In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Der Text wurde vollständig mit den historischen Scans verglichen. Vollständiger Drucktext der Übersetzung eines überlieferten Fragments; kein fehlendes Ende ergänzt.
Hildebrand und Hadubrand
Aus dem achten Jahrhundert.
Ich hörte sagen, sich heischten zum Kampf Hildebrand und Hadubrand unter Heeren zwein, Des Sohns und des Vaters. Sie sahn nach der Rüstung, Die Schlachtgewänder suchten sie, gürteten die Schwerter an, Die Recken, über die Ringe, und ritten hin zum Kampfe. Hildebrand erhob das Wort; er war der hehrere Mann, Erfahrener und weiser; zu fragen begann er Mit wenigen Worten, wer sein Vater wäre Der Helden im Volke „oder welcher Herkunft du seist. Sagst du mir nur einen, die andern weiß ich mir: Kind im Königreiche kund ist mir da Männiglich.“ Hadubrand erhob das Wort, Hildebrands Erzeugter: „Das sagten vor Alters mir unsere Leute, Alte und weise, die eher dahin sind, Daß Hildebrand hieße mein Vater; ich heiße Hadubrand.
Früh zog er gen Osten, floh vor Otackers Zorn Hin mit Dietrichen und seiner Degen viel. Er ließ im Lande der Hülfe ledig sitzen Das Weib in der Wohnung und unerwachsenen Sohn, Erblos das Volk, da er ostwärts hinritt. Aber darben muste Dietrich seitdem Meines Vaters, der freundlose Mann. Dem Otacker war er eifrigst erzürnt; Aber dem Dietrich der theuerste Degen, Immer an des Volkes Spitze: fechten war ihm stäts zu lieb. Kund war er allen kühnen Mannen: Ich glaube nicht, daß er noch lebt — — —“. „Weiß es Allvater oben im Himmel, Daß du nie hinfort mehr fährst zum Kampfe Mit so gesipptem Mann — — — —“. Da wand er vom Arme gewundene Ringe Aus Kaisermünzen, wie der König sie ihm gab, Der Herscher der Heunen: „daß ich mit Huld dirs gebe.“ Hadubrand erhob das Wort, Hildebrands Erzeugter: „Mit Geren (Speren) soll man Gabe empfahen, Schärfe wider Schärfe. Du scheinst dir, alter Heune, Doch allzulose, lockest mich Mit deinen Worten, willst mich mit deinem Spere werfen. Bist so zum Alter kommen, daß du immer trogst. Mir aber sagten Seefahrende Westlich über den Wendelsee, hinwegnahm ihn der Krieg.
Todt ist Hildebrand, Heribrands Erzeugter.“ Hildebrand erhob das Wort, Heribrands Erzeugter; „Wohl hör ich das und sehe an deinem Harnische, Du habest daheim noch einen guten Herrn, Mustest nicht entrinnen noch aus diesem Reiche. Weh nun, waltender Gott, Wehgeschick erfüllt sich! Ich wallte der Sommer und Winter sechzig, Daß man stäts mich scharte zu der Schießenden Volk: Vor keiner der Städte doch kam ich zu sterben; Nun soll mich mit dem Schwerte das eigne Kind erschlagen, Mit der Waffe treffen, oder ich sein Tödter werden. Doch magst du nun leichtlich, wenn dir langt die Kraft, Von so ehrwürdgem Mann die Rüstung gewinnen, Den Raub erbeuten, hast du irgend Recht dazu. Denn der sei doch der ärgste der Ostleute, Der dir den Kampf nun weigre nun dich so wohl des lüstet. In handgemeiner Schlacht entscheide die Begegnung, Wer von uns heute die Harnische räumen müße, Oder dieser Brünnen (Panzer) beider walten.“ Da ließen sie zum Ersten die Eschen schmettern In scharfen Schauern, daß es in den Schilden stand; Dann stapften zusammen die Steinrandklaren, Hieben harmlich die hellen Schilde, Bis ihnen die Linden nicht mehr langten, Zermalmt mit den Waffen — — —