In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Seyd gegrüßt in eurer Schöne, Trümmer aus der Heldenzeit! Euch sind dieses Liedes Töne Vollen Herzens zugeweiht. Bilder aus vergangnen Tagen Voll der alten Herrlichkeit, Steigt empor und stillt die Klagen Die der Trümmer Blick erneut.
Steig, o Bild, aus jenen Tagen, Als ein mächtig Brüderpaar Seinen Sitz hier aufgeschlagen, Das der Stolz des Landes war. Da hat noch die Kraft gegolten, Da stritt noch des Mannes Muth, Und in Heldenadern rollten Deutsche Kraft und deutsches Blut.
Steig herauf aus frühen Tagen, Bild von einer frommen Zeit, Als auf dir, o Fels, geschlagen Manches Herz, dem Herrn geweiht. Wo sonst Kriegertritte hallten, Tönte hell des Glöckleins Klang,
Und viel fromme Beter wallten Zum andächt’gen Chorgesang. Bild, steig auf aus jenen Tagen, Als des Weibes zarte Hand Stark den Herrscherstab getragen Weithin über See und Land: Hedwig, Bild aus schönen Zeiten, Die oft Herrschermüh’ vergaß, Wenn sie, Ekkehard zur Seiten, An dem Quell der Weisheit saß.
Steig herauf vor unsern Blicken, Herrlichstes, und werde neu; Füll’ das Herz uns mit Entzücken, Bild von echter, teutscher Treu! Bild der Treue, die hier oben Einst sich ihren Hort gebaut, Wo sie auf der Feinde Toben Oft mit Hohn herabgeschaut. Kund ward dies in trüben Zeiten, In des edlen Fürsten Noth, Als er mußt’ das Erbe meiden Dem er einst als Herr gebot; Als den feindlichen Gewalten Alles wich und Treu’ vergaß, Hat dies Haus die Treu gehalten, Nicht gescheut der Feinde Haß.
Während rings das Land verheeret Mächt’ger Feinde wilder Trutz, Ward dem Leidenden gewähret In der Veste sichrer Schutz; In ihr ruht’ von seinen Sorgen Der vebannte Herrscher aus, Bis ihn bald ein schönrer Morgen Rief in seiner Väter Haus.
Als das dreißigjähr’ge Wehe Unser Vaterland umfing, Treu die Burg auf dieser Höhe An dem Fürstenstamme hing. Oft hat Trost aus ihr gesendet, Dem, der saß im fremden Land, Labsal oft dem Herrn gespendet, Eines treuen Dieners Hand. Du warst es, der Treu’ erwiesen, Treu’, gediegen wie das Gold, Noch in später Zeit gepriesen Sey dein Name, Wiederhold! Fünfmal zogen dicht in Schaaren Feinde vor das Felsenschloß, Du nur konntest es bewahren, Schlugst zurück der Stolzen Troß!
Da war jene Zeit verschwunden, Als der Frank’ der Burg genaht, Und das Haus in wenig Stunden Fiel durch feiger Männer Rath. Diese Burg, die nie gezittert Vor zahlloser Feinde Wuth, Die Jahrhundert’ unerschüttert Stand in Stürmen fest und gut. Hörtest du’s in Grabes Grüften, Wiederhold, und wardst nicht wach, Als der Frank’ in seinen Sünden Deine stolze Veste brach? – Bist du nicht hervorgebrochen, Biederheld, aus fernem Grab, Hast du nicht die Schmach gerochen An Dem, der die Burg ergab?
Alle Pracht ist jetzt verwehet, Sank hinab in Schutt und Staub; Doch die Treue nicht vergehet, Sie wird keiner Zeit zum Raub;
Hat nicht aus der Art geschlagen, Sie lebt fort zu gutem Werk, Stets soll man hier oben sagen: „Hie allweg gut Württemberg!“