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Badisches Sagen-Buch I

Vorspiel

3 Min. Lesezeit· August Schnezler, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Kennt ihr den Wundergarten, Den Götterhände warten, Wo Alles grünt und blüht Und kaum den Gärtner müht? Gesäumt vom Silberbande, Vom Stolz der teutschen Lande, Vom königlichen Rhein, Ins fernste Blau hinein;

02

Und rechts von Berg und Thalen Voll goldner Segensstrahlen, Hercynia’s Hügelreih’n Voll Frucht und edlem Wein! Wie braußt dort auf dem Strome Vorüber Erwin’s Dome, Dampfschnaubend aus dem Schlot Das schmucke Räderboot!

03

Und vom Gebirge wieder Wie jubelnd klingt hernieder Des Hirtenknaben Sang! Gelehnt auf grünen Hang,

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Die Burgruinen schauen Mit heiterem Vertrauen Ins Aug’ der neuen Zeit, Voll Friedensseligkeit! In sommerlicher Schwüle Wie labt der Wälder Kühle! Wie lacht der Matten Grün Mit glänzend fetten Küh’n! Wie tröstlich wehn die Tannen, Aus kranker Brust zu bannen Mit ihrem Balsamhauch, Was sie mag quälen auch!

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Dort laden die Najaden Zum Trinken oder Baden An der Genesung Born Aus ihrem Wunderhorn. Es strotzen Felsenquadern Von reichen Erzesadern, Kein schlimmer Gnom verlacht Des Knappen Fleiß im Schacht. Und Städte rings voll Leben Und schmucke Dörfer weben Zum Himmel von Saphir Die schönste Teppichzier. Landbau, Gewerbe, Handlung, In immer höhrer Wandlung Und Kunst und Wissenschaft Voll reger Triebe Kraft!

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Des Volkes Herzen stammen In Liebesgluth zusammen Für Freiheit, Licht und Recht; Ein kerniges Geschlecht! – Sey’s auf den glanzumgebnen, Goldährenvollen Ebnen, Sey’s, wo der Wasserfall Sich stürzt mit Donnerhall:

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Millionen Reize laden Zum Paradies von Baden Der Gäste buntes Meer . Aus Näh’ und Ferne her. Doch ganz es zu genießen, Laßt euch nun auch erschließen Durch Sängers Zauberwort Der Sagen Wunderhort! Die Märchen und Balladen Aus den geheimsten Pfaden, Die Geister der Natur Aus Berg- und Thalesflur; In Liedern und Romanzen Umgaukeln und umtanzen Sie jedes Sonntagskind, Das nicht für Wunder blind.

08

Von steiler Klippe Stufen, Aus tiefen Stromeskufen, Aus felskristallnem Schacht, Aus grüner Waldesnacht;

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Aus blauen Seees Wellen, Aus stillen Klosterzellen, Zerfallner Burgen Wall – Sind sie berufen all’. Sie singen Freud’ und Schmerzen Tief aus des Volkes Herzen, Und halten wach darin Den kindlich frommen Sinn; Mit Poesie durchweben Sie manches arme Leben, Und bieten ihm Ersatz Für einen andern Schatz.

10

Die Gnomen und die Elfen, Sie kommen gern und helfen Dem braven Bauer aus In Feld und Hof und Haus. Die Riesen und die Zwerge Durchwandeln noch die Berge, Die Nixen blühn im See; Doch thun se Niemand weh.

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Ein heilger Gottesfrieden Hat allen Haß geschieden, Und gute Geister nur Umschweben unsre Flur! – Drum lauscht nun gern den Sagen Aus den vergangnen Tagen; Dann erst im wahren Glanz Erblickt ihr Badens Kranz!

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Vorspiel, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 2, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Vorspiel, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/vorspiel/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-002-vorspiel