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Der Helden Buch in der Ursprache. Zweiter Band

Hürnen Seyfrid

Originalfassung · 1825 · Friedrich Heinrich von der Hagen; Alois Primisser

38 Min. Lesezeit· Friedrich Heinrich von der Hagen; Alois Primisser, G. Reimer

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

Der Text wurde mit den historischen Scans verglichen; einzelne dokumentierte Lesarten bleiben unsicher. Der gesamte Textzeuge ist nicht als vollständig kollationiert ausgewiesen; Umfang und offene Lesarten bleiben dokumentiert.

01

Hürnen Seyfrid,

02

Gesangsweiß.

03

Hierinn findt ir ein schönes Lied Von dem Hürnen Seyfrid Vnd ist in des Hiltebrandes thon Deßgleichen ich nie gehört han Vnd wenn ir das leßt recht vnd eben So werdt ir mir gewunnen geben.

04

Es saß im Niderlande Ein Künig so wol bekandt Mit grosser macht vnd gewalte Sigmund was er genannt Der hett mit seyner frawen Ein sun der hieß Seyfrid Des wesen werdt ir hören Allhie in disem Lied.

05

Der knab was so mútwillig Darzü starck vnd auch groß Das seyn vatter vnd müter Der ding gar seer verdroß Er wolt nie keynem menschen Seyn tag sein vnderthon Im stund seyn synn vnd müte Das er nur züg daruon.

06

Do sprachen des Künigs Räthe Nun laßt in ziehen hyn So er nicht bleyben wille Das ist der beste syn Vnd laßt in etwas nieten So wirdt er bendig zwar Er wirdt ein Held vil küne Vnd lebt er etlich Jar.

07

Also schied er von hynnen Der junge küne man Do lag vor eynem walde Ein dorff das lieff er an Do kam er zü eym Schmide Dem wolt er dienen recht Im schlagen auff das eysen Als ein ander Schmidtknecht.

08

Wie Seyfrid zü eynem Schmid kam vnd den Ampoß in die erden schlug vnd das eysen entzwey, vnd den meyster vnd knecht schlug.

09

Das eysen schlug er entzweye Den Ampoß inn die erdt Wenn man in darumb straffet So nam er auff keyn lere Er schlug den knecht vnd meyster Vnd trib sie wider vnd für Nun dacht der meyster offte Wie er seyn ledig wür.

10

Hie schickt der meyster Seyfrid auß, in meynung das er nit wider sol kumen.

11

Do lag ein mercklich Trache Bey eyner Linden all tag Do schickt in hin seyn meyster Das er solt haben frag Ein Köler saß im walde Des solt er warten eben Hinder derselben Linden Der solt im Kolen geben.

12

Hie kam Seyfrid zü der Linden da der Trach lag, vnd erschlüg in zü todt.

13

Damit so meynt der Schmide Der wurm solt in ab thon Als er kam zü der Linden Den wurm thät er beston Er thet in bald erschlagen Der junge küne man Do dacht er an den Koler Zü dem gieng er in den thon.

14

Hie bedeckt Seyfrid das gewürme mit baumen, vnd bringt ein fewr vom Koler, vnd wil sie all verbrennen.

15

Do kam er in ein gwilde Da so vil Trachen lagen Lindtwürm Krötten vnd Attern Als er bey seynen tagen Het ye gesehen ligen Zwischen bergen in eym thal Da trüg er zam die baumen Ryß die auß vberal.

16

Die warff er auff die würme Das keyner auß mocht faren Das sie all müsten bleyben Als vil als ir da warn Da lieff er hin zum Koler Da fand er fewr bey im Das holtz thet er an zünden Vnd ließ die würm verbrinn.

17

Hie nympt Seyfrid ein fewr bey dem Koler, vnd wil die würm verbrennen.

18

Das horn der würm gund weychen Ein bechlein her thet fließ Des wundert Seyfrid sere Ein finger er dreyn stieß Do im der finger erkalte Do was er im hürneyn Wol mit demselben bache Schmiert er den leybe seyn.

19

Hie schmiert sich Seyfrid vnd wirdt aller hürnen, dann zwischen den schultern nicht.

20

Das er ward aller hürnen Dann zwischen den schultern nit Vnd an der selben statte Er seynen tode lidt Als ir inn andern dichten Hernach werdt hören wol Er zoch an Küng Gybichs hoffe Vnd was auch manheyt vol.

21

Er dienet willigklichen Dem Künig seyn tochter ab Vnd das der Künig Gybich Im die zum weybe gab Die het er wol acht Jare Nun hört was da ergieng Ee sie im wardt zü thayle Was wunders er anfieng.

22

Nun mügt ir hören gerne Wie der Nyblinger hort Gefunden ward so reyche Bey keynem Kayser fort Den fand Seyfrid der küne Bey eyner staynen wandt Den het ein Zwerg verschlossen Der was Nybling genant.

23

Do den gezwerg Nyblinge Im berg der todt vertrib Er ließ drey sün vil junge Den was der schatz auch lieb Sie sassen in dem berge Hütten Nyblinges hort Daruon sich von den Hewnen Hüb jämmerlicher mordt.

24

In manchem Held vil küne Die da wurden erschlagen Wol in den herten streyten Als ir noch hörend sagen Das nieman kam daruone Das thü ich euch bekant Wann Dieterich von Berne Vnd meyster Hiltebrandt.

25

Ein Stadt leyt bey dem Reyne Dieselb ist Wurms genant Darinn da was gesessen Ein Künig Gybich gnant Der het mit seyner frawen Drey sün so hoch geporn Ein tochter, durch die wurde Manch küner Held verlorn.

26

Der jungen waren dreye Zü küng als ich sag Ir schwester die was schöne Die thet vmb ein mittag Wol in ein fenster käme Do kam ein wilder Trach Geflogen inn den lüfften Vnd nam die schönen magdt.

27

Hie kumpt der Trach geflogen, vnd füret die Junckfraw Krimhilden mit im dahin.

28

Die Bürg die ward erleuchtet Als ob sie were entprennt Da flog der vngehewre Mit der Junckfraw zü handt Er schwang sich in die lüffte Hoch gen dem gwickten an Do sach man vatter vnd müter Gar trawrigklichen stan.

29

Er fürt sie in das gepirge Auff eynen stayn so lang Das er ein vierteyl meyle Den schat auffs birge zwang Die Junckfraw durch ir schöne Dem Trachen so lieb was Mit essen vnd mit trincken Ir bey im nichts gebrast.

30

Er het sie auff dem steyne Biß in das vierdte Jar Das sie gesach keyn menschen Das glaubet mir fürwar Sie was auch alters eynig Zwölff wochen oder mee Sie weynete täglichen Ir ellendt thet ir wee.

31

Hie legt der Trach seyn haupt in der Junckfrawen schoß, als er sie auff den stain het bracht, vnd rüet.

32

Der Trach legt da seyn haupte Der Junckfraw inn ir schoß Danmocht so was seyn stercke So gar vnmaßen groß Wann er den athem auß ließ Oder den an sich zoch Das der stayn dann erzittert Vnder dem Trachen hoch.

33

An eynem Ostertage Ward der Trach zü eym man Do sprach die Junckfraw reyne Wie vbel habt ir than An meynem vatter herre Vnd an der müter meyn Das sie leydt jamer vnd layde Die edel Künigein.

34

Je wee vil lieber herre So ist es mancher tag Das ich meyn vatter vnd müter Doch layder nie gesach Vnd auch meyn liebsten brüder Möcht es mit füge seyn Ich sech sie also gerne Wölt ich euch dancken seyn.

35

Wölt ir mich heyme lassen Vnd füren wider heym Ich gib euch meyn haupt zü pfande Kum wider auff den stayn Des gwert mich edler herre Wol durch den werden Got Des wil ich ymmer mere Gern laysten ewer gpot.

36

Do sprach der vngehewre Zü der maget also her Deyn vatter vnd deyn müter Gesicht du nymmer mer Noch auch keyn creature Sichst du doch nymmer an Mit leyb vnd auch mit seele Müst du zur hellen gan.

37

Du schönes magetleyne Du darffst dich meyn nit schemen Deyn leyb vnd auch deyn leben Das wil ich dir nicht nemen Von heut vber fünff Jare Wird ich zü eynem man So nym ich dir deyn magthumb Junckfraw gar wol gethan.

38

Also müst du mit beyten Fünff Jar vnd eynen tag So wirdt du dann ein frawe Ob ich das schicken mag So müß deyn leyb vnd seele Hyn zü der hellen grund So bist du des Künigs tochter Dem ich es noch mach kund.

39

Was ich dir hie nun sage Das ist endtlichen war Das ein tag in der helle Leng hat ein gantzes Jar Da müst du innen seynne Biß an den jüngsten tag Wil sich Göt deyn erbarmen Das steet gleych auff der wag.

40

Hör ich meyn tag ye sagen Gewaltiger Jhesu Christ Das du gewaltig werest Vber alles das da ist Im hymel vnd auff erden Vnd vber alle ding Ein wort zersprach die helle Das von deyn mundt gienge.

41

O reyne magd Maria Du hymel Kayserin Ich empfilch mich in deyn gnade Ich armes megetlein Seyd von dir sagen die bücher Vil tugentreyche Junckfraw Hilff mir von disem stayne Als wol ich dir vertraw.

42

Westen mich meyne brüder Auff disem holen stayn Vnd gült es in ir leben Sie brechten mich wider heym Darzü meyn lieber vatter Sie hülffen mir auß not Sie waynt auß iren augen All tag das blüt so rot.

43

Hie sendet der Künig potten auß inn alle land, Krimhilden seyn tochter zü suchen.

44

Der Küng potten auß sandte Gar weyt inn alle land Nach seyner schönen tochter Ob yemandt wurd bekandt Das was das gröste leyden Inn aller welte weyt Biß das sie von dem stayne Erlöst ein degen gmeyt.

45

Do was zü den gezeyten Ein stoltzer Jüngeling Der was Seyfrid geheyssen Eyns reychen Künigs kind Der pflag so grosser stercke Das er die Löwen fieng Vnd sie dann zü gespötte Hoch an die baumen hieng.

46

Vnd do derselb Seyfride Gewüchs zü eynem man Er wolt eyns morgens jagen Vnd reyten zü dem than Mit Habich vnd mit hunden Der stoltze degen bald Er het den starcken thieren Verzogen da den wald.

47

Do lieff seyner Bracken eyner Vor im hin in den than Bald reyt Seyfrid hindache Der wunder küne man Auff ein seltsam gespüre Do der Trach was gefarn Mit der edlen Junckfrawen Da warn die hunde warm.

48

Seyfrid eylt nach in balde Vntz auff den vierdten tag Das er essens vnd trinckens Vnd auch nie rüge pflag Biß an den vierdten morgen Vber das birg so hoch Seyfrid des wunders nicht verdroß Er eylt in hinden nach.

49

Seyfrid reyt in wald vnd will jagen.

50

Er was da new verirret Inn disem finstern than Das im an krafft vnd stenge Begunden fast abgan Er sprach, O reycher Christe Was hab ich her gewagt Er weßt noch nicht zü troste Der Kayserlichen magdt.

51

Nun het Seyfrid gefochten Gar Ritterlich seyn jar Des dienten im vil gerne Fünff tausent Zwerge zwar. Sie gaben dem werden Helden Gar willigklich ir güt Er het ein wurm erschlagen Vor dem hettens keyn hüt.

52

Do kam der lieb Seyfride Wol für den Trachen stayn Er het bey seynen zeyten Deß gleych gesehen kayn Tes was gar müde worden Beyde Roß vnd auch man Do beyt der degen küne Wol von dem stayn hindan.

53

Do Seyfride der Helde Den Trachen ane sach Nun mügt ir hören gerne Vnd wie der degen sprach O reycher Got von hymel Was hat mich her (ge)tragen Der Teufel hat mich betrogen Wer sol der wunder sagen.

54

Wie bald es vmb Seyfride Flustern alda began Wie bald er seyne Bracken All an seyn arme nam Es wöll dann Got von hymel So sprach der degen her[r] Auß disem finstern walde So kum ich nymmer mer.

55

Er gieng zü seynem Rosse Vnd wolt reyten daruon Do sach er gen im jagen Her durch den finstern than Ein Zwerg der hieß Eugleyne Seyn Roß schwartz als ein kol Fürt ein gewand pfeleyne Mit gold beschlagen wol.

56

Hie kumpt das Zwerg Euglein zum Hürnen Seyfrid im wald, vnd zeigt im den Trachenstein.

57

Er fürt an seynem leybe Zobel vornen beschlagen Vnd ein herlich gesinde Als ich das hörte sagen Es was nie Künig so reyche Es het im wol b(e)hagen Er het es sicherlichen Mit ehren wol getragen.

58

Er fürt auff seynem haupte Ein kron von reycher art Das nie auff diser erden Der gleych gesehen wardt Es lag im inn der krone Vil mancher Edler stayn Die nie auff erd so schöne Der mocht geleucht seyn.

59

Do sprach das Zwerg Eugleyne Do es den Held an sach Nun mügt ir hören gerne Wie es in zü im sprach Er empfieng in tugentlichen Den außerwelten man Er sprach, nun saget herre Was bringt euch in den than.

60

Nun danck dir Got sprach Seyfrid Vnd du vil kleyner man Deyner tugent vnd trewe Solt mich geniessen lan Seyd das du mich erkennest Wie hieß der vatter meyn Ich bitt das du in nennest Vnd auch die müter meyn.

61

Nun was der held Seyfride Gewesen seyne Jar Das er vnd vatter vnd müter Nicht west als vmb ein har Er ward wol ferr versendet Inn eynen finstern than Darinn zoch in ein meyster Biß er ward zü eym man.

62

Er gwan vier vnd zwentzig stercke Vnd yegklich sterck ein man. Do sprach zü im das Zwerge Will die zü wissen thon Deyn müter hieß Siglünge Vnd was von Adel geporn Deyn vatter Künig Sigmund Von den so bist du wordn.

63

Du solt von hynnen keren Seyfrid du werder man Vnd thäst du das nicht balde Deyn Leben müst du lan Auff dem stayn ist gesessen Ein Trach wont da hie vorn Vnd wirdt er deyn hie innen Deyn leyb hast du verlorn.

64

Es wont auff disem stayne Die aller schönste magdt Das wiß auch sicherlichen Vnd sey dir hie gesagt Sie ist von Christen leuten Eyns Künigs tochter her On Gottes erbarmunge Wirdts erlöst nymmer mer.

65

Ir vatter der heyst Gybich Vnd sitzet bey dem Reyn Krimhilt heyßt die Künigin Vnd ist die tochter seyn. Da sprach der held Seyfride Die ist mir wol bekandt Wir warn eynander holde In ires vatters landt.

66

Do Seyfride der küne Die mär da recht vernam Seyn schwert stieß er in die erden Vnd zü dem stayne kam Darauff schwür er drey ayde Der außerwelte man Das er nicht kem von dannen Die Junckfraw wolt er han.

67

Do sprach das Zwerge Eugel Seyfrid du küner man Wilt du dich solcher dinge Umb sunst hie nemen an Vnd schwürest des drey ayde Die Junckfraw woltest han Des gib mir vrlaub balde Auß disem finstern than.

68

Ja hettest du bezwungen Das halbe teyl der erden Vnd zwo vnd sibentzig zungen Das sie dir dienten gern Christen vnd auch die Hayden Die weren dir vnderthan Dannoch müst du die schönen Hoch auff dem stayne lan.

69

Do sprach Seyfrid behende Neyn du vil kleyner man Deyner tugent vnd trewe Solt mich geniessen han Vnd hilff mir hie gewinnen Das hübsche megetleyn Sunst schlag ich dir das haupte Ab mit der stenge deyn.

70

Verlür ich dann hie meyn leben Wol durch das schöne weyb So en gülte ich meyner trewe Vnd red bey meynem leyb On auß genummen Gotte Der alle ding vermag Sunst kan ir niemandt helffen Für war ich euch das sag.

71

Hie nympt der Hürnen Seyfrid den Zwerg bey dem har, vnd schlecht in vmb die staynen wand.

72

Do ward der Held Seyfride So grimmigklich gemüt Den Zwerg nam er beym hare Der stoltze degen güt Vnd schlug es krefftigklichen An eynes staynes wandt Das im seyn reyche krone Zü stuck fiel alle sandt.

73

Er sprach, still deynen zoren Du tugenthaffter man Ich wil dir edler Seyfrid Rathen alles was ich kan Vnd wil mit gantzen trewen Dich weysen auff das gspor Des walt seyn doch der Teuffel Warumb thetst duß nicht vor.

74

Er sprach, hie ist gesessen Ein Ryß heyst Kuperan Dem ist das weyt gefilde Tausent Rysen vnderthan Derselbig hat den Schlüssel Dauon der stayn auff gat Den zeyg mir sprach Seyfride So wirdt der Junckfraw rat.

75

Den solt du mir hie zeygen So beheltst du deynen leyb Do sprach das edel Zwerge Müst fechten vmb das weyb So seer in kurtzer zeyte Als ich gesach keyn man Ich frew mich sprach Seyfride Das ichs vernommen han.

76

Do reyset er Seyfride Hyn bey dem berg fürbaß Vnd bey des staynes wende Da des Rysen hauß was Do rüfft Seyfrid hineyne Wol in des Rysen hauß Vnd hieß in gar freuntlichen Den Rysen zü im herauß.

77

Do sprang der vngehewre Rauß für die staynen wand Mit eyner stälchen stangen Trüg er in seyner hand Was hat dich her getragen Du vil junges bübelein Gar bald in disem walde Sol es deyn ende seyn.

78

Des gib ich dir meyn trewe Deyn leyb hast du verlorn Do sprach der Held Seyfride Got ist zü hülf geporn Der wöll mir yet verleyhen Seyn sterck vnd auch seyn macht Das du mir müssest geben Die Junckfraw so geschlacht.

79

Darumb wir ymmer mere Vber dich schreyen mordt Das du in solch ellende Verschleust die Junckfraw dort In disem holen stayne Mit so grosser arbeyt Mer dann vier gantze Jare Gelegen in grossem layd.

80

Do ward dem vngetrewen So grymmigklich seyn müt Auff den Held neydiglichen Schlüg er die stangen güt Wol von der stangen lenge Dasselbig da geschach Das man sie mer dann halbe Wol ob den baumen sach.

81

Hie ficht der Hürnen Seyfrid mit dem Rysen Kuperan vmb den Schlüssel.

82

Also schlug der Ryß Kuperan Vil manich schleg on zal Die stangen wol ein klaffter Nider in die erd zü thal Nach Seyfrid so geschwinde Ein schlag so krefftigklich Seyfrid sprang als ein helde Fünff klaffter hinder sich.

83

Vnd fünff klaffter herwider Sprang zü im der vil werd Do sich der Ryß thet bucken Die stang nam von der erd Seyfrid schlug im vil wunden Das im das blüt her lieff Das nie auff erd ward geschlagen Doch wunden also tieff.

84

Auff sprang der vngehewre Vnd lieff Seyfriden an Mit seyner Stählein stangen Vnd sprach du kleyner man Du hast deyn leyb verloren So gar in kurtzem zyl Do sprach zü im Seyfride Du leugst ob es Got will.

85

Vnd do der vngetrewe Der wunden do empfand Die stangen ließ er fallen Flog in die staynen wand Do het in wol Seyfride Bracht in des todes peyn Da dacht er an die magde Die müß gefangen seyn.

86

Der Ryß verband die wunden Vnd wapnet balde sich Inn ein vil güte Brinne Die was gar köstenlich Von eytel klaren golde Gehert mit Trachen blüt Du Kaysers Ornit Brinne So ward nie Brinn so güt.

87

Der Ryß an seyne seyten Ein vil güt schwert er band Nach seyner leng vnd stercke Gemacht nach seyner hand Das was nach seyner schenden Ein land wolt man drumb geben Wenn ers zum streyt auß zoge Keyn man ließ er da leben.

88

Er setzet auff seyn haupte Von stabel ein helm hert Der leuchtet als die Sonne Auff Meeres flüte fert Er nam zü seyner hende Ein schildt als ein stadel thor Vnd der was eyns schüchs dicke Das glaubet hie fürwar.

89

Do sprang der vngehewre Her auß der staynen wandt Ein andre stählein stangen Trüg er in seyner handt Die schneyd zü den vier orten Als ye thet keyn Scharsach Vnd klang auch also helle Als ein Glock in thurnes tach.

90

Do sprach der vngehewre Sag an du kleyner man Das dich der Teuffel hin füre Was het ich dir gethan Das du mich wolst ermörden In meynem eygen hauß Du leugst sprach sich Seyfride Ich hieß dich zü mir rauß.

91

Do sprach der starcke Ryse Das du her seyst verflücht Ich will dir wol vergelten Das du mich hast gesucht Vnd hett du das vermiden Es wer dir villeicht als güt Nun müst du lernen bangen Vnd heynen vbermüt.

92

Das sol dir Got verbieten Du bößwicht tugent ler Ich bin durch henders willen Warlich nit kummen her Thü du mir hie gewinnen Die maget von dem stayn Sunst sag ich dir fürware Deyn leben das wirdt kleyn.

93

Do sprach der vngehewre Das sey dir hie gesagt Das ich dir ymmer mere Hilff gewinnen dise magdt Ich wil dirs vnder brechen Du weyßt nicht meynen müt Ich bring das dich nymmer mer Glust keyner Junckfraw güt.

94

Darumb so sey dir heute Vnd ymmer widder seyt Do sprach Seyfrid hinwider Ich was heut frü bereyt Do lieffen sie züsammen Die zwen vil künen man Mit also schweren schlägen Da inn dem finstern than.

95

Wol von ir beyder stercke Ein solcher streyt geschach Das man das wilde fewre Do auß den helmen sach Wie güt der schilt auch wese Vnd den der Ryse trüg Seyfrid doch gar behende Im den zü stücken schlüg.

96

Darzü dem Rysen lange Seyn wehr im vnderrandt Er schriet im von dem leybe Seyn güt stählein gewandt Da stund mit blüt berunnen Der Ryse Kuperan Mit sechßen tieffen wunden Die er von Seyfrid nam.

97

Laut rüfft auß seynen nötten Der Ryse Kuperan Du edler degen Herre Solt mich geniessen lan Du sichst auß gantzem leybe Vnd von gantzer manheyt Du bist von allen ehren Eyn degen vnverzeyte.

98

Du stehest hie alters eyne Vnd bist ein kleyner man Hie gegen mir zü schätzen Ich dich nicht gwinnen kan Du solt mich lassen leben So wil ich geben dir Brinne schwert vnd mich selber Solt du haben von mir.

99

Das wil ich thün vil gerne Sprach Seyfrid der werde man Wilt du mir vom stayn gewinnen Die maget wunnesam So schwer ich dir hie trewe Du solt on zweyffel sein Ich gewinn dir vom stayne Das schöne magetleyn.

100

Da schwüren sie züsammen Zwen ayd die frembden gest Seyfrid der degen herre Der hielt den seynen vest Dannoch ward der vntrewe An Seyfrid sigelloß Des er an seynem ende Gar lützel da genoß.

101

Hie schweret der Ryß Kuperan dem Hürnen Seyfrid, er wöll im die Junckfraw helffen gewinnen von dem stayn.

102

Do sprach der starcke Ryse Zum werden Ritter mere Nun weyß Got traut geselle Mir thün deyn wunden wee Do reyß er von seym leybe Sein vil güt seyden gewandt Damit er dem vngetrewen Seyn wunden selber bandt.

103

Do sprach der vngetrewe Wiß trawt geselle meyn Da ligt des staynes wende Wo mag die thüre seyn Das sollen wir besehen Vil tugenthaffter man Was eyner dem andern thet(e) Das sey verrichtet schon.

104

Sie giengen mit eynander Wol für eyns wassers tham Vil bald der vngetrewe In seyn hand das schwerdt nam Vnd do der held Seyfride Vor im gieng in den wald Do sprang der vngetrewe Auff Seyfriden gar bald.

105

Er gab dem held Seyfride Ein vngefügen schlag Das da der Ritter edel Vnder seynem schildte lag Inn allen den geberden Als ob er were todt Auß nasen vnd auß munde Schoß im das blüt so rot.

106

Hie wirdt der Ryß Kuperan trewloß an dem Hürnen Seyfrid, vnd schlecht in hinderwertling, das er zü der erden fiel.

107

Do nun der held Seyfride Lag vnder seym schilt preyt Do was das Zwerge Eugel Zü hand da wol bereyt Er nam ein nebel kappen Vnd warffs vber den man Wie feyndt der Ryß im ware Noch müst er in verloren han.

108

Hie setzt das Zwerglein dem Hürnen Seyfrid ein Nebelkappen auff, das in der Ryß Kuperan nicht sehen mocht.

109

Der Ryß der lieff zun baumen Vnd sücht den werden man Hat dich der Teuffel hin gefürt Oder hats Got gethan Mit dir gethan ein zeychen Nun thetst du erst hie stan Vnd lagest erst gestracke Vnd ich dich verloren han.

110

Der red begund zü lachen Das Zwerglein wunnesam Es richtet auff Seyfriden Vnd setzt in auff den plan Da saß er ein güt weyle Der außerwelte man Biß das der degen küne Ein wenig sich versan.

111

Vnd do der Held Seyfride Wider zü im selber kam Do sach er neben im sitzen Den Zwerg so wunnesam Nun lon dir Got sprach Seyfrid Du wunder kleyner man Ich kan nicht anderst sprechen Du hast mir wol gethan.

112

Do sprach das Zwerge Eugel Das müst du mir verleyhen Vnd wer ich dir nicht kummen Dir wer noch wirsch geschehen Volg noch hie meyner lere Verwig dich der mayd gar Kum inn der kapp von dannen Das der Ryß nicht werd gewar.

113

Do sprach der Held Seyfride Vnd das mag nicht geseyn Vnd het ich tausent leybe So wiß die trewe meyn Die wölt ich alle wagen Durch die magt wolgethan Ich wils noch baß versuchen Wie es mir wöll ergann.

114

Wie er so degenliche Die kappen von im rieff Das schwerdt zü beyder henden Hieb im acht wunden tieff Dem vngefügen manne Laut rüfft er zur maget Der starck Ryß Kuperane Wer schier zü todt erschlagen.

115

Du fechtet auß dem leybe Mit deyner gantzen macht Nun sich ich dich doch ewig Vor mir stan vnverzagt Vnd schlechst du mich zü tode Du außerwelter man So ist auff erden niemande Der zü der Junckfraw kan.

116

Darumb der held Seyfride Het vil manchen gedanck Wol von der grossen liebe Die in zur magde zwang Er müst in genesen lassen Den vngetrewen man Er sprach, heb dich deyn strassen Du müst vor mir hin gan.

117

Vnd weyse mich auch balde Hin zü der maget fraw Ich schlah dir ab deyn haupte Vnd solt die welt zergan Do müst der vngetrewe Vnd durch die rechten not Das im der held Seyfride Der junge Ritter pot.

118

Sie giengen mit eynander Für den Trachenstain beyd sand Wie bald nam der vngetrewe Den schlüssel inn die hand Der steyn ward auff geschlossen Vnd vnten auff gethon Acht klafter vnter der erden Was die thür verporgen schon.

119

Als der stain ward entschlossen Vnd vnten auff gespert Wie bald der held Seyfride Den schlüssel hielt gar hert Er het in von dem schlosse Gerissen bald herdan Er sprach, heb dich deyn strasse Du müst vor nahin gan.

120

Sie wurden beyde müde Ee sie kamen auff den stayn Vnd do der Held Seyfride Ersach die maget reyn Do begundt sie seer waynen Als wir noch hören jehen Sie sprach, ich hab dich Ritter In meynes vatters hauß gesehn.

121

Also sprach die Junckfrawe Biß willkum̄ Seyfrid herre meyn Wie lebt meyn vatter vnd müter Zü Wurms wol an dem Reyn Vnd meyn vil lieben brüder Die drey Künig lobesan Das sag mir durch deyn trewe Solt michs geniessen lan.

122

Do sprach der Held Seyfride Schweyg laß deyn waynen seyn Du solt mit mir von hinnen Du schöne Junckfraw reyn Wann ich dir hilff gar balde Von diser grossen not Oder ich müß sicherlichen Darumb hie sterben todt.

123

Nun lon dir Got Seyfride Du Ritter wolgethan Ich fürcht aber du mügest Dem Trachen nicht wider stan Es ist der grewlichst Teuffel Den ich han ye gesehen Vnd wirst du in ansichtig Die warheyt müst du jehen.

124

Do sprach der Held Seyfride Er mag so scheußlich nicht seyn Ich hab nicht gern verloren Die grossen arbeyt meyn Ich hab so seer gestritten Mit dem vngefügen man Vnd wenn er wer der Teuffel So will ich in bestan.

125

Nun lon dir Got Seyfride Du hast die groß arbeyt Durch meynen willen erlitten Vnd durch mich angeleyt Vnd hilfst mir Got zü lande Das wisse one wan Des gib ich dir meyn trewe Keyn andern für dich han.

126

Do trat fürbaß den stayne Der starck Ryß Kuperan Er sprach, hie ist verporgen Ein schwerdt vil wol gethan Damit ein Ritter edel Dem Trachen sigt an Sunst ist keyn kling auff erden Die den Trachen gwinnen kan.

127

Als er sagt von dem schwerdte Da was die warheyt an Als er sich do nicht hüte Vor dem vntrewen man Da schlug der starcke Ryse Dem Ritter edel ein wund Das er kaum mit eym bayne Auff dem Trachenstain stund.

128

Do begriff er den Rysen Sich hüb ein ringen groß Das der Trachenstayn erzittert Der junckfraw schrecken was groß Sie wappt vnd wand ir hende Die zart Junckfraw reyn Sie sprach, ach Got von hymel Stehe heut dem rechten bey.

129

Hie het der Ryß den Hürnen Seyfrid schier von dem stayn gestoßen.

130

Vnd solt du vmb meynent willen Deyn leib verloren han So müß ich an meynem hertzen Jämerlichen kummer han So wil ich mich verfallen Von diser grossen not Vber disen holen stayne Das ich gelige todt.

131

Darumb du helde Seyfride Bewar den deynen leib Vnd denck an deyn arbeyte Vnd an mich armes weib Do sprach der held Seyfride Du schöne magt vil her Ich traw mich zü erweren Sorg nur für mich nicht mer.

132

Sie rungen mit eynander Das sach das schöne weib Do müst der vngetrewe Verletzen seynen leyb Seyfrid griff im in die wunden Dem vngefügen man Vnd zerrt inß von eynander Da mocht er nymmer stan.

133

Der Ryß begundt sich neygen Für Seyfrid auff den plan Du solt mich leben lassen Du tugenthaffter man Das bitt ich dich vil sere Du Ritter vnverzagt Ich bin drey mal trewloß worden Das sey Got ymmer klagt.

134

Do sprach der held Seyfride Deyn red ist nun verlorn Ich hab mit augen gesehen Die maget hoch geporn Er nam in bey dem arme Warff in vom stayn hindan Er sprang zü hundert stucken Des lacht die Junckfraw schon.

135

Hie wirfft der Hürnen Seyfrid den Rysen vber den Trachenstain ab.

136

Do nun der held Seyfride Den hohen stayn gewan Do gieng er gepogenliche Wol für die maget schon Du schöne vber alle weybe Du solt deyn waynen lan Ich bin yetzund genesen Durch dich du maget fron.

137

Nun hilff ich dir auch balde Auß diser grossen not Oder ich müß sicherlichen Für dich hie ligen todt Nun lon dir Got Seyfride Ein Ritter vnverzagt Ich fürcht do auff meyn trewe Vns nahet grosses layd.

138

Do sprach der held Seyfride Nahet vns dann groß arbeyt Das ist mir innigklichen Von gantzem hertzen layd Nun bin ich doch genesen Biß an den vierdten tag Vngessen vnd vntruncken Vnd keyner rhü nie pflag.

139

Darumb erschrack der kleyne Eugel der Zwerg so güt Vnd auch die Junckfraw herre Vnd Seyfride vngemüt Der Zwerg sprach zü Seyfride Bring euch die besten speyß Her auff den holen stayne Euch Seyfrid hie zü preyß.

140

Ich gib euch essen vnd trincken Viertzehen tag genüg Her auß dem holen berge Es da das essen trüg Im dienten da zü tische Vil manich Zwerg so güt Darzü auch die Junckfrawe Het Seyfrid wol in hüt.

141

Ee das sie angebissen Do hörten sie ein schal Als ob das hoch gebirge Da alles fiel zü thal Darumb erschrack vil sere Das schöne magetleyn Sie sprach, vil lieber herre Erst wirdts ewer ende seyn.

142

Vnd das auch alle welte Stünde in vnser handt So wer wir zwey verlorn Das wiß küner weygandt Do sprach der held Seyfride Wer wil vns nemen das leben Das vns Got durch seyn güte Auff erden hat gegeben.

143

Seyfrid nam seyn hembd seyden Vnd wischt ir ab den schweiß Der Junckfraw minnigklichen Der was vor engsten haiß Seyfrid sprach, solt nit trauren Dieweil ich bey dir bin Die Zwerg die hetten gedienet Zü Tisch die flühen hin.

144

Als die zwey hertzen liebe Inn iren gespräche warn Do kam bey dreyen meylen Der Trach daher gefarn Das sach man bey dem fewre Das von im da thet gan Wol dreyer raye spieß lange Vor her das fewre pran.

145

Hie sitzt Seyfrid vnd die Junckfraw auff dem Trachenstayn vnd wollen essen, so kumpt der Trach gefaren, vnd bringt sechzig jung Trachen mit im.

146

Das macht er was verflüchte Inn ein Teuffelsche art Darumb zü allen zeyten Der Teuffel bey im was Inn gestalt eyns fewrin Trachen Doch was es im an peyn Seyner seel vernunfft vnd synne Das müst alles willig seyn.

147

Do braucht er seyn vernunffte Nach menschlicher natur Ein tag vnd auch fünff Jare Biß er zum menschen war Ein schöner Jüngelinge Als er ye was gflucht Das kam im von bülschaffte Ein weyb in da versücht.

148

So durch schön der Junckfrawen Der Trach wenschkhen het Wenn die fünff jar hin kemen Das er sie nemen thet Vnd sie also möcht haben Weyl er ein Trache wer So wurd sie im zü theyle Des sunst gschech nymmer mer.

149

Vnd da im nun Seyfride Die Junckfraw nemen wolt Die er het lang gespeyset Vnd sie zü Wurms het gholt Darumb was er so grymmig Hyn an den stayn gefarn Mit hitz wolt er verbrennen Die auff dem stayne warn.

150

Nun het die Junckfraw sorge Vnd Seyfrid rathe gab Sie wolten sich verbergen Das er sie nicht hynab Am flug beyde thet stoßen In ein hölin die do was Vnder dem Trachenstayne Inn berg gieng glaubet das.

151

Biß das der Trach gefriste Vnd auch vor seyner hitz Do kam er her mit fewre Nach Teuffelischer witz Kam er an stayn gefaren Das sich der stayn erschütt Das seyd die welt was gestanden Der stayn so was zerrütt.

152

Nun het mit im genummen Seyfrid des Trachen schwerdt Das Kuperan im weyset Do er in zü mörden gert Hoch auff dem Trachenstayne Do er sich bucken solt Am end des stayns zum schwerdte In abher stoßen wolt.

153

Nun sprang her auß der holen Seyfrid mit disem schwerdt Mit grossen grymmen schlägen Er da des wurmes gart Der wurm mit seynen knappen Seyfrid den schildt ab reyß Das im von grosser engsten Wo ran das wasser hayß

154

Hie ficht der Hürnen Seyfrid auff dem stayn mit dem Trachen.

155

Der stayn genam ein hitze Oben aller wie ein glüt Als wie ein glüng eysen Man auß der Esse thüt Macht der wurm vngehewre Die hitze also groß Vnd ymmer gen Seyfride Das hellisch fewre schoß.

156

Do hettens auff dem stayne Vnd auff dem holen berg Ein vngestümes wesen Vnd das die wilden Zwerg All luffen hin gen walde Vnd nam im yedes für Der berg der müßt einsullen Das es seyn leben verlür.

157

Nun waren Nyblings süne Zwen in dem berg gewest Die waren Eugels brüder Hetten gehütet vest Irs vatters Nyblings schatze Do nun der berg thet wagen Da ließen die zwen Künge Den schatze außher tragen.

158

Vnd stiessen in in ein hölen Da inn ein staynen wandt Vnder dem Trachenstayne Darnach in Seyfrid fand Als ir hernach werdt hören Von Eugel dem Gezwerg Das weßt nicht von der fluchte Das leer da was der berg.

159

Darinn auch von dem schatze Den sie hetten verporgen Es het sich auch behalten Des wurms halb mit sorgen Sie hetten all sampt forchte Er würde Seyfrid nötten So wurd der wurm die Zwerge Darnach all sampt ertödten.

160

So er das magtlich bilde Durch die Zwerge so verlür Wann der Trach west den steyge Vnd auch des staynes thür Wenn er sich külen wolte So lag er inn dem gang Wann das die Junckfraw schliesse Von ir was er nicht lang.

161

Wann er dann speyß ye holte So es was winters zeyt So saß sie vnder dem stayne Wol fünfftzig klaffter weyt So lag er vor dem loche Vnd hielt ir auf die kelt Nun müß wirs wider anfahen So irs auß hören wöllt.

162

Do ward der stayn erleuchtet Do müst der held Seyfrid Fliehen die grossen hitze Die er vom Trachen lid Die vor im here triben Die flammen blaw vnd rot Des müst sich Seyfrid verbergen Des zwang in grosse not.

163

Die Junckfraw vnd Seyfride Flohen vnder inn den berg Biß sich des Trachen hitze Ein wenig doben verzert Er tratt beseyts hynumbe Vnd kam vber den schatz Er meynt in het der Trache Gesamlet auff dem platz

164

Der schatz was im vnmere Do sprach das mägetlein Vil edler herr Seyfride Erst nahet vns groß peyn Er ist mit sechzig geflogen Die haben alle gifft Seind sie noch auff dem stayne Ewer krafft es vbertrifft.

165

Hie fleucht Seyfrid die grossen hitz des Trachen herab in ein hölen, vn̄ kült sich, vnd rüet, vnd findt vngeferd ein schatz, der was gewest Nyblings des Künigs der Zwerg.

166

Nun hab ich ye gehöret Sprach Seyfrid hochgeporn Wer sich an Got hie lesse Der ward doch nie verlorn Müss wir denn beyde sterben So sey es Got geklagt Das ich mich deyn an neme Du außerwelte magdt.

167

Hie kumpt Seyfrid auff den Trachen stayn, vnd ficht mit dem Trachen, so fliegen die andern Trachen all daruon.

168

Do ward der held Seyfride So grimmig vnd so freyg Seyn schwerdt das gundt er fassen Vnd zü dem stayne steyg Do fielen ab die Trachen Die mit im kamen gfaren Vnd flugen wider ir strassen Da sie her kummen waren.

169

Der alt Trach bleyb alleyne Vnd thet Seyfriden not Im gieng auß seynem halse Groß flammen blaw vnd rot Er stieß gar offt vnd dicke Seyfriden das er lag Er kam bey seyner zeyte Nie inn so grosse klag.

170

Der Trach so Teuffelischen Mit seynem schwantze facht Das er den held Seyfriden Gar offte dareyn slacht Vnd meynt in ab zü werffen Wol von dem stayn so hoch Seyfrid sprang auß der schlingen Das er in nicht dreyn zoch.

171

Seyfrid der schlüg mit grymmen Den wurm wol auff das horn Er mocht nicht lenger bleyben Vnd schlahen den wurm vorn Er schlüg in auff die seyten Wol auff ein hürnen dach Yedoch so müst er leyden Vom wurme vngemach.

172

Er schlüg so weych das horen Mit seynem schwerdt so güt Vnd auch die hitz vom Trachen Als wer gemacht ein glüt Mit eynem füder kolen Die alle wern ein brandt Erst ward das horn weychen Das es ab von im randt.

173

Er hieb in von eynander Wol ihn der mit entzwey Das er fiel von dem stayne Zü stucken mancherley Do stieß er darnach balde Das ander auch hin nach Da lieff die Junckfraw here Zum Seyfrid was ir gach.

174

Hie ha der Seyfrid den Trachen zerhawen, vnd wirfft die stuck hinab.

175

Er fiel vor grosser hitze Vnd west nicht wo er was Das er vor grosser onmacht Vnd müde kaum genaß Das er nicht sach noch höret Vnd niemand kennen kundt Seyn farb was im entwichen Kol schwartz was im sein mundt.

176

Hie ligt Seyfrid in eyner onmacht vor grosser hitz vnd müde.

177

Do er nun lang gelage Vnd wider sterck gerücht Do gundt er wider sitzen Seyn hertzen lieb er sücht Do sach er sie dort ligen So jämmerlich für todt Seyfrid sprach, Got von hymel O wee meyner grossen not.

178

Er legt sich an ir seyten Vnd sprach, Got maß erbarm Sol ich dich todt heym füren Er legt sie an seyn arm Do kam der Zwerge Eugel Vnd sprach da zü der stund Ich gib ein wurtz der maget Das sie bald werd gesund.

179

Hie ligt Seyfrid vnd die Junckfraw, vnd sie ist von seynet wegen kranck worden vnd seer betrübt, in dem so kumpt der Zwerg Eugel vn̄ gibt ir ein wurtz in mund, so wirdt sie gesund.

180

Vnd do die Junckfraw reyne Die wurtz in mund genam Do ward sie bald auff sitzen Vnd zü ir selber kam Sie sprach, Seyfrid vil werde Thü mir deyner hülffe kundt Sie halßt in minnigklichen Vnd küßt in an seyn mundt.

181

Do sprach zum held Seyfride Eugel das edel Zwerg Kuperan der falsch Ryse Bezwang den vnsern berg Darinn wol tausent Zwerge Müsten im seyn vnderthan Vnd zinßten vnser eygen land Dem vngetrewen man.

182

Nun habt ir vns erlöset Vnd hie gemachet frey Des wöll wir euch gern dienen Als vil als vnser sey Vnd will euch heym beleyten Euch vnd die maget feyn Ich weyß euch weg vnd steyge Biß gen Wurms an den Reyn.

183

Der Zwerg fürtß heym zü hause Inn den holen berg hineyn Er gab im willigklichen Sein speiß vnd auch den weyn Das best so mans mag haben Oder erdencken wol Als das ir hertz begerte Des was der berge vol.

184

Seyfrid der nam vrlaube Von Eugel dem Künig her[r] Vnd von seyn zweyen brüdern Die waren Künig als er Die sprachen die werden Künig Seyfrid ein degen gemeyt Vnser vatter Nyblinge Ist gestorben vor leyd.

185

Het euch der Ryß Kuperan Bracht hie in todes not So müsten alle Zwerge Seyn all im berge todt Drumb das wir euch den schlüssel Beym Kuperan hand zeygt Der zü dem stayn gehoret Darauff dann lag die meyd.

186

Nun hat das vnter kummen Ewer edle werde handt Des sol wir euch ymmer dancken Edler Künig hochgenannt Des wöll wir euch beleyten Euch vnd die Junckfraw fron Das euch gschech keyn layde Vnser tausent mit euch gan.

187

Hie setzt Seyfrid die Junckfraw hinder in, vnd will mit ir heym reyten, so wollen in die Zwerg das geleyt geben, die schickt er wider heim, vnd behelt nur das Zwerg Eugel bey im, das weyset im den weg.

188

Neyn sprach der held Seyfride Ir solt hie beleyben Er setzt die Junckfraw hinder sich Vnd thet die Zwerg heym treyben Dann alleyn Künig Eugel Das Zwerg do mit im reyt Do sprach zü im Seyfride Nun sag mir held gemeyt.

189

Laß mich deyner kunst geniessen Astronomey genant Dort auff dem Trachenstayne Heut frü du hast erkandt Die Stern vnd ir anzeygen Wie es mir sol ergann Mit vnd meym schönen weybe Wie lang sol ich sie han.

190

Do sprach das Zwerge Eugel Das will ich dir verjehen Du hast sie nur acht Jare Das hab ich wol gesehen So wirdt dir dann dein leybe So mörderlich genummen So gar on alle schulde Da vmb dein leben kummen.

191

So wirdt deyn todt dann rechen Deyn wunder schönes weib Darumb so wirdt verlieren Manch held den seynen leib Das nyndert mer keyn helde Auff erden lebendig bleybt Wo lebt ye Held auff erden Der also ist beweybt.

192

Seyfrid der sprach behende Wird ich in kürtz erschlagen Vnd wird so wol gerochen So wil ich nit fragen Vor wem ich wird erschlagen Sprach Eugel zü im drat Ja auch deyn schönes weybe Leyt auch des krieges todt.

193

Nun thü dich heyme keren Sprach Seyfrid zü dem Zwerg Sie schieden sich so harte Sich keret zü dem berg Eugel der Künig herre Nun dacht Seyfrid daran Wie er dort in dem stayne Den schatz het ligen lan.

194

Nun het er zwen gedancken Den ein auff Kuperan Den andern auff den wurme Welcher den schatz het gelan Er meynt in het gesamlet Der wurm nach menschen witz Wenn er würd zü eym menschen Thet er den schatz besitz.

195

Er sprach, sol ich mit note Den stayn gewonnen han Was ich dann drinnen funde Das erbt von recht mich an Er randt vnd holt den schatze Er vnd seyn schönes weyb Er lüd in auff seyn Rosse Das er vor im her treyb.

196

Do er kam an den Reyne Do dacht er in seyn müt Leb ich so kurtze zeyte Was sol mir dann das güt Vnd sollen alle Recken Vmb mich verloren seyn Wem solt dann dises güte Vnd schütt das in den Reyn.

197

Hie versteckt Seyfrid den schatz in den Reyn, den er gefunden het in dem Trachenstayn.

198

Er west nicht das die erben Waren die Künig im berg Die da hetten verschlossen Nyblings schatz des alten Zwerg Eugel das Zwerg seyn süne Der west nicht vmb die ding Er meynt der schatz der lege Im berg nach gar gering.

199

Nun gewan man an Küng Gybich Das werde Potten brodt Wie das seyn schöne Tochter Hernach kem also drat Vnd wie sie wer erlöset Wol von dem wurm vnreyn Gybich ließ bald auff bieten Dem Adel vnd der gemeyn.

200

Seyfrid dem edlen degen Yederman entgegen ritt Als kein Kayser auff erden Deß gleych geehret nit Der Künig ließ auff bieten Inn alle Reych vnd landt Künig Fürsten vnd Herren Thet man die mär bekandt.

201

Das yederman da keme Gen Wurms ja an den Reyn Wol auff die werden hochzeyt Fünfftzehen Fürsten ritten ein Die wurden wol empfangen Als man denn Fürsten sol Da hüb sich an freud gar drate Das land was herren vol.

202

Nun weret die hochzeyte Mer dann viertzehen tag Das man rendt vnd thurnieret Vnd Ritterspil da pflag Man het sechzehen Thurniere Darnach reyt yeder dann Man schenckt füter vnd nagel Beyde Roß vnd dem mann.

203

Seyfrid gab solch geleyte Vnd stercket das gericht Het eyner Gold getragen Er dorfft sich fürchten nicht Also mit grosser stercke Er alle ding bestelt Das wöll der Teuffel sprach Günther Das man so werdt hie held.

204

Für ander Held so küne Die hie nun seind geschmacht Die also güt von Adel Als er ist von geschlecht Er tregt an im all tage Die wappen vnd die ring Damit helt er die Helden Inn disem land gering.

205

Do sprach der grymmig Hagen Er ist der schwager meyn Will er die land regieren Herniden an dem Reyn So sol er eben schawen Das ers nicht vbersech Wann ich wer ye der erste Vnd der ein solches rech.

206

Do sprach Gernot der degen Meyn schwager der Seyfrid Ich geb auß meyner hande Das aller beste gild Das vnser vatter Gybich Het hie den meynen müt So sag ich hie Seyfride Thet im die leng keyn güt.

207

Also die drey jung Künge Seyfriden trügen haß Biß das die zwar geschwigen Vollendten beyde das Das Seyfrid todt gelage Ob eynem prunnen kalt Ersach in der grymmig Hagen Dort auff den Otten waldt.

208

Zwischen den seynen schultern Vnd da er fleyschend was Do er sich kült im prunnen Mit mund vnd auch mit naß Sie warn der Ritterschaffte Gelossen in ein gsprech Do wurd es Hagen befolhen Das er Seyfrid erstech.

209

Die drey brüder Krimhilde Wer weyter hören wöll So wil ich im hie weysen Wo er das finden söll Der leß Seyfrides hochzeyt So wirt er des bericht Wie eb die acht jar gienge Hie hat ein end das dicht.

210

Gedruckt zü Nürenberg durch Georg Wachter.

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Quelle zitieren

Hürnen Seyfrid, in: Der Helden Buch in der Ursprache. Zweiter Band, S. 3–13 (PDF-Seiten 207–217), Berlin: G. Reimer: 1825

Archivfassung zitieren

Hürnen Seyfrid, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/heldenepik-huernen-seyfrid/textzeugen/heldenepik-huernen-seyfrid-derheldenbuchinderursp2-original-de-1