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Badisches Sagen-Buch II

Allerheiligens Stiftung

2 Min. Lesezeit· Eduard Brauer, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

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So sprach Frau Uta, die Herzogin: „Ich will ein Kloster stiften, Ihr Räthe, sagt, wo stell’ ichs hin?“ Da gabs viel Reden und Schriften Voll „sintemal“ und „alldiweil,“ „Inmaßen“ und „derowegen.“ Fast Jeder suchte das Gegentheil Vom Andern darzulegen. – „So wird mein Wille nie zur That, Der Nebel immer dichter; Geht, holt mir einen klügern Rath, Der sey des Zweifels Schlichter!“ – Ein Esel wars. Den schickt sie hinaus, Bepackt mit reichen Schätzen: „Nun, lieber Getreuer, such mir aus Den besten von allen Plätzen!“ Rath Langohr schleicht im trägen Gang, Dem weiland amtsgemäßen, Als wär’ er all sein Lehen lang Herzoglicher Rath gewesen. Bald wirds ihm heiß auf seiner Bahn, Die Thäler glühn und dampfen, Ein grimmig Dürsten fällt ihn an, Drob hebt er an zu stampfen;

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Doch kaum hat seines Hufes Schlag Den lockern Grund getroffen, Da sprudelt ein klarer Quell zu Tag, Da hat er sich satt gesoffen. Und weiter schleppt er seinen Sack, Bis an des Felsens Schiefe Er jählings seinen schweren Pack Wegschleudert in die Tiefe. „Freund Langohr, klug ist dein Entscheid! hier unten will ich bauen; In wilder Bergeseinsamkeit Soll man das Kloster schauen.“ – Und so nach Eselsrath ward dort Sogleich auf der Frau Uta Wort Der Klosterbau begonnen Und rasch vollführt; nah diesem Ort Fließt noch der Eselsbronnen.

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Zuletzt noch eine gute Lehr’ Für Alle, so dies lesen: Des Esels Rath frommt öfters mehr Denn hochgelahrtes Wesen.

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Quelle zitieren

Allerheiligens Stiftung, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 20, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Allerheiligens Stiftung, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/allerheiligens-stiftung/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-020-allerheiligens-stiftung