In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Durch die Felsen, wiederhallend, Strömt hinab der wilde Strom Und auf weißen Wogen wallend Singt sein Lied des Rheinfalls Gnom. Horchend von des Ufers Höhe Ward’s davon dem Mädchen wehe, Dem es süß im Herzen glomm.
Zaubervoll sind seine Lieder, Die zu Grund der Seele geh’n; Sehnsuchtsvoll schaut sie hernieder, Weithin ihre Blicke spähn’n. Blühend selbst im Jugendglanze, Windet Blumen die zum Kranze, Daß damit ihr Lieb sie krön’. Mahnend läßt der Gnom sich hören: „Hast du Lilien nicht zur Hand? Lilien, so die Todten ehren In dem fernen, dunkeln Land? Sie vergiß nicht einzuweben, Weißt du nicht?: ein theures Leben Ist der Erde bald entwandt.“
Kaum ist dieses Wort gespendet, Schwimmt ein Leichnam auf der Fluth; – Mädchens Kranz bleibt unvollendet,
Kennt den Liebsten gar zu gut. Ende, böser Gnom, die Lieder! Nie flicht einen Kranz sie wieder, – Tief im Strom auch sie nun ruht.