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Badisches Sagen-Buch II

Die Pforzheimer Bürger

3 Min. Lesezeit· Adolf Bube, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

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An des Neckarstroms Gestade Zog gen Wimpfen seine Pfade Baden-Durlach’s kleines Heer; Und es schwangen in der Rechten, Für das Lutherthum zu fechten, Hoch die Krieger ihre Wehr. Plötzlich dringt es durch die Reihen: „Tilly naht mit starker Macht!“ Und es ordnet jeder Führer Seine Schaar zur heißen Schlacht. Eine wetterschwangre Wolke, Braußt mit seinem wilden Volke Tilly fürchterlich heran; Und so weit die Augen schauen, Zeigen in des Landes Auen

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Feuersäulen seine Bahn; Markgraf Friedrich ruft im Grimme: „Seht des Vaterlandes Schmach! Tapfre, folgt mir, es zu retten, In das Schlachtgetümmel nach!“ Und er jagt auf starkem Rosse In den Hagel der Geschosse, Den der Feind entgegen schickt. Löwenmuthig sprengt zum Streite Weimars Fürst an seiner Seite, Hoch sein scharfes Schwert gezückt. Und wer ist, in weißen Röcken, Dort die auserwählte Schaar, Die den beiden tapfern Fürsten Folgt in jegliche Gefahr? Wo der Nagold sanfte Wellen Und die Würm den Enzfluß schwellen, Liegt ein Städtchen wohlgebaut; Dorther stammen jene Streiter, Die, als Friederichs Begleiter, Euer Blick verwundert schaut. Da des Fürsten Ruf erschollen: „Glauben gilts und Vaterland!“ Legten sie die Weberspule Aus der kunstgeübten Hand. Wie geprüfte Heldenschaaren Trotzten sie der Schlacht Gefahren Jetzt mit frommem teutschen Muth; Unter ihres Schwertes Streichen Thürmten Berge sich von Leichen,

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Und der Boden schwamm in Blut. Schon verläßt des Kaisers Fahnen Fliehend das Hispan’sche Heer, Und zerstreuet auf der Fläche Furchtbar heulend sich umher. Aehnlich hochempörten Bächen In der Feinde Linien brechen Baden-Durlach’s Schaaren ein, Und die muthentseelten Glieder Stürzen wild sie vor sich nieder Mit der Waffen Wetterschein, Wie auch Tilly’s Stimme tobet, „Halt!“ den Fliehenden gebeut, Seine ungezählten Rotten Sind wie Spreu vom Sturm zerstreut. Und wie mit des Sturmes Flügel, Flogen über Berg und Hügel Ihnen Durlach’s Krieger nach. Da ertönt in ihrem Rücken, Als zerbörst’ ein Berg in Stücken, Tiefbetäubendes Gekrach; Unvermerket sank im Kampfe Einer Kugel Feuerball In den Kreis der Pulverwagen, Zündend dort in seinem Fall. Und des Tages Licht verhüllet Und den reinen Aether füllet, Athem raubend, Pulvernacht, Während rund von bangem Stöhnen Fluren, Thal und Hügel dröhnen, Und der Eichen Waldung kracht. Tausend Tapfre sind zerschmettert, Wälzen sich in ihrem Blut, Wer es noch vermag, entfliehet Schleunig mit gesunknem Muth.

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Von den dampfumwogten Höhen Sieht man Feindes Fahnen wehen, Und Verderben Allen droh’n. In das Schlachtgefilde nieder Führet seine Rotten wieder Der gewalt’ge Tilly schon, Rufend mit Commandostimme: „Jaget nach dem Ketzerheer! Und wen ihr erreicht, dem stoßet Durch den Körper Schwert und Speer!“ Also folgt im raschen Fluge Mordend er dem flücht’gen Zuge, Bis er Durlach selbst gewahrt; Wähnend ihn in seinen Händen, Denkt sein Leben er zu enden Auf entsetzensvolle Art. Aber unvermuthet stürzet Wohlgeordnet Mann zu Mann, Durlachs treuer weißer Haufen Gegen Tilly’s Schlachtheer an. Tilly staunet. „Kommt zum Heere Ferdinando’s!“ – ruft er – „Ehre Schmückt euch hier im höchsten Grad, Wenn zu eurem Ketzerfürsten, Welchen wir zu fahen dürsten, Ihr geöffnet uns den Pfad!“ – Doch vergebens! All’ erwiedern: „Eher Tod durch Feindeshand, Als Verrath dem theuern Fürsten Und dem lieben Vaterland!“ Tilly drauf: „Ihr wollt Verderben? Nun, so sollt ihr Alle sterben, Eh’ gelingt des Fürsten Flucht!“ Und mit seinem ganzen Heere, Gleich dem hochempörten Meere, Das den Fels zu stürzen sucht,

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Stürmt er auf den kühnen Haufen, Welcher unerschüttert steht, Ob auch mancher seiner Helden Offnem Tod entgegen geht. Tief im Innersten beweget Ruft von Neuem Tilly: „Leget Eure Waffen vor mich hin!“ Aber Deimling: „Magst sie holen!“ Mit ihm äußern, unbefohlen, Alle Bürger gleichen Sinn, Und erfechtend ihres Fürsten Rettung mit der Väter Muth, Fallen Mann für Mann, sie Alle, Hochumströmt von Feindes Blut.

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Quelle zitieren

Die Pforzheimer Bürger, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 194, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Die Pforzheimer Bürger, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/die-pforzheimer-buerger/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-194-die-pforzheimer-buerger