In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Auf grünen Hügeln wehen Obstbäum’ und Blüthenlicht, Aus hohen Bergen stehen Die Silbertannen dicht; Durch Gärten, Felder, Matten Tanzt, manches Dorf entlang, Der Fluß im Erlenschatten Mit murmelndem Gesang.
Wohl prangt mit tausend Gaben Der Murg gesegnet Thal; Nur eine harrt begraben Noch auf den Sonnenstrahl;
Sie ruht so fest verborgen, Sie schläft so tief versteckt, Bis sie ein heller Morgen Mit lichtem Gruße weckt.
Deckt nicht das Feld voll Halmen Geheimnißvoll den Schaft Versunkner Wunderpalmen Der Urwelt, riesenhaft? Bewahrt nicht Stamm am Stamme Solch’ stolze Waldespracht, Verkohlt in Gluth und Flamme, Getreu die tiefe Nacht? Ist in der Erde Schooße Nicht solch ein Schatz bewahrt, Wo Rose sich an Rose Im Fürstengarten schaart? Zu spähn, was tief im Grunde, Bohrt widerhallend ein Sich schon die tiefe Wunde Dem starren Felsgestein.
O sucht nur, frisch ermuthet, Was bergen mag der Fels! O seht, die Wunde blutet Im lauen Schwall des Quells! Dem Tage quillt entgegen Ein Born mit hellem Strahl, Und schüttet neuen Segen Ins segensreiche Thal. Im Wasserstrahl, dem muntern, Hebt er zum Tagesschein Rasch aus der Tiefe Wundern Die hellen Perlenreih’n. Viel Kräfte still durchdringen Verschwistert im Gemisch, Die Perlen, daß sie bringen Dir Leben ewig frisch.
Du wankest hin zum Thale Kraftlos und müd’ und bleich, Und schlürfst aus voller Schaale Die Fluth so lebensreich; Bald trägst du von der Quelle – Des Siechthums Qual entrafft, – In deiner Seele helle Den Schatz der Jugendkraft.