Harm. Eie war in des Vetters milchweißes Kinn vergafft: Warum denn entiprangft du fo fehnell der zärtlichen Haft? „Muß ich nun botenlaufen für ein verliebtes Paar, Daß fie fi) wiederſehen, das ärgert mich fürwahr! Eo will ih mid rächen und will ihr vor den Fuß Des Milchbarts Antlig werfen: fie verbient wohl foldhen Gruß.”
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216 Fünfundzwanzigftes Abenteuer. Da ſaß er zu Roſſe und ritt aus dem Wald Und wieder zu dem Schloße, der Jungfrau Aufenthalt. No Stand fie an dem Thore als harre fie nur fein. Da fielen feine Wunven, die nun vermehrten, ihm ein, Die fie verbinden mollte, wie fie fich felbft erbot. Er ſprach: „Wollt ihr mir helfen, es thut mir jego Notb.“ Da freute fi die Gute und Iub ihn in dad Haus, Er trat hinein und käme nicht mehr lebendig heraus, Wär nicht mit ihm Frau Sälde, die ihn bewacht und ſchützt. Er trat empor die Etiege, auf Eckeſachs geitügt, So matt vom Kampfe war er und dem verlornen Blut. Eie mocht e3 wohl gewahren und ſprach: „Nun fitet und ruht; „Ich will das Nofs beforgen.” Nicht lang befann er fid: Das Haupt, dieweil fie fäumte, des Reußen Dieterich Derbarg er unterm Helme, daß es nicht fäh die Maid. Schon fam zurüd die Jungfrau, ihn zu verbinden bereit. Wie fie das verfuchte, da flob des Bluts fo viel Bon feinen tiefen Wunden, es war fein Kinderfpiel. Sie dachte: „Nun gelobt! ih was ich nicht leiften fann: Mir untern Händen fterben wird der verbauene Mann.” Mit Noth hielt auf den Füßen fich die erjchrodne Magd. Sie dadt: „Er muß es büßen, wenn mir die Kraft verfagt. Mir darf fein Schwindel fommen: ermorden würd ich ihn. Ihm ift die Kraft benommen, ver jo löwenmüthig ſchien.
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Die der Berner den reußiſchen Dietrich erfchlug. 917 „Ich fah auch einen Löwen auf feinem Schild gemalt; Wär er ein Amelunge, fo hätt er nicht gepralt: Den Leun auf weißem Schilde trug Rother auch, mein Ahn, Als er um Melias Tochter die fühne Heerfahrt gethan. „Er ift mir eingefchlummert, fein Blut gelaßner rinnt. Wieviel der tiefen Wunden can feinem Leibe find! Der neuen und ber alten: wer bat die fo verſäumt? Dem möcht ich wohl fluden; doch horch, er redet und träumt: „Hier haft bu deinen Buhlen, Heunenkönigin: Nun geh und heil ihn wieder." Epricht er aus irrem Sinn? Iſt Wahrheit in dem Traume? Iſts Helle, die er ſchmält? Wen hat ſich meine Muhme zu einem Buhlen erwählt? „Ich darf ihn nicht eriweden, und fragt ihn doch fo gern, Und muß aud Kunde fagen Saben meinem Herrn Was für ein Gaft gelommen, der über Nacht verweilt; Denn heut darf er nicht reiten, nicht bis ich ganz ihn geheilt.” Da wuſch fie ibm die Wunden, und guter Salbe ftrid) Sie auf mit zartem Finger, legte jäuberlich Das weiße Linnen drüber, zuletzt ein weiches Band, Die auf die Kunft der Aerzte ich wie die Muhme veritand. Als fie ihm ganz verbunden, der Held noch immer chlief, Da mufte fie zu Saben, der fie zum Eaale rief. Der frug: „Wer ift der Fremde, den du im Zimmer haft?“ Sie ſprach: „Er ift verwundet; noch nannte nicht fih der Gaſt.“ —
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218 Fünfundzwanzigſtes Abenteuer. „Ich will den Namen mwißen.” „Ich frag ihn, menn er wacht. Und wollt ihr ihn bebalten,” frug fie, „über Nacht? Er ift zu ſchwach zu reiten.” — „Wenn du den Namen jagft, Werd ich dir Anmwort melden, ob bu ihn berbergen magſt.“ Sie gieng zurüd und fah ibn erwacht nady kurzer Beit. Sie ſprach: „Sch muß euch fragen tie ihr geheißen Jeib. Herr Saben, mein Gebieter, fragte mid) darnach. hr müßt die Nacht verweilen; zum Reiten ſeid ihr zu ſchwach.“ Cr ſprach: „ES wird ſchon Abend, drum blieb’ ich gerne bier; Mer aber ift der Saben, der Kunde beifcht von mir?“ Sie ſprach: „Der Herr des Haufes; ihm dient auch diejes Land, Die Liefen und bie Ehſten gehorchen weit feiner Hand.” Als das der Berner hörte, zuerft bedacht’ er ſich: „Wenn es Saben beißet, im Zweifel find ich mich, Ob ich von meinem Namen die Wahrheit jagen foll. Denn einem Saben trag ih von Alters grimmigen Groll, „Der mir den nahen Blutöfreund verrätherifch erfchlug, Ermrichs Eohn Friedrih; es war mir leid genug. Doch wiß, ich heiße Dietrih, Dietmard Sohn von Bern, Das leugn ich vor Niemand; du geb und meld es dem Herm.“ Sie fah ihn an erfhroden: fie wufte, mit dem Tod, Wenn Eaben es vernähme, wär ihrem Freund gebrobt. Doc gieng fie nad) dem Eanle und fprad: „Er redet im: Vom Echmerz feiner Wunden find ihm alle Einne wirr.
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Wie der Berner den reußiſchen Dietrich erfchlug. 219 „So Tonnt id nicht erfragen wie er geheißen ift; Drum thut jo wohl und gönnet mir noch bis morgen Frift.“ Er ſprach: „ES ift der Berner, fein Roſs verrieth es mir: Der ſei uns willfommen, ich behalt ihn gerne bier. „Es wär mit joldem Gaſte wohl jedes Haus geehrt: Nun heiß ihn wohl verpflegen, daß er fich nicht beſchwert.“ Mit dem Beicheide hieß er die Jungfrau von fich gehn. Sie dacht: „Und wenn ich traute, um fein Leben wärs gefchehn.” Da gieng fie bin und warnt’ ihn. „Man ift euch hier nicht holt. Obgleich Herr Saben günnet, daß ihr hier bleiben follt, Eo fürdt ich doch, er thut es, weil er euch Arges finnt.” Da ſprach der Held von Berne: „Du bift ein ängftliches Kind, „Doch hüt ich meines Lebens: drum geb und forge nid. Tas auch geicheh, ich gebe dir morgen wohl Bericht.” Da mufte fie ihn laßen und fügte ſich zur Ruh. Doc fand fie nicht den Echlummer, Fein Auge jchloß ſich ihr zu. Derweil hatte Saben auf Mein und Mord gedadit: Er Tieß feine Mannen entbieten in der Nadıt. Und fprad: „Uns ift gelommen ein Gaft, der Unheil droht: Er wird an uns rächen des nahen Blutfreundes Tod. „Run rathet, ob wir Sühne ihm bieten für den Freund, Db wir ihn auch erjchlagen. Wir Tönnens leicht noch heunt: Er ſchläft und fieht an Wunden.” Da ſprach die meifte Zahl: „So laßt ihn nicht gefunden: er erjchlüg uns allzumal.”
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Schenndzwanzigftes Abentener. Wie Saben, Sibih3 Blutsfreund, bezwungen wart. Vom Streiten müd, ermattet von Wunden lag und fchlief Der Berner ohne Sorgen; fein Schlaf war feft und tief. Da trat ihm an das Lager bebhelmter Männer Schar, Sein Antlit Ted beleuchtend: die Fackeln zeigten es Ilar. Da fahn fie, er wär es, und fürdhteten fich nicht, Db groß und ungeheuer erjchien des Manns Gefidt. Scharfe Schwerter wurden nad, feiner Bruft gezüdt ; Und ſchon wär den Argen die grimme Morbtbat geglüdt, Da wacht’ er auf und faßte nad Edefadhs dem Schwert; Er batt es fih zur Seite gelegt, daß er bewehrt Im Haus des Yeindes fchliefe. So kam ihm nun zu Gut Der Jungfrau Rath; er dachte daran mit freudigem Muth. Auf fprang er von dem Bette und ftellte fi) zur Wehr: Da ſah er, feiner Feinde mar fdhier ein halbes Heer; Dem Stand er gegenüber allein, der Ringe bloß, Des Helmes und des Schildes und ſcheute ſich nicht Haares groß.
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Wie Eaten, Sibichs Blutöfreund, bezwungen ward. 991 Die Roth gab ihm Stärke; noch nicht gerechter Zorn. Er dachte Gotlindens: das war ihm ftäts ein Sporn; Der Maid au, die ihm geftern der Wunden Brand geftillt. Das hatt auch einft Sotlinde: da verſchwamm ihm Beiber Bild. Eo Stand er vor ten Schächern gedankenvoll, der Held, Dem Löwen gleich, wenn geifernd um ihn die Meute bellt. Er wehrt fie ab, doch braucht er nicht aller feiner Macht, Erft wenn er Wunden fpüret, wird er in Unmuth gebradt. Nicht lang doch möcht ed währen, jo mwürb er übel mund, Da ihn zu beiden Eeiten der Mörder Echar umſtund. Zwar ſchlug er Manchen nieder, der fich nicht mehr erhob; Sein fcharfes Sachs verdiente ſich heut das meltfunde Lob. Da fah er einen Ritter, nicht ragend von Geſtalt, Bon golvhellen Locken den Halsberg ummallt: Der jchlug auf feine Feinde und fiel fie hinten an. Da der ihm Hülfe brachte, ta war ihm Liebes gethan. Sih wandt ein Theil und ſchwenkte die Waffen wider Ihn, Der bier fo unvermutbet ihr Gegner erfchien. So kam ind Gebränge der Tühne junge Mann; Der Berner muft ihm belfen, als er zu weichen begann. Da that fih auf die Thüre und wieder brachen ein Bewehrter Männer Sieben bei neuer Fackeln Schein. Wem kamen Die zu helfen? find fie Verräthern hold? Nein, fie ftehn zu Senem, dem das Haar vom Helme roflt.
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222 Sechsundzwanzigſtes Abenteuer. Noch war der Kampf gar ungleih; zuſammen bielten neun Wider andre breißig; doch muſt es bie gereun. "Gar berrli ließ erklingen Dietrich das alte Sachs; Da ftritt auch verwegen Der mit dem wallenden Flachs. Wie Manchen fie da neigten, ber fich zuviel erfedt! Der Eſtrich war mit Leihen und Blut überbedt. Schon ward die Notte lichter, die da für Saben ftritt, Da Einer um den Andern auf die Duabern niederglitt. Etliche Jah man fliehen; doch in die Thüre trat Der fieben Ritter Einer und fperrte jebt den Pfad. Dem widerrieth es Dietrih, ihm mar der Morb ein Graun. Er ſprach: „Dem fliehnden Feinde fol man goldne Brüden baun.“ Da ftand vor den Siegern Saben bald allein. „Lapt Mir ihn,“ rief Dietrih, „die Rache, bie iſt mein. Sprich, willit du dich ergeben? vielleicht wird bir verziehn.“ Er ſprach: „Ich wär ein Echurfe mie die Schelme, die da fliehn.” Da focht mit ihm der Berner und that ihm Stärke fund: Wie grimmig er ſich wehrte, doch fank er todeswund Und wand ſich ihm zu Füßen: fo muft er den Verrath Des Kaiferfohnes büßen und mandje niedrige That. Man fah die Echäcer alle gefallen und entflohn; Da Sprach zu den Gefährten Dietrid, Dietmard Sohn: „Run gehn wir zu dem Saale. Wir waten bier im Blut, Das eure Kraft vergoßen und euer herrlicher Muth.
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Vie Eaben, Sibichs Blutöfreund, bezwungen ward. 9293 „Ich möcht auch gerne wißen wem ich verpflichtet bin; Daß ich das Leben babe, euch dank ich den Gewinn.“ Eie folgten ihm und zeigten auch bald ihr Angeficht. Es waren edle Männer; allein er Tannte fie nidt. Doch als das Haupt entblößte Der mit dem Lockenhaar, Da war ed Die ihn Beilte, die fchöne Jungfrau Ilar. Eie ward auch von den Andern als Königin gegrüßt, Für die fie die Treue fo lang im Kerker gebüßt, Bis heute fie erlöfte daraus die kühne Maid, Als Dietrih Hülfe braudte im ungleiden Streit. Denn als zu ihrem Bette der Echall ver Waffen drang, Entwandte fie den Schlüßel zu dem Zwinger, der fie zwang, Hieß fie, ihm beizufpringen, und eilte jelbit voran. Die Degen alle rühmten mas eine Maid gethan. Auch Dietrich muft ihr danfen, die geftern ihn verband Und heut ala Siegsgenoßin vor dem Berwunderten ftand. Da wurde groß die Freude, da fie erledigt ftehn, Die lang im Thurmverliefe nicht Eonn und Mond gejehn. Man bört’ auch vor der Veſte mit Jubel weit umher, Berreit ſei'n die Fürſten und der Räuber lebe nicht mehr. Doch ſah man an Dietrih, dab ihm das Blut entlief: Der Kampf hatt ihm erfchloßen die alten Wunden tief. Da eilt’ ihn zu verbinden die Königin auf? Neu; Sie trug auch felber Wunden; doch die verjchwieg ihre Treu.
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224 Sechsundzwanzigſtes Abenteuer. Nun warfen fie die Tobten aus dem Schlafgemach. Da befann des Feindes fich Dieterich und fpradh: „Nur laßt mir unkbegraben ein beimbebedtes Haupt, Das ich zur Stelle bradte; einem NReußen hab ichs geraubt „Und bring ed zum Gefchenfe der Heunenkönigin.” | „Jun jagt mir,“ ſprach die Jungfrau, „fo lieb als ich euch bin, Warum fo grimme Gabe Frau Hellen doch gebührt?” Da muſt er Alles melden was ihn gen Eſthland geführt. Eie ſprach: „Wenn ihr mich liebet, fo tragt ihr keinen Groll: Sie ift meine Muhme und aller Güte voll.“ Als das der Berner hörte, verwundert' er fich ſehr. „Ei,“ ſprach der Held, „fo jagt mir von eurer Sippe doch mehr. „Auch wollt ich längſt erfragen ie ihr geheißen ſeid.“ Sie ſprach: „Man beißt mich Herrat, die elende Maid, Weil ich der Heimat darbte, da bier mid Saben hielt; Nun wird fie mir wohl wieder, ba er das Spiel bat verjpielt. „Bertha die adlige hieß Die mich gebar, Die König Rother Tochter und Helles Schweſter war. Nentivin war mein Pater, dem Rother Liefland gab; Doch Eaben verrieth ihn und nahm das Fahnlehn ihm ab. „Bon Drtnit, Nothers Neffen, hatt er der Eftben Land: Dem fiel er ab und ftredte nach Liefland auch die Hand. Da dacht er mich zu freien und bot mir, die er ftabl, Die Kronen; doch mifsfiel mir diefer Räuber zum Gemabl.”
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Wie Saben, Sibichs Blutsfreund, bezwungen ward. 995 „Und Tieß das König Drinit geſchehen,“ frug der Held, „Daß er geraubt die Länder, und ihm den Freund gefällt? Er hätt ihn rächen müßen, der doch dein Blutsfreund iſt.“ — „Wär Drtnit noch am Leben! Mich wundert, daß ihr nicht wißt, „Wie ihn ein Wurm erftidte, den er beftand im Sturm: Da trug ihn in die Felswand der ungeheure Wurm, Und bracht ihn feinen Jungen; die fogen ihm das Blut Durch Panzer und durh Ringe: das zu rächen wäre gut. „Da ftünde zu Lohne der Wilinge Reich Und Sibrat die fchöne, der feme Wittwe gleich. Der Lohn, hat mir geträumet, ſei Euch zugedacht.“ Da Sprach der Held von Berne: „Mir träumt’ e8 nicht diefe Nacht, „Daß, die mich pflegt und beilet, dazu mir freundlich blickt, So gern ind Verberben, in fihern Tod mid fchickt; Doch ift nicht wohl beratben, der fih an Träume ftört. Sch will Fein Land erwerben als Bern, das mir mit Recht gehört, „Mnd brauche feine Hausfrau, bevor ich das erwarb. Doch, dächt ich and Freien, ſeitdem Gotlinde ftarb, So müfte fie euch gleihen wie Ihr Gotlinden gleicht, Dbmohl ihre Güte, Die mir übel räth, nicht erreicht.” Sie fprad: „EB ift der Glauben in Wilingenland, Der Wurm werde fallen von eines Dietrich Hand, Der Holmgarb erwerbe. Nun ift der Dietrich tobt, Der Holmgarb follt ererben; ihr jelber fchuft ihm die Noth. Simrod, bad Amelungenlied. III. 15
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26 Sehöunbgiwanzigfied Abenteuer. „So dent ih, daß Euch Holmgard zu winnen ift beftimmt, Und aud von Euern Händen der Wurm ein Ende nimmt, Der alle Lande mwüftet, die Rother einft bezwang. Ihr ſeid ein Helb, und keinem gelingt es, wenn es euch mifßlang.“ So ſprach fie, und erregte des Helden Kampfbegier. Da Bub er an: „Ich fehe, ihr duldet mich nicht hier; So laßt mi Urlaub haben. Vielleicht ift mir verhängt, Daß ich den Wurm erlege, ber die Wilinge bebrängt. „Doch wenn ich das vollbrachte und dann mit Ortnits Macht Und Sidrats die Reußen bezwang in mander Schlacht,“ Darf ih dann wiederkehren und werbet ihr mir hold?“ „Das bin ich ſchon,“ verſetzt fie, „wie bie Greifen find bem Gold: „Doch fangen eud die Nomen Fein ſolches Wiegenlieb, Daß Herrat euch foll werden eh ihr gen Welichland zieht. Wenn ihr den Drachen fchluget, ob ihr da Sibrat freit, Ob ihr im Stillen lieber gebenkt ber elenden Maid, „So kommt zurüd: das werde das erfte Wieberfehn: So geb ih euch Liefland, mein Erbe, zu Zehn, Und Efthland giebt euch Sidrat und giebt ein Heer zugleich: So mögt ihr Holmgarb zwingen und all das reußifche Reich. „Iſt euch auch das gelungen, bin ich es dann noch werth, Daß ihre mich abzuholen zu diefen Reichen ehrt, So will ich euch begleiten in König Etzels Land, Daß ich die Muhme Schaue: die ift mir noch unbelannt.
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Wie Saben, Sibichs Blutsfreund, bezwungen warb. 997 „Doch ſeh ich das im Geifte, Ahr werdet Sibrat frein. Euch bleibt jedoch nicht Iange die liebe Baſe mein: Ihr follt fie früh verlieren mie einft Gotelind; Ich aber werd euch bleiben bis ihr die Heimat gewinnt.“ Da ſprach der Held von Berne: „Nun gebt ihr beßern Troft; Ich bin euh um die Weigerung nun nicht mehr fo erboft. Es wird ſich bald erweifen ob ihr die Wahrheit fchaut.“ Da ſchied er von den Efthen und von ber fünftigen Braut. — Wie er mit Drachen Tämpfte und Holmgarb bezwang, Davon ift viel gefungen in andrer Sänger Sang; Es find verworrne Lieder, die Niemand fchlichten Tann. Sn Heunland trefit ihr wieder den oft befungenen Mann.
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Siebenundzwanzigftes Abentener. Wie Dietrih nad Heunland zurückkehrte. Da war in großen Sorgen der alte Hildebrand, Als er den lieben Herren in Etzels Stabt nicht fand, Und auch aus Helles Munde nicht andre Kund erfuhr Als daß er fortgeritten ſei auf des Reußen Dietrih Epur. -Sie ftand in Nöthen felber, die eble Königin; Daß er nicht wieberlehrte, das bracht ihr Ungewinn. Sie bat den guten Meiftr: „Nun fahrt und fucht ihn auf; Und bringt ihr ihn nicht wieder, fo zahl ich theuer ven Kauf.” Der Alte ſprach und zümte: „Sch weiß euch übeln Dant, Das ihr hinaus geſendet ihn habt fo fiech und Trank. Er mochte ja vor Schmerzen zwei Schritt weit nicht gehn: Mie folt er denn reiten und den Teden Süngling beftehn? „Kun ſchickt ihre Ihn zu ſuchen auch mich in alle Welt; Ich will euch jeßt fchon jagen: erichlagen ift der Held. Sch find ihn unbegraben vielleiht am öden Rain, Da füttert er die Raben, bie Sonne börrt fein Geben.“
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Wie Dietrich nach Heunland zurückkehrte. 229 So ritt er im Unmuth nad dem verloren Herrn. Da fah er Staub fi heben und Waffen bligen fern, Unb wie er näher ftapfte, da ritt vorauf dem Troſs Mit other Helmzierde ein Helb auf zeltendem Rofs. An Hilbegrein gemahnt’ ihn des Karfuntels Licht. „Denn e8 fein Sieger wäre, der Nach entgieng’ er nicht. Gr ift fo weit den Andern vorauf, ich reit ihn an Und ftech ihn aus dem Sattel, bevor die Helfer ihm nahn. „E83 mag fein Zweifel bleiben, der Hildegrein ift das. Sie mögen mid, erfchlagen, entgalt er meinen Haß.” Da ſenkt er die Lanze und mahnt fein Roſs, den Leun, Und zielt ihm nach dem Schilde, der den Herrn ihm ſchlug, den getreun. Er dacht ihn abzuſtechen, doch eh er ſichs verſah, Lag er ſelbſt im Graſe, dem tiefen Graben nah. „Du darfft dich nicht beklagen,“ ſprach Der ihm ſitzen blieb, „Der ohne Widerfagen mich überfielft wie ein Dieb. „a3 that ich dir zu Leide? ſteh auf und gieb dich fund.” Es währt’ aber lange bis er vom Gras erftund. Doc Iannt’ er an der Stimme den vielgeliebten Herrn. Er ſprach: „Ich wollt euch rächen: da feib ihr felbft Der von Bern ! „Jun fehmerzt mich nicht die Schande, da ihr am Leben feib Und ledig eurer Wunden: geſchwunden ift mein Leib! Schon dacht ich, unbegraben lägt ihr am öden Rain, Und füttertet die Raben, die Sonne dörrt’ eur Gebein.”
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230 Eiebenundzwanzigfied Abenteuer. Der Berner mufte laden: „Bilt du es, treue Haut? Wie hätt ich folde Sachen dem Meifter zugetraut? Dem Feind zu widerſagen baft bu mich ftät3 ermahnt; Zeit wärs, dir hätte felber die Weisheit endlich gezahnt. „Run nimm es bir zur Lehre und ſprich ein ander Mal, So hebt man dich nicht wieder von deinem Roſs zu Thal, Doch jett gieb mir Kunde: mie ftebtö im Heunenland ? Iſt Helle noch am Leben? oder nahm ſich Edel fein Pfand?" Da ſprach der gute Meiftr: „Er kam in großem Zom Aus Reußenland, und hatte viel Ebre da verlorn. Hier wollt er fih erholen am Sohne Walbemars, Mit ihm fih Sühn erlaufen; ſchier die legte Hoffnung wars. „Da fand er ihn entritten und traf auch euch nicht bier: Unfinnig tobt’ er, vecht wie ein wildes Thier. Ich war noch nicht zurüde; doch fagt es mir fein Weib; Der wollt er ohne Gnade nehmen Leben und Leib, „Und litten es die Heunen, fie wäre heute tobt. Doc wehrten ſie's und fpradhen: „hr wüthet ohne Noth. Den Reußen bringt euch wieder der Berner Dieterich: Er bat es ihr verheißen: alſo hält ers ficherlich. „„Todt oder lebend fchafft er ihn mwieber ber.“ Da muft er Aufichub geben, erit einen Tag, dann mehr, Nun Wochen gar und Monden; da war fein Zorn verraudt. Sch boff, ihr bringt ihn wieder, daß fie keine Friſt mehr braudt.
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Die Dietrich nad) Heunland zurückkehrte. 231 „Beim kleinſten Anlaß wackelt ihr immer ſonſt der Kopf, Denn jähzornig iſt er, ob ſonſt ein guter Tropf.“ Er ſprach: „Ich wollt ihn bringen, allein ich that es nicht. Doch gieb von deiner Heerfahrt mir jetzt genauern Bericht. „Wie iſt es euch ergangen, ſag an, in Reußenland?“ „Gar übel iſts ergangen,“ begann da Hildebrand. „Ihr habt mich oft berichtet, der König Etzel ſei Im Kriegswerk erfahren und heldenmüthig dabei. „Doch dünkt er mich Fein Degen noch ftreitbarer Mann: Ich ſeh ihn für feige und fluchtfertig an, Denn als es bei den Reußen mit König Waldemar Zum Streite kam und eben der Sturm am bärteften war, „Daß wir gewiſs gedachten, wir würden Ehre viel Und große Kriegäbeute gewinnen bei dem Spiel, Da gab er ſich and Laufen tie ein verzagter Hund, Cin beulender, fein Banner nachſchleifend über den Grund „Und zog vom Feld fi) Binterbrein das ganze Heunenheer. Da fpornt’ ich deine Mannen zu mutbiger Wehr Und gieng noch durch die Feinde zu dreien Malen frei. Es war der gute Rüdiger, der Markgraf, auch mit dabei, „Und wohl ein Taufend Reußen erjchlugen wir noch ba, Als man den Heunenkönig fchon längft geflohen fah. Nun kam mit weißen Haaren ein Graf von Griechenland, Der Bruder König Waldemars; er ift Ilias genannt.
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2323 Siebenundzwanzigſtes Akenteuer. „Mit feiner Sperftange der altgreife Held, Hob er mich aus dem Sattel und warf mich weit ind Feld; Und Dem von Bechelaren magſt du das immerdar Gedenken, daß er jetzo mir half und mein Erretter war. „Er brachte mir den Löwen zurüd, mein treues Roſs, Und ward mein Begleiter alsdann und Fluchtgenoß. Und Schimpf und Unfteg beibes erwarb uns dieſe Yahrt Nah Reußenland, weil Etel fo gern fich fürdhtet und fpart. „Ein Andermal erzähl ih wohl mehr von diefem Bug.“ Da fprach der Held von Berne: „Du haft mir jchon genug Gefagt von diejer Reife, Hilbrand: fie taugt nicht viel, Noch auch dein Schluß, der eben auch mir vom Sattel noch fiel. „Du muft wohl übel fiten und gar nicht bügelfeft, Daß dich fo weite Eprünge die Lanze machen läßt. Doc fieh dich um, erfennft du den alten Mann wohl dort, Sp weiß wie eine Taube?" Der Meifter kannt ihn fofort: „Es iſt Ilias der Grieche! Wie bringt ihr den hieher?“ Der Berner ſprach: „Sei ruhig, er trägt jeßt leinen Sper. Und kennſt du auch den Anbern, der ihm zur Seite fährt? Auch ſchon ergraut, doch tapfrer noch als jein Bruder bewährt.“ „Der Meifter rief: „So ift e8 der König Walbemar. Was bringt ihr uns für Bäfte! Ihr überfallt wohl gar Mit veußifchen Heere Herrn Etzels Ingeſind, Und wart, als ich binwegritt, doch noch gut beunifch gejinnt.“
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Wie Dietrich nach Heunland zurüdlehrte. 233 „Das bin ich auch geblieben,” entgegnet Der von Bern. „Es Iommen zum Beſuche nur ber die alten Herm, Und ehren beim, wenn Etzel fie nicht mehr haben mag. Hier kommen auch zwei Frauen: die fahft bu nie vor diefem Tag. „Sie heißen Königinnen und find auch ſchön und gut. Geſteh nun unverhboblen, tie wäre dir zu Muth, Wenn fie dich beide liebten und ließen bir die Wahl?“ Der Meifter ſprach: „Da ſchüfe die Wahl mir doppelte Dual. „Ich will unverworren mit ihnen beiden jein: Mir ift Frau Ute lieber als eine von den Zwein.“ Da Sprach der Helb: „Sch ſehe, du bift vor rauen fcheu Wie wilden Ebern: bleib denn deiner Alten getreu Und reit fort zu Ekeln und meld und bei ihm an, Daß er und wohl empfange mit Helfen dort in Gran. Und rath ihm, daß er Alplern fogleih nah Dfen jchidt, Und fein Gemahl: es taugt nicht, wenn fie Waldemar erblidt. „Das Herz würd ihm bluten: das vermieb ich gern. Mer Sühne denkt zu fliften, der halt Exrbittrung fern.“ Das that der gute Meifter wie ihm fein Herr gebot. Er kam vor König Ebel athemlos, vor Freude roth. „Da tft der Berner wieder!“ Frau Helle ſtand babei. „Und bringt er mir den Reußen, daß er willlommen ſei?“ Der Meifter ſprach: „Ich weiß nicht; er bringt euch Waldemar Und Ilias den Griechen und zwei Königinnen Har.
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234 Siebenundzwanzigſtes Abenteuer. „Er bittet, daß ihr Alpkern fogleich nach Dfen ſchickt, Und fein Gemahl, eb beive Herr Waldemar erblidt. Er will bier Sühne ftiften, drum wär ihm Zürnen leib. Er wär auch gern empfangen von euch mit ſchönem Geleit.“ — Da ritt ihm entgegen mit Elingendem Spiel Herr Ebel, und Frau Helle mit fchöner Frauen viel. Nach dem erften Gruße begann von Bern der Held: „Ihr ſchicktet mich, Frau Helle, gar weit umher in der Melt. „Doch konnt ich ihm nicht bringen, dem ihr mich nachgeſandt. Nun forg’ ich ftäts, euch mahne Herr Etzel um fein Pfand, Drum hab ich euch zu Bürgen die Herren berbemüht. Ihr werdet fie nicht würgen: fie find von euerm Geblüt. „Und eine diefer Frauen ift eurer Schwefter Kind; Die andre will mich freien: ich weiß nicht ift fie blind. Molt ihre nun Ehe ftiften und Frieden biefen Herrn, Eo gebt und zwei zufammen, wenn mir Welfchland wird und Bern. „Der Frauen ſchönſter Namen ift Yriebeweberin: Den mebt dieſen Fürften: das ziert euch, Königin.“ Frau Helfe ſprach: „hr vebet in Räthſeln, kühner Mann: Mer ift nun bier zugegen, ber den Haft mir löfen Tann?“ Da ſprach zu der Frauen der König Waldemar: „Er bringt und gefangen: das macht die Rede Har. Mir müßen Frieden Taufen, wenn ihr uns fühnen wollt, Mit Burgen und mit Städten, dazu mit Silber und Gold.
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Wie Dietrich nach Heunland zurückkehrte. 235 „Er bringt euch aud die Kronen von Wilingenland, Die Liefen und die Eitben bat er euch zugewandt. Er brad mit ihrem Heere in Reußlands Marken ein; Ihm ward der Sieg: wir müßen nun bier Gefangene fein.“ Da war in Heunland Freubel der Berner fam zu Huld. Wohl ſchämte fih Frau Helle und bat ihm ab die Schuld, Daß fie der Helden fühnften fo übel erſt berieth. Von beiden Dietrichen ift bier zu Ende das Lieb,
Die Rabenschlacht
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Erftes Abentener, Wie Frau Hellen träumte, Die Todeslooße fallen mer weiß auf teilen Haupt. Drum ſchaffe Wer zu ſchaffen hat eh es die Norne raubt. Tu Freundin Dpins, ſchöpfe und reiche mir den Trank: Die Zeiten kommen wieder, da fie und wißen den Dank. Früh an einem Morgen, es ſchien noch nicht der Tag, Zräumte Grau Helen, wie fie bei Etzeln lag, D weh ber leiven Märe, die ihr der Traum beſchied! Wie ein wilder Drache in ihre Kammer gerietb. Er durchbrach mit Kräften der Kemenate Dad, Und nahm ihr wider Willen, fie war ber Wehr zu ſchwach, Die lieben Söhne beide von ihres Lagers Ruh. Einer breiten Haide führte fie der Drache zu. Sie ließ nicht aus den Augen was ben Kindern geſchah: Da mujte fie erfchauen, ein Greif zerriß fie da. Bor Leid das Herz erkrachte der Heunenlönigin, Gar unjanft fie erwachte, ihre Freude war dahin.
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240 Erſtes Abenteuer. Sie follt es all erleben was ihr der Traum verbieß, Als fie die lieben Söhne Dietrichen ließ, - Mit ibm gen Bern zu ziehen: lebendig nimmermebr Sah fie die Kinder wieder, die reichen Könige bebr. Als fie am Morgen traurig am Webeſtuhle ſaß, Bei ihren Dienftfrauen des Traumes nicht vergaß, Da trat zu ihrem Saale von Bern Herr Dieteri: Sie gieng ihm entgegen und empfieng ihn minniglid. Die güldne Schale brachten die Frauen ihr zum Wein, Die reichte fie dem Fürſten und ſchenkt' ihm felber ein. „Willkommen, edler Degen, fit ber und thut Befcheid, Und fchaltet über Alles; mir find euch bienftlih bereit.“ Und fürber fpradd die Gute zu dem erlauditen Mann; Er war in trübem Muthe, das fah fie ihm wohl an: „Herr, babt ihr ein Gewerbe bei mir, das thut una Fund, . Der bringt ihr neue Märe? die hör ich gern aus euerm Munt.” Da war aber Dietrih des Harmes aljo voll, Aus beiden feinen Augen die heiße Zähre quoll. „rau, ein Gewerbe hab ih und Feine neue Mär: Die Märe, die ich melde, vie ift fchon alt und laftet ſchwer.
„sch gedente nun mit Sorgen, das liegt mir ſtäts im Sinn, Mie ih aus meinem Reiche bieber vertrieben bin, Da ih räumen muſte die gute Stabt zu Bern, Die mir mit Necht gehorchte: wie lange bin ich ihr fern!
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Bie Frau Hellen träumte. 941 Zwanzig Winter miff ih nun fchier Lampartenland Und muß im Elend leben geächtet und verbannt. Das will ich euch lagen und allem Heunenheer, Daß laut der Jammer fchalle; ich trag es länger nicht mehr!” Da ſprach zu dem Helden Frau Helle milbiglid: „Wohl find das ftarle Mären, vielebler Dieterich, Der ihr da gedenket, und nicht ein Wunder ift, Wenn es das Herz euch kränket, das fchwer des Glückes vergißt. „Ihr feid auch nun bei Etzeln geweſen manches Jahr, Und habt ihm große Dienſte geleiſtet, das iſt wahr, Zum Ruhm und zur Herſchaft uns weiten Weg gebahnt, Und oft ward euch verheißen wes eure Klage mich mahnt. „Wir konnten es nicht leiſten, von Kriege giengs zu Krieg; Doch wollt ihr jetzt verſuchen, da uns das Heerhorn ſchwieg, Das Erbe zu erſtreiten und lieber Heimat Heerd, So würd euch unbillig der Heunen Hülfe verwehrt. „Ich ſelbſt will euch zu ſteuern hier nicht die letzte ſein, Ich will euch zu der Reiſe zehnhundert Reiter leihn; Auch wird euch Siebenbürgen zu meiner Nichte Hand. Ich will auch Etzeln bitten, daß er euch hilft in euer Land.“ Sie hub ſich von dem Sitze und nahm ihr Oberkleid Und gieng zu dem König in Des von Bern Geleit. Da ſaß im Saal Herr Etzel bei manchem werthen Mann; Er hieß ſie zu ihm ſitzen eh ſie zu reden begann. Simrock, das Amelungenlied. III. 16
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242 Erſtes Abenteuer. Da ſprach fie zu dem König: „Hier ift Herr Dieterich Seined alten Leives mahnt er heute mich, Wie ihn aus feinem Reiche Ermenrich verftieß, Und wie er Bern und Raben, die guten Burgen, verließ, „Und al fein Land Lamparten um den Gartenfee, Der Väter liebes Erbe; es thut ihm billig weh. Nun will er heimfahren und ftreiten um fein Neid), Menn Ihr dazu ibm belfet: das ſäh eurer Milde glei. „Er ift nun bier im Elend geweſen lange Zeit Und bat um uns beftanden viel fährlichen Streit, Mit Ländern und mit Burgen der Heunen Reich gemehtt, Und große Macht verdankt ihr feinem Arm und feinem Schwert. „Des ſollt ihr ihm gedenken, ver fich bei Feiner Fahrt In Streiten oder Stürmen nur Einen Tag geipart, Und follt ein Heer ihm geben, daß er fih rächen mag An feinen übeln Feinden und erfchaun der Heimkehr Tag.“ Der Heunenlönig hörte die Bitte zorniglich, Da ihn rau Helle mahnte für König Dieterich. Er ſprach: „Wenn unfre Hülfe der Berner begehrt, Mas fpricht er nicht felber? der Bitte wär ich doch werth. „Bedarf er Fürſprache mie ein unmündig Sind Und ſucht fie bei den Frauen, die felbft unmünbig find? Oder will er feine Hülfe, wir bieten fie denn an? Wenn er das erwartet, das dünkt mich übel gethan.“
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Die Frau Helfen träumte. 243 Da ſprach Frau Helle wieder: „Es mag der Held von Bern Wohl felber für fih reden und Hochmuth ift ihm fern; Nur daß fein Anliegen fänd ein geneigter Ohr Als wenn er felber fprähe, nahm Ich zu reben mir vor. „sch felber ihm zu fteuern mill nicht die lebte fein, Und will ihm zu der Reife zehnhundert Ritter leihn; Auch wird ihm Siebenbürgen zu meiner Nichte Hand. Nun thut auch Ihr ein Gleiches, fo kommt er wohl in fein Land.” Da fprad König Ebel: „Gemahl, ihr redet wahr, Es ift bei und Herr Dietrih geweſen manches Yahr, Unb bat mit weiten Landen der Heunen Reich gemehrt, Und große Macht verdank ich feinem Arm und feinem Schwert. „Und wohl ift es billig, wenn wir behülflich find, Daß er endlich wieder Lampartenland gewinnt. Und weil ihr für ihn redet, dieweil er felber ſchweigt, Bin ich ihm zu willfahren nur um fo lieber geneigt. „Run babt ihr ihm geliehen zehnbunbert Ritter ftarf, Dazu will ih ihm geben den Hüter meiner Mark Und zwanzighundert Ritter in voller Eifenwehr ; Die bringt aus Bechelaren der getreue Rüdiger. „Und wenn von Steier Dietleib dem Berner helfen will, Daß er zu Lande kehre, fo fchweig ich gerne ftill. Es ift ihm fo gewogen, er läßt die Fahrt nur ſchwer. So dünkt mich wohlberathben Dietrich mit beunifchem Heer.“
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244 Erſtes Abenteuer. Da ſprach zu König Ebel von Bern der eble Helb: „Es ift nun fo ergangen wie ich mir borgeftellt, Es würd ein Wort mir frommen ber edeln Königin, Und hr mir gerne gönnen der lieben Heimat Gewinn. „Ihr habt mir viel verheißen und großen Lohn gewährt, Des will ich ſtäts gedenken weil mir das Leben währt, _ Und will euch Heil erbitten und Gottes Huld erflehn, Und immer fol in Ehren euer großes Reich beſtehn.“
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Zweites Abentener. Wie rau Helfe die Kinder Dietrihen befahl. Der Berner wurde freudig, als man ihn fo berieth. Da ſchuf an nichts fo fleißig in Heunenland ein Schmied Als an Helm und Harniſch und andrer Eifenmwehr, Und mander edle Knappe nahm das Schwert in Ebel Heer. Die Eättel zu den Roſſen wurden auch bereit Und Zeuge viel verfchnitten zu Wappenrod und Kleid. Die lühnen Notbgeftalten gebahrten freubiglidh, Die dem Berner helfen follten wider Ermenrid). Wie mancher zu ber Neife ſich willig erbot Aus heuniſcher Marlel Da hub fi große Noth. Man muſte Jammer fchauen um manchen edeln Knecht: Es weinten edle Frauen: das war auch billig und redt. Da giengen die Söhne der Königin zuband Dahin mit großem Sammer, wo man Frau Helle fank. Sie Hub fih entgegen den Kindern wohlgemuth: Im mütterlihen Herzen mar fie ten Sünglingen gut.
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246 | Zweites Abenteuer. Sie küſste fie lieblih auf ihren rothen Mund: „Was feh ich euch trauern, ihr Zwei? das thut mir fund.“ «Ach gnad uns, liebe Mutter," ſprach zum Erften Drt, „Hier jeh ich leider Niemand, der für und redet ein Wort. „Wir möchten gerne bitten,“ ſprach Jung Scharf zu ihr, „Mit Herrn Dietrichen zu fahren wünfchen wir Gen römischen Landen: wir fähen gar fo gem, Don der er ift gebeißen, feine gute Stabt zu Bern. „Ah Frau und liebe Mutter, erfleht den Vater mein, Mag es wie ich wähne mit euern Hulben fein, Daß er und die Reife vergönne: weh, dahin Fahren die Verwandten nun all mit freudigem Sinn. „Die gebt und zu Hütern, fo bat es nicht Gefahr: Wir wollen ihnen treulid geborchen immerdar. Und follen wir nicht ftreiten, fo fehn wir doch das Heer Und fehn vielleicht die Feinde: das ergebt und Alles ſehr.“ Frau Helle ſah mit Trauern die lieben Kinder an; Zu den jungen Königen wie gütlich fie begann: „Ihr hättet die Bitte wohl mir zu Lieb geipart: So kindiſche Sitte wie geziemt fie hoher Art? „An euren Augen hängen mit Angft der Völler viel: Man fol fie forglich hüten vor frübem Todesziel. Drum fchlagt aus dem Sinne fo tböricht Begehr: Kämet ihr von binnen, ich erſäh euch nimmermehr.
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Wie Frau Helle die Kinder Dietrichen befahl. o 247 „Mir gebenkt leiver Märe, die mir beichied ein Traum: Es brad ein wilder Drade in meiner Kammer Raum Und riß euch von der Seite mir ba ich lag und fchlief. Es mochte mir nicht helfen wieviel ich jammert und rief. „Ich ließ nicht aus ben Augen tie euch geihah Gewalt: Auf einer breiten Haide zerriß ein Greif euch bald. Bor Leid das Herz erkrachte mir armen Königin. Drum ſprecht mir nicht von Berne: ich laß euch nimmer dahin. „Wie gern euch auf der Reife behüten allezeit Etzels kühne Reden, doc, kommt ed an den Streit, So werdet ihr vergeßen; ein Jeder denkt an fi: So miüftet ihr fterben, und web, wer tröftete mich?“ „Das jolt ihr nicht beforgen, liebe Mutter mein. Bei Nacht und bei Tage tollen wir immer fein Ber Dietrich dem König: ber nimmt und wohl in Hut, Das dürft ihr fiher glauben, vieledle Königin gut.“ Ueber diefer Rede kam Ebel auch beran Und brachte den Berner der Frauen mwohlgethan. Da fah er in Trauer bie lieben Söhne ftehn. Er dacht in feinem Sinne: Was ift den Kindern geſchehn?“ Da ſprach die Wohlgethane dem Könige zu: „Ebel, deine Eöhne laßen mir nicht Rub; Sie möchten mit dem Heere gen Lampartenland. Das wirft du nicht erlauben: mir wärs zum Leibe gewandt.“
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248, Zweites Abenteuer. „Das wird mein Wille nimmer, daß fie gen Welſchland ziehn, Mit meinem Nathe kommen die Kinder nicht dahin. Mas fällt euch ein, ihr beive? das ift ein dummer Muth, Das habt euch zum Beſcheide; es bekäm euch nimmer gut.” Da fprach mit trübem Sinne Drt der junge Anab: „Etel, edler König, wir laßen nimmer ab. Wir mögen bier nicht bleiben; nun laß der Hut uns frei. Von unfern Gefpielen find fo viel andre babei: „Da ift Herzog Nubung, viel älter nicht ala wir, Und Diether der junge! die läßt man auch nicht bier. Wohin fi) die getrauen, da ſcheuen wir und nicht: Wir mögen und wohl mehren, bes hab ich gute Zuverſicht.“ „Redet was ihr mollet, es kann doch nicht gefchehn. Was ihr immer ſprechet, ich laß es nicht ergehn. Geſchäh euch was zu Leibe, in Treun, ed wär mein Tod, Ihr Lieben Söhne beide: darum erlaßt mir die Noth.” Da ſprach der Vogt von Berne: „Bertraut die Kinder mir, Sie tragen zu der Reife fo jehnliche Begier. Ich will fie wohl bewahren mit meinen Helven gut Sn allen Gefahren, daß ihnen Niemand Leides thut.“ Etzel der reiche jprach zu dem Vogt von Bern: „Ich fürchte Sibichs Räthe, drum laß ich fie nicht gern. Er wendet alle Sinne, wenn er bie Rinder fieht, Zu ihrem Ungewinne bis er die armen verrieth.
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Mie Frau Helle bie Kinder Dietrichen befehl. . 249 „An des Kaiſers Söhnen hat er das befcheint, Und an den Harlungen: er ift den Kindern feind : Und was mir an den Söhnen geſchäh, das Meinfte Leid, Sch könnt es nicht verivinden, es wär meine jüngfte Zeit.“ \ „Uns kann nichts geicheben,“ ſprach Dirt ber junge Held, „Ich getraue manchem Degen, der uns im Auge hält. Wehrt ihr ung die Reife, Vater, König gut, So feht ihr und Kinder nie mehr mit fröhlihem Muth.” Mit weinenden Augen Frau Helfe fprach zuletzt, Da ihr mit Bitten lange no die Söhne zugefeßt: „D web, König Ebel, Weigern hilft nicht mehr, Die lieben Kinder mahnen um die Yahrt uns allzufehr. b . * Bu _ mM. 777 ui Beam e. „Laß fie denn reiten, da fie darauf beitehn, Und eile zu befenden die Freund in beinem Lehn. Befiebl die lieben Kinder vor ihnen allzumal Dem Herren Dietrihen: es bleibt dir fonft feine Wahl. „Mir nahen grimme Schmerzen, wenn ichs gewähren fol; Laßt ihr nicht ab, und werben noch oft die Augen voll.“ „Wie es fich füge,” Sprach der König hehr, „Wir müßen es bereuen, Gemahl, das feh ich vorher.“ 3 “N i „Nun laßt von den Eorgen,” ſprach Herr Ort zuband, „Warum euch betrüben? es ift nicht fo beivandt. Wir wollen uns wohl hüten, daß wir den Feinden nicht Allzunahe kommen: dem vertraut mit Zuverſicht.“
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250 Zweites Abenteuer. Die Königin mit Zühten zu Dietrihen ſprach: „Dietrich, edler König, nun richte dich danadı: Wir befehlen dir die Kinder, ich und der König gut, Auf deine Lieb und Treue: laß fie nicht aus deiner Hut.“ Der Berner ſprach: „Und wollt ihr die Kinder mir vertraum, hr follt fie bei den Heunen bald fröhlich wiederſchaun. Das habt auf meine Treue, vielevle Königin, Ihr dürft e8 nicht bereuen, es bringt euch nicht Ungewinn.“ Da ließ mit reihem Golde die Königin hehr Fünfhundert Säumer laden. Das fiel ihr nicht fchwer, Srau Helle that es geme. Zur Steuer all das Gold Gab fie dem Vogt von Berne, daß er ihr treu wär und holt. Als ſich der Berner des Goldes unterivand, Urlaub von der Königin der Rede nahm zuband. Er neigt’ ihr wohlgezogen, und all den Fraun zugleich, Da er fahren follte fich zu eritreiten fein Reich. Als es nun an ein Echeiden von den Kindern gieng, Mit ihren weißen Armen Yrau Helle fie umfieng, Die lieben Eöhne beide. Der Frauen wurde bang; Sie erfah fie leider auch nicht wieter lebenslang. Da rief fie ihren Pflegling, den jungen Diether, Er war Dietrih& Bruder und felbft ein König hehr. Sie fieng ihn in die Arme und küſst' ihn auf den Mund: „Don dir auch ſoll ich ſcheiden, das fällt mir fchwer, in diefer Stunt.
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Wie Frau Helle die Ainder Dietrichen befahl. „sch babe dich gezogen von SKindesbeinen an, . Und mar dir ftätö gewogen, das wiße fonder Wahn, Wie den eignen Söhnen, die dir Gefpielen find: Das magft du nun mir lohnen, da eure Reife beginnt. „Ich Tonnte fie nicht menden von diefer Heeresfahrt: Sch will fie bir befehlen, fo find fie wohl bewahrt. hr wart euch hold einander und ſeid fchier ebenalt, Drum folgen fie dir geme; du übft gelinde Gewalt. „Run nimm fie getreulid, Dietber, in beine Hut, Daß ihnen von den Feinden Niemand ein Leides thut. Ich könnt es nie verfchmerzen, noch auch der König behr; Sie Tiegen una im Herzen, bring fie gefunb wieder ber.“ Da ſprach der junge Diether: „Nun forgt nicht, Königin, Sie kommen fröhlidy wieder, des ich euch Bürge bin. Mas ihnen Leids geſchähe, das geichäb auch mir; Ohne die Gefpielen ſäht ihr mich nie wieder bier.“ Da ließ fie ihm bringen ein Kleid von lauterm Stahl, Dazu den Helm, mit Steinen geziert und golbnem Mal. Sie reicht” ihm auch von Silber den feiten Schildesrand, Darauf in rothem Golde der gefrönte Löwe ftand. Da gieng rau Helle felber mit den Kindern hin Bis an des Hofes Ende, die reiche Königin. Sie faßen auf; man modte wohl großen Jammer fchaun, Als fie noch einmal küſsten ihre Mutter und die Fraun. 251
Ti u... — 3 i 1.
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. 25% . Zweites Abenteuer. Da ritten hin die Kinder gen Welfchland. freubenvoll, Die jungen Weigande, die man erfchlagen foll. Thäten fie fo weife und mieden folde Fahrt! Verflucht fei die Reife, die würde beßer gefpart. Der weinenden Blide viel da noch gefchab, Als nad den lieben Eöhnen die Königin ſah. Was half es, daß fie fpäbte? fie ſchwanden ihr zu ſchnell: Aus thränenvollen Augen ſah fie auch bald nicht mehr hell. „O weh fie find entſchwunden! mann foll ich fie nun fehn? D wär bieß Leid verwunden!” Das Tonnte nicht geſchehn. Man fah nie wieder laden die edle Königin: Sn ihrem Traum der Drache bracht ihr ſolchen Ungewinn.
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Drittes Abentener. Wie fie die Kinder zu Bern ließen. Nun fuhr gen Bechelaren der Berner mit dem Heer: Da Tam ihm zugezogen Markgraf Nüdiger Mit zwanzig hundert Nittern, und manden fühnen Mann Aus Salzburg und Steier führte Dietlieb ihm heran. Da nun das Hochgebirge bejchritt Herr Dieterich, Da ließ er widerfagen dem Kaiſer Ermenrich. Die fchnellen Boten fuhren und ruhten Nacht noch Tag, Bis daß fie Rom erreichten, wo der arge Kaifer lag. Der Hände wie der Füße lag er da beraubt, Und wär ihm Erp erjchienen, gebräch ihm auch das Haupt. Man rollt’ ihn mit dem Bette - auf Walzen bin unb ber, Und bei ihm faß der Marfhall und Iachte feiner Beſchwer. Da ſprach der Boten Sprecher: „Herr Kaifer Ermenridh, Du bift ein Verräther an König Dieterich. Das ſollſt du nun entgelten, da er mit Heeresmacht Aus Heunland kommt gezogen: darum rüfte bald zur Echlacht.
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BE Sun 25 GL 254 Drittes Abenteuer. „Er und fein Bruber Diether gedenken nun ihr Leid Zu rächen an euch beiden, bie ihr Verräther feib. Marſchall, falſcher Sibih, hie bift du auch gemeint: Du rietbft ihn aus dem Lande, drum ilt der Berner bir fein). „Es kann nun geichehen, daB du's entgelten muft, Wie du die Amelungen verbarbft mit arger Luft: Zuerſt des Kaiſers Eöhne, die nächſten Freunde dann, Zulett den Kaifer jelber, der nur geftümpft dir entrann. „Doch Schlägt die Untreue nun bald den eignen Herrn. Euch fo zu warnen jendet und ber der Vogt von Bern, Und offnen Krieg zu fünden: er will fi} in fein Land Nicht ftehlen, nein er heiſcht es mit gebietender Hand. „Er ftebt auch mit dem Heere fchon auf des Landes Marl, Das Etel ihm gegeben, viel taufend Fähnlein tar. Nun ſeht euch vor, und Sibih, ward je dir Ehre lieb, Eo ſteh ihm kampflich Rede, den deine Tüde vertrieb.” Da ſolche Zeitung hörte der Kaifer Ermenrich, Er jprach zu dem Marſchall: „Du guter Sibich, Nicht zürne diefen Boten, die dich fo ſchwer verklagt, Nein, lohn es ihnen herrlich, daß und Märe wird gefagt. „Mit Roflen und mit Kleidern begnabet laß fie ziehn Und unfre Yreundichaft haben. Mögen immerhin Die ftolzgen Heunen fommen: wir fürdhten fie nicht mehr, Da fo voraus vermelbet uns naht das wenige Heer.“
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Wie fie die Kinder zu Bern ließen. 255 Da ſchickt' er ihm zurüde Die Dieterich gefandt, Und fandte felber Boten über all fein Land, Dag ihm zu Hülfe kämen die Mannen alfobald, Und Wehr und Waffen nähmen; fie wären jung oder alt.
Drei Tag und brei Nächte gieng das Aufgebot Umber im weiten Yande. Beim vierten Morgenroth Sah man vor Rom gefammelt ein Heer ſchier ungezäblt; Man jah an fcchzehn taufend kühner Ritter augerwählt. Mit ftaılen Hornbogen zogen fie zum Streit, Dazu in Schwarzen Helmen und blanfem Eiſenkleid. Des ganzen Heered Bormann follte Wittich fein, Wielands Eohn, des Echmiebes; ver gab ſich ungern barein. Er ſprach zu dem Kaifer: „Ein mädtig Heer geichart Hab ich in kurzen Tagen und tvenig Müh gefpart. Sie find auch alle freudig zu ftreiten wo e3 gilt, Ob fie wider Etzel oder Dietrich heben den Edhild. „sch felber will nicht Tämpfen wiber Den von Bern, Noch Dietber, feinen Bruder. Ich dien euch anders gern; Wider eure Neffen thu ich euch feinen Schlag: Nehmt mir all mein Zehen, es gilt mir gleich, noch dieſen Tag.“ Da ſprach zu dem Kühnen der Kaiſer Ermenrich: „Sch weiß nicht wer mir fagte, doch arg betrog er mich, In allen Mannheitswerken ſei Wittich erprobt, Er hab auch feinen Göttern vor mandhem Jahre gelobt,
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956 Tritte Abenteuer. „Eich keiner That zu weigern und feines Kampfs fortan: Merd es ihm angemuthet, So fteh er feinen Mann. Yun muß ich heut erleben, daß er fih nicht getraut Den Berner zu beitehben, weil vor Eckeſachs ihm graut.” — „Redet was ihr wollet, der Berner ift mir wertb. Er ift auch euer Neffe, drum meidet ihn mein Schwert, Und feiner Feigheit willen,“ ſprach des Echmiedes Eohn, „Das hab ich wohl erwiefen, denn einft beftand ich ihn fchon. „Ich will auch Frieden geben tem jungen Diether; Wohin ihr fonft mich fendet, wider Rüdiger Dber Den von Steier, da weigr ich nicht den Streit. Ich bin auch ein Drittel des Heers zu führen bereit, „Doch nimmermehr das ganze; ſonſt bräch ich meine Treu: Die iſt zu Dietmard Eohne mir alle Tage neu. Wir reichten und die Hände "und ſchwuren Brüberfchaft: Der Bund bat lang gehalten und hält wohl ewig die Kraft.“ Der Kaiſer ſprach verbroßen: „Es brädt uns nicht Gewinn Ob wir hier länger ftritten mit deinem Cigenfinn. Willſt du lieber dienen als ſelbſt Gebieter fein, Eo habe deinen Willen, doch jcheint der Vortheil mir Hein. „Sibih unfer Marihall hat oft das Heer geführt, Der führe heute wieder ben Stab, wie ihm gebührt; Und du gehorch ihm, Wittih, mas immer er gebeut, Und laß uns Feine Klage vernehmen, wenn es bich reut.
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Wie fie bie Kinder zu Bern ließen. 257 „Reinald von Mailand, fei du der dritte Mann Du warft mir ſtäts wilfährig was ich noch je begann. Gehorch auch du dem Marſchall und folge feinem Glüd: Bei uns ift die Stärke: fo kehrt mir fiegreich zurüd.” — Wir wenden mit den Boten und heim zu Dem von Bern: Der ftand fchon der Veſte, von der er hieß, nicht fern. Man war ihm da gewogen und Wehrte ſich nicht viel: Er zog nach breien Tagen hinein mit Elingendem Spiel. Wohl groß war feine Freude, da er die Stabt geivann; Doch hatt er eine Sorge, die lag dem Berner an. Der Hochfahrt und des Schalles, ber all die Menge pflag, Mocht er nur halb genießen, die Sorge trübt’ ihm den Tag. Da fäumte fi nicht lange der bochgelobte Mann, Er hieß zu Hofe bringen die Herrn in feinem Bann. Er ſprach: „Ihr lieben Freunde, nun rathet allzumal, Wie thun wir mit den Kindern, die uns Herr Ebel befahl? „Dieweil das Heer zum Streite von Bern gen Raben zieht, Wie berg ich fie vor Feinden, daß ihnen nichts gefchieht ? So theuerm Pfand wo finden Mir die gefreite Statt, Hier oder in Bologna, der zinnenglänzenden Stadt?“ Da Sprach von Steier Dietleib, der Degen hochgemuth: „Edler Vogt von Berne, fo weiß ich was ihr thut. Ich und diefe Reden, wir rathen all zugleich: Laßet bier zu Berne die jungen Könige reich. Simrod, das Amelungenlied. III. 17
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258 Drittes Abenteuer. „Was auch mit ung ergebe, fie find bier wohl bewahrt, Wir haben feine Sorge um fie, wohin ihr fahrt, Bor Bern oder Raben: man ift euch bier jo hold, Man lieft euch in den Augen mas ihr gebenft ober wollt.” Da ſprach ver Vogt von Berne: „Das ift ein guter Natb, Ich will ihm folgen gerne, Dietleib, mit der That. Nun rathet aber weiter, er fol ihr Hüter fein? Sie bedürfen eines Pflegerd, fie mögen jonft nicht gebeihn.“ „Ilſan der ſtarke,“ ſprach Rüdiger der Held, „Das iſt der beſte Hüter, den ihr dazu beſtellt. Der pflegt fie wohl mit Ehren bis daß ihr mwieberfehrt; Ich weiß, er wird es leiften, wenn ihr es wünſcht und begehrt.“ Da Sprach der Held von Berne zu dem ftarlen Mann: „Willſt du fie mir behüten, getreuer Ilſan? Mein Leben, Gut und Ehre befehl ich heute bir Sn diefen Kindern beiden: nichts fo Liebes weiß ich mir. „Auf deine Pfliht und Treue laß dir befoblen fein,“ Mahnt’ er ihn aufs Neue, „die jungen Fürften mein. Mein Heil und meine Wonne jei dir anvertraut: Wohl nie hat die Sonne So werthe Pfänder gejchaut. „Die halt in ftrenger Pflege: Hier innen und babor Sperr ihnen Weg und Stege; laß fie nit aus dem Thor Auf Felder noch auf Straßen, daß Keiner bir entflieht: Du muft dein Leben laßen, fo ihnen Leides gefchieht.
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Wie fie die Kinder zu Bern ließen. 259 „Eo tödt ich dich in Treuen mit meiner eignen Hand: Dein Leben für das ihre jtellft du mir zu Pfand. Ich darf fie dir nicht laßen als mit dem Bebing, Die ich auf meine Seele von der Königin empfieng. „Ilſan, an den Kindern hängt deines Herren Looß. Noch einmal in das Elend gieng’ ich nadt und bloß Eh ich verlieren möchte die lieben jungen Herrn; Ich wollt aufs Neich verzichten und fähe nie wieder Bern.” „Ich will fie wohl behüten,” ſprach der ftarfe Mann, „Der jungen Fürften pfleg ih jo gut ich immer kann: Dem dürft ihr wohl vertrauen. Erlebt' ih nur die Zeit, Da wir euch wiederſchauen gefund und heil aus dem Streit!” Da wandte fi) zu Diethern Dietrich mit dem Wort: „Bruder, edler König, ihr folltet mit uns fort, Das Reich eritreiten helfen, das Euch gehört und Mir; Doc ohne den Geſpielen balt ich die Kinder nicht hier. „So bleib auch Du und wahre fie in getreuer Hut; Gedenke, dir befahl fie die. Königin gut. Du bift in gleichen Jahren, ein wenig älter nur, Drum folgen fie dir gerne wie ich es oftmals erfuhr. „Run pflege mir die Kinder, lieber Bruder bu, Und laß fie nicht von binnen, gieb es nimmer zu. Menn fie Schaben nähmen, der wäre mein und dein, Vergeben müft und ſchwinden all unfer Heil und Gebeihn.
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260 Drittes Abenteuer. „Unverzagter Ilſan, nun vertrau ich Dir Zu Frau Helfens Kindern den reichen König bier, Dietber den jungen, den lieben Bruber mein: Auf deine Pflicht und Treue laß ihn bir befoblen fein. „Betreuer Mann, gedenfe an beines Herren Leid, Und was id} hab erlitten im Elend all die Zeit. In beine Hände leg ich mein allerbeftes Pfand: Das hüte wohl, ich Iohn es dereinſt mit Leuten und Land. „Käme dir die Märe, daß ich die Schlacht verlor,“ Sprach der Bogt von Berne, „fo büte Wal und Thor, Held, vor unjern Feinden, und bleibe treu dem Herrn: Laß nit aus deiner Pflege dieſe gute Stabt zu Bern. „Pflege guter Sinne, Freund, ih warne did. Belagert euch hier inne der Kaifer Ermenrich, So folge meiner Lehre und gieb die Stadt ihm nicht: Gedenke deiner Eide und wahre ſtandhaft die Pflicht. „Hörft du Jemand fagen, daß ich erfchlagen wär,“ Sprad der Vogt von Berne, „jo glaube nicht der Mär, Er will dich nur betrügen, der mehr gelogen hat: Laß dir mit eitel Lügen nicht abgewinnen die Stadt.” Dit Züchten fprah da Slfan: „Herr, fagt mir ohne Groll, Und laß mich recht vernehmen vie ich mich halten fol: Wenn ihr, was Gott verhüte, nun doch im Streit verbürbt, So fehr es mich mühte, was follt ich thun, wenn ihr ftürbt?‘
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Wie fie die Kinder zu Bern ließen. 261 „Des will ich. dich beſcheiden,“ ſprach Herr Dieterich. „Bär es daß ich fiele,“ fprach er tugendlich, „Jedennoch räume Seinem die gute Stadt zu Bern: Du follit fie Diethern wahren .oder Ebeln meinem Herrn. „Die Stadt und die Kinder gieb in feine Hand, Sch weiß,” fprach der Kühne „wird es ihm befannt, Er kommt euch zu entjeßen um feine Söhne ber; Er wird des Leids ergeßen auch meinen Bruder Diether.” „So thu id, König, gerne,“ fprad Herr Ilſan, „Es wird die Stadt zu Berne dann Ebeln unterthan. Do will ich Gott vertrauen, daß er euch Sieg verleiht, hr follt fie felber bauen,” fprach der Held, „noch lange Zeit.” Frau Hellens junge Söhne fprangen da herein: Daß fie verbleiben follten, das fchuf den Knaben Bein. Sie wären doch jo gerne gefahren mit dem Heer. Mer mochte fie da tröften in ihres Herzen? Beſchwer? Nüdiger der milde, der kühne Markmann, Sah mit großem Kummer die lieben Herren an. Er bätte gern gejänftet den Beiden Herz und Muth: „D weh, ihr jungen Könige, daß ihr jo jämmerlich thut!” Da fprach mit großem Leide Scharf, der Degen zier: „O weh, ihr fühnen Helden, verlaßt ihr uns bier! Des mögen wir wohl lagen in unferd Herzen! Noth: Wann ſehen wir und wieder! das wehrt vielleicht uns der Tod.
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Zu u —— — 262 Drittes Abenteuer. „O weh der großen Schmerzen, die mich heut beſtehn! Wie wird meinem Herzen, muß ich euch ſcheiden ſehn Dahin zu dem Streite und darf nicht mit euch ſein, Und darf euch nicht helfen: das iſt zu grimmige Pein!“ „Wir jehen euch nicht wieder,“ rief Ort ber junge Held. So geſchah es leider! zu Raben auf dem Feld, Da liegen fie begraben beide, Ort und Scharf, Zu Naben auf der Haide, mo fie Wittich niederwarf. „hr dürft nicht verzagen, ihr reihen Könge behr, Laßt euer großes Klagen,” ſprach da Rüdiger, „Ihr ſollt ung wiederſchauen hier in der Stabt zu Bern, Des mögt ihr Gott vertrauen, es ift die Stunde nicht fern.” Die Königsföhne küſſte der milde Markmann; Es muft ihn wohl erbarmen, ſah er die Kinder an. Sie durften billig weinen, das gab fein Herz ihm fund. Hier ſollten fie fi ſcheiden: er ſah fie nie mehr gefund. Dielleib von Steier gieng zu den Kindern hin; Er dachte fie zu tröften mit minniglihem Sinn: Da trübten fi) die Augen ihm felbft, dem ftarfen Mann; Er fehämte fich der Thräne, die ihm auf die Wange rann. Er ſprach jedoch: „Gedenket, ihr beiden Könge hehr, Was ihr verheißen habet, und weint nicht ſo ſehr; Wes euch die Mutter mahnte, da ſie von euch ſchied, Ihr kläglich Händewinden, da ſie zuletzt euch berieth.
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Wie fie die Kinder zu Bern ließen. 263 „Das follt ihr nicht vergeben, und wie fie nach euch ſah, Als ihr von dem Scheiben fo großes Leid gefchah. Es ſchwanden ihr die Sinne; in Unfräften lag Die hochgelobte Königin al die Nacht bis an den Tag.” Auch der Vogt von Berne gieng zu den Kindern hin, Er ſprach mit trüben Augen und mit betrübterm Sinn: „Gehabt euch wohl, ihr beide,“ Iprach er jammersreich, „Behüt euch Gott vor Leide, und dich, mein Bruder, zugleich.“ Sie fpradhen: „Der behüte auch euch, Herr Dieterich.” Die heißen Zähren fielen ben Dreien ficherlich Bon den Augen nieder auf Händ und Gewand. Sie ſahen fich nicht wieder: jo war e3 leider bewandt.
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TEE Biertes Abentener. Wie Hildebrand auf die Warte ritt. Als Dietrich mit dem Heere von Bern gen Raben zog, Bernahm er ftarle Märe, die ihm entgegen flog. „hr zieht zu Spät vor Raben, das nehmt ihr nicht fo bald, Die Stadt feit dreien Tagen ift in des Marſchalls Gewalt.” Bor Leid begann zu ſchwitzen von Bern ber König behr. „So wolln wir fie umfißen”, ſprach da Rüdiger. „Denn er fi vor die Thore nicht wagt in ofine Schlacht, Gebricht ihm dann die Mannheit oder mangelt er der Macht?“ — „Richt mangelt er der Mannheit, auch fehlt die Macht ihm nicht. Er bat euch zu beſtehen gar gute Zuverficht. Bei ihm ift Herzog Wittih, des Schmiebes fühner Sohn, Mit ſechzehntauſend Reden: damit beiteht er euch fchon.“ Da trieb zu fchneller Reife fein Bol der Berner an, Sie fuhren jo gefchwinde: eb Sibich ſich befann Zegten fie fich nieder bei Raben vor dem Thal. Der Schade, den fie thaten, wurde groß und breit zumal.
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Wie Hildebrand auf die Warte ritt. 265 Sibich der Marſchall erhob der Stimme Kraft, Den Knechten zu gebieten und aller Nitterfchait: „Wohlauf, und wehrt der Vefte, es ift nun hohe Zeit: Da liegen ſchon die Gäfte ber Etabt zu fchaben bereit. „sh will mich nicht verliegen Hinter Wal und Thurm, Wir mögen fie befiegen da draußen wohl im Sturm.“ Da wurden aufgefchlagen Hütten und Gegelt Am Abend vor den Thoren und die Wachen ausgeftellt. Die Sonne gieng zu Gnaben, des Tages Schimmer fchwand, Da trat aus Dietrich8 Zelte der alte Hildebrand: Der Warte follt er pflegen, der graue Helb allein. Da fie nun meiftens fchliefen und der Mond verbarg ben Schein, Da hieß er für ſich machen ber lieben Schwefter Kind, Wolfhart der fühnen, und ritt hinab geſchwind Das jähe Thal, zu ſchauen wer jenjeits bielte Wacht. Da kam ein Held geritten, und fo dunkel war die Nacht, Sie ſahn fi nicht einander bis Nofs das Roſs vernahm. „Wer bift du,” rief der Andre, der ihm entgegen fam, „Wohin fo baftig fährft du?” Da ſprach der Meifter gut: „Ich reite wie du felber über diefes Waßers Flut; „Do meinen Namen brauch ich dir nicht fund zu thun, Wenn ich nicht will, denn felber bift_du alleine nun. Auch brauch ich nicht zu fragen wie Du geheißen bilt, Dieweil ich dich erfenne, ob ich dich gleich nun lange Frift
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266 Vierte Abenteuer. „Richt fah, in zwanzig Wintern.” — „So bift du Dietrichs Mann, Hildebrand der Meifter.” — „Du lügft nicht daran, Ich bin der Freund und Meifter König Dieteriche, Sein treufter Freund, gedenk ih, denn nicht verhehlen will ichs „Dir oder anders Jemand, ich bin ihm treu und bolb. Doch Du fei mir willlommen, mein alter Randold; Und fage mir Seitung, willſt du, von euerm Heer.” — Nandold ſprach von Mailand: „Ich thu nach deinem Begehr. „Das ift die erfte Zeitung, die ich dir melden mag, Und fcheint die Sonne morgen, fo fommt e8 an den Zag, Daß bier mit ftarlem Heere des Kaiſers Marichall Tiegt, Sibich der Falſche, der feinen Herren betriegt. „Hier find fechzehntaufend Nitter wohlgezählt, Und zu des Heeres Meifter ift Sibich erwählt, Der euer großer Feind ift: die Zeitung melb ich dir. Zum Andern ift Wittih, der Sohn des Schmiedes, noch hier „Und führt ein Theil des Heeres: der ift auch euer Feind, Wenn gleich er, wie fie fagen, es gut mit Dietrich meint. Und Reimald führt, mein Bruder, des Heeres dritten Theil. Der dünkt fich noch des Schlages, den du ihm fchlugeft, nicht beil, „Eh Wittich focht mit Dietrich; gedenkt dire, Hildebrand? Da nahm er zu Lehen vom Kaiſer unfer Land. So muß auch Ich ihm dienen; doch ritt ich bieher Dem Bogt von Bern zu melden wie es fteht um unfer Heer.
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Mie Hildebrand auf die Warte ritt. 267 „Run da ich dich hier treffe, fo bring ihm bu Bericht, Und was du fonft zu wißen begehrſt, verhehl ich nicht, Denn hold bin ich dem Berner und wünſch ihm heimlich Sieg, Führ ich gleich gezioungen wider euch mein Voll in den Krieg.“ So ſprachen diefe Helden und ritten aus dem Thal. Da drang durch die Wollen des Mondes lichter Stral Und weit warb es belle, daß man die Lager fah Dem Thal zu beiden Seiten, das eine hier, das andre ba. „Wo fteht nun,” frug der Meilter, „Sibichs Belt und Heer? Der habt die Amelungen; wir lieben ihn nicht fehr: Ich thät ihm gern ein Leides, wenn dus nicht wehren mwillft.” — „Obgleich ich es nicht wehre, daß bu den Zorn an ihm ftillit,“ Sprach Randold von Mailand, „doch liegt des Volks fo viel Um fein Gegelt, du fpielteft ein zu gefährlich Spiel. Dort wo auf den Stangen zwölf Knäufe ftehn von Gold Und blafögelbe Seide Falten werfend niederrollt, „Da ift das Zelt des Kaiſers, darin der Marfchall Liegt.” „Habt Dank,” ſprach der Meifter, „daß ihr das nicht verfchwiegt ; Wo fteht aber Wittih mit feiner Heeresmacht?“ — „Run babe,“ ſprach Randold, „dort des Silberfnaufes Acht, „Des großen auf der Stange: aus kleegrünem Samt Iſt das Gezelt geichnitten: da liegen insgeſamt Wittichs Nothgeftallen und felber er, ber Held. Sie haben das geichworen, jo das Heerhorn morgen gellt,
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268 Bierted Abenteuer. „Manch feiten Helm zu Möben und manchen Heunenrand; Das mögen fie aud) leiften.” Da ſprach Hildebrand: „Roc ragt dort ein ſchwarzes Geelt: wem mag das fern?“ „Das ift meined Bruders,” gab Ranbold Antwort, „und mein. „Da liegen unfre Mannen.“ „Du warſt mir nun geneigt,“ Sprad der Meifter wieder, „und bafl mir recht gezeigt Wie euer Heer vertheilt if. So reite jegt mit mir Hinauf an dem Bade: von der Höhe zeig ich dir „Wo unſre Zelte ftehen und tie das Heer fich theilt.“ Da ritten fie am Waßer binauf unverweilt, Und fünf Reden ritten zugleich herab ins Thal. Es waren Wartmänner und Sibichs Freunde zumal. Die fünf Wächter dachten, dieß müften Heunen fein, Die auszuſpähen kämen ihr Heer bei Mondenſchein; Und wollten fie erichlagen. Gezüdt war ihr Schwert, Und aud der Meifter hatte ſich ſchon mit Brinnig bewehrt; Da rief ihnen Randold mit lauter Stimme zu: „Mein Dann tft diefer Rede, laßt ihn in Ruh!“ Doch Einem wollt es jcheinen, daß es der Meifter fei: Der hieb ihm nad dem Helme, und bieb ben Helmbut entzwet; Doc keineswegs verſehrt' er den Helm noch au den Marn. Doch rächte das der Meifter: er ritt ihn wieder an, Und traf ihn am Halje, daß ihm des Haupts gebrach, Der Rumpf vom Roſſe ftürzte: alfo rächt' er feine Schmad).
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Wie Hildebrand auf bie Warte ritt. 269 Da wurden fie geichieden, da Randold nicht litt, Daß man fih meiter fchlüge. Er mit dem Meiiter ritt Das Thal empor am Waßer und dann an jene Wand, Der gegenüber lagen die Helden all aus Heunenland. Da fprach der alte Meifter: „Dort ragt ein Gezelt Mit neun hohen Stangen, kein fchöner ſah die Welt. Bon Bernftein find die Knäufe und goldne Seide wogt Hinab bis auf die Dielen: da liegt von Bern unfer Vogt. „Frau Sidrat hat die Seide vor ihrem Tod gewebt Und Herrat gab die Knäufe dazu, die jet noch lebt. Zur Rechten fteht ein Andres, das tft fo roth wie Blut, Das auf fieben Stangen mit gemalten Rnäufen ruht. „Es birgt Rüdigeren mit feinem Ingeſind, Die Etzels Marken wehren und uns gewogen find. Noch ſiehſt du links ein drittes, fchwarz und weiß getheilt, Mit fieben Silberfnäufen halb matt halb glänzend gefeilt. „Das ift von Steier Dietleib, dem Degen auserfehn. Nun haft du vernommen ie unfre gelte ftehn. Und das mag Sibich wißen, zumal wenn es ihn kränkt, Daß wider ihn fein Banner Dietrich zu richten gedenkt.“ Da ſprach von Mailand Randold: „Das will der Marfchall aud), Im Mitteltreffen fechten; dazu tft das der Braud, Da an des Kaiſers Stelle das ganze Heer er führt. Mir und meinem Bruber, das ſeh ich leider, gebührt
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von 270 Viertes Abenteuer. „Mit Dietleib zu ſtreiten, der nie mir Leid gethan. Ich ſeh ihn für edel und hochherzig an, Und war in Rom mit Freuden bei feinem Gaftgebot. Den Markmann zu befteben, das fchüfe mir minder Noth: „Dem folgen die Heunen und mendifches Heer: Die find nicht unsre Yreunde, man liebt fie bier nicht jehr. Doc Hört’ ich Wittich fagen, er will mit Rüdigern Und Nudungen kämpfen, nicht mit dem Helden von Bern.“ Da fchieben diefe Reden und reichten ſich die Hand. Zurüd zu den Neffen ritt Meifter Hildebrand Und Der von Mailand Tehrte zu feines Bruders Zelt. Das fand er von dem Marſchall mit Geharniſchten umftellt. Die Wartmänner hatten von Hilbrand ihm geſagt, Er hätte fi auf Kundſchaft dem Heer zu nah getvngt: . Nun wollt er ihn verfolgen, erichlagen ober fahn. Da ſprach der Mailänder: „Das wirb mit Nichten getban. „Wollt ihr den Gaft erfchlagen, der mein Blutsfreund ift, Ich biete Volks nicht minder wohl auf in kurzer Frift: Sp müßt ihr mit mir ftreiten eh ihr dem Meifter nabt. Jedoch ift nicht zu glauben, daß ihr für dießmal ihn faht: „Er fährt wohl feiner Straße, mas ihr zu thun auch meint.” — „Du Randold,” ſprach der Marſchall, „denkſt du des Kaifers Feind Zu werben, der zum Heermann mic allem Volk gefekt, Daß unjern Widerfachern zu helfen jo dich ergeht?”
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Wie Hildebrand auf die Warte ritt. 271 „Dem Kaifer Feind zu werden hab ich noch nicht im Einn, Der ih für ıhn zu kämpfen vielmehr gejonnen bin, Soviel bei Dietrichs Heere mir lieber Freunde ſei'n. Doch laßt ihr den in Frieden, der bon mir ritt fo allein. „Ihr mögt ihn morgen finden, wenn es zum Streite fommt, Und er an unfern Reden die ftarfen Wunder frommt. , Da will ich Keinem mehren, daß er ihn fängt und fchlägt; Doch Tann es geſchehen, daß er es jelbit nicht verträgt. „Stellt ihr ihn da zu Rede, Mannıwider Mann, Das ift erlaubte Fehde, die ſteht euch löblih an; Doch Viele wider Einen wär halber Meuchelmorb.” Dem ftimmte bei der Marfhall und zürnt’ ihm doch um das Wort.
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Fünftes Abentener. Wie Wildeber und Dietleib erfhlagen wurden. Als nun am Morgen graute der golbgefäumte Tag, Da wachte Schon Herr Dietrih, ver fich nicht leicht verlag. Gleich ließ feine Hörner erfchallen Der von Bern Und die Bofaunen blafen: man vernahm das Zeichen fern. Da mwappneten fi Dietleib und Markgraf Rüdiger Und wie die Fürften thaten, fo that der Fürften Heer. Und als fie auflaßen ritt Meifter Hildebrand Die Bannerftange Dietrih8 in der gewaltigen Hand: Borauf all dem Heere ritt der ergraute Helb. Nah Ihm ſprengte Dietrich ven Fallen in das Feld. Dann kamen feine Degen geritten, Mann für Mann, Zuerft die Wölfinge, und Wolfhart allen voran. Dann Neres edle Söhne und Wer von Berchtolds Saat Sich noch des Lebens freute und freier Mannesthat. Auch andrer Amelungen mar noch ein groß Geſchlecht; Dem wurde wohl, als endlih der Tag erſchien zum Gefecht.
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Wie Wildeber und Dietleib erfchlagen wurden, 273 Den Amelungen folgte der Heunen Tühne Schar, Die Helle gab dem. Helden, gar aller Zagbeit bar. So fuhren fie des Weges, den geftern Hilbrand ritt, Als er auf Kundſchaft die ſchmale Flut überjchritt. Als das die Amelungen erfahn im Feindesheer, Da fäumte mit dem Zeichen ſich Sibich aud nicht mehr. Er bieß das Heerhorn blaſen; bald that auch Wittich fo Und Reinald von Mailand; die ſah man wacker und frob. Mit feinen Waffen allen zu Roſſe Wittich fprang, Daß Ehimming erächzte, ihm felbft die Rüftung Hang. Bei Reinald ritt fein Bruder, der ibm das Banner trug, Nandold von Mailand; der war auch freudig genug. Nun war zu Roſs gelommen aud Morung von Tuscan ; Der wollte Wunder frommen; das fah man ihm wohl an. Der ftarke trug das Banner Kaifer Ermenrichs Bor Sibichs Mitteltreffen: einem Weberbaume glichz. Wie eine Heifter ragte die Stange: golbnem Knauf Das Scharfe Spereifen ſchraubt' er felber auf Und ließ das Banner flattern mit Knattern, wenn er ritt. Die feidene Fahne mar lang und zierlih von Schnitt, Und bdreigeftreift von Farbe: der äußre Streifen grün; Den gelben in der Mitte ſah man wie Gold erglühn Und rabenſchwarz den dritten, der an die Stange Tam. Mit fiebzig goldnen Schelen, die man weit im Heer bernahm, Simrod, dad Amelungenliek. IH 18
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274 Fünftes Abenteuer. War um des Kaiſers Banner die Borte ſchön geſäumt, Und luſtig klang und ſcholl es, ob ſich das Roſs gebäumt, Ob ſich der Wind bewegte. Und dieſem Banner nach Ritt Sibich mit dem Heere, wie fehr des Muths ihm gebrach. Sechstauſend Ritter führt! er und Knechte fonder Zahl. Nun ſah des Kaiſers Banner Dietrich auf dem Wal, Und ſah ihm Sibich folgen: da rief er, zuband Sollt ihm entgegen tragen der Berner Banner Hildebrand. Das mar von weißer Seide gefchnitten fchön genug, Und ftund darin ein Löwe von Gold, der Krone trug, Und biengen goloner Schellen wohl fiebzig um den Ranft, Die laut im Winde tönten, wie leis er fpiele, wie janft. Und dieſes Banner wirkte die Heunenlönigin Und gab es Dietrihen: den freute ber Gewinn. Nun trug in die Feinde der Meifter ihr Geſchenk: Die zwei Geſchwader trafen fich bier, des Muthes gebent. Der Andre kam nun Wittih: mem gab der Fähnrichsamt? Der Harlungen Banner von Tleegrünem Samt Trug ihm der ftarle Runga, ein Riefe von Geltalt; Dem ftärkiten Rieſen troßte doch feined Armes Gewalt. Sn weißer Farbe ſah man im grünen Bannerfeld Den Hammer und die Zange. Das Zeichen trug der Held, Bon Wieland feinem Bater; des gebacht er gern. Nun wollt er nicht befteben den eveln König von Bern;
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Wie Wildeber und Dietleib erfchlagen wurben. Den Markmann fah er lenken von drüben in das Thal Und hoch die Fahne ſchwenken Gotlindens Eohn zumal. Es war ein rothes Banner, das er dem Pater trug, Nudung der junge; vermeßen war er genug. In der Sahne fah man zwei goldne Wede ftehn; Was die verbargen, fonnte man nicht fehn: Sie bargen große Milde: als Rüdgers Ahne ſchied, Gab ihm die Brote Puras, der ibn fo herrlich berieth. Entgegen Rüdger® Banner auf Wittichs Gebot Trug da feines Runge, Kleegrün wider Roth. Als fi die Echaren trafen, da fchritt vom Bergeshang Auch Dietleib von Steier, dem der Panzer laut erflang. Dem trug den Elephanten auf dunkelm Bannerfelb Sintram von Steier, nicht jener Griechenbelb. Reinold ſah das Zeichen und rief den Bruder an: 275 „Run hebe hoch die Fahne, denn fieh, "da kommt unfer Mann.” Derweil im erften Treffen war heiß der Kampf entbrannt, Hoch ſchwang die gute Waffe der Berner in der Hand. Er fällte Roſs und Leute, wohin er immer fuhr. Der Tod warb um Beute auf feiner blutigen Epur. Und vor ihm ritt der Meifter und räumt’ ihm meit die Bahn: | Sich Öffneten die Reihen, wenn fie fein Banner fahn. Er trug es in ber Linken; die Rechte ſchwang das Schwert; Die durftige zu trinlen hat manchen Eattel geleert. Ar
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276 Fünftes Abenteuer. Da gieng auch Wildeber gar grämlich durch die Reihn. Es mochte nicht härter der. Sturm der Heunen fein; Die Amelungen fielen zu Hauf in Sibichs Schar. Da bob die Stimme mahnend der Berner lauter und klar. „Alvorwärts, meine Mann, allvorwärts in den Streit, Denn heute gilt3 zu fämpfen weil Sonn und Mond noch ſcheint. Mit Wilzen und mit Reußen geftritten habt ihr oft Und ftäts den Sieg erfochten wie ih gewünſcht und gehofft. „Doch heute follt ihr fechten um Ehre nicht und Ruhm, Nein, um die liebe Heimat, der Väter Eigenthum; Um Heerd und Land zu ftreiten fiel uns das fchöne Look. Auf, heißt die Feinde weichen, rüdt an mit Hieb und mit Etoß.* Da warb viel ungeftümer der Kampf noch als vorher, Der Berner fette mitten in Sibichs dichtes Heer, Und bieb nach beiden Seiten, daß Mann und Nofs erlag, Denn Alles was ihm vorkam warf er nieber diefen Tag. Dreimal eine Gaße brach er durch die Reihn: Sie mwichen weit und wollten ibm nicht im Wege fein; Dreimal kehrt' er wieder von friſchem Blute roth: Sp fandt er der Männer eine Unzahl in den Tod. Da focht auch Wildeber, der eifrige Mann, Wie mit fcharfem Hauer das Wildſchwein geht im Tann. Zur Rechten und zur Linken ließ er die Yuchtel wehn, Und wohin er kam im Heere, ba blieb nicht Mancher ihm ftehn.
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Wie Wildeber und Dietleib erfchlagen wurden. 277 Bor feinem Ungeſtüme wich Mann und Rofs beiſeit. So ſchlug er manden Häuptling; ihm felbft geſchah Tein Leib. Das gewahrte Morung, der Markgraf von Tuscan, Wie bier der Thüringer fo großen Schaben getban, Und al die Eeinen flohen wohin der Landgraf fam: Wie warb er dem Sohne Schneeweißens gram! Gr ritt ihm entgegen mit mordlicher Luft Und ftieß ihm die Spitze des Banners wiber die Bruft. Die Bruft durchfuhr das Eifen und von des Stoßes Kraft Sah zwiſchen beiden Achſeln fo Spieß hervor ala Schaft. Ab bieb ſich vorn die Stange Wildeber mit dem Schwert Und ſchwang e3 wider Morung und traf ihm töbtlich das Pferd; Des Reiters verfehlt‘ er: es war fein letzter Schlag. Bald bob fih Morung wieder als Wildebär erlag. Da fprang aus dem Sattel der Bannerherr, das Roſs Des Feindes einzufangen: er fands im bichteften Troſs. Dem wehrt’ er mit dem Schafte und bochgezüdtem Stahl, Und wich, ala er im Bügel ſchon faß, der Ueberzahl. Als er zu Sibich Tehrte, fuhr Wolfhart daher Und fah den Landgrafen durchbohrt vom blutigen Eper. „Waffen!“ rief ver Wölfing: „wir rächen diefen Mord!“ Da ſah ee Hilbranden und Helfridden bort Und Hache den fchnellen: vie rief der Helb heran, - Daß fie ihn rächen hülfen, ver ihm viel Liebes getban. '.
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278 Fünftes Abenteuer. „Im Staube liegt die Fahne des Kaiſers, doch Er lebt, Der mir den Freund erſchlagen damit: eh er ſie hebt, Soll er die Unthat büßen; bei ihm iſt Sibich auch: Den laßt nicht entfliehen wie gerne möchte der Gauch.“ Da ſprengten dieſe Viere entgegen jenen Zwein. Auf den Marſchall ſtürzte ſich Eckarts Sohn allein Und bracht ihn zum Weichen; aber herrlich ſtand Morung vor den beiden und dem alten Hildebrand. Den dacht er jetzt zu treffen mit ſchwindem Schwertesſchlag; Und glückt' es ihm, es wäre des Meiſters letzter Tag. Doch durch des Pferdes Straucheln gerieth der Streich zu kurz; Sein Fuß entglitt dem Bügel und kaum entgieng er dem Sturz. Da flucht' er der Mähre: „Weh mir, daß ich dich traf! Ein edel Roſs erſchlug mir der Thüringer Graf; Du Saul bift nit würdig, daß du mein Heu empfängit.“ Cr bieb das Haupt ihm nieder und entiprang dem finfenden Hengft. Sibich der Marfhall war fo in Noth gebracht, Dabeim wär er lieber als bier in der Schladt: „Run hilf mir von binnen, vielebler Morung; Zweihundert Roſſe geb ich div und noch manden Eäumer jung. „Der bier mich bat beitanden, Tein Teufel fiht fo grimm.“ Als Morung das erhörte, er forgt’, es würde fchlimm. Da fprang er zu tem Marfehall in den Sattel vom Und wandte den Zügel und ſchlug das Roſs mit dem Epom.
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Die Wildeber und Dietleib erichlagen wurden. 2979 Gleich fett’ e8 in die Menge und trug fie aus dem Streit; Als jene folgen wollten, da waren fie ſchon meit. „Run müßen Die es büßen, die bier bie Nächiten find.” Den Roflen zu den Füßen ftürzte mancher Mutter Rind; Der Eltern Reifefegen gebieh ihm bier zum Fluch. Sie fchnitten durch die Helme recht als wär es Tuch. Auch Halsbergen wurden ber Näte viel zertrennt, Und manden traf die Wunde, die nicht allaulange brennt. „hr Helden müßt weichen: des Kaiſers Banner fiel, Verloren gab der Marſchall felber Schon das Spiel, Morung entführt’ ihn, das zählt er ſich zum Glück.“ Als das die Scharen hörten, fie wichen fechtenb zurüd. Da Tam aber Dietrih und drängte fie fo fcharf, Daß Mander auf den Rüden den guten Edhilbrand warf Und ſchnelle Flucht begehrte. Noch ließ der Held nicht ab Bis dieſes Heeres Drittel ſich gar bes Kampfes begab. Nun fab der Starke Wittih, daß. Sibich drüben floh Und al feine Mannen: des wär er doch nicht froh, Wenn fie Unfteg hätten, denn Ehre war ihm lieb; Obwohl ihn heimlich freute, daß man den Marfchall vertrieb; Da fah er Nudung reiten, bes Markgrafen Eohn, Den kühnen Bannerträger, dem rings die Reden flohn: Er daucht' ihn ftard und berrli und eines Anritt3 werth. Schon batt au Herzog Nubung mit ihm zu kämpfen begehrt:
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280 Fanftes Abenteuer. Da trafen fie zufammen und maßen fih im Streit: Der wurde fharf und bitter und mährte Iange Zeit; Und das war das Ende, daß Mimung fidh erſchwang Nach des Markmanns Banner: die Bannerflange zerſprang Und nieber fiel die Fahne: das war ihm nicht genug, Der Streih war jo gewaltig, den Mimung jebo fchlug, Daß er den Halsberg fchligte und gar den Hals durchſchnitt. Das Haupt flog zur Erde, der Rumpf dem Sattel entglitt. Das Jahn von Bechelaren die Reden kühn und hehr Und eilten ihn zu rächen; es ſah auch Rüdiger Des Sohnes Fall, des einigen: es warb ihm grimmig leid, Daß er je den Knaben daher geführt in den Streit. Da fpornt’ er auch den Rappen und ritt Wittich an Und half in Nöthe bringen des Kaiſers Unterthan. Dem wollte Runge fteuern, ber riefige Held, Cr forgt’, an feiner Seite würd ihm der Herzog gefällt. Er ritt ihn zu befreien aus der Bebränger Schar. Da fah er Einen fechten, der zu verivogen war, Rudwin von Treilenmauer: Des Roſs mit Einer Hand Riß er beim Schwanz zu Boben und warf ihn jelbft in den Sand. Da ließ von Wittihen Dem Etzel gab die Mark Und wandte fih zu Runga, wie kühn er ſchien und ſtark, Daß er ihn nicht erfchlüge, der dort den Boben maß, Sened Rudwin Enlel, der die Buhlerin vergaß.
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Wie Wildeber und Dietleib erfchlagen wurben. 281 Mitten durch die Weiche rannt er ihm den Stahl Und riß ihn e'ne Leiche. vor Rubwin zu Thal. Der war indes erftanden und ſucht' ein ander: Rofs, Wiitichen nachzuſetzen; doch ber entſchwand ihm im Troſs. Ihm ſchien auf diefer Seite für jekt genug gethan, Da Nudung log erichlogen: dba räumt’ er bier die Bahn, Db drüben zu wenden noch wär des Heeres Flucht. Aus feinem jchnellen Ritte erwuchs die bitterfte Frucht. Derweil bait auch Randold der Wunder viel gethan, Reinolds Bannerträger. Dem ritt er ftolz voran Und brach in die Haufen und jhuf da graufen Mord; Auch wagt’ er fich fo frevel, daß ihn ſchalt des Bruders Wort; Er mög’ ihm nicht mehr folgen. Das kümmert’ ihn nicht viel: Einen auf den Andern warf er wie zum Spiel, Und ganz mit Blut beronnen war Harniſch ihm und Hengft. Das hatte rächen wollen, . Dem Steier diente, ſchon längft; Doc weil .er.ihn erfannte, dem er gewogen war, Sucht’ er andre Biele ſich in der dichten Schar. Da ſank ihm an der Eeite von Bergen Lademer Und Fridung von Kärnthen: die Reden reuten ihn fehr. Auch Diephold der Däne ſchoß ihm in den Tod. Darob ergrimmte Dietleib, es ſchuf ihm große Noth. Da follt es entgelten Randold der kühne Mann: Er traf ihn mit Welfung, daß er fich ſchwer mehr befann.
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282 Fünftes Abenteuer. Doch als ihm aus dem Haupte das wirre Sauſen ſchwand, Da gab er dem Bruder das Banner in die Hand, Nahm von ihm die Lanze und rannte degenlich Wider Den von Steier, der aus Furcht vor Niemand wich. Da ſtieß ihm Der von Mailand das Eiſen durch den Hals, Daß er Bellens Sattel entſtürzte jähen Falls. D web, da nahm ein Ende der bochgelobte Held; Doch hatt er ſich gerochen und viel ber Feinde gefällt. Buße wollte nehmen für den geliebten Herrn Sintram der ſchnelle; doch Randold ftand zu fern. Da ritt er wider Reinald, der noch dad Banner trug Und gab ihm tiefer Wunden mit Schrit dem Echiwerte genug. Doch bald gewahrte Randold, wie Roth dem Bruder fei Eilender Hülfe: da fprang er ihm bei Und balf ihm beftehen Herdegens kühnen Sohn Bis er getroffen ftürzte: da kehrt' er ſpornſtreichs davon. Sp rafft’ in beiden Heeren der Tob der Belten viel. Sie trieben wohl noch lange das grimmige Epiel; Doch Manchen verſchweig ih, ter bier fein Ende fah. Ihr möchtet lieber hören mas mit den Kindern geſchah.
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Sechstes Abentener. Wie Wittih die Kinder erſchlug. Bei den Händen fingen Frau Hellend Söhne fid) Und Diether der junge. Sie traten trauriglich Hin vor ihren Meifter. Zu ihm fprad ta Drt: „San, lieber Meifter, vergönn und Kindern cin Wort. „In zu firenger Pflege bältft bu uns in Bern, Das wir noch gar nicht ſahen: wir ſähen es doch gern. Es ift ſchön und herrlich, das merkt man wohl von bier; Läg es in Heunland, es wär feine fchönfte Bier. „So laß und beute reiten, baß wir die Etabt beſehn Bon innen und außen; es ift gar bald geichehn; So Ichren wir dann wieder. Wenn ihr das nicht erlaubt, Daheim wär ich lieber als hier der Freiheit beraubt.” Mit Treuen ſprach da Zlfan: „Ihr lieben Herren mein, Die Bitte follt ihr laßen, denn es darf nicht fein. Wenn euch ein Leib geihähe, fo wär ich beßer tobt.” — „Ilſan, liebes Meifter, damit hat es feine Noth.
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284 Sechstes Abenteuer. . „Wir zeiten ja nicht ferne; fo blind auch find wir nicht, Dat und auf der Straße fo leicht der Hals zerbricht.“ Doch Ilſan ſprach: „Nun laßet mich großer Sorgen frei, Ich gab mein Wort dem Berner und billig bleibt e8 dabei.” Da ſprach aber Dietber: „Das nehm ich all auf mid, Was ihr damit verbrädet wider Dieterich. Ich mag euch auch wohl bürgen, er erfährt es nicht. Mer mwähnft du wohl, wer gäbe davon dem Berner Bericht?“ „Laß und immer reiten,“ ſprach noch Dietber. „Bir meinen nicht zu ftreiten und find auch ohne Wehr. Man fol in kurzen Stunden uns hier wieder fehn.“ Da fprach der ftarle Ilſan: „Mit Bebing lab ichs gefchehn: „Wenn ihr des Ausreitens euch nicht beicheiden wollt, So werd Ich euch begleiten, ich bin euch wohl fo hold. Ich bleibe nicht dahinten wohin ihr immer fahrt: So bin ih ohne Sorgen und ihr feid befer bewahrt.“ Da freuten fi die Kinder, als er fie reiten lieh. Dieweil nun die Roffe der Meifter ſchirren hieß, Sie zogen fie gefattelt ſchon aus dem Stall hervor, Und ſaßen auf und ritten eb er es dadıt aus dem Thor. Die edeln Königsſöhne fprengten aus der Stadt. Da gehen viel der Wege: wer ihrer Kunde bat, Der dünft fih Hug und weife: des rechten fehlten fie. Verflucht fer die Reife, die zu großem Leib gedieh.
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Die Willich die Kinder erſchlug. 285 Ais fie nicht finden mochten den Weg zur Stadt zurüd, - Sprad Dirt: „EB ift fein Schabe; wohl eher wärs ein Glüd. Gen Raben laßt und reiten, zu Dietrih und dem Heer; In Bern gefangen liegen, das ertrüg ich nun nicht mehr.” Eh fi) Meifter Ilſan bereitet zu ber Fahrt, Wohl eine Stunde ritten - die jungen Reden zart. Da konnt er fie nicht finden, weder fern noch nab, Nicht draußen noch darinnen wie viel er auch um fich fab. „Wohin nun mich wenden, id armer Ilſan! Der mir das jagen könnte!“ Zu rufen bub er an, Und rief mit lauter Stimme: fie waren fchon zu Weit; Zu feinem Ingrimme gab ihm auch Niemand Beſcheid. Da lag in feinem Herzen großes Ungemad). Er ftieg fie zu erfpäben auf eines Hauſes Dad: Vor einem ftarken Nebel konnt er fie doch nicht ſehn; Dem Alten war im Leben noch nicht fo übel geichehn. Davor und darinnen fucht ex fie in Bern Und Ionnte nirgend finden die lieben jungen Herrn, Seiner Augen Weide, feines Herzens Spiel: Das raubt’ ihm alle Freude, feines Jammers wurde viel. Er gedacht in feinem Mutbe: „Sch fuchte bier mich blind. Db fie nach dem Heere vielleicht geftrichen find? Eie find wohl fo verwogen in ihrem Webermutb: Zum Heer find fie gezogen, o meh, fo gilt es ihr Blut.”
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286 Sechstes Abenteuer. Er ftieg von feinem Blanken und firidt ihm fefter zu. Cr ſchwang fi auf, die Sorgen ließen ihm nicht Ruh. Sn großem Herzeleide ritt er den Kindern nad) Und fonnte fie nicht finden bis ihm des Tages gebrach. Bor eines Berges Halde rubten fie die Nacht. Nun war am andern Morgen der lichte Tag erwacht. Da hub der junge Diether fein Leib zu Hagen an: „Sch fürchte, liebe Herren, wir haben übel gethan. „Der Meifter mag wohl Hagen, daß er uns nicht fiebt. Es war doch großer Uebermuth, der uns zu reiten rieth. Wiche diefer Nebel, mir fänben uns nad Bern; Mich dünkt fchon, er zerläßt fih: das fäh ich willig und gern.“ Allmählich brachen Stralen durch der Wollen Nadıt. Die jungen reichen Könige ſahen froh die Pradit. Eo heiter fchien die Sonne; da ſprach mit Freuden Scharf: „Wie freu ic) mich der Wonne, daß ich um mich fchauen darf!“ „Run fo fieh doch, Diether,“ begann Drt zuband, „Wie jo ſchön und herrlich ift dieß reiche Land! Ahi, Vogt von Berne, ihr fehntet euch fo fehr: Hier mögt ihr wohnen gerne: das vertvundert mich nicht mehr.” Da ſaßen fie zu Roffe und ritten Berg und Thal, Und famen noch vor Abend bei Raben auf den Wal. Da geihah es, daß die Kinder Wittichen reiten fahn. Eie ſprachen zu einander, als fie den herrlichen fahn:
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Wie Wittich die Kinder erſchlug. 287 „Mein Herr Gott, der gute, wer mag der Rede fein, Der fo frevel fchaute, Trautgejelle mein? Wir wollen zu ihm reiten, baß wir ihn näher fehn; Gr gebahrt ald mwoll er ftreiten; es ift wohl gar bier geſchehn.“ Da ſah zu feinen Füßen Dietber zu grimmer Bein Nudungen liegen, den Gefpielen fein, Berhaun in feinem Blute. Da kam ihm in den Sinn, Bon Niemand als von Wittih hätt er ſolchen Ungewinn. Ein Leib ihm in die Augen ſchoß von Herzensgrund ; Auch daucht' ihn Untreue, daß er bei Ermrich ftund, Der Dietmar feinem Vater ſchwur manch hohen Eid; Mit Jammer ward befangen fein Herz aus größlichem Leib. Frau Helkens Eöhne jahen, daß er jo traurig tar, Ihm in den Augen wurden fie Thränen auch gemahr. Sie fragten ihn der Märe, was Leides ihm fo fchnell Hier gefchehen wäre? „Das jagt und, trauter Geſell.“ „sch mag wohl Kummer tragen,” bub Diether an, „Der Rede, der da reitet, der hat mir Leid gethan. Möcht ih mi an ihm rächen, da3 wollt ich gerne thun: Mas fol ich meiter fprechen? ich laß es ſchwerlich beruhn.“ „Run frag ich dich der Märe,” begann wieder Dirt, „Diether, edler König, mer iſt der Rede dort? Willſt du uns ihn nennen, er fommt von binnen nidt: Mider ihn zu rennen, das ift deinen Freunden Pflicht.”
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288 Sechstes Abenteuer. Mit großem Herzeleide ſprach Diether zuhand Zu ſeinen lieben Herren: „Wittich iſt er genannt. Hei, würd ihm fein Ende von meiner Hand zu Theil, Mein Leid all verſchwände, mein junges Herz würde heil.“ „Sind wir doch brei Reden,” begann Scharf, „es gilt: Mir wollen an den Keden, zerhauen feinen Schild. Er muß mit uns ftreiten, wenn anbers fi) getraut Auf der Haid uns zu erwarten ber fo kühnlich um fich ſchaut. Bald ſprach da Wittih, als er bie Kinder fab, Er meinte fie zu kennen, die er boch nie erjab; Laut rief der kühne Rede zu ihnen wohlgefinnt: „Nun fagt mir, wertbe Herren, feid ihr des Berners Gefind?“ „Das werdet ihr wohl inne,” Sprach Diether zuband, „Zu euerm Ungewinne verfauftet ibr mein Land. Des müßt ihr entgelten an Ehr und Leib zumal; Weiß es Gott, Herr Wittih, ihr kommt nicht hier aus dem Thal. „Ich laß euch nicht von binnen wie ihr gelommen feib; Ihr folt mir auch büßen mein neues Herzeleib. Den Freund und den Gefellen, ven ich erichlagen fand, Dafür follt ihr mir laßen euer Haupt zu einem Pfand.“ „Ihr Iprecht wie Kinder pflegen,“ ſprach Wittich fogleich, „Reitet eurer Wegen, mas fchiert euch römiſch Reich? Fahrt wieder heim zu Lande und ftraft mich nicht fo fehr, Der ihr erfchauet König Etzels Hof nicht mehr.“
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Die Wittich die Kinder erfchlug. 289 „Feiger Ungetreuer, wie darfit du offenbar Neiche Könge jchelten! das büßeft du fürwahr.” Das hörten Helkens Söhne, die jungen Künge hehr: Mit Wielands Sohn zu ftreiten, des gelüftete fie fehr. Eie fprangen von dem Roſſe und gürteten ihm neu, Caßen dann auf vermeßen, vergeben aller Scheu. Sie fprengten vollends nieder zu Wittih in das Thal Und führten in den Händen entblößt den blitenden Stahl. Als der ſtarke Wittih die Knaben Tommen fah, Er gürtet! auch dem Roſſe, gar eilends das geſchah. Er jprang in die Bügel und fehte fich zur Wehr; Er dacht in feinem Sinne: „Den Kampf vermeid ich nicht mehr. „sch Tchlage fie nicht gerne, doch fteht mein Leben ein: Eh ich entrinne mehr ich mich vor den brein.” Da mahnt’ er Echimmingen: den fehnellen mit dem Sporn, Die Bügel ließ er klingen und ftieß zum Angriff ind Horn. Mit waidlichem Muthe hielt er auf der Bahn. Da griff Scharf der Kühne den Starken Wittich an. Das Schwert grimmig züdte der junge Degen gut; Wie wenig es ihm glüdte, er ftritt mit herrlihem Muth. Viel fchneller Schläge frommte der unerwachsne Held. Wie ſtark war Herr Wittih, mie hoch ihn preift die Melt, Doc Ichlug ihm zivo Wunden Yung Scharf mit feiner Hand, Frau Hellens Sohn der Fühne; er ivar wohl ſchnell und gewandt. Simrod, dad Amelungenlied. IL. 19
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290 Sechstes Abenteuer. Des mufte Wittich zürnen, es verbroß ihn ſchwer Und lag ihm am Herzen. Do vernehmt erft mehr: Den Mimung wägte Wittih mit Grimm, das Icharfe Schwert, Und ſchwang es nach dem Knaben, der ihn nun zweimal verfehrt. Mit einem harten Echlage endet’ er das Epicl, Daß zwilchen feinen Augen ibn traf des Todes Ziel, Durch Hirn und durd Zähne die fcharfe Klinge drang. Da war e8 gefchehen, ſein Leben währte nicht lang. Eh der edle König tobt zur Erde fanf, Das Schwert, follt ihr wißen, hatt er wohl zu Dank Sn feiner Hand erfchwungen: das helle Feuer ſtob Aus Wittichs Helm und Harniſch; im Tod verblieb ibm das Lob. Wär er zum Mann erwachſen, das glaubt fiherlich, Ihm bätten alle Lande gedient gewaltiglich, Der von Mimungs Echärfe bier in die Blumen fanf. Es war fürwahr ein edel Blut, das da Rabens Haide tranl. Eo ftarb der reihe König bier von Wittichs Hand; Nieder von dem Roſſe ſchoß er in den Sand. D weh, den Geſpielen fahen tobt und bleich Auf der Haide liegen Die jungen Könige reich. Mit grimmem Muth entgegen Witticden drang Ort, den gar übel des Bruders Ende zwang. Mit traurigem Muthe der edle junge Held Klagte feinen Bruder, der da vor ihm lag gefällt.
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Wie Wittlich die Kinder erſchlug. 291 Als Wittich ſah, er ließ’ ihn nicht ohne Kampf hindann, Mit gütlien Worten ſprach der kühne Mann: „DO weh, junger König der Heunen, mir ift leid, Daß ihr mich fo kindiſch gezwungen habt zu dem Streit. „Run follt ihr gedenken, daß ich es ungern that, Reicher König edel: ihr fperrtet mir den Pfad. No folgt meiner Lehre und laßt mi Kampfes frei: Daran gefchieht euch Ehre, denn Tein Gewinn ift dabei. „sch Schlag eudy ungerne, das glaubt mir ficherlid: Herr Ebel vertraut” euch dem edeln Dieterich. Seid ihr nun wohl bei Sinnen, fo thut wie ich euch rieth, Und weicht mir bald von binnen eh des Schadens mehr gejchieht.“ „Wehre dih, Mörder, es muß dein Tod hier fein: Du muſt mir entgelten den lieben Bruder mein, Der todt liegt auf der Haide, gefällt von deinem Haß. Es kommt dir zu Leide noch heute, glaube mir das.“ „Nicht alſo, laß dein Zürnen, edler junger Helb. Gedenk, es ift beßer, daß Einer liegt gefällt, Als daß es mehre würden. Verbleibſt du gejund, Das freut deinen Vater; weh, wenn dein Tod ihm würde fund!" „Böferwicht, verzagter, Dein wird nicht geichont. Der mir von erfter Jugend immer beigewohnt, Bon dem bin ich gefchieden durch deine Miſſethat. Sch gebe dir nicht Frieden bis du bier liegft auf dem Pfad.“
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29% Sechstes Abenteuer. Das Schwert in beide Hände nahm der junge Mann: Sie jprengten zufammen, ein harter Kampf begann. Sie ſchlugen auf die Schwerter, daß hell entſcholl der Klang; Mit Zorn und mit Eifer mie der junge König rang! Da Stand in großen Sorgen Wittich vor dem Kind; Er wollt es ihm doch borgen und blieb ihm mwohlgefinnt, Ob ibm gleich der Junge die fcharfen Wunden ſchlug. Dem von Bern zu Liebe der Held ihm Alles vertrug. „Noch mögt ihr Frieden haben,” ſprach Wittich zuband, „Es käm euch nit zu Gute, würd euch mein Zorn befannt. So Schlag ich dich in Treuen, wie leib e8 mir nun thu; Mas hilft bernach mein Neuen, kam es einmal dazu?“ „Sch bring es dich wohl innen, du ungetreuer Mann, Du kommeſt nicht von binnen, daß ich dich meiftern Tann: Du giltft mir auf der Haide mit tiefen Wunden roth Des lieben Bruders Leben, der bier ſank in feinen Tob.“ Nun war auch zu Rofje gekommen Diether: Her ftob der junge König in mannlicher Wehr. Da beftanvden fie ihn beive mit manchem fchnellen Streid, Wittichen auf der Haide die jungen Könige reich. Sie hiengen an dem Degen mit Echlägen ohne Zahl. Die jungen hehren Könige trieben auf dem Wal Um und um ben ftarfen mit ihrer Echwerter Schwung; D weh, mit ihm zu ftreiten die Knaben waren zu jung.
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Wie Mittih die Kinder erſchlug. 293 Born und wieder hinten griffen fie ihn an, Das eur aus feinem Helme fprübte, daß es brann. Von den Reden auserforen empfieng er manchen Schlag: D web, nun zümt Wittih, nun ift es ihr letzter Tag ! Mit dem guten Schwerte, das da Wittich trug, Nach Drt dem verwegnen er Träftiglich ſchlug. Es war der Scharfe Mimung: die gute Klinge glitt Ihm auf den Schebel, daß fie Haupt und Hirn zerfchnitt. Bon Heunland Drt der junge von dem Roſſe ſchoß Auf das Land niever; das rothe Blut entfloß. Frau Hellens Söhne beide Tagen nun für tobt Bei Raben auf der Haide: das war eine grimme Noth. Dietbern gar übel der Herren Tod bezwang, Das Blut dem jungen Reden aus den Augen fprang. Ihm geichah des Leides nimmer noch fo viel; Die Könige zu rächen begann er wieder das Spiel. Mit grimmigem Muthe Tiefen fie fih an (E3 waren abgejeßen die Helden twohlgethan): Bon fchnellen Schwertichlägen erfcholl das weite Thal, Bon ihren Augen glänzte die Glut, ein leuchtender Stral. Bor und zurüde jprang wohl Diether oft, Viel grimmer Streihe wägt er Wittichen unverbofft. D weh, das frommt’ ihm ‘wenig, als es zu Ende gieng; Er war ihm an den Kräften zuletzt doch allzugering.
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S 294 Sechstes Abenteuer. Wie ſchwach er war, fo that er doch Wittichen web; Kein Knappe wägte Neden größre Echläge je. Tiefer Wunden viere ſchlug er dem ftarfen Mann, Dietber der junge, daß Sener faum ihm entrann. Das mühte Witticden. Er warf den Schild aufs Land Und nahm in beide Hände den Mimung unveriwandt. Als fie zufammen rüdten mit berrlihdem Muth, Die Icharfen Waffen züdten, o web, da warb es nicht gut. Wittich im Grimme lief Dietberen an; Mie bald dem jungen Fürften hatt er ein Leid gethan! Verwünſcht fei der Mimung, das haaricharfe Echwert! E3 traf ihn wo zu treffen ihn Wittih hatte begehrt. Bon der Achjel durch den Leib das Schwert nieberfuhr, Die edle Waffe hemmte zuletzt der Gürtel nur. „O web, lieber Bruder,” rief er, „Dieterich, sch fehe dich nicht Wieder, nicht wieder fiehelt bu mich!“ Dem edeln Königsfinde mar die Kraft entflohn; Mit Andacht zu Boden neigte fi) Eheld Sohn, Und nahm von der Erde und bielt fie an ten Mund Unferm Heren zum Opfer in feiner endlichen Stund. Diefen Tod zu weinen hub da Wittih an Recht aus Herzendgrunde, der getreue Mann. Er füfste Diethberen in feine Wunden all Und feufzte: „Junger König, ich beflage deinen Fall.
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Wie Wittich die Kinder erfchlug. 295 „Könnt id) dir noch helfen von aller deiner Noth, Gott müße mich verwweifen, ich wäre gerne todt. Nun liegſt vu hier erfchlagen: fo muß ich ficherlidh Alle Lande räumen vor dem hehren Dieterich.” Er gieng zu Schimmingen und ritte gern bindann, Als ihm zu verfügen vor Leid die Kraft begann. Er konnt ihn nicht beichreiten: darnieder muft er fich Auf die Haide neigen, als gar die Macht ihm entwich.
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Siebentes Abenteuer. Wie Wittih von Wadilden geborgen wart. Sibih war geflohen mit Morung von dem Heer Bor Hache dem fühnen; auch hatte Rüdiger Gefiegt auf feiner Seite, da Wittich außen blieb. Wenn nun aud Randold wiche, das wäre Dietrichen lieb. Dem wollt er jett entgegen: ba ſah er Ilſan Bon Blanken niederfpringen, den ergrauten Mann. Er empfieng ihn gütlih und grüßt ihn fchon von fern; Des Helden erſtes Fragen Mar un feine lieben Herrn: „Run fage mir, Slfan, bei der Treue dein, Wie haft du gelaßen zu Bern die Herren mein? Wie gehaben fie fidy beide, und Bruder Dieiber? Nach meinem Herzeleide guten Troft bebarf ich ſehr.“ Ilſan der ſtarke ſah feinen Herren an, | Mit traurigem Muthe zu Dietrich er begann: „Ad lieber Herr, die Frage fragt mich nicht mehr: Verloren hab ich leider die jungen Könige bebr.
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Wie Wittih von Wachilden geborgen ward. „Sit aber bier nicht Yemand, der Kunde weiß um fie? Sch dachte doch, fie wären bei den Fahnen bie. Weh mir immer, wär e8 nicht recht um fie bewandt!“ Die Ritter und die Knechte hieß Dietrich eilen zuhand. „Niemand fol das laßen, ihr Freund’ in meinem Lehn: Es muß mir um die Kinder an alle Ehre gehn. Wenn ihr fie nicht findet, fo weh mir immerbar, Eo verlier ich diefen Tag exit Gut und Ehre fürmwahr !“ Als fo große Klage der Bogt von Bern begann, Da kam mit Herzeleive Helfrich der kühne Mann: O meb, er fiel vor Jammer, der ftarfe Rede werth, Für tobt an den Boden von feinem ſchäumenden Pferd. Seine Hände beide der Held zufammen fchlug Ueberm Haupt vor Leide, das er im Herzen trug. Da gieng der edle König Dietrich felber bin, 297 Zu Helferih dem kühnen jprach der Held mit milden Einn: „Sag an, guter Degen, was iſt dir geichehn? Du jammerft fehr, jo rede: was haft bu gejehn, Das dich fo fehr erfchredte? das vernähm ich gern.“ Da fprach aber Helferich zu dem ebeln Vogt von Bern: „Wißt ihr nicht die Märe, Vogt von Römiſch Reich? Ihr habt wohl Grund zu trauern: die jungen Könge reich Liegen beid erfchlagen, und euer Diether. Der Sieg ift auch verloren: die Heunen ftreiten nicht mehr.”
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-- BE LE u SS 0 SS 298 Siebentes Abenteuer. Hin Tief zu feinem Roſſe der erihrodne Mann; Ihm folgten gefchtwinde die Herrn in feinem Bann. Mit Helfrih dem kühnen Tam er dahin geramnt, Wo er feine Herren mit den Todeswunden fand. Auf die lieben Kinder der Berner warf fich hin Mit Häglicden Schmerzen; wohl hatt er Ungewinn. Sn ihre Wunden küfste fie der betrübte Mann: „Run hab ich meinen Sammer erft gefunden,” Bub er an. Seine Hände beide er in die Augen ſchlug: „O weh großer Leibe! daß mid die Mutter trug, Des müße Gott erbarmen! auf der weiten Welt Schuf er nit fo armen, da ich diefe feh gefällt. „Nun weh mir, immer wehe, baß ich geboren bin!“ Das Haar aus der Etirne riß in irrem Einn. „D web, an weldem Ende foll man Mid da fchaun, Wenn man folde Märe Frau Helfen jagt, meiner Fraun!“ Da fprah zu Dem von Berne Rüdiger zuband: „Wohl habt ihr Grund zu Hagen, von Euch nahm fchiveres Pfand Der im Himmel twohnet, drum reut ihr mich fehr. Hier habt ihr Unfieg und Heunland feht ihr nimmer mehr.“ Ein Glied aus feiner Linken biß der bebrängte Mann. „Mein Glück möge finlen, mein Unglüd nab beran, - Nimmermehr gefchehe mir hinfort ein Heil, An aller Freude habe mein Herz nun nie wieber Tbeil.
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Wie Wittich von Wachilden geborgen ward. 299 „Für mich auf diefer Erde wird nicht wieder Rath: Wohin ich mich nun wende nad folder Miffethat Eo Sprit man allenthalben nah oder fern: Seht, das ift derfelbe, der verrathen bat feinen Herrn. „Alſo ſprechen Alle, wie ohne Schuld ich bin. D web, armer Dietrih, wo kehrſt du nun dich hin? Wie fol ich gebaren? da Heunland mich verfiößt Und aus des Kaiferd Händen mein Erbe bleibt unerlöft.“ Die beiden jungen Könige begann ber Held von Bern Um und um zu ehren: die Wunden prüft’ er gern. ALS das neihah, er brauchte nicht lange hinzuſchaun, Sp rief er: „Diefe Wunden bat ihnen Mimung gehnun.“ „Ich mag wohl Gott vertrauen, die Strafe kommt darnad): Wie möcht er ruhig Schauen mas Mordſucht verbrad) An den blühnden Kindern, der Hoffnung der Welt: D web, verfluchter Mörder, ſäh ich dich hier auf dem Feld! „Sch weiß in meinem Herzen Tein ander Begehr, Ich räche diefe Schmerzen: fte brennen allzufehr.“ Die Thränen, die er meinte, waren roth wie Blut: „Es kommt dem Ungetreuen feine Unthat nicht zu gut.“ Da gieng er bin im Leibe mo er den Bruder fand. Mie übel gebarten die Neden all zuhand! Niemand mocht es laßen zu jammern und zu jdhrein; Meinen ohne Maßen tar da und größliche Bein.
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300 Siebentes Abenteuer. „Nun breitet fi) mein Sammer und mehrt mein Leib fidh Bier. D weh, Bruder Dietber, mas lieg ich nicht bei dir Bon Wittih erſchlagen! Gott klag ich diefe Noth.“ Beide Augen waren ihm mie ein Feuer jo roth. „Herre Gott, betradite du meine grimme Pein. Laß diefen Schmerz nicht eber verzehren mein Gebein Bis ich den Bruder rädhe: der Wunfch verblieb mir doch. Was foll ich weiter ſprechen? weh, eö lebt fein Mörder nod). „An dir bab ih verloren der Freuden Dftertag. Wieviel, Held erloren, in dir der Tugend lag! Nun bat mich Gott gefchieven von dir und aller Luft: Nie wird mir wieder Frieden als mit des Lebens Verluſt. „An dir ift all erlegen vie Freude mir der Welt. Weh, welch ein Vollsdegen, meld ein Fürft und Held Aus dir erwachſen wäre, wenn dir das Leben blieb Mir zum Troft, zum Schaden dem Saifer, der uns vertrieb.“ Sich felber mit den Händen griff er bei dem Haar Und brach es aus der Echwarte. Größer Leib fürwahr In allen feinen Tagen gejchab ihm nimmermehr. Da fah man MWittih jagen, den jchnellen, eben baber: Ueber die Haide ritt er frebentlich. Nüdiger der Markgraf begann zu Dieterich: „Was fäumet ihr länger, edler Vogt von Bern? Schaut des Bruders Mörder und den Mörder eurer Herrn.
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Wie Wittich von Wachilden geborgen ward. 301 „Eilt zu dem Roffe, auserwählter Held!“ Auf fprang der Kühne: ihm war bereit geftellt Gezäumt und gejattelt Falle das gute Roſs. Er hatt es bald befchritten, den feines Lebens verbroß. Bon dem bittern Leide grimmig warb fein Born: In die Seite greifen ließ er dem Roſs den Sporn. Er ftob dahin geſchwinde, der eble Vogt von Bern: Wittich den ſchnellen erritten hätt er fo gern. Aus aller Kraft der Stimme den Helden rief er an, Eo laut er fonnt im Grimme: „Run arte, kühner Mann, Marte mein und harre bei allen edeln Fraun! Laß mich auf der Haide deine Mannbeit jetzt erſchaun. „Bit du ein Rede, fo erfleh ich dich Den Kampf mit mir zu fämpfen: warte begenlich Bis ich dich erreite.” Da dachte Wielandg Sohn: „Daß ich mit dir flreite, davor behüt ich mich ſchon.“ Laut rief Dietrich wieder über des Schildes Rand: „Run halt, Fühner Degen, balt mir endlich Stand Bei allen Fraun und Maiden,“ rief der eble Held. „Laß mich nicht fcheiven ohne Kampf von diefem Feld. „Daran gevenle, Rede, bei der Tugend bein: Du willſt,“ vief der Berner, „der Kühnen Einer fein In Stürmen und in Streiten, und haft es oft bewährt. Und bift du fühn, fo barre: die Bitte fei mir gewährt.”
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302 Sichentes Abenteuer. Je länger je feiner Wittich ihm entritt: Er fürdhtete den Berner. Wie herrlich oft er fritt, Dietrichs zu harren gebrach ihm jetzt der Muth. Aus allen Kräften wieder rief ihn an der Degen gut: „DO weh, edler Wittihb, nun thu als ein Mann. Gedenk aller Großthat, die du je gethan Und halt auf der Haide, halt und harre mein: Ron meinem Herzeleide möcht ih gern gefchieen fein. „Ih hab es empfangen, Wittich, allein von dir. Du baft dich Schwer vergangen, Wielands Sohn, an mir. Das laß dich erbarmen, edler Degen qut, Und erlöfe mid) armen von meinem traurigen Mutb.
„Laß dich auch ermahnen bei aller Ritterfchaft Und rübmlichen Ahnen. Bei deiner Heldentraft, Nittih, auf Eine Frage gieb mir Beſcheid; Das bin ih alle Tage dir zu vergelten bereit. „Wittich, ſieh mir Rede: mie haben fich geehrt Die Kinder, die erfchlagen mir bat dein ſcharfes Schwert? MWollteft du mird melden, das erführ ih gern.” Wiederum zu fragen begann der König von Bern: „Was hatten dir zu Leide bie jungen Herrn gethan? Warte, du beftegft mid, Degen twohlgethan. Sn Gliedern und in Händen hab ich den Top. Did müße Gott fchänden, verfagft du das meiner Notb.
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Wie Witlih von Wadilden geborgen ward. 303 „Bei Wieland deinen Vater, Tehre, Tühner Held, Eo lieg ih bald von Mimungs ſcharfem Stahl gefällt: Ich weiß, daß du das Leben mir nimmft in Turzer Zeit. Wikings Urenkl, wend und fcheibe mich von Leid.“ Wittich ritt und jagte je länger je mehr. Sr mahnte Schimmingen, ver kühne Degen hehr: Er mocht ihn nicht erwarten. Das fah der Vogt von Bern Mit trauerndem Muthe: er erritt’ ihn doch fo gern. „Epelz will ich dir geben, Schimming, und lindes Heu, Erhältft du mir das Leben: noch dießmal fei getreu.” Als der Hengft das hörte, feine Eprünge wurden weit, Co griff er aus und trug ihn aus ſolchem fährlihen Streit. „Bern wird und Mailand mit Garten dir zu Lohn, Nimmſt du mir das Leben: bör mid, Bathildene Sohn; Auch römiſch Neid) erwirbft du: es Tann dir nicht entgehn.” „Ich will mich hüten,” dacht er, „dich im Zorn zu beftehn.” Da klagte der Berner lauter noch als je: „O wel diejes Leides! Schimming, du thuft mir weh! Des traue ih al mein Leben: bu trägft mir meinen Feind Von dannen, da ich eben ihn zu erreiten gemeint. „Das will ich immer klagen,“ ſprach der König gut. Da ermahnt’ er Fallen, daß nieverfloß das Blut. Er lief was er fonnte. Nun hört mas da geſchah: Wittih var dem Meere nun gelommen allzunab.
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: 304 Siebentes Abenteuer. Er gedacht in feinem Muthe: „Ich mag dich nicht beftebn; Aber Gott vom Himmel, mie fol es mir ergehn? Sch Tann auch nicht entrinnen, denn bier ift das Meer. Gott helfe mir von binnen, jonft entgeh ich nimmermehr.“ Kaum mar zwiſchen beiden eines Roſslaufs meit. Wittih um fein Leben trug Sorg und großes Leib. Da bob der Mellenmäbchen fih eind aus dem Grund, Wittichens Ahne: mich dünkt, fie ift euch noch. kund. Wachilde nahm den Reden und führt! ihn bindann Mitfamt dem Roſs und ſchützte fo den fühnen Mann. Sie führt! ihn zur Stunde mit fi) hinab Zu des Meeres Grunde; ihr hört was da fi) begab. Als ihn der Berner nicht mehr vor fich ſah, Groß ward fein Jammer, ſolch Leid ihm nie geſchah In allen feinen Tagen. Der edle König hehr Wittichen nachzujagen begann er weit in dad Meer. Bis an den Eattelbogen fprengt' er in die Flut, Das iſt wahr und nicht erlogen, der eble Degen gut. O weh, da muft er wenden: mas hülf ihm noch der Ritt? Das Herz möcht ihm bluten, daß der Feind nicht mit ihm firitt. ALS vor ihm verfunten Wittih war ins Meer, Da ſchoß König Dietrich ihm nad den fcharfen Eper. Der fuhr in einen Felfen und blieb da lange ftehn: Iſt er nicht verfchtwunden, mögt ihr ihn heute noch fehn.
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Wie Wittih von Wachilden geborgen ward. 305 An des Meeres Strande ſaß ab der König gut; Das Roſs ließ er ruben, beronnen wars mit Blut. Er dacht es zu erharren, ob ihm das Heil geſchäh, Daß er Wittihen etwa ivieder reiten ſäh. Als Wittich der Fühne Tam an des Meeres Grund, Ihn fragte Wachilde: „Held, nun thu mir Fund, Nas flohft Du den Berner wider deinen Eid? Dich Feines Kampf zu weigern ſchwurſt du doch vor langer Zeit. „Pfui dih nun der Schande: wie warft du fo verzagt! Der Berner läg erichlagen, hätteft dus gewagt Heut mit ihm zu ftreiten. Des ſchäme dich fürwahr; Nun muft du dich hüten vor dem Helden immerbar.” „So will idy wieder kehren und will ihn beftehn,” Sprach der Unverzagte: „der Streit kann noch geſchehn.“ „O web,” rief Wachilde, „das ift nun zu fpät, Folge deiner Ahnen, die dir die Fahrt widerräth.“ „ie wär e8 mir denn eben geglüdt, wenn ich ihm ſtand?“ Da ſprach Frau Wadilde: „Das tbu ich dir befannt. Dem Helden brannt im Zorne fo Einn und Gemüth, Das edle Geſchmeide war ganz an feinem Leib erglübht. „Das ift nun bart geworden, verlaß dich auf mid. Berloren wär dein Streiten, er erfchlüge dich. Es ift in diefen Zeiten fo grimm der König bebr, Ihn möchten nun beftreiten deiner dreißig nimmermehr.“ Simrod, das Amelungenlich. 11. 90
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306 Siebentes Abenteuer. Zange barrte Dietrich auf des Meeres Grieß. Endlich, da Fein Wittih fich mehr fehen ließ Und jchon der Tag fich ſenkte, trauernd ritt der Held Zurüd zu den Kindern, die ibm Mimung gefällt. Als Herr Dietrich wieder auf die Walftatt kam, Er ſaß bei den Königen, fein Herz zerichnitt der Gram. Noch einmal in die Wunden küſst' er die Fürſten bebr: „Wollte Gott, ich läge bier todt, fo wünſcht' ich nichts mehr.“
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Adıtes Abentener, Wie Rüdiger Dietriben zu Huld bradte. Trauernd faß Dietrid) in feiner Stadt zu Bern: Ihm blieb um die Kinder alle Freude fern. Da baten ihn um Urlaub Die in Etels Bann; Er küſste fie alle und hub zu Rübdigern an: „Laß dich mein Leid erbarmen, milder Nüdiger, Ich komme zu den Heunen, ſorg ic), nimmermehr. Eteln und Helfen that ich jo großes Leid, Sie mögen? nicht vergeßen all ihre übrige Zeit. „Die Kinder und die Helden, die ihm erfchlagen find, Wildebär und Dietleib, dazu dein eigen Kind! Doch nimm dich meiner Unfchuld bei Frau Helfen an: Hätt Sch mögen fterben für fie, ich hätt es gethan. „Die Botfchaft, milder Markmann, wirb mir fleißiglich Bei Helken, unſrer Frauen, darum bitt ich dich. Auch magſt du des wohl mahnen die Königin hehr Wie oft ich ihr zu dienen mich fliß mit großer Beſchwer.
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‚nr. 308 Achtes Abenteuer. „Magſt du es dazu bringen mit Sinn, wie ſchwer es hält, Daß ih Huld gewinne, unverzagter Helb, So fende deinen Boten alsbald bieher gen Bern, Der mir die Kunde bringe, daß mir gnädig find die Herrn.“ Urlaub fie nahmen, groß war ihre Noth, Bon langem Weinen wurden lichte Augen roth. Die römischen Marken räumte Rüdiger Mit Herrin Etzels Helden und allem heuniſchen Heer. Sn großem Leide kamen die Herm in Etzels Land. Mas je von übler Märe Jammers warb befannt, Des will ich gar vergeßen neben folder Noth: Reine Klage mag ſich meßen der um diefer Kinder Tod. Als fie geritten Tamen in die Stabt zu Gran, Rüdiger der milde und Die in Etzels Bann, Da giengen fie zu Rathe wie es zu halten fei. Rüdiger der milde rief die Mannen all herbei: „Ihr unverzagten Helden, gebenft wohl daran, Frau Helfe, bör ich melden, ift in der Stabt zu Gran. Wie wollen wir gebaren, wenn wir die Herrin ſehn?“ Da Sprachen die da waren: „Es wird uns übel ergehn. „Wir fommen nicht zu Gnaden: räumen ir das Land.“ Das rietben ihm alle die Reden auserlannt. „O eh der leiden Märe,“ dub der Markgraf an: „Daß ich geftorben wäre eh diejes Leid mir begann!”
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Wie Rüdiger Dietricden zu Huld brachte. 309 Da waren abgejeßen die Reden kühn im Streit Zur Erde von den Mähren: davon erhub ſich Leib. Die beiden fchönen Roſſe der Kinder Tamen leer; Das ward zu großen Sorgen der edeln Königin hehr. Die meifterlofen liefen zur Burg ihr ohne Hut: Da ſtanden fie im Hofe; von der Kinder Blut Maren roth die Sättel. Da kam die Königin Und ſah fie da ftehen, o weh, das fchuf ihr Ungewinn. Als fie die Schönen Pferde muſt ohne Reiter fchaun, Wie Sprach da erſchrocken Frau Helle zu den Fraun: „O weh mir großer Leidel tie wird das Herz mir ſchwer: Die Schönen Pferde beide, warum ftehen die fo leer? „Dünkt euch nicht, fie fähen jenen Roflen gleich,” Sprad die Königstochter, „die aus Heunenreich Meine Kinder ritten, als Dietrih fuhr gen Bern? Das wüſt, ob fie es wären, ich arme Königin gern.” Nun währt’ es nicht lange, fo Tam Rüdiger Mit Helferich gegangen: das Herz war ihnen ſchwer. Als Helfe fie erfchaute, die gute Königin, Die Degen empfieng fie alsbald mit trauerndem Sinn. Da hub mit fchweren Seufern die Tochter Rothers an: „Seit willfommen, Rüdiger, ihr AU in Etels Bann. Nun fcheive mich von Leide, Helb, und fprid ein Wort: Meine Söhne beide, mo find ich fie, Scharf und Dirt?
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310 Achtes Abenteuer. „Run feid ihr al gekommen, die Kinder feh ich nicht. Ihr trauert: ich beforge kläglichen Bericht. OD meh, ihr lieben Söhne, ich ſeh euch nimmermehr! Dieſe Noth, die grimme, beſchied ein Traum mir vorher.“ Bor Leid nicht fprechen mochte der milde Markmann, Seinen großen Jammer fab ihm Frau Helle an. D weh, da befieng fie erſt Jchmerzliche Beſchwer Um ihre lieben Eöhne: fie begann zu Rüdiger: „Zugenbreicher Markgraf, Tab dein Schweigen fein; Gefteh mir, Fühner Rede, mo find die Kinder mein? Wo haft du fie gelapen? betrachte meine Noth, Und fage mir die Wahrbeit: find fie lebend oder tobt?“ „Ich will euch Wahrheit jagen, Königstochter hehr: “Leider find erfchlagen, nun meint nicht zu ſehr, Eure Söhne beide: die Herren liegen tobt Bon Wittich auf der Haide: der ıft Schuld an aller Notb. „Ob ichs euch verjchwiege, es würd euch doch gefagt,“ Sprach zu Rothers Tochter der Degen unverzagt. „Es ift die Wahrheit leider, ihr feht fie nimmermehr, Wie fehr ihr um fie weinet, viel eble Königin hehr.“ Als die Königstochter die Märe recht vernahm, hr wankten jo die Füße, daß fie zur Erde kam. Shre Freude nahm ein Ende mit großem Ungetvinn: Da lag und rang die Hände die unfelge Königin. N
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Mie Rüdiger Tietrichen zu Huld brachte. 3ll „D wär id) nie geboren, ich jammerhaftes Weib! Daß ich doch felbft verloren Leben hätt und Keib, Da alle Freud und Wonne mit Jammer mir erlag, Unter Mond und Sonne Niemand mehr mich tröften mag.” Mit den weißen Händen fie ſich zu Herzen ſchlug: „D web, arme Helle, daß dich die Mutter trug Zu foldem Herzeleive! Web mir, verlor ich fo Die liebſte Augenweide, wie würd ich je wieder froh! „Web mir, Echarf, geliebter! fol ich dich nie mehr fehn! Das ift ein Lerd, nicht übler Tonnte mir geichehn. Mer löſt mid) nun von Sorgen wie Ihr mich habt gethan! So lieblih alle Morgen, Kinder, lachtet ihr mich an. „O weh, milder Marfmann, ob ich nun Klagen mag? Zwar Niemand weiß, mad Tugend an meinen Stinbern lag. Licht war die Augenweide, wenn mir zum Morgengruß Entgegen Tamen beide, die ich nun entbehren muß. „Mit ihren weißen Händen ivarb mir da Tiebgeloft: Das Alles hat ein Ende, ein Ende hat mein Troft. ihre minniglicden Grüße dauchten mich fo rein, So lieblich und fo füße: fol dad alles nicht mebr fein? „Wie hab’ich dich verloren, meiner beiten Wonne Zeit!" Die Fürftin hochgeboren ſprach im Herzeleid: „sch will ihm immer fluchen, Ihn mein ih, Den von Bern! eh mir, den Verräther, daß ich ihn ſchaute fo gern!
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312 Achtes Abenteuer. „Wohl ſeh ich, milder Rüdiger, er verrieth fie dort: Mir widerſprech es Niemand, verkauft find Scharf und Dirt. Sch weiß gar wohl die Märe, wer bier auch twiberjpricht, Das bat derfelbe Berner getban, ihr läugnet e3 nicht. „O weh mir, Ort, dein Plaudern, das fo Tieblich war, Eol ich arme Helle das miffen immerbar! Deine füße Rede, vernehm ich fie nicht mehr, Die mich fo oft erlöfte von aller Herzensbeſchwer! „Deine Tindlihe Güte gab mir Wonne viel, Dein Herz, das tugendreiche, mar meiner Freuden Spiel. Dein Mund wie eine Rofe fo roth, mein ſüßer Ort, Wie konnt er Sprechen lofe jo manches liebliche Wort!" Da kam mit ihren Maiden Dietrich Gemahl. Sie mwuften ſchon die Märe, groß war ihre Qual. Der Freuden fie vergaßen, das mochte man wohl jchaun, Als fie niederfaßen zu Helfen und ihren Fraun. Sm Unmuth zu der Nichte die Stönigin begann: „Stehet auf, Frau Herrat, und ſeht mich nie mehr an. Bon euch hab ic Sammer und grimmen Leids Beſchwer: Liebes und Gutes gejchieht von mir euch nimmermehr. „Verflucht fei die Stunde, vermwünfcht fei der Tag, Da ich ihm gab, der Schuld ift, daß ich nun feinen mag. Die Klemme dem Munde und noch ein übler Ding, Aus dem die erfte Kunde von dem Berner ich empfieng!“
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Wie Rüdiger Dietrichen zu Huld brachte. Da ſprach der milde Rüdiger: „Herrin twohlgethan, Sprecht nicht den Frevel, es fteht euch übel an. Ich hör es ungerne, daß euer Mund ihn fchilt, Dem edeln Vogt von Berne mit Undank Güte vergilt. „Mein Leib müße ſchwinden,“ ſprach er, „Ticherlich, Wenn an euern Kindern Schuld hat Dieterich. Mein Leben fteht zu Pfande: er thäte heute gern, Daß Sie am Leben wären, Verzicht auf Raben und Bern. „Mir werdet ihr getrauen, liebe Herrin mein, Und dad wohl an mir fchauen, daß mir nicht leider fein Könnt um eure Söhne; fie liegen mir im Sinn. Nun hört was ich euch fage, und merkt, edle Königin: „Die mid) reuen eure Kinder, Königstochter hehr, So muß mid und nicht minder gereuen Diether, Der junge Vogt von Berne, der mit erfchlagen ift: Glaubt mir, daß ungerne den auch fein Bruber vermifst. 313 „Nun folgt und, Königstochter, und zürnt ihm nicht fo ſehr; Hört was euch Dietrich entbieten läßt hieher: Daß ihr daran gedenket, er dient’ euch treu und hold, Und hat euch nie gekränket, ihr Ihm nie übel gewollt.” Stau Helle die gute ſah Rüdigeren an; Mit trauerndem Muthe die edle Frau begann: „Markgraf, milder Rüdiger, nun fprid und rede wahr; Bei deinen Treuen mahn ich dich), benimm den Zweifel mir gar.
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314 Achtes Abentener. „SKlagte meine Kinder der Berner jämmalidh? Bielgetreuer Rüdiger, des befcheibe mid). Und fiel mit meinen Kindern, Du fagtelt es, zugleich Diether der junge, der ihm folgen follt im Reich?“ „Herrin,“ ſprach da Rüdiger, „leider iſt es wahr, Wie wenig ihr mir trauet, ich log nicht um ein Haar.“ Als das Frau Helke hörte, da wandte ſich ihr Sinn, In ihrem Zorne ſtörte ſie neues Leides Gewinn. „Ich ſah mit meinen Augen,“ hub der Markgraf an, „Das ſollt ihr mir glauben, Königin wohlgethan, In alle Wunden küſste die jungen Könge hehr Dietrich und klagte des Herzens grimme Beſchwer. „Auch mocht ihn Niemand hindern, glaubt mir gewiſs, Daß er ein Glied vor Schmerzen aus ſeiner Linken biß. So groß war ſein Jammer, Königin, fürwahr Seiner Wehklage vergißt mein Herz nimmerdar.“ Auf richtete zur Stunde die Königin ſich, Mit ſeufzendem Munde ſprach ſie jämmerlich: „O weh, nun muß ich klagen wes ich mich unterfieng, Da ſich mein Mund mit Fluchen wider Dieterich vergieng. „Ihm iſt an ſeinem Bruder wohl alſo leid geſchehn Als mir an meinen Kindern, das muß ich eingeſtehn. O weh, armer Berner, nun reuſt du mich ſehr. Mich muß wohl erbarmen deines großen Leids Beſchwer.“
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Wie Rüdiger Dietrichen zu Huld brachte. 315 Zu Dem von Bechelaren begann die Königin: „Kun reit, werther Markgraf, zu BDietrichen hin, Eile dDih und fage dem ebeln Vogt von Bern, Daß er nicht verzage, ich ſäh ihn heut und immer gern.“ „Erſt redet,” ſprach der Markgraf, „Königin rein, Gar wohl ich euch vertraue: mag ich verfichert fein, Wenn ich den Berner bringe, daß ihr nicht rächen wollt An ihm die lieben Kinder, und feid ihr wirklich ihm hold?“ „Ich fagte, kühner Rede, dir allen meinen Mutb: Bor mir ohne Sorgen fei der Degen gut. Ich geb an meinen Kindern dem Berner feine Schuld Und will ihm aud gewinnen, mag ich, des Königes Hulb.“ Froh war da Rüdiger: er fäumte fich nicht lang, Nach dem edeln Reden er fi zu Roſſe ſchwang. Da fand er Dietrihen noch in der Stadt zu Bern; Er bradt ihm Huld aus Heunland; das vernahm der König gern. ⸗ Nach großem Herzeleide ward Dietrich hochgemuth. Da ritt zu den Heunen der edle König gut Mit Dem von Berhelaren, und fam nad) furzer Zeit Gen Etzels Burg gefahren in des Markmanns Geleit. Entgegen ihnen giengen freundli ung und Alt; Den Berner auch empfiengen Etzels Reden bald In der Königshalle: fie fahn ihn alle gern. Doch fäumig grüßte Ebel den edeln König von Bern.
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316 Achtes Abenteuer. Sein Haupt bot da Dietrich Etzeln vor den Fuß; Die Königin erbarmte der unminniglide Gruß. Sie mocht es nicht mehr Schauen, zu weinen hub fie an: Sie ſprach: „Unfern Kindern bat er nur Liebes gethan.” Dietrich zu Etzeln begann: „Sch bin bereit, Etzel, hehrer König, räch an mir dein Leib Und deine Söhne beide: leider find fie tobt. Auh Mich vom Leben fcheivee fo entgeh ich großer Noth.“ Da bob ihn auf der König, zu fprechen hub er an, Und fchloß ihn in die Arme: „Was du mir haft gethan, Wie ſchwer ich es empfinde, doch kommſt du wohl zu Hulb: Du haft an meinen Kindern, ich feh es Mar, Feine Schuld.“ Da zog ihn auf den Hochſitz zu ſich der König bebr, Und war nun ihre Freundſchaft nicht minder denn vorher. Hier ift vom Sturm bei Raben zu Ende gar das Lied, Und von Frau Hellens Knaben, wie Wittich fie vom Leben fdhiet.
Die Heimkehr
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Erftes Abentener. Wie Dietrih von Epeln ſchied. Wir nahen jähem Sale, wenn Gott ihn nicht erivedt, Der bald mit Donnerſchalle die Meuterer erfchredt. Die Langmuth kann nicht frommen, es müfte Dietrichs Zorn, Mein Volk, dich überfommen, fonft ıft dein Erbe verlorn. Daraußen und darinnen haft du der Feinde viel, Sie fchmeicheln deinen Sinnen mit leerem Gaufelfpiel. Eie möchten dich betbören mit lofer Worte Trug, Daß du von Treue ließeft und des eignen Herzens Zug. Der Harlungen denke, laß Mid dir Edart fein, Und gieb in ihre Ränke den Willen niemals drein. Du müfteft es bereuen in langer Knechtſchaft Schmach, Im Elend dich zerftreuen; drum gieb der Lodung nicht nad). Wohl kann nicht ganz vergehen ein Bolf von deinem Schrot, Einſt mwürbeft du erjtehen vielleiht aus langer Noth. Ward dody nad) Schwerer Prüfung auch Dietrich heimgeführt: Davon will ich fingen, wenn mir zu fingen gebührt.
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320 Erſtes Abenteuer. Es fei des deutſchen Sinne der Berner dir ein Bild, Der Treue hatt und Stärke, der zornig war und mild. Wo hätt auch erduldet foviel ein andrer Held; Doch ift ihm noch gelungen, zuletzt erkannt' ihn die Welt. hr habt vom Sturm bei Raben und von der Kinder Tob Gehört; nun ſollt ich fagen, tie Siegfriedend Tod An den Brüdern rächte Kriemhild in Etzels Land Und mie fie felber zürnend erſchlug der alte Hilvebrand. Doch ift euch das erflungen aus alter Sänger Mund Im Lied der Nibelungen; daraus ift euch auch fund, Wie Gunthern und Hagnen zuleßt ver Berner zwang; Ich fing euch nicht noch einmal was ein Behrer vor mir fang. Die hatten ihm erjchlagen die Amelungen all, Dar fie zu rächen dachten des Markgrafen Fall. Was mir zu melden bleibet liegt hinter dieſer Beit; Es ift nur eine Neige; doch fchlürft, fie hat noch Süßpigleit. Gar übel zu Muthe mar dem Berner da, Als von den Burgunden er all erfehlagen ſah Die theuerlichen Helden, ihm nur der Meifter blieb Bon dreiundvierzig Neden, die Ermrich mit ihm vertrieb. Er Sprach zu Hildebranden: „Nun ftehn wir hier zu zwein: Bon meinen Helden allen bab ich noch dich allein. Auch bab ich noch mich felber; nicht zagen darf ein Held Wieviel er auch verliere, wenn er fich felber bebält.
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Die Dietrich von Eheln ſchied. 321 „Der Einn iſt mir gelommen: fo bin ich nicht mehr arm. Was kam er mir nicht früher? Das ift mein gröfter Harm, Daß ich Hülfe hoffend bier meine Zeit verlor Und alle meine Helden: daran that ich als ein Thor. „Do auch die Neue frommt nicht, fie peinigt und erjchlafft; Vertrauen nur mag frommen auf Gott und eigne Kraft. Und ftünd ich hier alleine, mit folcher Zuverficht Kann mir das Glüd nicht fehlen, was Alles fonft mir gebricht. „Das aber weiß der Himmel und wiß es bu zugleich, Daß ich nun freudig fterben mill für mein Erb und Reich Bevor ein kraftlos Alter in Heunland mich verzehrt; Schon allzulange leider Hat unfer Elend gewährt.” Da ſprach der fromme Meifter: „Nun wird noch Alles gut, Da nad den Schwabenjahren euch fommt der rechte Muth. Eure Reden wünfchten euch immer folchen Sinn, Und wird euch Bern nicht wieder, fo ift der reicher Gewinn. „Wir haben viel verloren, zuerjt durch Ermenrich, Nun dur die Nibelungen; ihr habt auch ficherlich In Welſchland zu fchaffen mit großer Uebermadt; Jedennoch muß ich glauben, ihr habt euch meislich bedacht. „Ich aud will lieber fallen in Amelungenland Als ruhmlos hier veralten, das fei euch frei befannt.” Da fragt’ ihn der König: „Wer herſcht nun über Bern, Eeit wir bei Raben fhlugen? das fag mir an, ich wüſt es gern.” Eimrod, dad Amelungenlich. IM. 21
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392 Erſtes Abenteuer. Der Meifter ſprach: „Die Frage thut ihr mir zum Spott. ‘hr ſeid in Bern geweſen; id) nicht, das klag ich Gott. Immer mit dem Heere muft ich euch voraus, Nie durft ich Uten ſchauen und nie in Garten mein Haus. „Doch hab ich wohl vernommen, ein Herzog Alebrand Soll nun in Bern gebieten; mir ift er unbefannt. Doch trug mein Weib mir endlih ein Kind, das alſo hieß; Gie lag damit in Nöthen als ih die Heimat verließ. „Wenn der in Bern als Herzog das Volk nun führt zum Streit, Eo müft euch wohlgelingen, jo mir nicht allzuweit Der Apfel fiel vom Stamme. Doc zählt nicht darauf: Es fteht bunter Kühe wohl mehr als eine zu Kauf. „Wie wollt ihr tenn vollbringen, Herr, diefe Heeresfahrt?“ Er ſprach: „Mit feinem Heere, das wird dabei gejpart. Es war bier bei den Heunen fo großer Männermorb: Uns bat Tein Heer zu geben der König Ebel binfort. „Mit nicht mehr der Männer gedenk ich heimzuziehn Als bier beifammen ftehen. Kommen wir dahin, Du und ich felbander, ſo ift das Tleine Schar; Do dürfen wir ihr trauen in aller Noth und Gefahr. „Weberläufer werden nicht in der Rotte fein, Und der Verzagten wenig: wir ftehn dafür ung ein. Mit Unehren fommen mir dießmal nicht zurüd: Sieg oder Tod, der beiden vergönnt und Eines das Glüd.“
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Wie Dietrich von Ctzeln ſchied. Da ſprach Meifter Hildebrand: „Eo ift die Fahrt beftellt Mit geringen Ehren, Herr, wenn es euch gefällt, Daß wir alleine fahren; daß ihr es fo betreibt, Bin id) doch auch zufrieden eh es gänzlich unterbleibt. „Shut ihr dem König Etel die Reife nicht bekannt?” Er ſprach: „Ich will nun fahren nad Amelungenland Es fei dem König Etzel lieb oder leid; Doc foll er Alles wißen, find wir zur Fahrt erft bereit. „rau Herrat fährt die dritte mit uns, mofern fie will; Doch daß fies heimlich halte und fich bereite ftill. G:h hin, fie zu erforfhen ob es ihr Wille ſei.“ Das that der gute Meifter und fie eriwieberte frei: „Wenn Heunland denkt zu räumen König Dieterich, So will ich hier nicht bleiben: das mißet ficherlich. Doch möcht ichs lieber hören aus feinem eignen Mund.“ Das that dem Vogt von Berne der alte Sturmrede fund. Da gieng der König felber und Sprach zu dem Gemahl: „rau Herrat, wollt ihr fahren, ich laß euch freie Wahl, Mit mir zu großen Nöthen in Welfchland und Bern, Oder denkt ihr Heunland zu hüten? das vernähm ich gern. „Ich will mein Reich nun haben oder gar den Tot. Es fei euch unverhohlen, daß große Fahr uns droht. Niemand reitet mit und als Meifter Hildebrand, Und wenig Freunde leben uns noch im römifchen Land. 323
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324 Erfted Abenteuer. „In zweiunddreißig Winten verwandelt fich die Welt. Die Treuen meiftend farben, dieweil mand) junger Held Erwuchs, der jenen König nicht Fennt, noch unfer Recht; Drum darf ich wenig hoffen von dieſem jungen Geſchlecht. „Weilt' ich bier noch länger, mo ich fo viel verlor, Ein unrühmlich Alter nur ftünbe mir bevor. Bedenkt euch wohl, Frau Herrat, und gebt mir kurz Beiden.” Sie ſprach: „Ich will euch folgen in den Tod und in ben Streit. „sm Himmel waltet Einer, der ſchwer bes Rechts vergißt: Er giebt das Reich euch wieder, das ihr fo lange mifit. Mir mag fein Tag erfcheinen, ber mehr mein Herz erfreut Als da ihr unter Krone eure Herrlichkeit erneut.” — „So rüftet euch gejchwinde: mir benfen diefe Nadıt Zu fahren, wenn im Haufe fein ander Auge wacht.” Sie ſprach: „Sch fteh gerüftet ſobald ihr mein begehrt, Als euer Ingefinde mit Helm und Panzer und Schwert.“ Nun war der Nacht gewichen des Tages Echimmer längit, Da fattelte der Meifter zuerft des Königs Hengft, Frau Herrat3 dann und feinen, und auf ben vierten bob Er golonen Schmud und Kleider, die felbft die Königin mot. Mit Herrat kam da Dietrihb und balf ihr auf ihr Rofe. Da fprach zu ihm der Meifter: „Wollt ibr des Königs Schloß Ohne Urlaub räumen? Das wär nicht wohlgethan.“ Der Berner fprad: „So reite du mit Frau Herrat boran.
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Wie Dietrich von Ekeln ſchied. 325 „sch geh hinein zu Eteln und thu nach deinem Rath.“ Er gieng zurüd und fagte, da er das Haus betrat, Den Wächtern vor dem Saale, er hab jhrem Herrn Dringendes zu melden; das geftatteten fie gern. Eie wuſten fein Vertrauen bei Eteln wohl fo groß, Cr kam zu ihm allitündli, gewappnet oder bloß. Da trat zum Saale Dietrih, darin der König jchlief, Doch forgend bald erwachte, da man ihn beim Namen rief. Als er den Vogt von Berne geivappnet fteben ſah, „Willkommen, Freund Dietrich,“ rief Herr Ebel da, „te kommſt du fo alleine mit Waffen in der Nacht?” Der ſprach: „Ich will euch jagen was mich hieher hat gebracht. „Ihr ſollt mir Urlaub geben, daß ich fahren mag Heim zu meinem Reiche heute noch vor Tag. Sch will es wieder haben oder gar den Tod.” Da ſprach der Heunenlönig: „Das hat mir lange gedroht, „Daß ich auch dich verliere. Doch ſprich, mit welchem Heer Willſt du die Fahrt vollbringen? Wo ninmit du Mannen ber, Da Alle find erfchlagen, die mir gebient und bir? Hier fiel aus dreißig Landen aller Ritter Stolz und Bier.” Cr ſprach: „Sch fahr alleine in meines Vaters Reich, Sieg oder Tod zu fmden; beides gilt mir gleich. Wo nähm ich Heermannen, ich armer Dieterich! Außer Hildebranden Niemanden hab id als mid.
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326 Erſtes Abenteuer. „Ich bitt euch au) um Urlaub, für Herrat, mein Gemabl, Und für den guten Meifter; wir dreie ziehn zumal. Fahrt wohl, wir fehn ung wieber wohl auch, wenn mir gelingt.” Da ſprach König Ekel: „Daß ihr den Kaiſer bezwingt, „Du und der Meifter und Herrat, die Maid, Die Hoffnung. dünkt mich thöricht, Dieterich, verzeibt. Sch rieth’ euch auszuharren bis in das vierte Jahr, Da mir zu Männern wieder erwuchs der Sünglinge Schar. „Dann geb ich zur Begleitung ein Heunenbeer dir mit: So fährft du wohl mit Ehren und nicht wie jebt felbbritt. Magft du jo lang nicht warten, fo nimm mit dem vorlieb, Was mir von guten Knechten und NRittern noch übrig blieb.“ „Herr,“ ſprach der Vogt von Berne, „ich hatt ed mir gedacht, Daß ihr mir hülfet gerne aus aller eurer Macht. Habt Dank denn des Erbietend: ihr habt euch ritterlich Heut und allewege noch erzeigt wider mid). „Laßt mich jezt alleine fahren unerkannt: Niemand foll mir helfen als Meifter Hildebrand. Nicht abermals verderben mill ich euer Heer; Eure theuerlichen Helden verjchmerz ich doch nimmermehr.” Da geleitete den Berner Herr Ekel vor das Thor; Sie reichten ſich die Hände und füfsten fi) davor. Es war ein Harm dem Heunen, als es ihm fo gerieth, Daß mit fo Tleinen Ehren fold ein Held und König ſchied.
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Wie Dietrih von Ekeln ſchied. 397 Auch ihn befahl da Dietrih in feiner Götter Hut: „Daß ich euch wiederfähe, würd ed mir jo gut!“ Das wünſcht' er, als er trauernd fich in die Bügel fchivang. Da bradıt ihn den Gefährten fein Rofs mit zögerndem Gang.
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Zweites Abenteuer. Wie Odin mit Hugdieterih tauſchte. Hin ritten diefe dreie: Meifter Hildebrand Voraus, dem das Saumroſs lief zur linfen Hand. Mit Herrat folgte Dietrich dem vielgetreuen Mann; Sie wufte manche Märe, die fie zu fagen begann. „Ich babe viel vernommen vordem aus Rothers Mund Bon Göttern und von Helden; bier ift ed Niemand Fund; Der Ahnen felbit vergeßt ihr, das dünkt mich doch nicht recht. Bon Odin ift entiprungen ber Amelungen Geſchlecht. Es war ein Griechentönig, der Dietrich hieß wie Ihr, Aller Fürften Spiegel und aller Ritter Bier. Dem lag es ftäts im Sinne, daß er nur fterblich fet, Nicht Iebe wie die Götter in Asgard felig und frei. Man nannt ihn Hugdietrih, der folde Wünjche trug, Denn Hug ift der Gedanke und ‚Din beißet Hug. Den Namen hört’ ex gerne, den man ihm gab zum Epott: Mit göttlihem Namen daucht er fi halb ſchon ein Gott.
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Wie Odin mit. Hugdieterih taufchte. 329 Einft bieng er dem Gedanken "im Walbesfchatten nad, Da erſchien auf Eleipner Odin ihm und ſprach: „Du wünſcheſt Aienleben zu foften, Ich das Looß Der Menfchen; lange zog ich Schon fol Gelüſt in mir groß. „Laß und Geftalten taufhen und Rofle: reite bu Den Gladberg auf; ich wende mich deiner Veſte zu. Du magft mit Göttern tafeln und al ihr Weſen Ichaun; So follen Mich die Freuden ter Erde beßer erbaun.” Da taufchten fie Geftalten und Roſſe. Wunderbald Fuhr der König aufwärts in Odins Geftalt; Der Gott in Menfchenbildung gebot nun in Byzanz Und galt für den König, denn er gli ihm gar und ganz. Bald hatt er ausgenofen ' was Menſchen Wonne beut Bis auf der rauen Liebe, die allermeift erfreut. Die wollt er auch verſuchen und werben um ein Weib, Die edel wär und fittig und hätte lieblichen Leib. Da bört’ er Kunde fagen, die füllte weit das Land, Zu Salned ſäß ein König, Walram genannt, Der bärge feine Tochter, die ſchöne Hilbburg, Bor aller Menfchen Augen auf dem Thurm bei feiner Burg. Die hätte Zucht und Ehre, Maß und auch Echam, Bor allen Erdentüchtern wär fie wonnefam. Sie hüt ein Thorwächter, ein Degen hochbetagt, Der laße nur die Mutter zu der minniglichen Magd.
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330 | Zweites Abenteuer. Da fann auf hohe Minne der göttergleiche Held, Und eine Lift erdacht' er, damit wars fo beitellt: Er lernte nähn und weben und wirken Zahm und Wild, Und an der Rahm entwerfen manches meilterlide Bild. Er trug auch lange Loden nad weiblicher Art Und ließ in Frauenkleidern fich ſchauen ohne Bart. Er wandelte die Stimme, daß fie ihm filbern jcholl, Und barg unterm Mieder zarte Brüfte, rund und voll. Dann nahm er _Edellnappen und Ritter zum Geleit Und for zum Ingeſinde ſich manche ſchöne Maid. So kam er Schutz ſuchend in König Walrams Haus, Und gab für Hildegunde, Hugdietrichs Schweſter, ſich aus: „Dem bin ich entronnen, den Garſtgen nicht zu frein, Der nach des Bruders Willen mein Gatte ſollte ſein. Nun komm ich her auf Gnade, ob Mitleid euch bewegt, Daß ihr mich hier behaltet bis des Bruders Zorn ſich legt. „So ſendet mein Geleite ihm morgen wieder hin Und gönnt mir zu verweilen bei eurer Königin. Des Bruders Zorn wird ſchwinden, er dauert nicht zum Glüd. Hat er mich jebt vertrieben, jo holt er bald mich zurüd.“ Da wurde wohl empfangen die ſchöne Hildegund; Liebgard hieß die Königin: die that ihr Liebe Fund. Sie nahm fie zur Gejpielen .und bracht ihr Seid und Gold, Und als fie fah ihr Wirken, allererft ward fie ihr hold.
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Wie Odin mit Hugdieterich taufchte. 33] „Das jolft du mich lehren und meiner Maide zwo, Sch lohn es dir mit Ehren.” Des ivar Hugbietrich froh. Da lehrt’ er fie weben und ftiden an der Rahm Und Teppiche wirken, daß es Alle Wunder nahm. Bon Göttern und von Helden der Abenteuer viel Und beizende Ritter mit Wind: und Federſpiel, Die Bögel, wie fie flogen, und wie es lief, das Wild, Das mebten fie in Seide und blanfes Linnengebild. Ein Tiſchtuch ward geipreitet Hilbburgen auf dem Thurm, Darin focht ein Löwe mit einem grimmen Wurm. Da ſprach zu dem Wächter die Königstochter rein: „er bat dieß getwoben? es ift jo jauber und fein.“ Er ſprach: „Das bat Hilgunde, die Alles weben kann, Die Vögel und die Thiere, das Weib und den Mann. Sie hat es auch die Königin und ihre Fraun gelehrt: Die lehren e8 euch wieder, wenn ihr es Tünftig begehrt.“ Sie fpradh: „Ih möcht ed lernen viel lieber no von Ihr: Bittet meinen Vater, daß er fie jchidt zu mir. Die fchöne Hildegunde, das edle Königskind, Die hätt ich auf dem Thurme gern zu einem Ingeſind.“ Der Wächter gieng und fagt' ed den Eltern beiben an: Mie bald warb nad dem Wunfche der Königin gethan! Dan führte zu dem Thurme die kunſtreiche Maid, Der Thurm ward. verihloßen: Hugdietrich hatte frohe Zeit.
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332 Zweites Abenteuer. Gr lehrte fie bei Tage und füfste fie bei Nacht Nach allem feinem Willen; fie waren unbewadt. Echön Hilbburg ſprach unſchuldig: „Nun fage, traut Gefpiel, Mas joll das bedeuten, daß bu mir koſeſt jo viel?” Er ſprach: „Gefpiel, nun merle, bu fagft, du liebeft mid: | Dieß find der Liebe Werke, das mwiße ficherlid. Ich bin nicht, der ich fheine, ich bin ein König hehr; Traut Gefpiel, nicht weine, dich zu jreien kam ich ber. „Du ſollſt auch Krone tragen in meinem Reich bereinft: Da wird es bir behagen fie viel bu jebo weinſt; Byzanz fol dir dienen und manches reiche Land.” Sie ſprach: „DO meh mir Armen, Hugdietrich bift du genannt? „Wird das mein Bater inne, fo haben wir den Tod.“ Ihr wurben lichte Augen von Zähren trüb und roth. Er tröftete fie Tieblih bis fie ihr Weinen lich, Und dacht es al zu balten was er der Guten verbieß. Sie war gar fanft entſchlafen in bes Geliebten Arm; Der hatte nun geloftet der Liebe Glüd und Harn. Kieber als das Leben tar ihm fein Gemahl. Da blidte durdy die Sinnen des Mondes filberner Stral. Und auf den Stralen ſchwebte ein Gott zu ihm berein, Der meifefte der Aſen, Heimdall in lichtem Schein. Der ſprach: „Den Gott der Götter, find ich ihn bier verftedt Beforgt um eine Echöne, daß fie fein Lüftchen erweckt?
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Wie Odin mit Hugbieterich taufchte. 333 _ „Selbit deine Raben fanden dich nicht im Mädchenkleid; Ich ſeh bei Nacht und Tage wohl hundert Raften weit, Das Gras hör ih wachen und auf dem Lamm die Edur; Doc in neun Welten ſucht' ich umfonft nach deiner Tritte Spur. „Da hör ich deine Stimme, die lang verivandelt war, Und fomme, dich zu warnen, denn groß ift die Gefahr. Der nun den Göttern Asgards an deiner Statt gebeut, Sähſt du ihm zu, du hätteſt wohl fhon den Wechſel bereut. „Er ſchläft alle Morgen bis ın den bellen Tag, Er ſchlingt vom Fleifch des Ebers fchier mehr als wachſen mag. Beraufcht im Göttermethe thut er dann Allen jchön, Die lange Kleider Iragen auf Idas feligen Höhn. „Den Aſen fcheint unwürdig fein Laßen und fein Thun, Dem Lodern zu gehorchen will Keiner mehr gerubn. Man wird ihn bald entfegen und Uller, Sifs Sohn, Eol dann ftatt deiner [halten auf Hlidſtjals ſchütterndem Thron. „Daß ihr Geftalten taufchtet, den Ajen iſts nicht Fund; Doch Mir nad) langem Sinnen gelang zuletzt der Fund. Willſt du nun nicht verlieren um flüchtig Liebesglüd Den Himmel und die Erbe, fo wende bald dich zurüd.“ Da ſprach nad kurzem Einnen Der aller Welt befahl: „Auf diefem Lager neid ih euch nicht den Himmelsjaal. Doch höre nun und laß dir dieß befohlen fein: Menn Meth ihm Mifta bietet, fo ftreue Mohn ihm hinein.
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334 Zweites Abenteuer. „Den Echlummernden dann fchaffe zurüd in jenen Wald, Mo wir zuerft uns fanden und taufchten die Geftalt. Da bül ihn fo in Nebel, daß er unfidhtbar liegt, Dieweil ein Traum des Glüdes, das Ach genoß, ihn betriegt. „Doh Du nah Salned kehre zu Walram und fprid, Um feine Schweſter jende dich her Hugbieterich. Der Ichönen Hildegunde zürn er jetzt nicht mehr; Sie fol! auch freien dürfen nach ihres Herzens Begehr. „So giebt er dir die Schwefter mit herrlichem Geleit; Ich bins, den Namen trug ih in Salned lange Zeit. Dann fprih, noch fei ein ander Gewerbe dir vertraut: Schön Hildburg zu erbitten deinem Herrn zu einer Braut. „Wenn das Herr Walram höret, er zürnt, das meiß ich ſchon; Du ſuch ihn zu begütigen und fprich nicht mehr davon. Vielleicht vor einem Jahre verwandelt fi) fein Einn: Mas jeht Verluft ihn dünfet, das fcheint ihm dann ein Gewinn. „Das Alles richte fleißig mir aus, wie ich dich hieß; Das Weitre börft du morgen, für heut genüge dieß. Sei wader und verfchiviegen und tummle jezt gefchiwind Dein Roſs, das goldgemähnte, bis es Idas Feld gewinnt.“ Eo ſprach er, ihm gehorchte der Gott, der ewig macht. Bald kam der Tag geftiegen und trieb hinab die Radıt. Die Tochter zu befuhen und ihr Gefpinnft zu’ jchaun Gieng auf den Thurm Frau Liebgard mit ihren Maiden und Fraun.
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Wie Ddin mit Hugbieterich taufchte. 335 Sie fanden auf den innen und blidten weit ins Feld, Als mit dem Herolböftabe geritten fam ein Held. Da ſprach Hildegunde: „Mein Bruder ließ den Zorn; Es ift der junge Berchtold, der fo gellend flößt ins Horn. „Run muß ich heute ſcheiden.“ — „Nicht doch, Schön Hildegund,“ Sprach Hildburg die ſchöne, „thu beßern Troft mir fund. Müft ich dich verlieren in alfo Turzer Zeit, Und einfam bier verziehen, fo hätt ich Sammer und Leid.” Schön Hildegund verfegte: „Nun gieb den Willen brein. Eoliteft du fo lange von deinen Freunden fein Als ich bier bin geweſen, und jchidte man nad dir, Du freuteit dih von Herzen, Gefpiel, das glaube du mir.” Den Saft zu ſchauen eilte hinab die Königin: Nun erft begann zu Hagen Hildburg den Ungeminn: „Du wilft mid, Freund, verlaßen in meines Herzens Noth; Und fommt dann meine Stunde, fo ift mir ficher der Tod.” Er ſprach mit holden Worten: „Mein Lieb, nun tröfte dich, Bald wirft du Krone tragen bei Hugbieterich. Byzanz ſoll dir dienen und manches reiche Land; Ich will au für dich forgen bis alles Leib dir entſchwand. „Mir ift vergönnt zu fchauen mas Tünftig wird gefchehn: Zum Anfang großer Dinge bat Odin dich erjehn. Unfrer Lieb entjpringet ein göttergleicher Help, Wolfdieterich, zur Freude bejtimmt der ftaunenden Welt.
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836 Zweites Abenteuer. „Laß dich noch beßer tröften: Geichlechter hoch und hehr Entſtammen deinem Sohne, drum meine nicht jo jchr. Den lebten wird man beißen ben Berner Dieterich; Des Ruhm fol auf Erden nicht vergeben ewiglic. „Kommt nun beine Stunde, da lieblih dir im Schooß Ter liebe Knabe lieget, der hehr einft wird und groß, So laß ihn dreift, gevenle des Raths, den ich dir gab, An einem Eeidenfaden in des Graben? Hag hinab. „Ih will da für ihn forgen, daß ihm Fein Leib geſchieht; Du darfft ihn nicht behalten: erhört oder fieht Ihn Walram oder Liebgard, du ftirbft und auch bein Kind. Nimm aber mid zum Bürgen, daß es nicht Schaden gewinnt.“ Da rief man ihn hinunter. Hilbburgen war jo meh: „Wie fol ich genefen, wenn ich dich nicht mehr ſeh?“ Es war aud leid dem König, als er jein Lieb verließ; Nun folt er auch erfahren mas von Liebe jcheiden bieß. Mit traurigem Muthe binunter eilt’ er bald: Da mar der Himmelswädter in Berchtolds Geftalt. „Dein Bruder will dich wieder, Hilgunde Königin; Er kann dein nicht entratben, al jein Zom war bald babın. Da ſprach König Walram: „Sie ift auch uns fo, wert, Ich bin es ſchlecht zufrieden, daß ihr fie heim begehrt. Ich hatte fie der Tochter gegeben zum Befpiel: Soll die fih von ihr ſcheiden, das ift ihrer Freuden Ziel.“
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Wie Odin mit Hugdieterich taufchte. 337 Da ſprach der Abgefandte: „Dawider weiß ich Rath: Wenn fie jo liebgewonnen die fchöne Hildburg bat, So laßt fie mit uns ziehe: mein König ift ihr hold Und will fie von euch faufen um reiche Städt und rothes Gold.“ Da zürnte der König: „Mein Kind ift mir nicht feil, Die Rede laßt, Herr Herzog, bedenkt euer Heil.” Gr ſprach: „Ahr habt zu fehalten, ihr feid ein König hebt; Und liebt ihr fie veralten, ich gedächte des nicht mehr.” Da bat er um Urlaub, fo that auch Hildegund: Mit fürftlidem Geleite entließ man fie zur Stund. Schon war nad) furzer Reife Byzanz die Stadt zu ſchaun, Da wollten heim ſich wenden des Geleites Ritter und Fraun. „Wollt ihr unfre Gäfte,” ſprach Hildegund, „nicht fein, So grüßet mir aufs Beſte das jchöne Mägbelein. Ich laß euch, lieben Freunde, nicht fcheiden unbeichentt: Nehmt diefe Kleinode, daß ihr daheim mein gedenkt.“ Mit weißen Händen theilte fie aus das reiche Gut; Sie zogen hin und priefen der Fürftin milden Muth. Da fuhr mit dem Gefährten Hugdietrih in den Tann Nicht mehr ala Königstochter, er fchien nun wieder ein Mann. Er ſprach zum Himmelswäcter: „Wo baraft du ihn in Nadıt, Der mit den Aſen ſchmauſte? Eh der Held erwacht Tauſchen wir Geftalten und Roſſe abermals. Sch werb ihn ſtäts beneiden ob feines ſchönen Gemahle. Eimrod, dad Amelungenlieb. II. 22
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338 Zweites Abenteuer. „Ich bin der Betrogne: fie liegt mir ſtäts im Einn, Und muß ihr entfagen; doch Er hat den Gewinn: Ihm wird nad wenig Monden daß ſeelenreine Weib.“ Heimdall ſprach: „Nun ſchweiget: Ihr genoßt den ſchönen Leib. „Hier ſchläft in eurer Bildung, den ihr betrogen habt.“ Er ſprach: „So ſieh nur, Heimdall, wie holder Traum ihn labt.“ — „Der Tauſch iſt geſchehen; nun nehmt das Roſs beim Zaum: Weilt ihr noch lang, ihr neidet ihn endlich gar um den Traum.“ So Sprachen diefe Beiden und fuhren bimmelan; Bei feinem Roſſe fchlafend der König lag im Tann. Nicht lange, jo erwacht' er in menſchlicher Geftalt. Als das der Held gewahrte, verzaubert daucht ihn der Wale. „Ich ſchmauſte mit den Aſen und trank den Götterwein In Asgard: mag das immer ein Traum geivejen fein. Doc auf dem Thurm Schön Hildburg, die mich umfieng fo traut, Das laß ich mir nicht rauben, ich habs wie lebend gejchaut!“ Nun hört von Schön Hilbburg, wie übel ihr geſchah, Als fie von Salnecks Finnen ihr Herzlieb nicht mehr ſah. Wenn nun die Etunden nahen der bilterlihen Wehn, D weh, da ift Niemand, ihr in Nöthen beizuftehn. Sie muß in ihrem Herzen verbrüden großes Leib Und Tann e8 Niemand Hagen die lange Winterzeit. Der Frühling kam und brachte den angftvollen Tag Und Freude nach den Schmerzen, als ihr das Kind im Schooße Lay.
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Mie Odin mit Hugdieterich taufchte. 339 Sie deckt' es mit Küffen und hüllt' es in Geivand, Das fie felbft gewoben mit Tunftreicdher Hand. D web, da naht Frau Liebgart; fie hört es und erfchridt: Wo nun das Kindlein bergen eh es die Mutter erblidt? Da denkt fie des Rathes, ben ihr der Vater gab, Und ließ am Seidenfaden es fchnell den Thurm hinab. Den Graben deckte Weidicht und fehattete dem Sind: Hugdieterich, nun forge, daß es nicht Schaden geivinnt! Da nun die Mutter eintrat, erfchroden ſprach fie gleich: „Wie ift dir gefchehen, mein Kind, bu fiehft jo bleich?“ Sie ſprach: „Mir ift gar übel, ich weiß nicht was mir fehlt. Schier wär ich geftorben die Nacht, es fei bir nicht verhehlt. „Ich kann noch nicht vergeßen die fchöne Hilbegund, Und feh ich fie nicht wieder, fo werd ich nie gefund.” „Grillen!“ ſprach die Mutter, „du blickteſt nicht jo fahl, Hätte längft dein Vater dir gegönnt ein traut Gemahl.” Bevor fie weiter ſprechen fehn wir nach dem Hag, Mo unter MWeidenfchatten das arme Kindlein lag. Das ſchuf große Sorgen der jungen Königin. Da fandte Odin Einen von feinen Jagdhunden hin. Ein Wolf gieng nach Epeife vom Wald in diefen Grund: Da fand er das Kindlein und faßt’ es in den Mund. Er trug eö feinen Wölfen, die waren annoch blind Und ſchonten fein: da fäugte dieweil die Wölfin das Kind.
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340 Zweites Abenteuer. Noch dachte hoher Minne Hugbieterich, Dem niemals aus dem Sinne der Traum bon Hilbburg wid. Da ſandt' er Berchtolden zu werben um bie Maid; Der kam vor die Höhle des Wolfs mit feinem Geleit. Laßt mich die Rede kürzen, wie er das Kindlein fand Und es Liebgarven brachte; Meifter Hildebrand Hat das mohl oft gemeldet, der Enfel Berchtolbs. Auf die drei Wölf im Schilde find alle Wölfinge ftol;. Als das Gefpinnft der Windeln erjah die Königin, Sie trug e3 auf dem Thurme der jchönen Hildburg Bin. Die ſahs mit taufend Freuden und drüdt’ es an die Bruft, Sorglos ob fie verriethe ihre mütterliche Luft. Sie hehlt' e8 nicht Liebgarden und that ihr Alles fund; Herrn Walram auch verjöhnte des lieben Kindes und. Dem eifrigen Freier gab er da gern die Magd; Dem hat auch zum Kinde Wolfdietricd immer behagt. Doch Wachsmuth und Bogen, die fie dem König trug, Wähnten fich betrogen ums Erbe wider Fug. Site Hagten ihren Mannen, daß er fein Ehfind fei. Da ftand mit fechzehn Söhnen getreulich Berchtold ihm bei; Und ſtäts gab dem Erzeugten fein Vater Odin Sieg Bis fich die Brüder beugten vor ihm nach langem Krieg. Da nannten ihn die Völker zuleßt den alten Gaut, Denn bundertjährig ward er und war den Göttern vertraut.
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Drittes Abentener. Wie fie mit Elfe dem jüngern ftritten. Mit guten Mären wurden die Stunden fo verbradit, Sie fanden Bechelaren ch fie es felbft gebacht. Zu diefer Veſte wandte das Roſs da Dieterich: „O weh, Bechelaren, dein Herr, wie jammert er mich, „Rüdiger, dev Markgraf, den Gernot erfchlug, Den milbeften der Männer, den je die Erbe trug, Dazu den beiten Degen. Als ich mein Reich verließ Bor meinem Vatersbruder, und alle Welt mich verſtieß, „Da kam Er mir entgegen mit Frau Gotelind Und hieß mich willfommen und all mein arm Gefind. Und eine Sturmfahne gab mir die Markgräfin, Bon weißer Seid ein Banner, ein rother Löwe darin. „Sie hatt es felbit gewoben; ich trugs im Reußenfturm Und ließ es fiegreich wehen von mancher Veſte Thurm. Cie gab mir auch beim Abjchied ein weißes Purpurkleid: Das hab ich ihr vergolten durch Nudungs Tod mit bitterm Leib.
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342 Drittes Abenteuer. „Die muß mich nun gereuen der milde Markmann! Märft du no, Freund, am Leben, ich führe nicht hindann, Ich müſte did) befuchen zubor in deiner Stadt; Mir hats der Tod benommen, der mir jo viel genommen hat!” Da ſprach Meifter Hildebrand: „Gewiſs, ihr ſprachet wahr, Daß ein guter Degen der milde Markgraf ivar. Das hab ic) wohl erfahren in Rußland mir zur Schmach, Da mid vom Roffe flüglings Ilias der Grieche ſtach. „ALS weit mir in die Feinde der Leu da lief, mein Roſs, Er brachte mir es wieder, ber treue Kampfgenoß. Wär Er da nicht geivefen, ich läge heute tobt. Drum muß ich fein gebenfen, ber mir half in großer Noth.“ So hielten fie und fprachen, dieweil die Sonne fanf; Dem lieben Freunde zollten fie wohlverdienten Danf. Als fie nun meiter fuhren und ſchier des Tags gebradh, Der Nachhut zu pflegen ritt Hildebrand bintennach, Und als er um fih blidte, mie warb ihm da zu Muth? Biel ſchöne Schilde röthete des Abends letzte Glut Und weiße Panzer bligten durch Starken Roffeftaub. Auch Herrat die beberzte ward da der Sorge zum Raub: „Das find unfre Feinde; ich ſehe manchen Rand; Sie find und übermädtig, es frommt fein Wiberftand.“ Da wandte fih auch Dietrih und lüftete den „Selm: „Hürwahr, es find Viele, denn breit erhebt fich der Meln..
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Wie fie mit Elje dem jüngern ftritten. 343 „Wer zieht fo bochfährtig einher um dieſe Zeit? Wer denkſt du, daß es wäre?” Der Meiſter gab Beſcheid: „Ich weiß keinen Häuptling,” Sprach er, „nah und fern Als Elfes Eohn des alten, der vor Amlung fiel bei Bern. „Hat der im Baterlande gehört von unfrer Fahrt, So wird uns für den Vater die Buße nicht erſpart. Eie reiten wohl jo fchnelle, fchier bleibt Fein Zweifel mehr, Sie wollen uns beftehen mit übermädhtigem Heer.” Der Berner fprad: „Was rätbft du? follen wir im Tann Uns bergen vor der Uebermacht, der Niemand ftehen Tann? Vom Roſſe fpräng ich Lieber und wehrte mich aufs Blut.“ Da nahm den Helm vom Haupte Hilbrand mit herrlichen Muth: Er fah die Fahrt der Männer fi) an von feinem Leun, Und zählte zwei und dreißig. Doch ſprach er ohne Scheun: „Herr, ſteigt mit mir vom Roſſe und wehrt euch, denn es gilt: Schande wär es Männern zu fliehn mit Panzer und Schild. „Wieviel es ſei'n, wir bringen zu Falle wohl ein Theil; Die Andern entipringen, gebt Acht, in großer Eil. Gedenkt nun des Muthes, mit dem ihr Heunland ließt, Und heißt fie jo mwillfommen, daß fie des Grußes verbrießt.” Da fprang er vom Roffe und band den Leuen an; An Fallen ward das Gleiche von Dieterich gethan. Dann hob er vom Roſſe Herrat fein traut Gemahl, Verſchloß den Helm und zudte des Schweries fchneidigen Stahl.
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344 Drittes Abenteuer. „Fürwahr,“ ſprach er freudig zu Meifter Hildebrand, „Du bift noch, der du wareft, ein Degen auserfannt: Den mag man glüdlich preifen, wenn es zum Streite geht, Dem alle Noth zu theilen folch ein Held zur Seite ftebt.“ Da ritt mit feinen Mannen Elfe ftolz heran Und Gelfrat3 Sohn Elfung, der frevfe junge Mann. Als der mit langen Locken erjah das fchöne Weib, Er ſprach: „Ihr ſollt behalten beide Leben und Leib, „Wenn ihr die Yrau mir laßet, vie bei den Noflen hält, Daß fie mein Bette theile fo lang es mir gefällt.” „Ei ja doch,” Sprach der Meifter, „mir geben fie euch auf, Und unfer Gold und Silber nehmt ihr wohl aud in den Kauf? „Dazu ift fie gefahren mit Dietrich her fo weit, Das Bett euch zu beivahren bis ihr erfättigt feid.” Da rief ein Elfevegen: „Nun hört den Graubart an, Hat je ein alter Fasler fo dreifte Rebe gethan?“ Da ſprach von Bern Herr Dietrih: „Du fcheinft fehr jung zu fein, An Jahren nicht, an Wige und an ber Zudt allein, Daß du fo kindiſch fpotteft den Greifen, eitler Ged. Sein Alter zu beſchimpfen fei bier nicht twieber fo Ted. „Er fliß fih all fein Leben auf Ehr und Ritterfchaft.“ „Was frommt,“ rief da Elfung, „daß ihr fo lange Hlafft? Ihr müßt die Waffen ſtrecken, fonft fträl ich fo den Bart Dem Alten, daß er Fünftig vermeßne Spottreden part.“
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Wie fie mit Elfe dem jüngern ftritten. 345 „Das jolte dich gereuen,“ ſprach da Hildebrand. „Bergriff an meinem Barte ſich, Schächer, deine Hand, Die langen Finger ſchlüge dir ab ein kurzer Hieb. Doch Wer ijt euer Häuptling? Ihn zu bören wär mir lieb.“ „Kennft du den Baiernberzog noch nicht,“ Sprach Ingomar, „So bift du lang von Barte body furz von Sinn fürwahr. Wir find auch felber Thoren, daß wir mit Worten bier Uns mit zwei Männern meßen, die geringer find als wir.“ Er zog dad Schwert und klöbte des Meifters Helm damit: So gut war auch die Klinge, daß fie den Selm durchſchnitt; Doch faß ein andrer drunter, Dietrich Hildegrein. Da widerftand dem Hiebe des Helmes funfelnder Stein. Siegfrieds Helm, des fchnellen, trug der Berner jetzt Bon allrotbem Golde mit Steinen reich beſetzt. Cr nahın ihn aus dem Horte und fand ihn ſtäts erprobt; Darnach führte Hagen diefe Haube hochgelobt. Bon dem gewann fie Dietrih, und Balmung das Schwert, Das er dem Meifter fchenkte; er jelbft war gut bewehrt: Er traute Feiner Waffe wie feinem Eckeſachs. Der Meifter fich zu rächen entblößte Balmungen ftrads Und hieb nad) Ingmars Helme: den klöbt' er ihm fo riſch, Daß aus dem Helmhut Funken ſprühten mit Geziſch, Das Schwert durch Helm und Harniſch, durch Haupt fuhr und Bauch Bis auf den Sattelbogen, und halb durchſchnitt es ihn aud).
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346 Drittes Abenteuer, Für todt fiel vom Roſſe der Baier Ingomar. Nun wollt auch König Dietrid) eriveifen wer er war: Da ſchlug er dem erften, der ihm zu nahe Tam, So Iharf auf die Achjel, daß es den Arm ihm benahn.. Der Herzog Elfe felber empfieng den gleichen Schlag, Daß ihm zu den Füßen der Arm im Harniſch Tag. Doch dießmal fuhr die Klinge hinauf an das Kinn Und dur den Kinnbaden bis an die Zähne darin. Und unlange währt! es, fo ftürzt! auch Er vom Roſs, Daß feine Kampfgefährten des jähen Falls verbroß. - Da mwünfchte fi wohl Mancher zurüd ins Baierland Zu feiner Mutter Knödeln und allem Nürnberger Tand. Doc Starker Sturm erhob fih und jchwinder Schwerterfaus Hier noch zuvor, und Mancher Tam nimmermehr nach Haus. Nie viele da im Zorne der Vogt von Bern erichlug, Und Hildebrand wie viele, das ift mehr als ich erfrug. Die Kühnften aber fielen bevor die Andern flohn. Noch tritt mit dem Meifter Elfung, Gelfrats Sohn. Da flug ihm der Alte feinen Meifterfchlag, Daß er am Boden ächzte und Hildebrand ob ihm lag. Er ſprach: „Nun gieb die Waffe mir auf, fo jchon’ ich dein.” Da ſprach der Unterlegne: „Das Leben acht ich Tlein, Nachdem ein Greis bezwungen mich bat mit wenig Müb. Doch nimm nur hin die Klinge: noch dünkt mich Sterben zu früb.”
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Wie fie mit Elje dem jüngern ftritten. 347 Er übergab die Waffe. Da frug der Meifter ihn: „Nun fag und deinen Namen, fo laßen wir dich ziehn. Und ſprich, was überfielt ihre wie Räuber uns bei Nacht? Ihr Habt der Baiern Lande in große Schande gebracht.“ „sch bin geheißen Elfung. Nicht Raub zu nehmen kam Elfe her, mein Oheim. Als er von euch vernahm, Wollt er den Vater rächen, den Amelung erfchlug Und hoch wie ein Banner fein Haupt in unfre Haufen trug.” Da ſprach König Dierih: „Elfung, guter Helb, Kannft du ung Märe fagen, bie uns wohlgefällt, Bon jenfeit3 des Gebirges und meines Vaters Reich, So fol dein Schwert dir werden und deiner Freunde Zehn zugleich. „Die babe dir zur Buße für Elje, deinen Ohm.“ Chung ſprach: „Die Kunde meiß ich von Rom, Daß Ermrich fiecht, der Kaifer, feit Exp ihm ließ das Haupt, Da Sar ihn und Emmel der Händ_ und Füße beraubt. „Nun ift jo feißt geworden ver fich nicht rühren kann, Daß Sibi hat geratben, der ungetreue Mann, Das Fett ihm auszuminden, eh er eritide drin. Seitdem ift er noch ſiecher und fährt in Kurzem dahin.“ Da gab ihm der Meifter zurüd das gute Schwert: „Hab Dank für die Zeitung, fie ift des Lohnes werth. Wenn du das Lehn zu muthen einjt kommſt zu Dieterich, Den jebt dein Wort betrübte, fo wende nur dich an mid).
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— — ——— —— — — — — — 348 Drittes Abenteuer. „Ich will für dich ſprechen, daß dir das Fahnlehn wird.“ Da ließen ſie des Weges ihn ziehen unbeirrt. Und fuhren ſelber weiter, des erſten Sieges froh. „Wie dieß uns iſt gelungen, geling es immer uns ſo!“ Als die nach Hauſe kamen, die ihrem Herrn entflohn, Und meldeten, erſchlagen ſei Elſe, Elſes Sohn Mit ſechzehn ſeiner Mannen, darunter Ingomar, Man frug ſie, wie ſtark denn war dieſe reiſige Schar? „So ſtark nicht,” ſprach der Erſte; „der Männer waren zivemn: Den Bart ſah man dem Einen bis an ben Gürtel gehn. Doch focht wie befeßen der wunderalte Mann: Sch dank es meinem Heile, daß ich dem Teufel entrann. „Alle Helme klöbte das Schwert in feiner Hand.“ Da Iprachen ihrer Viele: „Das war wohl Hildebrand. Wie hielt fi) denn der Jüngere?" „Der ftritt auch ritterlich, Ja Schärfer als der andre.” „So wars von Bern Herr Dieter.“ Darüber fam Elfung und fludhte diefer Yahrt. „Run fagt, wer war der Alte mit langem grauem Bart, Der diefen durch die Helme die ftarfen Hiebe ſchlug?“ Er ſprach: „Es war ein Rede, ver ſich gar ablig betrug. „Er ſchenkte mir das Leben, da ich bezwungen Ing, Daß er mich tödten konnte; es galt ihm Einen Schlag. Der alte Meifter war e8 mit Dietrich feinem Herm. Dem zinfen wir nun wieder, wenn er König wird zu Bern.
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Wie fie mit Elfe dem jüngern ftritten. 349 „Der Schwache zinft dem Starken, das ift das alte Recht. Nun merkt, wie mannlich hielten die Zween fih im Gefecht! Zwei und dreißig ftanden mir vor den beiben doch. Laßt fehn, wie Viele kehrten.“ Da lebten Sechszehne noch. - un —n — —
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Viertes Abentener. Wie Hildebrand mit Alebrand ftritt. Die drei Gefährten nabten nun Amelungenland; Da waren Weg und Stege den Helden wohlbekannt. Im LZauervalde war e8, 10 ihnen widerritt Drei Wölf in feinem Schilde ein junger Degen felbdritt. Den frugen fie um Märe. Da fprach er freubiglic: „Seftorben ift der Kaifer von Rom, Herr Ermenric.“ „Das ift nicht gute Märe, obwohl fie Mir gefällt. Wer fol nun Kaifer werben? das fag uns, freudiger Helb.” „Das fol von Belagunder Sibich der falſche Mann. Mo treff ih aber Dietrih, den jungen König, an? Zu dem find wir gefendet nad Heunland, daß er Tehrt, Weil bier dem Ungetreuen Niemand zu dienen begehrt. „Sie wollen lieber fterben als Sibichs Mannen fein: Des Kaiſers rechtem Erben gehorchen wir allein. Die Eöhne find erfchlagen, der Neffe folgt dem Ohm: Die Märe will ich bringen dem jungen Kaifer von Rom.
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Wie Hildebrand mit Alebrand ftrilt. 351 „Run jagt au Ihr mir Märe; ihr kommt aus fremdem Land.“ Da ſprach zu dem Jüngling Meifter Hildebrand: „Eh ich dir Märe fage, wüſt ich noch diefes gern: Mer hat dich gejendet und Wer gebeut nun in Bein?“ Er ſprach: „Sen Heunland fandte mich Der in Bern gebeut, Alebrand der Herzog, den fühne That erfreut. Wie Hildebrand fein Vater ift er dem Berner hold, Und hat von feinem Lande dem Berräther nie gezollt.“ „Roh Eines fag und, Degen: brei Wölfe golbesroth Führft du im grünen Schilde: zu wißen wär mir noth, Ob du ein Wölfing wäreſt, fo dürft ich dir vertraun.” Er fprad: „Ich bin ein Wölfing, an dem Zeichen iſts zu ſchaun. „sch bin geheißen Berchther und Berchtber hieß mein Ahn, Berchtolds Sohn des alten, des Herzogs von Meran. Randolt ift mein Vater; der von Ancona nicht, Bon Mailand Reinalds Bruder; nun gieb audı Du mir Bericht.” „Die Märe mag ich melben,” ſprach der Meifter gut, „Daß ihr zu den Heunen vergebne Reife thut, Dieweil zu biefen Landen Dietrich gelommen ift, Und Hildebrand fein Meifter, daß ihr gleih nur Alles wißt.” „Gott lohn euch guter Märe,” vief Berchtber freudenvoll; „Mögt- ihr mir auch fagen, Mo ich ihn finden fol?” „Ihr habt nicht weit zu fuchen, bier feht ihr Den von Bern.” Da ſank er auf die Kniee vor feinem König und Herrn.
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352 Biertes Abenteuer. Auch die Gefährten bogen die Knie vor ibm zuband Und grüßten ihn ala König von Amelungenland. „Au Rom wird dir geboren, du wirſt ein Kaiſer behr; Die Erften dir zu huldigen führt ein günftig Glück uns her.“ Sie füfsten ihm die Hände; er 309 fie an den Mund. Da ward große Freude den Wölfingen fund. Sie füfsten auch den Meifter, ein langer Gruß begann: „Du bift unfer Blutsfreund, du allerjeligfter Mann.” Er frug: „Wo ift dein Vater, in Mailand oder Rom?” Berchtber ſprach: „An Mailand; geftorben ift der Ohm. Das Lehen warb dem Vater allein; das fügt fi) gut, Denn er haßt den Marſchall und trägt euch bolbeften Muth.“ Er ſprach: „So möcht ich rathen dem Herren Dieterich, Nah Mailand Euch zu fenden, nach Bern aber Mid). Tu magſt den Vater bringen, ıd ihm den Sobn zugleich, Daß er nicht unbegleitet den Einzug hält in fein Reich.” „Wo find ih ihn denn wieder?" Er fprad: „In diefem Walt: Nur Herraten ſuch ich bequemern Aufenthalt. Das iſt mein Gelübde: ich will in feinem Schloß, In feiner Beite fchlafen, bevor ſich Bern mir erſchloß.“ Da ſprach der junge Degen: „So weiß ich guten Rath: Zu Meran, dem neuen, führt diefer Pfad, Das ſich mein Ahnherr baute und nad dem alten hieß; Ich bin da Herr, da Berchtber es mir im Tob übertvies.
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Wie Hildebrand mit Alebrand ftritt. 353 „Da findet gute Pflege die edle Königin; Bertraut fie mir, ich bringe fie mit den Freunden hin. Die mögen ibr auch dienen mit Fleiß, fie thun es gern, Bis ich von Mailand kehre und der Meifter Tehrt von Bern.” Noch Sprach er zu dem Alten: „Dem Herzog Alebrand Vermelde, deinem Sohne, mohin ich ward gejanbt. Findſt du ihn unterweges, fo fag ihm wer du bift, Sonſt muft du mit ihm ftreiten, der dir überlegen ift.“ „Woran fol ich erfennen den Sohn, den nie ih ſah?“ „Ich will ihn dir beſchreiben,“ ſprach Berchthers Enkel da. „Auf milchweißem Hengſte reitet er einher, Von allrothem Golde ſind ihm Helm und Halsberg ſchwer. „Er führt im rothen Schilde, laß ſehen ob ichs weiß, Eine Burg mit goldnen Thürmen, ſie ſelbſt wie Schnee ſo weiß. Du trugſt dasſelbe Zeichen wohl auch in deinem Schild; Doch iſt er ſo verhauen, man erkennt nicht mehr das Bild. „Drum ſollſt du dich ihm nennen und meiden ſeinen Streit, Da ihr die nächſten Freunde, Sohn und Vater, ſeid. Man mag ihn leicht erzürnen, ſo feurig iſt ſein Blut; Du biſt nun hoch in Jahren, es bekäme dir nicht gut.“ Da ſchieden ſich die Helden: der Berner blieb im Wald; Meran wählte Herrat zu kurzem Aufenthalt. Von dort ritt auf Mailand der junge Berchther, Dem Vater zu melden des Berners frohe Wiederkehr. Simrod, dad Amelungenlied. III. 23
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354 Biertes Abenteuer. Einfam zog der Meifter durch den grünen Tann, Da ritt mit Hund und Habicht zur Jagd ein junger Man. Auf milchweißem Hengite ſprengt' er einher, Bon allrothem Golde tar ihm Helm und Halsberg jchwer. Er führt’ im rothen Schilde, wars Garten over Bern? Eine Burg mit golonen Thürmen, das jah er wohl von fern. Da blieb ihm fein Zweifel, ſein Sohn jeis, Alebrand. Ohne Widerfagen kam ber gegen ihn gerannt. Doc brad) fein Sper in Splitter auf des Alten Scilv. „Bas jchaffit du hier im Walde und ſchießeſt mir das Wild? Das will id) an dir rädhen; die Hirfche die find mein, Mir braucht Fein andrer Jäger hier im Gehege zu ſein.“ Gr fprady: „Ich bin Fein Jäger; doch bin ich auch Fein Hirſch, Daß du zum Ziel erforen mich haft auf deiner Birch. Ohne Widerſagen rennit du ein auf mid), Ja ohne nur zu fragen Wer ich fei; jo ziemt' es fich.” „Ich weiß wohl was fich ziemet und lern es nicht von dir: Es ziemt fein andrer Jäger in meinem Waldrevier. Was haft du hier zu werben, wenn du mein Wild nicht jagft? Doc laß den Namen hören, wenn du fo willig ihn ſagſt.“ Der Bater ſprach zum Eohne: „So gern fag ich ihn nicht, Kein Anderer erführ ihn, Verzagtheit wehrt mir Pflicht. Dir brauch ich nichts zu bergen; doch frag ein ander Mal, Daß nicht den Vater wieder du fchier erftichlt mit dem Stahl.‘
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Wie Hildebrand mit Alebrand tritt. 355 „Du bift nicht mein Bater; der war ein alter Mann, Da er zu den Heunen vor Ermenrich entrann. Er ließ mich in der Wiege, das ift nun mandjes Jahr, Zwei und dreißig, Winter: jo jagt fie, die mich gebar. „Nicht wähn ich noch am Leben Hilbranden, Herbrands Sohn. Von Heunenfürjten hört ih vor fieben Jahren fchon, Im Reußenkriege habe der Tod ihn hingerafit; Und lebt’ er noch, er fäße nicht mehr fo feft vor meinem Schaft. „Ein bundertjährig Alter hätt ihm die Macht gelähmt. In feinen beiten Jahren, eb ihn die Zeit gezähmt, Da war er ftätö der Erjte zu Kampf und Männermord, Und feinem Feinde fagt' er wohl ein begütigend Wort. „Drum zürn ich dir der Lüge: Verzagter, wehre dich!” Der Alte fprah im Unmuth: „Das werd ich ficherlich. So feige lebt auf Erden mohl kaum ein Böfewicht, Der fih des Kampfes Meigert, wo man alfo zu ihm fpridt. „3% hab ein langes Elend mit Streiten zugebracht Und immer noch verjchonte der Tod mich in der Schladt: Soll mid der Sohn nun fällen, fol ih ihm Schlädter fein, Das Tag ich Gott vom Himmel: wie vergaß er alfo mein! „Run magft du fonder Mühe, wenn dir die Mannbeit reicht, Sp alten Mann bezwingen, dem Zeit die Locke bleicht. Der Kampf muß entfcheiven, da mit nicht ward geglaubt, Mer hier des Schwerts den andern, der golbnen Zierden beraubt.”
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356 Biertes , Abentexer. Da fprengten fie zufammen, daß Schwert an Schwert erllang Und aus den Halöbergen jo Niet ala Nagel ſprang. Da wunderte den Jungen wie ſcharf der Alte ſchlug; Er dacht: „ft das mein Vater, der ift noch grimmig genug. „Kein Streich, den ich ihm fchlage, den er nicht zwier vergilt.” . Der Alte ſprach: „Wie liegſt du binter deinem Schild; Wie pringft du zurüde fo fcheu por meinem Echwert? Nicht lehrte dich8 dein Vater: das bat ein Weib dich gelehrt.“ Der Herzog wollt ihn ftrafen, das Wort ſchuf ihm Zorn, Zu vermeßnem Streihe gab er dem Rofs den Sporn. Da bob den Schild der Alte und unterlief den Hieb: Sie trafen Jo zufammen, daß nur Einer fißen blieb. Der Eine war der Meifter; doch nieder fprang er ſchnell: „Tun nenne deinen Namen, jonft fterb ich dich, Gefell. Hat Ute dich geboren, fo liegt mein Glaube brach An meines Weibes Treue, denn du fträitet nicht darnach.“ Er ſprach: „Ahr ſeid mein Vater und ich bin Alebrand, Der euch nicht mag beſtehen: das bab ih nun erkannt.” Da hob er ıhn vom Boden und fchloß ihn in den Arm: „Du ſchlugſt mir doch drei Wunden: die trag ich wohl ohne Harm.“ Da ſtiegen fie zu Roſſe und ritten fröhlich heim; Dem Einen war die Rede des Andern Honigfeim. Als fie gen Garten famen,” Frau Ute ſah fie an: „Was biuteft du fo übel, mein Sohn, wer hat das getban?
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Wie Hildebrand mit Alebrand ftritt. 357 „That das der dich begleitet, jo bab er übeln Danf. Nun laß dich bald verbinden, fonft wird die Kraft dir franf.” „Das follt ihr, liebe Mutter; doch helft zuerft dem Gnit.“ Da bob fie ihm vom Haupte des Helmes funfelnde Laſt. Sie fah ihm in die Augen: da warb Frau Ute froh. Sie ſprach: „Lieber Meifter, ſeh ich dich wieder jo? Vier und fechzig Sommer und Winter bliebft du aus: Nun bift du heimgefommen und bringft mir Wunden ins Haus?“ „Die Wunden, die ich trage, die fchmerzen mich nicht jehr, Mein Sohn hat fie gefchlagen: ich wollt es wären mehr. Du wirſt an ihm wohl finden, er traf hier feinen Herrn. Nun follft du uns verbinden: wir müßen beut noch nad) Bern.” „Das Tann nicht geichehen; ein Tag ift morgen noch; Laßt euch nicht lange flehen, ſonſt ſäumt fich der Kodı. Ein Braten und drei File find ung zum Mal bereit.” Sie ſaßen bald zu Tifche und batten fröhliche Zeit.
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Fünftes Abentener. Wie Hade die Harlungen rädte. Der Morgen war gefommen und nad der kurzen Nacht Auf Garten feinem Gute der graue Helb erwacht. Wohl dacht er alter Zeiten, auch lag ihm auf der Bruft Wie ſchweres Alpbrüden der Schweſterſöhne Verluft. Doch blidt’ er nach dem Sohne, der ihm zur Seite fchlief, Gein Leid ſchwand ihm alle, wie ſchwer er war und tief. Zwiſchen Troft und Sorgen fchlief er wieder ein Und lag bis ihn erwedte der Sonne fengender Schein. Da Stand er auf und eilte, nad dem Gartenjee Zu Schauen, an das Yenfter: da warb ihm wieder web Nach dreien MWölfingen; fein Herz gedachte dran, Mie zweie fich geichaufelt vor Wittich einft in dem Kahn. Er ſchaute nach dem Sohne, da war fein Bette leer: Der ihn zuvor getröftet, den fand er jeßt nicht mehr. Da gieng er zu der Frauen; die ſaß da nicht allein, Der Sohn faß ihr zur Seiten: da muft er wohl fröhlich fein.
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Wie Hache die Harlungen rächte. "359 „Das Elend iſt zu Ende, ich ſchaue Haus und Heerb Und bin zu guten Tagen mit meinem Herm gefehtt. Mit meinem Herrn? Nein, Trübfal ſchwitzt er noch im Wald: Laß uns zu Roſſe fiten, fo erlöfen wir ihn bald.“ Eie faßen bald zu Roſſe; der Meifter ritt voran: „Da ift die Etfchbrüde: das freut mich alten Mann, Daß ich dich wiederſchaue, du Bern, mit Thurm und Thor!“ Ihn fah ein junger Wächter: da fprang er eifernd hervor, Und bieb nach dem Alten mit fchneidigem Stahl: Der lebten Helmzierde ward Hilvegrein ihm Tabl. Da kam Herzog Aebrand; des Echiwert war raſch entblößt, Und raſch von der Adhfel der Arm dem Wächter gelöft. Der gute Meifter zürnte: er hätt es ſchier gerädht. „Was haft du erjchlagen den fehuldlofen Knecht? Willſt du alfo richten, fo richteft du Tein Jahr. Sein Hieb war mir unſchädlich; . auch wuft er nicht wer ich var.“ „Daß er bir nicht ſchadete, das dankſt bu deinem Helm; Do hätte fchier erichlagen den Vater mir der Schelm. Nun ich ihn wiederhabe, ift er mir fo nicht feil; Was gilts, der befehrt ſich hinſort von ftürmifcher Eil.“ Die Berner rief der Herzog Alebrand zum Ding: Sie traten all zufammen in einen weiten Ring. Die Weifeiten und Beiten, bie Schöffen follten fein, Giengen zu den Siten; jeber Tannte feinen Stein.
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360 Fünftes Abenteuer. Da trat mit dem Bater der Herzog in den Kreiß Und jprad vom hohen Stuhle; er ſprach es laut nicht leis: „Ich bringe gute Runde: ift auch die Stunde gut, So hört mid) an, ihr Schöffen, hört es AU mit hohem Muth. „Uns Amelungen Tehrte König Dieterich, Dietmard Sohn des Königs. Darum befcheidet mich, Ob ihr ihn lieber hättet zu einem Vogt und Herrn Als den falfchen Sibih, der gebieten will in Bern.“ Da riefen all die Schöffen wie aus Einem Mund, Auch that ihnen Folge der Umftand kurz und rund: „Wir weifen Dietmard Sohne das Land und au die Eee Bon Einem Meer zum andern, jo weit das Landgeding geh. „Wir erkennen ihn zum Herren auch über Burg und Stabt, Und wollen nimmer bulden, daß fie ein andrer bat. Mir wollen ihm auch belfen, daß er das Reich gewinnt: Er ftammt von feinem Elben, er ift Dietmars rechtes Kind.” Noch ſprach der junge Herzog: „Wer etwa dem nicht traut, Daß Dietrich von den Heunen gekommen fei, der ſchaut Hier meinen alten Vater, der von ihm melden mag; Er war mit ihm im Elend dreißig Jahr und manchen Tag.” Als das die Schöffen hörten, fie |prangen all empor Und lautes Willlommen fchlug an des Meifters Obr. Gar höchlich warb dem Reden von Männiglich belobt Die fefte Treu und Mannbeit, die er dem König erprobt..
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Wie Hache die Harlungen rächte. 361 Nicht Jedem wollt es glüden zu brüden ihm die Hand: Aufs Neu erhob die Stimme der Herzog Alebrand. Er ſprach: „Der König weilet im Wald unweit von bier: Mer will nun gerne reiten ihn einzuholen mit mir? „Der nehme Rofs und Waffen, ſeis Ritter oder Knecht, Die Alten wie die Jungen, fie fommen alle recht.” Da waren fiebenhundert bereit zu der Fahrt: Man fah fie um den Herzog und den Meifter all gefchart. Als fie geritten famen am Morgen in den Wald, Bon Hildebrand vernahmen fie Dietrich Aufenthalt. Sie ftiegen von den Roſſen und fanden ihn nicht fern; Es gab ein ſchönes Grüßen, da fie empfiengen ben Herrn. Da ſcholls von allen Seiten: „„Willkommen tauſendmal!““ Der Wald und die Haide ward zum Freudenſaal. Auh Ihm nach langem Kummer ward heute lautre Luft; Er füfste den Herzog und zog ihn froh an die Bruft. Alsbald auf feinen Fallen faß König Dieterich Und all die Ritter faßen zu Roſſe freudiglich. Da kam auch rau Herrat geritten von Meran, Und Randolt zog von Mailand mit taufend Rittern heran. Noch wuchs, indem fie zogen das jubelnde Heer, So weit die Mären flogen von Dietrichs Wiederkehr, Aus Dörfern und aus Städten lief Yung und Alt herbei, Auf Wegen und auf Stegen vernahm man Freudengefchrei.
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— 7 J ae — ee a “ - m. .. - 362 Fünftes Abenteuer. Aus Bern auch z0g die Menge bei Garten an das Mal, Bor dem zu tagen pflegte der Landgenoßen Zahl. Dahin mit dem Geleite ritt Dietrich und bieng Den Schild an die Eſche, und rief das Volk zum Gebing. Um Stille bat der Herzog und fprad zu feinem Herm: „Als du zum andern Male vertrieben warft aus Bern, Da gab mit diefem Ringe” (er z0g ihn von der Hand) „Mir Ermenrih der Kaifer diefe Burg und dieſes Land. „Ich ward des Kaifers Herzog; dem Marfchall dient’ ich nicht, Dir nach des Kaifers Tore bemahrt’ ich treu die Pflicht. Sp nimm den Ring zum Zeichen: ich übergebe bir Die Burg, das Land, mich felber und die Mannen alle bier. „Auf diefem Stuhl zu fiten gebührt nun bir allein.” Da erhoben fi die Schöffen und flimmten freudig ein, Das Volt mit Iautem Rufen gab feinen Beifall fund. Da ſprach vom Königsftuhle Dietrich aus tönendem Mund: „Hab Dank für deine Treue, die lohn ich lebenslang, Und Hoff euch all zu lohnen den Gruß und den Empfang. Sit euch wie mir zu Muthe, ihr freien Männer rings, Sp räumt nad diefer Sprache mit mir bie Stätte des Dinge.“ Da ritten fie zur Veſte mit Spiel und lautem Schall; Wie grüßten aus den Fenſtern die fchönen Frauen all! Im Saale ftand der Hochſitz ibm und der Königin; Zu buldigen eilten die Getreuen alle dahin.
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Wie Hache die Harlungen rächte. 363 Mer zu ſchenken hatte, des Hand ſah man nicht leer; Güter und Höfe und blinfende Wehr Schenkten fie dem König und mandes eble Roſs; Doch mar auch mancher Arme, ver feiner Güte genof. Da fandt er fchnelle Boten in Dietmard ganzes Land; Die Fahnlehn von ihm trugen, die wurden all bejanbt. Da kam das Lehn zu mutben aud Elfung, Gelfrats Sohn; Ein Jeder nahm das feine und z0g mit Freuden davon. Nun ſaß Dietrich wieder in feiner Burg zu Bern; Doch auch das Reich begehrte ihn jetzt zum Vogt und Herrn, Die Römer fandten Boten, er follte Kaifer fein, Der deutichen Welt gebieten von der Tiber bis zum Nein. Seit fie vernommen bätten von feiner Wiederkehr, Dem Marihall zu gehorchen verlange Keiner mehr. Der Lüge glaube Niemand, die Sibich ausgedacht, Gezeugt mit Dietrihs Mutter hab ihn ein Elbe der Nudıt. Man ſprach: „Der in ihm mwohnet, iſt ein geheurer Geiſt Bom Himmel mag er ftammen, der hober That fich fleißt. Sein Feuerathbem zürnet nur um fein heilig Recht; Den Göttern ift entfprungen der Amelungen Geſchlecht.“ Da war es feiner Fürften und Herrn gemeiner Rath, Zum Neid dem rechten Erben zu helfen mit der That, Er fam vor Rom gefahren mit mandem fühnen Mann, Den Aar im Banner trug ihm Meifter Hilvebrand voran.
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364 Fünftes Abenteuer. Noch hatte der Verrätber der Harlungen Golb: Mit beiden Händen ſpenden mocht er daraus den Gold. Da braucht’ er feiner Tüden, eh Wer es ward gewahr Dem Berner in den Nüden fchidt’ er der Sölblinge Schar. Zugleich ließ er ſchallen das krumme Heerhorn, Mit fiebentaufend Römern griff er ihn an von vorm; So dadt er ihn zu fahen. Als Dietrich das befand, Auf die Söldner ſandt er feinen Herzog Alebrand. Er felber mit dem Meifter und Manchem der Getreun Saß zu Roſs, die Menge der Römer zu zerftreun. Ein Starker Sturm erhub fih und heiß warb der Tag Eh vor Herzog Alebrand der ftarfe Morung erlag. Nun jahn erit von den Binnen die Stäbter, daß es galt. Die Den von Bern bejendet, die rüfteten fich bald. Sie ſchämten fi des Säumens und billig des noch mehr, Daß jo viel der Römer fochten in des Marjchalld Heer. Sie fielen aus der Belle: die Söldner ſahns und flohn. Da ließ fie nicht verfolgen Hilbrands Fühner Sohn. Er ſah, im Vordertreffen war feiner Hülfe Noth: Da eilt’ er mit den Stäbtern dahin, wo Dietrich gebot. Er fam zu guter Etunde: des Marſchalls Uebermacht Mar groß wider Dietrih, kaum hielt er noch die Schlacht. Set mocht er doch bezwingen des Falſchen Ingeſind. Verwegner That gedachte da Hache, Eckartens Kind.
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Wie Hache die Harlungen rächte. 365 Hört wunderlihe Märe! Er ſah es immer nod), Wie feige hinter Morungs Schild Sibich ſich verkroch, Als der im Sturm bei Raben ihm half aus dem Streit; Daß ihm entgieng der Marichall, das war ihm heute noch leid. „Jetzt bätteft du entgolten des Vaters grimmen Mord, Und feiner Pfleglinge: da trug dich Morung fort. Menn ich dich dießmal finde, Sibich, Sabens Sohn, Nicht taufend Säumer helfen dir, nicht taufend Rofje davon. „Wo birgft du Ungetreuer dein verfehmtes Haupt! Daß mir ter Nahe Wolluft nicht gar ein Andrer raubt.” Er muft ihn lange ſuchen; doch als er jetzt ihn fand, Die gute Waffe fchlug er ihm aus der bebenden Hand, Ergriff ihn übermädtig und ſchwang ihn auf fein Nofs; Das muft er Alles leiden, mie fehr es ihn verdroß. Ihm konnten nicht mehr helfen die Römer, die es ſahn: Schon ſprengt' er mit der Beute den Hügel ſpornſtreichs hinan. Doch hinter ihm verſchwand er: mo blieb der Schnelle nun? Die erft ihm folgen wollten, die ließen eö berubn. Sie felbft von diefer Seite bebrängte Dietrich Heer, Und dort führte Alebrand die Städter fiegreich daber. Auch fchlug ihnen Randolt der tiefen Wunden viel; Nie grimmiger entbrannte das wilde Kriegesſpiel. Das laßen wir beivenden und eilen Hachen nad), Der dort zwei ſtarke Ruthen von einer Rothweide brad).
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366 Fünftes Abenteuer. Was wollt er mit den Ruthen? Zu einem derben Strang Flocht er fie dem Marſchall: mie fchnell ihm das gelang! Schon bieng er an dem Baume, nicht half ibm Weh und Ad, Unter feinen Füßen lautraufchend ftürzte der Bad). Un einer Rothweide Sibich verfchied, - Der rothe Verrätber, der immer Falſchheit rieth. Sp grimmig rächte Hache der Harlungen Fall, Den Vater und den Kaifer, des Marſchalls Unthaten all.
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Sechstes Abenteuer. Wie Tietrih Kaifer ward zu Rom. Die Helfer Sibichs wichen von “Dietrich hart bebrängt, Da kamen fie den Hügel zum Bad herabgefprengt. Zaut rief ihnen Sache entgegen: „Schauet ber, Das ift euer König; gewarnt nun ftredet die Wehr.“ Die Helden ſahn betroffen des Häuptlings grimmes Looß; Sie mochten ihn nicht rächen, der Schreden war zu groß. Da warfen fie zu Boden das Schwert und den Schild Und fielen Dietrihen zu Füßen: „Herr, feit und milb! „Gönnt ihr und das Leben und ehrlide Haft, So dienen mir euch treulih Hinfort aus aller Kraft. Wir haben wohl gejehen, du ftammft nicht aus der Nacht; Den hier die Weide jchaufelt, bat eitel Lügen erdacht.“ Da Sprach der Vogt von Berne: „Hat Sibich euch verführt, Dem ift hier geworden der Lohn, der ihm gebührt. Laßt euch die Warnung fchreden und dient mir fünftig treu. Nahn wir diefem Hochgericht uns all mit heiliger Scheu.
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368 Sechstes Abenteuer. „Wie bat bier Gott gewundert! Am grimmen Marterholz Hieng Randiver dort am Thore, der edle Süngling ftol;. Nun ift ihm vergolten, der ſolche Falſchheit rieth, Und der den Harlungen fo graufes Ende beichied. „Rächt' es nicht ihr Pfleger, fo rächt es nun fein Sohn. Db es ung fpät bebünfe, ereilt! ihn doch der Lohn. Ums Reich ftünd es beßer, wär dir das Ehrenband, Berräther, längſt geworden, das dir Eckarts Erbe wand. „So viel find der revel, die diefer Mann begieng, Sch mill ihn nicht mehr jchelten, nun er fein Recht empfieng. Nah Rom laßt uns reiten, fein Thor erichleß ſich längſt.“ Da ritt er ein ala Sieger auf feinem fchäumenden Hengft. Mit lautem Jauchzen grüßte das Volk ihn allzumal. Er jtieg binan die Stufen zum hohen Kaiferfaal; Da war mit Goldgewirfen ein fchöner Stuhl belegt, Darauf zu figen immer von Rom die Katfer gepflegt. Zu diefem Stuhle führten die Fürften ihn gefamt, Daß er da berrlih übe des höchſten Richters Amt. Des durft er fich nicht weigern. Da kam Herr Alebrand Und trug die golöne Krone des Kaiſerthums in der Hand. Die zeigt’ er allem Volle und gab fie Dieterid; Da fette fie zu Häupten der Kaifer felber ſich. Das Ecepter reicht’ ihm Hilbrand; ſo war dem alten Mann Das Herz bewegt in Freuden, daß er zu weinen begann.
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N Wie Dietrich Kaifer ward zu Rom. 369 Er konnte nicht ſprechen: da that ed Randolt: Laut Sprach er vor dem Volle: „Nun trägt der Krone Gold Der Bogt von Bern, die vor ihm Herr Ermrid trug, fein Ohm; . Er fol ver Welt gebieten hinfort als Kaifer von Rom.“ Ste ſchlugen auf die Schilde und ſtimmten freudig bei, Weithin widerhallt' ed, daß Dietrich Kaiſer jet. Die Fürften und die Ritter neigten fih dem Herrn Und die Gemeinde ſchwur ibm den Eid der Hulbigung gern. Da drängte ſich ein Jeder, fein Angeficht zu fehn, Der Schlößer oder Burgen vom Reiche trug zu Lehn. Man gab mit Land und Leuten fie auf in feine Hand: Mit Fahnen gab er wieder die Lehn mit Leuten und Land. Nun war da Niemand weiter, der ihn um Fahnen bat, Da dacht er, den Getreuen zu lohnen Tühne That. Er ſprach: „Das Allerbefte bat Hache heut gethan Und Alebrand der Herzog an Morungen von Tuscan. „Richt Jedem könnt ich lohnen, ber Wunder ſchuf im Streit, Es hat das Neich der Kronen fo viele nicht bereit. Sch weiß auch wohl, daß Hache für fich geftritten hat; Doc hab er Bologna, die zinnenglängende Stadt. „Und habe Raben Alebrand; er foll da Herzog fein. Ich mag von Bern nicht jcheiden: das will ih Niemand leihn. Mär Diether noch am Leben, den leider Wittich ſchlug, Dem wollt ich es geben, mir blieb’ es nahe genug. Eimrod, dad Amelungenlied. III. 24
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370 Sechstes Abenteuer. „Laßt mich dieß Leid verſenken, das neu mein Herz bezwang, Der Freude jezt gedenken, da mir ber Sieg gelang. - Wir haben viel zu feiern: noch geitern war ich arm, Da ward mir Bern und Baiern; dem Reich gebeut nun mein Arm." — ch ſchweige gern von Feſten und von des Hofes Pracht, Doch alle Tage mehrte fich nun des Helden Madıt. Nach langem Elende, nad ſchwerem Herzeleid Nahm al fein Harm ein Ende und Roſen bracht ihm die Zeit. Das Glück fchien gezwungen ihn freundlich anzufchaun, Seit Miſsgeſchick ihn ftählte, der eignen Kraft zu traum. Des Ruhms aller Helden der Erbe fland er da, Seit in Kriemhilde Saale die grimme Hochzeit geichab. Er blieb allein der Sieger, ihm ward der Preis allein; Er überwand die Beiten, der Befte mujt er fein. Nun ftralt’ erit feine Tugend den Völkern unverhüllt, Der ſchon in früher Jugend die Melt mit Ruhm batt erfüllt. Sein Tag war gelommen, zu dem frühen Ruhm War ihm fein Land geworden, dazu das Kaiferthum. Da wollten ihm auch dienen fomeit fein Name drang Die Völker aller Fernen, die nie das Reich noch bezwang. Die erften, die um Herfchaft ihn kamen anzuflehn, Das waren Heunenfürften; das ließ er gern geichehn. Verſchwunden war Herr Ebel, man mufte nicht wohin: Da ward ob dreißig Landen der Heunen Schwert ihm verliehn.
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Wie Dietrich Kaifer warb zu Rom. 371 Die Schwaben und Burgunden, die hulbigten ihm auch, Die Friejen jelbft gehorchten ihm wider Landesbrauch. So thaten auch die Sachſen; und fern am Oftenmeer, Die Liefen und die Eſthen und ber deutſchen Völker mehr. Die Angeln und die Jüten und überm Belt und Sund Die Wilinge thaten ihm alte Freundſchaft fund. Ihm auf des Reiches Mebrung zu finnen mar nicht Noth, Da man ihm alle Tage neue Königskronen bot. Einft traten au Gefandte zu ihm aus fernem Land, Deren Spradye Keiner an feinem Hof verftand. Auch der graue Meifter Hilbrand, Herbrands Eohn, Des meitgefabrnen, hatte nur flüchtge Kunde davon. Bottige Felle ſchlugen ihren Leib, Das Nenn war zu zäumen daheim ihr Zeitvertreib, Dazu den Wal zu fangen am fchollenreihen Meer. Sie trugen Kolb und Barte ftatt des Schwert und für den Sper. Sie ſchoßen mit dem Bogen aus Fiſchgrat gefchnikt; Mit fteinemen Meßern war ihr Pfeil gefchnikt. Schilfgeflochtne Matten dedten fie bei Nadt; Sie fchliefen unter Zelten aus Robbenhäuten gemadt. Sie brachten zum Gefchenfe den Zobel und den Harm, Und Bernftein ftatt des Goldes, zu zieren Bruft und Arm. „Was Meer und Land ung ſpendet zum Schmud, empfang es gern: Was ziemte mehr dem Helden, den man nennet Den von Bern? — — —
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372 Sechstes Abenteuer. „Uns fandte dir zu buldigen von des Eismeers Bord Ein Bolt ohne Namen; doch rühmt man beinen bort. Sn unfre Föhrenwälder von Süden drang der Ruhm, Wie Seebrand aus Norden, von dir und deinem Kaifertbun. „Die weit er ift geflogen, ermiß: auf unjrer Fahrt Wie vom Froft des Winters ift uns bereift der Bart. Nicht Kälte thats noch Hitze, das Alter hats gethan: Wir fchieden ſtarke Männer, die fchier als Greife dir nahn. „Bir wollen Niemand fchwören, ber Furcht vor Menſchen Tennt, Wir wollen Dir gehören, den man uns göttlich nennt. Mit deines Adlers Flügeln beved auch unfer Land, Und von des Eismeerd Hügeln wird dir fünftig Zins gefandt.“ Doch Dietrich fprach, der Kaiſer: „Wenn meines Reiches Aar Sp weit die Flügel vedte, versenkt’ er fie wohl gar. Ihr braucht nicht ihren Schatten, die Sonne brennt fo hei Nicht auf die frifchen Matten, die ber Winter fäumt mit Eis. „Der Zins, den ihr mir bietet, ift edel wohl und gut; Doch wird dieß Harz nicht fchmelzen des Südens raſche Blut? Und ſchmölzen wir nicht jelber in eures Rauchwerks Schup? Nach Hermelin und Zobel verlangt fein Weib bier zum Pus. „Ich rieth euch, bier zu bleiben bis an des Lebens Biel: Gebrauchtet ihr zur Reife hieher der Zeit fo viel, Daß ihr aus ſtarken Männern zu Greifen ſeid ergraut, So verjüngt euch nicht die Rückkehr, ihr fterbt eb ihr die Heimat jchaut.
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Wie Dietrich Kaifer warb zu Rom. 373 „Do kommt ihr lebendig zurüd, fo fagt den Herm, Die euch hieher geſendet, fie wohnten mir zu fern. Euch frommt nicht meine Herſchaft, mir euer Dienen nicht: Drum fuht euch andern König, fucht näher Schirm und Bericht. „Der Kämmrer foll euch bieten mein Silber und mein Gold, Daß eure Fürften ſchauen mas dieſer Exbftrich zollt.“ Hiemit zu ihren Landen ließ er die Boten ziehn; Ob fie die wiederfanden ift uns nicht Kunde verliehn. Zu richten und zu ſchlichten blieb Er daheim bevadıt, Und auf der Völker Frieden zu gründen feine Macht. Das iſt ihm auch gelungen bis an feinen Tod: Man rühmt in allen Zungen wie wei] und mild er gebot. Man preiit au, wie Frau Herrat des Volles Mutter war Und Amme guten Künften; der reine Sinn gebar Ihr Güte nur und Milde: fie gab das rothe Gold Den Waiſen und den Kranken und mar den Yahrenden hol. Sp that au ihre Muhme, Frau Helke, lebenslang, Und beide Gotelinden. Im deutfchen Heldenjang Bor allen Fraun auf Erden find diefe vier gerühmt. Am Tod ift ihr Gedächtniſs mit hohem Lobe geblümt. Wir folgten nun dem Helden auf feines Lebens Gang Bis zu den höchſten Ehren fich feine Tugend ſchwang. Ihm bleibt nichts zu erringen, uns nichts zu melden mehr: Zu Ende gebt mein Singen, da ich ihn groß weiß und behr.
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® 374 Sechstes Abenteuer. Noch wird von feinem Ende viel Wundermär gefagt, Mie er in Schauernädten als wilder Jäger jagt; Mie ihn ein Zwerg entführte, wohl gar ein ſchwarzes Roſs: Dem glaub’ ich nicht, er dünket mich guter Geifter Genoß. Sein lebtes Roſs hieß Blanfe, fo thut mir Saga fund, Und immer ſprach zu Dante mir noch der Böttin Mund. Es Stand in Erz gegoßen zu Raben aud fein Bilb: Da blickt' er von dem Roſſe bernieder hehr aber milb. Bei ihm ind hohe Alter blieb Meifter Hildebrand; Sp weiſen Mann und guten hat kaum die Welt gelannt. Mohl Niemanden wundert lebt' er der Sabre viel, Der Winter zweihunbert; nicht eher ftand er am Ziel. Auch dir mein Voll gelinge was Dem von Bern gelang: Magſt du dir felbft vertrauen, fo thut dir Niemand Zwang. Folg angebornem Sinne, der Kraft zu Milde fügt, Sp haft du was zur Freiheit, zu ewgem Ruhme genügt.
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Siebentes Abentener. Wie Aldrian feinen Vater rädte. Herr Ebel war verſchwunden; noch mwißt ihr nicht wohin; Mir warb von feinem Looße die Kunde mohl verliehn. Wollt ihr noch gern vernehmen dieß alte Sagenftüd. Zu Kriemhilds blutger Hochzeit gebt die Erzählung zurüd. Als da den ftarlen Hagen der Berner überwand, Er bracht ihn Kriemhilden und gab in ihre Hand Den allerfühnften Reden, der je die Waffen trug. Er ſprach: Laßt ihr ihn leben, er thut euch Dienfte genug. Da ließ fie Hagnen führen zu einem Haftgemad, Wo Niemand ihn erfhaute. Wie wund er war und ſchwach, Sie wollt ihn nicht ertödten in ihrem Haß fofort, Er ſollt ihr verratben erſt der Nibelungen Hort. Hin gieng zu ihm der Berner und fand ihn nicht fo mund, Bei guter Pflege würde der Nede noch gefund. Da fandt in feinen Kerker der Held ein heuniſch Weib, Die war der Heillunft fundig und batt auch blühenden Xeib.
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376 Siebentes Abenteuer. Nun wuſte wohl der Grimme voraus in feinem Einn, Daß fein nicht jchonen werde die Heunenkönigin. Da war er eh er ftürbe auf Rache noch bebadht: Er nahte diefem Weibe und lag bei ihr eine Nadıt. Am Morgen zu der Frauen ſprach er unverhüllt: „Run mag e8 wohl gefchehen, menn fich die Zeit erfüllt, Daß du den Sohn mir bringeft: fo heiß ihn Aldrian; Den Bater joll er rächen, der da heißet wie fein Ahn. „Den Hort der Nibelungen weiß ich wohl verwahrt; Dem Sohn gieb diefe Schlüßel fobald ihm fprießt der Bart. Ich will die Alles fagen maß dir zu wißen Notb; Mir naht in kurzen Stunden von Kriemhilds Händen der Tod.“ Was fol ich weiter melden? Euch ift gar wohl belannt, Kriemhild erfchlug den Helden, als er ihr nicht geſtand, Mo er verborgen batte der Zwerge reichen Hort; Doch grimmig rächte Hildebrand an der Königin den Mord. Nun hört neue Märe. Als Aldrian erwuchs, Da hatt er fcharfe Ohren und Augen wie ein Luchs: Er las in allen Herzen; doch Niemand Iannte feine. Mer hätte fich verſehen feines faljchen Heuchelicheins ? Da geihah es eined Abends, daß in den: Königsſaal Mit allen feinen Rittern Herr Ebel ſaß beim Mal. Die Kerze hielt ihm dienend Albrian der Knab. Da Inifterte die Flamme: eine Koble jprang herab.
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Wie Aldrian feinen Vater rächte, 377 Auf den Fuß dem Knaben fiel fie und brannte noch Und fengt’ ihm weiter brennend durch Schub und Strumpf ein od. Daß ſchien er nicht zu merken; der König felber ſahs, Und nahm hinweg die Kohle, der Er zu wehren vergaß. Da wandte zu dem Diener Herr Etzel fih und ſprach: „Albrian, wo biſt du? worüber denkſt bu nad? Es find wohl wichtge Dinge, die du im Sinne trägft, Daß du dich läft verbrennen und feinen Finger nur regſt.“ „Herr,“ ſprach er, „was ich dachte gilt fchwerlich dir fo viel, Daß ich mijsachten durfte die Glut, die auf mich fiel. Ich dachte: vor dir ſtehe hier nun der befte Wein Und mandjerlei Gerichte, die gar leder find und fein; „Doc möchte dir erjcheinen der Tag, wer weiß wie ſchnell, Bo gern du Schwarzbrot äßeſt und tränfft den Tlaren Duell, Wenn fie zu haben wären; doch beide find dann fern.” Das mwunderte die Ritter, da er alfo ſprach zu dem Herrn. Herr Etzel gab zur Antwort: „Es warb mir nicht erfpart Zu bungern und zu dürften bei mancher Heereöfahrt; Seht bin ich alt und meide den Krieg und ſolche Noth, Mo ich Waßer trinfen müfte oder eßen ſchwarzes Brot. „Es iſt Wahrheit freilih, daß leicht in Armut fällt Der Reiche, der das Seine nicht wohl zu Rathe hält, Wir wollen uns bedenken, tie wir bes Hofes Pradıt Und Ueppigleit beichränfen eb Mangel naht über Nacht."
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378 Siebentes Abenteuer. Sp mar in Etzels Seele des Geizes Saat gejtreut: Da ſchwieg der ſchlaue Knabe und fprad nicht mehr für heut. Nicht lang, fo ritt der König zur Jagd in feinen Tann: Da kam er von den Jägern; bei ihm blieb nur Aldrian. Da bracht er im Geſpräche zuletzt darauf das Wort, Wie reich wohl fei gewefen - der Nibelungenbort. „Wie reich?” ſprach der König, „das ift mir unbelannt; Sch weiß nur, daß des Gutes fich nie fo viel beifammen fand.“ „Wo tft er wohl geblieben?" fprad da Hagens Sohn, „And der den Schaf dir wieje, mas gäbit du ihm zu Lohn?“ „Ja,“ Sprach Herr Ekel jeufzend, „den macht ich gern fo groß, Er follt in meinem Reiche nicht neiden Jemandes Looß.“ „Willſt du fo groß ihn machen, der dir die Schäße zeigt, Den Lohn zu verdienen wär ich wohl felbft geneigt. Es bat fich zugetragen, daß ich den Dirt erfuhr, Wo der Echat ſich findet; doch ungern zeig ich ihn nur. „Dein Eid muß mir bürgen, daß du den Lohn gewährſt.“ „Ich ſchwör es,“ fprach der König; „doch zeige mir ihn erft.“ Der Knabe ſprach: „Und folgit du mir wohl dahin allein? Wir müßen lange reiten, es ift weit von bier, am Rhein.“ „An der Welt Ende,“ rief Ebel, „folgt ich bir, Daß ich die Schätze fände, fo Noth thun fie mir. Ich muß für Andre forgen, für mich alleine nicht, Und Niemand will mir borgen: wer weiß wie bald mir gebricht!"
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Wie Aldrian feinen Vater rächte. 379 Darnach in furzen Tagen ritten diefe Zwei Aus Etzels Stadt alleine; kein Dritter war dabei. Daß wunderte die Leute, daß ſolch ein alter Dann, Der Übel war zu NRofle, mit dem Knaben ritt hindann. Was fie darüber fprachen, das galt dem König gleich. Bald, dacht er, Tehr ich wieder und bin unſäglich reich. Da ritten bin die Beiden, über gebautes Land Und über ungebautes, wo nur dürre Haide Stand. Unterweges fagte der Knabe mandhe Mär, Was Alles mit dem Horte fchon einst gefchehen wär. Er ſprach: „In alten Beiten, da Götter unerkannt Mit Menfchen noch verfehrten und traten irdifches Land, „Da zog einft der Vater der Götter durch die Welt Mit Häner und Loli: die hatt er fich gejellt. Sie famen unterweges an einen Waßerfall, Mo Fiſche luftig hüpften in des Stromes lautem Schwall. „Da fahn fie einen Dtter, der hart am Ufer ſaß Mit dem gefangnen Lachſe, davon er blinzelnd aß. Einen Stein nahm Loki und warf den Dtter tobt. Das freute die Afen; allein es ſchuf ihnen Noth.
„Da Tamen fie am Abend in eines Bauern Haus Und fuchten Herberge. „Wir haben für den Schmaus,“ | Sprach Loki zu dem Wirthe, „geforgt auf unfrer Jagd: | Seht, Lachs zumal und Otter bat Ein Wurf mir eingebracht.“
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380 Siebentes Abenteuer. „Als Reivmar fah den Dtter, im Zorne ſprach er bald: „Meinen Sohn habt ihr erichlagen in Dtterögeftalt. Nun löjt euer Leben und büßt mir fein Blut, Eo wird euch vergeben mit des Goldes rother Blut. „„Den Balg müßt ihr füllen zuerft mit rothem Gold, Ihn dann von außen büllen, mofern ihr leben wollt.“ Da jchlug fie in Bande der Söhne rohe Kraft; Ohne Sühn entgiengen die Ajen nimmer der Haft. „Da ward das Gold zu Schaffen ver fchlaufte Bott entfandt, Dieweil die andern Afen der Wirth behielt zu Pfand. Bald ſchwang fi) Loki nieder in den kryſtallnen Saal, Mo Ran die üble wohnte, des Meeresgotted Gemahl. „Das Net follt er leihen von der Menfchenfifcherin: Das ward ihm nicht geweigert. — Mit Freuden fuhr er bin Zu den Schwarzelfen. Da fonnte fih im Teich Der emfigfte der Zmerge, Andwari, einem Hechte gleich. „Den fieng er in dem Netze. „Welch kluger Fiſch das ift, Der in ter Sonne fpielet und wahrt ſich nicht vor Lift! Du mujt die Feljenlammern erfchließen, Din's Sohn, Dein Haupt mit Schägen löfen, du kommſt nicht anders davon.” „Unwillig bequemte Andwari fich der Zwerg, Die goldne Laft zu bolen aus feiner Klauf im Berg. Er muſt es Alles bringen fo viel des Erzeö war; Einen Ring wollt er bergen, des wurde Loki geivabr
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Wie Aldrian feinen Vater rächte, 381 „Und gebot auch den zu fteuern. Er bat: „Laß mir den Ring: AU das Verlorne acht ich gegen ihn gering, Und mag eö bald erfegen, jo Träftig ift fein Stein.” Doch Loki ſprach: Mit Nichten, Alles was du haſt ift mein.” „Da gab den Ring Andwari und fluchte dem Hort: „Verderben müße Jeder, der ihn bejitt hinfort, Der Bater mit zwei Söhnen, darnad der Fürften act; Nicht Einem bringe Frommen was ich erfchürft in dem Schacht.“ „Der fehlaue Gott verjeßte: „Das wend ich ab von mir: Zuerft befige Reidmar die leuchtende Bier.“ Er gieng und zeigte Odin was er herbeigeichafft; Der nahm den Ring vom Haufen, nicht unbemwuft feiner Kraft. \ - „Da gaben fie dem Wirtbe des Zwerges Löſegeld. Auf die Füße wurde der Dtternbalg geftellt Und mit dem Gold von innen gefüllt; von außen auch Das Gold umbhergefchichtet, denn fo verlangt’ es der Brauch. „Reidmar fam und fpähte: „St mein Geheiß erfüllt?” Da ſah er noch ein Bartbaar dem Otter unverhüllt, Und hieß das auch beveden. Des Zwerges Kleinod Zog Odin da vom Finger: damit entgieng er dem Tod. „Das Schnauzhaar auch bevedt' er und ſprach: „Nun find wir frei: Sp bringt die Schuhe Loken und mir den Spieß berbei. Der Fluh mag fi erfüllen des Zwerges an dem Gut: Der ihn befigt entgelte des Hort an Leben und Blut.“
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382 Siebentes Abenteuer. „Da ſprach der Wirth: „Ach achte der Drohung nicht ein Laub, Die Scidjalöweberinnen find euern Wünjchen taub. Doch wüſt ich eure Reden mir fünftger Uebel Keim, Sch ſchickt' euch lebendig aus meinem Haufe nicht heim.” „Das Gold nahm der Bauer, die Afen jchieden Beil. Da beilchten feine Söhne des Schatzes ihren Theil; Das weigerte der Alte, den Kindern gönnt’ er nichts. Ihr werdet kaum bebürfen, vermuth ich, mweitern Berichts. „Ihr habt das wohl vernommen mie ihn der Sohn erſchlug Und in die Haide Fafner der Aſen Notbgeld trug. Da lag er auf den Schätzen ein grimmer Drade lang Bis Siegfried Kohlen brennend den Wurm der Haide bezwang.
„Er ſchlug auch Fafners Bruder, den Schmied, mit Siegmunds Schwert: Da batte ſchon an dreien der Wunfch die Kraft bewährt; Auch Niblung fiel, der König, weil er den Hort bejaß Und Niblungs Söhne beide, durch des Zwerges Fluch geſchahs. „Der nächſte war Siegfried, der durch den Hort verbarb; Im Heunenlande wißt ihr wohl felbft wer drum erftarb. Gunther und Hagen, Gernot und Geijelber, An euerm Hof erlagen fie durch des Hortes Begehr. „Weiß ich nun wohl zu zählen, fo bat der Fürften acht Nah des Zwerges Wunſche die Goldgier umgebradt: Ihr habt nichts mehr zu fürchten, euch meinte nicht dev Ziverg.“ So ſprach zu Etzeln Aldrian bis fie famen an den Berg.
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Wie Aldrian feinen Vater rächte. 383 Mo ift nun die Thüre, die in den Selfen führt? Nach kurzem Suchen hatte fie Hagend Sohn erjpürt. Er nahm hervor die Schlüßel, die ihm die Mutter lieh, Und erjchloß die erfte Thüre, zu der zweiten führte bie; Die zweite zu der dritten: dem König währt' es lang: Unheimlich ward und düfter im engen Felfengang. Doc als die legte Thüre der Schlüßel aufgetban, Was Gold, was Ebdelfteine da feine Augen erfahn!. Die weite Feljenhalle Iag des Schages voll, Alles Reichthums Fülle bier unerjchöpflich quoll. Da waren erit die Schäte, die Siegfried der Held Dem Drachen abgewonnen, den er im Kampfe gefällt. Dann was zu Glodenfahfen erwarb der Zwerge Fleiß, Als ihnen Wieland diente nah Watens Geheiß, Und was ſeit taufend Jahren in Niblungs Kammern lag: Einen Schaß fo unermeßlich beichien wohl nimmer der Tag. Dazu mar noch gelommen König Guntherd Gut. Erftaunt ftand Herr Ebel und dacht in feinem Muth: Wie ſchaff ich all den Reichthum in der Heunen Land? Nicht Saumrofje find mir, noch find mir Wagen zur Hand. Hätt ichs daheim, im Leben verthät ich nicht den Hort. Dieweil er alfo dachte, ſchlich Aldrian ſich fort, Und fam an den Stollen und vor die erfte Thür: Die ſchloß er mit dem Schlüßel und warf den Riegel dafür.
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| 384 Siebentes Abenteuer. Als Ebel ihn vernifste, da rief er: „Albrian, Komm ber zu mir, mein Knabe, fieh diefen Reichthum an!“ Doch Aldrian verfebte: „Du bift den Schätzen hold: Nun haft du Kleinode genug, und Silber und Gold. „Du darfſt nicht mehr begehrten als hier beifammen ift; Mich freuen Wald und Haide, Gold hab ich nie vermilst: So labe dich am Gute und laß zu Walde mid.” Er ſchloß die andre Thüre und die britte hinter ſich Und ließ den König Ebel bei feinem Gold allein. Dem fieng ed an zu tagen: Hagen fiel ihm ein, Diefes Knaben Vater, den Kriembild erfchlug Um des Schates willen: wohl war fie grimmig genug. „Will er den Vater rächen, daß er die Thüre fchloß, Und alle Nibelungen, des Stammes lekter Sproß? Noch darf ich nicht verzagen, er fpradh von dem Walb: Menn ich mich recht befinne, liebt’ er ſtäts den Aufenthalt.” Er barrte bis zum Morgen: Tein Knabe ließ fich fehn. Da muſt in großen Sorgen der reiche König ftehn. Der Tag war auch vergangen und wieder fam die Nacht: Noch ſaß er bei den Schägen einjam in dem tiefen Schacht. Da kehrte zu dem Berge der Knab am dritten Tag; Im Unmuth gab der König der Thüre manchen Schlag. Da hört’ er Tritte fehallen und rief: „Nun thu mir auf, Nimm alle diefe Schäte, mein halbes Reich in ven Kauf.
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Die Aldrian feinen Vater rächte. 385 „So büß ich dir den Vater; ich will auch diefes Leib Dir nimmermehr gebenten bei meinem höchſten Eid! Nun laß dich erfleben, mein lieber Aldrian: Gedenk, eitel Güte bat Egel ftäts dir gethan. „Er ift auch unſchuldig an deiner Freunde Mord.“ Da Sprach zu ihm der Knabe: „Der Nibelungenhort Lag immer euch im Sinne, dir und der Königin; Der warb dir nun zu Theile: erfreut dich nicht der Gewinn ? „Iſt nun nicht wahr geivorden mas ich vorausgefagt, Der Tag möge Tommen, er bat dir nun getagt, Mo gern du Echwarzbrot äßeft und Waßer tränteft ger, Wenn fie zu haben wären; nun aber find fie dir fern.“ „Ja,“ ſprach der reihe König, „du haft das Wort bewährt; Drei Tage hab ich Waßer und fchwarzes Brot begehrt, Und beider darben müßen. Nun fchließ mir auf die Thür.“ Der Knabe rief: „Mit Nichten, du kommſt nicht wieder berfür. „Sieh zu, ob Gold und Silber dir Durft und Hunger itillt: Wornach dich ftäts verlangte, erkenne was es gilt.” Da gieng er aus dem Stollen und ſchloß die Thüren ab, Und mälzte ſchwere Steine vor den Eingang in das Gral. Wohl Mancher hat am Leiberg darnach gejucht feitben: Und feine Thür gefunden. Es ift gar unbequem Die Blöde wegzuwälzen: mir felbft auf eignem Grund Am Menzenberg gelänge wohl jonft der glüdlihe Fund. Simrod, das Amelungenliev. 11T. 25
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386 Siebentes Abenteuer. "Der König blieb im Berge; es fei denn daß er farb, So hütet er noch heute das Gold, das er erwarb. Was aus dem Knaben ivurde vermelde wers erfrug; Er hatte feinen Vater gerochen graufam genug.
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Achtes Abentener. Wie Heime ein Klofterbruder wart.
Nicht mehr zum Rand gefüllet tft meiner Dichtung Horn, Wie unerfchöpflich quillet ber Göttin Wunderborn. $ Ahr nipptet von dem Schaume, die Neige fchlürft ibr jebt; Bon Heimen bleibt zu melden ein Abenteuer zuleht. Als Dietrich ward vertrieben durch Sibichs Verratb, - Ihr börtet von dem Schaden, den er dem Marjcall that e Mit Sengen und mit Brennen; das trieb er mandıes Jahr Und war des Landes Schreden mit der Raubgejellen Schar. Als jegt ihm von dem Tode des Marſchalls warb geſagt, Das alte Schächervefen bat ihm nicht mehr behagt. J Auf Sibichs Hofgüter war er ſo lang erpicht; Die armen Bauern ſchinden wie ein Landvogt wollt er nicht. Er war nun alt, im Alter bekehrte Mandher fich; Auch Ihm kam eine Laune, die war gar wunderlich Ins Klofter wollt er geben, die Sünden zu bereun. Er mochte wohl auch Dietrich, feinen alten Herren, jcheun,
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388 Achtes Abenteuer. Wie dem auch fer, er Ichaffte ein Pilgerkleid ſich an, Und einen Stab mit Ringen, da biengen Schellen dran; Stieß er ihn zu Boden, fo gab es lauten Schall. So gieng er in die Klöfter und die Gotteshäufer all. Damit wollt er prüfen mie eifrig im Gebet Die Klofterbrüber wären. Wer recht zum Himmel fleht Wird ſich nicht ftören laßen ein irbifches Geräufch, Und wenig taugen Mönde, wenn fie nicht fromm find und keuſch. So dachte Heim und ſuchte nad frommen Mönchen lang, Und fand die rechten nimmer auf feinem Pilgergang. Doc als gen Novalefe die Reife jegt ihn trug, Und er am Kirchenthore den Stab auf den Eſtrich jchlug, Daß laut die Schellen klangen, da fah fih Niemand um, Die guten Mönchen Inieten vor Gott wie taub und flumm. Der Chorfnaben Einer nur wandte ſcheu das Haupt, Zu fehn, was da erflänge; er hätte fchwerlich geglaubt, Daß es der Meifter fähe: der aber war nicht faul Und fchlug ihm eine Schelle ver Schellen halb ans Maul. Dem Pilger an der Pforte gefiel die ſcharfe Zucht. Er dacht: E3 kann nicht fehlen, fie bringt auch löbliche Frucht. Ich bin fo weit gewandert und fand die Andacht nicht: Mit ſolchen Mönchen trüge fich leicht die ſchwerſte Pflicht. Da gieng er an das Klofter und rief den Abt heraus, Und warb ald Laienbruder aufgenommen in fein Haus.
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Wie Heime ein Alofterbruber warb. 389 Die Kutte muft er tragen und fittig vor ſich ſchaun; Auch ward ihm aufgegeben das Gartenfeld zu baun. Das konnt er wohl verridten, es fiel ihm nicht fo ſchwer Als andre Klofterpflichten: in die Kreuz und in die Quer Spannt’ er lange Seile und hieng die Dueden dran, Die Wurzeln nach der Sonne, die heiß am Mittag brann. Da börrten fie die Stralen: das Mittel dünkt mich gut; Doch ſoll es gründlich helfen, fo braudt es ſüdliche Blut. Nun Tam die Zeit der Ernte, ein Wagen ward beipannt, Den Zehnten einzuholen von allem Klofterland. Nichts anders follte tragen das fchöne Gefähr Als eine hohe Stange Wie ein Maftbaum groß und fchwer. Daran biengen Gloden wie an dem Pilgerftab, Daß es ein ſchön Geläute durch alle Dörfer gab. Die Klofterhöfe hatten nun ihre Wagen auch, Das Korn herbeigufahren; doch war es aljo Gebraud), Daß vor den andern allen der Kloftermagen fuhr Mit läutenden Gloden; die andern feiner Spur Bid vor die Scheuer folgten. Und an dem Glodenfchall Erfannte man, es kämen des Kloſters Zehntivagen all. Da bätte fie fein Herzog zu fchäbigen gewagt. Doch jene Räuberbande, der Heime hatt entfagt, Als die wohl hundert Wagen beladen ſah mit Frucht, Die war fie anzufallen wohl fühn genug und verrudt.
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390 Achtes Abenteuer. Des Klofterd Dienftleute, zuerft auf Wehr bedacht, Beließen bald die Beute fo ftarfer Uebermadht. Das warb dem Abt gemeldet; da wuſt er nichts zu tbun Als den Convent zu fragen ob fie das ließen berubn. Die frommen Mönche meinten: „Der Schaden wohl ift groß; Doch großen Schaden leiden Mar ſtäts der Schwachen Looß. Wir können nichts als bitten und allenfalld noch dräun Mit Gottes Zorn: den pflegen aber Schächer nicht zu ſcheun. „Doch müßen wird verfudhen, Herr Abt: drum ratben wir, Schickt unjern Bruder Ludwig: der ift der frömmite bier.“ Das war der Kloftername, ben Heime jebo trug. Da ſprach der Bruder Ludwig: „Sch bin nicht weile genug, „Daß ich ertragen könnte der Räuber Ueppigfeit. Wie, wenn fie mir nähmen mein bären Kloſterkleid?“ Der Abt ſprach: „Das erbulde bu in gelaßner Rub: Wenn fie das Kleid dir nehmen, fo gieb die Kutte dazu Und ſprich, vom Abte habeft du fo zu thun Befehl.“ „Und nehmen fie mein Hembe, ſeh ich dazu nicht fchel?“ „Beileibe nicht,” verſetzte der Abt, „das bringt fein Glüd. Nein, fprich, dir ſei befohlen auch zu laßen diefes Stüd.“ „Verzeiht noch Eine Frage,“ ſprach Heim, „bochwürbger Mann: Wenn man mir an die Hofe nun will, wie aber dann? Laß ich auch die im Stiche und gehe nadt nah Haus?” „Rein,“ fprach der Abt „die Hofe, da märe ja Alles aus.
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Wie Heime ein Klofterbrubder ward. 391 „Du gabft von deiner Demuth dann Härlich fchon Beweis, Ich Tann dir nicht befeblen, gieb auch die Hofe Preis, Zumal man über Hofen mohl feine Stelle trifft.” „Nein,“ ſprachen fie, „wir finden von Hofen nichts in der Schrift.“ Damit war Heim zufrieden. „Doch wär ein Schwert mir Noth, Daß ich mich mehren fünnte, nur eben vor dem Tod. Sch bracht ind Klofter eines vor Alters, irr ich nid: Wo tft das wohl geblieben?" Da mufte Niemand Bericht. Doch fprach ein Bruder enblih: „Es wurde hiebevor Zu einem Thürgehänge verbraudt am Kirchenthor.“ Wohl jammerte den Reden der Zmerge leuchtend Schwert. Er ſprach: „Du guter Nagelring, warſt bu nichts Beßeres werth?“ Als das die Mönche hörten, fie fahn ſich an zumal. Sie hatten jagen hören von Heimes fcharfem Stahl, Nagelring nebeißen; doch fiel noch Keinem ein, hr frömmſter Klofterbruder könnte Heime felber fein. „Ein Roſs auch werd ich brauchen,” ſprach Ludwig, „zu der Fahrt, Wenn mir die Schächerbande die Nothwehr nicht erfpart.” Der Abt ſprach: „Karrengäule ftehn uns im Stall genug, Du magſt den ftärkften wählen davon, ich gebe dir Fug.“ Er ließ die Pferde bringen: man z0g fie aus dem Stall. Der Bruder fam und ſah fie: „Sind das die Kllepper all? So will ich fie verſuchen.“ Er legte feine Hand Dem erften auf die Kruppe: da bielt er unlange Stand.
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392 Achtes Übenteuer. Mit zerfnidtem Rückgrat fiel er auf den Bauch. So gieng es bei der Probe den andern Gurren aud). „Nicht eine Bohne geb ich für folche Reiterei. Da fteht noch eine Märe: mas holt ihr die nicht herbei?“ Man ſprach: „ES ift ein blinder und ganz verlommner Henaft; Mir dachten ihn dem Schinder zu bringen ſchon vorlängſt; Doch warb es ſtäts vergeßen.” Der fromme Bruder ſprach: „Laßt mich ihn erit verfuchen; fein Recht geſcheh ihm hernach.“ Der alte Graufchimmel warb in den Hof gebradit. Daß es Rispa wäre, tie hätt er das gedacht? Doch bald erkannt ihn Heime, wie blind er war und alt, An feinen langen Mähnen und an der hohen Geftalt. Er ſchlug ihm auf den Rüden, beim Schwanze zog er ihn: Der Hengft ftand ftill, er mochte drüden oder ziehn. Da faß er auf und ritt ihn in immer fihnellerm Trab: „Dem find noch unvergeßen die Lehren, die ich jung ihm gab. „Kein Hengft ift auf Erben, der jo zum Kampfe frommt. Nun gebt ihm gelbe Gerfte, daß er zu Kräften fommt; Darnach gönnt mir Urlaub.” Zwei Knechte nahm er mit Und fam zu den Räubern auf dem Hengft in ſachtem Schritt. Die mahnt’ er demütbig, um Gott den freveln Raub Dem Klofter zu erftatten. „Der Predigt find wir taub,” Sprach der Räuber Einer; „den Nod gieb ber dazu.” Er gab auch noch die Kutte: „Der Abt gebot, daß ichs thu.“
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Wie Heime ein Klofterbruder ward. 393 Man nahm ihm jeßt das Hemde: das gab er gerne Preis. „Das muß ich Alles leiden, es tft des Abts Geheiß.“ Nun wollten fie die Hofen: „Die,” ſprach er, „laß ich nicht: Es warb mir nicht befohlen, ſonſt gehorcht ich gern der Pflicht.” „Was dir befohlen wurde, bas tft uns einerlei.” „So mehr ich mich,” verſetzt' er, „tie leid es mir fei.” Da batt er unverſehens den Bügel losgejchnallt: Den ſchwang er nad) den Schächern und traf mit folcher Gewalt Den neuen Räuberhauptmann, daß er zu Boben ſank; Noch ſchlug er mit dem Bügel drei alte Freunde Tran. Bald bielt nicht mehr der Riemen: „Wo nehm ich andre Wehr?“ Da fah er vor fich weiden einen Beuert groß und ſchwer. Dem riß er eine Keule vom Leib und fchlug damit Den Schächern ſolche Beulen, daß Keiner gern mehr ftritt. Schon lagen neun am Boden, den andern ſetzt' er nad) Mit Toben. und mit Kloben bis ihm ein Gegner gebrach. „Seht an, lieben Freunde, das heißt man Klofterzucht.” Da ſucht' ex in der Scheuer nad der geraubten Frucht, Und lud fie auf die Wagen, dazu noch fremdes Gut. Dann kehrt' er froh der Beute zurüd in des Klofters Hut. Der Abt empfieng ihn ſeufzend und ſchalt ihn waidlich aus, Daß er mit frembem Raube beichwert das Gotteshaus. Das litt der Mönch geduldig und trug die Buße gern. Da ward im Lande ruchbar diefe Märe nab und fern,
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394 Achtes Abenteuer. Die Räuber fein erfchlagen, die e8 fo lang verheert: Das hab ein Klofterbruder gethan auf blindem Pferd. Nun hört! auch Kaiſer Dietrich von diefem Heldenſtück. Da gedacht er alter Zeiten und dacht an Heimen zurüd. Er batte nicht erfahren, wo der geblieben war, Seit er ſich jchieb vor Jahren von diefer Räuber Schar. „Kein Andrer mocht es leiften: wenn er am Leben ift, So hab ich allzulange den alten Freund bier vermifst.“ Da gieng er vor das Klofter und rief den Abt heraus. „Heißt Studas oder Heime ein Bruder hier im Haus? Sch wollt ihn gerne ſprechen, den Sohn bes Adelger.“ Da zählt ihm alle Mönche der Abt mit Namen baber; Doch Keiner war der Brüder, der folden Namen trug. Als das der Berner hörte, es war ihm leid genug. „Doch laßt mich alle fchauen, die ihr im Klofter habt.“ Dem reihen Kaifer mochte das nicht verfagen der Abt. Er führt’ ihn ins Capitel und zeigt’ ihm den Convent: „Run mögt ihr felber ſchauen ob ihr den Mann erkennt.” Da fah er Einen ftehen, der war von Schultern breit Und von gebrungnem Wuchſe: er büllte fih in fein Kleid Als wollt er fich verbergen. Das nahm der Kaifer wahr, Und faßt' ihn fcharf ind Auge. Da ward er bald gewahr, Färbt ihm gleich das Alter die Scheitel taubenweiß, Sein Stallbruber ftehe vor ibm in der Mönche Kreiß.
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Wie Heime ein Klofterbruder ward. 395 Da fprach der reihe Kaifer: „Gieb Bruder mir die Hand: Zwar giengen achtzig Winter und Sommer über Land, Seit wir ala Freunde ſchieden; doch laß der Mönche Chor: Mein Stallbruder jollft du wieder werden mie zuvor.” Heime that als hätt er den Kaiſer nie gefehn. „Du bift mein Sreund, bift Heime, was willſt dus nicht geftehn?“ Da ſprach der Möndh: „Von Heimen ift mir nichts betouft; Nie war ich euer Stallknecht, habs auch zu werden nicht Luft.“ Da Sprach der Kaifer wieder: „Dir denkt wohl noch wie mir, Wie wir den Elephanten beitanden, Sintrams Thier; Wie wir den halben Griechen dann bieben aus dem Wurm, Du mit dem ſcharfen Welfung; es war ein freislicher Sturm. „Die dampften unfre Roſſe nach des Kampfes Glut! Sie tranken aus dem Fluße, daß gar verſchwand die Flut. Des muß die noch gedenken.” Er ſprach: „Des denkt mir nicht, Ich bab auch nie gelefen fo fabelhaften Bericht. „Bruder,“ ſprach da Dietrich, „ſeitdem fiel mancher Schnee, Ein Theil dir zu Häupten: du greiſeſt wie ich ſeh. Doch wird dir noch gedenken wie Markgraf Iran, Da wir gen Breiſach ritten, erſchlagen lag in dem Tann. „Mit goldgetriebnem Sattel ſtand dabei ein Roſs, Das beroch die Wunde, der das Blut entfloß. Es wollte Niemand leiden dent lieben Herrn fo nab, Sic felbft nicht von ihm fcheiden, an dem ihm Leides geichah.
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396 Achtes Abenteuer. „Da waren auch zwei Hunde, die hüteten den Herm, Und ledten ihm die Wunde; es burfte fich von fern Niemand ihnen nahen; fie jchrien und bollen laut. Und auf der Eiche wurden zwei Edelfalfen erfchaut: „Die kreiſchten auch erbärmlih und Tlagten feinen Tod; Ich weiß gewiſs, dich rührte der treuen Thiere Noth.“ Der Mönch ſprach: „Weber wenig rührt’ ed mich noch viel: Ich jah die Stätte nimmer, wo ber Markgraf Iran fiel.“ „Du baft es wohl vergeben,“ ſprach Herr Dieterich. „Doch unſers fchönen Einzugs in Rom entfinnft du Did, Da wir zum Reichstag fuhren: wie winkten uns die Yraun! Wie drängten fi) die Schönen uns junge Helden zu jchaun ! „Da war mir Gold die Lode, dir rabenſchwarz das Haar, Und heute blüht uns beiden die Scheitel filberllar. Du weiſt auch was damald mit Dietleib ift geſchehn; Laß, alter Freund, den Berner nicht länger bittend vor dir ſtehn.“ „Bon allen diefen Dingen,” ſprach Heime, „weiß ich nicht; Wohl hört ich von dem Berner mancdherlei Bericht, Und Ermenrich dem Kaifer; doch niemals jah ich fie, Und mas die Blinden fangen von den Helden, glaubt ich nie. „Du willſt mich nur nicht kennen,“ ſprach der Held von Bern, „Doch haft du nicht verläugnet jo grauſam beinen Herrn, Als ihn vertreiben wollte Sibich, der falſche Mann: Da rangft du die Hände, daß der Schweiß zu Boben rann.
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Wie Heime ein Klofterbruder ward. 397 „Da war dir doch die Seele um eitel Gold nicht feil; Die Habgier bezwingend erforft du ewges Heil. „Ihr trauten Freunde,” riefft vu, „Gefellen allzumal, Noch einmal kehrt, Herr Dietrich, kehrt noch einmal in den Saal. „Ich Tünd euch gute Märe, wenn euch nur Gold gebricht. Ihr meint, der Kaiſer wäre fo reich, das ift er nicht. Ich trug gen Bologna der Harlungen Scha; Nur diefer Schlüßel fchließt ihn; ich weiß alleine ven Plab. „Des altgemünzten Goldes, des vothen, einen Berg Mie Elberich ihn hatte und Goldemar der Zwerg, Des Silberd ganze Haufen, Kleinode mancherlei Sand ich im Burlenberge, viel edle Steine dabei. „Ich nahm es dem Kaifer; das bat mich nie gebrüdt; Sch nehm ihm noch die Krone, wenn e3 mir künftig glüdt. Doch war es dein zur Hälfte, ja ganz, Er bat das Land: Das ließ mich oft nicht Schlafen, es fer dir willig befannt. „Des ſchnöden Goldes willen mag ich fein Schurke fein, Mit diefem Schlüßel laß ih die Schäte: fie find dein.” „Waffen!“ rief da Hilbrand, „bier ift ein Ding gefchehn, Und leb ich taujend Jahre, ich werd es nicht wieder jehn. „Hier giebt dir Heime Schäte, Dietrich, der karge Mann! Und muft du ins Elend, der Troft dich tröften Tann. Solft du Bern nun miflen, du bift nicht ganz verarmt: Es hat deines Leides ein Herz von Stein ſich erbarmt!“
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398 Achtes Abenteuer. „Erbarme did) nun wieder und gieb dem Freund dich fund, Der dich zu lange milste: fo wird mein Herz gefund. Bon allen meinen Helden blieb mir nur Hildebrand ; Ich will die Stunde fegnen, da ich Heimen wiederfand.“ — Da konnt er ſich nicht bergen; ihm ſchmolz das harte Herz. „Herr,“ ſprach er, „edler Dietrich, verzeiht, es war mein Scherz. Mir denkt noch wohl der Dinge; ich zieh auch mit eudy gern Wohin ihr nur gebietet, ob es Rom fei oder Bern.” Da warf er bin die Kutte und all fein hären Kleid: „Herr Abt, gebt mir Urlaub, ich dient euch lange Beit; Nun muß ich wieder dienen dem edeln Vogt von Bern.“ Da nahm er Roſs und Waffen und ritt gen Rom mit dem Herrn. Ich kann euch nicht bejcheiven mas ſeitdem geſchah Als daß man ſtäts beifammen die alten Freunde fah Bis, der Alles jcheidet, der Tod die Helden ſchied. Hier hat die Mär ein Ende; das ift das Amelungenlied.