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Deutsches Heldenbuch. Fünfter Theil: Dietrichs Abenteuer

Goldemar

Originalfragment · 1870 · Julius Zupitza

4 Min. Lesezeit· Julius Zupitza

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

Der Text wurde vollständig mit den historischen Scans verglichen.

01

Goldemar

02

Quellabschnitt

03

Wir hân von helden vil vernomen, die ze grôzen strîten sint bekomen bî hern Dietrîches zîten. si begiengen degenheit genuoc, dô einer ie den andern sluoc. sî wolten niender rîten, sin wærn ze strîten wol bereit, ir schilte, ir helmen veste. mänic kumber dô erleit. man sprach, er tæte dez beste, der mängen âne schulde ersluoc. dâ von ir lop geprîset wart, sô man die tôten von in truoc.

04

Nu merkt, ir herren, daz ist reht: von Kemenâten Albreht der tihte ditze mære, wie daz der Berner vil guot nie gwan gên vrouwen hôhen muot. wan seit uns daz er wære gên vrouwen niht ein hovelîch man (sîn muot stuont im ze strîte), unz er ein vrouwen wol getân gesach bî einen zîten: diu was ein hôchgeloptiu meit, diu den Berner dô betwanc, als uns diu âventiure seit.

05

Her Dieterîch von Berne reit: die rehten strâze er dicke vermeit. dô kêrte er gên der wilde. man seit von sîner degenheit, waz er nôt in strîten leit ze walde und ûf gevilde. wir hœren wunder von im sagen, daz er sô vil gevæhte (mänic wart von im erslagen) und och gên Berne bræhte beidiu gevangen und verwunt, die er mit degenheit betwanc. ime was ze strîte kunt.

06

Dô wart dem tugenthaften man von grôzen risen kunt getân, die wæren in dem walde: dâ vunde man sî zaller stunt. daz birge heizet Trûtmunt. dar gâhte der degen balde. er sprach, er wolte gerne sehen die risen ungefüege. swaz kumbers im dâ möhte beschehen, dô iegelîcher trüege ein stange grôz und dar zuo lanc, diu wunder wolte er gerne spehen. sîn manheit in dar zuo betwanc.

07

Im walde vant er einen berc, den hâten gar wildiu getwerc erbûwen und besezzen. bî dien er eine magt ersach, daz im sîn herze des verjach, dem edlen helde vermezzen, ern sach nie wîp sô wol getân. des vröute sich der guote. man wolte in sî niht sehen lân: sî was in grôzer huote. die stîge vertrâten im getwerc. die schœnen vrouwen wol getân vuorten sî mit in in den berc.

08

Des wart her Dietrîch gar unvrô: mit guoter rede und ouch mit drô sprach er ze den getwergen ‘sagt waz ist iu von mir geschehen, daz ir mich die vrowen niht lâzent sehen und ir sî heizent bergen? ich nime ez ûf die triuwe mîn, deich iu niht schaden wolte. möht ez mit iuwer hulde sîn, daz ich sî sehen solte, dâ vür næm ich niht tûsent marc.’ der rîche künic Goldemâr die vrouwen hinder sich verbarc.

09

Dô daz her Dieterîch ersach, mit sendem muote er gâhe sprach ‘sagent mir von der vrouwen, von wannân ir sî habent genomen od wannân sî sî her bekomen. ich sihe hie niht verhouwen enweder schilte noch den gêr: der ist hie niht zerbrochen. daz riwet mich hiute und iemer mê: kein sper hie lît zerstochen, als man durch schœne vrouwen tuot. sol mir mîn sper hie blîben ganz, daz trûrt mir iemermê den muot.

10

Od ist kein herr hie nâhe bî, der gewaltec dirre vrouwen sî, der bewîs mich durch sîn êre, ob sî im iht des habe verjehen: sô kund mir lieber niht geschehen. ich vröu mich swar ich kêre. oder ist sî durch mannes lîp gevarn in diz gewilde, als hie vor tâten schœniu wîp, ob sî des niht bevilde, und daz sî vuorn durch werde man, und hât mîn vrowe den selben muot, sô wil trûren varen lân.’

11

Goldemâr spranc vür den berc. ein rîcher künec was daz getwerc, gewaltec wilder liute. er sprach ‘hœrent, ir riter vil guot, ir mugt wol hân eins löuwen muot. vernement waz ich iu diute. ich bin iu, herre, daz ist wâr, ze strîte niht gewahsen: iurn schilt und iuwern helm sô klâr den vüerent hin zen Sahsen. dâ zerbrechent ir iur sper: ir vindent strîtes an mir niht’ sprach Goldemâr der künic hêr.

12

‘Doch wil ich iu hie machen kunt, went ir vernemen in kurzer stunt von mîner vrouwen künde . . . .

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Quelle zitieren

Goldemar, in: Deutsches Heldenbuch. Fünfter Theil: Dietrichs Abenteuer, S. 203–204 (PDF-Seiten 263–264), 1870

Archivfassung zitieren

Goldemar, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/heldenepik-goldemar/textzeugen/heldenepik-goldemar-deutscheshelden00jngoog-original-fragment-gmh-1