In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Der Markgraf hieß Rudolfus, War zugenannt der Wecker, Der hielt gern gute Tafel, Er selbst war etwas lecker. Einst saß der Herr zu Durlach Im alten Rittersaale, Mit vielen edeln Gästen, Bei einem großen Mahle.
Sie aßen guten Braten Und tranken guten Wein, Und waren guter Dinge Und schenkten fleißig ein.
Sie leerten große Humpen, Wie’s teutschen Männern ziemt,
Und haben ihrer Minnen Und Fehden sich gerühmt.
Da trat herein ein Pfäfflein, Das sah gar traurig aus, War abgezehrt und mager Wie eine Kirchenmaus. Trat hin zu Markgraf Rudolf Und faßte seinen Arm: „Mein Fürst ich bin von Gottsau, Ach, daß sich Gott erbarm’! Wir sind im größten Elend: Leer ist mein armer Magen, Wir haben nichts zu beißen Und haben nichts zu nagen.
Wir haben keinen Schinken Und keinen Wein im Keller, Wir haben viele Schulden Und keinen rothen Heller.
Wir blöcken wie die Schafe Nach etwas grünem Futter, Wir haben keinen Käse mehr Und haben keine Butter.
Du sitzest da und freust dich Des allerbesten Schmauses, Gedenk’ auch deiner Mönche Und ihres Gotteshauses! Bist du nicht reich? Dir zollen Die Schiffe auf dem Rhein, Und an des Stromes Ufern Wächst dir der beste Wein. Doch wir sind arm und haben Nicht Einen guten Bissen,
Ist’s recht, daß Gottes Diener Aus Mangel fasten müssen?
Wie lange hab’ ich keinen Rehbraten mehr gerochen! Der Pater Küchenmeister Hat ganz verlernt das Kochen.
Ach, gnäd’ger Herr! erbarmt Euch Der Hungrigen und Matten! Wir gleichen nicht mehr Menschen, Wir gleichen nur noch Schatten!“ –
Und lachend sprach der Markgraf: „Hast sehr gut lamentirt! Habt ihr, wie’s Fasten schmecket, Nun auch einmal gespürt? Euch war’s zu wohl, ihr waret Zu feist und kugelrund, Den ganzen lieben langen Tag Stund euch nicht still der Mund. Doch Spaß bei Seite, Brüderlein, Ich will für euch doch sorgen; Geh, sag’ den lieben Mönchen mein, Ich käme selber morgen.“ –
Und Morgens kann der gnädge Herr Mit Wildpret und mit Schinken, Und nahm aus seinem Kellerschatz Vom Besten mit zum Trinken.
Wie jauchzten da die Pfäffelein, Wie ausgelaßne Ritter! Wie sangen sie und sprangen sie Und hüpften wie die Widder!
Wie schmausten sie und tranken sie, Aller Kummer war nun fern;
Sie waren bis in die späte Nacht Gar fröhlich vor dem Herrn.