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Badisches Sagen-Buch I

Die Unterhaltung bei dem Judengalgen nächst Müllheim

6 Min. Lesezeit· Ludwig Friedrich Dorn, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

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Weisch, wun es ani goht, das Wegli i? Im Judegalge zu; mer sin jez bal derbi. Dort obe, lueg, wu selli Nußbäum stehn,

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– Grad wu jez selli Manne dure gehn – Dert seit men em eso, von altersher. Un siehsch, uff sellem Chrützweg ehne, heißt’s, Gang z’Nacht als Ein, im Mondschiin liicheblaß, Un wandle d’Hohlgaß us und i. Der Vatter weißt’s, Wie men em gseit het; und es sey kei Gspaß. Me hör gar mengi Nacht si Sifzgen un si Chlag, Bis daß es z’Müllen almig zwölfi schlag. Das sei, vor Ziten als, e böse Nochber gsi, Ne Jud voll Trug und Pfiff, in Sünden alt; Un gstohle heig er au no obedri. Doch endli henn sie en emol uszalt. Dert obe, wun i di jez ane füehr, Isch’s gscheh. Et het emol grad wieder gstohle gha; Jez chunnt der Amtmann z’rite, mit eme Hatschier, Un sieht em’s ebe scho vu witem a. Un druff, was gschieht? Er het em vorher scho Mit dräut, un thuet en eisgangs henke lo. Ne Todesurthel isch em niene gsproche gsi, Doch heißt’s: mer henken en emol, uff witers hi. So isch es gangen, un sie sage, ’s heig em ghört. – Jez sim mer dobe, un jez blibe mer e Rüngli stoh. Es zieht e wenig a, do uffezue; Me spürt’s im Othehole währli scho, Drum wemmer is e wenig jez verthue, Und umenander luege, eb mer witers gehn, Denn’s gitt jo doch kei Gegnig meh so schön. Lueg, an dem Plätzli isch si Galge gsi, E Nußbaum; ’s goht eim schier e Grusen us. Drum wemmer besser füre; chumm dohi, Do zeig i der au jeze no das Hus, Wu sellimol der Amtmann gwohnet het. Lueg dert bi sellem alte Schloß, me sieht’s gar nett; ’s stoht rechterhand e wenig unte dra, Mit seller Giebelwand; me sieht em’s a, An sine Fenstere, daß es scho alt mueß si. Habschberger het er gheisse, sellimol,

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Un’s heißt, i weiß nitt, öb i ’s wieder sage soll, Er thieg si jielimol gar jeze no Ganz grait der Innerberg dert uffe, höre lo. Mit wilde Rosse zieg er almig us, uff d’Jacht, Un heig e Lebtig dobe, bis der Tag verwacht. Jez ich glaub’s nitt; denn isch er scharf au gsi: D’Rechtschaffeheit het doch nit gfehlt derbi. Un z’Müllen in der Chilche stoht si Grabstei no, Un der vu siner Frau isch nebe dra. Dert schloft er rüeihig. Chönnte’s Alli so, Wu gstorbe sin, un henn en Amt im Lebe gha! – Sell isch jez Badewiler, bhalt’s im Sinn, ’s Amthus un ’s Schloß; nu siehsch sell Hüsli nebe dra? Dert tanze sie im Summer alli Sunntig drin, Un mengmol chunnt sie’s in der Wuchen au no a. Un lueg, sell gros, sell isch’s neu Römerbad; Es isch e Saal drin, me verluegt si schier; I sag der, Meieli, es isch e Staat, De glaubsch es nitt, bis i di ane fuehr. Un besser hinte zieht si’s Dorf am Berg no hi; Vor alte Zite seig’s scho’s fürnehmst Badort gsi. Un jezen isch im Summer eben alles voll, Mer weißt als fast nitt, wu men ane luege soll. ’s isch aber au kei Wunder, uff mi Treu, Wenn d’Gäst mehr uffe gehn, vu Johr zue Johr, Wenn’s wuslet überal mit Groß und Chlei, Denn ’s isch so schön dert, ’s chunnt eim wie im Himmel vor.

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Jez lueg in Wald dert uffe, linkerhand, Dert hinterm Schwärziberg, siehsch sell alt Schloß? Es isch der Neuefels. – Dert sieht mer erst in’s Land, Me chunnt fast nimmi vu der Ussicht los! Doch gehn d’Lit wunderselten emol hi, Warum? ’s isch müehsam un me sind’t der Weg nitt gli. Dert obe henn, vor Zite, Heere gwohnt, Mit Frau un Chinder, un das brave Lit; Sie henn der Buursmann gästimiert un gschont, Und Unrechts weißt me vu de Neuefelser nit.

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Ne große Hund isch ihr Bidiente gsi, Der het als Fleisch gholt, z’Sulzberg alli Tag, Un heime treit uff’s Schloß, gar ordeli. Doch Alles goht si Weg, so lang es mag, Derno hört’s uff. Uff eimol chunnts e so: Der Hund der het si nimmi blicke lo. Was isch jez dem? het druff der Metzger denkt, Un het zuem Nochber gseit: „mer wenn doch luege gli!“ Und wu sie uffe chömme, sen isch’s Thor uffgsprengt, Un d’Menschen un der Hund sin umbrocht gsi. Wer aber selli That verüebt ha soll – Das weißt der Britziger Pfarrer nitt emol. Jez rechts vu Badewiler, als de Berge no, (De gros heißt Blaue) siesch so wissi Stei; Sei isch ’s Husbade; ’s isch e Bergwerch. Mei, Dert isch’s au schön, mer wenn au ane goh. Un no ne wenig witer ehne dra – Siehsch nitt sell Hüsli, mit dem rothe Dach? Dert wohnt der Tschamber z’Sehrigen, i bi Scho selber binem dobe gsi; Er isch e Wirth un wird e rechte Buur, alsgmach. Un füre zue, lueg selle grüene Rai – Sell isch d’Hexmatt. Jez denk dedoch au, nei! Dert heige sie emol e Hex verbrennt; Un dordurwille, daß me’s jez d’Hexmatt no nennt, Denn Falkenau heig’s früeiher gheisse gha. Nitt wit dervu fangt rechts der Mülle-Wald scho a. Un besser gegen uns zue, – siehsch sell Dach – Isch Niederwiler, rechts un links, am Bach.

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Jez dreihe mer is aber rechterhand. Do lit e Städtli, ’s isch der gwiis bikannt; Was meinsch jez, Meieli, was wird es si? Es fallt der vumme selber i. Lueg doch, wie fründli in de Bergen in, Wu nit, as Rebe, zrings drumm umme sin! – – – – – – – – – –

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Jez derte sieht me Neuburg, satt am Rhi, Ne Städtli hüttigstag, ne Stadt vor Zite gnennt; Statt seller Chilche seig e Münster derte gsi, Doch heig’s der Rhi neweg gnu, us em Fundement. Un ’s innerst Hus sei gstande, wu jez ’s üsserst stoht, Me weißt es justement grad nimmi gnau. Und wemmen uffezue, am Strom no goht, Se chunnt ’s Chrüzchilchli, in der Guetenau. Dert het der Brueder Felix, im e chleine Hus, Si Wohnig gha, und im e Todtebaum si Bett. Si Gschäft isch bete gsi, und wenn es dundret het, Se het er almig glitte. Nu, jez rueiht er us. Sell heilig Chrüz, wu aber dert stoht, mueß de Rhi No jez vum Land abhalten und – es thuet’s, cha si!

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Un do vu dene Berg rechts hintere Sin no viel Ort; de weisch jo, wu mer her chu sin – Dert ehnen unter sellem Rai isch Zunzige. – – – – – – – – – – – Jez sim mer, glaub i, ummen überal, Un d’Gegnig hemmer bschaut. Geil do isch’s schön? Das isch im liebe Gott si Bildersaal, Un mir verstune, wemmer drin spaziere gehn. – Chumm jez, jez müen mer go, mer henn jez Zit; Dur selli Hohlgaß us, in’s Wilerthal. ’s isch ebbe no ne Viertelstündli wit, Un d’Weg, die weiß i jo no überal.

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Die Unterhaltung bei dem Judengalgen nächst Müllheim, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 130, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

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Die Unterhaltung bei dem Judengalgen nächst Müllheim, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/die-unterhaltung-bei-dem-judengalgen-naechst-muellheim/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-130-die-unterhaltung-bei-dem-judengalgen-naechst-muell