Zum Archiv
Zitieren

Badisches Sagen-Buch II

Hausgeist Blaserle

2 Min. Lesezeit· August Nodnagel, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Spaßt nur mit Geist, ich lobe das, Doch ist mit Geistern nicht zu spaßen; Leicht wird gefährlich solch ein Spaß, Voraus bei denen, welche – blasen. Zu Eisingen im Pfarrerhaus War es vor Zeiten nicht geheuer: Der Hausgeist blies die Lichter aus Und facht’ zur Flamm’ ein Fünkchen Feuer.

02

Der Pfarrer sprach: „Gefällt es dir, So dienstbar dich uns zu beweisen, Nu, bleib in meinem Hause hier, Fortan sollst Blaserle du heißen.“

03

Wie bald bereut’ er dieses Wort, Wie mocht’ er nie den Geist mehr necken! Der Kobold blies nun fort und fort Den Pfarrer an, aus allen Ecken.

04

Wohl ward im Nu die Suppe kalt, Der Alte sparte seinen Odem; Doch blies der Geist auch mit Gewalt Vom Kahlkopf die Perrück’ zu Bodem.

05

Als er den Schulzen einst getraut Vor Schöffen, Vettern, Muhmen, Basen: War, wie zum Hohn, der jungen Braut Das Kränzlein flugs hinweg geblasen. Wie oft der Schabernack geschah, Ich weiß es wahrlich nicht zu sagen; Die Zauberer kamen von fern und nah, Das Blaserle hinweg zu jagen.

06

Es blies, es blies bei Tag und Nacht, – Die Bauern wußten manches Späßchen, – Bis sich der Pfarr in’s Haus gebracht Die flinkste Maid, sein muntres Bäschen.

07

Die nahm’s mit allen Geistern auf, Flog durch das Haus, treppauf, treppnieder – Das Blaserle ward still hierauf Und plagte nie den Pfarrer wieder.

Für deine Recherche

Quelle zitieren

Hausgeist Blaserle, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 199, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Hausgeist Blaserle, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/hausgeist-blaserle/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-199-hausgeist-blaserle