Zum Archiv
Zitieren

Badisches Sagen-Buch I

Der Höllenhacken

3 Min. Lesezeit· Wagner von Laufenburg, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Der Mond erglänzet helle Wohl überm blauen Rhein; Die sanften Wogen laden Zur stillen Fahrt noch ein. Säckingen liegt so stille, Hart an des Stromes Bahn, Mit seinem hohen Dome, Mit seinem Kloster dran.

02

Da wandeln aus dem Garten, – Schon Alles ist zur Ruh’, – Ein Mönch und eine Nonne Dem nahen Ufer zu.

03

Sie halten sich umfangen Als wie zum Liebesbund; Sie herzen und sie küssen Sich auf den rothen Mund.

04

Sie steigen in ein Schifflein, Gelehnt an’s grüne Bord; Das Ruder faßt die Nonne Und schifft in Eile fort. Wie nun der Mönch auch koset, Sie drauf kein Wort mehr spricht; Wie er auch küßt und herzet, Sie achtet dessen nicht. Sie schifft nur sonder Rasten, Sie wird so stark und kühn, Bis weitab schon die Wellen Den Nachen rißen hin.

05

Da schlägt von wilden Wogen Ein Brüllen an ihr Ohr; Da fährt aus seinem Tändeln Erschreckt der Mönch empor:

06

„Um Gott! Was soll das werden? Lenk’ an das Ufer da! Wir sind dem Höllenhacken Vielleicht, ach! schon zu nah“.

07

Doch was er ihr mag sagen, Die Nonne hört nicht drauf, Treibt kräft’ger nur das Schifflein In jachen Stromeslauf. Da faßt der Mönch sie bebend, Fleht auf den Knie’n sogar: „O gieb, um alle Liebe, Nicht preis uns der Gefahr!“ Da lüftet sie den Schleier – Entsetzen ihn erfaßt; Sie schaut ihn an so schrecklich, Ihr Blick, er tödtet fast:

08

„Glaubst du, nur Zufall führte So eilig uns herab, Wo da der Höllenhacken Dem Schiffer wird zum Grab?

09

„Du hast mir schnöd’ entrissen Den Himmel meiner Brust, Du hast mich hingegeben Der Höll’ um deine Lust.

10

„Du hast mich arg betrogen! Zwar mein Gelübd’ ich brach, Doch zweimal es zu höhnen, Hat dir beliebt, o Schmach! „Ich trage unterm Herzen Von unsrer Schuld die Frucht; Doch Elend mir zu häufen, Hast du noch mehr versucht. „Wie deine List geschlichen, Die Kund’ entging mit nicht,

11

Daß ich würd’ eingemauert, Beim nächsten Morgenlicht.

12

„Du warst zur Lust Geselle, Du sollst’s zur Qual auch seyn; Drum lud ich dich mit Kosen Zu dieser Fahrt noch ein.

13

„Kannst du den Himmel rauben? Kennst du die Hölle wohl? Horch! wie sie uns begrüßet, Erbrausend dumpf und hohl!“

14

Der Mönch hat nichts gesprochen, Erstarrt im Kahn er steht, Er fühlt sich selbst verdammet, Ob er’s gleich nicht verräth. Da zischt der wilde Strudel, Klafft wie ein Höllenthor; Es zackt aus seinem Schlunde Der spitze Fels hervor. Das ist der Höllenhacken Mit seinem scharfen Zahn; Hinein reißt er den Nachen, Es ist um sie gethan.

15

Die Wogen murmeln wieder Dumpf ob dem tiefen Schlund, Und treiben, fest umschlungen, Zwei Leichen von dem Grund.

Für deine Recherche

Quelle zitieren

Der Höllenhacken, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 101, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Der Höllenhacken, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/der-hoellenhacken/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-101-der-hoellenhacken