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Badisches Sagen-Buch II

Die Stiftung von Frauenalb

2 Min. Lesezeit· Eduard Brauer, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Bleich, mit angstergrauten Locken, Starren Blicks, zum Tod erschrocken, Kehrt der edle Herr von Zimmern Heim vom Wald beim Sterneflimmern.

02

Und vom Kreis der Jagdgenossen, Der verwunderten, umschlossen, Gibt der blasse Waidmann Kunde Von dem schauerlichen Grunde:

03

„Wißt, den Riesenhirsch zu jagen, Der uns neckt seit vielen Tagen, Hatt’ ich mich im Wald verloren Weit von dieses Schlosses Thoren.

04

Als ich meint’, ihn zu erlegen, Trat ein Recke mir entgegen, Wild und gräßlich anzuschauen, Noch gedenk’ ich sein mit Grauen.

05

Ihm zu folgen, winkt er schweigend Mir, zur Waldschlucht niedersteigend; Folgen mußt’ ich wider Willen Seinem Machtgebot, dem stillen. Tief im Walde, weit von hinnen, Blickt’ ein Schloß mit hohen Zinnen, Diener harrten an der Pforte, Die uns grüßten ohne Worte. Wir durchschritten lange Gänge; Hoch im Saale mit Gepränge Saß ein Fürst, so schien’s, beim Feste, Reich bewirthend edle Gäste.

06

Schweigen doch rings in der Halle; Ernst und schweigsam grüßen Alle, Füllten Becher, tranken, aßen Ernst und schweigsam allermaßen.

07

Gold und silbernes Geräthe Trug der Tisch, der glanzbesäte, Lautlos küßten sich die Becher, Gluth entloht dem Mund der Zecher.

08

Oft schon saht ihr ohne Zittern Mit dem Tod mich Lanzen splittern, – Doch dies Schauspiel war unsäglich Grauenvoll, fast unerträglich! Und mein schweigender Begleiter Führte bald von da mich weiter; Neues Grüßen, neues Neigen, Doch stets gleiches Todesschweigen. Durch dieselben Gänge nieder Stiegen wir ins Freie wieder; Kaum entrückt dem Schreckensorte, Sprach mein Führer diese Worte:

09

„Den du sahst in jenem Schlosse, War Herr Friedrich, Zimmerns Sprosse, Einst dein Ohm, ein mächt’ger Degen, Kühn und mannhaft allerwegen.

10

Doch an eitelem Gewinne Hing sein Herz; mit hartem Sinne, Gierig stets nach neuer Beute, Drückt’ und plackt’ er Land und Leute.

11

Ich mit seinen andern Knechten Half ihm treu zu allem Schlechten, Darum uns und ihn betrafen Qualvoll Gottes ew’ge Strafen. Albrecht, Albrecht! laß dir rathen: Sieh’ zurück auf deine Thaten Und bereu’ aus tiefster Seele Deines Stamms und deine Fehle!“ Sprachs und schwand. Ich schrack zusammen; Jenes Waldschloß sah ich flammen, Und ich hört’ ein kläglich Stöhnen Aus dem Schwefelqualm ertönen.

12

Dies, ihr Herrn, hab’ ich erfahren; Lest’s in meinen grauen Haaren! Drum zur Buße schwerer Sünden Will ich nun ein Kloster gründen.“ –

13

Stumm, von Schauern überflossen, Hörten’s seine Jagdgenossen Und erwogen im Gemüthe Ihrer Sünden reiche Blüthe.

14

„Berthold!“ – sprach der Ebersteiner: – „Euer Vorsatz ist auch meiner!“ Und, von gleicher Gluth entzündet, Hat er Frauenalb gegründet.

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Quelle zitieren

Die Stiftung von Frauenalb, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 153, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Die Stiftung von Frauenalb, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/die-stiftung-von-frauenalb/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-153-die-stiftung-von-frauenalb