Zum Archiv
Zitieren

Badisches Sagen-Buch II

Der wachsende Stein

1 Min. Lesezeit· Ludwig Kieffer, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Am Ranft der Kraich im Thale Tritt aus der Wand ein Stein Und wächst mit seinem Leibe Bald in die Kraich hinein. Er wächst seit Mannsgedenken: Mit jedem neuen Jahr Stellt größer er und höher Und mächtiger sich dar.

02

Man weiß nicht, was ihn wachsen Und vorwärts rücken macht, Auch wächst er nicht am Tage, Er wächst nur in der Nacht.

03

Man glaubt drum auch vom Steine, Er sei des Teufels Stein, Der trage dort allnächtig Manch frische Seel’ hinein,

04

Und lade von den Seelen Die Sünden allzusamm, Der Pack von Sünden gebe Stets einen größern Damm. Den Sündendamm bedecke Als Hülle nur den Stein, Und nur der Teufel könne Zum Steine aus und ein; Und sei vom Stein durchwachsen Die Kraich, so schwell’ sie an, Bis endlich ihre Wasser Gebrochen sich die Bahn.

05

Dann schwemmten Stein und Sünden Die Wasser in den Rhein, Und dort verschläng’ ein Strudel Den Nachts gewachsnen Stein.

06

Der Teufel woll’ ihn halten, Der Strudel geb’ nicht nach, Es sei der Macht des Rheines Der Teufel selbst zu schwach. –

07

Drum rieth’ ich großen Sündern, Sie wüschen sich im Rhein, Wascht der sie nicht, so müssen Sie wohl des Teufels seyn.

Für deine Recherche

Quelle zitieren

Der wachsende Stein, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 213, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Der wachsende Stein, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/der-wachsende-stein/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-213-der-wachsende-stein