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Badisches Sagen-Buch I

Der Fleischer von Constanz

2 Min. Lesezeit· Gustav Schwab, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Wohl wehrt sich die alte, die freie Stadt; Den herrlichen römischen Namen sie hat, Und römischen Muth Und deutschen Muth Und Christenglauben, Den soll ihr der spanische Henker nicht rauben!

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Drum kämpfen die Bürger vom Thurm und am Thor Und drängen zur hallenden Brücke hervor; Es hört es der Rhein, Da rauschet er drein, Es ruft die Söhne Der See mit der tosenden Wellen Getöne.

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Wer streitet am kühnsten für Ehr’ und für Heil? Das ist der Fleischer mit hauendem Beil; Sonst schlug er den Stier, Das brüllende Thier, Heut muß er sie schlachten, Die ihm nach der Metzig, der blutigen, trachten.

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Er steht auf der Brücke zuvörderst im Schwarm, Den Aermel gestülpet, mit nervigem Arm, Und jeder Streich Schlägt Einen bleich, Da kommen die Andern: Zur Schlachtbank läßt er sie spöttisch wandern. O weh, ihr Brüder! verlasset ihr ihn? Es doppelt das spanische Heer sich, sie fliehn, Sie rufen ihn mit; Doch keinen Schritt Weicht von der Stelle, Alle Feinde bekämpfet der kühne Geselle. Vorn Einer und hinten da nahet ein Paar, Die wildesten Knechte der stürmenden Schaar,

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Sie packen in Eil, Des Fleischers Beil – Er ist verloren; Da denkt er: es soll sie nicht frommen, die Thoren!

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Zween Arme ja hat er, die fassen die Zwei: „Und wollt ihr Ein Leben, so geb ich euch Drei!“ Er hält sie umspannt, Er drängt sie zum Rand’, Er sendet die Blicke Hinab zu dem schäumenden Rhein zu der Brücke.

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Und schnell an’s Geländer, eh Andere nah’n, Drückt er sie, die Ringenden, kräftiglich an; Mit ihnen hinein Kopfüber zum Rhein Mit keckem Schwunge Sieht man ihn stürzen in tödtlichem Sprunge.

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Die klagenden Feinde verschlinget die Fluth, Lang wiegt sie, lang trägt sie den Bürger gut, Jetzt zeigt sie den Fuß, Den Arm, wie zum Gruß, Die Schultern, die blanken, Das lockige Haupt und den Nacken, den schlanken. Da sucht ihn der Feinde Geschoß; doch der Rhein Hüllt fromm in den Mantel, den grünen, ihn ein; Er zieht ihn hinab In’s festliche Grab, Dort ruht er geborgen Vor feindlicher Schmach bis zum ewigen Morgen. Dort schläft ohne Traum er den süßesten Schlaf, Er weiß nicht das Loos, das die Heimath ihm traf: Man trügt, man raubt Ob seinem Haupt – Freiheit und Glauben Die Märtyrerkrone wird Keiner ihm rauben!

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Quelle zitieren

Der Fleischer von Constanz, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 25, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Der Fleischer von Constanz, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/der-fleischer-von-constanz/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-025-der-fleischer-von-constanz