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Badisches Sagen-Buch I

Graf Gero von Montfort

2 Min. Lesezeit· Gustav Schwab, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Von Montfort war’s der greise Graf, Gesättigt von dem Leben, Der sah den blauen See im Schlaf, Und stille Kähne schweben, Auf Wasser, Erd’ und Himmel Ruh’; Da flog sein Herz dem Frieden zu.

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Und als vom Traum er aufgewacht, Da ruft er seine Knechte, Hat sie belobt und gut bedacht, Nimmt Abschied vom Geschlechte, Verläßt die Herrschaft und das Schloß, Und zieht zum fernen Strand zu Roß.

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Wie nun er an das Ufer trabt, Hört guten Wind er sausen, Und trifft am Strand den frommen Abt Vom heiligen Petershausen, Dazu ein Schiff, die Segel voll; O wie sein Herz von Sehnsucht schwoll!

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Sanct Peters Haus, die stille Statt, Von Wellen leis bespület, Sein Geist sich ausersehen hat Vom Ird’schen abgekühlet; Dort will er dienen Gott dem Herrn, Von Lust und Pracht der Erde fern. Den Abt erquickt der heil’ge Sinn, Er hebt in’s Schiff den Grafen; Wohl bringt dem Kloster das Gewinn Sie stoßen ab vom Hafen. Schon schwimmt das Schiff auf blauer Fluth – Wie wird dem Greise da zu Muth! Er spricht gerührt: „O fühltet Ihr, Herr Abt, was ich empfinde! Es blickt das Wasser auf zu mir, Wie Mutter nach dem Kinde! Denn wißt, bei jenes Hornes Riff Geboren ward ich einst im Schiff.

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Und wenn ich in dem Nachen drin So sanft geschaukelt liege, Wird mir wie einem Kind zu Sinn, Als ruht’ ich in der Wiege; Die Mutter lispelt in mein Ohr Und singt ein Schlummerlied mir vor.“

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Derweil sie segeln frisch nach vorn, Da übermannt’s den Grafen; Sie sind nicht ferne mehr vom Horn, So hebt er an zu schlafen, Und bei der Ruder gleichem Schlag Er schlummernd auf dem Schiffe lag.

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Und wie das Schiff vorüberzieht, Dort, wo er ward geboren, Da tönt das süße Wiegenlied

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So hell in seinen Ohren; Er schlug die Augen auf und rief: „O Mutter, wie so tief ich schlief!“

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Er schließt die Augen wieder zu, Noch tiefer fortzuschlafen: Steh, Nachen, still! nicht eile du! Dein Gast ist schon im Hafen. Der Abt zu seinen Füßen kniet, Ihn mit dem letzten Trost versieht. Bringt ihn zum heil’gen Haus hinab, Legt in den Chor den Frommen; Dort rauscht die Fluth, die einst ihn gab, Und die ihn jetzt entnommen; In süßem Frieden, frei von Harm, Ruht er der Welle dort im Arm.

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Quelle zitieren

Graf Gero von Montfort, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 9, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Graf Gero von Montfort, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/graf-gero-von-montfort/textzeugen/badisches-sagenbuch-i-009-graf-gero-von-montfort