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Badisches Sagen-Buch II

Das Rastatter Schloß

3 Min. Lesezeit· Unbekannt, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Noch hat kein Sänger sich erhoben, Dich, hohes, edles Schloß zu loben Und zu besingen deine Pracht! Haus, das so Großes hat gesehen, Wie, solltest klanglos du vergehen, Ein frühes Opfer Saturn’s Macht?

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Erbaut von Ludewig von Baden, Bliebst du so vieler Heldenthaten Alleinig würd’ges Monument! Kein andres ward dem großen Manne, Vor dem der Franke und Osmane Gebebt, und den mein Volk kaum kennt.

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Vergeßlich Volk! in jenen Stunden, Wo Louis, lorbeerkranzumwunden, Des Halbmonds Macht bei Mohacz schlug; Als er, in hehrer Siegesfreude, Des heißes Tages reiche Beute Heim zu Sybillens Füßen trug, –

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Nicht ahnt’ er, daß nach hundert Jahren Sein Volk das Heiligthum der Laren Kaum achten würde mehr, das Schloß, Wo kampfessatt Europa’s Helden Eugen und Villars sich gesellten, Wo sich der Janustempel schloß! Auf eines sanften Hügels Rücken Stellt sich den überraschten Blicken Das stolze Bauwerk prächtig dar; Die Schaar der Götter und Göttinnen Von dem Olympos krönt die Zinnen, Und hoch thront Zeus mit seinem Aar. Es ziehen, hallenreich, die Flügel In edlem Gleichmaß hin am Hügel, Umarmend rings des Hofes Zier;

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Am söllerförm’gen Eingang wachen Alcid, die Faust im Löwenrachen, Und Pallas, bänd’gend Tiegers Gier.

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Einst herrscht’ im Schlosse reges Leben, Und teutscher Helden kühnem Streben Ward hier manch schallend Hoch gebracht; – Doch längst verscholl der Klang der Becher, Und durch die öden Prunkgemächer Rauscht sagenreich die Mitternacht.

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Wie schaurig, Haus, verwaist für immer, Glühst du in röthlich düsterm Schimmer Spät Abends in der Sonne Gold, Wenn Phöbus seinen Strahlenwagen Auf Feuerwolken fortgetragen, Hinab zum fernen Weltmeer rollt!

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Die hohen Fenster sprühen Blitze; Zum ausgestorbnen Fürstensitze Ist Markgraf August heimgekehrt! Sind es die fränk’schen Abgesandten, Die, aus dem blut’gen Grab erstanden, Graf Metternich mit Festen ehrt? Wer nennt die Namen mir von allen Den Hoh’n, die einst in diesen Hallen Schutz fanden und ein wirthlich Dach? Die letzten Conde’s, Moreau’s Krieger, Von Oesterreich Carl, Lodi’s Sieger, Germaniens Stolz und … seine Schmach! Hier lebt’, in seinen Nestortagen, Carl Friedrich oft; des Alters Plagen Vergessend und des Herrschens Müh’; Von Badens Macht den greisen Gründer Umspielt die blüh’nde Schaar der Kinder, Und seine Thränen segnen sie.

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Hier war’s, wo Er, in bessern Jahren, Zuerst des Schicksals Gunst erfahren,

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Das ihn zum Königsthron berief; Hier eint’ er die getrennten Staaten, Hier huldigte ihm Baden-Baden, Als August kinderlos entschlief.

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Hier weilt’, im Flug zu Riesenschlachten, Als Oestreichs Helden neu erwachten, Napoleon, dem Glück getraut – Zum letzten Mal auf teutscher Erde Ruht von der weiten Reis’ Beschwerde Hier dessen kaiserliche Braut.

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Doch mit des Schicksals finstern Mächten, Lehrt Schiller, ist kein Bund zu flechten; Im Falle fühlt’s Lätitia’s Sohn; … Und Franz und Alexander traten Als Sieger in das Haus von Baden, Einärndtend langer Kämpfe Lohn. Und hier starb Carl. Er starb, umgeben Von Allen, die er liebt’ im Leben, Gepflegt von treuer Gattin Hand; Und wieder sah’n der Ahnen Hallen Dürr einen Ast vom Stamme fallen, Der rasch und herrlich blühend stand. Hier freute sich der Kriegesspiele, Schon nah’ gerückt dem Lebensziele, Großherzog Ludwig, Mars stets hold; Und hier aus tiefstem Herzensgrunde Begrüßten wir zum schönsten Bunde Sophien jüngst und Leopold.

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Ja, was seit Markgraf Ludwig’s Tagen Nur Großes hat sich zugetragen, Dies Schloß hat seinen Theil daran; Herold vergangener Geschlechter, Erhebt sich Zeus, des Hauses Wächter, Schwingt seine Blitze himmelan,

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Und donnernd ruft er aus den Höhen: „Laßt ja den Frevel nicht geschehen, Die ihr euch Badens Söhne nennt; Gestattet nicht, daß sie verderbe, Die schönste Perl’ in Badens Erbe, Erhaltet Ludwigs Monument!“

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Quelle zitieren

Das Rastatter Schloß, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 151, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Das Rastatter Schloß, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/das-rastatter-schloss/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-151-das-rastatter-schloss