In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
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Das Meerwunder
Nun hort vnd schweigt zu disser stunt, ich mach euch abenteure kunt von einer kun(i)gine, die was ein(m) kunig lobe san: do wusch ein teuffellicher man, der wolt die frawen gewine; er tet ir leides gar genug, als ir her nach wert horen, er was so grimig vnd vnfug, al weib wolt er betoren, er trug den reinen frawen has: wo ym eine mocht werden, die schwecht er vnd sie dar nach fras.
Nun mogt ir horen, wan er kom, der selbe teuffellische kom, von wem er wurd geporen: es sass ein edel fraw so her in Luner ia pei dem mer, ein kungin aus derkoren, die ging spatziren fur den walt, dort pei dem mer so wilde; do kom ein mer wunder gar palt, ein graussamliches pilde, das schwecht die frawen aus derkorn, mit noten, vber iren danck: do von der weidman wart geporn.
Die fraw die leid gros angst vnd not, sie wer nahent gestorben dot wol von dem mere wunder; er zwang sie, vber iren danck, vñ das die fraw wart totlich kranck von dem graussamen kunder: es het fus als ein fleder maus, vnd was rauch als ein pere, ging auf gericht in hohem praus, recht als es ein mensch were, es het augen nach falcken art, sein maul was einer spane weit, vber sein prust so ging sein part.
Die fraw gar nachent tot beleib, ins das der teuffel do vertreib sein lust do mit der frawen. sie sprach: „awe der grossen not! nun wolt ich lieber ligen dot, den das ich hie sol schawen so gar ein vngehewres pild sol mir mein leib bezwingen. o her, nun pis mein schirm (und) schilt, las mir nit misselingen. sol ich dem wessen vnter tan, der als ein teuffel ist gestalt, nit lang ich das gedulden kan.“
Do reit ein edel furst so her, der gunt do iagen pei dem mer hirs, hinden vnd manck wilde. do schrey die fraw so wol getan: „helft mir, ir tugenthafter man, hie von des teuffels pilde!“ das mer wunder hub sich dar von, vnd het sich schir verkrochen. do sprach der furst so wol getan: „fraw, was hat euch geprochen, das ir so iemerlichen schreit? sagt mir ewr not vnd all ewr clag: kan ich, ir wert von mir gefreit.“
Do sprach die fraw gar wol getan: „ach her, ich was in dissen tan durch kur(z) weil her gegangen, do kom ein graussamlicher degen, der hat gewaltz hie mit mir pflegen, mir wart nie zeit so langen. nun hat euch got wol her gesant, es wer gewest mein ende, do ir komp(t), der teuffel verschwant von mir also behende: vnd wert ir mir zu trost nit kumen, ich mein, das teuffellische pilt, het mir (mein) leben gar genumen.
Des ist bekumert hie mein sin.“ er sprach: „wo ist der teuffel hin? fur war, ich wolt euch rechen, vnd das ich in möcht kumen an, sein leben must er mir hie lan, oder must mir meins prechen. nun sagt mir, werde fraw so zart, vnd wo er hin sey kumen.“ do sprach die fraw von hoher art: „des hab ich nicht vernumen, vnd wo der teuffel kumen ist: ich mein, er sey im wildem mer, darin sein wanung ist al frist.“
Do sprach der edel furst so zart, der was ein here von Lampart: „so ziehet mit mir heime, vnd al ewr sorg die sey gelegen, man sol ewr tugentlichen pflegen, als zarten frawen reine.“ sie sprach: „mein her, des danck euch got, edler her so lobe sane; det ichs ver leit, so sturb doch dot doheym mein lieber mane. do ich heut morgen von ym ging, do[ch] gab er mir lieblich sein kuss, mit armen schon er mich vmbfing.
Ich kan sein nymer mer verclagen, das ich mich tet so vere wagen her in die grunen awen, das ich mein er verloren han; ich mein, auf erden nie kein man gewan als lieb ein frawen; als mych mein her in gantzer lieb het lieb von gantzem hertzen: nun hat der teuffellische dieb zemert mein leid vñ schmertzen, der mir mein er genumen hot: vnd wirt sein yn mein lieber her, ich sprich fur war, so sturb er dot.“
„Ach fraw, nun lat ewr senes clagn; do so do sol man nymant sagen; ir wurd der sach bezwungen. wolt ir, ich gib euch gut geleit, pis ir kumpt in ewr sicherheit, hot es euch mysselungen, so secht euch fur pas eben fur, vnd tut nit mer spatziren allein fur ewres hausses tur, so pleibt ir wol pei wiren. das sol euch sein ein warnung gut: vnd get nit fur pas in den hag, ir wisst den, das ir seit behut.“
Die auss derwelte fraw gemeit der edel furste heim beleit, pis an ir gut gewere. die fraw die was betrubet ser, wan sie gedacht wol an ir er, ir hertz das was ir schwere. das gunt mercken der kunig lob san, das sie was ser betrubet; er sprach: „zart fraw, was ligt euch an, das ir in leit euch vbet? was pricht euch, was ist euch geschehen? die weil ir habt gewant pei mir, hab ich euch (nie) so trau(r)ig gesehen.“
Die fraw die sprach: „trawt here mein, ir sult eins guten mutes sein, vnd mir gewiret nichte.“ sie tet, als sie der here lert, der sie vom teuffel het dernert aus jemerliche(r) pflichte. gar dick sie do erseufft(z)en gund, vnd wo sie was alleine. das merck(t) ir her zu manger stund, von seiner frawen reine: wie vil der her sie dar vmb fragt, so wolt sie in betruben nicht, das sie ym do von nichs nit sagt.
Doch wart wachssen der frawen leib als noch hie tun die zarten weib, wen sie sein schwanger worden. dar nach sie do ein kint gepar: sein haut die was mit schwartzem har geleich der peren orden. der her vnd auch die fraw erschrack, do sie das kint an sahen. der her sprach: „was das deuten magck? ob mich got wil verschmahen? des gleich ich nie gesehen han; wan das kint ist rauch als ein per, sein augen rot vnd schwartze grau.“
Das kint zoch man gar lobesam, pis es zu zwelff iaren kam; do nam es zu mit krafte, das nymant mocht vor ym bestan, vil manig werder kuner man der wart von ym gestrafte, das ider man den teuffel floh vñ seinen grimen zoren; wer sich mit vechten gen ym zoh, vnd der must sein verloren; dar vmb so floch in iungk vnd alt: es wolt den kung verjagen von seinen landen mit gewalt.
Grosser vntat er sich an nam: was er der iunck frawen an kam, die schwecht er alle, tzware; gar heimelich so tet er das, vñ dar nach ers zu speise as; das man vil iunck fraw clare verlas wol in des kunges reich, dye er al het gefressen. betr[e]übet wart der kungk geleich, das er sich het vermessen zu schwechen vil der iunck frawen her, die er heimlichen alle frass, das man ir keine gesah nit mer.
Der edel kunig aus derkorn het man(i)ck schone magt verlorn wol von dem argen wichte, vnd sprach zu ym: „werstu mein sun, so sol(t) tu adellicher tun; dein weis gefelt mir nichte; werstu von adellichem stam, so te(t)stu pas geparen.“ do der teuffel die wort vernam, das tet ym also zoren, das er dem kunig trug gros has: er wolt den vater toten, wen er verpringen mochte das.
Dem edlen kung, vor etlich iarn het ym sein weib ein sun geparn, der was starck, frum vnd kune, vnd ym man grosse ere seit: dem trug der pank hart has vñ neit wol vmb sein er vnd schune. der pank hart stellet nach seim leben, dem vater vnd dem sune; er tet ser nach dem kunck reich streb(e)n; er wolt in den tot tune, vnd er wolt selber here sein: dar vmb vil mancher werder man von ym kom in des todes pein.
Do der vater vnd sein sun sach, das er in also stellet nach wol vmb ir peider leben, do sprach der vater zu seim sun: „dein pruder wirt vns den todt tun, vnd hut wir vns nit eben; mich dunckt nit, das er mein sun sey, das er vns wil derstechen: was wil der arge teuffel frey hie an vns peiden rechen? das er vns pringen wil in not. ein list wol wir wol finden, das er müs selber ligen dot.“
Der vater sprach zum sun gar scham: „wir haben manchen werden man, las wir ein mit ym streiten; wan er gros lieb zu morden hat, ob ein man in precht in not, der solt zu allen zeiten pei vns der peste sein genant ob allen werden fursten.“ do das manck werder man bekant, die gunt nach eren dursten, itlicher sprach: „trawt here mein, wes ir von mir begeret, des wil ich euch gar dinsthaft sein.“
Die werden held gar wune sam waren dem rawen alle gram wol vmb sein vbel mute, das er vil werden manchen man het den pitern tod gethan vnd vergossen het sein plute; die wolten sie nun rechen al, dar vmb komens zu noten: wol funf(z)ick man pracht er zu fall, die er al gunte toten, die er all nach ein ander [dot] schlug, der man ye ein nach dem andern also dot hin zum grabe trug.
Do wolt in nymant mer bestan, in schewet mancher werde[n] man, die teten vor ym flichen, wol vor dem teuffel vngehewr. dem kung dem wurd freude teur; auf sein pest schlos do gunt er tichen; das selbig schlos das spert er zu vor dem scheuchslichen kunder, der arge teuffel het kein ru, nun mugt ir horen wunder, er scheuchet weder pfeill noch gschos: des schlosses tor das stis er auf mit einem mordialichen stos.
Die weil het sich gewapet an der kunig, der sun vnd die fraw schon, in stahel vñ in eissen. der kung sprach: „nun helffet mir, das wir toten das arge tir; dar vmb wirt man vns preissen. ob ich das thir gemachet han, des kan ich nit gelauben: er ist der teuffel weideman; er wil vns hie berauben des kunigreich(e)s, merket eben, dar vmb wil er vns pringen alle drey vmb vnsser leben.“
Der rauch kom zu in in den sal, vnd slug auf sie gar vne zal der starcken schleg so schwere. der vater vnd sein lieber sun die teten, was sie mochten tun. die edel kungin here, die edel kungin hochgenant, die lies sich nit verdrissen, sie hete[n] ein pogen in der hant, do mit do gund sie schissen in den rauchen vil manchen pfeil, doch schlug er tiffe wunden dem vater vnd dem sun die weil.
Die muter vil pfeil in in schos, vnd das vil plutes aus ym flos, das es schwam auf dem salle. der vater vnd der sun do mit ym manche tiffe wunden schnit, das er tet einen falle. der vater vnd sein lieber sun sich an dem rauhen rachen, der stiche (t)heten sym vil tun, pis das sie in derstachen. dar zu half yn das werde weib, vnd das do wart erneret wol [hie] vor dem tod der dreyer leib.
Do nun der rauche lage tot, der kunck sprach: „fraw, nun sagt, dur got, wie habt ir in enpfangen? das sagt vns sicherlichen eben; es sol euch alles sein vergeben, ob ir het mysse gangen.“ die fraw die sprach: „mein lieber her, lasst mich pei ewr hulde: ich gieng spatziren nit gar fer, dodurch kom ich in schulde, do fing mich also graussamlich ein scheuchssliches mer wunder, vñ das det ser bezwingen mich.“
Der kung der sprach: „trawt frawe mein, das sol euch gar vergeben sein, seit ir sein wurt bezwungen. nun sag(e)t mir, ob es euch zym, vnd wie ir kumen seit von ym, vnd do es euch mislungen.“ „ich sach ein sicherlich fur war, ein her der gunt her tichen, ich ruft in an mit noten gar: das mer wunder gunt flichen; der her der half mir do aus not, vñ tet mich heim beleiten: des sol ym ymer danken got.“
„Ir aus derwelte fraw so fein, vnd mocht es noch pei leben sein, das selbig mere wunder, so wolt senden ich euch do hin, ob noch zu euch ym stund sein sin, das wir das scheuchelich kunder auch mochten toten zu der stund, vnd das ir wurt gerochen. do durch so wurd mir (freude) kunt, vnd als mein leit zu prochen.“ die fraw die sprach: „des weis ich nicht: ich tu, was ir gepitet, was mir halt dar vmb geschicht.“
Er sprach: „zart fraw, so get so drat, do eu der arg genotet hat; so wil ich vnd mein sune verporgen ligen auch do pei, wir wollen trewlichen sten euch frei, das er euch nichs mag tune.“ die fraw legt an ir zirlich wat, mit schonheit manig falde, vnd ging dar zu des meres stat; das mer wunder kam palde; do heten sich verporgen schon der vater vnd sein lieber sun: das merwunder in nit entran.
Sie fingen do das mer wunder. do sprach die edel fraw so her: „ich wil mich an ym rechen.“ vnd sie nam ires heren schwert; sie sprach: „des han ich lang begert, das ich dich sol derstechen; du hast betrubet mir den sin, vnd pracht zu grossem grawen.“ das schwert das stach sie dick durch yn; sie sprach: „du solt kein frawen nimer pringen in solche not.“ das schwert das stach sie dick durch in, pis das er vor ir lage tot.
Do sprach der kunig vñ sein sun: „fraw, ir haby(t) euch gerochen nun, ir solt nun gar fro seine, vnd habt fur pas ein guten mut; vnd nimer also torlich tut, vnd das ir get alleine spatziren fur pas an das mer, so mag euch nit misslingen. sein sun liess manchen helt so her hie vmb sein leben pringen; auch wolt er vns han pracht in not: doch hat vns got geholffen, das sie von vns peid ligen dot.“
Da tzugen sie mit freuden heim, der kunig, der sun, die fraw so rein, in also hohen eren. die sach die plieb also verschwigen, die fraw wart keiner vner tzigen, do pei so nemet lere, das man in solchen (dingen) sei verschwigen vnd getrewe. wer das dut, der ist (all) eren frei, vñ pringet im kein rewe. wan es ist der welt sit also, das mancher hie auf erden ist des seinen nechsten vngluck(s) fro.