In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Der Text wurde vollständig mit den historischen Scans verglichen.
Haupttext der Ausgabe Ernst Martin, Berlin 1866, Druckseiten 219–273. Historische Schreibung und gedruckte Kursivsetzungen sind erhalten; der Variantenapparat ist nicht Teil dieses Haupttexts. Die menschliche Schlussprüfung vor einem Buchsatz steht noch aus.
1
Welt ir in alten mæren wunder hœren sagen von recken lobebæren, sô sult ir gerne dar zuo dagen. von grôzer herverte, wie der von Bern sît sîniu lant erwerte
2
Vor dem künege Ermrîche, daz tuon ich iu bekant. der wolte gewalticlîche ertwingen Rœmisch lant: Bâdouwe Garte und Berne, daz wolte er allez einic hân vil gerne.
3
Dem tete er wol gelîche, als mir ist geseit. dem herren Dietrîche vrumte er manic starkez leit. mit roube und mit brande wuoste er in in eigem sinem lande.
4
Nû sult ir hœren gerne von grôzer arebeit, wie der vogt von Berne sît gerach sîniu leit an Ermrîche dem ungetriuwen. swaz er ie begie daz kom im sît ze riuwen.
5
Nû hœret michel wunder hie singen unde sagen. sich hebet an besunder beidiu weinen unde clagen und jâmer alsô starke, der geschach ûf Rœmischer marke.
6
Der künec von Rœmisch rîche bestuont wan einec jâr (daz wizzet sicherlîche) nâch dirre hervart (daz ist wâr) in Hiunischen landen. in rouwen sîn man die dâ wârn bestanden.
7
Vür die selben stunde, als ich vernomen hân, kom nie ûz sînem munde, alsô mir ist kunt getân, guot wort von Ermrîche. swaz ieman tet, er gehabt sich trûreclîche.
8
Mit disen herzenswæren, die her Dietrich, als ich iu wil bewæren, truoc vil heimlich und vil tougen in sîm muote, in rouwen harte sîne helde guote.
9
Er lebte mit getwange naht unde tac, und treip daz alsô lange, daz er niht anders enphlac wan starkez leit und michel sorgen. alsô quelt er sich âbent unde morgen.
10
Des phlac er alsô verre, als mir ist geseit, von Berne der herre, dem was getriulîchen leit umb den küenen Alpharten. er beweint ouch dicke den starken Helmscharten.
11
Allen den winder er mit leide ranc. er gehabte sich vil swinder, grôziu nôt in des betwanc. im truobten oft sîn ougen. des nam war vrou Helche alsô tougen.
12
Dô sich des niht wolde mâzen der herre Dietrich noch sîn weinen lâzen sô rehte unmæzlich, daz begunde merken sêre vrou Helche diu milde und diu hêre.
13
Si trahte in ir muote, als ich vernomen hân, diu reine und diu guote vil dicke sprechen began ‘owê, nû hôrte ich harte gerne, jâ herre, waz wirrt dem vogt von Berne,
14
Daz er sô clegelîche gebâret alle wege? er treit heinlîche grôzez leit in sîner phlege. ich wesse gerne waz im wære. möht ich, ich geringet im sîn swære.’
15
Dô sprach gezogenlîche der marcgrâf Rüedegêr ‘küniginne rîche, ich weiz wol sîniu herzen sêr und allez daz im wirret. jâ ist sîn vil daz in vreuden irret.’
16
Dô sprach vrou Helche drâte mit zühten alzehant ‘her Rüedegêr, nû râte, ûz erwelter wîgant. wol bedarf ich dîner lêre. nu erwar vil rehte an dem recken hêre,
17
Ob im in Ezeln lande ieman iht habe getân. vil gerne ich daz bekande, wold er ez ieman wizzen lân. ‘owê, jâ ist mir harte swære umb den tugenthaften Bernære.’
18
‘Ich tuon, vil liebiu vrouwe’ sprach Rüedegêr zehant. ‘vil wol ich des getrouwe, mir sage der künec von Rœmisch lant sînen kumber volleclîche. er gebâret, des ich wæne, trûreclîche’.
19
Dan gie der marcgrâf Rüedegêr über hof zehant. gebiten wart dô niemêr, dô er den Bernære vant, mit unverzagtem muote sprach mit zühten Rüedegêr der guote
20
‘Edel vogt von Berne, ich bin umb sus niht daher komen. ich bæt dich harte gerne, wan ich hân daz wol vernomen, dû ringest mit grôzen sorgen. ez ist starkez leit in dînem herzen verborgen.
21
Sage mir waz dir werre, durch die triuwe dîn. Etzel mîn herre und Helche diu vrouwe mîn, die nimt des michel wunder, waz daz sî daz dû clagest sô besunder.
22
Alle dîn herzenswære ist in mit triuwen leit. nû sage mir dîn mære, küener recke unverzeit, daz ichz dien immermêre.’ dô sprach mit zühten von Berne der hêre
23
‘Wol mac ich in dem herzen weinen unde clagen umb mînen grôzen smerzen, den muoz ich leider eine tragen und dicke weinen in dem muote. jâ riuwent mich die edelen helde guote,
24
Die ich in Rœmisch lande alle vloren hân. owê der grôzen schande, daz ich mich niht gerechen kan an dem künege Ermrîche! daz riuwet mich vil sêre sicherlîche’.
25
‘Dar umbe clage nicht sêre’ sprach der marcman, ‘vil edeler vürste hêre! vil wol ich daz vernomen hân an vroun Helchen mîner vrouwen, man muoz dich schiere in Rœmisch lande schouwen.’
26
Dô sprach der Bernære mit zühten alzehant ‘mir sint wol kunt diu mære, daz der künec von Hiunisch lant mir hilfet mîner êren und tuot daz gerne swie wirz an gekêren.’
27
‘Dû solt dich clage mâzen’ sprach der marcman, ‘und ouch dîn weinen lâzen. swaz dir Ermrîch hât getân, daz wirt vil wol gerochen. ich hân ez umb sus niht gesprochen.’
28
Ûz dem unmuote den Bernære nam Rüedegêr der guote. er sprach ‘dar umbe dû dich scham, und merke daz vil tougen, ez sol niemen trüebe sehen dîniu ougen.’
29
Dô was ez an daz ende komen allez an. si viengen sich bî hende her Dietrich und der marcman, si giengen über hof mit gewalde si sâhn bî Etzeln manegen recken balde.
30
Ezele der rîche vil güetlîchen sprach ze dem herren Dietrîche, als er in an gesach ‘gote willekomen ir beide! swenn ich iuch sihe sô ist mir niht ze leide.
31
Ir benemet mir mîn swære’ sprach Ezele zehant. ‘sælic sî daz mære, daz ir mir wurdet erkant! dâ von hân ich hiute wünne. ir sît mir lieber dann dehein mîn künne.’
32
‘Got lâz mich mit gesunde’ sprach her Dietrich ‘geleben noch die stunde, edel künec von Hiunisch rîch, daz ich gedien die hôhen êre. iuwer triwen vergizze ich nimmer mêre.’
33
Vrou Helche diu reine ûf den palas (nû merket waz ich meine) mit ir vrouwen komen was reht als man ezzen wolde. man satzte die herren als man solde.
34
Mit hôchvertigem muote man ob dem tîsche saz. Ezel der vil guote des vil selten vergaz, er trôste den Bernære ‘nû vrôut iuch, unverzagter recke mære!
35
Wir sulen volle hôchzît benamen hinte hân. daz wil ich râten âne strît, von Berne vürste lobesam, ir sult iuch darzuo rihten, wir wellen eine hôchzît hinte tihten.
36
Bî vrouwen Herrâte sult ir ligen hinaht. dar zuo bereit iuch drâte, sîn ist rehte alsô gedâht.’ dô sprach mit zühten der von Berne ‘swaz ir und mîn vrouwe welt, daz leiste ich gerne.’
37
‘Sô sît hôhes muotes, künec von Rœmisch lant. lîbes unde guotes’ sprach Etzele zehant ‘verlâze ich iuch nimmermêre. ‘ich gelige tôt od ir gwinnet wider Rœmisch êre.
38
Zem allerêrsten meien, ob ichz geleben sol, swaz ich hân geheien, (daz geloubet mir wol) von silber und von golde, daz gib ich durch iuwern willen ze solde.
39
Ich wil iu mit gelte hundert tûsent man lâzen ze helfe, die besten die ich gwinnen kan, ûf den künic Ermrîchen. er gesigt uns an od er muoz uns entwîchen.’
40
‘Ich wil ouch iu niht liegen’ sprach marcgrâf Rüedegêr ‘noch nieman dâ mit triegen, von Rôme edeler künic hêr. zwei tûsent helde guote die vüere ich iu mit unverzagtem muote.’
41
Dô sprach ûz blüender jugende Nuodunc der junge degen und ouch mit reiner tugende ‘driu tûsent recken ûz gewegen vüer ich iu, vogt von Berne: daz geloubet mir mit rehten triuwen gerne.’
42
Bitrolf der Stîrære sprach gezogenlîch ‘hôher Bernære, sô wil ich iu in Rœmisch rîch driu tûsent recken bringen: dâ mit hilf ich iu Rœmisch lant ertwingen.’
43
Mit unverzagtem muote sprach Dietleip der helt ‘vier tûsent recken guote die hân ich selbe ûz gewelt, die lâze ich mit iu rîten. ich wil ouch selb durch iuwern willen strîten.’
44
Dô sprach Gotel der marcman ‘herre her Dietrich, ân helfe wil ich iuch niht lân, daz geloubet ir mir wærlîch. zwei tûsent helde mære die bringe ich iu mit mir, her Bernære.’
45
Dô sprach der recke Blœdelîn ‘ich wil ouch dâ hin. versmâht iu niht diu helfe mîn, enruochet ir wie arm ich bin. ze velde, ûf allen strâzen wil ich iu zwelf hundert recken lâzen.’
46
Hornboge von Bôlân sprach zem Bernær ‘vünf tûsent recken ich hie hân, daz sint allez degene mær. die wil ich’ sprach der starke ‘iu ze helfe vüern ûf Rœmisch marke.’
47
Walther der Lengesære sprach dô al zehant ‘dêswâr, her Bernære, und wæren nâher mîniu lant, ich bræhte iu helde guote. die hulfen iu mit unverzagtem muote.
48
Doch wil ich daz niht lâzen, ich welle mit iu dar. ob ez iu kumt ze mâzen, so geleiste ich noch wol, daz ist wâr, aht hundert werder recken. jâ helfent iu vil gerne die kecken.’
49
‘Ich wil nemen niemens solt, daz wizzet al zehant’ sprach von grôzen Ungern Îsolt. ‘ich hân brâht in Hiunisch lant, als ich iu hie bediute, niun tûsent man, mâge unde liute.
50
Die füert mit iu gein Berne, herre her Dietrich. ich hilfe iu wærlîch gerne ûf den ungetriuwen Ermrîch. wir sulen niht belîben, wir sulen in ûz al der werlt vertrîben.’
51
‘Ich bin ouch ûf der reise’ sprach von Lunders Helphrîch. ‘nû prüeven michel vreise dem ungetriuwen Ermrîch! wir strîten nâch dem rehte. ich hân sehs tûsent man, ritter unde cnehte,
52
Die in scharphen strîten unverzaget sint. die sulen mit iu rîten, getriuwer Dietmâres kint, dâ wir Ermrîchen vinden: wir rechen uns an wîben unde an kinden.’
53
‘Dâ müezen werden siechen und bluotigiu velt’ sprach her Dietrich von Kriechen. ‘wir retten Rœmischen gelt mit tiefen verchwunden: wir tuon den schaden des sêre wirt enphunden.’
54
Îrinc der mære balde hinvür gie. er sprach zem Bernære ‘wizzet daz ich iuch nie gelie; sît ich iuch ie bekande. ich wil iu bringen siben tûsent wîgande.’
55
Norpreht von Bruoveninge sprach ‘ich bin iu bereit. mich wegent harte ringe zehen tûsent recken gemeit ze vüern iu, vogt von Berne. die helfent iu getriulîch unde gerne.’
56
Dô sprach Erwin von Elsentroie ‘wol mich, daz ich ie wart! ich bringe iu mit schoie zwelf tûsent recken an die vart. hey, daz sint allez degene in scharphen strîten küene und bewegene.’
57
‘Sol dan diu reise vür sich gên’ sprach her Paltram, ‘sô wil ich hie niht bestên: dar zuo alle die ich hân, die volgent mir von hinne. ich hân tûsent recken, als ich mich versinne.’
58
Sintram der kecke zuo dem Bernære sprach ‘ich und manic recke wir wellen iuwern ungemach rechen mit rehten triuwen. kum wir an Ermrîch, ez muoz in sêre geriuwen.’
59
Astolt von Mûtaren sprach alsam ein degen ‘ich wil daz ouch bewæren, daz ich mich ie hân bewegen lîbes unde guotes, her Dietrich, durch iuch und bin noch des muotes.
60
Anderthalp tûsent kastelân mac ich gewinnen wol, in mînen phlegen ich die hân: dâ mit ich iu helfen sol Rœmisch lant ze retten. wir suln Ermrîchen alsô enphetten,
61
Daz er die herzensêre lange muoz clagen unde ouch immermêre muoz von disen dingen sagen. ich weiz wol, her Bernære, kum wir ze strîte, ez werdent setel lære.’
62
Dietmâr von Wienen sprechen dô began ‘her von Berne, ich wil iu dienen mit allen den die ich hân. fünfzehen tûsent helde starke die vüere ich ûf Rœmische marke.’
63
Dô sprach von Ôstervranken der herzoge Herman ‘her Dietrich, welt ir mir danken, sô wil ich iu bî gestân mit einlef tûsent mîner recken. wir sulen Ermrîchen alsô wecken,
64
Daz er unz an sîn ende muoz leit mit jâmer tragen und winden sîne hende und wâfen immer mêre clagen.’ ‘daz sol nieman widersprechen, mac ich’ sprach Wolfhart, ‘sô wil ich mich rechen.’
65
Von Beiern her Diepolt sprach als ein helt guot ‘vogt von Berne, ich bin iu holt. aht tûsent recken hôchgemuot die trouwe ich wol gewinnen. die vüere ich iu mitsamt mir von hinnen.’
66
Dô sprach von Gran Wolfgêr ‘ich belîbe niht underwegen. zweinzic tûsent recken hêr die hân ich in mînen phlegen. hey, daz sint helde mære! die helfent iu rechen iuwer swære.’
67
Von Sibenbürgen Tibalt, (bruoder vroun Herrât was der mære helt balt) er sprach mit zühten an der stat ‘künec von Rœmisch lande, versmâhent iu niht sehzehn tûsent wîgande,
68
Die vüere ich iu zewâre ûf Rœmische marc Ermrîchen ze vâre’ sprach der junge recke starc. ‘welt ir mirs getrouwen, ir müezet mich in iuwerm dienste schouwen.’
69
Richolt von Ormenie ouch mit zühten sprach ‘ich und mîner bruoder drie, uns sol ze dienste wesen gâch iu, rîcher künec von Rôme. sît uns wan holt und gebt uns daz ze lône.
70
Wir bringen ûz unser marke drizic tûsent man. die muge wir’ sprach der starke ‘wol mit guotem vollen hân. dâ mit diene wir iu, herre, zwei ganziu jâr nâhen unde verre.’
71
Hinvür trat von Salnicke der herzoge Berhtram ‘nimmer ich gelicke, unde ouch alle die ich hân, man muoz mich’ sprach der werde ‘in iuwerm dienste sehen ûf Rœmisch erde.’
72
Von Kunstenôbel Wickêr dô niht lenger sweic. ‘ist iu liep mîn wer’ dem Bernær er güetlîchen neic, ‘des bringet ir mich inne. zwelf tûsent man vüere ich iu von hinne.’
73
Dô sprach gezogenlîche der marcgrâf Berhtunc ze dem herren Dietrîche ‘aller tugende ursprunc daz bist dû, vogt von Berne. wir sulen dir mit triuwen helfen gerne.
74
Mîn mâc ist vil nâhen diu schœne Herrât. nû lâ dir daz niht versmâhen, ob dir mîn helfe ze staten stât, ich bring dir einlef tûsent recken ræze, die hiute mîn her Etzel wider sæze:
75
Ob sî im vîent wæren, er müest ûf si sorge hân. nû merke an mînen mæren’ sprach der unverzagte man, ‘jâ sint ez helde stæte. si kunnen ze urlîuge wîser ræte.’
76
Nû merkt ân missewende, waz ich gesaget hân. nû hât diu helfe ein ende, die dem von Bern wolden gestân ûf den künic Ermrîche. nû hœret andriu mære sicherlîche.
77
Swaz iu von herten strîten ie wunders ist geseit, bî iemannes zîten, von grôzen herverten breit, deist ein tou wider ditz mære. dô gewan ein her alrêrste der Bernære,
78
Daz nie her sô starke kom in Rœmisch lant. sich hebet ûf Rœmisch marke starker roup unde brant. vür wâr ich daz bevinde, dâ geschach leit maneger muoter kinde.
79
Des werde im verteilet, des schulde ez erste was! sîn sêl sî ungeheilet! wand ich an buochen nie gelas von sô grôzen untriuwen. des sol ouch mich sîn schade cleine riuwen.
80
Ich meine Ermrîche, von dem manegiu leit sint komen sicherlîche, als ich iu ê hân geseit. des enkalt er sît vil sêre, er gap darumb den lîp und al sîn êre.
81
Merket ir besunder, hie hebe ich wider an, hapt ez niht vür wunder, nû wil ich iuch wizzen lân diu rehten mære drâte: nû nimet her Dietrich vroun Herrâte.
82
In dem wîten palas, dâ selbe Etzel saz, dâ vil der hôhen recken was (vürwâr hœret daz) und manic werdiu vrouwe, alrêste ich vreude an dem Bernære schouwe.
83
Michel wart diu hôchzît, als ich vernomen hân. sich gesamte ê noch sît nie sô manic edel man in Hiunischen rîchen. daz tâten si ze liebe Dietrîchen.
84
Vrou Helche diu milde was unmâzen vrô. tugende si nie bevîlde. si sprach zem künege Etzel dô ‘nû tuo hiute vürstelîche durch den unverzagten Dietrîche.
85
Dâ bite die recken alle ûf dem palas wît, daz si komen mit schalle ûf den hof in kurzer zît mit rossen und mit schilten.’ daz tâten si vil gerne durch die milten.
86
Etzel gie balde dâ er die recken vant. er bat si mit gewalde unde ouch güetlîch zehant daz si sînen willen tæten. des gewerten in die starken und die stæten.
87
‘Ir edelen recken ziere, nû ruochet alle komen baltlîchen unde schiere, als ir habt selbe wol vernomen, vür den sal mit hôhem muote. daz diene ich umb iuch mit lîb und mit guote.’
88
Gebiten wart niemêre dâ von manegem man. durch des Bernæres êre balde gâhen man began ze herberge manneclîche. da bereiten sich die recken ellensrîche.
89
Dô hiez man balde springen, als ich vernomen hân, snelleclîchen bringen diu ûz erwelten kastelân. die guoten niuwen schilde die sande den recken vrou Helche diu milde.
90
Die recken vil vermezzen sâzen ûf diu kastelân. dâ wart des niht vergezzen, si zogten vür sich ûf den plân. vür den palas rîche kômen mit schall die recken lobelîche.
91
Der buhurt der wart herte vor dem palas. manic widergeverte mit hertem dringen dâ was. ahi, die buckel rîche die wurden von den stœzen herticlîche
92
Da zebrochen harte sêre den recken vor ir hant. nû vernemet noch mêre: diu hôhen rîchen gewant wurden gezerret cleine. man sach den hof geströuwet von gesteine.
93
Ûz den guoten schilden vielen si ze tal. vrou Helche diu milde diu hiez dar geben âne zal diu cleider unverschrôten, die samît unde manegen phelle rôten.
94
Dirre buhurt werte vil nâch unz ûf die naht. swer dâ guotes gerte, dem gap man es volle maht. von silber und von golde hiez vrou Helche geben swerz nemen wolde.
95
Der hof vor dem palas aller lac gestreut. allez daz dâ indert was, daz wart mit guote verreut. man gap, swer dâ nemen wolde. daz wolde got, daz ez nû wesen solde!
96
Nû merket vil besunder, waz ich iu wil sagen. mich nimt des michel wunder, war komen sîn bî disen tagen rehtiu milte und êre. des ist verphlegen leider al ze sêre.
97
Jêsus von himel rîche, war tuot nû diu werlt daz guot? daz man sô lesterlîche ze allen zîten dâ mit tuot! vervluochet sî der werlde jugende, die mit guote solten begên tugende!
98
Getriuwe und êrbare was diu werlt bî alten tagen. ditz ist ein wârez mære, ir habt ez ofte hœren sagen. nû ist diu tugent verswunden, mit schanden lebt diu werlt bî disen stunden.
99
Nu verwîzet man mir sêre mîn vluochen und mîn clagen, daz ich sô gar die êre hân überlebt bî disen tagen. ich bite des noch zewâre, daz wold got, wære ich tôt vor manegen jâre!
100
Ich wil mich clage mâzen, wand ez vervæht mich niht, und al mîn vluochen lâzen. swaz grôzer schande nû geschiht, dar ûf ahtet man nû cleine. nû sîn vür sich verteilet und unreine!
101
An mînem altem mære hebe ich wider an wie der Bernære die schœnen vrouwen wolgetân nam zeinem wîbe. dar an ich nû stæte belîbe.
102
Dô diu naht begunde zuo sîgen unde gân, (nû hœret hie ze stunde) dô was ez komen dar an, daz der künic Etzel wolde ezzen gân, als er ze rehte solde.
103
Welt ir nû gerne schouwen, sô hœret vil bereit. manic schœniu vrouwe und manic hêrlichiu meit, die mit vroun Helchen giengen, bî handen si die edelen ritter viengen.
104
Si stuonden ûf dem palas, als mir ist geseit, dâ daz gesidel bereit was Etzeln dem künige gemeit. gewünschet wart dâ dicke, dâ gie entwer wunder vil der blicke.
105
Vrou Helche diu süeze nîgen began, si teilte ir werde grüeze mit manegem tugenthaften man. daz tetes den recken allen ze êren. ir herze kundes manege tugent lêren.
106
Alle die dâ wâren, die muosten des jehen, daz si bî ir jâren nie niht sô schœnez heten gesehen ûf der erde in allen rîchen als vroun Herrât die vil tugentlîchen.
107
Si was alsô schœne, als ich vernomen hân, daz ich si immer krœne beide vür vrouwen und vür man. ez wart in Hiunisch rîche mit schœne nie geborn ir gelîche.
108
Etzel der rîche ûf stuont vor manegem man. den herren Dietrîche hiez er dô sitzen gân ze der schœnen Herrâte: er weste wol daz er des willen hâte.
109
Swaz ir bî iemannes tagen her habt vernomen od swaz ir ie gehôrtet sagen, des bin ich an ein ende komen mit disem einen mære. nû vernemt wie ich iu daz bewære.
110
Allez daz mit vreuden was über al den sal. in des küneges palas hôrt man diezen den schal von jungen und von alden. sich freuten dâ die bliden zuo den balden.
111
Dâ was michel êre von maneger hande spil. nû vernemet mêre, waz ich iu bescheiden wil: si sâzen âne swære. hie mit wil ich enden daz mære.
112
Ez wart nie schœner hôchzît bî aller künege tagen weder ê noch sît, als wir daz buoch hœren sagen. ir leides si vergâzen. unlange si nâch ezzen dâ sâzen.
113
In einer kemenâte ein bette was bereit. der vrouwen Herrâte volgte manec hêrlichiu meit: dô gie mit Dietrîche her Rüedegêr und Etzel der rîche,
114
Und Hildebrant der alde, Wolfhart und Elsân, und Hûnolt der balde und von Bôle Berhtram. daz wâren edele recken ze allen stunden, die wol ir herren aller êren gunden.
115
Ir bette was berihtet, als ich iu wol bescheiden mac, vil rîchlich getihtet. dar ûfe sicherlîche lac rîchiu declachen von Troyande, die besten sîdn ûz aller heiden lande.
116
Nû lâze wir diu mære belîben under wegen. vor dem Bernære kniete manic hôher degen. daz tâten si im ze êren, si hulfen im mit triwen sîn vreude mêren.
117
Da beleip nieman inne, als ich vernomen hân, wan vrou Helch diu küneginne, dâ her Dietrich slâfen solde gân. mit freuden si sich machten slâfen: vrou Helche des dô lachte.
118
Ir segen güetlîche si über si dô tete. vrou Helche diu rîche nam urloup an der stete ûz der kemenâte. da beleip her Dietrich bî vroun Herrâte.
119
Mit vrœlichem muote die naht unz an den tac von Berne der guote dâ vil lieplîchen lac mit armen umbevangen. ir leit daz was mit liebe zergangen.
120
Wie lieplich si dâ lâgen, dâ wær lanc von ze sagen, oder wes si phlâgen: daz wil ich vürbaz verdagen. ab als ich mich versinne, zwischen in was lieplîchiu minne.
121
Rehte alsam ein rôse bran alle zît ir munt. diu süezen wort lôse kund si sprechen zaller stunt. uns saget dick daz mære, süeziu wort benement grôze swære.
122
Vrou Herrât und her Dietrich die lâgen unz an den tac bî einander lieplîch, als ich iu wol bescheiden mac, unz an den liehten morgen. si wâren ze ende komen gar ir sorgen.
123
Als von himele lûhte der wunnecliche tac, vroun Helchen des bedûhte, dâ si bî Ezelen lac, owê der grôzen leiden mære! ir troumte wie ein wilder tracke wære
124
Gevlogen alsô balde durch ir kemenâten dach, und nam ir mit gewalde, daz si ez mit ir ougen sach, owê! ir liebe süne beide. er vuort si hin ûf eine breite heide.
125
Si hete in ir goume, waz den kinden geschach. si sach in dem troume, daz si der grîfe zebrach. vor leide si erwahte, ûz dem slâfe unsanfte si erschrahte.
126
Der troum der seite ir mære, als ez ouch sît ergie, dô si dem Bernære ir liebiu kint ze helfe lie. owê der jungen künege hêre! die gesach si leider lebende nimmermêre.
127
Vrou Helche diu gie drâte mit zühten alzehant in eine kemenâte, dâ si ir juncvrouwen vant. die wahte si güetlîche. dâ mite gie diu küneginne rîche,
128
Dâ si Blœdelîne den werden recken sach. hœret ûf die triuwe mîne, wie vrou Helche dô sprach ‘herre Blœdel, küener recke hêre, nû brinc mir balde den marcgrâven Rüedegêre.
129
‘Daz tuon ich willeclîche, edel vrouwe guot.’ dan gie der recke rîche, (unverzaget was sîn muot) und seite diu mære Rüedegêre dem milden sunderbære.
130
‘Stant ûf, wil dû schouwen, edel Rüedegêr, vrou Helchen mîne vrouwen: diu hât mich gesendet her. die solt dû balde gesprechen.’ ‘ir gebot ich nimmer wil zebrechen.’
131
Ûf stuont der hôchgemuote, an streich er sîniu cleit, Rüedegêr der guote. im volgten recken gemeit. si gâhten bî den stunden, dâ si die tugenthaften Helchen funden.
132
Wellet ir nû biten, ich wil iuch wizzen lân, ez was an den zîten der künic Etzel ûf gestân. mit vrœlichem schalle die hôhen wârn ze hove komen alle.
133
Vrou Helche diu gie drâte mit ir vrouwen dan zuo der kemenâte. dô was her Dietrich ûf gestân. dô gruozte in minneclîche vrou Helche diu edele und diu rîche.
134
‘Genâde, liebiu vrouwe’ sprach her Dietrich. ‘triuwe ich an iu schouwe, ir grüezet güetlîchen mich. got füege mir die stunde, daz ich iuch lange sehe mit gesunde!’
135
‘Ir habt vreude deste mêre, und sol ich lange leben, edel recke hêre, iu wirt noch von mir gegeben, des ir iuch gevröut ze allen stunden. ich hân iuch ze einem vriunde mir ervunden.’
136
Michel wart dô der schal ûf dem palas. mit vröuden lebte über al allez daz dâ indert was. die küenen helde guote die bereiten sich mit vrœlichem muote.
137
Dar kômen mit crefte die recken ûf den plân. dâ wart mit ritterschefte der buhurt herte getân. dâ mit si dienten gerne dem unverzagten vürsten von Berne.
138
Der buhurt werte lange, wol ûf mitten tac. si riten mit gedränge, daz man niht anders dâ phlac. ze kurzwîlen si gerten, si riten alle die wîle ez diu ors erwerten.
139
Daz gesidele was bereitet vür den palas. man sach dâ nider gebreitet vil manegen phelle ûf daz gras. mit vrœlichem muote gie dort her vrou Helche diu guote.
140
Mit maneger hôhen vrouwen ze wunsche wol gecleit muoste man des tages schouwen manege hêrliche meit. bî handen si sich viengen, ie zwô und zwô neben einander giengen.
141
Dâ was vreude und wunne, des muoste man wol jehen. ich hœre, der liehten sunne und ir vil lûterlichem brehen, daz sich dem niht gelîche. ir schîn überliuhtet elliu künicrîche.
142
Neben der sunne schîne ich gelîchen sol ûf die triuwe mîne, daz geloubet mir wol, die vröuwen hêrlichen, die dâ giengen mit vroun Helchen der rîchen.
143
Nû lâze wir daz mære belîben under wegen und sagen sunderbære, wes dâ mêre wart gephlegen. mit vreuden si sâzen, mit liebe si ir leides vergâzen.
144
Diu hôchzît werte sehs wochen gar. swer guotes dâ gerte, dem gap man daz mit vollen dar. vrou Helche diu reine diu gap den recken golt und edel gesteine,
145
Die guoten mœre schœne und ouch diu castelân. ir tugende ich iemer crœne, ich mein die vrouwen wolgetân. vrou Helchen die milden. si gap den recken diu ors mit den schilden.
146
Alsô disiu hôchzît ein ende hete genomen, nû sult ir hœren âne strît, wiez an daz ende ist bekomen. nu vernemt ez alle gerne, nû bereitet sich der vogt von Berne.
147
Ân alle missewende sult ir daz vernemen. ez hât nû hie mit ende. iu mac ze hœren wol gezemen ditze starke mære. nû wil sich heben heim ze lande der Bernære.
148
Nu vernemet endelîche rehte waz ich sage, und hœret al gelîche. ez geschach an Sant Jörgen tage, sô der walt und diu erde allez ist geblüemt in süezem werde.
149
Dô wâren mit schalle alle die komen, die nôtgestalden alle, als ir ê habt vernomen, die dem von Berne wolden ûf Ermrîchen helfen, als si solden.
150
Diu starke samenunge ze Ezelburc was, ez jâhen alte und junge und allez daz dâ indert was, daz ûf der breiten erde nie zesamne kom sô manic recke werde.
151
Was daz nicht ein unbilde? als ich iu sagen mac, daz breite gevilde zweier tageweide lanc lac mit liuten bedecket. alrêst wirt Ermrîch mit leide erwecket.
152
Nû hœret starkiu mære, diu ich iu sagen wil. und merket sunderbære, sô künde ich iu des wunders vil und wil iu daz bescheiden. nû lât iu ditze mære niht leiden.
153
Dô daz her starke allez was bereit in Hiunischer marke, als man mir vür wâr hât geseit, dô muost man jâmer schouwen, dô sach man weinen manege werde vrouwen.
154
Ez het Etzel der rîche bî den selben tagen zwêne süne hêrlîche, als wir daz buoch hœren sagen. vil liep wârn si im beide, an in lac sîner vreuden ougenweide.
155
Die jungen künege hêre die gingen al zehant mit grôzer herzensêre, als uns daz mære ist bekant, vür vroun Helchen die guoten. dô gie si gegen den kinden wol gemuoten.
156
‘Gote willekomen ir beide, vil liebe süne mîn! mîn blüendiu ougenweide, daz müezt ir endelîchen sîn, mîn ôstertac, mîn meie. swenn ich iuch sihe, waz ich dann vreuden heie!’
157
Si kuste lieplîche diu kint an ir munt. die jungen künege rîche sprâchen an der selben stunt ‘genâde, liebiu muoter! owê, wær nû ieman hie sô guoter,
158
Wir bæten harte gerne’ sprach Scharphe der degen, ‘wir wolten mit dem von Berne gein Rœmisch lant after wegen. wir sæhen et harte gerne, dâ von er heizt, die guoten stat ze Berne.
159
Muoter, liebiu vrouwe, nû bitet den herren mîn, als ich iu des getrouwe, ob ez mit hulden muge sîn, daz er uns der reise günne. dâ varnt hin unser mâge und unser künne.
160
Die schaffe er uns ze huote dâ hin ûf den wegen. die küenen recken guote die habent uns in ir phlegen und lâzent uns niht werren. nû mant umb uns Ezeln unsern herren!’
161
Vrou Helche trûriclîchen diu kint ane sach. zuo den künegen rîchen si vil güetlîchen sprach ‘der bete sult ir iuch mâzen, liebiu kint, ir sult die reise lâzen.
162
Ez kumt iu niht ze guote, daz sult ir ûf mir hân. slehtes ûz dem muote sô sult ir dise reise lân. ir muotet kintlîchen. ez stêt niht wol in Rœmischen rîchen.
163
Ez wurd mir lîhte ein riuwe und lieze ich iuch dar’ sprach diu vil getriuwe. ‘ich vürhte leider vür wâr die Ermrîches unstæte, nu belîbt hie heime und volget mîner ræte.
164
Swie gerne iuch behuoten ûf der reise alle zît die küenen und die guoten, kumt ez danne in den strît, owê, sô wirt iwer vergezzen, sô sît ir tôt’ sprach diu vil vermezzen.
165
‘Dar umb sult ir niht sorgen. liebiu muoter mîn. naht und alle morgen sô welle wir sicher sîn bî dem herren Dietrîche. er behüetet uns wol, daz wizzet sicherlîche.’
166
Hie mit disem mære kom Ezel gegân und ouch der Bernære, als ich vür wâr vernomen hân. Ezel vant sicherlîche sîne liebe süne beide gelîche.
167
Als diu vrouwe guote Ezeln ane sach, mit trûrigem muote diu rîche küneginne sprach. ir truobten sêre d’ougen. dô vrâgte si der künic Etzel tougen
168
‘Mich wundert in dem sinne, vrouwe wol getân, edeliu küneginne, wer hât iu leides iht getân? jâ müet mich harte sêre iuwer weinen, küneginne hêre.’
169
‘Dâ hât mir ze leide niemen niht getân. Ezel, dîne süne beide die wellent des niht rât hân, si welnt an disen zîten mit dem her in Rœmisch lant rîten.
170
Des bitent si dich sêre. edel künic rîch, durch dîn selbes êre, nû wende dû ez heimlich. owê, jâ vürhte ich der stunde, ich gesehe si niemermêre mit gesunde.’
171
‘Daz wirt nimmermêr mîn wille und râtes ouch niht. offenlîch noch stille, mit mînem râte ez nimer geschiht. wes muotet ir tumben beide! überhebt mich unde iuch grôzer leide!’
172
Dô sprach trûreclîche Orte der junge degen ‘Ezel, künic rîche, wir belîben nimmer underwegen. von diu lâz uns ûz der huote. dâ vert hin sô manic recke guote,
173
Die ouch dâ wellent schouwen Berne und Rœmisch lant. wil dû uns des getrouwen, wir loben dir daz hie zehant: sô wir komen hin ze Berne, wir rîten vürbaz niht, wil dû daz sehen gerne.’
174
‘Redet drumbe swaz ir wellet, nimmer ez geschiht. swaz ir mir vor gezellet, ich lâze iuch dar benamen niht. swaz iu dâ geschæhe ze leide, dar umbe stürbe ich, liebe süne beide.’
175
Dô sprach der vogt von Berne ‘nû lâzet mir diu kint, sît si sô rehte gerne der reise sô gar vlîzec sint. ich gelâze si nimer ûz der huote: ich schaffe ze in die edelen helde guote,
176
Die si ûf allen strâzen habent in ir phlegen. si müezen sich des mâzen’ sprach von Berne der degen, ‘daz si indert vürder rîten, swâ ich si lâze daz si mîn dâ bîten.’
177
Ezel der rîche sprach dô an der stat ze dem herren Dietrîche ‘jâ vürhte ich Ermrîches rât. wirt er der kinde inne, er wendet dar zuo alle sîne sinne,
178
Wie er si verrâte und in getuô den tôt.’ her Dietrich sprach drâte ‘des sol uns nimmer werden nôt. ich geschaffe in solhe veste, dar inne si habent ruowe unde reste.’
179
‘Nu erlâzet si der reise, durch got, her Dietrich. machet mir niht vreise’ sprach Ezel der künic rîch. ‘gewurre mir iht an den kinden, dar umbe müeste ich immermêre swinden.’
180
‘Uns kan niht gewerren’ sprach Orte der degen. ‘ich getrouwe mînem herren, er læt uns niht under wegen. wendet ir uns der reise, künic hêre, so geseht ir uns vrô nimmermêre.’
181
Mit weinendem munde vrou Helche sprach zehant güetlîche dâ ze stunde zem künege von Hiunisch lant ‘Ezel, mîn lieber herre, dich manent dîniu kint alsô verre:
182
Lâ si albalde rîten, sît sis niht rât wellent hân! und besende an disen zîten beidiu mâge unde man, und bevilch dû, künic rîche, diu lieben kint dem herren Dietrîche.’
183
‘Mir nâhent michel smerze, daz geseht ir, vrouwe, wol. mir siuftet sô daz herze, mir werdent d’ougen dicke vol. mir nâhent herzensêre, swiez sich gevrüeget’ sprach Etzel der hêre.
184
‘Ir sult iuch des wol borgen’ sprach Orte zehant. ‘war umbe welt ir sorgen, edel künec von Hiunisch lant? wir behüeten wol ze wâre, daz wir den vînden inder komen ze vâre.’
185
Vrou Helche tugentlîche zem Bernære sprach ‘sô dir got der rîche, dû solt dich rihten dar nâch, des bit ich dich und Etzel mîn herre: ich bevilhe dir mîn liebiu kint alsô verre.
186
Mich muoz alrêste riuwen diu reise in Rœmisch lant. hin ze dînen rehten triuwen’ sprach vrou Helche zehant ‘antwurte ich dir, Bernære, die mînen lieben süne, die degen mære.’
187
‘Welt ir mirs getrouwen’ sprach her Dietrich, ‘mit gesunde sult irs schouwen schiere wider in Hiunisch rîch. daz habt ûf mînen triuwen, ir reise sol iuch nimmer geriuwen.’
188
Urloubes dô gerte her Dietrich zehant. mit weinen in gewerte diu küniginne ûz Hiunisch lant. her Dietrich huop sich drâte dâ er vant die schœnen Herrâte.
189
Urloup kurzlîche nam er an der stunt. die küneginne rîche kuste er dicke an den munt: alsô tet si in hin widere. sî gesach in leider trûric sidere.
190
Helche diu rîche, als mir ist geseit, diu hete heinlîche ir lieben kinden bereit zwelf tûsent wîgande, die si mit ir lieben kinden sande.
191
Die selben küenen recken wârn helde vil bewegen. do bevalch si den kecken die vil unverzagten degen, ir liebe süne beide. sît gehôrte si ir an in vil leide.
192
Vrou Helche hiez den Bernære vil balde zuo zir gân. si sprach ‘recke mære, drîzec tûsent recken wil ich dir lân, die habe von mir ze stiuwer.’ dô dancte ir vil güetlîch der gehiuwer.
193
Mit liehtem golde swære hiez vrou Helche laden vümf hundert soumære. des hete si vil cleinen schaden, want si tete ez gerne. daz gap si ze stiuwer dem von Berne.
194
Ez wirt nimmermêre, als wir hœren sagen, von küneginne hêre sô miltiu vrouwe getragen als vrou Helch diu reine. ir guot was al der werlde gemeine.
195
Als sich der Bernære des goldes underwant, urloup nam der mære von vroun Helchen al zehant und neic gezogenlîchen allen disen hôhen vrouwen rîchen.
196
Ez möhte got erbarmen hie an dirre stunt, vrou Helch umbevie mit armen, als mir daz buoch ist rehte kunt, ir liebe süne hêre. si gesach si leider lebende nimmermêre.
197
Die herren an ir hende wîste vrou Helche dan des hoves an daz ende. dâ sâzen si ûf diu kastelân. dâ muost man jâmer schouwen. diu kint kustn ir muoter unde ir vrouwen.
198
Dâ hin gein Rœmisch lande riten dô diu kint. die jungen wîgande wurden dâ erslagen sint. owê der jæmerlîchen vreise, diu an in geschach! vervluochet sî diu reise!
199
Der weinenden blicke, owê, waz der geschach! vrou Helche vil dicke nâch ir lieben kinden sach. owê, jâ sagt ir ir herze umb diu kint allen den smerzen.
200
Ir vil liehten ougen diu wurden ofte rôt. den segen si vil tougen nâch ir lieben kinden bôt. vür die selben stunde gesach man nie lachen von ir munde.
201
Etzel der rîche mit dem here reit unz hin ze Saders sicherlîche, alsô hât man mir geseit. dâ was sîn widerkêre: vür die zît gesach er diu kint nimmermêre.
202
Hin zogte mit gewalde der herre Dietrich mit manegem recken balde durch Saders ûf gein Isterrîch ûf eigen sîne marke. nû hœret von einem sturme starke.
203
Sich hebt in Rœmisch lande nôt und ungemach. von roube und von brande grôziu nôt aldâ geschach. von strîte michel wunder nû sult ir alrêst hœren besunder.
204
Als der vogt von Berne was komen in Rœmisch lant, dô sâhen in vil gerne die sînen recken al zehant. die kômen ouch mit schalle: in enphiengen wol die Lamparten alle.
205
Reinher von Meilân mit hêrlichen siten, und von Bôle Berhtram die kômen ûz der stat geriten, als sî enphâhen wolden ir erbeherrn, als si ze rehte solden.
206
Als Reinher von Meilân den Bernær ane sach, als ein unverzagter man der ûz erwelte recke sprach ‘got willekomen, vogt von Berne! wir sehen iuch mit rehten triuwen gerne.
207
Iuwer kunft in Rœmisch lant ist uns ze staten komen: ze vreuden ist ez uns bekant. ich enweiz, habt ir diu mære vernomen von dem künege Ermrîche: der lît mit here ze Raben gewalticlîche.’
208
‘Des mac wol werden guot rât’ sprach her Dietrich. ‘dâ ze Raben vor der stat muoz uns künic Ermrîch in kurzen zîten schouwen im ze schaden, des wil ich gote getrouwen.’
209
‘Daz vüege got der guote!’ sprach her Rüedegêr. ‘niht anders ich nû muote’ sprach der hôhe recke hêr ‘wan daz wir Ermrîchen vor der stat ze Rabene bestrîchen.
210
Dâ sule wir an im rechen manegen ungetriuwen rât. ich wil niht anders sprechen: swaz er untriuwen hât, daz müeze got rihten! vogt von Bern, wir suln uns darzuo phlihten,
211
Daz uns ieman vinde âne wer ûf den wegen. Ermrîchs ræte sint swinde: im wartent ouch die snelle degen, die ez wol geturren wâgen. nû hüeten uns vor sînen swinden lâgen.’
212
Hie mit disen mæren ritens vür sich dan, als ichz iu wil bewæren unde ouch wol bescheiden kan. gegen Bâdowe mit gewalde zogte von Berne der recke balde.
213
Si bewâgen sich der reise, als ichz vernomen hân. daz kom sît ze vreise manegem Ermrîches man, die drumbe tôt gelâgen. dô gie ez alrêst an ein starkez wâgen.
214
Als der vogt von Berne ze Bâdowe was komen, (nû sult ir hœren gerne, des ir ê niht habt vernomen und ouch von niemen sidere) dô leite sich daz starke her nidere.
215
Ûf daz hêrliche velt, als ich iu wil sagen, manic wünneclîch gezelt wart dâ ûf geslagen. dô leiten sich die geste mit gewalte ze Bâdowe vür die veste.
216
Dô sprach der Bernære wider sîne man ‘der mir sagte nû diu mære, wem ist diu stat undertân? daz weste ich harte gerne.’ alsô sprach der werde vogt von Berne.
217
Mit zühten sprach an der stunt der alte Hildebrant ‘deist under uns niemen kunt, edel künec von Rœmisch lant. wir werden sîn schier inne. ich ervar ez wol, als ich mich versinne.’
218
Der werde vogt von Berne vür die stat selbe reit. er wolde ervarn gerne, als ich iu ê hân geseit, wer houptman in der stat wære. daz sagt man schiere dem hôhen recken mære.
219
Er begunde halden nâhen ûf dem burcgraben. ûz der stat si daz wol sâhen si trahten ‘solde wir dich haben in unsern phlegen hinne, wir schieden dich von witzen und von sinne.’
220
Der unverzagte Helphrîch ruofen dô began einen recken lobelîch, den sach er an der zinne stân ‘heid! nû sage, recke guote, des ich dich vrâge’ sprach der hôchgemuote.
221
‘Wem wartet disiu veste? wer ist hie houptman? vil gerne ich daz weste, wen hât hie Ermrîch verlân? daz hôrte ich harte gerne, des vrâget iuch mîn herre von Berne.’
222
Dô sprach der degen Rienolt ‘ir vrâgt irn wizzet wes. iu ist niemen hie sô holt. oder waz welt ir des? wir vürhten iuch vil cleine. disiu stat dient iu vürbaz seine.
223
Wir haben einen houptman’ sprach Rienolt der degen, ‘daz sult ir rehte verstân, er kan wol urliuges phlegen. der tuot iu noch vil leide. sînen namen ich iu wol bescheide.
224
Rûmolt ist er genennet von Burgonie lant. den man vil wol erkennet. mit ellenthafter hant hât er bî sînen zîten wunder getân in manegen herten strîten.’
225
Dô sprach der recke Helphrîch ‘möhte daz geschehen, den werden recken lobelîch den wolde wir gerne sehen. mir ist wol kunt sîn ellen: ich und er, wir wâren ê gesellen.’
226
‘Den werden recken ziere den muget ir hiute sehen vor der stat vil schiere. swaz uns dar umbe mac geschehen, daz well wir lîden gerne. wolde uns geben vride der herr von Berne,
227
Sô tæte wir riterschaft noch hiute ûz der stat. wir sehen wol die grôzen craft, die der von Berne bî im hât. im wartent helde guote, die unverzaget sint in ir muote.’
228
‘Vride sî iu gebannen’ sprach her Dietrich. ‘vor allen mînen mannen sît âne sorge sicherlich. dar umb zwîvelt ir nimêre: tuot ritterschaft, des habt ir immer êre.’
229
‘Sul wir danne rîten ân angest vür die stat?’ dô sprach an den zîten her Dietrich ‘daz ist mîn rât.’ dan schiet der vürste mære, zuo den sînen reit der Bernære.
230
Dar nâch in kurzen zîten, als mir gesaget ist, dô sach man dort her rîten in vil kurzlîcher vrist mit speren und mit schilten ûz der stat die küenen und die milten.
231
Manic schœne kastelân sach man vor der schar, als ich vür wâr vernommen hân: ditze mære daz ist wâr. do bereiten sich engegene, ahei, die küenen Dietrîches degene,
232
Die tjostieren wolden durch prîs al zehant, die ouch vil gerne dolden, dâ von in êre wart bekant. heyâ, ez wâren helde guote. jâ nenne ich iu die degene hôchgemuote.
233
Nû hœret an den mæren, wie mir ist kunt getân. daz ein was von Bechlæren Rüedegêr der marcman: daz ander was von Bruovinge Nuodunc, den ouch wac vil ringe
234
Manlîchez ellen: des was er ein helt. sol ich iuz allez zellen, waz der recke ûz erwelt hât getân bî sînen zîten? er was ein helt in stürmen unde in strîten.
235
Daz dritte was von Lunders der starke Helphrîch. nû schouwet ditze wunder, daz sich dâ huop sicherlich. ahi, daz vierde was der starke Îsolt ûz Hiunischer marke.
236
Ir kastelân verdecket ze brîse wâren wol. ûz herzen wart gewecket manlîchez ellen, als man sol. ahi, ûf diu ors si sâzen, den buneiz si ze rehter tjoste mâzen.
237
Mit manlîchem ellen zogte ouch dort her Rûmolt mit sînen gesellen. der wâren drîzec oder mêr. si hielten under helme ûf dem ringe schône sunder melme.
238
Gedrabet under schilte ûf des ringes zil kom Rüedegêr der milte, als ich iu bescheiden wil, ûf eim brûnvarwen marke. gegen der tjoste hielt der recke starke.
239
Dô kom mit heldes muote her gegen im geriten Rûmolt der guote mit vil manlîchen siten. ahi, vür wâr ich iu bescheide, von stat triben si diu ors beide.
240
Si kunden ebene rîten schône mit dem sper. ir schenkel ze bêden siten die sach man vliegen entwer sam ez gewünschet wære. heiles wunschte Rüedegêren der Bernære.
241
Si trâfen bêde gelîche mit ritterlîcher hant. die recken ellens rîche, als mir ist rehte bekant, durch ir helme wende vertâten si diu sper mit ellens hende,
242
Daz diu drumstücke ze schivern vlugen entwer. man sach riechen den rücke von ir orsen hin unde her. nît si zesamne hâten, diu sper si manlîchen vertâten.
243
Ir schilde wâren von rîcher koste die si vuorten vor ir hant. wider ûf die tjoste kômen si beide gerant. dar triben si mit grimme, si stâchen diu sper durch die ringe,
244
Und ouch durch beide schilte, als ich vernomen hân, daz die recken milte, als mir ist rehte kunt getân, dâ muosten vallen beide. ir vriunde sâhen in ietwederhalp leide.
245
Doch hete getroffen sêre der milte marcman Rûmolt den recken hêre. des muoste er immer schaden hân. er moht sîn niht gelougen: im brast daz bluot ûz ze beiden ougen.
246
Si gelâgen durch die êre von den orsen nider. ez gemuote si vil sêre manegen tac dar nâch sider. von stat truoc man si beide. dem Bernære geschach an Rüedegêren leide.
247
Dar nâch zogten ûf die tjoste zwên ellenthafte degen, der wâpen mit rîcher koste was vil kürlich gewegen. ir namen wil ich iu nennen: si sint des wol wert, daz man si sol erkennen.
248
Von Lunders her Helphrîch der eine was genant, daz ander ein vürste rîch, geborn von Îrlant was der hôchgemuote: Sigebant sô hiez der helt guote.
249
Daz ich iu nû bescheide, daz ist diu wârheit: si wâren starc beide, von den ich iu hân geseit. in stürmen unde in strîten muost man si sêre vürhten ze allen zîten.
250
Gezimiert riterlîche wârens beidesant. si riten sicherlîche diu besten ors diu man dâ vant. ahi, si wâren stætes muotes, vil bewegen lîbes unde guotes.
251
Die recken vil vermezzen sâzen ûf ir marc. ez enwart dâ niht vergezzen, zwei sper unmæzlîchen starc diu vuorten si in ir handen. mit bewegem muote si zesamne randen.
252
Ir schenkel vlügelingen ze beiden siten dar si liezen dar clingen. si nâmen vîntlîchen war, wâ si treffen wolden: des warten si, als si ze rehte solden.
253
Diu sper von grôzer crefte zebrâsten von ir hant. si wârn an riterschefte zwêne recken ûz erkant, die küensten und die besten: des jach man in von vriunden und von gesten.
254
Mit bewegem muote ûf ir helme zehant die küenen helde guote heten diu sper schiere verswant. si riten vîntlîchen, diu ors muosten von ir stichen wîchen.
255
Manlîches muotes si wielten hie ûf disem wal. die dâ den prîs behielten, daz ist ouch in mîner zal. lât iu daz mær niht leiden: die Ermrîches muosten sigelôs danne scheiden.
256
Si wurden sô geletzet, als mir ist kunt getân, und sô sigelôs gesetzet, daz si des hœne muosten hân und schaden immer mêre. si beiagten dâ harte cleine êre.
257
Hie beleip vor der stat der herre Dietrich, als man mir gesaget hât, untz an den andern morgen sicherlich. nû sult ir hœren gerne, dô seic daz her ûf gegen Berne.
258
Mit vrœlichem muote daz her mit schalle reit. von Rœmisch lant der guote der was stolz und gemeit. ir leit daz was verborgen, si heten ûf die vînde cleine sorgen.
259
Als ze Berne komen was daz her von Hiunisch lant, dô wart geslagen ûf daz gras manec gezelt al zehant. vil vreuden si phlâgen, mit hôchvart und mit schalle si lâgen.
260
Schône und hêrliche wart ir dâ gephlegen. si wâren guotes rîche, alle Dietriches degen. ouch gap er in noch mêre, er tete an in die vürstenlîchen êre.
261
Des andern morgens, als ez tagte, dô kom ein bote gerant: alsô man mir sagte, den hete Friderich gesant ze dem herren Dietrîche. der sagte im diu mær von Ermrîche.
262
Er kom gegangen schiere vür den Bernær alzehant. dô seite der recke ziere dem edelen künege von Rœmisch lant diu starken niuwen mære, wie grôz daz Ermrîches her wære.
263
Als der vogt von Berne den boten an gesach, nû sult ir hœren gerne, wie rehte güetlîche er sprach ‘heyâ, nû sage an, helt guote, daz diene ich umb dich’ sprach der hôchgemuote.
264
‘Nû sage mir bediute’ sprach her Dietrich, ‘wie vil mac haben liute der ungetriuwe Ermrîch? getar ich im wider rîten? daz weste ich harte gerne an disen zîten.’
265
Dô sprach mit triuwen Alpher ‘herre Dietrich, ez ist allez daz komen mit wer dem ungetriuwen Ermrîch daz indert lebt ûf der erde. ich wæn her immermêr sô grôzez werde.’
266
‘Hâst ab dû daz geahtet, nû wie vil mac ir sîn? od ieman getrahtet, daz sage mir ûf die triuwe dîn. ez ergê mir swie got welle, swaz halt man mir der eise vor gezelle.’
267
Alpher der mære ze dem vogt von Berne sprach ‘geloubt mir, her Bernære, grœzer her ich nie gesach bî allen mînen zîten. ez möht al diu werlt mit sorgen gein im rîten.
268
Nû merket vil besunder’ sprach der küene man, ‘ist daz niht ein wunder, daz ich dâ gesehen hân: ich sach sîn her gescharte, niun hundert vanen ûf einiger warte.
269
Dar nâch sach ich rîten vil manic schare breit. bî den selben zîten ahte manic recke gemeit: eilf hundert tûsent oder mêre die hât Ermrîch: daz wizzet, künic hêre.
270
Maht dû nû der recken guoten vollen hân, der starken und der kecken’ sprach der unverzagte man, ‘des ist dir nôt wærlîche. ja vürhte ich, wir entrinnen Ermrîche.’
271
‘Dû trœst uns untrœstlîche’ sprach der marcman. ‘wir wellen sicherlîche doch dar umbe daz nicht lân, ze vlüste od ze gwinne welle wir besehen, wer ab dem wale entrinne.
272
Nû sult ouch ir niht bîten und bereitet iuch dar zuo, sît ez gêt an ein strîten, sô râte ich wol waz man tuo. daz nû ist daz beste, ir lâzet hinder iu alsô die veste:
273
Ob man dar vlühtic kêre, daz wir danne haben trôst. ich vürhte harte sêre, dâ werdent setel erlôst. ir sult des wol getrouwen, dâ werdent liehte helme verhouwen.’
274
‘Dû redest niht unrehte’ sprach her Dietrich. ‘ir ritter unde ir cnehte, nû bereit iuch alle gelîch. ir sult umb nihtiu sorgen. wir sulen uns von stat heben morgen.’
275
Dô hiez vil balde springen der vürste lobesan, des nahtes ze hove bringen beidiu mâge unde man. daz tâten si vil drâte. dô wart der herre Dietrich ze râte
276
Mit vriunden und mit gesten, mit mâgen und mit man, mit den aller besten, die er inder mohte hân. nû bit ich iuch’ sprach der Bernære, ‘daz ir mir râtet, edele recken mære.
277
Disiu sorge ist niht ringe, dâ wir mit umbe gân. wie tuo wir disem dinge, daz râtet’ sprach der küene man, ‘sô ez uns beste kome ze mâzen. nû sprecht, wâ welle wir diu kint lâzen?’
278
Dô sprach der Stirære, Dietleip der hôchgemuot ‘edel Bernære, ich sage iu rehte waz ir tuot. wir râten al gelîche, lât hie ze Bern die jungen künege rîche.
279
Dâ sint si wol verborgen vor aller missetât. sô durfe wir nicht sorgen umb si, swie ez uns ergât. si sint ân angest hinne’ sprach Dietleip, ‘als ich mich versinne.’
280
Dô sprach der vogt von Berne ‘ez ist ouch alsô guot. ich wil ez leisten gerne, diu kint sint hie wol behuot. wir suln si vil vrœlîch vinden. nû râtet ir, wen lâze ich bî den kinden?’
281
‘Daz tuot der iuwern einen, swelhen sô ir welt, Elsân den vil reinen’ alsô sprach Rüedegêr der helt. ‘der phligt ir wol mit êren unze wir zuo in herwider kêren.’
282
‘Râtet ir mir daz mit schalle’ sprach her Dietrich, ‘sô sendet nâch im alle und bevelhet im die künege rîch mit samt mir’ sprach der mære. nâch Elsân sande dô der Bernære.
283
Alsô der alte Elsân ze hove komen was, her Dietrich unde Etzeln man die wârn gesezzen ûf ein gras. dô si den edelen recken ane sâhen, do begunden si in güetlîche enphâhen.
284
Dô sprach der Bernære ze dem starken Elsân ‘nû wol mich, recke mære, daz ich dich sô getriuwen hân. hiut bevilhe ich dir alle mîn êre, der ich in dirre werlt sol leben immer mêre.
285
Hiut antwurte ich dir verre ûf die triuwe dîn’ sprach von Bern der herre ‘die lieben juncherren mîn, aller mîner sælden wünne. si sint mir lieber dann dehein mîn künne.
286
Und gedenke, herre Elsân, wie mir bevolhen sint vor manegem unverzagtem man mîner vrouwen Helchen kint. getriuwer recke guoter, ich bevilhe dir diu kint als got sîn muoter
287
Bevalch Sant Jôhan, dô er nam den tôt. nû behüete, herre Elsân, dich und diu kint vor aller nôt; und gip mir dîn triwe an disen zîten daz dû diu kint iht lâzest furder rîten.
288
Die stige solt dû verdürnen innen unde vor. ahte niht ûf ir zürnen, lâ si nindert komen vür daz tor ûf stige noch an strâzen. oder wirret den kinden iht, sô muost dû mir dîn leben lâzen.
289
Leben lîp und êre an in beiden stât. dû solt merken sêre, mîn wurde nimmermêre rât, wære niht ir muoter vrou Helche mîn vrouwe. dû sihst wol, swaz ich in Rœmisch lant gebouwe,
290
Daz kumet von ir helfe und von ander niemen mêr. si hât mir mit gelfe geschicket manegen recken her. heyâ, und wære niht diu guote, sô lebte ich iemer mit trûrigem muote.
291
Und habe ûf mînen triuwen phant, helt Elsân, und wæren dir elliu lant gewalticlîchen undertân, geschiht mir iht leides an den kinden. daz kan ich noch dû nimmer überwinden.
292
Sô tœte ich dich entriuwen, mit mîn selbes hant. ez kumet dir ze riuwen, des dû immermêre bist gephant an lîbe und an guote. nû lâ diu kint ninder ûz dîner huote.
293
Noch bevilhe ich dir mêre’ sprach her Dietrich ‘ûf alle dîne êre Dietheren den künic rîch, den lieben bruoder mîne. den antwurte ich dir ûf die triuwe dîne.
294
Hin ze einem hôhen phande ich dirs enpholhen hân. ich wold von Rœmisch lande mit vürzihte hiute gân, ê ich die herren lieze, ich vertrüege lîhter, daz man mich verstieze.’
295
‘Ich lâze in niht gewerren’ sprach Elsân der degen. ‘mîner lieben herren wirt mit triuwen wol gephlegen. got helf mir wan der stunde, daz ich iuch alle sehe wol gesunde.
296
Ob ich iuch doch niht alle gesunde süle gesehen, sô gebe got dazz sô gevalle daz iu sælde müeze geschehen. an allen iuwern dingen lâze iu got baz danne wol gelingen!’
297
‘Nu gesegen dich got, Elsân! wir wellen hinnen varn. dir ist Berne undertân. dû solt ez allez wol bewarn, als ich dir des getrouwe. got vüege daz ich dich vrœlîch geschouwe!’
298
Der Bernær trûreclîche ze Dietheren sprach ‘bruoder, künic rîche, nû habt hie guoten gemach, und habt in iuwer huote die hôhen edelen jungen künege guote.
299
Ir sît der jâre ein wênic elter dann si sint. nû lât ûz iuwern phlegen niht der tugenthaften Helchen kint. wellent si inder rîten, daz understât mit vuoge zallen zîten.
300
Behüet iuch vor den schulden, vil lieber bruoder mîn. ich gebiute iu bî mîn hulden, daz ir iuwer rîten lâzet sîn ûz der stat ze Berne. gedenket, bruoder Diether, dar an gerne,
301
Daz unser lant mit swære leider vaste stât: und wizzet’ sprach der mære, ‘ob uns inder missegât an vroun Helchen kinden, sô müeze wir ouch immermêre swinden.
302
An êren und an guote’ sprach her Dietrich. ‘an vürstenlîchem muote müez wir verderben sicherlich. verlies wir Hiunisch marke, sô sî wir tôt immermêre’ sprach der starke.
303
‘Dâ von sult ir gedenken, waz ich iu enpholhen hân. ir lât iuch niht bekrenken die jungen künege wol getân. durch got, belîbet hinne! diu kint sint tump, sô habt ir bezzer sinne.
304
Unverzagter Elsân, nu gedenke an mîniu leit, gedenke waz ich dir enpholhen hân unde ouch vor hân geseit. nu behalte mir mîn êre, daz wil ich umb dich dienen immermêre.
305
Vröude unde wünne stêt an dir allesant. vriunde unde künne daz stêt in dîn eines hant. des phlic hin ze dînen triuwen. nû lâ dich dînen dienest niht geriuwen.
306
Kumen dir diu mære, daz wir vlühtic worden sîn’ sprach der Bernære, ‘sô hüete bî den triuwen dîn, des bite ich dich vil gerne, sô lâz ûz dînen phlegen niht die stat ze Berne.
307
Und walte guoter sinne, helt vil lobelîch. besitze dich hie inne der ungetriuwe Ermrîch, so verzage niht, recke hêre, und volge des, als ich dich iezuo lêre.
308
Sî daz dû diu mære ieman hœrest sagen’ sprach der Bernære, ‘daz ich ze tôde sî erslagen, sô lâ dich nieman triegen und lâ dir die stat niht an erliegen’.
309
Mit zühten sprach dô Elsân ‘nû saget mir, herre mîn, ir sult mich rehte wizzen lân, wem sol ich wartende sîn, dâ iuch got vor behüete, verdurbet ir? vil sêre mich daz müete.’
310
‘Daz wil ich dir bescheiden’ sprach her Dietrich. ‘got behüete uns vor allen leiden!’ alsô sprach der künic rîch. ‘sô soltû, recke starke, Etzeln warten von Hiunischer marke.
311
Und gip im mit gewalde diu kint und die stat. ich weiz wol’ sprach der balde, ‘daz er daz nimmer gelât, er behalte wol sîn êre an mînem bruoder dar nâch immer mêre.’
312
‘Daz tuon ich vil gerne’ sprach her Elsân. ‘die stat hie ze Berne die mache ich Etzeln undertân. ich wil gote ab wol getrouwen, ir sult si noch vil lange selbe bouwen.’
313
‘Daz stêt allez in sîner hant.’ sprach her Dietrich, ‘der dâ Jêsus ist genant, der hôhe got von himel rîch. er sol ouch mîn reht bedenken und helfe mir mînen vînt bekrenken!
314
Des bite ich dich vil sêre, gewaltiger Crist! durch dîner marter êre, nû hilf mir ouch in dirre vrist, daz ich mîn leit gereche! und velle ouch mich, ob ich unrehte spreche!
315
Hilf mir wan nâch mînen schulden, als ich reht hân. swaz ich muoz jâmers dulden, dâ bin ich vil unschuldec an! alsô sprach der werde vogt von Berne ‘swaz ich sünde dâ begên, daz tuon ich vil ungerne.’
316
Vroun Helchen süne beide die kômen dô gegân. in was von herzen leide, daz si solten hie bestân. daz clagten si vil sêre. dâ trôste si vil manic recke hêre.
317
Hie mit disem mære kom der marcman. er sach mit grôzer swære die sînen lieben herren stân. wol trôst er si beide. er sprach ‘junge künege, war umb ist iu sô leide?’
318
Dô sprach clagelîche Scharphe der junge degen ‘ir herren lobelîche, nû lât ir uns under wegen. owê, daz ist uns ein herzensêre, wirn wizzen ob wir iuch gesehn immer mêre.
319
Owê des grôzen smerzen, der hiute an mir geschiht! wie ist mînem herzen, swenn iuch mîn ouge scheiden siht dâ hin zuo dem strîte! ich vürhte hart daz ichs niemêr erbîte,
320
Daz ir kumt her widere ûz der starken nôt.’ daz geschach ouch leider sidere, wan si kuren den tôt, vroun Helchen süne beide. si ligent noch ze Raben ûf der heide.
321
‘Ir jungen künege hêre, ir sult niht verzagen.’ alsô sprach Rüedegêre ‘nû lâzet iuwer grôzez clagen. ir sehet uns schiere gesunde hie ze Berne in vil kurzer stunde.’
322
Die jungen künege rîche kuste der marcman. harte clagelîche wart ein weinen dâ getân. owê der grôzen herzensêre! si gesâhen an einander nimmermêre.
323
Dietleip der Stirære der kuste ouch diu kint. owê der leiden mære! er gesach si nimmermêre sint. leider dâ wurden trüebiu ougen, dâ weint vil manic edel recke tougen.
324
Ez kuste weinunde der küene Blœdelîn mit siuftundem munde die vil lieben herren sîn. owê, dô gie ez an ein scheiden. sich huop grôzez weinen von in beiden.
325
‘Nû siuftet niht ze sêre’ sprach her Baltram. ‘gedenket, künege hêre, waz an iu êren sol gestân und lât iu niht wesen leide. gedenket waz ir iuwerm vater gehiezet beide,
326
Und Helchen mîner vrouwen, do ir urloup nâmet dan. gedenket an daz schouwen’ sprach der unverzagte man, ‘daz si tete nâch iu beiden. si beweinte vil sêre iuwer scheiden.
327
Ir clagelîch hende winden’ sprach her Baltran, ‘daz si tete nâch iu kinden, dâ sult ir wol gedenken an. mir ist daz kunt an disen zîten, si überwindet nimmermêr iuwer rîten.
328
Ir weinen âne mâzen, des vergizze ich nimmermê. ir clagen wil ich lâzen: mir tuot tûsent stunt als wê Etzel mîn lieber herre. dar an sult ir durch got gedenken verre.
329
Sîn weinen bitterlîche daz tuot mir wê genuoc. gedenket, künege rîche, wie er sich gein dem herzen sluoc. daz lât iu gên ze herzen und überhebet in maneges grôzen smerzen.’
330
Beidiu junge und alde kusten dô diu kint. owê der leide manicvalde! si gesâhens nimmermêre sint leider mit gesunde âne dâ ze Rabene vil tôtwunde.
331
Dar gie der Bernære dâ er diu kint gesach. der edele recke mære mit trüeben ougen zuo in sprach ‘nu gehabt iuch vil wol beide, und behüete iuch got vor allem herzen leide!’
332
‘Alsô phlege got iwer hinwidere, herre her Dietrich!’ die treher vielen nidere von ir ougen sicherlich ûf die hende und ûf diu cleider. daz was diu leste schidunge beider.
333
Baz danne hundert stunt kuste her Dietrich sînen bruoder an den munt und ouch die jungen künege rîch. als tâtens in ouch vil dicke. got mohte erbarmen die weinenden blicke.
334
Hie mit disem mære wart urloup genomen. nû ist ez sunderbære allez an daz ende komen. daz sult ir hœren gerne, danne vuor daz her und bliben diu kint ze Berne.
335
Nû gêt ez an ein strîten, daz muoter kint becleit. nû hœrt an disen zîten, ob ez iu ê niht ist geseit, wie daz her von Hiunisch lande Ermrîchen wuoste mit roub und mit brande.
336
Sô manegen recken balde gewinnet nimmermêr kein künec mit gewalde als von Berne der recke hêr. si sigen müezeclîche hin ze Raben gegen Ermrîche,
337
Dâ man dâ solde strîten, als ez ouch sît ergie. dô was ez an den zîten. als ich iu wil bescheiden hie, in dem herbest nâhen. der nebel was grôz, dâ von si wênic gesâhen.
338
Daz her von Hiunisch lande leite durch die marc der die strâze wol bekande, Hildebrant der recke starc, ûf velde und ûf stigen. dâ hin gegen Raben begunde daz her sigen.
339
Dô daz her von Berne wol raste lanc gereit, nû sult ir hœren gerne, wie mir daz buoch hât geseit. owê, der jâmer twanc sêre dâ ze Bern die jungen künege hêre.
340
Bi handen sich dô viengen der reinen Helchen kint. mit Diether si giengen, (alsô sagte man mir sint) dâ si ir meister vunden. si bâten Elsânen bî den stunden.
341
Si knieten vür in nidere und bâten in zehant. daz kom in ze schaden sidere, daz ist mir wærlîch wol bekant. si kusten in an die hende. owê, dô nâhent leider in der ende.
342
‘Elsân, meister herre’ sprach Orte der degen, ‘wir manen dich vil verre. wir sîn hie in dînen phlegen: nû gunne uns ze rîten vür die stat, wir kumen in kurzen zîten.
343
Wir wolden schouwen gerne ditze bou sô hêrlîch, die stat hie ze Berne. und læge diu in Hiunisch rîch, wes bedörft wir danne mêre? sîn hete mîn vater Etzel immer êre.’
344
Mit triuwen sprach dô Elsân ‘vil liebe herren mîn, die bete sult ir slehtes lân, wande des mac niht gesîn. mîn êre stêt ze phande dem unverzagtem künec von Rœmisch lande.
345
Ir sult hie inne bîten. ich getar iuch ninder lân, ich lâze iuch ninder rîten. daz sult ir âne zorn hân. wær iht daz iu leide geschæhe, den tôt ich gerner an mir selhen sæhe.’
346
‘Jâ well wir ninder verre rîten’ sprâchen diu kint. ‘Elsân, lieber herre, wir sîn niht sô gar blint. wir behüeten uns in der mâze, daz uns niht gewirret ûf der strâze.’
347
‘Nû überhebt mich maneger swære’ sprach her Elsân. ‘jâ vürhte ich den Bernære, gegen dem ich mich vertriuwet hân. ez möht mich lihte geriuwen, und wær doch immer kranc an mînen triuwen.’
348
‘Swaz dû unbillîche nû begêst dar an, gegen dem herren Dietrîche ich daz wol versüenen kan. ez kumet dir niht ze swære. wer wænstû, der ez sage dem Bernære?’
349
‘Lâz uns al balde rîten’ sprach her Diether. ‘wir weln mit niemen strîten, wir vüern deheiner slahte wer. wir kumen her wider schiere, daz geloube mir’ sprach der degen ziere.
350
Dô sprach der starke Elsân ‘nû sît der bete gewert. hinder iu wil ich niht bestân: sît ir ze rîten gerne gert, sô mac ich daz niht lâzen, ich wil mit iu rîten ûf die strâzen.’
351
Vrô wurden sicherlîche diu kint wol getân. die jungen künege rîche die gâhten vrœlîchen dan, dâ si diu marc vunden. si sâzen ûf diu ors bî den stunden.
352
Die hôhen künege wandels vrî die gâhten ûz der stat. si kômen leider alle drî ûf ein unrehtez phat. dem begundens nâch rîten. si truoc diu selbe strâze bî den zîten
353
In selben ze leide ze Rabene ûf den sant über die breiten heide, als mir daz mære ist bekant, (vervluochet sî diu reise! an in geschach vil jæmerlîchiu vreise)
354
Ê daz sich her Elsân berihte ûz der stat. nû wil ich iuch wizzen lân, wie man mir gesaget hât. owê, dô gâhte er nâch den kinden. er kunde si umb die stat ninder vinden.
355
Dô sluoc er sich ze herzen. grôz was sîn ungemach. dô tobte er von dem smerzen, dâ er der kinde niene sach. owê, dô mêrte sich sîn swære, vor leide weinte dô der degen mære:
356
Wan im sô vil ze leide bî sînem leben nie geschach. ûf der breiten heide er diu kint ninder sach. owê, dô muoste er stille halden: ‘nû muoz ich mit jâmer immer alden.
357
War sol ich nû kêren, ich armer Elsân? der mich daz kunde lêren!’ vil lûte ruofen er began. im was leit âne mâze, im antwurt leider niemen ûf der strâze.
358
Vür wâr ir daz geloubet, daz ich iu sagen wil: vreuden wart er beroubet, sînes leides wart sô vil. owê, dô reit er allez umbe. er wânde er vund die jungen künege tumbe.
359
In herzen und in gebete lac sîn ungemach. vor dem starken nebele er der kinde niene sach. owê, si riten im ûz den ougen. do begunde er suochen diu kint alsô tougen.
360
Er trahte in dem muote alsam ein trûric man. vil ofte sprach der guote ‘owê, waz hân ich getân! nû muoz ich immermêre hinvür leben mit grôzem herzen sêre.’
361
Er trahte in sînem muote ‘ich weiz wol daz diu kint in selben niht ze guote nâch dem her gestrichen sint. owê, nû werdent si versêret. si sint wan zuo dem here hin gekêret.’
362
Dô gurte er sînem Blanken baldeclîchen baz. mit manigem gedanken ûf daz kastelân er saz. owê, im was von herzen leide, dô reit er nâch den kinden ûf die heide.
363
Nû hœret vremdiu mære, diu tuon ich iu kunt; und merket sunderbære, waz ich iu sage an dirre stunt von den jungen künegen rîchen. die brâht niht guotes leider sicherlîchen
364
Ûf eine unrehte strâze dâ hin vür Raben nider, diu truoc si in der mâze dâ in geschach vil leide sider. owê, dâ nâmen si den ende von des ungetriuwen Witegen hende.
365
Welt ir hœren nû den strît, den wil ich iu sagen. nu vernemet rehte an dirre zît von grôzem weinen unde clagen. si kômen sicherlîche in ein tal, die jungen künege rîche.
366
Si heten allen den tac dem here gestrichen nâch. vür wâr ich iu daz sagen mac, in was unmæzlîchen gâch, owê, jâ meine ich, zuo dem leide, dâ sî erslagen wurden ûf der heide.
367
Die edelen künege hêre muosten ir rîten lân. si heten gestrichen sêre. do begunde ouch vaste sigen an diu naht in ze leide. si beliben alle drî ûf der heide
368
Unz an den andern morgen daz ez begunde tagen. mit vil grôzen sorgen sprach Diether, als ich iu wil sagen, ‘nû râtet, liebe herren’ sprach Diether, ‘ich vürhte grôzen werren,
369
Daz unser meister Elsân uns vil gesuochet hât. wir haben sêre missetân, wir sîn ze verre von der stat.’ ‘daz ist niht ein michel wunder’ alsô sprach her Orte besunder.
370
Diether der künic hêre hete sorgen vil. er sprach ‘mich wundert sêre, daz der nebel sich niht ûf lâzen wil. daz beswæret mich entriuwen. jâ vürhte ich, uns muoz diu vart geriuwen.’
371
Si gurten dô ir marken mit williger hant. die jungen künege starke die kêrten dâ mit über lant gegen dem mære nidere. dâ vant man si erslagen leider sidere.
372
Wol ze vruoimbizzît dô kômen si geriten ûf eine schœne heide wît. nû vernemt mit guoten siten, da erbeiztens ûf der heide, her Diether und vroun Helchen süne beide.
373
Si trahten vil besunder ‘jâ herre, wâ muge wir sîn?’ ‘des hât mich michel wunder’ sprach Diether ‘ûf die triuwe mîn. wir sîn missekêret, uns hât diu wîsheit unrehte gelêret.’
374
Hie mit disen sachen begunde ez werden lieht, sich begunde der nebel ûf machen. des hân ich missaget nieht, vil heiter schein diu sunne. nû vreu ich mich’ sprach Scharphe ‘dirre wunne.’
375
‘Wâffen, heiliger Crist’ sprach Orte zehant, ‘wie rehte schœne hie ist ditze hêrliche lant! owê, vogt von Berne, ir muget wol hie wonen immer gerne.’
376
In den selben zîten, als man mir sagte sint, dô sâhen dort her rîten den starken Witegen diu kint. owê, er was in komen ze nâhen! diu kint sprâchen wider einander dôs in sâhen
377
‘Jâ herre got der guote, wer mac jener recke sîn, der mit sô vrevelem muote dort haldet? trûtgeselle mîn, daz soltû uns bescheiden, weder ist er ein Cristen oder ein heiden?
378
Er haldet sô vrechlîche, er mac wol ein recke sîn. er ist hôhes muotes rîche, wæne ich ûf die triuwe mîn. welle wir zuo im rîten? er gebâret rehte sam er welle strîten.
379
Er haldet under schilde mit manlîcher wer.’ do erblihte ouch in der milde, owê, der junge Diether. do begunde er siuften tougen, im wurden sêre trüebe sîniu ougen.
380
Ein leit im in daz herze rehte von grunde schôz. do gedâhte er an den smerzen und an die untriuwe grôz, die er an im hete begangen. sîn lîp wart mit leide bevangen.
381
Vroun Helchen süne beide sâhen an Diethern wol, daz im was vil leide. ir ougen wurden von weinen vol. owê, si vrâgten in der mære, waz im sô snelle dâ geschehen wære.
382
‘Mir mac wol wesen leide’ sprach Diether der lobesan. ‘der dort haldet ûf der heide, der hât mir leide getân. owê, sold ich mich an im rechen, daz tæte ich gerne: waz mac ich mêr sprechen?’
383
‘Nû vrâge ich dich vil verre’ sprach Orte der degen, ‘Diether, lieber herre, wer ist der recke vil bewegen? wil dû uns in nennen, er komt sô hin niht, wir suln in an rennen.’
384
Mit manegen herzenleiden sprach Diether zehant ze sînen herren beiden ‘er ist Witege genant. heyâ, sold er von mîner hende iezuo hie kiesen den ende!’
385
‘Nû sî wir junge recken’ sprach Scharphe zehant, ‘wir sulen an den kecken und houwen sînes schiltes rant. wir müezen mit im strîten, und getar er unser ûf der heide erbîten.’
386
Her Witege der rief sêre. dô er diu kint ersach, der edele recke hêre vil unvorhtlîchen sprach ‘nû sagt mir, recken mære, sît ir gesinde von dem Bernære?’
387
‘Des werdet ir wol inne’ sprach Diether zehant. ‘owê, war tât ir iuwer sinne, dô ir verkouftet unser lant? daz arnet ir vil sêre, ir müezt noch drumbe geben lîp und êre.
388
Weizgot, her Witege, ir kumet sô hin niht. ir müezet hiute gelten die ungetriuwen geschiht. jâ büezet ir die schande, ir lât uns iuwer houbet zeinem phande.’
389
‘Ir redet kintlîche’ sprach Witege al zehant. ‘waz bestêt iuch Rœmisch rîche? varet wider in Hiunisch lant! und strâfet mich niht sêre, od ir beschouwet Hiunisch lant nimmermêre.’
390
‘Owê, zage ungetriuwer, wie tarstû sô offenbâr gestrâfen künege sô tiuwer! daz muostû arnen vür wâr.’ mit kintheit si dô sâzen ûf diu ors, der zageheit si vergâzen.
391
Eine strâzes nider ruhten über ein tiefez tal, diu scharphen swert si zuhten. owê, dô nâhent in ir val! gegen Witegen si dô randen, si vuorten bariu swert an ir handen.
392
Die hôhen künege rîche, als ich vernomen hân, die riten sicherlîche driu ûz erweltiu kastelân. owê, si wâren grimmes muotes, si bewâgen sich des lîbes und des guotes.
393
Als Witege der starke diu kint her rîten sach, dô gurte er sînem marke: vil baldeclîchen daz geschach. owê, der recke vil vermezzen der kom mit zorne ûf sîn ors gesezzen.
394
Er dâhte in sînem sinne ‘da ist et niht anders an. ê daz ich iu entrinne, ez muoz mir an daz leben gân.’ owê, dô nam er Schemmingen ze beiden sporn, dô liez er dar clingen.
395
Gelîch einem degene bungieren dô began Scharphe der bewegene reit den starken Witegen an. owê, mit grimmigem muote zuhte daz swert der junge degen guote.
396
Er lie dar nâher clingen mit ellenthafter hant. dô heten si gedingen, als mir daz buoch ist bekant. owê, si wâren küene beide: des gelac ir einer tôt ûf der heide.
397
Witege der hêre rante Scharphen an mit einem scharphen gêre. er traf, als ich vernomen hân, owê, den jungen künic rîchen ûf sîne brust, daz wizzet sicherlîchen.
398
Er traf den künic hêre tiefe in den lîp, daz dar nâch immer mêre zen Hiunen beweinte manic wîp. owê der jæmerlîchen stunde! er kom von danne nimmermêr gesunde.
399
Idoch swie kint wære Scharphe der junge degen, jâ saget uns daz mære, er werte sich mit starkem slegen. doch muoste er leider sterben, von dem starken Witegen gar verderben.
400
Scharphe der junge herre vrumte manegen slac ûz sînem herzen verre. ahî, waz er manheit phlac! er vaht mit heldes muote. owê, daz kom im leider niht ze guote.
401
Nû seit uns daz mære, wie wol her Scharphe streit. swie starc her Witege wære und swaz man wunders von im seit, doch sluoc im zwô wunden vroun Helchen sun, her Scharphe bî den stunden.
402
Dirre grôze smerze der tet Witegen wê und lac im in dem herzen. nû sult ir vernemen mê. mit grimme er Mimmingen zuhte, an den jungen Scharphen er dô ruhte.
403
Mit einem slage sô herte traf er dô daz kint. manlîch er sich werte, alsô sagte man mir sint. leider des enphie er herzensêre, er kom hin zen Hiunen nimmer mêre.
404
Daz ich iu nû bescheide, daz ist diu wârheit. gelîche si trâfen beide, Witege und Scharphe, als man seit. owê, der künec von Hiunisch rîche der lac dâ tôt, daz wizzet sicherlîche.
405
Ich stên der mære unlougen, swer mich der vrâgen wil: zwischen sînen ougen dâ stach er im des tôdes zil. durch hirne und durch zende sluoc er daz kint mit manlîcher hende.
406
Ê daz der künic rîche kom tôt ûf daz lant, daz wizzet sicherlîche, daz swert mit ellenthafter hant het er geriden vaste: er sluoc Witegen ûf den helm daz viuwer dar ûz glaste,
407
Daz die herten spangen brâsten sunder wanc. er moht sîn niht erlangen, sîniu maht diu was ze kranc. iedoch schôz Witege der starke mit dem slage nider von dem marke.
408
Ahî, nû sult ir mezzen und rehte daz verstân und ouch des niht vergezzen, wær Scharphe gewahsen zeinem man, ez müesten elliu rîche im gedient hân vil gewalticlîche.
409
Dô starp von Witegen hande der junge künic rîch. tôt zuo dem lande schôz Scharphe nider sicherlich. owê, dô sâhen in vil leide, ich meine dise edele künege beide.
410
Mit grimmigem muote rante her Orte dar. daz kom im niht ze guote leider sît, daz ist wâr. heid, dô saz ûf Schemmingen her Witege mit manlîchen sinnen.
411
Dô hete er bar in der hant Mimmingen daz edel swert. her Orte ûf Witegen kom gerant. dâ wart strîtes gegert. ahî, wie sich beide werten! mit grimme si ûf die helme berten,
412
Daz daz wilde viuwer ûz den swerten spranc. Orten vil tiuwer sînes bruoder ende twanc. owê, er hiete in gerne gerochen, dar an hân ich niht unrehte gesprochen.
413
Der künec ûz Hiunisch rîche ûf Witegen vaste wac harte manlîche manegen bitterlîchen slac. owê, jâ riuwent si mich leider, ir harnasch was niwan sumercleider.
414
Orte der mære habte Witegen vaste an, er sluoc im slege swære. der sweiz Witegen durch die brünne ran. owê, vil dicke weint der guote sînen bruoder Scharphen mit trûrigem muote.
415
Als der helt Witege sach, daz er niht moht komen dan, mit grimmegem muote er dô sprach als ein unverzagter man ‘owê, künec von Hiunisch rîche, ir habt getân hiute vil kintlîche.
416
Nu gedenkt in iuwerm muote’ sprach der küene man, ‘edel künic guote, ich hân iu leides vil getân. noch volget mîner lêre: vart iuwer strâze, dran geschiht iu êre.
417
Ich slahe iuch vil ungerne, daz sult ir vür wâr hân. ich vürhte den vogt von Berne, dem ir ze helfe sît verlân. heid, und hæt ir guote sinne, so entwîchet ir mir kurzlîch von hinne.’
418
‘Wærlîch, mordære, ez muoz dîn tôt nû sîn. du erarnest sunderbære den vil lieben bruoder mîn, der hie tôt lît ûf der heide. daz kumt dir noch hiute ze leide.’
419
‘Neinâ, künic rîche, nû lâz dînen zorn, und gedenke sicherlîche, ez ist ein schedel baz verkorn dann ob sîn wirt ie mêre. belîbestû gesunt, deist dînem vater ein michel êre.’
420
‘Bœswiht aller tugende, zwiu wænstû, daz ich sî? der mir in mîner jugende immer solde wonen bî, dâ hâstû mich von gescheiden. mir muoz mîn leben immer mêre leiden.’
421
Daz swert ze beiden handen nemen er began. zesamne si geranden. zwei ûz erweltiu kastelân mit nîde si dô twungen. si sluogen ûf die helme dazs erclungen.
422
Mit zorne si sich wanden, michel was ir nît. diu swert an ir handen diu wâren scharph an der zît, owê, si sniten gar ze sêre. daz überwant ouch Orte nimmermære.
423
Si triben an einander umbe ein harte lange stunt. Orte der tumbe machte Witegen drier wunden wunt. owê, daz half in lützel leider! Etzel muost sich ânen ir beider.
424
Mit grimme si dô rungen ein harte lange zît. diu swert in ir handen clungen, si vâhten einen herten strît. ditz ist ein wârez mære: geloubet mir, swie küen her Witege wære,
425
Er kom in michel sorge von dem jungen degen. er hete sîn allez horge und schônte sîn mit den slegen: des het er vil nâch sêre enkolten von dem jungen künege hêre.
426
‘Noch moht irz allez lâzen’ sprach Witege zehant. ‘ez kumet iu niht ze mâzen, wirt iu mîn grôzer zorn bekant, sô slahe ich iuch entriuwen. sô ez danne geschiht, waz hilfet mich mîn riuwen?’
427
‘Ich sol dich bringen inne, wes ich willen gên dir hân. dû kumest sô niht hinne, dû vil ungetriuwer man. dû giltest mir ûf der heide mînen bruoder, an dem ich mir sihe vil leide.’
428
Underdiu was ûf daz marc komen Diether. dar treip der edele vürste starc mit vil manlîcher wer. do bestuonden si in beide die jungen künege, Witegen ûf der heide.
429
Si vrumten herteclîche manegen starken slac ûf Witegen sicherlîche. si striten allen einen tac unz gegen dem âbunde. daz kom ir einem leider ze ungesunde.
430
An disem mære ich vinde, vil herte was ir strît. si sluogen slege swinde, si heten ûf einander nît in herzen und in muote. daz kom in leider sît niht ze guote.
431
Si habten in an vil sêre mit slegen âne zal. die jungen künege hêre die triben Witegen ûf dem wal hin und her vast umbe. owê, si wârn ze strîte gar ze tumbe.
432
Vor unde hinden liefen si in an. im wart von slegen swinden zewâre nie sô wê getân sam von den jungen herren. daz kom in leider sît ze grôzem werren.
433
Si habten in an sô vaste mit slegen ûf dem plân. daz viuwer rehte erglaste ûz ir helmen, daz ez bran. owê, die recken ûz erkorne die bestuont alrêst her Witege mit zorne.
434
Daz swert ze beiden handen nam der küene man. zesamne si dô randen, als ich vür wâr vernomen hân, mit grimmigem muote, Witege der starke und die helde guote.
435
Owê der leiden mære, diu zwischen in geschach! dar umbe ist mir vil swære. Witegen wart von grimme gâch. owê, des muoste enkelten sêre von Hiunisch lant der junge künic hêre.
436
Mit dem guoten swerte, daz Witege dô truoc, Orten er dô gerte. krefticlîche er dar sluoc, mit manlîcher hende sluoc er den künic nider unz ûf die zende,
437
Durch daz hirne nidere und durch den drüzzel dan. daz beweinte tiure sidere manic Etzelen man. owê, ze lebene er niemer phlac: er sluoc in durch daz houbet daz er tôt gelac.
438
Von Hiunisch lant der herre von dem orse schôz ûf daz lant vil verre. daz was ein unbilde grôz: ahî, alsô tôuwunde spranc ûf daz kint bî der selben stunde.
439
Witegen dem starken sluoc ez einen slac, daz er viel von dem marke und dar nidere gelac. owê, dô was ouch ez ergangen, den jungen künic hete der tôt gevangen.
440
Dô starp von Witegen hende der künec von Hiunischlant. er nam dô den ende unde starp ouch al zehant. owê, do gelâgen si ûf der heide, nû sint si tôt, vroun Helchen süne beide.
441
Diethern von Rœmisch lande wart von herzen leit. er nam daz swert ze hande, dar lief der degen unverzeit. ûf Witegen er dô berte, mit grimme sich her Witege dô werte.
442
Si liezen in strît enblanden, in was von herzen zorn. diu swert in ir handen den edelen recken ûz erkorn begunden erclingen sêre, man mohte ez hœren einer mîle lanc od mêre.
443
Si vrumten gremlîche ûf einander manegen slac. dâ von Diether der rîche leider sît tôt gelac. si begunden zürnen beide, si trâten ein langez phat ûf der heide.
444
Dietheren harte sêre sîner herren tôt betwanc. dem jungen recken hêre daz bluot ûz den ougen spranc. owê, ja geschach im nie sô leide, ân do er von Witegen selb starp ûf der heide.
445
Die slege von ir swerten clungen vreislîch. ze lebne si niht gerten. Diether der künic rîch der sluoc ûf Witegen sêre. dô wold er rechn die jungen künege hêre.
446
Mit grimmigem muote liefen si an einander an. die edelen helde guote wârn von den orsen gestân. ir slege hullen vaste, daz viuwer rehte von ir ougen glaste.
447
Nû hœret sunderbære, wie uns daz buoch las. mir kündet daz mære, wâ von Diether sô lange genas, daz wil ich iu bescheiden. lât ir iu daz mære niht leiden.
448
Von sô tumben jâren, als wir hœren jehen, alle die dô wâren, die Diethern hêten gesehen, die sagten von im mære, daz sîn gelîch mit snelheit ninder wære.
449
Beidiu dar unde dan, Diether vil dicke spranc. Witegen wegen er began manegen slac ân sînen danc. owê, daz vrumt ab in vil seine, er was im an den creften gar ze cleine.
450
Nû wil ich iu bescheiden hie an dirre zît: zwischen in beiden werte lange der strît, unz daz der tac wolde scheiden hin, als er tuon solde.
451
Swie kint her Diether wære, er tete doch Witegen wê. mir seit vür wâr daz mære, (nû ruochet ir vernemen mê) starker wunden viere sluoc Witegen Diether der ziere.
452
Daz muote Witegen sêre, er warf den schilt ûf daz lant. Witege der degen hêre nam daz swert in beide hant. ze einander si dô ruhten, diu scharphen swert si dô mit zorne zuhten.
453
Witege mit grimme lief Diethern an. owê, dô wac in ringe Diether der vürste wolgetân. verteilet sî dem swerte! er traf in an der stat, dâ er sîn gerte.
454
Nû hœret ditze mære, wie ich vernomen hân, und ouch die swinden swære. Witege der ungetriuwe man sluoc vil crefticlîchen ûf Diethern den jungen künic rîchen.
455
Daz swert durch daz ahselbein und durch den lîp nider wuot. zwîvel ist des dehein, ez was unmâzen guot. owê, daz was ein grôzer smerze: er sluoc enzwei leber unde herze.
456
Owê der grôzen schande, diu Witegen wart bekant! der künec von Rœmisch lande sprach ûz dem tôde sâ zehant ‘owê, bruoder Dietrîche, ich gesihe dich nimmermêre sicherlîche!’
457
Dem edelen künege werde diu craft gar besleif. nider zuo der erde mit beiden handen er dô greif und bôt si zuo dem munde zuo unsers herren opher sâ ze stunde.
458
Mit andâht und mit riuwe dâ sîn ende was. Diether der getriuwe lie sich nider ûf daz gras, ûf rahte er sîne hende: ‘ich bite dich, herre, durch willen dîner urstende,
459
Daz dû dich ruocht erbarmen über mîne grôze nôt und über mich vil armen durch dînen heiligen tôt. owê, nû mac et ich nimêre.’ dâ mit starp der edele künic hêre.
460
Disen grôzen smerzen weinen dô began mit allem sînem herzen Witege der ungetriuwe man. dô kuste er an den stunden Diethern in alle sîne wunden.
461
‘Und solde ich dich noch heilen von aller dîner nôt, got müeze mir verteilen, dar umbe wolde ich ligen tôt. owê, nû muoz ich sicherlîche alliu lant rûmen vor Dietrîche.’
462
Im was von herzen leide endelîch genuoc. sîne hende beide er im selben in diu ougen sluoc. ‘owê dirre leiden mære, der nû gevreischet von mir der Bernære.’
463
Er gie ze Schemmingen und wolde rîten dan. an allen sînen dingen geswichen im diu craft began. ahî, dô wart im êrste leide, er muost sich nider legen ûf die heide.
464
Nû ist endelîche daz mære ze ende komen. die jungen künege rîche die habent nû den tôt genomen. owê, nû riuwent si mich sêre: nû überwindet ez vrou Helche nimmermêre.
465
Nû lâze wir daz mære mit disen dingen stân. ir wizzet wol sunderbære, wie ez umb die herren ist ergân: welt ir nû erbîten, sô sage ich iu von stürmen und von strîten.
466
Nû wil ich sicherliche heben wider an den strît von Ermrîche, als ich vür wâr vernomen hân, und ouch von dem von Berne. disen strît den sult ir hœren gerne.
467
Als der herre Dietrich mit dem here was komen hin ze Raben vil gewalticlîch, als ir wol habt vernomen, ahi, im warten helde balde. dô leiten si sich nider mit gewalde.
468
Welt ir nû hœren gerne, diu hêrlichen gezelt diu hiez der von Berne slahen nider ûf daz velt. ahi, mit unverzagtem muote rotierten sich die küenen helde guote.
469
Sumelîche hât des wunder, daz daz her sô lange lac. nû hœret vil besunder: daz man dâ strîtes niht enphlac, dâ was ein vride gebannen beidenthalbe von ir bêder mannen.
470
Die wîl daz her mit vride lac ûf der heide wît, in der vrist dort geschach von den kinden der strît. owê, daz enweste niemen leider, des muost sich Etzel ânen sîner süne beider.
471
Daz her mit grimmen zorne gegen einander lac. die recken ûz erkorne, als ich iu wol gesagen mac, die rieten zuo dem strîte. mit disem mære ich iu niht langer bîte.
472
Nû wil ich niht vergezzen, ob ir ez hœren welt, den strît wil ich mezzen. man sach manegen kûrlichen helt zogen über gevilde. man sach dâ vliegen vanen unde schilde.
473
Der werde vogt von Berne zuo den sînen sprach, (daz sult ir hœren gerne) dô er dort her zogen sach Ermrîches helfære. der was sô vil, als uns saget daz mære,
474
Tal unde lîten daz was allez vol. nû hœrt an disen zîten, waz ich iu mêre sagen sol. der künec von Rœmisch lande sprach zuo dem alten Hildebrande
475
‘Nû habe in dînem muote durch die triuwe dîn, edel recke guote, zele waz der vanen muge sîn. vil gerne ich daz bekande. ez ist al diu werlt in Rœmisch lande.’
476
‘Dar umb sult ir niht sorgen’ sprach her Hildebrant, ‘ich nenne iu unverborgen die vanen alle hie zehant. nû hœret an disen zîten, ich sihe dort her ein breite rote rîten.
477
Dâ vor ein vane vliuget unmæzlichen breit. daz ouge mir niht liuget’ sprach Hildebrant der unverzeit. ‘heiâ, jâ sint ez helde guote, in scharphen strîten mit bewegem muote.
478
Diu rote diu dort her siget, diu ist mir wol erkant. der vane der dâ mit stiget, den vüeret Fruot von Tenelant’. daz wâffen wil ich nennen, daz ir ez vürbaz muget wol erkennen.
479
Daz was ein lewe von golde rôt in einem vanen wîz. nû sult ir hœren grôze nôt. dar an lac grôzer vlîz mit alsô rîcher koste. diu schar hielt vîntliche gein der tjoste.
480
Darnach wie vil der schare wæren mit dem vanen breit, daz ist mir ein kundez mære. man hât mir endelîch geseit, drîzec tûsent helde ir wâren, man sach si harte manlîch gebâren.
481
Nû vernemet mit guoten siten grôzes wunders mêr. ez kom ein schar dar nâch geriten, daz wâren et ouch recken hêr, die ich kan wol genennen, die muost man in scharphen strîten dicke erkennen.
482
Daz was von Normandie der künic Herman und sîner bruoder drie, als ich vür wâr vernomen hân. ahî, daz wâren ouch die kecken, die man dâ heizet ûz erwelte recken.
483
Einen vanen hêrlich den vuorte er an der hant. der ûz erwelte künic rîch der was in strîten wol erkant. man widersaz in sêre. des muoste enkelten manic recke hêre.
484
Rôt unde grüene der vane was gestalt. Herman der küene hete recken dâ gewalt zweinzec tûsent volleclîche. dâ mit wolde er dienen Ermrîche.
485
Bî den selben zîten dô kom geriten her, die ouch wol torsten strîten, wol drîzic tûsent ode mêr. heiâ, daz wâren recken mære, die tâten schaden dem edelen Bernære.
486
Welt ir nû gerne vernemen, sô tuon ich iu kunt. iu sol ze hœren wol gezemen, ich wil iu sagen an dirre stunt: ez wâren helde starke, geboren von Messie ûz der marke.
487
Walkêr was genennet der helt vil hôchgemuot, den man vil wol erkennet, dâ man mit strîte wunder tuot. der wolde Ermrîche helfen ûf den küenen Dietrîche.
488
Dar nâch zogte mit gewalde, daz sage ich iu vür wâr, Gunther der vil balde mit maneger hêrlichen schar. owê, der vuorte helde starke, die tâten schaden ûf Rœmischer marke.
489
Einen vanen grasgrüene vuort her Gunther. selbe was er küene, er machte leider âne wer vil manegen Etzeln recken. grôzez mort tâten dâ die kecken.
490
Dar nâch in kurzen zîten dô zogte ûz der stat, die ouch wolden strîten, als man mir gesaget hât, zwelf tûsent wîgande. die wâren komen von Westvâlen lande.
491
Ir aller houpherre, der zwelf tûsent man, von dem huop sich dâ werre. sînen namen ich iu wol nennen kan. Erwin was er genennet, den man in scharphen strîten wol erkennet.
492
Dô zogte ûf daz gevilde der küene marcman. vierzic tûsent schilde die wârn im einen undertân. ahî, die wâren von Westvâle. die Hiunen widersâzn in vaste bî dem mâle.
493
Wie sîn vane was gestalt, daz wil ich iuch wizzen lân, den dâ vuorte der helt balt. der was hêrlich getân. ahî, daz was ein strûz wilde, gar swarz in einem wîzen schilde.
494
Sturmgêr von Hessen ouch mit schalle zuo reit mit schœnen scharen sehsen. daz wâren helde vil gemeit, ahî, die getorsten wol gestrîten mit den vînden swinde ze allen zîten.
495
Sîvrit von Niderlant der zogte dar nâch. einen vanen rôt in der hant man den vürsten vüeren sach. sehs und zweinzic tûsent degene die vuort von Niderlant Sîvrit der bewegene.
496
Môrunc von Engellande der vuorte vierzec schar. nieman in dâ bekande wan Hildebrant, daz ist wâr. einen vanen guote den vuorte selbe der vürste hôchgemuote.
497
Daz was ein pantel silberwîz, als ich vernomen hân, (dar an lac manic spæher vlîz) daz velt swarz als ein ram. owê, daz wâren helde stæte, die rieten ûf den von Berne swinde ræte.
498
Vünfzehn tûsent wîgande die rîten ouch dort her mit dem von Grüenlande, der hiez der herzoge Strîtgêr. der daz nû hœren wolde, sîn vane was gepruoft von liehtem golde.
499
Wie solde ich iu genennen die recken ûz erkant? wand ich mac niht erkennen daz drîzigst teil ir allersant. ir sult ab wizzen sicherliche, dâ wâren vier und vünfzic vürsten rîche.
500
Der schal wærliche was âne mâzen grôz. daz velt sicherliche von des heres craft erdôz. si herbergten vaste von der stat wol anderthalbe raste.
501
Man staht die vanen alle nider ûf den plân. mit einem starken schalle lâgen Ermrîches man. ahî, nû sult ir hœren gerne, dô aht sîn her der werde vogt von Berne.
502
Mit unverzagtem muote sprach her Dietrich ‘ir edele helde guote, swaz iuwer sî von Hiunisch rîch, ir sult iuch dar nâch phlihten. mich dunket daz sich die vînde rihten
503
Sam si wellen strîten: dem gebârent si gelîch. nû sul ouch wir niht bîten’ sprach der künec von Rœmisch rîch. ‘nu bereitet iuch mit schalle. ir sult gedenken hiute dar an alle,
504
Daz uns niemen mac scheiden ûf dirre heide wît, die lieben zuo den leiden. nu bedenket daz an dirre zît, ir vriunde und ir geste. wizzet daz uns verre sint die veste.
505
Ir gürtet vlîzecliche diu guoten kastelân und gebâret manlîche. ez mac niemen understân, ez gêt hiute an ein vehten. bitet got, daz er uns helfe nâch dem rehten,
506
Und uns hiute bedenke durch sînen bittern tôt und unser vînde bekrenke: sô überwind wir unser nôt. wie wol ich des gote getrouwe! des wis ze dînem kinde bote, himelisch vrouwe!
507
Nû mane ich iuch noch mêre’ sprach her Dietrich, ‘ir edele recken hêre, ir sult gedenken sicherlich und traht in iuwerm muote, als ez uns allen kumen sule ze guote.
508
Ich sihe dort her sigen die Ermrîches man, die vanen vaste stigen. ez muoz et nû an ein strîten gân. nû kum uns got ze helfe! si zogent dort her mit einem grôzen gelfe.’
509
‘Des sol werden guot rât’ sprach her Rüedegêr. ‘swie vil ab Ermrîch recken hât an disen strît brâht mit im her, wir mugen ê niht ersterben. nû lâze uns got den sic an im erwerben
510
Durch sîner marter êre!’ sprach der marcman. ‘ir edelen recken hêre, nû gedenket dar an, wir sîn von einem lande. gedenket dar an wie uns Etzel sande
511
Ze helfe dem von Berne dâ her in Rœmisch rîch. manlîch unde gerne helfet retten dem herren Dietrich sîn êre und sîne marke. des lônet iu mit guote der vil starke.’
512
‘Wir sîn gemanet lîhte’ sprâchen Etzeln man. ‘nû tuot iuwer bîhte, ir edele recken lobesan, gegen gote andæhtecliche. daz râte ich iu mit triuwen sicherliche.’
513
Mit gemeiner menige vallen man began nider an ir venige, alle Dietrîches man. ein bischof was ir bihtigære. wider den beclagten si sich aller ir swære.
514
Si wurden bihtec âne wer, als ich vernomen hân. ez wâren under dem her vierhundert cappelân, die hôrten ir bîhte schône. got der vuogte in craft mit sînem lône.
515
Dô die recken lobelichen ir bîhte heten getân, die armen zuo den rîchen, dar nâch ruofen man began ‘nû gâhet, helde, balde! ir heizt iu diu ors bringen mit gewalde!
516
Dort zogent her die vînde, daz sehet ir alle wol. wir sullen vehten hiute daz daz gevilde werde vol von manegem edelen tôten. wir sulen ros und liute nider schrôten,
517
Helme unde schilde und swaz wir kumen an. wir tungen daz gevilde, daz man enouwe sehe gân den bach von dem bluote. daz ist mîn wille’ sprach Wolfhart der guote.
518
‘Wir suln uns alsô rechen’ sprach der wüetende man, ‘mit scharen durch si brechen, daz man offen sehe stân halsperg unde helme. dâ wil ich vehten’ sprach Wolfhart ‘sunder melme,
519
Daz von mînen handen muoz vliezen daz bluot. ich sol mînen anden rechen’ sprach der helt guot. ‘ich gemache setel lære, daz man dâ von muoz immer sagen mære.’
520
Nu vernemet sunderliche, waz ich iu sagen wil. die recken ellensrîche die heten hôher vreuden vil gegen disem starken strîte. ‘ahi’ sprach Wolfhart, ‘wie ich hiute rîte!’
521
Diu ûz erwelten kastelân diu wâren elliu komen, diu man ze strîte solde hân, als ir ê wol habt vernomen. ahî, dô garten sich mit schalle zuo dem strît die küenen recken alle.
522
Verdecket wurden dô diu marc in manegen herten stâl. die ûz erwelten recken starc die heten zageheit nider mâl. si wâren vestecliche ze scharen gewegen gegen Ermrîche.
523
Der zageheit si vergâzen, daz sage ich iu vür wâr. ûf diu ors si sâzen. nû sult ir hœren sunderbâr iteniuwiu mære. mit zühten sprach dô der Bernære
524
‘Ich wolde iu râten gerne, ir helde lobelich, uns ist diu stat ze Berne leider verre sicherlich. nû varen wîsliche. ez sint kündege liute bî dem künege Ermrîche,
525
Die wol kunnen vâren der liute ûf alle wegen. si habent bî ir jâren maneges strîtes gephlegen. ahî, si lâzent sich niht schrecken. jâ sint ez allez ûz erwelte recken.’
526
‘Daz ist niht ein wunder’ sprach Wolfhart der helt. ‘ir gellt dest mêr under’ sprach der recke ûz erwelt. ‘ich vürhte mir niht sêre: ist ir vil, wir slahen ir deste mêre.
527
Raben unde gîre die wartent âne zal. edel Dietleip von Stîre, nû schouwe nider ûf daz wal: si wartent vaste der tôten. si enruochten wær wir alle nû verschrôten.
528
Nû habet manlîch herze und unverzagten muot. ez ist ein cleiner smerze, der schade den man uns hiute tuot. ir neigt iuch under schilde, ir tunget vast mit tôten daz gevilde.’
529
Der künec von Rœmisch rîche unvorhtecliche sprach ‘ir helde lobeliche, nû riht iuch alle dar nâch. ich sage iu daz in triuwen, wir sulen Ermrîche schaden briuwen,
530
Daz er ez überwinde hinevür nimmermê. und schaffet daz man vinde, ê daz der starke strît ergê, solhe sinne in iuwerm muote, daz Ermrîche nimmer kume ze guote.’
531
‘Nû volget mîner lêre’ sprach der milte marcman: ‘dar an geschiht iu êre, daz sult ir slehtes ûf mir hân. nu gebiet in kurzen zîten: bitet mâge und ouch die liute rîten.
532
Daz râte ich endeliche’ sprach Rüedegêr der degen. ‘ir sehet wol Ermrîche, der hât die sînen alle gewegen. nû tuot ir sam, vogt von Berne: daz sehe wir sicherliche alle gerne.’
533
Dô sprach der herre Dietrich als ein getriuwer helt ‘ir küene recken lobelich, nû schaffetz selbe swie ir welt. des volge ich iu vil gerne swenne ir welt’ sprach der vogt von Berne.
534
‘Sô wil ich rotemeister wesen’ sprach her Rüedegêr. die besten hiez er ûz lesen, gebiten wart dâ niht mêr. nû zweient sich diu mære. mit zühten sprach dô der Bernære
535
‘Sô ir nû ûz gezellet mâge unde man, sô schafft mich swar ir wellet: daz wil ich âne zorn lân. ez gêt nû an ein strîten. mit swem ir welt, dâ heizet mich mit rîten.’
536
‘Sô wil ich râten gerne’ sprach der marcman, ‘edel vogt von Berne, drîzic tûsent sult ir hân der edelen welrecken. dir leistent getriuwen dienest die vil kecken.
537
Swaz der von Stîrmarke hie allezan sîn, Dietleip, degen starke, die sulen warten dem vanen dîn. ich weste gern diu mære, wie vil der dînen nôtgestalden wære.’
538
‘Des bringe ich dich wol inne, milter marcman. als ich mich versinne, zweinzec tûsent recken ich hie hân. ahî, daz sint allez recken, die turren ez in strîte vol gestrecken.’
539
Von Kriechen her Dietrich Rüedegêren ane sach. einem degene vil gelîch mit unverzagtem muote er sprach wider den vogt von Berne ‘ich gevaht bî mînen zîten nie sô gerne
540
In allen stürmen herten, des sult ir iuch an mich lân. ich und mîne geverten, uns wartent ahzehn tûsent man. mînen vanen wil selbe ich leiten: wir suln uns in iuwerm dienste hiute arbeiten.
541
Von Lunders her Helphrîch sprach als ein wîgant ‘zwelf tûsent helde lobelich wartent hie mîner hant. ahî, die slahent slege swinde, si habent sich bewegen wîb unde kinde.’
542
Hinvür trat her Îrinc als ein helt guot. ‘wir haben getrahtet unser dinc’ sprach der recke hôchgemuot. ‘sehzehn tûsent volleclîche die habe wir hie, künec von Rœmisch rîche,
543
Ich und mîn bruoder Erewin, daz wizzet vür wâr. habt daz ûf den triuwen mîn, swar ich kêre mit der schar (des sit ân alle swære) die helfent iu mit triuwen, unverzagter Bernære’.
544
Gotel der marcman sprach zem künec von Rœmisch lant ‘sehs und zweinzec tûsent recken ich hie hân, des sult ir hân ûf mir phant. die geturren wol gestrîten. mit dem vanen wil ich selbe rîten.’
545
Von Antioch her Îmiân sprach als ein helt guot ‘under mînem vanen ich hie hân vierzic tûsent recken hôchgemuot. ahî, daz sint die dâ strîtent! Ermrîche si noch hiute ze leide rîtent.’
546
Dô sprach von Bruovinge der starke Norpreht ‘mich vreut ein guot gedinge, wir vahten alle umb daz reht. sehs und drîzec tûsent helde guote die wartent mir mit unverzagtem muote.’
547
‘Daz ist ein schar hêrlich’ sprach her Rüedegêr. ‘ob got wil, ez sol Ermrîch gewinnen solich herzensêr, daz er unz an sîn ende dar umb muoz immer winden sîne hende.’
548
Von grôzen Ungern Îsolt sprechen dô began ‘vogt von Berne, ich bin iu holt und dar zuo alle die ich hân, des bringe ich iuch wol inne. ich hân hie vünfzec tûsent man, als ich mich versinne.’
549
Einen vanen breiten, künic Dietrich, den wil ich selbe leiten, ûf den ungetriuwen Ermrîch. ahî, wir kumen im ze leide! man siht noch hiut die tôten ûf der heide.’
550
Nuodunc unde Rüedegêr die heten in ir phlegen zweinzic tûsent recken hêr. ahî, daz wâren allez degen in stürmen unde in strîten! si worhten manegiu wunder bî ir zîten.
551
Hinevür trat mit gewalde her Walther zehant. der küene und der balde sprach wider den künec von Rœmisch lant ‘vil edeler Bernære, dû solt ouch hœren mîniu mære.
552
Vrou Helche diu milde hât dir gesendet her vünfzec tûsent schilde, (ich wæn aber wol, ir sî mêr) und als manic ors verdecket. Ermrîch wirt mit riuwen erwecket.
553
Der houbetman sol ich sîn, si wartent mîner hant. Etzel der herre mîn hât den vanen her gesant, der ze Hiunisch lant gehœret. die vînde werdent noch hiute gestœret
554
Mit jâmer und mit leide, dazz muoter kint beweinen muoz. noch hiute ûf dirre heide mache wir lebens mit tôde buoz und manegen satel lære.’ ‘daz vüege got!’ sprach der Bernære.
555
Nû hân ich niht vergezzen od ich habe iu genant, alle die sint gemezzen, die dem künec von Rœmisch lant mit triuwen helfen wolden. die heten sich gescharet als si solden.
556
Nû gêt ez an ein strîten, als mir gesaget ist. si wâren an den zîten mit vil manlicher vrist ûf diu guoten ors gesezzen. von stat zogte daz her vil vermezzen.
557
Nû sult ir hœren vür wâr, wie man mir hât geseit. in der vorderisten schar der werde vogt von Berne reit. ahî, der künec von Rœmisch lande valte des tages manegen tôten zuo dem sande.
558
Selb er den vanen vuorte vor der breiten schar. ahî, wie erz ruorte in dem strîte! daz ist wâr. diu her sigen begunden gegen einander kürlich bî den stunden.
559
Beide berge unde tal diezen began. harte michel was der schal, ob ir ez rehte welt verstân. man hôrt dâ michel krachen, dô sich diu her begunden ûf machen.
560
Welt ir nû hœren gerne, wie mir ist geseit: nâch dem vogt von Berne Dietleip von Stîre reit mit drîzectûsent recken. ahî, die vuorten einen vanen kecken.
561
Nâch Dietleip dem Stîrære zogt her Rüedegêr. dem volgten sunderbære zweinzictûsent recken hêr. ir sult vür wâr gelouben, si begunden Ermrîchen sêre rouben.
562
Nâch Rüedegêr dem milden zogt her Blœdelîn mit ahzehn tûsent schilden. ahî, daz muosten ouch recken sîn! si vuorten ein vanen schœnen. dô wolte got Ermrîchen hœnen.
563
Her Dietrich von Kriechen het dâ manegen man. des wart vil der siechen mit starken wunden vreissan. si worhten starkiu wunder. des muoste Ermrîch geligen under.
564
An êren und an guote vil leide im geschach. got liez in ûz der huote. sich üebete sîn ungemach, untz ez gie an al sîn êre. daz diente er wol: waz touc der rede mêre?
565
Nû hete sich mit schalle daz her gar bereit. si wârn zen rossen alle. als man mir vür wâr hât geseit, die biderben und die starken sâzen alle gewâpent ûf den marken.
566
Mit zühten sprach her Helphrîch als ein wîs man ‘edel künec von Rœmisch rîch, woldet irz âne zorn lân, einen rât riet ich iu gerne, der iu ze vrumen hulfe, her von Berne,
567
Und ouch der Ermrîche an alle sîn êre gât.’ si sprâchen alle gelîche ‘daz wære uns ein vil guot rât. nû rât an, helt mære, dâ mit wir überwinden unser swære.’
568
‘Des wil ich iu berihten’ sprach Helphrîch der degen. ‘ir sult iuch dar nâch phlihten und sendet balde after wegen zweinzic tûsent recken. jâ nenne ich iu die küenen und die kecken.
569
Ez nâhent alzan zuo der naht’ sprach her Helphrîch. ‘dar umb ich des listes hân gedâht, daz sage ich iu, her Dietrich. wir mugen Ermrîchen nimmer baz gewinnen, daz wizzt endelichen.
Haupttext der Ausgabe Ernst Martin, Berlin 1866, Druckseiten 273–326. Historische Schreibung und gedruckte Kursivsetzungen sind erhalten; der Variantenapparat ist nicht Teil dieses Haupttexts.
570
Dâ müezt ir mich selb ane manen, daz ich wâr hân. wir haben Ermrîches vanen’ sprach der unverzagte man. ‘den vüere wir ze leide Ermrîche morgen ûf die grüenen heide.
571
Alle die naht sul wir rîten’ sprach her Helphrîch ‘und hie niht langer bîten. wir suln den künic Ermrîch von êrn und von guote scheiden. nû lâzet iu mînen rât niht leiden.
572
Als ez morgen tagen welle, (nu vernemt mit guoten siten) sô sul wir Ermrîches her allez haben umberiten. wir suln des niht erwinden, Ermrîches vanen sul wir dann ane binden.
573
Und habt in iuweren sinnen, waz ich gesprochen hân. sô dan diu her beginnen von stat zogen ûf den plân und daz man welle strîten, sô sul wir hinden an die vînde rîten.
574
Sô wænet Ermrîche, wir gehœren in an. den vanen hêrliche widersitzet nieman. ahi, wie wir si danne enphetten! unser lant wir von Ermrîche retten.
575
Die mit dem vanen rîten, die sol man ûz wegen. dâ mit sol man niht bîten’ alsô sprach Helphrîch der degen. ‘ich weste ez harte gerne, wer suln si sîn?’ sprach der vogt von Berne.
576
‘Welt ir, die wil ich nennen, die iu dâ hin sint guot. ir mugt si gerne erkennen. ez sint recken hôchgemuot, edel vogt von Rœmisch rîche. ich wil ir einer sîn’ sprach her Helphrîche.
577
‘Sô sî daz ander Ortwîn, der recke hôchgemuot, und habet ûf den triuwen mîn, er ist iu zuo der reise guot. der dritte recke mære daz sî Dietleip der Stîrære.
578
Sô sî daz vierde Sindolt ein recke ûz erkorn. wir geben Ermrîch den solt dâ von muoterkint wirt vlorn. daz vümfte sî der kecke Îsolt, ein unverzagter recke.
579
Daz sehste sî her Sintram, den lâze ich hie nieht. daz sibende sî her Baltram. und kumet uns der morgen lieht, sô brüef wir herzen swære. Ermrîche mache wir vil setel lære.
580
Daz ahte sî her Blœdelîn, ein recke lobelîch. daz niunde sol von Kriechen sîn der unverzagte Dietrich. des zehenden mac ich niht vergezzen, daz sî her Nuodunc der vil vermezzen.
581
Mit uns sol ouch rîten Gotel der marcman. der hilfet uns ze strîten. dannoch sul wir einen hân, der uns die strâze leite. daz sî her Hildebrant der unverzeite.’
582
Nû hân ich iu geahtet mit ûz genomen phlegen und ebene getrahtet die vil unverzagten degen, die küenen und die ræzen. von danne huoben sich die widersæzen.
583
Sehs und zweinzic tûsent kastelân die vuortens mit in dar, diu besten diu si mohten hân. disiu mære diu sint wâr. Hildebrant der was wisære al dâ hin, geloubet mir diu mære.
584
‘Nû vüege uns got der guote, daz wir in kurzer stunt’ sprach Hildebrant der hôchgemuote ‘an einander sehen wol gesunt. sô kan uns niht gewerren.’ urloup nam Hildebrant ze sînem herren.
585
Si gâhten über gevilde alle die naht. si riten niwan die wilde. dâ si dâ heten hin gedâht, dar kômen si âne sorgen, rehte dô in lûhte der morgen.
586
Von dem here wol mîle lanc erbeizten si ûf daz wal. ir sinne wâren niht ze kranc. si leiten sich nider in ein tal, dâ kund si gesehen niemen. dâ strihten si daz harnasch mit den riemen.
587
Nû sult ir hœren âne strît, ich wil iu sagen sâ. rehte unz an vruoimbizzît lâgen si in der huote dâ. dar nâch in kurzen stunden diu starken her ûf machen sich begunden.
588
Nu lât iuch niht verdriezen und vernemet über al. sich huop ein starkez diezen und ein vreislîcher schal. berc und tal nâch krahte, dô sich daz Ermrîches her ûf mahte.
589
Dô hiez künic Ermrîch blâsen daz herhorn. daz erhôrte Helphrîch. dô sprach der recke ûz erkorn ‘nû sul wir niht langer bîten. ich sihe daz her alzan von stat rîten.
590
Nû sitzet ûf diu kastelân!’ sprach Helphrîch der wîgant. ‘wir suln niht langer hie bestân.’ ‘wer wil den vanen hie ze hant vor uns allen vüeren? wir sulen ez mit strîte vaste rüeren.’
591
‘Ich wil des vanen selbe phlegen’ sprach her Helphrîch. ‘nu gedenket, ûz erwelte degen, wie iuch mant her Dietrich. helfet weren im sîn êre. daz dient er mit guot umbe iuch immer mêre.’
592
Hie mit disem mære si nâch dem here riten. die recken lobebære die zogten mit vil senften siten unz daz si kômen alsô nâhen, daz si diu her zesamne bresten sâhen.
593
‘Habt ir gegürtet diu marc?’ sprach her Helphrîch. dô sprâchen die recken starc ‘wir sin bereit alle gelîch.’ ‘bungieret swenne ir wellet, sô sî diu vriuntschaft elliu ûz gezellet.’
594
Die helme ûf gebunden heten si zehant. Helphrîch zuo den stunden nam den vanen in die hant. er sprach ‘nû schrîet alle gelîche ahtschavelier Bern!’ daz tâten si manlîche.
595
Diu ûz erwelten castelân diu nam man mit den sporn. diu molte begunde ûf gân. dar trîben die recken ûz erkorn mit unverzagtem muote. daz kom Ermrîche niht ze guote.
596
Diu sper si schiere verstâchen ûf Ermrîches man. die schefte si zebrâchen, als ich vür wâr vernomen hân. dar nâch griffens zuo den swerten. der Ermrîches si ze grimme gerten.
597
Si begunden ûf si dringen mit vreislîchen slegen. si liezen dar clingen die starken Dietrîches degen. si striten bî den stunden, des die Ermrîches man vil tiure enphunden.
598
Si riten si dar nidere rehte alsam ein strô. si mohten sich niht gehaben widere. des wâren die Dietrîches vrô. si tâten schaden grôzen: si sluogen die angeleiten zuo den blôzen.
599
Si liezen inz enblanden, als si des twanc diu nôt. diu swert in ir handen diu wârn von bluote vaste rôt. owê, der mort was dâ niht cleine. daz bruofte allez Ermrîch der unreine.
600
Daz breite gevilde allez vol von tôten lac. helme unde schilde, als ich vür wâr wol sagen mac, die wurden dâ verschrôten. ungezalt vielen ze tal die tôten
601
Beidenthalbe nidere ûf daz breite wal. die Ermrîchs sluogen ouch hin widere. si vielen vaste âne zal. owê, daz velt lac getunget. Wolfhart des tages vaste junget.
602
Daz was ein michel wunder, daz ebene unde tal (nû merket vil besunder) lac allez vol überal. owê, dâ sturben helde guote. die tôten sach niemen vor dem bluote.
603
Herte dô wider herte vil eislîchen streit. swinde was daz geverte, alsô hât man mir geseit. owê der jæmerlichen swære! dâ wart erslagen manic recke mære.
604
Wol unz über mitten tac werte der strît. dâ was slac wider slac, dar nâch haz wider nît. den solt arnten si vil tiuwer. si sluogen rehte, daz daz wilde viuwer
605
Niht wæher ûz ir helmen vlouc, sam ez vuorte ein wint. ze vehten si dâ niht entrouc. daz beweinten wîp unde kint leider sît vil sêre. si kômen widere lebende nimmermêre.
606
Von ir slegen wæte ein schal, dâ maht gein crefte ranc, daz beide berge unde tal von ir starken slegen clanc. an dem mære ich daz vinde, ir slege wâren bitter unde swinde.
607
Dâ was niht wider kêrens an. sich hebet alrêst der strît. dô kom man wider man mit zorne an der selben zît. owê der jæmerlichen stunde, des man mit strîte alrêste dâ begunde!
608
Die schiver von den scheften vaste vlugen entwer, dâ diu her mit creften und ouch mit manlîcher ger durch einander brâchen. owê, wie si dâ sluogen unde stâchen!
609
Die ringe sich entranden und ouch die helme lieht. diu swert in ir handen (des missesage ich nieht) durch die halsperge wuoten. dâ sturben die grimmen zuo den guoten.
610
Ez wâren die besten dâ zuo einander komen. man sach daz viuwer glesten, als ich vür wâr hân vernomen, vil liehte ûz ir schilden. owê, wie si an einander zilden
611
Mit tiefen verchwunden durch manegen halsperc! niht anders sî kunden, si worhten tievellîchiu werc. man sach daz velt dâ tungen. die Hiunen sturben zuo den Amelungen.
612
Die Dietrîches degene die liezen dar gân. alsô tâten her engegene die küenen Ermrîches man. an einander si sich houten, daz velt si mit den tôten vaste bouten.
613
Ze lebene si niht gerten, daz wart dâ vil wol schîn. ez kunde von swerten ein sturm nimmer herter sîn. si stâchen, si sluogen, grôzen haz si ûf einander truogen.
614
Wol unz über mitten tac werte dirre strît, daz man anders dâ niht phlac. nû hœret an dirre zît. als der mitte tac begunde sigen zuo, dô kom ouch an der stunde
615
Der edele Bernære mit manlîchen siten und manic recke mære. si heten al den tac gestriten von ir walstat her engegene. alrêst kômn zesamne die Dietrîches degene.
616
Dâ wart unmæzlîchen grôz der starke herschal. daz gevilde allez nâch dôz, alsam tete berc unde tal. starc was ir messenîe. Hornbogen volgten schœner schare drie.
617
Welt ir nû hœren gerne, mit wem der dâ was: er diente dem von Berne, alsô uns daz buoch las. er vrumte Ermrîche grôzen schaden, daz wizzet sicherliche.
618
Die Dietrîches recken die stuonden ûf daz lant. die starken und die kecken die liezen ruowen alzehant diu ors sicherlichen. sî hiezen den sweiz ab in strîchen.
619
Die helme si ab gebunden, als man mir sagte sint. an den selben stunden, dô vuogte in got einen wint, der kuolte in ir herze. dô huop sich aber Ermrîches smerze.
620
Mit zühten sprach her Rüedegêr als ein helt guot ‘wir sulen bîten nû niht mêr, ir küenen recken hôchgemuot. bereitet iuch an disen zîten: ich sihe dort her ein starke rote rîten.
621
Dâ vor ein vane vliuget, der verret harte wol. mîn sin mich niht entriuget: ich wil râten, als man sol, daz wir uns wegen alle. man biuzt uns an mit einem starken schalle.’
622
Si gurten den marken mit willen underwant, die küenen und die starken, mit vil werlîcher hant. ûf diu kastelân si sâzen. ir rote si in dem starken sturme mâzen.
623
An den selben zîten, dô daz wart getân, dô sach dort her rîten Rüedegêr der marcman, ahi, einen recken guote, der was aller rôt von dem bluote.
624
Er selbe und sîn kastelân was allez bluotvar. solde er tûsent wunden hân, daz wil ich sprechen vür wâr, er möhte sô eislîche niht sîn gewesen, daz wizzet sicherliche.
625
Wolfhart der starke reit den selben an. der saz ûf einem marke, dem besten daz diu werlt ie gewan. ahi, daz wil ich iu nennen, daz ir ez an dem mære mugt erkennen.
626
Valke was daz ors genant, als ich vernomen hân. ez was daz beste über elliu lant, des hôrte ich jehen manegen man. als ich mich kan versinnen, des wart ouch der von Berne sît wol innen
627
In manegen herten strîten, dâ er ez inne reit. ez sweich im nie bî sînen zîten, als mir vür wâr ist geseit. heid, ez was ân mâzen stæte. ez vlouc über velt rehte alsam ez wæte.
628
Nû hœret sunderbære, waz ich iu tuon bekant. Starcher der vil mære kom Wolfharten an gerant. diu sper si beide verswanden, si wâren starc in armen unde in handen.
629
Wolfharten den recken er von dem orse stach den küenen und den kecken. dô daz her Dietrîch gesach, daz wart im harte swære. mit grimme reit dar der Bernære.
630
In twanc unmæzlîche ein grimmiger zorn. der künec von Rœmisch rîche sluoc ûf den recken ûz erkorn mit beiden sînen handen: er schiet Starchern von allen sînen landen.
631
Er wunte in harte sêre durch einen helm guot, daz dem recken hêre beidiu hirne unde bluot ûz brast dâ ze sînen ougen. er sprach ‘dû maht des slages niht gelougen.’
632
Ouch sluoc Starcher der mære, als ich iu tuon bekant, dem küenen Bernære den schilt enzwei vor der hant mit manlîcher hende. dâ mit nam her Starcher den ende.
633
Nider von dem kastelân viel er ûf daz gras: der vil unverzagte man harte schiere tôt was. von Berne der starke zôch sich alzehant zuo dem marke.
634
Ditze edel kastelân gewan her Dietrîch, als ich vür wâr vernomen hân, alrêste des tages sicherlich. ahi, ez kom im sît ze guote: ez gevreute in harte dicke in sînem muote.
635
Dar nâch in kurzen zîten (welt ir vernemen mêr) dô sâhen si zuo rîten die edelen welrecken hêr: die kecken zuo ir handen, die heten gesamnet sich von manegen landen.
636
Sîvrit von Niderlant reit in der vordristen schar. einen vanen vuorte er in der hant harte guoten, daz ist wâr. heid, jâ volgten im die kecken: er hete mêr danne drîzic tûsent recken.
637
Manec verdecket kastelân man dâ vüeren sach. welt ir, ich wil iuch hœren lân, wie der vogt von Berne sprach ‘ir mæren helde guote, nû trahtet mit unverzagtem muote.
638
Ich sihe dort her rîten vil manegen wîgant: die wellen mit uns strîten. des sît gewarnet alzehant, und râtet, liebe gesellen, wen wir der unsern an si schicken wellen.’
639
‘Wer tæte ez sô billîche’ sprach Wolfhart zehant ‘als ir, künec von Rœmisch rîche? wir vehten wan umb iuwer lant.’ dô sprach der vogt von Berne ‘ich tuon ez selbe billich unde gerne.
640
Die mir nû helfen wellen, die sitzen ûf diu marc.’ ‘wir sulen die vînde erschellen’ sprach Wolfhart der recke starc ‘daz si des sêre enphinden. wir scheiden si von wîben und von kinden.’
641
Vierzec tûsent recken die wâren nû geschart. die küenen und die kecken in liehten brünnen wol bewart, ahi, ûf diu ors si sâzen. si kêrten in gelîchen ebenmâzen
642
Und zogten under schilde aldâ hin zehant. Rüedegêr der milde sprach wider den vogt von Rœmisch lant ‘owê, ez gêt nû an ein strîten. ich sihe dort einen den tiuristen rîten,
643
Den elliu diu rîche manlîch hânt ûz erkant. ez ist sicherliche der hôhe künec von Niderlant. ahi, im volgent helde guote.’ alsô sprach Rüedegêr der hôchgemuote.
644
‘Daz ist ein grôziu vreise’ sprach her Wolfhart. ‘si geriuwet liht diu reise, daz si die starken widervart gesagent nimmer mêre. si lâzent uns hie ir lîp unde ir êre.’
645
Si zogten müezecliche vür sich ûf daz velt. die helde ellensrîche die gâben bluotigen gelt ûf der breiten heide. in geschach dâ beidenthalbe leide.
646
Dô der vogt von Berne mit sîner rote was komen, (nû sult ir hœren gerne, wie ich an dem mære hân vernomen) ahi, mit ellenthaftem muote was ouch komen Sîvrit der guote.
647
Zwischen in beiden was ez niht ze wît, daz wil ich iu bescheiden. si hielten unlange zît die edeln künege rîche. Sîvrit reit an den starken Dietrîche.
648
Zwei scharphiu sper si vuorten in ir ellens hant. mit zorne si diu ors ruorten, si kômen ûf einander gerant. si warten vîntlîche ietweder des andern sicherliche.
649
Welt ir nû hœren gerne, sô tuon ich iu bekant: den werden vogt von Berne traf der künec von Niderlant mit einem stiche swinde, als ich ez an disem mære vinde,
650
Durch den schilt vesten und durch den halsperc. von nœten muoste bresten daz herte stæline werc. er hete vil nâch den ende genomen von Sîvrides hende.
651
Wie er sich erwerte, daz tuon ich iu kunt: od waz in ernerte, daz sult ir hœren hie ze stunt. daz tete ein hemd sîdîne, daz truoc er under dem halsperge sîne.
652
Dar in vier heiltuom lâgen versigelet alle zît, diu sîn vil vaste phlâgen, swenne er reit in den strît. ich wil iuch des bewîsen, dar ûf wider want daz sperîsen.
653
Der schaft muost abe bresten von disem stiche starc. von sînen creften vesten muost sich biegen daz marc. doch sult ir hœren gerne, Sîvrides vergaz ouch niht der vogt von Berne.
654
Er traf vil williclîche mit manlîcher hant Sîvrit den künic rîche, als mir daz mære ist bekant. den helm durch beide wende stach er daz sper slehte unz an daz ende,
655
Daz man sach ze stücken die drumes zol ûf gân. dar begundens rücken die starken Dietrîches man: als tâten her engegene die unverzagten Sîvrides degene.
656
Ze sturme si sich wanden an der selben zît, si zuhten diu swert ze handen. sich huop ein grimmiger strît. owê, wie si ir leit râchen! mit den roten si durch einander brâchen.
657
Ze lebene si niht gerten. dâ wart ein suonestac. man hôrte von ir swerten manegen bitterlîchen slac ûf die helme clingen. jâ heten si ze lebene niht gedingen.
658
Swinde was ir geverte. maht gegen der sterke vaht. beidenthalbe man sich werte. der strît werte unz an die naht. owê, si stâchen unde sluogen, an einander si vil cleine vertruogen.
659
Den solt si arnten tiuwer leider ûf dem wal. daz grimme wilde viuwer sach man vliegen âne zal ûz helmen und ûz schilden. dâ gelâgen die argen zuo den milden.
660
Si sturben sunder melme vaste âne zal. si sluogen durch die helme, daz daz houbet und diu hirneschal enzwei sich allez trande. mort tâten die von Etzeln lande.
661
Die starken Sîvrides man die wâren ouch bewegen. si liezen vast dar nâher gân. swaz si erreichten mit den slegen, vür war ich iu bediute, si sluogen beidiu ros unde liute.
662
Si liezen inz enblanden, grimmic was ir zorn. die ringe si entranden, die starken recken ûz erkorn. si houten tiefe wunden, die dar nâch wurden nimmermêr gebunden.
663
Si bruoften grôzen smerzen. grimmic was ir nît. si wâren hertes herzen. si vâhten einen starken strît. vür wâr ir daz geloubet: si sluogen durch diu hersnier ab diu houbet.
664
Daz sagte man mir sidere, die wîle der tac schein, unz ûf den gürtel nidere den lîp und ouch daz ahselbein houwen si begunden. daz wâren ungefüege tiefe wunden.
665
Man sluoc dâ eteslîchen gar ob der gürtel abe, daz wizzet sicherlichen. sich ringte Sîvrides habe, er vlôs dâ edele recken. sich gulten ouch vil tiure dâ die kecken.
666
Si enwolden niht entwîchen beidenthalben dan. si liezen dar strîchen baz danne ich iuz gesagen kan. mort tâten die vil kecken. man sach die gêre in den halspergen stecken,
667
Daz ez dâ zuo dem herzen hinden ûz brast. owê des grôzen smerzen! dâ starp manic werder gast. vil cleine was ir barmen. man sach manegen wunt in houbet unde in armen.
668
Was daz niht ein wunder diu nôt diu dâ geschach? nû merket vil besunder, manegen man dâ rîten sach, dem houbet unde zende allez was enzwei, dar zuo ab die hende.
669
Der jâmer was manicvalt, michel was diu nôt. owê, dâ sturben helde balt. daz breite velt daz was rôt. owê, überal von bluote. da gelâgen ûz erwelte degene guote.
670
Dirre sturm werte die naht unz an den tac, daz man niht anders gerte niwan daz man vehtens phlac. owê, dô was vil cleiniu wunne. als des morgens ûf gie diu sunne,
671
Dô lebte dâ nieman, daz sage ich iu vür wâr. der zweier rîchen künege man die wâren tôt alle gar: ir lebt wênic bî den stunden. dennoch si des sturmes niht erwunden.
672
Her Sîvrit und her Dietrîch die wâren ûf dem wal zesamne komen sicherlich. ungehiuwer was der schal, der dâ clanc von ir swerten. mit nîde se beide an einander gerten.
673
Die edeln recken milde, daz ist mir wol bekant, die heten die schilde gar gehouwen von der hant. si vâhten sam si wunnen. diu ougen in vor zorne rehte brunnen.
674
An einander si dâ muoten mit slegen, daz ist wâr. die halsperge rehte gluoten von der hitze sunderbâr. daz mac ich unsanfte lîde: heizer tunst der rouch ûz ir lîbe.
675
Die slege ungehirmlichen clungen ûz ir hant. si liezen dar strîchen die küenen recken ûz erkant. si getorste niemen scheiden, ez mohte ouch niemen komen zuo in beiden.
676
Si wâren bêde tumbe und grimmic gemuot, si triben einander umbe die hôhen edeln recken guot. der sweiz von in schræte, ein swinder wint von ir swerten wæte.
677
Si werten lange an ir wer, als mir daz buoch ist kunt. durch daz creftige her sluogens vier und drîzec stunt. vil wît wârn ir gazzen. si begunden mit slegen einander vür vazzen.
678
Si vâhten mit einander hie ein harte lange zît, daz si sich geschieden nie. harte swinde was der strît. doch kom ez zuo den stunden, ê daz si des strîtes vol erwunden,
679
Dô hete der von Berne den künec von Niderlant, welt ir ez hœren gerne, gevetelt vür mit heldes hant. er sluoc die slege vreislîchen, her Sîvrit muoste allez vor im wîchen.
680
Dô in her Dietrîch brâhte wider an die walstat, der Bernær gedâhte, als man mir gesaget hât, und lief dar an der stunde, als er immer allermeiste kunde.
681
Harte crefticlîche sluoc er einen slac Sîvride dem ellens rîchen, daz er nider vor im gelac gestrahter in dem schilde. sigelôs wart der küene und der milde.
682
Dô der herre Dietrîch den andern slac dar bôt, her Sîvrit der lobelîch rief vil lûte, des gie im nôt, ‘edel künec von Rœmisch rîche, lâ mich leben, sô tuost dû vürstenlîche!’
683
Den guoten Palmungen er dem vogt von Berne gap. des het er in betwungen. er liez in leben, als er in bat. iedoch sprach her Dietrîch mit sinnen ‘her Sîvrit, ichn lâz iuch niht komen hinnen.’
684
Er bevalch in sehs recken hie an dirre zît. die huoten des kecken. her Dietrîch kêrt widr in den strît mit ahttûsent helden guoten. ein starkez her kom mit dem milden Fruoten.
685
Des wâren sehzehn tûsent man, als mir ist geseit. die rante der starke Nuodunc an mit manegem degen unverzeit. owê, sich huop an den zîten zwischen in ein grimmigez strîten.
686
Fruote von Tenemarken vuort einen vanen breit. sich huop von dem starken beidiu nôt und arebeit. von stat si dors sprancten, diu sper si vil müezeclîchen sancten.
687
Nuodunc der mære der reit Fruoten an. hie mit ich daz bewære, dâ kom man wider man mit grimmigem muote. dâ liezen si die zageheit ûz der huote.
688
Diu sper si verstâchen, dâ huoben si mit an. die schefte si zebrâchen. dô wart langer niht verlân, si ruhten zuo den swerten. mit dem grimmen tôde si an einander werten.
689
Vil rehte man nû merke, waz ich sagen wil. diu craft vaht gegen der sterke. dâ geschach schaden harte vil, mit strîte si sich wurren, diu ors von den stichen sêre kurren.
690
Die küenen recken milden, die vehtens niht entrouc, die sluogen daz ûz den schilden und ûz den helmen viuwer vlouc. die halsperge vesten die muosten vor ir grimmen slegen bresten.
691
Si begunden sêre koufen daz Ermrîches golt. die tôten lâgen ze houfen. verteilet müeze sîn der solt, den si dâ enphiengen! der recken slege gar ze verche giengen.
692
Man hôrt die slege hellen ûf manegem helme lieht. die starken und die snellen die schônten an einander nicht. si wurfen, si stiezen, mit den swerten si die tiefen wunden miezen.
693
Mich nimt des immer wunder, wie si ez mohten erwern. ir slege sô besunder muosten ûz von beine swern. mit grimme si daz wal trâten, dâ si sich des lebens bewegen hâten.
694
Dâ was nôt und ungemach leider âne zal. die tôten man vallen sach von den orsen ûf daz wal. die jungen und die alden, ez sturben dâ die tumben zuo den balden.
695
Swaz iu von herten strîten ie wunders ist geseit bî iemannes zîten, daz ist ein cleiniu arebeit wider disen sturm starken. si vielen ungezalt von den marken.
696
Die den mort dâ tâten, die sint mir wol bekant, die sich des bewegen hâten, daz si bürge unde lant nimmermêr wolten beschouwen. si begunden êrst die herten ringe houwen.
697
Die halsperge sich lôsten von ir herten slegen. ich enweiz wes si sich trôsten. die vil unverzagten degen die vâhten sam ez brünne, dâ was niwan wê und lützel wünne.
698
Daz starke wilde viuwer ûz ir helmen spranc. ir slege wârn ungehiuwer, grôzer zorn si des twanc. swen si mohtn erlangen, umb den was ez alzehant ergangen.
699
Der grimme zorn wahte ûz ir herzen grunt. si sluogen daz ez krahte, daz ist mir endelîchen kunt. diu swert clungen in ir handen, mit slegen si die liehten helme entranden,
700
Daz si sich muosten klieben unz ûf die patwât. die leiden zuo den lieben, als man mir gesaget hât, die gelâgen dâ tôte. si gulten sich bêdenthalbe vil genôte.
701
Herte der sturm was, als ich vernomen hân. man sach bluomen unde gras mit bluote allez enouwe gân. die helme und die schilde die lâgen ungezalt ûf der vilde.
702
Slac dâ wider slac gelac hin unde her. si striten allen den tac. wâ geschach daz iemêr? si tâten schaden herten, beidenthalben si sich manlîch werten.
703
Nuodunc der guote kecklîchen vaht, und gegen im der milte Fruote. der strît werte unz an die naht. nu geloubet mir diu mære, her Dietleip der edele Stirære
704
Der hete mit heldes muote einen recken bestân. Marke hiez der guote. er was ein ûz erwelter man in stürmen unde in strîten. er begie vil manic wunder bî sînen zîten.
705
Von Alzey her Volkêr den bestuont her Paltram. daz wâren zwêne recken hêr, als ich vür wâr vernomen hân, mit lîbe und mit guote. si wâren unverzaget in ir muote.
706
Von Lunders her Helphrich, daz tuon ich iu bekant, der kom harte manlîch an einen recken gerant. des namen wil ich iu nennen, daz ir in an dem mære muget erkennen.
707
Er was von Pârise, Baldunc sô hiez er. er warp nâch hôhem prîse, dar zuo was im harte ger. owê, die zwêne helde mære die sluogen ûf einander slege swære.
708
Gotel der marcman der bestuont mit ellens hant einen recken lobesan, des name ist mir wol erkant. Wikêr was er genennet, den man in manegem strîte wol erkennet.
709
Îrinc der mære mit manlîchen siten der kom sunderbære an einen recken geriten, der hiez Hiuzolt von Grüenlande. owê, niht guotes leider in dar sande.
710
Blœdelîn der kecke, als mir daz mære ist kunt, den bestuont ein recke mit starker craft an der stunt. ich wil des niht vergezzen, Sturmholt hiez der vil vermezzen.
711
Von Swangöu was er geborn. er hete an sîner schar zwelf tûsent recken ûz erkorn: daz ich iu sage, daz ist wâr. owê, die nâmen dâ den ende allermeist von Blœdelînes hende.
712
Nû hœret starkiu mære, diu ich iu tuon bekant. Walther der Lengesære der bestuont mit ellens hant Heimen den vil starken. si sâzen bêde ûf zwein guoten marken.
713
Von Kriechen her Dietrîch den bestuont an der zît ein edel recke lobelîch. nû sult ir hœren âne strît, wie der ist geheizen. den sach man dâ tiefe wunden meizen.
714
Bitrunc von Môrlande hiez der volcdegen. vil wol man in bekande. er was ein vürste ûz gewegen mit manlîchem ellen, ich künd iu sîn tugent nimmer vol gezellen.
715
Îsolt der guote der bestuont mit ellens hant, der küene hôchgemuote, einen recken ûz erkant. der hiez Gêrolt von Sahsen. er was mit starken strîten wol gewahsen.
716
Von Salnike her Berhtram den bestuont ein recke guot, den ich genennen vil wol kan: Sigehêr hiez der hôchgemuot. er was von Zæringen, er hete zuo dem lebne niht gedingen.
717
Nû hœret disiu mære, waz dâ die recken tuont. Wolfhart der lobebære einen recken dâ bestuont, den küensten und den besten, den si über beidiu her dâ inder westen.
718
Von Norwæge hiez er Buozolt, als mir ist geseit. der was den Hiunen niht ze holt: des kômen si in arebeit. Buozolt und Wolfharte die kômen gein einander wol gescharte.
719
Rüedegêr von Bechelæren, als ich hân vernomen an disen starken mæren, was her gegen im bekomen der marcgrâve Balther von Etzelingen. dô huop sich ein vreislîchez dringen.
720
Hildebrant der alde, als mir ist gesaget, der küene und der balde, den bestuont ein recke unverzaget, Tibân von Gurdenwâle. sich huop ein grôzer sturm bî dem mâle.
721
Von Antioch her Imiân, ein mærer helt guot, den bestuont, als ich vernomen hân, ein rîcher vürste hôchgemuot. der was vermæret wîten, den man dâ wol erkande in allen strîten.
722
Daz was von Wurmz Gunther, als mir gesaget ist. mit vil manlîcher wer was er ein recke ze aller vrist. der edele künic hêre pruofte den Hiunen manic herzen sêre.
723
Den unverzagten Gêrnôt bestuont her Eckewart. des gelac dâ manic helt tôt. des sî vervluochet diu vart, die si in Rœmisch lant ie getâten! Ermrîch der hete si alle verrâten.
724
Nentwin von Elsentroye der kom ouch in den strît. den bestuont mit grôzer schoye Wolfkêr der starke bî der zît. ahi, zesamne kômen dô die kecken. des sturben dâ die küenen welrecken.
725
Ruodwin von Treisenmûre der kom dort her geriten. den huop ouch vil untûre (nû vernemet mit guoten siten) vehten ze allen stunden. dem hân ich einen geverten vunden.
726
Den wil ich iu nennen, ob ir ez hœren welt, daz ir in muget erkennen. Friderich hiez der helt: er was von Sêlande, den man in vremden landen wol erkande.
727
Her Stuotfuhs von Rîne (nu vernemet âne zorn ûf die triuwe mîne) den bestuont ein recke ûz erkorn, des ich niht mac vergezzen: Sigemâr sô hiez der vil vermezzen.
728
Er was dâ ze Engellande ein gewaltic künic rîch. zweinzec tûsent wîgande die wârten im dâ volleclîch. owê, die wurden erslagen sidere, der kom nie deheiner lebendec widere.
729
Von Brûnswic Tirolt ein vürste was genant. dem wârn die Hiunen niht ze holt. an den kom her Sigebant. ahi, die wâren küene beide, si gelâgen ouch sît tôt ûf der heide.
730
Nû wil ich vürbaz setzen, als mir ist kunt getân. Ortwîn von Metzen, der bestuont einen küenen man. der was lantgrâf dâtz Düringen. der liez ouch mit strîte dar clingen.
731
Der was geheizen Markis, ein recke unverzagt. in herten stürmen was er wîs, alsô hât man mir gesagt. er kunde wîse ræte: er was starc milde unde stæte.
732
Sindolt der mære reit Witegouwen an. vil wol ich daz bewære, si wâren zwêne kecke man. do bestuont Witegîsen Berhtramen, den küenen und den wîsen.
733
Welt ir nû hœren gerne, sô wil ich iuch wizzen lân, wen der vogt von Berne in dem sturme sol bestân. ahi, daz wil ich iu mezzen, des enwil ouch ich nû niht vergezzen.
734
Ahi, daz ist von Sahsen der küene Liudgast. des ellen was gewahsen, daz im dar an niht gebrast bî allen sînen zîten. daz het er wol erzeigt in manegen herten strîten.
735
Von Mîssen her Liudgêr ouch niht sus beleip: Bitrolf der marcgrâve hêr bestuont in, als mir ist geseit. der lantgrâve Uolrîch von Tegelingen, den wil ich brüeven ouch ze disen dingen.
736
Den bestuont her Albrant, ein ûz erwelter degen. ich tuon iu rehte daz bekant, dâ wâren recken vil bewegen lîbes unde guotes, in dem strîte zorniges muotes.
737
Nû sult ir merken ebensleht, sô tuon ich iu kunt. von Bruoveningen Norpreht der bestuont an der stunt einen edelen vürsten rîchen in scharphen strîten vil behagenlîchen.
738
Môrunc was er genant, als ich vernomen hân, ein werder recke ûz erkant. des muoste im jehen manic man, daz er daz beste tæte. er kunde ouch die wîslichen ræte.
739
Von Sibenbürgen Marholt der kom ze voller zît. der was Ermrîche niht ze holt. nû sult ir hœren âne strît, Gêrhart der hôchgemuote der kom dar, daz was ein helt guote.
740
Nu hân ich iu gemezzen die ellenthaften degen, und niemens dâ vergezzen, die dâ wol strîtes mohten phlegen. nû gêt ez an ein strîten, daz maneger dâ des urteils muoz erbîten.
741
Zesamne si staphten die recken ûz erkorn. vîntlîchen si kaphten. sich huop ein grimmiger zorn. diu scharphen swert si vuorten, alrêste si ez manlîchen ruorten.
742
Zesamne si drungen, der sturm der wart starc. die liehten helme erclungen, vaste kurren diu marc. si houten tiefe wunden. sich huop ein grôzer wuof bî den stunden.
743
Man sach daz viuwer glesten ûz den swerten guot. die helme muosten bresten, dar ûz schræte daz bluot. ez enwart nie strît sô herte. harte jæmerlîch was daz geverte.
744
Ûf der heide wîte worhten si diu starken werc. in dem starken strîte wart vil manic halsperc durchhouwen und durchschrôten. dâ gelac harte vil der tôten.
745
Dâ sturben helde guote und recken ûz erkorn. si wuoten in dem bluote an maneger stat unz über die sporn. si wurben nâch des tôdes ende. ir wâfen vaste sniten in ir hende.
746
Dô schrîren die hie wâfen vaste ûf dem wal: sô wâren die entslâfen, die âhten cleine ûf den schal. owê der jæmerlîchen swære! lûte rief dô Wolfhart der mære
747
‘Wir suln daz velt vüllen hiute mit den scharn, daz man mit den züllen ûf dem bluote müeze varn. ahi, dâ sih ich mîn tunge!’ alsô sprach Wolfhart der junge.
748
Die starken Hiunen alle die liezen dar gân in dem sturm mit schalle. daz viuwer ûz ir helmen bran sam ez ein blâsbalc blæte. daz bluot immer nâch den slegen schræte.
749
Lungel unde herze muoste enzwei gân, daz was ein grôzer smerze. dâ vaht man wider man sam si der tiuvel vuorte. ahi, wie ez Wolfhart dâ ruorte!
750
Diu barmunge was cleine diu zwischen in dâ was. velt unde steine, dar zuo bluomen unde gras was allez rôt von bluote. nû riuwent mich die edelen helde guote.
751
Der schal von ir hande der was unmâzen grôz. man sach ûf dem lande der erde harte wênic blôz. diu rote an einander muote. diu heide was swarz dâ si ê bluote.
752
Man sach die schilde vliegen vaste von ir hant. uns welle daz buoch liegen, die halsberge wurden ouch entrant vil vaste und vil sêre, daz si ez überwunden nimmer mêre.
753
Man sach daz bluot rinnen vaste über velt. als ich mich kan versinnen, dâ was vil jæmerlîch der gelt. si sluogen, si stâchen, ine weiz waz si an einander râchen.
754
Die liehten herten helme die mohten niht gestân. die recken sunder melme die ranten vaste einander an. diu ors sich muosten biegen, man sach daz viuwer ûz den swerten vliegen.
755
Si gelâgen vaste under beidenthalbe dâ. nû merket ditze wunder, ez geschach nie anderswâ ein sturm alsô herte. die liehten halsperge man verscherte.
756
Arme unde hende die wurden hin geslagen. ê daz der sturm næm ende, ich wil iu endelîchen sagen, si sturben et alle geliche. grôzen schaden nam dâ Ermrîche.
757
Beidiu ebene unde tal was vil nâch allez vol mit den tôten über al. ich enweiz waz ich iu sagen sol. si muosten et alle belîben. owê der mære diu ir schœnen wîben
758
Sît kômen heim ze lande! daz was ein michel clagen. si wurben nâch dem phande, dâ von ir noch hœret sagen. daz kom et allez von Ermrîchen. des müeze im got an dem urteile geswîchen!
759
Und gewinn sîn nimmer ruoche weder dort noch hie! daz ich im alsô vluoche, daz moht ich gelâzen nie. jâ muost von sînen schulden manic man den grimmen tôt dulden.
760
Si liezen dar strîchen die recken hôchgemuot. si wolten niht entwîchen einander, daz was niht guot. des muosten si dâ sterben. si wolden beidenthalben ruom erwerben.
761
Si begunden vaste grimmen mit slegen durch unde durch und ûf einander limmen. man sach velt unde vurch allez sweben mit bluote. da gelâgen ûz erwelte recken guote.
762
Si wurden gerochen sidere die dâ lâgen tôt ûf dem wal. sô vielen dâ drîzec nidere von den orsen ze tal, der ân houbet, der ân hende. si nâmen alle jæmerlîchen ende.
763
Vaste schrei her Wolfhart, als ich hân vernomen. der was mit grimmiger vart her wider durch die vînde komen. owê, der edele helt guote der was aller rôt von dem bluote.
764
Beidiu helm unde schilt daz was zerhacket gar. er was mit wunden gezilt, disiu mære diu sint wâr. er hete ouch sich vergolten, grôzen jâmer si von sînen handen dolten.
765
Die jungen und die alden die mohten niht mê. die starken und die balden den geschach von slegen wê. vil michel was ir swære. nû sult ir hœren diu vil starken mære.
766
Die schar zesamne drungen vaste ûf dem wal, die alden und die jungen. harte michel was der schal. bewegen si sich hâten, ein swindez phat si mit den vüezen trâten.
767
Si wâren strîtes vlîzec dort und ouch hie. sô vielen dâ wol drîzec. solh wunder gesâht ir nie bî allen iuwern zîten. ez gie alrêst an ein hertez strîten.
768
Diu nôt diu was manicvalt von ir slegen starc. dâ sturben die helde balt, dar zuo diu ûz erwelten marc. owê der jæmerlîchen leide! da gelâgen recken tôt ûf der heide.
769
Die tiefen wunden herte die wurden dâ geslagen. niemen den andern nerte. mîn viere mohten niht gesagen die nôt noch daz wunder. ir gelac dô beidenthalp vil under.
770
Si stâchen, si miezen die edelen brünne lieht mit swerten und mit spiezen. einer schônte des andern nieht. des muosten si verderben und des grimmen tôdes dâ ersterben.
771
Ez geschach bî niemens zîten ein mort alsô grôz in allen herten strîten. die gêre man durch die brünne schôz, daz si in dem lîbe stahten. den grimmen zorn si ûz ir lîben wahten.
772
Welt ir nû hœren gerne, waz wunders dâ begie der werde vogt von Berne, daz wil ich iu bescheiden hie. daz ist mir ein kundez mære, zwei tûsent man sluoc dâ der Bernære.
773
Der edele vürste mære, alsô mir ist bekant, der rîche Bernære der rette vaste sîniu lant vor dem künege Ermrîche. sîniu leit diu rach er williclîche.
774
Lîbes unde guotes wâren si bewegen. manlîches muotes sach man die ûz erwelten degen. si striten mit grimme, als ich mich an dem mære versinne.
775
Welt ir nû gerne vernemen daz mære an dirre zît, sô mac iu harte wol gezemen: ich wil iu sagen, wie der strît ein ende nam ze leste. dâ sturben beide vriunde unde geste.
776
Unz an den einleften tac werte dirre strît, als ich vür wâr wol sagen mac. diu vil starke heide wît lac elliu vol von tôten. dâ wurden helme und schilde vil verschrôten.
777
Diu ûz erwelten kastelân gelâgen ouch dâ tôt. als ich vür wâr vernomen hân, daz velt was über al rôt von maneges mannes bluote. da verdurben ûz erwelte recken guote.
778
Nû merket vil besunder an disen mæren ouch, was daz niht ein wunder? der tunst von ir lîben rouch in allem dem gebære, sam ob ieslîcher an gezündet wære.
779
Ich gehôrt bî mînen zîten an buochen nie gelesen, in allen landen wîten ist nie kein strît sô herte gewesen sam der ze Raben sicherliche. des müeze got verteilen Ermrîche!
780
Mich muoz des immer wunder hân, wie siz erwerten ie. daz selbe spricht noch manic man, man vrâget dort unde ouch hie, wie si daz ie erwerten daz lange vehten mit den scharphen swerten.
781
Swinde was daz geverte ûf der heide breit. die liehten helme herte man mit swerten gar durchsneit, daz daz bluot muost dar ûz rinnen, als ich mich an dem mære kan versinnen.
782
In disem sturme vreislîch der dâ gie entwer, dô kom der herre Dietrîch gedrungen bitterlîch dort her. der edele und der ziere den heten bestanden edeler recken viere.
783
Si liezen ûf in dringen mit slegen âne zal. michel was daz clingen, daz velt allez nâch erhal. si striten sam si tobten. bewegen wâren die hôchgelobten.
784
Der edele künec von Rœmisch lant houwen began. er frumt dâ nider ûf den sant manegen unverzagten man, tôte unde wunde, daz iu daz nieman vol gesagen kunde.
785
Sînen schaden rach er tiuwer mit eislîchen slegen. er sluoc vil ungehiuwer ûf die Ermrîches degen. er rach sich an in sêre, daz si ez überwunden nimmer mêre.
786
Fruote von Tenemarke mit grimme dort her gie mit eime sturme starke. solhes wunders gesâht ir nie als von sînen handen. in widersâzen sêre die von Hiunisch landen.
787
Er truoc in sîner hende ein wâpen alsô breit. dâ von nam den ende vil manic recke gemeit. er lie dar nâher strîchen, er kom mit slegen an den starken Dietrîchen.
788
Die zwêne recken milde küene und ûz erkant die liezen die schilde und nâmen diu swert in bêde hant. si gunden an einander loufen. dô wolden si ir leben beide verkoufen.
789
Mit grimmigem muote sluogen si dar. die vrechen helde guote die nâmen vîntlîchen war, wâ si treffen kunden. si vâhten grimmeclîche bî den stunden.
790
Man hôrte ir slege hellen über berc und über tal. die küenen und die snellen die sluogen vaste âne zal daz in daz viuwer lûhte. nune weiz ich, wes den Bernære bedûhte.
791
Sô er almeiste mohte, an Fruoten er dô lief. er tete als im getohte. er holte ûz sînem herzen tief einen slac sô herticlîchen: des enkalt vil sêre Fruote der rîche.
792
Er traf in mit dem swerte vaste sunder melm reht dâ er sîn gerte ûf den liehten guoten helm. des slages mohte er niht gelougen. im spranc daz bluot ûz beiden sînen ougen.
793
Nû merket rehte waz ich sage. dô der slac was ergân, (hier an ich iuch niht verdage) Fruote der unverzagte man der begunde zehant vallen. daz erbarmte sêre sînen recken allen.
794
Er hete den künic hêre sô sêre nider geslagen, daz er dar nâch immer mêre muoste mære dâ von sagen. ez was vil nâch gewesen sîn ende. er rahte dem Bernære beide hende.
795
Daz erbarmte alsô sêre den künec von Rœmisch lant. er sûmte sich niht mêre, er zuhte in ûf sâ zehant. vor dem tôde er in nerte: er stuont über in selbe unde werte.
796
Nû wizzet sicherliche, und wær des niht gewesen, Fruote der rîche wære nimmermêr genesen vor Dietrîches recken. alsô nerte her Dietrîch den kecken.
797
Den tugenthaften Fruoten bevalch er al zehant, den milten und den guoten, dem unverzagten Hildebrant. daz tete der Bernære umbe daz daz er ân angest wære.
798
Nû sult ir hœren gerne noch mêre an dirre zît. der werde vogt von Berne kêrt aber wider in dem strît. ahi, er liez imz wol enblanden, er gap daz edel swert ze beiden handen.
799
Gelîche einem wurme werte noch sîn craft. in dem herten sturme erzeigte er sîne meisterschaft. er vaht vil menlîchen, er wold in dem sturme niemen entwîchen.
800
In den selben zîten dô sach her Dietrîch zwêne recken dort her rîten. do begunde er gâhen sicherlich. owê, dô sach er an den stunden den einen recken harte sêre wunden.
801
Wer der selbe wære, den er dâ wunden sach, daz ist mir ein kundez mære. alsô uns daz buoch verjach, owê, jâ was ez sicherliche von Lunders der starke Helphrîche.
802
Der in dâ hete bestanden, daz was ein helt guot, unverzaget ze sînen handen. Môrunc hiez der hôchgemuot. owê, jâ hete er Helphrîche ze tôde erslagen, wan daz ez wande her Dietrîche.
803
Dem edelen Bernære dem wart unmâzen gâch, dô er sunderbære Helphrîchen in den nœten sach. owê, dar lief der ûz erkorne: er nam daz swert mit grimmigem zorne.
804
Als er almeiste kunde, sluoc er einen slac Môrungen an der stunde, daz er gestrahter vor im lac. owê, dô nâhent im der ende. er sluoc in durch den helm unz ûf die zende,
805
Daz der recke milte ê tôt gelegen was. er gelac in dem schilte leider tôt ûf dem gras. owê der grôzen herzenswære! dise nôt klagte der Bernære.
806
Alsô der recke Môrunc den lîp hete verlorn, daz wold mit triwen ein recke junc rechen biderbe und ûz erkorn: daz was Môrholt von Îrlande. an den starken Bernære er rande
807
Mit einem guoten marke, als mir gesaget ist. Môrholt der vil starke der schôz an der selben vrist ûf den Bernære (daz was im komen nâch ze grôzer swære)
808
Mit einem scharphen gêre unmæzlîchen breit, der ze beiden ecken sêre und vil vreislîchen sneit. nu geloubet mir diu mære, dô nerte got den edelen Bernære.
809
Der werde vogt von Berne der was ouch an in komen. er wolt sich rechen gerne, ze beiden handen het erz swert genomen. er was erzürnet sêre, daz überwant Môrholt nimmer mêre.
810
Er sluoc in ob dem satelbogen durch den halsperc, des enhân ich niht gelogen. er schriet in tiefe in daz verch, daz er bî der stunde von der stat kom nimmermêr gesunde.
811
Gunther von Rîne mit einer breiten schar, ûf die triuwe mîne, der was ouch nû komen dar. owê, der vuorte die vil kecken, die wâren zuo ir handen welrecken.
812
Rüedegêr der marcman und ouch her Dietrîch die ranten Guntheren an mit manegem recken lobelîch. owê, dô gie ez an ein houwen: daz beweinten sît die vil schœnen vrouwen.
813
Diu sper si ûf stâchen mit creften, daz ist wâr, die schefte si zebrâchen beidenthalben in der schar. mit grimme si dar ruhten, mit zorne si diu scharphen swert zuhten.
814
Alrêst wart herte der strît, daz wizzet sicherlich. zesamne truoc si der nît die hôhen recken ellens rîch. si bewâgen sich des guotes, si wâren ûf einander grimmes muotes.
815
Alrêst kômen mit schalle zesamne diu her. die küenen recken alle die griffen vaste zuo der wer. mit grimmigem zorne vâhten êrst die recken ûz erkorne.
816
Si liezen dar clingen mit eislîchen slegen. michel was daz dringen von den recken ûz gewegen. owê, sich huop alrêst ein strîten. man sach daz bluot in tal unde in lîten
817
Harte vaste rinnen hin unde her. si striten âne sinnen, in was zuo zeinander ger. owê, vil michel was diu swære, si machten alrêst manegen satel lære.
818
Bluotic wart diu heide von maneges mannes bluot. owê der grôzen leide! mich riuwet manic helt guot, der dâ nam den ende. nû bitet alle, daz got Ermrîch schende!
819
Gelîche si sich wâgen vür unde wider. tôt si gelâgen ûf dem wale leider sider. vil michel was diu vreise, des wart sît vil manic armer weise.
820
Diu swert von ir handen entwer vaste vlugen. ze strîte si sich wanden, diu scharphen wâfen si zugen. si sluogen durch die ringe. niemen ich sîn leben ûz dinge.
821
Si sluogen durch diu houbet diu hirne rehte enzwei. vür wâr ir daz geloubet, vil lûte dô maneger schrei. owê, der jâmer der was veste. dâ sturben die vriunde und die geste.
822
Si worhten bî den stunden tiuvelischiu werc. si sluogen tiefe wunden durch manegen herten halsperc. ez wart bî niemans zîten sô manic man erslagen in sturme und in strîten.
823
Si striten alsô lange her unde hin. si wurben mit getwange umb einen jæmerlîchen gwin. si sluogen ûf einander vaste. daz wilde viuwer von ir ougen glaste.
824
Ze lebene niemen gerte ûf des strîtes zil. manegen man dâ werte der starken wunden alsô vil. nît si ûf einander truogen, die swinden slege si grimmeclîchen sluogen.
825
Durch helm und durch hirnschal wurden slege dar geslagen unz ûf den drüzzel ze tal. dâ was wuofen unde clagen, diu sper durch herze gestochen, die gêre in tiefen wunden ab gebrochen.
826
Nâch des tôdes ende wurben si zehant. mit manlîcher hende si satzten diu vil swaren phant, diu erlôst wurden nimmêre. nû riuwent mich die edelen recken hêre.
827
Nû vernemet mit guoten siten, waz ich iu sagen mac. diu her heten mit einander gestriten rehte unz an den zwelften tac. reht an dem zwelften morgen (disiu mær sag ich iu unverborgen)
828
Dô wâren bêdenthalben diu her vil nâch erslagen. si muosten sich mit bluote salben die küenen recken zuo den zagen. owê der starken unmuozen! diu ors wârn tôt, dô striten si ze vuozen.
829
Herte wider herte gie dâ vaste entwer. swinde was daz geverte. die vâhten hin, sô dise her. owê, der solt wart jæmerlîche von dem unverzagten Dietrîche.
830
Mit grimmigem zorne huop sich der schal. die recken ûz erkorne die tungeten vaste daz wal mit manegem edeln tôten dâ wurden hende und houbet ab geschrôten.
831
Leit was Ermrîche, michel was sîn clagen. er rief gewalticlîche, als ich iu nû wil sagen ‘nû wol ûf, al die mînen! ir slahet Dietrîchen unde al die sînen!’
832
Sturmgêr der mære ze Ermrîchen sprach ‘ûf den Bernære sol niemen wesen ze gâch. jâ hât er vil noch recken, die werent sich, der starken und der kecken.’
833
Dô sprach der künic Ermrîch als ein witzic man ‘weiz ab iemen sicherlich, wie vil mac Dietrîch noch liute hân?’ dô sprach mit gewalde her Heime der starke und der balde
834
‘Wil dû daz hœren gerne, künic Ermrîch, ez hât der vogt von Berne wol vierzictûsent volleclîch: ahi, und sint daz die besten, in herten strîten die vil nôtvesten.’
835
‘Daz wære ein michel wunder unde ein starkez dinc’ sprach Ermrîch besunder. ‘wer solt mit in hân gerinc? owê, so ist mîn her gar ze cleine. sô gebâr wir gein in gar ze seine.
836
Si sigent mit gewalde vaste gegen uns dort her. nû schaffet daz, helde balde, der sturm gêt iezuo vaste entwer. nû wert iuch wîcræzen: uns bestênt die küenen widersæzen.’
837
Heime und Witegîsen die heten in ir phlegen, des wil ich iuch bewîsen, wol ahzehen tûsent degen. ahi, daz wâren helde stæte, die sluogen durch die ringe daz daz bluot ûz schræte.
838
Heime und Witegîsen die leiten die schar. nû wil ich iuch bewîsen, wer gegen in kom, daz ist wâr. daz tet Rüedegêr der milde, dem volgten sehzehen tûsent schilde.
839
Si truogen in ir handen manegen starken gêr. vil wênic si bekanden barmunge noch herzen sêr. ahi, die küenen unbetwungen harte vaste gein einander rungen.
840
Her Heime der mære, daz tuon ich iu bekant, der truoc sunderbære Ermrîches vanen an der hant. die schilde si bî riemen viengen, beidenthalbe si ze vüezen giengen.
841
Heime und her Rüedegêr liefen an einander an. gebiten wart dâ nimêr, dâ wart wunder getân. ahi, zesamne si dô stiezen, grimmeclîch si ûf einander miezen.
842
Ez mohte vor ir herten slegen der stahel niht gestân. si begunden diu bot legen mit starken wunden vreissân. ahi, die recken ellens rîche die sluogen ûf einander tiuvellîche,
843
Daz vil vaste daz bluot durch die ringe dranc. si heten zornigen muot. der strît was âne mâze lanc. an einander si vil cleine schônten, mit tiefen wunden si vil vaste lônten.
844
Si sluogen durch die ringe rehte daz ez bran. niemen ich ûz dinge, dâ starp man wider man. die halsperge sich entranden, daz bluot ran in nider an den handen.
845
Dirre strît herte wert unz ûf mitten tac. Heime der starke sigelôs dô gelac. sîner ahzehntûsent manne der kômen wan zwelfe dô von danne.
846
Si lâgen unbescholten, daz wil ich iu sagen. si heten sich vergolten und vil sêr hin wider geslagen. ez gelâgen dâ die kecken, ez lebten wan sehzic Rüedegêres recken.
847
Heime daz wal rûmte, dô er den sic het vlorn. niht langer er sich sûmte, hin vlôch der recke ûz erkorn. er sagte Ermrîche ‘wir sin sigelôs worden sicherliche.’
848
Wernher von Wernhers marke der sûmte sich niht mêr. zehen tûsent recken starke die volgten dem vürsten hêr. owê, die wolten Ermrîche helfen ûf den küenen Dietrîche.
849
Si drungen mit schalle ûf den breiten plân neben einander alle. vaste gâhen man began. owê, dâ huop sich ein strîten. si kômen zesamne an einer lîten.
850
Wer gein Wernhere kom an der vart, daz wil ich iuch wizzen lân. daz tete der starke Wolfhart und mit im zehen tûsent man. heiâ, daz wâren die vil kecken. dô kômen alrêste zesamne welrecken.
851
Die liezen inz enblanden, als mir ist geseit, dem herzen und den handen. zorn wider zorn dâ streit. owê, des enkulten si vil tiuwer, ir slege wâren swinde und ungehiuwer.
852
Si sluogen durch die kophe und durch die helme lieht. si vielen als ein hophe, des missesage ich nieht. owê, vil tief wârn ir wunden. si schrîren alle wâffen bî den stunden.
853
Vür unde widere daz viuwer vaste spranc. die tôten vielen nidere, der tôt si jæmerlîch betwanc. owê, alsô kuren si den ende. mort begie Wolfhart mit ellens hende.
854
Lûte bî der stunde Wolfhart ruofen began als er almeiste kunde ‘nû wert iuch, Dietrîches man! wir mugen niht entrinnen, jâ kan niemen komen lebende von hinnen.
855
Von diu gelt iuch willeclîchen. da enist niht anders an, ir lât dar nâher strîchen’ sprach der unverzagte man. ‘ir tunget vast die wilde. werfet von den handen die schilde,
856
Und nemet diu swert mit creften, gerâten sî iu daz. wir müezen uns beheften, ez enkom uns nie baz.’ des volgten si im alle, si liefen dar mit einem grôzen schalle.
857
Als tâten her engegene die Ermrîches man. die küenen dietdegene die sluogen, daz daz viuwer bran ûz ir helmen vaste. si sluogen sêre daz ez rehte erglaste.
858
Die recken ûz erkorne die heten sich bewegen mit grimmigem zorne. die starken Dietrîches degen die striten manlîche, si râchen sich an dem ungetriuwen Ermrîche.
859
Do ez nâhenen begunde zuo der naht dan, owê der leiden stunde! do gelâgen vriunde unde man alle tôt dâ nidere. daz wolde rechen Ermrîch sidere
860
Vil vaste an dem von Berne, als ich vernomen hân. nû sult ir hœren gerne, wie mir ist kunt getân. als diu naht komen solde und daz der tac von dannen scheiden wolde,
861
Wernher von Wernhers marke und alle sîne man (was daz niht ein wunder starke?) die muosten tôte dâ bestân. dâ mit was ez allez ergangen, Ermrîch was mit jâmer bevangen.
862
Die dannoch lebendec wâren, die huoben dô die vluht, man sach dâ gebâren niemen mit manlîcher zuht. von danne si dô gâhten, zuo der stat si baltlîchen nâhten.
863
Hin vlôch der künic Ermrîch (daz tuon ich iu bekant) und ouch her Sibeche sicherlich. an den kom Eckehart zehant. daz kom im wol ze mâze, er vie den ungetriuwen ûf der strâze.
864
Als in hete gevangen der küene Eckehart, er sprach ‘nû muost dû hangen. nû wol mich dirre reise wart! nû sint gerochen mîne herren, nû kan mir leides nimmer niht gewerren.’
865
Nû hœret sicherliche grôzez wunder sagen. ûf der vluht wart Ermrîche niunhundert man dannoch erslagen. owê, jâ clage ich clegelîchen, daz si niht selbe sluogen Ermrîchen.
866
Nû hœret disiu mære, diu ich iu tuon bekant. Eckehart der lobebære der hete Sibechen al zehant twerhes ûf daz ros gebunden, er vuorte in nacket durchez her bî den stunden.
867
Vrô wart der Bernære, ein ende nam der strît. dô kurzte sich sîn swære. dô gebôt er bî der zît den jungen und den alden, dar zuo den blîden und den balden
868
‘Nû gêt ir recken über al balde an dirre stunt und suocht die tôten ûf dem wal. und vindet ir iemen undr in wunt, sô hebt in ûz dem bluote.’ daz tâten alzehant die helde guote.
869
Nû hœret vürbaz mêre von weinen und von clagen. grôz was diu herzensêre, dô man die tôten sach tragen an die trucken ûz dem bluote. in der zît kom Elsân der guote.
870
Als in der vogt von Berne erbeizen nider sach, nû sult ir hœren gerne, wie güetlîche er zuo im sprach. wol enphie er in von verren. sîn êrstiu vrâge daz was umb die herren.
871
‘Sage an, herre Elsân, ûf die triuwe dîn, der vrâge mac ich niht rât hân, wie stêt ez umb die herren mîn? wie gehabent si sich beide? trœste mich nâch mînem herzenleide.’
872
Elsân der guote sînen herren ane sach. mit trûrigem muote er zuo dem Bernære sprach ‘herre, nû vrâget mich niht mêre; ich hân verlorn die jungen künege hêre
873
Und mînen juncherren den lieben bruoder dîn. in sol ab niht gewerren, des wil ich got getrûwent sîn.’ owê, als er vol sagt diu mære, dô begunde ouch weinen der Bernære.
874
Sîn herze wart erschrecket mit riuwen al zehant. der vane was gestecket ûf dem wale in den sant. owê der clegelîchen swære! mit siuften sprach dô der Bernære
875
‘Herre, ist ab hie ieman. der iht wizze umb diu kint? mich muoz des michel wunder hân, daz si bî dem vanen niht sint. owê, stüend ez et umb si rehte! dô hiez er gâhen ritter unde cnehte.
876
‘Niemen sol erwinden, mâge unde man. ez muoz mir nâch den kinden an alle mîne êre gân. owê mir immer mêre! nu verliuse ich alrêst guot und al mîn êre.’
877
Dô der Bernære alsô clagen began, dô kom mit herzenswære Helphrîch der vil küene man. owê, dô viel der helt starke vür tôt nider von sînem marke.
878
Die sînen hende beide er zesamne tiure sluoc mit jâmer und mit leide, dâ in sîn herze zuo truoc. sprechen er begunde mit veinden ougen und mit clagendem munde.
879
Der edele recke mære vie sich selb in daz hâr. daz gesach der Bernære, er lief vil baltlîchen dar. owê, der edele vürste rîche der sprach zuo dem küenen Helphrîche
880
‘Sage an, helt guote, waz ist dir geschehen? dû clagest mit trûregem muote. jâ herre, waz hâstu gesehen? daz weste ich harte gerne.’ dô sprach her Helphrîch wider den vogt von Berne
881
‘Wizzet ir niht der mære, vogt von Rœmisch rîch, und ouch der herzenswære? die jungen künege lobelîch die sint erslagen beide und iuwer bruoder Diether ûf der heide.’
882
Nû hœret endelîche, wie ez dort geschach. von Berne der vil rîche daz hâr ûz der swarte brach ‘owê mir immer mêre! alrêst hân ich verloren lîp und êre.’
883
Zuo dem guoten marke gâhen er began. dô volgten im vil starke beidiu mâge unde man. owê, gâhen er begunde, dâ er die herren vant vil tôtwunde.
884
Bî Raben ûf dem sande dâ lâgen diu kint. über si dô rande her Dietrîch, der si rach sint. owê, mit vil trûrigem muote, mit triuwen sprach der edel helt guote.
885
Dô was ouch komen Rüedegêr und Gotel der marcman, und ander manic recke hêr, der ich genennen niene kan. owê, bî handen si sich viengen, über ir liebe herren si dô giengen.
886
Dô viel der Bernære ûf die herren sîn mit clegelîcher swære. im wart dô jâmers nôt schîn. owê, er kuste si in die wunden: ‘nû hân ich alrêst mînen jâmer vunden.’
887
Er nam die hende beide, in diu ougen er sich sluoc. ‘owê der grôzen leide! daz mich mîn muoter ie getruoc, daz müeze got erbarmen! nu beschuof er nie deheinen man sô armen.
888
Owê und iemer mêre ach, daz ich ie wart geborn!’ daz hâr er ûz der swarte brach, der edele recke ûz erkorn. vil sêre er weinen gunde. ‘nû sî vervluochet diu zît und diu stunde,
889
Und sî vervluochet der tac’ sprach her Dietrîch, ‘dâ mîn geburt ane lac! daz riuwet harte sêre mich. owê, wer sol mir nû getrouwen! sô manz nû seit vroun Helchen mîner vrouwen,
890
Diu spricht mir ûf mîn triuwe hinnevür immer mê. owê der herzen riuwe! mir ist wirs danne wê.’ owê, er kust die herren beide. ‘nu geschach bî mînen tagen mir nie sô leide.’
891
Dô sprach der marcgrâf Rüedegêr wider den künec von Rœmisch lant ‘ir muget wol clagen immermêr: iuch hât got hôhe gephant. owê, nû riuwet ir mich sêre. Hiunisch lant gesehet ir nimmermêre.’
892
‘Owê mir, armer Dietrîch, wê und immer wê! verliuse ich alsô Rœmisch rîch, war zuo bin ich immermê? owê, mîn jâmer der ist veste. got vüege daz mir daz herze schiere ab breste!’
893
Zuo dem herzen sêre slahen er began. ‘got, durch dîner marter êre und durch daz bluot, daz von dir ran, nû lâ mich iezuo sterben und des grimmegen tôdes gar verderben!’
894
Hende unde vüeze grimmen er began. ‘got mich tœten müeze, sît er mir niht êren gan, und gesende mir den ende!’ er begunde bîzen in arm unde in hende.
895
‘Ich bite iuch, muoter unde meit, künegin von himelrîch, daz ir bedenket mîniu leit!’ sprach der herre Dietrîch. ‘wâfen hiute und immer mêre sî geschriren über mîn leben und mîn êre!’
896
Ein gelît ûz sîner hende bîzen er began. ‘got schiere mich geschende, unsælde sî mir ûfgetân! nimmermêr werd ich geheilet, elliu vreude sî mir widerteilet!
897
Des bite ich vlîzeclîche dich, vil heiliger got! ich armer Dietrîche, ez hat der tiuvel sînen spot alrêst ûz mir gerihtet! unsælde hât sich ze mir gephlihtet.
898
Mîn wirt nû nimmermêre in dirre werlde rât. swelhez ende ich kêre, man sprichet an islîcher stat nâhen unde verren ‘seht, daz ist der verrâten hât sîn herren!’
899
Daz sprechents al gelîche, swie unschuldic ich bin. owê, armer Dietrîche, wâ wil dû nû kêren hin? wie sol ich nû gebâren? daz wold got, wære ich tôt vor manegen jâren!’
900
Die jungen künege tumbe die nam her Dietrîch, er kêrt si bêde umbe, er sach ir wunden vreislîch. owê, dô wart im êrste leide. nû merket rehte waz ich iu bescheide.
901
Er schoute die tiefen wunden, die wâren harte wît. er sprach an den stunden ‘ich sihe wol an dirre zît, mit einem kurzen worte: die wunden sint mit Mimmunges orte
902
Geslagen und gehouwen, daz ist mir wol bekant. ich wil des got getrouwen, er werd dar umbe noch geschant! owê, verworhter übeltæte, daz wolde got, daz ich dich bî mir hæte!’
903
‘Dâ vür gert ich niht mêre’ sprach her Dietrîch. ‘mîne herzen sêre die geriche ich vil gewislîch. nû lâz mich got niht ersterben, ich müeze noch den sic an dir erwerben!’
904
Daz ich iu nû bescheide, daz ist diu wârheit. dem Bernær was sô leide, alsô man mir hât geseit, daz im ûz beiden ougen daz bluot ran, des bin ich âne lougen.
905
In dirre herzensêre, die her Dietrîch clagte Rüedegêre, dô sprach der marcgrâf lobelîch ‘vil edel vogt von Berne, möht ich iu gehelfen, daz tæt ich vil gerne.’
906
Hin gie der Bernære, da er sînen bruoder vant. sich huop ein ungebære von dem recken al zehant. owê, wer mohte daz verlâzen? dâ was michel weinen âne mâzen.
907
‘Nû breitet sich mîn werre und mêret sich mîn clagen. owê, bruoder, herre, daz ich niht lige bî dir erslagen! daz clage ich gote vil tiuwer.’ im wâren dougen rôt alsam ein viuwer.
908
‘Herre got, bedenke die mînen grôzen nôt. den lîp mir niht bekrenke und lâ mich ê niht sterben tôt unz daz ich mich gereche! ine weiz waz ich mêr dar umbe spreche.
909
Mîner vreuden ôstertac hân ich nû verlorn. owê, waz tugent an dir lac, junger recke ûz erkorn! wie hât mich got von dir gescheiden! mir muoz mîn leben immermêre leiden.
910
Mîn vreude und mîn wünne ist mit dir gelegen. dû wær mîn næhstez künne. owê, welch ein volcdegen ûz dir gewahsen wære, mir ze trôste’ sprach der Bernære.
911
‘Dîner liute und dîner mâge wær dû ein meien tac, der milt ein glîchiu wâge. ahi, waz dîn herze tugende phlac! owê, daz ist nû gar zergangen. nû bin ouch ich mit jâmer gar bevangen.
912
Dû wær der tugende heie sleht alle zît, dar zuo ein blüender meie. owê, wie daz nû nider lît! nu gesiht man nimmer mêre von dir weder tugende noch êre.’
913
Sich selben er bî dem hâre mit bêden handen vie, er roufte sich ze wâre. so getâne clage gehôrte ich nie in allen mînen zîten. in der vrist dô sach man Witegen rîten.
914
Vaste über heide gâhen er began. in disem herzenleide sprach Rüedegêr der marcman ‘owê, wes bît ir, vogt von Berne; welt ir sehen iuwern vînt vil gerne?
915
Sô gâhet zuo dem marke, ûz erwelter degen!’ ûf spranc der vil starke, im was bereit zuo den wegen Valke daz ros guote. dar ûf saz er mit trûrigem muote.
916
Sîn leit begunde in grîfen, grimmic was sîn zorn. dô liez er nider slîfen dem orse in die sîten die sporn. owê, dô reit er ûf die heide. dô sach er beide liebe unde leide.
917
Welhez daz liebe wære, daz er dâ gesach? daz ist mir ein kundez mære rehte als ez dô geschach. daz liep was an den zîten, daz er sach Witegen vor im rîten.
918
Dô was daz daz leide, daz im dâ wider gie, daz er sîne herren beide und sînen bruoder tôten lie. owê, daz was ein grôz gebreste. er sprach ‘armez herze, daz dû bist sô veste!’
919
Dô sûmten sich niht mêre die Etzelen man. mit samt Rüedegêre vaste gâhen man began. owê, im was von herzen leide, si mohten dem Bernære niht gevolgen ûf der heide.
920
Si muosten hie belîben, daz sage ich iu vür wâr. her Dietrîch gund dar trîben daz edel ros sunderbâr. heid, der edel vogt von Berne der hete et Witegen erriten vil gerne.
921
Daz edel ors lief vaste, vil willic was sîn muot. daz wilde viuwer glaste von den îsen, als ez dicke tuot. owê, dô clagte der Bernære, alsô mir ist kunt ditze mære.
922
Ruofen er begunde Witegen vaste an, als er almeiste kunde ‘nû bîte, ellens rîcher man! durch willen aller vrouwen, lâ mich durch ir willen dîne manheit schouwen!
923
Bist dû ein welrecke, sô læst dû dich erbîten, in scharphen strîten kecke. nu erbeize mit manlîchen siten, unz daz ich dich errîte.’ ‘ich behüetez wol’ dâht Witege ‘daz ich bîte.’
924
Her Dietrîch rief vil sêre über schiltes rant ‘nû bîte, degen hêre’ sprach der recke zehant, ‘durch willen aller meide, daz ich âne strît alsô von dir iht scheide.
925
Und gedenke dar an, recke, durch die tugende dîn’ sprach von Berne der kecke, ‘daz dû der küenen einer wil sîn in stürmen unde in strîten. bistû küene, sô soltû mîn bîten.’
926
Ie lengr, sô ie mêre her Witege von im reit. er vorhte in harte sêre, alsô hât man mir geseit. er getorste niht gebîten. dô rief aber her Dietrîch bî den zîten
927
‘Owê, Witege herre, nû tuo alsam ein man, und gedenke dar an verre, waz dû manheit hâst getân und erbît mîn ûf der heide und scheide mich von mînem herzen leide,
928
Daz ich von dînen schulden hie enphangen hân. ich muoz jâmer dulden. daz hastû mir allez getân. owê, nu erbeize, helt guote, und erlœse mich von trûrigem muote.
929
Ich mane dich harte verre durch alle ritterschaft, sage an, Witege herre, durch dîne manlîche craft, des ich dich nû vrâge: jâ bit ich dich, daz dich des iht betrâge.’
930
Mit disen starken mære wolt er in ûf hân, der edele Bernære: dô mohte ez leider niht ergân. owê, her Witege was im ze wîse. Witege sprach ze Rienolden lîse
931
‘Lieber ôheim mîne, nû gâhe vür dich hin. jâ vürhte ich sêre dîne: gar ân angest ich selbe bin, möhtestû nû komen hinne! ich genæse wol, als ich mich versinne.’
932
Der edele Bernære aber ruofen began ‘küener degen mære, wurd dû ie ein biderbe man, so erbeize zuo mir nidere. ich weiz wol, ich kom nimmermêr widere.’
933
Witege wolt niht bîten, daz was dem Bernær leit. an den selben zîten sprach von Berne der unverzeit ‘owê und owê immermêre!’ alsô sprach von Berne der hêre.
934
‘Nû sage an, herre Witege, wie werten sich diu kint, die von dînen schulden ûf der heide erslagen sint? owê, daz hôrte ich harte gerne, woldestû mirz sagen’ sprach der vogt von Berne.
935
‘Waz heten dir ze leide die herren getân, den dû ûf der heide ir leben hâst gewunnen an? owê, waz ræch dû an den kinden? nû mac et ich dich leider niht vinden
936
Nâch mîn selbes muote, als ich des willen hân. noch beite, helt guote! dû gesigest mir værlîch an: ich bin tôt in liden und in henden. ob dû niht bîtest, sô müez dich got schenden!
937
Sant Gangolf und Sant Zêne die müezen dir bî gestân! owê, nû sint doch iuwer zwêne’ sprach der ellenthafte man. heid, nû kêrâ, helt, nû kêre! slehestû mich, des hastû immer êre.
938
Berne und Meilân daz wirt dir gegeben, dar zuo allez, daz ich hân: und benimestû mir daz leben, sô wirt dir Rœmisch rîche ledeclîche’ sprach her Dietrîche.
939
‘Nû kêre, helt mære, durch elliu werdiu wîp!’ sprach der Bernære ‘ich weiz wol, daz dû mir den lîp benimest ûf dirre heide. nû scheide mich von grôzem herzenleide.’
940
Dô sprach der helt Rienolt ze Witegen al zehant ‘nû diene wir der vrouwen solt, ûz erwelter wîgant. waz wirret uns daz bîten? er kan uns beiden nimmermêr gestrîten.’
941
Witege der starke ze Rienolten sprach ‘nû gürte dînem marke und lâ dir hinnen wesen gâch! und sûmen uns niht mêre, od wir vliesen beide leben und êre.’
942
Unervorhticlîche sprach her Rienolt ‘ich næm niht Rœmisch rîche und dar zuo aller Kriechen golt, daz man mich an vlühte vunde. ich wil benamen bîten hie ze stunde.’
943
‘Neinâ, lieber ôheim mîn, des entuo dû niht. und lâ dir daz gerâten sîn: wizze daz dir liep dâ von geschiht. nû volge mir, recke hêre, od wir gesehen an einander nimmermêre.’
944
‘Daz sî, als got welle’ sprach Rienolt der wîgant. ‘Witege, trûtgeselle, ez muoz versuochen ê mîn hant an dem Bernære.’ ‘sô phlege dîn got!’ sprach Witege der mære.
945
Dô sprach aber Rienolt, Witegen swestersun ‘ôheim, dû gedenken solt, vliehen daz ist niemen vrum, heid, nû bîte, recke mære! jâ slahe wir benamen den Bernære.’
946
Witege sprach mit zorne ‘dû redest alsam ein kint. recke ûz erkorne, du enweist wie des Bernæres tücke sint. owê, nû sihestû wie er limmet, rehte alsam ein hûs, daz dâ brinnet.’
947
‘Daz ist niht ein wunder’ sprach Rienolt der degen. ‘wir slahen in besunder âne schaden ûf den wegen, getarst et dû gebîten. nû sichz an, ich wil eine mit im strîten.’
948
‘Ich sihe wol, trût neve mîn, dû wilt et hie bestân. nû muoz ich mich bewegen dîn, da enist nû niht anders an. erkandestû, recke mære, Dietrîchen als ich, dû vluhest den Bernære.
949
Rienolt, helt guoter, nû müez got phlegen dîn! wærstû mîn vater oder mîn muoter, sô müest ich doch dîn âne sîn. owê, ungerne ich von dir scheide.’ hin reit er und bleip Rienolt ûf der heide.
950
Do erbeizte zuo der erde Rienolt der wîgant. der edele recke werde gurt sînem orse al zehant. dar ûf saz er manlîche, dô was ouch komen von Berne her Dietrîche.
951
Sper, helm unde schilt, als mir ist kunt getân, daz hete der recke milt ûf dem wale dort verlân. dar treip Rienolt der mære, mit dem sper traf er den Bernære.
952
Durch daz starke hârsnier er daz sper stach. nû sult ir gelouben mir, zuo den swerten wart in gâch. diu ors si zesamne truogen, mit den swerten si ûf einander sluogen,
953
Daz daz wilde viuwer ûz den swerten spranc. von Berne der tiuwer daz wâpen grimmeclîchen twanc mit manlîcher hende. er sluoc Rienolten durch helm unz ûf die zende,
954
Daz der recke mære von dem slage grôz mit clagelîcher swære nider von dem orse schôz. owê, do geschach im nie sô leide. Dietrîch reit nâch Witegen ûf die heide.
955
In begunde grîfen ein unmæzlîcher zorn. dô liez er nider slîfen dem orse in die sîten die sporn. ûf die heide er kêrte nâch Witegen, als in sîn herze lêrte.
956
Lûte ruofen begunde der künec von Rœmisch lant, als er almeiste kunde ‘nû bîte, Witege, wîgant, und hœre mîniu mære. jâ hân ich gerochen ein wênic mîner swære.
957
Helt, wære dir nû leide, sô ræchestû die nôt. Rienolt ûf der heide lît von mînen handen tôt. bistû ein recke küene und mære, sô richestû in’ sprach der Bernære.
958
Ie lenger sô ie mêre Witege gâhen began. Schemmingen mante er sêre, als ich vür wâr vernomen hân. owê, daz sach vil ungerne der unverzagte vogt von Berne.
959
‘Linse unde lindez heu daz wil ich dir geben, dâ mit ich dich wol gevreu’ sprach Witege ‘und nerstû mir daz leben.’ owê, sîne sprünge wâren wîte. ez truoc in von einem herten strîte.
960
Dô clagte der Bernære vil sêre disiu dinc ‘owê der leiden mære! dû tuost mir leit, Schemminc. des trûre ich in dem sinne. dû treist mir mînen vîant von hinne.
961
Daz clage ich immer mêre’ sprach der helt guot. Valken habt er an sô sêre daz er drâste daz bluot. heid, er begunde vaste gâhen. er was dem starken Witegen komen sô nâhen,
962
Daz zwischen in beiden kûm was rosseloufes wît. nû wil ich iu bescheiden, welt irz hœrn an dirre zît. si begunden beide gâhen. Witege was dem mere komen sô nâhen.
963
Er dâhte bî den zîten ‘da enist niht anders an. ich mac dir niht gestrîten: jâ herre, wie sol mirz ergân? sô mac ich ouch niht entrinnen. herre got, nû ruoche mir helfen hinnen.’
964
Ich sage iu unverborgen hie an dirre zît, dô Witege begunde sorgen umb sîn leben ûf der heide wît, in der vrist dô kom ein merminne. diu want Witegen an, als ich mich versinne.
965
Si nam den helt starke und vuorte in mit ir dan mit samt sînem marke, si nerte den vil küenen man. si vuorte in dâ ze stunde mit ir nider zuo des meres grunde.
966
Dô sîn der Bernære nimmer vor im sach, vil michel wart sîn swære, wand im leider nie geschach bî allen sînen zîten. er begunde nâch im in daz mer rîten.
967
Waz touc der rede mêre? unz an den satelbogen swamt der degen hêre, daz ich niht hân gelogen. owê, dô muoste er widerkêren: daz begunde im sîn herze vaste sêren.
968
Nider ûf dem sande erbeizt der helt starc. der künec von Rœmisch lande der lie ruowen daz marc und wolde ouch langer bîten, ob er Witegen inder sæhe rîten.
969
Dô Witege der mære kom an des meres grunt, vrou Wâchilt vrâgte in sunderbære ‘nû sage mir, helt, an dirre stunt, daz hôrte ich harte gerne: war umbe vlûhe dû den vogt von Berne?’
970
‘Daz hân ich âne schulde, vrouwe, niht getân. des Bernæres hulde ich leider niht enhân. owê, ich hân im getân vil ze leide: ich hân erslagen sînen bruoder Diether ûf der heide.’
971
‘Dû hâst vil zagelîche gevaren und getân. dem herren Dietrîche dem hiestû wol gesiget an. owê, zwiu bistû, degen hêre! nû muostû dich hüeten immermêre.’
972
‘Sô wil ich wider rîten und wil in bestân: ich muoz mit im strîten’ sprach der unverzagte man. ‘owê, daz ist nû ze spâte. die reise ich dir gar wider râte.’
973
‘Nû von welhen dingen hiete ich in hiute sô lihte erslagen? des müez mir misselingen!’ si sprach ‘daz wil ich dir sagen. dâ was daz edel gesmîde allez rehte ergluot an sînem lîbe.
974
Daz ist nû worden herte. des lâ dich, helt, an mich, verlorn wær dîn geverte: jâ slüege er endelîchen dich. er ist ergremet an disen zîten. dîn drîzic möhten im niemêr gestrîten.’
975
Hie mit disem mære hebe ich wider an und sage von dem Bernære. dô der unverzagte man Witegen ninder kunde vinden, dô kêrte er wider über die heide zuo den kinden.
976
Sîn clage was ûz der mâze grôz alsô man seit. ûf der selben strâze Rüedegêr im wider reit, Dietleip und Helphrîche. dô weinten si mitsamt Dietrîche.
977
Als der herre Dietrîch ûf daz wal wider reit, dô saz er über die künege rîch. vil michel was sîn herzeleit. owê, er kuste si in die wunden ‘daz wold got, læge ich tôt an disen stunden!’
978
Er sluoc sich in diu ougen vil vaste und in den munt. er sprach ‘offenbâr noch tougen gesiht man mich vür dise stunt gelachen nimmer mêre, od ich gereche mîne herzensêre.’
979
Mit triuwen sprach her Helphrîch als ein wîs man ‘ûz erwelter Dietrîch, ir sult iuwer weinen lân und traht ein anderz an disen sachen: si kan ân got niemen lebendec machen.’
980
‘Daz wolde got der rîche, und solde ich in ir leben’ sprach her Dietrîche ‘wol gesunt wider geben! nimmer müez ich guot erwerben, ich wold den worten iezuo vür si sterben.’
981
Die küenen recken werde, als man mir sagte sint, die bestatten zuo der erde Diethern und vroun Helchen kint. owê, mit trûrigem muote weinte dâ vil manic helt guote.
982
Ich gehôrt nie sicherlichen bî allen mînen tagen von heldn lobelîchen sô grôzez weinen unde clagen. owê, si weinten al gelîche die hôhen recken von Hiunischem rîche.
983
Rüedegêr und Dietleip und Gotel der marcman der clage was michel unde breit, als ich vür wâr vernomen hân. owê, ir vreuden si vergâzen, mit jâmer si ûf daz gras nidersâzen.
984
Si begunden jâmer schouwen, ir clage was vreissan. ‘owê mîner lieben vrouwen!’ sprach Rüedegêr der marcman ‘owê der herzenswære! unde owê der bitterlîchen mære,
985
Diu Etzel mîn herre nû leider hœret sagen! sich hebet ein solich werre, dâ von wir alle müezen clagen. owê, vervluochet sî diu reise! uns ist ûf gestanden nôt und vreise.’
986
Dô sprach von Lunders Helphrîch ‘wie lange sul wir clagen? ez ist vil unmügelîch. wir suln darumbe niht verzagen, ob uns ist geschehen vil leide. wir suln hinne rîten über heide.’
987
Mit jâmeriger swære, mit weinen und mit clagen muoste man den Bernære zuo dem orse hin tragen. owê, daz jæmerlîche scheiden, daz mohte hân beweinet ein heiden.
988
Die Dietrîches recken und ouch Etzeln man, die küenen und die kecken die riten trûreclîche dan vür Raben bî den stunden, dô si vil manegen edelen tôten vunden.
989
Man sagte dem Bernære vil gewalteclîch, daz in der stat wære der ungetriuwe Ermrîch. vor leide begund her Dietrîch switzen. her Rüedegêr sprach ‘sô sul wir in besitzen.’
990
Mit samt Dietrîche gâhte manic man vil gewalticlîche, alsô ich vernomen hân. vür Raben leiten si sich nidere: dâ tâten si den grôzen schaden sidere.
991
Der künic Ermrîche gebieten began vil gewalticlîche ‘beidiu mâge unde man, wol ûf und wert die veste!’ sprach der künic ‘daz ist uns daz beste.’
992
Daz tâten si alle gelîche mit williger hant. ez kom mit Ermrîche ûz dâ ze dem tore gerant wol aht tûsent degene. daz gesach her Helphrîch der bewegene.
993
Dô er Ermrîche dort her gâhen sach, harte manlîche Helphrîch der recke sprach ‘nû wol ûf alle an disen zîten! uns wellent starke vînde an rîten.’
994
Dietleip unde Rüedegêr, Wolfhart und Sintram und ander manic recke hêr, der ich genennen niene kan, die liezen vast dar strîchen. da bestuonden si den künic Ermrîchen.
995
Gegen einander si dâ ruhten, dar triben si diu marc. mit grimme si zuhten diu scharphen wâfen alsô starc. owê, wie si ûf einander miezen beidenthalp mit swerten und mit spiezen!
996
Dâ wart ouch durchstochen vil manic halsperc, diu sper enzwei gebrochen. si worhten vreislîchiu werc. da wurden geslagen tiefe wunden, die dar nâch wurden nimmermêre gebunden.
997
Si sluogen durch diu houbet rehte als durch den snê. vür wâr ir daz geloubet, dâ was niwan ach unde wê. owê, dâ nam maneger den ende. man sach dâ ligen vüeze unde hende
998
Ungezalt ûf dem gras und manegen schœnen lîp. owê der nôt, diu dâ was! daz beweint sît manic werdez wîp. owê, dâ wurden setel lære. in der zît kom ouch der Bernære.
999
Daz ors ze beiden sîten nam der helt guot. dâ gie ez an ein strîten, dâ sach man vliezen daz bluot ûz houbet und ûz armen. dâ was ein nôt, ez möhte got erbarmen.
1000
Beidiu vür und widere clungen diu swert. die tôten vielen vaste nidere. dâ wart strîtes gegert mit jæmerlîchem leide. dâ was harte bœse diu ougenweide.
1001
Mit des tôdes ende gâhen si gesuoch. si schrieten durch die helmes wende niht wæher sam ez wære ein tuoch. owê, die halsperge si entranden. si nâmen schaden an vüezen und an handen.
1002
Nase, ougen unde munt wart allez hin geslagen. jâ tuot mir daz mære kunt, dâ wart lützel vertragen. durch die herzen si stâchen. ir mâge si mit grimme vaste râchen.
1003
Her Dietrîch der sturmgîte rechen sich began. in dem herten strîte die starken Ermrîches man alle samt dâ tôt gelâgen. Ermrîch wolde ez vürbaz ninder wâgen.
1004
Gegen einer porten balde vliehen er began. nâch jagten mit gewalde die starken Dietrîches man. si kômen sicherliche in die stat mit samt Ermrîche.
1005
Alrêst huop sich ein strîten. dô si kômen in die stat. ez was an den zîten, als man mir gesaget hât, mit samt Dietrîche vier tûsent man komen in die stat sicherliche.
1006
Türne unde palas begund man stürmen an. diu nôt harte grôz was. des gelac vil manic küener man. nû wizzet sicherliche, alrêst wart leide dem künege Ermrîche.
1007
Grôz was Ermrîches swære, als ich vernomen hân. nû saget mir daz mære, er bat mâge unde man alle heinlîchen ‘swer mir hilfet hin, den wil ich immer rîchen.’
1008
Môrunc von Tuscân dem gap Ermrîch zwei hundert kastelân und als manegen soumer sicherlich, daz er im half von dannen. Ermrîch entran von allen sînen mannen.
1009
Rehte wol umb mitte naht, als mir ist geseit, wart sîner reise gedâht. al die naht er vaste reit. owê der leitlîchen mære! des enweste leider niht der Bernære.
1010
Ich sage iu unverborgen, waz dâ geschach. an dem andern morgen palas und turn man nider brach. her Dietrîch rach sich tiuwer, er hiez vaste an werfen daz viuwer.
1011
Die palas sich enzunden vaste über al. der wuof bî den stunden was vil michel und der schal. owê, dâ gelâgen helde guote. her Dietrîch rach sich wol nâch sînem muote.
1012
Türne unde palas über al die stat wider den von Berne was, als man mir gesaget hât. sich werten die burgær sêre: des gelâgen dâ helde hêre.
1013
Als diu naht begunde vaste sigen an, sich bedâhten bî der stunde, als ich vür wâr vernomen hân, die stolzen burgære: si ergâben sich dem edelen Bernære.
1014
Si vereinten sich des alle beidiu junc unt alt, si ergâben sich mit schalle in des Bernæres gewalt. ir lîp ir guot ir êre daz gâben si ûf genâde dem vürsten hêre.
1015
Hie wart im mit gewalde Raben undertân und manic recke balde. dô daz allez was ergân, daz er Raben gewan widere, daz kom Ermrîch ze grôzem schaden sidere.
1016
Als der herre Dietrîch die stat überwant, dô clagte er harte jæmerlîch. er sprach ze Rüedegêre zehant ‘nû rât mir, recke mære, wie ich gebâre’ sprach der Bernære.
1017
‘Rît ich in Hiunisch marke’ sprach her Dietrîch, ‘sô vürht ich die clage starke, die Etzel der künic rîch tuot nâch sînen kinden. hôrt ich sîn clage, dar umbe müeste ich swinden.
1018
Sô kan ich ouch niht geschouwen daz weinen jæmerlîch an Helchen mîner vrouwen’ sprach der herre Dietrîch. ‘ich bite dich, Rüedgêr herre, daz dû dar an ruochest denken verre,
1019
Daz wir mit triuwen beide hân gelebet manegen tac. von mînem herzenleide nieman mich baz erlœsen mac danne dû, helt guote. nû bite ich dich mit lûterlîchem muote,
1020
Daz dû in Hiunisch rîche ruochest entreden mich. des bite ich vlîzeclîche mit rehter wârheit dich. dâ mit habe iuch got in sîner huote!’ urloup nâmen dô die helde guote.
1021
Der künec von Rœmisch rîche weinen began. er kuste si al gelîche die starken Etzelen man. owê, si weinten alle sêre. her Dietrîch sprach ze dem marcgrâven Rüedegêre
1022
‘Lâ dich mîn leit riuwen, milter marcman, und sage bî dînen triuwen die schult diech an den kinden hân. und lâ dich des niht betrâgen, ob dich mîn vrou Helche welle vrâgen.
1023
Nû wirp vlîzeclîchen mîne bôteschaft hin ze vroun Helchen der rîchen und mane si mit vil grôzer craft, und mane die küniginne hêre, daz ich ir hân gedienet harte sêre.
1024
Und wirp mir umbe hulde, milter marcman, und sage mîne unschulde Etzeln dem künege lobesam. nû wirp ez vlîzeclîche umbe mich vil armen Dietrîche.
1025
Maht dû mir mit sinnen daz iht getragen an, daz ich hulde müge gewinnen, unverzagter marcman, sô sende mit gewalde mir her gein Berne einen boten balde,
1026
Der mir sage diu mære: dâ rihte ich mich nâch’ sprach der Bernære. ‘ich weiz wol, daz mîn ungemach nimmermêr gewinnet ende.’ er kuste Rüedegêren an die hende.
1027
Urloup nâmen si mit schalle. michel was diu nôt. si begunden weinen alle, dâ wurden liehtiu ougen rôt. mit dirre clage starke rûmten si Rœmische marke.
1028
Diu ûz erwelten kastelân, silber unde golt, daz begunden si hie lân. niemen des ruochen wolt ze nemen von dem Berne. daz sach der herre Dietrîch vil ungerne.
1029
Vür sich si dô strîchen dâ hin durch Îsterrîch. diu vreude was in entwîchen, sî riten harte clagelîch dâ hin in Hiunisch marke. swaz si ie getrôste Dietleip der starke,
1030
Des nâmens war vil cleine. der jâmer der was grôz, nû merket waz ich meine, unz daz sîn Rüedegêren verdrôz. wol trôste si der guote ‘nu gehabt iuch wol, helde hôchgemuote!
1031
Und claget niht ze sêre: ez ist doch ergân. die jungen künege hêre mugen nimmer mêre ûf gestân unz an daz jungest ende. got helfe mir, daz in got schiere geschende!
1032
Ich meine den starken Witegen, von dem wir hân verlorn die jungen künege rîchen’ sprach Rüedegêr der ûz erkorn. ‘owê, wie sol ich nû geschouwen daz grôze leit an Helchen mîner vrouwen!’
1033
In disen grôzen swæren kômen si in Etzeln lant. swaz iu von starken mæren jâmers nôt ie wart bekant, des wil ich gar vergezzen. dise clage wil ich vür alle clage mezzen.
1034
In die guoten stat ze Gran kômen si geriten, Rüedegêr und Etzeln man. dô wart langer niht gebiten, dô giengen si ze râte. Rüedegêr der milte der sprach drâte
1035
‘Ir helde lobelîche, nû grîfet dar an, vrou Helche diu rîche diu ist in der stat hie ze Gran. wie welle wir nû gebâren?’ dô sprâchen si al gelîche die dâ wâren
1036
‘Wir mugen niht gedingen: nû rûme wir daz lant.’ ‘uns muoz nû misselingen’ sprach her Rüedegêr zehant. ‘owê der clagelîchen swære! daz wolte got, daz ich nû tôt wære!’
1037
‘Ir tuot harte zagelîch’ sprach her Sintram. ‘nû bitet den recken Helphrîch und den milten marcman, daz si ze hove bringen diu mære und unser unschulde ûz dingen.’
1038
Die küenen recken starke die wârn erbeizet nider ze der erde von den marken, alsô sagte man mir sider. owê, die schœnen mœre beide die kômen vrouwen Helchen ze leide.
1039
Dô die helde guote ze hove wolten gân, dô wârens sunder huote, als ich vür wâr vernomen hân, ûf den hof geloufen. dô gie ez an ein clagelîchez koufen.
1040
Die guoten mœre beide liefen vür den palas. owê der grôzen leide! ietweder satel rôt was von der jungen künege bluote. in der zît kom vrou Helche diu guote
1041
Wol mit vierzec vrouwen in einen garten dan, als si wolte schouwen die schœnen bluomen ûf dem plân. owê, ir liehtiu ougenweide diu wart trüebe mit grôzem herzenleide.
1042
Die schœnen mœre hêrlîch si dort stên sach. sêre erschrac diu küneginne rîch. zuo ir vrouwen si dô sprach ‘owê, mir ist harte swære, mir kument schiere itêniuwiu mære.
1043
Dort stênt zwei herlîchiu marc rehte den gelîch’ sprach diu küneginne starc, ‘diu mîniu kint ûz Hiunisch rîch riten gegen Berne. wærensiz, daz weste ich harte gerne.’
1044
Dar nâch vil kurzlîche kom her Rüedegêr mit samt Helphrîche: si giengen clegelîch dort her. owê, daz erblîht vrou Helch diu guote: dô gâhte si mit trûrigem muote.
1045
Mit siuften alsô verre sprechen si began ‘got willekomen, Rüedgêr herre, alsô sîn alle Etzeln man. nû scheit mich, helt, von leide: sag an, wâ sint mîne liebe süne beide?
1046
Nû sît ir kumen alle, mîner lieben süne sihe ich niht. ir rîtet niht mit schalle: jâ vürhte ich grôze geschiht. mîne liebe süne hêre, die gesihe ich wærlîch nimmer mêre.’
1047
Der unverzagte marcman moht vor leide niht gestên. als ich vür wâr vernomen hân, im begunden sêre übergên, owê, diu sînen beiden ougen. daz erblîht vrou Helche vil tougen.
1048
Als vrou Helch diu hêre Rüedegêren weinen sach, mit grôzem herzen sêre diu rîche küneginne sprach ‘owê mir immer mêre! alrêst verliuse ich vreude und al mîn êre.
1049
Nû bin ich hie und dort verlorn, ich vil armez wîp. nû sage an, recke ûz erkorn, wie stêt ez umb der kinde lîp? nû künde mir wærliche, wie stêt ez umb die hôhen künege rîche?’
1050
Rüedegêr der milde vor leide niht ensprach. owê, daz grôze unbilde vrou Helche vil wol an im sach. owê, dô wart ir êrste leide umbe ir herzeliebe süne beide!
1051
‘Tugenthafter marcman, lâ dîn schimphen sîn. sage mir, recke lobesan, von den lieben kinden mîn mit endehaften mâzen, weder lebent si od hâstûs tôte lâzen?’
1052
Er sprach ‘vrouwe hêre, ich wil iu rehte sagen, nû claget niht ze sêre. si sint leider erslagen die iuwern süne beide, si ligent dâ ze Raben ûf der heide.
1053
Daz ichz iuch lange verdagte, sô wurd ez iu doch geseit’ sprach der unverzagte. ‘leider ez ist diu wârheit. vil edel vrouwe hêre, als sêre weinet niht, ir gesehet si nimmermêre.’
1054
Als diu küneginne rîch diu mære rehte vernam, do begundes vallen clegelîch nider zuo der erde dan. ir vreude diu nam ende, si begunde sêre winden die hende.
1055
‘Owê mir, ich vil armez wîp, daz ich ie wart geborn! zwiu sol mir immermêr der lîp! armiu Helche, nû hâstû verlorn triuwe, vreude und wünne! nû lebet nieman, der mich getrœsten künne.’
1056
Mit ir handen beiden si sich ze herzen sluoc. ‘owê, armiu Helche, daz dich dîn muoter ie getruoc ze solhem herzenleide! nû hân ich vlorn mîn liehte ougenweide.
1057
Owê der herzensêre, die ich vil armiu hân! swâ ich mich nû hin kêre, dâ sihe ich nieman gegen mir gân. owê, nû muoz ich leben mit sorgen, nû ist mîn vreude gar mit leide verborgen.
1058
Owê, Scharphe, liebez kint, sol ich dich niemêr gesehen! mîniu leit vil michel sint. wie künde mir wirs geschehen! owê, wer lœst mich nû von sorgen? liebiu kint, ir waht mich alle morgen.’
1059
Dô sprach von Lunders Helphrîch ‘vrouwe wolgetân, lât iuwer clagen unmæzlîch: wan ez erwenden nieman kan. nimmer müez ich guot erwerben, den worten daz si solten leben, ich wold iezuo sterben.’
1060
Ir hende unde ir vüeze daz gegihte sêre brach. diu reine vrouwe süeze harte jæmerlîche sprach ‘owê, wie möht ich mîn weinen lâzen! mir ist wê ûf stigen und ûf strâzen.
1061
Owê, liebiu blüendiu jugent’ sprach vrou Helche zehant, ‘owê hôchgelobtiu tugent, diu mir an mînen kinden was bekant: wie bin ich von den gescheiden! mir muoz mîn leben immermêre leiden.
1062
Owê, milter marcman, clagen ich wol mac. jâ weiz rehte nieman, waz tugende an mînen kinden lac. owê, lieht was mîn ougen weide! swenne si des morgens giengen gein mir beide,
1063
Sô nâmen si ir hende und trûten mich dâ mite. daz hât nû allez ende. ir vil tugentlîcher site, owê, ir liebe süeze grüeze die dûhten mich sô reine und sô süeze.
1064
Wunne mîner besten zît, wie hân ich dich verlorn! immer ir vervluochet sît!’ sprach diu vrouwe ûz erkorn. ‘jâ meine ich den von Berne. owê, daz ich in ie gesach sô gerne!
1065
Nû muoz ich jâmer dulden’ sprach diu vrouwe hôhgeborn. ‘von Dietrîches schulden hân ich mîniu kint verlorn. owê, verteilter Bernære, ir sît mir hinvür immermêr unmære.
1066
Wol weiz ich, milter Rüedegêr, daz er verrâten hât diu kint. daz entsagt mir hinvür nieman mêr, mîniu kint verkoufet sint. vil wol weiz ich diu mære, daz hat getân selbe der Bernære.
1067
Owê, Orte, lieber suon! diu süezen teidinc dîn, sol ich der, armiu Helche, nuon immermêr verteilet sîn! owê der dînen süezen mære, diu lôsten ofte mich von grôzer swære.
1068
Dîn kintlîchiu güete gap mir vreuden vil. dîn tugentlîch gemüete was ie mîner vreuden spil. owê, dîn süezer munt rôt als ein rôse, der kunde süeziu wort sprechen lôse.
1069
Ez gesach nie mensch mit ougen zwei kint sô wol gezogen offenbâr noch tougen, des enhân ich niht gelogen. owê, wie habents ir ende verdienet ie? daz got in drumbe schende!
1070
Jâ meine ich Dietrîchen den künec von Rœmisch lant. ich clage sicherlichen, daz er mir ie wart bekant. daz clage ich immermêre: ich hân von im verloren al mîn êre.’
1071
Vrou Herrât kom gegangen und manic hêriu meit. mit jâmer wâren si bevangen, alsô hât man mir geseit. ir vreude si vergâzen, zuo vroun Helchen si dô nider sâzen.
1072
Vrou Helche vil drâte sprechen began ze vroun Herrâte ‘stêt ûf und seht mich niemer an! ich hân von iu grôze herzensêre. iu geschiht von mir guot nimmermêre.
1073
Vervluochet sî diu stunde, vervluochet sî der tac, do ich gebens ie begunde! alrêste ich daz wol weinen mac. versenket sîn diu mære, dô mir alrêste wart kunt der Bernære!’
1074
Dô sprach der marcgrâf Rüedegêr ‘vrouwe wolgetân, der rede sprechet niht mêr: harte übel ich iu des gan. ich hœre ez vil ungerne. ir zîhet vil unrehte den von Berne.
1075
Mîn lîp der müeze verswinden’ sprach Rüedegêr sicherlich, ‘ob an iuwern kinden iht schulde habe her Dietrîch. ich satzte mîn leben drumbe ze phande, er gienge hiut von Rœmisch lande,
1076
Von êren und von guote’ sprach der marcman. ‘ich weiz daz wol an sîm muote, solten diu kint ir leben hân, er sturbe vür si wærlîche. daz geloubet mir, küneginne rîche.
1077
Iu ist genuoc leide an mînen herrn geschehen. liebe ougenweide müeze ich nimmermêr gesehen, den worten, daz si leben solden, ich wold den tôt iezuo vür si dolden.
1078
Welt ir mirs getrouwen, liebiu vrouwe mîn, ich lâze iuch daz wol schouwen, daz mir niht leider kund gesîn umb iuwer süne beide. nû merket mære, waz ich iu bescheide.
1079
Küniginne hêre, jâ riuwet mich ir lîp: mich muoz ouch riuwen sêre Diether, der bî in tôter lît. owê, den jungen künec von Berne, den hât vlorn sîn bruoder Dietrîch vil ungerne.
1080
Bî iuwern sünen beiden lît Diether erslagen. ez möhte ein wilder heiden wol immer weinen unde clagen. ich gesach bî mînen jâren nie deheinen man sô clegelîche gebâren,
1081
Sô den herren Dietrîche’ sprach her Rüedegêr. ‘küneginne rîche, nû volget mir: des habt ir êr. daz sehe wir alle gerne, lât hulde hân den herren von Berne!
1082
Vernemet sîn unschulde’ sprach der marcman, ‘und sendet im iuwer hulde, daz ist tugentlîch getân. geloupt mir endelîchen, swie ir verliest den herren Dietrîchen,
1083
Des muoz al Hiunisch lant immer schaden hân. habt ûf mînen triuwen phant, edel vrouwe wol getân: verliese wir Dietrîchen, des habe wir immer schaden in Hiunisch rîchen.
1084
Nû volgt uns, vrouwe, gerne und tuot daz an dirre stat, und hœrt, waz iu der von Berne bî uns her enboten hât, daz ir dar an gedenket, daz er iuch bî sînen tagen nie habe bekrenket.’
1085
Vrou Helche diu guote Rüedegêren ane sach. mit trûrigem muote diu edele küneginne sprach ‘owê, nû sage mir, Rüedgêr herre, des mane ich dich bî dînen triuwen verre:
1086
Clagt iht jæmerlîche der vürste ûz Rœmisch lant? daz sage mir endelîche und tuo mir daz vür wâr bekant, ist aber sicherliche Diether tôt, der junge künic rîche?’
1087
Her Rüedegêr sprach ‘vrouwe, leider ez ist wâr. swie sêre man mir missetrouwe, ich liuge doch niht umbe ein hâr.’ owê, dô daz vrou Helche hôrte, ir grôzez leit sich dô von grunde stôrte.
1088
‘Ich sach mit mînen ougen’ sprach der marcman, ‘offenbâr, niht tougen, edel vrouwe wol getân, daz der herre Dietrîche in ir wunden kust die jungen künege rîche.
1089
Des mohte in nieman wenden, got daz vil wol weiz, ich sach, daz er ûz sînen henden diu lit mit vleisch mit alle beiz. nû wizzet, vrouwe hêre, sîner clage vergizze ich nimmer mêre.’
1090
Ûf rihten sich begunde vrou Helche sâ zehant. mit siuftendem munde sprach diu vrowe von Hiunisch lant ‘owê, nû clage ich sicherlichen, daz ich hân gefluocht dem herren Dietrîchen.
1091
Im ist wol als leide an sîm bruoder geschehen, sam mir an mînen kinden, des muoz ich endelîchen jehen. owê, armer Bernære, nu erbarmet mir dîn grôziu herzenswære.
1092
Daz ich dir gevluochet hân, daz rihte in mich, Crist! ich hân vil übel dar an getân. nu gewer mich got in kurzer vrist, daz mîn leben neme ein ende: des bite ich got, daz er daz niemer wende!
1093
Mir wirt herzenswære nû nimmermêre buoz. der tôt mir lieber wære, danne daz ich alsô leben muoz. owê, swaz ich armiu nû geweine, sô bin ich doch mîner kinde immer eine.’
1094
‘Edeliu küneginne rîch’ sprach her Rüedegêr, ‘welt ir mir sagen endelîch durch iuwer hôchgeborne êr, daz hôrte ich harte gerne: wie welt ir tuon umb den vogt von Berne?
1095
Welt ir sîn unschulde bedenken, vrouwe mîn, so enbiet im iuwer hulde: des wil ich gerne bote sîn. und geloubet mir wærlîchen, behaltet ir den herren Dietrîchen,
1096
Des habt ir immer êre: und ist ouch dar zuo guot, edeliu vrouwe hêre, wol erkenne ich Dietrîches muot. er ist an triuwen stæte: Etzel sîn immer schaden hæte.
1097
Ich lâze iuch daz wol schouwen in vil kurzer vrist, Helche, liebiu vrouwe, daz ein schedel michels bezzer ist dann ein grôz herzensêre: wirt ein schedel zeinem schaden, sô ist sîn mêre.’
1098
Vrou Helche tugentlîchen ze Rüedegêren sprach ‘dir sol nâch Dietrîchen baltlîchen wesen gâch, und sage dem vogt von Berne, ich sehe in hiute und immer alsô gerne,
1099
Sam in dem êrsten jâre, dô ich in êrste sach. ich clage daz sunderbære, daz mir der tôt dô niht geschach. daz beweine ich noch entriuwen. wær ich dô tôt, sô hete ich nû niht riuwen.’
1100
‘Nû sagt an, liebiu vrouwe,’ sprach der marcman, ‘sol ich iu des getrouwen und mich des slehtes an iuch lân, ob ich bringe den Bernære, her ze hove, daz er ân angest sî vor aller swære?’
1101
‘Ich sage dir unverborgen allen mînen muot. dar umb soltû niht sorgen, ân angest ist der helt guot. und sage im’ sprach diu küneginne, ‘daz ich im Etzeln hulde wol gewinne.’
1102
Hie mit disen mære Etzel kom gegân. er vant mit herzenswære die tugenthaften Helchen stân und mit clagelîchem muote. alzehant sprach Etzel der guote
1103
‘Triutinne, liebiu vrouwe, dû solt sagen mir, jâmer ich an dir schouwe. küneginne rîch, waz wirret dir? daz sage mir durch dîn êre. mich dunket des, dû tragest herzensêre.’
1104
In den selben zîten dô kom ouch Rüedegêr. Etzel moht niht gebîten, im was vor vreuden harte ger. dar lief der künic rîche. do enphie er Rüedegêren minneclîche.
1105
‘Got wilkomen, lieber marcman’ sprach Etzel zehant. ‘daz ich dich gesehen hân, daz ist ze vreuden mir bekant. nû sage mir sicherliche, wie ist ez ergangn in Rœmisch rîche?
1106
Wâ sint mîniu lieben kint, vil edeler Rüedegêr, daz die mit dir niht komen sint?’ do gesweic der marcgrâve hêr. owê, im übergiengen sîniu ougen. er begunde sich von Etzeln wenden tougen.
1107
Wol verstuont Etzel diu mære, daz den dinge niht reht was. mit grôzer herzenswære seic er nider ûf daz gras. ‘owê’ sprechen er begunde, ein wort mit vil siuftendem munde.
1108
‘Owê mir immermêre, daz ich ie wart geborn! mîne liebe süne hêre die wæne ich beide hân verlorn. owê mîner lieben kinde, die wæne ich lebendec nimmermêre vinde!
1109
Ir leben daz hât ende swie ez komen sî.’ vor leide want er die hende. ‘nû wirde ich leides niemermêre vrî! owê mîner grôzen leide! sage an, Rüedegêr, und lebent mîn süne noch beide?’
1110
Vor weinen niht enkunde Rüedegêr gesagen. mit siuftendem munde huop sich dâ weinen unde clagen. si wârn alle mit jâmer bevangen. ‘ich sihe et wol’ sprach Etzel, ‘eist ergangen.
1111
Wê mir immermêre, noch wirs denne wê! ich hân vlorn al die êre die ich sold haben immermê. owê Helche, liebiu vrouwe, alrêst ich an dir grôzen unsin schouwe.’
1112
‘Nû clage mæzlîche, Etzel, herre mîn! ez ist in Rœmisch rîche ergangen umb die süne dîn. si sint erslagen beide, si ligent dâ ze Raben ûf der heide.
1113
Unde Diether der junc der lît bî in erslagen. aller tugende ursprunc der ist mit im in die erde begraben. rede drumbe, swaz du wellest, künic hêre: dû gesihest dîniu kint nimmermêre.’
1114
Daz hâr ûz der swarte vor leide Etzel brach. er roufte sich bî dem barte. michel was sîn ungemach. owê, nû muoz ich jâmer dulden! swaz ich nû leides hân, vrou Helche, daz kumet von iuwern schulden.
1115
Ir woldet iuch nie gemâzen, küneginne rîch. diu kint hiezt ir mich lâzen dem ungetriuwen Dietrîch. owê der grôzen herzenleide! Dietrîch hât si verrâten beide.’
1116
‘Ir zîhet in unschulden’ sprach her Rüedegêr. ‘Etzel, ze dînen hulden müeze ich komen nimmermêr: nu geloube mir diu mære, vil unschuldic ist der Bernære.’
1117
‘Nû sage mir, milter marcman’ sprach Etzel zehant, ‘wer hât diu kint von ir leben getân? daz tuo mir rehte bekant. od wie ist ez ergangen? ich bin mit grôzem jâmer bevangen.’
1118
‘Ez hât Witege getân’ sprach her Rüedegêr. ‘wil dû ez rehte verstân, Etzel, edel künic hêr, sô sage ich dir diu mære. diu kint lie der edele Bernære
1119
In der stat ze Berne und schuof in michel huot. wiltû daz hœren gerne: ir phlac ein edel recke guot, her Elsân der alde. er hât sîn sêre enkolten’ sprach der balde.
1120
‘Ich sach mit mînen ougen, daz im her Dietrîch abe sluoc daz houbet: daz geloubet, Etzel, künic rîch.’ Etzel sprach ‘nû sage mir an disen zîten, sæhe ab dû diu kint beidiu strîten?
1121
Und sint si in dem sturme bêdesamt erslagen? daz soltû mir rehte, Rüedegêr, durch dîne triuwe sagen.’ er sprach ‘nein si, lieber herre, si wurden erslagen von dem here verre.
1122
Wir liezen dâ ze Berne hinder uns diu kint. dô wir dannen kômen, dô riten si nâch uns leider sint. owê, si kômen ûf ein heide niderhalp Raben: dâ ligent si noch beide.
1123
Witege unde Rienolt wârn ûf die warte geriten. gegen in kômen diu kint, diu sît leider mit in striten. owê, dâ nâmen si den ende alle drî von sîn eines hende.
1124
Die wîle daz diu kint hie striten, dô strit ouch wir dort. Ermrich der ist überriten, wir haben getân an im den mort. Ermrich ist sigelôs danne gescheiden, er hât vlorn manegen cristen unde heiden.
1125
Dô die vinde gar gelâgen slehtes über al und daz wir siges phlâgen, dô zogte wir ûz ab dem wal. owê, dô kômen uns diu mære, daz der schade umb diu kint ergangen wære.
1126
Dô gâht wir über heide dâ diu kint wârn erslagen. owê, herre, ich mac vor leide dir der mære niht gesagen. owê, dô wart ein hendewinden und ein grôzez weinen ob den kinden.
1127
Ich sach daz her Dietrîch baz danne drîzec stunt kuste die jungen künege rîch in ir wundn und an den munt. owê, sîn jæmerlîchez weinen daz kan ich dir nimmer rehte bescheinen.
1128
Vüeze unde hende, ougen unde munt daz brach er manegen ende, daz ist mir wærlîchen kunt. owê, ich gesach nie vürsten rîchen gebâren alsô rehte clegelîchen.
1129
Wir sâhen alle besunder, daz er Diethers vergaz. was daz niht ein wunder? über dîne süne er gesaz, vil leit was im ir ende. er beiz im selben zwei lit ûz der hende.
1130
Daz ich dir lange sagte, künic, dîniu leit, wie verre her Dietrîch jagte Witegen den helt unverzeit, daz wære ein langez mære. künec, beginc dîn gnâde an dem Bernære!
1131
Und lâz in haben hulde, dar an tuostû wol. bedenke sîn unschulde! mit triwen ich dir daz râten sol. lâz ez in vriuntschaft setzen! er mac dich dîner leide wol ergetzen.’
1132
Etzel sprach mit hulden alsam ein helt guot ‘sît ir in saget ze unschulden, swaz dann vrou Helche mit im tuot, daz tuon ouch ich vil gerne. nû sage mîne hulde dem von Berne.’
1133
Rüedegêr wart vrô der mære. niht langer er dô beit, nâch dem Bernære gegen Berne er dô balde reit. heid, dâ vant er Dietrîchen, er sagt im die hult von Hiunisch rîchen.
1134
Nâch grôzer herzenswære wart her Dietrîch hôchgemuot. hie mit disem mære reit gegen Hiunen der helt guot. hin ze Etzelburc sicherlîchen brâht Rüedegêr den herren Dietrîchen.
1135
Hie kômen mit schalle beide junge und alt, die Etzeln recken alle. si enphiengen den helt balt. ûf den sal gie her Dietrîche: dô gruozte in trâge Etzel der rîche.
1136
Her Dietrîch bôt sîn houbet nider Etzeln ûf den vuoz. daz erbarmte vroun Helchen sider. in ir grôzen unmuoz begundes weinen sêre. si moht die barmung angesehen niht mêre.
1137
Der herre Dietrîche zuo Etzeln dô sprach ‘edel künic rîche, rich an mir dînen ungemach und dîn liebe süne beide! von mînem leben dû mich iezuo scheide!’
1138
Etzel in ûf zuhte, sprechen er began, an sich er in druhte, ‘swaz dû mir leides hâst getân, des soltû haben hulde. jâ gibe ich dir an mînen kinden keine schulde.’
1139
‘Genâde, lieber herre!’ sprach her Dietrîch. ‘dîn triwe sih ich nû verre, dû tuost an mir nû küniclîch. nû geloube mir diu mære, ich gelige tôt od ich geriche dîne swære.’
1140
Hie mit gewan hulde der herre Dietrîch. si vergâben im sîn schulde Etzel und die küneginne rîch. vrô wart der Bernære. hie mit hât ein ende ditze mære.