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Aberglauben aus Masuren, mit einem Anhange: Masurische Sagen und Märchen

Aberglauben aus Masuren, mit einem Anhange: Masurische Sagen und Märchen

1867 · OCR, ungeprüft

363 Min. Lesezeit· Max Töppen

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

Ungeprüfte OCR-Arbeitsfassung. Keine manuelle Gegenlesung. Haupttext, Anmerkungen, Register und Tabellen sind nicht redaktionell getrennt; Erkennungsfehler und fehlerhafte Lesereihenfolgen sind möglich. Zweite, durch Zusätze und den Sagen- und Märchenanhang erweiterte Ausgabe; nicht der kürzere Separatabdruck.

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“Aberglauben aus Maſuren - mit einem Anhauge, enthaltend 4 Maſuriſche Sagen und Mährchen. Mitgetheilt von Dr. M. Toeppen, Direktor des Gymnaſiums zu Hohenſtein. in Oftpr, * (mm durch zahlreiche Zuſäße und dur< den Anhang erweiterte Auflage. Danzig. Verlag von Th. Bertling. 1867.

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Die nachfolgende Sammlung volksthümlicher abergläubiſcher Ueberliefe- rungen aus Maſuren kann auf Vollſtändigkeit keinen Anſpruch machen, dürfte aber als ein Beitrag zu ähnlihen Sammlungen und als eine Grundlage zu weiterer Nachforſchung nicht ganz ohne Intereſſe ſein. Auch in Maſuren fangen die volksthümlichen Ueberlieferungen, wiewohl ſie hier noh lebendiger ſind als anderwärt3, dom auc<h ſhon an ſich ſehr zu verdunkeln; es iſt alſo hohe Zeit, für ihre ſchriftlihe Fixirung und Erhaltung Sorge zu tragen. Es wäre zu wünſchen, daß andere, welche hiezu noh günſtigere Gelegenheit haben, als der Einſender dieſer Mittheilungen, namentlich ſolhe, die mit dem wiſſen- ſchaftlichen Intereſſe eine re<ht gründliche Kenntniß der polniſchen Sprache und de3 maſuriſchen Jdioms verbinden, die Mühe einer no<h eingehenderen und umfaſſenderen Nachforſhung auf ſich nehmen und die Früchte dieſer Be- mühungen ebenfalls veröffentlihen möchten. Der Name Maſuren iſt vieldeutig; im engeren Sinne umfaßt er nur die vom Ortelsburger Kreiſe öſtlich gelegenen Kreiſe polniſcher Bevölkerung ; im weiteren Sinne bezeichnet er aber auch die polniſchen Kreiſe des zum Re- gierungsbezirk Königsberg gehörigen Oberlandes. Zn dieſem weiteren Sinne iſt er hier gebraucht, da die hier niedergelegten Mittheilungen zum großen Theile gerade in dieſen lektgenannten Kreiſen geſammelt ſind. Sehr ſchäßen8- werthe Mittheilungen kamen jedoch au<h aus jenen öſtliheren Gegenden dazu, und ein Unterſchied der Volksüberlieferungen hier und dort macht ſih nur in untergeordneten Einzelnheiten bemerkbar. Einige ältere Shriften über altheidniſc<he oder aus dem Heidenthum überlieferte Gebräuche und Vorſtellungen ſind benußt, die älteſten aber, wie die Chroniken Simon Grunau's und Lucas Davids oder die Scriften von Johann Meletius und Hieronymus Meletius, welche uns über die Fortdauer des Heidenthums in Preußen während des ſe<hs8zehnten Jahrhunderts ſo aus- führliche Mittheilungen gemacht haben, nur an wenigen Stellen und nur um das Gegenwärtige an das Vergangene anzuknüpfen; Referent glaubt in dieſer Hin- ſicht auf ſeine vor zwanzig Jahren geſchriebene, in den Neuen Preußiſchen Pro- * vinzialblättern, Jahrgang 1846, Band 2, abgedru>te Abhandlung über die lezten Spuren des Heidenthums in Preußen verweiſen zu dürfen“), zu welcher 9) Neuerdings hat dieſe Materie eine neue Bearbeitung erfahren dur< Prof. Dr. IJ. Bender in dem Aufſaße zur altpreußiſchen Mythologie und Sittengeſchichte, welcher in der Altpreußiſchen Monatsſchrift, Jahrg. 1865 und 1867, abgedrutkt iſt. 1

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die gegenwärtigen Mittheilungen in gewiſſem Sinne eine Fortſeßung bilden. Dagegen iſt Piſanski'8 vor etwa hundert Jahren in den Wöentlihen Königs- bergiſchen Frag- und Anzeigungönachrichten, Jahrgang 1756, No. 21--253, ver- öffentlichte, nun ſchon ſehr ſchwer zugängliche Schrift: „Von einigen Ueberbleib- ſeln des Heidenthums und Pabſtthums“ ſorgfältig benutzt und zum Vergleiche herangezogen. Piſanski hat zwar, wie einige Einzelnheiten in ſeiner Darſtellung zeigen, niht Majuren ausſc<hließlih im Auge, aber doh, was eben ſo gewiß iſt, vorzug3weiſe. Piſanski iſt ein geborner Maſure, hat alſo jene heidniſc<h-aber- gläubiſhen Ueberlieferungen vorzugsweiſe in Maſuren kennen gelernt, weiſt gelegentlich ausdrücklich auf dieſe Gegend, und zeigt auch in anderen Scriften, daß er für die volksthümlichen Ueberlieferungen der Maſuren Sinn und JInter- eſſe hat, wie er denn faſt der einzige Schriftſteller iſt, der für die Kenntniß des maſuriſhen Alterthums etwas Erhebliches geleiſtet hat. Hervorzuheben unter den benußten Quellen ſind nur noh die auf Grund amtlicher Berichte der evangeliſchen Geiſtlichen herau8gegebene, ſehr inhaltsreihe Schrift von C. G. Hinz: „Die alte gute Sitte in Altpreußen“, Königs8berg 1862, 8. und ein intereſ- ſant geſchriebener Aufſatß: „Von Königsberg nac< Preuß. Eylau und Maſuren,“ in dem Feuilleton der Königs3berger Hartungſchen Zeitung, Jahrgang 1865, No. 302 und Jahrgang 1866, No. 1. 2. 6--9. Einzelne Notizen entnehmen wir endlich noch einigen andern Schriftſtellern, welche wir ihres Ortes anfüh- ren werden. . Es ſchien uns zwe>mäßig einleitungsweiſe einen Bli> auf das kir<liche Leben der Maſuren zu werfen. Dann handeln wir in vier Hauptabſhnitten 1) von den dämoniſhen Mächten, 2) von der Zauberei und den Verſegnungen, 3) vom Wahrſagen und vom Kalender, 4) von dem Aberglauben, welcher ſich an verſchiedene Leben3verhältniſſe, beſonders an die Taufe, die Hochzeit, die Wirthſ<haft und den Tod knüpft. In dieſem lezten Abſchnitt war es nicht wohl zu umgehen, die Ho<hzeit8-, Ernte- und Begräbnißfeierlichkeiten überhaupt zu beſchreiben. Hohenſtein, den 17. Mai 1866. Dr. M. Töppen. Vorwort zur zweiten Auſlage. Die Mittheilungen über den Aberglauben der Maſuren konnten in dieſer zweiten Auflage durch zahlreiche Zuſäße erweitert werden. Z< verdanke dieſe Zuſätße vorzüglich den Herren Geiſtlichen und Lehrern, aber auch einigen Guts- beſigern in Maſuren, ſo wie den dieſen Kreiſen angehörigen Frauen; wie ich mich ihres freundlichen Entgegenkommens auch ſchon bei dem erſten Entwurfe der Schrift zu erfreuen hatte. Auch mehrere Lehrer, deren perſönliche Bekannt-

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- 8 - - ſchaft zu machen ich nicht Gelegenheit hatte, haben mic<h dur<h Mittheilungen, welche ſie mir unaufgefordert einſandten, zu aufrichtigem Danke verpflichtet. Wenn ic dieſer Ausgabe einen Anhang von Sagen und Mähren bei- füge, ſo geſchieht dies mit dem vollen Bewußtſein, daß dieſer Anhang noch viel unvollkfommener ausfallen mußte, als der Haupttheil der Shrift ſelber; es ge- ſchieht aber zugleich in der Hoffnung und mit dem lebhaften Wunſche, daß An- dere, welhe der maſuriſhen Sprache vollkommen mädtig ſind und in näherer Berührung mit den Klaſſen der Bevölkerung Maſuren ſtehen, in welchen dieſe Ueberlieferungen von Mund zu Munde gehen, hiedur< veranlaßt werden möch- ten, Beſſeres und Vollſtändigeres zu liefern. Was die Sagen betrifft, ſo iſt Maſuren in der bekannten ſhäßzen8werthen Sammlung von v. Tettau und Temme, „Volksſagen von Oſtpreußen, Litauen und Weſtpreußen“, Berlin 1837, nur ſpärlich vertreten. Seit dem Erſcheinen dieſer Schrift ſind aber mehrere maſuriſche Sagen hier und dort vereinzelt geprukt. I< habe ſie geſammelt und durch einige mündlich überlieferte vermehrt. ' Von Mähren kann ich nur eine kleine Probe geben. Das Mähren verliert viel durch die bloße Ueberſezung. Ueberdies, iſt es ſ<hon ſ<wer den rechten Mähr<henerzähler aufzufinden, ſo iſt e8 noh viel ſchwerer, den rech- ten Mährchenerzähler und den geeigneten Dolmetſcher zugleich zu ermitteln, und wennnun gar Mährenerzähler, Dolmetſcher und Referent ſich gemeinſchaftlich über ein ſo zartes Weſen, wie es ein Mähren iſt, hermachen, ſo geht die erforder- lihe Unbefangenheit der Behandlung nur gar zu leicht verloren. J< habe mich daher faſt ausſchließlich darauf beſchränken müſſen, ſol<e Mähren, welche Andere für mich zu erlauſhen und mir dann deutſch mitzutheilen die Güte hatten, hier .zu veröffentlihen. Unter denjenigen, welche mir auf dieſem Wege zugingen, waren mehrere offenbare Nachbildungen bekannter deutſcher, beſon» ders Grimm'ſ<her Mähren, zum Theil verflac<ht, zum Theil nur ſummariſch re producirt, die ich dann lieber zurüklegte. In den mitgetheilten wird man zwar manche aus deutſchen Mährc<hen bekannten Züge wiedererkennen, aber auch der Mährchenſchaß iſt ohne Zweifel ein Gemeingut verwandter Stämme und dieſe Uebereinſtimmung einzelner Züge konnte daher kein Grund ſein, die betreffen- den Mähren von dem Abdru> auszuſchließen. Manche originelle Züge werden ſich ſehr leiht bemerkbar machen, auh wird man die <arakteriſtiſhe Neigung des Maſuren, Kirchliches in das Mähren hineinzuziehen, nicht verkennen. Hohenſtein, den 27. Mai 1867. Dr. M. Töppen. 1*

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gezwungene Ton, der weniger bei der Verlorenheit, als bei der Erlöſung des Menſc<hengeſchleht8 verweilt, das ſtolze Hervorheben und die Ausmalung des Königthums Chriſti, das kriegeriſche Wohrpefallen an dem Kampfe de8 Herrn mit dem Teufel und an deſſen Ueberwinden, und der freudige Stolz, mit wel- <hem die Mitherrſchaft und die Mitregentſchaft der Erlöſten, neben Gott und Chriſto in der ewigen Herrlichkeit, als ein Erbtheil des armen Bauern und Bürgers nicht minder wie des Edelmanns, geprieſen wird.“!) Es iſt ganz richtig, der Nationalharakter der polniſhen Bevölkerung und ihre Jſolirung von den großen Straßen des Verkehrs ſind für die Auffaſſung des maſuriſchen Gottesdienſte38 vorzug3weiſe in Anſchlag zu bringen. Die get» ſtige Bildung der Maſuren ſteht auf einer niedrigen Stufe; man kann von ihnen nicht verlangen, daß ſie reflectiren wie die Deutſchen, ebenſo wenig, als man verlangen kann, daß die Deutſchen zu der niedern Stufe des Phantaſie- lebens und der Gefühls3ſ<hwärmerei zurüdkehren ſollen. Aber die großen S<hat- tenſeiten einer ſolchen Religioſität dürfen nicht verkannt werden; ſie bietet dem Hriſtlihen Glauben nur ſc<hwache Stüßen und verleiht keine beſondere ſittliche Kraft ; ſie läßt dem Aberglauben den weiteſten Spielraum. Neben den oben genannten kirhlihen Erbauung8büchern werden auch Scriften wie der Him- melsſchlüſſel, welcher anfängt mit dem „Himmelsbrief, den Gott der Herr im Himmel mit ſeiner Hand geſchrieben, mit goldenen Lettern; derſelbe wurde ge- funden auf dem Eichberge in Britannia vor. dem Altare des heiligen Erzengel Midael; kein Menſc< wußte vordem um den Brief, und von wo er hergekom- men,“ mit Heißhunger geleſen. Wenn man ſich in der Kirche erbaut hat, be- ſchäftigt man ſich mit demſelben Ernſte und derſelben Herzenstheilnahme mit der Verſöhnung der düſteren Mächte, unter deren Einwirkung das Leben ſteht, durch allerlei Hoku8pokus und Zaubermittel, und dieſelbe Ehrerbietung, mit der man ſich ſeinem Pfarrer naht, wird auch dem Verſegner oder Wahrſager oder dem Verzüten zu Theil. Dem Maſuren iſt, wie dem Polen, ein lebhafter äußerer Ausdru> ſeiner Empfindungen und ſo auh die äußere Bezeugung ſeiner Devotion*) ganz be- ſonders eigen. Das Küſſen des Geſangbuchs iſt bei den Maſuren eine allge- mein verbreitete Sitte, wenn es zugemacht wird, wenn ein Lied zu Ende ge- ſungen iſt, überhaupt bei jedem Gebrauche und ganz beſonder8, wenn es durch Unvorſichtigkeit auf die Erde gefallen iſt, beim Aufheben?). Ebenſo kann man bei jedem polniſchen Gottesdienſte ungewöhnlich häufiges Neigen des Hauptes, Beugen „der Kniee, an die Bruſt ſchlagen und ſich bekreuzen wahrnehmen. Dies ſind zwar an ſich Mitteldinge, welche weder ein günſtiges noh ein un- *) Vgl. G. Döring, Choralkunde. Danzig 1865. S. 459. *?) Vgl. C. G. Hinp, die alte gute Sitte in Altpreußen. Königsberg 1862. S. 3. *) Hinz, S. 7. 8.

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günſtiges Vorurtheil für die Religiofität de3 Menſchen erwe>en können. Aber fie haben doch bei den Maſuren ihre ſehr bedenkliche Seite, wenn ſich an die- felben die Vorſtellung beſonderer Wirkſamkeit knüpft. S<on Piſan3ki, um die Mitte des vorigen Jahrhundert3, bemerkt, „das große Vertrauen auf die bloße . Beobachtung einiger „äußerlichen Pflichten und gottesdienſtlichen Handlungen, ohne daß ein geändertes Herz und der daraus fließende Gottesdienſt im Geiſt und in der Wahrheit damit verbunden wäre,“ mache bei dem größten Theil der Päbſiler das Hauptſtü> ihrer Religion aus , und dieſen gefährlichen Wahn habe die evangeliſche Kirche, aller angewandten Mühe ungeachtet, noch nicht bei allen ausrotten können. Er verwirft daher unbedingt die -- no< in unſerer Zeit fortbeſtehende -- „Einbildung, als erhielte das Gebet, wenn es auc<h nur bei verſchloſſenen Kirhenthüren durch das Schlüſſelloch hineingebetet wird, eine vorzügliche Kraft,“ ferner „die unnüße Ehrerbietung, ſo das gemeine Volk den Altären beweiſet, indem es ſich gegen dieſelben neiget, oder wohl gar auf die Kniee niederfällt“, endlich die abergläubiſhe Anwendung des Kreuzeszeihens unbedingt. „Durch die von den Päbſtlern vorgegebene Wunderkraft, ſagt er, läſſet fich die Einfalt auch unter unſern Glaubensbrüdern berü>ken, ſo oft ein Kreuz vor ſich zu ſchlagen, al3 ein bevorſtehendes Unglü> abzuwenden, oder etwas zu unternehmen iſt, was gefährlich ſein könnte. Die Fuhrleute thun es mit ihren GeißelſtöFen vor den Vorderpferden, wenn ſie aufbrechen wollen, da- mit ſie kein Rad zerbrechen; andere vor der Mahlzeit über den aufgetragenen Speiſen, damit ſolche, wenn ſie etwa bezaubert wären, ihnen unſchädlich wür- den.“') Was Piſanski von der abergläubiſchen Anwendung des Kreuzeszeichens anführt, ſieht man no<h jezt in Maſuren täglich. No<h näher an den Katholicismus ſtreifen die Gelübde und Opfer der Maſuren. Jhre Gelübde ſind mannigfacher Art. Sie geloben bei Krankheiten und in anderen Nothfällen für die Geneſung oder Befreiung an gewiſſen Tagen - 3- B. an allen Freitagen der Faſtenzeit zu faſten oder die Kirche zu beſuchen oder Opfer in der Kirche darzubringen. Mädchen geloben auch, gewiſſer Farben 3. B. des Rothen ſich zu enthalten. Nicht ſelten iſt das Gelübde, an beſtimm- ten Sonntagen z. B. an den Beichttagen oder nach vollendeter Ernte, uz iszlaikemg d. h. zur Erhaltung, regelmäßig alle Jahre ein Opfer zu wieder- holen, -- wie wenn man ſich dadurch einen Sicherheit8- oder Schußbrief für alle Zeit erkaufen wollte. Auch ganze Dorſſchaften, wenn ſie von Gewitter- ſchaden, Hagel oder anderen Unglü>sfällen betroffen werden, thun ſolche Ge- lübde.?) So haben z. B. die Einwohner des Dorfes Bartofchken Jahre lang am Sonnabende nicht gearbeitet. In einem andern Dorfe, welches dur< Hagelſchlag viel gelitten hatte, machte der Schulze öffentlich bekannt, es möge !) Piſanski, a. a. O. Nr. 23, 8 11. ?) Vgl. Hinz, S. 13, 14, 42, 117.

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08 Jedermann am Sownabend Nachmittag ſich gänzlih der Feldarbeit enthalten, damit Gott in Zukunft vor ähnlihem Shaden bewahre.“) Beſonders geloben fie, an den Apoſteltagen und ſolchen Tagen, welche die Katholiken feiern z. B. am Jacobitage, an Chriſti Verklärung, an den Marientagen u. ſ. w. nicht zu arbeiten. An den bezeichneten Tagen vermeiden ſie übrigens nur die Feld- arbeit, nicht andere Arbeit! oft auch nur die Feldarbeit auf eignem Felde, während ſie ſieh nicht ſcheuen, bei Andern für Lohn Feldarbeit zu verrichten. Al8 vor einiger Zeit der Pfarrer D., in L. an einem ſolhem Tage auf dem Felde arbeiten ließ, und unerwartet Hagelwetter eintrat, ſammelten die Bauern einige Metzen Hagelkörner, brachten ſie ſchleunigſt zum Landrath nach Neiden- burg und verklagten den Pfarrer, deſſen Gottloſigkeit ſie durch die Hagelkörner zu beweiſen meinten. Aehnliches erzählt die Gemeinde zur Rechtfertigung ihrer Gelübde von dem Pfarrer in J. Dieſer ſchidte troß der Abmahnung des Sculzen an einem ſolchen Tage ſeinen Knecht auf das Feld; da ſtieg ein Ge- witter auf, und der Blitz ſchlug gerade dem Pfarrer zum Schornſtein ein -- für diesmal, no< ohne weiteren Schaden anzurichten. Sehr üblich ſind end- li) auch noh die Gelübde, an drei Kirchen, wobei gewöhnlich zwei evangeliſche und eine katholiſche au8gewählt wird, zugleih Opfer darzubringen. Die Opfer, welche die Maſuren auf dem Altare niederlegen und die Ga- ben, welche fie den Hoſpitaliten zuwenden, werden ſehr oft nicht aus reinem edelem Herzen, ſondern mit berehnendem Sinn -- als gute Werke, denen die Vergeltung auf der Spur folgt -- und oft mit ſehr abergläubiſchen Nebenvor- ſtellungen dargebra<ht. Die Opfer an die Kir<he kommen ſehr oft vor, aber faſt ausſchließlih doc< nur dann, wenn man beſondere Fürbitten und Dank- ſagungen in der Kirche wünſcht, oder wenn man zur Communion geht. Jenen Fürbitten und Dankſagungen aber.geben ſie eine faſt ſ<rankenloſe Ausdehnung, indem ſie alle Erlebniſſe uud Erfahrungen, äußere und innere, leiblihe und geiſtlihe in den Kreis derſelben hineinziehen, wie Wohnungswecſel, Störungen in der Wirthſhaft, Krankheit 2c.?) Bei Communionen iſt der Altar von ihnen wie belagert, bis jeder ſeine Gabe hinaufgelegt hat. Was es bedeute, wenn die Maſuren bei Augenkrankheiten Lichte opfern, 2) iſt leicht -zu erkennen, und war daher ehemals als heidniſch ſtrenge verpönt. Die Opfer an drei Kir<hen, unter welchen, wie geſagt, eine katholiſche zu ſein pflegt, ſind ſehr häufig. So brachte vor Kurzem eine gelbſüchtige Frau den beiden evangeliſchen und dem katholiſchen Geiſtlichen in O., um ihre Geſundheit wiederzuerlangen, Mehl, Wachs und Geld. In Kr. opferte eine Frau fünf Silbergroſchen auf das Hoſpital für den Mann, deſſen Seele keine Ruhe findet, und ſprach dabei die Hoffnung aus, daß eine glüliche Seele dieſe fünf-Silbergroſchen finden und *) Hinz, S. 13. ?) Vgl. Hing, S. 12. ?) Vgl. Hinß, S. 14.

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6 H in einer glülichen Stunde durch Gebet die arme Seele erlöſen möchte. Sie theilte dem Pfarrer mit, daß ſie auch noch auf drei Kirchen, zwei evangeliſche und eine katholiſche opfern wolle, um des Erfolges deſto gewiſſer zu ſein. Der Pfarrer fragt: „Glaubt ihr denn das?“ Sie antwortete: „Nun ja, wir Leute gemeinen Standes glauben do< das!“ Daß eine von den drei Kirchen eine katholiſche ſei, halten ſie nicht gerade für nothwendig, aber ſie meinen doch, daß das Opfer ſo wirkſamer ſei. Die Hospitäler bedenken die Maſuren oft, wie denn Mitleid bei ihnen leicht rege wird. Aber es knüpft ſich an dieſen Akt der Wohlthätigkeit ſogleich auc< der Aberglauben. Sie geben z. B. dem Ho38- pital das erſte Kalb der Stärke oder die erſte Butter von der Kuh, welche zum erſten Male gemelkt wird, weil ſie feſt daran glauben, das gebe Glüc>. In der Art, wie ſie die kir<hlichen Feſte feiern, weiht man<hes von den Gebräuchen der anderen evangeliſhen Chriſten in Preußen ab. Am erſten Weihnachtsfeiertage wird in den Kirchen Maſurens und in den Dörfern, welche keine Kirchen haben, in den Shulen während des Frühgottes- dienſtes eine ſehr eigenthümliche und ſehr beliebte Feier veranſtaltet. Die Scuſlkinder, welHhe darauf von dem Lehrer vorbereitet ſind, ſpielen dabei, ſc<on äußerlich dur< einen weißen Anzug -- meiſtens Vater8 Hemde mit einem bunten Bande um die Taille -- und durc< hohe Kronen aus Papierblumen mit Goldſhaum -- bei den Mädchen ſtatt deſſen Kränze -- als Engel kennt- lich gemacht, die Hauptrolle. Sie erſcheinen, Lichte (früher Wachslichte) oder Tannenbäumchen mit Lichten in den Händen tragend, in der Kirche, ziehen um den Altar, nehmen dann theils am Altar, theil8 auf den Chören ihre Pläße ein, und führen nun Wechſelgeſänge auf, tragen einzeln oder im Chor die Feſt- evangelien vor, oder ſagen einzeln die für dieſe Feier eigens ſeit alten Zeiten überlieferten Ver8<hen (d. h. eine oracya) her. Es iſt Sache des Schullehrers, dieſe Verſe einzuüben und alles recht dramatiſch darzuſtellen. An dieſer Feier, welche man jutrznia (Morgenſtern) nennt, nimmt die ganze polniſche Bevöl- kerung, ja auch viele Deutſche, den lebhafteſten Antheil; ſhon von zwei oder drei an wird alles in den Häuſern lebendig, die Feier beginnt etwa um vier, von den Polen fehlen dann in der Kir<e nur die Kranken und Shwachen. Von vielen Seiten her wird verſichert, daß die Feier ſehr erhebend und erbauend wirke; gewiß iſt, daß die im Ganzen weihen Gemüther der Polen dur dieſelbe ſehr gerührt werden, und daß namentlich die Waiſenkinder durch ihre Ver3- <hen die regſte Theilnahme erwe>en.!) Die Feier iſt uralt; Piſanski erwähnt in ſeinen handſchriftlih erhaltenen Johannisburger Collectaneen, daß ſie in der Stadt Johanni8burg um 1735 abgeſchafft ſei; gegenwärtig dürfte ſie überhaupt in Städten nur noh äußerſt ſelten vorkommen. !) Nähere Beſchreibungen dieſer Feier bei Roſenheyn, Reiſeſkizzen aus Oſt- und Weſtpreußen. Danzig 1858. Bd. 2. S. 114 ff. Hink, Alte gute Sitte, S. 43 |.

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-9- An die vormalige Herrſchaft der römiſchen Kirche und ihre Carnevale er- innern allerlei Vermummungen, Narrheiten und Ausſchreitungen, ja hie und da Ausbrüche wilder Bacchanalien vor Eintritt der Faſtenzeit, mit deren Be. ſeitigung die evangeliſche Kirche viel zu kämpfen hat.!) Der Einfluß der katholiſchen Kirche zeigt ſich beſonders deutlich in der bei den Maſuren von alten Zeiten her beibehaltenen Gewohnheit, den Chax- freitag nicht als rechten Feſttag zu betra<hten; während ſie. ſonſt ſo ſorgfältig die Arbeit an Feſttagen vermeiden, wurde an dem Charfreitage doh wenigſtens vor nicht langer Zeit noch gearbeitet; ja viele ſtellten ſogar den Gründonnerſtag höher als den Charfreitag. Es ſoll darin gegenwärtig im Allgemeinen eine Aenderung eingetreten ſein.?) Der Trinitatisſonntag (der nächſte Sonntag nach Pfingſten) gilt bei den Maſuren als ein Hauptfeiertag und wird oft feſtlicher als das Pfingſtfeſt be- gangen, was ſich auch darin zeigt, daß an ihm die meiſten Opfer und Dona- tive für die Kirche geſpendet werden.) Die Polen feiern ein doppeltes Erntefeſt, nämlich außer dem feſtſtehenden und allgemein üblihen noh eins am Sonntage vor dem Beginn der Ernte, dem Sonntage vor Jacobi. An dieſem wird ſtets das ungemein beliebte, an Inhalt und Melodie ganz eigenthümliche, äc<ht polniſche Lied Pola juz biate (d. h. Son ſind die Felder weiß) geſungen.*) Den Buß- und Bettag betrachten die Maſuren, welche gerade hiedurc<h ihre Anhänglichkeit an das Altüberlieferte auch in Kirhenſachen bezeugen, als einen Feiertag, mit dem die Kirche im Grunde nichts zu ſc<haffen hat; weil er vom Staate angeordnet iſt, nennen ſie ihn kurzweg Krolowskie swieto d. h. königlicher Feſtſtag. Die Menge verhält ſich ihm gegenüber kühl und gleich» gültig. Dem auf ähnliche Art entſtandenen Todtenfeſte wendet ſie ebenſo ge- ringe Beachtung zu, ja in manchen Gegenden ſoll daſſelbe wie eine Art Carn val in lärmenden Luſtbarkeiten verbracht werden, zur Entſchädigung für die in der Adventzeit zu beobachtende und gewiſſenhaft beobachtete Stille und Zu- rüdkhaltung.*) Die Anrufung der katholiſchen Heiligen, ſelbſt der Jungfrau Maria, ſcheint in Maſuren nirgends üblich zu ſein.*) Doch wird der von katholiſcher 1) Hinz, S. 46. 2?) Vgl, Hinp, S. 48 ff. *) Hinß, S. 53. Hinb, S. 54. Dieſes Feſt vor Beginn der Ernte ſcheint aus uralten, heidniſchen Zeiten überliefert zu ſein. Meletius de sgacrificiis veterum Prusgorum, in Act. Bor. T. II, p. 403 ſagt: Quandp Jam gegetes gunt maturae, rugtici in agris ad 88crificium eongregantur, quot lingua Rutenica zaczinek vocatur, id est initium messis. Hoc 83cro peracto, unus e multitu- dine electus mesgem auspicatur, manipulo demes80, quem domum adfert. Postridie omnes, primo illius domesgtici, deinde caeteri, quicunque volunt, measem faciunt, s) Hinz, S. 41 f. 54. *) In einem Viſitationsreceß der Paſſenheimer Kirche von 1667

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0 Seite her verbreitete Shlüſſel wichtiger Geheimniſſe, in welchem auf die Für- bitten der Jungfrau Maria großes Gewicht gelegt iſt, mit gläubigem Sinne viel geleſen, und eine Anzahl der katholiſchen Feiertage, beſonders mehrere Marien- und Apoſteltage, der Frohnleihnams8tag, und vor allen der Tag der Verklärung Chriſti (6. Auguſt) werden wie im vorigen Jahrhundert,') ſo noch jetzt, theils in Folge von Gelübden, theils aus alter Gewohnheit in vielen Gegenden Maſurens mitgefeiert. Der Tag der Verklärung Chrifti iſt den Ma- ſuren zugleich der Tag der Umwandlung des Herrn (Panskie przemienienie) und der Umwandelung ſeiner Noth und ſeiner Leiden, es iſt ihm der Tag der Hülfe und Errettung, und ſeine Opfergaben fließen an dieſem Tage an evan- geliſche und katholiſche Kirchen am reichlichſten.?) Was die evangeliſchen Bewohner Maſurens aus der Zeit der Herrſchaft des Katholicismus am zäheſten feſtgehalten haben, und was ſie no<h jeht am meiſten an den Katholici8mus feſſelt, das ſind die Wallfahrten. Der Aber- glaube, welcher ſich an das Tannenberger Schlachtfeld knüpft, ſtammt ſicher aus der Zeit des katholiſchen Kirhenregiments und iſt auch gegenwärtig unter den Katholiken ſehr verbreitet. F. S. Bo> ſchreibt in ſeiner wirthſhaftlihen Naturgeſchichte von Preußen, Deſſau 1783, Bd. 2, S. 14 f.: „Nahe bei den überbliebenen Mauerſtüken der ehemaligen tannenbergiſchen Kapelle, auf einer beträchtlichen Höhe iſt ein vermuthlih von Menſchenhänden gegrabener Teich, deſſen Waſſer man von langer Zeit her eine beſondere Kraft zugeſchrieben, welc<he Meinung auh no nicht bei den Leuten, beſonders von der römiſch-katholi- ſchen Kirche, aufgehöret hat,. die ſich mit Erzählung vieler Wunderkuren, die durch daſſelbe ſollen bewerkſtelliget ſein, unterhalten. Viel gemeines Volk aus Polen, auch wohl .aus Preußen, findet ſih am anderen Pfingſitage ein, ſich in dem Teich zu waſchen und zu baden, worauf ſie manche Kleidungsſtüke an Hemden, Müßgen, Hauben, Tüchern u. dgl. im Waſſer zurückzulaſſen: Es reiſen auch bisweilen Perſonen vom Stande, aber des Nachts. dorthin, weil ſie ſich ihres Aberglaubens ſhämen, und halten daſelbſt ihre Wallfahrten und Ge- lübde.“ Ganz in derſelben Weiſe dauern dieſe Wallfahrten no< bis auf den heutigen Tag fort.*) Die Evangeliſchen reiſen aber aus Maſuren oft auc nah den Kirchen der Katholiken, wo Ablaß ertheilt wird und Wunderkuren vor ſich gehen. kommt die Notiz vor: „Jan Samplaki von Groß Rauſchken hat nebſt dem <riſtlichen Glauben das Ave Maria gebetet, ſprechend: Jeſus kann ohne Maria nicht ſein." Pi- ſanski, Nr. 24, 8 15, erwähnt um 1756 nur, daß manche ihren Namen bei leichtſinnigen Schwüren und Betheurungen nennen, oder EN al8 Ausruf der Verwunderung gebrauchen. 1) Piſanski, No. 25, 8 16. 2?) Vgl. Hinz, S. 56 ff. *?) Dies wird von den Geiſt lichen der Nachbarſchaft ausdrülich bezeugt. Nur ſcheinbar ſteht damit in Oe die im Anhange mitgetheilte Sage vom Tannenberger See.

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.-- 4 =- Schon Piſanski!) klagt hierüber. „Es geſchieht nicht ſelten,“ ſagt er, „daß auch unter den Evangeliſchen Einfältige ſich bereden laſſen, in gefährlichen Krankheiten und anderen mißlichen Umſtänden das vermeinte Wunderbild der Lindiſchen Maria anzutreten.“ Au erzählt er dann von der Reiſe eines mit epileptiſchen Zufällen behafteten Knaben dahin, die angeblich den beſten Er- folg gehabt haben ſollte. Von Maſuren aus aber ſind von jeher und bis auf den heutigen Tag die Wallfahrtsorte Heilige Linde, wo am Tage Peter Paul (29. Zuni), Zluttowo bei Löbau, wo am Tage der Verklärung Chriſti (6. Auguſt) und Bialutten bei Soldau, wo zu Jacobi (25. Juli) Ablaß und Markt ſtattfindet, zahlreich und regelmäßig beſucht. E3 iſt allerdings hauptſächlich der Markt, welcher die Menge dorthin zieht, und welchen ſie nict entbehren können, beſonders der Leinwands8markt in Linde und Zluttowo, der Pferde- markt in Bialutten,?) allein ſie nehmen doch dieſe Gelegenheit vielfach wahr, um dort Opfer darzubringen, Wein ſegnen zu laſſen, ja wohl gar einen Ablaß - zu erhalten. Katholiſche Geiſtliche erzählen davon ſeltſame Dinge. *) Wie zahl- reiß aber die proteſtantiſhe Bevölkerung nach jenen Wallfahrtsorten zieht, möge man daraus erſehen, daß einſt, als der evangeliſche Superintendent die Kirchenviſitation in Mühlen und Tannenberg auf den 6. Auguſt angeſetzt hatte, dieſer Termin auf den folgenden Tag verſchoben werden mußte, weil am 6. Auguſt ein großer Theil der Schulkinder mit DIR Eltern ſich auf dem. Ab- laßmarkt zu Zluttowo befand. Wie ſich der Aberglauben bei“ den Maſuren unmittelbar an Chriſten- glauben und Kirchendienſt anklammert, davon mögen gleich hier folgende Pro- ben angeführt werden. Eine beſondere Kraft wohnt, ii dem Kir<hengebete, welches die Maſu- ren überaus häufig für ſich in Anſpruch nehmen, und anderen Ur<lichen Hand- lungen, ſo auh den für kirhlihe Zweeke geweihten Gegenſtänden bei. Schon Piſanski *) erwähnt den Aberglauben, daß das Gebet in der Kirche wirkſamer ſei, als außer derſelben, welhe8 Abergläubiſche veranlaſſe, bei geſchloſſenen Kirc<hthüren durch das Sclüſſelloh in die Kirche hineinzubeten. Eint Spur dieſes Aberglaubens ſcheint ſich erhalten zu haben. Als Mittel gegen die engliſche Krankheit wird nämlich folgendes angegeben: Das kranke Kind ſoll dreimal um die Kirche getragen, und jedesmal, wenn man an die Kirchthür kommt, hineingehaucht werden. (Hohenſtein.) Bisweilen kommt der Fall vor, das jemand um ein „. Glodengeläuty bittet, weil ihm etwa ein Pferd geſtohlen iſt, in dem guten Glauben, daß der Dieb nicht von der Stelle könne, ſobald die Glo>e läute.*) !) No. 24, 8 14. 9) Vgl. Hinß, S. 56. *) Vgl. auch Kolberg, Geſchichte der heili- gen Linde, in der Zeitſchrift für die Geſchichte und Alterthumskunde Grmlands, Bd. 3, Mainz 1864, S. 93. *) No. 23, 8 11. *) Hinz, S. 4.

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zZ ee Wenn einer einen Meineid leiſtet und in der Nähe befindet ſich ein * geladenes Gewehr, ſo geht dies los, und die Kugel trifft ihn. Daher die ganz gewöhnliche Betheuerungsformel : „Das kann ich bei hundert Flinten beſchwören.“ | Wird der Meineid gar vor dem Altar und bei erleuchteter Kirche 'ge- ſchworen, ſo iſt das augenbliklihe Verderben des Meineidigen no<h gewiſſer ; daher ähnliche Betheuerungsformeln wie: „Das kann ich beſhwören, wenn vie ganze Kirche erleuchtet iſt.“ Wenn aber beim Eide die erhobenen Finger nicht dem Shwörenden zu- gewendet, ſondern von demſelben abgewendet werden, ſo kann man falſch ſ<hwö- ren, das ſchadet alsdann nichts. (Soldau.) Auch das Einkneifen des Daumens hilft dem Shwörenden beim Mein- eide. Er nimmt auc<h wohl während des Shwörens Steine in den Mund und ſpeit ſie ſpäter mit dem meineidigen Shwure aus.') Man legt beim Shwören ein Goldſtü> unter die Zunge ; ſo bleibt der etwaige Meineid daran haften. (Gilgenburg.) Geſegneter Communionwein wird bei allen Krankheiten als höchſte und lezte Inſtanz benußt. Um ſol<hen bitten die Maſuren ihren Pfarrer oft. Wenn dieſe ihnen denſelben nicht geben wollen, gehen ſie zu katholiſchen Pfar- rern, die ihn, wie mir geſagt wird, ganz ohne Bedenken geben. Oft laſſen ſie ſih den Wein an katholiſchen Ablaßorten ſegnen. Manche denken ſogar, der Communionwein aus katholiſchen Kirchen ſei, kräftiger, als aus evan- geliſh<en. Doh kommen auch Katholiken-zu evangeliſchen Pfarrern, um Com» munionwein zu erhalten. Gelbſüchtige laſſen ſich den Abendmahlskel<h holen und ſpiegeln ſich in demſelben, oder thun daſſelbe auch wohl in der Kirhe und meinen val ihre Geſundheit herzuſtellen. Nicht ſelten kommt es vor, daß die bei der Abendmahlsfeier empfangene Oblate aufbewahrt und mit nach Hauſe genommen wird. Eine ſol<he Oblate int. Haüſe iſt ein Mittel gegen Krämpfe. (Johannisburg.) Es iſt beſonders bei den Katholiken z. B. in Schleſien Gebrauh.?) Eine Schankbefikerin in. Nikolaiken hatte unter dem Grapen, in welchem der Branntwein gebrannt wurde, eine Oblate einmauern laſſen. Seitdem ſtrömten die Menſchen inden Schank, wie in eine Kirche, und ſie wurde reich; aber ſie hatte nach ihrem Tode keine Ruhe, bis ſie ihrem Manne dur ein 1) Roſenheyn, Reiſeſkizzen, Bd. 2, S. 92, *) Von dem Mißbrauch der Hoſtie ſhon in OrdenSzeiten führt Grunau, Trakt. X11., Cap. 13, ein Beiſpiel an: Ein „Jude lehrte einen Fiſcher, er ſollte eine conſecrirte Hoſtie in Holz ſpünden und mit an das Garn hängen, ſo würde er viel Fiſche fangen und reich werden 2c. Vgl. ENIE us -dex Landtafel, S. 431.

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- 13 =- Sonntagskind die Sache angezeigt, und dieſer die Oblate aufgefunden und nach der Kirche gebracht hatte. (Nikolaiken.), - Wenn ein Jäger einmal nah einer ſolhen Oblate geſchoſſen hat, ſo kann er befehlen : „Haſe komm“ uud der Haſe iſt da und wird geſchoſſen. (Hohen-- ſtein.) =- Ein Wilddieb hatte eine Flinte, mit der er immer traf, er wollte ſie aber Niemand in die Hand geben. Al3 er auf einer Jagdpartie eingeſchlum- mert war, nahm ſie ein Cumpan und zielte. Wie war er erſtaunt, als er nun einen Knaben mit einer rothen Mühe gewahr wurde, der ihm vor die Mündung des Laufes einen Haſen hielt. (Willenberg.) =-- Mane tragen die Oblate mit noch anderen Dingen im Kolben der Flinte, um ſicher zu treffen. (Willenberg). Hexen brauchen die Oblaten zum „Beſchütten“ (ſ. u.). Schon Piſanski ') ſagt: Eine entſeßlihe Bosheit hat zuweilen einige dahin verleitet, die im hei- ligen Abendmahl empfangene Oblate zu verruchten Abſichten zu gebrauchen. Wer nach dem Empfange des Abendmahls hinter dem Altare mit einem Peitſ<<en (das er zu dieſem Zwecke unter dem Rode in Bereitſchaft hält, auch na<h geſc<hehener That gleih wieder verſte>t) knallt, der kann fortan hexen. (Hohenſtein.) Das Kir<henwachs8, beſonder8 das von den Kir<henlichtern ablaufende, ſuchen viele, da ſie e8 gegen die Epilepſie für wirkſam halten.?) Augenkranke ſchenken der Kirhe Wahslichte, indem ſie abergläubiſch das Licht der Augen und das Wacsliht in einen geheimnißvollen Zuſgzumen- * hang bringen. *) Das Evangelium Johannis, ſagt Piſanski*), iſt uns zu einem viel höheren Gebrauch gegeben, als daß der Aberglaube durch ſelbiges das Fiebgy vertreiben, oder wenn er einen Erbſchlüſſel dazu genommen, Diebſtähle entde&en ſoll. Die Bibel wird aber auch jezt noh oft zu ſolhen Dingen ge- braucht (ſ. u.). Es iſt üblich dem neugebornen Kinde ein Geſangbuch unter den Kopf zu legen, damit nicht der Teufel komme, das Kind fortnehme und an Stehe ſeiner einen Wechſelbalg in die Wiege lege.*) - 1, Die dämoniſchen Mächte. Dunkele geheimnißvolle Mächte üben über die. Maſuren einen mädtigen Einfluß. Böſe und gute Tage, böſe und gute Himmelszeichen, Menſchen mit gutem oder böſem Blicke präformiren unabänderlich das künftige Schiſal des ?) No. 24, 8 13. ?) Töppen in den N. Pr. Prov.-Bl. 1846, Bd. 2, 6.471. 9 Sinh, S. 14. *) No. 24, 8 16. *) Hinz, S.74.

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=“ 4 - Neugebornen.!) Was man auch unternehmen möge, aller glü>lihe Erfolg hängt do<h weſentlih von der guten Stunde ab, in welcher man es unternom- men hat. Alles, woran man ſeine Freude hat, muß man wohl hüten vor dem böſen Blid, ſelbſt der beſte wohlwollendſte Freund kann es, ohne e3 zu wollen und zu wiſſen, durch den böſen Bli verderben und vernichten. An beſtimmte Orte muß man ſich begeben, um jenen dunkeln Mächten und ihren Wirkungen näher zu ſein. Die äußerlichſten Formen und Zeichen ſtehn mit den wunder- barſten Erfolgen in nothwendigem Zuſammenhange, gewiſſen Sprüchen und Formeln, ſowie gewiſſen oft ſeltſamen Handlungen wohnt eine unglaubliche Kraft bei, und es ereignen ſich in Maſuxen vor aller Augen Dinge, welche in aller übrigen Welt unerhört find. Der alte Götterhimmel freilich iſt ſo ziemlich ausgeſtorben. Wenn man noh im ſehszehnten Jahrhundert troß <riſtlihem Bekenntniß und <riſtliher Kirche die Hauptgötter des Heidenthums Perkunus8, Patollus, Potrimpus, Per- grubius , Pilvitus u. ſ. f. anrief und ihnen öffentlich Opfer darbrachte, an denen zahlreiche Dorfſchaften Theil nahmen, ſo iſt daran jezt freilich niht mehr zu denken.?) Hie und da tritt an die Stelle jener alten Götter geradezu der Teufel, man umgeht aber die Nennung deſſelben lieber und begnügt ſich zu ſagen: „to nie dobre“ d. h. das iſt nichts Gutes, oder man ſpricht von „böſen Menſchen“, die irgend etwas angeſtiftet haben, und meint damit Menſchen, die 1) Fvang. Gemeindeblatt von Weiß, 1857, S. 329. 2) Den Namen Perkunos kennt das maſuriſche Volk nicht mehr. Ein aus der Ferne nach Maſuren gekommener Miſſions8- diger erzählte mir zum Beweiſe, wie lebendig hier noch altheidniſche Ueberlieferungen Kin, er ſei mit einem Maſuren eine Stre>e bei ftürmiſchem Wetter zuſammengefahren, der Maſure etwa38 angetrunken, habe, da die Wege verſchneit, der Abend dunkel geweſen wäre, ſich vom rechten Wege verirrt und zuleßt geflucht und geſeufzt: o Potrimpus! o Potrimpus! Z< ſeßte ſofort ſtarke Zweifel in die volksthümliche Ueberlieferung dieſes *Ausrufs, der allen meinen bisherigen Erfahrungen widerſpra<ß. Nachträglich fand ſich, der Wagenbeſider war ein Schullehrer geweſen, der ſeine Kenntniß wahrſcheinlih aus Heinel geſchöpft hatte; und aller Nachforſchung ungeachtet habe ich keine Spur entde>en können, daß Perkuno8 no<h im Munde des Volkes fortlebe. Der Name Pikullus, der Übrigens mit dem Namen Patollus8 nicht einmal identiſch, ſondern erſt in <riſtliher Zeit zur Bezeihnung des Teufels oder Höllengottes gebildet ſein ſoll, (Bender, de veterum Prutenorum diis, Brunsbergae 1865, p. 10) bezeichnet bei den Maſuren wie überhaupt bei den Polen, etwa ſo viel als Geſpenſt oder auch eine vermummte pußige Geſtalt. Wenn zur Weihnachtsbeſcherung geklingelt wird, ſo ſagt man: Pikullu8 hat geklingelt (wo er alſo etwa dem Knec<t Ruprecht gleich ſteht; man bedient fich hiezu meiſtens thönerner Gloken, welche daher auch am Chriſtmarkte in Menge feilgeboten werden); auch die häß- lichen Figuren, welche der Mummenſchanz der Faſtenzeit zu Tage fördert, nennt man Pi- kullus; auch iſt der Name ein beliebtes Schimpfwort, deſſen ſich beſonders die Frauen bedienen, um etwas als häßlich zu bezeichnen.

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ZE mit dem Böſen im Bunde ſtehen. Auch die Wendung, jemand verſteht mehr, als das Brodeſſen, deutet ganz ſpeciell auf Verbindung mit dem Böſen. Der Ausdru> Teufel oder der Böſe iſt aber offenbar da, wo man von den angenommenen höhe- ren Mächten etwas Gutes erwartet, nichtanwendbar und in dieſem Falle hört man den merkwürdigen Ausdru>, man wende ſich an die bozki d. h. Götterhen, wo von die Gößen der Bibel ganz verſchieden ſind (Götze heißt baldan). Nur einige freundliche oder feindliche Geiſter niederer Ordnung werden perſönlich gedac<t und mit beſtimmten Namen bezeichnet. Am häufigſten die Cobolde oder Alfe. Die Ueberlieferungen über dieſelben, welche im ſec<hszehn- ten Jahrhundert ſo reichlich fließen, laſſen ſich leicht bis in die neueſten Zeiten verfolgen. Nur der Zug, daß ſie feurig durch die Luft fliegen, und daß ſie auc Alfe genannt werden, ſcheint im ſe<szehnten Jahrhundert nicht aufgezeichnet zu ſein. In Dr. Bernhard Derſchows Chriſtlihem Bedenken von der Peſtilenz, Königsberg, 1623, 4. p. 264 heißt e8: „Der Alph oder der Teufel würde Dir das Deine wohl zufrieden und unweggetragen laſſen müſſen, wenn ihn Gott der Herr nicht zuvor über Dir verhängen thäte.') Chriſtoph Piſanski in der Srift 1) Aus einer Schrift, die wir noh nicht eingeſehen hatten, als wir unſere Nach- forſchungen über den Cobold in Maſuren in der Altpreuß. Monatsſcrift, Jahrg. 1866 veröffentlichten, P. Einhorn's Reformatio gentis Lettieae in ducatu Curlandiae, geſchrie: ben 1636, wieder abgedruckt in den Scriptores rerum Livonicarum, T. II, theilen wir hier der überraſchenden Uebereinſtimmung wegen den Aberglauben eines verwandten Vol- kes über die Drachen und Puken mit. „Einen ſolhen böſen und abſcheulichen “Abgott des Reichthums8“, ſagt Einhorn, S. 624, mit Beziehung auf den griechiſchen Plutus, „hat auch dieſe Nation gehabt, welchen ſie auf ihre Sprache Puke geheißen, die Deutſchen, „weil ſie ihn ſonſt nicht wiſſen zu nennen, heißen ihn Drachen, und wird derſelbs"noth heute zu Tage von vielen gehalten, und ſoll er denen, die ihn bei ſich halten, allerlei Ge- treide und Güter zubringen, welche er denen, die es nicht mit ihm halten, ſtehlen, und den- ſelben, die ihn bei ſich haben, zubringen ſoll. Seine Geſtalt betreffend ſoll er ganz feuer- roth ſein und wie ein brennend Feuer dur< die Luft gar eiligſt hinfliehen. Wenn er ledig iſt und mit Getreide nicht erfüllet, ſoll er ganz feuerroth, wenn er aber Korn und andere Dinge geſtohlen und ſich erfüllet, ganz blau und abſcheulich anzuſehen ſein. Wann nun ein Hauswirth ſich ſeines Dienſtes gebrauchen will und ihn halten, daß er ihm Reiche thum zubringe, ſo muß er ihn, wie man mich berichtet, in einem beſonderen Gemach halten, welches dann ſehr ſauber, reinlich und zierlih muß gehalten werden; denn es muß da niemand hineingehen als der Wirth, und den er darin haben will; es muß auch nicht jedermann wiſſen, was es für ein Gemach ſei, und wozu es erbauet; in demſelben muß er :ihn täglich ſpeiſen und tränken und ihm von allerlei Eſſen zuerſt etwas bringen und geben; als , wenn er brauet, muß er , ehe er ſelbſt und die Seinen etwas davon genießen, vom friſchen Bier etwas hinein tragen; ſo oft Brod gebac>en wird, muß er ihm am erſten vom friſchen Brode etwas geben; alſo auch, ſo oft etwas gekocht wird, muß er ſein Theil haben. Verſieht er's aber, daß er ihn nicht wohl hält, oder daß er ſonſt von denen, ſo im Hauſe ſind, verſpottet und geſchimpfet wird, ſo wird er wohl ſo zornig, daß er dem Hauswirth ſein Haus und Hof anzündet und ver«

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-=“ 16 - von einigen Ueberbleibſeln des Heidenthum8 und Papfſtkhums in Preußen?) bemerkt: „Die abergläubiſche Einfalt ſtellet ſich unter den Alfen eine Gattung böſer Geiſter vor, die in Geſtalt feuriger Drahen des Nachts durch die Luft fliegen, ihren Verehrern allerlei an Geld und Lebensmitteln zuſchleppen, aber auch den ihnen angethanenen Schimpf dur< das Abbrennen der Häuſer, Aus- leerung der Scheunen und andere zugefügte Unglü>sfälle rächen. . . . Zn den Städten vernimmt man zwar von dieſen fliegenden Geiſtern ſhon ſelten etwas, hingegen in den Fle>en und Dörfern wird noh jeßo mancher dur ſie reich und arm und dadurch den liebloſeſten Beurtheilungen ſeiner Nachbarn bloßge- ſtellt.“ Noch gegenwärtig treiben die Cobolde ihr Weſen in den polniſ<hen Gegen- den Preußens recht geſchäftig. Mir ſind darüber folgende Mittheilungen gemacht. Der verſtorbene B. in Hohenſtein hat einen Cobold gehabt. Den haben viele Abends ausfliegen ſehen. Auch der verſtorbene R. in Hohenſtein hat ſo einen Cobold gehabt, und wenn ſo ein Cobold oder Alf geflogen iſt, iſt hinter ihm immer ein Wiſ<h Feuer nachgezogen. Man hat bei R. oft den Cobold in den Shornſtein fliegen ſehn. Alte Leute in Hohenſtein ſagen: Der Cobold iſt eine Art Vogel, wel<hen man heimlich --etwa auf dem Boden in einer Tonne hält und gut mit Keulhen füttert. In der Naht fliegt er weg und bringt für den, welcher ihn hält, Geld mit. Tiſchler .G. in Willenberg hatte die Pumpen in Ordnung zu halten, im Winter mußte er oft mit glühendem Eiſen nach der Pumpe. Da ſagten die Leute, ex habe einen kolbuk (== Cobold), bis ſie ſahen, daß es ein glühendes Eiſen war. . . Wenn der kolbuk dur die Luft fliegt, und man ſight die Funken von Ym:Fprühen, ſo muß man unter das Dach laufen, ſonſt wird man mit Läuſen und Ungeziefer beſhüttet. (Willenberg.) Der kolbuk wird gewöhnlich auf dem Boden verſte>t, daß ihn Niemand ſehen ſoll. Er muß gut gefüttert werden z. B. mit Spirkeln und Rühreiern, brennet. Und ſo viel Nachricht hab i< von ihm haben können, weil es von ihnen ſehr heimlich gehalten wird, alſo daß auch die, ſo im Hauſe find, nicht viel von ihm zu ſagen wiſſen. Dieweil denn nun von demſelben ſo viel Redens und Sagens iſt, und er fich auch oft auf den Abend ſehen läſſet, ſo iſt auc nicht ohne Urſach viel Fragens, was es doch ſein möge, was ſein Subſtanz und Weſen ſei, wie und auf welche Weiſe er das Getreide trage und ſeinen Cultoribus zuführe, und ob er recht natürlicher Weiſe die Speiſe, ſo ihm täglich gegeben wird, freſſe und verzehre. Da iſt nun wohl ſchwer auf zu antworten“ 2. Grimm, Mythologie, S. 654, führt an, daß der Drache Zmeok bei den Böhmen ein Geiſt ſei, der ſich in Geſtalt eines naſſen Vogels, meiſt eines Hühnleins, dar- ſtellt und den Leuten Geld zuträgt. Nach Stender, Lett. Gramm. 2. Aufl, S. 268, wird der Pubkis, Drache, als Gott des Reichthums8, der andern den Segen raubt und ſeinem Wirthe zuſchleppt, von dieſem in Geſtalt eines rothen Hahnes gehalten. Vgl. Bender, Altpreuß. Monatsſchr. 1867. S. 2. Anm. 3. 9 No. 21,8 4.

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=“ 1Vo-- und muß ein weiches Bette haben. Bei Tage verſte>t er fich unter der Zudee, in der Nacht treibt-er ſein Weſen. Man ſtellt ihn ſich als ein kleines Kind in rothem Rode vor); ſo-ſah ihn eine Frau, die unvermunthet auf den Boden kam im Bette ſien. (Willenberg.) - Von den Unterirdſ<<en weiß das Volk im Ortelsburger Kreiſe nichts; der kotbuk iſt bekannt. Er iſt in der Wirthſc<haft behülflich, ſchleppt zuſammen. Wer ihn hat, bei dem iſt immer Getreide. Eine Henne kam bei Regenwetter in ein Haus; man wollte ſie hinaus: jagen, ſie blieb aber doH und wurde gelitten. Man gab ihr ſchließlich etwas zu freſſen und behielt ſie über Nacht. Am nächſten Morgen lag auf dem Plate, po ſie geſeſſen hatte, ein Haufen Getreide, und auch ſpäter ſorgte ſie für die eute, bei denen ſie Obdach gefunden hatte, daß immer vollauf Getreide in dem Hauſe war. Das war auh ein kotbuk. (Willenberg.) Der Cobold hat die Geſtalt eines Affen. Wenn er etwas trägt, fallen Funken, wenn er nichts trägt, iſt er nur ein kleines Flämm<hen. (Kl. Jerutten.) Eine Kaufmannsfrau -in Neidenburg hatte einen Vogel, wie eine Eule, der ihr Reichthümer verſchaffte, wie ſie denn auch einen großen Aufwand. machte. - Nach ihrem Tode ſoll die Eule durc<h den Schornſtein zu einem Verwandten ge- flogen ſein. Der Mann fand -nac<h ihrem. Tode einige tauſend Thaler und Koſtbarkeiten aller: Art, goldene Uhren, Ketten, koſtbare Kleiderſtoffe 2c., 19000N er früher nicht3 gewußt hatte, wodurch die Sache beſtätigt wurde. Eine Frau bei Soldau hatte eine große Kaße und pflegte ſie aufs Beſte. Durch dieſelbe hob ſich die ſehr heruntergekommene Wirthſchaft zufehends8. Als die Katze getödtet wurde, ging es mit der Frau wieder rü>wärts. .. Ein Bauer in Friedrihs8hof wurde dur< einen Cobold wohlhabend. Der - flog gegen Äbend durch den Schornſtein ſeine8 Hauſes aus und ein. - Wenn er heimkam, hatte er einen langen Shweif, aus dem die Funken ſprühten. Der Cobold ſoll Menſchengeſtalt haben, wenn. er in das Haus kommt, aber wenn er fliegt, iſt es eine Art von Drachen. An einen ſolchen Cobold verkauft Mancher ſeine Seele und macht mit ihm ab, daß er ihm eine Zeit lang dient und zuträgt. Ein Mann, der dies in Friedrichshof gethan hatte, ſtarb DINE und man ſagte nun allgemein, der Cobold hat ihn geholt. Am. auffallendſten dürfte folgende Mittheilung aus der Soldauer Gegend ſein, -die ih doh nicht als dur<haus volksthümlich verbürgen möchte. - kolbuk verlangt für ſeine Dienſte, daß man ihm ein Zimmer einräume, Ie ſc<warz angeſtrichen oder mit ſchwarzem: Zeuge ausgeſchlagen ſein ſoll. Dieſes *) Vgl. 'oben S. 13 den Knaben mit der rothen Müße. Weiter unten erwähnen wir ähnlich gedachte Waſſergeiſter. Auch in der deutſchen. Mythologie kommt ein „rötez keppel“ oder ein Scharlachmantel als Kleidung der Elfen vor. Grimm, Mythol. 6. 431. Haupt, Zeitſchr. für-deutſche8 Alterthum: Bd, 6. S. 179. 2

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- 18 = Zimmer darf Niemand betreten, als der Hauseigenthümer bei Mitternacht, um ihn zu füttern. Der kolbuk verlangt aber gute Speiſen und verſhmäht auch Wein nicht. Er hat die Geſtalt einer kleinen menſchlihen Figur und iſt von Glas!! Wenn der, welcher ihn beſitzt, ſtirbt, ſo fliegt er durch den Schornſtein fort, begiebt ſich dann aber meiſtens zu einem Verwandten des Verſtorbenen. Wenn der Cobold nicht gut gepflegt wird, verläßt er den, bei welhem er ſich ſo lange aufgehalten hat, und ſ<hleppt almählig auch dasjenige fort, was er ihm bisher zugebrac<ht hat. Nach dem Tode ſeines Pflegers geht er gewöhn- lich zu deſſen Verwandten. (Hohenſtein.) Bis hieher reichten unſere Mittheilungen über den Cobold in der erſten- Auflage dieſer Schrift. Wir können jekt noch folgende, ſehr ſhäßenswerthe Mittheilung aus Gilgenburg hinzufügen: . Kotbuk, auh Chobotd (Robold) genannt, iſt ein geiſterhaftes Weſen von der Geſtalt eines Vogels; am liebſten nimmt es die Geſtalt einer Eule an; daher auch die Scheu, die das Volk gegen letztere allenthalben zeigt. Der ehobotd weilt gerne in der Nähe der Menſchen und giebt fehr viel auf eine gute Pflege. Wem das Glü> zu Theil geworden iſt, eine8 chobtä. Gunſt zu gewinnen, dem ſtehen zum Reichthum Thor und Thüren offen. Der- chobold zeigt eine große Anhänglichkeit an Menſchen und läßt ſich gerne bei ihnen nie- der. So hat er ſich Manchem ſchon förmlich aufdringen wollen; Mancher hat ihn als ſ<hwarzes Huhn in ſeiner Kammer geſehen, hat es aber nicht verſtan- den, ihn an ſich zu feſſeln. Manchem ſchlug wieder das Herz und Gewiſſen; er wagte nicht, mit böſen Kräften gewiſſe Verbindungen anzuknüpfen und mit Gebet und einem kräſtigen „das walte Gott!“ trieb er den Verſucher von ſich. Der chobotld des maſuriſchen Volk8glaubens iſt ein Weſen: von ganz eigener Art; die deutſche Sage kennt ein ähnlihes Weſen wohl nicht. Was die deutſche Sage und Fabel von dem He>männc<en, He>pfennig, von der Springwurzel, vom Tiſchlein de> dich, Eſel ſtreX dich u..ſ. f. erzählt, das perſonifizirt der maſuriſ<he Volk8glaube in ſeinem ehobotd. Letzterer iſt, wenn ein ſolcher Vergleich hier geſtattet ſein ſollte, ein Elia8rabe, doH von , entgegengeſeßten Eigenſchaften; wie jener Elias Alles zutrug, was derſelbe zum Leben gebrauchte, - ſo verſorgt der chobotd ſeine Günſtlinge mit Gaben verſchiedener Art bis zum Veberfluß. Er iſt ein geiſterhaftes Weſen; denn er dringt überall hinein und hinaus; S<loß und Riegel ſchüßen vor ihm nicht; er kann ſeine Geſtalt beliebig wechſeln, erſcheinen und verſchwinden, je nachdem es ihm beliebt. Ein gutes Weſen iſt er nicht; der feurige Schweif, der bei ſeinen nächtlichen Aus- flügen ſichtbar wird, die Art und Weiſe, wie er ſeine Pfleger bereichert, ſeine Rachſucht und der Umſtand, daß das Gebet und das Zeichen des Kreuzes ihn hindern, -Jemandem zu ſchaden oder ſich ihm zu nähern, beweiſen ſeinen dämo- niſchen Charakter. Troßdem iſt unter dem chobold. durc<ans nicht dex Teufel

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ſelbſt zu verſtehen, der unter ſolher Geſtalt Bündniſſe ſchließen und den Menſchen, die ſich ihm ergeben, dienen ſollte; denn während dem Teufel bei - ſeinen Bündniſſen mit Menſchen nur um die Seelen derſelben zu thun iſt, ver- langt der .cbobotd für ſeine Dienſte nichts weiter als eine gute Pflege. Man hat es nicht gehört, daß der c1obotd, als die Zeit ſeines Dienſte3 aus war, . Jemandem mit Gewalt das Leben geraubt haben ſollte, um die Seele als Preis für ſeine Bemühung davonzuführen. -- Stille und Einſamkeit ſcheint dem ehobotd am beſten zu behagen; .man räumt ihm darum in der Regel einen Theil des Bodenraumes zum Aufenthalte ein, den man aus eigenem Intereſſe den Bliden Neugieriger durch irgend etwas zu verbergen ſucht. Viele halten ihn auh in einer Tonne, die ſie am Tage zu bede>en pflegen. Seine Lieb- lingsſpeiſe ſollen unter andern: weniger bekaunten Gerichten die Klöße ſein. Grauenerregend iſt der Gedanke an den chobotd vornehmlich darum, weil er ein geiſterhaftes, böſes Weſen iſt, und weil ſeine Pflege eine Art Hexerei vor- ausſett, welche erfahrung3mäßig nicht Jedermanns Sache iſt. Uebrigens ſcheint es, als ſtände er in einem gewiſſen Abhängigkeit8verhältniß zu den Menſchen, die ihn zu beherrſchen verſtehen. Er wird den Menſchen durch den Umſtand gefährlich, daß er ihnen Habe und Gut fortſchleppt, um damit diejenigen zu be- reichern, die ihn zu pflegen verſtehen; eine andere Fur<t als die, von ihm be-- ſtohlen zu werden, exiſtirt nirgend3, während Teufel und Hexen erfahrungs- mäßig auch auf eine andere Art ſhaden können, und ſolche8 au ſehr. oft ohne alle Veranlaſſung thun. Am Tage läßt der chobotd ſich gut pflegen, ohne ſeinen Aufenthalt zu verlaſſen; da ſchrumpft er oft zu einer verſ<windenden Größe zuſammen; die Dunkelheit der Naht iſt die Zeit ſeiner Thätigkeit; da zeigt er erſt, wie die Eule und alle Nachtvögel, ſeinen wahren Charakter. Wer ihn da beobachtet hat, der weiß, daß er eine ziemlich beträchtliche Größe hat; ein feuriger, kometenar- tiger, langer Schweif macht ihn dann Jedermann kenntlih. Eine große Kraft ſcheint ihm eigen zu ſein; denn man hat e3 bemerkt, daß er Laſten fortzutragen vermochte, die mit ſeiner Größe in keinem Verhältniß ſtanden. Er iſt ein gefähr- , lißer Dieb; keine Macht und Vorſicht, nur das Zeichen des Kreuzes ſchüt vor ihm. Ueberall dringt er hinein, wo man keine Maßregeln getroffen hat, ſich vor ihm zu ſichern, -- ſtiehlt, was er findet, Getreide, Spe>, Geld, Leinwand u. A. und trägt es im Schnabel und auf ſeinem Shweife ſeinen Pflegern zu. Die müſſen durc<haus reich werden; Geld und Brod geht bei ihnen nie aus. Daher kommt 28 ja, daß, wenn bei redlichen Leuten der Boden leer iſt, er bei den erſteren unter der Laſt de3 Getreides noh oft zu brehen droht. Daher werden ſie oft ſo plößlih reich und vornehm, ohne daß man es bemerkt, wie- und wodurch. Wer indeſſen nur einigermaßen aufmerkſam iſt, der ſieht ven Grund ihres plößlichen Reichwerdens bald ein. 9*

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- 29 -- Eine Frau ſah zu, wie der choboild mit einer ſchweren Laſt beladen, dur die Lüfte zog. An ſeinem feurigen, kometenartigen Shweife hingen mehrere Säe, die offenbar mit werthvollen Sachen gepat waren; zum allerwenigſten wird Getreide darinnen geweſen ſein. Der Schweif neigte ſih nach unten, weil ihn die ſ<were Laſt wohl hinabzog. Plößklich ließ der chobotld etwas fallen ; die Frau eilt hinzu und glaubt einen glüFlihen und reihen Fund zu thun; doh . zu ihrem größten Erſtaunen fand ſie nur einen Sa> voll Hede auf der Erde liegen. Dem chobold wird die Laſt vermuthlich zu ſchwer geweſen ſein,. ſo daß er einen Theil davon hat fallen laſſen müſſen. Damit jedoch. der eigent- liche Inhalt keinem Unberufenen zu Gute käme, wurde er in Hede verwandelt. Das Zeichen des Kreuzes iſt der ſicherſte Schuß gegen den chobold. Dies Zeichen trägt daher jeder Getreidehaufen auf dem Speicher, oder auf dem Boden. Selbſt auf dem ungereinigten Getreide auf der Tenne muß auf die Nacht das Zeichen des Kreuzes gemacht werden, damit e8 der chobold nicht wegtrage. ES iſt überaus merkwürdig, zu erfahren und zu ſehen, auf welche Weiſe ſich der Volk8glaube gegen ihm anſcheinend ſchädliche Einflüſſe zu ſhüßen ſucht, und man weiß nicht, was man mehr bewundern ſoll, die Einbildung ſchädlicher Einflüſſe oder die Erdichtung von Sc<huß- und Sicherungsmitteln da- gegen. Legt der Landmann beim Dreſchen auf die Nacht eine friſche Lage Garben (Getreidebunde) auf die Tenne, ſo darf dieſelbe zur Nacht nicht beharkt werden; dies muß am nächſten Morgen beim Beginn der Arbeit erſt geſchehen. Thut man dieſe3 den Tag vorher, und macht dadurch die Garben zum Dreſchen bereit, „ſo findet. ſich Einer, der in der Nacht dieſelben ausdriſcht“ , der cbobold. In der Nacht vom Donnerſtag auf den Freitag ſcheint der cbobold vorzugs- weiſe eine rege Thätigkeit zu entwi>eln. Hört Donnerſtag des Abends die Frau auf zu ſpinnen, ſo muß ſie über dem Spinnrad das Zeichen des Kreuzes machen; „ſonſt findet ſich in der Nacht Jemand, der da weiter ſpinnt“ -=- ehobold -- freilich aber nicht auf ihre Rechnung. „Unſere Vorfahren haben das Alles erlebt und erfahren“, pflegt man dem Zweifler zu erwidern, „und wir thun gut, ihrem Beiſpiel zu folgen, und nichts zu unterlaſſen, was uns Schuß gewähren kann“. Zieht der chobotd mit ſeiner Bürde durch die Luſt, ſo kann man, wenn man Luſt dazu hat, ihm dieſelbe immer abzwaen. Man zeigt ihm zu dieſem -Behuf denjenigen Körpertheil, den man Anſtands halber immer zu verbergen ſucht, ſo muß er ſeine Laſt fallen laſſen. Es iſt dies jedoch immer ein ge- wagtes Unternehmen. Ein Mann führte es einmal verſu<8weiſe aus. Die Laſt fiel herunter, er ſelbſt wurde aber von dem cbobo1ld aus Rache ganz mit Läuſen beſchüttet. Ein Bündniß mit dem chobotld iſt immer verhängnißvoll; denn auf eine gute Art iſt mit ihm nicht möglich auseinanderzukommen. Wo er ſich einniſtet,

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„EI. da ſikt er feſt und dient Kindern und Kindeskindern. Jſt man ſeiner Dienſte überdrüſſig, quält Einen das Gewiſſen, dur< ihn auf eine unredliche Art reich geworden zu ſein, und treibt man ihn durch die Entziehung der gewohnten Pflege aus dem Hauſe, ſo bleibt er demſelben auf immer feindlich geſinnt, und wie er vorher Güter in daſſelbe zuſammengetragen, ſchleppt er ſie, Rache übend, wieder hinaus. Hält man das Bündniß mit ihm aufrecht, ſo bringt man ihm den Seelenfrieden, unterbri<ht man es, ſo trägt man ihm Hab und Gut zum | Opfer. Wohl dem, der mit ihm nie etwas zu thun gehabt hat. Um ſeiner für immer los zu werden; bebrühte ihn eine Frau in der Tonne; ſie hat es ver-- geſſen oder niht re<ht gewußt, daß ihm weder Feuer no<h kochendes Waſſer- etwas anhaben könne; für ſolhe Undankbarkeit hat er erſt reht Rache an ihr üben müſſen. So plößlich, wie ſie reih geworden war, wurde ſie auch arm. Auch in dieſer Sage bewahrheitet ſich alſo die Erfahrungsregel, daß ein Bünd- niß mit böſen Mächten immer böſe Früchte tragen muß. Die Hausgeiſter, von welchen wir bisher geſprochen haben, haben das Eigenthümliche, daß ſie feurig durch die Luft fahren, um ihren Pflegern Reichthümer zu verſchaffen. Piſanski legt ihnen nur den Namen Alf bei und unterſcheidet von ihnen gegen den noc< gegenwärtig herrſchenden Gebrauch andere unter dem Namen Cobolde oder Erdmännlein. Der Unterſchied iſt ſ<werlich aufre<ht zu erhalten, doh erzählt er von den letzteren, daß man - ſie ſowohl in den polniſchen als in den deutſhen Gegenden Preußens noc< ſehr wohl kenne. „No heutigen Tages, ſagt er, iſt man beim Woenbette ihrethalben niht ohne Beſorgniß. Nimmt die Wärterin den Säugling beſon- ders vor empfangener Taufe nicht genau in At, ſo ſoll es wohl mehrmalen geſhehen ſein, daß das ſpannenlange Männlein mit dem langen Bart das Kind aus der Wiege gehoben, unter die Ofenbank geworfen, und wenn man e3 nicht zeitig bemerkt hätte, mit ſich in die unterirdiſchen Klüfte würde getragen haben“). Auch gegenwärtig iſt die Fur<t vor Verwechſelung des eigenen Kindes mit einem Wechſelbalge ſehr verbreitet und ſehr rege -- man ſucht das Kind dagegen zu ſchüßen, indem man einen Stahl in die Wiege legt. Eine ſehr alte polniſche Bäuerin aus der Gegend von Hohenſtein berichtete, daß der Wechſel- balg gewöhnlich einen ſehr großen Kopf habe. Aber, fügte ſie hinzu, es giebt do< auch ein Mittel, das eigene Kind wieder zurüzuerhalten. Man muß nämlich da8 untergeſhobene Kind nehmen und tüchtig dur<prügeln und auf den Miſt werfen. Dann bringen die Untererdſchhen das rechte Kind wieder, freilich auch tüchtig zerprügelt. Je beſſer man ſchlägt (auch Blut darf man nicht ſcheuen), deſtoſ<neller bekommt manſein Kind zurü. (Lubainen beiOſterode.) yy Piſanski No. 22 8 5. Die oben angeführte Unterſcheidung Piſanski's beſtätigt weder Meletius noh“ Hartknoch Diss. VIIL 8 5.

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ZO Die Unholde, welche neugeborne Kinder mit Wedcſelbälgen vertauſchen, bezeihnet man als Cobolde. (Hohenſtein.) Auffallend war es mir, daß in einem Falle dieſe Unholde, welche die Kinder verwechſeln, krazno lutki ge- nannt werden, was ſo viel bedeuten ſoll, als „Fettleute“ !), während dieſer Name in dieſem Zuſammenhange anderweitig völlig unbekannt iſt. (Lubainen.) Der Coboldglauben, welcher noh im Anfange dieſes Jahrhunderts allgemein - war, iſt jezt ſehr im Abnehmen. Selbſt in den Leib fahren die böſen Geiſter dem Menſc<en, ihn zu quäſen. Die Untererdſ<<en oder kra zno lutki neden und plagen die Menſchen coboldartig niht nur von außen her, ſondern treiben oft ſogar ihr Weſen in dem Bauche de3 Menſchen, was ſich dem Gefühl dur<h größere oder geringere Leibe3beſhwerden, dem Gehör aber durch ein froſhartiges Qua>en und Gur- geln bemerkbar macht und ſobald wie möglich verſegnet werden muß, wenn es. nicht ſehr ſ<limm werden ſoll. (Lubainen bei Oſterode.) In der Hohenſteiner Gegend ſind- die krazuno lutki ſehr bekannt, während ich im Ortel3burger Kreiſe nach denſelben bis dahin vergeblich fragte. In der Hohenſteiner Gegend heißt es, die krazno lutki ſind ganz kleine rothe Würmer, welche in den Eingeweiden den Menſchen quälen und ihn allmählig verzehren, ſo daß er zuleßt ganz troFen wird. Man kann ſie aber vertreiben. Maun brennt zwiſchen Weihnachten und Neujahr Aſche, denn nur ſol<he Aſche iſt dazu gut. Da3 Zimmer, in dem ſich der Kranke aufhält, wird rein ausgefegt, ein Laken aus8gebreitet, der Kranke darauf gelegt und mit der bezeichneten Aſche beſiebt. Dabei werden Segensformeln geſprochen und Kreuze geſchlagen, dann gehen die krazno lutki durh. E38 giebt in und bei Hohenſtein mehrere Perſonen, welche ſolche Heilungen ausführen. Es giebt auch ein Spiel, bei welchem krazno ludek gerufen wird. Es iſt ſo ähnlich, wie das bekannte: „Der Plumpſa&> kommt.“ Der Knabe, der die andern mit dem Kantſchu jagt, iſt der krazno ludek. (Gilgenburg.) In Hohenſtein gab es einen jungen Menſchen, den ſchon Jahre lang die krazno lutki quälten. Ein berühmter Verſegner wurde herbeigerufen. Der ſtreute Aſche auf den Boden, der Kranke legte ſich auf die Aſhe mit dem Ge- ſichte nach unten. Alsbald ging ihm eine Menge von Würmern ab, die von ſehr verſchiedener Größe waren, einige kaum zolllang, andere wohl fingerlang. Sie waren ſehr häßlich anzuſehn: denn ſie hatten ſehr dide Köpfe, und die - Köpfe waren von verſchiedener Farbe, ſchwarz, roth, grün u. ſ. w. Die Würmer ſchoſſen durch die Aſche na<h den Wänden und verkro<hen ſich unter den Möbeln. Einer ging dem Kranken durch 'den Mund (Notabene, durch den Mund waren alle herausgekommen) wieder zurüf. Das war ein ſ<hlechtes Zeihen. Dieſe 1) Andere ſchreiben kraszno lutki und üverſeßen „farbige Leute“.

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Würmer haben nämlich einen König; wenn ver mit hinausgekommen wärs, würde kein anderer zurügegangen ſein. Wenn aber nicht alle hinaus ſind, dauert die Krankheit fort. (Hohenſtein.) Wenn einer, der die krazno lutki hat, verſegnet werden ſoll, ſo wird die Stube gefegt, der Kranke im Dunkeln nat hingelegt. Dann ſiebt der Ver- ſegner mit der (wie oben) dazu geeigneten Aſche einen Kreis rings um ihn. Nac<h einiger Zeit wird Licht angeſte>t und man findet auf der Aſhe Würmer, auch Haare, ſelbſt Wanzen. , Gehen die Würmer von dem Menſc<en, ſo wird er geſund, kriehen ſie naß ihm, ſo muß er ſterben. Gewürme und Haare ſammelt der Verſegner auf und verbrennt ſie. (Hohenſtein.) Die Verſegnungen gegen die krazno latki werden zu keiner anderen Zeit al3. Donnerſtag Abends vorgenommen. (Hohenſtein.) . Mit den Fettleuten ſind noch die weißen und die kalten Leute zu- ſammenzuſtellen. Nach der Kirhen<hronik zu Friedrich3hof pa ſich ein Pfarrer Fiſcher daſelbſt um das Jahr 1741 die Aufgabe geſtellt, den Aberglauben auszurotten. Er ſpürte unter andern einen alten Kerl auf, welcher ſich zum Verſegnen und zu ſeinen Wunderkuren folgender einfachen Formel bediente; er betete zuerſt das Vaterunſer und ſprach dann: „Weiße Leute, kalte Leute (oder, wie ſonſten die Deutſchen ſagen: kleine) weichet von dieſem getauften Daniel, plaget, quälet und verderbet ihn nicht an ſeinem Herzen, ſeinen Gliedern und Knochen durch die Kraft des Sohnes Gottes,. Mutter Gottes und alle ſeine heilige Engel, daß ex (ihr?) ihn nicht plaget, quälet und verderben möget; daher weichet lieber und 'gehet in die grünen Wälder und tro>nen Wüſten, auf daß ihr nicht plagen, quälen und verderben möget dieſen getauften Daniel dur<h die Kraft Gottes und Beiſtand des heiligen Geiſtes. Und ſo wie dieſer heller Tag und erfreu- licher Tag iſt, laß er auch ſo erfreulich und ſäuberlich ſein, durch die Kraft Gottes und Beiſtand des heiligen Geiſtes“). Gs dürfte aus dieſer Ueberlie- ferung deutlich hervorgehen, daß auch die weißen und kalten Leute zu den Unter- irdſ<<en oder Cobolden zu rechnen ſind. | Wenn einen Kranken die weißen Leute (biate ludzie) quälen, wird in Polen Freitags (*) ein Lager von Erbſenſtroh gemacht, Laken geſpreitet und der Kranke darauf gelegt. Dann trägt einer ein Sieb mit Aſche auf dem Rüden, geht um den Kranken herum und läßt die Aſche auslaufen, ſo daß das ganze Lager davon umſtreut wird. Früh Morgens zählt man alle Striche auf der Aſche, und ftillſ<weigends, ohne unterwegs zu grüßen, hinterbringt ſie einer 1) Kirhen<hronik zu Friedrihs8hof, S. 28, wo no<h bemerkt wird, daß dieſer Ver- ſegner vom Abendmahl ausgeſchloſſen, und als er bald darauf ſtarb, ohne die Schule begraben ſei.

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-- U = der klugen Frau, die nun Mittel vorſchreibt. In der Aſche drü>en ſich die Spuren der Geiſter ab, wie man auch den Erdmännlein Aſche ſtreut). Ob Jemand mit weißen Leuten behaftet ſei, erkennt man in Maſuren ſo : Man nimmt drei Kirſchruthen zuſammen und ſchneidet ſie in kleine Stüd<en, indem man ſpricht: Eins nicht eins, zwei nicht zwei u. ſ. w., bis neun nicht neun! und dieſes Verfahren dreimal wiederholt, ſo daß man dreimal 27 oder 81 kleine Stäbchen erhält. Dieſe Stäbchen nun wirft man in eine Scale voll Waſſer, das man betend bekreuzt und ſegnet. Der Segen, in welchem der Vorname des Kranken, z. B. Gottlieb, genannt werden muß, lautet: „Ueber den Gottlieb getauften komme Gott Vater, der Sohn und der heilige Geiſt.“ Amen wird nicht hinzugeſeßt. Bleiben alle Stäbchen ſ<hwimmen, ſo iſt der Genannte von weißen Leuten frei, geht aber ein Theil derſelben unter, ſo iſt er mit ihnen behaftet und zwar in dem Grade, als das Verhältniß der unterge- gangenen zu den ſhwimmenden Stäbchen angiebt. Zur Bannung der Krank: heit iſt al8dann folgender Zauberſpruch mächtig: „Weicht ihr weißen Leute von dieſem getauften Gottlieb, fort aus ſeiner Haut, aus ſeinem Leibe, aus ſeinem Blut, aus ſeinen Adern, aus ſeinen Gelenken, aus ſeinen Gliedern! Fern im Meere iſt ein großer Stein, dahin gehet, dahin fahret, dort trinket, dort zehret! Durch die Macht Gottes, durch den Sohn Gottes, dur< den heiligen Geiſt.“ Dieſer Spruch wird dreimal wiederholt und zulezt auch no< Amen hinzuge- ſezt, während man, die Schale in der linken Hand haltend, das Waſſer nebſt den Stäbchen mit der rechten auf den Herd verſprißt, ſo daß beim Scluſſe alles Waſſer ausgegoſſen iſt. Die Kranken, welche bleich ausſehen, unluſtig zur Arbeit ſind, an Sc<lafloſigkeit und Erſchlaffung der Glieder (Bleichſucht) leiden, werden dadurch wieder geſund?). Etwa3 Aehnliches iſt mir in Hohenſtein mitgetheilt: Wer die krazno lutki hat, empfindet ein Juen auf der ganzen Bruſt, wie mit einer Hand, klagt über Kopfſhmerzen, hat keinen Appetit, und tro>net allmählig aus; denn die krazno lutki in ſeinem Innern zehren an ſeiner Lunge. Kommt ihm ſchon Blut aus der Naſe und aus den Ohren, ſo ſteht e3 mit ihm ſchon ſehr ſ<limm, und man greift zu folgendem Mittel: Man ſchneidet von neunerlei Holz z. B. Kaddik, Erle, Birke 2c. bis 40 Paar Hölzchen; dabei muß man das Meſſer nicht von ſich ab, ſondern gegen ſich ziehen; die Hölzchen wer- den unter einem Aeſtchen abgeſchnitten, ſo daß ſie mit dieſem die Geſtalt eines Häkchen3 haben; auch müſſen ſie immer paarweis geſchnitten werden. Dann be- ſorgt man Donnerſtag naß Abendbrod, und zwar bei abnehmendem Licht -- 1) Grimm, deutſche Mythologie S. 1117. Bieſter, Neue Berliner Monatsſchrift 1802. 8. S. 230. 2?) Mittheilung des Gutsbeſiters Haſſenſtein i in den N. Pr. WIE „Bl. 1847. Bd. 1. S. 473 f.

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-- 2% -=- denn ſolhe Sachen müſſen. immer bei abnehmendem Licht vorgenommen wer- den -- aus einem fließenden Waſſer, ohne zu ſprechen und ohne ſich umzuſehen, einen Eimer oder ein Kübelchen Waſſer, macht e8 warm und gießt e3, wobei Thüren und Fenſterladen geſchloſſen werden, dem Kranken, der in einer Waſch- teine ſit, über den Kopf. Die Hölz<hen werden paarweiſe in das Waſſer ges - worfen, der Kranke wird mit dem Waſſer gewaſchen, beſonder3 die Ohren und die Naſenlöcher, die Ac<hſelgruben, die Weichen und die Kniekehlen. Während des Waſchens werden neun Vaterunſer gebetet, aber kein Amen geſprochen. Nun ſteigt der Kranke aus der Teine, zieht ein neues Hemde an und ſieht, wie viele der Hölzchen in dem Waſſer oben ſhwimmen und wie viele untergegangen ſind. Wie viel Paare der Hölzhen untergegangen ſind, ſo viel krazuo lutki hat der Kranke noh in ſih. Dieſe Höl:hen werden in ein Tuch geſchlagen und der Kranke trägt ſie auf bloßem Körper, gleichviel ob unter dem rechten oder unter dem linken Arme, bis zum nächſten Donnnerſtag. Au Silber, meiſt ein GeldſtüF muß*der Kranke in dieſer Zeit bei ſich tragen, und es darf nichts aus dem Hauſe weggeborgt werden. (Waxum? Sc<lechte Menſchen könnten beim Abgeben des Geborgten Poſſen machen.) Das gebrauchte Waſſer wird in demſelben Eimer in daſſelbe fließende Waſſer ohne Umſehen und- Sprechen zurüFgetragen. Am nächſten und am dritten Donnerſtag wird die- ſelbe Procedur wiederholt; man wird bei dem zweiten Bade wieder mehrere Paare Hölzhen ſchwimmen ſehen, ſo viele krazno lutki ſind dann aus dem Körper heraus. Manchmal ſchwimmen ſie ſchon beint zweiten Bade alle. Beim dritten Bade müſſen ſie alle ſhwimmen- oder die Krankheit iſt unheilbar '). Unter dem Namen bleiche odder kalte Leute iſt auf dem Lande eine innere Krankheit bekannt (etwa Bleichſucht). Frauen leiden an derſelben beſonders und ſehen dann bleich und abgemagert aus. Man hielt früher für wahr, daß die Kranken von menſchlihen Weſen, die ſich in kalte, bleihe Gnomen 2c. ver- wandeln können, beſeſſen ſeien. (Oletko.) In manchen Gegenden habe ih nach den Fettleuthen und nach den weißen Leuten vergeblich geforſcht, während man daſelbſt die kalten Leute, zimne ludze, ſehr wohl kennt. „Er hat die kalten Leute“ iſt eine Bezeihnung für mancherlei Krankheiten. Die zimne l1udze, heißt es hier, ſind kleine Thiecchen, nur etwa jo groß als Stec>nadelköpfe, welche reihenweiſe im Walde hinziehen und die Krankheit bringen, welche ſich beſonders durc< blaue Nägel verräth. Man hütet ſich um ihrer Willen ſehr vor den Wagengeleiſen. (Kl. Jerutten.) 1) Man vergleiche hier noh die Mittheilung „Sonderbare Curen“ in den Preuß. Prov.-Bl. 1829. Bd. 2. S. 407, nach welcher ein Willenberger Beſprecher einer Shwind- ſüchtigen erklärte, „daß derſelben neun Paar kalte Leute in den Leib gehext wären, welche ihr an der Leber nagten“. Es folgt die Beſchreibung der betrügeriſchen Cur, bei welcher er zwei mal neun Achtehalber (d. h. 2'/5 Silbergroſchen) einſtrich. 7 [

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ZE Eine Frau, welche in der Johannisburger Gegend lange gewohnt hat und jeßt bei Hohenſtein wohnt, verſiherte mich, daß man dort mit dem Namen zimune lutki daſſelbe bezeichne, was hier krazno Intki heißt. Es ſeien kleine Leuthen, ſo klein, daß man ſie kaum ſehen könne. Sie treiben ihr Weſen im Kopfe und verurſachen Fieberfroſt und Shmerzen. Donnerſtag na< Abend- brod müſſen ſie verſegnet werden. . Die krazno lutki ſind etwa ſo groß wie Müden oder wie kleine Stü- <hen einer Ste&>nadel mit braunen Köpfchen. Man muß ſie nac< Abnahme des Mondes an einem Donnerſtag beſprehen. Der Kamin wird zugemacht, daß es in der Stube dunkel wird. Die Aſche wird mit einem Haarſieb rund um den . Kranken geſiebt, das Haarſieb aber dabei nicht, wie gewöhnlich, re<ts um, ſon- dern links um gedreht. Dann wird der Kamin ſchnell geöffnet, ein Kiehnſpan ſc<hnell angezündet und nun nach den Gängen geſehen, auf welchen die Würmer durch die Aſche gezogen ſind. Findet man keine, ſo heißt es, die Würmer ſind wieder in den Kranken zurükgegangen und ihm iſt nicht mehr zu helfen; gehen ſie aber von dem Kranken ab, ſo iſt dies ein gutes Zeihen. (Hohenſtein.) Dieſe Weſen ſind eine Art Würmer, die ſich'zuweilen im menſ<hlihen Körper aufhalten ſollen. Sie unterſcheiden ſich weſentlih von den Spulwür- mern, ſind kleiner als dieſe und haben in der Regel au<h eine andere Farbe. Manche von ihnen ſind ſo klein, daß man ſie mit dem bloßen Auge nicht ſehen kann. Daß ſie aber denno<h im Körper vorhanden ſind, erkennt man an den verſchiedentlihen Shattirungen und an den farbigen Streifen der menſchlichen Abgänge. Eine andere Art dieſer Würmer iſt dem Auge zwar ſichtbar, nach der Farbe aber verſchieden; ſie ſind entweder ganz voth, oder roth und noch mit einem ſchwarzen Kopfe verſehen. Die erſteren dieſer Art verurſachen mancherlei Beſhwerden, ſind aber nicht gefährlich; die letztern ſind ſichere Todesboten; wer in ſeinen Abgängen dieſelben bemerkt, ſtirbt. ' Verſchiedene Mittel werden angewandt, dieſe Würmer zu beſeitigen. Dwunastkowy popiol, d. i. die Aſche, welche zwiſchen Weihnachten und Neu- jahr ſich anſammelt, ſoll ein ganz vorzügliches Mittel gegen dieſelben ſein. Man gebraucht dieſe Aſhe zu verſchiedenen Zweden ; ſo beſtreut man z. B. die Obſtbäume und das Gemüſe damit, um ſie vor den Raupen zu ſhüßen. Auch gegen dieſe Würmer ſoll daher die Aſche gute Dienſte leiſten. Ein geköperter Sa, der von unten nach oben und, wenn ich nicht irre, von links nach rechts genäht iſt, wird auf die linke Seite gewendet und auf den Boden ausgebreitet ; - auf dieſen Sa> legt ſich der Patient lang hin, und eine mit der Ausführung des Experiment3 vertraute Perſon geht um ihn mehrere Mal herum und be- ſtreut ihn ring8herum mit dieſer Aſhe. Gegen die Würmer dieſer Art, welche „einen ſ<hwarzen Kopf haben, ſcheint es kein Mittel zu geben. Der daran Lei-

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ZM dende nimmt körperlich immer mehr ab, bis er zum Gerippe austro&net und ſtirbt. (Gilgenbürg.) Macica iſt nach Einigen Magenkrampf, na< Anderen Kolik; wieder Au- dere ſagen, das Wort ſei unüberſeßbar, weil der Deutſche die Krankheit nicht kennt. Unſer gemeine Mann denkt ſich unter Macica einen mit ſcharfen Krallen verſehenen Wurm, der ſich im Eingeweide de8 Menſchen befindet und durch be- ſondere Veranlaſſung aufgeregt und geärgert, nun dem Menſchen zuſezt und ihn quält und peinigt. (Soldau.) - Jeder Menſc< hat in ſeinem Leibe eine Macica, die ihn oft fürchterlich quält. Wenn ſie aber abgeht, muß er ſterben. Jemand der eine ſolche Mavica geſehen hat, beſchrieb ſie mir. ES iſt ein Wurm mit rundem Leibe und zahl- loſen Füßen, ſo daß er faſt ausſieht wie eine Quaſte, und iſt etwa ſo groß, wie ein Thaler. (Hohenſtein.) Einem Mann wurde die Macica nah ſeinem Tode lebendig ausgeſchnit- ten, und man fucte ſie zu tödten, indem man ſie mit heißem Waſſer, mit Schei- dewaſſer 2c. begoß. Sie wurde dadurch aber immer größer. Endlich begoß man ſie mit Rinderſuppe; in Folge davon zog ſie ſich ganz klein zuſammen und ſtarb. Sie iſt ſo groß wie eine Hand, und hat auch Glieder wie Finger, mit venen ſie kneift und zuſammenzieht. Auch in Quappen finden ſich ſolche „Dinger“, aber kleiner, und die gemeinen Leute freuen ſich ſehr, wenn ſie ein ſol<he3 antreffen. Es wird dann herausgenommen, getro>net, pulveriſirt und in dieſer Geſtalt mit dem beſten Erfolge gegen die: den Menſchen quälende Macica eingegeben. Aus Gilgenburg gehen mir nachträglich folgende Nachrichten über die Macica zu: Den Scmerz, den der Deutſche unter dem Aus8dru> „Magenkrampf“ kennt, nennt der Maſur „Macica“. Macira iſt nah deſſen Vorſtellung jedoch nicht ein krankhafter Zuſtand ves Magens oder der Eingeweide, ſondern ein Uebel, das ſeinen Grund in dem Daſein eines lebendigen, eigenartigen Weſens im menſc<lichen Körper hat. Dieſe38 Weſen ſoll, wie der- Bandwurm erblich ſein. E38 hat im Unterleibe, in der Gegend des Nabels dder vielmehr um den- ſelben herum ſeinen Siß. Nah der Vorftellung Vieler hat es eine käferartige Geſtalt mit vielen krallenartigen Füßen, mit welchen es ſih an der innern Fläche der Nabelgegend hält. Wird es dur irgend einen Umſtand aus ſeiner Ruhe gebracht, ſo greift es mit ſeinen krallenartigen Füßen ins Fleiſch hinein und verurſacht dadurch jenen entſeßlihen Schmerz, der den Tod zur Folge haben kann. Obgleich es in den innern Theilen des Körpers ſeinen Sitz hat, ſo iſt es für äußere Eindrü>e doh ſehr empfänglih. Eine Erkältung des Körpers, oder auch der Genuß ihm widriger Speiſen, bringt e8 leicht aus ſeiner Ruhe heraus und.treibt es, Schmerzen zu verurſachen. Entſteht der Schmerz in Folge

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von Erkältung, ſo thut der Gebrauch von Wärme, in Geſtalt warmer Umſchläge gute Dienſte. Im andern Fall gebraucht man auch andere Mittel. Sind die Schmerzen anhaltend, ſo ſucht man ſie dur<h Räuchern zu mildern und zu ver- treiben. Zum Räuchern gebrau<ht man in dieſem Fall Bernſtein, Federn, dem Patienten vom Kopf und aus der untern Gegend des Körpers übers Kreuz ab=. geſchnittene Haare u. A. Den Rau zieht der Leidende durc< Naſe und Schlund ein. Hilft dieſes nicht, ſo greift man zu einem Radikalmittel. „„Trzeba macice zbrzydzie“ ſagt der Maſur, d. h. der Macica muß etwas dargeboten werden, das ihr Ekel verurſacht, wornach ſie ſofort nachläßt, oft für immer. Man nimmt hiezu ein wenig friſchen Pferde- oder Gänſemiſt, drü>t denſelben durch ' ein Läppchen aus, miſcht in die ausgepreßte Flüſſigkeit eine Quantität Brannt- wein hinein, um ſie genießbarer zu machen, und trinkt ſie herunter. Die3 Mittel beſeitigt das Leiden oft für immer. Nah der Vorſtellung Anderer iſt die Macica eine nach Art einer Quap- penleber geformte, wurmartige Maſſe; als ſol<e wollen ſie viele ausgebrochen haben, wornach auch der Shmerz für immer verſ<wand. Die Aehnlichkeit der Macica mit einer Quappenleber hat, wahrſcheinlich auch Veranläſſung gegeben, letztere als Heilmittel gegen den Schmerz ſelbſt zu gebrauchen. Die Quappen- leber wird zu dieſem Behuf getro>net, gerieben und dem an der Mais Lei- denden mit Waſſer oder Branntwein eingegeben. Eine Frau lag ſterbenskrank in Folge der Schmerzen, die ihr die Macica verurſachte. Seit mehreren Tagen hatte ſie niht mehr eſſen können, der Leib war aufgedunſen, und Niemand wußte ihr zu helfen. Da hört ihr Mann, daß einige Zigeuner in's Dorf gekommen ſeien; er wendet ſich an eine von ihren Frauen , und dieſe verſpricht Hilfe. Nachdem ſie die Kranke unterſucht hatte, ſagte ſie,-daß die Macica aus ihrer Lage gekommen wäre, doh ſie wolle ſie nicht nur in ihre urſprüngliche Lage zurü> bringen, ſondern auch für immer unſhädlih machen. Sie verordnete der Kranken troFene Bäder; täglich ein Bad, drei Tage hinter einander. In das Badewaſſer legte ſie einige Möhren und Wachholderbeeren hinein, ſezte der Miſchung*dann no<h einige unbekannte Wurzeln hinzu und goß die Maſſe auf einen heiß gemachten Ziegel hinauf. Die Kranke mußte, mit einem Laken bede>t, über der Badewanne ſißzen, und den aufſteigenden Dampf einathmen. Dies Mittel half für immer. Den dabei gebrauchten Ziegel mußte der Ehemann der Kranken in drei Stü>e ſc<lagen und den Tag näc< dem letzten Bade vor Sonnenaufgang unter einen Obſtbaum vergraben. Nach dem Ausſpruche der Zigeunerin ſollte der Baum ausgehen; und ſiehe, ſolhe3 ging wirklih in Erfüllung. Jm nächſten Jahr war der be- treffende Baum in der That ausgegangen, und ſpäter vertro>neten ſogar noch die andern Bäume des Gartens. Sehr verbreitet iſt der Glaube an die Maren... Schon Piſanski erwähnt M

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- 9 -- dieſelben als eine Art der Alfen. „Dieſes ſhädliche Unding, ſagt er, beſchäftigt ſich mehr damit, daß e3 den Körper des Menſchen angreift, als deſſen volle Sceunen plündert. E3 drücet öfter8 unſchuldige Perſonen im Schlafe ſo un- barmherzig, daß ſie für Engbrüſtigkeit und Angſt vergehen möchten. Sie wiſſen des Morgens darauf nicht Worte genug zu finden, die Marter, ſo ſie dabei ausgeſtanden haben, zu beſchreiben. Arzeneien und Hausmittel: werden dawider vergeblih angewandt, nur gewiſſe Beſchwörungen eines alten Mütterhens8 vor dem Sclafengehen äußern eine gute Wirkung. So ver- wirrt iſt die Vorſtellung hiervon! Niemand weiß dies plagende Geſchöpf zu beſchreiben; niemand hat es geſehen und betaſtet; und darum muß es ein Geiſt ſein“'). Meine Nachforſchungen, namentlich in der Soldauer Gegend, ergänzen dieſe allgemeinen Andeutungen durch weſentlihe Züge. Sowohl männliche als weibliche Perſonen erſcheinen als zmora, Mar: denn die Menge denkt ſih unter Maren verzauberte Menſchen; welche die Geſtalt von Katzen oder Hunden- haben. Sie kommen in der Nacht die Shlafenden zu quälen. Sie legen ihre Pfoten um den Körper des Schlafenden und drü>en ihn, daß er kaum noh athmen kann, indem ſie ihn zugleich küſſen und beleXen. Die zmora pflegt ihre Beſuche in beſtimmten Zwiſchenräumen zu wiederholen, ſo daß man ihr Kommen ziemlich gewiß vorausſehen kann. Ein Mittel ſich gegen ſie zu ſhüßen iſt, daß man ſich auf den Bauch legt: wenn dann die zmora kommt und küßt und merkt, daß ſie niht das Geſicht küßt, wird ſie ärgerlih und geht davon. - Die Mar ſte>t demjenigen, den ſie drüät, die Zunge in den Mund, daß er nicht ſchreien kann. (Hohenſtein.) Während des DruFes8 hat der Menſ< die volle Beſinnung, kann aber kein Glied rühren. Dann ſoll er verſuchen, die rechte große Zehe zu bewegen, und der Alp muß weichen. Während deß muß man nach ihm greifen, und man behält öfter3 etwas in der Hand, z. B. einen Strohhalm, eine Ruthe, einen Apfel u. ſ. w., worin ſi<ß- der Alp verwandeln kann. Man bittet ihn zu Früh- ſtü>, läßt auch beim Frühſtü>en für ihn eine Stelle leer, deßgleichen Teller und Löffel. Er kommt gewiß ; er muß kommen und man weiß, wer er iſt. (Wil- -lenberg.) Ein Tiſchler, der von der zmora gedrüdt wurde, faßte fie, rang mit ihr, tödtete ſie dur< einen Schlag mit dem Hammer und warf ſie auf den Miſt- haufen. Am folgenden Morgen fand man hier einen menſchlihen Leichnam mit der Wunde von dem Hammerſc<hlage. Dergleichen iſt öfters geſchehen. Meiſtens erfuhr man denn auch bald, daß in der Umgegend, vielleicht einige Meilen weit von dem Ort, wo die Mar getödtet war, ein Menſch verſHwunden 1) A. a, O. No. 21,8 4.

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- 320 3 ſei, und fand bei weiterer Nachforſchung, daß die vorgefundene Leiche dem Ver- ſc<hwundenen angehörte ). Man denkt ſich die zmora als Perſon, ladet ſie, wenn man wiſſen will, wer es iſt, zum Frühſtü> ein, ſtellt dänn den Beſen verkehrt in die E>e und hindert ſie dadur;4 am Fortgehen. Wenn die ſo Gefangene nun bittet, man möge ſie hinauslaſſen, dann nimmt man den Beſen und walkt ſie tüchtig durch. Sie kommt dann nicht wieder. (Hohenſtein.) Die Mar drüct auc< Vieh und Pferde. Sie flicht den Pferden u Zöpfe. (Hohenſtein.) Ein Vater hatte drei Töchter, welche alle als Maren gehen mußten, die eine mußte die Dornbüſche im Walde drücen, die zweite das Waſſer, die dritte Pferde. Der Vater wußte e38 aber nicht. In einer Nat, als ſie von ihrer Wanderung na<h dem Heuboden, wo ſie zuſammen ſchliefen, zurü> gekommen waren, klagten ſie einander ihre Noth. Die eine war von den Dornen zer- ſtochen, die andere von den Wellen des Waſſers zerpeitſ<ht, die dritte von den. Hufen der Pferde zerſchlagen. Der Vater hörte die Unterredung an und kam nun erſt hinter das Geheimniß. Sie waren aber ganz unſchuldig dazu gekom- men, daß ſie al8 Maren gehen müßten, denn ihre Pathen hatten während ihrer Taufe daran gedac<t. Sogleih nahm der Vater andere Pathen und ließ die drei Töchter umtaufen. Nun waren ſie von der Umwandlung in Maren frei. Dieſes Mittel wendet man überhäupt in dergleichen Fällen an. (Hohenſtein.) Dergleihen Geſchichthen werden mehrere erzählt. So wurden in einem Wirths8hauſe drei Schweſtern von einem Wanderer belauſcht, als ſie von ihren nächtlichen Wegen zurüFgekehrt, darüber ſprachen, welche von ihnen es am ſchwerſten habe. Die eine hatte als Mar Vieh zu drücken, die andere Menſchen, die dritte Bäume. Die erſte hatte es offenbar leichter als die zweite, da es leichter iſt in Ställe zu kommen, als in die Wohnungen der Menſchen, aber am ſchwerſten hatte e8 do<h die dritte, welche die Bäume erſt erklettern mußte, um fie zu drüfen. Das Geſpräch wurde dem Vater hinterbracht und die Mädchen umgetauft. (Hohenſtein.) Wenn man von der Mar gedrüt wird, ſoll man fie feſthalten und nicht loslaſſen. Sie nimmt dann alle möglichen Geſtalten an, indem ſie ſich z. B. in eine Schlange, einen Froſch, einen Strohhalm verwandelt. Aber thun kann . ſie nichts, wie grimmig ſie auch ausſieht, und endlich muß ſie ſich in ihre menſch- liche Geſtalt verwandeln. Wenn ſie ſich dann auf, einen andern Namen um- taufen läßt, ſo iſt ſie von dem Weſen frei. (Hohenſtein.) Selbſt Krankheiten ſoll die Mar veranlaſſen. Wenn Jemand an Kolik des Kopfes oder Magens leidet und ſich beſprechen laſſen will, ſo faßt der oder vielmehr die die Beſprehende (denn am Beſten wirkt eine Frau und zwar eine alte) 1) 1) Vgl. das Geſchichthen aus Königsberg in den N. Pr. Pr.-Bl. 1846. Bd. 1. S. 394.

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die Magen- oder Kopfgegend, an welcher der Leidende Schmerz empfindet und drückt ſie feſt zuſammen, ſo oft ſie paſſende Worte dazu ſpricht. Dieſe Bann- formel wird neunmal wiederholt und nah je dreimaligem Herſagen das Vater- unſer einmal gebetet. Sie lautet wörtlih: „Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Amen. Frau Mutter ich pa>e dich, ich drüde dich, geh du nur zur Nuhe in deine Kammer, wo dich der liebe Gott erſchaffen hat!“ Na dem Akte des Beſprechens verliert ſich der Shmerz bei dem Kranken etwas, bald darauf ganz und kehrt ſpäter nie mehr zurü&, wenn das Beſprechen gehöriger Art geweſen und von einer dazu eingeweihten, ſich dafür eignenden Perſon geſchehen iſt. Denn nicht Jeder eignet ſich für dieſe Kunſt der Neunen. Hilft einmaliges Beſprechen nicht, ſo kann's noh einmal wiederholt werden; öftere Verſuche aber dürſten nicht lohnend ſein. Ueber die Bedeutung der Frau Mutter hat der Berichterſtatter (Gutsbeſizer Haſſenſtein) die Erzählerin befragt und zur Antwort erhalten, es werde die Mutter Gottes damit angeredet. Der Berichterſtatter urtheilt mit Recht , dies ſei falſh, denn die Frau Mutter werde ja ſelbſt gebannt, und glaubt annehmen zu dürfen, es ſei die Mar'). Ob nicht vielmehr an die Maoica zu denken iſt? Der Mar verwandt iſt der Werwolf, wilkotek, ſofern beide Unholde durch Verwandelung von Menſchen entſtehen. Schon im ſe<h8zehnten Jahrhundert hat Georg Sabin von einem Werwolfe Nachricht gegeben. Es ward nämlich zu ſeiner Zeit ein Menſch, der für einen Werwolf gehalten wurde, von den Bauern gegriffen und an den Herzog Albrecht nach Königsberg gebrac<t. Seine ver- wilderte Geſtalt machte ihn freilich einem Thiere ähnlicher, als einem Menſchen. Im Geſichte hatte er verſchiedene Wunden und Narben, die ſeinem Vorgeben nach von den Biſſen der Hunde, da ſie ihn als einen Wolf verfolgt, hergekom- men ſein ſollten. Der Herzog ließ mit ihm ein genaues Verhör anſtellen. Er bekannte frei, daß er zweimal des Jahres, nämlih um das Weihnachts- und Johannisfeſt, in einen wirklihen Wolf verwandelt und um dieſe Zeit durch einen innerlichen Trieb gezwungen würde, ſich in den Wäldern mitten unter den Wölfen aufzuhalten; ob er gleich eine große Beängſtigung am Gemüthe und Schwachheit am Leibe empfinden müßte, ehe die Haare ausbrächen und er einen Wolfspelz anzöge. Man glaubte ihm dies ſo lange, bis man eine Probe dgvon würde geſehen haben, und er ward im Königsbergiſ<hen Sc<hloß ſorgfältig verwahrt. Die Zeit ſeiner Verwandlung kam heran; er blieb aber ein Menſch. Man wartete no< länger und er blieb derſelbe?). Denno< lebt der Glaube an Werwölfe in Preußen fort. Rektor Gerß in Gr. Stürla> erzählt darüber folgendes: Der Werwolf ſoll an einem kurzen Scwanze, den er am Kreuze hat, kenntlich ſein und denjenigen Leuten, die ihn 1) N, Pr. Br.Bl. 1847, Bd. 1. S. 472. 2) Piſanski, No. 25 8 17, nach Sabin Metamorph. I. v. 232 sq. Töppen, Leben des Georg Sabinus. 1844. 8. S. 274,

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SZ Bs beleidigt haben, aus Rache das Vieh erwürgen. Ein ſ<lauer Bettler gab ſich für einen Werwolf aus, gewiß darum, damit man ihn beim Betteln reichlich bedenken möchte. Aus Furcht, ſeinen Zorn auf ſich zu laden, gaben ihm die Bauern Spe, - Getreide u. dgl. ſehr reichlih. Welche fürchterlihe Folgen dieſer Aberglauben haben kann, geht aus folgender Erzählung hervor. In. ein Dorf Maſurens kam am hellen lihten Tage ein waſſerſcheuer Wolf ge- laufen. Die Bewohner des Ortes wähnten, daß es ein Werwolf ſein müßte, da ein gewöhnlicher Wolf im Sommer am Tage ins Dorf niht kommen werde. Unglüdliher Weiſe wohnte in einem benachbarten Dorfe ein Menſch, der für einen Werwolf gehalten wurde, und ſo glaubte man ſteif und feſt, daß. er in dem Wolfe ſte>en müſſe. Man beſchloß an ihm ein Exempel zu ſtatuiren, trieb ihn in die Einfahrt des dortigen Kruges, verſchloß die Thüren und drang, mit Heugabeln, Miſtforken, Stangen u. dgl. bewaffnet, in dieſelbe hinein, um ihm den Garaus zu machen. Dies gelang aber erſt, nachdem der Wolf meh-- rere Menſchen verlezt hatte, die auch hinterher an der Waſſerſheu ſtarben). Die Menſchen, welhe auf dem Kopfe zwei Wirbel (Stellen, wo ſich die- Haare drehen) haben, ſtehen in dem Verdachte, daß ſie ſich in Wölfe verwandeln, allerlei Schaden anrichten und ſelbſt Menſchen freſſen können. (Hohenſtein.) Der zu Liſſa im Poſenſhen erſcheinende Hausfreund lehrt: „Um den Werwolf zu erkennen und ſich von ihm Ueberzeugung zu verſchaffen, ſoll man eine Kruſte Brod in den Mund nehmen und dieſelbe unvermerkt im Munde haltend, dreimal um den vermeinten Werwolf herumgehen. Bei dieſem Ver- fahren verliert er die menſchliche Geſtalt und nimmt die Wolfsgeſtalt an *). Wenn manche Menſchen ſich in Werwölfe verwandeln müſſen, ſo ſind daran die Pathen Schuld, welche während der Taufe an ſolche Dinge gedacht haben. (Hohenſtein.) 3) Von perſönlich gedachten dämoniſchen Weſen werden öfters erwähnt die Waſſergeiſter, welhe Menſchen in das Waſſer hinabziehn, die ſogenannten topich. Im Marrhöfer See. (Ortel8burger Kreiſes) ſind zwei topich , kleine Jung<hen mit rothen Müßen. Die tauchen auf, klatſchen drei Mal in die Hände, und verſchwinden wieder. Dann ertrinkt Jemand. (Kl. Jerutten.) - Auch im Dmuleff-See und im Shwenty-See (bei Kurken) giebt es ſolche Topichs8. Jedes größere Gewäſſer ſcheint naß dem Volks8glauben ſeinen topich | zu haben. Der Glaube daran iſt ſehr verbreitet, und. die Leute, welche in der - unmittelbarſten Nähe der Gewäſſer leben, ſind von dem Daſein ſolcher Weſen 1) N. Pr. Pr.-Bl. 1850.. Bd. 1. S. 468. Eine Notiz aus Litauen. N. Pr. Pr.- Bl. 1846. Bd. 2. S. 379. 2?) Przyjaeiel ludu z Leszna, Volksfreund aus Liſſa, Jahr- gang 1837. S. 75. angeführt von Gerß a. a. O. 3) Die Metamorphoſe der Menſchen in Maren und Werwölfe erinnert an eine noch merkwürdigere. Die Maſuren können aus ' Söägeſpähnen Flöhe machen.

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- 8 -.-. am allermeiſten überzeugt. Die gefährlichſten, tiefſten Stellen, an denen die Waſſerwogen am allerwildeſten zu brauſen pflegen, ſind der Aufenthalt des topich. Die Nixen der deutſchen Sage ſind von den Weſen, welche nach dem maſuriſhen Volk8glauben im Waſſer leben, weſentlich verſchieden. Von weib- lien Weſen dieſer Art weiß der maſuriſche Aberglaube nicht3 zu erzählen; er ſtellt ſich dieſes Weſen unter männlicher Geſtalt vor und nennt es topicb. Dieſen wollen Viele au< ſelbſt in der Nähe geſehen haben. Er iſt nicht groß, etwa wie ein ſec<hsjähriges Kind, hat triefende8 Haar, zuweilen auch eine roth- farbige Kleidung. Die Nixen der deutſ<hen Sage ſind grauſame Weſen, wenn ſie durc< BoSheit und Muthwillen gereizt werden; ſie ſind aber auch oft freund- lich gegen die Menſchen und erweiſen ihnen Gutes auf verſchiedene Art. Von dieſen Eigenſchaften weiß die maſuriſ<e Sage an ihrem topich nicht8 zu er- zählen; Eins ſteht nur feſt: er fordert zu gewiſſen Zeiten ſein Opfer. Daher giebt es ja Seen, in denen Jahr für Jahr eine gewiſſe Anzahl Meuſc<hen er- trinfen muß. Zu Zeiten hört man, namentlich wenn die Stunde gekommen iſt, welche ihm ſein Opfer bringen ſoll, den topich in dem Waſſer ſchreien, lachen, weinen, klagen, al8 wollte er dadur<h die Aufmerkſamkeit der Vorübergehenden oder der in der Nähe ſich Aufhaltenden auf ſich lenken. Viele wollen die aus- drücklichen Worte aus ſeinem Munde deutlih vernommen haben: - »„Czas idzie i godzinsa 4 A czlowieka niema““. (d. h. die Stunde rü>t heran, und iſt noch kein Opfer zu ſehen.)- Wem es beſtimmt iſt, dem topich zum Opfer zu fallen, den treibt mit unwiderſtehliher Gewalt ein gewiſſes Etwas (Ahnung) in die Nähe des Waſſers, und er bleibt troß augenblilicher Hilfe, gewiß darin: der topich zieht ihn her- unter, alle Hilfe iſt daher vergebens. Hat man es do verſchiedentlich geſehen, wie mancher Ertrinkende, troß der größten Anſtrengung, ſich über dem Waſſer (oder im Winter -- auf dem Eiſe) zu erhalten, mit Gewalt unter daſſelbe ge- "Tiſſen wurde und verſchwand. Um die Leute an ſich zu lo>en, hängt der topich oft etwas an einen Baum oder Strauch, der am Waſſer ſteht, z. B. eine Müze, einen Stiefel, oder ſonſt etwas Lo>endes auf und zieht diejenigen nach ſich, welche darnach greifen und faſſen. Wer dem topich zum Opfer beſtimmt iſt, der findet im Waſſer oder in irgend einer verwandten Flüſſigkeit ſeinen Tod gewiß. Dies beweiſet folgende Erzählung: Ein Herr fährt mit ſeinem Knecht in einer dunkeln Nacht an einem See vorbei, der auch ſeinen vopich hatte. Den Kne<ht quälte brennender Durſt; er wollte anhalten und mit dem Waſſer des Sees ſeinen Durſt ſtillen. Der Herr kannte die Eigenſchaft des Sees, Jahr für Jahr ſein Opfer zu fordern, genau, und hörte, als er jetzt in die Nähe deſſelben gekommen war, die klagende | 3

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- | Stimme des topich auch, welcher ſein Opfer forderte. Alle Bitten, den Knecht vom Trinken de8 Waſſers abzuhalten, waren vergebens; er wollte durchaus ſeinen Durſt löſhen. Nur ein Gewaltmittel konnte ihn daran hindern. Dies ſah der Herr, faßte die Zügel in ſeine Hand und fuhr im ſchnellſten Trabe dem nächſten Dorfe zu. In der Schenke ließ er dem Knecht ein Glas Bier reichen; dieſer trank es aber kaum hinunter, ſo fiel er rü>ling8 hin und ſtarb: ſeiner Beſtimmung entging er alſo doch nicht, der topich mußte ſein Opfer haben. Aus der obigen Erzählung ergiebt ſich no<h eine beſondere Eigenthümlich- keit des topich: ſeine Stimme iſt für das für ihn beſtimmte Opfer nicht wahr- nehmbar; oder ſie muß für daſſelbe etwas unwiderſtehlih Lo>endes an ſich haben, dem in keiner Weiſe zu entkommen iſt. Daß eine babajienza im Korn ſike, ſagt man den Kindern oft, vermuth- li< damit ſie nicht in das Korn dringen, Blumen zu pflüFen. Die babajienza kommt vor in dem bekannten Mährchen vom Pfefferkuchenhäus<en. Wenn einem eiwas, was man ſo eben noh in der Hand gehabt hat, unter der Hand verſchwunden iſt, und man ſucht und ſucht es vergebens und kann's nicht finden, ſo ſagt man „Pokusza wietla“, die Verſucherin hat's genommen. (Hohenſtein.) Dämoniſche Kräfte ſind im Spiele, wenn Wirbelwind ausbri<ht. Man hört daun in Maſuren ganz gewöhnlich den Ausdru>k: „Der Teufel fährt zur Hochzeit.“ Wenn der Wirbelwind ſo ſtark iſt, daß auch Erde aufgerührt und mitgeführt wird, ſo ſagt man: „Ein Pferd fliegt durch die Wolken“, =- Aus- drücke, die ſehr lebhaft an Wodans wilde Jagd erinnern. Uebrigens entſteht au< Sturm, wenn ſich Jemand erhängt. (ſ. u.) Manchmal ſagen die Leute auf dem Felde: „Da brennt ein Schaß;“ „3< habe ein Feuer<hen geſehen!“ Man meint, wenn man gleich hinginge zu graben, ſo würde man einen Saß finden; ſie ſind aber fur<htſam. (Kl. Zerutten.) Eine blaue Flamme, welche aus dem Ader aufſhlägt und bald verſchwin- det, bezeichnet die Stelle, wo ein Schaß vergraben liegt. Wer ſie ſieht, muß . den Schuh oder Stiefel vom linken Fuß ſchnell abziehen und hinter ſich werfen. Wenn das nicht geſchieht, ſo verſinkt der Shaß. Wenn man's aber gethan hat und um Mitternacht hingeht und gräbt, ſo findet man einen Topf oder Keſſel mit Gold- oder Silbermünzen oder beiden zuſammen. Bei Kyſchienen in der Nähe von Soldau gab es einen gelähmten Hirten, dem ſoll das Geld ge- brannt haben, und man glaubte ſo allgemein daran, daß er einen großen Keſſel mit GoldſtüFen gefunden habe, daß man ihn, da er das Geld nicht herausge- ben wollte, feſtnahm und lange feſthielt. (Soldau.) Die vergrabenen Schätze müſſen ſich alle ſechs Jahre reinigen; da ſieht man denn, wie ſie in hellblauen Flämmc<en brennen. Haben ſie ausgebrannt,

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-- 335 = ſo ſinken ſie wieder tief in die Erde hinein. Wer .die Flamme ſieht und dann ſeinen Pantoffel, ſeinen Sto> oder ſonſt etwas, was er bei ſich trägt, von ſich wirft, kann dadurch. bewirken, daß die Flamme erliſcht, und der Schat nur ſo tief in die Erde ſinkt, als der Sto> 2c. weggeworfen wurde, und kann dann den Schaß mit Sicherheit au3graben. (Willenberg.) Glü&s8groſchen oder Glü>s8gulden kehren zu dem Beſitzer zurü&, wenn man ſie nicht ganz ausgiebt. Das Geld iſt eine Gabe de8 Böſen und kann auc< Gefahr bringen. Einer, der einen ſolhen Glüs8groſhen lo8 werden wollte, konnte dies nicht erreichen, bis er erfuhr, man müſſe ſol<he8 Geld genau auf die Stelle hinlegen, wo man es gefunden hat. (Hohenſtein.) 2. Die Zauberei und die Verſegnungen. Das Perſonale, welches die Vermittelung zwiſchen der ſhwachen Menſch- heit und den dunkeln Mächten beſorgt, die Waidelotten, Signoten und Zauberer haben ſhon Luca3 David und die beiden Meletius im ſec<hs8zehnten Jahrhundert treffend gezeihnet. Dur< alle Jahrhunderte fort hat ihr Geſchlecht ſich er- neuert. In einem Viſitation3receß der Paſſenheimer Kirche von 1667 (in der Kirchenregiſtratur zu Paſſenheim) wird unter andern geſagt: „Man weiß in der Gemeinde von keinem Zantler noh Wahrſager, nur Elia8 Sh<hawitza wird wegen eines Segenſprehens angegeben, hierauf vorgeſordert und bei großer Strafe ermahnt, ſol<es8 hinfort niht mehr zu treiben“. Der Segensſpruch war den Akten beigelegt, iſt aber leider verloren. Von einem Verſegner zu Friedrich38hof um 1741 war in der Mittheilung über die weißen und kalten Leute die Rede. Um 1756 war das Verſegnen nach Piſanski (No. 24 8 12) bei den Landleuten hin und wieder, wo nicht offenbar, do< heimlich, in Uebung. Zum Viehſegnen, fährt er fort, laſſen ſich mehrentheils päpſtliche Beſchwörer ge- brauchen, die wohl ehe auf Unkoſten einer ganzen lutheriſchen Dorfſhaft von weit her zu dieſer Handlung geholt worden. Vor etwas mehr, als zwanzig Jahren geſchah ſolches in einer namhaften Gemeinde dieſe38 Königreichs, als in der Nachbarſchaft deſſelben Dorfs ſich eine Seuche unter dem Vieh äußerte. Die Sache ward verrathen und die Schuldigen mußten de3halb auf Befehl der Oberen wegen dieſes gegebenen Aergerniſſes öffentliche Kirhenbuße thun. Die Prediger gaben ſich dabei alle Mühe, ihnen die Ungereimtheit und Sündlichkeit ihre3 Verfahrens vorzuſtellen, und es ſchien auch, daß ſie durch den erhaltenen Unterricht davon wären überführet worden. Allein der Erfolg, nah welchem dieſe Art Leute die Sittlichkeit einer Handlung viel ſicherer, al38 nach den bün- digſten Beweisgründen zu beurtheilen glauben, mußte ſie in ihrem Irrthum beſtärken. Die Seuche räumte das Vieh in der rund umher liegenden Gegend ſtark auf; ihr Dorf hingegen blieb verſchont. Was aber das Merkwürdigſte war, ſo fiel zwar ein einziges Stü> in demſelben, aber eben dasjenige, ſo ſich

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ZZ dazumal verlaufen hatte, als mit der übrigen verſammelten Heerde die Seg- nungsceremonie vorgenommen ward, und welches alſo ihrer Meinung nach keinen Antheil an dem Segen hatte. Hier war es nun den unumſtößlichſten Vorſtellungen unmöglich, etwas auszurichten.“ Auch gegenwärtig noh giebt es Waideler, Signoten, Zauberer, Zäntler, Wahrſager, Verſegner, Hexen oder wie man dieſe Leute ſonſt nennen will, in Menge. Man deutet ganz ſpeciell auf ſolche Leute mit der euphemiſtiſchen Wen- dung: „Er verſteht mehr, als das Brodeſſen“. Frauen, die rothe Augen haben, beſonders alte, ſind ſchlimme Leute; ſie können hexen, und vor ihnen nimmt ſich das ganze Dorf in Acht: In jedem Dorfe giebt es eine oder ein Paar Perſonen, meiſtens Frauen, aber oft aug Männer, die in dem beſonderen Rufe ſtehen , die Kunſt des Ver- ſegnens zu verſtehn. Es ſind oft gebrechliche oder ſonſt durch körperlihe Schä- den auffallende Perſonen, in K. bei Hohenſtein z. B. iſt e8 ein Zwerg. Sie leben meiſt in dürftigen Verhältniſſen. Oft wird ihre Hülfe ganz ſo, wie Piſanski vor mehr als hundert Jahren ſchildert, von einer ganzen Dorfſhaft oder von mehreren in Anſpruc<ß genom- men. Al3 e8 noc< Geſammthütungen gab, war es Regel, daß das Vieh zu Mariä Verkündigung, Matka hoz2a (25. März) ausgetrieben werden mußte, die Witterung mochte ſein, wie ſie wollte, wenn auch nur auf eine Stunde. Dann mußte die Heerde gegen den Wolf und gegen Krankheiten verſegnet wer- den. Hiezu wurde ein Mann, der dies verſtand, für ein oft re<ht anſehnliches Honorar beſtellt. Sobald er ankam, ging er um die Heerde herum, ſprach ſeinen Segen, und fuhr dann ſc<hleunigſt weiter, wenn er daſſelbe auch noh an andern Orten zu thun hatte, wie es gewöhnlich der Fall war. Für dieſes Geſchäft, ſo wie für ſchwerere Krankheiten bedurfte man eines beſonders erfahrenen, gewiſſermaßen eines Oberzauberer8. Von dieſen Ober- zauberern, ſchreibt der ehemalige Pfarrer Krolczyk in Kurken'), welchen ſtärkere böſe Geiſter zur Verfügung ſtehen, nimmt man in der Regel an, daß ſie nie bezaubern, ſondern nur entzaubern. „Jedoch iſt mir, fährt derſelbe fort, auch ſchon von ſolchen erzählt, die ihre Macht nach beiden Seiten hin anwenden und zwar den näher Wohnenden zum S<haden und den Entfernten zum Segen. Sie ſchaden auch ſolchen, die ihnen geringe Geſchenke oder keine bringen. Wer von ſolhen Zauberern mit einer Krankheit behext iſt, der iſt übel daran. Er muß dann oft 10 bis 15 Meilen zu einem beſonders berühmten Zauberer hin, deſſen Ruf größer iſt, als der, der ihn behext hat. Die Leute wiſſen auch viel von den heftigen Dialogen zwiſchen den dienſtbaren Geiſtern der beiden Zau- berer zu erzählen. Gewöhnlich finden dieſe in der Kühe, und am beſten um Mitternacht, ſonſt auch vor Sonnenaufgang und na< Sonnenuntergang ſtatt, 1) Im evangeliſchen Gemeindeblatt, Jahrgang 1857, No. 50.

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Zw wo die Beſprechungen in der Regel vorgenommen werden. Jm Neidenburger Kreiſe ſind ſolhe Zauberer anſäßig, ſo viel mir bekannt iſt, in S. (Kirchſpiel Soldau), in G., einem Vorwerk von F. (Kirchſpiel von Rauſchken), in G. (Kirchſpiel Jedwabno, jekt ſeit einem Jahre proviſoriſch zu Furken geſchlagen). * Ihre Praxis erſtre>t ſich auf einen weiten Umkreis, oft 3 bis 4 Meilen weit. Der Oberzauberer von G. hält ſich Pferde, und bereiſt die ganze Umgegend bis | nach Allenſtein und Gilgenburg zu. Er hat dieſe Praxis von einer Oberzauberin aus Neu-Bartelsdorf (Kreis Allenſtein, Kirchſpiel Jedwabno, jeht Gelguhnen), Namen3 R. Dieſe, ſo wie ſchon vdr ihr die Mutter, bereiſte 4 Kreiſe, den Neidenburger, Allenſteiner, Oſterode und Ortels8burger. Sie gab ſich außer dem gewöhnlichen Zaubergeſchäfte namentlich auch mit Wahrſagen und Shaz- heben ab. Vor circa zehn Jahren wußte ſie mit Hülfe eines evangeliſchen Lehrers, der dabei als katholiſcher Geiſtlicher fungirte, einen wohlhabenden Wirth in P. (Kirchſpiel Saberau) beinahe um ſein ganzes Grundſtü> zu bringen, indem ſie ihm verſprach, auf ſeinem Gehöfte einen Schaß zu heben. Dafür kam ſie denn, wie der ſaubere Lehrer, ins Zuchthaus. Wo ſie jett iſt, unter den Lebendigen oder Todten, weiß ich nicht.“ Die Hexen oder Hexer (ſo ſagt man hier oft) können dem Menſchen alles mögliche anthun (uczynek), durch den böſen Blik, dur< Anhauchen, durch Berühren, durch Beſchütten und dadurch, daß ſie ihm etwas zu eſſen geben, Sehr gefürchtet iſt der böſe Bli>. Jeder Weichſelzopf und jede plöß- liche Verkrüppelung wird dem böſen Bli oder dem Behexen zugeſchrieben, und wenn man ſich davor hüten und ſichern will, muß man ſich ſegnen und mit dem Zeichen des Kreuzes bekreuzen. (Wallendorf.) Faſt alle ſ<hwereren Krankheiten, offenbare äußere Verlezungen und das gewöhnliche kalte Fieber abgerechnet, werden als Anthun bezeichnet und gewöhn- li< Frauen aus der nächſten Bekanntſchaft, ja Verwandtſchaft, wenn ſie rothe Augen und etwa no<h ein verſchloſſenes Weſen haben , zugeſchrieben (Krolczyk.) Wenn man von einem, der nicht gute Augen hat, angeſehen wird, ſo be- kommt man urok. (Wallendorf, Hohenſtein.) Wenn einem plößlih unwohl wird, daß ihm das Blut zu Kopfe ſteigt, ſo ſagt man, er habe urok. (Hohenſtein.) Der urok iſt die Folge von allerlei böſen Einflüſſen, ſagt der ehemalige Pfarrer Krolczyk in Kurken, und wird nicht immer auf böſe Menſchen zurü- geführt, ſondern ſcheint viel mehr unſichtbaren Mächten zugeſchrieben zu werden. Denn daß das Wort „Behexung, Bezauberung“ heißt, habe ich erſt aus dem Lexicon erfahren, wenngleich ih nach der Angabe meiner Eltern oft dieſen urok gehabt haben ſoll. So viel weiß ich no<, daß Uebelkeit, Kopfſ<hmerzen und Schwindel dafür gehalten wurden.

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8 Der urok kommt davon her, wenn eine oder mehrere Frauen zu viel einen Mann angeſehn, oder umgekehrt, wenn eine Frau von einem oder mehreren Männern zu viel angeſehen wird. (Willenberg.) Wird dem Bauern ein Stü Vieh krank, paſſirt in ſeinem Hauſe ein Un- glüd, ſo iſt beſtimmt eine Hexe daran Schuld, namentlich ſind die Kinder dem Behexen dur<h den böſen Bli ausgeſezt. (Soldau.) Beſonders oft iſt von dem Verhexen der Kühe die Rede. Ein Beiſpiel davon finde ich unter anderen auch in einer Ortel8burger Amt8rehnung vom Jahre 1684. Mancher hat einen böſen Bli>, ohne e38 zu wiſſen und ohne Böſes an- richten zu wollen. Schon Simon Grunau ſagt: „Wenn eine Frau in Wochen liegt und von anderen*Frauen beſucht wird, und dieſe“das Kind beſchauen und ſprechen bloß: „Ei, das iſt ein ſ<hönes Kind,“ ſo halten ſie dafür, es ſei be- rufen und verderbe ſo.“') Ein Gutsbeſiker bekam Beſuch von ſeinem Freunde. Er erzählte ihm un- ter andern: Jh habe ein Neſt wilder Enten-Eier ausbrüten laſſen; es ſind aller- liebſte Dinger<hen; komm ſie ſehen. Der andere antwortete: Jh habe nicht gute Augen; ſie werden alle verderben, wenn ich fie ſehe. Auf weiteres Zu- reden ging er mit und beſah die jungen Enten, die nun wirklich bald darauf alle ſtarben. Auch das war nrok. (Wallendorf.) Oft laſſen die Hexen, was ſie einem anderen Menſchen anthun wollen, mit dem Winde auf ihn angehen. (Hohenſtein.) Sehr gefür<tet iſt das Beſhütten (obszipka). Die Hexen beſchütten nämlich den Menſchen mit einem gewiſſen Pulver, und er bekommt dann einen Ausſchlag, eine Art Flechte auf Händen und Füßen, welcher ebenfalls den Na- men Beſchüttung führt. Erkommt beſonders bei älteren Leuten vor. (Hohenſtein.) Das Pulver zum Beſchütten mac<ht die Hexe, indem ſie eine ſc<orfige Kröte verbrennt. (Wallendorf.) Sie machen es aber auch anders. Sie gehen zur Communion, ver- ſ<hluFen aber die ihnen dargereichte Oblate nicht, ſondern bewahren ſie, hängen ſie auf und legen ein Stü> Brod darunter. Dann träufelt das Blut Chriſti auf das Brod, und wenn das Brod getro>net iſt, brauchen ſie es zum Be- ſchütten. (Hohenſtein.) Oft richten die Hexen an einer Stelle etwas an, was den befällt, der dieſe Stelle berührt. Das ſind „böſe“ Stellen. (Hohenſtein.) ' Do kommen „böſe“ Stellen auch ohne Zuthun „böſer“ Menſchen vor. (Krolczyk.) 1) Töppen, Lekte Spuren 2c. S. 337. Ueber den böſen. Bli vgl. die Abhandlung . in den N. Pr. Prov.-Bl. 1846, Bd. 1, S. 391. Grintm, deutſche Mythologie, S. 1053.

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. Wenn Jemand krank geworden iſt, ſagt man: „Er kroch über eine böſe Stelle.“ So der kleine B., welcher vor einigen Jahren das Gymnaſium zu Hohenſtein beſuchte, na<mals aber ſeiner Krankheit erlegen iſt. (Hohenſtein.) Wenn eine Hexe einen andern behexen will und bringt es nicht zu Stande, ſo muß ſie es ſich ſelbſt anthun. So z. B. eine Hexe in Mispelſee bei Hohenſtein. Oft kommt es vor, daß eine Hexe, welhe Jemandem ſchon etwas angethan hat, ihre Hexerei noH verbeſſert, d. h. das angethane Uebel no<h vermehrt. In der Nähe von Hohenſtein giebt e3 einen Oberhexer, der hat einen Spiegel, in welchem man die Hexe ſehen kann , von der man behext iſt. Viele Behexte beſuchen ihn de8halb. Dann fragt er den Kranken : Willſt du, daß ich die Hexe zeihne? Wenn man dies verlangt, ſo ſchneidet er der Hexe im Spie- gelbilde am Ohr oder an der Naſe etwas weg, mit dem Bedeuten: „Nun wer- det Ihr die Hexe ſchon kennen.“ Au< ſchneidet er der Hexe den Hals ab, aber viele verlangen nicht, daß der Here ſo übel mitgeſpielt werde. Vorzeigung des Spiegelbildes und Operation koſten 1 Gulden. » Wenn einem von einem böſen Menſchen etwas angethan iſt, jo wendet er ſich an einen andern, der das Hexen noch beſſer verſteht, und dieſer hebt die Wir- kung der erſten Hexerei auf. Er kann das aber nicht immer, namentlich dann nicht, wenn einem ein Uebel mit Recht angethan iſt. Eine Brodfrau in Hohenſtein, bei welcher ein Bauer Brod gekauft hatte, eignete ſich deſjen Geldbeutel an, den er aus Verſehen hatte liegen laſſen, und leugnete fre<, al5 der Bauer zurüc- fam und nach ſeinem Beutel fragte. Auf ſeinen Antrieb that ein Hexer es der Frau an, daß fie verkrummte. Sie hat verjucht durch einen Oberhexer das Vebel lo3 zu werden, aber vergebens. Auch weiß Jedermann unter dem ge- meinen Volke, daß ihr überhaupt Niemand mehr helfen kaun, denn ſie hat es verdient und iſt mit Recht behext. In einem Dorfe bei Hohenſtein ſtarb eine Frau an einer Kranfheit, die ihr angehext war. Als ſie beerdigt war, kehrte man die Bahre um, mit den Füßen nach oben, um die Hexe zu ermitteln; man meint, daß die Hexe dies nicht ertragen könne, ſondern komme und die Bahre wieder in die gewöhnliche Lage umkehre. Wenn man eine Frau kommen fieht, von der man meint, es ſei eine Hexe, ſo ſhmeißt man den Beſen vor die Thür hin; dann kann fie nicht hinein. (Hohenſtein.) Bettler ſind oft Hexer, und man muß ſich ſehr vor ihnen in A<ht nehmen. Wer ihnen nicht reichlich giebt, dem wünſchen ſie oft etwas an. Eo iſt von ihnen manhem Ausſchlag angehert. 'Soldau.) Uebrigen3 iſt das Anwünſchen auch von ſolchen zu für<hten, welche nicht in die Hexerei eingeweiht find. Schon im Anfange de3 ſech5zehnten Jahrhun-

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ZO. derts berichtet Simon Grunau in ſeiner Chronik von Preußen: „Dies halten fie feſt, was man einem wünſcht, daß dies einem beſtehe, wo er ſih nicht ſegnen läßt.“"') Au<h kann man in einzelnen Fällen einem andern leicht einen kleinen Denkzettel appliciren. Wird über Jemand in ſeiner Abweſenheit geſchändet, ſo kniſtert und knallt das Feuer im Kamin. Nun darf der Beſchändete nur ſchnell Salz ins Feuer ſtreuen, ſo hört das Kniſtern und Knallen auf, und die- jenigen, welche ihn beſhändeten, haben Blaſen auf der Zunge. (Hohenſtein.) Ziſc<ht das Feuer auf dem Heerde, ſo wird irgend Jemand aus dem Hauſe verleumdet. Dann ſtreut man Salz aufs Feuer und meint, ſo wie dieſes, ſo werde die Zunge des Verleumders einſt im Feuer brennen. (Gilgenburg.) Wenn man Blaſen auf der Zunge hat, wird man beſhändet. Dann muß man dreimal in das Taſchentuch ſpuken, aus demſelben einen Knoten machen und mit der Hand darauf ſ<lagen. Thut man das, ſo hat morgen der Be- ſchänder die Blaſen. 2) Wenn Kinder nach alter ſchlechter Gewohnheit an Stellen ihr Bedürf- niß verrichten, wo das nicht hingehört, ſo darf man den Unrath nur mit heißer Aſche beſtreuen, fo bekommen ſie Blaſen auf dem Hintern. (Hohenſtein.) Wenn einer ſehr erbittert auf den andern iſt, daß er ſeinen Tod wünſcht, ſo kann er dies erreichen, wenn er ein geiſtliches Lied ein Jahr lang Morgens und Abends ſingt, dann ſtirbt der verhaßte gewiß. Jm Olekkoer Kreiſe ſoll dies Mittel oft und mit ſicherem Erfolge angewandt ſein. (Oleßko.) Auch bei Hohenſtein iſt das Todtſingen (pospiewac) bekannt. Das Lied, welches man zu dieſem Zwede ein Jahr lang Morgens und Abends ſingen muß, ſteht im polniſchen Geſangbuch. Man bezeichnet hier eine Familie, in welcher Mann und Frau zu Tode geſungen ſind. Die Hexe, die es gethan hatte, war den Tag vor ſeinem, und ſo auch wieder den Tag vor ihrem Tode in dem Gehöft erſchienen. Dies foll dazu gehören, daß der Zauber wirke. (Hohenſtein.) Wenn einer den andern zu Tode ſingen will, ſo muß er-ein ganzes Jahr hindurch täglich de3 Morgens um 6 Uhr und des Abends um 6 Uhr an einer und derſelben Stelle in einer und derſelben Stellung einen Pſalm -- ih glaube 94 -- dreimal rüFwärt8 beten und jedesmal das Vaterunſer daran knüpfen, zweimal ohne Amen; das lezte Mal wird mit Amen geſchloſſen. Hält der Beter nicht pünktlich die Zeit ein, oder wechſelt er die Stelle und Stellung, oder verſpricht er ſich während des Betens, ſo trifft der dem andern ange- 1) Töppen, Leßte Spuren 2c. S. 337. 2) Mittheilung aus der Nachbarſchaft von Hohenſtein. Schon Grunau in den N. Pr. Prov.-Bl. 1846, Bd. 2, S. 337, erwähnt den Aberglauben: „Wenn einem eine Blatter auf der Zunge aufläuft, fo glaubt er, er ſei ſhänd- lich belogen. - | . /

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=“ 41 = wünſchte Tod ihn ſelbſt. Am leßten Jahres8tage der Betzeit muß der Tod eintreten. Viele Leute haben davor ſolhe Angſt, daß ſie ſhon darum krank werden und ſterben.. Dieſe Gebete werden gewöhnli<h im Keller verrichtet. (Willenberg.) Das Todſingen iſt ſehr bekannt und verbreitet z. B. auch in Ortelsburg, Johannisburg 2c. Es iſt gut gegen böſe Einflüſſe ſich im Voraus zu ſchüßen und ſie fern zu halten. S<hußzmittel gegen dieſelben find z. B. folgende: ; Ein neugeborne3 Kind wird ängſtlich vor fremden Augen gehütet, da aber das Abſperrungsſyſtem doch nicht ganz dur<geführt werden kann, ſo weiß man es nicht anders zu ſihern, als durch Anwendung von Amuletten. Silberne Medaillen, Ringe oder Goldſtü>e, ſo wie rothe Bändchen um den Hals wer- den für beſonders wirkſam gehalten. Leßtere pflegt man auch jungen Fül- len und Kälbern zur Sicherung gegen den De Bli> um die Hälſer zu bin- den. (Krolczyk.) Wenn ein Haus geweißt wird, macht man rings um die Hausthür eine Anzahl Pinſelklexe, damit der Teufel fern bleibe. (Kl. Jerutten.) Am Johannis8abend oder am Abend vor dem Tage der heiligen drei Könige mac<ht man an der Thür des Viehſtalls von außen drei Kreuze. Es wird dadurch vor Hexerei bewahrt. (Hohenſtein, Soldau.) In den Ermlän- diſchen Kreiſen wird die Kreide hiezu kirchlich geweiht!!) * Siderheit und Glü> blühen dem Dorfe, das mit zwei ſhwarzen Kühen umpflügt iſt.?) Gegen den böſen Blid, durch welchen beſonders alte Frauen gefährlich ſind, kann man ſich ſchüßen, wenn man hinter ſie tritt und hinter ihrem Rüden, ohne ein Wort zu ſprechen, dreimal mit dem Zeigefinger der linken Hand winkt. (Soldau.) Um ſich gegen den böſen Bli> zu ſichern, trägt man das Hemde, den Strumpf oder irgend ein Kleidungsſtü> auf der linken Seite. (Gilgenburg.) * Vgl. oben das Mittel, den Wärwolf zu erkennen. Wer ſich nicht bangen will, ſieht*da, wo er zuerſt hinkommt, in den Ka- min. (Hohenſtein.) Auch die Komödianten (d: h. Seiltänzer) halten ſie für Hexenmeiſter, die nur Augenverblendniß bewirken (omaniene). Wenn man wiſſen will, was ſie eigentlich vorführen, ſo muß man den Ro> verkehrt anziehen. Eine Frau welche dieſes that, als ein Comödiant einen großen Balken zu tragen ſchien, fah, daß er einen Strohhalm trug. (Hohenſtein.)*) 1) Nach dem Volkskalender in den N. Pr. Prov.-Bl. 1848, Bd. 2, S. 220. ?) Hart. . Zeitung 1866, No. 8. 3) Eine Hexe hat einen Milchkübel auf dem Kopf und ein Kraut- laken um, oder einen Kartoffelkorb auf dem Kopf und eine PferdedeXke um, und die andern Menſchen glauben, ſie habe ſich mit den ſ<hmudſten Müßen und Tüchern ge-

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-- 48 - Ein eigenes Schußzmittel wird gegen die Aushebunz zum Militairdienſt angewandt. Man wiſcht ſich kurz vor der ärztlichen Unterſuchung das Geſicht mit einem Leichentuche ab; dann wird man nicht für brauchbar befunden. (Gilgenburg.) Als eine Art von Amuletten galten wenigſtens noch im vorigen Jahr- hundert die ſogenanten Donnerkeile. Piſanski bemerkt über die Anwendung derſelben Folgendes : ziehen ſich Gewitterwolken zuſammen, und droht der im- mer jtärkere Knall ſich ihrem Scheitel zu nähern, ſo ſtefen ſie den Finger durc< das Loch , ſo an dergleichen Steinen von der größeren: Gattung befind- lich iſt, drehen den Stein dreimal herum, ſprechen dabei einige abergläubiſche Worte, werfen ihn mit der größeſten Gewalt an die Stubenthüre und glauben auf dieſe Weiſe ihr Haus vor dem Wetterſtrahl in Sicherheit geſtellt zu haben. Sie legen au3 einer gleichen Abſicht dieſe Donnerkeile den kleinen Kindern in die Wiege. Ja ſie trauen ihnen auch in Vorfällen, die mit dem Donner nicht die geringſte Verwandtniß haben, eine verborgene Kraft zu ; indem ſie durch die Oeffnung derſelben die Kühe zu melken pflegen, wenn mit der Mitch zugleich Blüt aus den Eutern fließet.') pußt. Mittheilung aus Coniz bei Firmenih, Völkerſtimmen Germaniens, Bd. 3, S. 637. Vgl. auch „den Hahnenbalken“, bei Grimm, Kinder- und Hausmährchen, Bd. 2, S. 277. 1) Piſanski, Ueberbleibſel 2c., No. 23, 8 8. Piſanski entnimmt dieſe Angaben aus der 1717 erſchienenen Lithographia Angerburgica de8 Angerburger Pfarrers Hiälwig. Helwig ſagt p. 30: Ceraunite nowine venit iis, qui ex nubibus cadere au- tumabant, qua de causa etiam germanice Straalstein, Donnerstein, Donnerkeul effere- batur. Qui autem germanico idiomate Alpschoss vocabant vel Schoesstein, hi ab ephialte et z8gittis appellationes traducebant, existimantes, lapides ejusmodi quocunque modo potam contra hujusmodi suppresSiones valere, ac imprimis fascinationibus occurere P088c ; a similitudine vero teli, quod Schoss vocamugs, derivabant, quod ad vulnera et plenritidem prodesse conjiciebant. Ferner p. 84: Et quoniam adhue hodie e ruderibus quondam conflagratarum aedium, in-primis, quae 3 gentilibus olim inhabitatae fuerunt, ejusmodi mallei eruuntur, credibile est eos in usug sacros (potius dixerim superstitio- 808) adhibitos et in domibus asgervatos fuisse, quibus deinde incendio congumptig, terra obrutos remansisse, donec tandem qualicunque occasione oblata effossi fuerunt. Quod occasionem multis dedisse videtur existimare, ea domicilia, in quibus inveniun- tur, lapide fulminari e nubibus percugs8a, accensa et combusta fuisse, eoque ip80 1a- pidibus his nomen lapidum fulminarium Germ. Donner-Keulen, Strahl-, Donner-, oder Stein-Hammer tam ex vulgi gententia quam ex assensu doctiorum, quamquam mi- nus conziderate, impogsitum fuisse. Tilustrare videtur hane nostram opinionem abnaus hajus lapidis a rusticis quibusdam hucusque snperstitiose obgervatus. Ut jam taceam 8uperstitionem muliercularum, quae 8Simulac vaccas lac cum eruore reddere observant, per foramen lapidis fulminaris eas mulgere 8olent, vel eunis infantum hos lapides imponere, ne fulmine tangantur, et quae 8unt alia; Solum hic in medium afferre operae pretium erit enm abusum, quo mediante audito tonitru sine mora lapidem fulminarem arripere golent, et si fuerit'perforatus, foramini digitum immittere, in quo lapide velocissime

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€ A Noch ſetzt glaubt man, daß ein Donnerkeil, den man während des Gewit- ter3 auf eine Tiſchplatte von Lindenholz legt, auf derſelben ſpringe. (Hohenſtein). Der Maſure unterſcheidet ſehr beſtimmt zwiſchen boZy-pratek (Gottesſtäb- <hen) d. h. den kleinen Finger förmig geſtalteten Kieſelſteinen, welche der Deutſche Donnerkeulen zu nennen pflegt, und piorunowy klin (Donnerkeule), mit welhem Nainen er die ſteinerne Streitaxt der alten Preußen und dergleichen bezeichnet. Wenn ein Hagelſchauer droht, ſo nimmt der Bauer einen Spaten, ſticht drei StüFen Raſen aus und legt ſie um auf die Grasſeite. Die Frau nimmt den Brodſchieber; dreht ihn an der Dacleiter dreimal um (ich verſtehe, gegen den Himmel und wieder gegen die Erde) und legt ihn neben die Leiter an die Erde. Mein Gewährsmann war bei der Anwendung dieſes Mittels zugegen und verſichert: der Wind drehte ſich um, die Wolke ging ab und der Hagel that den Feldern des Wirthes, der das Mittel angewendet hatte, keinen Sha- den. Die alten Menſchen können das machen, von den alten lernen es die jungen. (Hohenftein.) Von der heilſamen Wirkung des Stahles werden wir noh oft zu reden haben. Er hält alle Einwirkungen der Hexerei fern. (Hohenſtein.) Manche Perſonen tragen um ſich vor Hexerei zu ſchüken, ſtet8 Knoblauch bei ſich. (Hohenſtein.) Ein Hufeiſen, welhes man gefunden hat, auf der Sc<welle der Haus- thüre, mit der Spie na< Außen angenagelt, bringt Glü>, dem Kaufmann 3. B. zahlreichen Beſuch und reiche Käufer. (Lubainen.) | | Zu den Amuletten gehören auch die Haus- und Schutßbriefe. Einer der- ſelben, der Himmelsbrief, mit welchem der Himmelsſhlüſſel anfängt, wurde ſchon erwähnt. Zwei andere welche beſonder3 die Wirkung haben den Sol- vaten hieb- und ſchußfeſt zu machen, find in der Zeit des lezten Krieges in Holſtein und des leßten Krieges in Böhmen verbreitet worden. Alle haben das mit einander gemein, daß ſie gewiſſe moraliſche Vorſchriften ertheilen, Beobach- tung gewiſſer Aeußerlichkeiten verlangen, hieran übertriebene Verheißungen, z. B. Sicherheit vor Gewitter, vor Verwundung im Kampfe, aber auch noh andere knüpfen und einen höchſt wunderbaren Urſprung ſelbſt zu erkennen geben. Der Himmelsbrief im Himmelsſchlüſſel iſt in polniſcher Sprache geſchrieben, circumacto, eodem tergeminis ietibus, et ut dicitur, aub murmure quodam ozstia ferire, 8perantes, quod hisce ceremoniis peractis aedificium 8a fulmine liberum git mansurum, eujus abominabilis facti veritatem tempore pastoratus mei 8agepe 8um expertus; quae tamen guperstitio cum sub praesidio b. defuncti domini a Podewils t. t. distrietus nostri capitanei et post ſata venerandi, sub poena gravissima interdicta fuerit, hodier- „um amplius, nisi id forsan occulte fiat, non animadvertitur. Huc collimat opinio eorum, qui eredebant, domum, in qua lapis fulminaris asservatur, fulmine non finiri, quemadmodum Agricola, BoöStius, Wormins et alii hnjus mentionem injecerunt, locis antea citatis, Man vgl. auch N. P. Pr.-Bl. 1848, Bd. 2. S. 328.

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= 4 - der zweite iſt mir ſchriftlich in deutſ<her Sprache mitgetheilt, verräth ſich aber als Ueberſezung aus dem Polniſchen, der dritte liegt mir in deutſ<her Sprache gedrut vor, iſt aber den beiden erſteren ſeinem Inhalte nach ſo nahe verwandt, daß er mir ebenfalls in der polniſchen Nachbarſchaft entſtanden zu ſein ſcheint. Der erſte iſt durch den Himmelsſchlüſſel, von dem ich in kurzer Zeit vier ver- ſchiedene Ausgaben erlangte , ohne Zweifel in vielen Tauſenden von Exempla- ren verbreitet, den zweiten erhielt ih von der Mutter eines Soldaten in Oſte- rode, wo er in der ganzen Compagnie bekannt ſein ſoll, den dritten brachte ein Reſerviſt, der während des letzten Krieges in Graudenz geſtanden hatte, bei ' feiner Rüäkehr von dort nac< Hohenſtein mit. Wir würden ſie als etſ<hre>ende Beweiſe des Aberglaubens unter der polniſchen Bevölkerung vollſtändig mit- theilen, wenn ihr Inhalt nicht gar zu albern, der Umfang nicht gar zu groß wäre. Das Hauptmittel gegen allerlei Krankheiten iſt das Verſegnen.*) Ein Arzt iſt den Maſuren ein durc<haus unnöthiger Menſch, der nur nach ihrem Gelde trachtet. Ihre AuSrede bei Vorhaltungen von Verſäumniſſen dieſerhalb lauten übereinſtimmend: „da und dort hat er auch nicht helfen können.“?) Manche meinen auch, die Hülfeleiſtungen der Aerzte, wie der Blitzableiter, ſeien Eingriffe in die Rechte Gottes. (Soldau.) . Die Verſegnungen haben nicht bloß unter den Bauern, ſondern auh un- „fer den aufgeklärten Gutsbeſigern warme Vertheidiger. So erzählte ein ſonſt von allem Aberglauben freier Mann, ihn habe einmal ein altes Weib, welchem er dafür lachend und höhnend 5 Thaler verſprochen, den ſogenannten Mehlthau verſegnet -- eine fonſt unheilbare Getreidekrankheit = und zwar mit dem beſten Erfolge. (Lubainen bei Oſterode.) Ein. anderer, ebenſo von allem Aberglauben freier Gutsbeſiter erzählt, er habe ſelbſt geſehen, wie ein Arbeitsmann, der ſich mit der Axt eine ſ<were Wunde in den Fuß geſchlagen, lange vergeblich ſich bemüht habe, das Blut zu 1) Das Verſegnen iſt eine uralte heidniſche Sitte, wie denn eins der allerälteſten Denkmäler der deutſchen Sprache ein heidniſcher Segensſprüch iſt. Vgl. Grimm, Ueber zwei entde>te Gedichte aus der Zeit de8 deutſchen Heidenthums in ſ. kleinen Schriften, Bd. 2, S. 1 ff. Dietrich, „drei altheidniſche Segensformeln“ in Haupts Zeitſchrift für deutſches Alterthum, Bd. 13, S. 193 ff. Dieſe Sitte wurde von der katholiſchen Kirche in ziemlich ſtarkem Umfange recipirt und gelitten; ſo war nach einer Baſeler Ueberlieferung aus dem 14. Jahrhundert in Haupt's Zeitſchrift für deutſches Alterthum Bd. 5, S. 576 damals von der gemeinen Chriſtenheit angenommen: Aſchen-, Palmen-, Tauf-, Lichter, Waſſer-, Salz-, Fleiſch: und mancher andere Segen, verworfen dagegen Haupt-, Augen-, Pferde-, Wunden- Segen. No< jezt giebt es in den katholiſchen Kirhen des Ermlandes Hafer-, Johannistrunk-, eide:, Palmen-, Kraut- und andere Segen (vgl. Volsk. No. 22, 23, 58, 224), welche viel dazu beitragen, alten Aberglauben zuerhalten. Die evangeliſche Kirche hat dagegen eifrig angekämpft ; ſchon 1526 wurden die Lichtweihen, Fladenweihen u. dgl. mehr au8drülich verboten. Jacobſon, Quellen des evangeliſchen a Bd. 2, S. 26. ?) Königsb. Zeitung 1866, No. 8, vgl. Hinz, S. 117.

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-- 45 - ſUllen. Da ſei eine alte Frau zum Verſegnen gerufen, und gleich nach der Ver- ſegnung habe das Blut, wie abgeſchnitten, zu fließen aufgehört. Alte Verfegnungen werden ſtet8 dreimal vor Sonnenuntergang vorgenom- men, und es dürfen dann in der Nähe des Verſegners weder Katze noc<h Hund ſein. Daß man daran glaube, iſt nicht nöthig, man braucht uur einem, der daran glaubt, die Hand zu geben. (Lubainen ) Das Verſegnen geht auf folgende Weiſe vor ſih. Der Kranke muß ſich mit dem Verſegner allein in einem Zimmer befinden. Der Verſegner ſchlägt zuerſt drei Kreuze über dem Kranken, ſpricht dann eine gewiſſe Formel, wobei er jedo< das Amen weglaſſen muß, wenn das Verſegnen helfen ſoll. Nachdem das geſchehen iſt, ſc<hlägt er no<h drei Kreuze über dem Kranken. Beſonvers wer- den die Verſegnungen angewendet, um den Fluß des Blutes zu ſtillen, bei Ge- ſchwulſten, Zahnſchmerzen, Reißen u. dgl. m. (Soldau.) “Von einem gewiſſen Segensſpruch gegen die Roſe wurde mir geſagt: er muß dreimal vor Sonnenuntergang, dann am nächſten Tage dreimal vor Sonnen» aufgang und noh dreimal vor Sonnenuntergang geſprochen werden. (Kl. Jerutten.) Verſegnungen verſchiedener Krankheiten und übler Zufälle, 1. Verſegnung des Blutfluſſes. I<h verſegne dich mit der Kraft Gottes und der Hilfe des Herrgottes. Magdalena hatte drei Töchter, die erſte ſpra<: Gehen wir fort von hier und wandern wir; die andere ſpra<: Stehen wir; die dritte ſprach: Siehe wir wol- fen umkehren, bleiben wir hier und ſegen uns. Und ſo ſollſt auch du Blut ſtehen bleiben durch den Herrn Jeſum Gotte8 Sohn, durch ſein Mütterchen und durch die ganze hochgelobte heilige Dreifaltigkeit und dur< die heiligen Engel im heiligen Geiſt. Im Namen Gottes des Vater38, des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Vater unſer 2c. 2c. bis zu Ende zu beten. 2. Verſegnungen der Epilepſie (wielka choroba). A138 unſer Herr Jeſus Chriſtus wanderte mit ſeinen Jüngern, baten ſie ihn und riefen zu ihm, und wenn er die Epilepſie und Geſchwüre heilte, befahl Jeſus und ſprach: Auf die Kranken ſollt ihr die Hände legen. Das Waſſer - ſtand ſtille, als Mütter<hen Gottes ihren Sohn badete. So ſoll auch dies Ge- ſchwür, dieſe Krankheit ſtille ſtehn, das Mark nicht berühren, die Knochen nicht brechen, die Sehnen nicht verrenken. I< bitte dich, meide die Stelle (d. i. den Leib) dieſes Menſchen, durh Gotte3 Macht und des Sohnes Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe. Jm Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und hei- ligen Geiſtes. Vater unſer u. ſ. w. 3. Verſegnungen des Schlangenbiſſes. Man ſoll das Vater unſer beten und dann weiter ſprechen: I< verſegne euch durch Gottes Macht und des Herrgottes Hilfe, ihr Schlangen und weib-

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- 46 -- liche Sh<hlangen (weze, wezyce), ihr Ottern und weibliche Ottern (zmije, zwijice), ihr Feldwürmer und ſäinmtlihes Gewürm. Aus der Blüthe (? ?2?) biſt du geboren, der Teufel hat dich geſchaffen, unſer Herr Zeſus gab dir den Geiſt, aber er gab dir kein Gift und keine Macht. -- Durch Gotte3 Macht und des Sohnes und des heiligen Geiſtes Hilfe, wie das Waſſer dahin fließt, ſo ſoll auch dieſer und dieſes dahin fließen, im Namen Gottes des Vaters, Sohnes und heiligen Geiſtes. Dann hauche dreimal auf die Wunde, begieße ſie mit Waſſer oder waſche ſie aus. 4. Gegen den Biß des tollen Hundes. Sprich das Gebet des Herrn. Unſer Herr Jeſus Chriſtus, als er mit ſeinen Jüngern wanderte und ſie ihn baten, daß er von dem Biß des tollen Hundes und der Hündin heilete, ſprac<ß er: Heilet mit Gottes Macht und mit des Sohnes Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe. Das Waſſer im Meere ſtand ſtille, als Gottes Mütter<hen ihren Sohn badete, ſo möge denn das Thier ſtille liegen, o Monat<hen Mai (? ??), und das Gift von ſich geben dur<h Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe, im Namen Bottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes. (Du ſollſt die Hände gefaltet dreimal den Kranken umgehn, ein Andrer muß vor dir alle Hinderniſſe wegräumen.) 5. Gegen kalte Leute (kaltes Fieber). Im Namen Gottes des Vaters, Sohnes und heiligen Geiſtes. Es ging Gottes Mütterchen dur< einen Kaſtanien-Wald, auf dem Wege begegnet ihr der Herr Jeſus ſelbſt. Wohin gehſt du, meine Mutter? ich gehe zu dieſem Ge- tauften, um zu heilen die kalten Leute, die weißen (blaſſen) Leute. Weichet von dieſem Getauften, aus ſeinen Sehnen, aus ſeinem Mark, aus ſeinent Haupte durch die Macht Gottes und des Sohnes Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe, ich treibe euch aus unter die Steinwurzeln in wüſte Wälder, auf wüſte Felder, wohin nichts kommt. Vater unſer 2c. 2c. 6. Die Läuſe des Viehs zu verſegnen. I< bin zu dir gekommen du ſtummes Vieh, damit der Herr Jeſus ſelbſt von dir die Läuſe entferne durch Gottes Macht und des Sohnes Got- tes und des heiligen Geiſtes Hilfe. Vater, unſer 2c. 2c. Bei dieſer Ver- - ſegnung muß man mit einem Feuerſtahl dreimal vou jeder Seite vom Kopfe nach dem Schwanze des Viehs hinwegfahren. (In anderen Texten ſteht Bläh- ſucht ſtatt Läuſe.) 7. Hagelwolken zu verſegnen. Die Hagelwolke auſhauend mußt du dich ſegnen im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſte; dann ſprich: Vater unſer 2c. * und darauf dies Gebet: O ihr ſc<händlihen Hagelwolken, es befiehlt euch Chriſtus der Herr, der Mann Gottes, dur< -mich ſeinen unwürdigen Diener, ihr ſollet hinwegziehn nach andern wüſten Orten und dort zerſtieben, auf daß 0..„„N -

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- 47 -- ihr den Dörfern, den Gärten, den Feldern keinen Schaden thuet durch Gottes Mat und mit des Sohnes Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe. 8. Das Feuer zu verſegnen. Vater unſer 2c. Feuer, du glühende Flamme, e3 befiehlt dir Chriſtus der Herr, der Mann Gotte3, durch ſeinen unwürdigen Diener, du ſollſt dich weiter nicht ausbreiten, ſondern auf dieſer Stelle bleiben, was du' erfaßt haſt, das be- halte dur<h Gottes Macht und des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes Hilfe. Das Feuer muß dreimal umkreiſet (umlaufen), bei jedem male das Vater- unfer gebetet werden. 9. Gegen den grauen Staar im Auge. Morgens. Wie hier die dunkle Nacht dem hellen Tage weichet, ſo ſoll auch von dieſem Getauſten (hier iſt der Name der kranken Perſon zu nennen) der Staar entweichen, von ſeinem Auge, von ſeinem Augapfel, von dem Weißen ſeines Auges, und dieſe Geſhwüre, ſie ſollen vertro>nen, verſchwinden, Nie- mand ſoll wiſſen, wo ſie geblieben, durch Gottes Macht, des Sohnes Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe. | Abends. Abendröthe, Abendröthhen des Herrn Jeſu Diener, ihr die- net dem Herrn Chriſtus bei Tage, bei Nacht, ſo dienet auch dieſem Getauften (der Name des Kranken iſt zu nennen), damit ihr den Staar von ſeinem Auge, ſeinem Augapfel und dem Weißen ſeines Auges bejeitigt durch Got- tes Macht, des Sohnes Gottes und de3 heiligen Geiſtes Hilfe. Hierauf drei- mal Amen. 10. Gegen die macica (Kolik). Sprich zuerſt das Vater unſer 2c. Es ging Gottes Mütterchen bei übe- lem Befinden zu heilen und zu ſtillen die macica. Wie dieſer Stein in der Erde liegt und nimmer gerührt wird, ſo joll au<h ſofort die macica bei die- ſem Getauften (der Name iſt zu nennen) ſih nicht wieder aufrühren. Durch Gottes Macht, des Sohnes und des heiligen Geiſtes Hilfe ſoll ſie ſich beruhi- gen, ganz ruhig und ſtille jein. Du wacica ſofort haft du ein aufgemachtes Bette (?), darum ſollſt du ruhen bei dieſem Getauften (der Name iſt wieder zu nennen) und ſollſt dich ni<t mehr aufrühren, ihn auch nicht quälen. Durch Gottes Macht, und des Sohnes Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe. Zm - Namen des Vaters, des Sohne3 und des heiligen Geiſtes. Amen. Amen. Amen. 11. Gegen den urok. E3 ging Gotte3 Mütterhen durch einen Kaſtanien-Wald, es begegnete ihr Herr Jeſus ſelbſt und fragie ſie: Wohin gehſt du meine liebſte Mutter? Sie ſpra<ß: I< gehe zu dieſem Getauſten (der Name ijt zu nennen), dreimal neun uroki zu verſeguen. Sprach zu ihr Herr Jejus: Gehe hin und verſegne durch Gotte8 Macht, des Sohnes Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe und durc<

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<<“ 8 das heilige Evangelium. Jm Namen Gottes des Vaters,. des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Amen. Amen. Amen. 12. Gegen Zahnſ<h merz. Durch Gottes Macht und des Herrn Jeſu Hilfe! die Eihße im Walde, der Stein im Meere, der Mond am Himmel, ſo lange dieſe drei ſtarken Brüder fich nicht vereinigen, ſo lange mögen die Zähne mich nicht ſHmerzen. Durch Sottes Macht, des Sohne3 Gottes und des heiligen Geiſtes Hilfe und dur<h die hei- ligen Engel, durch ſeinen hochgelobten Leib und durch die heilige Dreifaltigkeit. Im Namen Gottes des Vater3, des Sohnes und des heiligen Geiſtets. Amen. Amen. Amen.!) 13. Gegen den Biß eines Wurmes. I< verfluche dich, verflu<tes Gewürm, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes. J< ſegne dich zugleich, du Ochſe (Kuh), gegen alles Gewürm, welches der Teufel geſchaffen, der Herrgott ſoll ....... von Sonnenaufgang und bi8 Sonnenuntergang ; der Herrgott hat es ihm ver» boten. Nun ſegne ich dich gegen .. .. gegen die männlihe und weibliche Sclange, gegen die männliche und weibliche Natter, gegen die männliche und weiblihe Blindſchleihe, gegen die männlihe und weiblihe Eidechſe, gegen die männli<he und weiblihe Maulwurfsgrille, und gegen männliche und weibliche Wieſel, niht durch meine, meine, meine, ſondern durch des Herru Jeſu Hilfe, ſo wie aller Heiligen. -- Vater unſer ohne Amen. 14. Gegen die Tollwuth. I< werde den Stall dieſes getauften N. N. ſegnen gegen den tollen Hund. Es gingen 7 Apoſtel, alle untereinander Brüder. Wohin geht ihr 7 Apoſtel, alle unter einander Brüder? Wir gehen den Stall dieſer getauſten N. N. gegen den tollen Hund ſegnen. Gehet hin und ſegnet in' meinem Na- men. Was machen die Tollen? Sie ſchlafen. Laßt ſie ſchlafen. Nehmet Wolle und Baumwolle und verſtopfet ihre Wunden, auf daß es nicht ſchreie und nicht brülle und nicht die Wände hinanklettere, ſondern daß es ſich beruhige, wie das Waſſer im Jordan, als der heilige Johannes den Herrn Jeſus taufte. Nicht durc<h meine, meine 2c. 15. Verſegnung der S<hweine. I< jegne meine Schweine gegen Krankheit. Haſt du deine Shweine zu Hauſe? Nein, ich habe ſie nicht. Gehe, rufe ſie in den Hausflur und gieb ihnen Gerſte. Welches von der Gerſte frißt, dem wird nicht8 geſhehen. Nicht durch meine 2c. Man muß Gerſte in Hoſen füllen und dreimal durch den Schornſtein ') Dieſe 12 Verſegnungen ſind aus dem polniſch geſchriebenen Himmelsſchlüſſel überſegt.

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4. "werfen, dabei den obenſtehenden Segen ſprechen und dann die Gerſte den Scweinen geben. 16. Gegen das Feuer. Es kam zu uns in Eile zu Gaſt Eſechias, Meſſias. Laß er genug ha- ben an dem, was er von uns ſelbſt nahm die Naht, im Namen des Va- ters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes. , Amen wird nicht geſprochen. 17. Gegen die Shwämme. I<h werde dieſem getauften N. N. den läſtigen Ausſc<hlag verſegnen, dreimal neun Piel, dreimal neun Puſteln, dreimal neun Shwämme. Die Mutter Gottes ging einen grünen Steg und traf drei Kräuter. Das eine pflüte ſie ab mit der rechten Hand, das andere warf ſie um mit dem rechten Fuß, und das dritte verlor ſich, ich weiß nicht, wohin. Alſo ſollen auh dieſe Schwämme dieſes getauften N. N., ich weiß nicht wohin, ſich verlieren. Nicht durch meine 2. | 18. Gegen die Roſe. Es | ging. die Mutter Gottes einen grünen Steg und begegnete dem Herrn Chriſtus ſelbſt, der ſie fragte: Wohin gehſt du, Mutter Gottes? I< gehe zu dem getauſten N. N., die Roſe ſegnen mit fünf Fingern und der ſechſten Hand- fläche, und bitte, daß ſie ihn nicht reiße, nicht rüttele, das Gehirn nicht aus- trodene, das Blut nicht vergieße. Iſt ſie vom Winde, ſo gehe ſie zum Winde, iſt ſie vom Waſſer, ſo gehe ſie auf das Waſſer. Nicht dur meine 2c.- 19. Gegen die Roſe. Wohin gehſt du Mutter Gottes? J<h gehe zu dem getauflen N. N., das Feuer beſprehen, vom Feuer erlöſen, vom roſigen Feuer, vom ſtürmiſchen Feuer, vom zornigen Feuer. Es ſc<wimmt ein Feder<hen auf dem Meere ſo ſehr leicht und ſo ſehr ſtill. Gieb Gott, daß dieſem getauften N. N. das Feuer, das roſige Feuer, das ſtürmiſche Feuer, das zornige Feuer, hinausgehe ohne Rütteln und Reißen, durch des Herrn Jeſu, durch des heiligen Geiſtes und durch aller heiligen Engel Hilfe, im Namen Gottes des Vaters, des Kun und des heiligen Geiſtes. 20. Gegen die Roſe. Es ging die Mutter Gottes anf eine grüne Wieſe und ihr na<h ging ihr Söhn<en. Wohin gehſt du, liebe Mutter? I< gehe die roſigen Geſchwüre ſegnen, komm mit mir, liebes Söhnchen, du wirſt mir behülflich ſein. Gehe, liebe Mutter, ſegne ihn mit meiner, meiner, deiner Hülfe, daß ſie verſ<hwin- den aus ſeinem Kopfe, feinem Gehirne, ſeiner Leber und allen Gliedern, ſo ſtill und leicht, als möglich, durc<h Gottes Hilfe 2c. 21. Gegen die Roſe. Im rothen Meere ſteht ein Stein, darauf ein aufgemachtes, mit Baum- wolle bededtes Bett, dort haſt du roſiges durchlöhertes Geſchwür deine Schlaf- 4

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- O - ſtätte. Sclafe und ruhe aus bis zum jüngſten Gerichte. Im Namen Gottes 2c. 22. Gegen den Umlauf. Es ging ein heiliger Engel einen Weg, da begegnete ihm der Herr Jeſus ſelbſt. Wohin gehſt du, heiliger Engel? I< gehe. zu der getauſten N. N., den Umlauf verſegnen. Gehe und befreie ſie aus allen Gliedern vom Kopfe bis zur Zehe. Gott Vater, Sohn und heiliger Geiſt, und dieſe drei ſind eins. Nicht durch meine, ſondern durch des Herrn Jeſu und der Mutter GO Hilfe. Das Vaterunſer dreimal zu beten. 23. Gegen Raupen. Herr, allmächtiger Gott, der du dieſe elende Welt geſchaffen, alles Ge- flügel und Gewürm und zuleßt den Menſhen. Du gabſt ihm Willen, Verſtand und Gedäctniß, auf daß er ſich enthalte aller (böſen) Thaten auf Erden. Du ſandteſt uns deinen Sohn aus der Höhe, auf daß er den Menſc<en belehrte über alles Thun. Gieb, lieber Gott, daß dieſes Gewürm, die Raupen, dem lieden Gott ein ſo großer Ekel ſein möchten, wie ein Menſch, welher am Sonn- tag die Kühe hütet und nicht zur Kirche geht. - *24. Gegen den ſc<warzen Umlauf (das geſchoſſene Geſchwür). Es gingen drei Apoſtel, unter einander Brüder, und begegneten dem Herrn Chriſtus ſelbſt. Wohin geht ihr drei Apoſtel, unter einander Brüder? Wir gehen zu der getauften N. N., das dreimal neunfach geſchoſſene Geſhwür ſegnen. Gehet und ſegnet mit meiner, meiner und aller Hülfe dieſes drei- mal neunfach geſchoſſene Geſchwür. Woher entjtand e8? ob vom Sißen oder Liegen, oder Trinken, 'oder . .., oder von der Sonne, oder von den Sternen? daß es verſchwinde ſo ſtill und leiht als möglich, daß es nicht rüttele, ſchüttele und reiße in ſeinem Leibe, ſeinem Blute, ſeinem Gehirne, ſeinen Knochen, daß es gehe in dunkle Wälder, in dunkle Wolken, auf hartes Geſtein. Da i't ſeine Ruheſtätte bis zum jüngſten Täge. Vaterunſer und dreimali, es Kreuzichlagen im Namen des Vaters 2c. ohne Amen. 25. Gegen skaz (ſhwarze Fle>en). Es ging der Herr Jeſus einen Weg .und begegnete der Muiter Gottes. Wohin gehſt du, Mutter Gotte8? I< gehe zu der getauften N. N., das Blut ſäen und die Knochen brechen, und ich verbiete es dir, Gehe dahin, wo die Gloden geläutet und die Lieder geſungen werden, dur<g des Söhne8 Gottes Mat, dur< des heiligen Geiſtes Hülfe. Vater Unſer, dreimaliges Krenz- ſchlagen im Namen Gottes 2c. und dreimaliges Wegpuſten. 26. Gegen die Kolik (macica). Mutter Macica, Widerſaherin der Mutter Gottes, ich bitte dich durch Gott den Vater, durch Gott den Sohn, durch Gott den Sohn und (?) durch die ganze heilige Dreieinigkeit, :daß du dich jeht ſchon beruhigeſt, die Seele und

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-<-41- den Leib nicht kränkeſt, ſondern daß du dich hinlegeſt auf das Kopfkißchen, wel- <hes dix der Herr Chriſtus ſelbſt mit ſeiner Spanne abgemeſſen. Vater Unſer, 2c. dreimaliges Kreuzſchlagen, kein Amen.) Wir laſſen hier no<h ein Beiſpiel folgen, wie in den Dörfern das Vieh verſegnet wird. Man ſtellt fich vor das behexte Stü> Vieh und betet mit ge- ' falteten Händen zuerſt das Vaterunſer, ohne jedo<m Amen zu ſagen. Sodann wird folgende Zauberformel: „Thau fiel vom Himmel, vom Steine hinab auf die Erde. Wie dieſer Thau verſchwindet, verſ<wand, in der Luſt verwehet, ſo mögen auch die dreimal neun Zauber verſchwinden, vergehen in der Luft und verweht werden“ -- dreimal wiederholt, naH dem dritten Male das Stü> Vieh bekreuzt und endlich Amen deſprohen. Dieje Beſprechung ſichert ſowohl vor dem böſen Bli (arok, urzec), als auh heilt ſie deſſen ſchon eingetre- tene Folgen.?) Mit dem Segensſpruch werden meiſten3 gewiſſe Ceremonien verbunden. Oft ſind dieſe begleiteten Handlungen das Wichtigſte, oft helfen ſie allein. Hie und Da werden daneben auc< materielle Heilmittel angewandt. Man verſegnet die Noſe mit den Worten: Jejus ging im Dillgarten mit einem Brand in ſeiner Hand und ſprac<ß: „Du ſollſt nicht weiter ſengen noh brennen“. Dieſe Formel wird drei Tage hintereinander na<g Sonnenunter- gang jeden Tag dreimal geſprohen. So oft man die Formel ausſpricht, puſtet man leicht dreimal auf die kranke Stelle, ſpu>t dreimal auf die Erde und ſchlägt darüber ſegnend ein Kreuz. (Gilgenburg.) - Wenn Jemand eine ſchwere Krankheit hat, ſo reißen ſie ein Stü von dem Hemde des Kranken ab und hängen dieſes oder auch das ganze Hemde an einem Kreuzweg an einen Baum oder an den Wegweiſer. In daſſelbe ſte>en ſie eine Nähnadel, darunter legen ſie ein Geldſtüf. So, meinen ſie, wird die Krankheit von dem Kranken genommen. Die Vorübergehenden hüten ſich wohl, die Lappen anzurühren oder das Geld zu nehmen, da ſie ſonſt die Krankheit mit» nehmen würden. (Kl. Jerutten.) Der Pfarrer Krolczyk in Kurken erzählt von der Heilung des urok aus ſeinen Jugendjahren: „Als ich einmal vom Gymnaſium zu den Ferien nach Hauſe kam und von urok befallen in die Anwendung von Zaubermitteln nicht willigen wollte, vielmehr mich ſchlafen legte, um ſo die Kopfſc<hmerzen mit den begleitenden Nebenbeſchwerden zu verlieren, wiſchte man mir im Sclafe drei- mal mit einem ſchon gebrauchten Handtuche über das Geſicht mit den Worten: „Zm Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Amen. Amen. 3) No. 13 bis 26 erhielt ich in polniſcher Sprache handſchriftlich aus Königsgut bei Hohenſtein. 2) Haſſenſtein, N. Pr. Prov.-Bl. 1847, Bd. 1, S. 474 f. Mehrere Ver«- ſegnungsformeln aus Natangen bietet J. Gottſchalk in den N. Pr. Prov.:Bl. 1857, Bd. 1, S. 157 |, 4*

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“55. Amen.“ Da ich aufwachte und mich wie gewöhnlich wohl fühlte, wurde mir die vermeintlihe Urfache meiner Geneſung angegeben. Sonſt bedient man ſich hiezu noh eines wirkſameren Mittels und zwar bei Männern der Frauenkleider, . bei Frauen der Männerkleider.“ Wer von urok befallen iſt, dem muß man mit neun verſchiedenen Tüchern oder Lappen über das Geſicht fahren. Auch in einem Pfarrhauſe iſt dies dn tel mit gutem Erfolg angewandt. Wenn der Mann oder die Frau von urok befallen iſt, ſo wiſcht die Frau dem Manne mit Weiberkleidern, der Mann der Frau mit Männerkleidern über das Geſicht und ſpu&t dabei dreimal aus. (Hohenſtein.) Man wiſcht dabei wohl auch vom Kopfe bis zum Fuße. (Gilgenburg.) Mittel gegen die engliſche Krankheit (vgl. o. S. 12). Man badet einen großen Fladen von Roggenmehl, ſchneidet in denſelben ein großes Loch, zieht das Kind da hindurch, und trägt e8 dann dreimal um die Kirhe, wobei dreimal das Vaterunſer gebetet oder dreimal in das Schlüſſelloch der Kirchthür gehaucht wird. (Hohenſtein. ) Die engliſche Krankheit ſoll daher rühren, daß dem Kinde Katzenhaare in den Magen gekommen ſind. Maun ſoll, um dieſelben zu entfernen, einen Hahn braten, den Magen zerreiben und dieſen Staub mit Rothwein dem Kinde ein- geben. (Hohenſtein.) . Ein anderes Mittel gegen die engliſche Krankheit. Man ſezt einen Stuhl zwiſhen zwei Eimer und ſte>t das kranke Kind unter dem Bügel des erſten Eimers durch, zieht es über den Stuhl und ſtet es dann unter dem Bügel des zweiten Eimer3 durh. Nun dreht man den Stuhl und die beiden Eimer um =- das ſind drei Arbeiten. Mit dem Kinde wird dieſelbe Procedur wie vorher zum zweiten Mal vorgenommen. Folgen abermals die bezeichneten drei Arbeiten, dann die Procedur mit dem Kinde zum dritten Mal. Endlich ſett man das Kind in einen Schrank und betet das Vaterunſer, aber ohne Amen zu ſprechen. Man wendet dieſes Mittel Donnerstag na< Abendbrod an. Oft hilft einmalige Anwendung, nöthigenfalls aber kann man ſie no<h einmal und zum dritten Male wiederholen. -- Das Mittel muß helfen; e8 hat nur neulich noh geholfen. (Hohenſtein.) Noch ein. Mittel gegen Auszehrurig oder engliſche Krankheit. Man führt Donnerstag na< dem Abendbrod bei abnehmenden Licht, desleihen au dem darauf folgenden Sonnabend, endlich zum dritten 'Mal an dem nächſten Don- ner8tage Folgendes aus. -Man macht Teig zurecht, legt davon einen Fladen auf den Tiſch und ſtellt das Kind auf dieſen Fladen, zuerſt mit beiden Füßen, dann bloß mit dem rechten Fuß, ſo daß ſich die Spuren.in dem Teige ab- drüken. Dann formt man aus dieſem Teige drei kleine Fladen, legt ſie in den Ofen und läßt ſie beba>en. . Das Kind wird ins Waſſer geſetzt, und nach»

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5 dem die drei Fladen in das Waſſer gekrümelt ſind, gebadet, wobei man das Vaterunſer ohne Amen betet. Endlih nimmt man etwas von der Aſche aus dem Badofen, ſei v8 mit der Hand oder mit einem Span und fährt dem Kinde damit über den Kopf, von vorn nach hinten. Das Waſſer wird nach Sonnenuntergang, ohne daß man dabei ſpricht oder ſich umſieht, au8gegoſſen. „Das iſt ſehr gut;“ ſchloß mein Gewährsmann, „die Herrſchaften wollen es nicht glanben; meine Frau hat e8 mit der Emilie ſo gemacht, und die iſt ganz geſund geworden.“ (Hohenſtein.) Mittel gegen die Auszehrung. Man nimmt einen Pferdekopf, geht Donnerstag nah dem Abendbrod, ohne zu ſprechen und ſich umzuſehen, zu einer Lehmgrube, in welcher ſich Regenwaſſer angeſammelt hat, ſchöpft daraus einen Eimer voll, gießt es zu Hauſe, nachdem es erwärmt iſt, in eine Teine, zieht den Pferdekopf von Sonnenaufgang nac< Sonnenuntergang dreimal durch daſſelbe und badet das Kind darin. Das Hemde des Kindes wird auf der Bruſt mitten entzwei geriſſen. Endlich trägt man Waſſer und Hemde ſchwei- gend und ohne ſich umzuſehen in die Lehmkaule zurü. Dies Experiment wird noch an zwei Donnerstagen in derſelben Weiſe wiederholt und führt gewiß Beſſerung und Heilung herbei. (Gilgenburg.) Mittel gegen die Auszehrung. Zwei alte Frauen nehmen das kranfe Kind, die eine reicht es der andern durc< den Zaun (Rüdzaun) und erhält es über den Zaun zurüf. Dies wird dreimal wiederholt. (Kl. Jerutten.) Mittel gegen Fieber. Drei Myrthenblätter aus dem Brautkranz find ge- gen das Fieber gut. (Lubainen.) Desgleichen. Man muß auf einem Beſen aus dem Hauſe hinausreiten auf - den Kreuzweg, dort den Beſen liegen laſſen und wieder nac< Hauſe eilen, ohne ein Wort zu ſprechen. (Hohenſtein.) Desgleichen. Man gehe auf einen Grenzrain, ſchneide ein Loh in den Raſen, hauche dreimal hinein und verſtopfe es ſchnell wieder. (Hohenſtein.) Desgleihen. Man geht in einen Birkenwald, ſchüttelt an einer gewiſſen Zahl von Birken und ſpricht: (Die Worte wußte der Berichterſtatter leider - nicht, der Inhalt war etwa der:) Schüttle mich, wie ich dich, pann höre auf. (Hohenſtein.) Desgleichen. Wenn der Fieberanfall und die Hike vorüber iſt, ziehen ſie das Hemde aus und tragen e3 Abends nac< Sonnenuntergang, oder Morgens vor Sonnenaufgang, wenn möglich an einem Donnerstage, nach einem Kreuz- wege und hängen es dort am Wegweiſer auf. (Wallendorf.) - Dezsgleichen. An manchen Orten hängen die Glo>en in einem offe- nen GloFenhauſe und der Glokenſtrang hängt jedem zugänglich herunter.

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zz Man dreht ein Geldſtü> in den Glo>enſtrang gegen das kalte Fieber. .(Wal- lendorf.)') Piſanski 2?) erwähnt um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, daß man früherhin auch das Evangelium Johannis benußt habe, um dur< daſſelbe das Fieber zu vertreiben. Piſanski 3) ſchreibt ferner in Betreff: des Mondes: „Es äffet den Pöbel no< hin und wieder ein wahrhaft heidniſcher Aberglaube, nach welchem er die: ſem Geſtirne wirklich die Ehre der Anbetung erweiſt: Beim kalten Fieber, hef- tigen Augen: nnd Zahnſchmerzen und einigen andern Krankheiten beobachten die damit Behafteten genau den Anfang des Neumondes, treten alsdann an- dächtig mit gefalteten Händen vor denſelben und richten ein in läppiſchen Knit- telreimen abgefaßte3 Gebet an ihn, in der feſten Hoffnung hiedurh von ihrem | Uebel befreit zu werden. Verräth ſich hier nicht das Heidenthum?“ Sollte Piſanski hier etwas anderes als Verſegnungen meinen? Mittel gegen Gelbſu<ht. Gegen die Gelbſucht hilft Ungeziefer auf But- terbrod. (Hohenſtein.) | Mittel gegen Kopfſc<merzen. Man legt (ſekt) dem Leidenden einen Topf mit Waſſer auf den Kopf und legt einen Stahl hinein. Mittel gegen Zahnſc<merzen. Piſanski*) führt folgendes an: Man ſchneidet aus einem Hollunderbaum einen Splitter unter der Rinde aus, ſtochert mit demſelben das Zahnfleiſch ſo lange, bis es blutet, ſpündet ihn ſodann wie: der in ſeinen vorigen Ort ein und läßt ihn verwachſen. Das erprobteſte und einfachſte Mittel gegen Zahnſchmerzen iſt, den Neu- mond anzuſehen und unbeweglich ſtille zu ſtehen. (Hohenſtein.) In deutſchen Gegenden ſpricht man dabei dreimal die Worte: Liebes neues Licht, nimm ab meine Gicht, im Namen Gotte3 des Vaters, des Sohnes und des heili- gen Geiſtes. Auch werden die Zahnſchmerzen vergehen, wenn man den kranken Zahn dreimal mit einem Knochen vom Kir<hof berührt. (Gilgenburg.) Gerſtenkörner heilt man durch dreimaliges Beſtreichen mit dem Trau- ringe der Mutter. (Lubainen.) Der ſ<warze Umlauf am Finger (strzelany wrzö6d) wird nicht eher heilen, bis über ihm ein Gewehr abgeſchoſſen wird. Auswüchſe am menſchlichen Körper, welhe man „Knöchel“ nennt, wer- den auf folgende Weiſe geheilt: 1) Man geht in ein Haus, in dem eine Leiche !) Man wirft den Fieberkranken mit einem Topf na<, um ihn zu erſchreden, oder man droht, ihn in den Brunnen zu werfen, aus dem gleichen Grunde, G5 iſt be- greiflich, daß beide Mittel unter Umſtänden helfen. Hauptmittel gegen das kalte Fieber 4 bei den Maſuren überdies ver Schnaps. ?) No. H, 8 15. 3 No. 2,8 6. *) No.

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-5 iſt, nimmt, ohne ein Wort. zu ſagen, die Hand des Todten und bedrüct dreimal mit dem Todteafinger den Auswuchs. 2) Kommt ein Bettler ins Haus, ſo wird ihm, auch ohne eine Wort zu ſagen, der Sto> aus der Hand genommen, und der Auswuchs mit demſelben dreimal bedrü>t. 3) Findet man auf dem Felde in einem au8gehöhlten Knochen oder auf dem Kuhmiſte Regenwaſſer, ſo wird der Auswuch3 mit dieſem Waſſer dreimal beſtrichen, worauf man, ohne ſich umzuſehen und ohne zu ſprechen, nac<ß Hauſe geht. Mittel gegen Warzen. Man tippt auf jede Warze mit einer Erbſe und ſchüttet dieſe Erbſen in den Ba>ofen. Dann läuft man ſchnell fort, damit man keine knallen. hört. Dann vergehen ſie. ( Hohenſtein.) Desgleichen. Um Warzen zu vertreiben, muß man ſo viel Erbſen, als man Warzen hat, wenn das Brod :aus dem Baofen genommen iſt, in den Backofen werfen, aber ſa, daß man das Fallen derſelben und den Knall, wenn ſie zer- . plaßen, niht hört. (Wallendorf.)*) Desgleihen. Man beneßt die Warzen mit Regenwaſſer, das man auf Steinen findet, und geht ohne zu ſprechen und ohne ſich umzuſehen weiter. (Hohenſtein.) Desgleihen. Man betupft die Warze mit geſtohlenem Fleiſch und ver- gräbt dies unter der Traufe. : Wenn das Fleiſch verfault, vergehen die War- zen. (Hohenſtein. ) , Desgleichen. Man ſieht den Vollmond an und ſagt dreimal: „Da iſt was und hier (indem man die Warze berührt) iſt nichts.“ Das wiederholt man drei Tage hinter einander. Dies iſt ein fehr ſicheres Mittel gegen die Warzen. (Hohenſtein.) Freitag vor Vollmond ſoll man ben Mond anſehen und ſprechen: „Was ich anſehe, nehme zu, und was ich anfaſſe, nehme ab.“ Dies wiederholt man dreimal hintereinander, immer Freitag vor Vollmond. (Hohenſtein.) | Wenn ein Verſtorbener beſtattet wird, und die Glo>en werden eben ge- läutet, ſo foll man an ein fließendes Waſſer gehen und die Warzen mit dem Waſſer beſpülen. (Hohenſtein.) Man knüpft. ſo viel Knoten in einen Faden, als man Warzen hat, und wirft dieſen Faden einem Hauſirjuden an den Sa>. Dann verſchwinden die Warzen. Mittel gegen Ausſ<läge. Siehe den Volkskalender unten. Mittel gegen Flechten. Die Flechten beſtreiht man mit Fenſterſchweiß, den man mit den Fingern abgenommen hat, und ſpricht dabei: „Guten Mor- gen, Herr Liſſai (d. h. Flechte), ſei niht morgen, nur heute.“ (Dieſe Worte bilden im Polniſchen einen Reim.) (Hohenſtein.) Mittel gegen Bernegrund. Bernegrund (ogni piura d. h. eigentlich ?) No< andere Mittel gegen Warzen werden auge in den N. Pr. Prov.:Bl. 1846, Bd. 1, S. 132. '

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„5 | Feuerfeder) ift eine Art Ausfc<hlag bei Kindern. Während die Leute nach der Kirche gehen, geht die Mutter mit dem Kinde an eine Stelle, wo Holz ge- hauen wird, ſtellt fich mit dem Rüden gegen die Kirche, nimmt dreimal von der Spanerde, ſchüttet ſie dem Kinde auf den Bernegrund und ſpricht dabei etwa ſo: „Wie die Leute jezt nach der Kirche gehen, ſo gehe du vom Kopfe.“ Dann vergeht der Ausſchlag. (Hohenſtein.) Mittel gegen Krämpfe. Die Krämpfe nennen ſie eine Strafe Gottes. Auch ſagen ſie bei Krämpfen: „Der Herr Jeſus hat ihn gefunden.“ Wer das erſte Mal dieſe Krankheit an Jemand' ſieht, rißt ihm mit der Nadel * ein Kreuz auf die Bruſt, daß das Blut hervorquillt, damit ſie vergehen. (Hohenſtein.) Die Mutter bede>t den von Krämpfen Befallenen mit ihrem Trauungs- kleid. (Hohenſtein.) Wenn man ſich verbrochen oder verhoben hat, braucht man .Sargſpäne mit Schnaps, oder Staub von dem ſogenannten Stein gegen das Verheben (kamien od porugonie) -- lapis haematitis, bei den Apothekern zu haben -=- meiſtens. wiederum mit Schnaps gemiſcht. Mittel gegen den Weichſelzopf. Eine der gefürteteſten und häufigſten Krankheiten iſt der Weichſelzopf (koltun !). Mit ihm beſchäftigen ſich die re- nommirteſten Oberzauberer, z. B. der in G. Dieſer Oberzauberer in G. kurirt in der Art, daß er alle möglichen Krankheiten in einen Weichſelzopf ableitet. Er braucht dabei Verſegnungen, aber auch allerlei Kräuter. Man kann im Voraus ziemlich ſicher ſein, daß alle Patienten, die ihn bejuchen, drei oder vier Tage nach ihrer Rü>kehr aus G. den Weichſelzopf ſtatt ihrer früheren Krank- heiten haben. Dieſen aber nimmt ihnen der Oberzauberer ſeiner Zeit ge- fahrlos ab. (Kurken.) Die allermeiſten Krankheiten, namentlih Rheumatismen und Augenkrank- heiten ſind angehext. Sie - laufen alle in koltun (Weichſelzopf) aus. Der von einer Krankheit Befallene ſchneidet etwas von ſeinem Haupthaare ab, widelt dies abgeſchnittene Haar in ein StüF Papier, legt es entweder auf die Herzgrube oder unter den Arm und läßt es dort 24 Stunden liegen. Jſt nach dieſer Zeit das Haar verfilzt, ſo iſt dies ein ſicheres Zeichen, daß der Kranke behext iſt. Er wird dann nicht mehr gekämmt und bekommt dann innerhalb 4 bis 5 Wochen, wie natürlich, den Weichſelzopf. Dieſen Weichſelzopf können nur beſtimmte, ganz allgemein als Hexen bekannte Perſonen heilen. Dieſe Hexen können aber auch Jemandem den koltun beibringen oder eingeben. Wie Manche glauben, iſt der Samen der Klette oder auch der Diſtel vorzugs- weiſe geeignet, durch ſeinen Genuß den koltun zu erzeugen. Bei der Heilung ') Dſtwärt8 vom Ortelsburger Kreiſe ſoll er nicht vorkommen. -

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des koltun: wird dem Patienten von der Hexe ein Trank eingegeben, der. auf das Reifwerden des koltun hinwirkt. Tritt nach einer beſtimmten Zeit dieſe Reife ein, ſo wird der koltun von der Hexe abgenommen, aber nicht mit einer Sheere oder einem Meſſer, ſondern mit einem ſcharfen Steine vom Kopfe förmlich abgequetſht. Mit dem kottua verſchwinden auch die Krankheiten, die ihn zu Wege gebracht haben. (Soldau.) Das wichtigſte Geſchäft der Hexenmeiſter nächſt dem Verſegnen iſt das, dem Beſtohlenen ſeinen Dieb ausfindig zu machen.?) Das belieb- teſte Mittel zu dieſem Zwe> iſt die Veranſtaltung, welhe man Sieblaufen nennt, und welche ſchon vor hundert Jahren Piſansli erwähnt. „Das Sieblaufen und andere abgeſ<hmadte Künſte, deren man ſich bedient, einen verborgenen Dieb zu entde>en, und die nicht nur von Zigeunerinnen, ſondern auch von anderen | häufiger getrieben werden, als man meinen ſollte, ſind offenbar aus der Ab» -. götterei unſerer Vorfahren entlehnt.?) Das Sieblaufen wird mir ſo beſchrieben. Man nehme am Donnerötage na<h dem Abendeſſen ein Buch religiöſen Inhalts, und zwar eins aus der Hin-, terlaſſenſhaft eine3 Verſtorbenen, der im Rufe der Ehrlichkeit geſtanden, ſte>e zwiſchen die Blätter des Buchs einen langen Schlüſſel, ſo daß dieſer, nah- dem das Buch geſchloſſen iſt, mit dem einen Ende etwas hervorragt. Das-Buch wird an den Rand des Tiſches gerü>t. Hierauf hängt man ein leichtes Sieb auf das Sclüſſelende und nennt die Namen derjenigen Perſonen, von denen man vermuthet, daß ſie den Diebſtahl verübt haben können, indem man ſagt: „Sieb- <hen, Sieben ſage mir Alles!“ Bei der Nennung des wirklichen Diebes be- wegt ſich das Sieb, während daſſelbe bei dem Aufruf der Namen unſchuldiger Perſonen ſich durchaus nicht rührt. Auf eben dieſelbe Weiſe läßt fich auch er- - Mitteln, wo der Dieb das Geſtohlene verwahrt hat, indem man die vermutheten Bergungsorte nennt. (Kurken.) - Die Procedur iſt nicht überall dieſelbe. Jn Grunden war ich zugegen; ſchreibt ein Augenzeuge, als eine alte Frau einen Dieb ausfindig machen wollte. Auf einen Erbtiſ< wurde eine Erbbibel und auf.dieſe ein Erbſchlüſſel gelegt; über leßzteren wurde ein Sieb mit einem Faden an den Balken freiſchwebend befeſtigt. Die-Beſchwörerin rief darauf dreimal den Namen Gottes an und hierauf nannte ſie in kleinen Zwiſchenräumen die Namen aller verdächtigen nne die möglicherweiſe den Sieb der ein Schaf betraf, verübt ) Dill der Dieb ſich vor Entde>ung ſichern, ſo muß er ſeinen Gang rüdwärts zu bewerkſtelligen ſuchen oder am Orte des Diebſtahls ſein Bedürfniß verrichten. So lange es raucht, iſt er ſiher. Ein Licht von Menſchentalg verſeßt durch ſeinen Schein Alles in tiefſten Schlaf. Ein ſolches hat alſo für den Dieb ganz beſondern Werth. (Gil- genburg.) ?) No, BV, 8 9. Ein anderes Mittel erwähnt ſchon: Meletius im Erl. Preußen p. 719, 720. .

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haben konnten. Bei Nennung des Diebes ſollte fich das Sieb bewegen; da dieſes nicht erfolgte, erklärte die Frau, daß der Dieb ein ihr völlig Unbekannter ſein müſſe, und war wegen ihrer Umgebung und Bekanntſchaft beruhigt.!) Eine andere Art den Dieb zu erforſchen, heißt gleszye. Man braucht dazu ein Geſangbuch und einen Schlüſſel; beides müſſen Erbſtüke ſein. Man ſte&t den Schlüſſel in das Geſangbuch und bebindet dies mit einem Bande. Der Verſegner und der Beſtohlene legen den Zeigefinger unter den hervorſtehen- den Ning des Schlüſſels, ſo daß dieſer mit dem Geſangbuch herabhängt. Der Verſegner ruft dreimal den Namen desjenigen, wel<en man wegen des Dieb- ſtahls in Verdacht hat. Dreht ſich der Sc<lüſſel, ſo iſt e8 der Schuldige. (Hohenſtein.) An andern Orten brau<ht man „ſtatt des Schlüſſels eine Schafſc<eere, an welche das Sieb gehängt wird, und verfährt übrigens wie vorher. Wenn in einem Hauſe ein Diebſtahl verübt wird, und man vermuthet den Dieb unter den Hausgenoſſen, ſo läßt der. Hausherr dieſe ſämmtlich zu- ſammentreten und vertheilt unter ſie Strohhalme von gleiher Länge; nah einer Viertelſtunde werden die Strohhalme unterſuc<ht,. wo dann der in der Hand des Diebes geweſene gewachſen ſein ſoll. In Blandau wurde dies Verfahren angewendet, und ſiehe da, bei der Unterſuchung war der eine Strohhalm (und, wie ſich nachher ergab, der vom Diebe gehaltene) kürzer geworden. Der Dieb hatte nämlich befürchtet, daß ſein Strohhalm wachſen würde, und deshalb heimlich ein StüF davon abgeriſſen. *?) Man zwingt ſeinen Dieb das Geſtohlene wiederzubringen durHh Dro»- hungen, die ihm irgend wie ſhon zu Ohren kommen, oft mit dem beſten Er- folge. Man droht ihn todt zu ſingen (ſ.. o.), oder man droht einen zufällig geretteten Theil des geſtohlenen Gutes, Zeuges, Holzes 2c. einer Leiche in den Sarg zu legen oder auf dem Kir<hofe zu vergraben, was dann die Folge hat, daß der Dieb ſterben muß. Ueberhaupt erreichen die Hexer viel durH Furcht, welche ſie einjagen; denn in dieſer Beziehung ſind. die Maſuren feigherzig. (Hohenftein.) Viele machen ein Geheimniß daraus, wie man den Dieb zwingen könne, das Geſtohlene wieder zu bringen. Bekannte Mittel ſind dieſe: Ein Theil der Sachen, von welchen der Dieb geſtohlen hat, wird in ein eingebohrtes Loch hineingeſte>t und vernagelt. Oder: Der Reſt dev Sachen wird in einem Säc>- <hen in den Schornſtein gehängt. Oder: Der Reſt geſtohlener Sachen wird am Donnerstage in ein friſch aufgeworfenes Grab gebracht, ohne daß dabei die betreffende Perſon auf dem Hin- und Rücwege einen Laut von ſich giebt. 9 NR. Pr. Provy.:Bl. 1847, Bd.. 1, S. 471. 7) R. Pr. -Prov.- Bl. 1847, Bd. 1, S. 472.

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-0. Dann hat der Dieb keine Ruhe, bis er das Geſtohlene dem Eigenthümer zurüc- bringt. (Willenberg.) 'Man legt einen geretteten Theil des Geſtohlenen unter die Ziegel des Herdes und brennt Donnerstag na< dem Abendbrod Espenholz darauf. Wie das Feuer und die Hiße allmählig das Verwahrte angreifen, ſo reiben unbe- kannte; übernatürliche Einflüſſe den Dieb auf. Hat man Nichts von dem Ge» ſtohlenen in den Händen, ſo holt man ſich Donners8tag in der Mitternacht ſchweigend und ohne Umſehen vom Glo>enthurme die Knoten von den Glo>en- fträngen. Mit dieſen macht man es ebenſo, wie mit dem no<h vorhandenen Reſt des geſtohlenen Gutes. Wer jedoch dies Experiment nicht ganz verſteht oder auch nur ein kleines Verſehen darin begeht, der gräbt ſich dadurch felbſt. die Grube und ſtirbt. (Gilgenburg.) Man laſſe ſich einen Bohrer machen, der, niht wie gewöhnlich reht83um, ſondern linkösum gedreht, in Holz oder dergleihen eindringt. Mit dieſem Bohrer gehe man rükwärt3 bis an eine E3pe, bohre in dieſelbe ein Loh, ſte>e in daſſelbe etwas von dem Gute, von dem der Dieb geſtohlen hat, und verkeile es mit einem Pflo> von demſelben Holze. Bald wird der Dieb zittern, wie das E3penlaub, und -das Geſtohlene zurükbringen. (Hohenſtein.') Wenn man etwa3 Erhaltenes von geſtohlenem Gut in einen Sarg legt, um den Dieb zu verderben, ſo muß man ſich ſehr in Ac<t nehmen, daß man nicht auf ven: eignen Schatten tritt. Geſchieht dies, ſo hat man ſelbſt den Tod innerhalb eines Jahres zu gewärtigen. (Hohenſtein.) - "Man meint, daß der Dieb niht von der Stelle könne, ſo lange die Kirchenglo>en läuten. Do giebt e38 auch DBE durch welche man. dieſes bewirkt.2) Am allervorfichtigſten ſind diejenigen, welche ihr - ſo beſprechen laſſen, daß es überhaupt nicht geſtohlen werden kann. Kommt der Dieb und will etwas davon nehmen, ſo bleibt er daran feſt und kann nicht eher fort, als bis der Eigenthümer ſelbſt ihn freiläßt. =- Solche Beſprechung des Eigenthums hat wenigſtens das Gute, daß ſie Unſicherheit und Furcht bei abergläubiſchen Dieben ew (Hohenſtein.) 1) Ein ähnlihes Mittel aus Natangen beſchreibt J. Gottſchalk in den N. Pr. Prov.:Bl. 1857, Bd. 1, S. 158: Man mache in einen Birnen-: oder Pflaumenbaum ein Loh mit einem“ Bohrer. Das Loch bohre man bis zur Hälfte der Baumesſtärke und ſte>e darin etwas von dem geſtohlenen Gute. Dann mache man von demſelben Baum einen Nagel und ſchlage ihn in das Loh. Sowie das in den Baum geſchlagene geſtoh- lene Gut verdirbt, ſo verdirbt der Dieb. Will er nicht ſterben, ſo bringt er das geſtoh- lene Gut zurü&. Wird der Nagel in das Loh aber ganz hineingeſchlagen, ſo ſtirbt der Dieb in 8 Tagen. ?) Einen ſolchen aus Natangen theilt Gottſchalk mit in den N. Pr. KAE 7 Bl. 1857, Bd. 15 S. 157.

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-700- Hierbei bedient man ſich folgender Formel: Es ging die allerheiligſte Jungfrau in den Garten. Jhr dienten drei Engel, der erſte hieß St. Petrus, der andere St. Gabriel, der dritte St. Zachariel. Dieſen begegnen drei Diebe, welche das Kind Jeſu ſpielen (ſtehlen?) wollten. Petrus ſpricht zum Zachariel: Gehe und feſſele ſie mit Strang, Ketten und Gottes Wort, damit ſelbige ſtehen, unbeweglich wie Säulen. Sie ſollen die Sterne am Himmel zählen und nicht eher von der Stelle können, bis mein Mund und meine Zunge fie löſet: Va: ter unſer 2c. Ver beſtohlen iſt, wikelt etwas von dem Gute, von dem ihm ein Theil geſtohlen iſt, z. B. ein Stü> Leinwand um den Klöppel der Glo>e. Das zu- „nächſt folgende GloFengeläute mahnt den Dieb, das Geſtohlene wiederzubringen; beim zweiten GloFengeläute ſtirbt er, wenn das Geſtohlene nicht inzwiſchen dem Eigenthümer wiedergebracht iſt. (Hohenſtein.) Wir ſchließen mit einer in mehrfacher Hinſicht bemerkenswerthen Hexen: geſchichte. , Eine Mutter hatte ein krankes Kind. Nun wollte ſie das Lager des Kindes zure<t machen und neue Streu unterlegen. Dabei fand ſie, während fie das Kind im linken Arm hielt, in dem Stroh einen ſhwarzen Wurm, einen guten Zoll lang, und hielt denſelben zwiſchen den Fingern der rechten Hand. Aber der Wurm verſchwand ihr zwiſchen den Fingern und war nirgend zu fin- den. Das Kind war gleich darauf kränker, zum Sterben. Der Vater entſchloß ſich, zu einer Hexe zu gehen, und damit ſie ihm die Wahrheit ſagte, zog er zur Sicherheit ſein Hemde auf der linken Seite an. So kann man keinen Men- ſchen dumm machen. Die Hexe aber wußte dies und fragte ihn, warum er das Hemde verkehrt angezogen hätte, er hätte ja nichts zu fürchten. Er hatte ein Fläſchchen Urin mitgebracht, welches die Hexe beſah. Sie ſagte: Das Kind iſt behext, und die Hexe hat, als das Kind ſchon krank war, ihre Hexerei noch verbeſſert durch den ſchwarzen Wurm. Hätte die Mutter den Wurm gleich verbrannt (zertreten iſt nicht ſo gut), ſo wäre das Kind geſund geworden; ſo aber iſt der Wurm in das friſche Stroh gegangen und dann dem Kinde durch den Mund in den Leib. Da nagt er am Herzen und ſitt der Ader ganz nahe, wenn er die Ader zerbeißt, muß das Kind ſterben. Sie wußte alles, was mit dem Wurm geſchehen war, ganz genau und ſagte, hier könne ſie nicht helfen, das ſei ſ<hon vorbei. Die Krankheit des Kinde8 äußerte ſich in Krämpfen, Zähne feſt übereinander, Schaum vor dem Munde, die Hände nicht aufzuma- <hen. Wenn der Wurm aufhörte zu beißen,- dann hörten die Krämpfe auf und das Kind nahm die Bruſt. Sie wußte auch die Hexe anzugeben, von der das Kind das Leiden hatte, und ſagte voraus, daß das Kind den dritten Tag ſter- ben würde, was au< geſchah. -- Man ſah die Hexe. Als die Leiche des Kindes zum Kirchhof getragen wurde, wurden alle Tiſ<e und Stühle im

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[] „ao . Haufe (nicht die Todtenbaare) umgekehrt, die Füße nach oben, da mußte die * Hexe kommen und dreimal um das Haus laufen. (Hohenſtein.)!) 3. Das Wahrfagen und der Kalender. Die Gegenwart ſteht mit der Zukunft in geheimnißvollem Zuſammen- hange. Oft hängt Alles von dem Zeitpunkt ab, in welchem ein Unternehmen begonnen wird; wie wichtig iſt es alſo, ihn zu treffen! An gewiſſen beſonders heiligen Tagen bekommt alles, was geſchieht, und was man unternimmt, eine beſondere Bedeutung; da muß man die Vorgänge beobachten, die Gelegen- . heiten niht verſäumen. Aber freilih Manchem, wird dur<h irgend welchen Vorgang, deſſen Eintreten von ſeinem Wiſſen und Wollen dur<hans unabhängig iſt, für lange Zeit oder für immer unabänderlich. ſein Schidſal beſtimmt. Am- allerwichtigſten ſind in dieſer Beziehung die Zwölften, d. h. die zwölf Tage von Weihnachten bi8 zum Tage der heiligen drei Könige. Schon Piſanski kannte dieſe Bedeutung der Zwölften und andern an dieſelben ſich knüpfenden Aberglauben ſehr wohl und urtheilt/über denſelben ſo ſcharf ab, wie der es muß, dem es an allem Intereſſe für volksthümliche Ueber- lieferung fehlt. Er ſagt:?) „Was. für Hirngeburten haben nicht die ſogenannten: Zwölften: hervorgebra<t. Man muß alsdann, aus bekannten Urſachen, den Wolf nicht nennen, keine Erbſen und Bohnen eſjen, wo man nicht Geſchwüre zur Belohnung bekommen will, und andere läppiſc<he Beobachtungen durc<haus nicht übertreten. Vornehmlich aber ſollen dieſe zwiſchen dem erſten Weihnachts- und Dreikönigenfeſte eingeſchlofſenen zwölf Tage untrügliche Bedeutungen des Wetters ſein; ſo ſih in jedem Monate des folgenden Jahres äußern wird.“ ') Zum Vergleiche fügen wir hier eine Notiz aus den polniſchen Gegenden weſtlich von der Weichſel an. Der cujaviſhe und pomerelliſhe Biſchof Chriſtoph Antonius in Slupow Szembel erließ im Jahre 1727 eine Verordnung in Hexenſachen (in polniſcher Sprache), in welcher auch folgende merkwürdige Stellen vorkommen. Er fordert die welt- lichen Gerichte auf, daß ſie die der Hexerei 2c. Beklagten „im Gefängniß frei und ohne beſchwerliche Bande ſitzen laſſen, aller Verbindung der Augen, Shwemmung, Verwundung, bei dem Gefangennehmen ſich enthalten, auch dieſelben rüäwärts zu tragen und zu füh- ren oder ſie die Erde nicht berühren zu laſſen, als welches alles abergläubiſ<he8 Weſen iſt, ſich nicht unterſtehen ſollen.“ An einer anderen Stelle fährt der Biſchof ſo fort: „Bor allen Dingen aber verbieten wir, die rechtlich unterſagten Arten zu wahrſagen, in- gleichen allerhand zugefügten Schaden durch Waſſer, Feuer, Bleiſ<melzen und Wachs- gießen zu errathen, wie auc) rü>wärts zu ſpinnen und Krankheiten zu verbrennen, weil dieſes alles lauter teufliſche Angebungen ſind.“ Preuß, Todestempel, S. 322--327. Preuß. Sammlung, Bd. 1, S. 579-596. 2?) No. 25, 8. 16. Wir vergleichen hier und im Folgenden den inden N. P. Prov.-Bl. 1848, Bd. 2, S. 206 ff. 1850, Bd. 2, S. 116 ff. und 1853, Bd. 1, S. 201 abgedruten Volkskalender. -

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Auch erzählt Pijanski von einem älteren Hojpitaliten, der ſich mit Beobach- tung des Wetters bei Tage und Nacht zu allen Stunden der Zwölſten recht große Mühe gab, ſolHhe3 nah jeiner Art genau aufzeihnete und nachher das ganze Jahr hindurc< al3 ein Orakel großen Zulauf von lernbegierigen Perſonen hatte. , Sehr ausführliHe „Prophezeihungen aus den Tagen des Geburtsfeſtes und den eilf hinter dieſem Tage folgenden Tagen und Nächten für das ganze Jahr“ enthält der mehrerwähnte Himmelsſchlüſſe. Trift der Weihnachtstag auf einen Sonntag, dann wird der Winter warm, das Frühjahr naß und warm, der Sommer angenehm, troden und ſchön, der Herbſt naß und windig; Ge- treide giebt's im Ueberfluß, Honig genügend; der Tod hält ſich hauptjä<hlich an den Shwangern; Frieden im Eheſiande. Aehnliche Prophezeihungen für den Fall, daß der Weihnachtstag ein Montag, Dienstag 2c. it. Wenn am Weihnachtstage ſchön Wetter iſt, bringt das darauf folgende Jahr ſehr viel gutes und ſchöne3 Getreid. Wenn am erſten Tage na; Weihnachten ſc<ön Wetter ijt, bringt das darauf folgende Jahr viel Zänkereien und Spaltungen unter der Geijtlichfeit, 2c. 2c. für alle zwölf Tage, immer den Fall geſetzt, daß es an denjelben ſchönes Wetter iſt. Wenn die Nacht der Gottesgeburt ſtürmiſch iſt, droht der Tod den großen Herren. Wenn die erſte Nacht nach Weihnachten jtürmiſch iſt, folgt ein friedliches von Zänkereien freies Jahr unter den Herrjhern, 2c. 2c. für alle zwölf Nächte, wobei immer voraus- gejezt wird, daß dieſelben ſtürmiſch find. Wir theilen dieje Prophezeihungen im Einzelnen nicht mit, da jie niht auf mythologiſcher Ueberlieſerung, jondern auf willfürliher Erfindung zu beruhen ſcheinen. Der Zujammenhang der Witterung in den Zwölften mit der Witterung des nächſten Jahres wird anderwärt3 - - und ſhon in alter Zeit -- ſo darge- ſtellt: Jeder Tag der Zwölſten ſagt die Witterung eines Monat3 voraus, der 25. December für den Januar, der 26. December für den Februar 2c. 2c. Jeder Tag der Zwölſten wird überdem in vier Theile (von 6 Uhr Abends bis 12 Uhr Mitternacht, biz 6 Uhr Morgens, bis 12 Uhr Mittags, bi3 6 Uhr Abends) zerlegt und jedes ſolches Viertel giebt die Witterung für ein Viertel d. h. eine Woche des beſtimmten Monats. (Hohenſtein.)*) Welches nun aber der Zuſammenhang auch.ſei; auf die Witterung in den zwölf erſten Tagen nac Weihnachten wird ſehr genau A<ht gegeben; vou der- jelben hängt das Scidfal des ganzen Lande3 während des kommenden Jahres ab. (Soldau.) „Die Zwölften machen dem bekümmerten Landmann wegen ſeiner Heerde eine neue Fur<t vor den Werwölfen. Der in der Zeit Herzog Albrechts 1) Vgl. Volkskalender Ro. 18.

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“9. eingefangene Menſch , der für einen Werwolf gehalten" wurde, behauptete, regelmäßig um Weihnachten und- Johannis ſich in einen Wolf verwandeln. zu müſſen.“ !) In den Zwölften darf man nicht ſpinnen. Wer es thut, dem fällt der Wolf in die Shafheerde. Die gewöhnliche Beſchäftigung zwiſ<en Weihnach- ten und Neujahr iſt Federn ſchließen. (Hohenſtein.) Wenn zwiſchen Weihnachten und Neuſahr große Shneeflo>en fallen, ſo ſterben vorzüglich alte Leute, wenn kleine Schneeflo>en, vorzüglich junge Leute. (Hohenſtein.) - Zwiſchen Weihnachten und Neujahr koht man nicht Erbſen, wenigſtens mag das Geſinde ſie nicht, weil dieſes dann in Gefahr kommt, von der Herr- ſhaft im nächſten Jahre Prügel zu bekommen. (Hohenſtein.) Nach andern vermeidet man Erbſen in dieſer Zeit, weil ſonſt Geſchwüre im Hauſe herrſchen würden. ( Willenberg.) . * Zwiſchen Weihnachten und Neujahr brennt man Aſche, die zu gewiſſen Verſegnungen erforderlich iſt, wie ſc<on oben erwähnt wurde. Auch braucht man dieſe Aſche bei der Ausſaat;?) desgleichen zur Verlilgung des Ungeziefers beim Vieh und der Raupen auf Kohl und Bäumen. (Hohenſtein.) .Sämmtliche Aſhe aus Ofen und Kamin wird in den Zwölften aufge: ſammelt und zu.den eben bezeichneten Zwe>ken auf dem Boden bewahrt, Träume, welh<e man zwiſchen Weihnachten und Neujahr hat, gehen i in Erfüllung. (Hohenſtein, Gilgenburg 2c.) 3) Am Sylveſterabend (31. December) wird die Stube gereinigt, mit Sand und Tannen geſhmüt und gut geheizt, damit die niederſteigenden Engel es darin behaglich finden ſollen.*) Am Sylveſterabend wird der Ofen ſtark geheizt, damit die Todten ſich wärmen können.*) | Wenn man in der Neujahrönacht zwiſchen 11 und 12 im Ofen Feuer au- zündet, eine Bank an denſelben ſtellt und ſie mit Aſche beſtreut, ſo findet man am Morgen die Spuren des Todten in der Aſche, der ſich Nachts gewärmt hat. 9) Auch ſet man wohl einen Stuhl mit einem Handtuch in die Stube, wie nach einem Begräbniſſe geſchieht. (Hohenſtein.) Wenn ſie am Sylveſterabend in die Kirche gehen, ſehen ſie nach dem Scatten. Eine Perſon, deren Schatten dann keinen Kopf hat, muß ſterben.?) 1) Piſanski, No. 25, 8 16. 2?) Volkskalender, No. 158. *?) Grunau in den N. P. P.-Bl. 1846. Bd. 2, S. 337, ſagt von den alten Preußen ſogar: „Von den Träumen halten fie feſt, daß es einem wiederfahre, -wie er geträumt hat in ſeiner Ruhe“ ohne alle Einſchränkung auf gewiſſe Tage. *) Hind, S. 118. *) Volkskalender, - No. 159, 8) Ebenda No. 160. 7) Aehnliche Mittheilung aus Samland- in dem Volkskalender No. 36.

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- 0.“ . Am Sylveſtera>bend muß das Hädſelmeſſer abgenommen und das Stroh zuſammengebunden in die Lade gelegt werden, ſonſt findet man in ihr Morgens einen Menſchen ohne Kopf.') Am Sylveſterabend beſorgt man ſich zum Abendbrod unter allen Umſtän- den große Fiſche, -- die großes Geld bedeuten. (Gilgenburg.) Das Glügreifen in der Sylveſternacht, ſchon von Piſanski?) erwähnt, iſt ſehr üblich, doh beſchränkt man ſich in Maſuren nicht auf die ſonſt 3) übliche „Reunzahl von Gegenſtänden. Die Zahl derſelben iſt unbeſchränkt. Außer Geld, Kind, Brod, Ring, Leiter, Himmelsſ<lüſſel, Todtenkopf werden nament- lic< Männer aus verſchiedenen Ständen, Wirthe, Schneider, Shuhmacer 2c., au<h Teufel in Teig dargeſtellt und unter die Schüſſel gelegt. Auch Zinngießen und Pantoffelwerfen als Mittel, die Zukunft zu erfor» ſchen, find ſehr bekannt.*) Bemerkenswerth iſt die Notiz, daß derjenige, welcher * ſein Schidfal durch den Zinnguß erfahren will, die Schüſſel mit kaltem Waſſer, in welche ein anderer das geſchmolzene Zinn hineingießt, ſelbſt über ſeinem Kopfe hält.*) Zum Pantoffelwerfen kann nur - der linke Pantoffel gebraucht werden. Man wirft ihn rü>wärts über den Kopf. Kommt die Spiße deſſelben gegen die Thür zu ſtehen, ſo wird der oder die, welche ihn geworfen hat, im Laufe des nächſten Jahres das elterliche Haus verlaſſen. Au zieht man zur Naht auf den rechten (?!) Fuß einen Schuh an und wirft, wenn man etwa aufwacht, denſelben von dem Fuß über den Kopf hinweg in die Stube, und ſtellt damit dieſelbe Probe an, wie vorher. (Gilgenburg.) Wenn man in der Sylveſternacht, ohne zu ſprechen, in den Ofen ſieht, ſo wird man darin etwas Gutes oder Schlimmes ſehen, das man in u näch- ſten Jahre zu erwarten hat.*) Man ſ<lägt aufs Gerathewohl Geſangbuch oder Bibel auf, MES man vorher beſtimmt hat, ob auf der Seite re<ts oder links, und welche Zeile vder welcher Vers geleſen werden ſoll. Die ſo gefundene Stelle giebt Andeu- tungen über das Schifſal, welches der Anfragende im nächſten Jahre zu er- warten hat.?) - Dder man legt am Sylveſterabend ein Geſangbuch unter das Kopfkiſſen . und ſchlägt daſſelbe beim Erwachen auf und erhält dadurh Auskunft über ſein Sciſal.*) Die Nummer des aufgeſchlagenen Liedes iſt zugleich eine Glüc>s- zahl. (Gilgenburg.) 1) Volkskalender No. 161. ?) No. 25, 8 16. *) z. B. in Samland und Litauen, Volkskalender No. 24. *) Volkskalender No. 25, 2. *) Dieſe ſowie einige andere No- tizen entnehme ich einer mir nachträglich freundlichſt mitgetheilten Conferenzarbeit. eines Wirers I im Willenberger- Kirchſpiele. . *) Vgl. a. a. O. 'No. 32. 7) Etwas abweichend a. a. O. Ro. 37. . *) Hart. Zeitung. 1866, No. 8.

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“5 In ſehr alten Ausgaben des Geſangbu<hs ſteht das Lied des goldenen A. B. C. „Allein auf Gott ſetz' Dein Vertraun“ 2c., deſſen 25 Verſe mit den 25 Buchſtaben de3 Alphabet8 anfangen. Nun werden in der Sylveſternacht die 25 Buchſtaben einzeln auf Zettelhen geſchrieben. Man zieht drei dieſer Zettelhen, und die drei darauf ſtehenden Buchſtaben bezeichnen nun die Verſe ; jenes Liedes, die man beſonders zu beherzigen hat. (Oleßko.) Man wirft ein Geldſtü> ins Waſſer. Nach dem Klange erkennt man, ob Jemand eine Krankheit bevorſteht. Springt es aus der Schüſſel, ſo bedeutet dies Tod. (Soldau.) ' Beſonders zahlreich ſind die Schiſal8proben, welche heirathsluſtige junge Mädchen anſtellen. -- Sie gehen an ein offenes fließendes Waſſer mit hartem fieſeligem Grunde, greifen eine Hand voll aus demſelben, und bringen das Gegriffene in die Stube und an3 Licht, wo e3 auf einen Teller geſchüttet und ſorgfältig unterſucht wird. Sind die gegriffenen Steinchen paar, ſo wird das Mädchen im Laufe: des künftigen Jahres heirathen, ſind ſie unpaar -- ledig bleiben ; und iſt ſogar ein Würm<hen dazwiſchen, dann bekommt das Mädchen ein Kind, ohne zu heirathen. (Oleßko.) Auch greifen die Mädchen in eine Wuhne bis auf den Grund des Waſſers. Was ſie dann greifen, bezeihnet den Stand ihres Zukünftigen. Iſt es ein Stü Eiſen, ſo wird ein Schmidt, iſt es Holz, ſo wird ein Tiſchler, iſt e8 ein Strohhalm, ſo wird ein Landwirth ſie heirathen. (Hohenſtein.) So bedeu- tet Glas, Ziegel , Stein, Muſchel einen Glaſer, Ziegler, Maurer, Fiſcher. (Willenberg.) Sie gehen der Reihe nach an einen Zaun, jede an eine andere Stelle und - ſchreien laut in die Nacht hinein: „Kommſt? Ja?“ Antwortet nun das E<o: Ja, dann heirathet das Mädchen; hierbei paßt ſie aber ſehr auf, aus welcher Gegend das Ja geantwortet wurde: denn aus derſelben Gegend wird der Er- wartete kommen. (Olezko.) Junge Leute rütteln in der Sylveſternacht am Zaun und lauſchen, aus welcher Gegend dann die Hunde bellenz denn von aT kommt der oder die Zukünftige. (Lubainen,) Die Mädchen gehen im Finſtern in den Shafſtall und greifen Schafe, was von jeder nur einmal geſchehen darf. - Wird nun ein Hammel oder ſogar ein BoE gegriffen, dann iſt die Heirath ſicher; ein Schaf -- bedeutet noch längeres Verbleiben im ledigen Zuſtande. Ein Lämmchen greifen die Mädchen nicht gern, denn es bedeutet ein Kind. (Olekko.)!) Sie gehen nah einem-Holzſ<huppen, raffen ungezählt einen Arm voll kleingemächten Kaminholze3 nuf und bringen es in die Stube, wo es gezählt 1) Vergl. die ähnliche Probe im Gänſeſtall. Volkskalender No. 40. 5

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wird. Zſ7'8 paar, ſo folgt die Heirath, iſ?8 unpaar, ſo bedeutet dies das Ge- gentheil!). Bisweilen wiederholen ſie dieſen Verſuch dreimal hintereinander; bringen ſie dreima? eine gerade Zahl von Holzſcheiten, ſo iſt die Heirath um ſo gewiſſer. (Gilgenburg.) Au zupfen ſie Stroh aus dem Dache. Sind in den ausgezupften Aehren no<h einzelne Körner, ſo bedeutet dies, ſie bekommen einen Bäuer zum Manne, ſonſt einen Inſtmann.?) Eine Schüſſel wird mit Waſſer gefüllt, welches man friſ< aus dem Brun- “nen geholt hat, ohne zu ſprehen und ohne ſih< umzuſehen. In dieſem Waſſer läßt man zwei Kohlen ſhwimmen, von welchen eine ein Mädchen, die andere den Geliebten vorſtellt. Wird die erſtere von der leeren eingeholt, ſo kommt „die Heirath ſicher zu Stande. Au<h werden mehrere Kohlen, welHe junge Mädcen vorſtellen, und eine, die einen jungen Mann bezeichnet, in die Schüſ- ſel geworfen; man achtet dann darauf, welche Kohle von der letzteren eingeholt wird, und entnimmt daraus, zu welhem der Mädchen der junge Mann die größte Neigung hat.2) Wenn man in der Sylveſterna<ht um Mitternacht, ohne zu ſprechen, in den. Spiegel ſieht, ſo ſieht man die Zukünftige oder den Zukünſtigen.*) Auch einige wirthſchaftliche Prophezeiungen gewährt Sylveſter. Man zupft eine Anzahl Strohhalme aus dem Dache. Findet man. in den Aehren noh Körner, ſo hat man im nächſten Jahre Brod in Fülle, findet man keine, ſo wird man Mangel leiden. (Willenberg.) Andere ziehen, um dieſe Probe anzuſtellen, eine Hand voll Stroh aus einem Strohbunde. (Gilgenburg.) Wem am Sylveſtertage zuerſt ein Mann einen Beſuch macht, dem wer- den im nächſten Jahre Kühe und weiblihe Schafe geworfen, wem zuerſt ein weiblihes Weſen, dem männliche Thiere. (Wallendorf.) Faſt entgegengeſetzt iſt folgende Mittheilung: Kommt am letzten Morgen vor Neujahr ein Mann ins Haus, ſo hat die Kuh, die zuerſt nach Neujahr kalbt, gewiß ein Bullkälb- <en; kommt eine Frau, ſo iſts ein Kuhkalb. (Willenberg.) Am Sylveſterabend geht man auch den Grenzzaun ſchütteln, wobei man . folgende Worte ſpricht: „Die Eier ſind für uns und das Krakeln für euch.“ Die . Folge davon iſt, daß die Hühner des Nachbarn zu ihm kommen, um die Eier hier hin zu legen und -- dort krakeln gehen. *) Au glaubt man, daß in der Reujahrs8nacht von. 11 bis 12 Uhr alle Thiere ſprechen können, was -- ſo verſichern die Leute mit ernſthaftem Geſicht -- ſchon Maner geſehen hat. (Lubainen.)*) - 1) Vgl. a. a. O. No. 42. ?) Vgl. g. a. O. No. 43, ?) Aehnlich das Licht- ſchwemmen a. a. O. No. 28. *) Vgl. a. a. O. No. 47. *) Hart. Zeitung 1866, No. 8. 8) Dies wird anderwärt8 von der Weihnacht3nacht behauptet. Volkskalender No. 14. Ebenſo in Litauen. Beitr. zur Kunde Preußens, Bd..2, S. 130.

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- 67 = Von dem Teig, aus welhem Glü> geba>en wird, ba>t man auch kleine Brödchen und giebt ſie dem Vieh in der Sylveſternacht zu freſſen, damit es ge- - deihe. (Hohenſtein.) | In der Sylveſternacht windet man Strohbänder um 1 junge Bäume, da- mit ſie gedeihen. (Hohenſtein.) Aus dem Neujahrsteig werden die ſogenannten nowelatka (Neujahrs- puppen) gemacht, getro>net und ſorgfältig das ganze Jahr aufbewahrt. Bei * Viehkrankheiten, beim Kalben der Kühe, beim Lammen der Schafe 2c. werden ſie gebraucht. (Willenberg.) Der Teig dazu wird in einer großen Mulde auf Stroh geknetet. Mit dieſem Stroh bebindet der Hausvater ſeine Obſtbäume. Wer mit der Mulde auf dem Kopfe die Dacleiter rü>wärts hinaufſteigt und von oben in den Schornſtein hineinſieht, der erblickt da qlle, die im künftigen Jahre ſterben werden. „Ein Schmied, den ich kannte,“ ſchreibt ein Lehrer de8 Willenberger Kirchſpiels, „hat dieſes Wageſtü> ausgeführt, kam mit Zittern die Leiter herunter und ſtarb nach. wenigen Tagen. Er ſoll ſich ſelber in dem Schornſtein geſehen haben.“ (Willenberg.) Vor Neujahr muß man alle Schulden bezahlen und alles Geborgte ab- geben. (Gilgenburg.) Wer am Neujahrstage zuerſt aus dex Kirche kommt, der wird in dieſem. Jahre zuerſt mit der Ernte fertig. Daher die große Eile, mit der man ſich an dieſem Tage aus der Kirche entfernt. (Hohenſtein.) Wenn die Sonne am Neujahrstage zum Vorſchein kommt, geräth der Flachs, und bliebe ſie nur ſo lange ſichtbar, daß ſi<h ein Mann in der Zeit gerade aufs Pferd ſ<wingen kann; ſonſt nicht. (Hohenſtein.) Wenn es zu Neujahr windig iſt, ſo giebt es viel Obſt. Wenn es in der Neujahrönacht ſchneit, giebt e8 viel Bienenſhwärme. Wenn in der Neujahrönaht viel Sterne ſcheinen, dann legen die Hühner viele Eier. (Ho- henſtein.) - Am Neuyjahrsfeſte werden Erbſen gekocht, damit die Erbſen im nächſten Jahre gut gerathen. (Gilgenburg.) 6. Januar. Am Abend vor dem Tage der heiligen drei Könige müſſen an der Thür des Viehſtalle3 drei Kreuze gemacht werden. (Hohenſtein.) 25. Januar. Pauli Bekehrung, die Hälfte des Winters, des Brodes und des Futters. An demſelben Tage legt ſich das Gewürm (im Winterſchlaf) auf die andere Seite. An dieſem Tage ſpinnt man nicht, damit die Maulwürfe nicht das Feld zerwühlen. (Wallendorf.)*) 2. Februar. Lichtmeß . oder Mariä Reinigung. Wer Flachs geſäet hat, 1) Vgl. auch Volkskalender No. 61, 169, 170- und Hinz, S. 112. N 5

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v muß an bieſem Täge ſpazieren fahren, wenn's auch nur eine kleine Strecke wäre, dann getäth der Flachs beſſer. (Wallendorf.) Die Wölfe kommen am Nicolaitage zuſammen und gehen zu Mariä Lichtmeß wieder aus einander. Jn dieſer Zeit iſts gefährlih zu reiſen. (Ho- henſtein.) Zu den Faſtnachtsſ<hmauſereien wird Geld zuſamtnen gelegt (Hohenſtein). “Sie arten hie und da in Bachanalien aus.) Während des Tänzes werden die Tänzerinnen „übergeſeßt.“ Ein mit Bändern geſ<müdter Reif wird ihnen über den Kopf geſchlagen und dann werden ſie aus demſelben heraus8gehoben. Sie müſſen dafür ein Geſchenk an Gelde geben. Wer viel zahlt, wird öfters übergeſeßt. *) Zu Faſtnacht muß getanzt werden, dann geräth der Flachs. (Wallendorf.) Wer guten Flachs 422 will, muß zu Faſtnacht Schlitten fahren. (Willenberg.)*) Wer zu Faſtnacht ſpinnt, dem geräth der Flachs nicht. (Gilgenburg.) Am Aſchermittwo< Abends verſammelt ſich die Jugend und zieht mit großem Geſchrei durch da8 Dorf. Sie führen Aſche in einer Tonne auf einem Halbwagen mit ſich und werfen dieſelbe den auf das Geſchrei Herbeieilenden in die Augen. (Willenberg.) - | 24. Februar. St. Matthäus legen die Gänſe Eier. W. Macicja gesi nios4 Jjaja.*) Wer an dieſem Tage ſpinnt, dem gehen die Gänſe nicht zur Hand. (Hohenſtein.) 12. März. Die Maſuren ſagen, am Gregoriustage geht der Winter zum Meere; Gregorza idzie zima do morza.*) Am Gregoriustage findet man unter den Blättern de8 Kohlkopfes Sa- men, der ſich ganz vorzüglich zur Saat eignet. (Gilgenburg.) 25.>März. Mariä Verkündigung. An dieſem Tage wird die erſte Furche mit dem Pfluge gezogen, daher heißt die Jungfrau Maria Matka otworna d. h. die öffnende. Bisweilen iſt aber am Tage der Matka otworna der- Boden no< nicht ſo beſchaffen, daß der Pflug in. die Erde kann, Man weiß dieſes ſhon lange vorher; e3 hängt nämlich davon ab, ob an gewiſſen Tagen vorher Froſt oder flaues Wetter ſtattfindet. *) An Mariä Verkündigung kommen die IEH Bartholomäi ziehen fie „wieder ab.?) 1) Hinß, S. 46. *) Näheres über dieſen auch in andern Theilen Preußens bekann- ten Gebrauch giebt der Volkskalender No. 69, 70, 173, 218. *) Vgl. Volkskalender No. 74. Hink, S. 112. *) Friſchbier, Preuß. Sprichwörter, 2. Aufl., S. 303. *) Friſchbier, Preuß. Sprichwörter, 2. Aufl,, S. 301, hat Gregorza ucieka änieg do morza, *) Vgl. Volks- kalender No. 177. 7) Vgl. Volkskalender No. 222. |

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--“ 69 = An Mariä Verkündigung muß das Vieh ausgejagt und verſegnet: werden. (ſ. 9.) Gründonnerſtag nimmt man Ableger von Blumen. Desgleichen DEE man dann Topfblumen. Charfreitag wird nur hie und da in Maſuren al3 Feiertag gewürdigt. Am Charfreitag und Oſterſonntag ſol man ſich niht kämmen; ſonſt kragen die Hühner im Garten. (Hohenſtein.) Am Oſterſonntag geht die Sonne ſpringend auf, denn das Lamm Gottes freuet ſich über die Auferſtehung Chriſti. ') Viele ſtehen früh auf um dieſes Scauſpiel zu ſehen. Da3 Waſſer, welhe8 man an dieſem Tage vor Sonnenaufgang ſchöpft, beſikßt eine wunderbare Kraft. Viele waſchen ſich an dieſem Tage vor Sonnenaufgang in einer friſchen Quelle, um Ausſchlag, Augenübel und andere langwierige Krankheiten zu ver- treiben. Man geht früh aus, ſorgt möglichſt dafür, nicht geſehen zu werden, antwortet niemand, von dem man angeredet wird, dankt nicht einmal dem Grüßenden. Wer ſo glülich iſt, daß er zu glüFliher Stunde aus dem Hauſe tritt, wird da3 Uebel los, wenn nicht, ſo erhält er die Krankheit auch wohl noch ärger. (Wallendorf.) Leute, welhe an Flechten und anderen Ausſchlägen leiden, gehen am erſten Oſterfeiertage gleih nac< 12 Uhr früh Morgens in das Waſſer und tauchen ſich ganz unter. Sie bemühen ſich andern, die den gleihen Weg nach dem Waſſer. machen, zuvorzukommen. Beim Hin- und Hergehen darf kein Wort- geſprochen werden. Es giebt gewiſſe Gewäſſer, welche in dieſer Beziehung in dem Ruhm be- ſonderer Heilkraft ſtehen, wie z. B. ein Dümpel nahe dem Tannenberger Sclactfelde. * Das Pferdeſ<hwemmen in der Oſternacht wird ſchon im vorigen Jahr- hundert erwähnt.?) In der Oſternacht verwandelt ſich Waſſer in Wein. Jeder Dienſtbote erhält eine Anzahl Eier. *) Am Oſtermontag, aber auch wohl ſhon am Oſterſonntag, iſt das bekannte Sc<matdoſtern üblich. Die Oſterruthe hat noch ihre beſondere Bedeutung. Man nimmt dem- jenigen Kinde, das ſc<hmadoſtern geht, durH ein Handtuch eine beliebige Ruthe aus der Hand, bewahrt ſie auf und treibt damit das Vieh aus, wenn dieſes zum erſten Mal auf die Weide ſol. (Gilgenburg.) Am Oſtermontag, aber wohl auch ſchon am Oſterſonntag, begießen Mäd- :) Vgl. Volskalender No. 230. ?) Piſanski, No, 25, 8 16. 9) Bolkskgleuder No. 182. «

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zZ 202- <en und junge Leute einander -- was ebenſo wie das Shmadoſtern als eine Art von Aufmerkſamkeit gilt.!) : Der Hausvater beſprengt die Familie, ſogar das Vieh im Stall mit Waſſer (am Sonntag? oder Montag?). Man ſagt, wenn man einen beſprengt, der werde fleißig. (Hohenſtein.) Am Oſterfeſte muß der Hausvater mit dem Oſterwaſſer ſein Vieh, Ge- ſinde u. A. beſprißen; dies bringt Segen. Uebrigens wird das Oſterwaſſer als Heilmittel für die verſchiedenſten Zwe>e benußt. (Gilgenburg.) 23. April. Der Georgstag, an welchem der grünende Roggen nah der Rede der Litauer ſhon ſo ho< ſein muß, daß die Lerche ſich in ihm verbergen kann, gilt für einen bedeutſamen Zeitäbſchnitt.?) An dieſem Tage brachten die alten Preußen ihrem -Feldgotte Pergrubius ein Opfer dar.) 24. April. St. Adalbert iſt des O<hſen Freude. Wojciecha wolowa pociecha -- na<h Einigen, weil ſhon Gras ſprießt, Andere geben folgende Erklärung: An dieſem Tage gönnt der maſuriſhe Landmann ſeinen Ochſen völlige Ruhe ; er iſt ihr Feiertag, wie der 23. April (St. Georg) der Ruhetag der Pferde iſt.) Am St. Albrecht8tage kommen auch die Schwalben an. (Hohenſtein.) 1. Mai. Walpurgi3, Ritt der Hexen nach dem Blo>sberg.*) Der Buß: und Bettag wird von den Maſuren als königlicher Feiertag wenig äſtimirt. Zu Himmelfahrt ſeht man Topfgewächſe um und ſtet Gurken und Bohnen. Zu Pfingſten wird ein Ochſe, mit grünen Kränzen behangen, mit der Heerde auf's Feld getrieben. *) An den Sonnabend Nachmittagen von Pfingſten bis Jacobi wird an vielen Orten in Maſuren keine Feldarbeit ausgeführt. 7) Sonntag nach Pfingſten, der Trinitatistag, gilt den Maſuren als einer der höchſten Feiertage, in höherem Grade als z. B. Pfingſten. An (welchem?) Tage ſpringt der Hirſch ins Waſſer. Von der Zeit an ſoll man baden gehen. (Hohenſtein.). 8. Juni. Medardus. An dieſem Tage ſoll man Flachs ſäen. (Wallendorf.) 24. Juni. Am Johannistage gegen Abend, ſagt Piſanski *) -- er meint aber wohl den Abend vor Johann. -- verſammeln ſich die Einwohner des Dorfes, beſonders die jüngern, tragen allerlei tro>enes Strauch, Reiſer und Stroh zuſammen, zünden dieſen Haufen an und tanzen um denſelben mit Singen !) Vgl. Volkskalender No. 233, 234. 9) N. P. Prov.-Bl- 1849, Bd. 1, S. 336. 3) J. Meletius, S. 402. *) Friſchbier, Preuß. Sprichwörter, 2. Aufl., S. 298, *) Eine na< der polniſchen Grenze hin verlegte Geſchichte der Art wird „erzählt in den Pr. Provinz.:Bl., Jahrgang 1846, Bd. 1, S. 228 . *) Volkskalender, No. 237. ") Hinz, S. 117, 9) No. 22,87. ;

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DD - und Jauchzen herum. An einigen Orten unſeres Landes hat man an dieſem Tage eine andere Gewohnheit. Es wird um die Abendzeit alle3 Feuer im gan-. zen Dorfe ausgelöſcht, darauf ein eihener Pfahl in die Erde befeſtigt, auf ſekbi- gen ein Rad geſte>t und dieſes von den Bauerknehten, die einander bei ſolcher Arbeit ablöſen, ſo lange ſchnell herumgedreht, bis ſich der Pfahl von dem ſtar- ken Reiben entzündet; da alsdann ein Jeder einen Brand mit ſich nac< Hauſe nimmt und das Feuer auf dieſe Weiſe im Torfe wieder angeſchürt wird.“) No ladet ſie =- die Maſuren -- ſagt Preuß,?) der Vorabend des Jo- hannistages zu allgemeiner Feier und freudiger Luſt ein. Der gewöhnliche Sammelplatz iſt eine Anhöhe, auf der ein mächtiges Feuer angezündet und die Nacht hindurch unter allerlei ſc<herzhaftem Zeitvertreibe brennend erhalten wird. In der Frühe des Johannistages8, welher wachend erwartet wird, ſammelt Jeder eine Menge verſchiedener Kräuter, deren Gebrauch bei Krankheiten der Menſchen und Thiere für beſonders heilſam gehalten wird. Am Johannisabend pflükt man neunerlei Kräuter, worunter einige be- ſtimmte Arten, wie Kamillen und weißer Flieder, nie fehlen dürfen, und win- den aus denſelben Kränze. Beim Pflü>en der Blumen und beim Winden der Kränze darf kein Wort geſprochen werden. Solche Kränze haben eine beſon- der8' heilbringende Kraft und werden ſorgfältig bewahrt. Aus den einzelnen Blüthen derſelben koht man Thee, gegen allerlei Krankheiten. (Hohenſtein.) 2) Am Johannis8abend wird Johanniskraut gepflüät; e8 muß von 9 verſchiede- nen Arten ſein. Dieſe3 wird unter dem Kopfkiſſen getro>net und nachher als - Arznei bei Viehkrankheiten gebraucht. (Willenberg.) Vom Todtenkraut werden ſo viele Aeſte gepflü>t, als das Haus Fa- milienmitglieder zählt und hinter den Balken geſte>t. Weſſen Aſt am folgen- . den Tage welk herunterhängt, der ſtirbt im Laufe des Jahres. (Willenberg.) . In der JohannisSnacht pflükt man zwei Exemplare von der „fetten Henne'', ohne ein Wort dabei zu ſprechen und ſte>t ſie unter einen Balken der Stube. Der junge Mann, der das unternahm, ſpricht ſodann: Jhr ſtellt mich und meine Braut vor. -- Vereinigen die Pflanzen ſich bei ihrem fortgeſetzten -2) Dieſes und einiger anderer Johanni8gebräuche erwähnt auch ſchon C. Hennen- berger in der Erklärung der Landtaffel S. 323, wo auch der Zauberformel, die man beim „Feuerziehen" ſpricht, und der Wirkungen des Feuerziehen8 gegen Hexerei, Mil<hbeneh- mung, Gewitter 2c- gedacht wird. Die älteſte bekannte Spur des Johannisfeuers findet ſich in den ermeländiſchen Synodalſtatuten von Biſchof Heinrich 111. (1373--1401) im Indexlect. Lye. Hogian. Brunsb. vom Winter 1861, p. 9, 8 22: Prohibemus etiam, ne celebretur Sabbatum, quod vulgariter Heilfeier dicitur, prout Buggestione diaboli et adiuventione TySticorum a quibusdam consguevit celebrari. . Vgl. Bender, Zur altpreuß, Mythol. und Sittengeſchichte, in der Altpreuß. Monatsſchrift 1867, S. 3. *) In ſeiner Preuß. Landes- kunde, 1835, S. 235. *) Näheres "über dieſe Johanniskräuter Volkskalender No. 116, 117, 194; auch Hinz, S. 55. N

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79 - Wachſen, ſo. heirathet fich das Paar no<h in dem Jahre; trifft das aber nicht zu, ſo wird aus der Heirath nichts ; vertro>net nun gar eine der beiden Pflan- zen, ſo ſtirbt die Perſon, für die ſie geſte>t war. (Hohenſtein.') Am Abend vor Johannis werden ſchweigend verſchiedene Fe.dblumen ge- pflüt und zu einem Strauß vereint. Dann nimmt man in der Mitternacht- ſtunde ein Glas Waſſer ſammt Blumenſtrauß und ſpricht: Der Liebſte kommt zu trinken, reſp. die Herzallerliebſte komme und reiche mir zu trinken. Soll der Herzenswunſch in Erfüllung gehen, ſo zeigt der Waſſerſpiegel das Bild des her- beigeſehnten Shaßes.?) Die Mädchen winden Kränze und werfen dieſelben rüdwärts über den Kopf gegen einen Baum. Bleibt der Kranz an dem Baume hängen, ſo heirathet das Mädchen, welches ihn geworfen hat, im nächſten Jahre. So oft er aber herunterfällt, ſo viel Jahre bleibt e8 noch unverheirathet. (Hohenſtein, Willenberg.) Man ſchneidet zwei Halme Zwieblauch gleihß hoh ab; der eine bedeutet Glü&, der andere Unglük; welcher von beiden am folgenden Tage höher ge- wachſen iſt, der zeigt dem Fragenden ſein Siſal im folgenden Jahre. (Wil- lenberg.) Mädchen denken ſich unter den Halmen auh junge Leute, welche Heirathsabſichten haben könnten und ermitteln ſo den rechten. (Hohenſtein.) Zwiſchen 11 und“ 12 Uhr in der JohanniSnac<ht geht man mit einem Tuche zu dem Hartrigelſtrauche, der aber ſchon 7 Jahre alt ſein muß, um deſſen Blüthen aufzufangen. Gelingt dieſes, ſo werden des Unternehmers Wünſche alle in Erfüllung gehen. *) Ein gewiſſes Kraut, Shlangenkraut genannt, blüht nur in der Johanni8- nacht und nur kurze Zeit. Wex die Blüthe deſſelben bei ſich trägt, dem verleiht ſie wunderbare Kräfte. Ein Bauer, dem ein Pferd geſtohlen war, ſtieß mit ſeinem Riemenſc<huh (chodak) an dieſes Kraut, die Blüthe fiel in ſeinen chodak» daß er ſie mit ſich trug, und ſogleich wußte er, wo das Pferd ſich befand. Aber bald fiel ſie. zu Boden, und nun war auch alle Wiſſenſchaft von dem Pferde- diebe ihm wieder entſ<hwunden. (Kl. Jerutten.) *) | In der Johannis8nacht blüht das Farrenkraut in der Mitternachtſtunde. Wer ſo glücklich iſt, die Blüthe zu finden, weiß von allen vergrabenen Schätzen. Es wagt ſich aber ſelten einer in dieſer Nacht hinauszugehen, aus Fur<t vor Teufel und Hexen. Einem Bauer, welchem die Blüthe von jenem Kraute unver- ſehens in ſeinen elenden Riemenſchuh gefallen war, und der ſich nun anſchikte nach einer Stelle zu gehen, wo ein Shaß vergraben lag, begegnete ein Mann in guten Kleidern und guten, ſogar gewichſten Stiefeln. Er redete ihn an und fragte ihn, ob er die blanken Stiefeln für ſeine ſ<hle<hten Riemenſchuh haben wolle? Der Bauer ließ ſich bethören und ging den Tauſch ein, aber kaum hatte 1) Vgl. Hartg. Zeitg. 1866, No. 8. ?) Hartg. Zeitg, a. a. O. ?)-Hartg. Zeitg. a. a. ODO. *) Etwas ähnliches meint auh der Volkskalender No. 112,

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Zi xx dis Schuhe abgebunden, ſo wußte er auch nichts mehr von dem Shape. Der Fremde war der Teufel geweſen. . , "Man ſticht den Raſen an einer Stelle aus und hebt ihn auf, legt ihn dann aber wieder ein. Am nächſten Morgen kommt man wieder, hebt ihn auf und ſieht. Findet man nun z. B. rothe oder grüne Käfer, ſo' bedeutet das Liebhaber mit rothem oder grünem Kragen. (Hohenſtein.) | Zn der JohanniSnacht hat man Träume für das ganze Jahr [ſo]. -- Dex Kranz von nieunerlei Kraut wird unter das Kopfkiſſen gelegt; was man . daun träumt, iſt wahr. *) Am Johannis- uud Jacobitage darf nicht gearbeitet werden; das iſt Sünde. Wenn es do<h geſchieht, ſo zerreißt entweder der Wolf das Vieh, mit dem gear- beitet worden, oder der Blitz ſchlägt ein und verbrennt Haus und Hof. (Soldau.)2) - *. AmJohannisabend machtman an der Thüre des Viehſtalles (von außen) drei Kreuze, um es vor Hexerei zu ſichern. *) Oft braucht man dazu Theer, (Hohenſtein). Am Johannisvorabend müſſen wenigſtens drei Kumſtpflanzen behäufelt werden, wenn er geräathen ſoll. (Hohenſtein.) Nicht immer iſt St. Johann. Nie zawsze '8wietego Jana.*) -' 29. Juni. Peter Paul tro>net die Wurzeln des Roggens. (Hohenſtein.) 2. Juli. Mariä Heimſuchung. An dieſem Tage darf keine Feldarbeit unternommen werden. *) Sonntag vor. Jacobi. Erntefeſt der Maſuren vor der Ernte. - 25. Juli. Am Jacobitage muß alle Arbeit ruhen.) . | 6. Auguft. Verklärung Chriſti. Hauptfeier- und Hauptopfertag der Maſuren. 24. Auguſt. Zu Bartholomäi ziehn die Störche ab.*) Baxrtholomäi habe den Samen. W. Bartlomiej nasienie mie]. *) 29. September. Midael ſtößt die Leute hinaus. Michat ludzie wypychal. (Zu Michaelis werden die Wohnungen gewecſelt.)*) 6, November. Am Nicolaitage kommen die Wölfe zuſammen. (Vgl. Lichtmeß.) Von Einigen wird .der Nicolaitag als des Shußpatrons der reißenden Thiere gefetert, um desfalſiges Unglü> zu verhüten.**) ' An dieſem Tage ſpinnt man nicht, damit der Wolf nicht i in die Heerde. falle. (Hohenſtein.) In der ganzen Adventszeit jeden Sonntag und dann am heiligen Abende vor Weihnachten durchzieht die eingeſegnete Jugend mit dem transparenten Stern das Dorf. *?) 2) Von Träumen ſpricht auch Volksk. No. 116, 117, 140. 2) Vgl. Volkskalender No. 125. *) Vgl. Volks8kalender No. 119 - 122. Hink, S. 118. *) Friſchbier, S. 302. 8) Hinz, S. 117. *) Vgl. oben 24. Zuni und Volkskalender No. 127. ") Vgl. oben Mariä Verkündigung. *) Friſchbier, S. 298. *) Friſchbier, S. 303. ") Hinz, S. 117. 11) Vgl, Hing, S. 40. Volkskalender No. 3. -

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-- 74 -- 24. December. Am Weihnachts8abend muß Jeder ſeine ausgeliehenen Sachen (au8sgenommen Geld) zurükerhalten. (Willenberg.) Am Weihnachtgsabend geht der ſogenannte heilige Chriſt, d. h. ein in einen umgekehrten Pelz gekleideter und mit einem Knittel bewaffneter Kerl umher, der die bebenden Kinder examinirt. Sind ſie fleißig geweſen und können daher gut antworten, ſo erhalten ſie nach ſeinem Fortgehen Geſhenke, wogegen für die Faulen am Weihnac<htsbaum eine vergoldete Ruthe hängt. Die Wirkſam- keit dieſes heiligen Chriſtes beſchränkt ſich jedoch nicht allein auf das Einſchüch- tern der Kinder, ſondern au die Dienſtboten, beſonders die weiblichen, werden von ihm heimgeſucht und gerne zerbläut.!) Sehr häufig erſcheint ſtatt ſeiner auch ein Bär, der ebenfalls einen um- gekehrten Pelz trägt und einen Aermel deſſelben als mächtigen Shwanz nach» ſchleppen läßt. Brummend zieht er umher und fordert die Kinder auf, ihren Weihnachtswunſc<h aufzuſagen.?) In der heiligen Chriſtnac<t zwiſchen 11 und -12 Uhr iſt das Waſſer Wein. 2?) In der Weihnac<ht um 12 Uhr ſpricht das Vieh mit einander. Man muß ſich hüten dieſes Geſpräh zu belauſchen. Wer es au<h nur zufälliger Weiſe hört, der ſtirbt. (Gilgenburg.) Vgl. o. Zur Weihnactfrühpredigt nehmen Viele in: den Taſchen etwas von allerkei Getreidearten mit. Sol<he8 Getreide gedeiht beſſer, wenn es ge- ſäet wird, und giebt mehr Mehl, wenn man es als Brodgereide gebraucht. (Wil- lenberg.) Der Einfluß. de3. Mondes auf das tellurifche Leben iſt gewiß. u Ma- ſure achtet auf ſeine wechſelnde Stellung gegen die Erde und die Sonne ſehr genau und bringt die Mondphaſen mit gewiſſen Wochentagen in eine ſyſtema- tiſ<e Verbindung. Nach ſeiner Ueberlieferung ſind MittwoH und Freitag während des erſten und zweiten Mondviertels bis zum Vollmonde alt e Tage, die übrigen während derſelben: Zeit junge Tage. Na<h dem Vollmonde bis zum letzten Viertel ſind Mittwoch und Freitag junge Tage, die übrigen ſind dann alte. Die beiden alten Tage haben mehr zu bedeuten als .alle übrigen. An den alten Tagen kann man anfangen was man will, es wird gerathen. (Gilgenau bei Hohenſtein.) Eine andere Mittheilung weicht von dieſer erheblich ab. Die neuen Tage ſind jeden Mittwoch und Sonnabend bei zunehmendem Mondlicht, und die al - ten Tage find jeden Mittwoc< und Sonnabend bei abnehmendem Mondlicht. An den erſteren Tagen werden Handlungen unternommen, welche einen guten 1) Volkskalender No. 5. ?) Volkskalender No. 6. *) Lineman bei Piſanski No. 25, 8 16. Vgl. N. P, P.-B. 1846, Bd. 1, S. 395.

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uA Fortgang haben ſollen, z. B. Säen, an den letzteren dagegen ſolche, welche auf Vernichtung und Beſeitigung des Widerwärtigen gerichtet ſinv, z.B. Ver- nichtung :von Inſekten u. dgl. Au pflegt man an dieſen Tagen die Zimmer zu weißen. (Gelguhnen im Ermelande.) Mittwoch, Freitag und Sonnabend ſind bei zunehmendem Licht die guten. Tage, heißt es in Hohenſtein; denn die übrigen Tage ſind Fleiſchtage. -- Man ſieht alſo, auch bei dieſer Tagewählerei zeigt ſich ein Reſiduum katholiſcher Kir- <hengebräuche. Auch in anderem Sinne noh haben einzelne Wochentage ihre beſtimmte Bedeutung, wie wenn es z. B. heißt, Bohnen ſolle man nicht an demjenigen- Wochentage ſteen, an welchem der erſte Schnee gefallen iſt. Montag.') Von großem Einfluß auf die Ereigniſſe des folgenden Jahres iſt es, ob der erſte Weihnactsfeiertag auf Montag oder Dienstag oder- Mittwoch 2c. fällt. Wenn am Montag zuerſt eine weibliche Perſon in das Haus tritt, ſo be- deutet das Unglü>. Diens8tag. Geburt an dieſem Tage prädeſtinirt zur Spitbüberei. (Krolczyk.) Die meiſten Hochzeiten finden Dienstag und Donnerstag bei zunehmen: dem Licht ſtatt, andere Tage bringen kein Glü>. (Gilgenburg.) Mittwo<. Weizen muß man weder am Tage no<h in der Naht, ſon- dern Mittwoch ſäen. . | Donner3tag. Am Donnerstag Abend wird nicht geſponnen, überhaupt manderlei alltägliche Beſchäftigung vermieden.?) Ein gewiſſes Mittel gegen das Fieber (ſ. o.), ſowie auch gegen die rale lutki (ſ. o.), gegen das Unkraut (ſ. u.) und gegen anderes Uebel, das man be: ſeitigen will, ſoll Donners8tags angewendet, an demſelben Tage das Sieblaufen (ſ. o.) veranſtaltet werden. 2) Wer Donnerstag in den Dienſt tritt, wird von Geſchwüren und anderen dergleichen Krankheiten zu leiden haben. Denn es iſt der Fleiſchtag. Freitag. Wer Freitag geboren und Sonntag getauft iſt, kann Geiſter ſehen. (Krolczyk.) Freitag iſt der rechte Tag zur Hochzeit. (Hohenſtein.) Freitag wird kein Brod geba&>en. (Willenberg.)*) Freitag vor Vollmond iſt ein gewiſſes Mittel gegen Warzen anzuwenden (ſ. o.);:an demſelben Tage die Verſegnung der weißen Leute (ſ. o.). 1) Man vergleiche den Wochenkalender in den N. P. P.-B. 1848, Bd. 2, S. 230 |f. 9) Hinz, S. 111. Volkskalender No. 204. *) Vgl. auch Scleicher, Litauiſche Märchen 2c. S. 94-97. *) Vgl. Hinß, S. 112.

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„7“ Sanngbend. ZSeburt am Sonnabend prädeſtinirt zur Heuchelei und Liſternheit. Dienſtboten treten ihren Dienſt am liebſten Sonnabend an, weil ihnen das Dienſtjahr dann nicht lang erſcheinen wird. Sonntag. Sonntagskinder können Geiſter ſehen. (Hohenſtein.) Sonntags muß man. die Kuh ſtehen laſſen, wenn man haben will, daß ſie am Tage kalbt. (Willenberg.) Eine in ſo beſtimriter Form bei andern Völkern nicht hervortretende Eigenthümlichkeit des polniſch-maſuriſhen Kalenders iſt die ausdrüliche Be- zeichnung der zahlreihen Unglü8tage, die man doch im Weſentlichen wohl als Faulenzertage anzuſehen hat. In einem alten geſchriebenen Buche zu Borken bei Willonberg werden ſie aufgeführt unter der phantaſtiſchen Ueberſchrift: „42 unglüdliche Tage im ganzen Jahre, welche ein griechiſcher Autor der königlichen ägyptiſchen Majeſtät bekannt machte, und welche dieſe auh als Wahrheit an- erkannte.“ Au. der Himmelsſchlüſſel führt die UnglüFstage auf, aber ſchon in etwas vermehrter Auflage. Die ſchlimmſten der böſen Tage ſind der 1. April, an welchem ſich Judas, der Verräther, erhängt hat, der 1. Auguſt, an wel- <hem Kain ſeinen Bruder Abel erſchlug, und der 1. December, an welchem Sodom vom Erdboden vertilgt wurde. Die Unglüstage ſind: im Monat: nach der Borkener Handſchrift : nach dem Himmelsſchlüſſel : Januar 192 6111.18 1203141400611 Februar 8. 16. 17. 3. - 8. 16. 17. März 1: 12: 19: 15... 1. 12: 13 15. April 1 3.15. 17 18. 1 3.156.1.19 Mi 8. 10. 17. 30. 8. 10. 11. 17. 30. Juni 1. 7. - 1. 7. Juli EBE 5.6 “ 4. 5. 6. (Neue Aufl. 1. 4. 6.) Auguſt 1. 3. 18. 20. 1. 3. 5.17, 20. September 15. 18. 30. 13. 15. 29:30. October 15: 17. 15. 17. November 11. 17. : Liu December 1. 7. 11. . 1 7. 11 Die durch den Dru hervorgehobenen Abweichungen der beiden Ueber- lieferungen ſind alſo nicht unerheblih. Es wird , ausdrülich hervorgehoben, daß die an dieſen Tagen geborenen entweder früh- ſterben oder mit Noth und Elend kämpfen, ihre Ziele nicht erreihen würden, und daß man an dieſen Tagen weder heirathen, noh eine Reiſe. antreten, noch u abſetzen, noh ſäen oder pfropfen ſolle. Hier folgen einige Begegniſſe, aus welchen man die Zukunft erken= . nen kann. N -

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ZZ. Wentt man ausgeht und begegnet einem Weſen weiblichen Geſchlechts, namentlich einer alten Frau, ſo bedeutet das Unglü>, wenn einer Mannsperſon, > Glüd. (Soldau, Willenberg, Gilgenburg 2c.) N Nahe vor einem Bauer, der ein Stü> Bauholz nach der Stadt brachte, ging ein Mädchen quer über den Weg. Er fing an zu murren und verlangte ſchließlich, ſie ſolle rüwärts zurü&fgehen. Sie beruhigte ihn indeſſen, indem ſie ihm verſicherte, daß ſie ein Glit>skind wäre. Da erzählte er ihr, er ſei ſchon fünfzig Jahre alt, und nie ſei ihm ein ſol<hes Unglü> paſſirt als neulich, Ex und ſein Bruder wären kaum aus dem Dorfe herausgeweſen, da wäre ihnen ein altes Weib quer über den Weg geganzen; einige Schritte weiter wäre ihnen die Kette geriſſen, der Wagen zerbrohen und das StüF Holz hätte beinahe ſeinen Bruder erſchlagen. (Hohenſtein.) Läuft einem Bauern ein Haſe über den Weg, oder begegnet er einem alten Weibe, ſo bedeutet das Unglü>. (Gilgenburg.) ') : Wenn ein Haſe über den Weg läuft, bedeutet das Unglü, namentlich Feuer. Ein Hund, ver quer über den Weg läuft, bedeutet auH Unglü> (?). . -- * Läuft ein Wolf oder Fuchs über den Weg, das iſt Glü>. (Soldau.) Wenn einer fährt oder reitet, und ein Fuchs ihm über den Weg läuft, ſo ſolt ihm ein Schade entſtehen. So ſagt -der alte Chroniſt Simon Grunau im "Jechszehnten Jahrhundert.) Ein Matin, ein Adler, ein Hund, ein Wolf, ein Bettler bedeuten dem Reiſenden Glü>. (Willenberg.) Wenn bei Krankheit der Angehörigen der Hund ſich ſo niederlegt, daß er mit der Schnauze der Thüre zugewendet erſcheint, fo deutet dies auf den Ausgang des Lebens.) ' Hundegeheul vor einem Hauſe verfündet gleichfalls ven Tod eines Hausgenoſſen vorher.*) Das Piken des ſogenannten Todtenkäfers zeigt ſicher an, daß bald Jemand im Hauſe ſterben werde. (Soldau.) Eine Kröte in der Stube bedeutet Unglüd. (Soldau.) Vor Fröſchen und Kröten hat der Maſure eine große Scheu, da er meint, daß die Hexen gern die Geſtalt ſolcher Thiere annehmen. Ein Froſch in der Stube iſt eine auf Böſes ſinnende Hexe. Man muß denſelben mit einer Feuer- zange aufheben und ſo aus der Stube fortſ<haffen. (Gilgenburg.) Wenn ein Hund unweit de3 Fenſters heult, ſo ſtirbt Jemand in dem Hauſe nach kurzer Zeit. Man darf ihn nicht berufen, denn er ſieht den Tod, der Jemand abzuholen kommt. - Vielmehr bekreuzigt ſich dann alles. Wenn 1) Vgl. Roſenheyn, Bd. 2, S. 91, 92, 2) N. P. Pr.-Bl. 1846, Bd. 2, S. 338. *) Hirth), S. 138. 49 Hinß, S. 118. |

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man,. während der Hund heult, hinter denſelben tritt und „zwiſchen ſeinen “Dhren hindurch über ſeine Schnauze ſieht, ſo ſieht man den Tod auch. (Lubainen.) Wenn Kaßen in der Nähe des Hauſes heulen, das bedeutet Spektakel im Hauſe. Die ſich waſchende Kaße verkündigt Beſuch; desgleichen der Hahn, wenn er unter dem Fenſter kräht; des8gleihen lebhaft ſprühende Funken auf dem Herde. (Gilgenburg.) Sehr alt ſind die Ueberlieferungen über Weiſſagung aus Vogelgeſchrei. Son beim Chroniſten Simon Grunau im Anfange des ſechszehnten Jahrhun: dert8 kommen dergleichen vor.') Piſanski ſagt: *?) „Für ein unglü>lihes Zeichen nimmt man es an, wenn eine Henne krähet, und dieſe unſchuldige Prophetin muß ſodann ihre Verwegen- heit gemeiniglich mit dem Verluſte des Kopfes bezahlen. So finden ſich au< no< Spuren von dem Wahrſagen aus dem Fluge der Vögel. Denn verſam- melte Shaaren großer Raubvögel ſind Vorboten des Einbruchs zahlreicher Kriegöheere. Das Streiten der Vögel in der Luft bedeutet gleichfalls Krieg. Verläßt der Stor<h auf einem Hauſe ſein Neſt, ſo muß dieſes auh in dem- ſelben Jahre abbrennen. Viele halten :es für eine Sünde eine Schwalbe 'zu tödten.“ ; Kräht ein Huhn, ſo bedeutet das großes Unglüf. DaZ Huhn iſt Unrett- bat verloren; ihm wird ſogleich der Kopf abgeha>t. (Soldau.) Auch eine ſchreiende Krähe bedeutet Unglü&. (Willenberg.) Wenn eine Eule ſich aufs Haus ſetzt, und in klagendem Tone ruſt: pusc d. h. Laß mich), dann ſtirbt Jemand, wenn ſie in läachendem Tone kotys (d. hb. Wiege) ruft, giebt's Kindtaufen. Den Kukuk als Weiſſager kennt der Maſure, wie der Deutſche. Ver- nimmt man ſeinen Ruf, ſo ſpricht man folgendes Ver8<hen: Kukawieczko Moia mita panneneczko Liez, liez, liez Wiele lat ia igezeze bene Zy. 1) Wenn eine Elſter vor dem Fenſter ſchreit, ſo ſprechen ſie, e8 ſind Gäſte vor: handen, die man nicht gern ſieht. Wenn eine Henne kräht, ſo ſprechen ſie, die Frauen Nachbarinnen werden mit einander hadern. Wenn der Vogel, Uhu genannt, drei Nächte auf einem Hauſe ſchreit, ſo meinen ſie, aus dieſem Hauſe müſſe Jemand ſterben. Keinem Storche laſſen ſie ein Leid thun, denn ſie halten es dafür, daß die Störhe ander8wo Menſchen ſind. Wenn die Hühner kirren, ſo ſollen ſie einen Geiſt ſehen, der da wanket und will bei den Menſchen ſein. (S. Grunau in den N, P. Pr.-Bl. 1846, „Bd. 2,S. 337, 338.) 2?) No. 23, 8 19. |

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“77. d. h. Kuckuk, du zarte Jungfer, zähle und ſage mir doh, wie viel Jahre ich no<h leben werde? Wie oft der Ku>uk dann ſeine Stimme erſchallen läßt, ſo viele Jahre hat man no< zu leben. -- Hört man den Ku>uk im Frühjahr zum erſten Male und hat dann Geld bei ſich, ſo wird es einem das ganze Jahr nicht fehlen. (Gilgenburg.) . Links und re<t8 macht bei der Prophezeiung einen großen Unter-- ſchied. Was links. geſchieht, bedeutet Gutes, was re<ht8 nicht Gutes. Wem die linke Hand jut, der nimmt Geld ein, wem die rechte, der giebt Geld aus. | Wem das linke Auge jut, der wird lachen, wem das rechte, der wird weinen. Wem die linke Ba>e glüht, der wird belobt, wem die rechte, der wird beſchändet. Daher muß man, wenn man einen Saß brennen ſieht, den Schuh. vom linken Fuß hinter ſich werfen, um ihn feſtzuhalten, und den Zeigefinger der linken Hand gebrauchen, wenn man ſich gegen den böſen Blit- einer Hexe ſchüßen will.?) -=Der Vorzug der linken Seite wird auc<h beim Eintheeren des Wagens beobachtet. (ſ. u.) 4, Aberglauben, welcher ſich an verſchiedene MARONEN niſſe knüpft. Gleich -bei der Geburt wird das Leben de8 Menſchen von dunkeln ge- heimnißvollen. Mächten bedroht oder begünſtigt. Der am Sonntag geborene wird mit ſchönen Gaben, aber auch mit der Fähigkeit ausgeſtattet, Geiſter zu ſehen. Die Geburt am Dienstage ſchließt die Prädeſtination zur Spißbüberei, die am Sonnabende zur Heuchelei und Lüſternheit in ſich. Geburt am Freitage mit der Taufe am Sonntage hat dieſelbe Folge, wie die Geburt am Sonntage. (Krolczyk.) *) 1) Der Chroniſt Simon Grunau, der dieſe Sache ſhon im Anfange des ſechözehn- ten „Jahrhunderts berührte, überliefert das Entgegengeſehte, ſcheint aber ſeine Kunde vielmehr von den Deutſchen, al8 von den Preußen zu haben. Er ſagt: „Wenn einem ein Ohr klingt, iſt es das rechte, ſo ſpricht er: Man gedenkt meiner zum Beſten; iſt es das linke, ſo ſpricht er, man belüge ihn oder man wolle ihm böſe.“ Ferner: „Wo einer zum erſten in eine Stadt, ein Dorf, oder ein Haus gehet und mit dem linken Fuß ein- tritt, ſo hält er dafür, daß es da wird übel gehen; wo aber mit dem rechten, ſo iſt alles Glä& mit ihm.“ S. Grunau in den N. P. P.-Bl. 1846, Bd. 2, S. 337. Ueber Rechts und Links überhaupt vergleihe Grimm, Geſchichte der deutſchen Sprache, 007 2, S. 20 ff.- 990. 9) Im Evang. Gemeindeblatte.

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=< wv - Mannigfache Gefahren bedrohen gleich die erſten Stunden des neu- gebornen Kindes. No treiben die Kobolde ihr tüiſches Weſen, die oft „Men- ſchenkinder rauben und Wechſelbälge an deren Stelle legen. Den Kaßen iſt nie zu trauen. Der böſe Bli> kann das Kind für ſein ganzes Leben unglü- lic machen. Früher ſollen Donnerkeile als Amuletten gebraucht ſein. Gegen- wärtig iſt das Hauptmittel der Stahl, den man in die Wiege legt, doh braucht man auch ſilberne Medaillen, Ringe, Goldmünzen und rothe Bändchen, oder man legt dem Kinde ein Geſangbuch unter :den Kopf.*) Fremden zeigt man den Neugeborenen gar nicht. - Der Stahl wird nicht eher von dem Kinde entfernt, al3 bis es getauft iſt. (Willenberg.) Kinder, die in einem Net geboren worden ſind, ſind Glü>skinder. Das Netz muß getro>net und ſorgfältig aufbewahrt werden. Es muß dem Kinde zur Taufe mitgegeben werden und hier gewiſſermaßen die Taufweihe mit em- pfangen. Wer es bei ſich führt, dem ſichert e8 auch bei den ſchwierigſten und verwidelteſten Unternehmungen einen glü&lichen Erfolg zu. Die abgeſchnittene Nabelſchnur: wird getro>net und auch verwahrt; geht das Kind zum erſten Mal in die Schule, ſo ſtet man ſie ihm in den Buſen; dann lernt es gut. | Vor der Taufe werden keine Windeln und Kleider des Kindes draußen getrodnet. . Die Taufe des Kindes wird auf das Aeußerſte beſchleunigt, damit es nicht der Teufel in ſeine Klauen bekommt, und im Falle eines frühen Todes * unter dem Zaune begraben werden muß. Stirbt ein Kind. vor der Taufe, ſo wird es während der Feierſtunde beerdigt. In den Tagen zwiſchen der Geburt und der Taufe darf in dem Hauſe nicht geſponnen werden. Auch hütet man ſich in dieſer Zeit etwas 'auszuleihen, das Kind könnte, erwachſen, zu freigebig werden. Ja die Wöcnerin darf ihr Kind, ſoll es gedeihen, nicht eher ſtillen, als bis es getauft iſt.?) ; Hier und da kommt es vor, daß dem Neugebornen, ſobald er zur Welt kommt, von den Eltern ſogleich der Name gegeben wird, der auch nicht mehr geändert werden darf.?)) Wo dies nicht geſchieht, hütet man ſich wohl, die gewählten Nanten vor der Taufe bekannt werden zu laſſen. Sie werden von Jedermann in tiefem Geheimniß gehalten und auch dem Pfarrer erſt in der Kirche bekannt gemacht, damit das Kind nicht die Anlage zur Geſ<hwäßigkeit auf ſeinen Leben8weg miterhalte.*) Auf die Wahl des-Namens kommt viel an; ſtirbt ein Kind oder ſterben gat mehrere frühe weg, ſo war wohl der unglück- 3) Hinß, S. 75. Krolczy> a. a. O. *) Hartg. Ztg. 1866, No, 8. *) Hinz, -S. 74. 4) Vgl. Hinb, S. 81, Anmerk. 8. - .

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Z41- lich gewählte Name daran Schuld. Man iſt bei der nächſten Taufe vorſich- tiger und wählt oft, um ganz ſicher zu gehen, die Namen Adam und Eva.) - Auch von der Perſon und dem Verhalten der Pathen hängt das Wohl- ergehen des Kindes ab. Man muß darauf Bedacht nehmen, reinlihe Pathen zu wählen, und dieſe müſſen ſich ſo einrichten, daß ſie, wenn ſie ihren Kirchen- anzug zum Pathenſtande angelegt haben, vor demſelben kein Bedürfniß mehr zu befriedigen haben, damit das Kind nicht Windeln und Betten verunreinige. (Wallendorf, Gilgenburg.) Eltern, deren Kinder frühzeitig ſterben, pflegen Hoſpitaliten zu Pathen zu bitten, damit die noc zu Taufenden am Leben blei- ben.?) Verlobte dürfen zuſammen bei einer Taufe nicht Pathenſtelle überneh- men, da ſich ſonſt ihre Partie zerſ<hlägt. (Gilgenburg.) Auf dem Gange na<h der Kir<he dürfen die Pathen ſich nicht umſehen, auch nicht ſtehen bleiben; ſonſt wird das Kind auch ein unnüßer Herumgaffer. (Gilgenburg.) Der Pathe darf ſeine Gedanken während der Taufhandlung von dieſer nicht abwenden ; ſchweifen ſeine Gedanken umher, ſo kann dieſes dem Täufling großen Schaden bringen; denkt er z. B. an die Mar oder an den Werwolf, ſo erhält das Kind die Natur der Mar oder des Werwolfs. (Hohen- ſtein.) Das Pathengeſchenk, das immer in Geld beſteht, wird ſtet3 zu Hauſe dem Kinde übergeben; es muß Silbergeld ſein, anderes würde ihm den größ» ten Schaden bringen. *) Mit dem Pathengelde zugleich wikelt man gern auch einige Krümchen Brod ein, damit das Kind dereinſt niht Mangel leiden darf. Einem Mädchen legt man auch gern eine Nähnadel bei, damit daſſelbe einſt fleißig werde, einem Knaben eine angeſc<hnittene Feder von einem Kanarien- vogel, damit er ein guter Shreiber werde, und anderes dergleihen (Wallen- . dorf.) Nothwendig iſt dabei jedo<h, daß der Pathe das Geld zum Pathen- geſchenk nicht borge, damit der Täufling nicht einſt in Schulden ſteXe. (Ho- henſtein.) Die Taufhandlung darf bei Kindern, wel<he Sonntag geboren ſind, nicht am Sonntag vorgenommen werden, weil ſie dann die gefährliche Gabe erhal- ten würden, Geiſter zu ſehen. (Gilgenburg, Wallendorf.) Die Eltern ſind bei der Taufe. Wicht gern zugegen. (Krolczyk.)*) Der Kräfte des Stahles kann der Sängling nie, auc während der Taufhandlung nicht entbehren. Iſt man im Begriff den Täufling nah der Kirche zu bringen, ſo nimmt die Hebamme - eine Axt, legt drei glühende Kohlen darauf und ſchreitet mit dem Kinde darüber hinweg; dies iſt das beſte Schutzmittel gegen alles Böſe (Gilgenburg) *); doc< iſt etwas Stahl auh in den Windeln verpackt, oder wird gelegentlich dem Kinde auf die Augen gelegt. (Wallendorf.) Wenn man das Kind zur Kirche bringt, 1) Krolczyk a. a. O. Hink, S. 78. *) Hinb, S. 77. ?) Hartg. Ztg. 1866, No. 8. 9) a, a. H. *) Bal. Hartg. Zig. 1866, No. 8. R D

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„TT ſagt die Hebamme dreimal: „I< nehme einen Heiden mit und bringe Euch einen Chriften zurüd.“ (Hohenſtein.) Es wird ſorgfältig vermieden, daß Knaben und Mädchen mit demſelben Waſſer getauft werden: denn wird ein Mäd<en nah einem Knaben mit demſelben Waſſer getauft, ſo bekommt das- ſelbe einen Bart; das Gegentheil tritt beim Knaben ein, wenn derſelbe nach dem Mädchen getauft wird.) Wenn das Kind über der Taufe ſchreit, muß man es nicht ſchaukeln, ſonſt wird es ein Kleiderreißer. (Kk. Jerutten.) In Häuſern, wo die Kinder wegſterben, reiht man, wenn es zur Taufe geht, oder nach der Nükehr aus der Kirche, den Täufling dur<h das Fenſter. (Gilgenburg, Hohenſtein.) Iſt man aus der Kirhe wieder nä< Hauſe ge- kommen, ſo trägt man das getaufte Kind dreimal um den Tiſh; thut man das nicht, ſo ſterben dem Mädchen (reſp. der Frau) einſt die Männer, und ſie wird durch Erbſchaft reich; umgekehrt geht es einſt dem Knaben. Läuft man aber damit zur Mutter, ſo lernt e8 bald gehen.?) Wenn das Kind aus der Kirche gebracht wird, ſs muß es ſchnell aufge- bunden werden; zappelt e8 munter mit Füßchen und Händchen, dann wird es bald gehen. (Gilgenburg.) Häufig wirft man, von der Taufe kommend, ein Geldſtü> in einen Teller, was das gute Hören des GeIuſten und künftiges leichtes Lernen zur Folge hat. Die erſte auf dem Kopf des Kindes gefundene Laus genießt die Aus: * zeichnung, in einen Keſſel geworfen zu werden und dort zu ſterben; verur: ſa<t die Manipulation des Tödtens einen hellen Knall, ſo wird der Menſc< ein tüchtiger Sänger.*) In dem erſten Lebensjahre darf dem Kinde das Haar nicht DON und gekämmt werden; lehteres darf im äußerſten Falle nur mit einer Bürſte ge- Jchehen. Wird dieſes nicht-beachtet, ſo ſtirbt das Kind. Kinder mit einer ſichtbar hervortretenden Querader über der Naſe. vot einem Auge zum andern leben nicht lange. . Das Entröhnen des Kindes muß zu guter Zeit geſchehen. E38 darf nicht geſchehen, wenn die Vögel fortfliegen, ſonſt läuft das Kind fort ünd hat keine Ruhe; auch nicht, wenn Heuſ<hober gemacht werden, ſonſt läuft es fort und verſte>t ſih. E38 muß unter einem guten himmliſchen Zeichen geſchehen. (Wallendorf.) | Man entwöhnt die Kinder, wenn die Zugvögel ſich einfinden; wenn das geſchieht, ſo haben die Mädchen einſt viele Anbeter, die jungen Leute ſind bei den Mäd<hen beliebt. Wenn e3 beim Abzug der Vögel geſchieht, fo haben die . Kinder keine Stätigkeit. (Hohenſtein.) Soll das Kind entwöhnt werden, ſo wartet die Mutter bis zur Kir<e ') Hinz, S. 81. Hartg. Ztg. a. a. O. *) Hartg, Ztg. a, a. D. ?) Hartg. Ztg. a. a. O. |

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-= 83 -- . geläutet wird; dann ſekt ſie ſich auf einen Stein und giebt dem Kinde die Bruſt zum lezten Male. Wenn die Vögel abziehen, iſt eine günſtige, wenn die Vögel kommen, im Allgemeinen eine ungünſtige Zeit. Im erſten Falle vergißt das Kind die Bruſt bald. Der Johannistag iſt vor allen andern zur Entwöhnung günſtig. (Gilgenburg.) Man entwöhnt die Kinder gern um Mitternacht; dann ruht alles in ſüßem Schlummer und das Kind wird gedeihen. (Hohenſtein.) Man darf über ein Kind nicht fortſteigen, ſonſt wächſt es nicht. Doch heben Kinder manchmal leichtſinnig den Fuß über daliegende kleinere und ſagen dabei: „Glieder wachſt nicht.“ (Wallendorf.) - Man darf es nicht geſchehen laſſen, daß ein Kind an einem Fuße unbe- kleidet umhergeht; ein ſolhes Kind kommt nie zu ſeinem Stü&<en Brod. Verliert das Kind einen von ſeinen Milhzähnen, ſo muß es denſelben nicht erſt wohin. «il ſondern ſtet8 auf den Ofen, und dabei ſprechen: . Miszka, miszka, Para braiezka Na gnaciany A day mi zielazny! d. & „Mäuschen, Mäuschen, mein liebe3 Brüderchen, nimm den knöchernen und gieb mir einen eiſernen (Zahn)! . Die Fibel wird dem heranwachſenden Kinde in der Regel von dem Pathen- gelde gekauft. (Wallendorf.) Die Ho<hzeit3gebräu<he der Maſuren in den öſtlihen Gegenden ſind mir ausführlicher geſchildert von einem Manne, der dort früher Lehrer geweſen war, zuleßt aber ſich in Kurken bei Hohenſtein aufhielt, und ſo Gelegenheit fand, das Abweichende hier und dort genau aufzufaſſen, dem vor Kurzem in Kurken verſtorbenen Herrn Bercio. I< gebe hier zunähſt ſeine Schilderung, um dann einzelne abergläubiſche Gebräuche na<hfolgen zu laſſen. Der Braatwerber, ein ältliher, zuverläſſiger, anſtändiger Mann, reitet eines Sonntags mit einem Kohlkopfe -- die Werbungen finden meiſtens im Herbſte ſtatt =- nach dem Hauſe, wo die Brautwerbung ſtattfinden ſol. Er läßt deuſelben von ſeinem Pferde oder Ohſen.anfreſſen, tritt dann in das Haus, knüpft nach der Begrüßung ein Geſpräch an, zeigt im Laufe deſſelben den be- ſhädigien Kohlkopf vor und ſpricht: E3 iſt eine Ziege, ein Reh, in unſerem Garten geweſen, es iſt eine Beſhädigung an dem Kohlkopf vorgekommeu, nun habe i<-geſpürt bis hierher und will das Reh ſehen. Wenn er das geſprochen Sat, weiß man ſchon, um was es ſich handelt. Das betreffende Mädchen (wel- <hes übrigens ſeiner Zeit dem Brautwerber ein neues Hemde zu ſchenken pflegt,) länft weg auf die Lucht, wirft ſich in Staat und wird dann hervorgeholt. Auch mit ihr unterhält ſich der Brautwerber über .die Beſchädigung des Kohlkopfes.

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Sodann beſpricht er mit den Eltern (denn die Mädchen haben darin kein Wort) ſeine Angelegenheit direct. Wenn ihm die Eltern Hoffnung. geben, kommt er über a<t Tage mit dem Bräutigam wieder. Da wird denn nun die Verlobung, Ausſtattung und Aufbietung verabredet, und ift die Aufbietung erſt erfolgt, dann geht die Verlobung nicht leicht aus einander. Sonntag vor der Hochzeit müſſen die Brautleute communiciren, die Braut mit dem Kranze geſchmüct, daß Jeder gleich ſehen kann, daß es eine Braut iſt. Jede Hochzeit wird in den Gegenden -bei Dlezko, LyF 2c. am Freitag gefeiert; (in Kurken an der ermeländiſchen Grenze, wo man die katholiſchen Faſten mit beobachtet oder berücſichtigt , iſt dies nicht der Fall). Die Einladung erfolgt am Sonntag vorher. Die Freunde und Nachbarn aus demſelben Dorfe werden dur<h einen proszek (Bitter, Ein- lader), die au8wärtigen durch einen oder zwei Plaßmeiſter eingeladen. Der erſtere iſt in der Regel ein Angehöriger der Familie, oft ein Inſimann derſel- ben, und mat ſein Geſchäft zu Fuß gehend ab. Der Platmeiſter iſt ein jünge- rer Mann, welcher mit Bändern reich gepußt herumreitet, um ſeine Einladungen in den benachbarten Dörfern zu beſorgen. Gegen 10 Uhr Vormittags ver- ſammeln ſich die Gäſte in dem Hoczeit8haufſe, wo ſie mit Muſik empfangen werden und die Plaßmeiſter ihnen mit Bier entgegen kommen. Wenn ſie ver- ſammelt ſind, wird ein kleines Frühſtü, meiſtens aus Wurſt beſtehend, gegeben, und dann hat der Ortslehrer an die Braut eine Rede zu halten (dies geſchieht im Ermelande, ſowie in den nächſtgelegenen Gegenden Maſurens z. B. in Kur- ken dur< den Plazmeiſter), auch werden einige Liederverſe geſungen. Wenn nun nach der Kirche gefahren werden ſoll, ſo ſien die Braut und die Braut- mutter (swachna) neben einander auf einem Wagen, vor ihnen Brautjungfern. Man nimmt auf den Wagen einen guten Vorrath von Fladen, ſchon zerſchnit- ten, mit, um unterwegs den Leuten auf der Straße die Stücke zuzuwerfen. Im Kruge des Kir<dorf8 wird angehalten, auch getanzt bis die Glo>en läuten. Von hier nach der Kirche wird zu Fuß gegangen. Nach .der Trauung geht es zurück in den Krug, wo getrunken und getanzt wird, und zu Wagen weiter nach Hauſe, aber nicht ſogleich in das Hohzeit8haus, in welchem jezt Mittag ange- richtet wird, und welches daher frei bleiben muß, ſondern in das Haus der guten Frau (8wachna), wo Schnaps und Bier getrunken, Kuchen gegeſſen und ge- tanzt wird. Iſt das. Mittag im Hochzeit8hauſe angerichtet, ſo kommt der Hoh- zeitöbitter (proszek) in das Haus der guten Frau, tritt in die Stube und ſchlägt mit dem Sto> gegen den Balken, worauf die Muſik ſchweigt und Jeder ſtehen bleibt, wo er ſich beim Tanzen eben befindet. Dann ſagt er: Der Hoch- zeit8vater, die Hochzeit3mutter, das Ehepaar laſſen grüßen und bitten nach dem Hochzeit3hauſe zu kommen, oraz i zaras (gleich auf der Stelle). Hierauf macht er kehrt, -die Muſik folgt ihm, und die -Hochzeitsgäſte ſchließen fich paarweiſe an. Die Platmeiſter kommen dem Zuge mit Bier aus dem „in...

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5 -- Hochzeit8hauſe entgegen. Dann folgt die Mahlzeit, vor und nach welcher der Lehrer ein Gebet ſpricht; auch werden wieder einige Verſe geſungen. Die Braut hat ihren Platz hinter dem langen, ſchweren TiſH, wo ſie ſchwer zu- gänglich iſt, und verläßt dieſen Plaß auc nac<h beendigter Mahlzeit nicht frei- willig, ſondern wird von den jungen Leuten, oft mit einiger Anſtrengung, „aus der Gemeinſchaft der Jungfrauen“ (denn das Verfahren hat ſeine jym- boliſche Bedeutung) von denſelben hinter dem Tiſche hervorgezogen. Jſt dies gelungen, ſo fordert ſie jeden männlichen Gaſt zum Tanze auf und tanzt mit allen. Das iſt der Brauttanz, bei welhem die Muſici extra bezahlt werden. Gegen Abend -- oft iſt e8 ſchon tiefe Nacht geworden -- wird Gänſebraten, ſchon zerlegt, aufgetragen und gegeſſen. Wenn dieſe Mahlzeit vorüber iſt, werden unzerlegte gebratene Gänſe und Strüßel aufgetragen, jede Gan8 und jeder Strüßel in vier Theile zerſchnitten, und jeder Gaſt hat das Recht ein ſol- <hes Viertel nach Hauſe zu nehmen für diejenigen Angehörigen, welche zu Hauſe . bleiben mußten. --Den nächſten Tag, Sonnabend, Vormittags um 10 Uhr muß der. Plaßmeiſter wieder auf dem Plate ſein. Er nimmt die Muſik mit und geht nun von Haus zu Haus durc<h das Dorf, um die vom vorigen Tage er- müdeten Hochzeitsgäſte wieder zuſammenzubringen. Dieſe ziehen ſich nun an und folgen ihm. Sobald einige zuſammen ſind, wird in jedem Hauſe, das ſie betreten, und von wo ſie einen Hohzeit8gaſt abholen, eine Weile geſ<hmauſt und getanzt. Der Haufe vergrößert ſich mehr und mehr, bis endlich alle Ho<« zeit8gäſte. von dem Plaßmeiſter geführt in dem Ho<zeit3hauſe wieder anlangen. An dieſem Tage wird den angeſehenſten Frauen im Hochzeit8hauſe etwas Be-. ſondere3 vorgeſeßt: Schnaps mit Honig. Nachdem ſie gegeſſen und getrunken, „auch das Nöthige beſprochen haben, ſetzen ſie der jungen Frau die Haube auf. NRachdem dies geſchehen, nehmen ſie ſie in ihre Mitte und führen ſie in den Tanzſaal, wo ſie nun mit ihnen tanzt. Dadurch iſt ſie „in den Bund der Frauen aufgenommen“; man nennt die Feierlichkeit cepie d. h. das Müßenaufſezen. =- Am dritten Tage, dem Sonntage, wird die Braut zum Bräutigam heimgefah- ren. Die Gäſte verſammeln ſich Vormittag im Hohzeit8haus, wo gefrühſtückt wird. Die Nachbaren ſtellen große vierſpännige Wagen; auf dieſelben wird aufgepackt, was die Braut als Mitgift mitbekommt; auch ſetzen ſich auf dieſelben von den Gäſten, Verwandten und guten Nachbaren ſo viele, als irgend auf denſelbeneinen Plat finden, und ſo geht es nach dem Hauſe des Bräutigams. Dort wird abgeladen und der Reſt des Sonntags, ſowie der Montag unter Theil- nahme der Nachbarn des Bräutigams verjubelt. (Oletzko, Ly>.) Zum Auspuß der Hochzeitsbitter gehören beſonders bunte Bänder und Papierblumen an der Müßte und zwei bunte Tücher, ein rothes und ein gelbes, an den beiden Shultern; die lange Peitſche, mit der ſie vor den Häuſern derer, die ſie laden, bei ihrer Ankunft und beim Wegreiten tüchtig knallen, darf nicht

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. " fehlen. Sie holen die Gäſte ab, tragen bei Tiſche die Schüſſeln zu, ſehen darauf, daß Jeder zu eſſen bekommt, und daß die Krüge vol ſind. Sie halten auch die " Collecte für die Muſik und die Braut. Meiſtens iſt. der Hochzeitsbitter der - Bruder des Bräutigams oder -der Braut. Die Gäſte bringen zur Hoc: zeit Kuchen, bisweilen au<h Fleiſch mit; wenn der Schnaps ausgetrunken iſt, Müſſen ſie für mehr ſorgen. Nah der Hochzeit zieht die ganze Geſellſchaft bei den einzelnen Gäſten herum und läßt ſiH von jedem Einzelnen traktiren. Dabei faſſen junge Leute und Mädchen. einander an den Händen und ſpringen über die Straße. Eine gute Hochzeit muß wenigſtens drei Tage dauern. (Klei Jerutten.) | Der feſtlih geſhmücte Platmeiſter reitet, in Maſuren wie in Litauen, in die Häuſer und Zimmer der Eingeladenen und ſpricht von ſeiner lebenden - Rednerbühne herab die wohl eingelernte Ginladungsformel. Am Tage der Hoh- zeit empfängt er die Gäſte und muß das gewiß nicht leichte Geſchäft übernehmen, bei der Tafel die Geſundheit jedes Einzelnen derſelben mit geeigneter Anrede auszubringen. Jeder der Anweſenden aber, dem dieſe Aufmerkſamkeit zu Theil wird, iſt gehalten, in allen StüFken Beſcheid zu thun. Daß bei ſolhen Gelegen- heiten an Speiſen und Getränken der größte Ueberfluß herrſc<t, darf nicht erſt bemerkt werden; auch nehmen die Shmauſereien mit dem erſten Tage kein Ende, ſondern währen wohl acht bis vierzehn Tage, je nac<h der Anzahl der eingeladenen Gäſte, welhe ſich niht nehmen laſſen, dem Gaſtgeber die Laſt der Bewirthung zu erleichtern. Es zieht nämlich die Geſellſchaft von einem Hauſe zum andern und. wird in jedem einen Tag lang bewirthet. Um das Vergnügen durch Abwehslung no<h zu erhöhen, werden häufig Aufzüge und Verkleidungen vorgenommen, wobei e8 an Nachäffungen von Thieren in Ge- ſtalt und Stimme und dergleichen nicht fehlt. (Drygallen im Kreiſe Jo- hanniöburg.') Ausgelaſſene Fröhlichkeit herrſ<t bei Hochzeiten. Bei denſelben geht es ſehr laut her. Die Mäd<hen lärmen und ſ<hreien vor purer Freude, daß ſie Ürſ<braun werden. Die Hauptrollen ſpielen natürlich die Plazmeiſter, welche dem Zuge voranreiten. Erreichen ſie auf dem Heimwege die erſte Brüke, ſo hält der Kutſcher des Brautwagens8; dann heißt es: das Rad iſt gebrochen! Schnell wird nun Geld zufammengelegt, um daſſelbe machen zu laſſen. Hat ein Jeder das Seine dazu beigetragen, ſo geht es in vollem Jagen weiter. - Die Plazmeiſter eilen, ſo f<hnell al8 uur irgend möglich iſt, nach dem Ho<h- zeit3hauſe, nehmen ein Brod, wideln daſſelbe in ein Tiſchtuch :und bringen es der Braut entgegen. Die nimmt es in Empfang als Zeichen, daß ſie in ihrem Leben ſtets Brod haben wird. Die junge Frau wird zu Hauſe gleich dreimal 1) Bei Preuß, Preuß. Landeskunde, S: 234 f.

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-- 8 = um .den Ofen geführt, damit ſie ihrem Manne nicht weglaufen könne. Ueber Tiſ< mat die Brautjungfer ihrem Plaßmeiſter ein. Geſchenk, wobei ſie fol- gende Worte ſpricht: „Herr Plaßmeiſter, jh komme vor dich getreten, weil ich von dir gebeten. Heute iſt dein Ehrentag, weil ich dir ein kleines Geſchenk bringen mag,- halte das Geſchenk feſt, wie der Baum die Aeſt',- wie die Glo>e ihren Klang, wie das Waſſer ſeinen Gang, wie der Mond ſeinen Shein, aufs Jahr- ſollſt du wieder mein liebſter Plagmeiſter ſein.“ Der ſo Geehrte erwiedert: „Dafür thu' ih mich bedanken, ich will es legen in nieinen Schranken, ih will es in Ehren halten und meine Brautjungfer an die rechte Seite führen. Mu- ſikanten, Vivat hoch!“ Dem erſten Brautführer liegt die Pfliht ob, die Feiernden durch einen poetiſchen Erguß zu erfreuen. Ein ſolher würde über- ſetzt etwa ſo lauten: | - „An dieſer Hochzeit haben wir Gäſte uns zahlreich verſammelt; möge alſo hier das Herz eines jeden fahren laſſen allen Kummer und anſtimmen . Lieder der Freude. Von dem Liedlein zu dem Gläs8<en ruft heute die Gemein- ſ<haſt. Vivat! ſo lange die Flaſche voll iſt, unſre Compagnie, Vivat! Die junge Ehe! Du junger Herr! Um des Wohlbehagens willen haſt du dir ge- nommen eine Geliebte. J<h beneide dich auch nicht, mein Bruder, lebe mit ihr froh in deiner Hütte; ich liebe heut mein Gläshen. Bei dem Käthchen, meinem Mädchen, werd ich auch zur Zeit ſtehen. I< will mich nur ein wenig ſtärken, daß ich den Fußſteg nicht fehle. Du junge Brautjungfer, trinke ſ<hnell; wer ſchmiert, der fährt. Das Wäglein eurer Ehe wird darum nicht umwerfen, wenn es gu<h in die Wegpfüßken hineinfährt. Es ſpült ſich ab und fährt ſich weiter, deſto früher in den Gleiſen. Darum trinkend ſchmiert den Wagen! Heute ſchlaft nicht, ſondern tanzet; wir gehn im Sprunge hinter euc<. Spie- let auf, ihr Spielleute und Pflüger, da ihr Ohren und Füße habt. Sieh! einen Silbergroſchen zur Verpflegung, ſieh, ſ<on werfe ich ihn klingend in das Glas! Spielt uns alſo ohne Beſorgniß!““) Bei der Wahl des Hochzeit3ztages werden die Geſtirne der Regel nach beobachtet. Unter dem Zeichen des Krebſes läßt man ſich nicht trauen, damit die Wirthſchaft nicht rü>wärts gehe, ebenſo nicht bei abnehmendem Licht, damit die Wirthſchaft niht abgehe. Der bevorzugte Wochentag iſt, wo nicht katholi- ſcher Einfluß nachwirkt, der Freitag.*) Die abweichenden Anſichten über den günſtigſten Tag zur Hochzeit ſind oben angeführt. - Zwei Töchter an einem Tage zu verheirathen, bringt Unglü> für die jungen Eheleute. 1) Hartg. Ztg. No. 9. ?) Vgl. hierüber N. P. Prov.-Bl. 1848, Bd. 1, S. 188. Hinz, S. 61. .

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-=-“ 8 == Liebesmittel. Findet ein Liebender ober eine Liebende zwei ſich begat- tende Fröſche, ſo muß er (ſie) ſie während des Aktes beide mit einer Nadel durchſtehen. Mit dieſer Nadel nähert er (ſie) ſich dem geliebten Mädchen (Jüngling) und heftet, wenn auch nur auf einen Augenbliä, die eignen Kleider mit den Kleidern deſſelben durch dieſelbe zuſammen. * Von der Zeit an gehören ſie ſicher einander an. (Gilgenburg.) - Wenn die Braut den Hochzeitsſtaat anlegt, SEWELE ſie ängſtlich die rothe Farbe, welche Feuers8gefahr drohen würde. Zu den Suh legt ſie ein Geldſtü>. (Kl. Jerutten.) Au legt ſie der Vorbedeutung wegen nichts Ge- borgtes an. (Gilgenburg.) Vor der Trauung muß die Braut vom Bräutigam Geld fordern und ſolches im rechten Strumpf verwahrt mit zur Kirche nehmen. Wie hier, ſo wird .der Bräutigam auc als Ehemann es ihr nicht vorenthälten, und nie wird daſſelbe ihr ganz ausgehen. Aus dem letztern Grunde muß auch der Bräu- tigam bei der Trauung Geld bei ſich haben. (Gilgenburg.) - Die Braut flicht ſich einen Silbergroſchen ins Haar und geht mit vem- ſelben zur Trauung. Nach derſelben kauft ſie dafür Schnaps und trinkt ihn aus, damit der Mann nie mehr, als für einen Silbergroſchen, trinke. (Wil- lenberg.) Beim Ausgange zur Trauung , desgleichen beim Kir<gange der Frauen " muß eine Axt an der Thürſchwelle, mit der Schärfe nach außen gelegt; nicht fehlen. | Vor den Brautwagen ſpannt man einen Schimmel, damit die in der Ehe. erzeugten Kinder nicht ſterben.) Mißgünſtige, nicht zur Hochzeit eingeladene Leute laſſen, um - ſich dafür zu rächen, zwei an den Schwänzen zuſammengebundene Käßen, den zur Kirche gehenden oder fahrenden Brautleuten über den Weg laufen, oder ſie werfen ihnen mit dem Beſen nach. Das bringt Hader und Zank in die Ehe. (Gil: genburg.) | Wenn man die Hoczeitsleute aus der Kirche kommen ſieht, dann eine Katze beim Shwanze faßt und ſie quer über den Weg zieht, ſo müſſen alle Hoh- zeitswagen an der Stelle umwerfen. (Hohenſtein.) Die Fahrt na< der Kirhe muß ohne Unterbrechung geſchehen, damit ſpäter in der Ehe auch kein Hinderniß eintreten möge. (Ebenda.) Sind die Brautleute niht aus einem und demſelben Dorfe, ſo fahren beide nicht zuſammen in die Kirche, ſondern jeder Theil beſonders aus ſeinem Wohnorte; am Kirhorte erwartet ſchon der Bräutigam die Braut. Jn der Kirche holt der gute Mann nah dem Geſange des Liede8: „Meine Hoffnung y Hinß, S. 70, Anmerk. 5.

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„DJ - ſtehet feſte“ den Bräutigam zum Altare, al8dann die Braut, welche fich nur , mit vielem Widerſtreben dahin führen läßt *). Wer die Kazzen gut füttert, hat gutes Wetter zur Tranung. (Hohenſtein) ?). Brautleute laſſen ſich nie über ein offene8 Grab trauen, ſondern laſſen das Begräbniß erſt vorübergehen, ein Gebrauch, der da immer mehr verſchwindet, wo beſöndere Orts8begräbniſſe -- ſogenannte Mogillen -- entſtehen ?). Während des Aktes der Trauung muß die Braut dem Bräutigam auf den Fuß treten, oder auf ſeinem Ro> knien oder beim Zuſammenlegen der Hände ihre Hand nah oben bringen, dann hat ſie während der Ehe das Regiment; wenn daſſelbe dem Bräutigam gelingt, ſo regiert er. (Soldau, Gilgenburg 2c.) Während der: Trauung darf die Braut den Arm des Bräutigams nicht loslaſſen; ſonſt geht die Ehe auseinander. (Willenberg.) Fällt beim Wechſeln der Ringe einer derſelben an die Erde, ſo bedeutet das Unglü>, namentlih Zwietraht. (Soldau.) Verliert die Braut den Ring, ſo bedeutet das ein großes Unglü&. (Gil- genburg.) Na .dem Trauakt ſehen die Brautleute darauf, daß ſie ſich gegen ein- ander gewendet vom Altar abdrehen; es kommt ihnen niht darauf an, daß dann die Braut, welhe während des Trauaktes rechts ſteht, links zu ſtehen kommt. (Kl. Zerutten.) Nach dem Trauungsakt muß beim Fortgehen vom Altar die Braut den Bräutigam um ſich gehen laſſen, was eine innige Zuvorkommenheit und ſtete Dienſtfertigkeit in der Ehe von Seiten des Lettern verſpricht. (Gilgenburg.) Während der Trauung ſieht man genau na< den Lichtern. Brennt eins derſelben düſter, ſo bedeutet das Krankheit, verlöſcht ein8, ſo bedeutet das Tod und zwar desjenigen der Brautleute, auf deſſen Seite das Licht ſteht. (Soldau, - Hohenſtein.) - Wenn die Braut bei der Trauung bleich ausſieht, ſo ſtirbt ſie au< bald.. (Hohenſtein.) Das von der Trauung zurükgekommene Paar muß aus einem Glaſe zur Hälſte trinken, damit Einheit in der Ehe beſtehe. : (Willenberg.) Viel Serben, viel Glü>; daher werden bei Hochzeiten oft: abſichtlich viele Flaſchen, Töpfe, Schüſſeln und Gläſer zerbrohen. (Gilgenburg.) Bei den Katholiken des polniſhen Ermelandes pflegt man gleich nach der Hochzeit die Braut aus dem Hauſe zu ſhi>en und mit fichtenen Stö>en nach den ſich entfernenden jungen Eheleuten zu ſchlagen. Wer vonden jungen Brautleuten im Brautbette zuerſt einſchläft, ſtirbtzuerſt '). 1) Hink S. 65. 2) Vgl. N. Pr. Prov.-Bl. 1847, Bd. 1, S. 470. ?) Hinß S. 70. Anm. 5. *) Dieſe38 Orakel erwähnt auch ſhon im ſechszehnten Jahrhundert Simon Grunau. N. Pr. Prov.;- Bl. 1846, Bd. 2, S. 337.

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ZO Um zu ermitteln, ob der Bräutigam oder die Braut früher ſterben werde, ſchreiben ſie die Vornamen derſelben neben einander. Bei jedem einzelnen Buchſtaben dieſer Reihe ſprechen ſie nun abwechſelnd den Namen Adam und Eva aus; trifft auf den lezten Buchſtaben Adam, ſo ſtirbt er zuerſt. Daß der jungen Frau, wenn ſie dem Hauſe des Mannes ſich nähert, Brod entgegen getragen wird, iſt oben berührt. Sonſt werden ihr Brod und Salz in das neue Haus vorausgetragen, wa8 übrigens auc< bei jedem Wohnungswecſel geſchieht. Wieder anderwärts giebt man der in das eigne Haus eintretenden jungen Frau Brod, Salz und ein Goldſtü> mit, welche drei . Dinge ſie ſorgfältig aufbewahren muß. (Lubainen.) Fladen und Bier müſſen der jungen Frau bis an die Dorfgrenze entgegen gebracht werden ; was die Eheleute davon nicht verzehren, werfen ſie den Armen zu. Au nehmen die Plagmeiſter, wenn das junge Paar aus der Kirche an- kommt, einen Topf mit allerlei Getreide und ſonſtigen Victualien gefüllt, tragen denſelben dem heranrollenden Wagen entgegen und werfen ihn gegen ein Rad deſſelben. Da3 wird den Eheleuten geopfert. (Hohenſtein.) . / Es kommt vor, daß wenn einem Manne mehrere Frguen hinter einander geſtorben ſind, die darna<h heimgeführte nicht dur<h die Thür, ſondern durch das Fenſter in ſein Haus einzieht. (Hohenſtein.) Daß die junge Frau dreimal um den Heerd des neuen Hauſes geführt wird, iſt uralter -Gebrauch. Son im ſechszehnten Jahrhundert gedenkt deſſel- ben Hieronymus Meletius in der Beſchreibung der Gebräuche der alten Preußen *). Bei Hochzeiten oder andern feſtlihen Begebenheiten darf man nicht mit dem Licht unter den Tiſch leuchten, ſonſt entſteht Zank und Schlägerei. (Willenberg.) - Der Brautkranz wird ſorgfältig aufbewahrt, weil er bei Viehkuren gute Dienſte thut. (Gilgenburg.) Verliert einer der Gatten den Trauring, ſo kommt ein Unglü>?). Verſchüttetes Salz deutet auf Zank und Widerwärtigkeiten in der Ehe. . Der Wödnerin legt man Stahl unter das Bette, um ſie vor Hexerei zu fihern. (Hohenſtein.) Soll ein ganz neues Haus bezogen. werden, ſo darf das erſte lebende Weſen, das hineinkommt, Tein Menſ< ſein. Daun lauert der Tod auf ſeine Beute; der zuerſt Hineinkommende iſt ſein erſtes Opfer. Man pflegt daher zuerſt einen Hund oder eine Kaze in die Stube zu werfen. (Gilgenburg.) Ehe man ein neugebaute3 Haus bezieht, ſchlachtet man ein Thier z. B. ein Huhn und trägt dies durch alle Stuben. Ohne dieſe Vorſiht würde bald einer aus dem Hauſe ſterben. (Hobenſtein.) "Wenn man die Wohnung ändert, müſſen in die-neue Wohnung vor allen ) Erläut. Preußen. Bd. 5: S. 715. 9 Hinz, S..20. Anm. 5, S. 118.

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„a Brod, Tiſch und Geld hineingebracht werden. Der Traum, den man in einer friſchen Wohnung in der erſten Nacht träumt, geht in Erfüllung. (Gilgenburg.) Die günſtigſte Zeit zum Wechſeln einer Wohnung oder Brodſtelle iſt bei zunehmendem Licht oder Vollmond. Wie das Mondlicht zunimmt, wird auch der Hausſegen wachſen. Heimführungen erfolgen daher auch in der Regel in * dieſer Zeit. .Tage, auf welche eine gerade Tageszahl des Monats trifft, gelten im Allgemeinen. als Unglü&stage; an ſolchen Tagen zieht man nicht. (Gilgenburg.) Wenn man Abends Bette macht, ſo darf das Oberbett vor dem Schlafen- gehen nie aufgede>t werden, ſonſt legt ſich ein Geiſt hinein. (Gilgenburg.) Man ſc<lafe immer auf der rechten Seite, dann wird man von Engeln bewacht werden. (Gilgenburg.) Die Wirthſ<aft beruht vorzüglih auf dem Gedeihen der Feldfrüchte und des Viehe8. Viel Hokuspokus wird getrieben, wenn das Vieh und die Pferde gedeihen, der Aer reichlich tragen, das Unkraut aus dem Getreide ver- tilgt, Weizen und Gerſte vor dem Vogelfraße bewahrt werden ſoll. (Soldau.) Dünger fährt der Bauer hauptſächlich nur“ bei zunehmendem Licht und eim den erſten Haufen ſofort auseinander, weil ſonſt der Wurm ins Getreide . (Wallendorf.) kn Nen ſind uns von den Maſuren noh weiter keine verrathen als divſe: Untrüglichſtes Zeichen für bevorſtehenden Regen iſt, wenn gewiſſe Thiere aus den Haaren auf die Ohren kriehen. (Kl. Jerutten.) Mit Sotgen und Bangen wird die erſte Saat in die Erde gebracht. Hat Jemand das Herz, am Tage auf den Aer zu gehen, um die Saat zu ſtreuen, -ſo weicht er jedem Begegnenden ſcheu aus, um ja nicht zum Sprechen veranlaßt zu werden. Viele gehen um Mitternacht auf das Feld, und vollſtändig unbe- kleidet ſtreuen ſie die Saat). . “ Der zur Saat geeignete Zeitpunkt wird ſorgfältig ermitielt. Weizen muß man weder am Tage noh in der Naht, ſondern am Mittwoch (!) ſäen; dann freſſen ihn die Sperlinge niht. (Wallendorf.) Man ſäet nicht bei Mondwecſel, weil dann der Samen ſich ändert, z. B. aus Wrudenſamen wird Senfſamen. Unter dem Krebs und Scorpion, welhe Würmer darſtellen, wird nicht geſäet oder gepflanzt, weil dann die Würmer überhand nehmen würden; man ſäet und pflanzt unter Löwe, Stier, Jungfrau, damit alles ſtark und kräftig werde. (Hohenſtein.) Wer mit einem Säelaken ſäet, welches ein nicht confirmirtes Mädchen geſponnen und gewebt hat, dem wird die Saat gedeihen. Ein ſolches Laken leiht Niemand fort, er würde dadurch den Segen fortgeben. (Hohenſtein.) *) Hartg. Ztg. No. 8.

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u Den Samen, den man ſäen will, muß man nicht auf den Tiſch legen, ſonſt geht nichts auf. (Hohenſtein.) In einen Zipfel des Säelakens bindet der Bauer Brod und Geld und läßt es während des Säens darin. Das giebt Gedeihen. (Lubainen.) An- derwärts bindet man ein Silberſtü&<hen, Brod, Salz und Fenchel (kopr) ein. (Hohenſtein.) Wenn im nächſten Jahre die Ernte des Wintergetreides ergiebig ſein ſoll, ſo müſſen die Aehren des Erntekranzes zuerſt in den Aer geſtreut werden. - Dieſe Regel gilt vom Weizen und Roggen !). Wenn die Winterſaat geſtreut werden ſoll, wird die Erntekrone, welche vom letzten Erntefeſte her an der De>e des Vorhauſes hing, heruntergenommen, die Körner aus ihr auf dem Eßtiſhe ausgerieben, beſonder38 in das Säelaken gebunden und zuerſt in den Aer geſtreut, damit die Ernte im nächſten Jahre wohl gerathe ?). Es ſcheint hienah auf einem Mißverſtändniß zu beruhen, wenn ein anderer Referent ſagt: Aus dem Erntebündelc<hen des verfloſſenen Jahres ſchüttelt der Wirth die loſe gewordenen Körner und bindet dieſe, ſowie ein Geldſtü> in den Zipfel des Säelakens, worin dieſe Dinge ſo lange liegen bleiben, bis zugeſäet iſt. Dadurch ſoll man einen guten Ertrag und lohnende Preiſe für die Ernte erzielen 3). In der Saatzeit darf man kein Feuer borgen, ſonſt gedeiht die Saat nicht. (Gilgenburg.) Wenn geſäet wird, darf keine Aſchlauge gemacht werden; ja man ver- meidet überhaupt in dieſer Zeit die Wäſche, andernfalls würde das Getreide nicht gerathen. (Hohenſtein.) Wenn man auf dem Wege zum Säen über einen Zaun ſteigt, ſo verwan- delt ſich die Saat; ſo wird z. B. Wruenſaat aus Kumſtſaat. (Hohenſtein.) Die in den Zwölften gebrannte Aſche, vermengt mit etwas Saatgetreide, wirft man im Frühjahr und Herbſt. ins Kreuz auf den A>er indem man ſpricht: „3m Namen Gottes, des Vater8, des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Dann. wird die Ernte gut ſchütten *). Ein ſolches Kreuz macht man nur auf dem Felde, auf dem Erbſen. geſäet werden ſollen. (Gilgenburg.) Ehe ſie die Saat ausſtreuen, miſchen. ſie dieſelbe mit drei Händen voll Erde von dem Aer des Nachbarn, das bedeutet Glü> *). Wenn der Säende ein StüF Ader unbeſäet läßt, ſo ſtirbt er in. dem Jahre. Es werden mehrere Perſonen namentlih genannt, welchen der Teufel 1) N, Pr. Prov.-Bl. 1847, Bd. 1, S. 473. *) N. Pr. Prov.-Bl. 1847, Bd. 2, S. 54. 3) Hartg. Ztg. No: 8. *) N. Pr. Prov.-Bl. 1850, Bd. 2, S. 116. No. 158. *) Hartg, Zeitung No. 8. . |

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- 3 -. „wegen ihrer Vergeßſamkeit dieſen Streich geſpielt hat. Jeder Säende nimmt ſich daher vor dem Verſäen ſehr in At"). Beim Roggenſäen ſagt man: Die erſte Hand für den Herrn (pan d. h. Gott), die zweite für mich, die dritte für die Vögel. (Hohenſtein.) ' Um Weizen uud Gerſte, beſonders diejenige, welhe man bei Hauſe ſäet, vor dem Vogelfraße' zu ſichern, wirft man eine Handvoll von der Saat von ſich weg für die Vögel. (Wallendorf.) Um Unkraut, beſonders Diſteln, aus dem Saatfelde zu vertilgen, vergräbt man in demſelben Donnerſtag nac< Sonnenuntergang einen Span von einem Baume, den der Blitz getroffen hat. (Wallendorf.) Erbſen gerathen ſelten, es iſt daher bei der Saat derſelben Manhes zu beobachten. Erbſen ſoll man nicht unter dem Scorpion ſäen. Man ſäe ſie unter dem Löwen. Von Saaterbſen darf man nichts weggeben oder verkaufen, ehe man ſein eigenes Erbſenfeld beſtellt hat, ſonſt giebt man den Segen fort. (Hohenſtein.) Von dem Aſchenkreuz auf dem Erbſenfelde war ſo eben die Rede. : Ehe man die Erbſen ausſäet, muß man ſie durc< die Nabe eines Wagen- rades laufen laſſen, damit das Feld niht vom Mehltau befallen werde. (Hohenſtein.) Um das Feld, auf welchem Erbſen ausgeſäet werden ſollen, muß ein Frauenzimmer, . . . . . . , Sehen oder deſſen Hemde getragen werden, damit die Erbſen nicht vom Mehltau befallen werden. (Hohenſtein.) Beim Erbſenſäen ſoll man keine Winde laſſen, ſonſt kommt der Wurm in die Erbſen. (Gilgenburg.) Bohnen mußman vor der Ausſaat dreimal dur<h die Hoſen gehen laſſen. (Gilgenburg.) : Bohnen legt man nicht an dem Wochentage, an welchem der erſte Schnee gefallen iſt. (Willenberg.) Kumſt wird nicht unter dem Schüken gepflanzt, ſondern unter der JZung- frau und Waage, damit er nicht auseinander ſchieße, ſondern rein bleibe und gewichtig und ſchwer werde. (Hohenſtein.) Wenn man das Kumſtbeet glattgeklopft hat, ſo legt man einen Stein auf daſſelbe und meint, daß die Kumſtköpfe dann ſo hart wie der Stein wer- den. An einigen Orten legt man unter den Stein auch noh Brennneſſeln. (Hohenſtein:) Am Johannisabend müſſen wenigſtens drei Kumſtköpfe behäufelt ſein. (Hohenſtein.) . Um den Kohl vor Raupen zu ſchüßen, nehme man Sand vom Grabe des zuletzt Begrabenen, ſehe ſich aber dabei nicht um und ſpreche kein Wort, und ſftreue dieſen Sand über die Kohlpflanzung. (Kurken.) - I RP. Prov.-Bl. 1847, Bd. 1. S, 473.

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--“ . In Kruglanken beſprach eine alte Frau Kumſt, auf welhem ſich unzählige Raupen befanden. Sie bediente ſich dazu einer Pfanne mit glühenden Kohlen, auf welche ſie unter beſtändigem Gemurmel und mit verſchiedenen Grimaſſen ſtarkduftende Kräuter warf, die beim Verbrennen einen unangenehmen Geruch verbreiteten. Obgleich der Rauch davon nur einen ſehr kleinen Theil des Feldes beſtrih, ſo waren am Morgen des folgenden Tages ſämmtlihe Raupen ver- ſhwunden. Ihren Zauberſpruch theilte ſie unter keinen Umſtänden mit, indem, wie ſie ſagte, dann die Kraft verloren ginge"). Fla<s ſäet man zu Medardus. Damit er gedeihe, tanzt man zu Faſt- nacht oder fährt ſpazieren (ſ. o.). Wenn ein Hund oder eine Kaze krepirt, ſo muß man den Cadaver hoh über den Zaun werfen, damit der Flac<hs hoh werde. (Hohenſtein.) Sonnenſchein am Neujahrstage kündigt guten Flachs an (ſ. o.). Kartoffeln legt man nicht unter dem Krebs. (Wallendorf.) Es kaufte Jemand Saatkartoffeln. Der Verkäufer hatte Uebermaaß, gab dieſes aber mit fort, bis auf drei Kartoffeln, welche er in ſeinem Sade behielt. Befragt, warum er dies thue, ſagte er zu dem Käufer: „I< habe noch keine Kartoffeln .geſezt, und da könnten die Kartoffeln ſich zu ihnen hinübertragen (d. h. ihm würden ſie fehlſ<lagen, dem Käufer aber gerathen); wenn ich ſhon etwas geſetßt hätte, ſo würde es nicht ſhaden, wenn ich auch alle Kartoffeln ausſchüttete.“ (Magdalenz bei Neidenburg.) Von einem Hinüberwandern der Saat hört man übrigens auh ſonſt. Ueber das Erntefeſt mögen folgende Notizen einander ergänzen. Die erſte bezieht ſich auf den Ortel8burger Kreis. Bei den Bauern folgt ein Ernte- feſt meiſt nur auf die Roggenernte, was ſchon daher ſich erklärt, weil überhaupt nur wenige Bauern Weizen bauen. Der Noggen wird von Männern und Mäd<en mit der Sichel geſchnitten (e3 erſcheint ihnen roh, mit der Senſe gegen die Gotte8gabe lo8zuſ<hlagen). Ein Büſchel Aehren, etwa ſo viel, als man auf . einmal mit der Sichel abſchneiden kann, läßt man zuleßt ſtehen. Um denſelben ſtellen ſich gleih nach vollendeter Arbeit die Schnitter und ſingen ein geiſtliches Lied. Die ſchönſten Aehren werden zum Ernteſtrauß ausgewählt, zuſammen- geflo<hten und mit Blumen geſhmüdt. Diejenige der S<nitterinnen, welche zuerſt mit ihrem Beete fertig war, bringt den Ernteſtrauß na<h Hauſe. Während des Ganges na< Hauſe ſingen ſie ein weltliches meiſt komiſches Lied, welches wie der Ernteſtrauß ſelbſt plon genannt wird, namentlich ſehen ſie dabei darauf, * daß ſie ſich dem Hauſe unter dieſem Geſange nähern. Diejenigen, welche-nicht mit auf dem Felde waren, begrüßen die Zurückehrenden aus allerlei Verſte>en mit Waſſergüſſen. Manches Mädchen wird von den Mannsperſonen an den y) N, P. Prov.-Bl. 1847, Bd. 1, S. 471,

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05 Brunnen gezogen und mit einem Eimer Waſſer begoſſen. Zu Hauſe giebt es zuerſt Schnaps und Fladen, dann eine Mahlzeit, bei der neben anderen Ge- richten auch Mohnkeulchen nicht fehlen dürfen, bei beſſeren Leuten auch Tanz. Das Getreide aus dem Strauß wird im Herbſte mit ausgeſäet. (Kl. Jerutten.) 7 Ebenfalls im Ortelsburger Kreiſe iſt es auch üblich, daß der vorderſte Schnitter dem letzten das lezte Bündel Aehren zuſammenbindet, welches man pep (Nabel) nennt, und um welches -- in Stoppeln -- der letztere nun ſicheln muß, öhne den pep zu verlezen. Auch wird er gezwungen, durch den pep hindurch zu kriehen. Das Mädchen, welches nicht begoſſen wird , iſt gekränkt, denn man hat ihm keine Ehre angethan. Als Gerichte beim Erntefeſte werden no< Sc<warzſauer mit Keulhen und di>e Grüße. mit Honig hervorgehoben. Bei dieſem Feſteſſen darf kein Vaterunſer gebetet werden, weil dann Jemand im künftigen Jahre ſtirbt. Sie beten andere Gebete und ſingen geiſtliche Lieder. (Wallendorf.) ' Die lezte Garbe bleibt auf dem Felde ſtehen, damit die Mäuſe nicht in das Fa< kommen. (Hohenſtein.) * Ans öſtlicheren Gegenden Maſuren3 ſtammt folgender Bericht: Jn Mafuren ſuchen ' die Hauer die längſten und ſchönſten Garben aus und geben fie den. Räffern, die im Kreiſe ſtehend und das Lied: „Allein Gott in der Höh' ſei Ehr“ ſingend, dieſelben zum Erntekranze in Form einer Krone flechten und init Bändern und Blumen ſ<hmüden. Den fertigen Kranz nimmt der Vor- Hantr auf ſeine Senſe und geht dem Zuge, den nun alle Schnitter bilden, voran. Bis der Zug zum Dorfe oder Gute, wohin die Schnitter gehören, * g&langt, werden verſchiedene Lieder geſungen, dann aber der Plon angeftimmt, ein Ked, in welchem die rege Hoffnung auf Bier, Keul<hen, Fleiſ<, Tanz, zu . welchem Spielleute aus LyFX erwartet werden, ſehr lebhaft au8geſprochen wird. Dieſes Lied wird ſo lange geſungen, bis der Vorhauer mit der Erntekrone in , das Haus getreten iſt. Die Krone wird bei dem Bauern auf den Eßtiſch - ſeſeht, bei der Gutsherrſchaft ins Vorhaus oder in die Wohnſtube gebracht. Der Baner hängt ſie an dem über dem Tiſche befindlihen Balken der Stuben- ' vecke, der Gutsöherr an die De>e des Vorhauſes auf. Hier bleibt ſie hängen, bis- die friſche Winterſaat geſtreut werden ſoll. Wenn der Vorhauer beim Ein- zug äuf die Treppe oder den Hof geht, empfängt ihn ein Waſſerguß, der auch den übrigen Scnittern und ſogar der Gutsherrſchaft reichlih zu Theil wird. Därauf faſſen die Schnitter die gießenden, (gewöhnlich Mägde), führen ſie zum nächſten 'Teiche, Fluß oder See und tauchen ſie unter die Oberfläche des Waſſers. Jemehr gegoſſen und getaucht wird, deſto beſſer iſt naß dem Volk8glauben die Ernte des künftigen Jahres. Dieſes Feſt heißt Plon, in Litauen, wo die Ge- bräuche ſo uche ſo ziemlich dieſelben ſind, Bectuwis ). 9 R. Pr. Prov,-Bl. 1847, Bd. 2, S. 51-54,

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Ebenfalls aus dem öfilihen Maſuren wird über das Waſſergießen no<h folgende Bemerkung gemacht: Die jungen Mädchen ſuchen unbemerkt und hinter- rüd>s die Männer mit Waſſer zu begießen, aber ſ<nell und geſchit: denn wehe derjenigen, die mit dem ungeleerten Gefäß ertappt und gefaßt wird, es hilft nichts, fie muß dur< den Kreis aller durchſchreiten, und jeder Burſche hat das Recht, einen Kuß von ihr zu fordern, den ſie nicht verweigern darf '). | Wird der letzte Roggen gedroſchen, ſo nimmt die Magd einen Kochlöffel und läuft damit auf die Tenne, wirft ihn da hin und läuſt davon. Holt die Fliehende ein Dreſcher ein, ſo muß ſie ſich durch ein Geſchenk (am liebſten Branntwein) löſen, wo nicht, ſo muß ſie ein Geſchenk erhalten?). Gegen das Verderben des gedroſchenen Getreides auf dem Speicha wendet man folgendes Mittel an. Man ſ<neidet im Frühjahr einen grünen Haſſelſto> ab, und ſobald e3 zum erſten Mal im Frühjahr donnert, ma<t man über jeden Getreidehaufen mit dieſem Haſſelſto>e ein Kreuz, und es hält ſich da3 Getreide Jahre lang. (Kurken.) Verkauft man eine gute Art Samen oder etwas derartiges, ſo nimmt 's, man, wenn dem Käufer ſein Theil bereits abgemeſſen iſt, eine Hand voll davon : und wirft e8 auf ſeinen Haufen oder in ſeinen Sa> zurüf, um ſich davor zu fichern, daß nicht etwa mit dem Verkauften auch der daran haftende Segen ſich von dem Verkäufer wende. Dem Federvieh ſchneidet man aus demſelben Grunde einige Federn ab, und behält ſie zurüf. Wird etwa3 zum Verkauf hinausgeführt, ſo wirft man eine Hand voll Kehricht hinten nach; dies ſoll Glü> . und Erfolg bedeuten. (Gilgenburg.) Ein ganzes Brod darf nicht verſchenkt, auch nicht verliehen werden, damit .- fich der Segen nicht ganz aus dem Hauſe wende. Daher wird es immer wu wenig angeſchnitten. (Gilgenburg.) Vieh. Der Hirt bricht am zweiten Weihnachtsfeiertage ſchöne gerade Birkenreiſer, nimmt dieſelben unter den Arm und geht ſo im Dorfe oder in der Stadt von Haus zu Haus (natürlich nur in folhe Häuſer, aus denen er Vieh zu weiden hat), um ſeine Kalende einzuſammeln. Dann zieht jede Hausfrau, nicht mit der bloßen Hand, ſondern indem ſie die Finger mit der Schürze be- de>t, eine der Ruthen unter ſeinem Arm hervor, legt ſie auf den Tiſch, ja nirgend anders8wohin! bringt ſie auf den Boden, ſte>t ſie in das vorräthig ge- droſhene Getreide, die Aeſte nac< oben und läßt ſie dort bis matka boza (25. März) ſteken. An dieſem Tage zieht ſie die Ruthe heraus, geht, ohne ſich aufzuhalten oder zu ſprechen (damit nachmals das Vieh nicht ſtehen bleibe und 1) Roſenheyn Bd. 2, S. 94. Erkennbar aber no< mehr abgeflac<ht ſind die Ge- bräuche des Maſuriſhen Plon au< in dem Erntefeſte der Niederunger, welhe nämlich zum Abſicheln des Roggens und Weizens die dorthin hinabziehenden Maſuren in Dienſt nehmen. Heinel in den N. P. Prov.-Bl. 1846, Bd. 2, S. 404. ?). Hartg. Ztg. No. 8.

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FTP ERR - %- bkülle, ſondern gerade in den Stall hineinkomme) nach dem Stalle und treibt das Vieh hinaus, während der Hausvater mit der Axt ein Kreuz vor der Stall-“ thür macht und die Axt dann an die Schwelle legt. (Hoheniſtein.) Das Vieh wird zu Mariä Verkündigung (25. März) zum erſten Mäle * auSgetrieben und von oft weither verſc<hriebenen Zauberern verſegnet. (ſ. o.) Wenn der Hirte das Vieh zum erſten Male aus dem Dorfe treibt, fo ſpricht ſeine Frau an dem He> (Dorfthor) knieend allerlei Gebete. In Na- piwodda kam der Fall vor, daß eine Hirtenfrau, die de8halb von andern 'ani8:" ' gelacht wurde, dies Gebet unterließ; die Folge davon war, das zu Johannis * zwei Wölfe in den Stall brachen und zwei Maſtſchweine und eine Kuh zerriſſen. (Hohenſtein.) Beim Auzstreiben des Viehes Loben die Hirten ihre abſonderlichen Bräuche- ihre uralten Sprüche und. Verſe, und es iſt ganz unerläßlich, daß dieſe herge, - ſagt werden in der feſten Weiſe wie herkömmlich; ſonſt könnte auf Walpurgis ein Nachbar dem andern die Kühe beſprechen, daß ſie Blut ſtatt Milh geben und dahinſiehen.') * Wird das Vieh zum erſten Male wieder auf das Feld getrieben, ſo darf nicht geſponnen werden.*?) “ "Der Hirte ſcharrt die Kohlen ſeine3 Waldfeuers ſorgſam zuſammen, , weil ſich ſonſt ſeine Heerde zerſtreut.) Wenn der Mann mit einem angekauften Stü> Vieh nach Hauſe kommt, ſo bringt die Frau eine Kanne Waſſer und 'begießt da38 Vieh von den Hör- nexit ait den ganzen Rüden entlang, von vorn bi38 hinten, worauf der Mann es im Kreiſe um ſich ſelbſt herumführt; das geſchieht dreimal, ehe es in den Stall kommt. (Hohenſtein.) Neu angekauftes Vieh muß über Stahl in den Stall treten, um gegen Hexerei ſicher zu ſein. (Hohenſtein.) * Will das neu gekaufte Vieh ſich an den Stall nicht gewöhnen, ſo wäſcht man ihm in einem Gefäß die Füße und gießt das hier gebrauchte Waſſer in- den Stall aus; das hilft. (Gilgenburg.) Thut's nachträglich dem Verkäufer um das verkaufte StüF“Vieh leid, ſo gedeiht es dem Käufer niht. (Gilgenburg.) Man muß darauf achten, welche Farbe das Wieſel hat, das man zum“ erſten Mal ſieht. Vieh von dieſer Farbe geht einem zur Hand (gedeiht einem). (Hohenftein.) Anders. Wenn in einem Stalle ſih weiße Wieſel aufhalten, ſo muß der Wirth weißes Vieh halten; ebenſo bei bunten, rothen Wieſeln. Er wird erkennen, daß ihm ſolches Vieh zur Hand geht. (Gilgenburg.) 92. '-ofenheon, Bd. 2, S. 95. 2) Roſenheyn, Bd. 2, S. 92, *) Roſenheyn, Bd. 2, S. 92.. “ 7

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-- % - Frißt ein angekauftes Stü> Vieh, ein Schwein, ein Pferd ſ<lec<t, ſo heißt e8: Nie poreczyto 8ie! (Es geht nicht zur Hand!) Es muß ver: handelt werden ; der Nachbar wird erſucht es zu kaufen. Er kommt, bietet und dingt hartnäkig und lange. Darnach frißt das Thier gewiß ſehr gut. (Willenberg.) Wenn Jemanden ein StüF Vieh, ein Schwein 2c., nicht recht zur Hand gehen will, wenn es z. B. nicht recht freſſen will, ſo verkauft man es noh ein- mal, wenn auch nur zum Scein z. B. an die Frau oder an ein Kind. Das Geld muß dabei, damit an der Form des Verkaufs nichts fehle, gezahlt und Leinkauf getrunken werden. (Hohenſtein, Gilgenburg 2c.) Leinkauf (poln. litkup, was aber nichts als ein Germanismus iſt, kü margritsch) iſt das Getränfe welches man beim Verkaufen trinkt. Dabei gießt man die Neige rü>wärts über den Kopf, damit einem das Gekaufte gedeihe, großwacſe 2c.) Wenn Jemand ein Stü> Vieh zum Verkauf aus dem Stalle führt, ſo muß er von den Haaren deſſelben ein Büſchel ausreißen und unter der Krippe vergraben.. Das bedeutet, daß das übrige Vieh dem zu verkaufenden nicht nachfolgen und ſich niht aus dem Stalle ausrotten ſolle. (Hohenſtein.) Für Zwillingsthiere aller Art hat der Maſure eine große Vorliebe; denn ſie ſind glüFbringeud. Gerne zahlt er die höchſten Preiſe dafür.?) Jungen Pferden und jungen Kälbern bindet man zum Shuß gegen den böſen Bli rothe Bänder um den Hals (ſ. o.). | - Am Donnerstage müſſen die Pferde vor Abendbrod abgefüttert werden, ſonſt drü>t ſie die Mar. (Hohenſtein.) An die Thür de3 Viehſtall3 ma<t man am Abend vor dem Tage der- heiligen drei Könige oder vor Johannis drei Kreuze, um das Vieh vor Hexerei - "zu ſichern (f. 0.). - Kommen in einer Wirthſchaft mehrere StüF Vieh zu Schaden, ſo hat Jemand gehext (oczarzy). Die Zaubermittel (czary) müſſen aufgefunden. und verbrannt werden, ſonſt krepirt alles übrige Vieh auß. Es wird gegraben unter der Stallſhwelle, unter allen vier Wänden, und, wenn man da nichts . findet, im Stalle ſelbſt. Da ſindet man endlich einen Viehmagen mit vielen Ste>nadeln. Jſt dieſer verbrannt, ſo kommt kein Vieh mehr zu Schaden. (Willenberg.) Man tödtet die Schlangen nicht gern, weil das ein Unglü> beſonbers den Abgang des Viehes nach ſich ziehen ſoll. Dieſer no<h von Piſanski*) au- x) Vgl. über Litkauf Haupt's Zeitſchr. f. deutſch. Alterth. Bd. 6, S, 269 ff. Der Leinkauf wird ſchon in dem pomeſaniſchen Rechte etwa um die Mitte des 14, Jahrhunderts erwähnt, Laband, Jura Brutenorum 1866, p. 12. *) Hartg. Ztg. No. 8. *?) No. 23, 8.9.

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“7% ührte Gebrauch erinnert lebhaft an die Verehrung der Schlangen in der it des Heidenthums. - Das Waſſer, mit welhem man beim Baen das Brod glättet, bekommen Sqweine, da:nit ſie auch glatt ſeien. (Gilgenburg.) In der Tonne („Kübbel“), in welcher der. Trank für die Schweine ge- mmelt wird, hält man eine Scildkröte; davon werden die Schweine fett. firbt aber die Scildkröte, ſo ſterben auch die aus der Tonne gefütterten HYweine. (Hohenſtein.) Mittel gegen Pferdekolik. Man ſtreicht das Pferd dreimal mit der haufel, mit der man das Brod aus dem Backofen nimmt, und ſpu>t dreimal 8. Dabei ſpricht man eine gewiſſe Formel. (Kl. Jerutten.) Wenn Vieh urok hat, ſo behandelt man es ebenſo wie Menſchen; man jet ihm mit Hoſen 2c. über das Geſicht. (Hohenſtein.) Eine Viehkrankheit heißt 8aba (Froſ<). Auf dem Markte zu Hohenſtein nd ein StüFX Vieh, anſcheinend ganz geſund; auf cinmal warf es ſich auf die de. Die Leute ſagten, es hätte 8aha. Man nimmt in dieſem Falle ein ſchtuch, legt e8 dem Thiere über den Rückgrat und beißt durch daſſelbe in 1 'RüFgrat vom Wie ab bis zum Kreuz. Dann läßt der Froſch nach. zohenſtein.) > Mittel gegen Würmer in Wunden. Wenn ein Thier Würmer in Wun- r bekommt, ſo muß man vor Sonnenauſgang an einen Ort gehen, wo die ifteln mit rothen Köpfen und ſtachlichten Stengeln ſtehen, vier Diſteln über ander knien, daß die vier Köpfe nach den vier Himmel3gegenden gerichtet d, und über die Kreuzung einen Stein legen. Vorher ſoll man ein Vater- ſer beten. Ein Pfarrer unternahm jene Procedur ohne Vaterunſer und es tauch geholfen. Die Würmer verſhwanden. (Wallendorf.) Beſondere Sorgfalt erfordert die Mil<hwirthſc<aft. Will man haben, F' die Kuh am Tage kalben ſol“, ſo muß man ſie Sonntags ſtehen laſſen. “' In den Zwölften fährt man der tragenden Kuh mit einer Harke drei al längs der Seite hin, damit ſie beim Kalben nicht die Zinken bekommt. »ohenflein.) Wenn die Kuh nach dem Kalben ſich nicht reinigen kann, ſo ft man ein reines Mädchen am beſten ein Schulmädchen und „läßt mit einer arke die Kuh dreimal herüber harken,“' ſo reinigt ſie ſich. (Hohenſtein.) I< habe eine hoctragende Kuh, erzählte eine Landfrau, als ich ſie zum ſten Male guf das Feld jagte, wurde ſie von anderem Vieh geſtoßen; kaum ächte ich fie in den Stall; ſie ſtre>te die Füße aus und es ſchien, al8 würde verwerfen. Da nahm ich dreierlei Getreide, kraßte mit dem Meſſer dreimal vas von dem Brodſchieber, dreimal vom Trog und dreimal von einem Tha- , Mengte etwas Möhrenſaat dazu, machte daraus eine Kugel und ſtete ſie 7*

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ihr in den Mund und muß auc eine gute Stunde getroffen haben; denn die Kuh ſtand bald: auf und iſt jezt geſund. ( Hohenſtein.) Wenn eine Kuh gekalbt hat, darf man in den nächſten Tagen nichts ausleihen.!) Das erſte Kalb der Stärke, die erſte Butter von ihrer Milch ſchenkt man . der guten Vorbedeutung wegen den HoSpitaliten. Die Mädchen dürfen, vom Melken wiederkehrend, die MilhHeimer nicht unbede>t tragen, damit ja nicht die Vögel des Himmels hineinſehen, weil ſouſt die Milch abnehmen und keine Sahne abſondern würde.?) Wenn beim Milchen zugleich mit der Milh Blut aus den Eutern fließt ſo milht man -- wenigſtens verſichert dies Piſanski*) -- die Kühe durch die Deffnung eines Donnerkeils. Wenn beim Milchen zugleich mit der Milch Blut aus demſelben Strich kommt, dann gießt man etwas von dieſer Mil< in einen Serben und ſtellt dieſen auf den Zaun. Da ſteht ſie ſo lange bis eine Shwalbe hinüberfliegt; dann wird ſie gut. (Hohenſtein, Gilgenburg.) Wenn die Mil<h bald nach dem Milchen gerinnt, dann gießt man ſie auf drei Schwellen und ſchlägt mit dem Beſen ſo lange darauf, bis es tro>en iſt. Dann giebt die Kuh fortan gute Milh. (Hohenſtein.) 6 Milch, die nach dem Melken ſofort gerinnt, wird durc<h einen Brautkranz durhgeſeiht; auch legt man beim Melken in den Eimer einen Trauring hinein. Das hilft. (Gilgenburg.) Beim Buttermachen wird in den Schmand ein Geldſtü> gelegt, unter den Reifen des Butterfaſſe3 ein Meſſer geſte>t, unter das Butterfaß ein Kamm gs legt. Je ſchmußiger er iſt, deſto beſſer wird die Butter. (Kl. Jerutten.) | Beim Buttermachen wird ſtrenge darauf geſehen, daß das Butterfaß nicht unter dem Balken ſtehe. (Willenberg.) Eine Frau, welche troß aller Mühe keine Butter zu Stande bekam, ſtieg auf ein Pferd, nahm das Butterfaß in einen Laken eingebunden auf den Rüen und ritt um die ganze Grenze des Dorfe8 Puchalowen bei Kameraw. Man wird es begreiflich finden, daß als ſie zurükkam, „der Schmand“ zu Butter ge- worden war. Merkwürdiger war es aber, daß ſie von dieſer Zeit an leicht und gut Butter machen konnte. Ein Frauenzimmer, welches die Courage hat, eine Maulwurfsgrille- mit der Handfläche auf der Erde zu zerdrü>en, macht leiht Butter. Am Johanni8abend vor Sonnenuntergang macht man drei Kreuze auf die Thür des Kuhſtalles, damit die Hexen, die namentlich in dieſer Nacht ihr Spiel !) Vgl. oben den gleichen Aberglauben bei der Geburt der Kinder. 9 ein Zig. No. 8. *) No, 23, 8 8. 2 uA E “

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=“ 101 - treiben, die MilH nicht wegnehmen; find die Kreuze da, ſo haben die Hexen keinen Zutritt. Die Hexen geben die Milch, welche ſie dem einen wegnehmen, * dem andern. Sie haben ihre Lieblinge, und wer ihnen Opfer bringt, den be- ſchenken ſie auch. Es ſoll ein beſonderes Gericht ſein, das die Hexen gerne eſſen. Dieſes muß in der Johannisnacht auf dem Tiſche ſtehen. Iſt es am nächſten Morgen ausgegeſſen, ſo kann man mit Beſtimmtheit darauf rechnen, daß man eine Unmaſſe Mil< haben wird, ja ſogar aus Nägeln Milch herau3- milchen kann. (Willenberg.) | . Auch erhalten die Kühe am Johanni8abend zum Schutze gegen Behexung allerlei Kräuter z. B. Kalmus und dgl. Hörner und Euter werden mit Fenchel (kopr) beſtrichen. : Johannis8abend wird an den Thürpfoſten der Kuhſtälle Koriander und Dill eingeſte>t, damit die Kühe vor Hexerei ſicher ſeien. Wer eine Kuh kauft, darf niht vergeſſen zu ſagen, daß er die Milch mit- - kaufe; es iſt am ſicherſten, für dieſelbe ein eigenes Geldſtüf zu geben; ſonſt giebt die Kuh keine Milh. (Hohenſtein.) | Wenn man jemanden Mil< verkauft oder ſonſt abgiebt, muß man in die- ſelbe Salz ſtreuen; wenn man dieſes unterläßt ſo hat die Hexe, der ſolHe Milch in die Hände käme, auch über die übrige Milh der Kuh Macht und könnte ſie ihr abziehen. (Hohenſtein, Gilgenburg.) x Das Federvieh des Nachbarn gedeiht niht, wenn man abgeſchloſſene Federn (Federkiele) auf den Grenzrain wirft. (Hohenſtein.) Vom Verkaufe de3 Federviehes8 war oben die Rede. Die Hühner des Nachbarn kann man durch eine gewiſſe Ceremonie in der Neujahrsnacht (ſ. o.) an ſich lo>en. Zwiſchen Weihnachten und Neujahr werden Federn geſchloſſen. In derſelben Zeit muß man dem Federvieh Erbſen geben, dann legen fie fleißig Eier. (Hohenſtein.) Wenn einer Glue Eier zum Ausbrüten untergelegt werden ſollen, muß man fie zuvor in eine Müße -- am beſten von einem Juden -- legen. (Ho- henſtein.). Am Charfreitag und Oſterſonntag ſoll man ſich nicht kämmen; ſonſt kraßen die Hühner im Garten. Wenn Geſſelhen (junge Gänſe) zuerſt ins Freie gelaſſen werden ſollen, ſo muß man ſie durch Mannshoſen hindurhſte&en. (Hohenſtein, Gilgenburg 2c.) Spinnen und Weben. Wenn man die Scherung (zum Weben) aus einem Dorf in das andere (das eigene) bringt, ohne ſie an dem einen Ende dur<H ein Sloß zu verſchließen, ſo giebt man Veranlaſſung dazu, daß Wölfe in das Dorf, ſogar in die Ställe kommen. (Hohenſtein.) Es darf nicht geſponnen werden in den Zwölften, zu Lihtmeß, Mathiä,

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- 102 - Nicolai, an den Marientagen und überhaupt an großen und kleinen Feſttagen. (Hohenſtein.) Auch ſpinnt man nicht Donner8tag naß dem Abendbrod, denn ſonſt kommt die Mar und ſpinnt weiter. Wenn man aber beim Spinnen eine Brod: ' - kruſte im Munde hat, ſo ſchadet e8 auch dann nicht; die Gabe Gottes bewirkt, daß ein ſo unreiner Geiſt, wie die Mar, auf den Menſchen kein Anrecht hat. (Desgleichen.) Wenn man am Donnerstag nah dem Abendbrod ſpinnt und haspelt, ſo gehen Wo>en und Haspel die ganze Nacht von ſelbſt. Das ſoll der böſe Geift bewirken, indem er den Menſchen nachäfft. (Desgleichen.) Man ſpinnt auch nicht, ſo lange ein ungetauftes Kind oder ein Todter im Hauſe iſt. (DeSgleichen.) Bei Neumond unter dem Zeichen des Fiſches fängt der Fiſher an ſein Net zu ſtriken. (Hohenſtein.) Wenn die Fiſcher fiſchen gehen, legen ſie zum Glü>e etwas Kehricht ins Neb. (Hohenſtein.) - | Auf die Bienenzucht bezieht ſich folgende Notiz. Am Charfreitag nehme man einen Teller Shrotmehl vor Sonnenaufgang und ſegne die Bienenſtöde, "während man um dieſelben herumgeht und das Mehl in den Bienengarten ſtreut, mit folgendem Spruch: „Ihr Bienen und Königinnen, ſett euch auf eures Herren Aer und Wieſen, wie es der Herr Chriſtus geboten, zum Sammeln von Wachs und Honig.“ Darnach wird dreimal das Kreuz geſchlagen und geſprochen im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Amen. (Amen wird hier geſprochen.) Dienſtleute treten ihren Dienſt am liebſten Sonnabend an, weil ihnen das Jahr dann kurz erſcheinen wird. Treten ſie am Freitage ein, ſo fürchten ſie, daß ſie an Geſchwüren und derartigen Krankheiten leiden würden. (Ho- henſtein.) Wenn man nach Sonnenuntergang die Stube kehrt, ſoll man den Kehricht nicht hinauswerfen; wer das thut, wirft ſeine Habe hinaus. (Des- gleichen.) * Bei dem Eintheeren der Wagenräder fängt der maſuriſche Bauer nie mit der rechten Seite an: denn ſonſt würden die Pferde zu leicht müde. Die Räder ſelbſt aber muß er dabei links umdrehen, denn ſonſt kommt der Teufel nach.) Mit Feuer abfahren iſt gut, daher ſezt man ſich mit brennender Pfeife oder Cigarre auf den Wagen. Stahl mit ſih zu nehmen iſt namentlich bei nächtlihen Fahrten al8 Abwehrungsmittel gegen den böſen Feind rathſam. 2) Roſenheyn, Bd. 2, S. 92. ,

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-- 103 - Muß man nac der Abfahrt noch einmal umkehren, weil man nach der Abfahrt uo<h etwas vergeſſen hat, ſo bedeutet dies UnglüF. Nieſen unſre Pferde un- terwegs, ſo freut man ſich auf unſern Beſuch und wir dürfen es nicht unter- , laſſen, dem nieſenden Pferde ein „zur Geſunheit“ zuzurufen. (Gilgenburg.) Einem Bettler giebt man weder das Oberſte noh das Unterſte von einem Brode (odlepka und przylepka), weil man leicht das Brod vergeben, d. h. an dan Bettler abgeben könnte und ſchließlich ſelbſt um Brod betteln müßte. (Hohenſtein.) Ein Orangefle>en auf der Hand oder auf den Fingern bedeutet eine Reuigkeit. Iſt er klein oder an einer Stelle, die man beim Schließen einer Fauſt - unfichtbar macht, ſo iſt fie niht unangenehm, im entgegengeſeßten Falle bedeu- . tet dies eine Hiobs8poſt. Ein ſolcher Orangefle>en heißt polniſ< 8zwadra. (Hohenſtein.) Auch die Todtengebräu<e glauben wir am Beſten zu vergegenwärti- gen, wenn wir eine Schilderung der Begräbnißſeierlichkeiten, wie wir ſie dem ſchon erwähnten Herrn Bercio verdanken, vorausſchien. In den öſtlihen Ge- genden Maſurens iſt der Leichenſhmaus zwar in allgemeinem Gebrauh, aber die Namen zarem oder stupa dafür nicht bekannt. Bei der Beerdigung, wie auch bei andern Feierlichkeiten , ſpielt der Schullehrer, namentlich in Dör- fern, welche keine eigene Kirche, wohl aber einen eigenen Kirhhof haben, als natürliher Vertreter des Pfarrers eine wichtige Rolle. Von dem Tage, an welhem Jemand geſtorben iſt, bis zu ſeiner Beerdi- gung, wird jeden Abend bei ſeiner Leiche geſungen. Dieſer Geſang wird aber nicht bloß von den Hausgenoſſen ausgeführt, ſondern es wird jemand im Dorfe herumgeſchi>t, welcher zum Singen bei der Leiche auffordert. Während . des Singens wird hie und da auc< Schnaps gereicht. An dem Beerdigungstage wird: wiederum Jemand dur<s- Dorf geſchi>t mit der Aufforderung zum Be» gräbniß: „Kommt zum Begräbniß und das gleich.“ Sie kommen denn meiſt ſehr. zahlreich, die Frauen, welche es vermögen, in ſhwarzen Kleidern, alle mit weißen S<nupfſtüchern und mit Geſangbühern. Jn dem Sterbezimmer ſteht der große lange Tiſch an ſeiner gewöhnlihen Stelle längs der einen Wand; rings herum Bänke und Stühle für die Männer; in -der Mitte der Sarg mit der Leiche, die Füße gegen die Thür gerichtet; auf der andern Seite ſind lange Bretter auf Stühle gelegt zum Siken für die Frauen... Männer und Frauen ſtehen oder ſiken alſo apart. Unter Leitung des Lehrer8 werden zwei lange Lieder geſungen. Dann werden Fladen und Schnaps für die Männer auf den Tiſ< geſtellt, der Schnaps in Flaſchen mit einem Glaſe, aus welchem ſie die Reihe herum trinken. Für die Frauen wird Shnaps8 in eine Schüſſel gegoſſen und ein Löffel dazu gegeben ; Schüſſel und Löffel gehen die Reihe entlang; jede der Frauen nimmt einen oder zwei Löffel voll, .na< Bedürfniß ; Fladen wird

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ihnen in einer weißen Schürze oder in einem Korbe herumgereicht. Dieſe Pauſe dauert etwa eine halbe Stunde. Dann werden abermals zwei Lieder geſungen, dann häkt der Lehrer eine Trauerrede, in welcher die Tugenden des Verſtorbenen erwähnt, dann im Namen deſſelben den Freunden und Nachbarn für den lezten Dienſt, welchen ſie ihm erweiſen, Dank geſagt und von ihnen Abſchied genommen, und allgemeine Ermahnungen an die geſammte Anweſen- den gerichtet werden. Nachdem das Amen geſprochen iſt, wird wieder eine Pauſe gemacht, welche aber kürzer iſt, als die erſte, und wieder eine Stärkung genommen. Unter dem Geſange: „Wenn mein Stündlein vorhanden iſi“, wird die Leiche hinausgebrac<ht und zum Kir<hof getragen (nie gefahren). Der Lehrer mit den Schülern und die Männer, welche ſingen, gehen vor der Leiche, die Leidtragenden unmittelbar hinter derſelben, dann folgt die große Menge. Auf dem Kirchhof ſingt man : „Nun laßt uns den Leib begraben.“ Der Sarg - . wird auf dem Kirchhof noh geöffnet, der Todte zurechtgelegt , Abſchied genom- men, die Einſenkung vorgenommen. Der Lehrer ſingt die Todtencollecte ab, welche die Gemeinde beantwortet, und ſpricht dann no<h einige Worte, zulett das Vaterunſer, während deſſen die Leidtragenden ringgum an dem Grabe knieen. Nachdem dann no<h ein Vers geſungen iſt, wird das Grab zugeworfen. -Nun begiebt ſich jeder zuvörderſt nach Hauſe und verwahrt ſein Geſangbuch, die Frauen ziehen die beſſeren Kleider aus und vertauſchen ſie mit weniger werth- vollen; ſodann verſammeln ſie ſich im Sterbehauſe zum Shmaus. Die von "loſen Brettern und Stühlen zuſammengeſeßten Bänke werden nun auh an Tiſche . geſchoben, ſo daß die Frauen nun auch an Tiſchen ſien können. Der Schnaps wird ihnen daher jeht niht, wie vorher in Schüſſeln, ſondern -- mit Honig gemiſ<t -- in Flaſchen vorgeſetzt, wenn er nicht etwa no< erſt gebrannt und ſo mit Honig vermiſ<t werden ſoll; dann heißt das Getränke przeparlauks (Brendel). Zu Mittag giebt es Fleiſ<hwerk, Fiſche, .Kumſt mit Fleiſch, zulezt di>e Grüße mit Honig begoſſen. Den Tag darauf kommen meiſt nur Mänüer in dem Sterbehauſe zuſammen, um etwa den Vater über den Verluſt des-Kin- . des zu tröſten; ſie verſpeiſen die Ueberreſte und bringen den Tag mit'Trinken bis zum Abend zuſammen zu. Wühlt ein Maulwurf im Hauſe, ſo wird bald darin einer ſterben. Das- ſelbe verkündigt der Holzkäfer, wenn er das Holz im Hauſe ſägt. (Gilgenburg.) Wenn einer im Hauſe krank iſt, ſagt Simon Grunau,*) und es kommt ein Freund zu ihm und fragt ihn, wie es ihm gehe, und der Kranke ſpricht: O, ich bin ſehr krank! ſo muß er das Lager ſterben; wo er aber ſpricht: Es geht mir, wie Gott mein Herr will! ſo kommt er von dem Lager auf und wird friſch. - - 9) R. P. Prov.-Bl. 1846, Bd.-2, S. 337.

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-- 106 = Mit der Kranken-Communion verbinden ſich manerlei Vorſtellungen einer: magiſchen Wirkung, namentlich die, daß mit ihr ein Wendepunkt, eine Kriſi&, entweder zum Leben oder zum Tode eintrete, oder die, daß der Kranke erſt: wenn er im Sterben liege, das heilige Abendmahl nehmen müſſe, um auf leib= liche Geneſung hoffen zu dürfen, daß er dagegen, ſo lange ſein Zuſtand an ſich: uoch Hoffnung des Lebens laſſe, dur<h den Genuß deſſelben unvermeidlich dem. Tode verfalle.!) Man erkennt bei dem Auslöſchen der Altarlichte, welhe zur Kranken- communion gebraucht ſind, ob der Kranke leben bleiben wird oder niht. Geht beim Auslöſchen derſelben der Rauch nad der Thür, ſo ſtirbt der Kranke, im anderen Falle bleibt er leben. Bisweilen will eins der Lichter gar nicht bren- nen oder geht von ſelbſt aus; dann iſt ſicher anzunehmen, daß der Kranke nicht „aufkommt. (Gilgenburg.) | Wenn dem Tiſchler die Säge kna>t, ſo weiß er, es ſtirbt Jemand, und er bekommt den andern Tag eine Beſtellung auf einen Sarg. (Hohenſtein.) -No< merkwürdiger war folgendes Ereigniß. Ein Ceſelle in Hohenſtein hatte die Dreiſtigkeit in einem der vorräthigen Särge ſeines Meiſters zu ſchla->. fen. In einer Nacht wurde er dur<h eine unerklärlihe Kraft aus dem Sarge hinausgeworfen. Er legte ſich zum zweiten Mal in den Sarg und ' wurde wieder hinausgeworfen. Nun merkte er ſchon, daß dieſer Sarg für einen Ver- ſtorbenen würde gebraucht werden. Er legte ſich alſo in einen andern und „fchlief in dieſem auch ruhig ein, jener wurde aber am folgenden Morgen ver- kauft. (Hohenſtein.) Der Tod kommt drei Abende hinter einander, um das Abſterben eines Menſen .ven Angehörigen anzumelden. Er klopft jede8mal an das Fenſter . der an die Thür. Die Hunde ſehen ihn und erheben ein kläglihes Geheul (vgl. o.). (Soldau.) Dem Pfarrer E., der ſhon lange todt iſt, begegnete es, daß er jedesmal vorher wußte, wenn im Kirchſpiel ein Todesfall eintreten ſollte. Der Tod hat es ihm regelmäßig angemeldet, ſo daß er e8 gewöhnt wurde und auf dreimali- ges Klopfen antwortete: Ja ja! oder: Schon gut! Und wenn er nicht antwortete ſo wiederholte der Tod ſein dreimaliges Klopfen. Jn der Regel kamen dann Tages darauf Leute und beſtellten ein Begräbniß. (Soldau.) Ein Pfarrer zu S., pflegte in ſeiner Studierſtube zu ſchlafen. Zu Kopf- ende des Bettes ſtand ein Schrank mit den Kirhenbühern. Wenn Jemand im Kirchſpiel ſtarb, ſo kam es ihm vor, als ob die Kirhenbücher auf die Erde geworfen und dann längs des Shrankes hinaufgezogen würden, was ſich ſo 9) Hinp, S.182.

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lange wiederholte, bis er ein Zeichen gab, daß er es gehört habe: Ja ja! oder dergleihen. (Soldau.) Der Sterbende wird in Maſuren (wie in Litauen) aus dem Bette geriſſen und auf den Fußboden auf Stroh gelegt. Man ſagt dies geſchehe, dem Ster- benden den lezten Kampf zu erleichtern.") Dauert bei einem Kinde der Todeskampf: lange, ſo müſſen die Pathen herbeigeholt werden; hilft deren Gegenwart nicht, ſo kniet die Hebamme auf des Hauſes Schwelle nieder und betet das Vaterunſer, ſobald iſt das Kind von ſeinen Qualen befreit. ?) Auf Betten von Hühnerfedern kann man nicht ſterben. Darum wird der Sterbende auf Stroh gelegt. (Hohenſtein.) Soba:d jemand geſtorben iſt (nicht vorher) legt man die Leiche auf die Bank unter dem Fenſter, auf wel<he ein Wiſch Stroh ausgebreitet iſt und be- det ſie mit einem weißen Laken. (Wallendorf.) Die Todenſtarre iſt nicht an jeder Leiche zu bemerken. Wo ſie nicht ein- tritt, iſt dies ein ſichres Zeichen, daß noch ein Glied der Familie ſterben werde. (Gilgenburg.) Während die Leiche im Hauſe iſt, ruht alle Arbeit, wenigſtens der Spinn- roFen, „damit der Todte nicht geſtört werde.) Der neue Herr des Hauſes muß, ſobald der alte Herr die Augen ge- ſchloſſen hat, hinausgehen und dem Vieh, den Gebäuden, den Bäumen, kurz der ganzen Beſizung den Tod ihres Herrn anmelden, was er etwa mit den Worten thut: „Der alte Herr iſt jezt todt, ich bin jeht der neue Herr.“ (Lu- - bainen.)*) Den Tod des Beſitzers meldet man ſeinen Thieren, damit ſie dem Ver» ſtorbenen nicht nachziehen. *) Entfernt wohnenden Verwandten und Freunden wird der Todesfall auf unerklärbare Weiſe durch ein Zeichen, fei es ein Klopfen , ein Knall oder der- gleihen, angemeldet. (Soldau.) Die Leiche ſtellt man nie vor einem Spiegel; muß e8 geſchehen, wenn z3- B. die Räumlichkeit eine andere Stellung nicht geſtattet, fo wird der Spiegel verhängt. (Gilgenburg.) | In dem Zimmer, in welchem die Leiche liegt, wird jeder Spiegel: ſorgfäl- tig verhängt, damit nicht das Bild der Leiche im Spiegel -- alſo gleichſam zwei Leichen geſehen werde, weil ſonſt bald Jemand von den Angehörigen des Ver- ſtorbenen nachfolgen muß. (Lubainen.)*) ') Hinz, S. 101. 2) Hartg. Zeitg. No. 8. *) Hinz, S. 83. *) Vgl. auch Hinz, S. 101. *) Hartg. Zeitg. 1866, No. 9. *) Die bei Hint, S. 83, gegen Ertan dieſes Gebrauches iſt ſicher nicht richtig.

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- 107 - ' - Wenn man durchs Fenſter auf eine Leiche ſieht, bekommt man Gelbſucht. (Rubainen.) Durchs Fenſter darf man eine Leiche nicht betrachten. (Gil- genburg.) Die Leiche darf nie auf dem Familientiſche ſtehen ; ſonſt ſtirbt aus der Familie bald einer na<. (Gilgenburg.) Zahnſchmerzen heilt man vamit, daß man den Zeigefinger des Todten auf den ſchmerzenden Zahn drüdt.') Das Blut von Hingerichteten bringt GlüF> und man fährt, um davon zu erlangen oft mehrere Meilen. (Neidenburg.) Namentlich ſtreben darnach Kaufleute. Denn wie bei der Hinrichtung eine große Menge Menſchen zuſammenkommt „(wenigſtens bei den früheren öffentlichen Hinrichtungen zuſammenkam), ſo ftrö- men dann bei ihnen die Käufer zuſammen. (Willenberg.) Ein Finger von einem Ermordeten öffnet alle Schlöſſer. (Lubainen.) * Eine mit dem Fette Ermordeter genährte Lampe macht unſichtbar. Die- ſer Aberglaube kam noh 1864 bei einem in der Niederung verübten Mord zur Sprache. Tritt der Mörder an die Leiche des Ermordeten, während dieſe unterſucht wird, ſo beſpritzt ihn das Blut der Leiche, wo er auch ſtehe. -- Der aus dem Niebelungenliede bekannte Glaube. (Lubainen.) Wenn ſich Jemand erhängt hat, ſo ſtürmt es, und erſt an dem Begräb- nißtage deſſelben, alſo am dritten Tage, legt ſih der Sturm. (Lubainen.) Sargſpäne mit Schnaps braucht man gegen das Verheben oder Ver- brechen. (Lubainen.) .An dem Zwirnsfaden, mit welchem man Leichenkleider näht, darf nie ein Knoten gemacht merden. (Gilgenburg.) Jeder Leiche müſſen Schuhe und Stiefel angezogen werden. (Gilgen- burg.) Eine Frau drohte ihrem Manne: „I< ziehe dir, wenn du im Sarge Uegſt, Chodaki's (Riemenſchuhe) an; dann kommſt du zu ſpät zum jüngſten Gericht! Wel<he Sande! Einer weiblichen Leiche dürfen keine Haarnadeln mit in das Grab ge- geben werden, weil ſonſt die zurü>bleibenden Angehörigen die heftigſten Kopf- ſchmerzen bekommen und nicht eher lo3 werden, als bis die Leiche wieder auſgegraben und die Nadeln entfernt ſind. Neulich trat der Fall in Hohen- ſtein ein. In einzelnen Familien, aber nicht überall, herrſcht die Sitte, dem Todten ein Geldſtü> in die Hand zu legen. (Wallendorf.)?) 1) Hart. Zeitung 1866, No. 9. 2?) Helwing ſagt in der Lithogr. Angerd. P. I. 1717, p.- 93: Quod autem nummos gepulerales attinet, eos ori demortuorum pro viatico veteres Prussos indidisse, constans est historicorum gententia, qua Superstitione adhue hodienum ita ſascinatae gSunt nonnullae vetulae, ut ibi ab ea temperare non posgint»

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-“ 108 = Iſt die Leiche gewaſchen und angezogen, ſo giebt man ihr ein Geldſtü> in die Hand, um damit anzudeuten, daß ihr alles rechtlich abgekauft ſei. (Lu- bainen.) Auch kömmt es vor, daß man dem Todten Geldſtü>e, gleihſam den Lohn für ſeine hier vollbrachte Arbeit in die Hand drü>t, wobei man ſpricht: „Jett haft. du deinen Lohn erhalten, darfſt alſo niht mehr kommen.“) Auf die Bruſt legt man dem Toden ein Geſangbuch und kleinen Kindern giebt man Sträuße und vergoldete Aepfel in die Hand, damit ſie bei ihrer An- kunft im Paradieſe auf der großen für ſie zum Spiel beſtimmten Wieſe ſpielen können. (Gilgenburg.) Das Waſſer, mit welchem die Leiche abgewaſchen iſt, wird aufbewahrt und wenn die Leiche auf die Bahre und hinausgetragen iſt, ſo geht die Frau, welche die Leiche gewaſchen hat, mit dem Waſſer hinaus und gießt es hinter der Bahre oder dem Leichenwagen aus. Das ſoll bedeuten: wenn der Geiſt des Todten zurü>kommen will, wird ein See vor dem Hauſe ſein und da kann er nicht hinüber. (Hohenſtein.) Das Waſſer mit welhem die Leiche gewaſchen iſt, bleibt i in der Schüſſel unter dem Sarge ſtehen und wird erſt, wenn dieſelbe hinausgetragen worden, - nebſt dem Kamm, mit welhem man die Leiche gekämmt hat, hinausgeſchafft. (Gilgenburg.) Die Schüſſel ſammt dem Waſſer, mit welßhem der Todte gewaſchen iſt, wirft man dem Sarge aus dem Hauſe na<. (Hohenſtein.) Dies geſchieht, damit es ſpäter nicht ſpuke. (Willenberg.) Wenn die Leiche hinausgetragen wird, kehren ſie die Stühle um, mit den Füßen nach oben. Wenn dies verſäumt wird, ſo ſtirbt im nächſten Jahre wieder ein Mitbewohner des Hauſes. (Hohenſtein.) . So lange die Leiche unbeerdigt iſt, hält fich die Seele in ihrer Nähe auf und wird zuweilen ſichtbar. Kleine Kinder haben oft ihre verſtorbenen Mütter geſehen und mit Fingern na< ihnen gezeigt. Wird die Leiche aus der Stube getragen, ſo muß an die Thürſchwelle eine Axt gelegt werden, über welche die Leiche fort muß. Desgleichen müſſen Thüren und Fenſter eine Zeit lang offen bleiben, damit auch die Seele, welcher der Abſchied von dem Drte ihrer Wirk- ſamkeit zuweilen ſchwer iſt, denſelben langſam unbehindert verlaſſen kann. Beim Hinaustragen zum Friedhof nimmt die Seele auf dem oberen Theile des Sarges Plaß und verläßt erſt bei dem Verſ<harren des Leichnams den Ort ihrer irdiſchen Wallfahrt. Wird der Geiſt (dusza) durch ein zu zeitiges Zu- 88d erueigeros dentibus demortuorum, quamvis id claneulum fiat, imwittunt. Vgl. Preuß. Archiv 1790, S. 609. R, P. Prov.-Bl. 1848, Bd. 2, S. 338. 1) Hartg. Zeitg, - a. a. O.

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= 0 -- ſchließen der Thüren und Fenſter von dem Leichnam gewaltſam zurüFgehalten, ſo bleibt er überhaupt zurü& und beunruhigt als SpuF das Haus. (Gil-.. " genburg.) - Wenn die Leiche aus dem Hauſe getragen wird, ſo wird alles Vieh aus den Ställen gelaſſen, damit ſein früherer Herr es noch ſegnen könne. Auch an. den Bienenſtöden wird das De>holz "abgenommen und ſo lange offen gelaſſen, bis die Leiche beerdigt iſt, damit auch die Bienen ſeinen Segen erhalten können. (Wallendorf.)') ; Wenn das Vieh den todten Herrn geſehen hat, ſoll e8 noh lange traurig - umhergehen. (Lubainen.) Wenn die Leiche auf den Kir<hof gebracht wird, ſo öffnet man alle Thüren des. Hauſes, um anzuzeigen, daß auch nach des Hausherrn Tode alles unange- rührt bleibt, wenn auh nichts verſchloſſen iſt.?) In Maſuren öffnen manche vor Ausführung der Leiche alle Stallthüren , und legen auf die Stelle des Thorweges, welche die Leiche paſſiren muß , eine Axt und ein Schloß. (Gehſen.)3) Die Richtung des Windes wird an dem Begräbnißtage ſehr beobachtet. Zieht der Wind na< dem Gehöft des Verſtorbenen, ſo bleibt die Wirthſchaft im alten Geleiſe; hat er"aber die entgegengeſezte Richtung, ſo kommt dieſelbe in nächſter Zeit zurü&.*) . - Wenn die Leiche des Bauern von ſeinem Hofe weggetragen wird, wer- den auf der Grenze ſeiner Beſizung gegen die Straße zwei Aexte oder Beile . über Kreuz gelegt und über dieſe müſſen die Träger die Leiche wegtragen. (Wallendorf.) .Der Geiſt des Verſtorbenen, welher ſich bis zum Begräbnißtage im Sterbehauſe aufhält, folgt jederzeit ſeinem Leihname, wenn er zum Vegräßniß gefahren wird. (Soldau.) Kommt die Leiche bei ihrem lezten Wege über eine Grenze, ſo wirft man ' eine Hand voll Stroh von dem Leichenwagen, damit der Geiſt des Todten ſich ſeßen und ausruhen könne. (Lubainen.) ? Auf jedem Kreuzwege liebt es der Geiſt auszuruhen. Es wird daher ein Bund Stroh auf dem Kreuzweg gelegt , damit der Geiſt ſich niederſeßen könne. (Soldau.) 1) Wenn der Hausherr geſtorben iſt, muß man den Bienen davon Anzeige machen und ihnen Trauer geben, d, h. an jeden Korb oder Sto> ein ſchwarzes Läppchen befeſti- gen. Wird das unterlaſſen, ſo glaubt man allgemein, daß die Bienen in ihren Be- hältniſſen ausſterben. Dieſelbe Tode8anzeige wird auch dem Vieh und namentlich den Schafen gemacht. Das ſogenannte Trauergeben fällt aber bei dieſen fort. N. P. Prov.» * Bl. 1846, Bd. 1, S. 398. *) Hartg. Ztg. a. a. O. *) Hinh, S. 102. *) Hartg. Ztg. a. a.D. -

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- 110 -- Wird die Leiche zur Beerdigung nach dem Kirchdorf gebracht, ſo wird das Stroh, auf welhem der Tod erfolgte mitgenommen, und beim Zurüfah- ren auf die Dorfgrenze geworfen. (Gilgenburg.)') Das Stroh von der Bahre wird verbrannt, entweder auf der Grenze der Dorfſſchaft oder auf dem Grabe. (Willenberg.) E3 iſt nicht gut, wenn ein Wagen oder Reiter einem Leichenzuge be- gegnet: denn er nimmt den Todten wieder in das nächſte Dorf oder in die nächſte Skadt mit zurü>, und dann ſtirbt bald Jemand aus dieſem Orte. ( Ho- henſtein.) . Wenn der Leichenzug einem Wagen begegnet, ſo ſtirbt einer von denen, . welche auf dem Wagen ſitzen, im nächſten Jahre. (Hohenſtein.) Wenn bei der Beerdigung einer Leiche die Grube einfällt, was bei ſandi- gem Ader häufig vorkommt, ſo ſtirbt ſehr bald einer von denen, die da3 Grab umſtehen. (Soldau.) Wenn einem von denen die das Grab umſtehen, etwas in das Grab ent- fällt, ſo ſtirbt er bald. (Hohenſtein.) Derjenige, von deſſen Habe etwas in den Sarg gelegt iſt und mitbegraben - wird, ſtirbt bald. (Hohenſtein.) Wenn einer dem etwas geſtohlen iſt, ein zufällig no< vorhandenes Stü> des geſtohlenen Zeuges, Holze3 oder dergleihen mehr in das Grab wirft oder “ ſonſt-auf dem Kirchhof vergräbt, ſo verdorrt der Dieb, wenn er das Geſtohlene nicht bald zurükbringt. (Lubainen. Hohenſtein.) Dem Kinde, welches die Eltern geſchlagen hat, wächſt die Hand zum *- Grabe hinaus. | Auf dem Kirc<hof darf man keine Blume riechen, ſonſt verliert man den Geruch. (Hohenſtein.) Geht der erſte Todtenträger nac< Hauſe, ſo begleitet ihn der Todte, wo»--: durch der Unerſ<hrodene aber nicht aus der Faſſung gebracht wird, der alsdann fragt: Habe ich dir dein Bett gut gema<t? Wenn ich es dir nicht gut gemacht habe, ſo werde iH es beſſer machen; dann erſt geht der Todte beruhigt in ſein Grab.*) < Der Todte kommt zu dem Gewerk, wo die ſhwarzen Trauermäntel auf- bewahrt werden, ſich zu bedanken. (Hohenſtein.) 3) Aus andern Gegenden Preußens wird gemeldet: Sehr allgemein iſt der Ge- brauch verbreitet, ſobald der Leichenzug die Grenzen des Kir<dorfs berührt, oder bei der Rüdkehr :vom Begräbniſſe an dieſer Stelle ein Bündel Stroh auszuwerfen -- ſogenann- tes Todtenſtroh =- welches zulezt einen großen Haufen bildet, an den ſich mancherlei Aberglauben knüpft, beſonders der: „Damit der Verſtorbene bei ſeiner Wanderung ins Trauerhaus ſich darauf ausruhen könne; ohne ein ſolches Bündel zu finden, würde der- ſelbe nicht heimkehren.“ Hink, S. 102, *) Hartg. Ztg. a. a. O. .

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= 6563 Die Handtücher, womit der Sarg in die Gruft geſenkt wurde, werden zu Hauſe an die Thür gehängt, dahinter iſt dann der Tod.) : Da die Seele vor der Beerdigung an der Leiche bleibt, ſo ſtellt man in“ die Nähe der Leiche einen Stuhl hin, damit ſich die Seele auf ihn ſeßen könne. (Gilgenburg.) ; Am Abend des Begräbnißtages ſtellt man dem Todten einen Stuhl in vas Sterbezimmer, hängt ein Handtuch an die Thüre und erwartet ihn ſo: Denn der Todte kommt an dieſem Abend zurüd, ſett ſich auf den Stuhl, weint ſehr und tro>net ſeine Thränen an dem aufgehängten Handtuche. Dann ver: ſ<windet er für immer. (Lubainen.) Nach bem Begräbniß wird ein Stuhl in der Stube an die Thür geſtellt, ein Handtuch daneben gehängt, uud die Nacht über brennt ein Licht. Der Todte kommt fich dann bedanken. (Hohenſtein.)*) Wenn die Leiche aus dem Sterbehauſe hinausgetragen wird, (in dieſer Beſtimmung weicht dieſe Relation von allen verwandten über denſelben Gegen- ſtand ab), wird ein Stuhl mit einem Handtuch hingeſtellt, damit der Verſtor- bene alle Todtenfeierlichkeiten mit anſehen könne; dann wird die Leihe weg- getragen. Doh geſchieht das nur, wenn der Wirth, der Vater des Hauſes, der Beſizer des Ganzen begraben wird. Der Tod kommt ein- oder mehr- * mals längere oder kürzere Zeit, bis zum 3ten, Iten, löten Tage oder bis zum Ablauf .von 4 Wochen zurü> und bedient ſich dann des Stuhles und Handtuchs. (Waltendorf.) 2) Wenn Jemand geſtorben iſt, de>en ſie ein Tiſchtuch über die Leiche; dies Tiſhtu<h de>en ſie beim Leichenſ<hmauſe über den Tiſch, auf welhem das. Leicheneſſen ſteht. Dann kann Niemand etwas genießen, wie hungrig er auc< ſei. (Hohenſtein.) * 1) Hartg. Ztg. a. a. O. *) Vgl. die Notiz in den N. P. Prov.-Bl. 1846, Bd. 1, S. 132: Der Todte, deſſen Leiche hübſch geſ<hmüdt iſt, kommt ſich nach dem Begräbniß dafür bedanken; daher muß man die Leichenkleider gut zunähen, indem ſie der Todte ſonſt, wenn er: aus dem Grabe auſſteht, verlieren würde. *) Aus deuſchen Gegenden Preußens wird. folgendes berichtet: Bei der Rü>kehr vom Begräbniſſe ſtellt man in der “Stube neben der Thüre einen Stuhl hin, der auc von Niemanden eingenommen werdeu . darf. Auf dieſen werden bisweilen auch die Handtücher gelegt, mit welßhem der Sarg ins Grab geſenkt wurde. Oft wird im Trauerhauſe ein Winkel des Zimmers mit einem weißen Tuchs- verhängt, damit von dort aus der Verſtorbene ungeſtört den Begräbniß:- Feierlichkeiten zuſehen könne. Beim Begräbnißmale wird ein eigener mit Speiſe und Trank .beſezter Platz für den Verſtorbenen offen gelaſſen. Hing, S. 102. Die alten Preußen luden ihre Verſtorbenen nach J. Meletius in Act. Bor. T. Il. .p. 411, vgl. H. Meletius im Erl. Preußen, Bd. 5. S. 718, zum Todenmahle und warfen die für ſie, beſtimmten Speiſen unter den Tiſch, goſſen ebenſo auch von dem Getränke für ſie auf den Boden.. Höchſt merkwürdig iſt es mir nun, daß J. Meletius dabei ausdrü>lich be-“ merkt : Die Verwandten halten ihre Todtenmähler am 3ten, 6bten, en und- 40ſten Tage: - -

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=“ 112 = Um Extſparniſſe bei dem Todtenmahle zu machen, nimmt wohl dieſer und jener den Lappen, mit welchem die Leiche gewaſchen wurde und fährt damit über die Speiſen.!) Tie Trauer um den Dahingeſchiedenen iſt nicht andauernder und tief- gehender Natur. Bei dem Trauermahle wird dem Branntwein fleißig zu- geſprohen. Mit einem „Ewige Ruh gieb dem Herrn“ (oder der Frau) erhebt man das Glas um zu trinken ; gleiß darauf geht daſſelbe mit demſelben Be-. gleitwort weiter, das dauert dann ſo lange, daß mancher trunken wird.*) Den Furchtſamen kurirt man bei ſolhen Gelegenheiten auf folgende Weiſe: Man ſetzt oder legt ihn auf das Brett oder den Tiſch , auf welhem die Leiche vor dem Einſargen ruhte, und da muß er ſo lange liegen, bi8 die Kälte (Schauder) tüchtig durcrieſelt. ?) Die bei der Geburt eines Kindes oder bald darauf geſtorbene Mutter kommt jede Nacht vom Himmel herab, um ihrem Kinde die Bruſt zu reichen, und zwar thut fie dies 6 Wochen hindurch vom Begräbnißtage (nicht vom Sterbetage, der dabei mehr Nebenſache iſt) an gerechnet. (Wallendorf.) . Todte darf man nicht zu ſehr beweinen, da ſol<hes ihrer Ruhe ſchadet. Den Leichnam oder die Leichenkleider darf Niemand mit Thränen oder Schweiß benegen, denn die in der Erde vor ſich gehende Verweſung theilt ſich auch den Thränen mit, und dies hat den Tod desjenigen, der ſie vergoſſen, zur Folge. (Gigenburg.) | Die Thränen der Mutter laſſen dem verſtorbenen Kinde im Grabe keine Ruhe; ſie befeuchten ſein Todtenkleid. Das Kind findet ſeine Ruhe erſt, wenn die Mutter ſich beruhigt hat.*) | Stirbt in einer Familie das erſtgeborne Kind, ſo darf es die Mutter zum Friedhof nicht begleiten. Thut ſie es dennoch, ſo bleibt ihr kein Kind“ mehr am Leben. Sterben Eheleuten zu viele Kinder, ſo muß, um in Zukunft ſolchem Unglü> vorzubeugen, die Leiche dur<s Fenſter hinausgetragen werden. (Gilgenburg.) Waſſer, welhes vor der Thür ausgegoſſen wird, muß man entweder. dicht vor ſeinen Füßen oder an die Wand gießen, weil man ſonſt einen der - fih gewöhnlih an den Hausthüren aufhaltenden Geiſter begießt, und dieſer dann traurig iſt. (Lubainen.)) | Nicht jede Seele kommt na<h dem Tode gleich an ihren Beſtimmungs- ') Hartg. Ztg. No. 9. 2) Hartg. Ztg. a. a, O. *) Hartg. Ztg. No. 9. 9 NP. : Pr.-:Bl. 1850, Bd. 2, S. 469. Vgl. Grimm, Kinder- und Hausmährchen, Bd. 2, S. 120. -' 8) Auffallend iſt die Notiz in der Hartg. Ztg. No. 9: „Den Eintritt in das Haus ver- * wehrt man dem Verſtorbenen, wenn man eine Axt an die Schwelle legt.“ Wir erwähn- * ten, daß eine Axt oder zwei beim Austragen der Leiche auf die Schwelle gelegt wird; darnach macht aber die Leiche noch ihre Beſuche.

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-“ 113 - ort; manche hat eine ſchwere Schuld abzubüßen und führt noch lange hier ein elendes Daſein, indem ſie fort und fort um Erlöſung bittet. (Gilgenburg.) Der hier in Hohenſtein vor wenigen Wochen verſtorbene S., welcher übri- gen3 einen Kobold hatte, ſoll nach ſeinem Tode no< umgehen. Am Be- gräbnißtage ſoll er nac< Zurükunft der Leichenbegleiter mit einem Knüttel an ver Kammerthür geſtanden und der Frau gewehrt haben, jeneu aus der Kam- mer Num oder Schnaps zu verabreichen. Ein Steinſprenger verſichert, ihn in der Allee nach dem Stadtwalde getroffen zu haben, wo er ihm fortwährend den Weg vertrat, und deshalb für dieſen Tag nicht zur Arbeit auf den Plan gegangen, ſondern voller Furcht und Shre>en na<h der Stadt zurügekehrt zu ſein. Die Gabe, Geiſter zu ſehen, welche Sonntagskinder haben, iſt mit großen Beſchwerden verbunden, da ſie ſehr oft Seelen der Hingeſchiedenen und andere Geiſter auf den Kirchhof tragen und ſo manchen ihrer Befehle ausführen müſſen. So habe ich, berichtet der Rector Gerß in Groß-Stürla>, in Nicolaiken einen bejahrten Mann mit Namen Joppek gekannt, der allgemein als Geiſterſeher bekannt war. Er war zu redlich, als daß man ihn für einen Betrüger hätte halten kämen, jedoch ſchien er, obwohl förperlich gejund, tieffinnig. Stets war er in Gedanken verſunken , die ihn quälten. Nicht ſelten verließ er gegen Mitternacht ſein Lager, ging keuchend auf den Kirchhof hin und kehrte von hier ſehr ermüdet und mit Shweiß bede>t zurüf. Auf dem Heimweg redete er mit Niemanden, no< gab er demjenigen, der ihn angeredet hatte, eine Antwort; zu Hauſe erzählte er aber, daß er ſo und ſo viel Geiſter zum Friedhof hätte tragen müſſen. War ein Menſt geſtorben, ſo behauptete er, daß er mit der Seele des Hingeſchiedenen geſprochen habe, welhe ihm die und die Aufträge an die Hinterbliebenen gegeben. Jn der Kirche trat er ſehr oſt während des Gottesdienſtes vor den Altar und ſtand eine geraume Zeit regungslos da. Hinterher erzählte er, daß er jſol<hes auf Befehl der Geiſter habe thun müſſen. Eipmal hatte er bei dieſer Selegenheit die Gemeinde ſtillſhweigend mit der Hand gejegnet. Nach beendigtem Gottesdienſte erzählte er, daß ihm der ver- ſtorbene Pfarrer Raabe (+ 1828) erſchienen wäre, der, dem Volke unſichtbar, vom Altare herab die Gemeinde geſegnet und ihm befohlen habe, gleichzeitig daſjelbe zu thun. Die unteren Volk5klaſſen glaubten ſteif und feſt an ſeine Geiſterſeherei.') Eine Frau in Nicolaiken, welche mit einer bei der Abendmahlsfeier ihr verabreichten Oblate Ungehöriges unternommen haite, fand nach ihrem Tode keine Ruhe und wankte lange auf der Erde umher. Endlich trug ſie einem Geiſterſeher auf, ihrem Manne das Geheimniß zu hinterbringen. Sobald der 3) R. Pr. Pr.-Bl. 1850, Bd. 2, S. 467.

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= ut die Oblate gefunden und nach der Kirche gebracht hatte, ſo kehrte die Ruhe auch bei ihr ein. (Nicolaiken.) In Nicolaiken hörte der GlöFner, als er an dem Weihnactsfeſte früh erwachte und ſich erhob, zur Frühmeſſe zu läuten, in der Kirhe Geſang. Er glaubte, er hätte verſchlafen und eilte zur Kirche. Die war hell erleuchtet und von Menſchen angefüllt; es waren aber lauter Verſtorbene, auch der verſtorbene Pfarrer ſtand am Altare. Der Glö>ner erſchrak und eilte zu dem lebenden Pfarrer, um ihm zu melden, was er geſehen hätte. Während deſſen nimmt die Geiſterſtunde (der GlöFner war um Mitterna<t erwacht) ihr Ende und die Geiſter ſtürzen haſtig zur Kirhe hinaus. Eine lebendige Frau, welche auh um Mitterna<t erwacht war und über den Kirc<hof zur Frühmeſſe nach der Kirche wollte, gerieth unter die Menge, erkannte bald, daß es Verſtorbene wären, und wollte entfliehen. Aber die Geiſter folgten ihr, riſſen ihr den Mantel von den Schultern (von welhem man die Stüe ſpäter auf den Gräbern fand) und erſchre>ten ſie ſo, daß ſie kurze Zeit darauf ſtarb. (Nicolaiken.) Auch der Glauben an die Vampyre, jene unruhigen Leihname, die Le- bendigen das Blut grauſamer Weiſe ausſaugen und ſie mit ſich in die Gräber gehen, iſt den Bewohnern Preußens früher nicht ganz fremd geweſen. Hen- nenberger berichtet, wie man das Shmaßen und Freſſen der Verſtorbenen in den Gräbern geſehen und bemerkt habe, und daß ſol<he8 vornehmlich im Jahre 1564 bei der in Preußen wüthenden Peſtilenz geſchehen ſei.*) Der Anger- burger Pfarrer Helwing giebt folgende Nachri<t: Als im Jahre 1710 die Peſt bei uns heftig wüthete und inſonderheit in dem volkreihen Dorfe Horſen viel Menſchen hingerafft wurden, brachten einige auh dieſes als ein Peſtconfi- lium auf die Bahn, daß man einen an der Peſt Verſtorbenen ausgraben ſollte, und zwar einen ſolhen, an dem man einige Zeichen bemerken würde, daß er ſi im Grabe zu freſſen angefangen. Es geſchah: die Todtengräber fanden aber keinen, der ſich ſelbſt gefreſſen. Endlich gaben ſie einen, den ſie ſelbſt zerfleiſcht hatten, für einen ſolchen aus. Dieſem wurde ſollenniter der Kopf abgeſchlagen, und ſo wurde der Körper nebſt einem lebendigen Hunde in die Gruft geworfen; aber die Peſt hörte nicht auf.?) Piſanski endlich um 1756 *) meint, dieſe unverſchämten Bluthunde, denen von den Gelehrten aller Credit abgeſprochen ſei, möhten nun wohl etwas beſcheidener geworden ſein. Jn- deſſen, fährt er fort, iſt der gemeine Mann ihrethalben noch nicht ohne alle Fur<t. Er beweiſet ſolche durch die Sorgfalt an erblaßten Körpern vor ihrem Begräbniſſe. No< iſt an vielen Orten der Gebrauh, daß man den Sarg, 3) Hennenberger, Erklärung der, Landtafel, S. 324, 325. Vgl. Dexſc<how , Chriſtli- <he8 Bedenken von der Peſtilenz, Königsberg 1623, 4. S. 21. 2) Jn der Breslauer Sammlung naturwiſſenſchaftlicher u. a. Nachrichten, 1722, Januar p. 83. *) a. a. O.

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=“ 116 = wenn er eben in die Gruft geſenkt werden ſoll, noH einmal eröffnet und das- jenige, ſo etwa von den Leichenhüllen durh8 Schütteln unter dem Forttragen dem Verſtorbenen zu nahe an den Mund gekommen, wohlbedähtig wegräumet, weil man in dem Gedanken ſtehet, daß dieſes ihm die erſte Gelegenheit geben könne, um ſich zu freſſen.“ In der Hölle werden die Seelen in Pech gekoHt. Do giebt es auch noh beſondere Strafen. Wer ein Net geſtohlen hat, was für eine der größten Sünden gehalten wird, muß nah ſeinem Tode, na<dem ihm die Nägel aus allen Fingern herausgeriſſen ſind, mit dieſen Fingern alle Knoten des Netes aufknüpfen. (Gilgenburg.)

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Anhang maſuriſcher Sagen und Mährchen.

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u a in 1. Sagen. Die Krügerin zu Eichmedien. Eine Krügerin zu Eichmedien (zwiſ<hen Rhein und Raſtenburg) war ſo gottlo3,“ den Bauern öfters zwei Stof Bier ſtatt eines anzuſchreiben. Die Bauern aber merkten das, und als es nun zur Bezahlung kam, hielten ſie ihr den Betrug vor und ſprachen zu ihr: Wollt ihr zu Gott kommen, ſo müßt ihr recht thun. Andere ſprachen: Sie hat zu Gott nicht Luſt, ſondern zum Teufel. Die Krügerin aber fing darauf an ſich zu verfluchen, daß ſie der Teufel mit Leib und Seele vor ihren Augen wegnehmen ſollte, wo ſie ihnen auf einen Stof Unrecht gethan hätte. Der Teufel aber hat nicht geſäumt, iſt ſtra>s in die Stube gekommen und hat ſie vor ihren Augen angefaßt. Dabei iſt ein ſchre>lihes8 Sauſen und Brauſen in der Stube geſchehen, .und die Anweſenden haben ſich ſo erſ<roden, daß ſie für todt zu Boden fielen. Der Teufel aber hat ſie zum ſc<hwarzen Gaul gemacht und iſt auf ihr denſelben Abend nach Shwarzſtein vor die Schmiede geritten, da hat er den Schmied gewe>t und von ihm verlangt, er ſollte ihm ſeinen Klepper beſchlagen. Der Schmied wollte nicht, da das Feuer ſchon ausgelöſ<ht, und auch ſein Geſinde zur Ruhe gegangen war. Aber der Teufel hat nicht nachgelaſſen, ſondern hat geſagt: I< habe Briefe, die muß ich noh dieſe Nacht zur Stelle bringen; wo du nicht wirſt auf- ſtehen und mir meinen Klepper beſchlagen, ſo will ich dich vor meinem gnädig- ſten Herrn verklagen. Da erſchrak der Shmied, ſtand auf und fertigte die beiden Hufeiſen. Wie er nun aber die Eiſen dem Pferde auf den Fuß gelegt hat, fing das Pferd an zu: reden und ſagte: Nur ſacht, Gevatter, denn ich bin die Krügerin aus Eichmedien. Der Schmied erſchrak, daß ihm die Zange ſammt dem Eiſen aus den Händen fiel. Der Teufel hat ihn immer angetrieben, ſich zu fördern, denn er müßte noh die Nacht mit den Briefen zur Stelle ſein. Aber der Schmied, halbtodt vor Entſezen, kam mit der Arbeit nicht vorwärts

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-- 199 -- und endlich krähte der Hahn. Da iſt das Pferd wieder zum Menſchen gewor- den. Der Teufel hat die Krügerin dreimal aufs Maul geſchlagen, daß ihre Lebtage ſeine Finger und Klauen in den Baden zu erkennen waren, „ſind alſo wie Theer geronnen geweſen“, und iſt verſchwunden. Die Krügerin hat her-. nach no<h ein halbes Jahr gelebt, aber ſie iſt umhergelaufen wie „ein unſinni- ges Menſch“ und konnte weder eingeſperrt no< angebunden werden; auch die Sprache hatte ſie verloren. Die Hufeiſen wurden zu Schwarzſtein in die Kir<he gehängt, wo ſie noch der Biſchof Paul Speratus bei einer Kir<henviſitation im Jahre 1562 geſehen hat. Dieſe Begebenheit ſoll ſich im Jahre 1473 er- eignet haben.) - Geizbauch. Als der Hochmeiſter Friedrich von Sachſen aus dem Lande gezogen war (1507), da ſaß ein Pfleger zu Paſſenheim, den die Unterthanen ſeines Scin- dens wegen den Geizbauch nannten. Der verbot den Fiſchern, welche das Recht hatten zu ihres Tiſches Nothdurft in den herrſchaftlichen Seen zu fiſchen, dem Gewerbe nachzugehen. Die Bauern beriefen ſich auf ihre Gerechtigkeit, aber vergebens, und fijhten troß des Verbotes. Der Pfleger wollte ſie pfänden laſſen, fie aber ſezten ſih zur Wehr und erſchlugen einen der Amtsdiener. Da nahm der Pfleger ihnen die beſten Pferde und Ochſen, womit ſie den Hals löſeten, und nun mußten ſie ſich der Fiſcherei enthalten. Aber von dieſem Tage an vermochte der Pfleger mit ſeinem Garn nicht einen Fiſch zu fangen. Er hielt das nicht für Gottes Strafe, ſondern für Waideley (Zauberei), gab es den Weibern Schuld, die ihm Garn und Fiſche bezaubert hätten, ſekte fie ein und ließ ſie durch den Henker befragen (foltern), fand aber doh nichts an ihnen. Ein tüchtiger Taucher, der drei Stunden unter dem Waſſer bleiben konnte, mußte, während die Garne des Pfleger3 gezogen wurden, in den See ſpringen und verſicherte dem Pfleger, daß viele Fiſche im See wären, ſich aber meiſterlich vor dem Garn zu hüten wüßten; der Pfleger meinte, er wäre von den Bauern beſtohen. Darnah wandte er ſich an eine Waidlerin, von der er erfuhr, ſie könnte benehmen, was Andere bezaubert hätten. Sie aber ſagte ihm, daß e8 von Gott herkomme, der ihn um ſeiner Ungerechtigkeit willen ſtrafe, und daß es nicht gebüßet und gebeſſert werden könne, er ſtürbe denn zuvor mit allen Fiſchen im See; dann würde der See au< wieder fiſchreich * werden. Aber der Pfleger meinte, ſie wäre auch überkauft und ritt mit Flüchen davon. Nicht lange darnach wollte der Pfleger jagen. Er ſtößt plößlich auf 1) Sie wird noch ausführlicher erzählt im Erläuterten Preußen, Bd. 1, S. 195--200 und 858, Vgl. Hennenberger. S. 429. Tettau und Temme, Volksſagen, S. 193.

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=“ 2 = einen grauſamen Bären, der ſich gegen ihn aufrichtet. Sein Pferd erſchriekt und geht durh. Der Pfleger will es zügeln, aber der Zaum zerreißt, und das Pferd jagt unaufhaltſam vorwärts in den bezeichneten See, darinnen Pferd und. Maun ertrank. Am andern Tage fand man die Fiſche in dem See auch todt "und auf dem Waſſer ſhwimmend. In demſelben Jahre war kein Fiſch in dem See, hernach aber waren Fiſche genug darin, wie zuvor. Simon Grunau, welcher im Anfange des ſechzehnten Jahrhunderts die Sage zuerſt erzählte, nennt den See. niht mit Namen, Hennenberger hörte aber von den Paſſenheimern, es ſolle der Lelesken ſein.!) Strafe der Unzucht in Kehl. Zu Kehl, einem Dorfe am Mauerſee, etwa eine halbe Meile von Anger- burg. gelegen, hat ſich der Teufel im Jahre 1564 gar ſc<hre>lich bewieſen. | Vier Perſonen, die ſchon vorher in verdä<htigem Umgange mit einander gelebt hatten, begaben ſich am Tage der unſchuldigen Kindlein (28. December) von Branntwein berauſcht in ein kleines nach polniſcher Weiſe aus Holz erbantes Häuschen und verſchloſſen ſich in demſelben von Innen, um in demſelben ihre Un- zuht.zu treiben. Aber der Teufel hat nicht lange auf ſich warten laſſen; er iſt plötzlich unter ihnen geweſen und hat erſtlih dem einen Paar, Paul und Ger- trud geheißen, die Hälſe ab- und umgedreht. Als die andern, Roſa und Be-“ nedikt, ſolches geſehen, wollte Benedikt zur Thür hinaus, aber der Teufel hat ihn zurügeriſſen, daß die Haut von ſeiner Hand an dem Thürſchloß kleben blieb, und au< ihm „den Hals entzwei gebrochen“. Der Roſa hat er nicht bloß den Hals entzwei gebrochen, ſondern ihr auch den ganzen Leib von den Beinen bis zur Bruſt verbrannt, daß von Fleiſch und Eingeweiden nichts übrig blieb; „das Fett von ihr (denn ſie eine völlige Magd geweſen) iſt in die Erde gefloſſen, daß man, da man do knietief gegraben, gleihwohl das Ende vom Fetten no< nicht hat finden können; hat ſo grauſam geſtunken, daß nicht davon zu ſagen iſt.“ Man wußte mehrere Tage nicht, wo die vier Perſonen geblieben waren, wiewohl die Menge und das Geſchrei der Raben und Krähen bei dem Häus<en allerlei Vermuthungen rege machten. Den Sonntag darauf (Domnerstag war das Unglü> geſchehen) wollten die Brüder der beiden Mägde von dem Bier trinken, welches in dem Häus<en aufbewahrt wurde, und brachen es, nachdem ſie.den Schlüſſel lange vergeblich geſucht, endlich gewaltſam auf. 1) Simon -Grunau, Preuß. Chronik XV1, 6, Hennenberger, S. 342 ff. Bei Tettau und Temme, Volksſagen Oſtpreußens 2c. iſt obige Sage übergangen. Dagegen glauben wir die Geſchichte vom ungerathenen Sohn, welche hier S. 144, nach Hennen- Herger S. 345 erzählt wird, unſererſeits übergehen zu dürfen.

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- 13 -- Da ſahen ſie die vier in jämmerlicher Geſtalt vor ſich liegen. : Ein heftiges Grauen kam ſie an, und mit Furcht und Zittern liefen ſie davon. Der. Teufel warf ihnen mit einer Paudel nah, traf aber keinen von ihnen ; ſondern über ihnen hinweg den Zaun. Später wurden die Körper nach einem Gebrüche ge- ſchleppt und da vergraben. Es kamen aber ſeitdem viele Fremde dorthin, den Ort zu beſehen. Das verdroß die Bauern, und ſie verſuchten das Häu8hen hin- weg zu bringen, indem ſie es unten los machten und große Bäume unterlegten, aber fie konnten es durchaus nicht bewegen, und es kam eine ſol<he Furcht über ſie, daß ſie die Bäume liegen ließen und davon gingen. So ſah das Häus- <en mit den untergelegten Bäumen noh der gelehrte Hennenberger im Jahre - 1573. Später wurde daſelbſt ein Monument aus Mauerwerk mit einer daz Ereigniß berichtenden und vor der Sünde warnenden Inſchrift in lateiniſcher, deutſcher, litauiſcher und polniſcher Sprache errichtet. Eine andere Verſion der Sage iſt folgende. Ueber die. Unzuht. in der Brachſtube wurde der Himmel entrüſtet, ſchwarze Gewölke umzogen ihn und außerordentliche Blite und Donner mußten dieſen Frevel beſtrafen. Alle vier Perſonen verbrannten in der Brachſtube, und zum Andenken dieſer abſcheuli- <hen That wurde die Säule errichtet. Ja, ſo oft die Mauer einſtürzt und yer- fällt, ſo oft wird die Dorfſhaft durch ein klägliches Winſeln und Heulen in den mitternächtlihen Stunden aufgefordert, die Säule zu erneuern und in den. ge- hörigen Stand zu ſeßen.') Teufelsaustreibung zu Clauſſen. * Folgende Begebenheit iſt in den Kir<henakten zu Clauſſen überliefert. - Anno 1640 hat Pfarrer Wisniewski aus einem römiſch -katholiſchen Weibe, ſo vom Teufel beſeſſen geweſen, am zweiten Sonntag na<h Trinitatis nach gehaltener Predigt, da die Gemeine das Lied: „Ein' feſte Burg iſt unſer Gott,“ mit großer Andacht geſungen, den Teufel Kobold -ausgetrieben, der ſie zu allem Böſen angeführt haben ſoll, daß ſie nicht nur ſich ſelbſt den Hals ab- ſchneiden, ſondern auch andern Menſchen das Leben nehmen und fie mit. Heu- forken und Miſtgabeln an die Wand ſpießen wollen; und da nach Ausfahrung der böſe Geiſt ſich auf der Kirchenſc<hwelle in angenommener gräulicher Geſtalt gezeiget, iſt pastor 1oci auf ihn zugegangen und hat ihm zugerufen: Exi male Spiritus et da locum spiritui sancto! Und da er ihm ſeine Sünden vor- 1) Hennenberger, S. 166. Vinc. Barfus vera historia de calamitoso et horrendo quatuqr personarum interitu furoribus diabolicis e medio aublatorum, Duntisci 1593. Val. L. A. v. Werner, Historiz de colnmna Kelinensi in den König3b. wöchentlichen Nachrichten 1744 No. 48, 1748 No. 49. Wollweber, im Preuß, Arc<iv 1791, S. 379- Y. Tettau und Temme, Volksſagen von Oſtpreußen, Litauen und Weſtpreußen, S. 173.

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= 1WB = geworfen: O ingrate, oblitus es domini dei creatoris tui omnipotentis, qui te creayit 8anctum, ged tu a 8e (!) ipso impurus et malus factus es! iſt der Teufel über die Maßen grimmig geworden und hat wie ein Löwe zu brüllen angefangen: „Exibo, non autem tuo jussu, 8ed ad interdictum Jean Nazareni“ habe aufgehört das Weib zu quälen, ſo wahr als ih Kobold bin, ſollſt du haben ein Andenken. Worauf er rüdlings mit ſeinem krummen Fuße “Auf einen- vor der Kir<hthür liegenden Stein einen Schlag gethan und in bemſelben einen ſeiner Fußtapfen dergeſtalt eingedrü>t, daß die große und drei andere Zehen eines Menſchenfußes und die Ferſe an demſelben Fuße, wie von: einem großen Hahnenfuß ganz deutlich zu ſehen find, worauf der Teufel verſchwunden. :Die Kunde von dieſer Teufel8austreibung in Verbindung mit dem Ab- dru> des Teufelsfußes in dem Steine vor der Kirhenthür bewog die Polen und Tartaren bei dem Einfall im Jahre 1656, dieſe Kirche nicht zu verbrennen. Bei vem Neubau der Kir<he im Jahre 1754 iſt der Stein von ſeiner bisheri- gen Stelle vor der Kirhenthür entfernt, damit die Shwangeren nicht über den- ſelben fortſchreiten dürften.*) Der Stand der Unſchuld. Vor grauen Jahren lebte ein Menſch, deſſen Heimath uud Wohnt bas unendliche Meer war, das er auf einem Pfahl (s1upek) von einem Ende zum andern befuhr. Eines Tages trieben die Wogen ihn ans Land, und dort fand er zu ſeinem Erſtaunen ein Weſen, wie er e8 bis dahin noh nie geſehen hatte, -- einen Menſchen. Dieſer wunderte ſich nicht minder über das wunder- bäxe Ausſehen des Ankömmlings' und ſeines Fahrzeuges und kreuzte ſich, als er erfuhr, daß jener, in großer Unwiſſenheit aufgewachſen, von Gott nichts Wiſſe. Aus Mitgefühl brachte er ihm das Vaterunſer bei und lehrte ihn mit kurzen Worten des Menſ<hen Weſen und Beſtimmung kennen. Dem fremden Ankömmling gingen auf einmak die Augen auf. Er begab ſich wieder auf das Meer, aber ſiehe! es trug ihn nicht mehr. Mit dem Vaterunſer lernte er auch fete Schwäche erkennen, und nie gelangte er zu ſeiner früheren Kraft wieder. » (Ans Gilgenburg.) 1) Aus dem Bericht des Pfarrer8 Groß zu Clauſſen an den Erzprieſfter Giſevius zu Johannisburg von 1786 (handſ<hriftlih bei der Kirche zu Lid), der ſich auf ältere Clauſſenſche Kirc<henakten beruft. 2) Obige Legende wird ſich ohne Zweifel in ſehr alten Quellen nachweiſen laſſen, doh vermag ich dies für den Augenbli> nicht. Die ſehr ſchöne Legende von dem Bette des Madai, welche mir von Klein Jerutten her mitgetheilt iſt, übergehe ich, da ſie in polniſcher Sprache gedrut iſt in A. Popliüski's Wybör prozy i Poezyi Polskiej, 3. Anfl., Poſen 1853, S. 139; ebenſo die Legende: Andacht des Knaben,

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- Die Andacht in der Kirche. Es war einmal ein Mann, der ſehr ungern in die Kirche ging; auf jede Aufforderung zum Kirchenbeſuc<h erwiederte er: Diejenigen, welche regelmäßig in die Kirche gehen, ſind nicht immer die beſten Menſchen, auch in der Kirche wird viel geſündigt, vornehmlich dann, wenn man nicht einem innern Zuge, ſondern der Gewohnheit dahin folgt. Eines Sonntags kam er jedoch auch zufällig hinein. Er ſieht ſich die Erſchienenen an, doHh wie muß er ſtaunen, als er, an die Wand gelehnt, auch den Teufel mit dem Griffel in.der Hand daſelbſt erblickte. Vor ihm lag eine große O<hſenhaut ausgebreitet, auf welhe er die in der Kirche vorfallenden Ungehörigkeiten der Anweſenden verzeichnete. Der Teufel ſchrieb ohne Aufhören. Schon war die ganze Haut beſchrieben, keiner der Anweſenden fehlte darauf; der ſeltene Kirchengaſt allein machte eine Ausnahme. Den Teufel ärgerte es, daß dieſer allein mit heiler Haut-da- von kommen ſollte; was that er alſo? Er faßte die O<hſenhaut mit den Zähnen an und zog aus Leibeskräften. Ein unbegreiflihes Etwas hielt die Haut feſt; plößlich jedo<h gab dieſelbe nac<, und der Böſe ſchlug mit dem Kopfe dermaßen - gegen die Wand, daß er liegen blieb. Zn dieſem Augenbli>e konnte unſer ſeltener Gaſt ſich nicht länger halten; er fing an -über den böſen Fall herzlich zu lachen. So weit wollte ihn der Böſe AU Mit einer höhniſchen Grimaſſe brachte er auch ihn in die Liſte.!) Aus Gilgenburg. Die Sculdigen in Johannisburg. In Johannisburg ſtarben vor einiger Zeit der Landrath, der Bürger- meiſter und der Erecutor ſchnell hintereinander, und gleich darauf ſchlug das "Gewitter in den Laden des Kaufmanns M. Man erzählte nun folgende Geſchichte. Als der Landrath vor den ewigen Richter kam, ſo fragte ihn dieſer, warum er die Menſchen ſo geplagt hätte, mit ſchweren Abgaben und auf an- dere Weiſe. Der Landrath entſchuldigte ſich und verſicherte, die Shuld liege an dem Bürgermeiſter. Darauf befahl der ewige Richter ſeinem Diener: Geh', welche mir von Gilgenburg her zuging, gedru>t bei Poplinski .a. a. O., S. 341, endlich die Legende: „Der Maſure klüger als der Teufel“, welche ich in dem zu Preußen gehöri- gen Maſuren nicht gehört habe, und welhe auc< wohl - nicht auf die Bewohner dieſes Landſtrichs im Beſondern zu beziehen iſt, gedruct bei Poplinski a. a. O., S. 115. 1) Dieſelbe Geſchichte theilt Firmenich in den Völkerſtimmen Germaniens, Bd, 3, S. 636, aus der Gegend von Coniz mit. Es muß hervorgehoben werden, daß ſo- regel mäßige Kirc<hengänger, wie die Maſuren, die Geſchichte ſehr gut kennen.

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- 1256 =“ und rufe mir den Bürgermeiſter! Darauf ſtarb der Bürgermeiſter und kam in das ewige Gericht. Er wurde verhört, entſchuldigte ſich und ſchob die Schuld . auf den Executor. Da hieß e8: Geh', hole mir den Executor! Der Executor ſtarb, kam in das ewige Gericht und wurde verhört. Auch der Executor ent- ſchuldigte fich und ſagte: „Die ganze Schuld trägt der Kaufmann M.; der hält guten Schnaps ; ih bin dann und wann zu ihm hingegangen Ind habe einige Schnäpſe getrunken; wenn ich dann berauſcht war, wußte ich nicht, was ich that.“ Da hieß es: „So ſchlage denn das heilige Donnerwetter in den Laden des Kaufniann M.,“ was auh äl8bald geſchah. | * Einige Zeit darnach begegnet ein Mann aus Johannisburg einem Shmied mit einem -Kohlenwagen, vor den drei große Pferde geſpannt waren; der Schmied war eben beſchäftigt, den Pferden ſtatt Hafer oder Heu Kohlen als Futter vorzuwerfen. Der Johannisburger fragte: „Was macht Ihr da? Freſſen denn die Pferde Kohlen?“ Der Sc<mied antwortete: „Die haben es nicht beſſer verdient! Kennt ihr ſie denn nicht?“ Jener erwiederte: „Wie ſollte ich fie kennen? ich habe ſie ja no<h nie geſehen.“ Darauf fuhr - der- Schmied fort: „Dann will ih Eu ſagen, wer dieſe Pferde ſind; eins iſt der Landrath, eins der Bürgernteiſter, das dritte iſt der Executor H. So geht es ihnen nach - dem Tode. Ihr wißt es nun und könnt es Jedermann weiter erzählen“. Der Schmied war der-Teufel. ') Die Mahren. Zwei Handwerksburſchen wanderten: durch die Welt und kehrten einmal in ein Wirth3haus ein, um da zu nächtigen. Der Gaſtwirth aber hatte drei Töcter, die waren alle Mahren und mußten allnächtlih ausgehen, die eine uim Menſchen, die andere um Vieh, die dritte um Holz zu drü>ken. Die Wan- derer lagen zuſammen auf einer Streu, aber der eine konnte nicht ſchlafen, und al8 es um Mitterna<ht war, hörte er, wie die drei nach Hauſe kamen und mit“ einander ſprachen. Sie waren tüchtig dur<gefroren und klagten einander ihr Leid. Die eine ſagte zu der andern: „Du haſt es doh beſſer als ich, denn es iſt doch viel leichter, in. die Ställe zu dem Vieh einzudringen, als in die dicht verſchloſſenen Häuſer der Menſchen“! Da ſagte die dritte: „J< aber habe es am ſäwerſten, denn ich muß in der Kälte auf die Bäume klettern und das Holz drüFen.“ Der Wanderer wedte ſeinen Cameraden, daß er das Ge- 7) Wenn dieſe Sage mehr den Eindruk einer Anecdote oder eines bloßen Spieles der Phantaſie mäht, ſo enthält- fie doch ſehr <arakteriſtiſche volksthümliche Elemente. Die Verwandlung der Schuldigen in ein Pferd kennen wir ſ<hon aus der Geſchichte der Krü- gerin von Eichmedien. Daß ſc<hle<hte Menſchen nac<h ihrem Tode in Pferdegeſtalt ſich in ſc<hwerer Arbeit quälen müſſen, iſt auch ſonſt eine bei den Maſuren geläufige Vorſtellung.

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ZZ ſpräch auch mit anhörte. Am nächſten Morgen gingen ſie zu dem Vater der drei Mädchen und ſprachen: „Wißt ihr auc<h, daß eure Töhter Mahreun find 2?“ Der Vater wußte von nichts, als ihm jene nun aber erzählten, was ſie in der Nacht gehört hatten, da erkannte der Vter, weshalb jie immer ſo bleich waren. Auf den Rath der Fremden ließ er ſie noh einmal taufen, wodurch ſie von dem Uebel befreit wurden. ') Sage vom Goldapper Berge. In alter Zeit ſtand auf dem Goldapper Berge ein ſchönes Schloß, von einem mächtigen Herrn bewohnt, den aber Jedermann fürchtete, weil er als ex grauſamer Räuber bekannt war. Das Gegentheil von ihm war ſeine Tochter (na< Andern waren es zwei), die das im Stillen gut zu machen ſuchte, was er übel gethan hatte. Als indeß ſeine Gewaltthätigkeiten und Ungerechtig- keiten ihr Maß erreicht hatten, verſ<wand plößlih das Schloß mit Allem, was darin war, und verſank in den Berg. Seit dieſer Zeit läßt ſich alle hun- dert Jahre in derſelben Nacht von eilf Uhr Abends bis zum erſten Hahneu- ſchrei die Jungfrau auf dem Berge ſehen und wartet auf Erlöſung, wann das Schloß, mit allen ſeinen Herrlichkeiten wieder emporſteigen, und ſie als Gattin ihres Befreier8, dieſen zum Herrn des Shloſſes ma<hen wird. Die Erlöſung iſt aber nicht leicht, wie es ein Bürger aus Goldapp erfahren hat. Er verirrte ſich in einer Nacht auf den hohen Berg und ſah dort eine weiße Geſtalt um- herwandeln. Obgleich ihm dieſelbe freundlich winkte, zögerte er doc<h anfangs, bis er endlich ein Herz faßte und näher ging. Die Geſtalt fragte ihn, ob er fie auf ſeinem Rücken bis zur Stadt tragen wolle, wodurch ſie und das Schloß erlöjt würde, jedoch dürfe er ſich nicht umſehen. Er verſprach es, hob ſie auf ſeinen Rü>en und ſchritt nac) Goldapp zu. Bald aber hörte er hinter ſich einen gewaltigen Tumult, als wenn wilde Thiere es auf ihn abge- ſehen hätten; da wurde ihm entſeßlich zu Muthe, er vergaß ſein Verſprechen, ſah ſich um und -- fort war ſeine Laſt ſo wie das Geräuſ<h. Von der Zeit an wurde der Mann tiefſinnig und ſtarb auc< bald darauf. Er war der lezte; der die weiße Geſtalt geſehen hatte; vielleicht wird ſie ſich nach dieſem Unfalle gar nicht mehr ſehen laſſen.?) N Sage von dem Berge bei Pietraſchen. Auf dem Berge bei Pietraſchen (ſüdlih von Goldapp) ſtaud einſt eine Feſte. Sie verſchwand, und es ließ ſich allnächtlich eine weiße Geſtalt auf dem 1) Aus der Gegend IE NIET Vgl. oben S. 30. 9) N. 7 Prov.:Bl. 1847, Bi. 1, &. 478, 72

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-“ 12? - Berge ſehen, die niederfniete und betete, wie man ſagt, um die Sünden ihres Vaters, de3 Beſiter8 der verſunkenen Feſte, zu ſühnen. In einer Nacht ſah ein verirtter Hirte dort das Mädchen beten und nahte ihm, worauf. ſich die Geſtalt erhob, auf ihn zutrat und .mit ſanfter Stimme fragte, ob er ſie mit ſeinen Armen umſchlingen und bis zum erſten Hahnengekrähe ohne Furcht halten wollte; dadurh würde er ſie und das Schloß erlöſen und ſich zum Herrn deſſelbet machen. Der Hirte verſprach es und ſchloß ſie in ſeine Arme. Da fing ſich- die ſchöne Geſtalt an zu ſträuben, er hielt jedoch um ſo. feſter; endlich - wurde aus ihr ein grimmiges Thier, er aber ließ ſich. nicht ſc<hre>en; funfzig verſchiedene Geſtaltungen, eine ſhrelicher al8 die andere anzuſehen, wechſel» ten in ſeinen Armen, bis er zuleßt einen ſcheuslihen Drachen umſ<lungen hielt. -Das beugte ſeinen Muth, er öffnete die Arme, ſpute auf das Scheuſal und rannte wahnſinnig davon. Mit dem früheſten Morgen langte er ſ<weiß- triefend und ſtaubbede>t in Goldapp an. Er wollte erzählen, jedoc< hatte ihn der Shre> um Gehör und Sprache gebracht, ſo daß er ſich nur durH Zeichen verſtändigen konnte. Seit dieſer Zeit wurde die Geſtalt niht mehr geſehen.?) Sage von dem Berge bei Grodzisko. - * Einſt ſtand auf dem Berge bei Grodzisko (zwiſchen Angerburg und Goldapp) eine Feſte, die ein ſtolzer Ritter mit ſeinem Sohne bewohnte, und Beide nähre ten ſich vom Raube. Bei einem Ueberfalle vorüberziehender Kaufleute wurde' der Sohn erſchlagen. Als die Knechte nun die Leihe nach Hauſe brachten, fluchte der Alte allen Menſchen und ſchwur, ſo viele zu morden, als er nur im Stande wäre; was er denn auch getreulich hielt. =- Ein frommer Pilger, der des Weges gezogen kam und ebenfalls der Rache des Ritter8 geopfert wer- den ſollte, verfluchte dieſen in einen Hund, worauf das ganze Sh<loß verſank, und an deſſen Stelle ein Teich entſtand. Man ſah in der Geiſterſtunde einen großen Kaſten umherſchwimmen, auf welchem ein ſhwarzer Hund als Wäc- - ter lag. Dieſer Teih wurde von Jedermann ängſtlich gemieden, nur eines Tages zog eine Schaar munterer Jungen hinauf, um mit einem an einen Stri> gebundenen Steine die Tiefe des Teiches zu erforſ<en. Jedoch kaum hatten ſie das frevelhafte Unternehmen begonnen, als ſich aus der Tiefe ein heiſeres Brummen hören ließ, worauf die Jungen mit großen Sätzen eilig den Berg hinabliefen. Nach dieſer Zeit iſt der Spuk auf dem Teiche nicht mehr zu hören geweſen, und jetzt ſcheut man ſich ſo wenig vorihm, daß ſhon der Anfang gemacht iſt, den Boden 'des ehemaligen Teiches in Getreideland zu verwandeln.*) "IN. P. Pr.-Bl. 1847, Bd. 1, S. 480. 9) N, P. Pr.-Dl. 1847, Bd. 1, S. 479. &

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--“- 18 - Sage von dem Teuſelsberg in der Borkener Heide. In der Heide Borken, Kirchſpiel Knopken, Kreis Angerburg, nicht weit von dem großen Gute Lekuk, wird ein Berg „Teufel8berg“ genannt. Für dieſe Benennung iſt folgender Anhalt: Auf dieſem Berge ſoll ein Wirth ge- wohnt haben, der ſowohl an Lebensunterhalt wie an Geld arm war. Seine Gebäude waren ſo ſchleht, daß ſie ſchon zuſammenfielen; kein Menſc< wollte ihm helfen, und er konnte aus eigenem Vermögen nichts bauen. In dieſer Noth rief er nach der Sage in der zwölften Stunde der Nacht den Teufel, in- dem er ihn um Hilfe bat. Der Teufel fand ſich in Folge deſſen auch mit einem Menſchen- und einem Pferdefuße ein und verlangte für ſeine Hilfe von ihm die Seele. Der Wirth wollte ihm auch ſeine Seele geben, wenn er es über ſich nähme, ihm dafür ſeinen Scheffel voll Geld zu geben. Sollte aber der Teufel den Scheffel des Wirthes nicht vollfüllen, dann brauchte der letztere dem erſteren. ſeine Seele nicht zu geben. Da ſtellte nun der Wirth, erfreut, daß er aus der Noth komme, ſeinen Sheffel ohne Boden über eine große Kartoffelkaule, in welche der Teufel, der davon nichts wußte, mit Eifer Geld hinein ſchüttete, ohne ſie doch füllen zu können. Der Wirth, der den Teufel ſo betrog, gewann durch ſeine Schlauheit viel Geld, kam aus ſeiner Noth heraus und behielt ſeine Seele. Auf dieſem Berge, den nachher der König abkaufte, wohnt ein Förſter, der zur Heide Borken gehört, und bei ſeinen Gebäuden ſteht ein großer Stein, auf dem der Teufel zum Andenken daran abgebildet iſt, wes8halb dieſer Ort ),Teu- felsberg“ heißt. Sage vom Goldberge in dem Przezdrzedſchen Walde. In dem Przezdrzeſchen Walde, Kir<ſpiel Kruklanken, Kreis Angerburg, findet man einen Berg, nahe bei dem Fluße „Lupiner“ liegend. In demſelben ſchien es den Leuten, die fiſchten,. ſowohl am Tage wie in der Nacht, als ob ein Klang ertöne, wie wenn man Geld mit einer Schaufel rührt und Karvſſen fahren, oder als ob die wilde Jagd da wäre. Deshalb wurden die Wirthe vermocht, indem ſie glaubten, es müſſe da etwas ſein, einen Shwarzkünſtler herbeizuholen. Als der an dieſen Ort gekommen war, zeigte er ihnen, wo ſie auf dieſem Berge bei ſeiner Anweſenheit graben ſollten, was ſie auch thaten. Nachdem ſie anderthalb oder zwei Mannstief gegraben hatten, ſtießen ſie auf ein Ziegelgewölbe. Nachdem ſie ein Paar Ziegel ausgebrohen hatten, über- zeugten ſie ſich, daß dort ein großer Keller wäre, in den ſich der Shwarzkünſiler mit eiſernen Handſchuhen hinunterließ und dort mit einem Geiſt ſich unterredete. Und als er in die Höhe kam, benachrichtigte er die oben Stehenden, daß ſich dort ein großer Kaſten mit Gold und Silber vorfände, aus dem er ſie bat,

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„3 ihm nur das zu geben; was in deſſen Beilade wäre, und- das, was außerdem im Kaſten wäre,. ſollten ſie zu eigen haben. Als fie dies hörten, gingen ſie ein- müthig. auf ſeinen .Willen ein, und der Kaſten wurde in die Höhe gezogen, und zu deſſen Fahrt wurden ſchon Pferde gebracht und angeſpannt. Da aber um dieſe Zeit Einige von ihnen ihr Verſprechen ändern wollten und unter einander ſprachen, daß ſie ihm das, was in der Beilade wäre, nicht geben würden,- da ſagte zu ihnen der Schwarzkünſtler: Da Ihr geſündigt habt, indem Ihr in einem Sinne nicht verblieben ſeid, de8halb mird Keiner von Euch etwas bekom- men. Scneidet raſch die Stränge ab und rettet die Pferds, ehe ſich ein Unglü> exeignet.. Und als dies geſchehen war, ging der Kaſten mit großem Sturm in den Fluß „Lupiner“ und ließ einen großen Graben hinter ſih, den man no< jekt: ſehen kann. Von der Zeit an hörte es auf, den Leuten zu erſcheinen, was ihnen früher vorgekommen war. Als am Ende die Wirthe von dem Shwarz- künſtler hörten, daß in der Beilade weiter nichts geweſen wäre, als ein Gürtel und goldene Handſchuhe, und daß der Kaſten für ſie voll Geld geweſen wäre, that es ihnen ſehr leid, daß ſie ihm das, was in der Beilade war, nicht ge- gönnt hatten. Deshalb hatten ſie von ihrer Anſtrengung keinen andern Vor- theil als den, daß ſie von den Ziegeln in jenem Berge einige Pferdeſtälle auf- bauen konnten, von denen viele Jahre hindurch bis auf dieſen Tag bei zweien Wir- then, .nemlich bei Cre8la und.Sadowski, zwei, die von dieſen nicht zurecht gemacht = noh gewiß ſtehen. Das glauben noh viele Leute und halten dieſe Sache für wahr und nennen dieſen Berg „Goldberg“. Auf demſelben iſt jezt noch die Kaule, aus der der Kaſten emporkam, und aus der die Ziegel zu den Pfer- deſtällen genommen wurden, zu ſehen. Sage von der Inſel Gilm. Auf der Inſel Gilm im Dobenſ<hen See, nahe bei dem Dorfe Doben ſelbſt, ſtand in alten Zeiten eine Feſte, an welche ſich ebenfalls alte Sagen geknüpft haben. Wir erſehen dies aus einer im Jahre 1794 von dem Angerburger Probſt Piſanski .abgefaßten Beſchreibung der Inſel Gilm, in welcher folgende Stelle vorkommt: „Sd<ließlih iſt noch anzumerken, daß der gemeine Mann .allhier von dieſem Berge verſchiedene Fabeln hat, wie denn auch nur vor einigen Jahren einige aus Angerburg nach Bartſch im Winter reiſende Perſonen eine Jungfer des Nachts. am Licht ſizend wollen geſehen haben, wel<he Phantaſie vielleicht aus der Meinung entſpringt, nach welcher der gemeine Mann noh hin und wieder glaubt, e8 müſſen in dem Berge Shäße ſein, über die dieſe geſehene Jungfer etwa die Aufficht hatte und ſie bewache.“ *) 4) Preuß. Archiv, 1794, S. 556, 557. * Loi 9

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-=- 130 -- Sage von der Burg am Satint-See. An der ſ<malſten Stelle des zwiſchen Seeſten und Weißenberg gelegenen Satintſees erhebt ' ſich ein Hügel und auf demſelben no<h die Ueberreſte eines älten Wallringes. Dort ſoll ein Shaß vergraben ſein. Ein Bauer aus dem nahen dicht am See gelegenen Pfaffendorf erfuhr die Mittel zur Hebung deſſelben, erhielt aber zugleich die dringende Warnung, ja nicht zu lachen, was ihm auch unterwegs paſſire; es würde ihn ſonſt ſchweres Unheil treffen. - Mein Bäuer- lein hebt den Saß, bringt ihn in ſeinen Kahn und rudert wohlgemuth nach Hauſe, unbekümmert um all die Männ<en und Capriolen, die ihm vom Ufer aus gemacht werden, um ihn zum Lachen zu reizen. Plößlich aber erſcheint der Teufel ſelbſt, ganz mit den ängſtlihen Geberden und den haspelnden Ye: wegungen, wie ſie mit großem Unrecht den S<neidergeſellen nachgeſagt wer: den, auf einem Ziegenbo>e reitend. Das war dem Bauer doch zu komiſch; er lachte aus vollem Halſe, und = im Nu ſchlug der Kahn DIE und Schaß und Schatgräber ſanken in die Tiefe.) Sage von der Burg bei Neu-Baguowen. Bei Neu-Bagnowen am Janower-See zwiſchen Sensburg und Sorquitten erhebt ſih ein Hügel mit einem Wallringe, welhen das Volk S<lößchen (zameczek) oder Schwedenſchanze nennt. Von demſelben gehen mehrere Sagen. Zwei Fiſher, wel<he an dem Sklöß<en ſpät Abends vorbeikamen, ſahen einen Soldaten ohne Kopf zweimal um den Wall herumgehen und dann plößlich verſchwinden. Die Scloßfräulein begaben ſich vormals zu Neujahr zum Tanze nach dem Kruge in Alt-Bagnowen, und in der Johanni3nacht hat man zwei weiß- verſchleierte Damen aus dem Innern der Schanze hervorkommen und baden geſehen. - Auch Shwarzkünftler (ezarownicy) fehlen nicht. Einer von ihnen hatte nuf dem Berge ein Buch gefunden, in welchem die Geſchichte des Schloſſes und namentlich von dem Saze geſchrieben ſtand, der darinnen vergraben ſei. Nachdem der Hexenmeiſter nun einen ſchweren eiſernen Kaſten durch Zauber- formeln gehoben, gerieth er mit ſeinem Geſellen in Streit darüber, wer- das haben ſollte, was in dem Kaſten ſelbſt, und wer das, was in der Beilade läge. Al3 ſich dann in leßterer nur ein Gürtel mit goldenem Schloß und ein Paat goldene oder golddur<hwirkte Handſchuhe fanden, im Kaſten aber pures, rothes Gold, da wollte der Streit nicht enden, und zuletzt verfluchte der Benachtheiligte y) N. Pr. Prov.-Bl. 1865, S. 539, 540.

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= 131 = dez Laſten, deſſen De>el alſodald zufiel, und der danu langſam nach dem See hinunterwanderte und in den Fluthen verſauk. Troß aller Rac<grabungen iſt er bis auf den heutigen Tag nicht wiedergeſunden worden, und was die Leute bei Tage gegraben hatten, fiel in der Nacht wieder zuſammen"). Sage vom Schwenty-See. Der Abfluß des Schwenty-See's, an welchem die Kurkener Mühle liegt, “geht in die Alle. Am Ausfluß deſſelben aus dem Shwenty-See, alſo ober- halb der Kurkener Mühle, liegt die alte Schleuſe. Die Alle dur<ſ<hneidet eine Reihe kleiner Seen, unter andern den Kerno3-See bei Kurken. Oberhalb des Kernos-See's, links vou der Alle liegt der Dillik-See bei Lindenwalde. An der alten Scleuſe zeigte ſich früher ein weißes, geſpenſtiſ<e3 Pferd öfter und machte ſich durh Wiehern und Stampfen weithin bemerkbar. Um dieſe Erſcheinung zu bannen, ſoll dort vor langen Jahren Gotte3dienſt gehalten, und dieſer ſo ſchön geweſen ſein, daß alle geweint hätten. Er hat aber die erwünſchte Wirkung nicht vollſtändig gehabt, denn noh immer zeigt ſich dieſes weiße Pferd, auf welhem ſich zuweilen auch ein weißer geſpenſtiſcher Reiter zeigt, ſowohl am S<hwenty-See, al8 auch am Kerno8- und am Dillik-See, und erſchreeft die Leute. In der Zeit des unglülichen franzöfiſhen Kriege38 1807 begab ſich der Sdullehrer. von Perſing (in der Nähe von Kurken und Lindenwalde) na< Hohenſtein, um ein von den Franzoſen geraubte8 Pferd zurüzuholen. Al3 er auf dem Rüdwege an das Bruch hinter der Shlaga- Mühle kam, ſah er auf demſelben ein weißes Pferd ohne Kopf, welches auf ihn zukam und ihn durch unheimliches Wiehern erſchre>te. Einige fetzen hinzu, es ſei rü>wärts8 gegen ihn herangaloppirt. ' Er kam aber ohne Shaden davon?). Der Tanneuberger See. - . ** Bei Tannenberg liegt ein See, deſſen Waſſer in früheren Zeiten wunder- hare Heilkräfte beſaß. Viele Augenkranke wallfahrteten dorthin und kehrten geſund zurü&. Selbſt die Blinden erlangten dur< die wunderbare Kraft des Waſſers ven Gebrauch des Geſichtes. Dies dauerte eine lange Zeit. Aber da lebte einmal eine Edelfrau, die hatte ein Shoßhünd<hen und liebte es über die Maßen. Dieſe8 Hündchen wurde an den Augen krank; und die Edelfrau wünſchte nichts ſehnlicher, al8 daß e8 wieder hergeſtellt würde. Aber keine Mittel wollten helfen, und ſo brachten ſie e8 zulezt an den See und wuſch es in dem Waſſer. 1) N. Pr. Prov.- Bl. 1865, S. 539. ?) Mündlich aus Kurken. 9*

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--“ 132 -- Sie erreichte, was ſie wünſchte. Das Hündhen wurde geſund -- aber das Waſſer verlor ſeine Kraft von Stund an). Sage von den Goldbergen bei Reidenburg. Auf dem höchſten Gipfel der Goldberge (nordöſtlih von Neidenburg) ſteht eine vielhundertjährige Kiefer, von der aus man den ewig grünen Forſt ringsum weithin überſehen kann. Bei dieſer Kiefer hat ſich früher öfters die ſchönſte Jungfrau gezeigt, welhe der Erlöſung harrend aus ihrem unterirdiſchen Palaſte durch eine brunnenartige, noch jezt vorhandene Einſenkung fich zum Tagesliht emporhob. Von Liebreiz und köſtlihem Geſchmeide ſtrahlend, kß fie ſich auf einen Kiefernſtubben nieder, um ihr langes goldrothe8 Haar mit goldenem Kamme zu ordnen. Wer ſie ſah, erbebte vor der wunderbaren Sön- heit, und Niemand wagte es, ſich ihr zu nahen. Ein Jüngling, der gedanken: voll vor ſich hinwandelnd, ohne es zu merken, ihr ganz nahe gekommen war, fiel, ſobald er ſie gewahr wurde, in ſeligem Entzü>en vor ihr auf die Kniee. Sie ſprach: Erlöſeſt Du mich aus meiner Einſamkeit, ſo fordere von mir, was Du willſt, zum Lohne. Sie bot ihm ihr Geſchmeide; ſie bot ihm auch wunder: bare Habe aus ihrem unterirdiſchen Palaſte: drei fette Shweine mit dem ſc<weren goldenen Troge, aus dem ſie gefüttert würden, wenn es ihm gelänge, denſelben ans Sonnenlicht zu bringen, drei ſchneeweiße Hühner, die nur goldene Eier legten; ſie wird ihm endlich (wie aus ähnlichen Sagen zu ſchließen iſt) auch ihre Hand geboten haben. Der Jüngling beſinnt ſich nicht lange, hebt die Jungfrau auf den Rücken und will ſie davon tragen. Aber in demſelben Augenblid ſieht er ſich von ſämmtlichen Thieren des Goldberge3 umringt und kann nicht von der Stelle. Die Jungfrau belehrte ihn: Das Werk meiner Er- löſung wird Dir gelingen, wenn Du ohne Furt jedes der hier verſammelten Thiere küſſeſt. Er folgt dem Befehle, faßt ſich ein Herz und küßt die Thiere, wie ſie ihm nahen, Rehe, Haſen, Eichkäßhen 2c., Eulen, Spechte, Habichte, Finken 2c., Schlangen, Blindſchleichen, Eidechſen, Ratten, Salamander, Würmer, Käfer 2c. 2c. Als er mit ſeiner Arbeit fertig zu ſein meinte, kro< noh eine große ekelhafte Kröte, ganz von Schorf und Ausſatz bede>t, mit rothblinzenden Augen heran. Da geht ihm do< ſein Muth zu Ende und, ſtatt ſie zu küſſen, -ruft er: Hat denn der Teufel auch dich noh hier? (A ieszizes to i ciebie tu diali maig?). Klagend ſank die Jungfrau in die Tiefe hinab: Jett haſt Du mich aber au in alle Ewigkeit verflucht, jezt muß ih alle Hoffnung auf: geben, je gerettet zu werden. 3) N. Pr. Pr.-Bl. 1846, Bd. 2, S. 44. (Vgl. Temme und Tettau, Preuß. Volks- ſagen Nr. 176, 198. Müllenhof, Sc<les8wig's Sagen S. 106, Nr. 126). €

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I -- 138 =- Der Erlöfungsverſuh war an einem Sonnabende gema<ht und verun- glü>t, am Sonntage darauf zeigten ſich an der Stelle, wo die Jungfrau ihr Haar gekämmt hatte, drei ſ<warze Jünglinge, die jedes menſ<hlihe Weſen von dem Berge verſcheuchten. Die Jungfrau aber hat ſeit jener Zeit kein menſch- liches Auge wiedergeſehen"). Sage von den Goldbergen bei Reidenburg. In den Goldbergen iſt niht bloß ein Shloß, ſondern eine ganze Stadt verſunken. In alter Zeit kamen öfter zwei Fräulein aus denſelben hervor. Eins derſelben bat einen Bauer aus Zimnawoda, ſie zu erlöſen, gab ihm auch Mittel und Wege dazu an und beſtellte ihn zu dieſem Behufe auf einen be- ſtimmten Tag an den Berg. Als3 er dahin kam, drang ein Heer von Reitern aus dem Berge auf ihn ein und drohte, ihn in Stüke zu hauen. Der Bauer erſchrak ſo, daß er davon lief und jeden Verſuch der Befreiung aufgab. Seit- dem zeigte ſich nur noh ein Fräulein, doh iſt auch dieſes jeht verſ<hwunden?). Sage von den Goldbergen. Ein Bauer verſuchte das Fräulein im Goldberge zu erlöſen, indem er, wie es ihm aufgetragen worden war, ſehs Wochen hindurch täglich für ſie beten wollte. Dieſes that er nun auch eine Zeit lang ganz gewiſſenhaft. Einſt aber, al8 er eben wieder betete, trug es ſich zu, daß ein Stü ſeines Viehes ihm vom Hofe laufen wollte. Darüber unterbrach er das Gebet, und der Erlöſungsverſuch wurde dadurch für immer vereitelt 2). Sage von den Goldbergen bei Neidenburg. Auf dem Goldberge ſieht man eine Einſenkung, welche ſich höhlenartig bis in unermeßliche Tiefe fortſeßen ſoll *). Alte Leute ſagen, dieſe Gruben ſollen früher Shwefelgruben geweſen ſein. | Hirtenjungen haben in dieſe Gruben und Löcher aus Neugierde öfters Strike und Stangen hinabgelaſſen; wenn ſie dieſelben wieder heraufzogen, iſt das äußerſte Ende immer abgeriſſen geweſen. . Andere ſagen, ſie hätten in ſolhem Falle öfters Goldſtü>e an ihren 1) Mündlic<h aus Wallendorf. 2?) Mündli<h aus Gimmendorf. *) Mündlic<h aus Gimmendorf. *) Eine ganz ähnliche Vertiefung findet ſih nac< Piſanski „Merkwürdig- keiten“ des Spirdingſee's. auch auf dem Berge Terklo am Spirdingſee und nach Drigalski „Merkwürdigkeiten des Kuttenſhen Kir<ſpiels" auch in dem Berge bei Groczisko.

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=“ 134 -- Stangen oder StriFen angebunden herausgezogen. Dies veranlaßte ſie, an einem Stride eine Müße hinabzuſenken und au dieſe zogen ſie mit Goldſtü>en gefüllt wieder heraus. Nun faßte einer derſelben Muth, ſich an einem Strie von ſeinen Gefährten hinavſenken zu laſſen; es bekam ihm aber ſchlecht. Als ſeine Gefährten ihn wieder herauszogen, fanden ſie zwar ſeine Mütze voller Goldſtüe, ihn ſelbſt aber ohne Kopf"). Sage ven den Irrbergen bei Neidenburg. Die Mainagöri (Laub auf dem Berge) oder Irrberge, nicht weit von den Goldbergen gelegen, ſollen ihren deutſchen Namen von folgender Begebenhä erhalten haben. Die Kriegsnoth des Jahres 1807 trieb die Bewohner Wallendorfs und anderer benachbarter Dörfer in die Mainagöri. Es herrſchte aber in der ganzen Gegend große Hungerönoth. Da fand ein Mädchen am Fuße der ge: nannten Berge eine möhrenartige genießbare Wurzel und ſtillte ihren Hunger. Ihr Beiſpiel machte die Andern aufmerkſam, alle8 ſu<hte nach der Wurzel und jemehr die Leute darnach ſuchten, je mehr fanden ſie davon. Wer von dieſer Wurzel gegeſſen hatte, vergaß Noth und Sorgen, aber -- er fand auch nicht den Ausweg aus den Bergen nach Hauſe. Die aus dem Walde kamen, ſahen wohl ihre Wohnungen und ihr Feld, aber bei jedem Verſuche, ſie zu erreichen, gingen ſie irre. So irrten ſie in den Bergen Tage lang, bis ſie endlich zuerſt nach fremden Dörfern in der Nachbarſchaft, dann von dieſen auf weiten Um- wegen näh Hauſe gelangten?). Sage vom Scloſſe Puppen. Bei Puppen, wo in früheren Jahrhunderten die prächtigſte aller herr- ſchaftlichen Jagdbuden ſtand, iſt ehemals ein Schloß geweſen; es iſt aber längſt verſunken. Nur ſteigert noch zu Zeiten drei ſchöne Jungfrauen in weißen Kleidern aus der Erde hervor und laſſen ihren zauberiſchen Geſang durch die Racht er- ſchallen. Mancher hat ſie geſehen und gehört, aber Niemand wagt es, ihnen zu nahen 3). Sagen vom Teufelswerder. Ueber die Sagen, welche ſih an das Teufel8werder im Spirdingſee knüpfen, berichtet Piſanski im Jahre 1749 folgendes: 3) Mündlich aus Kurken. ?) Mündlih aus Wallendorf. *) Mündlich aus Klein- Jerutten. Eine ähnliche Sage aus Nidden auf der kuriſchen Nehrung bei Rheſa, Prutena S. 74, Tettau und Temme, Volksſagen S. 172.

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- 15 +» Das gemeine Volk in daſiger ganzen Gegend giebt vor, daß die häufig dafelbſt erſcheinenden Geſpenſter ' die: Gelegenheit zu dieſer Benennung ge- geben. haben. Und die Hiſtorien oder Mährlein ſind unzählig, die man da- ſelbſt von teufliſchen Larven, die bald unter dem Bilde eines Löwen, bald eines ſchwarzen Hundes, bald anders erſheinen und die Menſchen geſ<hre>t haben ſollen, anzuführen weiß. Beſonders ſollen die Fiſcher oftmals das Unglü> haben, daß ihnen die Neze zerreißen, große Shäße gewieſen werden und andere dergleichen Dinge begegnen *).“ ' .Das Spuken auf dem Teufel3werder erwähnt ſchon Hennenberger?).. - Sage von der Kir<e auf dem Berge bei Wiersbowen. Auß dem Berge bei Wiers8bowen (nordöſtlih von Li>) ſoll einſt eine Kirche geſtanden haben. Als dieſelbe verfiel, verſank die Glo>e in dem an- ſtoßenden Bruche. Hier aber wurde ſie ſpäter aufgefunden und an Polen ver- kauft, welche ſie zu Rabken für den öffentlihen Gebrauch verwendeten. - Nach einer Sage ſoll auf dem Berge bei Wier38bowen Skumands, des hiſtoriſch bekannten Sudauerhäuptlings, Burg geſtanden haben 3). Nah anderer Sage ſoll Skumands Burg auf einer Höhe am Skomenter . See, nac einer dritten -auf einer Höhe a am Hauſen-See geſtanden haben*). "Der Name der Stadt Paſſenheim. Die nächſtfolgenden an den Namen einzelner Orte angeknüpften Sagen find offenbar bloße Spiele des Wikes, aber doh zum Theil recht alt und zum Thell än richtige Vorausſeßungen geknüpft, we8halb wir ſie nicht übergehen. Paſſenheim, gegründet von. dem Comthur zu Elbing und oberſten Spittler Siegfried Walpot von Baſſenheim und ihm zu Ehren benannt, ſoll nach der ſchon von Hennenberger überlieferten Sage den Nameu aus folgender Veran- laſſung erhalten haben: -Die erſte Anlage von Paſſenheim erfolgte nach einem zu umfaſſenden -Plane, die Stadt erhielt einen zu weiten Umfang. Als der Oberſte (oberſte Spittler?) nah der Gegend kam, die Anlage zu beſehen, wollte er ſie kleiner - haben und ſagte: Baß hinein! oder Paß hinein. Davon ſoll der Stadt der Name Paſſenheim geblieben ſein *). | 1) Biſansti, Merkwürdigkeiten des Spirdingſees in den König3b. wöchentlichen Nachrichten 1749, Nr. 37. *) Hennenberger von Seeen 2c. fol. 21. Vgl. auch Tettau und Temme, Volksſagen S. 172. ?) Pisanski, de wontibus Prussiae pv. 17. *) Roſenheyn, Reiſeſkizzen Bd. 2., S. 82. *) Hennenberger S. 342.

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= 186 -- Der Name der Stadt Ortelsburg. Die Stadt DOrtelsburg, früher Ortolfsburg, trägt ihren Namen zu Ehren ihres Gründers, des Comtur3 zu Elbing und oberſten Spittlers8 Ortolf von Trier. Die pragmatiſirende Sage will es anders. - Das Sc<loß Ortels8burg ſoll einſt von einem Jäger, welcher Ortels geheißen, beim Verfolgen eines Hirſches in dem damaligen Urwalde, ganz wüſt, “ohne Bewohner und nur von wenigen Häuſern umgeben, vorgefunden ſein. Nach dieſem Jäger ſoll die Burg und ſpäter die Stadt den Namen Ortelsburg er- halten haben. Die vorgedachte Sage ſcheint inſofern etwas für ſich zu haben, (!) als, na<dem im Jahre 1616 dieſem Ort das Stadtrecht durch den Markgrafen Johann Sigi8mund zugetheilt worden, ihm ein Stadtwappen verliehen wurde, worauf ein Hirſch, der aus 'dem Dickicht ſpringt, abgebildet war.) Der Rame der Stadt Sensburg. Die Stadt Sensburg hieß früher Segensburg und hat ihren Namen un- zweideutig von dem Segen, welchen der Menſch allen ſeinen Unternehmungen wünſcht. Daneben hat ſich aber folgende Wappenfage gebildet. Ein gewaltiger Bär machte die Gegend um Raſtenburg unſicher. Die Bürger der Stadt, von der wir hier reden, (die alſo wohl damals no< keinen, oder do< einen andern Namen gehabt haben muß) zogen mit Senſen be- waffnet, den Raſtenburgern zu Hülfe und hieben in mannhaftem Kampfe dem Unthier eine Taße ab, die deß zu ewiger Urkunde im hieſigen Stadtwappen - eine ſhwarze Bärentaße in weißem Felde mit der Jahre8zahl 1348 -- ab- gebildet iſt. Die Raſtenburger wurden dann mit dem Thiere vollends fertig und haben den Rumpf mit abgehauener Tatze im Wappyn.?) 1 Der Tartarenberg bei Lit. Als die Tartaren in Preußen einfielen (1656, 1657) und das Land weithin plündernd, mordend und brennend durchzogen, ſchonten ſie doch der x) Aus einem neuern Berichte im landräthlihen Amte zu Ortel8burg. *) N. Pr. Prov.-Bl. 1865, S. 536, wo auch die Ableitung des Namens Sensburg von See (alſo gleich Seeburg) irrthümlich verſucht wird. Raſtenburg ſoll den Namen daher haben, daß, wenn der Orden ferne geſtritten und müde geworden, er ſich dahin eine Burg gebauet, darauf zu raſten und zu ruhen. Hennenberger, S. 391. Erläutertes Preußen, Bd. 3, S. 656. Die Anecdote, wie der Teufel einem in Sensburg eine Mutter gegeben hat, enthält ſo wenig . Sagenhaftes, daß wir ſie hier übergehen; man möge ſie bei Gersz Kalendarz Krölewsko- Pruski na rok 1865, oder bei Friſchbier, Preuß; Sprichwörter, S. 303 f. nachleſen. - , amal

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- 137 kräftigſten Männer, die ihnen in die Hände fielen, um ſie mit ſich in die Ge- fangenſchaft zu ſchleppen. Nach der Eroberung von Li> wurde eine Schaar gefangener Männer gebunden fortgeführt nach dem nächſten Walde, wo die Tartaren auf einem Berge Raſt zu halten und zu nächtigen gedachten. Zuvor aber veranſtalteten ſie ein Zec<hgelage und ſprachen dem erbeuteten Getränke eifrig zu, bis ſie berauſcht nnd erfchöpft zu Boden ſanken und in tiefen S<laf verfielen. Dieſen Augenbli> benußten die treuen Frauen der Gefangenen, ſchlichen dur< das Gebüſch heran, zerſhnitten ihren Männern die Bande und befreiten ſie ſo aus ihrer preßhaften Lage. Die aber tödteten die berauſchten Tartaren mit ihren eigenen Shwertern und kehrten mit ihren Frauen von dem Tartarenberge nah Li> zurü.') 1) Dieſe Sage iſt in Verſen erzählet im Lier Unterhaltungsblatt, 1841, No. 20.

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2. Möährchen. Titelituri. Es war einmal ein Prinz, der wollte gern heirathen, fand aber gar keine Prinzeſſin, die ihm gefiel. Wie er nun ſo im Lande umherreiſte, ſo ſtand auc< im Walde ein kleines Hütthen. Da wohnte eine alte Frau mit ihrer Tochter. Die Tochter war ſehr ſchön, wollte aber gar nichts arbeiten, ſo daß ihre Mutter ſie zur Strafe mit ihrem Spinnro>en auf das Dach ſette; da mußte ſie ſpinnen. Kommt der Prinz gefahren, und da ſitt ſie gerade auf dem Da, und ſie ge- fällt ihm gleich ſehr. Geht alſo in das Haus und fragt die Alte, ob ſie ihm ihre Tochter nicht zur Frau geben möchte. Die war damit einverſtanden und ſagte: Ja, ſie thäte es rec<t gerne, und lobte noh ihre Tochter, daß ſie aus Stroh Gold ſpinnen könne. So wird denn gleich Hochzeit gemacht, und der Prinz nimmt ſeine junge Frau mit fich auf ſein Schloß. Da werden alle Kammermädcen zuſammengerufen mit ihren Spinnroden, und der Prinz ver- langt von ſeiner jungen Frau, daß ſie ihnen mit ihrem Beiſpiel vorgehen ſolle. Nun iſt ſie denn ſo traurig, wie das werden ſollte, da ſie doch niht Gold ſpinnen konnte. Wie ſie ſo daſißt und ſiß de8halb grämt, kommt unter dem . Kamin hervor ein Koboldhen, wie ein kleines Menſ<<en. Er fragt ſie, was „ihr fehlt, und ſie klagt ihm ihre Noth. Da ſagte er: A<, ich kann dir helfen; ich gebe dir ſolche Handſchuhe, wenn du die anziehſt, ſo kannſt du Gold ſpin- nen; du mußt mir aber dafür morgen, weun ich wiederkomme, ſagen, wie ich heiße, oder du mußt mit mir Hochzeit mahen. Nun ſett ſie ſich hin, zieht die Handſchuhe an und kann richtig Gold ſpinnen und ſpinnt ſo viele, viele Spu- - len von Gold. Aber bald ſitt ſie wieder in Sorgen, wie der Kleine doh heißen mag! Ihr Mann, der Prinz, war unterdeſſen auf die Jagd gegangen, der Ko- bold aber hatte ſich in einen Vogel verwandelt und war auh in den Wald ge- flogen. Da ſette er ſich auf eineu Baum und ſang und. ſang immer von Neuem: . 7 nv.

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-- 139 -- „Morgen hab' ih Hochzeit, meine Braut ſpinnt Gold; ſie weiß nicht wie ich heiße, ich heiße Titelituri.“ Der Prinz hörte, was der Vogel ſang, und erzählte, als er na< Hauſe kam, Alle3 ſeiner Frau. Die merkt nun gleich, daß der Vogel. von ihr geſungen hat, und freut ſich, daß ſie nun ſeinen Namen weiß, und. ſitzt. und wiederholt den Namen, um ihn nicht zu vergeſſen, in einem fort den ganzen Tag. Den andern Tag, wie das Kobold<hen wieder unter dem Kamin hervorkommt, ruſt ſie ihm ſeinen Namen zu: Titelituri heißt du! Dä fährt er auf in die Luft, reißt das Dach des Hauſes mit ſich und verſchwindet für immer. Der Prinz und ſeine Frau aber lebten glüFlich und in Freuden.?) Aus Klein-Jerutten. v Der goldene Apfel. 1 Es war einmal ein Wirth, der hatte drei Söhne, zwei kluge und einen dummen. Au hatte er einen goldenen Apfelbaum, von dem aber jede Nacht ein Apfel verſHwand. Da ſagte der Vater zu dem älteſten ſeiner Söhne, er ſollte in der nächſten Nacht Wache halten neben dem Baume und ſehen, wer der Dieb ſei. Der ging auch hin, als e3 aber Abend wurde, ſ<lief er ein, und morgens war wieder ein Apfel fort. Da ſagte der zweite Sohn: Nun werde ich wachen gehn. ' Er machte es aber ebenſo, wie ſein Bruder,- ſchlief ein, und -- des Morgens fehlte wieder ein Apfel. Da ſagte der Jüngſte, der Dumme: Nun .werde ih Wache halten gehen, ich. werde den Dieb ſchon fangen.“ Er ging hin, ſette ſich unter den Baum und blieb auch wirklih wach und munter. Um zwölf Uhr in der Mitternacht kommt ein ſchwarzes Schwein mit zwei Hörnern, das war der Teufel. Der aber ſpringt zu und ſchlägt es todt. Seite. Brüder aber ſtanden auf der Lauer und wollten doh ſehen, wie es ihm gehen würdbe. Als ſic nun ſahen, daß er das Schwein getödet hatte, fielen ſie über ihn her, tödteten ihn und vergruben den Leichnam in ein Bruch. | Auf der Stelle, wo der Leichnam vergraben war, wuchs ein Rohr. Ein alter Hirte, welcher dort ſeine Schafe weidete, ſchnitt ſih das Schilfrohr ab und machte ſich daraus eine Flöte. Die Flöte aber ſpielte folgenden Vers: „Spiele, liebe Fköte, ih habe einen Stein auf meinem Herzen, der ältefte Bruder hat mich erſ<lagen, der zweite hat ihm dazu gerathen, und ich habe dem Vater ein Scwein getödtet“. Da verbrannte der Hirte die Flöte, es wuc<s aber auf der Stelle ein Apfelbaum mit goldenen Aepfeln. Die Aepfel konnte Niemand ') Vgl. Rumpelſtilzhen bei Grimm, Kinder- und Hausmähr<en, Bd. 1, S. 281. Für das maſuriſche Mähr<hen <arakteriſtiſch iſt, daß ein Kobold die Hauptrolle ſpielt. Auch ſein Name Titelituri, die Goldhandſchuhe, ſeine Verwandlung in einen Vogel und ſeit Verſchwinden find bemerkenswerth. .- ',

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=“ 10 -- anders erreichen als der Hirte : denn wenn ein andrer ſie pflüken wollte, wuchs der Baum gleich ſo hoh, daß er ſie nicht berühren konnte. Nun kam einmal eine kleine Kaße angelaufen, die ſagte zu dem Hirten, er möchte den größten und ſchönſten der Aepfel abpflüen und verwahren. Das that der Hirte, und als er den Apfel abgepflü>t hatte, fing der Apfel auch an zu ſingen und ſang daſſelbe Liedchen. . Er legte den Apfel in einen Kaſten, die Katze ſetzte ſich auf dieſen und wollte auch niht mehr fortgehen. Sie ſagte zu dem Hirten, er ſolle die ſchönſte Prinzeſſin holen, die e8 gebe, die ſolle den Apfel aufeſſen. Da fuhr er denn hin zum Könige und holte die ſchönſte Prinzeſſin, und die mußte den Apfel aufeſſen. Und als ſie den Stengel fortſ<miß, da geſhah ein Knall und der Dumme von den drei Brüdern ſtand vor ihr, aus dem Stengel. Die Beiden heiratheten einander. Auf der Hochzeit bin ih au< geweſen und habe da Bierchen getrunken; das lief aber alles aufs Kinn, im Mund iſt nichts geblieben.!) Aus Klein Jerutten. Die goldenen Tauben. Es war einmal ein Bauer, der hatte drei Söhne, zwei kluge und einen, den ſie den Dummen nannten. Derſelbe Bauer hatte auch eine goldene Wieſe. Jeden Morgen, wenn der Bauer auf die Wieſe kam, ſah er, daß da getanzt war, denn das Gras war im Kreiſe zertreten. Er ſchi>te daher ſeinen älteſten Sohn, die Nacht über auf der Wieſe zu wachen. Der aber bemerkte nichts, vermuthli<h weil er eingeſchlafen war. Darnac<h wachte der zweite, aber es erging ihm nicht beſſer. Da ſagte der Dumme: Vater, laß mich nur wachen, ich. werde ſchon etwas herausfinden. Und richtig, als er wa<hte, um 12 Uhr Nachts kamen drei goldene Tauben geflogen, die verwandelten ſich in eine Prinzeſſin und zwei Dienerinnen, legten ihre Flügel in das Gebüſc<h und fingen an zu tanzen, ſo daß immer eine ſang und die beiden andern tanzten. Da ſ<lih der Dumme in das Gebüſch, nahm ihnen die Flügel .und ſagte, als ſie die Flügel zurüFverlangten: Jh gebe euch eure Flügel nicht eher zurüs, als bis jede von euch mir etwas geſchenkt hat. Da ſchenkte ihm die Prinzeſſin einen goldenen Ring, eine der Dienerinnen einen goldenen Apfel, die andere Dienerin . . . (Was dieſe ſchenkte, hatte die Mähr<enerzählerin vergeſſen). Er fragte die Prinzeſſin, ob ſie ihn heirathen möchte; ſie ging' darauf ein. So fuhren ſie alſo zu ſeinen Eltern und machten Hochzeit. Als ſie nun nach ihrem 1) Vgl. das Mährchen vom goldenen Vogel bei Grimm, Kinder- und Hausmährchen, Bd. 1, S. 290. Das Lied der Flöte und des Apfels erinnert an den ſingenden Knochen, ebenda Bd. 1, S. 149. Zu dem gehörnten Schwein vgl. die Sage von den Goldbergen. M0».

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=“ 141 = S<loß zurück wollte, ſhi>te er ſich an, ſie zu begleiten, ſie bat ihn aber, noh ein Jahr bei ſeinen Eltern zu bleiben, ſie wollte mit ihren Mädchen vorausfliegen. Er fragte ſie, wo ihr Shloß liege, ſie antwortete ihm darauf: mein Schloß liegt da, wo die Sonne untergeht, und wo immer Winter iſt. Darauf flog ſie davon, er aber blieb no<h ein Jahr bei ſeinen Eltern. Als das Jahr um war, machte er ſich auf den Weg na<h dem goldenen Shloß. Er hatte weit zu gehen - über Berg und Thal, durch Feld und Wald; endlich erreichte er eine Wieſe, auf - der ſich zwei Rieſen um einen Stiefel prügelten. Er fragte ſie: „Warum prügelt ihr euch“. Da ſagte der eine der Rieſen: „Wir haben von unſerem Vater einen Stiefel geerbt, der mit jedem Scritt hundert Meilen macht; wir wiſſen aber nicht, wer von uns beiden ihn haben ſoll“. Da machte der Dumme ihnen kurzweg den Vorſchlag und ſagte: „Wißt ihr was? Dann gebtihn mir.“ "Die Rieſen gaben ihm au< wirklich den Stiefel, und er zog ihn an, und machte - nun mit jedem Scritte hundert Meilen. Darauf kam er wieder nah einer - Wieſe, auf der ſich wieder zwei Rieſen prügelten, und zwar um einen Mantel. Er fragte ſie: „WesShalb prügolt ihr euch, und was hat denn der Mantel zu bedeuten?“ Da ſagte der eine der Rieſen: „Wir haben den Mantel geerbt, und er beſitzt die Kraft, denjenigen, der ihn umnimmt, unſichtbar zu machen“. Da ſagte der Dumme: „Gebt den Mantel mir, dann habt ihr Frieden.“ Rich- - tig, er bekam auch den Mantel und nahm ihn ſich um. Darauf wanderte er wei- ter und kam wieder an eine Wieſe, wo ſich zwei Rieſen um einen Säbel prü- Helten. Auf ſeine Frage, was der Säbel für eine Kraft habe, ſagte ihm einer der Rieſen: „Der Säbel hat die Kraft, was man mit demſelben berührt, das wird lebendig.“ Er bekommt den Säbel auf dieſelbe Weiſe, wie vorher den Stiefel und den Mantel, und geht weiter und kommt an ein Häus<en im Walde, in dem eine alte Hexe wohnte. Er bittet um Nachtquartier, und ſie nimmt ihn auch auf. Au fragt er fie nac dem Wege zum goldenen Schloß, worauf ſie ihm ſagt: „Das goldene Schloß liegt da, wo die. Sonne untergeht, und wo-nie Sommer iſt.“ Sie hatte aber Macht über die Thiere im Walde und blies in ein Horn. Da kam ein Löwe, und ſie ſagte ihm, er möchte den Fremden im Walde beſchüßen und nicht zu Schaden kommen laſſen. Richtig, er kommt auch ganz gut durch den großen Wald und wieder an ein Häus<en, „wo wieder eine alte Hexe wohnt. Die nimmt ihn ſehr gut auf und ſagt ihm, fie habe Macht über alle Vögel. Sie bläſt in ein Horn, da kommt der Zaun- könig geflogen. Dem ſagt ſie, er ſolle den Fremden auf den Rü>en nehmen und mit ihm nach dem goldenen S<loß fliegen, dieſer aber mußte dabei, um unſichtbar zu fein, den Mantel umnehmen. Der Zaunkönig fliegt mit ihm über Meere, Wälder, Seen und Städte und fragt ihn alle Augenbli>: „Was fiehſt du da?“ Er antwortet: „I< ſehe die Wolken da in der Ferne.“ Der Vogel aber erwiederte: „Nein, das iſt das goldene Schloß, wo die Prinzeſſin

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'- 182 - wohnt.“ So kommen ſie denn nah langer Reiſe bei dem Schloſſe an, aber die Thüren ſind zugeſ<hloſſen, und auf dem Hofe iſt Alles todt, Thiere und Pflanzen ſind wie verzaubert. Er bullert an die Thür und denkt: „J4Hh kann mich hier zerbullern, es wird do<h nicht gehört!“ Endlich ruft er: „Ewe, Ewe (d. h. Ewa, Ewa), mach' die Thüre auf!“ Da ſchi>t ſie ihr Dienſtmädchen hinaus, und er ſagt dieſer, er ſei der Mann von der Prinzeſſin, das Jahr ſei ver- floſſen, und ſo komme er denn zu ihr. Das Mädchen verlangt von ihm ein- Zeichen, daß er es ſei; da kollert er den Apfel in das S<loß. Darauf geht das Mädchen zur Prinzeſſin und zeigt ihr an, daß ihr Mann da ſei. Die Prinzeſſin lacht und ſagt: „Das iſt doch nicht möglich, daß der hierher gefin- den hat, es wird ein andrer ſein!“ Das Mäd<en zeigt ihr aber den goldte nen Apfel, und ſo glaubte ſie und ließ ihn ein. Als er eingetreten wär, ſagte ſie ihm: „Du kaunſt hier niht eher Ruhe haben, als bis du die zweimal zwölf Teufel hier im Hauſe beſtanden haſt; im erſten Zimmer ſind ihrer zwölf, eilf haben einen Kopf, der zwölfte hat zwölf Köpfe; wenn du dieſem einen ſeiner - zwölf Köpfe abhauſt, wachſen an der Stelle deſſelben immer gleich zwölf neue, wenn du ihn aber beſiegſt, dann verſchwinden auc<h die übrigen zwölf [ſo]. Im zweiten Zimmer ſind wieder zwölf Teufel, von denen der eine vierundzwan- zig Köpfe hat, und da mußt du, was ſie dich auh fragen, nicht darauf hören und nichts antworten.“ Ex kommt in das erſte Zimmer und befiegt die zwölf Teufel. Dann kommt er in das zweite Zimmer; da kommt ihm einer der Teufel ent- gegen und fragt ihn, was er da zu ſuchen habe? Er iſt aber ganz ſtumm und ſagt nichts; da kommt ein zweiter und ſagt: „Warum haſt du nicht geantwor- tet, wenu du gefragt wirſt?“ Er ſagt aber wieder kein Wort und bleibt ſtumm, was ſie ihn auch fragen. So beſiegt er auch dieſe. Nun kommt er in.das dritte Zimmer, da liegt der König und die Königin todt. Er berührt ſie mit dem Schwerte, da bekommt das ganze Shloß mit Allem, was darinneniſt, einen Ruck, auch er ſelbſt, daß die Gedärme im Leibe ſich ihm umdrehten, der König and die Königin wurden lebendig, ebenſo alle Thiere und Pflanzen. Er führte den König und die Königin zu ſeiner Frau und lebte mit derſelben ſehr glü&- lich. Sie mögen auch noh leben.') * Aus Klein Jerutten. Die Roſe. Ein Kaufmann hatte drei Töchter, von denen er beſonders die jüngſ« fehr liebte. Als er ſich einſt zur Reiſe über Meer 'in ein fernes Land rüftete, 1) Einzelne Elemente dieſes Mährens finden ſich in dem Grimm'ſchen Mähren: 'Der König vom goldenen Berg. Kinder: und Hau8mähr<hen, Bd. 2, S. 35, wo auch die -Rieſonkämpfe beſſor motivirt ſmd, aber im Uebrigen ſind beide Mährchen grundverſchieden.

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m u m fragte er beim Abſchiede die Töchter, was er ihnen aus dem fremden Lande mitbringen ſolle. „Mir, lieber Vater,“ ſagte die älteſte, „bringe ein Sonnen- fleid?) mit,“ „mir,“ bat die zweite, „eine goldene Müßte,“ „und ich bitte,“ rief die jüngſte, „um eine Roſe, ih möhte gerne ſehen, wie die Roſen im frem- den Lande blühen.“ Dex Vater verſprach, ihnen ihre Wünſche zu erfüllen, und fuhr mit günſtigem Winde ab. Als er in dem fernen Lande ſeine Einkäufe beſorgt und ſich auf die Rückreiſe begeben hatte, entſtand aber gleich am erſten Tage ein heftiger Sturm; das Schiff wurde auf einen Felſen getrieben, zer- ſchellte, und alle Schäße und Waaren ſanken unter. Der Kaufmann, welcher fich an ein lo8geriſſenes Brett klammerte, wurde allein an das Land getrieben und entging ſo dem Tode. Er ging an dem Ufer hin und her und beklagte den Verluſt ſeiner Habſeligkeiten, aber am meiſten that es ihm um die Geſchenke leid, die er für die Töchter miigenommen hatte, und daß er ihnen nun keine Freude machen könnte ; da erbli>te er nicht weit von dem Orte, an dem er ſich befand, ein kleines Häuschen und daneben einen Roſenſtrauch mit wunderſchönen Roſen. „Da ſehe ich ja Roſen,“ dachte er bei ſich ſelbſt, „und kann wenigſtens meiner liebſten Tochter eine Freude machen“, und ging hin, um eine abzupflüken. Als er ſchon ganz nahe daran war, kam aus dem Häus<hen ein häßliches Thier, nicht re<ht Wolf und nicht recht Bär, das aber ſprechen konnte und ihn auch gleich fragte, wer er ſei, und wa3 er wolle. Der Kaufmann erzählte ihm, wie es ihm ergangen ſei, und wie er nichts ſo bedaure, als den Verluſt der drei Geſchenke für ſeine drei Töchter, und wie er ſich eine Roſe von dem Roſenſto>e abſchneiden wollte für ſeine jüngſte und geliebteſte Tochter. Das Thier, ſo ab* ſc<re>end es. auH ausſah, war in ſeinem Weſen recht liebenswürdig, lud den Kaufmann ein, in ſeiner Hütte einige Tage auszuruhen, und verſprach ihm auch &ine Roſe mitzugeben. Das nahm der Kaufmann alle3 dankbar an, und als er nach ein Paar Tagen Verlangen zeigte, nach Hauſe zu reiſen, ſagte das Thier: „Dier haft du die Roſe, reiſe glücklich, aber nach einer gewiſſen Zeit (die ihm das Thier bezeichnete) muß deine jüngſte Toter hier ſein, ſonſt iſt es um mein und euer Aller Leben geſchehen.“ Das mußte der Kaufmann nun ſchon ver- fprechen. Als er darauf zum Ufer ging, um Anſtalten zur Abreiſe zu treffen, . da war auch gleich ein Siff zur Hand, das nur für ihn beſtimmt zu ſein ſchien, und das er dann auch gleich beſtieg. Er kam ſehr bald glücklich nach Hauſe und erzählte daſelbſt ſeine Abenteuer. Mit betrübtem Herzen fügte er auch hinzu, was das Thier von ſeiner jüngſten Tochter verlangt hätte. Alle waren darüber ſehr traurig, nur die jüngſte Tochter ſelbſt tröſtete ſie und ſagte: „„Srämt euch nicht, es iſt ja beſſer, daß ich allein umkomme, als daß euch alle 1) Oft erwähnt, z. B. Grimm, Kinder- und ME Bd. 1, S. 34 Bd. 2, S. 10, 400, 435. .

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das Unglüd trifft, und vielleiht wird mir auch nicht8 Schlimmes widerfahren.“ Als die von dem Thiere bezeichnete Zeit herankam, nahm fie Abſchied von den Ihrigen und begab fich an das Ufer. Dort wartete ihrer auch ſchon daſſelbe Sc<iff, welhes8 den Vater zurügebra<t hatte, und der Capitain rief ihr ent- gegen: „Sputen fie ſich, Fräulein, es iſt die höchſte Zeit.“ Nach einer ſehr ſchnellen und glüFlihen Fahrt kam ſie nac< dem Hütthen an. Am Ufer empfingen ſie drei ſchöne ſ<warzgekleidete Fräulein, die aber bald verſchwan- den und ſie ganz allein ließen. Da ging ſie denn allein auf die Hütte zu und als fie in den Garten kam und das Thier ihr entgegentrat, erſchrak fie ſo ſehr, daß ſie ohnmächtig wurde. Das Thier war ſehr beſorgt um ſie, und holte Waſſer, um ſie wieder ins Leben zu rufen, was ihm auch gelang. Auch redete es ihr freundlich zu, ſich nicht zu ängſtigen, e8 werde ihr nichts geſ<hehen, auß ſolle es ihr an nichts fehlen. Sie beruhigte ſich wirklich, und da ſie im übri- gen hatte, was ſie bedurfte, gut Eſſen und Trinken, gute Kleidung u. ſ. w., und da ſie ſich mit dem Thiere auch unterhalten konnte, ſo fühlte ſie fich allmäh- lich auch zufrieden. Nach einigen Monaten fing ſie ſich aber doh an zu bangen. Das Thier bemerkte es und tröſtete ſie, daß zu Hauſe alles geſund und ver- gnügt ſei, und gab ihr auch einen Spiegel, in welchem ſie die JIhrigen ſehen konnte.!) Sie ſah, wie die Ihrigen ſangen und ſprangen und vergnügt waren. Das verſtimmte ſie doh. „Sie kümmern ſich,“ ſagte. ſie zu fich ſelbſt, „auch gar nicht um dich und wiſſen doch nicht einmal, ob du noch lebſt.“ Nun wollte ſie ſich auch nicht mehr nach ihnen bangen, aber nach ein Paar Tagen überkam ſie doch wieder die Shwermuth. Da ſagte das Thier: „J< werde dich zum Be- ſuche na<h Hauſe ſchien, aber nac<h ein Paar Tagen mußt du wieder zurü- kommen, ſonſt muß ich und ihr Alle mit mir ſterben.“ Das that es denn auch, fie beſtieg das Schiff und war in einer Minute zu Hauſe. Jhr Vater und ihre Schweſtern waren freudig überraſcht und ſehr glü>lich, als fie fie wieder hatten, und wollten ſie gar nicht mehr wieder fortlaſſen, aber ſie ließ ſich nicht be- . wegen, zu Hauſe zu bleiben, da ja dann Alle ſterben müßten. Als die beſtimm- ten Tage verfloſſen waren, begab ſie ſi wieder an das Ufer, wo das Schiff ſchon bereit ſtand, und der Capitain ihrer mit Ungeduld wartete. Er meinte, als ſie anlangte, daß es eigentlich ſhon etwas zu ſpät ſei. Sie ſtieg aber ein, und in einer Minute war ſie wieder bei dem wunderbaren Thiere. Es hatte mit großer Unruhe auf ſie gewartet und war, als die rechte Zeit verſtrichen war, in Ohnmacht gefallen, und ſo fand es das Mäd<en auf der Erde liegend. Das that ihr ſehr leid, ſie kniete an ihm nieder und küßte es -- da fiel die zottige Haut von ſeinem Leibe und vor ihr ſtand ein ſchöner Prinz und aus 1) Vgl. oben den Hexenſpiegel, und den wunderbaren Spiegel bei Grimm, Kinder: und Hausmährc<en, Bd. 2, S. 448.

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-- “6 - dem Hütthen war ein S<loß inmitten vines prächtigen Parks geworden, und im Scloſſe kebte Alles wieder auf, was bis dahin ſich nicht geregt hatte, die Eltern und Geſchwiſter des Prinzen und alles Geſinde. Der Prinz umarmte. das Mädchen und erzählte ihr, daß er verwünſcht geweſen ſei, und nur ein Kuß eines reinen unſchuldigen Mädchens bei ſeiner abſhre>enden Geſtalt hätte ihn erlöſen können. Jett heirathete er das Mädchen, und das glü>liche Paar "lebt bis auf den heutigen Tag*). (Aus Klein-Jerutten.) ' Schweſter und Braut. Ein junger König hatte. eine ſchöne Schweſter und -- wollte auß gerne heirathen; konnte aber keine Prinzeſſin finden, die ſo ſchön geweſen wäre als ſeine Schweſter. Da bot ſich dieſe an, für ihn eine ſchöne Braut zu ſuchen, und reiſte zu dieſem Zwe> im Lande umher. Als ſie nun ſchon lange unter- wegs geweſen war und auch viele andere Länder durchreiſt hatte, kam ſie in einem Walde an ein kleines Hütthen, in welchem am Fenſter ein ſehr ſchönes Mädchen ſaß und webte. Dies fiel ihr auf, und ſie merkte ſogleich, daß dieſes Mäden und kein anderes ihrem Bruder zur Frau beſtimmt ſei. Sie ging in die Hütte hinein und machte mit dem Mädchen Bekanntſchaft, und beide ge- wannen einander ſehr lieb. Die Prinzeſſin erzählte dem fremden Mädchen auch, zu welhem Zwecke ſie umherreiſe, und ſagte ihr dann, daß ſie jekt die Braut für ihren Bruder gefunden habe, nämlich ſie ſelbſt, und ſie müßte nun auch gleich zu ihrem Bruder ſie begleiten. Das junge Mädchen war darüber ſehr erfreut und ſagte: „Ja, ich will ſehr gerne die Frau Deines Bruders wer- den, aber erſtens muß ich zuvor noh die Leinwand ausweben, die auf dem Webeſtuhk ift, und das wird einige Zeit dauern, und zweitens iſt meine Mutter eine Hexe. und wird mich nicht gehen laſſen wollen, da werden wir viel au8halten müſſen. Jetzt iſt ſie nicht zu Hauſe, aber ich merke, daß ſie nur no<h dreißig Meilen von hier entfernt iſt, und wenn fie Dich hier findet, fo bringt ſie Dich um. I< will Dich daher in eine Kohle verwandeln, dann findet ſie Dich nicht“. Das that ſie denn auch und legte ſie unter die anderen Kohlen in den Ofen. Als nun die Mutter ankam, ro<h ſie glei<ß, daß ſich ein Menſch in ihrem Hauſe befände, aber die Tochter verſicherte, daß dies nicht der Fall ſei; auch ſei es ja unmöglich, daß in dieſe Wildniß je ein Menſch kommen könne; und ſo beruhigte ſie ſich. Als ſie den andern Tag wieder das Haus verließ, ihren Beſchäften nachzugehen, verwandelte ihre Tochter die Kohle wieder in die Prinzeſſin und 1) Eine entfernte Aehnlichkeit zeigt das ſingende, ſpringende Löwene>erhen bei Grimm, Kinder- und Haus:Mährchen, Bd. 2, 6. 6. „Doch iſt dem maſuriſchen Mährchen Originälität: nicht abzuſprechen. | 10

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ſie webten fleißig, um bald fertig zu werden. Als aber die Hexe vem Hauſe ſich wieder näherte, und die Tochter dieſes merkte, verwandelte ſie die Prinzeſſin in eine Erbſe und legte dieſelbe unter die anderen Erbſen in ein Gefäß. Die Alte kam und fragte wieder: „Es rie<ht mir hier na< Menſchenfleiſch“, wo: gegen die Tochter verſicherte, daß dies niht möglich ſei. , „Haſt Du für mich nicht etwas zu eſſen?“ fragte die Alte. „Nichts weiter als jene rohen Erbſen“, antwortete die Tochter. Nun ſett ſich die Hexe an die Erbſen und frißt faſt alle auf, nur drei bleiben übrig, aber darunter auch die Prinzeſſin. Den dritten Tag, als die Alte wieder weggegangen war, entzauberte das Mädchen die Prinzeſſin wieder, ſie arbeiteten eifrig fort und webten die Leinwand zu Ende, und machten ſich auf den Weg in die: Heimath der Prinzeſſin. Die Tochter der Hexe nahm aber zur Vorſicht einen Kamm, eine Bürſte und ein G mit. Die alte Hexe kam mittlerweile näc<h Hauſe, und als ſie die Tochter niht zu Hauſe fand, merkte ſie gleich, was geſchehen war, rüſtete ſich aus und. ſetzte ihnen nah. Die beiden jungen Mädchen ſehen ſi<, weil ſie das fürc<ten mußten, alle Augenblie ängſtlich um und erkennen zu ihrem Sreden, daß ſie ihnen wirklich nachfolgt und ſich ihnen immer mehr und mehr nähert. Als ſie ihnen ſchon ganz nahe iſt, wirft die Tochter die Bürſte hinter ſich, und es entſteht ein dichter, wild verwachſener Wald, in den Niemand eindringen kann. Nun kann die Alte nicht weiter und muß erſt zurü> und von Hauſe eine Axt holen, um ſich einen Weg durchzuhauen. Wie ſie damit fertig iſt, will ſie die Axt unter einen Strauch legen, da hört fie aber einen Vogel, wie der ſingt: „I< werde auf- paſſen, wo die Axt hingelegt wird, da werde ich ſie mir dann holen!“ „Oho das ſollſt du nicht“, antwortet die Alte und läuft wieder zurü&>, um die Axt zu Hauſe zu verwahren. Nun läuft ſie wieder den Mädchen nah, und da ſie viel größere Schritte nehmen kann, als irgend ein Menſch, ſo iſt ſie ihnen bald ſo nahe, daß ſie fürchten müſſen, jeden Augenbli> von ihr ergriffen zu werden. In ihrer Angſt wirft die Tochter der Hexe .den Kamm hinter ſich, und es ent- ſtehen Schluchten und Berge und Felſen, daß kein Menſch im Stande iſt, hiu- über zu kommen. Nun muß die Alte wieder nach Hauſe, einen Spaten zu holen. Als ſie ſich endlich einen ſhmalen Weg geebnet hat, will ſie, um nun ſ<hnell weiter zu kommen, den Spaten nur unter einem Strauch verſte>en , da ſingt derſelbe Vogel wieder: „I< werde aufpaſſen, wo der Spaten hingelegt wird, da werde ich ihn mir dann holen!“ Die Hexe muß alſo wieder, nach Hauſe, um den Spaten dort zu verwahren. Als ſie darauf den Mädchen zum dritten Male ſchon ganz nahe gekommen war, wirft ihre Tochter das Ei hinter ſich, und es entſteht ein großer zugefrorner See, und das Eis darauf iſt ſpiegel- glatt. Wie die Alte hinüber will, fällt ſie hin und bricht ſich Hals und Bein. Nun können die Mädchen ruhig weiter ziehen. Als ſie in das Land gekommen waren, wo die Prinzeſſin zu Hauſe war, und ſich ſchon dem Schloſſe näherten,

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Ww wo der Bruder der Prinzeſſin wohnte, da verwandelte die Tochter der Hexe ſich - und die Prinzeſſin in zwei Tauben, und ſie nährten ſich in dieſer Geſtalt einigs Tage lang in des Königs Hirſefeld. Eine8 Tags geht nun der Diener des. Königs durch das Feld und hört, wie eine Taube ſingt: „J< bin die Schweſter des Königs, habe Länder durchreiſet, um ihm eine Braut zu ſuchen, und hier iſt dieſelbe auch“. Das erzählte der Diener ſogleich dem Könige, der ſchi>te einen andern Diener in das Feld, zu erforſchen, ob es auch wahr wäre, was jener erzählt hatte, und als dieſer es beſtätigte, ging er ſelbſt hin, um ſich ſelbſt zu überzeugen. Er hört dieſelben Worte der Taube und iſt ſehr betrübt darüber, daß die Mädchen Vögel geworden ſind, beſchließt aber doh, ſie zu fangen, Dies gelang endlich nach vieler Mühe, und in demſelben Augenbli> wurdey die Tauben wieder zu Mädchen. Aber die beiden Mädchen waren einander jn allen Stücen ſo vollſtändig gleich, daß der König nicht erkennen konnte, welches die Scweſter, und welches die Braut ſei, und ſo konnte denn auch aus der Heirath vorerſt no<m nichts werden. Der König war hierüber ſehr traurig. Als er eines Tages ſo recht betrübt durch die Straßen der Stadt ging, begegnete ihm- eine Fleiſjcherfrau und fragte ihn, warum er ſo betrübt ſei. Er klagte ihr ſeine ganze Noth, und daß er nun nach ſo langem Warten, da die Braut in ſeinem Schloſſe wäre, Schweſter und Braut nicht unterſcheiden könne, „DO, dafür - meiß ich Rath“, ſagte die Frau; „nehmen Sie nuyx von uu8 Blut in einer Scweinsblaſe und befeſtigen Sie ſich dieſe irgendwie auf der Bruſt; dann ſtellen Sie ſich ſo recht traurig und verzagt, nehmen ein Meſſer aus der Taſche und thun ſo, als wenn Sie ſich erſtehen; wenn dann die Mädchen das Blut, ſehen werden, dann werden ſie zu Ihnen hinſtürzen, und die Schweſter wird zu Kopfende und die Braut zu Fußende ſein. Der König befolgte den Rath, und als nun die Braut zu ſeinen Füßen um ihn beſchäftigt war, da ſtand er auf und hielt ſie feſt und fagte ihnen, warum er ſie ſo erſchre>t hätte. Die Mädchen aber nahmen fortan, jede ihre wirklihe Geſtalt an, da waren ſie einander wohl ſehr ähnlich, aber doh von einander zu unterſcheiden. Nun feierte der König die Hochzeit mit ſeiner Braut, und ſie lebten mit einander glü>lich viele Sahre '). Ma Aein-Zerutten). 1 Das wunderbare Pfeiſchen. Ein Knecht diente.in der Hölle und that ſeinem Herrn, dem Teufel, ſo gute Dienſie, daß dieſer ſagte: „Wenn Du aus meinem Dienſte gehſt, dann kanaft Du Dir von mir erbitten, was Du willſt, ich werde es Dir mitgeben“. 1) Die Flucht der beiden Mädhen erinnert an die Waſſernixe bei Grimm, Kinder- und. Hausmährchen, Bd. 1, S. 399. Uebrigens haben dieſe beiden Mährchen nichts mit einander gemein. 10*

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8. Der Knecht mußte in einem großen Keſſel die Seelen der böſen Menſchen kochen. Da baten ihn die Seelen, er mörhte nicht8 weiter verlangen als nur den Schaum aus dem Keſſel. Als er nun zwei Jahre gedient hatte, ſo ſagte er zu dem Teufel: „I< will jezt aus dem Dienſte abgehen, und als Lohn erbitte ih mir den Schaum aus dem Keſſel“. Der Teufel kraßte ſich hinter dem Ohr; es war ihm eine re<t unangenehme Forderung, aber er kann doh nicht anders und muß Wort halten. Da nimmt ſich denn der Knecht ein volles Sädchen Schaum und geht. So kommt er auf eine Wieſe und ruht etwas ans. Da will er denn anch ſehen, was aus dem Shanm geworden iſt und ſchüttet ihn auf das Gras, und es entſtehen aus demſelben lauter Schäfchen *). Da kommt der Herr Jeſus gegangen und fragt ihn, ob er ihm die Schäfchen nicht ver: kaufen könnte. „OD ja“ ſagt der Knecht. „Aber ich kann Dir dafür weiter nichts geben, als eine Flöte; willſt Du fie dafür nehmen?“ „Meinetwegen“, ſagte der Knecht, und fie wurden handelseinig. Das Pfeiſchen hatte die Eigen- ſchaft, daß, wenn man darauf blies, alle, die es hörten, tanzen mußten. Der Knect bläſt auf ſeinem Pfeiſchen, da kommt ein Jude mit Porzellan gegangen; als er das Blaſen hörte, mußte er tanzen und ſpringen, daß all ſein Porzellan zerſchlagen wurde . ...... 2?) Der Jude verklagt den Knecht bei Gericht, und der Knecht wird verurtheilt und ſoll gehängt werden. Wie er nun ſchon am Galgen ſteht, ſo bittet er noh um die Gunſt, noch einmal auf ſeiner lieben Flöte blaſen zu dürfen. Der Jude, der auch auf dem Platze iſt, bittet, es ihm nicht zu erlauben; als die Erlaubniß denno<h ertheilt wird, ſo ſchreit er : „bin- det mich, bindet mich, ſonſt muß ich wieder tanzen.“ Der Knecht aber nahm ſeine Flöte vor und blies, und alle Anweſenden, Richter und Zuſchauer, faßten einander an und tanzten, daß fie beinahe ohnmächtig wurden. Endlich erließen ihm die Richter die Strafe, und er ging ſeiner Wege *). Der Ritt in das vierte Sto>werk. Es war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne, von denen zwei für klug galten, der dritte für dumm. Als er im Sterben lag, ſagte er zu ſeinen Söhnen: „Wachet an meinem Grabe, wenn ih beſtattet bin, jeder eine Nacht." Sie verſprachen e8; do< als die erſte Nacht kam und der Aelteſte zuerſt die Wade halten ſollte, befiel ihn Angſt und er wollte nicht. Da ſagte der Jüngſte: 9) Anderwärts werden die Seelen als Flügel<hen dargeſtellt, die in der Hölle ge- kocht werden. Mittheilung aus Lindenwalde bei Kurken. *) Hier fehlt ohne Zweifel etwas. *) Obwohl dieſes Mährchen offenbar nur lüenhaft und ſummariſch mitgetheilt iſt, glaubten wir doch der höchſt merkwürdigen Einleitung wegen es wiedergeben zu müſſen. Die weitere Ausführung iſt aus dem Grimm'ſchen Mähr<en: „Der Jude i im Dorn“, Kin- der- und Haliwmährchen, Bd. 2, S. 121, bekannt. A

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= 149 --“ ' „So will ich für Dich hingehen und wachen“. Das geſ<hah. Um Mitternacht öffnete ſich das Grab, der Vater ſtand auf und gab dem Sohne drei Ruthen, welche dieſer wohl bewahrte. Den Brüdern aber erzählte er davon nichts. Als die nächſte Nacht herankam, und. nim der zweite Bruder wachen ſollte, madte dieſer es ebenſo wie der älteſte, mochte nicht hingehen und ließ ſtatt ſeiner wieder den jüngſten wachen. Als dieſer nun am Grabe ſtand, öffnete ſich das Grab abermals, der Vater ſtand auf und gab ihm ein Knäul Garn, welches er wohl bewahrte. Nun war in derſelben Stadt ein König, der hatte eine Tochter, und dieſe wohnte im Schloſſe im vierten Sto> und ließ bekannt machen, daß nur der» jenige ihr Mann werden könne, der zu Pferde zwei Mal die vier Sto> hoch in ihr Zimmer kommen werde ; zum Zeichen, daß er es gethan, werde ſie ihm das erſte Mal ihr Taſchentuch und das zweite Mal ihren Ring geben. Viele Prinzen und Edelleute hatten es bereits verſucht, an der Mauer hinaufzukom- men, aber noh war es keinem gelungen. Nachdem nun der jüngſte der drei genannten Brüder ſchon zwei Nächte für die älteren Brüder am Grabe des Vaters gewacht hatte, kam die Reihe an ihn ſelbſt, und ſo müde er war, begab er ſich nac<h dem Kirchhof, um des Vaters Auftrag zu erfüllen: Das Grab. öffnete ſich abermals, der Vater ſtand auf, belobte den Sohn wegen ſeiner Treue und ſagte: „Du weißt doc<h von der Prinzeſſin, die keinen andern Mann haben will, als denjenigen, der zu Pferde die vier Sto> hoh zu ihr hinaufreitet. Nimm die drei Ruthen, geh an den enbaum im Garten, ſ<hläge mit den Ruthen auf ſeinen Stamm, und Du wirſt dann ſchon ſehen, was Du weiter zu thun haſt“. Den andern Tag, als die Brüder zuſammen waren, ſprachen ſie auch von der Prinzeſſin, und die beiden Aelteſten kamen auf den Gedanken, es mit dem Reiten zu verſuchen. Sie kauften ſich ſchöne Pferde und prächtige Anzüge und ſagten ganz verächtlich zu dem Jüngſten: „Du bleibe nur zu Hauſe und füttere die Schweine und heize den Ofen.“ Als aber die Brüder weg waren, nahm er die drei Ruthen, ping an den Eichenbaum, klopfte dreimal auf den Stamm und ſagte dazu: „Eichenbaum, öffne dich!“ Sogleich öffnete ſich der Baum, und es waren darin die präch- tigſten Kleider; auch ſtand da ein geſatteltes goldenes Pferd. Dev junge Mann 30g. nun ſogleich ſeine Kleider aus, legte die ſchöneren an, ſetzte ſich auf den goldenen Schimmel und ritt an das König8haus. Es waren dort zu demſelben Zwede viele Prinzen anweſend, er aber war der ſchönſte, hatte auc das prächtigſte Pferd, und al3 er den Verſuch wagen wollte, die vier StoF hinauf- zureiten, traten alle zurüf und ließen ihn vor. E38 gelang ihm auch hinaufzu- kommen, ex gelangte in das Zimmer der Prinzeſſin und bat ſich das Taſchen- tuch aus. Sie gab es ihm auch gern, voller Freude, daß es ein ſo hübſcher

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= 160 = ſ<muder Jüngling war. So ritt er denn freudigen Muthes zurük, wechſelte in dem Eichenbaum ſeine Kleider, ließ auch das Pferd und das Taſchentuch dort und ging an ſeine gewöhnliche Arbeit, damit die Brüder, wenn ſie nach Hauſe kämen, nichts merken ſollten. Als die Brüder zurükamen, ſpotteten ſie ſeiner wieder und ſagten: „Wenn Du wüßteſt, was für einen ſchönen Prinzen wir geſehen haben!“ Darauf gab er zur Antwort: „Die Klugen ſehen es bloß, aber die Dummen beſißen es“. „Was? Du denkſt wohl, der Prinz war auch ſo ein Dummer wie Du?" ſagten ſie und verſpotteten ihn noh mehr. Den ändern Tag ritten die Brüder wieder zu dem Schloſſe, und als ſie weg waren, ging der jüngſte an den Eihenbaum, zog ſich wieder die ſchönen Kleider an, beſtieg den goldenen Schimmel und ritt nac< dem Schloſſe. Der Ritt an den Mauern hinauf gelang ihm, wie am Täge zuvor, und er erhielt von der Prinzeſſin den Ring. Auf dem Rü>wege ſchoß Jemand auf ihn und verwundete ihn am Fuße"). Als er nach Hauſe kam, verwahrte er Roß und Kleider, Taſchentuch und Ring wieder in dem Eichenbaum und that, als wenn nichts vorgefallen wäre. | Nun wollte die Prinzeſſin gerne den Namen des Vrinzen wiſſen, der ſie erobert hatte, und da ſie gehört hatte, daß. er verwundet ſei, ließ ſie im ganzen Lande nach allen Lahmen forſchen, jeder Lahme ſollte zu ihr gebracht werden. So hoffte fie ihn ſiher zu erkennen. Die Abgeſandten kamen auch in das Haus der drei Brüder, wo ihnen die beiden Aelteſten ſagten, ihr Bruder ſei zwar lahm, der werde es ja aber auf keinen Fall ſein. Die Abgeſandten nahmen ihn jedoHh mit und brachten ihn zu der Prinzeſſin. Diesmal ſah ihn die Prinzeſſin in ſeinem gewöhnlichen, ſehr ſhmutigen Anzuge, da er aber der Wunde nah der rechte war, ſo weinte die Prinzeſſin, daß ſie einen ſo häßlichen Mann haben ſollte. Da ging er an den Eichenbaum, zog die prächtigen'Kleider an, beſtieg den goldenen Schimmel und ſchikte ſich an, zu der Prinzeſſin zu- rüzureiten. Da kam no<h ein Knecht mit ſe<s goldenen Shimmeln und zwölf ſilbernen Stuten mit zwölf ſilbernen Füllen, die ihm von nun an auch Fehörten. Als ihn die Prinzeſſin jeßt ſahe, er auch das Taſchentuch und den Ring vorzeigte, freute ſie ſic ſehr, und e8 wurde gleich Hochzeit gemacht, und iH war au auf der Hochzeit und ne Bierchen SCHE U. ſ. 0. (Aas GEIE 7 Die Prophezeinng der Lerche. (Es war einmal ein Kaufmann, der hatte einen einzigen Sohn, und die Eltern wußten gar nicht, was ſie ihn lernen laſen ſollten; denn ſie wollten 1) Vgl. Grimm, Kinder“ imd Hausmähr<hen, Bd. 2, S. 249. ?) Ein Seitenſtüd zum Aſchenbüttel; Grimm, Kinder- und Häusmährchen, Bd: 4, S. 109. - m. |

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- 155 - ihn gern ſo recht gut erziehen, und er hatte auch einen guten Kopf. Kaufmann, -- das gefiel ihnen nicht; und Pfarrer, -- das ſchien ihnen auch nicht reht. Da hörten fie von einem Manne, der die Vögelſprache verſtände *), und ſie de- ſchloſſen, ihn zu dem in die Lehre zu geben. Das geſchah, und als er zwei Jahre bei ihm gelernt und den Eltern viel Geld gekoſtet hatte, kam er zurück mit einer Flöte, durch die er alle Vögel anlo>en und ſich mit ihnen unterhal- ten konnte. Die Eltern freuten fich ſehr darüber und waren recht ſtolz auf ihn. Nun wollte er aber auc< wandern, und die Eltern hatten es ihm anch ſchon erlaubt, da ſteht er einmal in der Hausthüre und ſpricht mit einer Lerche, und ſein Vater tritt leiſe hinter ihn und hört, ohne daß der Sohn es weiß, der Unterredung zu. Er hörte den Sohn die Worte ſprehen: „Na Lerche, wenn das wahr würde, was Du da ſagſt, das wäre doh ſehr ſchlimm und traurig“. . Nun wollte der Vater durhaus wiſſen, was die Lerche geſagt hätte, aber der Sohn wollte niht mit der Sprache heraus, ſondern ſagte nur immer: „Sie hat ja nichts geſagt“. Da-ging der Vater zur Mutter und ſagte: „Frau, frage "Du doch den Sohn, was die Lerche geſagt hat, denn ich hörte gerade, als der Sohn zu ihr ſagte: Na Lerche, wenn das wahr würde, was Du da ſagſt, da& wäre doch ſehr ſchlimm und traurig. Vielleicht ſagt er es -Dir eher“. Die Mutter ſ<meichelte dem Sohn auch ſo lange, bis er es richtig ſagte. „Wenn ich es denn ſagen ſoll und muß“, erwiederte der Sohn, „ſo wiſſet, die Lerche hat geſagt: Wenn Du von Deiner Wanderſchaft zurükkommſt, dann wirſt Du ſehr reich ſein, aber Dein Vater wird ganz verarmt ſein, daß er Deiner Hülfe ſehr bedürfen wird; Deine Mutter wird Dir die Füße waſchen und Dein Vater wird das Waſſer austrinken.“ Als das die Eltern hörten, wurden ſie wirklich ſehr böfe auf den Sohn und verabredeten ſich, ihn umzubringen. Der Vater lockte ihn auf einen Speicher und ſ<lug mit einer eiſernen Stange auf ihn zu, traf ihn aber nur in die Hüfte, wo er ihm eine große Beule beibrachte, aber tödten konnte er ihn nicht. Da kam zu ihm ein Kaufmann aus England, um von ihm Waaren zu kaufen, und fragte naß den Preiſen. Der hartherzige Vater antwortete ihm: „J< will Dir die Waaren umſonſt überlaſſen, wenn Du mir den Dienſt erweiſeſt, meinen Sohn zu tödten, und zum Zeichen ſeine Augen und ſeinen kleinen Finger brächteſt“, und erzählte ihm die ganze Ge- ſchichte. Der engliſche Kaufmann war dazu bereit und ſagte: „Gebt mir den Sohn nur gleich mit, ih werde ihn, wenn wir auf dem Waſſer ſind, ermorden. So wurde denn dem Sohne geſagt, er ſolle mit dem fremden Kaufmann mit- reiſen. Der Sohn freute ſich darüber ſehr, ſie beſtiegen das S<iff und fuhren ab. Der Kaufmann behandelte ihn im Anfange ſehr ſchleht und gab ihm | ') Vgl. Grimm, Kinder- und Hausmähr<hen, Bd. 1, S. 172, Töppen, Thierſprac<he und Thiermährchen, N. Pr. Prov.-Bl 1846, Bd. 1, S. 435, |

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- WW .- nichts zu eſſen; da nahm er ſeine Flöte und blies darauf, da kamen ſogleich drei Tauben geflogen, von welchen er ſich zwei fing und kochte. Als ſie ein Paar Tage gefahren waren, gedachte der Kaufmann ſeines Verſprechens, aber der junge Menſc< gefiel ihm ſehr. Ex war ſo klug und immer ſo gehorſam, betete auch jeden Morgen und jeden Abend, ſo daß es dem Kaufmann leid that, ihn umzubringen. Er nahm ihn alſo auf die Seite, erzählte ihm alles und ſagte endlich: „Von jeht ab gher ſollſt Du wie ein Sohn gehalten werden, ic<h nehme Dich als meinen Sohn an". Da freute ſih der junge Menſc< und er nannte den Kaufmann fortan ſeinen Vater. Nun näherten. ſie ſich einer ſchönen Stadt, in welcher ein König wohnte. Son von ferne ſahen ſie eine Kirche, auf der ſehr viele Krähen und Raben ſaßen. Der Sohn' bemerkte dies und befragte deshalb ſeinen Pflegevater. „Ja“, ſagte dieſer, „dieſe Kirche war „einſtmals ſehr ſchön, ſie hatte auch ein goldenes Dach, aber es kamen unreine Geiſter und nahmen von ihr Beſitz, ſo daß jezt Niemand ſich hineinwagt. - Die Krähen und Raben ſind die unſauberen Geiſter. Der König hat demjenigen eine große Summe Geldes geboten, der ſie ihm reinigen möchte, aber Niemand perſteht e8“. „O“, ſagte der Pflegeſohn, „ich möchte mir das wohl übernehmen“. Der Kaufmann. ſuchte ihm das auszureden, aber er blieb dabei, und ſo wie ſie die Stadt erreicht hatten, ging er ſogleich zum Könige, meldete ſich bei ihm und ſagte: „Herr König, iH habe von der Kirche gehört, daß ſie von den böſen Geiſtern eingenommen iſt, und ih möchte ſie davon reinigen“. „„Wenn Du das thäteſt', ſagte der König, „ſo wollte ich Dich reichlich belohnen“. Der junge Mann ging in die Kirche und blieb da drei Tage ohne Eſſen und Trinken, hat ſich nur immer mit den Geiſtern herumgeſtritten, ſo lange bis er ſie beſiegte, und die Glo&en von ſelbſt anfingen zu läuten, und die Altarlichte ſich von ſelbſt anzündeten. Als das der König hörte, war er ſehr erfreut, ließ den jungen Mann rufen und ſagte ihm: „Nun ſage, was Du zur Belohnung haben willſt, es ſoll Dir gewährt ſein; auh habe ich eine Toter, die will ih Dir zur Frau geben, und Du ſollſt mein Nachfolger in der Herrſchaft ſein“. Er aber dankte für alles, auch für die Tochter, weil er no<h zu jung zum Heirathen war, und fuhr mit ſeinem Pflegevater weiter, und ſie kamen nach England in des Kauf- manns Haus. Den König von England hatte ein großes Unglü> betroffen. Er hatte einen Sohn und eine Tochter, und als die beiden einen Sonntag aus der Kirche kamen, ſo wurden ſie ganz voll Schorf und konnten von keinem Arzte geheilt werden. Auch der junge Kaufmannsſohn hörte davon. „OD“, ſagte er, „ic< würde ſie ſchon heilen“. Der Pflegevater hielt das für leeren Eigendünkel und ſchalt ihn wegen ſolcher Reden ; er aber ließ ſich nicht abhalten, ging zum Könige und ſagte: „Herr König, iH will eure Kinder heilen, denn ich weiß, wovon ſie dieſen Schorf haben. Sie haben beim heiligen Abendmahle das Brod nicht aufgegeſſen, ſondern an die Erde geworfen; da kam eine große "u

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- 15338 = ſchorfige Kröte und fraß das Brod auf, und davon haben fie nun ſolhen Sorf, wie die Kröte. Der Herr König muß mir nur erlauben, den Altar auf- zureißen, denn da ſitt die Kröte, und ſie iſt der Teufel.“ Der König erlaubte es ihm, er ging hin, riß den Altar auf und fand richtig die Kröte ſigen. Da nahm er ſie, ſtellte ſie mit zwölf Stof Waſſer aufs Feuer und ließ ſie zu einem Halben einkochen, ſo daß eine Salbe davon wurde. Nun nahm er die Salbe und die beiden Kinder in eine Stube, die er von innen verſchloß, und kurirte ſie in drei Tagen. Den dritten Tag war der Schorf ſ<hon ſo los, daß er ihn mit einem Meſſer abſchaben konnte, und die Kinder ſahen ſo ſchön, wie neuge- boren, aus.!) Der Vater, der König, hatte zuletzt ſhon keine Ruhe mehr und ging, um zu erforſchen, was in dem Zimmer vorginge, an das Schlüſſelloch; als er die Kinder ſah und lachen hörte, wurde er vor Freuden ohnmächtig und fiel auf die Erde. Sobald er ſich ermuntert hatte, und die wiederhergeſtellten Kinder ihm zugeführt waren, bot er dem jungen Menſchen die Tochter und das Königreich an. Diesmal nahm er beides an, und bald war denn auh die Ho<h- zeit. Als nun aber die andern Könige, die auch um dieſe Prinzeſſin gefreit hatten, hörten, daß ein -ſo armer Kaufmannsſohn ihr Mann und König ge- worden war, da wurden fie neidiſ< und kündigten ihm, ihrer zwölf, Krieg an. Da ſagte er denn: Mit allen auf einmal Krieg zu führen, dazu iſt mein Reich zu klein, aber mit jedem einzelnen will ih es aufnehmen. Das geſhah auch, und er beſiegte. ſie alle. Nun lebte er in Glü> und Frieden, aber denno<h war er oft ſehr traurig. Da fragte ihn ſeine junge Frau, was ihm denn fehle; es ginge ihm do<h ſo gut, und er könne ja luſtig ſein. „Ja,“ ſagte er, „ieß habe nun alles, was ich mir wünſchen kann, aber etwas macht mir do< Sorgen,“ und nun erzählte er ihr, was die Lerche ihm prophezeit hätte, und ſagte auch, die Furcht verlaſſe ihn nicht, daß die Prophezeiung in Erfüllung gegangen ſei. „Nun wir können ja hinfahren und uns überzeugen,“ ſagte ſie, und ſo geſchah es auß. Er nahm Soldaten mit. und reiſte hin. Am Thor fragte ex -') Ein ganz ähnlicher Zug kommt in einem Mährchen vor, wel<he8 mir als ma- ſuriſches mitgetheilt iſt, aber faſt ganz mit dem Grimmſchen Mährhen „der Teufel mit den drei goldenen Haaren,“ Bd. 1, S. 152 übereinſtimmt. I< begnüge mich, die Haupt- abweichung, an welche die oben berührten Wirkungen der Oblate erinnern, hier anzufüh- ren. Der verachtete Shwiegerſohn hört in einer der Städte, die er auf ſeiner Wanderſchaft berührt, daß die Tochter des Königs immer mehr und mehr abnehme und zuſammen- trodene, und daß der König dem großen Lohn biete, der ſie heilen könnte, und erfährt nachher von dem Göten (ſo ſagt das maſuriſche Mährchen ſtatt Teufel): Die Prinzeſſin hat beim heiligen Abendmahle das Brod fallen laſſen, und ein Froſch hat es aufgefreſſen, der nun did wird, wie die Prinzeſſin vertro>net; er ſißt unter einem Stein am Altare; man dürfe nur den Stein aufheben, den Froſch tödten, das Brod aus ſeinem Magen nehmen und der Prinzeſſin zn eſſen geben, ſo würde fie wieder zunehmen. Das ge“ ſc<hah denn auch. .

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-=-“ 154 - die Leute nach dem Kaufmann, ſeinem Vater. „Ach,“ ſagten die Leute, „der iſt jeht ganz arm und hütet die Schweine, und ſeine Frau koht für Herrſchaf- ten.“ Da ging er denn in das Hütthen, wo er nur die Mutter einheimiſch fand, gab ſich aber nicht zu erkennen, ſondern verlangte bei ihr Quartier. Sie war ſehr verlegen und ſagte, daß ſie ſo arm ſei, und daß ſie einen König un: möglich aufnehmen könne. Er aber beruhigte ſie wegen ihrer Armuth, ſagt, das ſchade nichts, er habe alles mit, und gab ihr gleich einen Dukaten. Eie war nun über die Ehre ſo erfreut, daß ſie gleich für den Dukaten allerhand Weine und wohlriehende Waſſer kaufte und dem Könige darin die Füße wuſc<. Nachher kam auh ihr Mann. na<h Hauſe, der die Schweine gehütet hatte, und ſie erzählte ihm von ihrem hohen Gaſte. Er aber ſagte: „A<, es iſt auch heute ſo heiß geweſen, haft du nicht einen kühlenden Trunk?“ „Nein,“ ſagte fie, „als das mit Wein gemiſchte Waſſer, in dem ich dem Könige die Füße gewaſchen habe.“ „Gieb es nur her,“ ſagte er, „er hat ja wohl reine Füße gehabt.“ „AH ja,“ ſagte ſie, „wie von Weizenmehl.“ Sie gab ihm das Waſſer, und er trank e8 aus. Der Sohn war ſehr traurig und fragte ſie, ob ſie keinen Sohn gehabt hätten? „Ja,“ ſagten ſie, „das war aber ein Taugenichts, und er lebt ſhon lange nicht mehr.“ „Vielleicht,“ ſagte er, „lebt er doch noh, uw ihr habt ihm Unrecht gethan?“ Da gab er ſich ihnen zu erkennen, ließ ſie reinigen und gut ankleiden und nahm ſie mit ſich in ſein Königreich, und viel: leicht leben fie da no<h, wenn ſie nicht geſtorben ſind. (Aus Klein-Jerutten.) Der Vogel Cäſarius. E3 war einmal ein König, der wax blind. Alle Aerzte und Weiſen konn- ten ihm nicht ſein Geficht verſchaffen. Da fand ſich nach vielen Jahren ein weiſer Mann ein, der ſprach zum Könige: Es giebt in einem fernen Lande einen Vogel mit Namen „Cäſarius“; wenn du deſſen Sang, o König, hören würdeſt, wäreſt du ſogleich ſehend. Dieſer König hatte drei Söhne; zwei waren Aug, und der dritte wax dumm. Da rief der König die klugen Eöhne und bat ſie, ihm den Vogel „Cäſarius“ zu bringen. Der älteſte Sohn rüſtete ſich nun zu de großen Reiſe, beſtieg ein ſchönes Noß und verſicherte ſeinen Vater, er folle ven Vogel haben. Aufs Gerathewohl ritt er nun den ganzen Tag, bis er die folgende Nacht in einer vereinſamten Herberge im Walde übernachten mußte. Dort fand er eine Geſellſhaft Kartenſpieler, die ihn bald nöthigten, mit ihnen zu ſpielen. Im Spiele verlor er nicht nur all ſein Geld, ſondern auch ſein Roß und ſeine Kleider und wurde faſt na>end in einen Keller geworfen. Als na<h Verlauf einer geraumen Zeit nichts von ihm zu hören war, ritt der ändere Sohn aus,

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- 1556 - um ſeinen Bruder und den Vogel zu ſuchen; er traf auf dieſelbe Herberge und es erging ihm gerade ſo wie ſeinem Bruder. -- Al3 auch vom zweiten nichts zu hören war, ſchiäte ſich der dumme Prinz Ludwig zur Reiſe an; aber der König wollte ihn nicht ziehen laſſen aus Furcht, ven Letten zu verlieren, und weil e8 unmöglich ſchien, daß er ausführe, wobei ſchon zwei Söhne untergegangen waren. Aber Ludwig bat ſo lange, bis man ihn ließ. Auf ſeiner Reiſe traf auch er jene Geſellſ<haft Kartenſpieler; aber als er von ihnen eingeladen wurde, ſagte er: Jetzt habe ich wegen eines wichtigen Geſchäftes keine Zeit zum Karten- ſpiel; in kurzem aber komme ich zürü, und dann werde ich mit eu ſpielen,“ und nachdem er ſich geſtärkt hatte, ritt er aufs Gerathewohl weiter. Die fol: gende Nacht brachte ihn in einen großen Wald; da traf er aber eine kleine Frau; ein ſehr altes Weib ging aus ihrem Haus heraus und rief zu ihm: „Prinz Ludwig! Was ſuchſt du hier? Spring herab von deinem Pferde, iß und trink, was ich habe, und dann lege dich nieder, daß du ausruhſt; denn mor- gen haſt: du einen weiten Weg. Du brauchſt mir nichts zu erzählen, ich weiß alles und werde dir Rath geben!“ - Jenes Weib war eine weiſe Frau. Tags darauf ſagte ſie: „Seße dich auf mein Pferd und reite dahin, wohin es gehen wird, bis zu meiner andern Schweſter, die wird dir das Weitere ſagen.“ - Nachdem er noch gefrühſtü>t hatte, beſtieg er dies Pferd, das ſo ſchnell lief wie der Wind. Abends kam er in einen andern Wald und zu der andern weiſen Frau, die hundert Meilen von der erſten entfernt war, und bei der er es ebenſo wie bei der zweiten hatte. Nachdem er ein Nachtlager, Eſſen und Trinken und ein anderes Pferd erhalten hatte, eilte er den andern Tag hun dert Meilen weit zu der dritten Schweſter. Dieſe nahm ihn ebenſo auf und gab ihm am folgenden Tage eine gewiſſe Lehre: „Prinz Ludwig, reite jetzt auf meinem Pferde; dies wird dich weiter als hundert Meilen zu der Stelle hin- bringen, wo du den Vogel Cäſarius finden wirſt. Wenn es ſtehen bleibt, dann ſteige von ihm herunter, gehe geradezu in den Eingang des Sc<loſſes, das vor deinen Augen ſtehen wird. Jn der dritten Stube wird unter andern Vögeln der Cäſarius ſein, den du ſo und ſo erkennen wirſt. Ergreife ihn und gehe ſo ſchnell als möglich fort, damit du niht umkommſt, und ſobald du nur den Fuß auf das Pferd legſt, wirſt du entkommen.“ Nachdem er wie der Wind an Ort und Stelle gekommen war , erblite er ein ſchönes und. wunderbar herrliches Königſchloß, das verſchloſſen war. A18 er in das erſte Zimmer trat, fand er ſoviel Schönheiten, daß er vor Staunen erſtarrte, und eine Fülle von Singvögeln, die in verſchiedenen Tönen fangen; in dem zweiten Zimmer waren noch mehr Schönheiten und Vögel und

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-- 156 -- in dem dritten am allermeiſten. Als er na der einen Seite ſah, erblickte er eine auf goldenem Lager ſchlafend liegende, ſehr ſchöne aber ſchwarze Prinzeſſin, Ohne ſich bezwingen zu können, warf er ſich auf ſie und verrichtete mit ihr das Werk der Liebe, und nachdem er ein Stü>“ Papier ergriffen hatte, ſchrieb er darauf, daß Prinz Ludwig von da und da hier nach einem Vogel aus geweſen wäre und dies gethan hätte. Dieſes Blatt ſte>te er hinter einen Balken in eine Spalte. Kaum gerieth er, den Vogel zu ergreifen, da erhoben ſich große Hunde und Löwen in dem Schloſſe, die ihn verſchlingen wollten; aber er ge- rieth durh Schnelligkeit, ſeinen Fuß auf das Pferd zu legen, und war wie der Wind bei der weiſen Frau. Die ſandte ihn fort zurü> zu ihrer Schweſter und gab ihm ein Stü> Brod, indem ſie ſagte: Nimm das mit dir; ſo oft du auch von demſelben abbrechen wirſt, wird es docH unverſehrt bleiben; die an- dere ſandte ihn zu der erſten, nachdem ſie ihm ein Stü> Seife gegeben hatte, mit den Worten: Wenn du auch wie ein Wald verwachſen wäreſt, waſche dich nur damit, und wie ein Engel wirſt du ſchön und glatt werden. Von der an- dern ritt er zur erſten; die gab ihm ihr Pferd und die Lehre auf den Weg: Deine Brüder ſien im Keller der Herberge; du würdeſt aber am beſten thun, wenn du dahin gar nicht hineingehen möchteſt; du kannſt das ein ander- mal verrichten. Nachdem er zu der genannten Herberge herangeritten war, hielt er es nicht für gut, vorbei zu reiten; ſondern er bezahlte die Sul- den ſeiner Brüder und löſte ſie aus und ihre Sachen, und ſie alle ritten nac< Hauſe. Auf der Reiſe kamen die beiden Brüder zu dem Beſchluß, daß es ihnen unmöglich ſei, nac< ſo ſchlechtem Verlauf ihrer Ausſendung unter die Augen de3 Vater3 zu treten und dem Dummen den ganzen Ruhm zu überlaſſen; ſie müßten den Bruder Ludwig tödten und ihn für verſchollen angeben und ſich ſelbſt al8 die Helden vorſtellen. Da ſie aber ohne Mördermuth waren, und indem ſie an einem Meere einen Haufen Fiſcher ſahen, gaben ſie ihnen Geld und ihren Bruder, damit ſie ihn tödteten. Dieſe ſhwuren den Brüdern, daß jener niemal3 nach Hauſe zurükkehren würde, und ſo ritten jene mit dem Vogel na< Hauſe. Auch Ludwig gab den Fiſchern Geld und bat ſie, ihn nicht zu tödten, auch nicht zu ertränken, und legte einen Eid ab, daß, wenn ſie ihn duf die einſame Inſel, die dort war, ausſetzten, er ſich von ihr nicht rühren würde nach der Heimath. Und ſo geſchah es; er lebte ſieben Jahre lang auf der Inſel und lebte wild wie ein Thier, zuſammen mit den Meerbewohnern und mit den Seethieren, die er mit dem immer vollſtändigen Brote nährte und große Zu- neigung von dieſen erfuhr. In der Heimath war zwar wegen der beiden Söhnt große Freude, aber Trauer um den Verlornen und die Blindheit der Augen; denn der Vogel war immer traurig und gab keinen Ton von ſich. Um dieſe Zeit geſchahen große Dinge in dem verwünſchten Schloſſe, denn die Prinzeſſin hatte naH dem Beſuch des Prinzen Ludwig empfangen, und ſie, die ſelbſt ſchön

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- 157 = war, bekam innerhalb eines Jahres einen unausſprehlih ſchönen Sohn. Doch wußte ſie nicht ſieben Jahre lang, von wem ſie den Sohn hatte. Als einmal der kleine Sohn, mit Verſchiedenem ſpielend, eine lange Ruthe nahm und mit derſelben in allen Winkeln und Spalten ſtichelte, kraßte er mit einem Male in dem Saale den Zettel des Prinzen Ludwig auf und lief mit demſelben zu Mütterhen. Da erſt erfuhr die Mutter, wie und wer ſich ihr genaht hatte, verſammelte ' ein großes Heer und zog zum Krieg wider das Land, aus dem Prinz Ludwig war. Nachdem ſie die Grenzen der Hauptſtadt umſtellt hatte, ſandte ſie einen Herold zum Könige mit dem Befehle, der König ſolle ihr ſofort den Sohn heraus8geben, der den Vogel Cäſarius aus ihrem Schloſſe gebracht hätte ; ſonſt würde ſie das Land und das könig- - liche Haus verwüſten. Der Vater rief voll Fur<t den älteſten Sohn zu ſich und fragte ihn, ob er es wäre. Und als der Sohn antwortete, es verhielte ſich ſo, bat ihn der Vater, er ſolle ſo ſchnell als möglich ſich in das feindliche Lager begeben und vor den Augen der mächtigen Königin Gnade ſuchen. . Der Prinz ſhmüdcte ſich ſo ſchön al8 möglich, beſtieg ein Roß und ritt ab. Hinter der Stadt fand er die Heerſtraße zur Königin wie mit Gold aus» geſchlagen und wagte es nicht, auf demſelben, ſondern' nur neben demſelben, zu reiten. Die Königin erwartet ihn mit ihrem Sohne, der ſie fragt, *ob der ſein Vater wäre, der da heranreite. Nein! mein Sohn, ruft ſie; der hat nicht die Courage deines Vaters. Bald ward der Prinz auc< abgefertigt und mit ihm wieder der Herold geſandt, er ſolle den herſchi>en, der den Vogel gebracht hätte; der jeht geweſen wäre, ſei es niht. Der König ruft den zweiten Sohn, dem es eben ſo ergeht, wie dem erſten. Der beſorgte Vater befahl ſeinen Söhnen, den Prinzen Ludwig aufzuſuchen und zu befragen. Al3 dieſe nun ſahen, daß es bitterer Ernſt weide, ritten ſie ſo ſchnell als möglich zu dem Meere, um die Fiſcher zu fragen, und erfuhren, daß ihr Bruder lebe auf der Inſel. Sofort fuhren ſie in Schiffen mit den Fiſchern dorthin und fanden ihn. Er wollte .nicht gehen, auc< wollten ihn nicht die Meerbewohner und die See- fiſche fahren laſſen. Auf langes Bitten ſeiner Brüder und der Fiſcher fuhr er mit ihnen; aber er war verwachſen und ſchwarz wie ein Wald. Nachdem er aber ſeine Seife angewandt hatte, wurde er ſchöner als ale. Zu Hauſe war große Freude über ihn, und auch der Vogel, als er ſeine Stimme hörte, fang und der Vater wurde ſogleich ſehend. -* Nachdem er ſich ausgerüſtet hatte, ritt er zur Königin, und als er den goldenen Weg fand, rief er: Das iſt ein Weg, gerade wie für mich und trabte gerade auf ihm zu. „Jett reitet unſer Vater,“ rief die Mutter zum Sohne. In Kurzem fand die Begrüßung, Erkennung, volles Freudenfeſt ſtatt; gebeten, beſuchte die Königin ſeinen Vater, und eine Hochzeit wurds ihnen ausgerichtet;

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Der Vater wollte aus Dankbarkeit ſeinem Sohne Ludwig das ganze König- reich geben; aber die Königin rief: „Nicht ſo; ih habe und er ein ganz anderes, wo mein Mann herrſchen wird.“ Und nachdem ſie ſih ausgerüſtet hatten, reiſten ſie fort zu ihrem Vaterlande, wo ſie lange und glülich lebten und regier- ten. Und jene beiden Söhne empfingen Verachtung als Belohnung für ihre. Bosheit und Falſchheit. !) p (Aus dem Angerburger Kreiſe.) Die Froſc<prinzeſſin. . Ein Wirth hatte drei Söhne, zwei kluge und einen dummen; die klugen Söhne wurden gut gekleidet und gut behandelt, der dumme, welcher Hans hieß, mußte nur immer das Vieh hüten. Als nun die Söhne erwachſen waren, - ſagten die beiden klugen zu den Eltern: „Liebe Eltern, ihr müßt uns in die Welt ſchien, denn wir lernen hier zu Hauſe doch nicht8 und möchten doh gerne etwas rechtes werden.“ Der eine wollte die Müllerei und der andere das Fleiſherhandwerk lernen. „Ja ja,“ ſagten die Eltern, „das ſollt ihr, lieben Söhne,“ und fingen auch gleich mit der Ausrüſtung an. Als der Dumme da- von hörte, ſagte er: „Wie ihr in die Welt geht, ſo gehe iß auh, ih will auch was lernen.“ Das wurde aber von den Andern gar nicht beachtet, auch wurde zu ſeiner Ausſtattung nichts beſorgt. So ſammelte er ſich denn ſelbſt alle Brodüberreſte, die er nicht aufaß, in einen Sa, und als die beiden Brüder ihre Wanderſchaft antraten, ging er mit. Im nächſten Walde kamen fie an einen Kreuzweg, die klugen Brüder gingen nach der einen Seite, der Dumme nach der andern. Nun ging er denn im Walde und ging immer weiter, ohne hinauszukommen, ſein Vorrath an Brod ging ihm aus, daß er ſich Beeren leſen Mußte, aber das reichte nicht hin, ſeinen Hunger zu ſtillen, und er fing ſchon an, vor Hunger und Beſchwerden zu weinen, da ſieht er in der Ferne ein Licht- Hen ſchimmern, nimmt no die letzte Kraft zuſammen und erreicht das Hütten, aus dem der Lichtſchein kam. Er geht hinein und ſagt ſeinen Gruß, ſo wie er 'es von andern Leuten gehört hat. Es war aber Niemand darin als ein Froſc<h, der ihm denn auf ſeinen Gruß dankte und ihn fragte, was. er habeu wollte. „Ach,“ ſagt er, „meine Brüder ſind .in die Welt gegangen, etwas zu. lernen und ihr Glü> zu machen, ſie hofften auch, reihe Bräute zu gewinnen, und verſprachen, der Mutter von denſelben ſchöne Geſchenke mitzubringen ;..da bju ich denn auch gegangen und wollte ſehen, ob es mir nicht .auch ſo gelingen möchte. „Wenn du willſt,“ ſagt der Froſc<, „ſo kannſt du. auch bei mir dieuen 1 Einige, wiewohl entfernte Verwandtſchaft zeigt dus Mährchen „Das Waſſer des Lebens“ in den Kindey- und Hausmährchen. der Brüder Grimm, Vd, 3,:6. 82 ff. -- -

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8 - du ſollſt ein gutes Leben und leichte Arbeit haben ; ich verlange von dir nichts weiter, als daß du mich nur immer auf einem weißen Atlaskiſſen herumträgſt.“ Das gefiel dem Dummen und er dachte: „Warum ſollt ih nicht bleiben?“ So blieb er denn und trug den Froſch immer ganz ſanft auf dem Kiſſen herum und hatte immer gutes Eſſen und Trinken. Als er nun zwei Jahre dort ge» weſen war, wurde er ſtill und traurig, und der Froſch fragte ihn: „Dummes * Häns<en, was fehlt dir?“ „Ja,“ ſagte er, „nun kommen meine Brüder wahr» ſheinlih aus der Welt zurü&> und bringen der Mutter von ihren Bräuten ſchöne Geſchenke mit, und ich habe keine Braut, und habe gar nichts, kann auch gar niht na< Hauſe.“ „Dafür kann ja Rath geſchafft werden,“ ſagte der Froſch, . „Sehe nur heute no< ruhig ſ<hlafen, morgen wird ſich alles finden.“ Das thut denn Hän8<hen auc<h, und am Morgen giebt ihm der Froſch eine Ruthe und ſagt : „Geh' nur an den Pferdeſtall und ſchlage mit der Ruthe dreimal auf die Thür, da wird dann ein ſchönes Pferd herausſtürzen, auf das du ſteigen und nach Hauſe reiten kannſt. Aber an deines Vaters Grenze mußt du abſteigen und zu Fuß gehen.“ Auch gab ihm der Froſch ein Paketchen mit, das ſollte das Geſchenk von ſeiner Braut ſein. Der dumme Hans nahm die Ruthe, klopfte drei Mal auf die Thür des Pferdeſtalle8s, und ein ſehr ſchönes Pferd kam her- aus und blieb vor ihm ſtehen. Er beſtieg es ſogleich, ritt nach Hauſe, vergaß auch nicht, an der Grenze des Vaters ahzuſteigen. Da ſah er, daß auc ſeine Brüder gerade ankamen, fein gekleidet und mit ſtolzem Gang. Die Eltern freuten ſich ſehr, daß ihre Söhne wieder da waren. Die klugen Söhne ſind richtig, der eine Müllergeſelle, der andere Fleiſhergeſelle, haben auch ſchöne reiche Bräute und haben von denſelben für die Mutter auch ſchöne Geſchenke mitgebracht. „Nun, liebe Mutter,“ ſagte der Dumme, „nimm auc das Geſchenk von meiner Braut.“ Da lachten ihn die andern aus und ſagten: „Du wirſt da was Schönes mitgebra<ht haben! Du haſt gewiß auch nichts gelernt, ſondexn nur irgendwo gehütet, denn du biſt ja noh in denſelben Kleidern, in denea du von hier fortgingſt!“ Als aber die Mutter das Padet öffnete, fand ſie darin ein ſehr ſhönes Kleid, mit Gold geſtit und mit Diamantenknöpfen beſetzt. Anſtatt ſi< nun darüber zu freuen, wird ſie und der Vater ſehr böſe auf ihn, und ſie ſchelten ihn aus: „Das iſt nicht möglich, daß du das Kleid auf ehrliche Weiſe erworben haſt; gewiß haſt du eine Prinzeſſin erſchlagen und es ihr weggenom- men.“ Nach ein Paar Wochen, als ſie ſich mit ihren Eltern befreut hatten, ſag- ten die klugen Söhne: „Nun müſſen wir wieder zurü> zu unſern Meiſtern; übers Jahr kommen wir wieder und bringen auch unſere Bräute mit. Sie reiſten dann ab, und der Dumme ging auch zu ſeinem Froſch. An der Grenze ſtand ſchon das Pferd und erwartete ihn, und er beſtieg daſſelbe und war ſehr bald an Ort und Stelle. Der Froſch fragte ihn, wie es ihm gegangen ſei, und er erzählte alles, auch daß die Brüder übers Jahr mit ihren Bräuten nach

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= 160 - Hauſe kommen wollten, „undich“, ſagte er, „mit wem ſollich nac<h Hauſe fahren ? ich habeja Niemand als dich, und du biſt ein Froſch!“ „Na ſei nur ruhig“, antwortete der Froſch, „das wird ſich alles finden.“ Nach einem Jahre ſagte der Froſch: „Nunkannſt du auch mit deiner Braut nah Hauſe fahren.“ „Ja, wo iſt ſie?“ fragte der Dumme. „Geh' nur wieder mit dieſer Ruthe nach dem Pferdeſtalle und klopfe dreimal auf die Thür, da wird ein Wagen herauskommen, in den ſteige ein, dann wird auch die Braut zu dir kommen.“ Er gehor<t dem Befehle, und es kommt eine ſehr ſchöne Kutſche, mit vier Pferden beſpannt, vorgefahren. Wie er eingeſtiegen iſt, ſieht er auch ein ſehr ſ<hönes Fräulein neben ſich ſitzen, und das war ſeine Braut. Er iſt nun ſehr vergnügt, und ſie ſagt ihm, daß fie Nie- mand anders wäre, als der Froſch. „Du mußt aber,“ ſagte ſie, „wenn wir an deines Vater8 Grenze kommen, abſteigen und zu Fuß nah Hauſe gehen und ſo thun, als wenn du von mir nichts weißt, und wenn ihr mich dann ankommen ſeht, dann komm heraus und ſchlage mir die Fenſter im Wagen ein; und nach- her, wenn ich in deiner Eltern Hauſe bin und mich zum. Eſſen hinſetßze , ſo laß du mich nichts in den Mund bringen, ſondern ſchlage mir immer in den Löffel.“ Das geſchah denn auch alles. Die Brüder waren gerade mit ihren Bräuten angekommen, da ſahen ſie den ſchönen Wagen vorfahren. „Wer wird da8*wohl ſein?“ fragten ſie, . „gewiß ein reicher Herr.“ Da lief der Dumme an den Wa- gen und ſchlug mit einem Sto>e alle Fenſterſheiben ein. Die ſchöne Prinzeſſin ſteigt aus und fragt, ob ſie hier wohl* bleiben könne. „Wir ſind ja aber ſo arm, Prinzeſſin, wie können wir Sie anſtändig aufnehmen?" „Es wird für mich alles gut ſein“, antwortet ſie, „was ihr eſſet, das wird auch mir ſhmeden.“ So wurde denn gleich Mittag beſorgt, und Alle ſeßten ſih um den Tiſch; und der Dumme wurde nicht herangerufen ; der ſaß auf ſeinem gewöhnlichen Pläßchen hinter dem Ofen. Aber die Prinzeſſin litt das nicht, ſondern verlangte, daß er auch an den Tiſch kommen und miteſſen ſollte. „A<“, ſagte der Vater, das iſt ja ſo ein dummer Tölpel, laſſen Sie den doch dort hinter dem Ofen ſißen , ex hat Ihnen ohnehin ſhon Schaden gethan.“ Aber ſie ließ nicht na<, ſondern ſagte: „Das ſc<hadet nichts, komm nur her, dummes Häns<en.“ Er kam auch und ſekte ſich neben die Prinzeſſin, welche ein weißes Atlaskleid anhatte, und ſo wie ſie einen Löffel voll Blaubeerenſuppe an den Mund bringen wollte, ſo ſtieß er ſie an den Arm, daß die Blaubeeren auf Kleid und Tiſchtuch verſchüttet wurden. Die Eltern ſchalten ihn und entſchuldigten ihn bei der Prinzeſſin, aber es half alles nicht, die Prinzeſſin konnte nichts eſſen. Da ging ſie denn in das Oberzimmer und nahm den Dummen auch mit. Dort ſprach ſie nur ein Paar Worte, ſo waren Diener da, welche den Dummen wuſchen und reinigten, und ihm königliche Kleider, mit Orden geſhmüt, anzogen ; auch ſtand eine geded>te Tafel mit ſchönen Speifen da, und Beide ſetzten ſich daran und aßen. Znzwiſchen ſagte einer von den klugen -Söhnen;-ich will doch gehen und ſehen,

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= 161 -- was die da oben machen, und als er herunterkam, erzählte er, was er geſehen hatte, die Prinzeſſin ſiße da mit einem ſchönen Könige an einer Tafel, der Dumme aber ſei nicht da. „Na“, ſagte der Vater, „dich hielt ih doh für klug, aber du biſt ebenſo dumm als der Hans. Wie kann das ſein ? Dann hätten wir doch auch etwas von der Ankunft des Königs und der Zurichtung der Ta- fel ſehen müſſen.“ Indem kommt der König mit der Prinzeſſin herunter, und ſie ſtellt ihn als den dummen Hans vor und ſagte: „Ihr haltet ihn alle für dumm, aber er iſt ebenſo klug, wie ihr alle, und hat das meiſte Glü>.“ Nun fuhren denn die Söhne mit ihren Bräuten wieder weg, und der dumme * Hans auch mit ſeiner ſhönen Braut. Als ſie in dem Waldhäus<hen angelangt ſind, und er einen Augenbli> ſich entfernt hat, da iſt die ſchöne Prinzeſſin wie- der verſchwunden, und an ihrer Stelle iſt wieder der Froſ< da. Wie er um ſie weint und klagt, ſagt der Froſ<: „Dummes Häns<en, denkſt du denn ſo ganz ohne Sorgen zu einer Frau zu kommen ? Du mußt noch einige Proben beſtehen, dann bekommſt du deine ſchöne Prinzeſſin auf immer. J<h werde dir jekt für drei Tage verſchwinden, und über dich werden Verſuchungen kommen, daß du ſprechen ſollſt, ſprich aber kein Wort, ſonſt kommen wir beide um. In der erſten Nacht wird eine Muſik ertönen und ſchöne Fräuleins werden zu dir kommen und mit dir tanzen und ſich-unterhalten wollen, aber ſprich du kein Wort. Die zweite Nacht werden Grafen und Prinzen kommen und dich zum Könige machen wollen, aber ſei klug und ate nicht darauf. In der dritten Nacht werden Henker kommen und dich tödten wollen, ſie werden dir auch ſchon die Füße abhauen, auch eine Hand, und immer ſagen, wenn du ein Wort ſprichſt, ſo ſolle alles wieder gut ſein, aber halte dich ſtandhaft und ſprich kein einziges Wort, ſonſt ſind wir verloren." Den andern Tag war der Froſch rich- tig verſchwunden. Die Nacht darauf kamen die Damen und wollten mit ihm tanzen. und ſprechen, er aber hielt aus, ſagte kein Wort, und als die Uhr zwölf “ſchlug, war.alles vorbei und die Gefahr vorüber, und er bemerkte den andern Tag einen hellen Streifen durc<h das ganze Haus. Die zweite Nacht kamen die Grafen und Päinzen und wollten ihn zum König machen, aber er hielt aus und ſprac< kein Wort. Den Tag darauf war der helle Streifen ſchon viel größer. Die dritte Nacht erging es ebenſo. Die Henker kamen und wollten ihn köpfen, dafür, daß er die. Nacht zuvor ſich geweigert hatte, König zu werden, hieben ihm auch ſhon beide Füße und eine Hand ab, aber er hielt bis Mitternacht aus, wo Alles verſchwand. Da ſchlief er ruhig ein und ſchlief bis an den Mor- gen. Wie er erwacht, ſieht er Menſchen ſo geſchäftig und auf den Zehen hin und herlaufen; er denkt erſt, es ſeien noh die Henker, die ihm jetzt den Kopf abhauen wollen, aber er fühlt, daß er die Hand no<h hat, auch einen, auch den andern Fuß, und richtet ſich im Bette auf. Da kommt ſogleich ein Diener und zieht ihm prächtige. Kleider an; der Kaffee dampft ſchon auf dem Tiſche; | | 11

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-- 162 - er ſieht zum Fenſter hinaus, da ſieht er, iſt aus dem Walde ein ſchönes Land mit vielen Städten und Dörfern geworden, und das Hütten iſt in ein prähti* ges Schloß verwandelt. Da kommt denn au die Prinzeſſin in ihxer vorigen Geſtalt herein und ſagt: „Na, Häns<en, nun haſt du mich erlöſt, und nun bin ich dafür deine Frau, und dir gehört das ganze Königreich." Von der Zeit an lebten ſie ſehr glüFlich bis an ihr Ende. (Aus Klein-Jerutten.) ' Herr und Diener. Es war einmal ein Herr, der war ſehr geizig; e8 war ihm lieber, Jeman- den zu betrügen, als ihm etwas zu geben. Kein Dienſtbote konnte bei ihm zu Ende dienen, da er ihm entweder zu viel aß und zu wenig verrichtete, oder zu viel ſchlief und zu viel Lohn verlangte. Deshalb hüteten ſich die Leute, bei ihm in Dienſt zu treten; wodurch er in große Noth kam. Um dieſe Zeit aber fand fich bei ihm ein ſol<her Knecht ein, der ſehr die Unreinlichkeit hegte, fich weder putzte, noH wuſch, noh kämmte, noh ſeine Naſe wiſchte. In ſolchen Aufzuge und dazu noch in einem zerriſſenen Ro> fand er ſich bei jenem Herrn ein und erbot ſich, in ſeinen Dienſt zu treten. Dabei fragte ihn der Herr: Wie viel Lohn verlangſt du auf ein Jahr? Darauf antwortete ihm der Knecht: I< will Euch 7 Jahre lang dienen und will dafür nichts weiter, als nur ein Pferd mit ſeinem Sattel, und daß Ihr mir einen Tag dienet. Als der Herr das hörte, freute er ſich ſehr darüber, daß er ſo wohlfeil für eine ſo lange Zeit einen Diener bekomme, indem er dachte, daß es ihm ſchon leicht ſein würde, dieſen einen Tag für deſſen ſieben Dienſtjahre auszuhalten, und daß ſein Diener dieſe Zeit niht aushalten würde. Aber ſiehe da! Dieſer Knecht erfüllte ſein Verſprechen; als er zum Dienſt zu ſeinem Herrn gekommen war, diente er ihm aufrichtig, wiewohl es ihm kühl und hungrig wurde; obwohl er ausſah, wie ein Wilder oder ein Affe, ſo arbeitete er do<h früh und ſpät. Unh.als die ſieben Jahre zu Ende gingen, kam er des Abends in die Stube ſeines Herrn, ſezte ſi hinter den Tiſch und rief zu ihm : Mein Dienſt iſt heute zu Ende, jetzt bin ich Dein Herr und Du mein Diener, wie Dir bekannt iſt. Sogleich ſattle uir und Dir ein Pferd und führe e8 mir vor die Thüre und nimm mit Dir einen Sa. Wenn au<h dem, der bis dahin Herr war, dieſe Worte wunderlich ins Ohr klangen, dennoch mußte er, ſich dabei den Kopf kraßend, dieſes ausführen. Jetzt wurde der, der bis dahin Diener war und in ſeinem zerriſſenen Rocke wie ein Unmenſc< ausſah, Herr, und der frühere Herr im prächtigen Kleide und ſchönem Ausſehen Diener. Nachdem fie Nacht3 ſich auf die Pferde geſetzt hat» ten, rief der jehige Herr zu ſeinem Diener ſcharf: Reite hintex mix! und ſagte

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-- 163 - nicht: wohin? au<h nicht: wozu?, was den Diener mit großer Sorge und Furcht erfüllte. Und nachdem ſie in fremden Gegenden über Berg und Thal, Feld und * Wald geritten waren, trafen ſie in der Finſterniß einen Galgen an, an dem. ein Todter hing, der ſhon ſehr ſtank. Hier hielt der Herr ſein Pferd an und rief ſeinem Diener ſchroff zu: Kriehe ſogleih vom Pferde, ſchneide den Han- genden ab, ſte>e ihn in den Sa> und nimm ihn mit Dir; ſelbſtverſtändlich ging - es ihm übel und ſchwer an, dieſen hoch Hangenden abzuſchneiden; aber dennoch mußte es geſ<hehen. Als er darauf mit ihm weiter ritt, kamen ſie weit in eine Haide. Endlich erbliten ſie in ihr ein Licht in der Naht, zu dem ſie hineilten. Als ſie daſſelbe erreichten, ſahen ſie, daß es in einem Hauſe war. Hier machte der Herr Halt, indem er ſeinem Diener ſagte: Gehe hier in die Stube, und er- kundige di< bei den Leuten, ob ſie mich nicht auf die Nacht behalten woll- ten, damit ih mein Abendbrod bereiten kann. Der Diener gehor<te, ging- in die Stube hinein und fand dort 24 Mann, hinter einem Tiſch ſitzend, eſſen und trinken, und er wußte nicht, daß dies Mörder waren. Als ſie dieſen Kut- ſher ſahen, ſagten ſie zu ſfih: „Wenn ein Herrſchaftskutſcher einen ſo ſchönen Anzug hat, dann muß ſein Herr von Silber und Gold ſtarren“, und ſie er- laubten ihm, bei ihnen zu nächtigen. Aber als nun der Herr in die Stube trat, wurden ſie alle ſtarr und ſteif vor Staunen, da no< keiner von ihnen in ſei- nem Leben eine ſolche Geſtalt geſehen hatte, und ſie ſahen ihn nicht als einen Menſchen an. Er ging erſt hin und her von dem Tiſche zur Schwelle und ſprach eine ganze Weile kein Wort. . Darauf ertönte ſehr barſch ſein erſtes Wort zum Kutſcher: ' Bring ſogleich den Sa hierher in die Stube und brate mir im Kamin zum Abendbrod, was in demſelben iſt. Der arme Unglüsſohn fing an ſeine Naſe zu krauſen, aber dennoch that er es und ſchüttete den Todten auf die Diele und ein großer Geſtank verbrei- tete ſich im Zimmer. Nun nahm er all' ſeine Kraft zuſammen und warf ihn in den Kamin ins Feuer und briet ihn. Als es ihm aber übel wurde, fing er an gewaltig zu ſchreien: Herr, es ſtinkt, mir wird ſchlimm, ich falle um! Aber der Herr er- wiederte ihm darauf: I< ſage dir: Backe. Die Mörder, die hinter dem Tiſch ſaßen, wurden ſchwarz, als ſie das ſahen. Als der Diener zum dritten Male dieſelben Worte ausſtieß, da ſchrie ihm der Herr ganz fürchterlich zu: Wirf ihn auf die Erde und ſchiebe einen von denen hinter dem Tiſch hinein. Da mein- ten die am Tiſch, der wäre der Leibhaſtige, und entflohen alle durch das Fenſter in die Haide. Nun ſuchte jener Herr in ihrem Hauſe ihre großen Shäte auf und nahm ſie na< Hauſe. Au3 Freude, daß er dadurch ein reicher Mann geworden war, beſchenkte er auch ſeinen Diener und entließ ihn nach der Heimath. 11*

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-- 164 -- Räthſelmährc<en. Eine Prinzeſſin wollte keinen andern Mann, als einen ſolhen, der ihr ein Räthſel aufgeben würde, das ſie nicht auflöſen könnte. Jeder durfte ihr ſein Räthſel aufgeben, wenn ſie es aber rieth, ſo hatte er ſein Leben verloren. Das hörte auch ein junger Schäfer, und obwohl ihn ſeine Eltern mahnten, von dem gefährlihen Verſuche abzuſtehen, ſo vermochten ſie doh nicht, ihn zurüd- zuhalten. Er machte ſich auf den Weg , kam zur Prinzeſſin und gab ihr fol- gendes Räthſel auf: | Vom Verſtande Feuer gewonnen, Von der Luſt ſich erwärmt; Schoß in das, was er geſehen, Und tödtete das, was er nicht geſehen, -. Hat gebraten und aufgegeſſen, Nahm hinter ſich weg, legte vor ſich hin Und kam zum Könige zu Mittag. ') Die Prinzeſſin befragte die Weiſen und ſ<lug in allen ihren Räthſel- büchern nah, aber ſie konnte das Räthſel nicht löſen , und ſo wurde der Schä- fer zum Schwiegerſohn des König3 aufgenommen. Der König und die Prin- zeſſin verlangten nach der Hochzeit die Auflöſung zu hören, und er erzählte nun Folgendes: Als ich hierher gehen wollte, nahm ich meine Violine und ein Ter- zerol mit und ging, doh verirrte ih mich im Walde, und die Nacht brach ein, und ih mußte im Walde übernachten. E3 war kalt und naß, ich wollte mir Feuer machen, aber e38 war nichts Tro>nes bei der Hand ; da riß ich das Futter aus meiner Müße und machte Feuer. Es war finſter, und iH hatte kein Holz bei der Hand, ſo zerbrach ich meine Violine und legte ſie aufs Feuer. Beim Lichte deſſelben konnte i< auch Holz ſehen und nehmen. Da hörte ich ein Ge- räuſch, eine Rehkuh lief vorbei, ich griff naH meiner Piſtole und ſchoß darnach. Die Rehkuh iſt aber fortgelaufen; ich ſah und es lag etwas, als ich näher kam, war es ein junges Rehchen, das ich nicht geſehen hatte , weil es hinter der Mutter verborgen war. Dieſe3 Rehhen machte ich mir zurecht, habe es ge- braten und aufgegeſſen. Den andern Tag ging ich weiter und fragte, wie weit es bis zum Könige ſei. Es wurde mir geſagt, rund herum eine Meile und geradezu zwei (Do kola mila, a nä prost dwie). Da waren aber Brettſchnei- der, und ich kaufte zwei Shwarten. Der gerade Weg führte nämlich über einen Sumpf. Auf einer Schwarte ging ich und die andere legte ih vor mich hin, und ſo wechſelte ich mit den Shwarten. So kam ich glücklich durch und bin nun hier zu rechter Zeit angekommen. (Aus Lindenwalde). 1) Das Räthſel heißt polniſ< ſo: Z rozumu nabyt ognia, z uciechy 8ig ogrzal 8trzelit w Io to widziat i zabit, co nie widziat, upietit i zjad!, z za 8ig brat i przed zig kladt, i przyszedt du Kkröla ua obiad.

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-- 165 -- Belohnte Mildthätigkeit. Es war einmal ein Shuhmader, und der war ſehr unfreundlich und böſe und zankte immer mit ſeiner Frau und ſchalt auf Alle, die in ſein Haus kamen. In derſelben Stadt war auch ein König, deſſen Frau ebenſo böſe wat ; Alle, mit denen ſie zuſammentraf, den König ſelbſt, ſeine Dienerſ<haft und Alle, die nac dem SHloſſe kamen, ſchrie ſie an und Keinem gab ſie ein gutes Wort. Einſt kam auc< ein Handwerksburſche, der durc<h die Welt wanderte, in das Schloß und bat die Königin um eine Gabe. Die Königin aber, ſtatt ihm etwas zu geben, ſchrie ihn heftig an und ſhmähte ihn und drohte ihm, wenn er nicht gleich ſich padte, würde ſie ihn hinauswerfen laſſen. Da ging der Handwerks8- burſche weiter und kam zu dem Schuhmacher, und der Schuhmacher war nicht zu Hauſe, nur ſie. Er bat ſie um eine Gabe, und ſie erwiederte ihm : „Ja, ich werde dir einen Groſchen geben, es iſt zwar mein leztes Gröſh<hen, und ich werde dafür von meinem Manne wahrſcheinlich Prügel bekommen, aber das ſchadet nichts ; nimm das lezte Gröſch<hen.“ Der Handwerksburſhe war aber ein Scwarzfünſtler, der dur<h ſeine Kunſt auch zu bewirken wußte, daß die Men- ſchen verwechſelt wurden. Da machte er denn, daß die Frau des Shuhmacers Königin wurde und die Königin Shuhmacherfrau, und das gej<hah in der Nacht. Als die Königin erwachte, wälzte ſie ſih auf ihrem Lager hin und her und flu<t und wettert über das Lager, denn e8 war ihr Alles ſo hart, und das Stroh ſtach und kraßte ſie, daß ſie nicht ſchlafen konnte. Der Shuhmacer hörte das auh, konnte aber nicht3 davon verſtehen, weil ſie deutſch ſprach ; ') und ſchrie ſie ärgerlich an, ſie ſollte das Maul halten und ruhig ſchlafen. Des Mor- gens ſteht der Shuhmacer auf und fährt mit Schimpfreden über ſie her, weil ſie noh liegen bleibt. „Ei, den Pec<hdraht machen !“ ruft er, „da liegt ſie bis a<ht Uhr und denkt wohl gar, ich werde ihr den Pehdraht machen!“ und prü- gelt ſie zum Bette hinaus. Die Shuhmaderfrau, welche indeß im Sc<loſſe ge- nächtigt hatte, war beim Erwachen nicht wenig verwundert; da iſt Alles ſo mäusdenſtill, nur die Uhren pien; das Bette iſt ſo weich, daß ſie denkt, ſie ſchwebe in der Luft; wie ſie die Augen aufſchlägt, ſieht ſie, daß eine Lampe die ganze Raht gebrannt hat, und Alles war ſo ſchön in der Stube! Sie iſt aber ganz ſtil, rührt ſi< nicht einmal und ſ<läft wieder ein. Des Morgens kommt das Stubenmädchen, ganz leiſe, ohne Schuhe nur auf Strümpfen (denn ſie dachte nicht anders, als daß die böſe Königin im Bette liege), tritt an das Bette und ſragt: „Majeſtät, welche Kleider ſoll ih heute bringen?“ Die Shuh- macherfrau war in der größten Verlegenheit, was ſie ſagen ſolle, weil ſie doch nicht3 von den Kleidern der Königin wußte, und antwortete, um ſich keine Blöße 3 "Es darf wohl nicht erſt erinnert werden, daß die Scene nach Maſuren zu ver- legen iſt.

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==“ 166 -- zu geben: „Bringe mir dieſelben Kleider, die ich geſtern an hatte.“ Die Schuh- maderfrau war aber von dem Pechdrahtmachen ganz ſ<hwarz im Geſicht. Das Stubenmädhen, welches das bemerkt hatte, ſagte daher, als ſie die Kleider holen ging, zu den andern Dienſtmädchen: „Meine Lieben, unſere Königin ha- ben ſie heute Naht in der Hölle gehabt, denn ſie iſt noh mit dem Theer be- ſc<hmußt; es hat ihr aber geholfen, ſie iſt viel ſanfter geworden.“ Die Königin ſteht denn nun auf, puzt ſich aus und geht verwundert in den Stuben umher. Da kommt auch der König und ſagt ihr ängſtlih, wie er gewöhnt war : „Guten Morgen“; ſie erwiedert den Gruß ſo freundlich, daß er ganz erſtaunt iſt und fie aus Freude über ihr verändertes Weſen, was lange nicht geſhehen war, küßt. Nachher kam auch die Köchin und fragte, was ſie zu Mittag kochen ſolle? Die Königin beſinnt ſich und beſinnt ſi<; da ihr aber gar nichts beifällt -- Grüße oder Kartoffeln, das konnte ſie do< niht ſagen -- ſo ſagt ſie zuletzt: „Koche daſſelbe, was du geſtern gekoc<t haſt!" Alle wundern ſich und freuen ſich über die Sanftmuth und Güte der Königin. Da kommt ſie auch in die Speiſe- kammer und findet dort ſo viele Speiſen, die ſie nicht kennt, koſtet aber von Allem. Nun werden ſie denn auch ſpazierenfahren und der König läßt die ſchönſten Pferde vor den ſchönſten Wagen anſpannen. Sie fahren durch die ganze Stadt und kommen au< an dem Hauſe des Schuhmachers vorbei. Da ſtürzt die eigentliche Königin aus dem Hauſe und ſchreit, ſie ſollten anhalten, ſie ſei die Königin, der König ſolle ſie auf den Wagen nehmen. Da läßt der König den Schuhmacher an den Wagen treten und ſagt zu ihm: „Wenn du eine verrükte Frau haſt, ſo laſſe ſie niht aus der Stube, Menſchen anzufallen, oder gieb ſie in ein Irrenhaus", und fuhr nach Hauſe, und gab vor Freude, daß ſeine Frau ſo gut geworden war, einen großen Ball. (Aus Klein-Jerutten.) Der gute Hirte, Es war einmal ein König, der hatte ſieben Söhne und eine Tochter. Die Söhne waren aber alle verwünſcht und waren Kühe. Sie lebten bei dem Kö- nige, fraßen aber kein Gra8 uud Heu, und waren ſehr ſ<hwer zu hüten ; dem jedem Hirten liefen ſie fort und kamen dann erſt nach Verlauf einiger Zeit von ſelbſt wieder. Nun hatte der König bekannt gemacht, daß derjenige, welcher ihm die Kühe gut hüten und ihm auh ſagen könnte, was ſie fräßen, und wovon ſie lebten, ſeine Tochter zur Frau erhalten ſollte. Die war aber ſehr ſchön. Da war denn au<h ein Mann, welcher drei Söhne hatte, zwei kluge und einen dummen. Der führte zuerſt den älteſten Sohn zum Könige und ſagte : „Aller- gnädigſter König, mein Sohn verſteht das Hüten, er wird die Kühe hüten, daß ſie fett werden, und wird auch ſagen können, wovon ſie leben. Der König nahm

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-=- 6 ihn als Hirten an, aber gleich am erſten Tage, als dieſer die Kühe aufs Feld trieb, liefen dieſe ihm weg, und als er ihnen nachlaufen wollte, ſaß am Kreuz- wege eine alte Frau, welche in einer Schüſſel Suppe und in einer andern noch ein Gericht hatte. Die rief den Hirten an und ſagte: „Komm, iß von dieſen Gerichten, die Kühe werden ſchon wieder kommen." Das gefiel dem Hirten beſſer als da den Kühen, wer weiß wie weit, nachzulaufen. Er ſette ſich zu der Frau, aß und ſprach mit ihr. Abends kamen die Kühe richtig von ſelbſt wieder, und die Alte ſagte: „Siehſt du ? ih hatte Recht; jezt nimm den Reſt der Speiſen, den du übrig gelaſſen haft und ſage dem Könige, daß die Kühe von denſelben leben.“ Das that der Hirte auch, er nahm den Reſt der Speiſen mit, trieb die Kühe nac<h Hauſe und ſagte zum Könige: „I< weiß, wovon die Kühe leben, hier ſind ihre Speiſen!" und zeigte die Speiſen von der alten Hexe. „Du Taus- genicht8", erwiederte der König, „das iſt niht wahr, das haben mir alle Hir- ten, die ih bis dahin gehabt habe, vorgelogen, davon leben ſie aber nicht“, und jagte ihn weg. Da dieſer nun nach Hauſe kam, ſeine Sache alſo nicht gut gemacht hatte, ſo brachte der Vater den zweiten Sohn zum Könige. Dem ging es aber ganz ebenſo, wie dem erſten, er ließ ſich von der alten Hexe bethören und wurde fortgejagt. Da ſagte der dritte Sohn: „Nun laßt mich gehen!" Der Vater und die Brüder wollten es gar nicht zulaſſen; ſie meinten: „Was wir beid? nicht verſtanden haben, das ſollteſt du verſtehen ?'' Aber, er ging doh. Als er nun die Kühe auf die Weide trieb, liefen ſie auch ihm gleich am erſten Tage weg, er aber lief ihnen nach, ließ ſih auch von der alten Hexe, die ihn wieder verlo>en wollte, nicht zurü&khalten, ſondern lief immer weiter. Die Kühe aber liefen ſehr ſehr weit und kamen endlich an einen großen Fluß. „Nun werden fie“, dachte er ſhon „hinüberſhwimmen, und ich kann nicht hinüber, und ſie werden mir dann natürlich fortkkommen;“ da beſann er ſich noh zu rechter Zeit, ſprang auf eine der Kühe und ließ ſich ſo über den Fluß mit hinübertragen. An dem andern Ufer ſtand eine prachtvolle Kirhe, um welche rings herum ſich der Kir<hof ausbreitete. Als die ſieben Kühe auf dem Kir<hofe ankamen, da wurden aus ihnen ſieben wunderſchöne Prinzen, die alle in die Kirche gin- gen. Der Hirte ging ihnen nach und ſah, wie ſie alle communicirten. Dann ſc<li< er auch an den Altar, nahm etwas Brod und Wein und ſtete es zu ſich. Als die Prinzen das Abendmahl genommen hatten, verließen ſie die Kirche und gingen über den Kirchhof heimwärts. In dem Augenbli>, als ſie den leh- ten Schritt vom Kir<hofe ſezten, verwandelten ſie ſich wieder in Kühe und liefen nun nah Hauſe ; der Hirte ihnen immer na<. Der König ſah ihnen mit Ungeduld entgegen; als ſie endlich anlangten, fragte er den Hirten, ob er nun wiſſe, wovon die Kühe lebten. „Ja, allergnädigſter König, hier von dieſer Speiſe leben ſie“, ſagte dieſer und erzählte dem Könige alles, was er geſehen hatte. Darüber war der König nun ſehr erfreut und ſagte: „Nun kannſt du auch meine

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-=- 168 -- Tochter, die ſhöne Prinzeſſin, heirathen.“ Die Hochzeit wurde veranſtaltet, und al8 das junge Paar eben im Begriffe ſtand nach der Kirche abzufahren, und er zu dieſem Zwe>e von Allen Abſchied genommen hatte, ging er zuvor noh in den Stall zu ſeinen lieben Kühen. Als er in den Stall trat, wurden die Kühe wiever Prinzen, und er hatte ſie erlöſt, und es war große Freude im Hauſe, und er lebte mit der ſchönen Prinzeſſin als König noch viele Jahre. ') (Aus Klein-Jerutten.) 1) Von ſieben Brüdern, welche erlöſt werden, handelt zwar auc das Grimm'ſche Mähren: „Die ſieben Raben“, Kinder: und Hausmähr<en Bd, 1, S. 137, aber weiter haben dieſe beiden Mährchen auch nichts mit einander gemein. : Dru von A. W. Kafemann in Danzig.

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Quelle zitieren

Aberglauben aus Masuren, mit einem Anhange: Masurische Sagen und Märchen, in: Aberglauben aus Masuren, mit einem Anhange: Masurische Sagen und Märchen, 180 Scanseiten; Einzelseitenbelege im Text, 1867

Archivfassung zitieren

Aberglauben aus Masuren, mit einem Anhange: Masurische Sagen und Märchen, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/orden-aberglauben-masuren-toeppen-1867/textzeugen/orden-aberglauben-masuren-toeppen-1867-volltext