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Das kleine Heldenbuch

Alpharts Tod

Alte neuhochdeutsche Übertragung · 1859 · Karl Simrock

83 Min. Lesezeit· Karl Simrock

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

Der Text wurde vollständig mit den historischen Scans verglichen.

01

Erstes Abenteuer.

02

Wie der Kaiser Ermenrich Dietrichen widersagen ließ.

03

Als Ermenrich der Kaiser Dietrichen widerbot, Da hub sich großer Schrecken, Angst und Herzensnoth. Der das will gerne hören, der mag hier Kund empfahn Was großer Untreue ward an dem Berner gethan.

04

Wittich und Heime, die brachen Gottes Recht, Die Heergesellen beide. Einst war die Treue schlecht; Nun mög es Gott erbarmen, daß es je geschah, Daß man dem jungen Ritter das Gottesrecht brechen sah.

05

Zwei bestunden Einen: das war hievor nicht Brauch; Es schwächten ihre Ehre damit die Beiden auch, Daß sie auf der Warte frommten großen Schaden An Alphart dem jungen; mit Schande wurden sie beladen.

06

(Es zog der reiche Kaiser von Rom Herr Ermenrich Wider seinen Neffen, den Berner Dieterich. Er hatt in seinem Heere wohl achtzig tausend Mann: Das rieth der falsche Sibich, der nur auf Untreue sam.

07

„Wer will nun widersagen,“ sprach Ermenrich, „von mir Dietrichen, Dietmars Sohne? ist nicht ein Bote hier?“ Da stand an der Seite Heime seinem Herrn: Der sollte Bote werden zu dem jungen König von Bern.

08

Da sprach der starke Heime: „Herr Kaiser, schickt mich nicht: Dietrich war mein Herre, ich stand in seiner Pflicht. Ich hab ihm Treu geschworen, er that mir nie ein Leid: Soll Ich ihm Kunde bringen, daß ihr ihm feind geworden seid?“

09

Darob begann zu zürnen der edle Kaiser reich: „Nun rede nicht von Treue, es sieht der Untreu gleich. Mir hast du nun geschworen, du bist mein Unterthan.) Soll ich auf der Haide keinen Dienst von dir empfahn?“

10

Da sprach der kühne Degen: „Herr Kaiser Ermenrich Nun laßt den Zorn sich legen: so will ich sicherlich Traben hin gen Berne, den Helden widersagen; Ich thu es ungerne, doch kann ich des mich nicht entschlagen.“

11

Da hieß er balde bringen, der Kaiser Ermenrich, Ein Roß, ein viel gutes, das wißet sicherlich. Als da von dem Kaiser Herr Heime Urlaub nahm, Alsbald zu seinem Rosse gieng der Degen lobesam.

12

Als Herr Heim der kühne zu seinem Rosse kam, Da trabt’ er auf die Grüne, auf einen weiten Plan. Heim der kühne Ritter ritt dahin gen Bern, Und widersagte Dietrich von dem Kaiser seinem Herrn.

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Zweites Abenteuer.

14

Wie Dietrich Heimen seiner Treue mahnte.

15

Da sprach wohlgezogen von Bern Herr Dieterich: „Heim, kannst du mir nicht segen: wes zeiht mich Ermenrich? Werd ich von Dem vertrieben was mir mein Vater ließ, Ich nehm euch all zu Zeugen, unverdient geschieht mir dieß.“ —

16

„Er hat mir nicht gemeldet wessen er euch zeiht, Edler Fürst, Herr Dietrich; es ist mir wahrlich leid.“ Urlaub nahm da Heime, er wollte nun hindann: Da sprach der Vogt von Berne: „Noch Eins, Heim, sage mir an:

17

„Wer es mir vergütet,“ sprach der bedrängte Mann, „Daß ich dir vor Zeiten so manchen Dienst gethan? Du bestundest mich in Kindheit aus großem Uebermuth, Da hab ich dich bezwungen,“ sprach von Bern der Degen gut.

18

„Du gelobtest mir zu dienen,“ sprach Herr Dieterich: „Willst du nun hinnen reiten, so brichst du sicherlich An mir deine Treue und alle Ehre dein Und must vor allen Recken immerdar geschändet sein.

19

„Du hast mir Treu geschworen, Held, zu jener Zeit: Es muß dir Schande bringen, brichst du deinen Eid. Willst du mich jetzt verlaßen, da mir die Sorgen kamen, Es schadet deiner Ehre und deinem hochgelobten Namen.

20

„Du strecktest mir die Hände und wardst mein Unterthan, Als ich vor manchem Recken den Sieg dir abgewann. Da ließ ich dich am Leben, ich gab dir Gut und Land, Nahm dich zum Schildgesellen: das verdiene deine Hand.“

21

Da sprach der starke Heime: „Gemieden hätt ichs gern, Daß ich zu solchen Schelten geritten wär nach Bern. Du sollst daran gedenken, Fürst lobesan, Ich hab in meiner Jugend so manchen Dienst dir gethan.“

22

Da sprach er: „Dich zu mahnen, Heim, zwingt mich bittre Noth, Gedächtest du an Ehre, du lägest lieber todt Eh du die Treue brächest an einem werthen Mann: Bedenkt es bei dir selber: es steht dir lästerlich an.“

23

Noch sprach der Vogt von Berne: „Hochgelobter Mann, Hab ich dir mein Leben je einen Dienst gethan, Das läst du übel schauen, Ritter unverzagt, Daß du mir mein Ungemach der Erste hast angesagt.

24

„Was ließest du nicht reiten einen fremden Mann?“ Da sprach der starke Heime: „Fürst lobesan, Dazu hat mich gezwungen der Kaiser Ermenrich. Sein Lohn hat mich gedungen zu Dienst, das wißet sicherlich.“

25

„Da sprach der Vogt von Berne: „Das that dir, Held, nicht Noth. Ich behielt dich gerne bis in meinen Tod. Ich gab dir immer willig mein Silber und mein Gold: Das wiße, kühner Degen, ich war dir stäts mit Treuen hold.“

26

„Ich darf dir nicht mehr dienen,“ sprach Heim der kühne Mann. „Ich hätt es ewig Schande, blieb’ ich bei dir fortan: Mancher kühne Degen hat mich ausgesandt, Sie warten all mit Schmerzen, daß ich komme gerannt.

27

„Es hat der reiche Kaiser achtzig tausend Mann, Das dürft ihr sicher glauben, geführt auf diesen Plan. Die haben Mich alleine zu Boten ausgesandt. (Mich hat der Kaiser Ermenrich mit mancher Drohung gebannt.)

28

„Ich wehrte mich aus Kräften,“ sprach Heim der kühne Mann, „Bis daß der reiche Kaiser zu zürnen drob begann. Er wollte seine Hulden mir darum versagen: Ohne mein Verschulden must ich gen Bern ihm da sagen.“

29

Da sprach der Vogt von Berne: „Heime, kühner Mann, Er hätt es dir erlaßen, du hasts wohl gern gethan. Und hätte dir nach Bitten gedreut der Kaiser kühn, So solltest du geritten ihm sein von der Haide grün.“

30

„Nein, reicher Fürst,“ sprach Heime, „es blieb mir keine Wahl, Ich muste wohl vollbringen was der Kaiser mir befahl. Wie sollt ich mich gebehrden? wie konnt ich widerstehn? In allen meinen Zeiten ist mir nicht übler geschehn.“

31

Also sprach da Heime wie Furcht ihn zwang und Scham. „Ihr sollt gedenken, Herre, da ich Urlaub nahm Und da ich schied von Berne, ihr auserwählter Degen, Da stunds in Lieb und Güte: ich sollt in Rom euer pflegen.

32

„Da wollen sie nun wanken, Herr Dieterich, von euch: Das haltet in Gedanken eh der Schade wird zu reich. Nun laß euch Gott,“ sprach Heime, „mit Freuden immer leben; Als ich Urlaub gehrte, den habt ihr selber mir gegeben.“

33

Da sprach der Vogt von Berne: „Das gesteh ich dir Doch gabst du deine Treue, da du Urlaub nahmst von mir, Daß du nimmer wolltest, du ehrloser Mann, Auf meinen Schaden reiten: da sollst du, Held, gedenken dran.“

34

„Daran gedenk ich gerne,“ sprach Heim der kühne Mann; „Mein Herr will euch vor Berne bestehen auf dem Plan. Er und all die Seinen, viel Fürsten unverzagt, Sie haben auf die Haide sich euch zu Schaden gewagt.

35

„Es hat der reiche Kaiser an achtzig tausend Mann, Die euer Heer im Streite wohl nie bestehen kann. Besendet eure Besten, haltet weisen Rath, Eh mit den fremden Gästen der reiche Kaiser euch naht.

36

„Berathet euch des Besten, fürwahr, das dünkt mich gut: Mein Herr und die Seinen sind zornig gemuth. Ehe wir uns scheiden auf dem weiten Plan, Da fürcht ich, habt ihr Beiden euch großen Schaden gethan.“

37

Da sprach der Vogt von Berne: „Heim, nun sag mir an, Bist du dem reichen Kaiser dienstlich unterthan? Willst du die Heerfahrt reiten? das sag mir, kühner Held.“ „Freilich,“ sprach da Heime, „ich bin dazu ihm gesellt.

38

„Dafür hab ich empfangen das lichte Gold so roth. Ich nahm was mir zu Lohne der reiche Kaiser bot, Daß ich ihm dienen wollte,“ sprach der Degen wohlgeboren. „Schweig,“ sprach Herr Dietrich, „du hast der Eide mehr geschworen.

39

„Du gelobtest mir zu dienen, gabst mir die Treue dein; Willst du mich nun bekriegen, des sollst du sicher sein, Wenn du mir begegnest im Sturm oder Streit, Uns beide scheidet Niemand als des Einen jüngste Zeit.“

40

Also sprach von Berne der edle Fürst so hehr: „Was wähnst du, ich verlöre? ich verlier an dir nicht mehr, Ein Schild, ein Roß alleine und einen falschen Mann: Dessen muß ich freilich mich entschlagen wie ich kann.“

41

Da sprach der starke Heime: „Soll ich Urlaub nun empfahn Zu des Kaisers großem Heere, du tugendreicher Mann, Das laßt mich jetzt erfahren, ihr Degen kühn im Streit: Um aller Frauen Ehre, geruht und gebt mir Geleit.“

42

„Hab Frieden vor mir selber,“ sprach Herr Dietrich, „Und vor anders Niemand, das wiße sicherlich.“ — „O weh,“ sprach da Heime, „ihr habt noch manchen Mann, Der meiner Drei bestünde, komm ich hinaus auf den Plan.

43

„Nein, gieb mir stäten Frieden, edler Dieterich, Du thatest stäts das Beste, zu Kaiser Ermenrich.“ — „So geb ich dir den Frieden bis heim an dein Gemach Vor allen meinen Mannen,“ das Wort er tugendlich sprach.

44

Drittes Abenteuer.

45

Wie Kaiser Ermenrich den Herzog Wolfing auf die Warte schickte.

46

Da dankt’ ihm für den Urlaub Heime der kühne Mann, Er gieng zu seinem Rosse, da er nun wollt hindann: Darauf war bald geseßen der Ritter unverzagt; Ihm war leid, daß er die Botschaft je dort dem Berner gesagt.

47

Da sprach der starke Heime: „Noch ist mir wohl geschehn, Da ich gen Berne trabte die Feinde dort zu sehn: Sie sind mir nicht so feindlich: sie thaten mirs zu Lieb, Daß ich ungefangen von den Wölfingen verblieb.“

48

Ueber die Etschbrücke ritt Heim der kühne Mann. Noch sprach da von Berne der Fürst lobesan: „Du magst dich vor mir hüten, Heim, du kühner Held, Denn so du mir begegnest, so giebt dein Leben Entgelt.“

49

Da sprach mit schlauen Listen der Degen wohlgestalt (Sein Leben wollt er fristen) von einem Vorbehalt, Mit dem er seine Treue brach an Dem von Bern, Und Wittich sein Geselle; Sibich rieth es seinem Herrn.

50

Da sprach der starke Heime zu Herrn Dieterich: „Ich schad euch nicht, noch Wittich, das wißet sicherlich: Wir haben es mit Worten auf unsern Eid genommen, Wider Hildegreinen Niemand zu Hülfe zu kommen.“

51

Da sprach der kühne Berner: „Hätt ich Glauben dran, So verzieh ich dir schon gerner was du mir hast gethan.“ „Glaubt mir,“ sprach da Heime, „ich bin euch hold gesinnt: Ich will das Beste reden, daß der Zwist ein Ende gewinnt.“

52

Also sprach da Heime, da er Geleit erbat; Amelolt und Nere wiesen ihn vor die Stadt. Heime schied von dannen zu Kaiser Ermenrich. Zu allen seinen Mannen gieng von Bern Herr Dieterich.

53

Daß Heime so von Berne bei seiner Botschaft schied, In diesem deutschen Buche sagt es ein altes Lied. Heim ritt durch das Gefilde nach einem weiten Plan: Da fand er bei dem Kaiser liegen achtzig tausend Mann.

54

Daß Heime blieb so lange, verdroß Herrn Ermenrich: Gefangen, wähnt’ er, hätt ihn sein Neffe Dieterich. Mit tausend Mannen kam er entgegen ihm gejagt: Da begegnet’ auf der Haiden ihm der Degen unverzagt.

55

Als der starke Heime den Kaiser kommen sah, Zu Amelolt und Nere nun hört wie sprach er da: „Nun sollt ihr heimkehren, ihr stolzen Helden gut: Dort kommt der reiche Kaiser, der trägt euch zornigen Muth.

56

„Thät er euch was zu Leide,“ so sprach der Degen, „So müßt ich bei euch wagen mein Leib und Leben. Darum kehrt zurücke, ihr Helden lobesan; Gott lohn euch aller Treue, die ihr habt an mir gethan.“

57

Amelolt und Nere wohl an derselben Statt Wandten sich zurücke, wie sie Heime bat, Nach einem grünen Hügel, die unverzagten Degen, Das Heer zu überschauen, das auf der Haide war gelegen.

58

Heimen fragte balde der Kaiser Ermenrich: „Was entbietet mir der Berner, mein Neffe Dieterich? Wie will er nun gebahren wider mich? das laß dich fragen.“ Da sprach der starke Heime: „Ich wills, Herr Kaiser, euch sagen.

59

„Ich habe Dem von Berne von euch widersagt: Ihr seit nah oder ferne, so ist er unverzagt. Wir mögen leicht entgelten seiner tugendreichen Hand, Da man den Fürsten selten wohl noch kleinmüthig fand.“

60

„Darum will ich nicht sorgen,“ sprach Herr Ermenrich. „Wer will die Warte suchen nun wider Dieterich? Widers Reich will er sich setzen, das hab ich wohl vernommen. An Ehren will ich letzen Die da Sold von ihm genommen.“

61

So sprach von Lamparten der Kaiser Ermenrich: „Wen send ich auf die Warte, ihr Recken lobelich?“ Die kühnen Weigande traten in einen Ring: „Ich will die Warte suchen,“ sprach der Herzog Wolfing.

62

Da wählt’ er aus dem Ringe zu sich achtzig Mann, Die huben mit Wolfingen, dem Herzog, sich hindann. Unter breiten Bannern, von Golde schön und klar, Achtzig kühne Helden sollten reiten in der Schar.

63

Da sah man sich bereiten zur Wart des Kaisers Bann Und ihre Fahne leiten über den weiten Plan. Nun heben wir von Berne wieder an das gute Lied: Nun mögt ihr hören gerne wie es uns selber beschied.

64

Da sprach der reiche Kaiser also hochfährtiglich: „Heim, sage meinen Helden, was entbeut mir Dieterich? Daß sie desto gerner mir helfen ihn vertreiben; Es darf der kühne Berner nicht länger im Lande bleiben.

65

„Er ist so übermüthig, der auserwählte Degen, Er muß das Land mir räumen, sonst geht es ihm ans Leben.“ „Herr, der Held von Berne zürnt euch also sehr, Er hat von euch erlitten viel Leid und grimme Beschwer.

66

„Ihm sei Gewalt geschehen, das klagt der kühne Degen, Drum will er gen euch wagen den Leib und das Leben Mit allen seinen Helden, der Degen hochgenannt, Die ihm wollen retten helfen seine Burgen und sein Land.“

67

Da sprach der reiche Kaiser: „Ich schaff ihm grimme Noth: Meinen Schild soll er fürchten bis an seinen Tod, Herr Dietrich von Berne und all die Helden sein, Gern oder ungerne: das wißt auf die Treue mein.“

68

Da widersprach Herr Heime dem reichen Kaiser hehr: „Vertreibt ihr ihn der Lande, ihr verwindets nimmermehr. Ob sie es Alle riethen, die da auf Erden sind, Ihr sollt dem Rath nicht folgen: er ist eures Bruders Kind.

69

„Wollt ihr vertreiben den edeln Dieterich, So thut ihr unfreundlich, Herr Kaiser Ermenrich. Von meinem ganzen Herzen ist es mir um ihn leid.“ Also sprach da Heime, dieser Degen kühn im Streit.

70

Da sprach der reiche Kaiser als ein erzürnter Mann: „Was will Der von Berne mit mir heben an? Wähnt er mir Krieg zu bieten, der Degen ohne Gleich? Er muß das Land mir räumen, mir dient das römische Reich.

71

„Ich treib es mit ihm gerne, will ihn nicht lange flehn: Er gebe mir denn Berne und empfahs von mir zu Lehn, So muß der kühne Dieterich räumen mir das Land Mit all den Wölfingen und dem alten Hildebrand.“

72

Da sprach der starke Heime: „Ich sag euch, Herr, vorher: Eh macht euch Der von Berne manchen Sattel leer. Vertreibt ihr ihn des Landes, das ihm sein Vater ließ, Ich nehm euch selbst zum Zeugen, unfreundlich thätet ihr dieß.“

73

Da sprach der reiche Kaiser: „Die Red ist gar verlorn; Es muß Der von Berne fürchten meinen Zorn. Man sieht mich bald vor Berne mit achtzig tausend Mann, Die ich mit reicher Gabe hergeführt hab auf den Plan.“

74

Viertes Abenteuer.

75

Wie Alphart der junge sich auf die Warte erbot.

76

Zurück gekommen waren nun die beiden Degen, Die dem starken Heime das Geleit gegeben. Sie hatten auf dem Hügel, wie ich euch kund gethan, Ersehn bei Ermenrichen wohl an achtzig tausend Mann,

77

Die mit dem reichen Kaiser zu Felde waren kommen: Herrn Dietrich von Berne war Freude viel benommen. Er war ihr aller Herre, der Kaiser Ermenrich. Da gieng der Vogt von Berne vor seine Recken lobelich.

78

Er gieng die Noth zu klagen in einen weiten Saal: (Da saßen junge Recken, man hörte lauten Schall.) Da saß mit großen Ehren der alte Hildebrand Und viel der werthen Recken, die euch hier werden genannt.

79

Da saß der junge Hache, Bange und Rotwein, Berchter der starke, und Einer, hieß Volkwein, Ritschart und Gerbart und der kühne Witschach, Helferich und Helmschrot, denen nie der Muth gebrach.

80

Da saß Eckhart und Humbrecht, Hartung und Helmot, Bottel und Haunolt, bereit zur Fahr und Noth, Branker und Wolfing, von Brisen Amelger, Und Wolfhart der kühne; doch war der Recken noch mehr,

81

Die ich all mit Namen hier nicht benennen kann. Die kühnen Wölfinge in Herrn Dietrichs Bann, Es war ein weit Geschlechte: da sie in dem Saal, Die jungen Recken saßen, da vernahm man lauten Schall.

82

Da saß Friedrich der junge, Wüther und Witnant, Walderich der kühne, und Einer, hieß Siegband. Alphart und Siegslab, die beiden kühnen Degen, Wolfbrand und Wolfhelm, zu allen Nöthen verwegen.

83

Da saß Amlolt und Nere, die Degen lobesan, Von Kerlingen Walther und Helmot von Tuskan, Die der Vogt der Amelungen zur Noth sich hatt erkoren. Da saßen bei einander viel der Recken hochgeboren.

84

In der Ecke saß da Einer, der ohne Gesellen blieb, Ueber die Beine legt’ er ein Schwert, das war ihm lieb. Er war geheißen Nudung, und war von Brüsten weit; Wenn er begann zu zürnen, so gab er Hunderten Streit.

85

Er war aus deutschem Lande ein Herzog hochgeboren, Alle falsche Rede hatte sein Herz verschworen. Er war getreu und bieder, ein Degen auserkannt; Ihm diente Schwanefelden und alles Nürnberger Land.

86

Der hochgelobten Recken saßen da noch mehr, Schildbrand und Wolfwein und der kühne Siegeher. Der Vogt der Amelungen zu dem Saale gieng, Aufsprangen all die Recken, als man den Fürsten empfieng.

87

Da sprach der Vogt von Berne: „Nun sitzt und höret an, Daß ich die Noth euch klage, die mein Herz gewann: Daß mich will vertreiben mein Oheim Ermenrich. Wüßt ich vor ihm zu bleiben!“ sprach von Bern Herr Dieterich.

88

„Der ungetreue Sibich hat solchen Rath gegeben Meinem Oheim Ermenrich: er rieth mir an das Leben. Wollte Gott vom Himmel, ich sollt ihn nur bestehn! Da dürften falsche Räthe nie mehr von Sibich geschehn.“

89

Sie schwiegen alle stille, keinen Laut vernahm man dort, Es tröstete den Fürsten Keiner mit einem Wort. Als der Vogt von Berne vollsprach was er begann, In herziglichem Leide sah Einer den Andern an.

90

Sie sprachen all imgleichen: „Herr, gehabt euch wohl, Wir wollen euch nicht entweichen, wie man dem Herrn nicht soll. Wir wollen für euch wagen unser Leib und Leben.“ Von seinen reichen Freunden ward ihm guter Trost gegeben.

91

Des freute sich von Herzen der edle Dieterich: Er sprach: „Ich wüßte gerne, wes zeiht mich Ermenrich? Ohne mein Verschulden verderbt er Leut und Land: Wohlauf, bei Gott ermahn ich euch kühne Helden auserkannt.

92

„Ihr sollt daran gedenken,“ sprach der kühne Mann, „Ob euch mein Vater Dietmar je Gutes hat gethan. Ihr strecktet ihm die Hände, habt ihm die Treu gegeben: Daran sollt ihr gedenken, dieweil euch währen mag das Leben.

93

„Der mir in diesen Nöthen sich getreu erwies, Mit Dem will ich theilen was mir mein Vater ließ.“ Da sprachen sie gemeinlich, die auserwählten Degen: „Wir wollen bei euch wagen unser Leib und unser Leben.“

94

„Nun lohn euch Gott vom Himmel, und gebt mir euern Rath In meinem großen Kummer, da die Gefahr uns naht: Wie soll ich mich gebehrden?“ Da sprach Alphart: „Da sollt ihr gen ihn senden einen Recken auf die Wart.“

95

„Wen soll ich gen ihn senden?“ sprach Herr Dieterich. „Das sollt ihr mich,“ sprach Alphart: „ich bewähr es sicherlich, Ich weiß wohl auszufinden alle Gelegenheit.“ Die Warte wollt er suchen: das war den Wölfingen leid.

96

Da sprach der kühne Wolfhart: „Lieber Bruder mein, Laß einen andern Recken heute Wartmann sein, Aus den Wölfingen einen versuchten Degen: Du bist ein Kind an Jahren, einen Andern laß der Warte pflegen.“

97

Da gab mit Zorn ihm Antwort der junge Alphart: „Du gönnst mir wenig Ehre, Bruder Wolfhart. Ich soll daheim verbleiben wie eine arme Maid; So hält man Euch für Recken und achtet Mein zu keiner Zeit.

98

„Ich will zur Warte reiten,“ sprach der kühne Mann, „Wiße, daß mich Niemand des erwenden kann. Ich will mein Heil versuchen,“ sprach der kühne Held, „Noch heute will ich sterben, oder Mannheit zeigen der Welt.“

99

Da sprach Alphart der junge: „Wozu hieß’ ich ein Degen, Was sollt ich auf der Erde, wagt’ ich nicht Leib und Leben? Ich mag wohl Gott vertrauen, daß nirgend lebt ein Mann, Der Einen wider Einen mich im Streit bezwingen kann.“

100

Und weiter sprach der Kühne: „Ich hab es unternommen, Da auf die Haide grüne die Feinde sind gekommen, Des Kaisers Diener will ich bestehen auf dem Plan. Ihr Kommen freut mich billig, da ich den Leib zu Lehn gewann.

101

„Sie mögen mich nicht schrecken,“ sprach Amlolts Kind, „fürwahr; Heißet mir verdecken den Leuen und den Aar, Daß mich Niemand kenne,“ sprach er kampfbereit: „Wenn ich den Feind anrenne, daß mein Preis werde breit.“

102

Herrn Dietrichens Wappen an dem Schild verdecket ward: „Nun fürcht ich Niemands Strafen,“ sprach da Alphart, „Auf die Warte will ich reiten getrost und unverzagt; Keinem wird mein Namen aus Furcht noch Liebe gesagt.“

103

Also sprach der Kühne: „Ihr Freunde, wißet das, Ich steh noch unbezwungen und red es ohne Haß, Komm ich auf die Warte, ich dringe bis aufs Ziel, Niemand ist so tapfer, dem ich davon entweichen will.“

104

Da sprach der Vogt von Berne: „Viel lieber Alphart, Ich laße dich nicht gerne allein ziehn auf die Wart, Da dir aller Recken Gebehrden unkund sind; Der Sinne wie der Jahre bist du leider noch ein Kind.

105

„Wer in harten Stürmen zu lange fechten soll,“ Sprach der Vogt von Berne, wird ihm die Zahl zu voll, Witz und gute Sinne wären ihm wohl noth: Es verwundet leicht ein Alter den stärksten Jüngling auf den Tod.“

106

Da sprach Alphart der junge: „Herr Dietrich, hört mich an: Soll Einer nach dem Andern mit mir zu kämpfen nahn, Wie es seit alten Zeiten ist immer Recht gewesen, In Stürmen und in Streiten getrau ich wohl zu genesen.

107

„Ich will die Warte suchen, so wahr ich bin ein Degen, Wer mich daran verhindert, der kränkt mich allerwegen.“ Also sprach der Kühne: „Meine Stärk ich nie befrug; Einem nach dem andern geb ich Tausenden Streits genug.“

108

Fünftes Abenteuer.

109

Wie Meister Hildebrand Alpharten nachritt.

110

Da sprach Hilbrand der alte: „Herr Neff, ihr seid ein Kind Und scheint nicht recht zu wißen wer dort die Recken sind: Es hat von Rom der Kaiser seinen Sold gegeben In der Welt den Besten, die jetzt auf Erden nur leben.“

111

„Darum sollt ihr nicht sorgen,“ sprach da Alphart, „Ich will desto lieber von hinnen auf die Fahrt.“ Die Antwort gab der Kühne dem alten Hildebrand; Er hieß sich balde bringen sein Roß, sein Eisengewand.

112

Als die Andern sahen des kühnen Recken Muth, Da begonnte sehr zu trauern mancher Ritter gut. Sie nahmen bei den Händen Alphart den jungen Mann Und führten ihn vor Uten, die Herzogin lobesan.

113

Da sagten sie der Frauen was er hätt im Sinn: Da begonnte sehr zu trauern die gute Herzogin. Sie sprach: „Lieber Alphart, Wem läßt du mich, mein Sohn? Ich habe dich erzogen, wo find ich nun meinen Lohn?“

114

Vermeßen gab ihr Antwort Alphart der junge Degen: „Der reiche Christ vom Himmel soll euer Aller pflegen.“ Da nicht mehr bleiben wollte Alphart der junge Mann, Da wappnet’ in den Harnisch ihn die Fraue wohlgethan.

115

Sie gab ihm einen Waffenrock, der war wohl gut genug; Sie ließ ein Roß ihm bringen, das ihn gewappnet trug, Reicht’ ihm den Schild, zu Häupten den Helm ihm Ute band; Da er nun reiten wollte, gab sie den Sper ihm in die Hand.

116

Mit eines Löwen Muthe fuhr hin der junge Mann; Die Herzogin Frau Ute hub da zu weinen an. „Ihr Schönste aller Frauen, laßt euer Weinen sein: Ich mag wohl Gott vertrauen, darnach der starken Tugend mein.“

117

Da kam eine Jungfrau mit Namen Amelgart: „Du sollst daheim verbleiben, mein lieber Alphart, Und sollst bei mir gewinnen ein freudenreiches Leben: Gedenke, edler Degen, daß ich zur Eh dir bin gegeben.

118

„Mich führte her aus Schweden der alte Hiltebrand Aus meines Vaters Reichen, mit wehrlicher Hand. Er gab mich dir zu Weibe: wem läßest du die Braut? Verlör ich dich, ich hätte dich beßer nimmer geschaut.“

119

Vermeßen gab ihr Antwort Alphart der junge Degen: „Geruht es Gott, so will ich noch heut der Warte pflegen. Ich thu es deinetwillen, du schöne Traute mein: Dir gnade Gott vom Himmel, es mag nun anders nicht sein.“

120

Die edle Jungfrau ließ sich nieder auf ein Knie: „Gnade, meine Bitte, Lieb, gewähre sie. Doch willst du nicht verbleiben, so schick uns einen Mann, Der uns die Märe sage, wenn die Feinde dir nahn.“

121

Da wollte nicht verbleiben Alphart der junge Degen, Die Warte wollt er suchen, der kühne Held verwegen. Daß er die Warte suchte, der Ritter unverzagt, Und keiner Hülfe gehrte, das beweinte manche Magd.

122

Da küßt’ er die Jungfrau; von dannen war ihm jach. Die Warte wollt er suchen; ihren Segen schickt’ ihm nach Die Herzogin Frau Ute mit schneeweißer Hand. Achtzig kühne Helden Alphart auf der Warte fand,

123

Die der reiche Kaiser hatt hinausgesandt Dietrichen zu Leide. Er kam ihnen unerkannt, Da auf der Haide hielten die Ritter unverzagt. Auch ward von ihnen allen an Alphart wenig Preis erjagt.

124

Wären nicht zwei Helden in dem Heer gewesen, Vor achtzig tausend Mannen wär er wohl genesen. Die schlugen ihn ohne Treue, das will ich euch sagen; Es mochte sie gereuen; er hätte beide wohl erschlagen.

125

Das Schwert an seiner Seiten zum Roß der Degen gieng. Als ers beschritten hatte und Urlaub gern empfieng’, Er sprach: „Wär es mit Willen des lieben Herren mein, Die Warte wollt ich suchen nun nach allen Ehren sein.“

126

So war Alphart der junge zu Rosse nun gekommen, Auch hatt er rings im Kreiße schon Urlaub genommen. Mit gutem Willen ritt er ferne vor die Stadt. Da war manch schöne Fraue, die ihm Heil und Segen erbat.

127

Da giengen auf die Zinnen die Ritter unverzagt. Als auf die Etschbrücke Herr Alphart kam gejagt, Sie folgten ihm mit Augen; so willig ritt der Degen! Sie baten Gott vom Himmel, daß er des Recken wolle pflegen.

128

Das Roß versuchen wollte Alphart der junge Degen, Ob er darauf wohl wagen dürfe Leib und Leben. Da sprang es mit dem Helden wohl acht Klafter weit: „Die dich mir gab, der Guten bin ichs zu lohnen bereit.“

129

Das sah an der Zinnen von Bern der Weigand: „Habt guten Muth da innen: wir haben ausgesandt Den allerkühnsten Recken, der jemals ritt zu Feld: Sein hab ich keine Sorge, wer auch zum Kampf sich ihm stellt.“

130

Ueber die Haide stapfte Alphart allzuhand; Wohl sprach da zu Berne sein Oheim Hildebrand: „Nun langt mir ein Geschmeide, ein fremdes Sturmgewand: Ich will den Jungen zwingen mit meiner kraftreichen Hand.

131

„Ich will ihm in Treuen nachreiten auf den Plan: Es müßt uns immer reuen, verlören wir den Mann. Ist es, daß ich ihn finde, ich mach ihn Streites satt: Von der grünen Haide muß er zurück in die Stadt.“

132

Bald sah man ihn gerüstet in ritterlichem Kleid, Der Wappenrock mit Thieren von Golde wohl bestreut. Das Roß ließ er verdecken, auf saß der Unverzagte: Er wähnt’ ihn zu erschrecken, daß er auf der Haide nach ihm jagte.

133

Durch das Gefilde stapfte Meister Hildebrand, Bis er zuletzt alleine den milden Alphart fand. Als ihn der gute Degen von ferne kommen sah: „Da kommt des Kaisers Diener! Fürwahr, mir lieber nie geschah!

134

„Mit dem so will ich streiten!“ sprach der junge Mann. Da warf er ihm entgegen das Roß um auf dem Plan. Der Alte sah den Jungen sich nahen also jach; Nun mögt ihr gerne hören wie Meister Hildebrand sprach:

135

„Daß ich mit einem Kinde zum Kampf gekommen bin, Wenn ich ihn überwinde, was bringt es mir Gewinn? Wenn ich ihn aber schone,“ sprach der kühne Mann, „So wird mir nichts zu Lohne, als daß ich Unsieg gewann.

136

„Ich mag ihm nicht entweichen, ich muß ihn hier bestehn.“ Mit Sporenstreichen ließen sie die Rosse zusammen gehn. Hildebrand der alte zerbrach den Sper zuhand: Da sprangen von den Rossen beide nieder auf das Land.

137

Die Auserwählten beide sich unterm Schilde bogen, Auf der grünen Haide zwei scharfe Schwerter zogen. Sie schlugen auf einander, die Degen wohlgemuth, Daß auf beider Helmen brannte lichten Feuers Glut.

138

Da sprach Alphart der junge: „Sollt ich darum verzagen, Eh ließ ich mich zu Tode sicherlich erschlagen. Ich fliehe doch nicht gerne,“ sprach der junge Mann, „Da ich für Den von Berne bin gekommen auf den Plan.

139

„Ich hörte sagen Märe,“ sprach der Ritter gut, „Wie große Schmach es wäre, wenn Einer zaghaft thut. Wehrt euch mit großen Streichen, ihr Degen ausersehn, Ich will euch nicht entweichen, es muß hier ehrlich ergehn.“

140

Da gab Alphart der junge Hilbranden einen Schlag, Daß er vor ihm darnieder auf grüner Haide lag. Da muste sich ergeben der alte Mann zuhand: „Du sollst mich laßen leben: ich bin dein Oheim Hildebrand.“

141

„Wohl schlüg ich den nicht gerne,“ sprach der junge Mann; „Doch ließ ich ihn zu Berne: wie käm er auf den Plan? Wer hat dich so berichtet? du bist damit betrogen: Sollt ich den hier finden, das ist nicht wahr und ist gelogen.

142

„Damit willst du dich fristen, trauter Geselle mein: Was helfen dir die Listen? es muß dein Ende sein Der großen Unbill wegen,“ sprach der Ritter gut, „Die ihr unverschuldet dem edeln Vogt von Berne thut.“

143

„Nein, auf meine Treue!“ sprach Meister Hildebrand, „Es muß dich immer reuen, erschlägt mich deine Hand. Binde, junger Degen, mir den Helm vom Haupt Und seh mir in die Augen, so wird mir sicher geglaubt.“

144

Alphart der junge den Helm ihm niederband Und sah ihm in die Augen: da ward er ihm bekannt. „Nun dünkt ihr mich nicht weise,“ sprach der junge Mann: „Ihr hättet diese Reise heute beßer nicht gethan.

145

Da sprach der alte Hilbrand: „Ich meint es wahrlich gut. Nun fahr mit mir gen Berne, Ritter hochgemuth, Von der grünen Haide, du auserwählter Degen.“ Da sprach Alphart der junge: „Ich will zuvor der Warte pflegen.“

146

„So gnade dir der Himmel,“ sprach da Hildebrand; „Nun ist mir meiner Treue deine Mannheit wohlbekannt. Das sag ich dort zu Berne dem Fürsten lobesan: Er hört es nicht ungerne, daß ich den Unsieg gewann.“

147

Hildebrand der alte kam gen Bern gejagt, Da sprang von seinem Rosse der Ritter unverzagt. Als ihn der junge König kommen sah von fern, Da sprach den Alten grüßend der edle Dietrich von Bern:

148

„Ihr bliebet außen lange, Meister Hildebrand: Wo ist, den ihr gefangen bringet an der Hand?“ Wohl schmerzte zu dem Schaden der Spott den Alten sehr; Er sprach jedoch mit Freude: „Herr, ich sag euch noch mehr.

149

„Wir haben ausgesendet den allerkühnsten Mann, Der zu unsern Zeiten je ein Roß gewann. Ich traf auf der Haide den Degen ausersehn: Ich sag euch, lieber Herre, ich vermocht ihn nicht zu bestehn.“

150

Da sprach der Vogt von Berne, der Degen auserkannt: „Das hör ich nicht ungerne, wenn er euch überwand. Daß euch der junge Degen zu der Erde schlug, Es war, bei meiner Treue, von einem Kinde genug.“

151

Sechstes Abenteuer.

152

Wie Alphart und Wolfing auf der Warte zusammen kamen.

153

Die Auserwählten beide sprachen weiter nicht. — Alphart stand auf der Haide, sein Roß im Klee so dicht. Er gürtete von Neuem dem Roß zu raschem Lauf; Es mocht ihn wohl erfreuen: wie ritterlich saß er auf!

154

Da ritt er unbezwungen wohl eine Meile weit, Bevor der junge Ritter kam zu neuem Streit. Achtzig kühne Helden ihm entgegen ritten Unter grünem Banner, das war mit Golde durchschnitten.

155

Eine reiche Fahne sah er, die trugen sie voran Wolfing dem Herzog mit mehr als achtzig Mann. Da stapft’ er hin und fragte, der junge Held Alphart, Wer des Heeres Meister wäre oder Hauptmann auf der Wart?

156

Wolfing der Herzog sprach vermeßentlich: „Uns hat ausgesendet der Kaiser Ermenrich, Daß wir zu Schaden bringen den edeln Vogt von Bern.“ Die Märe hörte Alphart von seinem Herren nicht gern.

157

Da sprach wohlgezogen Alphart der junge Mann: „Nun weiß ich nicht, was hat euch mein Herr zu Leid gethan? Eures Geschlechtes ist er, auserwählter Degen: In seinem Dienste solltet ihr verwagen Leib und Leben.“

158

Da sprach der Herzog Wolfing: „Herr, sagt mir, wer ihr seid, Daß ihr alleine reitet hier auf der Haide breit, Und fragt, warum dem Kaiser dienen will sein Bann: Das möcht ich gern erfahren, würd es mir kund von euch gethan.“

159

Alphart gab zur Antwort, er hatte Mannessinn: „So sollt ihr wißen, Herre, daß euer Feind ich bin, Darnach der Recken alle, die dem Herren mein Zu Schaden wollen reiten; ihr Feind will ich immer sein.“

160

Da gab der Herzog Wolfing ihm Antwort unverwandt: „Ich habe von dem Kaiser Burgen, Gut und Land; Seinen Sold hab ich empfangen, das lichte Gold so roth: Wenn er mir gebietet, so muß ich reiten in die Noth.“

161

„So reitet aus dem Fähnlein, wenn ihr ein Degen seid, Her aus dem Gesinde auf die Haide breit.“ Da nahmen sie zwei Spere, die Degen unverzagt: Da ward von ihnen beiden eine schnelle Tjost gejagt.

162

Zu Felde waren beide in ihrem Zorn gekommen. Ein schädliches Reiten ward da bald vernommen: Alphart der junge stach dem Herzog hehr Zwischen den Brüsten vorne durch den Leib den scharfen Sper,

163

Daß ihm die Sinne schwanden, das Leben gar entwich; Vorn drang hinein und hinten brach hervor der Stich. Den Sattel must er räumen, herab aufs grüne Gras, Daß er in kurzer Weile todt da lag und leichenblaß.

164

Als die andern sahen, ihr Herr liege todt, Sie eilten ihm zu helfen, ihnen schuf es große Noth. Ihn bestunden auf der Haide minder Einen achtzig Degen. Alphart der junge wagte da sein werthes Leben.

165

Einer sprang vom Rosse mit Namen Siegewein. Er sprach: „Ihr müßt entgelten den lieben Herren mein, Der von euern Schulden hier ist erlegen todt: Nun wehrt euch als ein Degen, das thut euch sicherlich Noth.“

166

Da sprach wohlgezogen Alphart der junge Mann: „Will mir Gott nun helfen, euer tausend mögen nahn. Wollt ihr an mir,“ sprach weiter der Degen auserkorn, „Wolfingens Ende rächen und euern eigenen Zorn,

167

„Wollt ihr sanft nun kühlen euer Herzeleid, Ihr mögt euch vor mir hüten, euch allen biet ich Streit. Ihr sollt euch weidlich schirmen vor meinen schnellen Schlägen: Berühr ich euch am Herzen, ich will euch zu dem Herren legen.“

168

Alphart sprang vom Rosse und ließ es von sich gehn: Er dacht in seinem Muthe, er müß auch Den bestehn. Siegewein der starke begann zuerst den Streit; Alphart der junge schlug ihm der tiefen Wunden weit

169

Mit seinem guten Schwerte genug, daß er da blieb: „Das habe für den Herren, er war dir ja so lieb. Du hast den Sold empfangen so viel ich leisten mag: Es ist um dich ergangen, dir naht alsbald der jüngste Tag.“

170

Da sprang vom Rosse Herbart, er war ein starker Mann: „Und wärst du gleich der Teufel, ich renne doch dich an.“ Sie liefen zu einander auf der Haide breit: Zwischen zwei Weiganden hub sich ein ungefüger Streit.

171

Sie waren alle beide zum Streite stark genug. Alphart der Degen ihm tiefe Wunden schlug, Daß er muste fallen und lag zur Stelle todt: Alphart der junge war ein Held zu aller Noth.

172

Als Alphart sah die Helden ihm alle drei erlegen, „Nun gilt es erst zu streiten!“ sprach der kühne Degen. „Nur weiter von den Rossen her zu mir auf das Land! Wem Gott des Heils gönnet, der hat den Sieg an der Hand.“

173

Da sprangen von den Rossen siebenundsiebzig Mann, Die bestunden Alpharten auf dem weiten Plan; Sie wollten auf ihn schlagen mit Schwertern allzumal: Da sprach ein alter Ritter: „Das würd uns schänden überall:

174

„Besteh ihn Jeder einzeln, so ists dem Recht genehm; Es wär ein großes Wunder, wenn er von hinnen käm.“ Ein Wölfinge war es, der diesen Rath gethan; Wenn Alphart Einen tödtete, gleich lief ein Andrer ihn an.

175

Man umgab ihn auf der Haide, damit er nicht entwich’: Er muste ganz alleine den Feinden halten Stich Mit seinem guten Schwerte, das in der Hand ihm klang, Daß durch die lichten Helme das Blut in die Höhe sprang.

176

Da sprach von ihnen Einer: „Wir sind nicht wohl gefahren: Wär ich daheim zu Raben, ich wollte mich wohl sparen, Daß ich nimmer käme gen Bern in das Land: Kein Ritter, nein ein Teufel ist auf die Warte gesandt.“

177

Da stand auf der Haide Alphart der junge Mann: Niemand hatt Erbarmen mit dem Ritter lobesan; Er hatte ganz alleine des Streits sich angenommen, Auch wär er wohl mit Ehren noch von der Warte gekommen.

178

So Manchen fällte nieder der junge Alphart, Der von seinem Schwerte des Lebens ohne ward. Er hieb durch die Ringe das fließende Blut Und focht mit solchem Grimme wie es kein Jüngling mehr thut.

179

Es war ihr Todesurtheil und ihre jüngste Zeit; Weil sie ihn noch nicht kannten, suchten sie an ihm Streit: Das büßten sie mit Schmerzen durch seine starke Hand. Viel lichter Ringe fielen von ihren Brüsten in den Sand.

180

Zur Erde musten fallen allein von seiner Hand Des Kaisers Diener alle, die er auf der Warte fand. Wolfing der Herzog, dazu wohl achtzig Mann, Die wurden all bezwungen von dem Degen lobesan.

181

Der achtzig blieben leben nicht mehr denn acht Mann: Die liefen zu den Rossen und ritten bald hindann. Man sah sie durchs Gefilde fliehen so verzagt; Unter grünem Banner kam ihnen Alphart nachgejagt.

182

Er jagte sie nicht ferner als Noth ihm war zur Zeit. Er hielt an einem Saume, der Ritter kampfbereit. Er hatte sehr gestritten, dem Helden war so heiß, Daß ihm auf grüner Haide durch die Ringe drang der Schweiß.

183

Der Klee war begoßen, mit heißem Blute naß. Sie hattens nicht genoßen, daß sie in ihrem Haß Bestanden auf der Haide den kindischen Mann; Alphart der junge den Sieg gar löblich gewann.

184

Sie fanden all ihr Urtheil und ihre jüngste Zeit. Da lagen sie im Blute auf der Haide breit. Man sagt uns, es wäre der allerkühnste Mann, Alphart der junge, der je das Leben gewann

185

Oder je geboren ward von Mutterleib. Alpharten hatt erzogen das allerschönste Weib; Auch pflag sein wohl mit Ehren Meister Hildebrand: Er war getreu und bieder, der allerkühnste Weigand.

186

Er war ein Leu an Muthe; an ihm war nicht betrogen Die Herzogin Frau Ute, die ihn hat erzogen Wohl von Kindesbeinen: wie tugendlich er stritt! Bis Wittich der Degen ihm auf der Wart entgegen ritt

187

Und sein Geselle Heime: die nahmen sein übel wahr; Der Teufel aus der Hölle führte sie beide dar: Sie schlugen ohne Treue mit wehrhafter Hand Herrn Dieterich zu Leide den allerkühnsten Weigand.

188

Siebentes Abenteuer.

189

Wie Kaiser Ermenrich Keinen finden konnte, der auf die Warte ritt.

190

Da sprang er von dem Rosse, und nahm den Sper zur Hand, Saß wieder auf und stapfte wohl über Gras und Sand Einer Lind entgegen: der Degen unverzagt, Alphart der junge, kam um den Schatten hin gejagt.

191

Als Alphart der junge unter die Linde kam, Den Rauch sah er fliegen über den weiten Plan. „Wollte Gott, ich hätte nur tausend Degen hier, Streits nicht erlaßen würde der reiche Kaiser von mir.

192

„Ja hätt ich nur Wolfharten, den lieben Bruder mein, Und auch den Vogt von Berne, des sollt ihr sicher sein, Dazu den alten Meister, meinen Oheim Hildebrand, Und sie hätten mein Gemüthe, dem Feind verödt ich das Land.“

193

Er entblößte sich des Helmes, wie ein müder Ritter thut, Und kühlte sich im Winde, der Degen hochgemuth. Da kamen unterdessen die Achte heimgerannt: Sie sprangen mit den Wunden vor den Kaiser auf den Sand.

194

Mit ihren tiefen Wunden kamen sie gerannt, Vor des Gezeltes Schnüren sprangen sie aufs Land. Ihnen waren Schild und Helme von dem Blute naß. Sie giengen zu dem Zelte, wo der reiche Kaiser saß.

195

Als sie der reiche Kaiser kommen sah von fern, Aus trauriglichem Muthe begann er zu den Herrn: „Willkommen hier, ihr Recken; wo sind der Helden mehr, Die mit zur Warte ritten? eure Wunden schmerzen mich sehr.

196

„Wo ist der Herzog Wolfing und seine achtzig Mann?“ Sie sprachen: „Todt, Herr Kaiser, er und sein ganzer Bann. Die Red ist nicht erlogen, edler Kaiser hehr, Wir sahen es mit Augen, fragt nach ihnen nimmermehr.

197

„Unser waren achtzig, acht sind herwieder kommen; All die andern haben ihr Ende dort genommen. Sie liegen auf der Haiden all zu Tod erschlagen.“ Da begannen diese Recken den Herzog Wolfing zu klagen.

198

Da sprach der reiche Kaiser: „Nun sage, Biedermann, Wieviel der Recken waren, die euch schlugen auf dem Plan?“ „Die sind geschwind zu zählen: es war ein einzger Degen: Einen nach dem Andern sah man im Streit ihn niederlegen.“

199

Der Kaiser sprach: „Nun thue so wohl und sag mir an: Wer war derselbe Recke, der solchen Sieg gewann? Was führt’ er im Schilde, kannst du mir das sagen? Damit ich ihn erkenne, wenn ich ihn seh das Wappen tragen.

200

„Oder hast du Kunde,“ sprach Herr Ermenrich, „Vielleicht, daß es gewesen mein Neffe Dieterich, Oder seiner Diener Einer? Das sage, Freund, mir an.“ Da sprach derselbe Recke: „Herr, das wird euch kund gethan.

201

„Er ritt auf dem Gefilde, der Degen unverzagt; Er ist uns unterm Schilde lange nachgejagt, Der den guten Helden die Wunden hat geschnitten: Ich weiß ihn so gemuthet, er kommt alsbald hieher geritten.“

202

Die sich bereitet hatten zu streiten auf dem Feld, Die rückten da zusammen zu Hütten und Gezelt, Als sie die starke Märe von dem Helden hörten sagen: Sie eilten vor den Kaiser und gebahrten wie die Zagen.

203

Als Alphart die Scharen zusammen rücken sah, Da hub er an zu lachen; wohl sprach der Degen da: „Reicher Gott vom Himmel, wohin ist doch so jach Den Dienern des Kaisers: ich denk, ich jag ihnen nach.“

204

Er nahm das Roß beim Zaume und wollte schon voran: Da gedacht in seinem Muthe der Ritter wohlgethan: „Wenn ich zu ihnen reite, und würd ich dann erschlagen, Man spräch, es wär ein Uebermuth und Niemand dürfte mich klagen.“

205

Unter der grünen Linde hielt er und sah zu Thal. Da sprach der reiche Kaiser: „Laßt bleiben solchen Schall. Noch sage, welche Wappen trug derselbe Mann?“ „Herr, ich will euch sagen, so viel ich vermelden kann.

206

„Von dem eure Recken erschlagen sind zu Tod, Er führt’ im weißen Schilde einen Leun von Golde roth, Darauf die goldne Krone: so sah ich ihn fahren: Kein ander Wappen Dietrichs konnt ich je an ihm gewahren.

207

„Den ich gar wohl erkenne, den lichten Hildegrein, Der gab da zu Felde keinen lichten Schein: Von dem Vogt von Berne sind wir gewesen frei; Doch machte sich so furchtbar der Held, als wären seiner drei.

208

„Er ist ein Gast im Lande, das mag ich wohl gestehn, Denselben Helden hab ich nie zuvor gesehn, Von dem wir auf der Haide den Schaden heut gewannen: Er ist dem Vogt von Berne von fern zu Hülfe gekommen.

209

„Ihm mag der Vogt von Berne seinen Sold wohl geben, Er kann die Helme hauen den Helden durch ihr Leben.“ Da hub von den Verwundeten, der Achte Einer an: „Bei allen meinen Jahren sah ich nie härtern Mann.

210

„Ich setz euch meine Treue zu Pfand und all mein Gut, Er führt in seiner Rechten ein Schwert, das schneidet gut; Er selbst hat große Stärke, der wunderkühne Held: Mit seiner Kraft alleine bezwäng er die halbe Welt.“

211

Als er die Rede hörte, das war dem Kaiser leid. Er sprach: „Weh meiner Ehre! meine Schande wird so breit; Kommt er zu meinen Recken, er verderbt mir all das Heer; Dieweil er lebt, ich rücke fürwahr gen Bern nimmermehr.“

212

Da saß in den Zelten mancher Degen wohlgethan, Da man die Märe hörte von dem kühnen Mann. Da saß mit großen Ehren der Herzog Reinold Und Randold sein Bruder; denen gab der Kaiser Sold.

213

Dazu der alte Stwalt, gar ein starker Mann, Bertram der Herzog und der Herzog von Tuskan, Wittich und Heime, die beiden starken Degen; Man sah den reichen Kaiser in einem trauriglichen Leben.

214

Da ließ der Kaiser bringen sein Silber und sein Gold: „Wer will die Warte suchen, der nehme reichen Sold, Gold und Edelsteine, was auf dem Schild mag liegen.“ Die kühnen Weigande alle gar stille schwiegen.

215

Was man der edeln Steine vor die Herren trug, Sie sprachen einhellig: „Wir haben selbst genug. Was sollten wir denn wagen unser Leib und Leben? Das Gold, die Edelsteine mögt ihr den fremden Recken geben.“

216

Achtes Abenteuer.

217

Wie Wittich auf der Warte Alpharten bestand.

218

„O weh dem Herzeleide!“ sprach Kaiser Ermenrich. „Hab ich Niemand auf der Haide, der rächen wolle mich? Soll ich euer nicht genießen, ihr auserwählten Degen?“ Man sah den reichen Kaiser in einem trauriglichen Leben.

219

„Ich klag euch all imgleichen mein großes Ungemach.“ Die Armen zu den Reichen, Keiner ein Wörtchen sprach, Sie schwiegen alle stille, wollt Keiner auf die Wart. Noch immer bei der Linde hielt der junge Alphart.

220

Zu denselben Zeiten galt immer dieses Recht: Wer die Warte suchte, wars Ritter oder Knecht, Der pflag der Wart mit Ehren bis der Tag ein Ende nahm. Also that auch Alphart als ein Degen lobesam.

221

„Nun schweigen alle stille, die sonst mir gaben Rath, Sie achten nicht des Kummers, wie viel mein Herz auch hat. Deiner Treue laß dich mahnen, Wittich, kühner Held, So will ich mit dir theilen Land und Leute, Gut und Geld.“

222

Da sprach der kühne Wittich, er war ein werther Degen: „Ihr ließt mir eurer Gaben oft die Fülle wägen, Des sollt ihr nun genießen, edler Kaiser hehr.“ Da ließ er bald sich bringen Roß und Harnisch, Schild und Sper.

223

Zu dem Rosse gieng in Wappen der Degen lobesam, Da saß er auf, den Schildrand der Held zu Arme nahm, Den Sper in seine Rechte, der Degen unverzagt: Wie ritterlich Herr Wittich da zu Alphart kam gejagt!

224

Er kam auf das Gefilde von dem Heer hindann: Da hub sehr an zu grausen den auserwählten Mann. Es drückten ihn die Ringe, dem Helden ward heiß, Daß ihm auf der Haide durch die Ringe drang der Schweiß.

225

Er sprach: „Gott vom Himmel, wie ist dem Herzen mein, Oder wer mag auf die Warte wohl heut gekommen sein? Die Reise sollt ich laßen,“ dachte der werthe Mann. Das Roß warf er zurücke und sah das Heer wieder an.

226

Er dacht in seinem Herzen hinwieder als ein Held: „Du must nun leiden Schmerzen: es schickte dich ins Feld. Aus achtzig tausend Mannen der Kaiser lobesan: Hier wird Ehre nun begangen, wärs um mein Leben gethan!“

227

Ueber das Gefilde war Wittichen jach. Da kam auch Heim zu Rosse und ritt dem Freunde nach. Er dachte sich zu rächen an dem kindischen Mann. Heime hielt im Schatten bis Wittich Unsieg gewann.

228

Da kam der kühne Wittich geritten an den Ort; Viel der Todten liegen sah er allwärts dort. Als Alphart der junge von fern ihn kommen sah, „Da kommt des Kaisers Diener: fürwahr, mir lieber nie geschah.“

229

Den Helm zu Haupte band er in derselben Stund, Er stapft’ ihm schön entgegen in einen tiefen Grund. Herr Wittich frug um Märe, ob er ihm wolle sagen, Ob Er der Ritter wäre, der die Helden hätt erschlagen?

230

„Der bin ich,“ sprach da Alphart; „sagt mir, Degen hehr, Wie dürft ihr gegen Recken noch leiten euern Sper? Es ist euch zu verweisen, ihr seid ein falscher Mann: Nicht wüßt ich was zu Leide mein Herr euch hätte gethan.

231

„Ihr schwuret ihm vor Jahren, Degen, euern Eid, Den habt ihr jetzt gebrochen: das ist allen Recken leid. Euch hat doch Der von Berne und Die in seinem Bann Bisher zu allen Zeiten viel guter Dienste gethan.

232

„Dir war der Vogt von Berne stäts in Treuen hold, Er gab dir herzlich gerne sein Silber und sein Gold, Er ließ dich sein gewaltig über Leut und Land, Die Wölfinge dienten dir stäts mit williger Hand.

233

„Die Red ist ungelogen,“ sprach Alphart der Held, „Gern oder ungern, du folgst mir aus dem Feld,“ Zu Wittich sprachs vermeßen Alphart der junge Degen, „Oder must zu Geisel mir dein Haupt noch heute geben.

234

„Hast du wohl erwogen, wie ziemt ein Recken das, Wenn man ihn heißt meineidig: er gewinnt der Leute Haß, Daß ihn Alle schmählen, der da bricht den Eid: Glaub mir auf meine Treue, es wird der Seele dort noch leid.

235

„Du bist an deiner Ehre vor allen Recken todt, Und must auch vor den Frauen vor Scham oft werden roth.“ Also sprach vermeßen Alphart der junge Mann, „Für einen werthen Recken sieht dich Niemand mehr an.“

236

Da sprach der kühne Wittich: „Fürwahr, das wär mir leid Und müßte mich gereuen, spräch so von mir der Neid. Von meinen ersten Zeiten, von meiner Kindheit Tagen Hab ich in Sturm und Streiten den Preis noch ritterlich getragen.

237

„Ihr seid alleine dorten, ich bin alleine hie; Mit also scharfen Worten ward ich gestraft noch nie Bei allen meinen Tagen, so lang ich denken kann: Sollt ich euch das vertragen, ich hieße wahrlich kein Mann.“

238

Also sprach Herr Wittich, der Degen ausersehn: „Wie lang auf dieser Haide soll ich dir Beichte stehn? Einer muß entgelten nun des Andern Streit: Saget, kühner Recke, werther Ritter, wer ihr seid.“

239

„Was hast du nun zu fragen nach dem Namen mein? Du solltest lieber fragen nach dem Herren dein, Für den ich Leib und Leben will wagen als ein Degen; Will es Gott geruhen, so werd ich heut der Warte pflegen.

240

„Wärst du bei guten Sinnen, du ließt dein Fragen sein,“ Sprach Alphart der junge, „nach dem Namen mein. Wenn meine Hand mit Kräften dich auf die Erde fällt, So wirst du mich erkennen,“ sprach Alphart der junge Held.

241

Noch sprach aus freim Muthe Alphart der junge Mann: „Wem Gott des Heiles gönnet, der lebt so lang er kann. Uns beide scheidet Niemand als des Einen jüngster Tag, Es thus denn Gott vom Himmel, der alle Dinge schlichten mag.“

242

„Wer wider Recht will sprechen, der hat nicht rechten Sinn, Man sprach von mir das Beste wohin ich kommen bin. Das Lob will ich behalten,“ sprach Wittich der Held, „Da mich der reiche Kaiser aus achtzigtausend hat erwählt.

243

„Der kühnste und der beste soll ich unter ihnen sein: Desto lieber will ich wagen heut das Leben mein. Es gilt des Kaisers Ehre: da er mir selbst gebot, So setz ich auf die Wage mich gern für ihn in den Tod.“

244

Die Frage nahm ein Ende, der Fried ist aufgegeben, Zusammen tiostierten die beiden kühnen Degen. Es war die größte Ehre, die Herrn Wittich da geschah, Daß er sein Schwert in Stücke auf Alpharts Brust zerbrechen sah.

245

Da ward von ihnen beiden kräftiglich gestritten, Sie stachen auf der Haiden mit ritterlichen Sitten. Alphart der junge mit tugendhafter Hand Stach den kühnen Wittich aus dem Sattel auf das Land,

246

Daß der edle Degen fern hinterm Rosse lag. Er sprach: „O weh der Schande! was erlebt ich diesen Tag! Nun müß es Gott erbarmen, daß ich je ward geboren, Soll ich so geschwinde mein Leben haben verloren.“

247

Da sprach Alphart der junge: „Es ist ein Anfang; Kann ich es aber fügen, so wird dein Leben krank. Du must den Sold verdienen, den dir dein Herr gegeben; Von meiner Hand alleine geht es dir, Ritter, ans Leben.

248

„Du sprichst, von achtzigtausend wählte der Kaiser dich: Desto lieber will ich streiten,“ sprach Alphart, „wider dich. Wir theilen auf der Haide deinen Sold von Gold so roth: Gott richte zwischen beiden, und wer dann fällt, der ist todt.“

249

Auf richtete vom Falle sich Wittich aus dem Gras, Von hinnen lief sein Schimming, daß er die Kräuter aß: Er achtete des Falles nicht, den sein Herr gethan. Als sich aufgerichtet Herr Wittich hatt auf dem Plan,

250

Da sprang zur andern Seite Alphart von seinem Roß Zu einem neuen Streite; seine Tugend die war groß. Da sprach der Held vermeßen zu dem kühnen Degen: „Laß uns die Schwerter meßen, so du länger denkst zu leben.“

251

Sie zuckten von den Seiten zwei scharfe Waffen lang, Sie schlugen aufeinander, daß es laut erklang. Sie trieben sich im Kreiße wohl auf der Haide breit; Zwischen den zweien Helden hub sich ein ungefüger Streit.

252

Alphart war ein junger Ritter kühn und mild, Er wuste wohl zu leiten sein Schwert und seinen Schild Nach allem Preis: das must ihm Herr Wittich zugestehn; Er wär ihm gern entwichen, möcht es mit Ehren geschehn.

253

Er sprach: „Gott vom Himmel, wie ist mir geschehn? Welchen übeln Teufel soll ich hier bestehn? Wie mir auch gelinge, so bleibt der Sieg mir fern: Wollte Gott ich wäre geblieben dort bei meinem Herrn.

254

„Doch will ichs noch versuchen.“ Nun erst geschah ihm weh, Sich begonnten roth zu färben Gras und grüner Klee. Als das wilde Feuer sprang aus Helm und Haupt (Zagheit war da theuer), des Sinns ward Wittich beraubt.

255

Da schlug ihm der Gewaltige auf des Helmes Band, Das Haupt er ihm erschallte, daß all sein Hirn erklang, Der Degen muste straucheln nieder auf den Plan. Wittich wollte fallen vor Alphart dem jungen Mann.

256

Er sprang aus dem Gefilde wieder auf den Plan, Und schirmte mit dem Schilde sich vor dem kühnen Mann. Er dacht in seinem Muthe: „Wie soll ich von ihm kommen?“ Alphart der junge hatt ihm die Sinne gar benommen.

257

„Wie lang soll ich dein schonen? du must dich mir ergeben; Kann ich es aber fügen, es geht dir an das Leben Ob der großen Unbill,“ sprach er in zornigem Muth, „Die ihr unverschuldet dem edeln Vogt von Berne thut.“

258

Alphart der Degen gab Wittich einen Schlag, Daß der Held verwegen auf grüner Haide lag Ganz in der Gebehrde, als ob er wäre todt. Aus Nasen und aus Ohren sah man ihm fließen das Blut.

259

Ueber ihm stand Alphart und sah den Degen an: „So haben meine Freunde bisher noch all gethan, Daß man sie weit hört preisen in der Christenheit: Sollt Ich das nicht beweisen, das wär mir heut und immer leid.“

260

Neuntes Abenteuer.

261

Wie Alphart verrathen ward.

262

Also sprach da Alphart: „Mir stünd es übel an, Schlüg ich als ein Zager den wehrlosen Mann. Es würde mir verwiesen.“ Als das Heime sah, Aus dem Schatten eilt’ er zu Hülfe Wittichen da.

263

Da lag vor ihm und schirmte sich Wittich auf dem Plan Mit dem grünen Schilde, vor dem kühnen Mann. Er hatt ihn auf die Erde gestürzt, ins grüne Gras. Mit Schweiß und Blut war Wittich sehr beronnen und naß.

264

„Nun entblößet euch des Helmes,“ sprach ihn Wittich an. „Nein,“ sprach da Alphart, „das wird nicht gethan.“ Er dacht in seinem Muthe: „Wenn sie mich ersehn, So fliehen sie mich beide, ich muß allein hier bestehn.

265

„Nun sage mir, Heime, wie scheidest du den Streit?“ „Ihr sollt gen Berne reiten von dieser Haide breit; So reiten wir zum Kaiser und wollen Ermrich sagen, Ihr wärt uns entwichen, wir hätten nicht mit euch geschlagen.“

266

„Das verhüte Gott vom Himmel,“ sprach da Alphart, „Das hieße schmählich räumen meines Herren Wart! Du must mir Wittichen laßen hier zu Pfand, Oder mich bezwinge deine tugendhafte Hand.“

267

„Hörst dus, Geselle Heime?“ sprach Wittich der Degen. „Uns kann hier Niemand scheiden als allein mein Leben. Ich mahne dich der Eide, Degen wohlgeboren, Und deiner stäten Treue, die du mir, Held, hast geschworen,

268

„Die du mir verhießest bis an deinen Tod, Und daß du mich nicht ließest in aller Fahr und Noth. Daran sollst du gedenken, du auserwählter Degen, Wie ich dir kam zu Hülfe und fristete dir das Leben.

269

„Das that ich zu Mautaren, da half ich dir aus Noth. Da müßtet ihr in Wahrheit den schwertgrimmen Tod, Du und Der von Berne, beide gestorben sein, Wenn ich euch nicht von Ferne zu Hülfe kam in der Pein.“

270

„Das ist wahr,“ sprach Heime; „doch stünd uns übel an, Schlügen wir nun beide den kindischen Mann. Wenn wir ihn bezwängen, und würd er hier erschlagen, Von unsrer Untreu müßte man immer singen und sagen;

271

„Aller Untreu Spiegel müßten wir immer sein, Vor keinem Biedermanne könnten wir gedeihn. Die Männer und die Frauen schälten uns mit Recht: Wie hätten wir zwei Degen dann unsre Ehre geschwächt!“

272

„Du sagst von Untreue: soll ich den Tod erschaun, Mir wäre lieber, schälten mich alle werthen Fraun.“ Also sprach Herr Wittich: „Werd ich, Heim, erschlagen, „So stehst du wehrlos vor ihm; er schlägt dich ohne seinen Schaden.“

273

Heime sprang vom Rosse nieder auf das Land: „Werther Ritter edel, ergieb dich meiner Hand. Ich will dir, Degen, sagen, wie meine Sitte ist: Zieh ich das Schwert, so geb ich keinem Manne vor mir Frist.

274

„Den ich mit Streit bestehen, mit dem Schwert ergreifen kann, Lebendig mir entgehen nie laß ich einen Mann.“ Also sprach Herr Heime: „Du sollst dich mir ergeben: Willst du das nicht leisten, so entgilt es, Held, dein Leben.“

275

„So wollen wirs versuchen,“ sprach da Alphart. „Will es Gott geruhen hier auf dieser Wart, So mögt ihr mich nicht scheiden von ritterlicher Wehr; Ich sags euch Recken beiden, mich erschreckt nicht ein Heer.“

276

Des erschrak da Heime, Adelgers Sohn, fürwahr: „Säh ich an deinem Schilde den Leuen mit dem Aar, Oder Dietrichs Wappen, ich griffe dich nicht an.“ Darüber schalt ihn Wittich: „Das hast du mehr mir gethan.

277

„Du brachest stäts die Treue, so thust du auch nun. Wo ich mit Feinden hatte in hartem Sturm zu thun, Da pflagst du stäts der Sühne, so thust du nun auch hier. Heim, werd ich erschlagen, ewge Schande bringt es dir.“ —

278

„Nun mag uns wohl mislingen; Wittich, Wielands Sohn: Er ist ein Wölfinge, er wägt uns übeln Lohn. Das sollst du wißen, Wittich, es ist mir wahrlich leid, Daß ich dir zu helfen auf die Warte ritt zum Streit.“

279

Also sprach da Heime: „Nun sagt mir wer ihr seid, Des dürft ihr euch nicht schämen, Ritter kühn im Streit, Da ich euch an Wappen und Schild nicht kennen kann; Seid ihr Herr Dietrich selber, oder wer aus seinem Bann?“

280

Da sprach Alphart der junge: „Es wär nicht wohl gethan, Wenn mich dazu zwänge ein einziger Mann, Daß ich ihm sagte Märe, wie ich geheißen sei, Und wes Geschlechts ich wäre: der Schande halt ich mich frei.“

281

„Doch wär es euch zu Leide, Degen lobesam, Bestünden wir euch beide: wir sind nicht fingerzahm. Es mag euch noch gereuen: der Fried ist aufgegeben: Nun wehrt euch als ein Degen, wenn ihr länger wünscht zu leben.“

282

Da sprach aus freiem Muthe Alphart der junge Mann: „Wem Gott des Heiles gönnet, der lebt so lang er kann! Wollt ihr denn Streites Ehre nicht an mir begehn, Doch steh ich nicht alleine: ich will Dessen Hülf erflehn;

283

„Der Alles Recht erkennet und ihm auch hilfreich ist: Ich getraue Gott dem Herren, daß er mein nicht vergißt.“ Das Schwert entblößte Heime, anlief er den Degen; Da ward Alphart der junge bestanden auf Leib und Leben.

284

Anliefen sie da beide den kindischen Mann Auf der grünen Haide; Alphart auch lief sie an, Er trieb sie um im Kreiße wohl auf der Haide breit: Sie musten ihm entweichen, so hart war des Ritters Streit.

285

Alphart der junge hub zu rufen an: „Wittich und Heime, ihr Recken wohlgethan, Thut an mir Ritters Ehre,“ sprach der junge Degen, „Und geruhet meinem Rücken stäten Frieden zu geben.“

286

„Das will ich gerne leisten,“ sprach der kühne Heim, „Zum Rücken und zur Seite sei stäter Friede dein. O weh der großen Schande, die wir dann noch begehn, Daß wir nun selbander den kindschen Recken bestehn!“

287

Als Alphart der junge den Frieden gewann, Sein Schwert ward geschwungen, so lief er Wittich an. Er schlug ihm nach dem Haupte einen Schlag also groß: Er fiel zur Erde nieder, das Blut ihm vor die Füße schoß.

288

Er schlug ihm nach dem Beine und hätt ihm Leid gethan; Da kam aber Heime herzu, der starke Mann: Mit der Schärfe Nagelrings, den in der Hand er trug, Wie rasch er Alpharten zurück von Wittichen schlug!

289

Wen er mocht erlangen, der must ihm auf den Plan Von dem Schlage fallen, so schlug der junge Mann. Doch ermüdeten ihn Beide, dem Helden ward so heiß, Daß ihm auf grüner Haide durch die Ringe drang der Schweiß.

290

Alphart der junge hub da zu rufen an: „Wittich und Heime, ihr Recken lobesan, Ihr habt in mancher Heerfahrt des Besten viel gethan: Des soll ich nicht genießen hier auf diesem grünen Plan.

291

„Besteh mich Jeder einzeln; mein Tod sei euch vergeben. Es ist wohl nicht ein Wunder, nehmt ihr mir das Leben. Gedenkt an Ritters Ehre, ihr stolzen Helden gut, Ich will euch nicht entweichen; nur habet Biedermanns Muth.

292

„Ich will nach Ehren wagen meinen jungen Leib: Darum wird mich beklagen jedes werthe Weib Der großen Untreu willen, die ihr wollt an mir begehn. Euch und keinem frommen Recken mag es löblich stehn.

293

„Würd ich von euer Einem ehrlich erschlagen, Meine reichen Freunde dürften mich nicht klagen.“ „Hörst du’s, Geselle Wittich,“ sprach Heim gar unverzagt, „Schon wollt ich dich drum bitten, er hat die Wahrheit gesagt.“

294

Er sprach: „Wittich und Heime, ihr Degen tugendlich, Schlagt ihr mich selbander, ihr beschimpft euch ewiglich. Wo sie es von euch sagen wohl auf der Erde weit, Da schilt man euch, es wird euch vor allen frommen Recken leid.

295

„Wollt ihr mich ermorden als einen armen Knecht, Wittich und Heime, so brecht ihr Gottes Recht. Es hat sich nie gegeben, daß Einen schlügen Zwei: Soll es mit Mir anheben, ihr werdet nie der Schande frei.“

296

Da sprach der starke Heime, der Degen unverzagt: „Hörst du’s, Geselle Wittich, er hat uns wahr gesagt. Du sollst von mir entweichen, ich greif allein ihn an.“ „O weh,“ sprach da Wittich, „du erkennst nicht recht den Mann.

297

„Wenn unser Zwölfe wären, mit Streit ihn zu bestehn, Mit Schlägen, stark und schweren, es müßt uns schlimm ergehn. Seine Kraft und Kühnheit wurden mir wohl kund: Von dem Gebirge nieder stapft’ er zu mir in den Grund;

298

„Da fragt ich ihn um Märe, ob er mir wolle sagen, Ob er der Recke wäre, der die Helden hätt erschlagen? Da sprach er unerschrocken: Ja, ich bin der Mann. Größre Sorg ich nimmer von einem Einzelnen gewann.“

299

Wieder sprach da Wittich, Wielandens Sohn: „Wenn wir ihn sparen, Heime, das bringt uns übeln Lohn. Wir büßen es, Geselle, mit unser beider Leben. Du willst mir stäts entweichen; es ist ein auserwählter Degen.“

300

Anliefen wieder beide den kindischen Mann Auf der grünen Haide; der rief sie wieder an: „Besteht mich nacheinander, ihr Ritter hochgemuth.“ Da gelobte das ihm Wittich, er hatte zornigen Muth.

301

„Du sprichst, man soll dich einzeln bestehn, des bist du werth. Es thu denn Gott ein Wunder, so wirst du Streits gewährt. Heime, laß mich ruhen, laufe Du ihn an.“ Alphart der junge das Schwert zu beiden Händen nahm,

302

Damit er Heim dem starken eine tiefe Wunde schwang; Das Blut sprang durch die Ringe wohl eine Elle lang. Der Degen muste nieder straucheln auf das Land. „Weh,“ sprach da Wittich, „du hast den Tod an der Hand.

303

„Du wolltest mir nicht glauben, und ihn allein bestehn: Soll ich dir nun helfen, Degen ausersehn, So will ich widersagen, der Fried ist aufgegeben.“ „Nein,“ sprach Heime, „ehrlich laß mich verlieren das Leben.“

304

Des erschrak da Wittich; er trat ihm auf den Sporn; Wittich schlug von hinten, Heim bestund ihn vorn. Alphart der junge nahm Heimes eben wahr, Da schlug ihm Wittich eine fährliche Wunde dar.

305

Als Wittich an dem Helden meineidig wollte sein, In einem stäten Frieden schlug er ihm durch ein Bein Eine tiefe Wunde, daß er kaum mochte gehn; Man sah sie beide fliehen, da der Mord war geschehn.

306

Alphart der junge rief mit lautem Schrei: „Pfui, ihr bösen Zagen, ihr ehrlosen Zwei, Wittich und Heime,“ rief er ihnen nach, Wollt ihr auf Einem Beine mich fliehn, das bringt euch ewig Schmach.“

307

Alphart der junge zu springen nun begann: In eines Leuen Muthe lief er Heimen an, Zwo tiefe Brustwunden er noch dem Helden schlug Mit dem guten Schwerte, das in den Händen er trug.

308

Da rief der starke Heime Wittichen wieder an: „Nun hilf mir aus den Nöthen, bist du ein frommer Mann. Willst du das nicht leisten, so gilt es, Held, mein Leben.“ Da sprach der schnelle Wittich: „Ich will dir meine Hülfe geben.“

309

Anliefen sie ihn beide, wie sie zuvor gethan; Da hub sich an zu röthen der Klee im grünen Plan. Wie gut auch das Geschmeide war, das Wittich trug, Eine tiefe Wunde der junge Weigand ihm schlug.

310

So litten alle Dreie das bittre Ungemach: Durch die lichten Ringe floß des Bluts ein Bach. Noch konnte Hülfe haben der Degen unverzagt, Hätt er die rechte Märe selber dort zu Bern gesagt.

311

Er warf den Schild zu Rücken, den seine Linke trug. Wie rasch sie Alphart beide vor sich niederschlug! Welchen er mocht erlangen, der must ihm auf den Plan Von dem Schlage fallen, so stark war der junge Mann.

312

Da sie jetzt zusammen sprangen, noch härtrer Streit war das; Daß Schild und Helm erklangen, solche Schläge Alphart maß. Mit seinem guten Schwerte schlug er manch schädlich Mal Durch ihrer Schilde Härte; auch ihm ward schartig der Stahl.

313

Sie stunden gen einander wie Feind vor Feinden thut: Sie brachten in die Nöthe den Ritter hochgemuth. Da begonnte laut zu rufen der kindische Degen: „Besteht mich nach einander; mein junger Tod sei euch vergeben.

314

„Geruht nach Ritters Ehre mich einzeln zu bestehn, Wittich und Heime, ihr Degen ausersehn; Ward Einer müd, so springe der Andre in den Streit: Des habt ihr immer Ehre; ich vergeß euch meine letzte Zeit.“

315

Da sprach der starke Wittich: „Es wird dir nicht so gut: Bestünd ein Heer dich einzeln, vergießen müßt es Blut.“ Anliefen sie im Zorne den kindischen Mann; Von Heim dem Mordrecken er großen Schaden gewann.

316

So lang in seinem Helme noch die Leiste lag, Und des Schwertes Schärfe hindurch nicht schlug den Schlag, Da focht ohne Sorge Alphart der junge Held. Da lösten sich die Nägel und fielen von der Kron aufs Feld.

317

Alphart der junge gab Wittich einen Schlag, Daß er ihm vor den Füßen auf grüner Haide lag. Heim das Schwert entblößte mit kraftvoller Hand, Und schlug ihm durch das Helmband, daß es auf der Leiste stand.

318

Durch Helm und durch Haube schlug er den Ritter gut Und durch des Helmes Spangen, daß das rothe Blut Herab begann zu fließen auf den jungen Mann. Es mocht ihn wohl verdrießen, als es ihm vor die Augen rann.

319

Wie jämmerlich er blickte durch des Blutes Bach! Dem edeln jungen Recken nahte sein Ungemach. Anliefen sie ihn beide mit kraftvoller Hand: Sie fällten ihn darnieder mit den Wunden auf das Land.

320

Sie hatten ihn ermüdet, daß er wehrlos lag Und auf der grünen Haide des Streits nicht länger pflag. Nun weiß ich nicht was Wittich rächt an dem jungen Mann, Daß er ihm durch die Schlitzen ein Schwert zu stechen begann.

321

Er wandt es ihm im Leibe und schnitt ihm ab das Leben. Noch einmal konnte rufen der kindische Degen: „Pfui, ihr bösen Zagen, ihr ehrlosen Zwei!“ Da war es mit dem Leben des edeln Alphart vorbei.

322

Sie konnten ihn zu Berne nie genug beklagen. Wär er in rechtem Streite ritterlich erschlagen, So verschmerzten sie ihn gerne; das wär der Helden Trost. Dietrich von Berne war Heimen grimmig erbost.

323

Zehntes Abenteuer.

324

Wie Eckart Dietrichen zu Hülfe ritt, und wie sie Stutfuchs bestand.

325

— — — — — — — — — — — Da ritten sie gen Breisach wunderbar geschwind. Sie giengen miteinander, Hilbrand und Nitger: Da wurden wohl empfangen diese edeln Recken hehr.

326

Von Kerlingen Walther ihnen entgegen gieng, Da man die edeln Recken freudenvoll empfieng; Hug vom Dänenlande, der auserwählte Degen, Fünfhundert Burgmänner giengen den Gästen entgegen.

327

Eckhart ließ ihnen bringen von Sammt ein reiches Kleid; Auch war den Reisemüden alsbald ein Bad bereit: Darein hieß er sie führen. Nitger und Hildebrand, Von schönen Frauen wurden die Helden wiedererkannt.

328

Eckart ließ ihnen bringen ein begoßen Brot Und einen Kopf mit Weine: das that den Helden Noth. Das schuf der Wirth des Hauses, Eckhart der kühne Degen: Er ließ die Sturmmüden beide minniglich verpflegen.

329

So hielt man sie in Ehren bis an die Mittagsstund: Da gieng es zu den Tischen. Noch war es Niemand kund Zu Breisach in der Veste: sie hätten gern vernommen, Auf welches Abenteuer Hilbrand wär an den Rhein gekommen.

330

Sie waren nun geseßen, der alte Hildebrand, Getrunken und gegeßen, begann und sprach zuhand: „Euch entbietet Der von Berne, der Fürst lobesan, Euch Recken allen Vieren, daß ihr gedächtet daran,

331

„Wie der Vogt von Berne seit seinen jungen Tagen Zucht vor allen Recken pflag an sich zu tragen: Er thut Niemanden Leides, der edle Dieterich. Daß ihn nun vertreiben will der Kaiser Ermenrich

332

„Ohne sein Verschulden, das läßt er euch klagen. Alphart der junge ist ihm zu Tod erschlagen. Daran sollt ihr gedenken, an seine große Noth, Und sollt ihm helfen rächen des jungen Alphartes Tod.“

333

„So wohl mir dieser Märe!“ sprach da Eckhart, „Daß euch Der von Berne schickt auf diese Fahrt, Der mich vertreiben wollte für den Kaiser Ermenrich: Nun läßt mich gern verbleiben von Bern der edle Dieterich.“

334

So sprach der Wirth des Hauses, Eckhart der Degen: „Ich will für den von Berne wagen Leib und Leben. Ich bring ihm zu Hülfe zehntausend Mann In so guten Harnischen, wie sie kein König gewann.“

335

Da sprach wohlgezogen der Herzog Nitiger: „Nun weiß es Gott vom Himmel, ich hab anders Niemand mehr, Ich ließ bei dem Kaiser wohl zweitausend Mann; Doch helf ich ihm alleine so gut ich immer nur kann.“

336

Da sprach von Kerlingen Walther der Held erkoren: „Helf ich ihm, so hab ich des Kaisers Huld verloren.“ „Der bricht nicht die Treue, der bei dem Freunde steht,“ Sprach Hildebrand der alte, „wenns in die Noth mit ihm geht.“

337

Er sprach: „Ich hab ihm Treue niemals zugeschworen: Hätt ich die Huld des Kaisers auch damit verloren, Ich denk ihm doch zu bringen zehn tausend Mann, Die treulich sollen dienen dem edeln Fürsten lobesan.“

338

Da sprach der Bruder Ilsan: „Ich darbe seiner Huld: Wenn mir der Hochgelobte vergäbe meine Schuld, So brächt ich ihm zu Hülfe elfhundert Mann; Die legen schwarze Kutten über lichten Harnisch an.“

339

Da kam aus der Veste Hug von Dänemark Mit manchem jungen Ritter, das waren Helden stark. Hildebrand der alte bat, sie ihm zu geben: Sie sprachen: „Für den Berner wagen wir Leib und Leben.“

340

Hildebrand der alte vor Freuden aufsprang. „Edler Hug von Dänmark, des hab immer Dank. Nun leget euch zu Felde, ihr Ritter kühn im Streit, Und wartet unsrer Helfer: sie sind uns balde bereit.“

341

Da thaten sie gar gerne wie sie der Alte bat: Sie legten sich zu Felde zu Breisach vor die Stadt. Da kam alsbald geritten mancher kühne Degen; Eckhart der Wirth des Hauses bat ihrer minniglich zu pflegen.

342

Sie sprangen von den Rossen nieder in das Gras, Bis er daraus sechstausend der Besten sich erlas. Das Panier war aufgebunden, da eilten sie hindann. Manche schöne Jungfrau ihnen nachzuschau’n begann.

343

Als bereit die Säumer waren und beladen, Dazu die Kammerwagen, die ihnen sollten tragen Das Trinken und die Speise durch manches fremde Land, Da ritt zu allervorderst von Bern Meister Hildebrand.

344

Ein reiches Banner grüne nahm er in die Hand, Der edle Held, der kühne, der alte Hildebrand. So leitet’ er gewaltig die sechstausend Mann Durch des Reiches Gauen an das Hochgebirg heran.

345

Sie eilten miteinander über den weiten Plan Nach Hildebrand dem alten, so mancher kühne Mann. Der Tag war zergangen, da kam zur selben Stund Stutfuchs und die Seinen vor den Helden in den Grund.

346

Sie sprangen von den Rossen nieder auf das Land, Sie waren unverdroßen, die Helden auserkannt. Da sprach der alte Meister, Hilbrand der weise Degen: „Wer denkt nun der Schildwacht heute Nacht hier zu pflegen?“

347

Diese kühnen Helden ihm schwiegen alle da; Hildebrand dem alten zu Herzen gieng es nah. Sie sprachen einhellig, die auserwählten Degen: „Hildebrand der alte weiß ihrer allerbest zu pflegen.“

348

„Das thu ich gleich zur Stunde,“ sprach da Hildebrand, „Herrn Dietrich zu Liebe, der mich hat ausgesandt. Das Land ist mir wilde,“ sprach Hildebrand der Degen, „Unter Helm und Schilde will ich jedoch euer pflegen.

349

„Wir sind den Feinden nahe: die Sorge räth uns an, Es soll im Harnisch bleiben Jeder Biedermann. Hier nahe liegen Diener des Kaisers Ermenrich: Wir mögen sie nicht meiden: wir müßen streiten sicherlich.

350

„Ich weiß sie solches Muthes, man erläßt uns nicht den Streit: Wohlauf, ihr Weigande, seid wacker und bereit. Wir hauen uns die Straße, ihr Ritter unverzagt: Hier wird um Alpharten Mancher in den Tod gejagt.“

351

Da sprach Hilbrand der alte: „Lieben Freunde mein, Ihr sollt um meinetwillen in Helm und Harnisch sein, Die Schwerter umgegürtet, die Rosse sei’n zur Hand.“ Das gelobten Alle gern dem alten Hildebrand.

352

Da sprach der Herzog Nitiger: „Lieber Oheim mein, Ich will um deinetwillen in Helm und Harnisch sein Und will dir auch der Schildwacht gerne helfen pflegen.“ „Des lohn dir Gott vom Himmel,“ sprach da Hildebrand der Degen.

353

Da sprach von Kerlingen Walther der Degen: „Ich und Ilsan wollen auch der Schildwacht pflegen.“ „Das will auch ich,“ sprach Eckhart, der edle Degen stark. „So will ich mit euch reiten,“ sprach da Hug von Dänemark.

354

„Nun merket wohl, sprach Hildebrand,“ der Degen hochgeborn: „Sobald ihr erschallen hört mein kleines Horn, So kommt uns zu helfen, ihr Degen ausersehn: Ihr hört an dem Schalle, daß uns die Feinde bestehn.“

355

Sie ritten alle fünfe über die Felder weit; Vor Mitternacht kam Hildebrand schon in einen Streit. Bei des Mondes Schimmer, den man schön entglommen sah, Waren auch die Feinde auf die Wart gekommen da.

356

„Nun sind uns fremde Gäste geritten in das Land,“ Sprach der getreue, feste Meister Hildebrand. „Doch wehrt mir die Finsterniß,“ sprach der kühne Mann, „Daß ich sie an Schilden und Wappen nicht erkennen kann.

357

„Hier harret mein derweilen,“ sprach der kühne Degen: „Ich will zu ihnen reiten, ich bin wohl so verwegen.“ Fern von den Gesellen ritt der alte Mann; Da sah man Zwei der Feinde zu ihm kommen auf den Plan.

358

Entgegen ritt den Beiden der Degen sturmbereit: Das that der alte Greise kraft seiner Degenheit. Da fragte sie um Märe der alte Hildebrand, Woher des Lands sie wären, und wer sie hätt ausgesandt?

359

Da sprachen diese Zweene gar vermeßentlich: „Uns hat ausgesendet der Kaiser Ermenrich, Das wißet, werther Degen; wir ritten her von fern, Daß wir Die von Breisach nicht laßen sollen gen Bern.

360

„Darum hat uns gesendet der edle Kaiser reich. Steg und Straßen sperren wir ihnen durch das Reich Zu Leide Dem von Berne, dem Fürsten unverzagt. Dem Kaiser helfen wir gerne, das sei euch, Degen, gesagt.“

361

Man frug auch, wer er wäre? Antwort gab Hildebrand: „Ich bin im Sold des Kaisers, der hat mich ausgesandt. Sein Gut hab ich empfangen, das lichte Gold so roth: Wenn er mir gebietet, so muß ich reiten in die Noth.“

362

Also sprach mit Listen der alte Hildebrand; Damit wollt er sich fristen: „Nun hat mich ausgesandt Von Rom der reiche Kaiser hieher auf diesen Plan, Wenn Einer mir entgegen ritt’ aus Dietrichens Bann,

363

„Mit dem so sollt ich streiten,“ sprach der kühne Degen. „Ich muß zu allen Zeiten hier der Schildwacht pflegen,“ Also sprach mit Listen der alte Hildeband, „Da mich der reiche Kaiser von fern dazu hat hergesandt.“

364

Da sprachen sie: „Der Kaiser hat euch nicht ausgesandt, Ihr seid es, von Berne der alte Hildebrand, Den der Hülfe wegen der Berner hat gesandt: Nun wehrt euch als ein Degen: ihr habt den Tod an der Hand.“

365

„Wenn denn mit mir zu streiten euer Herz begehrt,“ Sprach Hildebrand der alte, „so wird euch Streit gewährt. Laßt uns den Sold hier theilen auf der Haide breit; Es geh nach Gottes Heile, alsbald beginne der Streit.

366

„Seid ihr also Diener des Kaisers Ermenrich, So frag ich euch um Märe: was Herrn Dieterich Ermenrich des Kaisers Huld doch hat benommen?“ Zu großem Zorne waren die beiden Recken gekommen.

367

„Nun wehrt euch als ein Degen, wir haben übeln Muth; Ihr mögt uns nicht entgehen, euer Leib und Gut, Das ist unser eigen, Roß und Gewand.“ „Erst will ich euch erzeigen,“ sprach der alte Hildebrand,

368

„Meine rasche Tugend,“ sprach er mit guten Sitten; „Kommen meine Freunde, müßt ihr um Frieden bitten.“ Anrannten sie ihn Beide mit kraftvoller Hand; Es mochte sie gereuen, so wehrte sich Hildebrand.

369

Der kühne Ritter sinnig eine scharfe Waffe trug, Die war geheißen Briunig, damit er Wunden schlug Durch die lichten Ringe; man hört’ im Walde weit Seine Waffe laut erklingen: gar gefährlich ward der Streit.

370

Da schlugen diese Beiden auf den alten Mann, Davon begann zu tosen der Bergwald und der Tann. Die Schläge hörte schallen Stutfuchs der Degen: Eh Der den Seinen beisprang, da gieng es ihnen ans Leben.

371

Als Stutfuchs vom Rheine die Beiden sah verlorn, Da blies er nach der Hülfe laut ein kleines Horn. Das vernahm sein Bruder Gere; der lag dort mit der Schar: Sechstausend kühne Helden sandt er ihm zu Hülfe dar.

372

Als die Spere brachen, mit Schwertern ward gestritten; Stutfuchs vom Rheine kam schnell heran geritten Mit sechstausend Mannen auf den weiten Plan: Hildebrand der alte nie in größre Sorgen kam.

373

„Wenn ich nun fliehe,“ sprach der Held erkoren, „Kehr ich dann hinwieder, so bin ich gar verloren. Die sechstausend Mannen sind mir Einem gar zu viel,“ Sprach Hildebrand der alte; „doch bin ichs, der es wagen will.“

374

Das Roß geschwinde wandt er, der alte Hildebrand, Auf die Feinde rannt er mit tugendreicher Hand Ihre Helme zu erschällen; da hieb er Wunden weit. Das erhörten die Gesellen: da erhub sich erst ein Streit!

375

Da kamen diese Viere zu ihm herangerannt Mit flatterndem Paniere; der alte Hildebrand Hätte von den Feinden sein Ende da genommen, Wären ihm die Viere nicht gleich zu Hülfe gekommen.

376

Ihre Schar war kleine, doch ihre Tugend stark. Da that im Streit das Beste Hug von Dänemark; Von Kerlingen Walther und der Mönch Ilsan Kamen jenseits wieder hervor aus der Feinde Bann.

377

„Nun haltet euch zusammen,“ sprach da Eckhart, „Und laßt die Schwerter flammen, so gereut sie der Fahrt.“ Da schlugen so und stachen die Fünfe wohlgemuth, Daß sie das Heer durchbrachen und ließen fließen das Blut.

378

Als die Fünf von Feinden sich sahen überladen, Sie sorgten, die Sechstausend brächten sie zu Schaden. Da sprach der alte weise Meister Hildebrand: „Die Unsern sind zu ferne, uns faßt der Tod an der Hand.“

379

Da sprach Eckhart der Degen: „Es dünkt mich wohl gethan, Wir laßen hier die Viere sich wehren was man kann Und senden jetzt den Fünften zurück aus dem Streit, Daß auch Uns zu Hülfe kommen unsre Degen kampfbereit.“

380

Da sprach Hilbrand der alte: „Der Bote will ich sein.“ Viel Helden sein entgalten, seine Kraft war nicht klein, So hieb er aus dem Sturme ferne sich hindann: Dort hielt auf einer Ecke Hildebrand der kühne Mann.

381

Als aus dem Sturm gekommen war der alte Hildebrand, Den hohen Helm vom Haupte der Degen niederband, Er griff nach seinem Hörnlein und setzt’ es an den Mund: Daß er Hülfe brauchte, das that er kräftiglich kund.

382

Er ließ das Horn erschallen, der wunderkühne Mann: Da ward den Helden allen kund in seinem Bann, Daß er von den Feinden hätte Noth erlitten, Mit sechstausend Mannen die lange Nacht durch gestritten.

383

Da sprach wohlgezogen der Herzog Nitiger: „Wohlauf, ihm zugezogen, und säumen wir nicht mehr! Da uns die lieben Freunde die Feinde dort bestehn, Laßt uns ihnen helfen: das muß geschwinde geschehn.

384

„Wenn Hildebrand der alte zu Tode würd erschlagen, Wer wollte solche Märe zu Bern den Recken sagen?“ Sie liefen zu den Rossen und waren bald bereit, Des Andern harrte Keiner, sie rannten Alle zum Streit.

385

Ein grünes Banner führte Nitiger in der Hand, Das sah mit großen Freuden der alte Hildebrand: Als er die treue Hülfe so fröhlich kommen sah, Schnell ritt er zu den Vieren; nun vernehmt, wie sprach er da:

386

„Uns bringt getreue Hülfe der Herzog Nitiger.“ Die Spere niedersenkte jedwedes Heer, Die Schäfte laut erkrachten an manches Helden Hand: Sie trafen so zusammen, als bräche nieder eine Wand.

387

Als sie zusammen kamen geritten auf das Wal, Da hub sich von den Recken ein ungefüger Schall, Sie hieben aus den Ringen das fließende Blut, Es erlag vor ihren Händen mancher kühne Ritter gut.

388

Da gab der Herzog Nitiger das Banner aus der Hand Und griff zu seiner Seite, wo er ein Waffen fand. Das Schwert, das er da zuckte, das war lang und breit: Stutfuchsens Mannen schuf er da sorgliches Leid.

389

Da focht so vermeßen der alte Hildebrand Wie vom Zorn beseßen; er führt’ an seiner Hand Ein Schwert mit breiter Klinge, mit dem er kühnlich stritt, Das zu beiden Seiten aufs allergrimmigste schnitt.

390

Wen er mocht erlangen, den ließ er nicht gedeihn, Hildebrand der alte, wie mocht er kühner sein? Er hieb aus den Ringen das fließende Blut, Er focht mit solchem Grimme, wie es kein Alter mehr thut.

391

Da stritt von Kerlingen Walther der Degen, Er ließ sein Schwert erklingen und focht so verwegen In dem starken Sturme sonder allen Wank, Mit Leib und mit Gute sagte man ihm bald den Dank.

392

Den gab der Vogt von Berne dem kühnen Weigand. Von Kerlingen Walther führt’ an der Hand Ein Schwert, das in dem Sturme wie eine Glocke scholl; Walthers Kraft und Kühnheit waren beide groß und voll.

393

Hug vom Dänenlande, ein auserwählter Degen, Manchen starken Ritter sah man ihn niederlegen. Er wollte Helme hauen und manches Schildes Rand, Da ihn die schönen Frauen von Breisach hatten gesandt.

394

Eckhart der kühne, ein starker Weigand, Wunderbar geschwinde kam er einher gerannt. So brach er durch die Scharen, das will ich euch sagen: Stutfuchsens Bruder hatt er das Haupt abgeschlagen;

395

Er war geheißen Gere, ein Degen auserkannt. Stutfuchs vom Rheine kam schnell auf ihn gerannt Mit sechstausend Mannen auf dem weiten Plan. Eckhart der kühne nie größre Sorge gewann.

396

Da schlug er Eckharten auf seinen Hut von Stahl, Daß man das Blut sah fließen von dem Helm zuthal: Auf der Haide grüne fiel er in das Gras. Eckhart der kühne kaum von dem Streiche genas.

397

Da drang der Herzog Nitiger durch die Scharen allzuhand, Eine blutfarbne Waffe führt’ er in der Hand; Er brach die lichten Helme und manchen neuen Schild. So zahlt er in dem Sturme manchen kühnen Helden mild.

398

Eines Biedermanns genießen oft tausend Mann, Ein Heer macht Einer zaghaft, der es nicht leiten kann. So war der Herzog Nitiger ein auserwählter Degen: Er sprang zu seinen Freunden und half ihnen Streites pflegen.

399

Eckhart der kühne aus dem Gras ersprang, Sein gutes Schwert ihm lauter an der Hand erklang. Es war geheißen Gleste und außermaßen stark. Da thaten auch das Beste Walther und Hug von Dänemark.

400

Hildebrand der alte und der Mönch Ilsan Kamen gewaltig durch der Feinde Bann Und jenseits aus gedrungen, das will ich euch sagen: Der Alten und der Jungen sah man sie viel zu Tode schlagen.

401

Stutfuchs vom Rheine dem harten Sturm entrann, Er floh nach dem Gebirge nur mit zwölf Mann: Ueber das Gefilde stoben sie mit Zagen Unter Helm und Schilde, dem Kaiser diese Noth zu klagen.

402

Ihnen folgten Die von Breisach wohl eine Meile weit; Dann kehrten sie zurücke; zergangen war der Streit. Als sie zusammen waren in dem Sturm gekommen, Da hatten Die von Breisach einen schönen Raub genommen

403

Und mit dem Schwert erfochten in tugendlichem Muth. Stutfuchs vom Rheine besaß viel reiches Gut, Er hatte hin geführet Gold, Silber und Gewand: Das ließ auf Säumer laden von Bern Meister Hildebrand.

404

Eilftes Abenteuer.

405

Wie der Mönch Dietrichs Huld gewann.

406

Als die Säumer waren bereit und aufgeladen, Dazu die Kammerwagen, die es sollten tragen, Da führten sie gen Berne das kräftige Gut; Das sah Herr Dietrich gerne; er hatte herrlichen Muth.

407

Stutfuchs vom Rheine floh rasch zu Ermenrich; Hilbrand mit seinen Freunden gen Bern ritt schnelliglich Ueber Berg und Thale, der tugendreiche Mann: Bei der Etschbrücke kam er am siebten Abend an.

408

Da sprach Hilbrand der alte: „Lieben Freunde mein, Gott müß unser walten! uns läßt heut Niemand ein. Die Stadt ist beschloßen,“ sprach Hilbrand der Degen, „So will ich heute wieder mit euch der Schildwache pflegen.“

409

Da thaten Alle gerne wes sie der Alte bat: Sie legten sich bei Berne zu Felde vor die Stadt. Da schürten ihre Feuer die Helden überall: Alsbald zu beiden Seiten hob sich ein gräßlicher Schall.

410

„Die Schilde sollt ihr wenden nieder auf das Land: Das thu ich zu dem Ende,“ sprach Meister Hildebrand, „Daß Niemand uns erkenne, ihr stolzen Helden gut: So mögen wir versuchen der kühnen Wölfunge Muth.“

411

Da kehrten sie die Schilde nieder auf das Land. Schildwächter wurde der alte Hildebrand. Da rief er den Wächtern auf dem Burggraben: „Nun mögt ihr,“ rief der Alte, „die Stadt nicht länger behaben.“

412

Als der lichte Morgen an den Himmel kam, Da erhob sich mit Sorgen der Fürst lobesam, Dietrich der kühne, den der Kummer zwang: Bis die Helden kamen währt’ ihm die Weile so lang.

413

Als der Vogt von Berne das Volk sah auf dem Feld, Aus trauriglichem Muthe sprach der edle Held: „Der uns erführ die Märe, ihr stolzen Helden gut, Woher die Recken wären, der hätte löblichen Muth.“

414

„Wer sollte das befinden,“ sprach Wolfhart der Degen, „Beßer als ich selber?“ Er focht so verwegen Wie ein wilder Eber, kam er in den Streit: „Wer das vor mir erführe, dem trüg ich ewiglich Neid.“

415

Anlegt er sein Geschmeide, der Degen unverzagt, Ein gutes Roß beschritt er: „Ihr Herrn, euch sei gesagt: Ich will alleine reiten zu Berne vor die Stadt, Mit den Helden will ich streiten.“ Keine Hülf er sich erbat.

416

Da ward in aller Breite die Pfort ihm aufgethan, Hinaus sah man reiten Wolfhart den kühnen Mann. Ueber die Haide grüne kam der Held gerannt: Da begegnete dem Kühnen sein Ohm, der alte Hildebrand.

417

Er trug den Wolf im Schilde verkehrt in seiner Hand; Wolfhart frug den Alten; wer ihn hätt ausgesandt? — „Wir sind nur Vorreiter,“ sprach der kühne Mann: „Wir sollen Herberg bauen dem Kaiser auf diesem Plan.“ —

418

„Die sollt ihr heut noch schauen so von meiner Hand, Daß es Dem mag grauen, der euch hat ausgesandt.“ Der Held das Roß ersprengte, er war in großem Zorn, Indem ers kräftig rührte zu den Seiten mit dem Sporn.

419

Ueber die grüne Haide kam er heran gerannt; Den Schild der Alte kehrte; da ward der Wolf erkannt. „Willkommen hier vor Berne, lieber Oheim mein; Die Hülfe seh ich gerne, die du uns bringst von dem Rhein.“

420

Wolfhart der kühne kam in die Stadt gerannt: Dem edeln Vogt von Berne macht’ er die Mär bekannt. Mit fünfhundert Mannen der vor die Pforte gieng, Wo er die Helden mit frohen Grüßen empfieng.

421

Er sprach: „Sei Gott willkommen, lieber Meister mein, Und der Herzog Nitiger, der liebe Neffe dein, Von Kerlingen Walther und Hug der kühne Mann, Darnach die andern Recken, die ich nicht alle nennen kann.“

422

Er sprach: „Sei Gott willkommen, Eckhart, werther Mann, Du hegst im Herzen Treue, siehst meine Nöthe an. Was ich des Kaisers willen dir je gethan zu Leid, Das will ich dir vergülten all meine übrige Zeit.“

423

Da lag noch verborgen der Mönch Ilsan: Er lag in großen Sorgen bis man ihm Huld gewann, Mit seinen Klostermannen, eilfhundert wohlgethan, Die über lichte Ringe legten schwarze Kutten an.

424

Da fragte wer sie wären der Degen unverzagt. Da sprach der alte Hildebrand: „Deine Huld ist ihm versagt. Er ist es, mein Bruder, der Mönch Ilsan: Vergieb ihm sein Verschulden um Gott, so thust du wohl daran.“

425

„Ich bedarf nicht seiner Hülfe,“ sprach Herr Dietrich, „Ich will ihm immer Feind sein, das wiße sicherlich. Er schlug mir vor Garten den lieben Oheim mein: Frieden und Sühne soll ihm stäts verweigert sein.“

426

„So dienten wir euch übel,“ sprach da Eckhart. Da sagten sie ihm Märe, wie er auf der Fahrt Mit Stutfuchsens Mannen vom Rheine kühn gestritten, Und wie er auf der Straße so große Noth hätt erlitten.

427

„Des laß ich ihn genießen,“ sprach Herr Dietrich: „Einen stäten Frieden, das wißet sicherlich, Geb ich von Breisach gerne ihm wieder an den Rhein,“ So sprach der Held von Berne: „des sollt ihr gewährt mir sein.“

428

„Wohlauf denn All geschwinde,“ sprach Eckhart der Degen: „Dieß Geleite wollen wir ihm selber geben!“ Sie wollten All von dannen; da ergriff sie bei der Hand, „Nun wartet eine Weile!“ sprach der alte Hildebrand.

429

Da baten ihn und flehten Die von Breisach sehr. Als der Vogt von Berne das sah, der Degen hehr: „So vergeb ich sein Verschulden dem Mönch Ilsan, Er kommt durch euch zu Hulden: das wiße Fremd und Unterthan.“

430

Da empfieng ihn gerne der Fürst lobesan, Der edle Vogt von Berne und Die in seinem Bann. Wolfhart und Siegstab, die Degen ausersehn, Zu Alpharts Grabe sah man die Zwei mit Ilsanen gehn.

431

Da klagten sie so kläglich den kindischen Degen, Alphart den jungen, daß er so früh erlegen. Er sprach: „Nun laßt das Weinen, Mann oder Weib: Denkt, wie man uns vergelte Alphartens blühenden Leib.“

432

Eckhart sprach der treue: „Es dünkt mich wohlgethan, Daß Rossen man und Leuten, die jetzt so viel gethan, Bis an den sechsten Morgen gönnt der Ruh zu pflegen: So mögen wir zu Felde die Feinde wieder niederlegen.“

433

Zwölftes Abenteuer.

434

Wie Alphart gerochen ward.

435

Stutfuchs vom Rheine war vor den Kaiser kommen; Der falsche Sibich hatte seine Märe wohl vernommen. Er sprach: „Wohlauf vor Berne! lieber Herre mein: Kommen sie zur Pforte, so wird die Stadt nimmer dein.“

436

Sie jagten durchs Gefilde, über die Haide breit, Mancher kühne Ritter, viel Degen sturmbereit. Ein großer Theil des Heeres kam auf das Feld; Dem Kaiser aufgeschlagen ward manches reiche Gezelt.

437

Als Wolfhart der kühne die Feinde dort ersah, Aus zornigem Muthe sprach der Degen da: „Fürst der Amelungen, edler Vogt von Bern: Groß Leid hat dich bezwungen; das helf ich dir rächen gern.“

438

Da sprach Eckhart der kühne: „Es dünkt mich wohlgethan, Daß wir die Scharen zählen all in unserm Bann, Die uns aus den Stürmen entweichen nimmerdar.“ Sie hatten eilftausend, das war eine edle Schar.

439

Die edeln Burgmänner traten in den Saal, Je zwei mit einander, und wieder aus zumal: Da waren’s zwanzigtausend Degen ausersehn. Da sprach der alte Hilbrand: „Wir mögen wohl den Feind bestehn.

440

„Nun hab ich in Wahrheit eine gute List ersehn: Wir laßen Bruder Nere vor der Pforte stehn Als müsten wir entweichen, lieber Herre mein, Vor Ermenrich dem Kaiser; er läßt uns bald wieder ein.“

441

„Nun ist hier kein Entweichen,“ sprach Nadung der Degen: „Gebet mir die Fahne, ich selbst will ihrer pflegen. Ich weiß euch wohl zu führen in des Sturmes Noth: Uns muß der Kaiser weichen, oder Alle liegen wir todt.“

442

Da gab man Walderichen das Banner in die Hand; Sein Geleite wurde der kühne Siegehand. Sie führten es von Berne und steckten’s auf den Plan Bis der allerletzte stand bei dem vordersten Mann.

443

Als der ungetreue Sibich das Banner dort ersah, Er jagte vor den Kaiser; der Falsche sagte da: „Uns will der Vogt von Berne hier mit Streit bestehn: Bereitet euch zum Kampfe, das rath ich, Degen ausersehn.

444

„Wittich und Heime, euch ist der Kaiser hold, Er giebt euch gar willig sein Silber und sein Gold: Daran sollt ihr gedenken, ihr auserwählten Degen, Ihr sollt in seinem Dienste kühnlich wagen Leib und Leben.“

445

„Willst du streiten, Sibich,“ sprach Wittich der Degen, Du und der reiche Kaiser, unser Leib und Leben Wollten wir mit euch wagen in des Sturmes Noth, Ich und der starke Heime, oder finden hier den Tod.“

446

„Wohl will ich mit euch streiten,“ sprach Herr Ermenrich, „Hier an eurer Seiten, das wißet sicherlich.“ „So bereitet euch zum Sturme und euer Heer so breit; Den kühnen Wölfingen ist Alphartens Sterben leid.“

447

Da wurde Rottenmeister Reinhold von Milan; Er sollte drum zu Lohne die selbe Stadt empfahn. Da berief der reiche Kaiser den Degen allbereit: Seine Sturmfahne befahl er ihm in dem Streit.

448

Die Scharen und Geschwader bereiteten sich schnell Unter grünem Banner mit lauterm Golde hell; Acht Banner, unter jedem zehntausend Mann. Nur dreißigtausend zählte der Vogt von Bern in seinem Bann.

449

Da sprach von Kerlingen Walther der Degen: „Ich will mit meinen Leuten heut der Vorhut pflegen Herrn Dieterich zu Liebe, dem Fürsten auserkannt: Ich thu es wohl so willig als ein Held aus deutschem Land.“

450

„Das verhüte Gott vom Himmel!“ sprach Wolfhart der Degen. „Ich will des Vorstreites heute selber pflegen. Ich laß es keinem Andern, mich zwingt dazu die Noth: Alphart mein Bruder, den muß ich rächen im Tod.“

451

Er sprengte bei den Worten, es stund nicht länger an, Zu Bern aus der Pforten, Wolfhart der kühne Mann. Ihm ritt ein Graf entgegen, von Tuskan geboren: Von Wolfhartens Händen hatt er das Leben bald verloren.

452

Er stieß ihn von dem Rosse hernieder auf das Land. Da kam ihm nachgedrungen der alte Hildebrand, Von Kerlingen Walther und der Mönch Ilsan. Von beiden Seiten sahen die Heere sich einander an.

453

Da sprach der Vogt von Berne: „Nun schauet unverwandt Auf Wittich und Heime, die Helden auserkannt, Ermenrich und Sibich: würden die Vier erschlagen, So wollt ich nicht länger den jungen Alphart beklagen.“

454

Der edle Vogt von Berne ließ seine Tugend sehn; Man sah auf seinem Helme Greims Karfunkel stehn. Er suchte seine Feinde allwärts auf dem Plan, Wittich und Heime, die ihm den Schaden gethan.

455

Als Wittich und Heime Beide das erkannt, Die Zeichen von den Helmen brachen sie zuhand; Auf den Rücken schwangen sie den festen Schild, Damit sie nicht verriethe das gemalte Wappenbild.

456

Hildebrand und Hache, die Helden kühn und gut, Hieben aus den Ringen das fließende Blut. Sie waren in dem Streite mit Zorn überladen: Da that dem reichen Kaiser an Leuten Niemand größern Schaden.

457

Walther von Spanien und Hug von Dänemark Denen muste wohl gelingen, es waren Helden stark. Sie hieben aus den Helmen das fließende Blut: Es lag vor ihren Händen darnieder mancher Ritter gut.

458

Da stritt gar vermeßen der Mönch Ilsan: Da sprach der reiche Kaiser: „Was hab ich dem gethan? Der ich Klosterleuten mich stäts getreu erwies. Sie singen üble Töne und fällen Manchen in den Grieß.“

459

Da stritt Nudung der werthe, der der Fahne pflag, Mit seinem guten Schwerte that er manchen Schlag: Er hieb eine Straße durch die weite Schar. Zu beiden Seiten nahmen die Scharen sein mit Schrecken wahr.

460

Wolfhart der sturmbereite und Meister Hildebrand, Die standen vorn im Streite; das Leben ließ zu Pfand Mancher junge Ritter um Alphartens Tod. Da wurden doch geschieden die Zwei in des Sturmes Noth.

461

Berchtram von dem Berge manchen Mann erschlug, Und Seewart der alte schuf großen Ungefug. Zu denen kam geritten Wolfhart der kühne Mann: Er wähnte sie gefunden, die ihm den Schaden gethan.

462

Da rannten diese beiden wider den kühnen Degen: Sie dachten ihn zu scheiden vom Sieg und von dem Leben. Da wollte nicht entweichen der kühne Wolfhart, Ob ihm auf grüner Haide sein gutes Roß erschlagen ward.

463

Da stand zwischen beiden Wolfhart der kühne Degen: Nun wollten sie ihn scheiden vom Sieg und von dem Leben. Ein scharfes Schwert ertönte Wolfharten an der Hand: Das vernahm im Streite sein Ohm der alte Hildebrand.

464

Hildebrand der alte kam zu ihm gerannt, Wo er Wolfharten in großen Nöthen fand. Er sprach: „Neffe Wolfhart, nimm Du den Einen Mann, Und laß Mir den Andern: das dünkt mich räthlich gethan.“

465

Berchtram von dem Berge, den schlug da Hildebrand. Ein Schwert von großer Schwere trug Wolfhart in der Hand: Er nahms zu beiden Händen und maß einen Schlag Auf Seewart den alten, daß er ihm ohne Schand erlag.

466

Hildebrand der alte ein schönes Roß ihm fieng, Das herrenlos im Streite hin und wieder gieng. Darauf war bald geseßen Wolfhart der Held erkoren: Wen er erlangen mochte, dem gieng das Leben verloren.

467

Eckhart der milde, ein kühner Weigand, Durch die grünen Schilde fällt’ er auf das Land Manchen starken Ritter, das will ich euch sagen: Von Eckhartens Händen wurden tausend Mann erschlagen.

468

Da sah man erzürnet Roschlin das Roß genug: Wie das vor Eckharten biß und um sich schlug! Mit den Hinterfüßen vertriebs dreihundert Mann. Den ungetreuen Sibich sucht’ es, der den Rath gethan.

469

Als der falsche Sibich Eckharten sah, Wie schnell von seinem Helme das Zeichen brach er da! Auf den Rücken schwang er geschwind den festen Schild; Damit ihn nicht verriethe das gemalte Wappenbild.

470

Wittich und Heime, die beiden Helden gut, Hieben aus den Ringen das fließende Blut. Sie waren in dem Streite mit Zorn überladen: Da that dem Vogt von Berne an Leuten Niemand größern Schaden.

471

Von Kerlingen Walther und Hug von Dänemark, Denen muste wohl gelingen, es waren Helden stark. Hildebrand der alte und der Mönch Ilsan, Die Viere sah man alle den beiden Recken sich nahn.

472

Hug vom Dänenlande ein scharfes Waffen trug, Womit er ohne Schande auf Wittichen schlug. Sein fester Helm hieß Glimme, der hub zu tosen an: Da kehrte zu dem Schalle Eckhart sich, der kühne Mann.

473

Nagelring die Waffe gab auch lauten Klang; Um Wittich und Heime ward so groß der Drang, Daß aus den lichten Helmen das wilde Feuer brach; In Wittichs Hand schlug Mimung manchen schneidigen Schlag.

474

Siegstab der junge, durch zehntausend Mann Schlug eine weite Straße der Degen wohlgethan. Als er den Vogt von Berne von ferne streiten sah, Aus zornigem Muthe nun vernehmt, wie sprach er da:

475

„Edler Vogt von Berne, viel lieber Herre mein, Ich kann sie nirgend finden, des muß ich traurig sein, Wittich und Heime, die den Mord gethan: Kann ich es aber fügen, um ihr Leben ists gethan.“

476

Der edle Vogt von Berne, durch zehntausend Mann Hieb eine weite Straße der Fürst lobesan. Wittich und Heime, die den Streit erhaben, Ermenrich und Sibich, die Vier entrannen gen Raben.

477

Man sagte Reinholden alsbald die Märe, Wie Ermenrich mit Sibich entronnen wäre: „So halt ich allzulange! die Fahne senkt bei Zeit!“ Nicht mehr denn dreißigtausend folgten ihm aus dem Streit.

478

Fünfzigtausend lagen auf dem Felde todt; Daß die andern flohen, das that ihnen Noth. Da verfolgten sie die Berner wohl eine Meile weit Und kehrten dann zurücke: da war zergangen der Streit.

479

Als sie nach dem Sturme zusammen waren kommen, Der edle Vogt von Berne hätte gern vernommen Wie viel er Leute hätte in dem Streit verloren; Leid war um die Helden diesem Fürsten auserkoren.

480

Als sie das vernahmen und ihren Schaden dann Um und um besahen, da erkannte man, Daß zweitausend waren Dem von Bern erlegen. Die muste kläglich klagen dieser auserwählte Degen.

481

Da sprach Hilbrand der alte: „Lieber Herre mein, Laßt so sehr nicht trüben der lichten Augen Schein. Ihr wißt doch wohl selber, Degen lobesan, Daß Niemand ohne Schaden so großen Sieg noch gewann.“

482

Da ließ auch Ilsan blasen, der Mönch, sein Heerhorn: Da hatt er der Seinen nicht Einen Mann verlorn. Er sammelte der Brüder elftausend Mann, Die über lichte Ringe legten schwarze Kutten an.

483

Als der Vogt von Berne trat in des Kaisers Zelt, Da fand dort hinterlaßen großen Hort der Held, Silber und Gesteine, dazu das rothe Gold: Da bot er seinen Helden den unermeßlichen Sold.

484

Des lobte man im Lande den edeln Vogt von Bern. Da kam ohne Schande manche Wittwe zu dem Herrn Auf die grüne Haide, hören wir noch sagen. Da hub sich von den Frauen großes Weinen und Klagen.

485

Da sprach der edle Dietrich: „Es soll verstattet sein Daß man zu Lande führe Die noch vielleicht gedeihn; So möge man die Todten alle hier begraben: Freunde wie Feinde sollen des Urlaub haben.“

486

Da räumten sie die Walstatt und ritten heim gen Bern. Die minniglichen Frauen empfiengen wohl die Herrn. Sie giengen mit Frau Uten, der edeln Herzogin, Und begrüßten ihre Männer daheim mit fröhlichem Sinn.

487

Köstliche Speise war da viel bereit, Man pflag der Streitmüden fleißig nach dem Streit. Frau Ute die reiche vor die Tische schritt, Den edeln Helden theilte sie die Gaben reichlich mit.

488

Das Gut war gespendet den Helden lobesam, Eckhart sprach: „Nun laßt uns Urlaub empfahn.“ Der edle Vogt von Berne sein lichtes Gold so roth Wie freundlich und gerne er das den Breisachern bot!

489

Urlaub erbaten die Helden lobesam: Auch Eckhart der milde Urlaub gewann. Den gab der Vogt von Berne mit Treue gleich zuhand; Er mißt’ ihn doch nicht gerne, noch der alte Hildebrand.

490

Da gab der alte Dietrich ihm freundlich das Geleit: Er ritt mit ihm des Weges wohl eine Meile weit. Daß er nach Breisach eilte, das war dem Degen noth. Hie hat dieß Buch ein Ende und heißet Alphartens Tod.

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Alpharts Tod, in: Das kleine Heldenbuch, PDF-Seiten 105–208, 1859

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Alpharts Tod, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/heldenepik-alpharts-tod/textzeugen/heldenepik-alpharts-tod-daskleinehelden00simrgoog-translation-de-1