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Badisches Sagen-Buch I

Das Bonndorfer Glöcklein

2 Min. Lesezeit· Eduard Lynker, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Zu Bonndorf auf dem Rathhaus Da hängt ein Glöckchen fein, Das ist vom puren Silber Und ist’s auch werth zu seyn. Und wie hinauf gekommen Das köstliche Metall, Und wem sein Klang soll dienen, Will ich berichten all.

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Schloß Tannegg an der Wuthach, – Jetzt liegt’s in Trümmernacht – War einst der bange Zeuge Von einer langen Jagd. Es deckte Schnee die Fluren, Hell schien die Sonne drein, Das lud die junge Gräfin Zum Jagdvergnügen ein.

03

Durch dunkle Tannen glänzte. Der letzte Sonnenstrahl, Da stiegen Nebelwogen

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Ringsum herauf zumal; Und durch den Urwald heulend Ein Sturm aus Osten zog, Daß dumpf die Eiche krachte Und sich die Tanne bog. Der Jägertroß, er irrte Zerstreut in Angst umher, Des Jagdhorn Ruf erreichte Die Irrenden nicht mehr; Und auf den hohen Fluren, Wo Weg und Steg verweht, Die Gräfin auf dem Jagdroß Um Rettungszeichen fleht.

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Nie hat zuvor ein banges Geschick ihr Herz gequält, Von Noth und Leiden Andrer Hat Niemand ihr erzählt – Jetzt fühlte sie vor Allem, Wie es dem Wandrer sey, Wenn ihn die Nacht umfange In solcher Wüstenei. Und wie der späte Morgen Sie in ihr Schloß geführt, Hat sie alsbald dem Burgvogt Den frommen Schluß diktirt: „Nach Bonndorf auf das Rathhaus Stift’ ich ein Glöckchen fein, Das soll, zu größ’rer Ehre, Von purem Silber seyn.

06

„Das soll, wenn Schnee und Nebel Und Nacht den Pilgrim hält, Und seine Seele bebet Und seine Hoffnung fällt, Mit heller Silberstimme Und tröstlichem Geläut’ Sich nächtlich lassen hören Die ganze Winterzeit.

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„Und daß nicht Willkür frevle An diesem Willen mein, So soll das Glöckchen tönen Allnächtlich um die Neun’, Allnächtlich eine Stunde, Bis daß mit frohem Zug Sich auf dem Acker wendet Im Lenz der dritte Pflug.“ Das haben sie gehalten Gewissenhaft bis heut; Nur eine Stunde später, Und auch zu Sommerszeit; Weil noch in andern Dingen Als Nebel, Schnee und Nacht, Man sich verirren könnte – So haben sie gedacht.

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Quelle zitieren

Das Bonndorfer Glöcklein, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 73, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Das Bonndorfer Glöcklein, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/das-bonndorfer-gloecklein/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-073-das-bonndorfer-gloecklein