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Badisches Sagen-Buch II

Das Fräulein von Windeck

1 Min. Lesezeit· Georg Rapp, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Hoch auf dem granitnen Thurme Schaut der Jungfrau Geist zu Thal, Nicht im Dunkel, nicht im Sturme: In des Maitags erstem Strahl; Eine Himmelsblume, glänzend In des Frühlings Blüthenrund, Ihren Goldpokal kredenzend Jedem frohen Menschenmund.

02

„Weil ein Maitag mich entnommen In den Mai der Ewigkeit, Lockt es mich herab zu kommen Mit der frohen Blumenzeit. Keiner Engel Hymnen schallen, Keine Palmen lohnen hier, Aber meine Nachtigallen, Meine Rosen blieben mir!“

03

Sinnend schaut sie in die Tiefen: „Viele kehrten bei mir ein, Die mit mir zum Heil entschliefen, Sangen hell durch Thal und Hain;

04

Tranken Jubel sich und Stärke, Wenn ich mit dem Becher kam, Lebten nur der Lust, dem Werke, Ließen keine Zeit dem Gram. „Aber einsam steh’ ich oben Mit dem alten Grafentrank; Niemand kommt mehr, ihn zu loben. – Seyd zu stolz ihr für den Dank, Für die Freude schon zu weise, Für den Frühling schon zu alt, Für ein herzlich Lied zu leise, Für die Liebe schon zu kalt?

05

„Fahret hin, ihr Freudenlosen, Bittet ab euch jede Lust, Uebersehet meine Rosen, Meiner Sänger kleine Brust. Daß sie nicht vergebens leben, Nicht umsonst ihr Lied erwacht, Muß ein Geist vom Himmel schweben, Huldigen der frommen Pracht.

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Quelle zitieren

Das Fräulein von Windeck, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 71, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Das Fräulein von Windeck, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/das-fraeulein-von-windeck/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-071-das-fraeulein-von-windeck