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Badisches Sagen-Buch I

Die Kreuzvögel

1 Min. Lesezeit· Fidelis Dürr, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Im vorigen Jahrhundert hatten die Villinger in der ganzen Umgegend den Spitznamen Kreuzvögel; dies verhielt sich wie folgt:

02

In den Wiesen vor dem Riedthore entdeckte man einst im Gehäge bei der Brunnenstube ein ungemein großes Ei. Die Anzeige wurde sogleich dem Magistrate gemacht und, als ein außergewöhnliches Phänomen, das Ei von demselben in höchsteigener Person erhoben und in die Stadt gebracht. Nun entstand die große Frage, was in dem Ei verborgen seyn möchte und wie man den Inhalt herausbringen könne? Da man kein Thier kannte, welches fähig gewesen wäre, dasselbe auszubrüten, so entschloß sich ein wohlweiser Rath, in höchsteigener Person sich diesem wichtigen Geschäfte zu unterziehen. Vom Rathsdiener an bis auf den Bürgermeister verlegten sich nun alle Herren auf das Ausbrüten des räthselhaften Ei’s. Durch die Kraftwärme des wohlbeleibten Consuls beseelt, sprang endlich die Schale auf, und ein wunderschöner Kreuzvogel kam zum Vorschein. Der Magistrat hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als alle Stadtthore zusperren zu lassen, um das Entfliehen des Vogels zu verhindern.

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Quelle zitieren

Die Kreuzvögel, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 221, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Die Kreuzvögel, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/die-kreuzvoegel/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-221-die-kreuzvoegel