In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Geendet ist der Streit; Des Krieges Furie schweiget, Aus Schutt und Asche steiget In junger Herrlichkeit, Begrüßt durch Jubellieder, Der Phönix Friede nieder.
Was mit Barbarenwuth, Der Schande unbekümmert, Auch Frankreichs Haß zertrümmert, Strebt nun mit neuem Muth, In Teutschlands schönsten Gauen Der Teutsche aufzubauen.
So aus dem Schutt empor Ist in den Pfälzer Landen Auch Heidelberg erstanden. Es will Karl Theodor Dort allen Glanz entfalten, Noch heut den Einzug halten.
Der Tag ist drückend schwül; Kein Lüftchen will sich regen, Kein Blättchen sich bewegen. Ein ängstliches Gefühl, Ein wunderbares Bangen Hält Mensch und Thier umfangen. Da kommt in finstrer Pracht Am fernen Himmelsbogen Allmählig hergezogen Die dichte Wolkennacht, Auf ihren schwarzen Schwingen Verderben herzubringen. Wie düster liegt das Schloß – Gleich einem ries’gen Drachen, Den Thalgrund zu bewachen – Der Finsterniß im Schooß. Wie ragen seine hohen Thürme mit stolzem Drohen! –
Jetzt bricht das Wetter aus, Und wie aus Höllenrachen Ertönt des Donners Krachen, Der Stürme wild Gebraus! Doch wehe! welch ein Schlag! Welch Feuermeer! – Es zischet Rasch Blitz auf Blitz und mischet Die Nacht mit lichtem Tag. Hört ihr! es wimmert Sturm! Es steht das Schloß in Flammen! Schon stürzt es dort zusammen Nah bei dem Glockenthurm.
Wie wild der Sturmwind schnaubt, Und aller Hülf’ zum Hohne
Drückt er die Flammenkrone Der stolzen Burg auf’s Haupt.
Es ist um sie geschehen – Die Zinnen sind gefallen, Verödet stehn die Hallen, Gepeitscht von Windesweh’n.
Du trotztest kühn der Zeit Gefräß’gem Ungeheuer, Nun hat des Himmels Feuer, Zerstört die Herrlichkeit. Träum’ sanft! – In Todesnacht, Bist selbst du noch erhaben, Wirst noch die Nachwelt laben Mit deiner alten Pracht!