In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Hinter grüner Hügelstrecke Thürmt der Berg sich wie zum Streit; Hingestürzte Felsenblöcke Sind sein festes Waffenkleid. Seines Hauptes Wälder starben, Denn das Alter macht ihn kahl; Droben schwillt, wie Heldennarben, Morscher Schlachtenwälle Mahl.
Seiner hohen Haiden Oede Ruht im Monde silberweiß, Steht dem Geisterrufe Rede, Lockert sich auf sein Geheiß. Aus dem Wall, im Waffenklirren Steigt ein zürnend Riesenbild;
Seine Herrscherblicke irren In die Tiefen streng und wild.
Erwins kühne Münstersäule, Bei des Rheines Silbertuch, Späht er aus in Gier und Eile, Donnert ihr hinab den Fluch: „Breitest noch die Götzenhallen Du, des Seelenbannes Haus, Gegen den mein Leib gefallen, Deinem falschen Glauben aus! „Deine heißern Mettenglocken Bannen mich zu Neid und Wuth Aus der Himmlischen Frohlocken, Höhnend mein verspritztes Blut. Seit Jahrhunderten vom Staube Klirr’ ich auf in jeder Nacht; Thürmt mich auf der reine Glaube Gegen deine Afternacht!
„Dich verdammend will ich dauern, Bliebst du bis zum Weltgericht, Bis sich neigen deine Mauern, Deine Spitze knirschend bricht; Bis die Glocken berstend wimmern Wie vor Gott der Lügner Brust, Und bis über deinen Trümmern Jubelt reiner Engel Lust!“ Mit der blanken Hand von Eisen Schleudert er den Fluch in’s Land, Wie die raschen Blitze kreisen Um den schwarzen Wolkenrand. – Doch des Domes Morgentöne Schweben leise durch die Luft, Seiner Pyramide Schöne Blühet auf in Rosenduft.
Und der Freiheit Siegesfahnen Steigen von ihr aus der Nacht;
Ihrem freudenvollen Mahnen Ist ein großes Volk erwacht. Tief Hinein, in seinen Landen, Bricht der volle Jubel aus: „Tag des Heils, du bist erstanden, Künd’ ihn laut, o Gotteshaus!“
Und der Liebe Wonnen schlagen Still des Geistes tiefen Gram: „Sey gegrüßt, mein himmlisch Tagen, Sieh mich nah’n in Dank und Scham! Schwindet, enge Seelenketten! Freiheit, ja dein Zauberschlag Soll der Herzen Höchstes retten!“ Er verschwindet in den Tag.