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Ecken liet – Strophen 1–124
1
[Ein lant daz hiez sich Gripiâr (daz ich iu sage, daz ist wâr) bî heidenischen zîten. dô wart verkêret sît daz lant (diu houbtstat drin was Kölne genant), des lobte man ez wîten. swer daz vür eine lüge hât, der vrâge es wîse liute; wan ez wol geschriben stât, als ich iu hie bediute. diu stat dem Rîne nâhe lît und ist gar wol erbiuwen. des ist ir name wît.]
2
Ez sâzen helde in eime sal, sî retten wunder âne zal von ûz erwelten recken. der eine was sich her Vâsolt (dem wâren schœne vrouwen holt), daz ander was her Ecke, daz dritte der wild Ebenrôt. sî retten al gelîche daz nieman küener wær ze nôt, den von Berne er Dieterîche: der wær ein helt übr alliu lant. sô wær mit listen küene der alte Hiltebrant.
3
Hern Ecken dem was harte leit daz man den Berner vil gemeit dâ lobte vor in allen. er sprach ‘wiest den liuten geschehen? nu hât man doch von mir gesehen vil mengen nider vallen durch den hârnesch tôt versêrt: ir möht der rede erwinden. nâch im erstrîche ich, swar er kêrt, diu lant: ich muoz in vinden und strîteclîche im bî gestân. er tuot mich lîbes âne, ald sîn lop muoz zergân.
4
Er hât mîn lop gar în getân, und sol in daz vergebene stân, daz ist mîns herzen swære die wîl ich nu geleben mac. und kæme nu der sælden tac daz mir noch der Bernære gestüende strîteclîchen bî, unz ich an im ervunde ob er ein helt wær wandels vrî alsô man giht, von grunde, sô wurde ich vrô von der geschiht, sît man im lobes in strîte nu vor in allen giht.
5
Diu welt ist wunderlîch gemuot, sô einer dicke dez beste tuot, daz man sîn lop niht mizzet: daz ist mir hiute und iemer leit. daz man sîn lop sô hôhe treit und mînes gar vergizzet, daz tuot mir wê und müeget mich. swer sîn nu wol gedenket, daz wizzent daz der swachet sich und hât mich sêre gekrenket. ez ist mir hiute und iemer leit daz man niht in den landen daz beste von mir seit.
6
Doch wundert mich al mîniu jâr, daz man dem Berner alsô gar daz beste hât gesprochen in allen landen dort unt hie. sîn hôhez lop nie missegie: kæm einer her gekrochen, der lopt in ouch mit worten guot. wie sêre michs verdrizuet, daz einer dicke dez beste tuot und er des niht geniuzet. vil menger in nâch wâne lobt und eteswer nâch liebe: diu welt wol halbiu tobt.’
7
Dô sprach der wilde Ebenrôt ‘er sluoc vil lasterlîchen tôt vrô Hilten und hern Grînen umb eine brünne, die er nam. die truoc er lasterlîchen dan. sîn lop daz muoz im swînen, daz er ob allen küngen hât: jô hœre ichz hart ungerne. ez wart sô vrümic nie diu tât hern Dieterîchs von Berne, als ir ê von im hânt vernomen: und wære Grîne erwachet, er wær nie dannân komen’.
8
Dô sprach sich der herre Vâsolt ‘ich bin im weder vînt noch holt. ich gesach in nie mit ougen: die aber den helt ie hânt gesehen, die hœre ich im daz beste jehen. diu rede ist âne lougen daz er der küenste ist ze nôt, der ie den touf enphienge. nu sagent mir, her Ebenrôt, wâ im ie missegienge, ald zeigent mir doch einen man der im bî sînen zîten noch ie gesigte an.
9
Der hân ich doch niht vil vernomen. sîn lop ist vnn grn wirkomen, daz hœre ich alle sprechen. die in in stürmen hânt gesehen, die hœre ich im daz beste jehen. waz wolte ich an im rechen, daz ich in zige mordes grôz? daz tæte ich âne schulde und wurde eins lügenæres gnôz und vlüre ouch gotes hulde. wê war umbe tæte ich daz? sît man im giht daz beste, daz lâze ich âne haz.
10
Sît daz diu sælde ist im beschert, sîn lop wît in dem lande vert. dast mengem herzen swære, daz im der sælden niht engan: der dunkt mich niht ein wîser man. sît daz nu den Bernære vrô Sælde hât an sich genomen, so endarf in nieman swachen. er ist mit êren dannân komen. wan sol ez bezzer machen, und wære ez wâr, daz niht enist: er sluoc sî âne schande durch sînes lîbes vrist.’
11
Als rette nu her Vâsolt hie. her Ebenrôt im daz enphie niht wol. er sprach zem recken ‘ir sprechent doch, des muoz ich jehen, daz ir in selten hânt gesehen, und welt sîn laster decken: sô sint ir in unmuoz vil bekomen. ez ist erschollen wîte. ir hânt iuch sîn vast an genomen und liegt ob sînem strîte. ir hânt der wârheit niht gesehen: daz ir in lobt nâch wâne, dast âne nôt geschehen.’
12
Her Vâsolt sprach (er was ein helt) ‘sît ir mirs niht gelouben welt, daz ist mir gar unmære: sô spriche ich doch, sam mir mîn lîp, daz er Grînen und sîn wîp, der edel Bernære sô lasterlîch niht überwant. sî druhte in alsô sêre, doch half im meister Hiltebrant, daz der degen hêre sluoc den man und ouch daz wîp ûf einem grüenen plâne. sus nerte er sînen lîp.’
13
Dô sprach her Ecke ‘daz ist wâr. her Dietrîch ist volkomen gar an vürsteclîchen êren. er treit von hôher wirde ein hant, erst ganzer tugent ein adamant. wan sol sîn lop wol mêren baz danne ander künge drî, sît er sô vrümeclîchen übr alle künge krône sî. swer sîn denk üppeclîchen hie, dem geschehe nimer wol. er ist sô tugentrîche und aller êre vol.
14
Doch lâze ich ez dar umbe niht, sît man im gar daz beste giht, swâ man in hœret nennen. dastwâr, wan ich bestân ouch in. ez weiz noch nieman wer ich bin: wan muoz ouch mich erkennen. ich hân michs beidenthalp verwegen, ich vlies ald ich gewinne. vrô Sælde mac mîn alsô phlegen daz ich im nime die sinne: sô hœrt man in den landen sagen, und sprechent ‘seht, her Ecke, hât den Bernære erslagen’.
15
Ich bin kûm zweinzic jâre alt und hân wol hundert man ervalt durch helme tôt versêret. die valte ich gar mit mîner hant mit tiefen wunden ûf daz lant, als man ronen rêret und als der wint die boume tuot im birge und an den lîten. swaz mir bekam ie helde guot in stürmen alde in strîten, den hân ich noch gesiget an. doch ist mîn grœstiu swære deich niht ze vehten hân.
16
Wer solte mir des gnâde sagen, ob ich bestüende zwelef zagen und ich sî überwunde: dâ wære wênic ruomes an. bestüend ich einen vrumen man, ob ich den iendert vunde, der mir verhiuwe mînen schilt und mir den helm verrœte, daz er ze stucken wurde gezilt, und mich der slege nœte, und möht ich dem gesigen an, des hæt ich grœzer êre denn ich slüeg zwelf swache man.’
17
Hie wâren nâch gesezzen bî vil schœner küneginne drî und hôrten disiu mære. diu hœhste von den drin dô sprach ‘ouwê, daz ich in nie gesach! wer ist der Bernære, dem nu sô hôhes lobes giht vil mœnic helt vermezzen? ob in mîn ouge niht gesiht, sô hât mîn got vergezzen und muoz ouch gar unsælic sîn. sol ich den helt niht schouwen, mîn vröude ist gar dâ hin.
18
Ich bite daz sælic sî daz wîp diu ie getruoc sô werden lîp, von dem uns disiu mære erschellent’ sprach diu künegin. ‘genuoge herren velschent in und hânt ez zeiner swære, daz man dem helde sprichet wol. sî munt mit im niht dringen an manheit noch an êren zol: sô mac in niht gelingen. sus stât in ob sîn lop vil gar: sî wenden ez mit ellen, er hât ez sîniu jâr’.
19
Diu selbe sûberlîche maget diu hiez vrô Sêburc, sô man saget, diu hœhste der küneginnen, diu zuo Jochgrimme krône truoc: rîch unde edel was sî genuoc. sî sprach ‘wilt in gewinnen, Ecke, sô wis willekomen und bis vil wol empfangen. ich hân sô vil von dir vernomen, daz ich her bin gegangen. du wilt den Berner gerne bestân: mit beiden mînen ôren ich daz gehœret hân.’
20
Er sprach ‘ich hân mi’s an genomen. ich müeze niemer hinnân komen, ob ers iht werde erlâzen. ist daz diu sælde mir beschiht daz in mîn ouge an gesiht, sô müeze ich sîn verwâzen, ich welle es in gar güetlîch biten durch iuch drî küneginnen. verseit er mir ez mit unsiten, ich twinge ins mit unminnen: daz habent ûf die triuwe mîn.’ des neic im dô dur liebe diu edel künegîn.
21
Sî sprach ‘sît in dem willen bist, sô gib ich dir ze dirre vrist die aller besten brünne, die mannes ouge ie gesach * dem hœhsten künges künne, von Lamparten künec Ortnît der nam dar in sîn ende. ein wurm slâfende in zeiner zît vant vor eins steines wende. der truoc in in den holen berc und leite in vür die jungen: die sugen in durch daz werc.
22
Die selben brünne lobelîch erstreit von Kriechen Wolfdietrîch, dastwâr, ân alle schande. des lîbes hât er sich bewegen, ze Tischen bruodert sich der degen, ze Burgun in dem lande. aldar gap er die brünne guot, sîn klôster macht er rîche. sîn sünde buozte der hôhgemuot eins nahtes sicherlîche: sî was ob allen buozen starc. aldâ kouft ich die brünne umb vünfzic tûsent marc.
23
Ich sage dir Ecke, wie er vaht mit ârebeit die êrsten naht, dô er sich münchen solte: daz kam von sînes herzen kraft. der abbet und sîn bruoderschaft ins niht erlâzen wolte: er buozte sîne sünde dâ und stuont ûf eine bâre. sî tâten im den segen nâ, daz sage ich dir ze wâre: mit allen tôten er dâ ranc, die er sluoc von kinde. des habe sîn sêle danc.
24
Diu brünne ist gar stahels blôz: die ringe guldîn vingers grôz gehert in traken bluote. daz ich dir sage, daz ist wâr: keins swertes snit ir als ein hâr gewan nie diu vil guote. diu wart geworht in Arâbî ûzer dem besten golde: ir wont eins landes koste bî, swer sî vergelten solde. sich, Ecke, die wil ich dir geben, ob du den Berner vindest, daz du in lâzest leben.’
25
Er sprach ‘vrouwe, ich lâze in leben, und wil er mir sîn swert ûf geben: dast âne missewende. daz doch vil kûme mac geschehen: ich hœre im sölher manheit jehen. got mir sîn helfe sende, des wirt mir sicherlîchen nôt. wan uns zwên nieman scheidet, ez entuo des einen tôt. wirt er dâ mit gekleidet, sô hât der ander grôzen prîs: von mannen und von wîben wirt im lop menge wîs.’
26
Sî sprach ‘sol ich den helt gesehen, sô kan mir lieber niht geschehen in allen mînen jâren. sîn werdekeit diu vert entwer in allen landen hin unt her. in weiz wiech sol gebâren: sîn hôher name der tœtet mich. ez kæm mir lîht ze guote, sæh ich den fürsten lobes rîch: ich lieze in ûz dem muote. in weiz wes er mich hât gewent, daz sich als unverdienet mîn herze nâch im sent.’
27
Er sprach ‘ich bringe in, sol ich leben, des wil ich iu mîn triuwe geben, dâ her in kurzen zîten. des mugt ir iuch wol an mich lân, wan er sich niht verbergen kan in den gebirgen wîten. ich bringe iu her den werden man, swâ er mir wirt gezeiget. daz wizzent, swa ich in vinden kan, sîn name der wirt geneiget, ald er benimt mir sâ daz leben.’ dô sprach diu küneginne ‘got müez dir sælde geben.’
28
Diz hôrte ein alter varnder man. er sprach ‘herr, dast niht wol getân. welt ir den Bernære bestân durch iuwern übermuot, iuwer ende wirt niht guot. geloubent mir ein mære: ellendes vater âne spot ist er. swaz er gewinnet, daz teilet er vil gar durch got: die êre er sêre minnet. und welt ir uns benemen den man, daz wende got der guote, und müezt ir dâ bestân.’
29
Dô sprach diu edel künegin ‘trûtgeselle, erkennest in? sô sage uns von im mære.’ ‘jâ ich’ sprach der varnde man, ‘er ist ein ritter lobesan, der edel Bernære, und ist zen brusten harte wît, gestalt alsam die löuwen.’ dô sprach her Ecke bî der zît ‘hie mite wil er uns dröuwen.’ ‘nu wol hin’ sprach der varnde man. ‘jô wert er sich vil lîhte, als er mê hât getân.’
30
Zwô hosen hiezs im tragen dar, die wâren beide guldîn gar und lieht alsam diu brünne. er sast sich nider ûf daz lant. in schuocht diu künegîn zehant * daz du den Berner bringst gesunt her uns drin küneginnen: sô solt du wellen an der stunt und unser eine minnen, swelchiu dir dar zuo baz behage: des hâst du prîs und êre. vür wâr ich dir daz sage.’
31
Ein swert daz hiez sî tragen dar. noch bezzer danne guldîn gar wân im die helzen beide ietwederthalben vor der hant. sîn knoph was ein schœne jôchant, guldîn sô was diu scheide. sîn ortbant was ein rôt rubbîn. sî seite im liebiu mære, daz dâ von bortesîden fîn des swertes vezzel wære. ez was vil wâr, des sî im jach, wan ez her Ecke selbe mit sînen ougen sach.
32
Einen helm sî im ûfe bant noch herter denne ein adamant mit ir vil wîzen handen: sî knuphte wol den riemen stric. an sî sô tete er mengen blic: daz wart im sît enblanden. sî dûhte in minneclîch genuoc: do bedrôz in niht der verte, die er lobt als sî im gewuoc. sî vrumte in in die herte und in sô michel ungemach, daz sie in mit ir ougen nie lebende mêr gesach.
33
Sî bôt im einen niuwen schilt: dâ wart mit sper nie durch gezilt von keiner slahte juste. dâ hiengen tûsent schellen an geworht von koste lobesan. der dahte in dâ zer bruste und was ouch guot ze grôzer nôt. den bôts im mit den hœnden. sî sprach ‘got well dir dan den tôt under die brünne senden, sô blîbst du harte wol gesunt: du maht von keinem wâfen dâ durch niht werden wunt.’
34
Sî hiez im ziehen dar zehant daz beste ros übr alliu lant, daz im diu wâfen trüege. er sprach ‘daz ros sol hie bestân, ich mac ze fuoze vil wol gân. jô bin ich ze ungefüege: ez treit mich doch die lenge niht mit aller sîner krefte. nu wizzent, vrowe, swaz mir beschiht, daz ich mich niht behefte mit rosse: ich gân vierzehen naht, daz mir hunger noch müede benimt wol mîne maht.’
35
Sie sprach ‘Ecke, lâ dich erbiten. durch mînen willen wis geriten: jô schiltet man mich sêre. swar sô du nu der lande verst, mîn lop du gânde mir verzerst. wan sprichet mir kein êre, wan ‘daz er gar verwâzen sî, der dir gap die brünne und dir niht rosses gap dâ bî. phû im und sînem künne.’ dâ von rît ez die wîl ez wer.’ ‘vrouw, ich mac wol ze fuoze. erlânt mi’s, dast mîn ger.’
36
Hie mite hâte er irz verseit. urloup nam er zer schœnen meit dâ harte minneclîche. die drî künegîn beliben hie, ze fuoze er von dannân gie. hin lief der ellentrîche, alsam ein lêbart in den walt sach man in wîte springen. den helm man hôrte mânicvalt widr ûz dem walde erclingen, reht als ein glocke wær erschalt: swâ in ein ast geruorte, mit clange er im daz galt.
37
Der dôn in daz gebirge gie, schellende dort unt hie; waz wildes er erschrahte ietwederthalp hin in den walt! der vogel stimme mânicvalt wart do er sie sô erwahte. der schilt, den er zem arme truoc, wolt clingens nie geswîgen. vogele unde tiere genuoc diu habten zuo den stîgen und schouten sîn vil swinde vart: sus im von wilden tieren vil nâch gekaphet wart.
38
Von vogeln wart ob im ein schal. den walt den lief er hin ze tal: er kam ûf ein geriute, an ein vil enge gebiuwen lant. einen einsideln er vant, den vrâgte er, als ich diute, ob im iht kündic möhte sîn wie verr noch wær ze Berne. ‘triuwen’ sprach er, ‘herre mîn, daz sage ich iu vil gerne. ir sont tâlanc alhie bestân: dar sint noch zwelef mîle, dar mugent ir niht gegân.’
39
Diu naht begunde gesîgen an. her Ecke sprach ‘ich wil bestân diee naht unz an den morgen.’ in weiz, gap im sîn wirt genuoc: swaz er des sînen dar getruoc, daz tete er gar mit sorgen. wie dicke er ob dem tische sprach ‘wirt, bist iht dick ze Berne? des landes vogt ich nie gesach, den sæhe ich harte gerne.’ ‘herr, ich was nâhtint spâte dâ, dô sach ich in dâ heime: er ist niht anderswâ.’
40
‘Wirt, du hâst mir gnuoc gegeben. und sol ich keine wîle leben, ich danke dir der mære und ouch der handelunge dîn: daz habe du ûf die triuwe mîn. und vinde ich den Bernære, daz ist von dînen schulden komen, und vind ich in dâ veigen.’ hie mite wart urloup dâ genomen. den stîc bat er im zeigen. ‘nu beitent, unz ez werde tac.’ er sprach ‘mich twingt mîn herze, daz ich niht slâfen mac.’
41
Vor deme tage sô schiet er dan. er kam ûf ein getriben ban, diu truoc in hin ze Berne. die langen naht geruote er nie: des morgens in die stat er gie: den bû den sach er gerne. swâ er hin in den strâzen gie, daz liut begunde in vliehen ûf die türne, merkent wie: si gesân nie man sô schiehen. daz hôrt man im ze Berne jehen, er moht von rehter wilde zen füezen niht gesehen.
42
Dô gap in der strâze schîn ietwederthalp diu brünne sîn, als obes enzündet wære. reht alsam ein glünsende gluot lûht im sîn schilt und ouch sîn huot. dô sprach sich ein Bernære ‘jâ, herre, wer ist jener man, der dort stât in dem viure? er treit sô liehten hârnesch an und ist sô ungehiure. und stât er keine wîle dâ, die guoten stat ze Berne verbrennet er iesâ.’
43
Lûte rief der ellentrîch ‘wâ ist von Berne er Dieterîch? den hân ich vil gesuochet. wan mich hânt vrouwen ûz gesant, und hân erstrichen vrömdiu lant nâch im, ob ers geruochet. sî sint rîch, schœne und edel genuoc, des lât iuch niht verdriezen. sî sæhenn gerne: sî sint cluoc, er möhte ir wol geniezen. ich wart nie mêre vrouwen bot: ich hân durch sî geloufen noch mêre dann durch got.’
44
Dô sprach sich meister Hiltebrant ‘in gesach nie mê sô rîch gewant von golde in sölher lenge. jô rede ichs niht durch keinen haz: iu kæme ein schaprûn michels baz, ein roc gesniten enge, dann daz ir in garzûnes wîs verwâfent herren suochet. an iur brünne lît grôzer vlîz: sîn milte sî vervluochet, der iu sî gap, des wil ich biten. in alsô rîcher wæte soltent ir hân geriten.’
45
‘Ich kan von gânne niht gesagen: kein ros daz moht mich her getragen,’ sô sprach der degen mære. ‘mich hânt her in diz lant gesant drî küneginne wol erkant, ob ich in den Bernære möht bringen in ir eigen hûs. mit harte guoten êren sô möhte er scheiden wider ûz, swâ hin er wolte kêren: des gibe ich im die triuwe mîn. sî sæhenn harte gerne: nâch im sie tragent pîn.’
46
‘Wie getorst ir her ze Berne gân? die reise solt ir hân verlân’ sprach Hiltebrant dem jungen. ‘erkennet mînes herren site: er viht mit den die sint geriten, ir varent êrst von sprungen. ich rât iu wol nâch vriundes site, nu hœrt die rede gerne: volgt einer ander strâze mite und hebt iuch balde ûz Berne. wan mîn herre der ist sô getân, wolt er mit lotern vehten, er müese iuch ouch bestân.’
47
Under diu ougen er im sach. daz wort er zorneclîchen sprach ‘ir strâfent mich ze harte. die rede solt ir hân verlân’ sô sprach der unverzagte man. ‘hæt ich iuch bî dem barte vor der port ûf der heide breit, ez wurde iu lîht ze leide: des gibe ich iu mîn sicherheit. sus ich mich hinnân scheide. vür wâr sô wil ich iu daz sagen: durch iuwern vogt von Berne sô wil ich iuz vertragen.’
48
Vor zorne er Ecke niht mêr sprach. meister Hiltebrant wol sach, daz im diu rede was swære. dô tete er als ein wîser man: er sprach ‘ich hânz durch schimpf getân. geloubent mir ein mære: mîn herre ist hie heime niht, den zeige ich iu vil balde. er reit, als man iu hie vergiht, ze Tirol gen dem walde. nu seht, dâ vindent ir den helt. ir varnt in den gebærden, reht als ir strîten welt:
49
Lât iuch niht strîtes wesen nôt. er hât vil mengen degen tôt gevellet ûf den sâmen mit sîner ellenhafter hant. er ist ein degen wîte erkant: ir durfent sîn niht râmen. und ist daz ir den werden helt dar umb niht wellent schiehen und niuwan mit im strîten welt, sô durfent ir niht vliehen. ist daz ir im gesiget an, sô kumt her dan gen Berne, sô wil ich iuch bestân.’
50
In die hant nam er sîn swert. urloubes er ze nieman gert: er begunde dannân gâhen. im was dâ vür die porten gâch. die liute kaphten alle nâch, unz sî in verrest sâhen. war er des landes kêrte hie, des brâhte er sî wol innen: die Etsche er hin ze berge gie, daz sâhens ab den zinnen. von schulde man im sterke jach: er gie des tages von Berne unz er Trient ane sach.
51
Ûf Trient die burc er dannoch gie. ez wart im baz erboten nie. sî vrâgten in der mære wannân er landes kæme dar. diu mære seite er in vil gar. ‘ich suoche den Bernære. den vunde ich gerne, und wisse ich wâ: ich hete in gerne erkennet.’ sî wîsten in ûfs berges slâ, der Nônes was genennet. die naht er dâ der ruowe phlac: unz an den liehten morgen der reise er sich bewac.
52
Dô kêrte er mornunt in den tan. dô sach der wunderküene man ein wunder zuo im gâhen: daz was halp ros und halbez man. ez truoc hürnîn gewæfen an. als ez im kam sô nâhen, ein gêren vuorte ez in der hant mit wunderlîcher grimme, den schôz ez sâ ûf den wîgant. vil griulîch was sîn stimme, daz der walt vil gar erdôz dâ von dem merewunder, des ez sît niht genôz.
53
Ez mohte der brünne niht geschaden, dâ mit her Ecke was geladen: sô veste wân ir ringe. ein scharphze swert vuort ez enhant, daz sluoc ez sâ ûf den wîgant. Ecken ze ungelinge gap ez im einen solhen slac, daz der degen küene viel unde unversunnen lac dâ ûf dem anger grüene. er wânde er müese belîben tôt: sîn zorn in schiere erwahte und half im ûzer nôt.
54
Her Ecke, der degen alsô guot, gewan einen grimmen muot an den selben stunden. daz swert vuorte er mit der hant: er schriet im durch sîn hürnîn gwant eine starke wunden, daz daz merwunder tôt viel nider an den stunden; wan ez wart von bluote rôt von der vil tiefen wunden, die im Ecke hâte gegeben in ungefüegem zorne: sus nam er im daz leben.
55
Hern Ecken wart von strîte heiz; dâ von im nider ran der sweiz: sîn ruowe diu was herwe. ze einer linden er bekan, dâ vant er einen wunden man in liehten wîcgeserwe. her Ecke zuo dem wunden sprach ‘wer hât dich, helt, verhouwen? leit ist mir dîn ungemach: ich wolte in gerne schouwen.’ er sprach ‘ez tete der Berner guot: im mac nieman gestrîten, er hât eins löuwen muot.’
56
Her Eck saz nider zuo dem man: die wunden mezzen er began mit beiden sînen handen. ‘wâfen’ sprach er unde rief, ‘ich gesach nie wunden mêr sô tief geslagen in allen landen: ich hân die zît mit strîte vertrîben im birge und in der wilde. helt, dîn ist niht ganz beliben undr helme und under schilde. enkein swert ez getuon enmac: ez hât getân von himele der wilde dunerslac.’
57
Dô sprach der tôtewunde man ‘mir hât der hagel niht getân ze leide an mînem lîbe. ich erdâht mir selbe de arebeit: selbvierd ich von dem Rîne reit durch willen schœner wîbe. dâ wolt ich ruom erworben hân: wie sêre ich des engilte! uns widerreit ein küener man, der vuort an sînem schilte ein löuwen, was von golde rôt. der bestuont uns alle viere: die drî die sluoc er tôt.
58
Die drî die wil ich niemer clagen: sî wâren alle sament zagen, sî werten sich niht langen. nu wæn ouch ich der vierde bin: êst umb mîn leben gar dâ hin, der tôt hât mich ergangen. gênt mir der erde in mînen munt wan durch die gotes êre: sô wirt gên gote mîn sêle gesunt. nu vrâgent mich niht mêre. mir tuont die wunden alsô wê: durch got lânt mich geruowen. ich mac niht leben mê.’
59
Er sprach ‘helt, du darft dich niht schamen: du sage mir rehte dînen namen wan durch dîn selbes êre. mich wundert wie du sîst genant. nu tuo mir sîne vart bekant, sô vrâge ich dich niht mêre.’ ‘Helfrîch von Lûne der name ist mîn, mîn bruoder hiez der starke Liudgast, der dritte was Ortwîn und Hûc von Tenemarke. die drî hât er bî mir erslagen: und solte ich leben lange, ich woltes niemer clagen.’
60
‘Helt, sage mir nu an dirre zît: dô er mit iu huop sînen strît, wie hâte erz an dem lîbe?’ der wunde dô zem risen sprach ‘sô küenen man ich nie gesach geborn von einem wîbe ze solher lenge, sô er hât: sô kan im niht genôzen. nu wizzent daz sîns herzen tât ist manheit vol gestôzen. des man von rehte in schiuhen sol. sîn möhte ein her engelten in einem strîte wol.’
61
Er sprach ‘und sæhd in iendert bar?’ ‘jâ, wir sâhen alle dar: nu hât er uns betoubet. sîn hârnesch lûter unde glanz, sîn wâfen daz was allez ganz von erde unz ûf daz houbet. sîn helm glast uns durch die gesiht: den blic wir muosen vliesen. ich kunt sîn niendert blœze niht wan dâ zen ougen kiesen. der vrâge ich iemer gerne enbir: sô man mir in vor nennet, zehant sô grûset mir.’
62
Dô sprach her Ecke sâ zehant ‘er was dir anders niht bekant niuwan bî sînem schilte?’ der wunde dô ze Ecken sprach ‘sô starken man ich nie gesach. von Berne so ist der milte. sô helf dir got, nu schiuhe den man: du darft nâch im niht vrâgen. wan zwâr du tuost daz bœste dran, und wilt duz ûf in wâgen. du lâ den degen hân gemach, ald dir beschiht zewâre reht als ouch uns beschach.
63
Er ist ein degen hôchgemuot, wan er mit grimme dez beste tuot, swenn er in zorne vihtet. daz spriche ich ûf die triuwe mîn: wirt dir sîn ungenâde schîn, zehant er dich berihtet mit slegen in den grimmen tôt. daz habe ûf mîne triuwe. dâ von lâ dir niht wesen nôt: ich vürhte ez dich geriuwe. er treit ein swert sô lobesan, slüeg erz ûf eine mûre, sî mües von ander gân.’
64
Dô sprach her Ecke wider in ‘dû weist niht rehte wer ich bin: ich trage ouch daz dâ bîzet, ein vil guot swert an mîner hant. tuost dû mir sîne vart bekant, sît er sich mordes vlîzet, dastwâr ich riche an im dich sâ.’ dô sprach der mit den wunden ‘herre, sô nemt mîn ors al dâ, dâ ir ez seht gebunden. gerâtent ir im rehte nâch, ir hânt in schiere erriten: jon ist im niht ze gâch.’
65
Er sprach ‘dîn ros sol hie bestân: du maht wol gnesen, vrumer man, an dînen starken wunden, die dir der Berner hât geslagen. die wil ich iemer mit dir klagen.’ er bat im an den stunden vil rehte zeigen ûf den spor. der wund slôz in mit armen. alsus gestuont er im dâ vor: er begunde in sêre erbarmen. zehant er zuo im nider saz. er hete vil nâch geweinet: sîner vröude er gar vergaz.
66
Diu driu ros sluoc er in den tan, daz vierd liez er gebunden stân vast an des boumes aste. der wunde wider ûf gesach. daz wort er jæmerlîchen sprach ‘ez hât mich menge raste getragen mit den kreften sîn enzwischen Kölne und Spîre. zwâr sîn gelîch wart niendert schîn in Walhen noch in Stîre, in Swâben noch in Beiern lant, dar zuo in Francrîche: des hât mich Berne gephant.
67
Wan von dem herren Dieterîch hân ich erliten sicherlîch gar ungefüegen smerzen. deich in strîtes bestanden hân, des lige ich als ein tôter man, zerhouwen gên dem herzen daz ich vil kûme mac genesen: des bin ich vröuden âne. mirn welle got genædic wesen, mîn leben stât in wâne.’ er sprach ‘vil werder degen hêr, verbindent mir die wunden durch aller vrouwen êr.’
68
Her Ecke endaht in tugentsan: er verbant den wunderküenen man. der wunde degen mære wîst in vil rehte ûf daz phat, dâ von im geriten hât der edel Bernære. mit grôzen kreften in den tan nâch im huop sich her Ecke, des er vil grôzen schaden nan. der unverzagte recke, dem was ze strîte alsô gâch daz er niht ruowen mohte: dem stîge zogte er nâch.
69
Êrst seit von Lûne Helferîch wie zwêne vürsten lobelîch im walde zsamen kâmen, her Ecke und ouch her Dieterîch. die riuwent beide sament mich, wan sî dan schaden nâmen. sô rehte vinster was der tan, dâ sî an ander wunden, her Dietrich und der küene man wol an den selben stunden. her Ecke der kam zuo gegân: er lie dâ heime rosse vil, daz was niht wol getân.
70
Der tan der wart durliuhtet fîn: ir hârnesch gap sô liehten schîn alsam ein brehendiu sunne. swar sî dâ kêrten in den walt, die zwêne küene helde balt, dâ schein ez sam dâ brunne: sô schône lûhte Hiltegrîn, der was gar valsches âne; hern Ecken helm gap widerschîn, der lûhte niht nâch wâne. ir liuhten daz was sô getân, als man zwên volle mæne sæh an dem himel stân.
71
Her Dietrîch wând daz Hiltegrîn dâ gap ir beider helme schîn, dô er sô schône erlûhte: er bran alsam ein kerze klâr. sîns vîndes wart er nie gewar, der loufende ûf in dûhte. wie dicke er sprach zem helme sîn ‘wie bistu hînt geschœnet! dem smide muoz zergân sîn pîn, des hant dich hât gekrœnet: des wünschet im mîn zunge gar. sô du ie elter wirdest, sô wirst ie liehter var.’
72
Hie mite hât in der rise ergân. loufende sô hôrt er den man wol rosseloufes verre. gânde er in der brünne spilt: swenn der halsperc ruorte den schilt, sô hôrte in ie der herre. er sach in gwâfent zuo im gân. dô sprach der Bernære ‘ich solte iuch, herr, mit gruoze enphân, obz iuwer wille wære. nu sagt mir war ist iu sô gâch? wer hât iuch her gesendet? wie loufet ir mir nâch?’
73
Er sprach ‘wan hât mich her gesant und hân erstrichen vrömdiu lant nâch hern Dietrîch von Berne: dem hôrte ich ganzer tugende jehen. er solte schœne vrouwen sehen: daz tæte er lîhte gerne. ich seite im von drin künegîn, sint edel unde rîche.’ ‘mânic Dietrîch mac ze Berne sîn: meint ir den Dieterîche dem Dietemâr dâ Berne lie und ândriu sîniu eigen, den vint ir an mir hie.’
74
Als Ecke Dieterîchen vant, dô rief er über schiltes rant ‘nu kêrâ, degen mære. ûf mînen vüezen ich hie stân: in mac dich leider niht ergân, daz ist mir harte swære. ân älliu ros ich her bin komen durch die drî küneginnen, alsô du selbe hâst vernomen. du maht an mir gewinnen die aller besten sarewât, die keines rîches keisers kint an dem lîbe hât.’
75
Er sprach ‘du hâst dich ûz getân, du vüerst die besten brünne an: die solt du mir hie nennen’ sus sprach der herre Dieterîch, von Berne ein fürste lobelîch, ‘ob ich sie müge erkennen. nu sage mir ir namen gar (ich antwürt dir ê niemer) sît sî ist sô rehte klâr. und ruofest du mir iemer, daz hâst du gar umb sus getân, du wellest mir den künden wie sî dich kæme an.’
76
Her Dietrîch der was unverzeit, des heldes wort was als ein eit. der stolze degen hêre, her Ecke rief in dicke an: der vil wunderküene man enrett mit im niht mêre, ê daz der degen lobesam im seite von dem wâfen, daz er bî den zîten an truoc gar ân allez strâfen. her Ecke sich dô gar bewac daz er im seit diu mære, wiez umb sîn wâfen lac.
77
Er sprach ‘genendâ her an mich. eine brünne trage ich, vil herte sint ir ringe. sî ist ouch wîz alsam ein swan. ez gwan nie keiner slahte man mit wâfen dran gelinge: daz sage ich dir ûf mînen eit. sî ist sô wol gemachet, daz man ir lop sô wîten treit: mit swerten nie geswachet wart sî sô cleine als umbe ein hâr. nie man wart drin versêret: daz sage ich dir vür wâr.
78
Nu kêrâ, helt, her ane mich. einen helm den trage ouch ich, der hât vil menge güete. ein bant von golde drüber gât, daz den helm alumbe vât, geworht ûf heizer glüete. er wart ouch nie von wâfen wunt. getwerc in machten schône, des wart in goldes tûsent phunt dâ von dem helm ze lône. den machten zwelf mit vlîze ein jâr. in mac nieman versêren als tiure als umb ein hâr.
79
Vil werder degen, kêre an mich ein vil guot swert daz trage ich, daz smitten vil getwerge. uns seit diu âventiure kluoc: sî worhten wunders gar genuoc in einem holen berge von menger liehter sarewât und ander guot gesmîde, daz ouch rîche koste hât. er moht wol wesen blîde, der des swertes meister was: der worhte im knoph und helzen klâr als ein spiegelglas.
80
Dô daz swert gesmidet wart (ein sahs hiez man ez an der vart), ze hant wolt man ez kleiden. die herren die berieten sich, wie sî dem swerte lobelîch geworhten eine scheiden. sî gwunnen einen vrömden muot und worhtens ûzer golde. der vzzeel was ein porte guot lieht, als in tragen solde ein künec, dem dienten diu getwerc. der bût mit grôzen êren lang einen holen berc.
81
Dannoch was ez niht vollebrâht. die herren hâten gar gedâht, daz wizzet sicherlîche, daz sîz ûz santen vür den berc. dô vuortenz zwei wildiu getwerc wol durch niun künecrîche, biz daz sî kâmen zuo der Drâl, diu dâ ze Troige rinnet. daz swert daz was sô liehtgemâl: reht als ein rubbîn brinnet, sus lûhten im die vezzel sîn. sî hartenz in der Drâle, des wart ez alsô fîn.
82
Daz swert daz was vil lange verholn, iedoch sô wart ez sît verstoln von einem argen diebe. der kam geslichen in den berc reht alsam ein wilde getwerc. dem künge Ruotliebe dem wart ez sît ze handen brâht: der kunde ez wol behalten. er hetes der sîten sîn gedâht, der wart ez nie verschalten, unz daz sîn sun wuohs zeinem man. der wart dâ mite ze ritter, des menger nôt gewan.
83
Sus wuohs Herbort ze einem man. sîn tiurlîch sahs er an sich nan (er was ein ritter küene): dâ mite er Hügebolden sluoc und worhte wunders gar genuoc in einem walde grüene mit sîner ellenhafter hant. des wart im lop ze lône. sus er den degen überwant, der truoc des landes krône und was ein rise unmâzen grôz: er tete den kristen leide, ez lebt niht sîn genôz.’
84
Der Berner sprach ‘sît ez sô guot ist daz ez risen schaden tuot mit sîner scharphen snîden, sô wil ich dich niht hie bestân. ich hæte ez ê vil nâch getân: nu wil ich dich vermîden. ich hæte guoter witze niht, swenn ich dar an gedæhte, daz man im sölhes prîses giht, und ich dan mit dir væhte: sô bruofte ich mir selb ärebeit. ich wil mit dir niht vehten, ez sî dir widerseit.’
85
Her Ecke sprach ‘ich hân gelogen; mit dem swert bin ich betrogen: ich weiz niht wie ez snîdet. ich seite dirz durch dîn manheit. ich sihe wol, dir ist vehten leit: dîn lîp vil tugende mîdet. ich wânde ez wære ein site an dir: des hân ich hie niht vunden. verwâzen müeze sîn der mir dich lobt ze keinen stunden. du maht wol heizen Dieterîch: dem vürsten dâ von Berne tuost aber niht gelîch.’
86
Dô sprach der Berner harte guot ‘helt, durch dînen übermuot sô hâstu mich bescholten. dîn herze mac wol sîn vervluocht alder dîn ellen unersuocht: des hân ich hie engolten. daz du mich sô gestrâfet hâst, daz missezimt dir sêre, und mich niht mit gemache lâst. dar umbe ich von dir kêre. doch beite unz mornunt kome der tac: ich lîd von dînen handen, swaz mir geschehen mac.’
87
Er sprach ‘scheid ich alsus von dir, sô solt du wol gelouben mir, ich mähte sanfter sterben. und ouwê, wie hân ich ertobt, daz ich dich zagen hân gelobt! * verwâzen müezens iemer leben, die dîn ie wol gewuogen; dem tievel sîn die stîge ergeben, die mich her nâch dir truogen, sol ich mîn vinden hân verlorn. daz du ein zage wære, daz hæte ich wol versworn.’
88
Her Dietrîch sprach ‘hâst ritters namen, sô maht du dich wol iemer schamen, daz du niht kanst geswîgen. wes zîhst du mich an dîner vart? wær ich als du den vrouwen zart, sô vluochte ich niht den stîgen, swar sî durch vrouwen trüegen mich: des wolte ich niuwan lachen. der herren tücke bewîst du mich und wilt dich selber swachen. wes ist dir strîtes mit mir nôt? hiest nieman der uns scheide, ezn tuo des einen tôt.
89
Ich wil dich strîtes niht bestân: du hâst mir leides niht getân’ alsô sprach der Bernære, ‘dar umbe ich strîten well mit dir. den dînen übermuot verbir: ich hân sîn grôze swære, daz du durch dîne vrowen klâr erbiutest mir dîn strîten. ich wünsche daz dich got bewar, wan ich wil von dir rîten. mîn dienest sage den vrouwen dîn von dem Bernære, ich welle ir ritter iemer sîn.’
90
‘Von dir sag ich in niht ein hâr, wan du bist aller êren bar: zagheit dich vliehen lêret. diu schande hât dir an gesigt, dîn herze grôzes lasters phligt: du bist iemer gunêret. swenn ich den vrowen sagen sol daz du mir bist entrunnen, wer sol dir danne sprechen wol ald keiner êren gunnen?’ er sprach ‘wolt ir den sagen wâr, sô tæte ich iu nie leides sô tiure als umbe ein hâr.’
91
Er sprach ‘und scheide ich mich alsô von dir, sô wirde ich niemer vrô und möht ouch sanfter sterben. wê daz ich niht begraben bin! nu zîhent mich die künegin, ich künn niht êre erwerben. sihstu niht mîne brünne guot und diz edel gesmîde? dâ sugen wurme durch daz bluot dem keiser Ortnîde. nu strît noch, helt unervorht: mîn hârnesch der ist guldîn, ûz golde dez sahs geworht.’
92
Er sprach ‘ich vihte umb niemans golt. und welt ir mir niht wesen holt, daz ist mir harte swære. ich hân iu leides niht getân: wes went ir mich engelten lân?’ alsô sprach der Bernære. ‘nu gê alsô uns müge ergân, wan ich wil mit iu strîten; des mugt ir iuch wol an mich lân, welt ir sô lange bîten biz der tac gît sînen schîn: ez kunt dannoch ze vrüege uns ûf die triuwe mîn.’
93
Her Dieterîch gesweic im dô. her Ecke rief im aber sô ‘nû kêrâ, degen mære. ein bônît vor mîner bruste stât, daz vil wol durchberlet hât diu küneginne gewære. sî hât ir vlîz dar an geleit mit ir geswistern beiden. e ist vilz hübesch unde gemeit, als ich dich hân bescheiden. vil mânic jôchant wol getân lît drinne und edele steine: daz wizzest sunder wân.
94
Und menic merwunder fîn daz ist von golde gelenket drîn dâ nidenân bî dem orte. galander, sitchust, nahtegal sint dar gewürket âne zal: sus ist der edel borte gezieret, der ez umbegât. daz wizzest sicherlîche: dar an lît mengiu wæhiu nât und menic koste rîche, der ich dir niht genennen kan. sî möhte wol mit êren ein keiser tragen an.
95
Die zierd kan nieman ab geschaben, wan sî in golde hânt vergraben die küneginne mære. ein adelar dar obe swebt von golde reht alsam er lebt. nu genende an mich Bernære. gewinnst du mir die brünne an, die mahtu gerne schouwen; wan sî ist sô wol getân. mir gâben sî die vrouwen, die mich nâch dir hânt gesant, ze solde deich dich bræhte ze Jochgrimm in ir lant.’
96
Her Dietrîch swîgen dô began. her Ecke rief in aber an ‘nu kêrâ, degen hêre. obd ie gewunnest mannes muot, sô kêr her, werder degen guot, durch aller vrouwen êre. du vliuhest hiute ein dîn genôz, daz wizzest sicherlîchen. wie mac ie sîn dîn lop sô grôz in allen disen rîchen? des muoz mich iemer wunder hân. swer dîn iemer prîset, dem wil ich widerstân,
97
Sît ich dich sihe sô gar verzagt. bistu von dem man mære sagt den rittern und den vrouwen? drî edel küneginne hêr hânt mich nâch dir gesendet her: die maht du gerne schouwen. sî sint alle in mîner phlege. nu merke niuwer mære: swenn ich den sage daz mich die wege vlühe der Bernære, sô muoz dîn hôhez lop zergân, und louc mîn bruoder Vâsolt, der dich lobt für ein man.’
98
Er sprach ‘hât mich mîn her Vâsolt gelobt, des bin ich im vil holt: got lâze in lop gewinnen. du sprichst der künegîn sîn drî: und wizze ich wer ir einiu sî, sô kome ich niemer hinnen. daz wir umb sî hie vehten gar, des munt sî dort wol lachen. ich wæn sî ein des lebens bar undr uns zwein wellen machen. mich wundert waz sî daz gevrumt, ob einer hie belîbet und der ander hinnân kumt.’
99
Her Ecke zorneclîchen sprach ‘ich hæte ouch gerne guot gemach, möhte ez sich gevüegen, daz ich belibe ân argen wân. nâch dir ich vil geloufen hân, des lâ dich gewüegen. kêr her und wâge dînen lîp durch willen aller meide und ouch durch alliu reinen wîp: ê daz ich von dir scheide, so erbeize nider und strît mit mir, daz mich got hiute velle und kome ze helfe dir.’
100
Der Berner sprach ‘du wilt niht leben, sît du mir den hâst vor gegeben, der al die welt wol slüege: er slüeg wol eine tûsent schar und wurd doch niemer hârneschvar. daz du sîn ie gewüege und dich des helfe hâst entseit, daz mac dich ouch wol riuwen und mac dir ouch wol werden leit: daz sage ich dir entriuwen. ich wil dar umbe dich bestân: ez ergê mir swie got welle, du wirst es niht erlân.’
101
Her Dieterîch von orse saz. swie schiere er Ecke komen was, er hâte dez ors gebunden vil verre zeinem boume dan. er lief her wider zuo dem man. ‘alrêrst hân ich dich funden ûf der erde hie bî mir. nu gesich die küneginnen. daz ros ist worden tiure dir: du maht mir niht entrinnen. und wilt dus niht vil gerne gesehen, sô habe ûf mîne triuwe, daz ez doch muoz beschehen.’
102
Er sprach ‘dîner hôchvart mich bevilt: daz du mich betwingen wilt, daz wirt dir lîhte swære. wie dunke ich dich sô vingerzam? ich bin am lîbe niendert lam. ich irr dich lîhte der mære diu du den vrouwen sagen solt, daz sî dir werdent wilde. wan ich bin dir ze mâzen holt.’ sus greif er gên dem schilde. her Ecke ein vil guot swert erbart, dâ mite heln unde brünne vil vor geschrôten wart.
103
Sam tete her Dieterîch daz sîn. ir beider liehter helme schîn verbleich von scharphen swerten, diu mit zorne wurden dâ geslagen. sî sprâchen beid ‘wan wolte ez tagen! von herzen wir des gerten.’ von ir beider helme glast den risen des bedûhte, daz alte lieht wær in ein gast und in ein niuwez lûhte. dâ versunnen sî sich an: sô sî ie mêre hiuwen, sô ez ie vaster bran.
104
Gêm tage sungen diu vögellîn: Ecken brünne und Hiltegrîn ir singen überklungen. sî ahten niht ûf ir gesanc, von strîte ir beider helm erklanc: sî enruochten waz sî sungen. dâ wurden zwêne versunnen man von slegen gar ze tôren: daz bluot in von den helmen ran zen nasen und zen ôren, daz ez in durch die ringe vlôz. sî sâzen unversunnen nider von slegen grôz.
105
Ir beider ruowe was unlanc: dô ir helme verlien den klanc, ze samene sî dô sprungen. dô huop sich êrst ir ungemach, wan in vor nie sô wê geschach. ir helme sêre erklungen von grôzen slegen durch den hac, der sî sich sêre vlizzen, reht als der wilde dunerslac von himel kæme gerizzen und wolte verderben gar ein lant. alrêrst clagt der Bernære daz in her Ecke vant.
106
Dar nâch huop sich ir alter haz. dô wart alrêrst gestriten baz. daz wizzent von den lieden: sich bruofte ir beider herzeleit, daz wan noch singet unde seit, ê daz sî sich dâ schieden, die zwêne helde lobesam, mit egeslîchen wunden. daz viur in ûz den helmen bran, daz sich die este enzunden, daz man den walt verblîchen sach: der rouch dranc durch die boume sam nebel, des man jach.
107
Dô wart alrêrst ein strît getân: in törst ein zagehafter man niemer mit ougen schouwen. sî trâten umb die boume ein phat vor zorne an der selben stat: sus stritens durch die vrouwen. her Ecke in in dem ringe treip vil dicke unz an daz ende. vor ir füezen niht beleip sô vil sô in der hende: sô gar vertrâten sî daz gras daz nieman mohte kiesen waz dâ gestanden was.
108
Als in dâ beiden lûhte der tac, her Ecke sluoc im einen slac al durch den löuwen rôten. dem edeln Berner vor der hant er kloup den schilt unz an den rant: daz golt daz wart verschrôten. der rise den schilt ze rucken want, er namz swert ze beiden henden. er hiu den schilt im vor der hant vil tiefe gên den enden. er sprach ‘du muost zen vrouwen komen: erwerst dû dich der verte, mîn zorn ist mir bekomen.’
109
Er sprach ‘dîner hôchvart ist ze vil: und ist daz mir got helfen wil, vürht ich dich harte kleine. ich triwe dir wol gesigen an, ich getar dich wol bestân, wil er mir helfen eine den du mir vor gegeben hâst: ûf den hab ich gedingen. du bist der sinne gar ein gast. liez er mir misselingen, daz wær mir durch den glouben leit: ich trœst mich sîner krefte, von der man wunder seit.’
110
Diu sunne an daz gebirge gie. dem Berner wart sô leide nie, er hât niht schiltes mêre: dô muose er wîchen vor dem man, dâ er den walt sach dicken stân. dô gienc ez an ein rêren: her Ecke hiu der este vil hin ûf den Bernære, vür wâr ich iu daz sagen wil, als er verhaget wære. er hete in dâ vil gerne ervalt: dô nerten in die boume; sîn schilt daz was der walt.
111
Swâ er in dô sach vor im stân, sô muose er von dem küenen man mit sigelôsem strîte. wan er was herte alsam ein berc: er kunde verhouwen nie daz werc. Ecke sluoc in an die wîte. er sprach ‘du bist her ûz bekomen: ich bræht dich gerne gesunden den vrouwen, hâstu daz vernomen? ich twinge dich mit wunden, daz gloube du mir wol vür wâr: ê daz ich di’s erlâze, du muost ê tôter dar.’
112
Er sprach ‘got, hilf nâch mîner gir: du hâst vil guotez reht ze mir, wan ich dir wol getrouwe. durch daz lîd ich dis arebeit: ez hilfet mich niht hâres breit swaz ich ûf in gehouwe. des kan mir allez niht gevromen mîn kraft: hilf du mir mêre alsô deich von im müge komen mit eteslîcher êre: sô hât mich wol dîn kraft ernert. erst al der welte schiure, swa’r in den landen vert.’
113
Ir strîten daz was zorneclîch. her Ecke nam vil krefte an sich, als er sîn êrst begunde. si liefen aber an ander an, dô wart von zorn ein truc getân, der kam von herzen grunde. der Berner sluoc dô einen slac dem risen, daz in dûhte sîn heln der næme einen krac: alsus er nider strûhte. seht, daz vergalt er im wol sider: iedoch sô muose er Ecke umb den slac zer erde nider.
114
Er spranc widr ûf und sprach ‘benamen, des valls wil ich mich iemer schamen. wâ næm duz an der krefte, daz du mich hie hâst sus ervalt? ich wirde in kurzen jâren alt von dîner ritterschefte; wan daz bî uns hie nieman was, der ez gesagen kunde.’ aldurch den heln macht er in naz von bluote an der stunde: des wart er vinster als diu naht. sîn liuhten muose er lâzen: daz bluot den schîn bedaht.
115
Dô tete er als der wîse tuot: er vrâgte sâ den helt vil guot, wannân er komen wære. er sprach ‘bistu junc oder alt? ald bûst dû zaller zît den walt?’ alsô sprach der Bernære ‘sô ist mir leit daz ich dir bin bekomen in dîne lâge.’ harte listeclîch er in begunde mære vrâgen. er wont im dâ ungerne bî und sprach ‘got, wie mich wundert, ob diz ein tiuvel sî,
116
Der mich alhie bestanden hât! ouwê, wie sol mîn werden rât?’ alsô sprach der Bernære. ‘ach, herre got, durch dînen tôt du hilf mir hie ûz mînen nôt. sît dû bist mîn helfære, sô velle den strîtgesellen mîn: daz zimt wol dîner güete, wan er versprach die helfe dîn.’ im kam in sîn gemüete, möht erm den rucken hân gewant, unz er wær komen ze rosse, er wære im lîhte entrant.
117
Sus vaht er vil gar âne trôst. er wânde helfe sîn erlôst, die im got senden wolde. dô muose er wîchen vor dem man, dâ er den walt sach dicken stân. waz er der wunden dolde! er kund sich im erweren nit. vernâmt ir ie von leigen ein alsô ungefüegen strît? daz ros begunde weigen vast umb des recken ungemach. her Ecke in sluoc sô sêre, daz er daz ros niht sach,
118
Wol eines rosseloufes wît. ‘ich tuon dir noch vil lange zît, ê daz ich von dir scheide. hiute dôz begunde tagen, dô hæte ich dich vil nâch erslagen, daz gloube mir bîm eide, wan daz ich allez schônte dîn: nu nâhet dir dîn ende. du gesich die künegîn, gip mir dîn swert behende.’ ‘der êren mac iu niht beschehen, irn bringet mich in tôten, daz sî mich lebendic sehen.’
119
Er sprach ‘ich wilz versuochen baz. du solt mir wol gelouben daz: du maht dich niht gevrîsten. ich bin mit strîte dir ein her, du stâst gên mir mit kranker wer: du bedarft wol guoter liste. ich hân mich dîn sô gar bewegen, daz kunt dir niht ze guote.’ durch den heln sluoc er den degen und sprach mit swindem muote ‘waz wænest du deich spar an dir? einweder lebende ald tôter sô muostu volgen mir.
120
Ich twing di’s under dînen danc.’ er sluoc im aber ein wunden lanc und sprach ‘wer sol dich vlehen?’ des wart sîn halsperc silbervar von sînen slegen vleckic gar: von bluote begunde er vêluen, daz ez beide hie unt dort kam durch daz werc gerunnen. dô hâte er Dietrîch unervort eins löuwen muot gewunnen. alsus dô mêrte sich sîn maht. er sprach ‘ich hilfe iu strîten den tac und ouch die naht.’
121
Ir kraft wart dô gelîche stênt und an ir beider kumber gênt. swâ sie an andr erstrichen, ez valt ir ietweders hant sînen vient ûf daz lant: der zorn sî hâte erslichen. hern Ecken vil grôz wunder nam, dô er in sluoc dâ nidere: swaz er in vor getreip hin dan, daz sluoc er in hin widere. sî wân mit zorne überladen: des muosen sî mit bluote dâ beide sament baden.
122
‘Von wannân ist diu kraft dir komen? du hâst vil sterke ûf dich genomen’, sprach Ecke in sînem zorne. ‘dû wonst mir vientlîchen bî, reht als ein man noch in dir sî: des bistu der verlorne. ich hâte dîn doch guot gewalt, dô ich dich vant gesunden. nû hâstu sît her mich ervalt mit menger tiefen wunden, die ich dir sluoc in kurzer vrist. dû vihtest hie niht eine: ich sihe wer in dir ist.
123
Swie werlîch du nu vor mir stâst und swie vil du der krefte hâst, du bist verhouwen sêre. ich sihe niwan dîn eines schîn, und vihtest als dîn zwêne sîn. ist ieman in dir mêre der dir hie gît sô grôze kraft, sô kæm du nie von wîbe: der tievel ist in dir gehaft, der viht ûz dînem lîbe. ich wânde du mir soltest jehen: der ûzer dir dâ vihtet, der lât es niht geschehen.’
124
‘Du gæbe got ze helfe mir und daz er niht enhulfe dir: war tæte du dîn sinne? der ist bî mir doch hie gewesen: ich möhte anders niht sîn genesen. zwâr ich dir niht entrinne, swie mich verhouwen hât dîn hant.’ Ecken er iesâ valte vil zorneclîche ûf daz lant. dô sprach er mit gewalte ‘waz hilfet deich ervellet hân dich, wan ich mit dem swerte dîn niht verschrôten kan?
Ecken liet – Strophen 125–245
125
Des werde ir sêle niemer rât, diu dich ûf mich verwâfent hât: diu wil uns tœten beide. du sprichst, der künegîn sîn drî: und wizze ich wer ir einiu sî, sô lebe ich mir mit leide. daz wir hie vehten umbe sî, des munt sî dort wol lachen. ich wæn sî ein des lebens vrî undr uns zwein wellen machen. mich wundert waz in daz gevrumt, ob einer tôt belîbet und der ander hinnân kumt!
126
Sî hânt sich unser gar bewegen.’ von in beiden ran ein regen von bluote zuo der erde. sî vuoren slîfende ûfme grase, alsô ûf einem hælen glase: ich wæne iht schiere werde von zwein herren sô herter strît. dô gienc ez an die neige: sî hâten beide zorn unt nît als ich iu hie erzeige. ir entweder hâte des zwîvel nie, wan daz sî beide verdurben und tôt beliben hie.
127
Sô herter tac erlûhte in nie. swaz sî dâ vor gestriten ie, des wart dô gar vergezzen. ir maht was in entwichen gar: sî leitens mit den swerten dar. ûf Ecken wart gemezzen ein alsô ungefüeger slac, daz er kam von den sinnen und vor im ûf der erde gelac. doch mohte ern niht gewinnen, unz er ein niuwe maht gewan: dô spranc Ecke von der erde und lief in wider an.
128
Vil menege wunden er im sluoc durch den halsperc, den er truoc. doch er in aber valte vil zorneclîchen ûf daz lant, in kunde verhouwen nie sîn hant: er stuont ûf mit gewalte, des kunde er niht erweren dâ. der Berner hâte gedingen, ob er in nider valte sâ, sô wolte er mit im ringen. daz bluot im ûz den wunden wiel: mit zorne er sluoc daz Ecke zem vünften mâle viel.
129
Daz bluot ervarwte dô daz gras. niht langers bîtens dô enwas: ez viel ûf in der recke. als er in underligen sach, der helt gewalteclîch dô sprach ‘wiltu genesen, Ecke, vrumer degen, so ergip dich mir: durch aller vrouwen êre sô lân ich hie daz leben dir,’ sus sprach der Bernære. ‘swie unser zorn sî grôz gewesen, durch dîne manheit stæte sô lâze ich dich genesen.’
130
Her Ecke sprach ‘nu enwelle got, wan ich wær al der welte spot: hinnân vür iemer mêre sô hazten mînen starken lîp die werden man und werdiu wîp und hete sîn lützel êre. dîn grôziu vröude ûf mînen tôt diu vrumt dich harte cleine: dîn zwêne bræhte ich noch in nôt und slüege iuch alterseine. dîn kraft ist dir ze nihte guot, wan dich vil sêre krenket die wunden und daz bluot.’
131
Her Dietrîch sprach ‘nu lose mir. zwei spil diu wil ich teilen dir, als ich dir hie bescheide: du wirt geselle und wirt mîn man, daz ist daz beste dir getân, ald kius den tôt vil vreide. der dinge der muoz einez sîn, ê daz wir scheiden hinnen. nich hilfet diu vorgâbe mîn: ich wil an dir gewinnen.’ er sprach ‘mir ist dîn rede zorn. nu viht halt swie dû wellest: du hâst den lîp verlorn.’
132
Her Dietrîch vür die welt genomen hete dër dannân möht sîn komen: Ecke druht in zen ringen. er sprach ‘waz hilft dazt ob mir lîst? den lîp du doch dar umbe gîst: dir mac hie niht gelingen.’ ez wæren vrouwen drucke niht, daz zeigte im wol der herre: er druhte in daz von der geschiht daz bluot schôz harte verre und vil gar begôz den klê. vom toufe unz an sîn ende geschach im nie sô wê.
133
Dô druhte er vürbaz ûf den man: sô leiden tac er nie gewan. Ecke was nâch ûf gestanden. do er under im im grase sleif, in den halsperc er im greif mit beiden sînen handen. dâ er unverschrôten was, dâ zarte er im die ringe reht als ez wær ein blœdez glas. mit sölhem ungelinge gelac er ob im harte blôz: er zarte im ûf die wunden, daz bluot sî beide begôz.
134
Der swerte wart vergezzen gar: sî nâmen grôzer drücke war. sî kâmen ûf ein wîte. ein andern tâten sî sô wê: daz bluot begôz den grüenen clê ze tal an einer lîte. der Berner Ecken sêre twanc zeins boumes stammen grüene, daz sîn bluot ûz zen wunden dranc. betoubet wart der küene. der Berner druhte in ûf daz gras mit alsô grôzen kreften, daz er vil kûme genas.
135
Guot was hern Ecken guldîn gwant. ob im lac allez der wîgant, der edel Bernære. er sprach ‘du maht niht langer leben. des solt du mir dîn swert ûf geben, vil stolzer degen mære. tuost du des niht, sô muost den tôt von mînen handen dulden. des hilf dir selben ûzer nôt und kum gên mir ze hulden: sô vüere ich dich an mîner hant gevangen vür die vrouwen: sô wirde ich in bekant.’
136
Dô sprach Ecke, der werde degen, ‘mîns swertes wil ich selber pflegen, von Berne ein vürste rîche. mich santen her ûf disen tan drî küneginne lobesan. daz wizzest sicherlîche: ê daz du mich gevangen dar hin bræhtest gên Jochgrimme vür die küneginne klâr’ rief er mit lûter stimme, ‘ich wolte verliesen ê den lîp dan mîn ze Jochgrimme spotten diu werden wîp.’
137
Dô sprach der herre Dieterîch, von Berne ein vürste lobelîch, ‘neinâ, vil werder Ecke. gip mir dîn swert in mîne hant’ sô sprach der degen wîte erkant, ‘vil ûz erwelter recke. got weiz wol daz ich dir dîn leben hie gar ungerne wende. dâ von solt du dich ergeben, alde ez nimet ein ende. daz râte ich ûf die triuwe mîn, ald ez gât an ein sterben: daz mac niht anders sîn.’
138
‘Gib ich mîn swert in dîne hant’ alsô sprach Ecke der wîgant, ‘mich schulten iemer mêre ze Jochgrimme man unt wîp. ich wil verliesen ê den lîp’ sô sprach der degen hêre. ‘mîn swert daz wirt dir niht gegeben. ist dir alhie gelungen, sô solt du nemen mir daz leben. des wirt dîn lop gesungen. ich kan dir anders niht gesagen: ich gan dir baz der êren an mir denn eime zagen.’
139
Dô sprach der herre Dieterîch, von Berne ein vürste lobelîch, ‘sô riuwest du mich, Ecke. mac ez nu anders niht gesîn, sô hâst verlorn daz leben dîn. vil ûz erwelter recke, dâ von sô wende dînen sin durch alle werde vrouwen, ald ez wirt dîn ungewin. daz lâze ich dich beschouwen. dîn blic ist vreislîch getân: kæmest ûf von der erde, ich müese den tôt enphân.’
140
Den heln er im dô ab gebrach. swaz er dô ûf daz härsnier stach, er kunde sîn niht gwinnen alsô kleine als umbe ein hâr. mit dem knophe stiez er dar: daz bluot begunde rinnen en allenthalben durch daz golt. der rise wart âne witze. daz hâte er an im wol verscholt. er huop im ûf die slitze, die wâren beid von golde rôt: er stach daz swert durch Ecken, des twanc in michel nôt.
141
Als er den sige an im gewan, dô stuont er über den küenen man und sprach vil jæmerlîchen ‘mîn sige und ouch dîn junger tôt machent mich dicke schamerôt: ich darf mich niht gelîchen ze keinem der mit êren gar lebt. des clag ich dich veigen. swar ich in dem lande var, sô hât diu welt ir zeigen ûf mich, und sprechent sunder wân ‘seht, diz ist der Bernære, der künge stechen kan.’
142
Er sprach ‘Ecke, mich riwet dîn lîp. dîn übermuot und schœniu wîp went dir den lîp verkoufen. des muoz ich dir von schulden jehen, wan ich nie degen hân gesehen sus nâch dem tôde loufen, alsam du, helt, hie hâst getân. du phlæge enkeiner mâze noch kundest weder hân noch lân ûf dirre veigen strâze. er ist zer welt ein sælic man, der wol an allen dingen halten und lâzen kan.
143
Des muoz ich mich von schulden schamen. und wære ich niuwan vome namen (ichn ruochte wie ich hieze) daz ich eht anders wære genant, ald wære vermûrt in ein steinwant daz mich der name lieze, deich niht von Berne wære geborn, waz clagte ich danne mêre? sus hât mîn hant an mir verlorn mit strîte al die êre, die ich bejagte in mînen tagen. jô solte mich diu erde umb diz mort niht entragen.’
144
Als er den risen dô erstach, ze hant huop sich sîn ungemach: er begunde sêre trûren. er sprach ‘wê waz hân ich getân! unsælde wil mich niht enlân. wan solte mich vermûren, daz mich niht ruorte mê der luft: daz verklagte ich lîhte. ê dô was mîn lop vil tuft: nu ist ez worden sihte und daz ich kiuse wol daz griez. und ouwê, Ecke, daz ich dich niht langer leben liez.
145
Sît aber ichz nu hân getân. des muoz ich âne lop bestân und âne vürsten êre. wâ nu, Tôt? du nim mich hin, sît ichz der ungetriuwe bin. nu wer gap mir die lêre? daz ich dich, helt, erslagen hân, daz ist mir harte swære, und muoz mîn klage ze gote hân’ alsô sprach der Bernære. ‘ob ichz nu al die welt verhil, swann ich dran selbe gedenke, mîner vröude ist niht ze vil.
146
Sît ez ist aber mir geschehen, sô wil ich al der welt verjehen daz ich in hân erstochen. man weiz ez wol, und ist ouch wâr. dâ mite verswende ich mîniu jâr, und wirt mir übel gesprochen. von rehte ich daz verdienet hân. swiech sölch guot nie gewünne, iedoch sô wil ich wâgen gân und nemen dir die brünne: sô hân ich rêroup dir genomen. in weiz war ich vor schanden sol in die welt bekomen.’
147
Do begunde er Ecken umbe wegen, die brünne balde abe im legen: diu lûhte gar von golde. hern Ecken heln er dô genan. die liehten brünne leite er an, als er sî tragen wolde. diu was im dô ein teil ze lanc: sî gienc im ûf die grüene. vil balde er si abe im swanc. sî truoc der helt vil küene ze einem ronen mit sîner hant: er schriets ab mit dem sahse ein klâfter al ze hant.
148
Als er daz guote swert versuocht und in die hosen sich geschuocht, den helm bant er zem houbte den schilt er bî dem riemen vie. er sprach, dô er von dannen gie, ‘der nu des geloubte deich dich slâfende niht envant, dô ich dir stach die wunden, sô wurde ich sælic gar bekant.’ sîn ors vant er gebunden, dar ûf er trûreclîchen saz: ez wart von sînem bluote ze beiden sîten naz.
149
Her Dietrîch wolte dannen traben. her Ecke bat in stille haben: ‘vil stolzer degen hêre, obd ie gewunnest mannes muot’ sprach der werde helt vil guot, ‘sô nim die widerkêre zuo mir, des wil ich biten dich, wan ich bin gar betoubet, und lâz alsus niht ligen mich: du slah mir ab daz houbet, wan ich entriwe doch niht genesen, durch aller vrouwen êre.’ er sprach ‘zwâr daz sol wesen.’
150
Her Dietrîchz houbt im abe sluoc. ze sînem satel erz dô truoc, der edel Bernære. vil vaste bant er ez dar an. dô sprach der wunderküene man ‘ich sage leidiu mære von dir den küneginnen fîn, die dich ze kenpfen walten ûfen daz ungelinge mîn. des wil ich dich behalten den die dich hâten ûz gesant, und wil ouch niht erwinden, ich bring dich in ir lant.’
151
Her Dietrîch wider ûf gesaz. vür wâr sô sage ich iu daz: er reit al durch ein ouwen. dâ vant der wunderküene man bî einem brunnen wünnesan slâfende eine vrouwen. diu was sô minneclîch gestalt: ir kunde niht gelîchen, und was zem brunnen durch den walt geslichen sicherlîchen. der stuont undr einer linden breit. dâ hin sô kam geriten der Berner vil gemeit.
152
Do erbeizte der mære wîgant. sînen Valken er gebant zuo zeiner linden aste. hin vür die vrouwen er dô gie. er liez sich nider an ein knie. dô slief sî alsô vaste daz sî sîn dâ niht innân wart: sî was sô gar verslâfen. er sprach ‘vil liebiu vrouwe zart, ir soltent mich niht strâfen, daz ich iuch sus erwecket hân.’ sî sprach ‘nein, lieber herre,’ und sach in güetlîch an.
153
Und sprach ‘deu sal, her Dieterîch, von Berne ein vürste lobelîch, bewîse mich der mære. von wannân bistu her bekomen? daz hete ich gerne hie vernomen. êst mînem herzen swære daz du sô gar versêret bist mit ungevüegen wunden: dar umbe ich dich in kurzer vrist wil machen gar gesunden. von dîner ängeslîchen nôt bist du sô sêre berunnen mit dînem bluote rôt.’
154
Dô sprach der herre Dieterîch, von Berne ein vürste lobelîch, sâ zuo der schœnen vrouwen ‘mir widervuor ein junger degen, von dem was ich nâch tôt gelegen: der hât mich sus verhouwen mit sîner ellenthafter hant. sîn kraft diu was niht kleine. mit nôt ich in überwant’ sprach er zer vrouwen reine. ‘er brâhte mich in grôze nôt. verbint mich, edliu vrouwe; wan ich bin nâhe tôt.’
155
Diu reine vrouwe wol getân verbant dem wunderküenen man die sîne wunden swære. ein bûhs mit salben sî im gap. vil grôz was sîn ungehap. si sprach ‘nim hin, Bernære, dis salbe: ezn wart nie man sô wunt, und strîche ers an den smerzen, er wirt am dritten tage gesunt der wunden die dem herzen niht ze nâhe ligent bî. hab guoten muot, Bernære: du wirst dîns smerzen vrî.’
156
Dô sprach von Berne er Dieterîch ‘got lôn dir, küneginne rîch, der gâbe helfe rîche. got hât dich mir ze trôste gesant.’ als sprach der mære wîgant. ‘du tuost mir sæleclîche, des ich doch iemer danke dir in herzen unde in sinne. ez wart nie baz erboten mir: dar umbe ich iemer minne dich, küneginne wol getân. enwær dîn guotiu salbe, ich müese den tôt enphân.’
157
Sus sprach der herre lobelîch ‘nu sage mir, küneginne rîch, wan durch dîn selber êre, von wannân du, vrou, sîst geborn. lâ dir die vrâge niht sîn zorn’ sô sprach der vürste hêre ‘und künde mir den namen dîn. du bist sô tugentrîche * * wan du hâst mir sô wol getân, daz ich dir iemer diene, die wîle ichz leben hân.’
158
Dô sprach diu selbe künegîn ‘du wissest gerne den namen mîn, vil edeler Bernære? ich bin vrô Babehilt genant. im mer hân ich ein schœnez lant ân aller slahte swære. sô ist mir tägelîch undertân vünf hundert ritter rîche, die hân ich ouch ze dienestman, daz wizzest sicherlîche, und weiz beid übel unde guot.’ des vröute sich als sêre hern Dieterîch sîn muot.
159
Her Dieterîch sprach aber dô zer werden künegîn alsô ‘sô sage mir, vrouwe mære: kum ich dicke ze grôzer nôt? ald darf ich vürhten iht den tôt?’ alsô sprach der Bernære. ‘ich wil gên Jochgrimme in daz lant ze den drin küneginnen, die Ecken hâten ûz gesant. den hân ich mit unminnen und ouch mit grôzer nôt erslagen: nû wil ich selbe mære den vrouwen von im sagen.’
160
Dô sprach diu küneginne rîch ‘ich sage dir, vürste lobelîch, du kunst dicke ze strîte: bist du gên Jochgrimme ûf der vart, sô wirt dîn swert niht vil gespart. du slahest wunden wîte, wan du kunst dick ze grôzer nôt. doch vürhte niht ze sêre daz du dâ von geligest tôt: daz spriche ich ûf mîn êre. wan zwâr vrô Sælde wil dîn pflegen.’ sus gnâdete ir der vürste: sî gap im ir segen.
161
Nu lâzen wir die rede hie und sagen wiez dem Bernære ergie: des süllen wir niht lâzen. den walt er âne stîge reit wol einer halben mîle breit: dô hôrte er âne mâzen ein stimme diu was clägelich, von einer vrouwen munde. von sînem orse liez er sich. alsus erbeizte der wunde. sîn ors er ze einem aste bant. her Vâsolt der vil küene der kam dar nâch gerant.
162
Sus jagte sî der küene man. diu maget rief den Berner an ‘ner mich in dirre wilde. und wart dir got ie vor genant, sô tuo mir dîne helfe erkant: ich binz ein gotes bilde. mich jagt des landes herre wert mit sînen leithunden. mîn herze an dich helfe begert, sît ich dich hie hân vunden.’ er sprach ‘vrou, wie ist er genant?’ sî sprach ‘er heizet Vâsolt: im dienent wildiu lant.’
163
Er sprach ‘diz birge ist herren vol. und möhte ich nu gestrîten wol, daz wurd mit iu geteilet. ich hân mich eines kûme erwert: von dem sint wunden mir beschert, die sint noch ungeheilet. wir mun ez beide gote klagen, daz wir sîn ie begunnen. swie sêre er mich hât geslagen, doch hân ich an gewunnen dis brünne.’ sprach daz vrouwelin ‘dast Ecke Vâsolts bruoder: alrêrste vürhte ich dîn,
164
Wan nieman küener lebt den er.’ dô liefen zwêne hunde her nâch ir ûf der verte. ûf sîn ors huop er die magt. dô hôrte er daz ein ritter jagt her nâch, des muot was herte. ein horn daz vuorte er an der hant, daz blies er an den stunden, daz ez erhal al in daz lant. sîn hunde er vant gebunden: daz hâte der vogt von Berne getân. dô lôstes zorneclîche Vâsolt, der küene man.
165
Her Dietrîch nam des vil wol war: Vâsolt was keiserlîche gar verwâfent an den stunden. einen heln er ûfe truoc, der was fîn unde schœne genuoc, ein krône drûf gebunden, diu was von rîcher koste guot. alsô seit uns daz mære daz her Vâsolt hôchgemuot ein rîcher künic wære. er truoc ouch hâr alsam ein wîp. ez hete wol risen lenge des hôchgebornen lîp.
166
Ân stegereif in den satel spranc Vâsolt. sîn zöphe wân sô lanc daz sî dem orse giengen ze beiden sîten hin ze tal. ez was gar silberwîzer stâl dâ sî dâ inne hiengen; und wân zwên wakhart harte klâr. die begunde der Berner prîsen. sî wâren an den heln aldar genagelt wol mit îsen und wân sô veste daz im nie sîn hâr in keinem strîte verschrôten was von hie.
167
Wie zorneclîche er ûf in reit! ‘du hâst genomen mir mîn meit’ sprach dô des landes herre. ‘wie kûme ich dirz vertragen mac! ich hâns gejaget disen tac ûz dem gebirge verre. von wannân bistu her bekomen? ald wer gap dir die lêre daz du mir mîn wilt hâst genomen? möht ich an dir kein êre bejagen, sô wære ez âne vride, ir müesent beide hangen vor mir an einer wide.
168
Dîn wunden sint dir hiute guot. daz wizzest, sæhe ich niht dîn bluot durch die ringe vliezen, den tiuvel hætest her gejeit. zwâr gotes noch dîner maneheit liez ich dich niht geniezen, wan daz du sus erbarmest mich, und bist mir doch unmære.’ ‘wâ mite hânz verdienet ich?’ sô sprach der Bernære. ‘nu hân ich doch den tac gesehen, hæt ir mich iht betwungen, iu wær dran übel beschehen.’
169
Dô sprach her Vâsolt an der stunt ‘und wærest du noch niendert wunt, an dir læg lützel êren. dîn hôhiu rede versmâhet mir. end ich hinnân scheid von dir, du muost dich gar verkêren. du soltestz niuwan tôren sagen, die sîn niht merken kunden. du soltest dîner rede gedagen: dir swerent dîne wunden.’ er sprach ‘sî iu mîn rede leit, sô lânt mich von iu rîten und gênt mir dise meit.’
170
Er sprach ‘var hin, sî sî diu dîn. und wellest mit gemache sîn, sô lâ mit mir dîn strîten und hüete ouch daz du dich bewarst, daz du mir iht mê widervarst in den gebirgen wîten.’ alsô sprach Vâsolt zuo dem degen. dô was ez worden spâte: dô sprach diu magt der’r solte pflegen ‘herr, rîtent von im drâte.’ dô vorhtes sîn unstætekeit. der Berner schiet von dannân. des vröute sich diu meit.
171
Her Dietrîch vrâgen si began ‘nu sagent waz hânt ir getân, daz er sus mit iu bâget? ich wæne er trage uns beiden haz.’ sî sprach ‘herr, ich enweiz durch waz er mir sô dicke lâget. mîn hôhez leben von wilder art hât er gemachet nidere. im dienent rîche künge zart, die mugent niht dâ widere. swaz ern gebiutet durch daz jâr und ouch mit in geschaffet, daz muoz doch werden wâr.
172
Nu behüete uns got vor sîme gebot.’ er sprach ‘und lieze erz niht durch got, er wolte uns hân erhangen. sol ich von mînen wunden leben? ich muoz im strîtes vollen geben: mich muoz nâch im belangen.’ dô sprach daz wilde vrouwelîn ‘herr, ich daz widerrâte. welt ir daz wir mit êren sîn, sô rîtent von im drâte. begrîfet in sîn valscher zorn, wirt er des tôdes innân Ecken, wir sîn verlorn.’
173
Von wunden seic er ûf daz lant. er sprach ‘sîn name nu werde geschant. waz wîzet er iu meiden, dër an im künges adel hât und iuch des niht geniezen lât? er wil von êre iuch scheiden. in hôrte nie von ritter daz man vrouwen jagen solde. dast wâr, im zæme michels baz, het er iuch alle holde.’ sî sprach ‘enruochent waz er tuot. ich sihe dort eine wurzen: diust iuweren wunden guot.’
174
Von dem trôste wart im baz. er rihte sich ûf unde saz. dô gie sî von im drâte, dâ sî die wurze stânde vant. sî wân ir alle wol bekant. die gruop sî dannoch spâte und reip sî vil wol in der hant mit wilder meisterschefte. von der zehant sîn wê verswant und kam ze sîner krefte, daz in diu müede gar verlie, als er dâ vor ze strîte doch wære bekomen nie.
175
Sî gie dâ er sîn ors gebant: bî einem boume si daz vant. des leben daz was herte. sî brach im loup und dar zuo gras und swaz ir dâ ze vinden was, unz daz sî ez ernerte. dâ in dem clê sî wurzen vant, die kantes bî der blüete. dem rosse brâhte sîs zehant. sîn müede im nam diu güete der wurzen, daz ez kraft gewan und truoc krefteclîche gewâfent in den tan.
176
Dô dûhte in er wær wol gesunt. er sprach zer vrouwen an der stunt ‘ich hân dekeine swære, wan daz ich niht geslâfen mac.’ ‘ich phlige iwer unz an den tac’ sprach sî ze dem Bernære. die riemen sî entstriht ze hant, die brünne er muos ab ziehen. mit den wurzen sîn verbant: diu suht begunde in vliehen. zehant dô wâfente er sich wider und nam under sîn houbet den schilt und leit sich nider.
177
Die naht sî sîn mit triuwen phlac. als er geslief unz an den tac, daz ir der morgen lûhte: ein starken jâmer sî gevie. wan dazs in eine ungerne lie, vil ofte sî bedûhte, ez liefen hunde durch den walt. dô saz sî zuo dem recken: diu junge maget wol gestalt begunde in sanfte wecken. vil ofte ruort sin mit der hant: dô slief er alsô sêre, daz er sîn niht enphant.
178
Mit grôzen riuwen sî gesaz. si sprach ‘jâ, herr, waz meinet daz? der slâf wil kumber mêren uns, wan ich hân ze lange gebiten. ez kunt her Vâsolt schiere geriten und scheidet uns von êren. er vüegt mir jâmer unde pîn, sît ich mich hân vereinet. des müeze got mîn helfer sîn.’ sî hâte als vil geweinet, daz ir diu ougen wâren rôt. si schrê vil lûte ‘wâfen! bistu beliben tôt?’
179
Gar trûreclîch began sî harn und sprach ‘bistu alsô vervarn in dînen jungen jâren? nu bistu doch gesühte vrî, swaz doch dir geschehen sî.’ dô hôrte er sî gebâren nu clägelîch, seit uns daz liet, swie er doch niht enwahte. ein stimme sî von vröuden schiet: von kluphe ir herze erkrahte. sô lûte erschal Vâsoltes horn. sî sprach ‘nu wachent schiere, ald wir sîn gar verlorn.’
180
Dô ruorte er sich daz sî ez sach. vil schiere sî zem helde sprach ‘ir slâfent gar ze sêre. wachent durch iuwer maneheit.’ dô hôrte er niht waz si im seit. dô ruoftes aber mêre. vor zorne er ûz dem slâfe spranc und vrâgtes waz ir wære. ‘ich hœre iuch rüefen, daz ist lanc.’ alsô sprach der Bernære. ‘vrou, hânt ir ieman hie vernomen?’ sî sprach ‘jâ, herre: her Vâsolt ist in den walt bekomen.’
181
Er sprach ‘daz ist durch uns beschehen. er wil uns beide gerne sehen.’ sî sprach ‘er sî verwâzen, daz ich mich niht verbergen kan. herr, ir sunt sîn niht bestân: er kunt iu niht ze mâzen. er hât mit leide mich versêrt: ich beite es niemer mêre. durch den ir mich nu hânt ernert, der gebe iu sige und êre und helfe uns daz wir hinnân komen.’ si ergap in gote vil tiure: urloup wart dô genomen.
182
Alsus dô schieden sî sich hie. in den walt sî von im gie mit harte grôzer vorhte: ir lit in zitter wân hie mite. sî vorhte Vâsolt ûf sî rite. schiere kam der verworhte. er sprach ‘du hâst niht vogtes mê: nu gât ez dir ze leide.’ diu juncvrouwe aber lûte schrê. der Berner sprach ‘der meide, ich wæne, ir dinc niht eben stât. ich hilfe ir von dem schiere der sî bekumbert hât.
183
Sî sol ir dienst niht hân verlorn.’ er nam daz ors ze beiden sporn und kêrte ez gên der stimme, die er im walde hâte vernomen. her Vâsolt der was zuo ir komen. do erbeizten sî mit grimme von den orsen ûf daz lant. her Vâsolt sweic niht langen: er sprach ‘ir bringet mir daz phant. ir müezent beidiu hangen: niht langer ich daz vristen sol.’ ‘triuwen’ sprach der von Berne, ‘ich mache iuch strîtes vol.’
184
Her Vâsolt einen ast gevie: den brach er abe eim boume hie, der was grôz unde swære. der wart im schier zerhouwen gar. er greif nâch einem andern dar: der boum wart este lære. er gebârte rehte als er den walt wolt loubes âne machen: wan hôrte deste mänicvalt ein halbe mîle krachen. er zart die boume dazs sich kluben: die hiu der Berner schiere, daz sî vil gar zerstuben.
185
Als er der este niht mê vant, Vâsolt erbarte ein swert zehant und sluoc ûf den von Berne, daz im sîn helm vil lûte erhal. hern Ecken sahs dâ wider gal: dez hiu die ringe gerne. diu krôn diu Vâsolts heln bevie began von bluote rôten. sîn hâr der stahel umbe gie, und wârt doch gar verschrôten, daz ez viel nider ûf daz lant: mit einer tiefen wunden wart Vâsolts zoph entrant.
186
Sî truogen beide einander nît. von in wart nie sô herter strît: sî sluogen slege veste. swie ez doch an in niht entruoc, daz viur in durch die helme sluoc und drâte ûf durch die este. der Berner sprach ‘und bist duz joch der tievel ûz der helle, du muost mir siges jehen doch: daz merke swer der welle.’ daz swert er ze beiden handen nan: er sluoc im ab den andern zoph daz er vuor von dan.
187
Vâsolt sprach ‘ich wil mich ergeben: du solt mir lâzen hie mîn leben, wan du hâst mich betwungen.’ ‘vil gerne’ sprach her Dieterîch. ‘swer mir dîn dienst getriuwelîch, wan mirst an dir gelungen, und daz du mir sîst alsô holt sam ich dir leit nie tæte.’ ‘vil gerne’ sprach dô her Vâsolt ‘mit ganzen triuwen stæte.’ dô swuor er im drî eide gar: die liez er alle meine; des wart er êren bar.
188
Vâsolt sprach ‘von wem sol ich tragen die krône? ich kan doch niht gesagen wem an mir ist gelungen. sît du mir hâst gesiget an, des hân ich dich vür einen man: du maht in êren jungen. swar ich von dir rît in diu lant, ich mac dîn niht erkennen: helt, dâ von tuo mir hie bekant wie ich dich sülle nennen, und sage mir, herre, dînen namen. schieden wir sus von ander, wir möhten uns sîn schamen.’
189
‘Wir sîn an ander unbekant: sô bin ich Dieterîch genant, daz sage, swer dich sîn vrâge; und bin von Berne her geriten und hân ûf mînen lîp gestriten: der stuont gar ûf der wâge. ich kam von einem jungen man in alsô grôze herte daz ich nie grœzer nôt gewan; wan daz mich got ernerte.’ dô sprach daz wilde vröuwelin ‘waz welt ir daz ze sagenne? war umb lât irs niht sîn?’
190
Her Vâsolt sprach ‘wiest iu sô leit daz er mir hie die wârheit seit? wârent ir bî dem strîte? ald kunnent ir mir rehte gesagen wen er ze tôde habe erslagen in dem gebirge wîte? in mac kein swert niht hân versniten: sô grôz sint im die wunden. im ist der tievel widerriten im walde an disen stunden. zwâr anders nieman in bestât, wan der der siben sinne an im dekeinen hât.
191
Sich prüevet mîn unsælekeit, daz dir Ecke niht widerreit’ sprach Vâsolt, ‘dast mir ande, mîn bruoder: von dem teilte ich nie diu erb diu uns mîn vater lie, der bürge noch der lande: sî müezen ungeteilet sîn und dienent uns gemeine. betwingest ouch den bruoder mîn, sô dienent sî dir eine. der heizet Ecke und ist ein kint.’ ‘ich wæn’ sprach der Bernære ‘daz zwêne Ecken sint.
192
Der ander tôt vor mir gelac: des ist noch niht der niunde tac daz er mich hât ergangen. er lief gewâfent sam er vlüge. er brâhte mich in sölche züge daz mich dâ muose belangen. swaz ich im êren ie gebôt, ich kunde in nie gedingen: swaz ich seit, er wolt lebende alt tôt mich sînen vrouwen bringen. guotez er mir nie ensprach. doch half mir got der guote daz er mir siges jach.’
193
Dô sprach Vâsolt, der küene man, ‘hâstu gesigt mîm bruoder an, sô ist dir nieman widere. wan swâ du strîtest in der schar, wir müezen alle nîgen dar: du valtest Ecken nidere; wan daz mich doch betriuget daz ich kiuse ganz die brünne. helt, du solt mir sagen baz welch list dir in gewünne, ald wie sîn lîp vor dir verdarp. ich wæn dîn hant niht êren an sînem tôde erwarp.’
194
Des antwurte ime her Dieterîch von Berne und sprach vil zorneclîch ‘wie sich dîn rede verkêret! swaz du geredest durch daz jâr, daz ist vil nâch gelogen gar. wer hât dich daz gelêret? du neigtest mir die hände dîn. des muoz ez sîn dîn ende, daz wizzest ûf die triuwe mîn. du bist der missewende. du entrinnest denne ins meres wâc, du muost die rede garnen, wærest des tievels mâc.’
195
‘Ze vliehen hân ich niendert muot. du solt mîn erbe und ouch mîn guot niht sô vergebene niezen. mîns bruoder wil ich gerne gedagen: hetestu slâfende in erslagen, ez müese mich verdriezen. wer hât dich nu gelêret daz daz du die welt sô swendest?’ her Dietrîch sprach ‘mirst leit dîn haz und daz du mich sô schendest. du muost mir drumb ze buoze stân.’ dô sprungens sâ ze samne, die recken lobesam.
196
Dô wart vil crefteclîch gestriten. die helme wurden niht gemiten, dô sî vehten begunden. sî truogen beide an ander haz. vür wâr sô sult ir wizzen daz: sî mohten noch enkunden an ander dô geschaden niht an keiner slahte dinge. sî sluogen vaste zer geschiht ûf helm und ûf die ringe: dô schatten sî an ander niet. diu ros huot in diu vrouwe. nieman die helde schiet.
197
Dô sprach von Berne er Dieterîch zuo hern Vâsolt sicherlîch ‘du bist ein degen rôter: got müeze mich vor dir bewarn. Ecken herz ist in dich gevarn, swie er lac vor mir tôter im walde, dô ich von im reit. ich mages niht mêre lîden: ich wæn dîn zwêne tuont mir leit hie. zwâr daz solt du mîden und solt den ein gesellen lân: bestâst du mich aleine, sô bist ein küener man.’
198
‘Waz wilt du mit zwein herzen mir? sô ist Diethêres herze in dir, dîns bruoder wunderküene: den unde dich gebar ein wîp. dô vuor sîn kraft in dînen lîp, dô in sluoc ûf der grüene von Rabene Witege, der küene man. doch muose er dir entrinnen, dô du mit zorne in woltest slân und du begundest brinnen. er vlôch vor dir in einen sê: daz was dem helde küene dâ vor geschehen nie mê.’
199
Er wart vrôn Helchen kinde ermant und sînes bruoder al zehant: grim wart im sîn gemüete. dar nâch in einer kurzen zît nam er an sich zorn unde nît. mit zorne und mit ungüete lief er Vâsolten schiere an und begunde sêre houwen. wie starke wunden er gewan, daz muos diu vrouwe schouwen. mit beiden handen er sîn swert zuht unde sluoc Vâsolten, daz er viel ûf den hert.
200
Er wolte in hân ze tôde erslagen. diu vrouwe bat, als ich wil sagen, und sprach ‘nein, degen hêre, ir sult im lâzen hie sîn leben und sunt mir disen ritter geben: er tuot ez niemer mêre.’ des antwurte ir mit zühten dô der vürste guot von Berne. er sprach ‘swaz du gebiutest, sô wil ich tuon harte gerne. ich gibe abr ims die triuwe mîn: getuot erz iemer mêre, ez muoz sîn ende sîn.’
201
Sî half im von der erde sâ und entwâfente in aldâ. den heln bants im vom houbte. dar nâch daz schœne vrouwelîn verbant im wol die wunden sîn. der Berner in betoubte. sî sprach ‘Vâsolt, wiltu den lîp behân, sô lâ dîn strîten mit im und lâ dîn valschen kîp: du soltest von im rîten.’ urloup sî zuo in beiden nan: si enphalch den Berner gote vil tiure und huop sich dan.
202
Die herren riten durch den walt (ir gespræche daz was mänicvalt) gên einer bürge schône. diu was hôch unde wunnesan. ir phlac ein gar wêniger man mit einer guldîn crône. her Vâsolt zuo dem satel greif: er wolte dem Bernære gehabet hân den stegereif, der stolze degen mære. daz gesinde nam des vil wol war: si enphiengen den Bernære, Vâsolts vergaz man gar.
203
Iedoch phlac man ir beider wol. diu burc was schœner türne vol und palas bî der mûre. sî was der mange entwahsen gar: ez wart nie stein geworfen dar, er enkæme von der schûre. dâ vür hâte sî ein rîchez tach gemachet wol mit blîge. vor iegeslîchem palas sach man schœner türne drîge gemûret wol mit vlîze dar. swenn mans gelîche zalte, sô wân ir hundert gar.
204
Wan bat die herren ezzen gân. der wirt der vuortes beide dan in einen palas wîten. dâ wart von getwergen grôz gedranc. er was sô wît und ouch sô lanc, man möhte drinne rîten. in wart ze tische sicherlich gedient wol mit getwergen. her Vâsolt sprach ‘bin alsus ich gescheiden von den bergen, daz ich mich ir entânen sol? ich mac wol mit iu lachen, mirst aber niht ze wol.’
205
Als man die tische gehuop von dan, her Vâsolt ruofen dô began ‘ir herren, ir sunt swîgen. ir wânt ie siges an mir gewon, dâ bin ich nu gescheiden von: mir sol hie nieman nîgen. mich hât dis werden recken hant dâ von mit strîte gescheiden. ich gebiute iu, swie ir sint genant, daz ir im lobt mit eiden ze dienen als man dienen mac. wan ich muoz mich verzîhen iuwer vür disen tac.’
206
Der wirt sprach ‘lânt mich hœren wie ir beide sint mîn herren hie, wie ich dar zuo gebâre. ich hân von iwer enweders hant enweder bürge noch diu lant. daz müeget mich doch zwâre, daz ich mîn vrîez leben hêr verzinse von gewalte. nu wizzent, swem ich hiute swer, daz ich mich an den halte mit triuwen als ich rehte sol. in bedarf niht zweiger herren: ich enbir des einen wol.’
207
Her Dietrîch sprach ‘du solt mir swern. ich wil dich vor gewalte nern. in allen landen wîte sô mac dir nieman wider sîn: des gibe ich dir die triuwe mîn.’ daz getwerc swuor bî der zîte sîn dienest: des wart triuwen schîn im in des wirtes hûse. der kanel der was aller sîn von Klamme unz hin ze Klûse. des morgens riten sî von dan: ez was in wol erboten von dem wênigen man.
208
Hin wîst Vâsolt den küenen man durch den vil ungehiuren tan gên einem holen steine. seht, dâ gesâhen sî vor stân ein stolzen ritter lobesan. den fundens alterseine. er was gegangen vür daz tor und wolte ervarn diu mære; wan im was wol geseit dâ vor daz Ecke erslagen wære. der selben porte der degen phlac. sîn halsperc was vil veste, sîn heln lûht als der tac.
209
Sîn wâfenroc ein pheller fîn was und sîn hosen stähelîn. sîn sporn wân rôt von golde. sîn swert der zwelve einez was: daz lûhte alsam ein spiegelglas. ob ez ein keiser solde ze strîte vüeren tägelîch, ez wære im wol gebære ze sîner sîten sicherlîch: alsus seit uns daz mære. ez kunde bezzer niht gesîn, wan ez vor vil ze strîte truoc Sîfrit der hürnîn.
210
Ein schilt der werde degen truoc, der was ouch ungevüege genuoc und dar zuo harte swære. wie wol beslagen was sîn rant mit stahels spangen! an der hant den truoc der degen mære, swar er ze strîte solte varn. des wart sîn lop vil wîte. den vîent sach man in niht sparn in sturme noch in strîte. er was selb Eckenôt genant. er truoc ein scharphen gêren, des wart er wîte erkant.
211
Als in her Vâsolt verrest sach, zuo dem Berner er dô sprach ‘nu solt du stille swîgen. er wænt bî dem gewæfen dîn dich mînen bruoder Ecken sîn. des sihst du in dir nîgen mit gruoze, als er vor hât getân mîm lieben bruoder Ecken. wirt er gewar wie ez ergân ist umb den werden recken, daz du den hâst ze tôde erslagen: ich weiz an sînem muote, er mac dirz niht vertragen.’
212
Dô sprach der herre Dieterîch, von Berne ein vürste lobelîch, ‘er stât doch alterseine. wie möhte ez iemer sô ergân, daz er mich tæte lîbes ân? nu merke wiech daz meine: ich trœste mich der sarewât, die ich dîm bruoder Ecken nam, diu mich harte hôhe stât von dem vil werden recken. er hât mich nâch ze tôde erslagen, doch mac ich niemer mêre den werden helt verklagen.’
213
Sî riten vür den stein alhie. her Eckenôt sî beide enpfie mit gruoze harte verre. vil schiere sprach der her Vâsolt (dem wâren schœne vrouwen holt) ‘nu sage an wa ist dîn herre, daz du sô eine beliben bist vor disem holen steine? ich wæn dîn herre niht enist hie: dâ von stâst aleine. ich sæhe in gerne an dirre stunt. wie lebt daz ingesinde? ist allez wol gesunt?’
214
Er sprach ‘ich kan iuz gar gesagen. wan seite uns, Ecke wære erslagen: daz klagten wir gemeine. mîn herre und alle sîne man die sint geriten vür den tan: des stân ich alterseine und vröu mich daz ich hân gesehen hern Ecken noch gesunden. mir kunde lieber niht beschehen. mîn hærre und sîne kunden suochent den werden helt vil guot, der Ecken solte erslagen hân: des trûret unser muot.
215
Nu lobe ich got: ich hân gesehen den helt, dem man muoz lobes jehen. daz ist mîns lîbes tunge. solt ich in sô verloren hân, sô müese ich iemer trûric stân.’ sus sprach der degen junge ‘ich wart nie keinem alsô holt als Ecken sicherlîche: daz hât er wol umb mich verscholt. nu enwisse ich in dem rîche dekeinen der ez hæte getân, swie starc ald küene er wære, ich wolte in drumbe bestân.’
216
Dô sprach von Berne er Dieterîch zem jungen degen lobes rîch ‘ich mac niht swîgen mêre. ich wil dir hie diu mære sagen: her Ecke derst ze tôde erslagen, daz wizzest ûf mîn êre. du gesihst in lebendic niemer mê.’ her Eckenôt sprach ‘triuwen, daz tuot mir inneclîchen wê und muoz mich iemer riuwen, daz er den lîp sus hât verlorn. an sterke und ouch an küene sîn glîch wart nie geborn.
217
Nu sage an, tugenthafter man, wer im den schaden habe getân. daz wisse ich harte gerne. ez mac dir hie kein schade gesîn, des gibe ich dir die triuwe mîn.’ dô sprach der helt von Berne ‘nu sich mich an: ich hânz getân.’ her Eckenôt mit zorne sprach ‘daz muoz iu anz leben gân, wan ir sint der verlorne. des wil ich iu mîn triuwe geben: sît ir in hânt verderbet, daz kostet iuwer leben.’
218
Des lachte der herre Dieterîch, von Berne ein vürste tugentrîch: sîn zurnen tete im leide. dâ von erbeizte er ûf daz lant. den sînen Valken er dô bant. zesamen sprungens beide. mit grimme sî diu swert erzugen, als sî von rehte solden: dâ von die viures vlammen vlugen ûf durch der boume tolden, wan ez wân zwêne küene man. Vâsolt stuont ûf der grüene und sach den strît wol an.
219
Er wolte im gerne geholfen hân. er entorste ern Dietrîch niht bestân: sîn swert daz vorhte er sêre. her Eckenôt, der küene man, sîn swert ze beiden handen nan: er sluoc den Berner hêre ein alsô crefteclîchen slac, daz in aldâ bedûhte, ez wær sîn jungeslîcher tac; wan er vil sêre strûhte. dâ von sîn munt in zorne enbran sô daz ûz sînem helme der tanph riechen began.
220
Dô sprach der Berner hôchgeborn ze Eckenôte ûz erkorn ‘du weist niht mîner krefte, die ich an mînem lîbe hân.’ sô sprach der tugenthafte man ‘swer zmezzer hât bîm hefte * du kundest dich gar küene: ich tuon dich strîtes überladen ûf disem anger grüene.’ alsô sprach er dem helde zuo ‘du kæm von dîner ammen ze strît gên mir ze vruo.’
221
Her Dieterîch, der werde man, daz swert ze beiden handen nan. er sluoc im durch daz herze ein grôze wunden tief unt wît. er gemuote in nimmer mêre sît: do in ane gie der smerze, dô viel er nider ûf daz gras, sîn swert schôz im von handen, diu sêle gescheiden von im was. sîn tôt was Vâsolt ande. er was sîn mâc, sô man uns seit, und torst doch nie gebâren, sam ez im wære leit.
222
Her Dietrîch wust sîn schœnez swert. der êren was ez vil wol wert. er sprach ‘sît ich gewunnen dich hân, sô schaffe ich swaz ich wil. dâ von sô hân ich vröuden vil, und ist mîn leit zerrunnen. wan ich weiz keinez mê sô guot: von golde ist rôt sîn scheide. dâ von sô gestet sich mîn muot, swie ich ez habe mit leide gewunnen von dem küenen man, der mich dâ mite versêrte vast in dem grüenen tan.’
223
Dô sprach Vâsolt, der küene man, ‘dô ez mîn bruoder êrst gewan, dô was im wol ze muote. dâ von sô hân ich in verlorn und disen ritter wol geborn. ach, herre got der guote, die mac ich niemer wol verclagen.’ dô sprach der vogt von Berne ‘du wilt mir aber widersagen: daz hœre ich harte ungerne. du muost dar umbe lîden pîn von mir an disen stunden ûfen die triuwe mîn.
224
Nu were den lîp, des gât dir nôt, * von mînes swertes ecke.’ dô sprach sich der herre Vâsolt ‘nein, stolzer helt, ich bin dir holt. Berner, vil werder recke, ich hân ez allez lâzen varn und wil mit ganzen triuwen dich an mîns bruoder stat bewarn.’ er wolte vür in kniuwen und vrides dâ gebeten hân umb sînen lîp gar mære den ritter lobesan.
225
‘Herre, ich lân ez alsô stân: nu sage mir, tugenthafter man, wer disen stein hie biuwe. daz wisse ich gern, swaz mir beschiht. jon rede ichz doch durch vorhte niht. in weiz wes ich getriuwe dem herren, der dâ suochet mich in dem gebirge wîte, als mir Eckenôt vermezzenlich verjach vor sînem strîte, er rite nâch mir in den tan.’ ‘er mac dich niht bekrenken’ sprach Vâsolt, der küene man.
226
‘Walrîch sô ist der helt genant und ist ein degen wîte erkant, daz wizzest sicherlîche. wil er dich niht geniezen lân mîn, sô wil ich dir bî gestân mit triuwen willeclîche, swie du doch hâst unz ûf den tôt betrüebet mich an Ecken und an dem werden Eckenôt, zwein ûz erwelten recken, die du mir beide hâst erslagen: die wil ich iemer mêre durch dich vil gar verclagen.’
227
Ze rosse sâzen sâ ze stunt die zwêne herren wol gesunt und riten dannân balde. Vâsolt reit vür ûf die slâ, der Berner allez hinden nâ gên einem wilden walde. dâ leit der Berner grôze nôt, wan in vervüeren wolde Vâsolt in den grimmen tôt, swie er sîn pflegen solde mit triuwen, als er hâte gesworn ze leiten in vor sorgen zen vrouwen ûz erkorn.
228
Nuo hœrent valsches herzen rât, daz vrumen liuten übel stât, an dem künge Vâsolde. der vuorte an den triuwen gar hern Dieterîchen wandels bar, dâ ern verrâten wolde, in einen walt, dâ er sîn leit wolt rechen lasterlîche. er brâhte in ûf ein wise breit: dâ wisse er sicherlîche sîn muoter, die er schiere vant. diu was gar ungevüege und was Birkhilt genant.
229
Vâsolt vür ûf die wise reit. diu was mit bluomen wol bespreit. undr einem zadelboume stuont ein gezelt sô wunnesam, als dem wirte wol gezam. des nam der Berner goume. dâ nebent drîge brunnen kalt stuonden: bî dem gestüele wan sach ouch wunder mänicvalt. ûfen dem schœnen brüele was menger hande vröuden spil von mannen und von wîben dâ vor gewesen vil.
230
Ein wunneclîchiu burc dâ lac. diu lûhte alsam der liehte tac von edelem gesteine hie rôt, dort grüene, gel unt blâ. wîz schein von stolzen berlen dâ und ouch von helfenbeine. getwerc in klârem golde fîn hâten ergraben wunder an dirre veste. diu was sîn, des wart sîn vröude munder. ein knoph oben ûf der bürge bran alsam der morgensterne. der helt vrâgen began
231
Und sprach ‘wes mac diu burc gesîn?’ dô sprach her Vâsolt ‘sî ist mîn und mîner lieben muoter. diu ist in zorne ein übel wîp. ir ist ouch rûch aller ir lîp. des hüet dich, degen guoter, vor ir: und wirdet sî gewar, daz du ir hâst verderbet Ecken ir sun den küenen gar, zehant sî dich enterbet des lîbes, daz wil ich dir sagen. ir muot der ist sô grimme, sî mac dirz niht vertragen.’
232
Dô sprach der Berner lobesan ‘so bestüend ich gerner hundert man strîtes denn eine vrouwen. wil aber sî mi’s niht erlân’ sprach der vil tugenthafte man, ‘sô wirt sî sêre verhouwen von mir, daz wizzest sicherlîch, sî welle mich dann lâzen mit êren rîten vridelîch gebirge und ouch die strâzen. mir breste danne in mîner hant des swertes, ald ich rîte gên Jochgrimm in daz lant.’
233
Ê daz er daz wort dô vollen sprach, Vâsoltes muoter er dô sach gên in vil sêre gâhen. gar vreislîchen was ir ganc. über die grôzen ronen sî spranc und wolte ir süne enphâhen. sî hæte ouch gern diu mære vernomen wiez umbe ir sun hern Ecken und umb hern Dietrîch wære komen, den ûz erwelten recken. wan ir was wol dâ vor geseit, sî wæren komen ze strîte. daz was ir harte leit.
234
Als sî sî verrest ane sach, nu mugt ir hœren wie sî sprach. ‘bis willekomen, sun Ecke.’ zehant sprach ir sun Vâsolt ‘er hât es niht umb dich verscholt. ez ist ein ander recke, von Berne mîn her Dieterîch. ich wil dir niht des liegen; er hât dir Ecken sicherlîch erslagen sunder triegen. doch wil ich gote von himel clagen daz ich dir selb diu mære muoz von dîm kinde sagen.’
235
Als dô diu vâlendinne vernam diu mære, sprachs zem küenen man ‘degen, du arnest Ecken.’ ein ungevüegen boun sî brach vor zorne ûz der erde. dô sprach der Berner zuo dem recken, hern Vâsolt, daz er balde dan sîn muoter vaste hüebe, ald er slüeges daz man sân sî tôt vor im begrüebe, und sprach ‘ich slahe niht gerne wîp; wil aber sîz niht mîden, ez gât ir an den lîp.’
236
Des antwurte im dô her Vâsolt. ‘dar umbe næme ich keinen solt’ sprach er ze dem Bernære. ‘ich mac mîn muoter niht gehân: ir zorn ist vreislîch getân. des wer dich, degen mære, als liep dir sî guot unde lîp. ich sage dirz sicherlîche, mîn muoter ist ein übel wîp. ê daz sî dir entwîche, sô tuot sî dir vil grôze nôt umb mînen bruoder Ecken ald sî belîbet tôt.’
237
Vrô Birkhilt grisgramen began. zehant lief sî den Berner an mit grimmeclîchem muote und sluoc im mengen grôzen slac. vürwâr ich iu daz sagen mac, der helt sich sêre huote. vil dicke er ir slegen grôz entweich hindan vil verre. sî was dem tievel wol genôz und vaht sô daz der herre des lîbes kam in grôze nôt: wan er des wænen wolde, er müese belîben tôt.
238
Dô sprach der Berner harte guot ‘ich hân niht eines mannes muot deich tulde sölche unmâze, von einem wîbe als mengen slac. Vâsolt, vürwâr ich sagen mac dir daz ich zoll die strâze.’ mit grimme er sî enzwei gesluoc mit dem vil guoten swerte, daz dâ ir sun her Ecke truoc, dô er strîtes begerte, mit im in den vinstern tan, dâ er in sluoc ze tôde: des sî ouch nôt gewan.
239
Swar daz stucke mit houbte spranc, diu zunge im ûz dem munde sanc ein jæmerlîche stimme, dazz in den walt vil verre erschal, mê dann ein mîle überal. des wart ir tohter grimme. diu was selb Uodelgart genant und was ouch bî den zîten diu stärkste maget, die man vant in dem gebirge wîten. dô diu die stimme als clägelîch erhôrte von ir muoter, des wart sî zornes rîch.
240
Ein boun sî ûz der erde brach, der was grôz. hœrent wie sî sprach. ‘jâ, herre, wiestz ergangen? mîner muoter stimme ist clägelîch. ich vürhte sî her Dieterîch hab in dem walde gevangen. ist er mir komen in den walt, ez muoz im komen ze leide alder ich wird von im ervalt. ê daz ich von im scheide, mir breste denn in mîner hant des boumes ungevüege, ich tuon im leit erkant.’
241
Al durch den walt sô was ir gâch. die boume ir sigen alle nâch, swar diu vil ungehiure lief. sî hât ein vreislîchen ganc: über stöcke unde ronen sî spranc. nu hœrent âventiure wie diu vil ungevüege sprach, dô sî den helt Vâsolten stân ob sîner muoter sach. ‘wes hân wir hie engolten daz unser muoter ist erslagen? nu solt du mir durch triuwe diu rehten mære sagen,
242
Wiez mîner muoter sî bekomen ald wer ir habe den lîp benomen in alsô kurzen stunden. und ouwê daz ichz leben hân! sî was êrst bî mir in dem tan: dô liez ich sî gesunde. nu lît sî jæmerlîche tôt. daz ist mir harte swære. ich bræhte in lîhte in grôze nôt, und wisse ich wer er wære, der disen schaden hât getân, daz wizzest, ald er müese mich tuon des lîbes ân.’
243
Des antwurte ir dô sâ ze hant Vâsolt, ein degen wîte erkant, und sprach vil zühteclîche ‘luog, der dir bruodr und muoter hât erslagen, wâ der vor dir stât, von Berne er Dieterîche. Ecken swert und sîn sarewât die treit an im der hêre. er hât niht witze dern bestât, daz wizzest ûf mîn êre. ez muoz im an daz leben gân, swer sich mit im beheftet: daz wizzest sunder wân.’
244
Als ir daz mære wart geseit, ir zorn wart michel unde breit. sî schrê vil lûter stimme. des boumes este brach sî dan. zehant lief sî den Berner an. mit michelme grimme gap sî dem herren einen slac sô daz der degen küene bî sînem schilte nider lac ûfen dem anger grüene. sus kam er in vil grôze nôt, wan er was von der vrouwen vil nâch beliben tôt.
245
Des schamte sich her Dieterîch. ûf spranc der vürste lobelîch. daz sage ich iu ze wâre: den boun, dens in der hende truoc, zerhiu der werde degen kluoc und vie sî bî dem hâre . . . . . .