In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Warum so trüb, gestrenger Herr? Warum denn so allein? Ihr schaut ja in das Abendroth, Und nicht in’s Grab hinein! – „Ich schaue in das Abendroth, Mir deucht’s ein See von Blut; Mir deucht’s ein weites Flammenmeer In seiner dunklen Gluth.
„Und seht nur, wie es gierig sich An meine Burgen legt, Und aus den Fenstern, aus den Höh’n Mit Purpurzungen schlägt!“ – Herr Pfalzgraf, ei! was fehlt Euch denn? So sah ich Euch noch nie; Welch tolle Bilder malet doch Erhitzte Fantasie! –
„Nicht Fantasie, mein Burgvogt, nein! Ich fühl’s im Herzen tief,
Zur Wahrheit wird das Unglückswort Das jene Stimme rief!“ – Mein edler Herr, Gott schütze Euch! Ich kann Euch nicht verstehn; Sprecht Ihr von böser Ahnung denn, Habt Geister Ihr gesehn? „Ich saß in meinem Speisesaal Und aß, wie stets, allein, Da tönt der mitternächt’ge Schlag Durchs Fenster dumpf herein. Und wie der letzte Schall erstirbt, Da wird so bang es mir, Und eine Stimme, hohl und tief, Ruft: „Wehe Pfalz! Weh’ dir!“
„Ich hab in mancher heißen Schlacht Den Tod schon angeschaut, Es hat mir nie vor seiner Macht, Vor seinem Ruf gegraut. Doch dieser Stimme Grabeston Die dreimal ich gehört, Hat meinen Muth, hat meine Kraft, Mein ganzes Mark verzehrt.
„Es drang der Ruf aus jener Welt Mir tief in’s Herz hinein – Bald wird die schöne stolze Burg Ein Scheiterhaufen seyn!“ Der Pfalzgraf sprachs und schleicht davon, Das Herz ward ihm zu schwer; Das Leben war ihm öd’ und kalt, Er lächelte nie mehr!