In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
O Thal, mit deinen Bäumen, Mit deiner Waldkapell’, Mit deinen Kindesträumen, Mit deinem Heilungsquell! Kein Sturm erreicht den Müden An deines Bächleins Rand, Und Ruh’ und Stille bieten Vertraulich ihm die Hand.
Der Windeck Thürme schauen So ernst vom Berg herab, Die Ritter und die Frauen Deckt ein versunknes Grab. Das Schwert, das hier geklungen, Liegt unter Moos und Dorn; Wo Harfner einst gesungen, Schallt nun des Waidmanns Horn.
Der Mensch und seine Werke Sie sind des Tages Raub, Die Schönheit und die Stärke Zerfallen bald in Staub; Jedoch die Sterne glimmen Und walten immerdar, Und Lenz und Liebesstimmen Bringt jedes neue Jahr. Die freundliche Najade In ihrem Felsenhaus Gießt immer noch zum Bade Die lauen Fluthen aus. Die Parzen selbst gewinnen Kann ihr vertrautes Wort; Sie werden weich und spinnen Den Faden emsig fort.
Verborgne Kräfte legen Den Schlag ins Menschenherz, Verborgne Kräfte regen Sich selbst im starren Erz; Der Forscher sucht vergebens, Woher der Born entquillt; Der Ursprung alles Lebens Ist tief in Nacht verhüllt. Wer läßt geheime Schauer Hier unter Eichen wehn? Warum die stille Trauer, Wo Windecks Thürme stehn? Was spricht im Waldesschweigen Uns so bedeutend an? Wer macht, daß von den Zweigen Uns Ruhe säuseln kann?
Die Welt des Unsichtbaren Thut sich hier leise kund; Kannst du das Wort bewahren, So tritt in ihren Bund! Dein und der Quelle Leben Entströmen Einer Hand, Die Kräfte, die hier weben Verknüpft mit dir Ein Band.