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Gudrun. Sechste Auflage

Kudrun

Alte neuhochdeutsche Übertragung · 1866 · Karl Simrock

321 Min. Lesezeit· Karl Simrock

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

Lokale OCR mit geprüften Werkgrenzen, Seitenfolge und gezielten Stichproben. Verbleibende Erkennungsfehler sind möglich. Vollständiger Haupttext der Ausgabe 1866, Druckseiten 3–370. Lokale Fraktur-OCR; Werkgrenzen, Seitenfolge, leere Seiten und Stichproben geprüft. Seitenköpfe und marginale Editionsverweise entfernt; historische Schreibweise erhalten. Keine vollständige Gegenlesung; einzelne Wort-, Zeichen- und Zeilenfehler verbleiben. Der gesamte Textzeuge ist nicht als vollständig kollationiert ausgewiesen; Umfang und offene Lesarten bleiben dokumentiert.

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Erſtes Abenteuer. Von Siegeband und Hagen. Es wuchs in Irlanden ein reicher König hehr, Er war geheißen Siegeband, ſein Vater der hieß Ger; Seine Mutter die hieß Ute, der Preis der Königinnen; Ob ihrer hohen Tugend geziemte wohl dem Reichen ihre Minne. Gere dem reichen Könige, das iſt wohl bekannt, Dienten viel der Burgen in ſieben Fürſten Land: Darinnen hatt er Recken viertauſend oder mehre, Durch die er alle Tage mocht erwerben beides Gut und Ehre. Siegband dem jungen man an den Hof entbot, Wo er lernen ſollte, des würd ihm künftig Noth, Mit dem Spere reiten, ſchirmen und ſchießen: Käm er zu den Feinden, ſo würd ihm Frommen einſt daraus entſprießen.

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Er war nun ſo erwachſen, daß er die Waffen trug Recht in Heldenweiſe; da übt' er auch genug Wa3 ihm Ehre mochte vor Freund und Mann erwerben: Darin ließ der edle Held keine Stunde leicht verderben. Nun währt' es nicht mehr lange, ſo ſchied ſie der Tod, Denn auch die Edeln ereilt die lezte Noth: In aller Fürſten Reichen erneut ſich ſtäts die Kunde, Der wir mit Sorgen müßen warten aller Tage, aller Stunden. Da Siegbands Mutter Ute im Wittwenſtuhle ſaß, Der kühne Held, der gute, geflißen ließ er das, Er dachte nicht zu minnen ein Weib zu rechter Eh: Es war um Siegbands willen der edeln Königin weh. Die Mutter rieth dem Reichen ſich ein Weib zu frein, So würd er ſelber werther ſamt ſeinem Lande ſein Nach dieſem großen Leide; Ihm und all den Seinen Würde nac\< des Vater8 Tod Freud und hohe Wonne wieder ſcheinen. Seiner Mutter Lehre gefiel dem Degen wohl. Da dacht er ihr zu folgen wie man Freunden ſoll: Er hieß ſich Eine werben, die Beſt' in allen Landen: Sie wohnt' in Norwegen, wo ſie ſeine Vettern ihm verbanden.

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Sie ward ihm zugeſ\<hworen, hat man uns geſagt; Da ward ihr Hofgeſinde manche ſ\<höne Magd Und ſiebenhundert Reken vom Land der Friedeſchotten: Die fuhren mit ihr gerne, ſie kannten wohl den jungen König dorten. In magdlichen Ehren brachten die ſie auch Heim zu ſeinem Lande nach reichem König3brauch. Die ſie da gern empfiengen, ſah man entgegen eilen, Daß man erfüllt die Straße fand wohl über viertehalbe Meile. Bede>t allenthalben bei den Wegen war Das Gra38 und auch die Blumen von des Volkes Schar. Es war die Zeit, da Blätter wonniglich entſpringen, Und der Vögel allerhand ihre Weiſ im Wald am Beſten ſingen. Froher junger Leute ritten viel mit ihr; Viel Saumthiere trugen reicher Kleider Zier, Die ihr Hofſtaat brac\<te aus dem Heimatlande; Deren giengen tauſend bei ihr mit Schatz beladen und Gewande. Da wurde ſchön empfangen das minnigliche Kind An zweier Länder Marke, da ſie der Abendwind Von des Meeres Wogen ans Land zu wehn begonnte; Man gab ihr Herberge, die der junge Held wohl ſchaffen konnte.

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Mit Kampfſpiel ward empfangen die ritterliche Maid; ' - Nun war zumal vergangen Müh und Arbeit. Heim führten ſie die Fraue in König Geres Land: Da ward ſie bald gewaltig und weit hernach noch bekannt. - Wo man ihr dienen konnte, dazu war man bereit. Ihren guten Pferden hieng das Sattelkleid Bis zu den Hufen auf das Gras herab. Hei, wie hohen Muth das dem Vogt von Jrlande gab! - Al3 er küſſen ſollte die minniglihe Maid, Da gab es ein Gedränge mit großer Arbeit: Man hört' auch ein Getöſe von Schilden, wenn die reichen Budeln zuſammenſtießen: ſie konnten ſich einander nicht entweichen. Am andern Morgen Kunde ward vorausgeſandt Wie ſie kommen ſollten in des Fürſten Land, Wo ſie vor den Reken tragen ſollte Krone: Er machte ſie zur Königin: das vergalt ſie ihm mit großem Lohne. Daß er ſie minnen ſollte, das dauchte Niemand Recht, Eine Königin ſie ſelber, und Er nur erſt ein Knecht. Vor reichen edeln Fürſten ſollt er bald Krone tragen: Da halfen ſeine Freunde, daß er Ritter ward nach wenig Tagen.

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Fünfhundert Reen nahmen mit ihm zugleich das Schwert. Alles was ſie wollten, des wurden ſie gewährt, Von Roſſen und von Kleidern, mancherlei Gewanden; Der edle junge König blieb an ſeinen Ehren ſonder Schanden. Er ſaß in Irlanden darauf gar manchen Tag, Daß ſeine hohe Würde nie darnieder lag. Recht ſprac\< er Männiglihem, die Armen ſchüßt' er gerne, Er übte volle Milde und war ein Held berühmt in aller Ferne. Ihm zinſten ſeine Huben mit ungemeßnem Gut; Sein Weib, die edle Königin, hatt auch ſo milden Muth, Dreißig Königreiche, wären die ihr eigen, Sie würd es all verſchenken, ſolche Milde konnte ſie erzeigen. In den nächſten dreien Jahren, wie wir hören ſagen, Hatte ſie dem König ein edel Kind getragen; Da3 brachte man zur Taufe : da ward e8 genennet, Mit ſeinem Namen Hagen, von dem man heute noc\< die Sage kennet. Man ließ e8 wohl erziehen und fleißiglich verpflegen: Gerieth' es nach den Ahnen, ſo würd e8 wohl ein Degen. Sein pflagen weiſe Frauen und viel ſchöner Maide: Vater und Mutter ſahen an ihm ihre lichte Augenweide.

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Nun war es erwachſen zu ſiebenjährgen Tagen, Da ſah. man oft die Reen es auf den Armen tragen: Leid waren ihm die Frauen, aber lieb die Mannen; Bald ward es Allen fremde, da e3 ſo ferne ward geführt hindannen. Wo der Knabe Waffen auf dem Hofe ſah, Die mocht er manchmal ſehen, gar oft geſchah es da, Daß er zum Kleid begehrte Helm und Panzerringe; Das muſt er auch vergeßen: da geſchwieg ſein Wunſch all ſolcher Dinge. Einſt ſaß auf den Stufen Siegband vor dem Saal, Da begann mit ihm zu reden ſein königlich Gemahl Unter einer Ceder: „Wir haben Ehren viel; Doch nimmt mich eines Wunder, das ich verſchweigen nicht will.“ Er fragte, was da wäre: da ſprach das edle Weib: „Mir drückt mit großer Schwere die Seele wie.den Leib, Daß ich dich ſo ſelten, mir iſt8 zu großem Leide, Bei deinen kühnen Helden ſehen darf zu meiner Augenweide.“ Da ſprach der edle König: „Wie möchte das geſchehn, Daß du mich öfter ſollteſt vor meinen Reden ſehn? Das laß mich, hehre Königin, bald von dir erfahren, Denn um deinetwillen will ich weder Müh noch Arbeit ſparen.“

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Sie ſprach: „So reich iſt Niemand in aller Welt bekannt, Der ſo viel Burgen hätte, dazu ſo weites Land, Silber und Geſteine und rothe8 Gold das ſchwere. Das laßen wir nicht ſhauen: drum wünſch ich kaum daß mix das Leben währe. „Da ich eine Jungfrau in Friedeſhotten ſaß, Herr König, meine Rede vernehmet ohne Haß, Da ſah ich alle Tage meines Vaters Bann Nach hohem Preiſe werben: des ich hier Kunde nie gewann. „So reicher König ſollte ſich öfter laßen ſehn, Wie ihr den Leuten geltet, ich hörte ſie's geſtehn, Mit ſeinen Helden ſollt ex manchmal buhurdieren, So würd ex all ſein Erbe damit und auch ſich ſelbſt niht minder zieren. „Es iſt an reichen Fürſten ein ſcheltenswerther Muth, Daß ſie zuſammen bringen das ungemeßne Gut, Wenn ſie das nicht willig mit ihren Reen theilen: Die ſie aus Stürmen bringen, tiefe Wunden, wie ſoll man die heilen 2?“ Da ſprach der edle König: „Frau, ihr ſpottet mein, IH will all ſolcher Dinge ſtäts beflißen ſein; Und nimmer ſoll mein Herze darinne ſich verkehren, Man möge mich geſchwinde edler Fürſten Brauch und Sitte lehren. “

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Sie ſprach: So ſollt ihr ſenden nach Reen in das Land . Und ihnen freundlich bieten Schaß und Gewand. Meine nächſten Freunde beſend ich auch in Eile, Zeig ihnen holden Willen; ſo mag uns hier nicht härmen Lange- weile. “ Wohl ſprach zu ſeinem Weibe der Vogt von Irland da: „J\<h will euch gerne folgen, wie es oft geſchah, Daß man nach Rath der Frauen beſchite Luſtbarkeiten: Mein und eure Freunde will ich her zu Hofe heißen reiten.“ Da ſprach die edle Königin: „Das iſt mir nicht leid: So will ich fünfhundert Frauen geben Kleid Und köſtlihe Gewande vier und ſechzig Maiden.“ Da da3 der König hörte, wollt er ihr den Willen nicht verleiden. Da war das Feſt verheißen: darnach in achtzehn Tagen Den Freunden und Verwandten hieß er allen ſagen, Die zu ihm nach Jrland gerne wollten reiten, Die ſollten ſich im Frühling bei ihm erholen von des Winters Zeiten. Scauſiße ließ er bauen, wie wir hören ſagen, Daß man den Wald den wilden zur Stelle muſte tragen. Sechzig tauſend Helden hieß der König bänken: Das konnten wohl beſorgen ſeine Truchſäßen und die Schenken.

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Sie kamen angeritten rings auf allen Wegen. Die zu Hofe kamen, die ließ man wohl verpflegen Bis dem reichen König aus ganz Irland kamen Sechsundachtzigtauſend kühne Ritter von erkanntem Namen. Von des Wirthes Kammer brachte man Gewand: Wer da begehren mochte, empfieng aus milder Hand. Auch gab man ihnen Schilde und Roſſe von Jrlanden; Dazu die edle Königin zierte manchen Degen mit Gewanden. Sie gab wohl tauſend Frauen Kleider und Geräth, Dazu den ſchönen Maiden was Kindern herrlich ſteht, Von Borten und Geſteine viel Pfellel ſ\<hön zu ſchauen: Säuberlich gekleidet ſtanden da die minniglihen Frauen. Ein jeder hatt empfangen, der3* wünſchte, gut Gewand. Da ſah man Roſſe ſpringen den Knappen an der Hand; Sie brachten lichte 'Schilde und ſchön gemalte Spexre. Da ſaß in den Fenſtern ſie zu ſchauen Ute die Hehre. Da erlaubte ſeinen Gäſten der Wirth des Buhurds Spiel. Der lichte Schein verdunkelt ward da Helmen viel. Die hochgelobten Frauen dem Spiel ſo nahe ſaßen, Daß ſie wohl erkannten wie die Helden ihre Kräfte maßen.

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Der Buhurd währte lange; ſo pflegt e8 zu geſchehn. Da wollt auch bei den Gäſten der Wirth ſich laßen ſehn. Wohl muſt es an dem Gatten die Königin loben ; Die ſaß ihm ſo nahe mit den Frauen an der Zinne droben. Als er geritten hatte wie es Fürſten ehrt, Da wandt er auch wieder, das war ihm unverwehrt, Seine lieben Gäſte von dem ſcharfen Streite; Unter großen Ehren ward er vor die Frauen ihr Geleite. Ute die ſchöne hub zu empfangen an Die Freunde wie die Fremden: die Königin gewann Der Gäſte viel mit Freuden, die ſie auch gerne ſahen. Uten8 Gabe durfte ſich da Niemand weigern zu empfahen. Die Ritter und die Frauen man froh beiſammen fand. Des Wirthes guter Wille war Allen wohlbekannt; Er gönnte Jedem Ehre bei ſeinen Luſtbarkeiten: Gegen den Abend ließ er die werthen Gäſte wieder ſtreiten. Dieſe Hochzeit währte bis an den neunten Tag. Was3 man mit Ritterſitten bei dem König pflag, Das fahrende Geſinde durft e8 nicht verdrießen, Sie fanden all zu ſchaffen und hofften auch des Lohnes zu genießen.

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Trommeln und Poſaunen gaben lauten Schall, Harfen und Flöten vernahm man überall, Lautenſpiels und Singen38 flißen ſie ſich beider, Nfeifen38 und Geigen8: dafür empfiengen ſie viel „guter Kleider. An dem zehnten Morgen, nun höret Wunder ſagen, Nach allgemeiner Wonne muſte mancher klagen. Bei dieſen Luſtbarkeiten entſpringen neue Mären: Nach ihren großen Freuden ſollte Leid der Herzen viel beſchweren. Als der Wirth mit Freuden bei ſeinen Gäſten ſaß, Da kam der Fahrenden Einer, der ſolche Kunſt beſaß, Daß er vor ihnen allen (wer möchte ſichs getrauen?) So künſtlich ſpielen konnte, daß ihn werthe Fürſten wollten ſchauen. An der Hand derweilen ein ſchönes Mägdelein Leitete des Königs von Irland Kindelein; M Mit ihm giengen Frauen, die ſein geſchäftig pflagen, Und au des Wirthes Freunde, die Sorge für das Kindlein wollten tragen. In des König38 Hauſe vernahm man großen Schall, Zu jubeln und zu laßen fand man überall: Des jungen Hagen Pfleger kamen gar zu nahe, Daß ſie die jungen Maide noch, das edle Kindlein nicht mehr ſahen.

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De3 Wirthes Unglü>sſtunde nahte da heran, Davon er mit Frau Uten großes Leid gewann. Der böſe Teufel hatte wohl in ſein Reich geſendet Seine Boten ferne: da ward die Luſt in Klagen bald gewendet. E38 war ein wilder Greife, der kam herangeflogen, Und den der König Siegeband ſich zur Luſt erzogen, ſp, An dem Knaben ſollt er ſein großes Unglück ſpüren: Seinen Sohn, den jungen, muſt er von des Greifen Kraft verlieren. E3 ſchattete, wohin ihn ſein Gefieder trug, Al3 wär e8 eine Wolke; ſtark war er genug. Das überſah im Rauſche der Freuden das Geſinde: Einſam vor dem Hauſe . ſtand das Mägdelein mit dem Kinde. Den Wald brach hernieder des Greifen Kraft allda. Als das edle Mägdlein den Vogel fliegen ſah, Sie rettete ſich ſelber und ließ das Kindlein fahren; Die Sache war ſo ſeltſam, man mochte wohl ein Wunder dran gewahren. Der Greif ließ ſich nieder und griff das Kindelein In ſeine Klauen: es leuchtete wohl ein, Wie ſo ingrimmig und zornig war ſein Muth. Das muſten bald beweinen dieſe Helden kühn und gut.

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Laut begann zu ſchreien das erſchroc>ne Kind, Der ſtarke Vogel trug es hoh in die Luft geſchwind. Bald war er in den Wolken verſchwunden und verborgen: Wohl muſte das beweinen der Vogt von Jrland in großen Sorgen. Alle Freunde Siegeband8 erbarmte dieſe Noth, Sie beklagten ſc\<merzlich des armen Kindes Tod. Leid befieng den König und auch die Königin; Alle Leute klagten des werthen Kindleins Ungewinn. Der Jammer hatte Allen die Freude ſo entrafft, Das Feſt ſtob auseinander, als ob des Greifen Kraft E35 zerrißen hätte, daß ſie mit Herzeleid Sich alle muſten ſcheiden; ſie hatten traurige Zeit. Der Wirth weinte bitterlih, die Bruſt ward ihm naß. Die Königin die edle jedoch verwies ihm da3: „Laß ab von ſolcher Klage, denn Alles rafft der Tod, Und muß ein Ende nehmen, wenn Gott vom Himmel gebot.“ Die Gäſte wollten reiten; da ſprach die Königin: „No\<h ſollt ihr, edle Helden, nicht von Hofe ziehn. Ihr dürft nicht verſ\<hmähen mein Silber und mein Gold. No\< haben wir zu geben und ſind von Herzen euch hold.“

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Da dankten ihr die Reken und neigten allzumal Sich vor ihrer Milde. Der Wirth ließ in den Saal Man\< reichen Pfellel bringen, zu köſtlihem Gewand. Der Zeuge waren viele daher gebracht aus fernem Land. . SEE 225:52 Auch gab er ihnen Roſſe, Zelter und Mark, Irländſche Pferde, mächtig hoc\<h und ſtark, Silber ungewogen, da3 rothe Gold dabei: Wohl ſahn ſie an der Pflege wie hold der Wirth ihnen ſei. Da ließ die edle Königin ſcheiden manches Weib Und viel der edeln Maide, der geziert der Leib War mit ihrer Gabe: ſie trugen gut Gewand. Die Hochzeit war zu Ende: ſie räumten Siegbanden3 Land.

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Zweites Abenteuer. Wohin Hagen von dem Greifen entführt ward. Nun laßen wir bewenden wie da geſchieden ward Und kommen zu der Märe, wel eine ſchnelle Fahrt Mit dem wilden Greifen von dannen trug das Kind, Deſſen Anverwandten ſeinethalb in großem Leide ſind. E3 war noh unerſtorben nac\< Gottes Gebot; Do\< wieder kam es jezo in Angſt und große Noth, Da es der alte Greife ſeinen Jungen trug: Da die es vor ſich hatten, das ſchuf ihm Screen genug. Al3 zu ſeinen Jungen im Neſt der Alte kam, Da ließ er aus den Klauen das Kindlein lobeſam. Der Jungen eins ergriff e8: daß er es nicht verſchlang, Wohl mocht es Gottes Güte darum preiſen lebenslang.

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Sie wollten es zerreißen und mit den Klaun zerſchlagen ; Nun höret großes Wunder von ſeinen Nöthen ſagen, Wie der junge König von Irland ward gerettet: Unter den Klauen lag er eines jungen Greifen ſchlimm gebettet. Von Baume zu Baume der mit dem Kinde flog: Er vertraute ſeiner Stärke, die ihn jedoch betrog. Er ſtand auf einem Aſte, der brach von ſeiner Schwere: Da muſt er auf die Erde, ſo gern er auch zum Neſt geflogen wäre. Im Fall entfuhr dem Greifen des Kindlein3 Ueberlaſt. Da barg ſich zwiſchen Stauden dieſer kleine Gaſt; Doh war er noch übel zerha>t an ſeinem Leibe. Er ward doch noc\< zum Troſte vor dem Steine manchem ſchönen Weibe. Gott thut große Wunder, das muß man wohl geſtehn. Durch des Greifen Stärke wars auch zuvor geſchehn, Daß dreier Könge Töchter wurden hergetragen: Die wohnten in der Nähe. Nun wüſt euch Niemand zu ſagen, Wie ſie ſich erhielten ſeitdem ſo manchen Tag: - Doch war e8 Gott vom Himmel, der ihrer gnädig pflag. Nicht einſam ſollte Hagen hier bleiben und alleine: Die minniglichen Maide fanden das Kind in einem hohlen Steine.

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Da die Fraun es ſchleichen ſahen an dem Berg, Da wähnten ſie, es wäre ein wildes Gezwerg, Wo nicht ein Meerwunder, aus der See hervorgegangen. Als ſie ſich näher kamen, ward e8 von ihnen gütlich doh empfangen- Hagen ward ihrer inne: ſie wichen in den Stein; Kummer erfüllte ihr Herz und bittre. Pein, Bis ſie hörten, daß er von Chriſteneltern wäre. Hernach hob er ihnen durch ſeine Kraft vom Herzen manche Schwere. Da ſprach die Aelteſte: „Wie naheſt du uns hier? Von Gott vom Himmel haben die Herberge wir. Geh ſuche deineSgleihen in der wilden See; Wir haben doch hier Kummer und unerträgliches Weh.“ Da ſprach der edle Knabe: „Laßt mich hier bei euch ſein: Chriſtenleute waren wie ihr die Eltern mein. Mich trug der wilden Greifen Einer zu dem Steine. I\< bliebe bei euch gerne: ich kann ja nicht gedauern ſo alleine.“ Minniglich empfiengen ſie da das arme Kind, Von deſſen Dienſten Jede Kunde bald gewinnt. Sie fragten e8, von wannen es hergefommen wäre? Es litt ſo bittern Hunger, daß es noch verdroßen war der Märe.

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Da ſprach das edle Kindlein: „Mir wär ein Jmbiß Noth: Wollt ihr mit mix theilen euer Trinken und eur Brot? Entbehren muſt ich beides wohl ſeit dreien Tagen, Denn der Greife hat mich wohl hundert langer Meilen hergetragen.“ Da ſprach der Frauen Eine: „Es iſt uns ſo geſchehn, Wir haben unſre Schenken ſelten hier geſehn, No\< unſre Truchſäßen, die uns brachten Speiſe.“ Sie lobten Gottes Güte und waren in den jungen Jahren weiſe. Sie giengen Wurzeln ſuchen und Kräuter allerhand, Daß ſie den Hunger ſtillten dem Sohn des Siegeband. Wovon ſie ſelber lebten, des brachten ſie genug: Es war ihm fremde Speiſe, die eine Jungfrau ihm trug. Die Kräuter zu genießen zwang ihn Hungersönoth . Denn ungern wollt er leiden doch den bittern Tod. Er wohnte bei den Frauen darauf no\< manchen Tag, Daß -er hold und freundlich mit ſeinem Dienſt ihrer pflag. Auch nahmen ſie ſein gütlich wahr, das will ich euch ſagen. Wohl erwuchs er hier in Sorgen in ſeinen jungen Tagen Bis den armen Kindern, ihr Leid noch zu vermehren, Vor dem hohlen Steine ſich erhoben neue Wundermären.

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I\< weiß nicht von wannen gefloßen über Meer Zu den Steinwänden kam ein Pilgerheer. Die ſtarken Meerwellen thaten ihnen Schaden. Mit großem Leide waren da die armen Sciſffer überladen. In den zerbro\<hnen Kielen ertrank des Volkes Schar. Die alten Greifen kamen als das geſchehen war: Sie trugen zu dem Neſte manchen todten Mann. Der junge Hagen ſah e8, des Herz viel Sorge gewann. Da ſie den jungen Greifen die Speiſe zugebracht, Die alten Greifen ließen ihr Neſt da unbewacht, Weiß nicht, wohin ſie flogen auf des Meeres Straßen: Sie hatten auf dem Berge einen grimmen Nachbarn gelaßen. Hagen ſah der Leute Geräth no\< bei dem Meer, Die da ertrunken waren, der Gottes8kämpfer Heer. Da dacht er, ob er fände vielleicht von ihrer Speiſe: Vor den böſen Greifen ſchlih er zum Geſtade hin ſich leiſe. Gewappnet fand er liegen einen todten Mann, Wodurch der wilde Greife bald große Noth gewann. Er zog ihn aus dem Panzer: auch wollt er nicht verſ\<mähen Das Schwert und den Bogen, die er an ſeiner Seite liegen ſehen.

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Da wappnete ſich ſelber vamit das arme Kind: In den Lüften über ſich ſauſen hört' ex Wind: Da hatte ſich verſäumet dieſer arme Kleine. Schon kam der alte Greife; Hagen war zu ferne von dem Steine. Er ſchwang ſich im Zorne nieder auf den Sand. Den kleinen Mitbürger, den er am Ufer fand, Den wollt er ohne Säumen erfaßen und verſchlingen: Da erkühnte ſich der Kleine guten Helden gleich mit ihm zu ringen. Mit zarten Händen hatt er den Bogen aufgezogen ; Viel der ſtarken Pfeile ſchoß er von dem Bogen: Er konnt ihn nicht verwunden; wie ſollt er da gedeihen? Da verſucht' er3 mit dem Schwerte, als er die Maide klagen hört' und ſchreien. In kindiſcher Weiſe war er doch grimm genug: Dem Greif er einen Fittich von der Achſel ſchlug: Auch hatt er ihn am Beine verleßt mit ſtarken Schlägen, Daß er von der Stelle ſchon ſich nicht mehr mochte bewegen. Da war ihm Sieg erworben. Der Eine lag ſchon todt ; Alsbald kam auch der andre: da3 ſchuf ihm neue Noth. Doh Er erſchlug ſie alle, die Jungen mit den Alten; Ihm half wohl Gott vom Himmel; er ſelber mochte ſolcher Kraft nicht walten.

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Als dieß große Wunder war von ihm geſchehn, Da hieß er ſeine Frauen aus dem Steine gehn. Er ſprach: „Laßt euch erquien die Luft und die Sonne, Da uns Gott vom Himmel gönnt nach unſerm Leide die Wonne.“ Da empfiengen ſie ihn gütlich: gar oft zu dieſer Stund Ward er von den Frauen gefüſs8t. auf ſeinen Mund, Ihr Zwingherr war getödtet: wer mocht es ihnen wehren, Aus dem Berge fern und nah nach Luſt zu gehen und zurüc- zukehren? Da ſie nun frei geworden der großen Sorgenlaſt, So trefflich lernte ſchießen der landvertriebne Gaſt, Daß ihm mit Fliegen kein Vogel konnt entrinnen. Ev ſchoß was ihn gelüſtete: muſt er doch auf ſeine Nothdurft ſinnen. Er ward ſo kühnes Herzens, ſo wild und doh ſo zahm; Hei was er ſc\<hneller Sprünge von der Thiere Beiſpiel nahm! Wie ein wilder Panther lief er auf die Steine; Er erzog ſich ſelber, er war hier aller Freunde bar alleine. Oft gieng ex Kurzweil halber zum MeereSufer hin: Da ſah er in den Wogen die rauchen Fiſche ziehn: Er konnte ſie wohl fangen, doch ihrer nicht genießen ; Nie rauchte ſeine Küche; das muſt ihn alle Tage hier verdrießen.

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Aus ſeiner Herberge gieng er in den Wald, Reißender Thiere wilden Aufenthalt; Da kam ihm eins entgegen, das wollt ihn verſchlingen: Er ſchlug es mit dem Schwerte: ex konnt e8 wohl im Zorne niederzwingen. Einem Gampilone ſah das Unthier gleich. Er hub es an zu ſchinden: an Kräften ward er reich. Ihn gelüſtete des Blute8, des trank ex manchen Zug: Da gewann er große Stärke und ward verſtändig und klug. Als mit der Haut des Thieres ſich der Held bewand, Einen wilden Löwen er in der Nähe fand: Der konnt ihm nicht entfliehen: wie bald er zu ihm gieng! Da blieb er unerſchlagen, der Held ihn freundlich empfieng. Das Thier, das er dorten zu Tode hatt erſchlagen, Heim zu ſeinem Hauſe gedacht er das zu tragen. Zu aller Zeit genoßen die Frauen ſeiner Güte: Von der fremden Speiſe erhöhte ſich ihr Herz und ihr Gemüthe. Sie hatten noch kein. Feuer, Wald hatten ſie genug. Aus einem harten Felſen der Held viel Funken ſchlug: Was ſie gemiſst ſo lange, de8 wurden ſie berathen; Anders that es Niemand, ſie muſten ſelber Fleiſch am Feuer braten.

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Da ſie der Koſt genoßen, das gab ihnen Kraft, Sich erquiäten ihre Sinne durch Gottes Meiſterſchaft: Sie wurden auch von Gliedern ſo ſchön und auserleſen, Al3 wären ſie zu Hauſe ſtäts in ihres Vaters Land geweſen. Der wilde Hagen hatte nun Kraft für zwölf Mann, Wodurch er nac\< den Zeiten viel hohes Lob gewann. Er und die Jungfrauen muſten gleichwohl trauern, Daß ſie in der Wüſte ſollten immerdar allein gedauern. Da ließen ſie ſich weiſen von ihm zur Meeresflut. Verſchämt ſah man ſie gehen: nicht waren allzugut Die Kleider , die ſie trugen, die ſie mit eigner Hand Geſtri>t, bevor ſie Hagen in ihrer Einöde fand. Sie giengen vier und zwanzig Tage durch den Tann. An einem frühen Morgen, da ſah der junge Mann Ein Seeſchiff ſchwer beladen; es kam von Garade. Den landentführten Frauen ſchuf ihr Elend ſchmerzlih Weh. Laut rief da Hagen, den es nicht verdroß Wie ſich das Meer empörte von der Winde Stoß, Daß das Schiff erkrachte. Das Volk befiel ein Grauen: Für wilde Meerweiber hielten ſie am Ufer dort die Frauen.

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Der Herr jenes Schiffes, von Salme ſtammt' er her, Hagen und die Seinen kannt er wohl daher: Er war ihr nächſter Nachbar: den Sohn des Siegeband Hätte ſonſt wohl Keiner dieſer Pilgrime gekannt. Der Graf ließ ſeinen Schiffmann nicht an das Geſtad; Doch als der Heimatloſe bei Gottes Güte bat, Daß man ſie führen möchte von dem wilden Strande, Da wurden ſie beruhigt, weil er Chriſti Namen zuverſichtlich nannte. Der Schiffer ſelbzwölſter in eine Barke. ſprang. Bis er erfahren möchte daucht ihn die Weile lang, Ob es Meerwunder wären over Kobolde. Er hatt in ſeinem Leben Ungethüme nicht geſehn ſo holde. Da fragte ſie der Schiffmann eh er ans Ufer trat: „Seid ihr getauft, wie kommt ihr denn an dieß Geſtad?“ Er ſah die ſchönen Glieder junges Moos bewahren. Da baten ſie die Fremden, daß ſie ihnen gönnten mitzufahren.

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Drittes Abenteuer. Wie Hagen zu Schiffe kam. Ey es zu Schiff gieng, brachte man ihnen ſ\<hön Gewand, Das die Pilger hatten geführt in das Land. Wie ſie beſcheiden waren, die Frauen muſtens tragen; Obgleich ſie ſich ſ\<ämten, ein Ende nahm jedoch bald ihr Klagen. Als ſie die ſchönen Maide brachten auf die Flut, Entgegen giengen ihnen die Ritter ſtolz und gut. 5 Sie empfiengen höflich die Fürſtentöchter theuer, Die ſie für wild geachtet noch ſo eben und für ungeheuer. Nun blieben ſie bei ihnen die Nacht auf wilder See. Des Meere8 Ungewohntheit that den Kindern weh; Freuten ſie ſich deſſen, ſo däuchten ſie mich weiſe. Der Graf von Karadie hieß ihnen allen geben gute Speiſe.

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Al3 ſie geſpeiſet waren und er bei ihnen ſaß, Der Graf von Karadie bat ſie: „Nun hehlt mix das Nicht, wie ihr hergekommen ſeid an dieſe See?“ Den Kindern thät ſein Fragen und ihr Mühſal noc\< weh. Da ſprach die älteſte, die unter ihnen ſaß: „JS\<h bin aus fernen Landen, Herr, vernehmet das, Von India geboren; König war darinne Mein Vater; doch erlebt er3, daß ich die Krone leider nie ge- winne.“ Die mittle ſprach der Maide: „I\< bin von fern gekommen, Mich hat ein wilder Greife zu Portugal genommen: Er war der Herr de8 Lande8, der mich da Tochter nannte, Den man nah und ferne als gewaltigen Vogt erkannte.“ Die jüngſte unter ihnen, die bei dem Grafen ſaß, Sprach da wohlgezogen: „Herr, ich ſag euch das, I\< bin von Jſerlanden, da trug mein Vater Krone: Die mich erziehen ſollten, waren mein nun lange leider ohne. Da ſprach der edle Ritter: „Gott hat wohlgethan, Da er euch bei den Euern nicht wachſen ließ heran, Daß euch ſeine Gnade nun großer Noth entbunden, Nun I\< euch ſchöne Maide hab an dieſem Strande hier gefunden.“

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Was er ſie fragen mochte, da3 half doch nicht viel, Wie es gekommen wäre, daß an de8 Todes Ziel Die Greifen ſie nicht brachten, die ſie in8 Neſt getragen. Eie hatten viel erlitten, das ſie do\<M nicht Alles konnten ſagen. Da ſprach der Graf der reiche zu dem jungen Mann: „Freund und Geſelle, nun laßt mich Kund empfahn, Mir haben dieſe Frauen erzählt all ihre Märe: Nun möcht ich gerne wißen, wo denn Euer Land und Urſprung wäre.“ Da ſprach der wilde Hagen: Das will ich euch ſagen: Mich hat der Greifen Einer auc daher getragen. Siegband hieß mein Vater, der König von Jrlanden: I\< bin bei dieſen Frauen geweſen lange Zeit in Kummers Banden.“ Da fragten ſie alle: „Wie mochte das geſchehn, Daß ihr bei den Greifen nicht habt den Tod erſehn?“ Da ſprach der junge Hagen: „Das wollte Gottes Güte: I\< habe wohl an ihnen gekühlt mein Herz und zorniges Gemüthe. Der Graf von Garadie ſprach: „Du ſollſt mir ſagen, Wie haſt du überwunden die Noth?“ -- „I\< hab erſchlagen Die Alten zu den Jungen: nicht Einer entrann, - Obwohl ich meines Lebens zuvor viel Sorge gewann.“

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Sie ſprachen einhellig: „So iſt gar ſtark dein Leib: Dich müßen alle loben, Mann oder Weib. Das hätten unſer tauſend nimmermehr vollbracht, Die Greifen zu erſchlagen; auch hat das Glü> dich bedacht. “ Der Graf und ſein Geſinde fürchteten ſehr Des Kindes Ueberſtärke; auch entgalten ſie's nachher. Sie wollten ihn mit Liſten von ſeinen Waffen ſcheiden; Doch wehrt' er das ingrimmig: wohl konnt er ihnen ſeine Näh verleiden. Der Graf begann da wieder: Nun iſt mir wohl geſchehn Nach manchem großen Schaden, den ich hab erſehn: Und biſt du der Knabe dort von Jrlanden, Siegband des König8, ſo will ich dich behalten mix zu Pfande. „Du kommſt zur guten Stunde, das ſag ich dir an; Mir haben deine Freunde großes Leid gethan An Garade dem Lande, das ihnen liegt zu nahe; Sie ließen meine Helden in hartem Sturme ſchlagen all und fahen. “ Da ſprach der junge Hagen: „Ohne Schuld bin ich hierin: Wenn ſie eum Schaden thaten: bringt mich zu ihnen hin, So will ich wohl verſühnen ihren Haß und euer Streiten: Laßt mich in Gnaden zu meinen Anverwandten heimgeleiten.“

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Der Graf ſprach zu dem Kinde: Du muſt mir Geiſel ſein; Mein Hofgeſinde ſeien die ſchönen Mägdelein. Die halt' ih mir zu Ehren hinfort in meinem Lande.“ Die Rede dauchte Hagen, ſie wär ihm Schaden und Schande. Der Rede ſprach im Zorne: „Jc\< will nicht Geiſel ſein: Das begehre Niemand, verhofft er zu gedeihn. Ihr guten Sciffleute, bringt mich zu meinem Lande: Da3 lohn ich euc\< gerne: mit Saß vergelt ih e8 und mit Gewande. „Ihr heiſh\<et meine Frauen zu euerm Ingeſind - Die haben Deiner Hülfe nicht noth, das glaubt mir blind. Iſt Jemand hier ſo weiſe, der folge meiner Lehre: Wendet um die Segel, daß ſich das Schiff gegen Irland kehre.“ Das Volk wollt ihn fangen nach ſeine3 Herrn Gebot: Da ſtand er allzunahe, er brachte ſie in Noth. Wohl dreißig in die Wellen zog er bei den Haaren; Die Kraft ſeines Leibes muſten die Pilger ſchwer erfahren. Hätten ſie nicht geſchieden die minniglichen Fraun, Den Held von Garadie hätt er erſchlagen traun. Arme oder Reiche galt gleich vor ſeinen Händen: Die Schiffleute muſten die Segel hin gegen Irland wenden.

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Sie huben an zu eilen, ſonſt gieng' es ihnen ſchlimm, Sie muſten alle fürchten des jungen Hagen Grimm. Es währte ſiebzehn Tage, daß ſie unmüßig waren; Sie ſtunden all in Sorgen, denn ſie ſahn ihn übel gebahren. Als er zu nahn begonnte nun ſeines Vater8 Land, Da waren ihm die weiten Burgen noch bekannt. Einen hohen Palas ſah er bei den Fluten Mit dreihundert Thürmen ſich erheben, feſten und guten. Darinne wohnte Siegeband und ſein edel Weib. Die Pilger muſten ſorgen um Leben und Leib: Wenn ihrer inne würde Der von Jrlanden, Daß er ſie erſchlüge: Dem ward von Hagen gütig widerſtanden. Da ſprach zu den Gäſten der waidliche Mann: „I\< will es gerne ſühnen, ob ich gleich nicht kann Hier zu Land gebieten: doc\< will ich Boten ſenden, Und euern alten Zwieſpalt mit dem König ſuchen zu beenden. „Wer nun an mir verdienen möchte große8 Gut, Und meine Botſchaft bringen, wer das gerne thut, Und ſie dem König meldet, dem geb ih Gold, das rothe; Auch erwirbt von meinem Vater und meiner Mutter großen Lohn der Bote.“ SEESEN EIIIE“ SES

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Der Pilgrime zwölfe fuhren da hindann. „Nun ſagt meinem Vater,“ ſprach der junge Mann, „Seinen Sohn Hagen, ob er den wolle ſehn? An dem von einem Greifen ihm Herzeleid ſei geſchehn. „I\< weiß wohl, das glaubet der edle König nicht: So fraget meine Mutter und höret was ſie ſpricht, Ob ſie mich erkennen will zu ihrem Kinde, Wenn ſie ein goldne8 Kreuzchen an meiner Bruſt etwa hier vorne finde.“ Da ritten von dannen die Boten in das Land. Da ſaß in einem Hauſe Frau Ute und Siegeband. Wohl ſah er daß ſie wären von Garade gekommen. E3 waren ſeine Feinde: da ward der Wirth von Zürnen über- nommen. Er fragte, wie ſie dürften kommen in das Land? Da ſprach der Boten Einer: „Hieher hat uns geſandt Dein Sohn, der junge Hagen: wer den gerne ſähe, Er iſt hier ſo nahe, daß es wohl in kurzer Zeit geſchähe.“ Da ſprach der König Siegeband: „Ihr trügt mich ohne Noth. Er iſt ſo hingeſchieden, daß ob des Sohnes Tod Meines Herzens Sinne lange muſten klagen.“ „Wolltihr uns nicht glauben, ſo mögtihr euer Weib vie IDEN fragen.

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Sie hat ihn in der Nähe beſehen oft genug: Ob er ein goldnes Kreuz\<en vor der Bruſt nicht trug? « Sei's, daß man dieß Zeihen der Wahrheit an ihm finde, So nähmet ihr wohl beide den Degen wieder an zu euerm Kinde.“ Ute der Fraue wurde dieß geſagt: Sie freute ſich der Märe, die lang' um ihn geklagt. Sie ſprach: „Laßt uns reiten ob ich e8 wahr befinde.“ Der Wirth ließ da ſatteln ſich und ſeinem beſten Jngeſinde. Da ſprach der Pilger Einer, der zu Frau Uten trat: „Willſt du mir folgen, Herrin, ſo weiß ich guten Rath. So ſollſt du Kleider bringen deinem lieben Kinde Und den ſchönen Maiden: ſie heißen deines Sohnes Ingeſinde.“ Man brachte reiche Kleider mit der Frauen hin; Viel kühner Helden folgten auch der Königin. Herr Siegband ſprang vom Pferde nieder auf den Sand, Al3 ex die Garadiner bei dem entführten Sohne fand.

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Viertes Abenteuer. Wie Hagen von Vater und Mutter empfangen ward. Als er Fraun und Männer von ferne reiten ſah, Ihnen entgegen gehen wollte Hagen da: Wer ihn zu grüßen käme, das wollt er gerne ſehn; Da muſte ſtarkes Drängen von ſeinen Freunden geſchehn. Willkommen hieß der König ihn in ſeinem Land. Er ſprach: „Seid ihr der ReFe, der nach uns hat geſandt, Als ob die edle Königin ſeine Mutter wäre? I\< freute mich von Herzen, wenn ich wahr befände ſolche Märe.“ Ute ſprach die ſchöne gezogenlich dazu: „Schaff uns vor den Leuten nur ein wenig Ruh: Ob ihm hier ziemt die Krone will im eu\< gleich vermelden.“ Sie erkannte bald die Zeihen: wohl empfiengen ſie den jungen j Helden.

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Mit weinenden Augen ſie küſt ihn auf den Mund: „So lange muſt ich ſiehen: nun bin ich ganz geſund. Sei willkommen, Hagen, mein einziges Kind: Nun mögen dein ſich tröſten die hier bei Siegbanden ſind.“ Der König trat näher, ſeine Freude die war groß: Manche heiße Zähre ihm von den Augen floß. In ſeines Herzens Wonne weinet' er genug, Der ſeinem Kinde billig Lieb und holden Willen trug. Da machte man Uten die fremden Frauen kund. Sie gab ihnen Zeuge zu Kleidern grau und bunt, Seid und lichtes Pelzwerk, ſchön und großer Güte: Von König Siegbands Weibe ward den Fraun erleichtert ihr Gemüthe. Man kleidete die Schönen: das ſtand ihnen gut. Sie ſtanden eine Weile noc\< mit beſchämtem Muth, Doch bald ſah man ſie prangen in reichverbrämtem Kleide. | Der Wirth und ſeine Helden empfiengen wohl die ſchönen jungen Maide. Hagen bat den König und ſeiner Leute Heer, Daß er den Garadinern ihm zu Liebe gnädig wär, Und ihnen gern erließe die Schuld und allen Schaden. - Hagen der junge half den Pilgern zu des König3 Gnade.

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Da ſo im Kuſs der König ſeines Zorns3 vergaß, Was ſie verloren hatten, erſeßt ward ihnen das. Es war ihr großer Nußen und ehrte hö\<hlich Hagen: Man ſah ſie nimmer wieder Dem von Jrlanden Feindſchaft tragen. Da ließ man den Gäſten ihre Speiſ und ihr Gewand In dem Frieden Hagens tragen auf den Strand, Daß ſie da ruhen ſollten vierzehn Tage lang: Die ſtolzen Pilgrime ſagten ihm des großen Dank. Die andern ritten fröhlih von dem Meer hindann: Zu Balian der Veſte kam da mancher Mann, Als ſie ſagen hörten, daß no\< leben ſollte Der Sohn des reichen König8, was mit Nichten Jemand glauben wollte. Nach vierzehen Tagen entließen ſie die Schar Der waßermüden Helden, die da zu Gaſte war. Da ließ mit lichtem Golde der Wirth ſie reich begaben. Seinem Sohn zu Liebe wollt er ſie zu ſtäten Freunden haben. Hagen ließ die Frauen niemals außer Acht; Er war auch daß ſie badeten zu aller Zeit bedacht: Im Dienſt der Minniglihen fliß er ſo ſich leiſe; Man gab ihnen reiche Kleider: er war in ſeinen jungen Jahren weiſe.

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Nun fieng er an und reifte zum Manne ganz heran: Da trieb er mit den Helden was man nur begann Und Ritter üben ſollen mit Händen und mit Waffen: Bald ſah man ihn gewaltig in ſeines Vaters Siegband Landen ſchaffen. Der junge Hagen lernte was Helden ziemen mag Von ſo manchem Degen, daß er ſich keinen Tag Je zu ſchämen hatte: das lobten ſchöne Frauen. Er ward ſo mild im Geben, daß es fürwahr ein Wunder war | zu ſchauen. Auch ward ſo kühn der Degen, daß er ſich jederzeit Zu rächen wohl getraute ſeiner Freunde Leid. So hielt er ſeine Ehre empor in allen Dingen. Dtum hörte man im Lande von dem Helden ſagen viel und ſingen. In der Wüſte war erwachſen der edle König jung Bei den wilden Thieren: drum mocht im ſchnellſten Sprung Was er fangen wollte lebendig nicht entgehen; Er hatte mit den Frauen am Meer der Wunder mancherlei geſehen. Hagen war ſein Name: doch ward er bald genannt Voland aller Könige: als ſolher wohlbekannt War in manchem Reiche der Held um ſeine Stärke; Den Namen auch bewährte der kühne Hagen mit manchem Werke.

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Ihm riethen ſeine Freunde zu werben um ein Weib: Ihm war ein Weib gar nahe, die trug ſo ſchönen Leib, Daß eine ſchönre nimmer auf Erden ward gefunden. Sie hatt ihn ſelbſt erzogen in böſer Zeit und ſorgenvollen Stunden. Sie war geheißen Hilde und war von India, Von der in großen Nöthen oft Liebes ihm geſchah, Seit er ſie gefunden hatt in einem Steine. Sie aus allen Landen wollt er zum Weib und anders keine. Sein Vater hieß ihn eilen, daß er bald das Schwert Mit hundert Freunden nehme: je tauſend Mark an Werth Gäb er je vier Geſellen zu Kleidern und zu Roſſen. Zum Vater ſprach da Hagen, dem Rathe woll er folgen unverdroßen. Da ließ er das verkünden in vieler Fürſten Land; Wann es geſchehen ſollte, das machte man bekannt. Um ſeine große Milde muſt ihn da Mancher loben. Ein Jahr und drei Tage war die Hochzeit nur hinausgeſchoben. Da flißen ſich die Reen, die wollten zu dem Feſt. Sie hießen Schilde ſchmieden, licht, klar und feſt. Dazu die theuern Sättel ließen ſie bereiten; Von Zaum und Bruſtriemen glänzte rothes Gold in alle Weite.

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Da ſc\<huf -man Herbergen auf einem weiten Plan De3 reichen Königs Gäſten: ein Jeglicher gewann Von ihm, was er begehrte. Weit war das Feld von Hütten Bede>t, als aller Enden die Gäſte zu des Wirthe3 Lande ritten. Die fremden, die da wollten das Schwert mit ihm empfahn, Die ließ er alle kleiden; wie gerne ſie das ſahn! Die da aus fernen Reichen kamen zu dem Lande, Das waren tauſend Helden: die ziert' er wohl mit Roſſen und Gewande. Er ſprach zu ſeinen Freunden: „Ihr rathet in8gemein, I\< ſolle König heißen: ſo willigt auch darein, Daß Die ich herzlich minne mit mir trage Krone: I\< werde nicht zufrieden bis ich ihr die Müh und Sorge lohne.“ „Wer die wäre,“ fragten Die in ſeinem Lehn, „Die vor ſeinen Helden zu Hofe ſollte gehn?“ Er ſprach: „Das. iſt Frau Hilde von Jndia dem Lande: I\< und meine Freunde haben auf der Welt von ihr nicht Schande.“ Wohl behagt' es ſeiner Mutter; auch der Vater ward nicht gram. Daß man ſie krönen ſollte, wie gern ſie das vernahm! Sie war auch wohl geſchaffen zu des Landes Ehre. Sech8hundert Degen nahmen mit ihm Waffen oder mehre.

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Des Landes Sitte wollte, daß man ſie weihen hieß Beide zu der Krone und das nicht länger ließ. Herr Hagen mit Frau Hilden ritt vor dem Volk hindannen. + Viel ſchöne Ritterſpiele ritten unterweg8 de38 König8 Mannen. Herr Siegeband ritt ſelber, ihm ſ\<hwebte hoh der Muth; E3 ſchuf ihm wenig Sorge, verthat er großes Gut, Da ſie geritten hatten nach Ritter38 Brauch und Rechte, Da ſah man unmüßig auf dem Hofe viel der Kammerknechte. Sie trugen auf die Bühnen, die waren breit und lang, Der Stühle viel und Tiſche. Nun ſc\<wieg der Meſs8geſang: Da ritt zu Hof Frau Ute und mit ihr viel der Frauen, Wo die jungen Helden ſie wohl ſehen mochten und beſchauen. Da Siegeband der König bei Uten ſaß im Saal, Und Hagen bei Hilden, ſie ſprachen allzumal, Ihm wäre wohl gelungen an ſeinem lieben Kinde. Vor den Tiſchen krachen ließ der Schäfte viel ihr Ingeſinde. Da der König Irlands bei Tiſch nicht länger ſaß, Zu 'Staub getreten wurden die Blumen und das Gras Von ſeinen vielen Gäſten: die ritten hier mit Sc\<halle; Die geſund ſich fühlten, die buhurdierten vor den Frauen alle.

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Vierundzwanzig Re>en waren auf den Plan Unterm Schild gekommen: da hub es luſtig an: Spere durch die Schilde wurden viel getrieben. Das ſahen ſchöne Frauen: wohl wär e3 heute übel unterblieben. Selber ritt den Buhurd König Siegbands Sohn: Das ſah ſeine Traute, die wurde froh davon. Hatte ſie ihm Dienſte gethan in fremden Landen, Das lohnt' er jeßt ihr gerne: er war ein kühner Held ohn alle Sanden. Da ritten in dem Staube dem Wirth zur linken Hand Funfzehen Fürſten auch Könige genannt, ' Die Lehen von ihm trugen, Chriſten und Heiden: Sie flißen ſich zu dienen Siegband und dem jungen Hagen beiden. Die Hochzeit währte lange, die Freude die war groß; In des Hof8 Getümmel ſcholl mancher Lanzenſtoß. Der Wirth gebot den Gäſten das Kampfſpiel zu laßen; Auch hatten ſie nun Urlaub, daß ſie fröhlich bei den Frauen ſaßen. Vor allen den Genoßen ſprach da Herr Siegeband: „Meinem Sohne Hagen geb ich all mein Land, Die Leute ſamt den Burgen, die nahen wie die fernen: Alle meine Reken ſollen ihn als Herrn erkennen lernen.“

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Da ſo verzichtet hatte der König Siegeband, Da begann Herr Hagen die Burgen und da38 Land Mit Fahnen auszuleihen: die ſie empfangen ſollten, Denen ſchien er wohl ſo bieder, daß ſie es gerne von ihm nehmen wollten. Nach dem Lehenrechte ſtre>te man\<e Hand 4 Sich vor dem jungen Könige: Schaß und Gewand Gab er ſeinen Gäſten, nah'n und fernen allen; So mildes Fürſten Hochzeit muſte wohl den Armen auch gefallen. Von den Fraun am Hofe, die mit ihm in das Land Daher gekommen waren, nach Einer ward geſandt; Die hieß man zu Frau Hilden und vor den König gehn; » Sie war von Iſerlande und von Antliß klar und ſchön. Ein junger Fürſt begehrte ſie: der hatte ſie geſehn Bei der Königsto\<hter; wohl muſt er ihr geſtehn, Daß ſie nach allem Rechte tragen ſolle Krone. Der Geſpielin Hildens wurde da ein reiches Land zu Lohne. Da ſchieden ſich die Gäſte, der König und ſein Bann. Auch die edle Jungfrau führte man hindann Gegen Norwegen zu des Fürſten Reichen : Nach ihrem großen Leide mochte wenig ihrem Glüe gleichen.

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Nun richtete gebietend Herr Hagen Jrland. Wo er an den Leuten Unbilliges fand, DaZ ließ ſie entgelten ſeiner Strafen Schwere: In Einem Jahr enthauptet wurden ihrer achtzig oder mehre. Auch ſchuf er Heerfahrten in ſeiner Feinde Land; Der Armen wegen mied er Zerſtörung do\<h und Brand. Wo ein übermüthiger Nachbar ward gefunden, 5 Dem brach er die Burgen und rächt es mit den tiefen Todeswunden. Kam es wo zum Streite, er war ein Ritter gut, Hochfährtgen Helden ſchwächt er ſo den Muth, Den Nahen und den Fernen bangte vor dem Manne: Er hieß Voland aller Könige: das hielt ſeine Feinde wohl im Banne. Der Held lebte glülich; auch war er froh genug. - Da geſchah e8 daß dem Re>en ſein Weib aus Jndia trug Eine ſchöne Tochter: die ließen ſie benennen Hilde nach ver Mutter: von ihr wird man noc\< wohl die Märe * kennen. Da hieß der wilde Hagen ſo erziehn das Kind, Daß es die Sonne ſelten beſchien, und auch der Wind Nicht berühren durfte: ſein pflagen edle Frauen, Dazu ſeine Freunde, denen man am beſten mochte trauen.

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Innerhalb zwölf Jahren die herrliche Maid Ward ſchön außer Maßen, ihr Ruhm erhallte weit. Fürſten reich und edel trugen nichts im Sinne Als wie ſie werben wollten um des wilden Hagens Tochter Minne. Derſelben Fürſten Einer ſaß bei Dänemark Zu Waleis in dem Lande; das Rühmen ward ſo ſtark, Wie ſo ſchön ſie wäre: da wollt er um ſie werben. Das verſchmähte Hagen: Jenem muſte Ehr und Leib verderben. So viel man Boten ſandte nach dem Mägdlein gut, Die ließ Herr Hagen tödten in ſeinem Uebermuth. Er gönnte ſie Keinem, der über ihm nicht wäre. Da vernahm man allenthalben von dem Fürſten ſagen die Märe. Boten ließ er hängen wohl zwanzig oder mehr = Die ſich nicht rächen konnten, denen ſchuf e8 viel Beſchwer -- Alle die man ſandte nach ſeinem Kind, der hehren. Viele die e8 hörten mochten ſie zum Weibe nicht begehren. Doch gute Reen ließen darum das Werben nicht. Jſt Einer übermüthig, ein altes Sprichwort ſpricht, Der ſich noh höher dünket, wird doH am Ende kommen. Von ihrer hohen Minne ward ſein Herz von Sorgen übernommen.

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Fünftes Abentener. Wie Wate gen Irland 3og. Ein Held war erwachſen in der Dänen Land, Zu Stürmen in der Marke, das iſt uns wohl bekannt, Da ſaßen ſeine Freunde, die zogen ihn nach Ehren. Auch Ortland muſt ihm dienen: wohl vielgewaltig wuſte man den hehren. Seiner Vettern Einer, der Wate war genannt, Hatte von dem Degen zu Lehen Burg und Land. Als8 ſeinen Anverwandten ließ Der den Herrn erziehen, Er lehrt' ihn alle Tugend, er ließ ihn nie aus ſeiner Hut entfliehen. Der Schweſterſohn Watens war Herr im Dänenland, Horand der biedre: der verdient' es nach der Hand Um Hettel den König, daß er ihm die Krone Dort zu tragen gönnte: er gab ſie ihm völliglich zu Lohne.

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Hettel der reiche zu Hegelingen ſaß, Von Ortland nicht ferne, in Wahrheit ſag ich das. Darinne hatt er Burgen wohl achtzig oder mehre: Die ſie behüten ſollten, die dienten täglich ihm mit großer Ehre. Er war der Frieſen Herre zu Waßer und zu Land; Dietmar3 und Waleis war in ſeiner Hand. Hettel war gewaltig und zählte viel Verwandte; Er war kühn und grimmig, der ſeinen Feinden oft Verderben ſandte. Hettel war verwaiſet, darum ſo ward ihm Noth, Daß er die Hausfrau wähle: ihm waren beide todt, Der Vater und die Mutter, die ihm die Lande ließen. So viel er Freunde hatte, e8 muſt ihn ſo zu leben doch verdrießen. Da riethen ihm die Beſten, er ſolle Minne pflegen, Die ihm wohl gezieme. Da ſprach der junge Degen: „I\< weiß mir nirgend Eine, die zu Hegelingen Mit Ehren Herrin wäre, noch die man mir zu Hauſe dürfte bringen.“ Da ſprach von Niflanden Morung der junge Mann: „J\< weiß eine Jungfrau, mir wurde kund gethan, So eine ſchöne lebe nirgend auf der Erde: Wir ſollen Sorge tragen, daß euch die zu einer Trauten werde.“

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Er fragte, wer ſie wäre oder wie genannt. Er ſprach: „Sie heißt Hilde und iſt aus Jrland, Dem alten Ger entſtammend; ihr Vater heißet Hagen. Kommt ſie her zu Lande, ſo haſt du Freud und Wonne ſonder Klagen.“ Da ſprach der König Hettel: „Man ſagt doch weit und breit, Wer werb um ihre Minne, ihrem Vater ſei es leid; E3 ſei um ſie erſtorben ſchon mancher edle Mann: Keinem meiner Freunde thät i\< den Tod darum an.“ Da ſpra\< Morung wieder: „So ſend in Horands Land Und laß ihn zu dir bringen: der iſt da wohl bekannt: Hagen und ſein Weſen hat er all geſehn; Ohne ſeine Hülfe könnt e8 nimmer geſchehn.“ Er ſprach; „I\< will dir folgen: du ſagſt, wie ſchön ſie ſei; Doch wenn ſie nach ihr fahren, | ſo ſei du ſelbſt dabei, Da ich dir alles Gutes wohl mit Recht getraue: Es bringt dir Ehr und Frommen, wird ſie bei den Hegelingen Fraue.“ | Da hieß er Boten reiten in der Dänen Land, Wo man Horanden, ſeinen Neffen fand. Er entbot dem Reken, daß er kommen ſollte Binnen ſieben Tagen, wenn er einen Dienſt ihm leiſten wollte.

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Als die Boten kamen und Horand ſie vernahm, Zu getreuen Dienſten war er ihm ſo zahm, Daß er gerne leiſtete was er nur gebot: | Davon gewann er Arbeit und kam in ängſtliche Noth. Da ritt al3bald der Degen gen Hof mit ſechzig Mann. Als der Held daheime von den Freunden Urlaub nahm, , Da eilt' er deſto ſtärker, daß er nur bald vernähme, Womit er ſeinem Herren dienſtlich wohl zu Hülfe käme. Am ſiebenten Morgen kam er in das Land; Er und die Geſellen trugen reih Gewand. Der König gieng den Helden entgegen ſelbſt, der gute: Da ſah er bei dem Reen auch von Dänemark den kühnen Frute. Daß ſie gekommen waren, die Märe war ihm lieb, Der König ſah ſie gerne; ihre Kunft vertrieb Ihm ein Theil der Sorgen, die er trug in ſeinem Muthe. Da ſprach er frohlo>end: „Sei mir hier willkommen, Neffe Frute.“ Als vor den König traten Frute und Horand, Er fragte, wie es ſtünde daheim in Dänenland. Da ſagten ihm die Helden: „Erſt vor wenig Tagen In harten Stürmen haben wir tödtlicher Wunden viel geſchlagen.“

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Er fragte wo ſie wären zu fechten hin geritten? Da ſprachen ſie: „Gen Portugal: da haben wir geſtritten. Das wollt uns nicht erlaßen der König dort, der ſtarke: Er hatt uns großen Schaden Tag für Tag gethan an unſrer Marke. Da ſprach der junge Hettel: „Laßt e8 bewendet ſein; Wohl läßt der alte Wate nicht unbehütet ſein Seine Mark zu Stürmen, da er wohnet innen; Wohl darf ſich der berühmen, der ihm eine Burg mag abgewinnen.“ Die Helden giengen ſien in einen Saal gar weit Und redeten viel Scherze nach Gelegenheit, Von edler Frauen Minne, Horand und Frute. Der König hört' es gerne und lohnt' e3 ihnen oft mit ſeinem Gute. Hettel Horanden zu bitten nun begann; „Iſt dir kund die Märe, das ſage mir an, Wie es um Hilde ſtehe, die Zier ver Königinnen? Der wollt ih meine Grüße und meine Botſchaft gerne heißen bringen.“ Da ſprach der kühne Degen: „Gar wohl iſt mir bekannt Die Magd, da ich nimmer noh eine ſchönre fand Al3 von Irlanden Hilden die reiche, Des wilden Hagen Tochter: eine Krone ſtünd ihr wohl ob weitem Reiche. “

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Wieder fragte Hettel: „Möchte das nicht ſein, Daß mir ihr Vater gäbe das ſchöne Mägdelein? Däucht ich ihn ſo bieder, ſo wollt ich ſie minnen, Und wollt ihm immer lohnen, der die Magd mir hülfe gewinnen.“ „Das kann ſich nicht fügen,“ ſprach da Horand, „Als Bote reitet Niemand hin in Hagens Land. Ich ſelber will nicht eilen dazu mich aufzudrängen: Die um Hilde werben, die läßt man dort erſchlagen oder hängen.“ Da ſprach wieder Hettel: „Mir iſt nach ihr ſo Noth: Hieng' er mir einen Boten, ſo müſte drum den Tod Hagen ſelber ſterben, der Herr im Jrenreiche; Wär er noch ſo frevel, zum Schaden ſollt ihm doch ſein Grimm gereichen, “ Da ſprach der Degen Frute: „Wenn der Bote dein Hin nac\< Irlanden Wate wollte ſein, So möcht uns wohl gelingen, wir brächten dir die Fraue, Oder uns würden Wunden in das Herz durch all den Leib gehauen.“ Hettel der König ſprach: „So will ich hin Senden zu den Stürmen, da ich ohn Angſt wohl bin, Wate reite gerne wohin ich ihn bedeute; . Heißt mir Jrolden von Friesland kommen und ſeine Leute.“

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Die Boten ritten eilends gen Stürmen in das Land, Wo man den kühnen Wate bei ſeinen Helden fand: Man ſagt' ihm von dem Könige, daß er kommen ſollte. Waten nahm es Wunder, was der Hegelingen König von ihm wollte. Er fragt', ob er ſollte mit ſich hindann Helm und Harniſch führen oder wen aus ſeinem Bann? Da ſprach der Boten Einer: „Davon nicht hörten wir, Daß er Reden brauchte; nur ſpräch er gerne mit dir.“ Wate wollte fahren: ſeine Leute ließ er dort Dem Land und den Burgen: als es zu Roſs gieng fort, Da folgk' ihm weiter Niemand als Zwölf aus ſeinem Bann. Wate der kühne gen Hof zu eilen begann. Er kam gen Hegelingen. Als er geritten kam Hin gen Campatille, da war ihm drum nicht gram Hettel der Degen: er kam hinaus gegangen: Er gedachte, wie er Wate, ſeinen alten Freund, ſollt empfangen. Er grüßt' ihn frohes Muthe8; laut ſprach der König da: x- „Herr Wate, ſeid willkommen! daß ich euch nicht mehr ſah, Das iſt nun lange Jahre: da wir beiſammen ſaßen, | Und uns mancher Heerfahrt zu unſern Widerſachern vermaßen!“

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Wate gab ihm Antwort: „Beiſammen ſollten ſein Gute Freunde gerne, ſo möchten ſie gedeihn Vor ihren ſtarken Feinden, und ſcheuten Niemands Haß.“ Er nahm ihn bei den Händen, gar freundlich that der König das. Sie ſetzten ſich zuſammen und anders Niemand mehr. Der König war gewaltig; Wate der war hehr Und auch übermüthig in allen ſeinen Dingen: Hettel ſaß in Sorgen, wie er ihn gen Jrland möchte bringen. Da ſprach der junge Re>e: „J\< habe dich beſandt: Eines Boten ich bedürfte in des wilden Hagen Land. Nun aber weiß ich Niemand, der dazu beßer wäre Al3 du Wate, lieber Freund: du brächteſt ſolcher Botſchaft große Ehre.“ Da ſprach der alte Wate: „Was ich werben ſoll Euch zu Lieb und Ehren, das thu ich gern und wohl: Des ſollt ihr mir getrauen, ich bring e8 wohl zu Ende, E3 ſei denn alleine, daß der grimme Tod davon mich wende. Hettel ſprach: „Mir rathen all die Freunde mein, Wenn mir geben wolle die ſchöne Tochter ſein Hagen der ſtarke, daß ich ſie gewinne Zur Frauen meinem Lande: das trug ich lang in meinem hohen Sinne.“

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Wate ſprach im Zorne: „Wer dir das hat geſagt, Und wär ich heut erſtorben, er hätt es nicht beklagt. Wohl hat dich ander8 Niemand gereizt mir anzuſinnen, Als Frute der Däne, die ſchöne Hilde dir zu gewinnen. „Es iſt ſo wohl behütet die minniglihe Magd -- Horand und Frute, die haben dir geſagt Von ihrer großen Schöne: ich will nicht Ruhe finden, Bis ſich dieſer Reiſe die beiden mit mir müßen unterwinden.“ Er wollte nac\< den beiden ſenden gleich zur Hand. Mehren ihre Freunde machte mans bekannt, Daß ſie bei Hofe ſollten vor dem Herrn erſcheinen. Heimliche Zwieſprach hatten ſie darüber weiter keine. Wate der kühne, da er Horand ſah, Und Frute den Dänen, wie balde ſprach er da: „Gott lohn euch Helden beiden, daß ihr um meine Ehre Und meine Hofreiſe unterweilen Sorge tragt ſo ſchwere. „Habt ihr darauf gedrungen, daß ich Bote bin, Nun müßt ihr auch beide ſamt mir dahin. Da dienen wir dem König wohl na\<h ſeinen Hulden. Wer meine Ruh gefährdet, der ſoll auch ſelber wahrlich mit mir dulden.“

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Da ſprach der Däne Horand: „I\< bin bereit dazu. Und erließ es mir der König, ſo ſäß ich nicht in Ruh: I\< wollte Arbeit ſuchen, wo ich ſchöne Frauen ſähe, Ob mir und den Meinen Ehr und Freude noch davon geſchähe.“ „Wir müßen ,“ ſprach Herr Frute, „ſiebenhundert Mann Mit auf die Reiſe führen. Hagen iſt ein Mann, Der Niemand Ehre gönnet; der Held iſt ſo vermeßen. Doch will er uns zwingen, ſo muß ex ſeiner Hochfahrt all vergeßen. „Nun befehlt , Herr König, zu zimmern auf die Flut Ein Sciiff aus Cyperbäumen, und ſo feſt und gut, Daß es eur Geſinde mög auf dem Meere tragen; Von ſilberweißen Spangen laßt dazu die Maſtbäume ſchlagen. „Und ſorgt für die Speiſe, die man haben ſoll, , Heißet Helme ſchmieden mit Fleiß, ſchön und wohl, Und feſte Halsbergen: die führen wir von hinnen. Des wilden Hagen Tochter mögen wir deſto leichter gewinnen. „Horand mein Neffe, das iſt ein kluger Mann, Soll in der Bude ſtehen, das ſäh ich gern mit an: Scnallen und Spangen verkauf er da den Frauen, Gold und Edelſteine: ſo wird man deſto lieber uns getrauen.

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„Wir ſollen auch feil bieten Waffen und Gewand. E3 iſt um Hagen3 Tochter ſo ängſtlich bewandt: Erwerben mag ſie Niemand will er nicht um ſie ſtreiten; Nun wähle Wate ſelber, die er heißen wolle mit uns reiten.“ Da ſprach der alte Wate: „I\< bin kein Handel3mann: No\< ſelten lag mir müßig das Gut das ich gewann, Stät3 theilt ih es mit Helden: ſo ſoll mir noch gelingen. I\< bin nicht ſo gefüge Kleinode ſchönen Frauen darzubringen. „Da es mein Neffe Horand auf mich gerathen hat, Wird er wohl ſelber wißen, wie leiht man Hagen naht; Der hat allein die Stärke von ſechsundzwanzig Mannen: Hört er von unſerm Werben, ſo kommen wir gar übel von dannen. „Herr König, heißet eilen: daß unſer Schiff gede>t Sei mit ſtarken Dielen, und daß e3 unten ſte>t Voll der guten Reken, die uns helfen ſtreiten, Wenn uns der wilde Hagen nicht in Frieden läßt von dannen reiten. „Deren ſollen hundert gutes Streitgewand Mit von hinnen führen in der Iren Land; So ſoll mein Neffe Horand mit zweihundert Degen In der Bude ſißen, den ſchönen Frauen Waaren vorzulegen.

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„Dazu ſoll man uns wirken guter Barken drei, Daß ſtäts von Speiſ und Roſſen der Vorrath nahe ſei Und uns in einem Jahre die Koſt ſei unzerronnen. Wir wollen Hagen ſagen, wir ſei'n zur Noth aus Stürmeland | entronnen: „Uns trage König Hettel ungnädigen Sinn. Mit köſtlichen Geſchenken wollen wir öfters hin Zu Hilden und Hagen dort am Hofe gehn: So läßt uns wohl der König gerne Gnade geſchehn. „Wir ſollen alle ſagen, daß wir geächtet ſei'n: Alsbald wird uns gewogen der wilde Hagen ſein. Dann heißt man Herbergen uns Vertriebnen geben, Und läßt uns Herr Hagen gern in ſeinen Landen reichlich leben.“ Hettel frug die Helden: „Wann ſoll es aber ſein, Daß ihr von hinnen ſcheidet, lieben Freunde mein? Sie ſprachen: „Wenn es ſommert, um des Maien Zeiten, So ſein wir reiſefertig; dann ſeht ihr uns zu Hofe wieder reiten. „Laßt unterdes bereiten was man haben ſoll, Die Ruder und die Segel mit Fleiß ſchön und wohl, Die Barken und Galeeren, die wir ſollen führen, Daß von den Grundwellen wir keinen Schaden mögen verſpüren.“

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Herr Hettel ſprach: „So reitet heim in euer Land: Und ſeht euch nicht in Koſten um Roſſe no\< Gewand: Allen die euch folgen laß ich Geräth bereiten, Daß ihr euch vor den Frauen mit Ehren zeigen dürft zu allen Zeiten.“ Mit Urlaub ritt da Wate heim in der Stürme Land. Horand und Frute kehrten gleich zur Hand Heim zum Dänenlande, wo ſie Herren hießen; E3 ſollte ſie im Dienſte König Hettel8 nie ein Ding verdrießen. Seinen Willen ſchauen ließ Hettel nun daheim: Ihm muſten unmüßig die Zimmerleute ſein. Sie wirkten ſeine Schiffe ſo gut ſie es verſtunden. Mit Silber an die Kiele wurden die Wände feſtgeb.mden. Die Maſtbäume ſchufen ſie alle feſt und gut; Da bewand man die Ruder roth wie eine Gluth Mit dem lichten Golde: ſollten ſie denn fahren, So reich war der König, er wollte nichts an ihrer Reiſe ſparen. Die Ankerſeile waren aus Arabien dem Land Fern daher geſendet: man hat wohl nie gekannt, Früher oder ſpäter, ſo ſchöne noch ſo gute: Sie fuhren deſto beßer von Hegelingen auf den tiefen Fluten.

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An den Segeln wurde gewoben ſpät und fruh; Der König hieß ſie eilen: da wählten ſie dazu Aus Abalie die Seide, die beſte die ſie fanden; Gar unmüßig waren Die ſie wirkten, bis ſie fertig ſtanden. Wer wird uns aber glauben, daß man aus Silber gut Ließ die Anker ſchmieden? Dem König ſtand der Muth Allein auf hohe Minne: er machte manchen Mann Unmüßig wie er ſelber, als er die Werbung begann. . Gedielt und gebälket ſtand manches Schiff am Strand Wider Kampf und Wetter. Da wurden bald beſandt Die da fahren wollten nach der ſchönen Frauen. Man bat dazu Niemand, dem nicht der König völlig mochte trauen. Von den Stürmen ritt Herr Wate hin wo er Hetteln fand; Schwer giengen ſeine Roſſe von Silber und Gewand. Da zählt' ex im Gefolge vierhundert Mann; Hettel der biedre viel kühner Gäſte gewann. Da ritt der ſ\<hnelle Morung daher von Frieſenland Mit zweihundert Degen; dem König ward bekannt, Daß er gekommen wäre - und Helm und Panzer brächte; Nicht lang, ſo kam auc\< Jrold; wohl waren ſie von Hettel3 Geſchlechte.

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Da kam vom Dänenlande Horand der kühne Mann. Gutwilliger Boten Herr Hettel da gewann Tauſend oder drüber, die er wollte ſenden: Wär er nicht ſo mächtig, er könnt e8 wahrlich nimmermehr vollenden. Jrolt von Ortland, den fand man ſo bereit, Gäb ihm auch der König nie dazu ein Kleid, Doch waren ſeine Helden und Er ſo berathen, Wohin3 auch gieng, es that nicht Noth, daß ſie je um eine Gabe baten. Dakgrüßte ſie der König, wie es ihm trefflich ſtand. > Jrolden nahm er freundlich bei der Hand, Und ſette ſich zur Seite dem alten Wate hin. Als Jeder im Geleite nun zur Reiſe willig ſchien, = Da ließ man allenthalben ſorglich haben Acht, Ob Alles was ſie brauchten bereit ſei und bedacht. Die Helden ſahen ſelber wie reich die Schiffe waren: Nach der ſchönen Hilde ließ er ſeine Boten herrlich fahren. Zwei neue Galeeren feſtgefugt und gut, Und zwei kleine Barken lagen auf der Flut; Dazu ein Kiel, der beſte, den bis an die Stunde Jemand in dem Lande auf des Meere8 Wogen noch gefunden.

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Man wählte hundert Reen, die da verborgen ſein Sollten in dem Schiffe, wenn man das Mägdelein Mit Liſt erwerben wollte und Streiten würde Noth: Der König ihnen willig ſeine großen Gaben bot. | Frute der kühne darauf der Kammer pflag, Wo Gold und Geſteine und viel des Schates lag. Gern leiſtete der König was man von ihm begehrte, Und wollte Frute Eine8, ſo warens dreißig, die er ihm gewährte. Da wollten ſie von dannen: Roſſ' und Gewand War ſc\<hon auf den Schiffen. Wate ſprach zuhand Zu Hettel dem König, bis ſie kehren ſollten, | Mög er ſich wohlgehaben, zumal ſie all ihm gerne dienen wollten. Der König ſprach in Sorgen: „Laß euch befohlen ſein Die Jungen, die von hinnen in dem Dienſte mein Der Noth entgegen ziehen: es bringt euch ſelber Ehre, Wenn ihr zu allen Zeiten den jungen Helden gönnet eure Lehre.“ Wate ſprach zum Könige: „Wie auch die Fahrt ergeht, Sorgt nur hier zu Hauſe, daß euch immer ſteht Der Muth bereit zur Gabe, denn Milde bringt euch Ehre. Und hütet unſres Erbe8; den Jungen fehlt es nicht an meiner Lehre.“

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Volk alles Schlages führten ſie hindann, Ritter und Knechte, dreißig hundert Mann, Als hätten ſie geräumet ihr Land vor ſtarkem Streite. Zu den Helden ſprach da Hettel: „Nun geb euch Gott im Himmel ſein Geleite.“ Horand ſprach. zum Könige: „Stellt alle Sorgen ein: Seht ihr uns wiederkehren, ſo ſchöne Mägdelein Laßen wir euch ſchauen, die ihr gerne ſollt empfahen.“ Gern hörte das der König: doc\< währt' es lang bis ſie ihn wieder ſahen. Mit Küſſen ließ er ſcheiden darauf ſo manchen Mann. In Noth und Bedrängniſs der junge Fürſt gewann Ein traurig Gemüthe: ſtät8 muſt er um ſie bangen. Nicht könnt er ſich der Kühnen getröſten , ſo batt ibn Angſt befangen. Da geſ\<ah ihm das zum Heile, daß ein Nordwind Nach der Helden Willen ihre Segel rührte lind. Ihre Schiffe giengen eben, da ſie ſchieden von dem Lande: Wohl lehrten da die Jungen Die auf Seefahrt beßer ſich verſtanden. Wir können nicht vermelden und wißen nicht zu ſagen, Wo ſie Nachtherberge in ſe\<hsunddreißig Tagen Auf dem Meere nahmen. Alle die da fuhren Mit geſtabten Eiden einander treuen Beiſtand ſ\<wuren. V' Simxo>, Gudrun. 5

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Stand auch gleich ihr Wille nach der wilden See, ! Ihnen wurde doch von Ungemach unterweilen weh. Oft fanden ſie auc\< Ruhe, wenn es mochte ſein: Wer die Flut will bauen, der muß groß Ungemac nicht ſcheun. Sie hatte tauſend Meilen das Waßer fortgetragen Hin zu Hagen38 Veſte, wie wir hören ſagen, Balian geheißen, wo er als Wüthrich ſchalte. Es ſtimmt nicht zu der Märe; man kann es nur für freche Lüge halten. Da nun die Welle brachte der Hegelinge Schar Vor die Burg des wilden Hagen, da nahm man ihrer wahr. Die Leute wundert Alle, von welchem Königslande Sie die Welle brächte; ſie trugen alle herrliche Gewande. Sie hefteten die Schiffe mit Ankern auf den Grund Und ließen ihre Segel ' nieder gleich zur Stund. Nun währt' es nicht mehr lange, ſo hatte man die Märe In Hagens Burg erfahren, daß fremdes Volk dort angelandet wäre. Sie giengen aus den Schiffen und trugen auf den Strand Ihre reihen Buden, darin zu Kaufe ſtand Wes Jemand nur bedurfte; ihre Armut war geringe. Wie manche Mark ſie hatten, ſie kauften ſelber wohl nur wenig Dinge.

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Auf dem Geſtade giengen wie Bürger angethan Sechzig oder mehre der Reden lobeſam. Von Dänemark Herr Frute war ihrer aller Meiſter ; Auch trug er beßre Kleider und gehub ſich ſtattlicher und dreiſter. +“ Als der Stadtrichter der Burg zu Balian - Sah, daß er ſo reihe Gäſte heut gewann, Ritt er mit ſeinen Bürgern dahin wo ſie fanden Die klugen Kaufleute: ſie gehabten ſich ſo gut als ſie's verſtanden. Da fragte ſie der Richter, von wannen über See Sie gefahren kämen? „Wir litten lange8 Weh, Denn unſer Land liegt ferne,“ ſprach da der Degen Frute; „Wir ſind Kaufleute und führen unſre Herrn mit rei\<em Gute.“ Um Geleit ließ Wate den Landesherren bitten. Da mochte man wohl ſchauen an ſeinen hehren Sitten, Wen ſeine Macht erreichte, daß er dem grimmig wäre. Hagen dem König brachte man die Gäſte mit der Märe. Er ſprach: „Mein Geleite und meines Friedens Bann, Will ich entbieten: am Strange büßt der Mann, Der ſich an den fremden Herren wird vergehen. Sie ſeien ohne Sorge: in meinem Land ſoll ihnen nichts geſ\<ehen.“

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Da gaben ſie dem König wohl tauſend Mark an Werth In reichen Kleinoden. Er hätte nicht begehrt Nur eines Pfenninges als daß ſie ihn ſchauen Ließen was ſie hätten da zum Schmut für Ritter und für Frauen. Da dankte ihnen Hagen; er ſprach: „Und ſollt ich leben Nicht drei Tage länger, was ihr mir habt gegeben, Das wird eu\<, meinen Gäſten, alſo vergolten, Thät man euch was zu Leide, fürwahr, ſo wollt ich ewig ſein beſcholten. Da theilte der König was man ihm dargebracht; Darunter lagen Spangen, wohl hat das Herz gelacht Den minniglichen Frauen; die Borten und die Ringe Und koſtbaren Kränze, der König theilte ſorgſam dieſe Dinge. Sein Weib und ſeine Tochter hatten wohl erkannt, Daß ſo reiche Gabe noc\<h in des Königs Land Von fremden Kaufleuten ſelten ward geſpendet. Da wurden erſt von Horand und Waten Gaben an den Hof geſendet. Sechzig reiche Pfellel, die beſten die man fand, Und vierzig Siglate trug man an den Strand; Purpur und Baldachſeide ſchien man für nichts zu achten; Sie gaben hundert Saben, die beſten, die ſie zu dem Lande brachten.

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Auch kamen zu den Pfelleln, die man zu Hofe trug, Reicher Ueberzüge in den Kauf genug. Solcher Stü>e waren vierzig oder mehre. Läßt ſich Lob erkaufen, ſo hatten ſie der Gaben wahrlich Ehre. Zwölf kaſtilſ\<e Pferde geſattelt brachte man, Und auch genug der Panzer und Helme wohlgethan Hieß man zu Hofe führen, dazu noch zwölf der Schilde, Mit Golde ſchön gerandet: wohl waren König Hagens Gäſte milde. Mit dieſen Gaben ritt zu Hof Horand Und Jrold der ſtarke. "Dem König wards bekannt ; Neue Märe bört' er von ſeiner Gäſte Schar: Sie wären Landesherren, an der Gabe ſah ers klar. Zu Hof mit ihnen kamen wohl vierundzwanzig Mann, Die ſie bei ſich führten; die waren wohlgethan. Sie waren ſo gekleidet, wenn e8 merken wollten König Hagens3 Reen, als ob ſie heut das Schwert no\< nehmen wollten. Einer ſprach zum König: „Herr, ihr ſollt empfahn Dieſe große Gabe, die euch wird gethan. Laßt auc\< unbelohnet nicht dafür die Gäſte.“ Er war ein reicher König: doch dankt' es ihnen Hagen auf das Beſte,

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„I\< dank es ihnen gerne wie billig,“ hub er an. Seine Kämmerlinge ließ er es empfahn. Er hieß die Gewande Stü für Stü> beſchauen. Als die ſie exſahen, ſie wollten nicht den eignen Augen trauen, Da ſprach der Kämmrer Einer: „Herr, ich ſag euch frei, Es liegt von Gold und Silber manch Gefäß dabei, Reich geziert und edel mit köſtlihem Geſteine; Zwanzig tauſend Marken mögen ihre Gaben werth erſcheinen.“ Da ſprach der Wirth : „Die Gäſte ſollen geprieſen" ſein; Nun will ich es theilen mit den Reen mein.“ Da gab der König allen was einer nur begehrte Bi3 er einen Jeden nach ſeinen Wünſchen völliglich gewährte. Der Wirth ließ bei ſich ſiven Jrold den jungen Mann, Dazu auch Horanden; zu fragen hub ex an, Von wannen ſie gekommen ſei'n zu ſeinem Reiche: , „Niemals gaben Gäſte mix noch, was euern Gaben ſich vergleiche.“ Da ſprach Horand der Re>e: „Das will ich euch ſagen. Herr, auf eure Gnade müßen wir euch klagen: / | Aus unſerm Heimatlande ſind wir vertrieben. E8 wollt ein reicher König an uns nicht länger ſeinen Zorn ver- [ I ſchieben,“

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Da ſprach der wilde Hagen: „Wie iſt er genannt, Vor dem ihr räumen muſtet die Burgen und das Land? I\< ſeh euch ſo geſchaffen, ließ er Klugheit walten, Ihr dünkt mich alſo bieder, ſo hätt er euch wohl beßer dort behalten.“ Er fragte wie er hieße, der ihnen Aechtung bot, Und vor deſſen Zorne ſie wären in der Noth, Daß ſie flüchtig müſten fremde Reiche bauen? „Das wollen wir, Herr Hagen,“ ſprach Horand, „euch der Wahrheit nach vertrauen.“ „Sein Name heißet Hettel von Hegelingenland. Seine Kraft und ſeine Kühnheit ſind ſtark und ſeine Hand Nahm uns hoher Freuden allzuviel dahin: Uns iſt jezo billig um ſo trüber zu Sinn.“ Da ſprach der wilde Hagen: „Gut, daß ihr hergekommen: Hier wird euch gar vergolten was er euch hat genommen, Es ſei denn, mir ſelber gebräche gar das Meine: Den Hegelingenkönig ſollt ihr ſelten bitten um das Seine.“ Er ſprach: „Und wollt ihr Re>en verweilen hier fortan, So will ich mit euch theilen das Land, das ich gewann, Daß nie der König Hettel die Ehr euch ließ erleben: Was er euch genommen bat will ich euch wohl zehnfach wieder geben.“

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„Wir blieben bei euch gerne,“ ſprach da Horand; „Wir fürchten, wird uns inne hier in der Jren Land Hettel der Hegelinge, wohl iſt ihm kund die Straße: Wir müßen immer ſorgen, daß der Held uns nirgend leben laße.“ Hagen der König zu den Geſellen ſprach : „Beſchließt ihr hier zu bleiben, ſo ſchaff ich euch Gemach. Nimmer wagt Herr Hettel hier in meinem Lande Euch feindlich nachzuſtellen : das wär mir ſelber eine große Schande.“ Er ließ ſie herbergen alsbald in der Stadt. Alie ſeine Bürger der wilde Hagen bat, Ihnen Ehre zu erbieten wo ſie irgend könnten, Daß ſie in ibren Häuſern den waßermüden Helden Rube gönnten. Gern folgten ſeiner Bitte die Bürger unverwandt. Die allerbeſten Häuſer die man irgend fand, Vierzig oder mehr, räumte man den Gäſten; Die vom Dänenlande mochten ſich da pflegen auf das Beſte. Sie brachten zum Geſtade das reiche Gut zumal. Die in den Schiffen lagen verborgen, litten Qual: Sie hätten lieber ſtreiten mögen unterm Schilde, Als müßig ſein, bis Zeit wär heimzuziehen mit der ſchönen Hilde.

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Der König hieß da fragen dic werthen Gäſte ſein, Ob ſie genießen wollten ſein Brot und ſeinen Wein, So lange ſie verweilten bei ihm in ſeinem Reiche. Da ſprach der Däne Frute: „Da3 würd uns all zu Schanden hier gereichen. „Wär uns der König Hettel in Gnaden wieder hold, Und äßen wir nichts anders als Silber oder Gold, Des wollten wir zu Hauſe wohl ſo reichlich finden, Daß wir großen Hunger möchten völlig bei ihm überwinden.“ Frute der Däne ſchlug ſeinen Kram nun auf. Niemand ſah ſol; Wunder von wohlfeilem Kauf Je in allen Landen, daß Jemand ſeine Waare So billig lo8geſchlagen : ſie brauchten dazu ſc\<werlich lange Jahre. E53 kaufte wer da wollte Geſtein und lichtes Gold; Der König war den Gäſten von ganzem Herzen hold; Wer aber ihres Gutes ohne Kauf begehrte, Sie waren ſo geſonnen, daß mans in Güte Manchem auch gewährte. Was aber je geſagt ward von den kühnen zwein, Von Waten und von Fruten, wie unverzagt ſie ſei'n, Sie gaben jeßt, den Augen wollte Niemand trauen, So warben ſie um Ehre: das ſagte man bei Hof den ſchönen Frauen.

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Man ſah viel arme Leute tragen ihr Gewand. Die da Schulden hatten, denen ward ihr Pfand Gelöſt und erledigt. Von ihrem Kämmerlinge Vernahm die junge Königin über ſie melden wunderſame Dinge. Sie ſprach zu dem Könige: „Viel lieber Vater mein, Laß zu Hofe reiten die werthen Gäſte dein. Man ſagt, dabei ſei Einex =- könnte das geſchehen = So wunderlichen Muthes =- daß ich ihn bisweilen möchte ſehen.“ Der König ſprach zur Tochter: „Das mag gar wohl geſchehn. Seine Sitten und Geberden laß ich dich gerne ſehn.“ Noch hatte Herr Hagen ſeiner keine Kunde. Zu lange ward den Frauen, bis ſie den alten Wate ſahn, die Stunde. Der König ſeinen Gäſten freundlich entbot, Wenn ſie irgend hätten eines Dinges Noth, Daß ſie zu Hofe kämen und genößen ſeine Speiſe. Das rieth der Däne Frute; der war zumalen kühn und auch weiſe. Da rüſteten gen Hofe ſich Die von Dänenland, Daß ihnen Niemand mochte ſchelten ihr Gewand. Desgleichen von den Stürmen Watens Ingeſinde; Man mocht auch an ibm ſelber wobl einen guten Schwertdeogen finden.

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Morungens Re>en trugen Mäntel zut, Und R5F aus Kampalie: roth wie eine Gluth ' Sah man daran erglänzen das Gold mit dem Geſteine. Jrold der Kühne gieng auch hin zu Hofe nicht alleine. Horand der S\<hnelle trug zu Niemand Neid Beßrer Kleider wegen. Mäntel tief und weit Trug er und die Seinen; die waren wohlgethan. Dieſe kühnen Dänen kamen berrlich heran. Hagen war ſo mächtig und trug ſo hohen Sinn; Ihnen gieng er doch entgegen. Die edle Königin Stand auf von ihrem Site, da ſie Waten ſah; Y - Der hatte die Geberde als läg ihm Lachen nicht zu nab. Da ſprach ſie wohlgezogen: „Nun ſeid uns willkommen. I\<H und mein Herr der König, wir haben wohl vernommen, Ihr Helden ſeid ermüdet von des Krieges Noth und Schwere; Doch ſoll an euch der König bedenken nun ſein Lob und ſeine Ehre.“ Sie neigten ſich ihr alle; züchtig war ihr Muth; Der König hieß ſie ſiven, wie man Gäſten thut. Dann trug man hin zu trinfen den allerbeſten Wein, Der in allen Landen mag in eines Fürſten Hauſe ſein. -

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Y FS 1008 Sie ſetzten ſich mit Scherzen nieder allzumal. Die Königin, die edle, räumte den Saal: Sie bat den wilden Hagen, daß er ihr verhieße, Daß er die ſchnellen Helden zum Geſpräch in ihre Kammer ließe. Das verſprach der König ohne Widerſtreit; Der jungen Königstochter war es auch nicht leid. Da zierten ſie ſich alle mit Gold und mit Gewanden: Sie wollten gerne ſhauen wie ſich das Volk gehub aus fremden Landen. Da nun die alte Hilde bei ihrer Tochter ſaß, Die minniglihen Maide ſorgten ohne Unterlaß, Wie Jegliche die Zierde trüg und die Gebäre, Daß Männiglich gedächte, daß ſie eine Königstochter wäre. Der alte Wate ſollte nun zu dem Mägdlein hin: Wie greis auch war der Re>e, doch lag es ihr im Sinn, Sie hätte ſich zu hüten vor dem grauen Degen. Züchtig gieng Waten da die junge Königin entgegen. Sie empfieng ihn vor den Andern; doch wär es ihr wohl leid, Penn ſie ihn küſſen müſte. Der Bart war ihm breit; Sein Haar war ihm beiwunden mit Borten, wunderguten. Zu ſißen lud ſie beide, Waten und vom Dänenlande Gin

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Vor ihren Stühlen ſab man die edeln Helden ſtehn, Die ſich auf Zucht verſtunden und die man oft geſehn Große Tugend üben in manchem ſcharfem Streite. Drum lobte man die Helden und pries ſie höchlich in aller Weite. Frau Hilde und ihre Tochter in ſcherzendem Muth Fragten da Waten, ob ihn das däuchte gut, Wenn er bei ſchönen Frauen alſo weilen follte, Oder ob er lieber in den harten Kämpfen fechten wollte? Da ſprach der alte Wate: „Das geziemt mir mehr. Saß ich bei ſchönen Frauen auch noc\< ſo ſanft bisher, Do\<h war mir Eines lieber: daß ich mit guten Knechten, Wär es an der Stunde, in viel harten Stürmen ſollte fechten.“ Darüber laut erla\<te die minniglihe Maid; 4 Sie ſah wohl, ihm wäre bei ſchönen Frauen leid. Sie ſcherzten noc\< lange im Saal darüber heiter. Frau Hild und ihre Tochter ſprach zu Morungens Helden weiter. Sie fragten von dem Alten: „Wie iſt er genannt? Hat er auch Leute, Burgen und Land? Und bat er auch daheime Weib oder Kind? Ich wette, daß er ſelten die zu Hauſe herzt und minnt.“

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Da fprach ver Re>en Einer: „Wohl hat er Kind und Weib Daheim in ſeinen Landen; ſein Gut und ſeinen Leib Wagt er gern um Ehre, das hat man oft erfahren : Er iſt ein kühner ReXe wohl geweſen ſchon ſeit jungen Jahren,“ Weiter ſagte Jrold von dem kühnen Mann, Selten hab ein König ſich noch bisheran Solches kühnen Reken erfreut in ſeinen Reichen: „Wie ſanft er hier gebahre, ein erlauchter Held iſt8 ſonder Gleichen. “ Die Köngin ſprach: „Herr Wate, nun höret meinen Rath: Da aus der Dänen Lande euch her vertrieben hat Hettel der König, ſo ſollt ihr hier verbleiben: Niemand iſt ſo mächtig, daß er euch von hinnen dürfte treiben.“ Wate ſprach zur Königin: „I\< hatte ſelber Land: Da gab ich Wem ich wollte Roſ8 und Gewand: Sollt ich um Lehn nun dienen? das will mir nicht bebagen. Mir wird mein Land wohl wieder binnen Jahresfriſt und dreien Tagen.“ Nun giengen ſie von dannen. Die ſchöne Hilde bat: Sie ſollten täglich kommen zu Hofe früh und ſpat. „Bei den Frauen ſien bringt euch keine Schande.“ Da ſprach der Degen Jrolt: „So bot mans uns in unſres Herren Lande.“

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Der König alle Tage bot ihnen großes Gut. Die auserwählten Reen waren ſo gemuth, Daß ſie von Niemand wollten nur einer Mark werth nehmen. Reich war Herr Hagen: da fieng ihn an ihr Uebermuth zu grämen. Sie giengen vor den König: da waren Ritter viel. Da trieb der eine dieſes, der andre jenes Spiel: Auf dem Schacbret ziehen, und ſchirmen unter Schilden. Sie achteten ſo hoch niht als man doch ſchätzte Hagen den wilden. Nach der Iren Sitten begann man allerlei Freudenſpiel zu ſpielen. Wate fand dabei An dem König einen Freund. Den von Dänenlanden, Der ſchönen Maid zu Liebe jah man beiter ſcherzen, Horanden. Herr Wate und Frute, die Ritter wohlgeſtalt, Gleich beinahe waren die kühnen Reden alt. Beider greiſe Lo&en ſah man in Gold gewunden: Wo es Recken brauchte, da wurden ſie gar ritterlich befunden. Des Königs Ingeſinde zu Hofe Schilde trug, Tartſchen und Keulen: da ward geſchirmt genug, Gefochten mit dem Schwerte, mit dem Spieß geſchoßen Viel auf gute Schilde: die jungen Helden waren unverdroßen.

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Herr Hagen hub zu Waten und ſeinen Leuten an: „Ward in euerm Lande wohl jemals kund gethan Alſo ſtarkes Schirmen wie mein? Helden pflegen Hier im Jrenlande ?“ Verſchmählich lachte Wate der Degen. Da ſprach der Held von Stürmen: „I\< erſah es nie. Könnt ichs aber lernen, ich wollte gerne hie Ein Jahr darum verbleiben bis ichs auch ſo könnte: Wer mein Meiſter wäre, wie gern im meinen Lohn dafür ihm gönnte! Der König ſprach zum Gaſte: „Den beſten Meiſter mein Will ich euch lehren heißen, dir zu Liebe ſoll das ſein, Daß du do\< drei Hiebe könneſt, wenn es ſtreiten Gilt in Feldſchlachten: es bringt dir Frommen noch zu manchen Zeiten.“ Da kam ein Fechtmeiſter, der hub zu lehren an Rate den kühnen; davon er ſelbſt gewann Um Leib und Leben Sorge. Wohl wuſte ſich zu de>en Wate wie ein Kämpe; Frute lachte heimlich ob dem Reen. * E38 half dem Fechtmeiſter, daß er Sprünge ſprang Wie ein wilder Löwe. An Watens Hand erklang Gar oft die ſ\<öne Waffe; aus den Schilden ſtoben Die rothen Feuerfunken: er muſte ſeinen Fechtſchüler loben. |

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Da ſprach der wilde Hagen: „Gebt mix das Schwert zur Hand. I\< will nun kurzweilen mit Dem vom Sturmland, Ob ich ihn lehren möge vier von meinen Schlägen, Daß mirs der Ree danke.“ Das geficl Waten wohl, dem alten Degen. Der Gaſt ſprach zum Könige: „Doch laß den Frieden dein Mich haben, König Hagen, daß ich fahrlos möge ſein. Schlügeſt du mir Wunden, ſchämt ich mich vor den Frauen.“ Wate konnte fecbten, Niemand wollte ſeinen Augen trauen.“ Bald ſpürte Hagen alſo den kunſtloſen Mann, Daß er wie ein begoßner Brand zu rauchen begann, Der Meiſter vor dem Jünger; wohl war er ſtark genug; - Auch warens große Schläge, die der Wirth dem Gaſte ſchlug. Die Leute ſahn es gerne mit an um Beider Kraft; Bald erkannte Hagen Watens Meiſterſchaft. Er hätte zürnen mögen, würd es an ihm geprieſen. Doch hatte zur Stunde die meiſte Stärke Hagen noch erwieſen. Da ſprach zum König Wate: „Laß ohne Frieden ſein Von nun an unſer Fechten: von den Schlägen dein Erlernt ich nun die viere: ich will dir8 gerne danken.“ Er lohnt' ihm bald ſo völlig wie einem wilden Sachſen oder Franken.

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Da ſie das Friedengeben ließen unterwegen, Der Saal begann zu beben von der Helden Schlägen. Was ſie ſonſt begonnen wär ihnen wohl gelungen; Sie fochten ſo gewaltig, der Klingen Knöpfe waren abgeſprungen. Sie giengen beide ſißen; der Wirth zum Gaſt begann: L . „Ihr ſprecht, ihr wollet lernen: wohl ſah ich nie den Mann, Des Jünger ich ſo gerne bei ſolchen Künſten wäre: In dieſen Uebungen wird euch auf dem Fechtplaß, ſtät3 die Ehre.“ Jrold ſprach zum Könige: „Herr, es iſt geſchehn, Daß ihr euch habt gemeßen. Wir haben3 oft geſehn In unſres Herren Lande; denn unſre alten Rechte Gebieten ſolche Uebung Tag für Tag dem Ritter wie dem Knechte. Dawider ſprach Hagen: Hätt ich das erkannt, So kam der Scläger heute nicht in meine Hand. Nie ſah ich einen Jünger lernen ſo geſchwinde.“ Dieſer Rede wurde da gelacht von mancher Mutter Kinde. , Da erlaubt' er ſeinen Gäſten womit ſie ſich die Zeit Nur vertreiben wollten. Sie waren's gern bereit: Die von Ortland durfte die Weile nie verdrießen. Sie warfen mit den Steinen und fiengen mit den Schäften an zu ſchießen.

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Sechstes Abenteuer. Wie ſüß Horand ſang. (Es geſchah an einem Abend, daß ihnen ſo gelang, Daß vom Dänenlande der kühne Degen ſang Mit ſo herrliher Stimme, daß es wohlgefallen Muſſte all den Leuten: davon geſchwieg der kleinen Vöglein Sc\<hallen. Der König hört' es gerne und Die in ſeinem Bann; Horand der Däne ſich manchen Freund gewann. Auch ward die alte Königin ſeines Singens inne; ES erſcholl ihr durch das Fenſter, als ſie oben ſaßen an der Zinne. Da ſprach die ſchöne Hilde: „Was iſt das für Geſang? Die allerſchönſte Weiſe zu meinen Ohren drang, Die ich je auf Erden von Jemand hörte ſingen: Wollte Gott vom Himmel, daß ſie könnten meine Kämmerlinge.“

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Sie ließ ihn zu ſich bringen, der ſo herrlich ſang. Als ſie erſah den Reken, ſie ſagt' ihm großen Dank, Daß ihr der Abend wäre mit Freuden hingegangen. Von Hildens Frauen allen ward der Held da gar wohl empfangen. Da ſprach die alte Königin: „Noch einmal ſinget mir Die Weiſe, die heut Abend ihr habt geſungen hier, Und gönnt mir das zur Gabe zu allen Abendſtunden, Daß ich euch ſingen höre: ſo wird euch wohl ein Lohn dafür gefunden.“ „Frau, wenn ihr erlaubet, und wird mir euer Dank, Ich ſing euch alle Tage ſol\<hen guten Sang, 1 Daß Jedem, der es höret, davon ſein Leid verſchwindet, Und alle Sorg ihn fliehet, der meiner Weiſen Süßigkeit befindet.“ Ex ſprach, ex dien ihr gerne; ſo ſchied der Held hindann. Sein Singen alſo großen Lohn in Jrland gewann, Daß man ihm nie zu Hauſe ſolchen Sold ließ wägen: Alſo diente Hetteln von Dänemark dieſer kühne Degen. Als die Nacht ein Ende nahm und es begann zu tagen, Horand hub an zu ſingen, daß ring8um in den Hagen Alle Vögel ſchwiegen vor ſeinem ſüßen Sange. Die Leute die da ſchliefen lagen in den Betten nicht mehr lange.

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Wes . 25 Sein Lied erklang ihm ſchöner und lauter immerdar; Herr Hagen hört' es ſelber, der bei Frau Hilde war: Aus der Kemenate muſten ſie zur Zinne. Der Gaſt war wohl berathen: die junge Köngin ward des Sanges inne. Des wilden Hagen Tochter und ihre Mägdelein Saßen da und lauſchten, wie ſelbſt die Vögelein Auf dem Königs3hofe vergaßen ihr Getöne; Wohl hörten auch die Helden, wie Der von Dänenlanden ſang ſo ſchöne. Da dankten ihm die Frauen und Männer in8gemein. Frute ſprach ver Däne: „Mein Neffe laße ſein Die ungefügen Töne, die ich ihn höre ſingen: Wem mag er zum Ständ\<en ſo ungefüge Tageweiſe bringen?“ Da ſprachen Haaens Helden: „Herr, wir thun euch kund, Niemand kann ſo ſiechen, er würde bald geſund, Wenn man ihm ſein Singen anzuhören gönnte.“ „Wollte Gott vom Himmel,“ ſprach der König, „daß ichs ſelber könnte!“ Als ex ſchon das dritte Lied zu Ende ſang, Allen die es hörten, währt' e8 nicht zu lang: Es dauchte ſie in Wahrheit nur ſpannenlange Weile, Wenn er immer ſänge während Einer ritte tauſend Meilen.

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Als er geſungen hatte und von der Stelle gieng, Die Königsto\<hter morgens wohl nie ſo froh empfieng Die ihr die Kleider brachten, die ſie ſollte tragen. Das edle Mägdlein ſchite ſie alsbald nah ihrem Vater Hagen. Der König gieng zur Stelle wo er die Tochter fand Wie bekümmert ſiden: da war des Mägdleins Hand An ihres Vaters Kinne: ſie wuſt in ihn zu dringen. - Sie ſprac\<: „Liebes Väterlein, heiß ihn uns noch neue Lieder ſingen. “ Er ſprach: „Liebe Tochter, wenn er zur Abendſtund Dir Lieder wollte ſingen, ich gäb ihm tauſend Pfund. Do ſind ſo hochfährtig des fremden Landes Söhne, Daß uns hier am Hofe ſo leicht nicht mehr erklingen ſeine Töne.“ Was ſie bitten mochte, der König blieb nicht mehr. Nun fliß ſich wieder Horand, daß er nie vorher So wunderſam geſungen: die Siechen und Geſunden Konnten nicht vom Plate, wo ſie wie da angewurzelt ſtunden. Die Thier' im Walde ließen ihre Weide ſtehn; Die Würme, die da ſollten in dem Graſe gehn, Die Fiſche, die da ſollten in dem Waßer fließen, Verließen ihre Fährte: wohl durft ihn ſeiner Künſte nicht verdrießen.

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Was er da ſingen mochte, das dauchte Niemand lang. Verkeidet in den Chören war aller Pfaffen Sang; Auch die Glocken klangen nicht mehr ſo wohl als eh: Allen die ihn hörten, war nach Horanden weh. Da ließ ihn zu ſich bringen das ſchöne Mägdelein : Ohn ihres Vaters Wißen, gar heimlich ſollt es ſein ;“ So blieb es ihrer Mutter, Frau Hildens auch verhohylen, Daß der Held ſo heimlich ſich in ihr Kämmerlein geſtohlen. Ein Kämmerling verdiente mit Liſten reichen Sold. Was ſie ihm gab zum Lohne, das war allrothcs Gold, Lichtes und edlc8, zwölf ſchwere Spangen, Daß der Sangesmeiſter am Abend käm in ihr Gemach gegangen. Er that es in der Stille; wohl*freute ſich der Mann, Daß er ſo guten Willen hier bei Hof gewann. Er kam von fremden Landen daher um ihre Minne; Er dankt' es ſeinen Künſten, daß ſie ihm trug alſo holde Sinne. Sie ließ ihren Kämmrer vor der Thüre ſtchn, Daß kein Andrer nach ihm zu ihr dürfe gehn Bis er ſeine Weiſen all ihr vorgeſungen. Da war Niemand zugegen als er mit Morung dem jungen.

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Sie hieß den Helden ſißen: „Nun ſtimmt noch einmal an, Die Lieder, die ich hörte,“ bat ſie den jungen Mann, „Das lüſtet mich zu hören: eures Mundes Töne Sind miv eine Kurzweil über alle Freud und alle Schöne.“ Da ſprach er: „Dürft ich ſingen, ſchönes Mägdelein , Daß euer Vater Hagen nicht zornig wollte ſein Und mir das Leben nähme, ich würd' es nicht 'verſchmähen, Euch gern in Allem dienen, wenn wir euch bei unſerm Herren ſähen. “ Da begann er eine Weiſe, die war von Amile, Kein Ohr hat ſie vernommen, noch lernt ein Mund ſie je Bis Er ſie hörte ſingen auf den wilden Fluten. Mit dieſer Weiſe diente Horand am Hof der ſchönen Maid, der guten. Als er die füße Weiſe zu Ende nun ihr ſang, Da ſprach das ſc\<öne Mägdlein: „Freund, des habe Dank.“ Sie gab ihm von dem Finger, nie ſah man Gold ſo zutes. Sie ſprach: „I\< lohn euch gerne: dazu bin ich gar williges Muthes,. “ / Auch gelobte ſie dem Degen freiwillig in die Hand, Trüge- ſie je die Krone in eines Königs Land, So könnte man ihn ſicher ferner nicht vertreiben Al3 bi3 zu ihrer Veſte: da möcht er dann mit Ehren wohl verbleiben.

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Was ihm die Frau geboten, das wollt er“ alles nicht, Außer einen Gürtel: „Ob einer tadelnd ſpricht, Daß ich zuviel genommen, ſchön Mägpdlein, der bedenke, I\< bring ihn meinem Herrn: der empfängt ihn gerne zum Ge- ' ſchenke.“ Sie ſprach: „Wer iſt dein Herre? und wie iſt er genannt? Trägt er auch die Krone und hat ſein eigen Land? I\< bin ihm dir zu Liebe hold, ich wills geſtehen.“ Da ſprach der kühne Däne: „RNeichern König hab ich nie geſehen.“ Er ſprach: „Verrieth' uns Niemand, ſchönes Mägdelein, So ſagt' ich dir gerne, wie uns der Herre mein Hat hieher geſendet in Gnaden ſonder Schanden, Frau, um deinetwillen, zu deines Vaters Burg und dieſen Landen.“ Sie ſprach: „Laß mich hören was mir der Herre dein Aus euerm Land entbietet: ob es der Wille mein, Laß ich dic) wohl erfahren eh wir hier uns ſcheiden.“ Vor Hagen bangte Horand: das mocht ihm lange ſchon den Hof verleiden. Er ſprach zu der Frauen: „So entbietet er dir das, Sein Herz trage Minne zu dir ohn allen Haß. Nun laß ihn genießen, Herrin, deiner Güte: Er hat um dich alleine von allen Fraun gewendet ſein Gemütye.“

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Sie ſprach: „Iſt er ſo hold mir, Gott lohn es deinem Herru. Wär er mir ebenbürtig, ich wollt ihn minnen gern, Wenn du mir ſingen wollteſt den Abend und den Morgen.“ Er ſprach: „Ic\<h thu es gerne, darüber ſeid mir, Herrin, außer Sorgen.“ Er ſprach zur ſchönen Hilde: „Viel edles Mägdelein, Mein Herr hat alle Tage dort an dem Hofe ſein Zwölfe, die's im Preiſe der Sangkunſt weiter bringen. Wohl ſüß klingt ihre Weiſe; do\<h kann mein Herr am allerſchönſten ſingen.“ „Du ſagſt mir wie gefüge dein lieber Herre ſei: Wohlan, ſo will ih nimmer des Willens werden frei, Die Gedanken ihm zu lohnen, die er trägt nach meiner Minne. Dürft ich vor meinem Vater, ich wollt euch gerne folgen von hinnen.“ Da ſprach der Degen Morung: „Frau, uns ſind bereit Sieben hundert Reken, die gerne Lieb und Leid Mit uns theilen wollen. Kommt ihr auf die Straße, So ſeid ohne alle Sorge, daß ich euch vem wilden Hagen laße.“ Noch ſprach er: „Wenn wir jeho Urlaub von ihm begehrt, So ſollt ihr Hagen bitten, vielleicht daß ers gewährt, Daß ihr unſre Schiffe von innen dürfet ſchauen Mitihm und eurer Mutter,“ ſprach der Degen zu der ſchönen Frauen.

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„Das will ich gerne leiſten, ſo er es läßt geſchehn; Dazu auh ſollt ihr bitten den König und ſein Lehn, Daß ich ans Ufer reiten darf mit meinen Maiden; Gewährt es euch mein Vater, ſollt ihr drei Tage mich voraus N beſcheiden. Dem Haupt der Kämmerlinge war Gewalt verlichn, Daß er öfter zu ihr gienge: derſelbe Degen kühn Gieng auc\< heute wieder auf Kundſchaft zu den Frauen. Jene Helden beide durften ihrem Leben wenig trauen. Da ſprach er zu Frau Hilden: „Wen ſeh ich ſien hie?“ Darüber ward den Helden ſo trüb zu Muth wie nie. Er ſprach: „Wer hieß euch beide gehn zu der Kemenaten? Wer euch das verſtattete, der wollt euch meiner Treue nur ver- rathen.“ Sie ſprac\<: „Nun laß dein Zürnen, und ſie in Frieden gar, Mit meinem Haß bekümmert ſonſt biſt du immerdar. Du ſollſt ſie in der Stille zu ihrer Wohnung bringen, Sonſt würd ihm ſchlimm vergolten, daß er ſo wunderſam verſteht zu ſingen.“ Er ſprach: „Zſt es der Re>e der ſo wohl ſingen kann? I\< ſelbſt weiß einen Sänger, kein König gewann Einen beßern Re>en: meine Mutter und ſein Vater Sind Eines Vaters Kinder: immer als ein kühner Degen that ex.“

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Die Magd begann zu fragen: „Wie war er denn genannt?“ Da ſprach er: „Horand hieß ex und war von Dänenland ; Trägt er nicht die Krone, doch möcht er ſie verdienen. Wir lebten einſt bei Hetteln; doch fremd geworden jeho bin ich ihnen.“ Als Morung ihn erkannte, dem man das Land verbot Dort bei den Hegelingen, das ſchuf dem Degen Noth: Seine Augen liefen über, zu trauern er begann. Da ſah den Reken gütlich die junge Königin an. Auch ſah der Kämmrer ſelber der Re>en Augen naß. Ev ſprach: „Liebe Herrin, laßt euch ſagen das, Es ſind meine Vettern: nun helft, daß ſie gedeihn, Dieſe Helden beide; ich will ihr Hüter ſelber ſein.“ Das Herz ward den Recken ſchier von Sorge wund. „Dürft ich vor meiner Frauen, ſv küſt ich auf den Mund Dieſe Reen beide; es iſt nun manche Stunde, Daß ich von König Hettel, dem Hegelingen, nicht mehr hörte Kunde,“ Da begann die Jungfrau: „Sind ſie die Vottern dein, Mir ſollen deſto lieber dieſe Gäſte ſein. So ſollſt du meinem Vater von ihnen Kunde melden, Daß er ſobald nicht wieder von uns ſcheiden laße dieſe Helden.“

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„Mil Da giengen Zwieſprach halten die beiden Ritter gut. Dem Kämmrer ſagte Morung all ihren Sinn und Muth, Wie ſie Hilden8 wegen ſich in das Land gewendet, Die der König Hettel ſie zu entführen habe hingeſendet. Der Kämmrer ſprach dagegen: „Nun hab ich doppelt Noth: Erſt um des Königs Ehre und dann wie ich vom Tod Euch bei dem König rette: denn wird es Hagen innen, Daß ihr die Maid begehret, ſo kommet ihr nimmer beil von binnen.“ Da ſprach der Degen Horand: „Höre was ich ſage: Wir bitten ihn um Urlaub von heut am vierten Tage, Weil wir nun zu ſcheiden gedächten aus dem Lande: So will uns dann der König beſchenken ſo mit Schaß als mit Gewande. „Wir begehren dann nichts weiter, der Bitte ſtimme bei, Als daß er uns in Gnaden ſo gewogen ſei, Daß er mit uns reite, er mit ſeinen Frauen, Den beiden Königinnen, an den Strand, da unſre Kiele ſchauen. „Mag uns das gelingen, ſo ſchwindet unſer Leid. Wir kommen an ein Ende all unſrer Arbeit, Wenn uns das edle Mägdelein begleitet zu dem Grieße: So weiß ich, daß zu Hauſe des Lohns den König Hettel nicht verdrieße.

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Da brachte ſie von hinnen der liſtige Mann, Daß Hagen ſich der König der Dinge nie verſann, Und ſie zur Herberge heimlich mochten gehen; So getreue Dienſte durften ſie am Hofe nicht verſchmähen. Da ſagten ſie heimlih dem alten Wate das, Wie da3 edle Mägdelein minne ſonder Haß Ihren Freund Hettel von den Hegelingen; Sie beriethen mit dem Degen wie ſie ihm die zu Hauſe ſollten bringen. Da ſprach der alte Wate; „Käm ſie aus dem Thor, Daß ich nur erſt ſähe das Mägdlein davor, Wie wir dann ringen müſten mit denen von dem Hauſe, Die junge Königstochter käm nicht mehr zu ihres Vaters Klauſe." Sie ſorgten, daß Alles geheim gehalten ward Und rüſteten ſich ſtille zu ihrer Wiederfahrt. Man ſagt' e8 auch den Degen, die in den Schiffen lagen: Die hörten e8 nicht ungern: ſie mochten kaum Stillliegen mehr ertragen. Sie beriefen alle Die ihnen unterthan: Du hub ein ſolch Gefliſter unter ihnen an, Daß lang in JIrlanden die Klage muſte währen; Hagen büßt' e8 übel: die Gäſte dachten nur auf Hettels Ehre.

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Als ſie am vierten Morgen nun zu Hofe ritten, Wieder neue Kleider nac\< Wünſchen wohlgeſchnitten Trugen da die Gäſte: ſie wollten nun von dannen. Sie begehrten Urlaub vom König und von allen ſeinen Mannen. - Zu den Gäſten ſprach da Hagen: „Was meidet ihr mein Land? Alle meine Sinne hatt ich darauf gewandt, Daß eu\< anmuthig mein Land und Reich erſcheine; Nun ſcheidet ihr von hinnen und laßt mich ungeſelliglich alleine.“ Da ſprach der- alte Wate: „Nach uns geſendet hat Der Vogt der Hegelingen; er weiß nicht andern Rath Als ſich mit uns verſöhnen; auch jammern unſre Lieben, Die wir zu Hauſe ließen: ſo können wir die Reiſe nicht verſchieben.“ Da ſprach der wilde Hagen: „So hab ich nach euch Leid. Nun geruht von mir zu nehmen als Gabe Roſs und Kleid, Gold und Geſteine: laßt mich euch ſo vergelten Eure große Gabe, daß die Leute mich darum nicht ſchelten.“ Da ſprach der alte Wate: „J\< bin zu reich dazu, Daß ich eures Goldes entführt' in meiner Truh. 'Bei vem uns unſre Vettern aufs Neu gebracht zu Hulden, Hettel der reiche, der vergäb uns nimmer ſol\< Verſchulden.

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„Nach Cinem Dinge ſteht uns, Herr König, Herz und Muth, Das dünkt uns eine Ehre, wenn ihr es gerne thut. Kommt ſelbſt und ſchaut, wie viel uns noch übrig bleibt zu zehren. Guter Leute Speiſe durften wir no\< drei Jahr nicht begehren. „Wir gebens Wen da lüſtet, da wir von hinnen fahren. Nun mög euch Gott die Chre und euch ſelber hier bewahren. Wir ſcheiden nun; nicht länger dürfen wir verweilen; Nun reitet mit, das höchſte Geleit uns zu den Schiffen zu ertheilen. „Eure ſchöne Tochter und die edle Königin Soll unſre Habe ſchauen: das wird uns ein Gewinn An Ehren immer bleiben: wollt ihr uns das gewähren, Edler König Hagen, andrer Gaben mögen wir entbehren.“ Der Wirth ſprach zu den Gäſten mit Wohlgezogenheit: „Muß es denn ſein, ſo heiß ih morgen bei guter Zeit Hundert Mähren ſatteln den Mägdelein und Frauen; Ich will euch auch begleiten, eure Schiffe ſelber zu beſchauen.“ Nun ritten ſie mit Urlaub vor Abend an die Flut. Da trug man auf die Erde Wein, der war ſo gut, Aus den kleinen Booten, dazu viel edler Speiſe: So wurden leicht die Schiffe: Frute von Dänemark der wohl war weiſe.

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Siebentes Abentener. Wie die Jungfrauen die Schiffe beſchauten und wie ſie entführt wurden. An dem nächſten Morgen nach Frühmeſſenzeit „Um der Wette kleideten ſich Fraun und manc\<e Maid, Die Hagen führen wollie zu des Meeres Strande. Wohl tauſend gute Reken ritten mit ihm aus der Iren Lande. Die Gäſte hatten Meſſe zu Balian vernommen. Nicht verſah ſich deſſen der König, daß ihm kommen Würde ſolches Leiden =- es kränkt' ihn an den Ehren =- Von der fremden Ne>en Scheiden, daß er die liebe Tochter müß entbehren. Als ſie ans Ufer kamen wo man die Schiffe fand, Hilden und ihre Frauen hub man auf den Sand. Da ſollten zu den Schiffen die minniglichen Frauen: Die Buden ſtanden offen, wo die Köngin Wunder mochte ſchauen.

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Der König ſah auch ſelber was auslag auf dem Kram, Manches reiche Kleinod, das hoch zu ſtehen kam. Als Er und die Geſellen ſich das beſchauet haben, Da zeigte mans den Mägdlein, denen ſie viel gute Spangen gaben. ' Der König gieng ein kleines Boot zu ſchaun hindann: Bevor man all die Thüren der Buden aufgethan, Vom Grund zu löſen Wate vie Anker raſch begonnte: Da ſchied man die Frauen ſo geſchwind als es geſchehen konnte. Wen es verdrieße, Wate fragte nicht darnach: Gleich galt ihm, wo e8 bliebe was auf dem Krame lag. Die alte Köngin Hilde ſchied man von der jungen. Auf ſprangen die Verborgnen: König Hagen ſahs von Zorn bezwungen. Auf zogen ſie die Segel, die Leute ſahen das: Die ſie vom Schiffe ſtießen, deren ward mancher naß; Sie ſchwammen wie die Vögel im Waßer zu dem Strande. Und ihre Tochter härmte ſich die alte Königin am Lande. Da der wilde Hagen die Gewaffneten ſah, Wie grimmig rief der Degen in ſeinem Zorne da: „Nun bringt mir geſchwinde meine Sperſtange: Sie müßen alle ſterben, die ich hier mit meiner Hand erlange.“

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Luſtig ſprach da Morung: „Nun eilt nicht zu ſehr: «/ Wie ſchnell uns zu beſtreiten ihr auch lieft daber, Und kämen wohlgewaffnet tauſend eurer Helden, Mir ſtoßen ſie ins Waßer: ſo wißen ſie, wie kühl es iſt, zu melden.“ Doch wollten es nicht laßen Die in Hagens Bann; Da glänzt' es am Geſtade, ein ſcharfer Streit begann. Man ſab da Schwerter ziehen und mit den Speren ſchießen. Sie tauchten ein die Ruder; die Schiffe ſah man vom Geſtade fließen. Wate der kühne vom Geſtade ſprang In eine Galeere, daß ihm der Panzer klang. Mit funfzig ſeiner Helden eilt' er Hilven nach; Die ſtolzen Bürger dachten noch zu rächen ibre Schmach. Da kam der Degen Hagen, der nun Gewaffen trug Und ſein Schwert das ſcharfe; das war wohl ſchwer genug. Der kühne Wate hätte ſich ſchier verſäumt zu lange; Grimmig war der König, er trug nun ſeine Gerſtange. Er rief mit lauter Stimme, ſein Volk er eilen hieß, Rechts und links lief Niemand, den er ſich ruhen ließ? Vielleicht daß er die Gäſte do\< no\< möcht erlangen, Die ihm viel zu Leid gethan: er wollte ſie erſchlagen all und fangen.

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Er hatte bald geſammelt um ſich ein mächtig Heer: Nicht folgen konnt er ihnen doch auf dem wilden Meer, Da le> alle Schiffe und unbereitet waren, ' Die ſie ereilen ſollten; der wilde Hagen muſt es ſelbſt gewahren. Da konnt er ſich nicht helfen, als daß er auf dem Grieß Mit anderm Ingeſinde die Werkleute hieß Wieder neue Schiffe zimmern für die Wellen. Ihm kamen die da konnten: bald halfen ihm viel rüſtiger Geſellen. Am ſiebten Morgen räumten ſie der Jren Land. Die der König Hettel um Hilden ausgeſandt, Nicht mehr waren ihrer als Ein tauſend Mannen; Da zog der wilde Hagen mit dreißig hunderten von dannen. Die kühnen Dänen hatten nach Hetteln geſandt: Da ließen ſie ihm melden, daß ſie in ſein Land Hagens Tochter brächten, ihm zu großer Ehre. Ob ſie es jeht nicht dachten, bald ſchuf es ihnen Leid und Herzens- ſchwere. Hettel der König wie fröhlich ſprach er da: „Nun hab ich Sorgen wenig mich freut, daß geſchah Zu der Jren Lande die Reiſe meiner Degen. Sie kehren dieſem Strande Die mir am Herzen alle Zeit gelegen.

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„Wenn du mich nicht betrügeſt, lieber Bote mein, Und du mir das nicht lügeſt =- haſt du das Mägdelein Bei meinen Freunden geſehn in dieſen Reichen, Viel des rothen Goldes laß ich dir für deine Botſchaft reichen.“ „I\< ſag es ungelogen, ich ſah das Mägpdelein; Doh ſprach die Königstohter, die Sorge ſ\<huf ihr Pein, Ob ihm voraus gekommen ſie wären man\<he Meile -- „Mein Herz iſt mir beklommen, daß uns zu S\<iff mein Vater noch ereile,““ Was er ihm gab zu Lohne war hundert Marken werth. Die Ritter die da waren, den Helm und das Schwert Brachte man den Degen und viel der guten Schilde: So wollten ſie entgegen ihrer Herrin ziehn, der ſchönen Hilde. Er führt' in großer Menge das Volk mit ſich hindann, Ob es ihm gelänge, daß er ſeinen Bann So zu Hilden brächte mit hochzeitlichem Prangen, Daß man Königstöchter nie zuvor ſo würdiglich empfangen. Wie ſehr ſie Eile hatten, die Freunde wie ſein Bann, Gar langſam giengs von Statten bis er das Volk gewann, Das er dazu bedurfte; ihm währt' es allzulange; Doch bracht er ſeiner Leute tauſend oder mehr zu dem Empfange.

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Gekleidet ſonder Gleihen, wohl war es an der Zeit, Die Armen wie die Reichen, in lichtem Eiſenkleid Wollten ſie die Frauen heim zu Hofe bringen. Die ſtolzen Helden dachten wie ſie die Braut nach Ehren dort empfiengen. Als ſie von Hauſe wollten, vernahm man lauten Schall. Da ſie von hinnen ſollten, zu Berg und auch zu Thal Mochte man viel Leute auf den Wegen ſchauen. Hetteln währt' e8 lange bis er ſah die Schönſte aller Frauen. Nun war der alte Wate, der Held von Sturmland, Bei Waleis in der Marke gekommen an den Strand. Die waßermüden Helden an das Geſtade giengen. Da wollten ſie Frau Hilden an das befreundete Ufer bringen. Es hießen niederſpannen die Hütten bei der Flut Des alten Wate Mannen: hochſchwebend war ihr Muth. Da hörten ſie vermelden neue Freudenmäre: Man ſagte den Helden, daß Hettel der Hegeling gekommen wäre, Der reite vort entgegen der holden Trauten ſein, Er und ſeine Degen. Die ſchönen Mägpdelein Glaubten ohne Zweifel, daß man ſie mit Ehre Zu ſeinem Lande brächte: ſie dachten nicht, daß Wer noc\< Kampf begehre.

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Sie hatten was ſie haben ſollten, Brot und Wein. Die Landleute gaben willig in8gemein Den Gäſten was ſie konnten: was Einer nur begehren Mochte oder brauchte, das ließen ſie mit Nichten ihn entbehren. Den König Hettel ſahen ſie da dem Meeresſtrand Mit den Rittern nahen, die er jüngſt beſandt In ſeines Vaters Erbe: ſie kamen angezogen In ſo lichtem Harniſ\<, die Gäſte wurden ihnen all gewogen. Die von Hegelingen ritten auf den Plan: Die ſchnellen Helden fiengen zu turnieren an, Dem jungen Volk zu Gute, mit ritterlihem Preiſe, Da kam der Däne Frute; mit ihm ritt auch Wate der weiſe. Von ferne ſah ſie Hettel: da ward er ho\<hgemuth. Sein Roſ3 erſprengt' er freudenvoll, der berühmte Degen gut. Da ſah er Zwei der Beſten, die er zu den Jren Geſendet mit den Gäſten, des wilden Hagen Tochter zu entführen. Sie ſahn auch ſelber gerne den Degen kühn und hehr; Sie muſten Freude lernen alle Tage mehr: Sie hatten Noth, nicht kleine, gehabt in fremden Landen, Mate mit den Seinen = nun lohnte Hettel was ſie aus8geſtanden.

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Mit lachendem Munde vor den Freunden ſein Sprach der König Hettel; „Ihr lieben Boten mein, I\< muſte lange jammern in Sorgen um euch Degen, Daß in Hagens Kammern meine Reken all gefangen lägen.“ Vor Freude küſt er beide, die Männer greis und alt; Liebre Augenweide gewann er nicht ſo bald: In langen Zeiten hatt er ſo gerne nichts geſehn. Dem Degen war wohl nimmer ſo große Freude geſchehn. Wate ſprach der alte: „Das iſt nicht geſchehn. Doch hab ich ſo gewaltig Niemand je geſehn Wie der ſtarke Hagen herſcht in ſeinem Lande. Sein Volk iſt übermüthig, er ſelber iſt ein Held ohn alle Schande. „Ja glücklich war die Stunde, wo Solches ward erdacht! Wer rieth8 mit ſelgem Munde? Wir haben dir gebracht Aller Frauen ſchönſte, das darfſt du mir wohl glauben, Lieber Freund Hettel, die ich je erſah mit meinen Augen.“ Da ſprach der Ritter edel: „So bald es mag geſchehn = Die Feinde ſind ſo frevel -- eilt euch vorzuſehn, Daß uns nicht ereile hier in dieſer Marke Hagen, der grimme: ſonſt müht uns noc\< der Uebermuth des Starken.“

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Wate und Herr Frute führten nun hindann Die Helden kühn gemuthet in König Hettel8 Bann, Wo ſie die ſchöne Hilde heute ſollten ſchauen. Auf den lichten Schilden wurden no\<h der Schwerter viel verhauen. Da gieng das edle Mägdelein unter ſchönem Hut. Die Hegelingen waren bei dem König gut Von den Roſſen nieder geſtiegen auf das Gra. Das edle Ingeſinde, wie fröhlich thaten ſie das! Jrold von Ortreich, Morung von Frieſenland, Der beiden Reken Einer gieng ihr zu jeder Hand, Hilde ver ſchönen, als ſie den König ſahen. Man möcht ihr Lob wohl krönen: da dachte ſie den Helden zu empfahen. Mit ihr giengen Maide, zwanzig oder mehr, All im weißen Kleide; ich glaube gern der Mär. Die allerbeſte Seide, vie man möchte finden = Das mochten ſie wohl leiden =- ſah man an dem ſchönen Jngeſinde. Mit Züchten tadel5Sohne hub da zu grüßen an, / Die bald bei ihm trug Krone, der waidlihe Mann Die Magd, die minniglihe; er büßte ſein Gelüſte! Er umſc\<loß ſie mit den Armen, der Schönen Mund der Degen ; lieblich küſste.

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Er empfieng ſie nicht alleine: auch die ſchönen Mägdelein; Darunter war Eine, die mochte wohl ſein Von königlichem Stamme: ſie war von hoher Sippe. Sie war der Frauen eine, die die Greifen trugen zu der Klippe. Sie war geheißen Hildburg: Frau Hilde, Hagens Weib, Hat in Ehren auferzogen ihren tugendreichen Leib. Sie war aus fernen Landen, von Portugal geboren; Sie ſah viel fremde Völker; ihre Freunde gaben ſie verloren. Hettel hatt in Ehren gegrüßt die Mägdelein; Doch ſollt ihr Leid no\< währen. Sie wähnten ſchon, ſie ſei'n Aller Sorge ledig; doch an dem nächſten Morgen Sobald der Tag ergraute, da kamen ſie aufs Neu in große Sorgen. Das edle Ingeſinde empfieng man freudiglich. Bei Hagens ſchönem Kinde nieder ſetzt' es ſich Auf die lihten Blumen unterm Zelt von Seide, Hagen war nun nahe: da kam es noch zu übermäßgem Leide.

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Achtes Abentener. Wie Hagen ſeiner Tochter nachfuhr. Als e8 nun Abend wurde, da ſah von Dänenland Horand der kühne Degen = es war ihm wohl bekannt -- Ein Kreuz in einem Segel, und mehr der Bilder drinne. Solchen Pilgrimen trug der alte Wate wenig Minne. Laut rief da Morung Jrolden zu: „Nun ſage König Hetteln, was er darum nur thu: Hagen3 Wappen prange in reichem Segel dorten. Hier ſchliefen wir zu lange; wir ſchieden nicht von ihm mit holden Worten." Man brachte Hetteln Märe, daß von Jrland Sein Schwäher ſei gekommmen zu ihm an den Strand. Er führe ſtarke Boote und manche Galeere. Da berieth ſich mit dem König Wate und Frute der hehre.

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Noch wollten es nicht glauben Die von Dänenland, Bis ſie es ſahn mit Augen zu Waleis an dem Strand, Daß Hagens Helden kämen und verfolgten Hilde. Die von Ortland lagen unbeſorgt noc\< dort auf dem Gefilde. Da vernahm es Hilde, das ſchöne Mägdelein: Die edle und die milde ſprach: „Der Vater mein, Jſt der angekommen, ſo wird der ſchönen Frauen Soviel die Luſt benommen, daß ſeinen Augen Niemand möchte trauen.“ „Das vollen wir verhüten,“ ſprach der Held Jrold; „Und hüb er an zu wüthen, einen Berg von Gold Wollt ich gerne miſſen, wenn der- Streit geſchähe, Daß ich Waten meinen Oheim bei dem wilden Hagen nicht erſähe.“ Der Frauen klagten Viele mit dem Königskind. Es ſchwankten ſehr die Kiele; es hatt ein Abendwind Gen Waleis in die Marke“ geführt ſo viel der Degen. In heißen Stürmen gaben und nahmen ſie den blutfarbgen Segen. Wate hieß Frau Hilde flüchten auf ein Boct. Schnell mit manchem Schilde für des Mägdleins Noth Stand an allen Enden das Schiff in guter Wehre. * Da waren bei ven Frauen zur Hut der Ritter hundert oder mehre.

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Da ſchi>ten ſich zum Streite Alle, die zum Strand Ihr nachgekommen waren und die von Irland Das Mägdlein hergeführet zu Hagens großem Leide. Mancher no\< Geſunde ſtand da hart an ſeines Lebens Scheide. Laut rief da Hettel ſeine Helden an: „Nun wehrt euch, ſchnelle Degen: der niemals Gold gewann, Dem heiß ich es meßen reichlich ungewogen; Ibr ſollt des nicht vergeßen, die Jren kommen wider euch gezogen.“ Mit ihrem Streitzeug ſprangen die Helden an den Strand. In ihres Kriegens Drange ward Waleis das Land Mit Blut übergoßen von den guten Degen. Die Feinde mit den Freunden kamen ſich auf Einem Feld entgegen. Nun war zu nn Hagen gekommen an den Strand. Da ſah man Spere ſchießen von guter Helden Hand. Die auf dem Ufer ſtunden, die wuſten ſich zu wehren Von den Jrenbelden; da ſah man ſich die Zahl der Wunden mehren. Dem Lande wohl vergönnte Niemand gern ſein Kind, Wo man ſo dienen könnte, daß man den rothen Wind Aus harten Helmen ſchlüge, die ſchönen Fraun zu freuen. Die Reiſe mit den Gäſten mochte wohl die ſchöne Hilde reuen.

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Da wechſelten die Stihe mit dem ſcharfen Sper, Die ſich unterm Schilde durc\< Halsbergen her Tiefe Wunden ſchenkten mit willigem Muthe: Gefärbt ward das Waßer mit dem allrothen Lebensblute. Hagen mit lauter Stimme daß ihm die Flut erſcholl, Nief ſeinem Volk im Grimme, ſeine Stärke, die war voll, Daß ſie ihm landen hülfen und ſchlügen tiefe Wunden. Das thaten ſie gerne; da ward der Schwerter Schärfe wohl befunden. Hagen war gedrungen ſchier bis an den Strand; Manc\< Schwert war laut erklungen. Hagen Hetteln fand Zunächſt bei vem Waßer am Geſtade ſtehn: Da waren große Wunder von ſeiner Hand ſchon geſchehn. Im Zorne ſprach da Hagen hinaus in die Flut: Watend zum Geſtade kam er grimmgemuth. Da ſah man auf den Reen Schneeflo>en gleich im Winde Viel der Pfeile fliegen: das that der Hegelingen Heergeſinde. Da gab es auch von Schwerten überlauten Klang. Die zu tödten ihn begehrten, die muſten manchen Wank Thun vor ſeinen Schlägen. Hettel der hehre Kam zu ſeinem Schwäher: leid war der ſchönen Hilde dieſe Märe.

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E3 war wohl kein Wunder, ſo thun die Bücher kund, Bei Hagens großer Stärke, daß ihm mannhaft ſtund Der Hegelingenkönig. Als ſie zuſammen ſprangen, Im Streit ſich zu begegnen, wie da viel gute Helme laut erklangen! Es war auch nicht zu ſcheiden in ſo kurzer Stund; Hettel der kühne ward von Hagen wund. Da kamen ſeine Freunde mit Wate von Sturmlanden : Jrold und Morung waren gute Reken ſonder Schanden. Da kam der Degen Frute und Wate mit der Schar; Der Helden tauſend gute bracht er mit ſich dar. Hettels Hegelingen ſah man den Gäſten ſchlagen So viel der rothen Wunden, daß ſie geſtreut zu beiden Seiten lagen. Hagens Geſellen hatten nun das Land Erkämpft mit Feindefällen; da wollten auf dem Strand Des Königs Kummer rächen Die aus Jrlands Gauen. Da muſten Helme brechen: ſie warben grimmig um die ſchönen Frauen. Hagen ließ von Hettel: ſeine Stärke war ihm kund. Da machten im Gedränge Manchen ungeſund Die vom Dänenlande und Die von Hegelingen; Zu Hagen dem wilden hießen ſie den alten Wate dringen.

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Hagen der ſtarke die dichte Schar durchbrach, Sein Schwert ſchnitt tiefe Wunden: er rächte ſeine Schmach, Daß man ihm entführet die minniglichen Maide. Verderblich ward berühret mancher Ring von ihm in ſeinem Leide. Ihm genügte nicht am Schwerte, zu rächen ſeinen Haß: Von ſeiner Gerſtange rücklings ven Boden maß Mancher edle Ritter, der nimmermehr die Märe In ſeinen Landen ſagte, wie ihm dort im Streit gelungen wäre. Da kam eilend8 Wate, ein edler Ritter gut, Der au3 den lichten Ringen das fließende Blut Den nächſten Freunden rinnen ſah von Hagens Schlägen: Mit Schre>en ward ers innen, fünfhundert lagen todt vor ihm der Degen. Da hatten ſich verſammelt die Haufen überall Der Freunde wie der Feinde; da hub ſich großer Schall, Als Wate nun und Hagen zu einander drangen, Die da entweichen mochten, freuten ſich, daß ſie dem Tod entgangen. Auf Waten drang den alten Hagen mit mächtgen Schlägen; Großer Stärke mocht er walten. Da ſah mancher Degen Gluth aus Helmen ſtieben gleich lihten Feuerbränden. So konnten Helme klieben beide wohl mit mannhaften Händen.

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Da ſchlug der alte Wate, daß ihm der Grund erſcholl. E3 waren unberathen die Fraun, des Schre>ens3 voll. Da war dem König Hettel die Wund indes verbunden : Da hub er an zu fragen wo ſein Oheim Wate ſei zur Stunde. Bei dem Voland aller Könige wars wo er ihn fand. Da wehrte ſich dermaßen Der von der Stürme Land, Daß man von ihnen beiden mochte Märe ſagen, Wie Wate der kühne im Streit geſtanden. vor dem wilden Hagen. Hagnen brach die Stange, die er im Streite trug, - Auf dem Schilde Waten8; wohl war der ſtark genug. Beßer fechten konnte wohl auch in allen Reichen Nimmer eine Rede; Wate wollte nicht vor Hagen weichen. Nun ſc\<lug er in das Haupt ihm, König Hettels Mann, Wate dem kühnen, daß aus dem Helme rann Das Blut von ſeiner Wunde. Da fühlten es die Winde: E5 war zur Abendſtunde, da man ſtreiten ſah dieß Heergeſindo. Mit Zorn vergalt ihm Wate den tödtlich grimmen Schlag, Daß blutiger Zähren ſo manche auf ihm lag. Er ſchlug den wilden Hagen, daß an des Helmes Spangen Sein Schwert hell erglänzte: das Tagslicht war vor ſeinem Blick vergangen.

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Auch Jrold war verwundet, der Held von Ortland. Wieviel der Todten lagen geſtreut von ſeiner Hand, Den alten Wate konnt er nicht von Hagen bringen. Die Frauen weinten alle, da ſie ſo viel Schwerter hörten klingen. Hilde die ſhöne rief da trauernd an Hettel den Re>en, daß er bald hindann Ihren Vater brächte von Wate dem greiſen; Seinen Fahnenträger hieß er da das Volk zum Sturme weiſen. Hettel der König that Wunder viel im Streit: Er kam zum alten Wate; das war dem Helden leid. Der Rete rief zu Hagen: „Bei eurer eignen Ehre, Laßt ſich den Haß nun enden, daß unſrer Freunde Sterben ſich | nicht mehre.“ Laut fragte Hagen, grimmig war ſein Muth, Wer ihn zum Frieden mahne. Da ſprach der Degen gut: „I\< bin es, Hettel, der Fürſt der Hegelingen, Deſſen liebe Freunde ſo fern Frau Hilde zu entführen giengen.“ | Da ſprach der Uebermüthige: „Da ich nun vernommen, Daß ſie als Räuber, wüthige, nicht ſind nach ihr gefommen, Und eu\<h al8 mächtgem König die Ehr iſt unzerronnen = Jhr habt mit ſchönen Liſten mir meine liebe Tochter abgewonnen. “

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Hettel ſprang da näher, wie man gerne thut, Wo man Streit ſoll ſcheiden. Wie auch ſo grimmen Muth Der kühne Wate hatte, doch wichen ſie von dannen. Zurück auch trat Herr Hagen von Jrland mit allen ſeinen Mannen. Hettel der König den Helm vom Haupte band: Der Friede ward gerufen über all das Land. Da ſprach Hildens Vater, daß der Streit zu Ende wäre. Lange Tage hatten die Frauen nicht gehört ſo liebe Märe. Da entwaffnete ſich Jeder, der kaum auf Kampf noc\<h ſann. Etliche ſuchten Ruhe; do\<h weh war manchem Mann Von den tiefen Wunden, die ſie vom Kampfe brachten. Viel wurden auch gefunden, die der Noth der Schlacht nicht mehr gedachten. Da gieng der König Hettel mit Hagen hindann: Er ſprach zu dem Reken: „Mein Herz und Reich gewann Eure Tochter Hilde: ſo ſollt auch ihr vergönnen, Daß ſie Krone trage, wo ihr viel ziere Helden dienen können.“ Hettel ſandte Boten und hieß Waten kommen: Der war der Heilkunſt kundig, man hatt es längſt vernommen. Erlernt hatt e3 der Re>e - von einem wilden Weibe; So friſtete ver Kee Manchen ſchon am Leben und am Leibe.

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Sich entwappnete der Degen: ſich ſelbſt er erſt verband: Ein heilfräftig Kräutlein nahm er in die Hand Und eine kleine Büchſe: ein Pflaſter war darinnen. - Da fiel ihm vor die Füße Hilde die Zier aller Königinnen. Sie ſprach: „Wate, lieber Freund, den Vater heile mir: Was du nur gebieteſt, in Allem folg ich dir; Und hilf ſeinen Reen, die hier im Staube liegen; Mit deinen Künſten rette, Die meinem Vater helfen wollten ſiegen. „Du ſollſt auc nicht vergeßen von Hegelingenland Hier der Freunde Hettel83; wohl haben ſie den Sand Mit ihrem Blut begoßen als ob es Regen wäre: Ic\<h mag von dieſer Neiſe wohl allewege ſagen leide Märe.“ Wate ſprach der alte: „Ihr Arzt bin ich nicht: Der Kunſt ih mich enthalte, wird mix nicht Bericht, Die Sühne ſei geſtiftet von dem reichen Hagen Mit Hetteln meinem Herren: ſo lang muß ich mich billig des ent- ſchlagen.“ Da ſprach das edle Mägdlein: „Dürft ich ihm doch nahn! So hab ich leider wider den Vater gethan, Daß ich meinen beſten Freund nicht darf empfangen gehen: Er und auch die Seinen werden, fürcht ih, meinen Gruß ver- ſc\<mähen.“ .

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Hagen ward gefraget: „Kann das, Held, geſchehn ? Wenn es euch behaget, euc\<h möchte gerne ſehn Eure ſ\<öne Tochter, die Zier der Königinnen: Die möchte gerne helfen euern Wunden, wolltet ihr ſie minnen.“ „I\< will ſie gerne ſehen was ſie auch hat gethan. Mich freut auch ihr Empfangen: warum ſtünd ich an Hier in fremden Landen, daß ich mied' ihr Grüßen? Mir und meiner Tochter mag König Hettel wohl das Leid verſüßen.“ Horand der Däne führte ſie an der Hand, Und Frute der Degen, wo ſie den König fand. Nur Eine Magd gieng mit ihr des Vaters Wunden ſchauen. Leid trug ſie um die Freunde, durfte gleich ihr Hettel mehr ver: trauen. Da er ſie und Hildburg zu ſich kommen ſah, Da ſprang er von dem Site; ſo ſprac\< Herr Hagen da: „Sei willkommen, Tochter, du viel ſchöne Hilde! I\< kanns nicht unterlaßen, deinen Gruß empfang ich gern mit Milde.“ Er wollte nicht die Wunden die Kinder laßen ſchaun. Die wurden ihm verbunden; die edeln Jungfraun Wies er derweil beiſeite. Man ſah ſich Wate peinen, Daß er den König heilte: da ließ ab das Mägdelein mit Weinen.

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Als Wate ſeinen Wunden Kraut und Würze bot, . Da war ſein Leid geſchwunden nach ſeiner großen Noth. Er hatte mit der Salbe den König bald verbunden. Hilde kam zurüe: da ſah ſie ihren Vater ſchnell geſunden. Da fand der Heilkunſt Meiſter viel zu thun umher. Sollt er ſich Gut verdienen in großem Kriegesheer, Sv könnten es Kameele nicht von der Stelle tragen. * Von ſo großen Künſten hört ich im Leben Niemand Kunde ſagen. Zur Stelle heilt' er Hetteln von Hegelingenland, Darnach die andern alle, ſo viel man ihrer fand. Den aller Künſte Liſten nicht mehr konnten heilen, Den wuſt er noch zu friſten; er hieß das halbentſchwundne Leben weilen. Da wollten ſie die Freunde nicht länger laßen dort. Hagen ſprach zu Hilden: „Laßt uns an anderm Ort Unſre Zeit verbringen, daß man das Feld mag räumen Von den Todten allen: ſie dachten nicht ſo lange hier zu ſäumen. “ Hettel lud da Hagen zu ſich in ſein Land; Er hätt es weigern mögen; doch verſprach ers, als er fand, Welch großes Land gehorchte Dem von Hegelingen. Seiner lieben Tochter fuhr er da zu Hauſe guter Dingen.

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Die jungen Helden ſungen indem ſie zvgen fort. Den Lebenden war gelungen; ſie ließen aber dort Von Reichen und Armen wohl dreihundert Todte, Die lagen zum Erbarmen von den ſcharfen Schwertern da zerſchroten. Die kampfmüden Helden fuhren in ihr Land, Darin man alle Leute in großen Freuden fand; Nur den Freunden Deren, die dort gerafft der Tod, Konnt es nicht Luſt gewähren, ſie hatten wahrhafte Noth. Als Hildens8 Heimreiſe mit Hetteln geſchah, Da weinten viel der Waiſen; doch bald gefiels ihr da In dem fremden Lande. Frau Hilde ward gekrönet Von dem hehren König: den Hegelingen ſchien ihr Land verſchönet. Hagen war gelungen: er hatt es ſo begehrt. ) Die Alten wie die Jungen trugen bei Hof das Schwert; 'So thaten auch die Gäſte in des Fürſten Landen allen; Frau Hilden8 Hochzeit muſt ihrem Vater Hagen wohl gefallen. Mit wie großer Ehre ſie im Brautſtuhl ſaß, Ws Dieſe Magd, die hehre! Uns ſagt die Märe das, Fünfhundert Ritter nahmen deſſelben Tags die Waffen. Frute der Däne fand als Kämmrer wieder viel zu ſchaffen.

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Mit Freuden ſah da Hagen ſo herrlich. Hettel8 Land. Er hatte hören ſagen Die Hettel ihm geſandt, Daß er die Krone trage ob ſieben reihen Landen. Sie ſchi>ten alle Armen hin wo ſie gute Herberge fanden. Da gab König Hettel Silber und Gewand, Rothes Gold und Roſſe Denen von Jrland So viel, daß ſie's niht alle nac\< Hauſe mochten bringen. Er gewann ſie ſich zu-Freunden: Frau Hilde mochte Ehren wohl erringen. Darauf am zwölften Morgen räumten ſie das Land. Die däniſchen Roſſe zog man an den Strand, Denen auf die Hufe die Mähnen niederhiengen. Wohl freuten ſich die Gäſte, daß ſie von Hetteln Kunde je empfiengen. Truchſäß und Marſc\<alk mit Hagen ritt hindann, Kämmerer und Schenke; wie reich auch war der Mann, Man dient' ihm niemals ſchöner in ſeinem eignen Gute: Daß Hilde da gekrönet gieng, darüber war ihm wohl zu Muthe. Sie fanden auf den Wegen Imbiß und Ruh zur Nacht. Hagen und ſeiner Degen ward mit Pflege ſo gedacht, Daß ſic wohl zu Hauſe davon erzählen könnten, Und wie ſie alle Ehren König Hettel38 Freunden jeho gönnten.

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Hagen Hildburgen mit Armen umſchloß; Er ſprach: „Nun pflege Hilden, deine Treu iſt groß. Leicht macht die Frauen irre ſo großes Ingeſinde: Nun erweiſe dich ihr gnädig, daß man auch dieſe Tugend an dir finde,“ „Herr, ich thu es gerne; es ijt euch wohl bekannt, Daß ich bei ihrer Mutter viel Kummer überwand, Und nimmer eine Weile nur ihre Gunſt verlor: I\< folgt' ihr manche Meile, eh ſie euch zum Freund erkor.“ Er berief auch all die andern vor ſein Angeſicht; Die ſchönen Frauen ließen da das Weinen nicht. Er empfahl ſie alle dem Wirth in ſeine Hände; Ev ſprach: „Seid ihnen gnädig; wohl ſind die ſchönen Kinder hier gar fremde.“ Er ſprach zu ſeiner Tochter: „Ihr ſollt ſv Krone tragen, Daß ich und eure Mutter nimmer höre ſagen, Daß euch jemand haße: ihr ſeid ſo reich des Gutes, Daß e8 euch übel ſtände, ſagte man, ihr wärt unmilden Muthes.“ Mit Neigen küſte Hilde Hagen den König hehr. v Er und ſein Geſinde erſahen nimmermehr Der Hegelingen Lande, die allzu ferne lagen. Gen Balian der Veſte ſchiffte ſich da ein der König Hagen.

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Als er nun zu Hauſe bei ihrer Mutter ſaß, * Der alten Köngin Hilde ſagt' er ohne Haß, Sie könnten ihre Tochter beßer nicht verwenden. Hätt er mehr der Kinder, die wollt er all den Hegelingen ſenden. Da pries die ſchöne Hilde den waltenden Chriſt: „Daß uns mit unſrer Tochter ſo wohl gelungen iſt, Des freun ſich meine Sinne, das Herz ſamt dem Muthe. Wie gehabt ſich ihr Geſinde, und dazu Frau Hildeburg die gute?“ Da ſprach König Hagen: „Ueber Leut und Land Haben ſie ſich getröſtet: ſo herrlihes Gewand Sah man nie hier tragen unſrer Tochter Frauen. Laßen wir ſie bleiben! e8 ward um ſie der Panzer viel verhauen.“

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Neuntes Abentener. Wie Wate, Morung und Horand heimfuhren. Nun ſchweige dieſe Märe, ſo ſag ich euch fürbaß Von König Hettel8s Sippe, die in dem Lande ſaß, Wie ſie ihm zinſen muſte von den Burgen und den Landen. Sie kamen all zu Hofe, wenn Hild und Hettel es für gut befanden. Wate ritt gen Stürmen, Morung gen Nifland; Horand der Däne, gen Givers an den Strand Bracht er ſeine Degen, wo ſie ihn Herren nannten; Sie ſchüßten ihr Gehege, daß man weit der Fürſten Namen kannte. Jrold ſaß in Ortland gewaltig und hehr; Er war da Landesherre, ſo konnt er deſto mehr Dienſte König Hetteln in Näh und Ferne leiſten. Der König war ſo tapfer, daß keinen je die Lande höher preiſten.

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Wo Hettel in den Landen ſchöne Mägdelein Fand von edler Sippe, ſeine Ehre ſeßt' er drein, Sie in ſein Haus zu bringen als ſein Jngeſinde: Sie ſollten Niemanden dienen als des wilden Hagen Kinde. Mit ſeinem Weib der König in hohen Freuden ſaß. So groß war ihre Liebe, die Leute wuſten das, Er würd um ihretwillen der ganzen Welt entſagen; Doch hatt auch nie im Lande Krone eine ſchönre Frau getragen. Darnach in ſieben Jahren muſt er Krieg und Schlacht | Dreimal no\< erfahren: Die bei Tag und Nacht Nach ſeiner Ehre ſtellten, wo ſie's zu fügen wuſten, Oft von König Hetteln kamen ſie zu ſchre>lichen Verluſten. Er feſtigte die Burgen und befriedete ſein Land Wie es ziemt den Königen; oft that ſo ſeine Hand, Daß man die Märe ſagte fern in fremden Landen, Daß er nie verzagte: ſo trug er ſeinen Namen ſonder Schanden. Wohl in hohem Preiſe der König Hettel ſaß. Wate der weiſe, ſelten ließ er das, Dreimal in dem Jahre kam er den Herren ſchauen. Wohl dient' er ihm mit Treuen, ob es nah, ob fern war in den Gauen.

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Auch Horand der Däne ſprach oft am Hofe ein: Er brachte dem Geſinde Gewand und gut Geſtein, Gold und edle Seide, die Frauen tragen ſollten: Das bracht er von Dänemark und gab es denen, die e8 nehmen wollten. Von den Dienſten allen, die des König8 Bann That dem König Hettel, der Held davon gewann Vor andern Königen Ruhm und große Ehre; Das förderte Frau Hilde, .dieſe reiche Königin, die hehre. Hilde, Hagen38 Tochter, zwei Kindlein gewann Bei Hetteln dem Könige. Da dachte man daran, Wie man ſie wohl erzöge. Daß nicht ohn Erben wäre Das Land und die Burgen, weit gemeldet wurde dieſe Märe. Das eine ward ein Ree und hieß Ortewein ; Den befahl er Waten: der zog das Kindelein, Daß er auf hohe Tugend wandte ſeine Sitten; Man lehrt' ihn in der Jugend, daß er ſich kühn erwies, wo Helden ſtritten. Seine ſchöne Tochter die wurde genannt Gudrun die ſchöne von Hegelingenland. Er ſandte ſie den Freunden in Dänemark, ſie zu ziehen. Wo ſie ihm dienen konnten, da ließen ſie nicht leicht die Zeit entfliehen.

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Nun wuchs das junge Mägdlein; ſo ſ\<ön ward ihr Leib, Daß ſie Jeder loben muſte, Mann und Weib, Und weit zu fremden Landen ihr Name war geflogen. Sie war Gudrun geheißen und ward dort in Dänemark erzogen. Sie war nun ſo erwachſen, ſie trüge wohl das Schwert, Wenn ſie ein Nitter wäre. Da wurde bald begehrt Von gewaltgen Fürſten ihre edle Minne. Do\< viele die da warben wurden nicht8 dabei als Schaden inne. Wie ſchön auc\< war Frau Hilde, König Hettels Weib, No\< ward bei weitem ſ\<öner Gudrunens Leib, Und als die alte Hilde dort in Irlands Gauen. Man pries alle Tage Gudrunen vor andern ſchönen Frauen. Er verſagte ſie einem Könige, der ſaß in Alzabe, Als er ſich weigern hörte, das thät dem Degen weh. Er hielt ſich für ſo mächtig als ob Keiner wäre, Der ſich vergleichen dürfte ſeiner Kraft und ſeiner Fürſtenehre. Der König hieß Siegfried und ſaß in Moorland; Durch Kühnheit und Stärke war er weit bekannt. Ueber ſieben Könige mächtig war der Hehre. Er begehrte Hildens Tochter weil man ſo viel vernahm zu ihrer Ehre.

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Mit ſeinen Genoßen aus Jkaria -- Preis und Siege38ehre gewannen oftmals da Seine Heergeſellen, wo ſie die Frauen ſahen, Wenn vor Hettel8 Veſte ritterliher Thaten viel geſchahen. Wenn Hilde und ihre Tochter giengen in den Saal, Vor Wigaloiſens Hauſe vernahm man oft den Schall, Wenn Die von Moorlanden mit ritterlichen Kräften Vor den Frauen ritten: da erklangs von Schilden und von Schäften. Es konnt ein edler Nitter nicht kühner ſein im Streit. Auch war ihm ungewogen nicht die ſhöne Maid, War er dunkler Farbe gleich an ſeinem Leibe; Er zählt' auf ihre Minne; da gab man ihm die Schöne nicht zum N Weibe. Das beklagt' er ohne Maßen, es ſchuf ihm großen Zorn: Sein Reiten manche Straße, war das um ſie verlorn! Drum droht' er Hettels Reihe mit Raub und mit Brande; Auch ſah man drüber traurig ſich gehaben Die von Moorlanden. Aus Stolz hatt ihm Hettel verſagt die ſchöne Maid; Nun war er ihm zu Dienſten nicht freundlich mehr bereit. Er ſprach: Wenn es jemals die Stunde mit ſich brächte, So hielt er8 nicht wie ehmals, der künftig ſtäts auf Hettels Schaden dächte. Simvro>, Gudrun. 9

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Vom Land der Hegelingen iwandt' er ſich hindann. Das ward zu großem Schaden einem kühnen Mann Noch na\< manchen Jahren, zu ſchre>lichen Verluſten: Sie thaten Herwigen was ſie nur ihn zu beſchädgen wuſt,

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Zehntes Abentener. Wie Hartmuth um Gudrunen warb. Da hörte man die Märe in Normandie dem Land, Kein Weib auf Erden wäre für ſo ſchön bekannt Als König Hettel3 Tochter, Gudrun die Hehre. Hartmuth hieß ein König, der trug nach ihrer Minne drum Begehren. Das rieth ihm ſeine Mutter, die hieß Gerlind; Ihrer Lehre folgte der junge Vogt geſchwind. Sein Vater der hieß Ludwig von der Normannen Landen. Man lud den alten König dazu, als ſie den Rath erfanden. Ludwig der alte ritt zu Hartmuth hin: Da ward ihm nicht verſchwiegen was Jener trug im Sinn. Al3 er vernahm die Märe von dem jungen Hartmuthe, Wohl vaucht es ihn gefährlich; vdoch blieb dabei der junge Held , der | gute.

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„Wer ſagt euch,“ ſprach Ludwig, „ſo ſchön wär die Maid? Und wär ſie über Alle, ſo wohnt ſie allzuweit Doch von unſern Landen, daß wir ſie möchten werben. Und ſendeten wir Boten, der mochten ihrethalben viel verderben.“ „Wie wär es wohl zu ferne?“ ſprach da Hartmuth; „Will ein König gerne ein Weib und großes Gut Für das Leben werben, das währt bis an das Ende. Nun folgt meinem Rathe, ich will daß man Boten zu ihr ſende.“ Da ſprac\< Gerlind die alte von Normandie dem Land: „Nun heißet Briefe ſchreiben; Sc\<haß und Gewand Geb ich den Boten gerne, die ſolche Märe bringen. Man mag die Straßen lernen zu Gudrun wohl, der Zier der Königinnen.“ Da ſprach wieder Ludwig: „Iſt euch nicht bekannt, Wie ihre Mutter Hilde kam aus der Jren Land, Und wa3 den guten Re>en bei ihrer Fahrt geſchehen? Das Volk iſt übermüthig: Gudruns Verwandte werden un ver- ſc\<mähen.“ Da ſprach Hartmuth wieder: „Ob ich ein großes Heer Nach ihr müſte führen über Land und Meer, Das wollt ih gern vollbringen: ſo ſtehen mir die Sinne, I\< will nimmer ruhen, bis ich der ſchönen Hilde Kind gewinne.“

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„I\< will es helfen fügen,“ ſprach Ludwig der Degen; „Laßt euch daran genügen, daß ich ihretwegen Mit Silber wohl beladen zwölf Saumroſſe ſende: Vielleicht daß dieſe Botſchaft dann ſich doh zu unſrer Ehre wende.“ Sechzig Degen wählte Hartmuth aus ſeinem Bann, Die er nach der Frauen ſenden wollt hindann. | Man ließ für ſie bereiten gut Gewand und Speiſe, Sie dann zur Mark geleiten; Ludewig der alte der war wohl weiſe. Da ſie gerüſtet waren wie ſie ſollten ſein, Verſiegelte Briefe händigt" ihnen ein Hartmuth der ſchnelle und die Königin Gerlinde. Da ſchi>ten ſie von Hauſe baldig dieſes ſtolze Ingeſinde. Sie ritten was ſie konnten, die Nacht zu den Tagen, Ch ſie dahin ſich fanden, wo ſie ſollten ſagen Was man entbieten laßen im Lande der Normannen; Derweil muſte Hartmuth auf Lieb und Leid die Sinne wechſelnd ſpannen. Wohl hundert Tagereiſen zu Waßer und zu Land Legten ſie zurü>e, eh ihnen ward bekannt An welchem Ende läge das Land der Hegelingen. ie Roſſe wurden träge eh ſie die Briefe mochten überbringen.

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Doch kamen ſie am Ende ſo weit, daß ſie zur See Gen Dänenland gelangten; noch oft ward ihnen weh, Eh ſie das Land erkundeten und den König ſahen. Sie baten um Geleite: da hieß man gleich die Beſten ſie empfahen. Man ſagt' es Horanden, dem Degen wohlgezogen. Sie erfuhren auch die Märe, wohl war es nicht erlogen WazZ ſie vernommen hatten von Hetteln und von Hilde. Der Leute dieſes Landes ſah man Manchen unter Helm und Schilde. Die wegemüden Gäſte hieß da Horand Von ſeinem Volk geleiten durch der Dänen Land, Daß ſie Hartmuths Freunde eher nicht verließen Bis ſie zu Hofe kämen: das ließen ſich die Helden nicht verdrießen. Da man gen Hegelingen die Boten kommen ſah, Die fand man ſo gekleidet, ſie ſprachen alle da, Es wären reiche Leute. Wie ſie gekommen wären, Davon ward nun dem König zu Hofe hinterbracht gewiſſe Märe Wohl geherbergt wurden Die von Normannenland; Auch ward ſie zu verpflegen großer Fleiß verwandt. Nicht wuſt er, welche Werbung man ihnen anbefohlen; Am zwölften Morgen endlich ließ der König Hartmuths Botenhole

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Ein Graf war darunter, wie ſchön ſich der betrug! Auch ihre Kleider ſhäßten die Kenner hoch genug. Man hatte beßre Roſſe denn ihre nie geſehen: So kamen ſie zum König, es könnte nimmer höfiſcher geſchehen. Wohl grüßte ſie der König, dazu ſein JIngeſind; Do\<h frommt' es ihnen wenig; denn als er um ſein Kind Sie ſah für Hartmuth werben, das hört er an und grollte; Nicht ſchien e8, daß er Dieſem guten Willen trüg und zeigen wollte. Als Einer, der das konnte, nun las die Briefe vor, Miſsgönnt' es ihnen Hettel, daß Horand bis zum Thor Ihr Geleit geweſen, der ſchnelle kühne Degen; Er hätte ſie dem König ſonſt heimgeſchift mit übelm Reiſeſegen. Da ſprach König Hettel: „C3 kommt euch nicht zu gut, Daß euch hieher geſendet hat König Hartmuth ; Des ſollt ihr hier entgelten, ihr ſtolzen Boten alle: Hartmuths Verlangen muß mir und auch Frau Hilden ſehr miſs- fallen. “ Da ſprach darunter Einer: „Der König läßt euch ſagen: Gefällt er dem Mägdelein und will ſie Krone tragen Bei ihm vor ſeinen Freunden, in Normandie dem Lande, Das kann ihr wohl vergelten Hartmuth der Degen ledig aller Sande.“

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Frau Hilde ſprach: „Wie läge ſie wohl dem Reden bei? E38 lieh mein Vater Hagen hundert und drei Burgen ſeinem Vater im Karadinerlande: Meine Freunde nähmen von Ludwigs Hand die Lehen nur mit Schande. „Er ſaß in Friedeſchottland; da geſchah ihm das, Daß König Otto8 Bruder ihm trug verdienten Haß, Der auch die Lehen hatte von meinem Vater Hagen. Der war ihm Feind geworden; auch wollt es ihm der König nicht vertragen. „Nun mögt ihr Hartmuth melden: Sie wird nie ſein Weib. Daß Einer dieſer Helden jemals ſeinen Leib In dem Wahne durfte ſHmü>en, meine Tochter würd ihn minnen ! Es mag ihm ſonſtwo glüFen, braucht er ſeinem Lande Königinnen.“ Das ſchuf dieſen Boten viel Verdruß und Gram, Daß ſie die weite Reiſe in Sorgen und in Scham Zurü> machen muſten zum Normannenlande Mit Müh und mit Beſchwerde. Hartmuth trug mit Unmuth Schmach und Schande. Da ſprach der junge Hartmuth: „Nun ſollt ihr mir geſtehn, Wenn ihr Hagens Enkelin mit Augen habt erſehn: Iſt Gudrun ſolcher Schöne wie alle Leute ſagen? Daß Gott Hetteln höhne! So üble Gunſt im Herzen mir zu tragen!“

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Der reiche Graf verſeßte: „Das ſei euc\<, Herr, geſagt, Wer ſchaut die Minniglihe, daß ſie dem wohlbehagt: Ex preiſt ihre Tugend vor allen Fraun und Maiden.“ Da ſprach Herr Hartmuth wieder: „So ſoll man mich mit Nichten von ihr ſcheiden.“ Mit klagendem Munde weinte Frau Gerlind; Sie ſprach gleich zur Stunde: „O weh, liebes Kind, Daß wir unſre Boten ſandten nach der Frauen! Wie gern ich es erlebte, ſie in dieſen Landen noch zu ſchauen!“

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Eilftes Abeutener. Wie Herwig und Hartmuth um Gudrun dahin kamen. Sie ließens bei der Botſchaft bewenden manches Jahr. Da hub ſich andre Märe, was ich euch ſag iſt wahr, Von einem jungen Könige, der Herwig hieß mit Namen: Oft hatt er Preis erworben, daß gern die Leute Kunde von ihm nahmen. Der hub auch an zu werben ob ihn die ſchöne Maid Vielleicht zum Freunde nähme: er verſucht' es lange Zeit Mit Arbeit und Mühe, dazu mit großen Gaben; Und gefiel" er auch dem Mägdlein, der König Hettel wollt ihn doch nicht haben. Wie lang der Degen trachtete, was ſandt er Boten hin! Daß man die nicht achtete, das ſchuf ihm grimmen Sinn. Auf ſeinem ſtolzen Herzen lag große Schwere: Er ließ die Welt wohl ſchauen, daß er gerne bei Gude ire: \<I Bengnn

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Nun hatt es ſich gefüget, ich weiß nicht wie's geſchehn, Daß in der Hegelingen Lande muſten ſehn Ritter und Maide und auch die ſchönen Frauen Hartmuth den ſtolzen; wie ſollt ihm Hettel Solche8 zugetrauen ? Nun war der Nothfeſte gekommen in das Land; Die hochgebornen Gäſte blieben unbekannt. Ihm und ſeinen Helden diente man gefüge; Er wähnt' in ſeinem Herzen, daß einſt die Magd no\<h mit ihm Krone trüge. Ihn ſahen edle Frauen, den Degen auserkannt, Wenn er in hohen Züchten vor Frau Hilden ſtand; Dann ſah man ſo gebahren Hartmuth den hehren, Als dürft ex edle Minne bei hochgebornen Frauen wohl begehren. Der Held war ſchön und ſchnelle und kräftig von Geſtalt, Kühn dazu und milde: wes er wohl entgalt, Daß ihm verweigert hatten Hettel und Frau Hilde Ihre ſchöne Tochter? den kühnen Hartmuth daucht' es groß Unbilde. Nach der ſein Herz begehrte, die hatt er nun geſehn. ' Stiller Blie waren viel hin und her geſchehn. v Er ließ ſie heimlich wißen wer er ſei und wannen, Daß er Hartmuth hieße und König wär im Lande der Normannen.

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Sie meldete dem Degen, ſein Kommen wär ihr leid (Gern ſäh ihn länger leben die herrliche Maid), Und daß er flüchten ſollte von Hettels Hof hindannen, Wenn er leben bleiben wollte vor ihrem Vater und vor ſeinen Mannen. Sie haßte nicht den Schönen, wie das Herz ihr rieth; Ob ſein Bote gleich mit Höhnen aus dem Lande ſchied, Ihm war doch nicht ungnädig nach der ſein Herz begehrte, Obgleich ſie Hartmuthen ſein Bewerben nimmermehr gewährte. Alſo ſchied von dannen der wohlgezogne Gaſt Und trug auf ſeinem Herzen der ſchweren Sorge Laſt, Wie er an Hetteln rächen möchte ſein Verſchulden, Und dennoch darüber nicht verlör des ſ\<hönen Mägdleins Hulden. So räumte Hegelingen der Degen Hartmuth; Er hofft es zu vollbringen übel oder gut. Er wollte ſein Werben nicht laßen nach der Frauen; Drum muſte Mancher ſterben, viel Helme wurden noh um ſie verhauen. Al3 er zu ſeinem Lande kam, und wieder ſah Den Vater und die Mutter, bald rüſtete ſich da Zu furchtbarem Kriege Hartmuth der grimme. Ihm rieth zu allen Zeiten dazu der alten Teuflin Gerlinds Stimme.

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Zwölftes Abentener. Wie Herwig gegen Hetteln heerfahrtete und wie ihm Gudrun gegeben ward. Nun laßen wirs bewenden, wie es ihm auch ergeb. Herwig dem Helden war wohl nicht minder weh Als Hartmuth dem ſtarken nach Gudrun der reichen: Mit allen ſeinen Freunden fliß er ſich, das Ziel noch zu erreichen. Ein naher Nachbar war er, ihr unfern lag ſein Land: Hätt er zu tauſend Malen täglich nach ihr geſandt, Er fand jekt für ſein Werben nur Hochfahrt und Verſchmähen. Wie ſehr ſie All ihm wehrten, er lag doch einſt noch in Gudrunens8 Nähe. Das3. Werben hieß ihn Hettel zu laßen um ſein Kind. Zornig zur Antwort entbot er da geſchwind, Nicht däc\<ht er abzulaßen und käme bald mit Schilden, Daß es ſein Schade würde, dazu der ſ\<hönen Königin, Frau Hilden.

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Wer auch den Rath gegeben, Herwig gewann Seiner kühnen Freunde dreitauſend Mann: Mit dieſen ſchuf er Kummer bei den Hegelingen Der er dienen ſollte mit Lieb und Treu und allen guten Dingen. Nicht verſahn ſich deſſen Die aus der Stürme Land. Auch den kühnen Dänen war es unbekannt; Doch Jrold von Ortland erfuhr von ſeinem Grolle, Daß Herwig der kühne Hetteln mit Gewalt heimſuchen wolle. Da es nun Hettel wuſte, daß er mit ſeiner Schar Ihn zu überziehen unterweges war, A Er ſagt' es ſeinen Mannen und beiden Königinnen. „Was ſagt ihr dazu?“ ſprach er, „wir werden üble Gäſte bald gewinnen,“ N „Was ſoll ih dazu ſagen? es iſt wohl und gut. Es dünkt mich nicht unbillig, Was ein Ritter thut Un5 zu Lieb und Leide, führt es zu ſeinem Preiſe. Wie möcht ihm wohl miſslingen? Herwig iſt tapfer und weiſe. „Wir müßen nur verhüten ,/“ ſprach die Königin, „Daß er unſre Helden beſchwert mit Ungewinn. I\< habe ſagen hören, daß ex euch zu kränken Mit ſo viel Helden komme, daß ihmzu lohnen Gudrun müße denken.

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Sie haiten doch zu lange, der König und ſein Bann, Geſäumt: ſo war es Herwig, der hier das Spiel begann. An einem kühlen Morgen kam er und ſeine Gäſte Vor Hettel8 Burg gezogen: mit ſeiner Hand vollbracht er da das Beſte. Da no\< alle ſchliefen in König Hettels Saal, Ein Wächter von den Zinnen rief in die Burg zu Thal: „Wohlauf nur in der Bälde, wir haben fremde Gäſte, Und waffnet euch, ihr Helden, ich ſeh den Glaſt von manchem ; Helme gläſten.“ Sie ſprangen von den Betten, | wo ſie gelegen, gleich, Denn Alle die da ſchliefen, arm oder reich, Gefährdet' es der Ehre, des Lebens und des Leibes: So begehrte Herwig in wilder Feldſchlacht ſeines Cheweibes. Ans Fenſter war der König und ſein Gemahl gekommen. Ein Volk hatte Herwig in ſeinen Dienſt genommen, Das ſaß vor einem Berge zu Galeis in den Gauen; Zu Waleis in der Marke mocht e3 oft der ſtarke Morung ſchauen. So heftig ſah ſie Hettel dringen nach dem Thor, Ungern geweſen wär er jeßt davor, Der Vater Gudrunens, wie kühn er ſtritt in Schlachten. Wohl erzürnten ihn die Gäſte, bis ſeine Bürger bald ihm Hülfe . brachten.

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Zu ven Waffen griffen drinnen Ein hundert oder mehr; Der Wirth ſtritt auch ſelber, gern that8 der Degen hehr. Kühn waren Herwigs Scharen: das mocht ihn wohl verdrießen: Groß war der Schaden, den er ſah aus Herwigs That entſprießen. Oft entſchlug den Helmen feuerheißen Wind Herwig der kühne: das ſah des Wirthes Kind, Gudrun die ſchöne; ihr war es Augenweide. Der Degen ſchien ihr wa>er: das war ihr lieb und war ihr doch zu Leide. Herwig in grimmem Muthe nun ſelber Waffen trug: Am Leib wie am Gurte, war er wohl reich genug, That auch der Wirth ihm Unrec\<t. Er kam ihm nun ſo nahe, Daß ſie von der Veſte den Kampf in aller Nähe vor ſich ſahen. Sie hätten jeho gerne die Pforte zugethan -- Sie muſten Unſieg lernen =- da gieng es nicht mehr an. Schon ſahen ſie die Gäſte in die Pforte dringen; Mit den Waffen wollte Herwig ſchöner Frauen Minnelohn erzwingen. Hettel und Herwig liefen ſich da an Und kämpften vor den Scharen. Die Gluth zu ſprühn begann Aus der Schilde Spangen, die ihre Händ umhiengen: Da währt' es auch nicht lange bis ſie einander rechte Kund empfiengen.

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Als da König Hettel ſo wunderkühn erſah Herwig den ſtolzen, in dem Kampfe ſprach er da: „Die mix nicht zum Freunde gönnten dieſen Reden, Die kannten ihn no\< wenig: durch Panzer tiefe Wunden ſchlägt der Kee.“ Gudrun die ſchöne ſah und vernahm den Schall; Das Glü> iſt rund und dreht ſich im Kreiße wie ein Ball. Da ſie den Streit nicht ander8, die ſchöne, konnte ſcheiden, Dem Vater und dem Gaſte wünſchte ſie was Sie ſich ſelber beiden. Sie rief mit lauter Stimme zu ihnen aus dem Saal: „Hettel, hehrer Vater, nun fließt hin zu Thal Da3 Blut dur\< die Ringe: davon ſind uns die Mauern Beſprungen allenthalben: bei ſolchem Nachbarn iſt nicht auszu- dauern. „Mir zu Liebe denket auf Frieden beiderſeits. Nun ſchaffet eine Weile Stillſtand dieſe3 Streits Den Herzen und den Gliedern, daß auf meine Frage Herwig der Fürſt uns von ſeinen höchſten Sippen Kunde ſage.“ Da ſprach der edle Ritter: „Der Friede kann nicht ſein, Ihr laßt mich ungewaffnet denn zu euch herein, So will ich eue, Kunde von meinen Sippen ſagen: "Soll der Friede gelten, ſo mögtihr was ihr immer wollt mich fragen. “

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Da ward der Kampf geſchieden zu Lieb der ſchönen Maid. Sie goßen aus den Ringen die Glieder müd vom Streit. Vom Roſt des Eiſens ließen ſie ſich am Brunnen klären; Den wohlgethanen Helden ſah man gerne noch das Leben währen. Mit hundert ſeiner Degen gieng er wo er fand Mit ſich ſelbſt entzweiet von Hegelingeland. Empfieng ihn Gudrun freundlich mit andern ſchönen Frauen; Der Ritter kühn und edel mocht ihr noch nicht völliglich vertrauen. Die Gäſte hieß da ſiven das waidliche Kind. Herwigs Tugend machte ſie bald ihm hold geſinnt; Auch durch edle Sitte behagt' er ihnen beiden: Hilden und ihre Tochter riethen Alle, dieſen Zwiſt zu ſcheiden. Herwig ſprach zur Frauen: „Man hat mir geſagt (Obwohl es jeht euch veue nach dem was ich gewagt), Daß ihr mich verſchmähtet geringer Ahnen wegen; Do finden oft bei Armen reiche Leute deſto beßre Pflege.“ Sie ſprach: „Die euch verſchmähte, die dünkt mich überhehr, Wenn ihr ein Held ſo diente, daß ſie dem abhold wär. Glaubet mir,“ ſpra\< Gudrun: „ich würd euch nicht verſchmähen: I\< bin euch ſo gewogen als ihr noch keine Magd euch habt geſehen.

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„Wollten mir3 vergönnen die nächſten Freunde mein, Nach euern Wünſchen wollt ih immer bei euch ſein.“ Da bliät' er ihr ins Antlit mit freudigem Hoffen: Sie trug ihn im Herzen: das geſtand ſie vor den Leuten offen. Herwig erbat ſich Urlaub, zu werben um die Magd, Der kühne Degen bieder; das wird ihm zugeſagt Von Hettel und Hilden; ſie hätten gern vernommen, Ob ihrer lieben Tochter die Bewerbung leid wär ob willkommen. Bald ward er innen wie ſie geſonnen war. Vor der Jungfrauen ſtand der Degen klar, Al3 ob von Meiſters Händen er entworfen wäre An einer weißen Mauer; alſo vor der Jungfrau ſtand der Hehre: „Geliebt' euF, mich zu minnen, viel ſchönes Mägdelein, Mit allen meinen Sinnen wollt ich zu Dienſt euch ſein Und thun was ihr gebietet: mein Land und meine Leute, DaB ſollt euch alles dienen, ohne daß der Dienſt mich je gereute.“ Sie ſprach: „Ich wills geſtehen, ich bin euch zugethan. Du haſt mir ſolhe Dienſte heute hier gethan, Daß ich den Haß will ſcheiden zwiſchen dir und den Meinen; Man darf mirs nicht verleiden: lautre Wonne ſoll uns immer einen.“

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Da ließ man Hetteln rufen =- ſo Rn der Streit =- Zu der Königstochter; auch traten zu der Maid Die allerbeſten Degen vom Land der Hegelingen, Die der König hatte: die konnten wohl den Zwiſt zu Ende bringen. Da frug mit Rath und Kunde der Seinen allzumal Sie Hettel gleich zur Stunde, ob ſie zum Gemahl Herwigen wollte, den edeln und den hehren. Das ſprach das ſchöne Mägdlein: „Beßern Freundes will ich nicht begehren.“ Da verlobte man dem Re>en die Jungfrau gleich zur Stund. Die er da krönen ſollte, wohl ward um Sie ihm kund Freud und auch Kummer: daß ſie ihm ward gegeben, Das büßten bald im Sturme guter Ritter viel an Leib und Leben. Er dachte ſhon, er führe die Jungfrau gleich hindann; Doh ihre Mutter wehrt' e8, davon der Held gewann | Von unbekannten Re>en viel Noth in grimmen Streiten. Hilde ſprach, ſie "wollte fie noch zur Krönung beßer vorbereiten. Sie riethen Herwigen, daß er ſie no\< dort Ließe, und die Stunden an einem andern Ort Mit ſchönen Fraun vertriebe bis nach einem Jahre. Das erfuhren Die von Alzabe, die ihm zu ſchaden raſch entſchloßen g waren.

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Dreizehntes Abenteuer. Wie Siegfried gegen Herwig heerfahrtete. Da rüſtete ſich Siegfried, der König von Moorland, Und that ſich um nac\< Sciffen: ſo viel er deren fand, Da ließ er alle rüſten mit Waffen und mit Speiſe; Herwigen zu ſchaden beſchi>t er ſeinen Bann verſtohlner Weiſe. Zwanzig ſtarke Kiele hub man zu zimmern an, Seiner Freunde viele daucht es nicht wohlgethan, Daß er gen Seeland hbeerfahrten wollte Nach des Winters Härte, wo er ſeinen Unmuth rächen ſollte. Achtzigtauſend Helden hatt er beſandt; Von Leuten wurde ledig Alzabe das Land. Der Könige von Moorland, die ihm die Heerfahrt ſchwuren, Dahinter blieben Etliche, da in8gemein die andern mit ihm fuhren.

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Da ließ ex Dem von Seeland feindlich widerſagen, Der Fürſt vernahms mit Unmuth: wohl durft er ſich beklagen, Hatt er doc\< nicht verſchuldet der reichen Könge Groll. Seiner Gaun und Burgen Hut ward da erſt fleißig und voll. Er klagt es ſeinen Freunden, ſo viel er deren fand, Daß man ihm brennen wollte und wüſten all ſein Land. Da ward ihm feil für Dienſte was er zu geben haite. Die gerne Sold empfiengen, Denen kam das alles wohl zu Statten. Um die Zeit des Maien ſchifften über See Aus Abakie die Helden und Die von Alzabe, Als dächten ſie gewaltig ans End der Welt zu reiſen: Darunter viel verwegne, die doh Staub und Erde muſten ſpeiſen. In Herwigens Lande warfen ſie den Brand. Da bot er Die zur Hülfe ihm gezogen in das Land, Seine Freunde, mitzureiten: in Schlachten, grimmig heißen, Entgalt der Helden Leben Geſtein und Gold, die man zu Lohn verheißen. Dem von Seelanden war ſein Schade leid. Der Degen frei der Shanden hielt ſich ſo im Streit, Daß er die Erde düngte mit den Feldſchlachttodten. Manc\<h Alter ſich verjüngte; viel Geſunden ward das Haupt ver- ſchroten.

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Der Streit währte lange und Mancher fand den Tod. Herweg der edle kam in große Noth, Bis er auf ſeine Warte floh mit dem Reſt der Scharen. E3 brannte rings und rauchte: die ſ\<höne Gudrun ließ er das erfahren. Boten hieß er reiten in König Hettel3 Land: Mit mancher Thräne fuhren Die er dahin geſandt. Als ſie Hetteln ſahen, brachten ſie ihm Märe Waz3 Herwig dem kühnen von Dem aus Moorland geſchehen wäre. Wie traurig ſie gebahrten, er empfieng ſie do\< ſo wohl, . Wie man in fremden Landen Freunde billig ſoll. | Er frug, wie ſie gekommen wären aus dem Lande, Wo die Burgen ſei'n gebro\<en und das Land verheert mit Raub | und Brande. Da ſprachen ſie: „Mit Sorgen fuhren wir hindann. Vom Abend bis zum Morgen muß Herwigen8 Bann Den Sold mit ſcharfer Wehre zu verdienen ſchauen. Sie werben kühn um Ehre: darüber weinen dort viel ſchöne Frauen.“ Da ſprach König Hettel: „Geht zu meinem Kind: Was Die gebeut, zu leiſten bin ich das geſinnt. Heißt ſie uns rächen den Schaden in dem Lande, So dienen wir euch gerne; gerochen wird des Fürſten Schmach und Schande.“

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Eh die Boten traten vor die ſchöne Maid, Da ſahen alle Leute wohl ihr Herzeleid; Sie konnte kaum erwarten Gudrun die hehre: Sie hieß nach ihnen ſenden: ſie klagte, daß ihr Land verloren wäre. Als die Boten kamen, das edle Mägdlein ſaß Vor ihnen da und weinte; mit Treue that ſie das. Sie frug, wie ſie geſchieden von ihrem lieben Manne? Ob ſie ihn lebend ließen, da er von ihnen ſchied mit ſeinem Banne. Da ſprach darunter Einer: „Wir verließen ihn geſund. Seit wir von dannen fuhren, das iſt uns nicht kund, Wie da mit ihm geworben Die von Moorlanden. Ihrer Mancher iſt verdorben: ſie ließen nicht von Raub und Mord und Brande. „Vernimm nun, edles Mägdelein, was dir mein Herr entbot: Er und ſeine Helden ſind in großer Noth. Sie fürchten alle Tage Verluſt an Leib und Ehre. Nun hofft mein Herre Herwig, daß ſich, Köngin, deine Treu bewähre. Da erhob ſich von dem Siße Gudrun die ſchöne Maid: Da ſagte ſie dem Könige von ihrem Herzeleid, Man bräch ihr die Burgen und ſchlüg ihr die Leute; Sie bat ihren Vater, daß er Herwig ſchnell zu Hülfe reite.

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Mit weinenden Augen den Vater ſie umſchloß: „Hilf mir, hehrer König, mein Schade wird zu groß, Wollen deine Degen mit willigen Händen Nicht meinen Freunden helfen: Niemand kann den Sc\<haden beßer wenden.“ „34h will8 um Niemand laßen, das will ich dir ſagen. I\< bringe Herwigen Hülf in wenig Tagen. Deinen großen Schaden will ich aufs Beſte wenden, Und will nach Wate dem alten und nach meinen andern Helden ſenden. „Der bringt un3 bald die Reen aus der Stürme Land: Erfährt es Herr Morung wie e8 um uns bewandt, Der mag un3 guter Helden wohl her ein Tauſend führen: Die Feinde ſollen ſchauen ob wir unterm Helm uns dürfen rühren. „Horand der Däne iſt uns getreu und hold: Der bringt dreitauſend Ritter; der Degen Jrold Soll all ſein Ingeſinde zu der Fahne weiſen; Auch kommt ihr Bruder Ortwein: da mag wohl Gudrun unſre Hülfe preiſen.“ Man ſah die Boten eilen Die ausgeſandt die Maid. Sie durffe nichts verweilen. Allen, die ihr Leid Helfen wollten büßen, bot ſie große Ehre; Sie konnte Helden grüßen: da kamen ihr die Reken deſto mehre.

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Der Jungfrau Mutter Hilde ſprach mit mildem Muth: „Wer unter ſeinem Schilde gerne Dienſte thut Deinem Freund zu helfen, wenn wir die Fahrt beginnen, Wir wollen mit ihm theilen Alles was wir haben und gewinnen." Die Kiſten und die Kaſten ſchloß man auf und trug Herbei die ſchweren Laſten: Harniſche genug Mit neuen Stahlnägeln: viel Filberweiße Ringe Brachte man den Helden: die junge Königin ward guter Dinge. Der Wirth wohl tauſend Helden gab Roſſ' und Streitgewand; Die zog man aus den Ställen: ſie läßt nicht leicht im Land Wer zu fechten reitet hinaus auf langen Straßen: Von allen die der König hatte, wollt er keins zu Hauſe laßen. Als nun von ſeinem Weibe der König Urlaub nahm, Hilde und ihre Tochter huben zu weinen an. Wohl ſahen ſie da gerne Helden mit ihm reiten. Sie ſprachen: „Gott vom Himmel gönn euch, Lob und Ehre zu erſtreiten.“ Da ſie gekommen waren draußen vor das Thor, Singender Knappen vernahm man viel davor, Die vor harten Streiten ſich ſchon des Raubes freuten; Sie hatten fern zu reiten, eh ſie denken durften ans Erbeuten.

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Darauf am dritten Morgen zog ihnen fruh Wate der alte mit tauſend Helden zu: Am ſiebenten Morgen ſah man Horanden, Den Gudrun beſendet, mit vierzig hundert nahn vom Dänenlande. Bon Waleis der Marke kam Morung der Degen: Schönen Fraun zu Liebe wollt er Streites pflegen. Gr alleine brachte zwanzig hundert Mannen. Cic fuhren wohl gewaffnet und ritten alle wohlgemuth von dannen. Königstochter Bruder, der Degen Ortwein, »es Waßers8 Fluten bracht er der Schweſter ſein oh, vierzig hundert Reen, oder gar noh mehre; Wüſtens die von Alzabe, ſie bangten wohl vor ſeines Haßes Schwere. Als ie zu Hülf ihm kamen, Herwig und ſeinem Bann, Dem war derweil miſslungen was er nur begann. Er hatte großen Schaden vergebens oft beſchworen, Er war mit Streit beladen: ſie ritten ihm oft nahe vor die Thore. Von des Königs Freunden hob ſich groß Ungemach: Daß man die Vorrathskammern und feſten Burgen brach, Das ſc\<huf Verrath und Untreu mit großem Uebermuthe: Wen man dabei befindet, dem hält man ſeine Unthat nicht zu Gute.

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Bald kehrten ſeine Boten: Herwig wuſte das: Da ſchuf er manchen Todten dem Feind aus grimmem Haß: Er ließ ihn nimmer ruhen vom Abend bis zum Morgen. Schon allwärts auf die Feinde ſtürzten Herwigs Helfer unverborgen. Den Karadinern war es, als ſie's vernahmen, leid. Das waren zwei Könige, die muſten Kampf und Streit Unſanft nun entgelten, da Hettel der Degen Mit ſeinen kühnen Helden herbeizog auf den langen fernen Wegen. Die ihre Freunde waren ſtellten ſich zur Wehr; Man ſah ſo gebahren von Movorland das Heer, Wohl ſchien es, ſie wollten vor Niemand entweichen : Die ſie beſtehen ſollten, denen mocht es wohl zur Noth gereichen. Wate der kühne kam mit Heereskraft: E3 hatte hingeführet große Ritterſchaft Gudrun die ſ\<höne Herwig ihrem Manne. Was ſie auch hier erlitten, ſie ritten alle fröhlich bald von dannen. Obwohl ſie Heiden hießen, Die von Moorland | Sich Niemand drängen ließen: ſie waren längſt bekannt Für die Allerbeſten in der Erde Reichen; Sie hatten andern Gäſten oft übel mitgeſpielt mit grimmen Streichen.

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Herwig von Seeland hätte ſich nun gern Gerochen an den Heiden: das brachte viel der Herrn In Noth auf beiden Seiten: den Freunden Wunden ſchlagen Sah man zu allen Zeiten: dem König Hettel muſt es miſ8behagen. Da ſie zuſammen waren gekommen in den Streit Mit allen ihren Kräften, ohne Freude Leid Hatten all die Heiden immerdar und Sorgen Was ihnen Nachts begegne: ſie dachten, wie erleben wir den p Morgen? Sie hatten mit den Heiden drei Schlachten bald geſtritten ; Die Burgen hatten Frieden nac ritterlichen Sitten. Die kräftig mit den Schwerten ſchlugen und den Speren Und Frieden nicht begehrten, ſie ſahn doc\<h ihrer Wunden Zahl ſich mehren. Die Freunde wie die Gäſte, ſie wurden nimmer ſatt Zu ſtreiten auf das Beſte; ſchon lagen wundenmatt Die meiſten auf den Auen; doc\<“wollten ſie's nicht laßen. Das ſagte man den Frauen: da weinten ſchöne Augen ohne Maßen. Wa3 Wate der greiſe Wunder that im Streit! Er war zu fechten weiſe, Schaden und Herzeleid Ließ er die fremden Gäſte zu aller Zeit empfahen, Den ſie mit bei Beſten mit ſeinen Helden immer kämpfen ſahen.

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Horand der Däne bewies ſich kühn genug: Wa3 er der Helme mit ſeiner Hand dur\<ſchlug! Auch vergaß er ſelten der lichten Harniſchbrünnen: Sie muſten ſein entgelten: wohl verſtand er dichte Schar zu dünnen. Morung der gute über des Schildes Rand Mit unerſchro&nem Muthe ſtre>t' er oft die Hand: Denen vom Moorlande wollt er nicht entweichen: Wohl rächt! er Herwigs Schande an den edeln Königen, den reichen. Hettel der König, weil ihn dargeſandt Die ſchöne Tochter hatte in Herwigen8 Land, Daß ers befrieden ſollte, da kämpfte ſo der Starke, Wer gerne leben wollte, der ließ in Ruhe fürder ſeine Marke. Herwig ſtritt da ſelber, daß Niemand tapfrer ſchlug Vor dem Thor und auf dem Felde: naß wurden oft genug Vom Schweiße ſeines Hauptes ſeine lichten Panzerringe; Die Sinne Manchem raubt' es, der ihn zum Rückzug gerne wollte zwingen. Auch Wigaloi8 der gute that oft den Gäſten Leid. Von Dänenland Herr Frute gehub ſich ſo im Streit, Dank und große Ehren mocht er wohl verdienen : Er verſtund den Kampf zu mehren: nie ſah man greiſen Held ſich ſo erfühnen.

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Ortwein der junge, der Held von Ortland, Wohl geſtand ihm manche Zunge, daß kühnre Heldenhand Nie in Kampf und Streiten ein junger Degen trüge: Man ſprach zu allen Zeiten, daß er ungefüge Wunden ſchlüge. Sie hatten zwölf Tage mit Sorgen nun geſtritten. Die Kampfs mit Hetteln pflagen, mit ungeſtümen Sitten Sah man ſie vor dem Könige durch lichte Schilde hauen. Die ſtolzen Helden mochten mit Reue wohl auf ihre Heerfahrt ſchauen. Am dreizehnten Morgen vor Frühmeſſezeit Sprach Siegfried mit Sorgen: „Seht, uns iſt im Streit Man\< guter Held erlegen.“ Der Fürſt von Moorlanden Hatt um hohe Minne viel Verluſt und große Noth beſtanden. Da ward er zu Rathe mit denen von Karade = Die es gerne thaten, wie Die von Alzabe -- Daß ſie in eine Veſte flöhen, ſich zu retten, Eh die werthen Gäſte ſie allzuſammen hier erſc\<lägen hätten. Sie wichen aus dem Streite zu einem Waßer gut, Wo auf einer Seite reißend gieng die Flut. Eh ſie die Furt erritten wo ſie entweichen ſollten, Hatten ſie beſtritten Die ihnen kein Gemach vergönnen wollten.

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Siegfried der König ritt zu Hetteln hin: Was je zuvor geſtritten der ſtolze Degen kühn, Da3 war ein erſter Anfang, nun er Den gefunden, Der ihm ſeiner Freunde ſo viel verſehrt mit tiefen Herzenzwunden. Von Hegelingen Hettel und Herr Siegfried auch, Die thaten was ſie konnten mit hochfährtgem Brauch. Durchhauen li\<hte Schilde ſah man von ihren Händen: Da muſte von den Dänen ſich der König Moorlands flüchtig wenden. Da ſchlugen dort ihr Lager Die von Dänenlande. Wa3 man dawider ſage, es war doch ſo bewandt Dieſen kühnen Gäſten, ſie konnten kaum geneſen: Wie gut war ihre Veſte, ſie wären lieber do\<h daheim geweſen. Da hielt ſo ſtreng umſeßen der Feind mit Heere8macht Die Helden vermeßen, daß ſie ihm offne Sc\<laht, Wenn er es begehrte, nicht wagten mehr zu bieten Mit dem Sper noc\<h mit dem Schwerte; ſie muſten ihrer Herberg | ängſtlich hüten.

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Vierzehntes Abenteuer. Wie Hettel aus Herwigens Lande Boten ſandte. Nach Haus entbot nun Hettel, ſie ſollten niht mehr klagen; Den ſchönen Frauen edel hieß er Kunde ſagen: „JShnen wäre wohl gelungen in Stürmen und in Streiten, Den Alten und den Jungen: ſie ſollten ihrer harrn in kurzen Zeiten.“ Auch hieß er ihnen künden wie er die Burg umſtellt / Halte mit den Seinen: da diente mancher Held Gudrun der ſchönen und Dem von Seelanden. Sie thaten nach Vermögen allerwärt8, wo ſie zu ſtreiten fanden. Hilde die ſchöne hub da zum Erſten an, Herwigen- Heil zu wünſchen und ſeinem ganzen Bann, Daß ihnen ſtät3 nac\< Ehren möge wohlgelingen. „Das gebe Gott,“ ſprach Gudrun, „daß ſie uns heil die Freunde wiederbringen.“

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Da ließen Die von Stürmen nimmer an die See Die von Moorlanden und Die von Alzabe. Man zwang ſie in der Veſte ängſtlich auszudauern: | ] An Waten und an Frute ſahn ſie üble Nachbarn auf ſich lauern. Hettel ſhwur da Eide: er wiche nicht hindann, | Und räumte nicht die Haide bis er mit ſeinem Bann 4 Zu Geiſeln da gewonnen all die kühnen Heiden. Der Eid war unbeſonnen: von dieſer Heerfahrt kam ihm noch groß Leiden. Die Späher Hartmuthes von Normandie dem Land (Sie erlauſchten wenig Gutes) waren dahin geſandt: Zu allen Zeiten ſpähten ſie was man hier beginne: In Stürmen und in Streiten ſahn ſie Hetteln ungern Sieg gewinnen. | Sie ſahn wie der Heiden Heer umſeßen lag: Das8 mochte wohl verleiden die Nacht und auch den Tag Dem Karadinerkönig, dem Herrn der Moorlandsſcharen; Hülfe kam ihm wenig, da ſeine Länder all zu ferne waren. Die Boten eilten wieder gen Normannenland, Die Ludwig und Hartmuth hatten hingeſandt. Nun brachten ſie nach Hauſe dieſe liebe Märe, Daß Hettel und Herwig noch in ſchwerem Kampf befangen wäre.

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Den Normannenkönig dau\<hte die Märe dankenswerth : „Könnt ihr mich beſheiden, wie lange das no\<g währt, Daß Die von Karadine dort in Seeland weilen Bei ihren Widerſachern, oder wann ſie ſiegreich heimwärts eilen?“ Da ſprac\< der Boten Einer: „Herr König, glaubt fürwahr, Sie müßen dort verbleiben länger als ein Jahr. Die von Hegelingen wollen ſie nicht laßen : Sie halten ſie umſeßen, daß ſie nirgend dürfen zu den Straßen." Da ſpra\<h der Normanne, der ſchnelle Hartmuth: „Da kommt mir ein Gedanke, der freut mir ho\< den Muth! Während ſie die Feinde belagern, die no\< ſtreiten, Eh Hettel wieder heimzieht, ſollten wir gen Hegelingen reiten.“ Ludwig und Hartmuth vereinten ſich ſofort, Hätten ſie zehntauſend kühner Ritter dort, So möchten ſie Gudrunen wohl von dannen bringen, Eh Hettel mit den Seinen wieder käme zu den Hegelingen. Da dachte Tag und Nächte die alte Gerlind, Wie ſie es noch rächte, daß Hettel für ſein Kind Ihren Sohn Hartmuthen gewagt zu verſ\<mähen ; Waten und Fruten möchte ſie wohl beide hängen ſehen.

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Da ſprach die alte Teufelin: „I\< geb euch großen Sold, Getraut ihr euch der Reiſe: mein Silber und mein Gold Will ich den Re>en geben und den Fraun verſagen; Ob e3 Hetteln und Hilden unterdes gereut, will ich nicht fragen.“ Da ſprach der König Ludwig: „Aus der Normannen Reich n Rüſt ih mich zur Heerfahrt mit meinen Reden gleich. Ih mag in kurzen Zeiten zwanzigtauſend Mannen Wohl zu der Fahrt gewinnen: ſo führen wir Gudrunen bald von | dannen.“ [ Da ſprach der junge Hartmuth: „Und könnte das geſchehn, Daß ich Hildens Tochter hier ſollte ſehn, | Weite Fürſtenreihe wollt ih dafür wohl laßen, Daß ich die Sondergleiche mit dem Arme freundlich dürft umfaßen.“ | Da gieng man Tag und Nächte zu Rathe fleißiglich, Wie man zuſammenbrächte das Heer, da38 Ludewig Mit ſich führen wollte zu den Hegelingen. Wie mocht es Hilde ahnen, daß ihr nun alſo ſollte miſslingen? Wie ſie e3 auch begonnte, König Ludwigs Weib That Alles was ſie konnte, daß Gudruns ſchöner Leib Im Normannenlande bei Hartmuth ſollt erwarmen: Sie fliß fich nach Kräften, daß er ſie umſchlöße mit ven Armen.

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Ludwig zu Hartmuthen ſeinem Sohne ſprach : „Nun gedenke, Degen guter, wir müßen Ungemach Nicht ſcheuen, daß die Leute ſich aus dem Lande heben: - Sohn, gieb Du den Gäſten, ſo will I\< unſern heimſchen Helden geben.“ Sie gaben ſol\<e Gaben manchem kühnen Mann, Daß man ſelbſt in Shwaben die Fülle nie gewann Von Roſſen und von Säumern, von Sätteln und von Schilden; Sie gaben Alles gerne: nie fand man Ludwigen noc\< ſo milde. Eilends zu der Reiſe rüſteten ſie ſich. Die guten Schiffleute gewann da Ludewig, Die ſol\<he Meerſtraßen manchmal ſchon gezogen. Nach vem hohen Solde muſten ſie ſich mühen durch die Wogen. - Sie waren eingermaßen bereit nun zu der Fahrt, Als es auf allen Straßen ſchon vernommen ward, Daß Ludwig und Hartmuth aus dem Lande wollten; Doch hatten ſie viel Sorgen wie ſie gen Hegelingen kommen ſollten. Sie kamen ans Geſtade, wo man ſchon liegen fand Die Schiffe, die ſie tragen ſollten an den Strand : Gerlinde ließ ſie zimmern aus ihrem eignen Gute. Nicht wuſte das no\< immer der alte Wate noh der Däne Frute.

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Mit dreiundzwanzig Tauſend fuhren ſie über See. E3 war na\< Gudrunen Hartmuthen weh: Da ließ er wohl ſchauen mit ſeinen Freunden allen: Er dachte König Hetteln mit großer Uebermacht ins Land zu fallen. I\< weiß nicht wie ſie endlich dahin gefommen ſind; Sie brachten dort in Nöthe gar mancher Mutter Kind. Bald hatten ſie die Fluten gen Ortland hingetragen Und zu den Hegelingen daß ſie ſahn, wo Hildens Burgen lagen. Innerhalb zwölf Meilen kam Hartmuthens Heer (Das ſah man beeilen) auf dem tiefen Meer Des Hegelingenlandes Herzen wohl ſo nahe, Daß ſie Saal und Thürme in der Burg der ſchönen Hilde ſahen. Ludwig der Normanne ließ vor dem Strand Die Anker niederſenken: auch bat er ſie geſamt, Daß ſie von den Schiffen ſo ſchnell ſie könnten giengen : Es war der Burg ſo nahe, ſie ſorgten, daß es ſähn die Hegelingen. Da ſie nun alles trugen und luden von der Flut, Viel Schilde ſie beſchlugen und manchen Helm gut, Und ſchi>ten ſich zum Streite. Erſt laßt ſie Boten ſenden: Sie verſuchten, ob ſie Freunde vielleicht in König Hettels Landen g fänden.

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Funfzehntes Abenteuer. Wie Hartmuth Gudrunen raubte. Nun ſchiäten ſeine Boten Hartmuth hindann. Da ward der ſchönen Hilde balde kund gethan, Und ihrer lieben Tochter: „Wenn es ſo ſich füge, Er woll um ihre Minne thun, was ihnen beiden genüge. „Wenn ſie ihn minnen wollte, wie er ihr ſchon entbot,“ Oft ſchufen ihm Gedanken um ihre Minne Noth, „Da3 wollt er ihr vergelten, ſo lang er möchte leben, Seines Vater38 Erbe, das wollt er Gudrunen geben. „Wenn ſie das nicht wollte, wär ihr ſein Haß bereit.“ Obwohl er ihr noch grollte, verſucht' er do\< die Maid Mit Bitten zu bewegen: ohne Krieg gewinnen Wollt er ſie voch lieber: das lag dem kühnen Hartmuth im Sinne.

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„Wenn ſie e8 dann verweigert,“ ſprach da Hartmuth, „So ſaget, ih nähme nun weder Geld noch Gut, I\< woll e8 dazu bringen eh ich von hinnen ſcheide, Viel kühner Re>en würden bald der ſchönen Gudrun Augenweide. „Meine Boten bieder, ſaget ihr noch mehr : I\< komme nimmer wieder auf das weite Meer, I\<h laße mich in Wahrheit hier zu Stücken hauen, Folgt mix nicht von hinnen der Hegelingen ſchöne Jungfraue. „Widerſpricht ſie's völlig, ſie thu es nimmermehr, Soll ſie mich ſehen reiten herbei mit meinem Heer. Zwanzigtauſend Helden will ich hinterlaßen Todt vor der Hegelingen Königsveſte, rechts und links der Straßen. „Daß Wigaloiſens Rathe Hettel Folge that, Und dem alten Wate, und uns gemüßigt hat Zu mancher langen Reiſe her zu den Hegelingen, Davon wird mancher waiſe: ich will es an ein Ende gerne bringen.“ Die Boten ritten dannen da ſie dauchte Zeit. Bald kamen Hartmuths Mannen vor eine Burg gar weit, Die hieß Matelane: Frau Hilde ſaß darinnen Und ihre wohlgethane Tochter, die Zier der Königinnen.

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Zwei reiche Grafen hatt er hingeſandt =- Die er über Meer gebracht von Normandie dem Land = Sie ſollten Frau Hilden ſeine Grüße freundlich ſagen: Er woll ihr immer dienen und nimmer ihrem Dienſte ſich entſchlagen, Daß ſie die Magd ihm gönne, und er die ſchöne Maid Vor allen Frauen hege =- noh ſtand ihm zu der Zeit Der Sinn auf hohe Minne -- ſie ſollt auch dort genießen Ihres hohen Adel8; ihr zu dienen werd ihn nie verdrießen. Die der Frauen pflagen, denen ward es bald bekannt, Daß das Ingeſinde von Normandie dem Land Für Hartmuth zu werben käm gen Matelane; Frau Hilde hieß ſie ſchweigen; erſchroFen war darob die Wohl- gethane. Hilden8 Amtleute ſc\<loßen auf das Thor, Wer auch zu kommen dräute, daß man die davor Nicht länger ſtehen ließe. Die Pforte war erſchloßen : Ein zu Matelane zogen Hartmuths8 Boten unverdroßen. Als ſie zu ſehn begehrten König Hettels Weib, Mit nichten das verwehrten Die ihren ſchönen Leib - Sollten behüten nad königlihen Ehren; Sie ließen nie alleine Hilden und Gudrunen die hehre.

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Da nun zu Hofe kamen Die in Hartmuths8 Bann, Hilde die ſ\<höne hub ſie zu grüßen an; Das that mit hohem Muthe auch Gudrun die hehre. Die edle und die gute wollte Herwigen Minne gewähren. Sie waren nicht willkommen; doch ſchenkte man den Wein Eh ſie das Wort genommen. Zum Sit dann lud ſie ein Frau Hilde und ihre Tochter. Was ſie zu werben kämen, Fragte ſie die Königin: ſie wollten8 beide gerne vernehmen. Da erhub ſich wohlgezogen all das Ingeſind Vom Stuhl, da ſie geſeßen, wie Botenſitten ſind. . Sie ſagten, wa3 ſie ſollten im Land der Hegelingen: . Hartmuth ihrem König der ſchönen Gudrun Verlöbniſs. bringen. Da ſprach das edle Mägdlein: „Das laß ich nie geſchehn, Daß der kühne Hartmuth ſollte mit mir ſtehn Vor unſer beider Freunden unter Königskrone: Er iſt geheißen Herwig, dem ich gern den guten Willen lohne. „Dem bin ich verſprochen, zum Manne nahm ich ihn; Auch wählt' er mich zum Weibe: gern dem Redken kühn Gönn ich aller Ehren die er mag erleben: Wie lang mein Leben währe, andern Freundes will ich mich ' begeben.“

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Da ſprach der Boten Einer: „Cu ließ Herr Hartmuth Sagen, was er wünſchet; wenn ihr das nicht thut, Sollt ihr mit ſeinen Reen ihn ſehn zu Matelane Von heut am dritten Morgen.“ Darüber lächelte die Wohlgethane. Die Boten heiſchten Urlaub, ſie wollten nun hindann, Zwei reiche ſtolze Grafen. Da bot ihnen an, Wie fremd ſie ihr auch waren, Frau Hilde reiche Gaben, Die ſie jedoH nicht nahmen; ſie glaubten e8 nun wohlgemacht zu haben. „König Hettel8 Reken,“ zu den Boten ſprach man das, „Fürcteten ſich wenig vor ihrem Zorn und Haß: Und wollen ſie nicht trinken König Hettels Wein, So ſchenke man des Blutes ihm und ſeinen Reken ein.“ Da brachten dieſe Märe die Boten an die Statt Zurück, von“ wo ſie Hartmuth jüngſt auszureiten bat. Entgegen lief er ihnen und frug, wie es ergangen, Ob ſie die edle Gudrun mit ihrer Botſchaft freundli\<h hab empfangen? Ihrer Einer ſprac\< zum Re>en: „Euch ward hiemit verſagt: Einen Liebſten habe die herrliche Magd, Den ſie von Herzen minne vor allem Volk der Erden; Und wollt ihr Wein nicht trinken, ſo ſoll euch heiße8 Blut geſ\<henket werden.“

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„Ah meiner Schande!“ ſprach da Hartmuth, „In meinem Herzen wehe mir dieſe Rede thut. Nach beßerm Freunde will ih nun nie im Leben fragen Al3 die mir helfen ſtreiten. “ Da ſprangen auf, die am Geſtade lagen. Ludwig und Hartmuth führten nun ihr Heer Mit fliegenden Fahnen zorniglich einher. Man ſah auf Matelane von fern die Wappen ſcheinen. Da ſprach die Wohlgethane: „Wohl mir! da ſeh ich Hetteln mit den Meinen.“ Man fand doch bald, e8 wäre des Wirthes Wappen nicht: „Uns ſoll no\< Leid beſchweren bei dieſes Tages Licht. E53 kommen grimme Gäſte nac\< Gudrun der Frauen; Der Helme viel der feſten ſieht man noch vor Abend hier verhauen.“ Die Hegelingen ſprachen Hilden tröſtend zu: „Was Hartmuths Geſinde heute hier auch thu, Das ſollen ſie uns alle mit tiefen Wunden büßen.“ Da gebot die Königstochter der Veſte Thore ungeſäumt zu ſchließen. Da3 wollten doch die Kühnen nicht thun in Hettel8 Bann. Die des Landes hüteten hießen eilends an Die Feldzeichen binden: ſie wollten aus der Veſte. Im offnen Feld erſ\<lagen wollte Hettels Heer die kühnen Gäſte.

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Die Schranken, die man ſperren ſollt in ſolhem Fall, Die ließen ſie aus Uebermuth öffnen überall. Hartmuthens Späher achteten ſie geringe: Mit den erſten mochten auch die letzten in die Veſte dringen. Mit geſhwungnen Sc\<wertern ſah man vor dem Thor Wohl tauſend oder drüber der Feinde davor. Gekommen war auc\< Hartmann wohl mit tauſend Mannen; Sie ſprangen auf die Haide; die Roſſe zog man alſobald von dannen. Sie trugen Shäft' in Händen mit ſchneidendem Spex. Wie war der Streit zu wenden? ob auch wohl zu Wehr Die ſtolzen Bürger ſtanden und ſchlugen tiefe Wunden. Da kam König Ludwig mit Helden, die im Kampfe mannhaft ſtunden. Das ſchuf den Frauen Sorgen, als ſie den Degen ſahn Den Thoren unverborgen mit breiten Fahnen nahn, Bei jeder Standarte wohl dreitauſend Mannen: Er kam dahin im Zorne, wie auch der kühne Re>e ſchied von dannen. Sie fanden All zu ſchaffen, die dort und jene hie; Kühnre Re>en ſah man in allen Landen nie, Als Die zum Schuße lagen hier in Hettel8 Veſte: Sie konnten Wunden ſchlagen; das ließen ſie wohl ſchauen ihre Gäſte.

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Ludwig der kühne, der Vogt von Normandie, | Aus harten Schildesſpangen ſchlug er Funken glüh Mit der unbändgen Stärke, die er im Buſen trug; Auch ſeine Kampfgefährten waren alle kühn genug. Da die Bürger wähnten bald ſolle Friede ſein, Da brach der Unerſehnte in ihre Reihen ein, Der Vater Hartmuthe8, mit den Normannenſcharen; Dem Helden gönnt' er Gute8: das ließ er heute Manchen wohl erfahren. Die ſtolzen Bürger hub e8 nun zu reuen an, Daß ſie nach dem Rathe Frau Hildens nicht gethan, Den ihnen gab die Schöne, König Hettel8 Weib. Da muſten Schilde brechen, es gieng an Leben und Leib. Ludwig und Hartmuth hatten wohl vernommen =- Zu einander waren die beiden nun gefommen -- Daß die Burg Frau Hilde gerne wollte ſchließen. Sie drangen an mit Schilden, daß ſie in die Burg die Fahnen ſtießen. Wie viel man von den Mauern warf und niederſchoß, Sie ließen ſichs nicht dauern; ihre Kühnheit die war groß. Sie hatten nicht Weile der Todten zu gedenken: Mit großen Laſtſteinen ſah man viel der Helden niederſenken.

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Ludwig und Hartmuth kamen in das Thor; Manchen Fährlichwunden ließen ſie davor. Darob begann zu weinen die junge Maid, die hehre; Doh ſah man bald den Schaden ſich in Königs Hettels Veſte mehren. Der König der Normannen wurde froh genug, Als er mit den Reken ſeine8 Landes Fahne trug Vor König Hettel8 Burgſaal: oben von den Zinnen Ließ man ſie niederwehen: da trauerten die ſchönen Königinnen. Was Wunder wäre den Gäſten wohl geſchehn, Wate der grimme, hätt er das geſehn, Daß ſo zu Hettel8 Saale Hartmuths8 Helden giengen - Und Ludwig der König, da ſie die ſhöne Gudrune fiengen! Hettel und Wate hätten's ſo gewehrt, Wenn ſie nicht ferne wären, ſo ihr gutes Schwert Zerſchlagen auf den Helmen: es wäre nie ergangen, Daß ſie Gudrunen brächten in die Normandie gefangen. So viel man fand der Leute, die trugen Uebermuth; E38 iſt der Brauch noh heute. Die gerne Hab und Gut Aus der Veſte wollten rauben, die trugen es von dannen: Das mögt ihr wohl glauben, reich wurden allzumal nun Hartmuths Mannen.

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Hartmuth der ſc\<hnelle gieng zu Gudrun hin: „Stäts habt ihr mich verſchmähet ,/“ ſprach er: „Königin: | | Nun ſollten Wir verſ\<hmähen Jemand hier zu fangen: I\< und meine Freunde ſollten euch erſchlagen all und hangen.“ Da ſprach ſie nichts weiter als: „Weh mir, Vater mein, Wenn du das wüſteſt, daß man die Tochter dein Gewaltſam von hinnen führt aus deinem Lande: Mir armen Königstohter geſchähe nicht der Shade no\<h die Sande.“ Da ſie gehäuft die Shäße und alle das Gewand, Da führten ſie Frau Hilden dazu an weißer Hand. Matelan, die gute Stadt, wollten ſie verbrennen, Was ihnen auch geſhähe; die kühnen Gäſte wollten Furcht nicht kennen. Dort Hartmuth rieth: „Wir laßen die Burg unverbrannt.“ Da eilt' er ohne Maßen zu räumen das Land, Eh es Die erführen, die zu Waleis in der Marke ' Mit Heereskräften lagen, König Hettel und ſein Volk das ſtarke. „Laßt das Rauben bleiben ,/“ ſprach da Hartmuth, „I\< geb euch zu Hauſe meines Vater8 Gut: Wir ſind deſto leichter zu fahren auf der See.“ Von Ludwigs Gewaltthat war der ſchönen Gudrun weh.

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ie Burg war gebrochen, vie Stadt war verbrannt; uch hatten ſie gefangen die Beſten, die man fand: woundſechzig Frauen, viel minnigliher Maide ührten ſie von dannen; davon geſchah Frau Hilden viel zu Leide. Wie traurig ſie ließen de8 Wirth38 Gemahl da ſtehn! In ein Fenſter eilte die Königin zu gehn, aß ſie nach den Maiden hernieder möchte ſchauen; ie ließen auch im Lande klagend noh viel andre ſchöne Frauen. 3 ſchrieen laut mit Weinen die Leute die man fand; röhlich ſah man Keinen, da man über Land it Hildens Tochter führte das edle Ingeſinde: as ward zu großem Schaden hernach no\< manchem werthen Ritter8 Kinde. iel Geiſel brachte Hartmuth mit ſich an den Strand; erbrannt und verwüſtet ließ er de8 König8 Land. 8 war nach ſeinem Willen Alle8 nun ergangen: ildebürg und Gudrun führt' er beide mit hinweg gefangen. wuſte wohl, daß Hettel in das vierte Land Felde ſei gezogen: drum räumt' er bald den Strand. war noc\<h kaum geſchieden von den Hegelingen, ließ Frau Hilde Hetteln und ſeinen Freunden eilends Märe bringen.

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Wie kläglihe Kunde dem König ſie entbot, Daß ihm ſeine Ritter daheim lägen todt, Die Hartmuth liegen laßen in dem blutgen Thaue; Seine Tochter ſei gefangen; mit ihr führ er hin viel ſchöner Frauen. „Ihr Boten, ſagt dem König daß ich alleine bin; E3 iſt mir ſchlimm bekommen: mit hochfärtgem Sinn Fährt zu ſeinem Lande Ludwig der reiche; Mehr als Tauſend liegen vor der Pforte todt von ſeinen Streichen. " ' Da ſchiffte ſich Hartmuth ſc\<nell in dreien Tagen Ein in ſeine Kiele: was die mochten tragen, Das hatten ſeine Reken räuberiſch genommen: Wer möcht euch nun berichten wie ſie gefahren ſind? Man hört' in ihre Segel ſauſend wehn den Wind, Bis ſie abgewendet von des Königs Lande | Zu einem wilden Werder kamen, den man hieß zum Wülpenſandelſ

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Sechszehntes Abenteuer. Wie Frau Hilde Hetteln und Herwigen Boten ſandte. Hilde die reine hatte Herz und Sinn Darauf gewandt alleine, wie ſie die Boten hin Sci&te zu dem Könige mit dem Herzeleide, Das ihr geſ\<hehn von Hartmuth: der ließ ihr jammerhafte Augen- weide. Herwigen und dem Gatten die edle Frau entbot, ; Ihre Tochter wär gefangen, ihre Helden wären todt Und hätten ſie alleine gelaßen in dem: Jammer; Ihr Gold und ihr Geſteine führten die Feinde heim zu ihrer Kammer. j Die Boten ritten eilends und ſtoben über Land; Die hatt in großen Nöthen die Fürſtin ausgeſandt. Am ſiebenten Morgen kamen ſie ſo nahe, Daß ſie in großen Sorgen Die von Moorland vor den Hegelingen ſahen.

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Die hatten alle Tage kühne That vollbracht Und allerhand Spiele geübt bei Tag und Nacht, Daß ſie bei der Belagerung die Weile nicht yerdrieße: Laufen und ſpringen und mit den Schäften nach dem Ziele ſchießen. Da ſah vom Dänenlande der Degen Horand Hilden3 Boten reiten zu ihnen in das Land. Er ſprac\< zu dem Könige: „Un3 kommen neue Mären: Gott gebe, daß uns Degen zu Hauſe Schaden nicht geſchehen wäre.“ Der König ſelbſt gieng ihnen entgegen: als er ſah Die kummervollen Boten, mit Züchten ſprach er da: „Willkommen ſeid, ihr Herren, hier in dieſem Lande: Wie gehabt ſich Frau Hilde? ſagt an, wer iſt e8, der euch zu uns ſandte?“ Der Eine ſpra\<: „Frau Hilde hat un3 her geſandt: Deine Burgen ſind zerbrochen, verwüſtet iſt dein Land. Gudrun iſt hingeführet mit ihrem Ingeſinde: So großen Schaden, ſorg im, ob dein Reich ihn jemals überwinde.“ Er ſprach: „J\< klage ferner dir unſre große Noth; Deiner Freund und Mannen wohl tauſend liegen todt. Der Schatz iſt geführet zu fremden Königreichen : Auch blieb nicht unberühret der Hort: nur Schande blieb uns ſonder Gleichen."

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Da frug er: wie er hieße, der ihm das gethan? Da ſprach zu dem Könige Einer aus ſeinem Bann: „Der Eine heißet Ludwig von Normandie, der reiche; Der andre heißet Hartmuth: ihre Helden führten grimme Streiche. “ Da ſprach König Hettel: „Weil ich ihm verſagt Meine ſc\<öne Tochter =- er hat mir nicht behagt: Von Hagen, meinem Schwäher, trägt er zu Lehn ſein Land: Drum hätt ich nicht mit Ehren ihm Gudrunen zugewandt. „Man ſoll vor unſern Feinden dieß Leid verborgen tragen; Man ſoll es unſern Freunden in der Stille klagen. - Laßet unſre Vettern baldigſt zu uns bringen; Wohl konnt es guten Reen zu Hauſe niemals übler miſslingen.“ Da hieß man Herwigen hin zu Hofe gehn, Und die Vettern all und Mannen in des Königs Lehn. Da dieſe guten Reen zu Hof gekommen waren, Man ſah den König Hettel in ſeinem Unmuth trübe gebahyren.“ "4 Der Vogt der Hegelingen ſprach: „I\< will euch klagen, Und will euch im Vertrauen meinen Kummer ſagen, Und wa3 uns Frau Hilde für Botſchaft hat geſandt: Ums Land der Hegelingen iſt es gar traurig beiwandt.

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„Meine Burgen ſind gebrochen, mein Reich iſt verbrannt, Uebel war behütet unſer Heimatland. Meine. Tochter iſt gefangen, meine Freunde ſind erſchlagen, Die ſo oft des Landes daheim und meiner Ehre pflagen.“ Da thränten Herwigen die Augen, denn er ſahs, Daß König Hettels Augen von Weinen wurden naß. So geſc\<hah es Allen, die ſie weinen ſahen. Froh war wohl Keiner der Degen, die dem König ſtunden nahe. Da ſprach der alte Wate: „Vermeldet weiter nicht Das Leid, das uns an Freunden geſchah nach dem Bericht; ES ſoll uns manche Wonne bald dafür ergeßen: | Zu noch tieferm Leide ſoll es Hartmuths ganz Geſchlecht ſich ſchätzen.“ Da fragt ihn König Hettel: „Wie ſoll das geſchehn?“ Da ſprach der alte Wate: „Wir wollen Frieden ſehn Zu ſchaffen mit den Heiden, Siegfrieds Heergeſinde: So führen wir die Degen der ſchönen Gudrun nach, deinem Kinde.“ Dem weiſen Rathe fügte Wate noch hinzu: „Wir wollen mit den Feinden handeln morgen fruh Und ſo mit ihnen ſprechen, daß ſie werden innen, Wenn wir nicht aufbrechen, ſo bringen ſie ihr Volk nicht mehr von hinnen. “

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Da ſprach der kühne Herwig: „Der Rath gefällt mir wohl; Bereitet euch denn heute, wie man morgen ſoll | Gebahren mit den Feinden, daß wir das laßen ſchauen: | Wie wir von hier auch ſcheiden, ohne Maßen ſchmerzen mich die Frauen. “ Sie ſchiten ſich zum Streite mit Roſſen und Gewand; Dem Rath des alten Wate folgten ſie zuhand. Als kaum der Morgen tagte, verſuchten ſie es kräftig An den Abakinern; um Lob und Ehre warben ſie geſchäftig. Al3 man die Banner allwärt3 ins Gedränge trug, Wie manchen der Geſunden man da zu Tode ſchlug! Die von Sturmlanden riefen: „Immer näher! Den Feind zu zwingen ſtürzten ſie ſich ins Kampfgewühl deſto jäher. Jrold begann zu rufen über des Schildes Rand: „Wollt ihr es mit uns ſühnen, Helden von Moorland: Das möcht euch Hettel gerne, mein Herr der König, fragen: Eur Land iſt euch zu ferne: verloren ſeid ihr, wollt ihr nicht vertragen. “ Zur Antwort gab ihm Siegfried, der Held von Moorland: „Wenn ihr den Sieg erwerbet, das iſt das beſte Pfand. I\< will mit Niemand dingen, minderts mir die Ehre; Wähnt ihr uns zu zwingen, ſo verderbt ihr beiderſeits noch mehre, “

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Da ſprach der Re>e Frute: „Verpfändet eure Treu, Uns dienſtlich beizuſtehen, ſo laßen wir euch frei Au3 unſers Herren Landen nach Hauſe ziehn in Frieden.“ Die Karadiner ſtre>ten die Hand zum Eid, daß ſie das Streiten mieden. So kam es zur Sühne, wie ich euch kund gethan. Da traten zuſammen die Reden wohlgethan Einander Dienſt erbietend, die jüngſt noc\<h Feinde waren. Ihr Haß war verſühnet; ſie wollten den Normannen ihn bewahren. Nun erſt ſagte Hettel Dem von Moorland, - Welche leide Märe ihm ſein Gemahl geſandt. Er woll ihm ſeine Hülfe ewiglich gedenken, Daß er Hartmuthen ſeiner Unthat Lohn möge ſchenken. Da ſprach König Siegfried, der Held von Alzabe: „Wären ſie zu finden, ihnen würde wahrlich weh!“ Da ſprach der alte Wate: „Wohl kann ich ſagen Ihre rechte Waßerſtraße: wir mögen auf dem Meer ſie leicht erjagen. “ Da ſprach König Hettel: „Wo fänd ich Kiele ſtehn? Wie gern ich ihnen ſchadete, wie könnte das geſchehn? E3 wäre denn, ich rüſtete mich erſt in meinem Lande Und käm ſie dort heimſuchen: ſo rächt ich wohl den Schaden und die Schande.

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Wate ſprach der alte: „Noch wird zu allem Rath: Gott hat Macht zu walten und ſchnell iſt ſeine That: So weiß ich in der Nähe, hier in dieſem Lande Siebzig guter Kiele: die ſtehn mit guter Speiſe dicht am Strande. „Sie haben Pilgrime geführt auf die See: Die müßen wir gewinnen, was auch hernach ergeh. Am Geſtade mögen die Pilger harrend liegen, Bi38 wir mit unſern Feinden uns verſöhnen oder ſie beſiegen.“ Wate der Alte fuhr von dannen jach Wohl mit hundert Reen; die Andern zogen nach. Er ſprac\<, er wolle Speiſe kaufen: „Habt ihr feile?“ DaZ verdarb ihm viel der Freunde; ihm ſelber auch gedieh es nicht zum Heile. Die ſie am Ufer fanden, das ſag ich euch fürwahr, Daß ihrer dreißig hundert wo nicht darüber war. Die konnten ſich ſo eilends nicht zum Streite ſtellen: Da kam auch der König herbei mit ſeinen kühnen Kampfgeſellen. Wie ſehr ſie ſich auch wehrten, man trug an den Strand, Das Wate nicht begehrte, ihr Silber und Gewand; Doch blieb an Bord die Speiſe; die wurde weggenommen: „Man ſoll ſie euch bezahlen ,“ ſprach der Alte, „wenn wir wieder- kommen.“

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Die Pilgrime klagten und fluchten um die Noth: Was ſie darüber ſagten, das galt ihm nicht ein Brot. Wate der kühne ſtrebte nur zum Ziele, Daß ſie ihm laßen muſten ihre Boote und auch ihre Kiele. Hettel fragte wenig, ob ſie nie aufs Meer Mit ihrem Kreuz mehr kämen; er nahm aus ihrem Heer Fünfhundert oder drüber der Beſten, die ſie fanden. Deren brachten ſie do\< wenig wieder zu der Hegelingen Landen. Vielleicht hat des entgolten Hettel und ſein Bann, Daß er den guten Pilgern dieß Herzeleid gethan, Daß ſie im fremden Lande ſich alſo muſten ſcheiden. Gewiſ8 hat Gott gero\<en an ihm der armen Pilgrime Leiden. Sie fuhren auf den Kielen baldigſt hindann ; Hettel mit den Seinen guten Wind gewann. So fuhren ſie und ſegelten auf ihres Feindes Pfaden; Wo ſie Dem begegneten, da dachten ſie zu rächen ihren Schaden.

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Siebzehntes Abenteuer. Wie Hettel ſeiner Tochter auf den Wülpenſand nachfuhr. Nun hatte König Ludwig und der kühne Hartmuth Mit ihres Landes Volke ſich bei der Meeresflut Gelagert auszuruhen, auf eines Eilands Grieße; F Wie viel ſie Leute hatten, wenig Heil mocht ihnen drauß entſprießen. E3 war ein breiter Werder, der hieß der Wülpenſand, Da hatten die Normannen aus Ludwigens Land Beßre Raſt gegönnet den Roſſen und ſich ſelber; Nach dem Gemache muſte grimmig ſich ihr Schade wieder melden. Ihre edeln Geiſel von Hegelingenland Saßen wie verwaiſet auf dem öden Strand. Soweit ſie da durften vor der Normannen Scharen, Die minniglichen Maide ſah man bei den Feinden traurig gebahren. /

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Sie fachten allenthalben am Strande Feuer an. Gern hätten ſich die Gäſte Ruh hier angethan. Sie wähnten da zu bleiben =- Gott wollt e8 nicht verhängen =- Mit den ſchönen Weibern ſieben Nächte oder gar noch länger. Da dieſe Re>en weilten an einer wilden Bucht, Hartmuth und ſeinen Freunden reifte nicht zur Frucht Dieſe blühnde Hoffnung, daß ſie Ruhe ſchauen Sollten hier am Strande ſieben Tage bei den ſchönen Frauen. E38 war von Matelane, ſo ferne ſchon hindann Gudrun die Wohlgethane, daß Die in Ludwigs Bann Sich keine Sorge ließen aus ihrer Ruhe zwingen, Daß Wate und ſeine Freunde ihnen noch Schaden möchten bringen. Da ſah der Schiffmann ſc\<haukeln auf der Wellen Reich Ein Schiff mit reichen Segeln; dem König ſagt' er8 gleich. Als Hartmuth das erſchaute und Die in ſeinem Heere (In den Segeln waren Kreuze), ſie ſagten, daß es Pilgrime wären. Nicht lang, ſo ſah man ſchwimmen drei Kiele gut Und neun ſc\<öne Boote; die trugen auf der Flut Manchen, der noh ſelten das Kreuz trug Gott zur Ehre“ Das muſten bald entgelten der Helden viel in König Ludwigs Heere.

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Sie kamen nun ſo nahe, daß man die Helme ſah Von den Schiffen ſcheinen; Unheil hob ſich da Und grimmiger Schade Ludwigen und den Seinen: „Wohlauf, hier kommen, Hartmuth, unſre Feinde, die es übel meinen.“ - Sie eilten ſich, zu länden, daß man wohl vernahm. Die Ruder in den Händen krachen manchem Mann; Die am Geſtade waren, die Alten wie die Jungen Konnten anders nicht gebahren als daß ſie wehrlich kamen an- geſprungen. Ludwig und Hartmuth trugen die Schilde in der Hand. Sie wären geſtern ſanfter gekommen in ihr Land, Hätte ſie zu ruhen nicht ein Gelüſt betrogen : Sie wähnten, Hettel hätte keinen Freund mehr, der ihm wär gewogen. Laut rief da Ludwig ſeine Mannen an =- Hiergegen war nur Kinderſpiel was er noch je begann = „Nun muß ich heut erſt lernen mit meinen Feinden ſtreiten: Reich mach ich Alle, die meine Fahne wider ſie begleiten.“ Hartmuths Feldzeichen trug man auf den Strand. So nah ſah man die Schiffe, daß man ſie mit der Hand Und mit dem Schaft erlangen mochte von dem Grieße. Wohl wett ich, daß Wate ſeinen Schild hier ungern müßig ließe.

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So ingrimmig wehren ſah man wohl nie ein Land: Die von Hegelingen drangen auf den Strand Und fochten gewaltig mit dem Sper und mit dem Schwerte: Sie ſchlugen ſo nachhaltig, daß man auf Abſchlag wohl nicht mehr begehrte. Sie drängten allenthalben ſich an den Rand der See. E3 wehen von den Alpen die Winde nie den Schnee So dicht, als hier die Shüße flogen von den Händen; Wie gern es Jeder thäte, ſo konnte do\<h den Schaden Niemand wenden. Sie wechſelten die Spere; die Weile währte lang Eh ſie das Land gewannen. Der alte Wate ſprang Heftig auf die Feinde: ſie waren ihm ſo nahe, Auch war er ſo grimmig, daß ſie ſeinen Willen wohl erſahen. Ludwig der Normanne rannte Waten an: Mit einem ſcharfen Spere ſchoß er auf den Mann, Daß die Stücke ſprangen hoch in alle Winde. Ludwig war verwogen: da kam auc\< Watens JIngeſinde. Durch den Helm ſchlug Wate Ludwigen ſol\<hen Sc\<hwang, Daß des Schwertes Schneide auf den Helm ihm drang. Er trug unterm Panzer ein Hemd von guter Seiden, In Abalie gewoben; ſonſt hätt er hier vas Ende müßen leiden.

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Kaum daß mit dem Leben ihm Ludwig entkam ; Hindann muſt er ſich heben: man war dem Gaſte gram, Wo immer Wate ſollte bei Feinden Sieg erwerben: Man ſah von ſeinen Händen manchen guten Reen hier erſterben. Hartmuth auf Jrold und der auf Jenen ſprang, Daß des einen Waffen auf des andern" Helm ertlang; Man mocht es durc\< die Scharen vernehmen wechſeltönig. Jrold war tapfer; kühn war auch Hartmuth der König. Herwig von Seeland, der erlauchte Degen gut, Langte nicht ans Ufer: da ſprang er in die Flut: tandybis an dis Achſen tief in den Wogen; Frauendienſte hatte ſich da Herwig unterzogen. Ulten in der Flut ine Feinde; viel Schäfte ſtark und gut ehen, mit aller Macht zum Strande einden: da rächte mancher zornig Shmach und Sande. Eh ſie den Strand erwarben, ſah man des Meeres Flut Von denen die exrſtarben geröthet mit dem Blut Vorüber allenthalben in rother Farbe fließen In der Breite, daß es Niemand mit einem Spere mochte überſchießen.

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Größre Mühſal wurde wohl Helden nimmer kund. Sie drückten Manchen nieder auf des Waßers8 Grund: Ein Land wohl mochten füllen die ohne Wunden ſtarben, Die ihnen Schaden thaten; doh gleichviel, ob ſie ſo ob ſo verdarben. Nach ſeinem lieben Kinde focht Hettel grimmen Streit: Ihn und ſein Geſinde ſah man Noth und Leid Allenthalben ſchaffen den Fremden wie den Kunden. Da wurden viel der Leihen auf dem Wülpenſande dort gefunden. Mit ungefügen Dienſten erprobten ihre Hand Die kühnen Normannen und Die von Heglingland. Man ſah die kühnen Dänen ſo herrlich gebahren, Wer- ſein Leben liebte, der durfte ſich nicht zeigen, wo ſie waren. Ortwin und Morung bauten das Land Und vdüngten e8 mit Todten, daß man niht Manchen fand, Die es ſo verſtunden zu treffen und zu fällen; Da ſc\<hlugen viel ver Wunden die Helden beid und ihre Hecrgerien Auch die ſtolzen Heiden, ſo hab ich vernommen, Waren zu den Feinden von ihrem Schiff gekommen. Wohl hoffte ihrer Hülfe Hettel zu genießen: Es waren kühne Helden: man ſah das Blut durch feſte Helme fließen.

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Ihr Vogt, der ſie führte, wie mocht er kühner ſein? Mit Blut löſ\<ht' er heute manches Panzers Schein; Er war in ſtarfen Stürmen mannlich und verwegen. Wie mochten kühner kämpfen der alte Wate und Frute der Degen? Die Spere waren alle verſchoßen hier wie dort: Ortwein mit den Geſellen gieng froh von Ort zu Ort. Da wurden viel der Helme von ihnen heut verhauen; Grimmig weinte Gudrun; ſo thaten auch bei ihr die andern Frauen. Dieß harte Kämpfen währte deſſelben Tages lang. Des Volks das Streit begehrte groß war der Drang. Da muſte ſchnellen Helden übel miſslingen, Da Hetteln ſeine Freunde die ſchöne Tochter wollten wiederbringen. Stäts näher ſank der Abend: da hub der Schaden an Dem König ſich zu mehren. Die in Ludwigs Bann Thaten was ſie ſollten; ſie konnten nicht entrinnen. Sie ſchlugen weite Wunden: ſo wehrten ſie die Zier der Königinnen. Dieß währt' in großen Sorgen bis es die Nacht benahm. Früh an einem Morgen ſie thaten ohne Sham Alles was ſie konnten, die Alten wie die Jungen, Ch der König Hettel zu Dem von Normandie war gedrungen.

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Achtzehntes Abenteuer. Wie Ludwig Hetteln erſchlug und bei der Nacht von dannen fuhr. Hettel und Ludwig trugen ho\< in der Hand Ihre ſcharfen Waffen; Jedweder fand Nun erſt am Andern Kunde wie ſtark und kühn er wäre. - Ludwig ſchlug da Hetteln; das war viel Herzen eine leide Märe. Als von Matelane der Wirth ward erſchlagen, Das erfuhr die Wohlgethane; wohl hörte man da lagen Die ſc\<höne Gudrune mit ihren Maiden allen. Man konnte ſie nicht tröſten; die Feinde weinten ſelber um ſein | Fallen. Als Wate der grimme vernahm des Königs Tod, Da hub er an zu limmen wie ein Eber; Abendroth Sah man von Helmen ſcheinen bei ſeinen ſchnellen Schlägen: So thaten auch die Seinen; in großem Zorne ſah man all die Degen.

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Was hier von den Guten geſchah, was frommte das? Von dem heißen Blute ward der Werder naß. Keines Friedens gehrten Die von Hegelingen: Von dem Wulpenwerder wollten ſie Gudrunen wiederbringen. Die von Waleis rächten im Sturm des Königs Tod; Von Dänemark die Helden ſtanden in der Noth Zu den Hegelingen und den Ortlandsre>en. In der Hand zerbra\<hen die wohlgewetßten Waffen dieſen Keen. Den Vater wollte rächen der kühne Ortwein; Der kam herbei mit Scharen der kühnen Helden ſein. Der Tag war zu Ende, ſc\<on nachtete die Stunde: Da ward erſt von den Helden gehauen manche tiefe Herzenswunde. Der kühnen Dänen Einer ſprang auf Horand los, Laut klang ihm in den Händen eine Waffe, die war bloß. Er meint', er wär ein Gegner; da ſchlug er ihn zur Stunde: Horand der kühne Degen ſchnitt ihm eine tiefe Herzen8wunde. Al3 er ſeinen Neffen zu Tode hatt erſchlagen, Hieß er deſſen Fahne zu ſeiner Fahne tragen: Da erkannt' er an der Stimme, den ſeine Hand verſchroten Hatt im Uebermuthe: Horand beklagte ſchmerzlich den Todten.

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Laut rief da Herwig: „Hier muß Moxd geſchehn! Der Tag iſt vergangen und Niemand kann mehr ſehn: Wir ſchlagen all einander, die Fremden zu den Kunden. Währt es bis an den Morgen, lebendig wird der Dritte nicht gefunden.“ Wo man den kühnen Wate in dieſer Schlacht vernahm, Da war es nicht gerathen, daß wer ihm nahe kam. Sein Zorn, der ungefüge, Niemand vertragen wollte: So bracht er hier Manchen dahin, wo er immer bleiben ſollte. Sie durften e8 wohl laßen bis zum andern Tag: Da3 Volk auf beiden Seiten mit Todes8wunden lag Erſc\<lagen von den Feinden. Man ſah den Mond nicht ſcheinen; Der Tag war vergangen: da verlor den Sieg der Gaſt mit all den Seinen. Nur mit Mühe ließen die Grimmen ab vom Streit; Mit müden Händen ſchieden ſie von der Arbeit. Sie blieben einander jedennoch ſo nahe, Daß man Helm und Schilde, wo die Feuer brannten, ſchimmern ſahe. Von Normandie Herr Ludwig und Hartmuth huben an Beiſeit ſich zu beſprechen. Darauf zu ſeinem Bann Sprach der alte König: „Warum ſie bleiben ſollten Bei Wate vem Kühnen, wenn anders ſie nicht gern erſterben wollten?"

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Da rieth er ihnen liſtig: „Nun leget euch zu Thal, Die Häupter auf die Schilde und meidet großen Schall: So verſehn ſich nimmer Die von Hegelingen, So gern ich's fügen möchte, daß ich euch von hinnen wolle bringen. Da folgten Ludwigs Rathe die kühnen Degen all. Von Trommeln und Poſaunen vernahm man lauten Sc\<all, Als wären all die Lande ring3um ihnen eigen. Seine liſtgen Räthe begann da König Ludewig zu zeigen. Wehruf und Jammer vernahm man noch dabei; Da verbot man den Knappen das weinende Geſchrei : Die das nicht laßen wollten, die werde man ertränken, Alle die man hörte in die tiefen Wellen heißen ſenken. Was ſie finden mochten, das ward an Bord getragen. Sie ließen da die Todten, ſo viel der war erſchlagen; Ihrer Freunde fehlten, das war ein Leid, ſo viele. Hier am Ufer bleiben mochte ledig mancher ihrer Kiele. Mit ſolchen Liſten kamen endlich auf die See Die vom Normannenlande. Den Frauen that es weh Von den Freunden ſich zu ſcheiden, und durften doh nicht lagen. Das wuſten nicht die Helden, die noc\< auf dem Wülpenwerder lagen.

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Eh der Tag ſich hellte waren ſie ſchon weit, Mit welchen gern die Dänen noch kämpften neuen Streit. Laut ließ da Wate ſein Heerhorn ergellen; Er hub ſich hin zu ihnen, die er mit tiefen Wunden wollte fällen. Zu Roſs und au\< zu Fuße ſah man in8geſamt Die guten Degen eilen von Hegelingenland Nach den grimmen Feinden, Ludwig und ſeinen Mannen, Die ſie beſtehen wollten: da waren ſie ſhon alle längſt von dannen. Sie fanden leer die Schiffe; verſtreut war ihr Gewand: So fanden ſie es liegen auf dem Wülpenſand. Der herrenloſen Waffen wurden viel gefunden. Sie hatten ſich verſchlafen: ſie ſc\<hlugen ihnen weiter keine Wunden. Al8 man das Waten ſagte, das ſchuf ihm große Noth: Wie ängſtlich er nun klagte König Hettels Tod, Daß er ihn nicht gerohen und Ludwig hatt erſchlagen! Mancher Helm lag zerbrochen: viel ſchöne Frauen muſten das beklagen. “Ein Jammer wars zu hören wie im zorngen Muth Ortwein da klagte ſeine Re>en gut. Er ſprac\<: „Wohlauf ihr Degen, ob wir ſie noch ereilen Eh ſie uns ganz entrinnen; ſie können noh nicht weit vom Ufer weilen.“

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Wate der alte wollt ihm folgen blind; Do\<h Frute bli>t' ins Weite und blite nach dem Wind: Da ſprach er zu den Reen: „Was hilft das, ob wir eilen? Merket, lieben Freunde: ſie ſind von hinnen wohl ſchon dreißig Meilen. „Soviel auch zählt der Leute nicht unſer Bann, Daß ihnen Schaden würde von unſrer Fahrt gethan. Nun ſollt ihr meine Lehre nicht in die Winde ſchlagen: Wozu des Reden3 mehre? wir können ſie nun doch nicht mehr erjagen. „So heißet nun die Wunden in die Schiffe tragen, Und ſuchet auch die Todten, die uns ſind erſchlagen, Und heißet ſie beſtatten auf dem öden Grieße: Sie haben hier viel Freunde: warum ſollten ſie es nicht genießen?" Mit Händeringen ſtanden die Helden in8gemein ; Des Schadens und der Schande gedachten ſie allein, Daß ſie verloren hatten die Zier der Königinnen: Welc\<e Märe konnten ſie nun daheim Frau Hilden hinterbringen ? Da ſprach der kühne Morung: „Wär hier des Leid8 nicht mehr, Wir trügen gern den Jammer und wär er noch ſo ſchwer. Wir werden übeln Botenlohn verdienen mit der Märe, Hettel lieg erſchlagen: wie gern ich da Frau Hilden ferne wäre!“

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Da ſuchte man die Todten überall am Strand. Die da Chriſten waren, ſo viel man deren fand, Da ließ der Held von Sturmland zu einander bringen: Was mit ihnen würde, beriethen ſie dann mit den Jünglingen. Da rieth der Degen Ortwein: „Wir wollen ſie begraben. Dann laßt uns Sorge tragen, daß ſie ein Zeugniſ8 haben Durch ein reiches Kloſter ihres tapfern Endes: Wer dann ſeine8 Gutes gerne dazu ſteuern will, der ſend es.“ „Das haſt du wohl gerathen,“ ſprach Der von Sturmland; „Auch wollen wir verkaufen ihr Roſs und ihr Gewand, Die hier erſchlagen liegen, daß man ſich der Armen Nach ihres Lebens Ende vom Gute dieſer Helden mög erbarmen.“ Da ſprach der Degen Jrold: „Man ſoll auch die begraben, Die uns den Schaden thaten: over ſollen ſie die Raben Und die wilden Wölfe hier auf dem Werth genießen?“ Die Weiſen alle riethen, daß ſie ihrer Keinen liegen ließen. Als ſie Muße fanden nach ihrer langen Noth, Begruben ſie den König, der einen würdgen Tod Seinem Kind zu Liebe gewonnen auf dem Strande; So that man auch den andern, wie ſie auch hießen und von welchem Lande.

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Kan (is Da legte man geſondert Die man aus Moorland fand, So that man auch die Degen von Hegelingenland; Auch den Normannen muſte man ihre Statt beſcheiden: Man legte ſie geſondert; es waren beides, Chriſten und auch Heiden. Sie waren unmüßig bis an den ſechſten Tag; Sie gönnten ſich nicht Weile und ſtrebten nur darnach, Wie ſie zu Gottes Hulden Die von Hegelingen Nach ihren großen Schulden und Sünden wieder möchten bringen. Leſen und Singen ſo viel vernahm man hie =- Für ſturmtodte Helden ſah man wohl nie Gott ſo herrlich dienen in irgend einem Lande. Man ließ bei den Gefallnen viel der Pfaffen auf dem Wülpenſande. Auch muſten Viele bleiben, der Seelen ſtäts zu pflegen: Die ließ man niederſchreiben; ihnen ward auch Land gegeben, An dreihundert Huben. Weit erſholl die Märe, Daß zum HoSpitale ein Kloſter auf den Sand geſtiftet wäre. Die da gelaßen hatten einen theuern Leib, Die gaben Beiſteuer, Mann oder Weib, Um ihrer Seelen willen, die ſie dort begruben. Es ward ein reiches Kloſter: ihm gehörten bei dreihundert Huben.

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Nun mag ſie Gott begnaden, die da erlegen ſind, Dazu die andern alle. Heimführt' ein guter Wind Die geſund geblieben auf dem Wülpenſande. Nach all den Nöthen kamen ſie wieder heim zu ihrer Herren Lande.

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Neunzehntes Abenteuer. Wie die Hegelingen heimfuhren. Hettelns Freunde hatten ſoviel der Kühnen hie Mühßen beſtatten, daß gute Helden nie So großen Jammer durften heim zu Lande bringen: Da ſah man ſchöne Frauen weinen und die Hände kläglich ringen. Aus dem Ortlande der Degen Ortwein Nach dem Schaden und der Schande die liebe Mutter ſein, Hilde die ſhöne, die wagt' er nicht zu ſchauen: / Sie harrte alle Tage ob ſie ihr brächten Gudrun und die Frauen. Wate ritt mit Sorgen in Frau Hildens Land Bei den Hegelingen; ſeine Kraft und ſeine Hand Hatten nicht gefruchtet in der Schlachten Grimme; Er getraute ſich ſo balde Hildens Huld nicht wieder zu gewinnen.

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Als ſie hörten ſagen, Wate wär gekommen, Da muſten ſie verzagen: ſie hatten ſtät38 vernommen, Wenn er aus Kriegen kehrte, fuhr er einher mit Schalle; So hielt es ſtäts der Werthe: nun aber ſchwieg er und die Seinen Alle. „OD weh!“ ſprach Frau Hilde, „was deutet das uns an? E35 führt zerbro\<hne Schilde des alten Wate Bann. Die Pferde gehen langſam unter ihrer Schwere; Das Volk gehabt ſich übel; ich wüſte gerne wo der König wäre.“ Darnach in kurzer Weile, da Solches geſchah, Da kam der alte Wate. Manche man da ſah, Die nach den lieben Herren und den Freunden wollten fragen: Da ſagt' er ihnen Märe, die ſie wohl von Herzen mochten klagen. Da ſprach der Held von Sturmland: „I\< muß es euch wohl ſagen Und will euch nicht betrügen: ſie ſind All erſchlagen.“ Darob erſchraf ein Jeder, vom Greiſe bis zum Kinde: Man hatte nie geſehen ſo betrübtes, trauerndes Geſinde. „O weh meines Leides!“ ſprach des Königs Weib, „Wie muſte von mir ſcheiden mein Herz und auch mein Leib, Hettel der reiche! meine Ehre ſeh ich ſchwinden! Verloren hab ich beide; Gudrunen ſoll ich auch nicht wiederfinden!“

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Ritter und Maide quälten Herz und Sinn; Man hörte von dem Leide, da die Königin Ihren Mann ſo ſehr beklagte, den Pallas wiederhallen: „OD weh mir,“ ſprach Frau Hilde, „und ſoll das König Hartmuth wohlgefallen!“ Da ſprach der kühne Wate: „Herrin, laßt das Klagen: Sie kommen halt nicht wieder. Jedoch in künftgen Tagen, Wenn junges Volk erwachſen iſt in dieſem Lande, An Ludwig und Hartmuth räch ich meinen Schmerz und unſre Sande." Da ſprach die Jammervolle: „Hei, ſollt ich das erleben, Alles was ich hätte wollt ih darum geben, Daß ich gerochen würde, wie e8 auch geſchähe, Und daß ich Gottesarme meine Tochter Gudrun wiederſähe.“ Wate ſprach zu Hilden: „Herrin, laßt das Klagen: Wir wollen Boten ſenden in den nächſten zwölf Tagen Zu allen euern Reen, ſo viel wir zu uns bringen, Daß wir die Fahrt berathen: ſo muß e8 den Normannen noch miſslingen. “ Da ſprach er: „Frau Hilde, hört wie es iſt gekommen: I\< habe Pilgrimen neun Schiffe weggenommen: Die ſollen wir den Armen darum wiederbringen, Wenn wir wieder ſtreiten, daß es uns dann beßer mag gelingen.“

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Da ſprach die Jammerhafte: „Wohl rath ich euch dazu: Erſetzt ihren Schaden, nicht eher hab ih Ruh. Pilgrime berauben, die Sünde büßt man theuer; Darum von meinem Silber für jede Mark gebt ihnen drei zur Steuer.“ Da brachte man die Schiffe zurück, wie ſie es rieth. Eh daß der Pilger Einer von dem Geſtade ſchied, Ward ihnen aller Schaden ſo reichlich vergolten, Daß ſie Niemand fluchten und Herrn Hagens Kind blieb unbe- ſcholten. Darauf am nächſten Morgen kam von Seeland Herwig der kühne, wo er Frau Hilden fand Um ihres Mannes Ende weinen alſo bitter; Mit gerungnen Händen empfieng ſie freundlich do\< den kühnen Ritter. Um der Frauen Thränen hub auch zu weinen an Herwig der edle, Da ſprach der junge Mann: „Sie ſind nicht all erſtorben, die euc\< da helfen ſollten Und es gerne thaten ob es auc Mancher übel hat entgolten. „Wohl betrübt es immer das Herz mir und den Leib; Doh ſoll es Hartmuth büßen, daß er mir mein Weib Hinnen durfte führen und erſchlagen unſre Beſten: I\< reit ihm no\< ſo nahe, daß ich niederbreche ſeine Veſten. “

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| Wie großes Leid ſie trugen, ſie ritten nach der Stadt Gen Matelan dem S\<loße. Die Königin bat, Was au\<h geſchehen wäre, wenn ſie Treue halten wollten, Daß ſie ihre Königin doch darum nicht länger meiden ſollten. Da kamen auch die Frieſen und Die von Sturmland: - Auch nach den kühnen Dänen hatte ſie geſandt. Von Waleis brachten Morungs Helden viel der Schilde: Die Hegelingen ritten da mit ihnen zu der ſchönen Hilde. Da kam von Ortlanden ihr Sohn Ortwein; Sie klagte wie ſie ſollte den lieben Vater ſein. Da eilten mit der Herrin die Helden rathzuſchlagen: Einen großen Kriegöszug wollten noch die ſtarken Helden wagen. Da ſprach der alte Wate: „Es8 geht nicht eher an, Die wir jeht Kinder nennen, müßen erſt heran Schwertmäßig wachſen: mancher edle Waiſe Gedenkt dann ſeiner Freunde und wird uns gerne helfen bei der ä Reiſe.“ Da ſprach die Königstochter: „Wann möchte das wohl ſein? Soll unterdes bei Feinden die liebe Tochter mein In fremden Landen ſißen, ſo jämmerlich gefangen! O ich arme Königin, ſo iſt meine Freude gar zergangen.“

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Da ſprach der Däne Frute: „Cs kann doch nicht geſchehn, Bis wir genug der Leute in unſern Reichen ſehn. Wir dürfen mit der Heerfahrt eher nicht von hinnen, Was auch thun die Feinde, daß wir Gudrunen ihnen abgewinnen.“ „Gott laß es uns erleben,“ ſprach die Königin, „Mir armen Frauen währet die Zeit zu lang dahin. Wer meiner will gedenken und Gudrun, der armen, Wohl hegt er Treu im Herzen, will ex unſer beider ſich erbarmen.“ Als ſie Urlaub nahmen ſprach das edle Weib: „Wer mein gedenket, ſelig ſei er an Seel und Leib. Wohl ſollt ihr, kühne Reen, manchmal zu mir reiten, Und ſollt euch zu der Heerfahrt ſo eifrig als ihr könnt, indes bereiten. “ Klüglich ſprac\< da Wate, der kühne Degen alt: „Frau, dem wir trauen müßen, das iſt der feſte Wald. Die wir beſchloßen haben, ſoll uns die Fahrt gelingen, So heißt aus jedem Lande vierzig gute Ruderboote bringen.“ Sie ſprach: „So laß ich ferner zimmern bei der Flut Zwanzig feſte Kiele, dazu auch ſtark und gut: Die will ich rüſten heißen: ich hoff es ſoll gelingen, Daß ſie die Freunde glücklich hin zu unſern Feinden bringen."

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Als ſie nun ſcheiden wollten, der Vogt von Moorland Seht wie er wohlgezogen da vor den Frauen ſtand: Er ſprac\<: „Laßt mich des Zuges Stunde nur erfahren: Ihr beſendet mich nicht zweimal, mich gelüſtet mit dahin zu fahren.“ Ein freundlihes Scheiden ließ ſie da geſchehn, Obwohl man nach den Leuten traurig mochte ſehn Dieſe guten Gäſte und auch die ſchönen Frauen; Was ſie ſtündlich riethen, nicht mocht es ihnen Hartmuth zugetrauen. Da ſie von dannen waren geritten in ihr Land Mit traurigem Gebahren, auf den Wülpenſand Zum Seelgeräth der Todten brachte man da Speiſe, Daß ſie zu Gott gedächten ihres Heils: Frau Hilde war wohl weiſe. Auch ließ ſie da erbauen ein Münſter, das war weit, - Hospital und Kloſter erbauen nach der Zeit: E38 iſt bekannt geworden ſeitdem in manchem Lande Mit denen, die da ſtarben; es hieß das Kloſter auf dem Wülpen- ſande.

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Zwanzigſtes Abentener. Wie Hartmuth heim kam. Das laßen wir bewenden, wie es um dieſe ſtand, Und was die Kloſterleute ſchufen auf dem Sand; Wir wollen euch nun melden von Ludwig und Hartmuthen, Wie ſie zu Lande brachten ſo viel der edeln Mägdelein, der guten. Da ſie geſchieden waren, wie wir euch thaten kund, Viel der edeln Reen waren tode8wund. Die ſie auf der Walſtatt dort zurügelaßen, Um die muſten weinen in ihrem Land die Waiſen ohne Maßen. Als ſie mit großen Sorgen kamen auf die See, Den Abend und den Morgen war den Reken weh: Sie ſchämten ſich gewaltig, die Alten wie die Jungen, Daß ſie entronnen waren, obgleich ihr Anſchlag ihnen wohl gelungen.

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Sie nahten nun der Normandie, Ludwigens Land; Die Sciffleute waren da ſo wohl bekannt, Daß ſie in ihren Sorgen die Heimat froh erſahen. Da ſprach darunter Einer: „Nun ſind wir Hartmuthens Burg ſchon nahe.“ Da blieſen ſie die Winde in des Königs Land. Alle3 Volk der Normandie freute ſich zuhand, Daß ſie noch kehren ſollten zu Kindern und zu Frauen, Die ſchier ſhon wähnen wollten, ſie hätten dort das Ende müßen | ſchauen. Als Ludwig am Strande ſeine Burg erſah, Der vom Normannenlande ſprach zu Gudrun da: „Seht ihr die Burg wohl, Herrin? nun laßet Freude walten.“ Wollt ihr uns Gnad erzeigen, ſo ſollt ihr über reiche Lande ſchalten.“ * Da ſprach in großer Trauer zu ihm die ſchöne Maid: „Wem ſollt ich Gnad erzeigen? von mir iſt Gnade weit. Von der bin ich ſo ferne leider nun geſchieden, I\< fürchte gar zu ferne; hinfort iſt Klage nur mein Looß hienieden.“ Da ſprach wieder Ludwig: „Laßt fahren euer Leid Und minnet Hartmuthen, den Degen allbereit; Alle3 wa38 wir haben, das wollen wir euch geben: So mögt ihr mit dem Reen immerdar in Wonn und Ehren leben. “

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Da ſprach Frau Hildens Tochter: „Laßt mich ohne Noth: Eh ich Hartmuth nähme, lieber wär ich todt. Ihm iſts" nicht angeboren, daß er mich ſolle minnen; Das Leben will ich laßen, eh ich ihn zum Freunde gewinne.“ Ludwig dem König that die Rede weh, Er ergriff ſie bei den Haaren und warf ſie in die See. Hartmuth der kühne ſeßte ſich dawider: Aus den tiefen Wellen zog er bald das edle Mägdlein wieder. Sie war ſchon ſchier geſunken, da kam Herr Hartmuth: Sie wäre wohl ertrunken, hätte der Degen gut Nicht ihre gelben Zöpfe erreicht mit ſeinen Händen: So zog er ſie zur Höhe; er konnt ihr Sterben ander8 nimmer wenden. In eine Barke legte ſie Hartmuth der Degen; Unſanft konnte Ludwig ſchöner Frauen pflegen. Sie ſaß in dem Hemde, als aus der Flut ſie brachte Der Held; das war ihr fremde; hei! wie ſie ſchmerzlich ihres Leids gedachte | Da ſah man alle weinen die ſchönen Mägdelein; Froh war ihrer Keine: konnt ihnen leider ſein, Da ſie des Königs Tochter ſo muſten ſtrafen ſehen? Sie gedachten bei ſich ſelber: „Uns wird des Leides no\< mehr geſchehen.“

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Da ſprach König Hartmuth: „Was ertränkt ihr mein Weib, Gudrun die ſchöne? die iſt mix wie mein Leib. Wenn es anders Jemand als mein Vater wäre, Der ſich des erkühnte, ich nähm ihm das Leben und die Ehre.“ Da ſprach wieder Ludwig: „Unbeſcholten bin I\< in mein Alter kommen und wollt auch fürderhin Gern in "Ehren leben bis zu meinem Ende. Nun bitte Gudrunen, daß ſie ihren Zorn nicht auf mich wende.“ Da ließ er Boten kommen, ein fröhlich JIngeſind ; Liebes und Gutes entbot er Frau Gerlind Und willige Dienſte von ihrem Sohn Hartmuthen; Am Geſtade ſollte ſie empfahn die Ritter all, die guten. Auch ließ er ihr entbieten, es käm über See Die Magd von Hegelingen, nach der ſo lange weh Ihrem Sohne ſei geweſen eh er ſie hatt erſehen. Als das Gerlind hörte, da war ihr wohl ſo lieb noch nie geſchehen. Da ſprach der Bote bieder: „Frau, nun ſollt ihr gehn Vor die Burg hernieder, daß ihr die Mägdlein ſchön Mit minniglihem Gruße empfangt in ihrem Leide; Ihr und eure Tochter, zum Geſtade reiten ſollt ihr beide.

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„Auch ſollt ihr mit euch führen nieder zu der Flut Mägdelein und Frauen und viel der Ritter gut, Daß euch die Heimatloſen dort im Hafen finden; Mit minniglichem Gruße ſollt ihr empfangen all ihr Ingeſinde.“ „Das will ich gerne leiſten,“ ſprac\< Frau Gerlind, „Meine Freude ſoll erdreiſten König Hettels Kind, Wenn ich ſie landen ſehe mit ihrem Ingeſinde: Wohl hoff ich, daß ich Hartmuth noch oft fröhlich bei der | Schönen finde.“ Sie ſorgten für die Roſſe und reiches Sattelkleid. Die junge Königstohter war fröhlich ſonder Leid: Sie freute ſich der Stunde, da ſie Gudrunen ſähe In ihres Vaters Lande, deren Preis erſcholl in Fern und Nähe. Man zog aus Kiſt und Kaſten den allerbeſten Staat, Den ſie da wuſten raſten und den nur Jemand hat. Mit Sorgfalt hieß man kleiden Hartmuthens Degen. Des Königs Ingeſinde ritt geſhmü>t den Kommenden entgegen. - Darauf am dritten Morgen war das JIngeſind Ortrun der jungen und der Königin Gerlind Alles wohlgerüſtet zu fröhlihem Empfange. Sie ritten aus der Veſte und verweilten ſich am Hofe nicht zu lange.

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Da waren auch die Gäſte ſchon im Hafen dort; Alles was ſie brachten, das trugen ſie von Bord: Sie waren all zur Heimat mit frohem Muth gekommen ; Nur Gudrun und die Maide, deren Herzen waren ſchwer beflommen. Hartmuth der ſchnelle führte ſie an der Hand; Sie hätt e8 gern gemieden, wenn ſich ein Mittel fand. So nahm die Arme trauernd die ihr erbotne Ehre; Er aber that es gerne; der Degen wollt ihr jeden Dienſt gewähren. Mit ihr vom Sciffe giengen wohl ſechzig Mägpdelein, So ſchön, ſie ſollten billig dahin gekommen ſein Mit feſtlihen Ehren: ſie wurden hoch gehalten Einſt in fernen Reichen; doh ließ ihr Leid jezt keine Freude walten. Hartmuthens Schweſter bei zweien Fürſten gieng, Als fie Hilvens Tochter mit holdem Gruß empfieng. Mit weinenden Augen ſah man die Fremde , Des Wirthes Tochter küſſen; Ortrun nahm ſie bei den weißen ./ Händen. Die Entführte küſſen wollt auch Ludwigs Weib: Da bebte vor Entrüſtung der Jungfraue Leib. Sie ſprach zu Gerlinden: „Wie mögt ihr mir nahen? Wie ungern ich euch küſte! nein fürwahr, ihr dürft mich nicht empfahen. j

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„Euch wird es zugeſchrieben, daß ich arme Maid Von der Heimat ausgetrieben ſo bittres Herzeleid Mit Schanden muſte dulden; und ſc\<hlimmres wird mir werden.“ Da warb nach ihren Hulden die Königin mit freundlichen Geberden. Auch ſah man ſie empfangen die Frauen allzumal. Da kam viel Volks gegangen: es hub; ſich großer Schall. Auf des Ufers Grieße ließ man viel Hütten ſpannen Mit ſeidenen Schnüren für König Hartmuth und ſeine Mannen. Das Volk war all geſchäftig bis ſie von der See Ihre Schätze brachten. Gudrunen ſchuf es Weh, Daß ſie ſtäts umgaben der Normannen Scharen: Man ſah-ſie gegen Niemand als mit Ortrunen freundlich gebahren. Sie muſten auf dem Grieße verbleiben all den Tag. Ihre Augen ſah man fließen wes auch ein andrer pflag. Die wurden ſelten trofen, noch ihre lichte Wange; ; So viel ſie Hartmuth tröſtete, ihre Trauer währte dennoch lange. Ortrun war alles Arges gegen die Edle frei; Was ihr die Andern thaten, Sie ſtand ihre gerne bei, Daß. ſie's in ihres Vater8 Landen fand erträglich ; Nach den Freunden.ſehnte- fich die arme Jungfrau doch unſäglich.

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So fanden froh geneigte Herzen, und mit Recht, Wenn ſie die Schäße zeigten, Ritter oder Knecht, Die ſie von Hegelingen in die Heimat brachten; Wie froh ſie die empfiengen! die ihrer Rückkehr ſchier nicht mehr 4 gedachten. Als ſie verlaßen hatten das ungeſtüme Meer, Was3 da die Andern thaten, König Hartmuths Heer Muſte ſich nun ſcheiden und fuhr nach allen Enden. Etliche ſah man lachen, aber andre rangen die Hände. Auch zog aus dieſem Lande König Hartmuth; Er brachte Gudrunen - zu einer Veſte gut. Da muſte ſie ſich länger verweilen, als ſie freute, Wohl war die Heimatloſe großer Noth und langen Kummers Beute. Da ſo das edle Mägdelein in der Veſte ſaß, Wo man ſie ſollte krönen, da gebot der König, daß Zhr alle dienen ſollten mit ergebnem Muthe; Die das leiſten wollten, die mach er alle reich an Hab und Gute. Da ſprach Gerlind die alte, - König Ludwigs Weib: „Wann ſoll denn: nun Gudrun Hartmuthens8 Leib, Den jungen König edel, mit Armen umſchließen? Er darf ſich ihr vergleichen;“ es ſollte ſie auch billig nicht verdrießen. “

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Das erhörte Gudrun, die heimatloſe Maid. Da ſprach ſie: - „Frau Gerlind, es wär euch auch wohl leid, Solltet ihr den freien, der euch ſo Viele Der Freunde hätt erſchlagen: ob euch Dem zu dienen wohl gefiele?“ „Was nicht mehr zu wenden,“ ſprach die Königin, „Getroſt ſoll man das enden; drum nimm ihn immerhin, I\< ſ\<hwörs3 bei meinem Haupte, daß ich dirs immer lohne; Und willſt du heißen Königin, will. ih dir gerne geben meine Krone.“ Sie ſprach im Unmuthe: „Die will ich nicht tragen: Von ſeinem großen Gute darfſt du mir nicht ſagen, Das ich den Reen ſollte des Reichthums willen minnen. Hier hoff ich nicht zu bleiben, ich ſehne mich alltäglich weg von hinnen.“ Der junge Wirth im Lande, der König Hartmuth, Die Rede daucht ihn Schande, ſie gefiel ihm gar nicht gut. Er ſprach: „Soll ich erwerben nicht die ſchöne Fraue, So ſoll auch mir.die Schöne keinen guten Willen zugetrauen.“ Da ſprach zu Hartmuthen die üble Gerlind: „Der Weiſe weiß zu ziehen ein unberathnes Kind. Wollt ihr mich, Herr Hartmuth, ſie erziehen laßen, So hoff ichs noch zu fügen, daß ſie ihre Hochfahrt übt mit Maßen.“

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„3\< wills euch wohl vergönnen,“ ſprach da Hartmuth, „Soll ich es ſelbſt nicht können, daß Ihr das Mägdlein gut Zu ziehen übernehmet nach euer beider Ehren: Sie iſt hier fremd im Lande; darum ſollt ihr, Frau, ſie gütlich - lehren.“ Gudrun die ſchöne, da Ers umſonſt verſucht, Ließ da der junge König in ſeiner Mutter Zucht. Der jungen Königstochter muſt es den Muth beſchweren; Auch wollte ſie nicht glauben, wie ſie auch that, Frau Gerlindens Lehren.“ 2: die üble Teufelin zu der ſchönen Maid: „Willſt du nicht Freude haben, ſo muſt du haben Leid, Bli um dich allenthalben, ob Wer das von dir wende: + Du muſt mein Zimmer heizen und muſt mir ſelber ſchüren die Brände.“ Da ſprach das edle -Mägdlein: „Mich zwingt die Noth dazu, Was ihr mir gebietet, daß ich das Alles thu, E3 ſei denn, daß den Kummer mir Gott im Himmel wende; - Jedoch hat noh ſelten meiner Mutter Tochter geſchürt die Brände.“ Sie ſprach: &,Du muſt beginnen, mir wehre Tod es vann, Was andre Königinnen gar ſelten noh gethan. Deine große Hoc\<fahrt will ich dir wohl verleiden, Ch e8 Morgen Abend wird; ich laße dich von deinen Mägden ſcheiden.

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„Du dünkeſt dich ſo vornehm, das iſt leicht zu ſehn, | Dir muß davon hier balde groß. Herzeleid geſchehn. Deinen Sinn, den grimmen, .-will ich dir wohl verleiden, Von allen hohen Dingen ſoll al8bald Erniedrigung dich ſcheiden.“ Zu Hofe gieng im Zorne, die üble Gerlind: Sie ſprach zu Hartmuthen: „König Hettels Kind Will dich und deine Freunde immerdar verſ\<mähen: Das hör ich ſo ungern daß ich es ihr nimmer überſähe.“ Da ſprach zu ſeiner Mutter Hartmuth der Degen : „Wie auc\< das Kind gebahre, ihr ſollt ſein gütlich pflegen, R Daß ich eurer Lehre immer- danken müße; 4 I\< that ihr ſo viel Leides, mir zu dienen darf ſie wohl verdrießen. "= Da ſprach Gerlind. die Königin:- „Was man-ihr auch thut, Sie will doc\< Niemand: folgen: ſo ſtörriſch iſt ihr Muth, Zwingt man ſie nicht mit- Härte, ſie wird ſich dir zum Weibe Nimmermehr bequemen: die will ich brauchen, eh es unterbleibe.“ | Da ſprach von Normandie der. auserwählte Degen: „Frau, nun laßt das ſchauen, daß ihr ſie gütlich pflegen Wollet mix zu Liebe, und zieht ſie ſolcher Maßen, -: Daß die Königstochter mich nicht.gar aus ihrer-Freundſchaft laße. “*

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Da gieng die arge Teufelin in ihrem Zorn geſchwind Zu der Hegelingen verwaiſtem Ingeſind; Sie ſprac\<: „Ihr Jungfrauen, ihr ſollt nun ſchaffen gehn Was ich euch gebiete? den Dienſt ſoll jede verſehn.“ Da wurden ſo geſchieden die ſchönen Mägdelein, Daß ſie einander lange muſten fremde ſein. Die die Herzoginnen geheißen einſt mit Ehren, Die muſten Garn winden ; man ſah die Edeln bittres Leid beſchweren. Jlalhs hecheln muſten andre und ſpinnen Nacht und Tag, Ob königlicher Ahnen ſich Manche rühmen mag. Die das Gold in Seide mit köſtlihem Geſteine "Zu legen wohl verſtanden, die muſten Arbeit thun nun ſo gemeine. Und die die Allerbeſte zu Hofe ſollte ſein, Der gebot man in der Veſte, daß ſie die Mägdelein In Ortruns Kemenate das Waßer tragen hieße; Hergart war ſie geheißen; ſie ſollte ihres Adels nicht genießen. Darunter war auc\< Eine von Galizienland , Die ihr Unſtern hatte von Portugal geſandt. Sie war gen Hegelingen mit König Hagens Kinde Von Jrland einſt gekommen: nun war ſie in der Normandie Geſinde.

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Als eines Fürſten Tochter, der Burgen hatt und Land, Muſte ſie den Ofen heizen mit weißer Hand, " Wenn Gerlinden38 Frauen in die Stube giengen: Do\< durfte ſie nicht hoffen, daß ſie ihre Dienſte wohl empfiengen. Nun hört aber Wunder von ihrer großen Noth: - Die geringſte Dienſtmagd, was ihr Die gebot, Sie muſte Alles leiſten, was die ſie ſ\<haffen hießen: Sie ſollten hoher Ahnen in der Normannen Lande nicht genießen. Knechtiſche Dienſte, das iſt ſicher wahr, Thaten ſo die Frauen drei und ein halbes Jahr, Bis Hartmuth der König von dreien Heerreiſen Zu ſeinen Landen heimkam: da dienten immer no\< die armen Waiſen. Da ließ ſich Hartmuth zeigen das edle Mägdelein: Wohl mocht e8 an der Farbe der Schönen ſichtbar ſein Man gewähr ihr ſelten Gemach und gute Speiſe; Man ließ es ſie entgelten, daß ſie lebt' in tugendlicher Weiſe. Da ſie ihm gieng entgegen, der junge König ſprach: „Gudrun, ſchöne Fraue, du lebſt dom; mit Gemach, Seit im und meine Degen ſchieden aus dem Lande?“ Sie ſprach: „J\< muß hier dienen, daß ihr Sünde habt davon | und Schande.“

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Da ſprach aber Hartmuth: „Wie habt ihr ſo gethan, Gerlind, liebe Mutter? I\< befahl ſie euch doch an, Sie gnädig zu behüten, daß ihr de8 Herzens Schwere Durch gütliche Pflege in dieſem Lande doh erleichtert wäre,“ Da ſprach die Wölfiſche: „Wie konnt ich beßer ziehn - Dieſe Tochter Hettel3? I\< bracht es nie dahin, Mit Bitten noch Gebieten konnt ich e8 nicht erlangen, Daß ſie nicht oftmal38 ſhmähend wider dich und all die Deinen ſich vergangen.“ Da ſprach wieder Hartmuth: „Sie zwang die große Noth: Wir ſchlugen ihr die Freunde, ſo manchen Ritter, todt; Wir machten zur Waiſen Gudrun die hehre; - Ihren Vater ſchlug mein Vater: wohl mag man leicht mit Worten ſie verſehren. “ "Seine Mutter ſprach da wieder: „Sohn, glaube mir fürwahr, Und wenn wir Gudrunen flehten dreißig Jahr, Mit Beſen kaum und Ruthe wär ſie dazu zu bringen, Daß ſie bei dir läge; nicht andre Weiſe giebt e3 ſie zu zwingen.“ Sie ſprach zu Hartmuth endlich: „J\< will ſie fürderhin Immer beßer pflegen.“ Da verſah der Degen kühn Deſſen ſich mit Nichten, daß ſie an allen Enden Nur ſchlechter ward gehalten: der Armen leider mocht es Niemand wenden.

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Hin gieng Gerlinde wieder wo ſie ſie ſien fand, Sie ſprac\< zu Gudrunen von Hegelingenland: „Willſt du dich, ſchönes Mägdelein, beßer nicht bedenken, Du muſt mit deinem Haare den Staub von Sc\<emeln ſtreichen | und von Bänken. „Meine Kemenate, das will ich dir ſagen, Muſt du mir dreimal kehren an jeglichem Tage, Und muſt auch das Feuer mir zünden darinne.“ Sie ſprach: „Das thu ich Alles eh ich ſtatt meines Liebſten Jemand minne.“ Gutwillig that ſie Alles was man ſie leiſten hieß; . Wie wenig die edle Magd das unterließ! Sieben Jahre muſte ſie ſolcher Arbeit walten In dem fremden Lande; ſie ward nicht wie ein Königskind gehalten. Als es dem neunten Jahre zu nahen nun begann, Hartmuth der weiſe hub zu denken an, Ihm und ſeinen Freunden wär es große Sou Daß er nicht die Krone trüg und König hieß' in ſeinem Lande. Er kam vom Streit geritten heim mit ſeinem Bann, Da ihm Muth und Stärke hohen Preis gewann: Da wähnt' er, daß die Schöne ihn billig minnen ſollte, Die er vor allen Maiden zur Geliebten gerne haben wollte.

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Al3 ex nun ſaß und ruhte, der Held ſie bringen hieß. Selten gute Kleider ſie Gudrun tragen ließ; Auch ſchlug ſie oft die Schöne. Was nun der Held begehre, Das ſchuf ihr wenig Sorge: feſt hielt ſie ſtäts an Tugend und Ehre. Da riethen ſeine Freunde, ob es lieb ob leid Seiner Mutter wäre, daß er die ſc\<öne Maid In ſeinen Willen brächte, wie er e8 möcht erreichen : So würd ihm mit der Frauen manche liebe Stunde noch ver- ſtreichen. Nach ſeiner Freunde Rathe gieng er hin und fand Sie in der Kemenate: er nahm ſie bei der Hand Und ſprach: „Ihr ſollt mi\<h minnen, Mägdlein auzSerkoren, Die Krone hier gewinnen: euch dienen Alle, die mir Treu ge- ſchworen.“ Da ſprach das ſchöne Mägdlein: „So iſt mir nicht zu Muth: Die böſe Gerlinde ſo viel zu Leid mir thut, Mich mag nicht gelüſten nach eines Reken Minne: Ihr und all den Ihren bin ich feind aus ganzen Herzens Sinne.“ „Das iſt mir leid,“ ſprach Hartmuth: „wenn ichs verſühnen kann Was meine Mutter Gerlind euch hat zu Leid gethan, Ich will e8 euch vergüten, das ſollt ihr ſiher ſchauen.“ Da ſprach das edle Mägdlein: „Jc\< will euch nun und nimmer- mehr vertrauen.“

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Da ſprach der junge Hartmuth von Normandie dem Land: „Ihr wißet das wohl, Gudrun, es dient meiner Hand Das3 Land und die Burgen und all das Volk darinne; Wer wollte mich drum hängen, wenn ich euch mir zur Kebſe nur gewinne?“ Da ſprach Hettel8 Tochter: „Das wär nicht wohl gethan; Noch nicht einen Augenbli& focht ſol\<he Fur\<t mich an. Andre Fürſten ſprächen wohl, hörten ſie die Märe, Daß König Hagens Enkelin in Hartmuths Landen geſchändet wäre, " „Wa3 frag ich was ſie thäten ?" ſprach da Hartmuth. „Wenn es eu\< alleine, Herrin, deuchte gut, So wollt ich mit euch gerne tragen Königskrone.“ Sie ſprach: „Seid ohne Sorgen, daß ich eure Minne jemals lohne. „Ihr wißt wohl, Herr Hartmuth, wie es damit bewandt, Wie ihr mir habt geſhadet durch eure ſtarke Hand, Als ihr daheim mich fienget und führtet mich hindannen: Wie übel eure Reen da gethan an meines Vater8 Mannen. „Auch iſt es unverborgen und thut mir leid genug, Daß euer Vater Ludwig meinen Vater ſchlug: Wenn ich ein Ritter wäre, dafür müſt ich ihn ſtrafen, Getraut' er mir zu nahen: ſollt ih nun bei ſeinem Sohne ſchlafen?

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„Es hat noch ſtäts die Sitte gegolten bisheran, Keine Frau je ſollte nehmen einen Mann Als mit beider Willen: ſo wollt es Recht und Ehre.“ No\<h trug um ihren Vater großes Leid hier Gudrun die hehre. Da ſprach in großem Zorne der Re>e Hartmuth: „So kümmert e8 mich wenig was man euch auch thut, Da ihr doc\< die Krone mit mir verſchmäht zu tragen: Ihr findet wa3 ihr ſuchet: zu Lohne ſolls euch werden alle Tage.“ „Den Lohn will ich verdienen, wie ich gethan bisher : Was ich auch ſchaffen muſte für Hartmuthens Heer Und Gerlindens Frauen, ſeit Gott mein hat vergeßen, Das litt ich Alle8 gerne; mein Herz hat doh Kummer unermeßen.“ E3 beßer zu verſuchen ließ man zu Hof heran Die ſchöne Ortrun gehen, ein Mägdlein wohlgethan: Die ſollte nun mit Güte, ſie und ihr Geſinde, Die arme Gudrun zwingen, daß ſie ſich endlich willig ließe finden. Da ſprach mit klaren Worten der Degen Hartmuth: „JS\< will8 euch reichlich lohnen, Schweſter, wenn ihrs thut, Und mir dazu verhelfet, daß Gudrun die hehre Ihres großen Leids vergeße und nicht länger ihre Klage währe.“

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Da ſprach von Normandie Ortrun das Kind: „J\< will ihr immer dienen mit Allen, die hier ſind, Daß ſie des Leids vergeße: mein Haupt will ich ihr neigen; I\< und meine Maide dienen ihr, als wären wir ihr eigen.“ Da begann ihr der Güte das Mägdlein Dank zu ſagen: „Daß ihr mich ſo gerne die Krone ſähet tragen Bei Hartmuth dem Könige und in Ehren blühen, Das lohn ich euch mit Treue; do\< muß ich lernen mich in Heim- weh mühen.“

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Einundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Gudrun waſchen muſte. Da bot man Gudrunen Burgen und Land: Al3 ſie das nicht wollte, da muſte ſie Gewand Waſchen alle Tage vom Morgen bis zur Nacht; Darob verlor Herr Ludwig den Sieg mit Herwig in der Schlacht. Sie baten Gudrun jeßo aufzuſtehn, Das edle Mägdlein hießen ſie hin mit Ortrun gehn, Daß ſie der Ruhe pfläge und tränke guten Wein. Da ſprach die Entführte: „I\< will nicht Königin ſein. „Ihr wißt wohl, Herr Hartmuth, was Jhr im Sinn auch tragt, Man hat mich einem König verlobt und zugeſagt Längſt mit feſten Eiden zum ehlichen Weibe: E3 ſei denn, daß er ſterbe, ſo lieg ich nie bei eine8 Andern Leibe.“

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Da ſprach der König Hartmuth: „Ihr quält euch ohne Noth; Niemand mag uns ſcheiden, es thu es denn der Tod. Ihr ſollt mit holden Sitten bei meiner Schweſter weilen: I\< weiß ſie wird ſich mühen, allen euern Kummer auSzuheilen. Hartmuth wähnen wollte, daß ihr ſtäte3 Leid No\<h beſchwichtgen ſollte der Schweſter Freundlichkeit , Die Alles mit ihr theilte, was ſie ihr mochte bringen. Sie gedachten beide, noch würd es ihnen wohl mit ihr gelingen. Sie begann zu grüßen wer ihr Dienſte bot; Ortrun ſaß ihr zu Füßen: ihre Farbe roſenroth Ward in kurzen Zeiten von Trank und von Speiſe: Man gab ihr ſtät3 das Beſte: da war die arme Gudrun nicht ſo weiſe, Wenn ſie der König grüßte und es ihr gütlich bot, Daß es ihr Leid verſüßte: ſie gedachte ſtät8 der Noth, Die ſie und ihr Geſinde litt im fremden Lande: Mit Reden ungelinde rächte ſie an Hartmuth Noth und Schande. Das that ſie ſo lange bis es ihn verdroß. Da ſprach er: „Frau Gudrun, wißt, daß ich Genoß Wohl bin dem Fürſten Herwig, für deſſen Weib zu gelten Ihr euch zur Ehre zählet: allzu heftig ſtraft mich euer Schelten.

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„Wolltet ihr das laßen, das wär uns beiden gut. Leid iſt mir ohne Maßen, ſo wer euch Leides thut Und euch damit beſchweret das Herz und die Sinnen: Wie feind ihr mir auc\< wäret, ich ließ' euch gern die Krone hier gewinnen. Hin zu ſeinen Mannen gieng da Hartmuth Und bat ſie, ſie ſollten des Landes haben Hut Und aller ſeiner Ehren: er gedacht in ſeinem Sinne, „Man haßt mich ſo heftig, daß ich zuleßt den Schaden noh ge- winne.“ Da ließ ſie wieder dienen die böſe Gerlind: Nie durft im Frauenſiße ruhn das ſchöne Kind; Die man bei Fürſtenkindern, wenn es dem Recht nach gienge, Immer ſollte ſuchen, die fand man bei den Niedern und Geringen. Mit wölfiſchem Sinne ſprach ihr die Alte zu: „Nun will ih, daß mix Dienſte die Tochter Hildens thu: Da ſie unbeſiegbar wähnt den ſtarren Willen, So muß ſie mir dienen und gehorſam mein Geheiß erfüllen,“ Da ſprach das edle Mägdlein: „Was ich dienen mag Mit Willen und mit Händen bei Nacht und bei Tag, Das will ich Alles fleißig jederzeit verrichten, Da mich das Unglü> nöthigt auf lieber Freunde Nähe zu verzichten. “

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Da ſprach die böſe Gerlind: „Du ſollſt mein Gewand Tragen alle Tage hernieder an den Strand Und ſollſt es da waſchen mir und dem Geſinde Und ſollſt wohl Acht haben, daß man dich keine Weile müßig finde.“ Da ſprach die edle Jungfrau: „Reiche Königin, So ſ\<afft, daß man mich lehre, wie ich mich darin Anzuſtellen habe, daß ich euc\< waſche Kleider. Mic\<h ſoll nicht Wonne laben, ſo wollt ich denn, ihr thätet mix no\<h leider. „Nun heißet mich es lehren, da ich euch waſchen ſoll. I\< weiß mich nicht ſo vornehm, ich könnt es gerne wohl, Da ich damit verdienen ſoll meine Speiſe: I\< verſag es Niemand.“ Die arme Gudrun die war wohl weiſe. Da hieß ſie einer andern Waſchfrau das Gewand, Die ſie da lehren ſollte, tragen auf den Strand. Nun muſte ſie erſt dienen mit ängſtlichem Harme; Dem widerſtand da Niemand: ſo quälte Gerlind Gudrun die arme. Vor Ludwigs Burg im Felde lehrte man ſie da. Sie diente ſo den Helden, niemand fern und nah Wuſ\< ſo gut die Kleider in Normandie dem Lande. Ihren Jungfraun ward nie leider, als die ſie dienen ſahen bei dem Strande.

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Nun war darunter Eine, auch eines Königs Kind, Wie all die andern klagten, war gegen Sie gelind. Dieſe niedre Arbeit gieng ihnen allen nahe, Al3 ſie die edle Jungfrau ſo jämmerlich die Kleider waſchen ſahen. Da ſprach aus treuem Herzen Hildburg die Magd: „Es mag uns3 alle ſchmerzen, Gott ſei es geklagt: Die mit Gudrun kamen her zu dieſem Lande, Man gönnt ihnen keine Raſt. Nun ſteht ſie ſelber waſchend an dem Strande, “ Da3 erhörte Gerlind, die ſprach erzürnt zu ihr: „Willſt du, daß deine Herrin nicht alſo diene hier, So ſollſt du ſie des Dienſtes allzeit überheben.“ „3\< thät es gern,“ ſprach Hildburg, „für ſie, wollt ihr mir Erlaubniſs geben. „hr ſollt bei Gott im Himmel, meine Frau Gerlind, Sie nicht alleine laßen: ſie iſt ein Königskind. Auch mein Vater trug die Krone; doch will ichs gern vollbringen ; Laßt mich mit ihr waſchen! ſo mag uns übel oder wohl gelingen. „Mich erbarmt die Hehre, leid ich auch ſelber Noth: Einſt trug ſie hohe Ehre nac\< Gottes Gebot; Die reichſten aller Könige waren ihre Ahnen. Ihr Dienen ziemt hier übel; doch laß ich ihr zu helfen mich nicht mahnen.“

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Da ſprach die böſe Gerlind: So wird dir oftmals weh: Wie hart ſei der Winter, du muſt auf den Schnee, Und muſt die Kleider waſchen in den kühlen Winden, Wenn du oft dich gerne im geheizten Zimmer ließeſt finden.“ Sie konnt e8 kaum erwarten bis der Abend kam: Da fand die edle Gudrun Troſt in ihrem Gram. Bald gieng Frau Hildburg zu ihr in eine Kammer: Da klagten ſie ſich beide von ihrem ſchweren Dienſt den Herzens- jammer. Hildburg die hehre weinend zu ihr ſprach: „Wohl muß mein Herz beſchweren dein großes Ungemach. I\< erbat es von der Teufelin, daß du nicht alleine Waſcheſt auf dem Grieße: ich will es mit dir tragen im Vereine.“ Da ſprach die Heimatloſe: „Das lohne dir Chriſt, Daß du meines Leides alſo traurig biſt. Willſt du mit mir waſchen, das kommt uns wohl zu Gute, E3 fürzt uns die Weile; uns iſt auch deſto beßer zu Muthe.“ Als ſie ihr erlaubten, daß ſie das Gewand Mit der Heilberaubten an des Meeres Strand Tragen durft und waſchen in ihrem großen Leide, Wieviel die Andern thaten, noch mehr zu waſchen fanden dieſe beiden.

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Wenn ihr Ingeſinde dazu die Muße fand, Sie weinten nicht gelinde, wenn ſie an dem Strand Die beiden waſchen ſahen: laut hörte man ſie klagen, Die ſelber Arbeit hatten, e8 mag auf Erden Niemand mehr ertragen. Das währte ſo lange, das iſt ſiher wahr, Daß ſie waſchen muſten wohl ſechſtehalb Jahr Und ſchaffen weiße Kleider Hartmuthen3 Helden: Nie wurde Frauen leider: ſie ſtanden jämmerlich im freien Felde.

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Zweinndzwanzigſtes Abenteuer. Wie Hilde nach ihrer Tochter heerfahrtete. Nun laßen wir8 bewenden wie ſie dienten hie Den Frauen und den Helden. Frau Hilde hatte nie Derweilen den Gedanken gelaßen aus dem Sinne, Wie ſie die liebe Tochter aus dem Lande Normandie gewinne. Sie hatte zimmern heißen bei des Meeres Flut Starker Kiele ſieben, die waren feſt und gut, Und zwei und zwanzig neue ſchön gebaute Schalten, Mit allem ausgerüſtet was eine ſoll zu Truß und Schuß enthalten. Vierzig Galeiden hatte ſie auf dem Meer, Das war ihr Augenweide; ſie ſorgte für ein Heer, Das ſie ſenden wollte: dem hatte ſie auch Speiſe Mit Fleiß genug erworben: für ihre Helden ſorgte wohl die weiſe.

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E3 nahte nun dem Jahre, da ſie auf der See Zu Jenen wollten fahren, die in der Fremde Weh Und großen Jammer litten mit niedern Arbeiten: Da ließ die ſchöne Hilde ihren Boten neue Kleider bereiten. E53 war zu Weihnachten, da kündete ſie den Tag Denen die gerne rächten Hettel8 Tod und Sc\<hmach. Sie ließ es entbieten den Freunden und den Mannen, Daß ſie aus Ludwigs Landen ihr vie liebe Tochter führten dannen. Da ſandte ſie zum Erſten zu Herwig hindann Die Boten, ihn zu mahnen und Die in ſeinem Bann, Wie ſie geſchworen hätten zu denen eine Reiſe, Die den Hegelingen hinterlaßen manchen reichen Waiſen. Da eilten Hilden8 Boten in Herwigens Land: Er wuſte wohl, warum ſie ihm waren zugeſandt. Entgegen gieng er ihnen, die er von fern ſah kommen. Er empfieng ſie freundlich als er Hildens Botſchaft vernommen. „Ihr wißt wohl, Herr," ſprach Einer, „wie es damit bewandt, Was all das Volk geſchworen hat in Hegelingenland. Cuch glaubt der Fahrt Frau Hilde vor allen andern willig: Gudrunens Entführung erbarmt wohl Niemanden ſo billig.“

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Da ſprach der edle Ritter: „Wohl weiß ich wies beſtellt, Wie der frevle Hartmuth mein Lieb gefangen hält, Weil ſie ihm verſagte und mich zum Freund erkor, Und wie darum Frau Gudrun ihren Vater Hettel verlor. „Du Bote ſollſt Frau Hilden meine Grüße ſagen: I\< will es Hartmuthen länger nicht vertragen, Daß er meine Herrin ſo lange hält gefangen: Mehr als anders Jemand muß Mich ſolcher Arbeit verlangen. „Ihr und dem Geſinde ſollſt vu Bote ſagen, Daß ich nach Weihnachten in ſec\<hsundzwanzig Tagen Zu den Hegelingen reite mit dreitauſend Mannen.“ Da ſäumt' er ſie nicht länger: Frau Hildens Boten ſchieden von dannen. Da ſchi>te ſich zum Streite Herr Herwig eilend8 an Mit ſolchen, die in Kämpfen oft kühne That gethan. Da rüſtet er zur Reiſe Die mit ihm fahren wollten, In des Winters Eiſe dieſes Krieges mit ihm pflegen ſollten. Hilden der ſhönen wär der Hülfe Noth. Hin zum Land der Dänen die Königin entbot: Nicht länger ſäumen ſollten nun die ſchnellen Degen, Die zu den Normannen wollten ziehn der ſhönen Gudrun wegen.

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Horanden ließ ſie ſagen, daß er gedächte dran, Er wär des Königs Vetter, daß er und all ſein Bann Ihrer lieben Tochter ließen ſich erbarmen; Die wollte lieber ſterben, eh ſie läg in König Hartmuth8 Armen. Da ſprach der Degen kühne: „Frau Hilden ſollſt du ſagen, Daß ich es wolle ſühnen mit manche8 Weibes Klagen; I\< komme zu ihr gerne, ich und mein Geſinde; Man hört es noch beweinen dort im Land von mancher Mutter Kinde. „Dazu ſollt ihr ferner meiner Herrin ſagen, Daß ich ihr willig komme binnen wenig Tagen, Und wie nach dieſem Kriege mein Herz verlangend ringe; Daß ich meiner Helden zehntauſend aus dem Dänenlande bringe.“ Die Boten nahmen Urlaub von ihm und zogen dann Gen Waleis in die Marke, wo ſie mit ſeinem Bann Den reichen Markgrafen, Morungen fanden: Er ſah die Boten gerne und empfieng ſie froh in ſeinen Landen. Da ſprach der Degen Jrold: „Nun iſt mir wohl bekannt, Daß ich in ſieben Wochen gen Hegelingenland Soll mit Reden reiten, ſo viel ih möchte bringen. Das will ich gerne leiſten, wie meinen Reken dort auch mag 4 gelingen.“

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Da ließ Morung kund thun im Holſteinerland, Nach ihren Freunden habe Frau Hilde geſandt: Es komme nun zur Heerfahrt: das that man kund den guten. Auch ſagte man die Märe von Dänemark dem kühnen Frute. Da ſprach der Ritter bieder: „I\< ziehe gerne dar Und hole ſie wieder: es ſind nun dreizehn Jahr, Daß wir die Heerfahrt zu den Normannen ſ\<wuren, Und Hartmuthens Freunde von uns hin mit Gudrunen fuhren.“ Wohl dachte ſich e8 Wate, der Held von Sturmland ; Mit ſeiner Hülf. er nahte, war gleich ihm nicht bekannt Was53 die Königin entboten von den Hegelingen ; Do\< eilt' er was er konnte, manchen guten Reen hinzubringen. Sie ſchi>ten ſich zur Heerfahrt all mit Emſigkeit. Waten von Sturmland ſah man bald bereit Wohl mit tauſend Helden, Freunden und Geſellen, Womit er Hartmuthen von Normandie gedachte nachzuſtellen. Die heimatloſen Frauen waren ſchlimm bewahrt Dort bei Gerlinden; nur Frau Hergart -- So hieß darunter Eine =- mit des Königs Schenken Pflag die hoher Minne ; ſie mochte wohl auf Herzogskronen denken.

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Das beweinte manchmal der ſchönen Hilde Kind; Auch weiß ich, daß ſie Schaden einſt ſelbſt davon gewinnt, Daß ſie nicht mit ihnen den Kummer tragen wollte; Gudrun fragte wenig was ihr einſt davon geſchehen ſollte. Das Volk war unmüßig, ich that es euch ſchon kund; Doch ſchien es kaum zu fruchten, wie ſie noF zur Stund Sich beflißen hatten im Hegelingenlande: Da riethen ihre Helfer, daß man nach Gudrunens Bruder ſandte. Die Boten ritten eilends hin gen Ortland, Wo man auf dem Plane den jungen Degen fand Bei einem breiten Fluße, wo viel der Vögel flogen; Da war mit ſeinem Falkner der ſtolze König auf die Jagd gezogen. Als ſie die Boten ſahen, da ſprach er gleich zur Hand: „Da ſeh ich Leute nahen, die hat nach uns geſandt Hilde meine Mutter: ihr Helden viel vermeßen, Die Königin wird wähnen, daß wir der Heerfahrt wären vergeßen. Die Falken ließ er fliegen, da ritt er ſchnell hindann, Wo der edle Jüngling bald trüben Muth gewann, Als er die Boten grüßte; wie bald ſie ihm geſtanden, Daß ſie zu allen Zeiten die edle Königin weinend fanden.

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Nun laße ſie ihn grüßen mit getreuem Muth Und fragen wie geſonnen wär der Degen gut? Wie viel er ſeiner Mannen gedächte hinzubringen? Sie ſollten heerfahrten zu den Normannen von den Hegelingen. Da ſprach der Degen Ortwein: „JIc\< weiß, du redeſt wahr: I\< will von hinnen führen in einer breiten Schar Viel der guten Helden: mit zwanzig tauſend Mannen Will ich zu ihnen ſtoßen, käm ihrer Keiner jemals auch von dannen.“ Da ſah man aller Enden reiten in das Land Nach welchen ihre Boten die Königin geſandt. Hier flißen ſie ſich Ale, Frau Hilden wohl zu dienen; E3 waren ſechzigtauſend oder mehr, die ihr zu HÜlf erſchienen. Von Waleis der Marke Boote feſt und gut Hatte Morung der ſtarke ſechzig auf der Flut: Soviel die auf den Wogen zu den Hegelingen Leute tragen mochten, die ſollten Gudrun helfen wiederbringen. Man bracht auch reihe Schiffe daher von Ortland; Die Roſſe die ſie ritten und all das Gewand Fand man wohl zu loben, das die Degen trugen, So auch Helm' und Schwerter: ſie geſellten ſich gar ritterlich dem Zuge.

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Man ſchätzte nach den Schilden wie viel es mochten ſein, Die der ſchönen Hilde das ſc\<öne Mägdelein Sollten wiederbringen aus Normandie dem Reiche: E3 waren ſiebzig tauſend ; allen ließ ſie edle Gaben reichen. Wer da war gekommen oder no\<h zu Hofe kam, Die ſchöne Freudenloſe es wohl in Obacht nahm, Sie gieng ihm entgegen, ihn einzeln zu empfangen; Die auserwählten Degen ließ ſie all in ſchönen Kleidern prangen. Hildens Kiele waren wohl bereit dazu, Ob es zu fahren gälte ſchon Morgen in der Fruh, Die löblihen Gäſte durften ſich nicht ſchämen. Doh ehs an nichts gebräche, ſollten ſie die Fahrt nicht unternehmen. Die Waffen hieß Frau Hilde zu den Sciffen tragen Und der guten Helme viel aus Stahl geſchlagen ; Weiße Hal3bergen wohl für fünfhundert Mannen, Zu dem was ſie ſchon hatten, ließen ſie den Helden führen dannen. Ihre Ankerſeile waren von feſter Seide gut Und gar reich die Segel, womit ſie über Flut Vom Hegelingenlande zu den Normannen wollten, Die Hilden ihrer Frauen die ſchöne Gudrun wiederbringen ſollten.

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Ihre Anker waren von Eiſen nicht geſchlagen, All aus Glockenſpeiſe gegoßen, hört ich ſagen; Mit ſpaniſchem Meſſing waren ſie gebunden, Daß die guten Helden nie vom Magnetſtein würden überwunden. Hilde die ſhöne manche Spange bot Waten und den Seinen: das muſten mit dem Tod Der Helden viel entgelten, als er den Hegelingen Aus Hartmuthens Veſte die ſchöne Jungfrau ſollte wiederbringen. Da hörte man Frau Hilden inſtändigſt bitten Die kühnen Dänenhelden: „Was ihr bisher geſtritten Habt in Volksſtürmen, das will ich euch vergelten: Folgt meinem Fahnenträger, ſo fehlet ihr der rechten Straße ſelten.“ Sie fragten, wer der wäre: „Das mach ich euch bekannt: Es iſt der kühne Horand, der Held von Dänenland; Seine Mutter war die Schweſter Hettel des reichen; Wollt ihr ihm vertrauen, ſo ſollt ihr nie im Kampfe von ihm weichen. „Ihr ſollt auch nicht vergeßen des lieben Sohnes mein, Er iſt ein Held vermeßen, der junge Ortwein; Er zählt erſt zwanzig Jahre und wuchs noch kaum zum Manne; Kommt er in Gefahren, ſo helfet, gute Re>en, ihm von dannen.“

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Sie wolltens gerne leiſten, wären ſie dabei, Sprachen da die Meiſten: er käme ſchadenfrei Wohl zum Heimatlande, folg er ihren Bitten. Da war der kühne Ortwein wohl verſorgt trotß ſeinen jungen Eitten. Da ward ſo viel zu Schiffe geführt und getragen, Daß eu\< das Wunder Niemand zu Ende möchte ſagen. Sie begehrten Urlaub zu Fahrt und Fährlichkeiten: Da bat die ſ\<höne Hilde Gott im Himmel, daß er ſie geleite, Mit ihnen fuhren Viele, deren Vater war erſchlagen : Die kühnen Waiſen wolltens von den Feinden nicht ertragen. « Auch weinten viel der Frauen bei den Hegelingen: Wann ihnen Gott im Himmel die lieben Kinder möchte wieder- bringen? Sie konnten es niht Alle3 in ihrem Sinn ertragen Und wollten die Leute nicht länger laßen klagen: Sie huben ſich von dannen mit großem Freudenſc\<halle. ? Da ſie zu Sciffe giengen, die guten Ritter ſangen Lieder alle. Al3 ſie von dannen fuhren und der Abſchied war geſchehn, Da ſah man viel der Frauen noc in den Fenſtern ſtehn. Sie begleiteten mit Augen ſo fern ſie immer konnten Von der Burg zu Matelane die Helden, die ſo kühne Fahrt begonnten.

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Ihre Maſtbäume krachten, ihnen kam der rechte Wind, Daß ſich die Segel blähten. Mancher Mutter Kind Fuhr hin im Vertrauen, er ſolle Ehr erwerben: Die mochten ſie wohl ſchauen; doch auch Beſchwer und Mancher bittres Sterben. Was ferner ſich begeben weiß ich nicht Alle38 ganz, Doh jener König des Karadinerlands, Der fuhr mit ſeinem Volke den Recken entgegen: Er bracht aus ſeinem Lande wohl an zehentauſend ſchnelle Degen. Wo einſt die Schlacht geweſen auf dem Wülpenſand, Der war dazu erleſen, daß aus jedem Land Sich dort verſammeln ſollten die beiden Königsheere. Das Kloſter hatte Jung und Alt bedacht: es mochte wohl die Säge mehren. Die von den Sciffen waren gegangen in der Bucht, Die hatten bald die Gräber der Väter aufgeſucht: Da fühlten ſie zur Rache ſich ſo entflammt, ſie wollten Es auch dem Feind nicht ſchenken, wenn ſie ihm je im Kampf begegnen ſollten. Des Moorlandes8 König ward empfangen wohl. Vier und zwanzig Boote bracht er der Leute voll, Dazu ſo viel der Speiſe, daß ſie in zwanzig Jahren Nicht Mangel haben konnten: ſie wollten der Normannen auch nicht ſparen.

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Sie ließen das Geſtade ſobald ſie nur hindann Konnten mit den Schiffen; doch beider Heer gewann Mancerlei Beſchwerden auf den breiten Fluten: Was half, daß ſie nun führte der alte Wate und der Däne Frute? Ihnen kamen Gegenwinde, die verſchlugen auf der See Das edle JIngeſinde, den armen wurde weh. Mit tauſend Seilen konnten ſie den Grund nicht finden; Zhre beſten Sciffleute ſah man weinen und die Hände winden. + Zu Giver8 vor dem Berge lag Frau Hildens Heer: Troß ihrer guten Anker, in das finſtre Meer Hatten ihre Schiffe Magnete doh gezogen ; Ihre guten Segelbäume ſah man alle zur Krümme gebogen. Als das Volk mit Weinen dem Jammer ſich ergab, Da ſprach der alte Wate: „Senken wir hinab In die grundloſen Wellen unſrer Anker Schwere: Man ſagt von manchen Dingen, dabei ich unterweilen lieber wäre. „Da hier unbewegli\< liegt der Köngin Heer, Und ſo tief verſchlagen ward in das finſtre Meer = Von Kindesbeinen hört ih eine Sciffermäre, Daß zu Givers in dem Berge ein weites Königreich beſchloßen wäre.

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Da leben ſchön die Leute; auch ſei ſo reich ihr Land, Auf des Waßers Grunde von Silber ſei der Sand, Mit dem ſie Burgen mauern: was ſie da Steine nennen, Sei des beſten Goldes, ſo daß ſie Armut dort zu Land nicht kennen. „Ferner hört ich ſagen =- Gott ſchuf manch ſeltſam Werk = Wen die Magnete zögen an den Berg, Könn es Der erwarten bis ſich andre Winde heben, Mit all den Seinen mög er immerdar im Ueberfluße leben. „Vertraun wir unſrer Speiſe, und wenn der Wind ſich kehrt,“ Sprach Wate der weiſe, „ſo haben wir beſchwert Unſre guten Schiffe derweil mit edlen Steinen: Kommen wir zurüe, ſo mag daheim uns lang die Freude ſcheinen.“ Da ſprach der Däne Frute: „Ch mir die Galee An meinen Fahrtgenoßen ſchüfe Herzensweh, Wollt ich mit tauſend Eiden alles Gold verſchwören, Nur daß wir aus den Augen mit gutem Winde dieſe Burg verlören. “ Die ſich Chriſten nannten ſprachen ihr Gebet; Unterdeſſen lagen unbewegt und ſtät Die Schiffe, wo nicht länger, vier lange Tage. Sie kämen nie von dannen, das war der Hegelingen Furcht und Klage.

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Der Nebel verzog ſich, als es Gott gebot; Auch ſtillten ſich die Wellen: da ſc\<wand die große Noth: Durch das dichte Dunkel ſahen ſie die Sonne; Ein Weſtwind auch erhob ſi\<h: da war ihr Kummer allermeiſt zerronnen. Der trieb in kurzer Weile ſie zu Giver8 von dem Berg Wohl ſec\<hsundzwanzig Meilen! ſie mochten Gotte8 Werk Und ſeine ſchnelle Hülfe wohl daran gewahren. Wate und ſein Geſinde war zu nah an, den Magnet gefahren. Sie waren nun wieder in fließender Flut. Sie entgalten nicht der Sünden, erleichtert war ihr Muth Der allerſc\<hwerſten Sorge; Gott ließ ſie nicht verkommen. Die Schiffe waren grade Normandie dem Lande zugeſ\<hwommen. Da hub ſich aber wieder neuer Noth Beſchwer; Die Sciffwände krachten, es ſchwankten hin und her Die ſchwebenden Kiele auf dem empörten Meere. Da ſprach der Degen Ortwein: „Wir müßen theuer kaufen unſre Ehre.“ Da rief der Schiffer Einer: „Weh uns dieſer Noth! Was lagen wir zu Givers nicht vor dem Berge todt! Wen Gott will vergeßen, wie ſoll ſich der behüten? Ihr Helden vermeßen, das Meer will wieder toben und wüthen.“

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Da rief vom Dänenlande der kühne Horand : „Seid gutes Muths, ihr Helden, mir iſt wohlbekannt, Der Sturm wird un8 nicht ſchaden, es ſind nur Weſtwinde.“ Des freute ſich der König von Karadie und all das Heergeſinde, Horand der ſchnelle klomm in den Maſtkorb auf Und überſah die Wellen; da ließ er freien Lauf Den Blien in die Weite. Dann ſprach der edle Degen: „Wir mögens wohl erwarten; ſchon ſteuern wir der Normandie ö entgegen.“ Die Segel ließ man nieder überall im Heer. Da ſahn ſie einen Hügel ſich heben aus dem Meer Und ſahn vor dem Hügel weiten Wald ſich breiten : Dahin die Fahrt zu richten rieth der alte Wate ſeinen Leuten.

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Dreiundzwanzigſtes Abenteuer. Wie ſie in den Hafen kamen und nach Uormandie fuhren. Sie fuhren vor dem Hügel an dieſen Wald heran; Doch muſten Vorſicht brauchen die Re>en wohlgethan: In den Grund des Meeres ließ man die Anker ſenken. So lagen ſie verborgen im Wald eh der Feind es mochte denken. Sie ſtiegen auszuruhen vom Schiffe an den Strand, Wo ſich viel Genüge und manches Labſal fand. Friſche kalte Brunnen, die floßen in dem Tanne Von dem Berge nieder: da freuten ſich die waßermüden Mannen. Derweil der Ruhe pflegend die Leute ſollten liegen, Da war der Degen Jrold auf einen Baum geſtiegen Von unmäßger Höhe: er hoffte zu erſchauen, Wohin ſie ziehen ſollten: da ſah er Normandie und ihre Gauen.

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„Nun freut euch, Jünglinge!“ ſo ſprach der junge Mann, „Meine Sorge wird geringe, denn meine Augen ſahn Wohl ſieben ſtolze Pfalzen, dazu den Saal, den reichen. Morgen noc\< vor Mittag mögen wir die Normandie erreichen.“ Da ſprach der weiſe Wate: „So tragt uns auf den Strand Die Waffen und die Schilde und all eur Streitgewand. Zeigt euch ſelbſt unmüßig und heißt die Knechte dienen, Reitet zu die Roſſe und laßt euch Helm und Panzer beriemen. „Steht einem und dem andern das Kleid nicht nach Gebühr, Des er bedarf zum Streite, ſo weiß ich Rath dafür: Fünfhundert Panzerhemden hat die Köngin Hilde Mit uns hieher geſendet: die geben wir den guten Rittern milde.“ Die Roſſe zog man eilends zu ihnen an den Strand; Und was man guter De>en und Couvertüren fand, Die verſuchten auf den Roſſen Ritter und Knechte, Welches ihnen paſſe; da nahm ſich jeglicher das ihm gerechte. Auch ließ man ſie erſprengen die Roſſe bei dem Strand, Die Breite und die Länge, und wo man ſolche fand, Die zu träge waren und nicht mehr konnten ſpringen, Weil ſie ſich ſteif geſtanden, Wate ließ ſie in die Kühle bringen.

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Sie ließen Feuer zünden; edle Speiſe gut, Die beſte die zu finden war bei der Meeres Flut, Ließ man den weitgefahrnen Gäſten zubereiten. Sie durften noch ſo balde kein Gemach ſich hoffen zu erſtreiten. Bei Nacht ward ihnen Ruhe bis an den nächſten Tag. Wate und Herr Frute Rath mit dem König pflag; Sie hielten Sonderſpra\<he auf dem wilden Strande, Die ihre Burgen brachen, wie ſie Denen lohnten hier zu Lande. „Wir wollen Boten ſenden,“ ſprach da Ortewein, „Daß wir Kunde hören von der Schweſter mein Und den Entführten allen, ob noch die Mädchen leben: Wenn ich an ſie gedenke, mir muß mein Herz in Angſt und Kummer ſchweben.“ Sie riethen, wer der rechte Bote möchte ſein, Der ihnen Kunde brächte, wo die Mägdelein Im Lande zuverläßig würden aufgefunden, Und der auch vor den Feinden klug zu hehlen wüſte ſein Erkunden. Da ſprach von Ortlande der Degen Ortewein, Ein Held ohn alle Schande: „I\< will der Bote ſein: Von Vater und von Mutter iſt Gudrun meine Schweſter: Von allen dieſen Degen iſt kein Bote ſicherer und feſter.

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Da ſprach König Herwig: „I\< will der andre ſein: I\< will bei dir ſterben oder mit dir gedeihn. Iſt Gudrun deine Schweſter, mir gab man ſie zum Weibe: I\< will all mein Leben keinen Tag aus ihrem Dienſte bleiben.“ Wate ſprach im Zorne: „Das wäre kindſcher Muth, Ihr Helden auserkoren: daß ihr das nicht thut, Das rath ich euch in Treuen, laßt e8 euch nicht kränken: Wird euer Hartmuth inne, ſo heißt er euch an einen Galgen henken. “ Da ſprach der König Herwig: „Gehs übel oder wohl! Da der Freund dem Freunde in Nöthen dienen ſoll, I\< und Ortwein wollen der Noth uns unterwinden: Wie uns halt gelinge, wir müßen mein Gemahl Gudrunen finden.“ Da ſie als Boten beide wollten nun hindann, Riefen ſie die Freunde herbei und ihren Bann, Daß ſie mit ihnen ſprächen: ſie ſollten ihrer Eide Nimmermehr vergeßen an den kühnen Reen, ihnen beiden. „I\< mahn euch eurer Treue,“ ſprach da Ortwein, „Wird man unſer inne und fangen ſie uns ein, Wären wir zu löſen dann mit Geld und Gute, So verkaufet Land und Burgen: ſei euch das nicht leid in euerm Muthe.

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„Nun höret, gute Degen, was wir euch weiter ſagen: Gönnt man uns zu leben oder werden wir erſchlagen, Eo ſollt ihr nicht vergeßen zu rächen unſre Schande, Ihr Helden viel vermeßen, mit dem Schwert in König Hartmuths Landen. „Auch bitten wir euch ferner, ihr edeln Ritter gut, Mit welcherlei Beſchwerden es auch vollbringt eur Muth, So ſollt ihr hier mit Nichten laßen die armen Frauen, No\< auf den Kampf verzichten, die auf Euch all ihre Hoffnung bauen.“ Da gelobten es die Beſten den Fürſten in die Hand Es Und verpfändeten die Treue, daß ſie ihr eigen Land Mit ihrem Willen nimmer wollten wiederſchauen, Bis ſie aus der Normandie wiederbrächten die entführten Frauen. Da muſten Alle weinen, wer Treue nur beſaß, Denn ihnen allen bangte vor Ludwigens8 Haß. Als ſie andre Boten nicht hatten auszuſenden, Da dachten wohl die Meiſten: „Nun mag ihr Sterben leider Niemand wenden.“ Sie hatten in Berathung verbracht den ganzen Tag; Nun war es ſpät geworden, der Sonne Schimmer lag Hinter Guſtrate ſchon im Gewdölk verborgen. Ortwein und Herwig muſten da verbleiben bis zum Morgen.

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Vierundzwanzigſtes Abenteuer, Wie Gudrun ihre Ankunft erfuhr. Schweigen wir der Degen und vernehmen nun Wie e3 denen anſtand, die billig ſollten ruhn, Daß ſie waſchen muſten in dem fremden Lande: Gudrun und Hildeburg, die wuſchen alle Tage bei dem Strande. E38 war in den Faſten und um den mitten Tag, Ein Vogel kam geſchivommen: nun hört wie Gudrun ſprach: „O weh, ſchöner Vogel, du muſt mich auch erbarmen, Daß du einher geſchwommen kommſt auf dieſen Fluten,“ ſprach die Arme. - In menſchlicher Stimme Antwort zu ihr begann Der hehre Gotte8vogel als wär es ein Mann: „I\< bin Chriſti Bote, und willſt du mich fragen, Hehres8 Mägdlein edel, ſo will ich dir von deinen Freunden ſagen.“

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Als die hehre Jungfrau die Stimme vernahm, Da wollte ſie niht glauben, es ſchien zu wunderſam, Daß der wilde Vogel zu reden anfienge: Sie hörte ſeine Stimme als ob ſie aus Menſchenmunde gienge. Da ſprach der hehre Engel: „Du magſt dich wohl verſehn, Arme Heimatloſe, dir ſoll groß Glü> geſchehn. Willſt du mich fragen von deinem Heimatlande, Ich bin der Deinen Bote: Gott ſchit mich dir zum Troſt nach dieſem Strande.“ Gudrun die edle fiel nieder in den Sand Auf den Knien zum Himmel zu flehn in Kreuzgeſtalt. Sie ſprac\< zu Hildburgen: „O wohl uns dieſer Ehre, Daß Gott unſer denket, nun ſoll uns länger nicht der Kummer währen.“ Da ſprach die Unſelige: „Hat dich Chriſt geſandt Uns armen Heimatloſen zu Troſt in dieſes Land, Du ſollſt mich hören laßen, Bote, du mein guter, ſt Hilde no\< am Leben? ſie war der armen Gudrun Mutter.“ Da ſprach der hehre Bote: „Das will ich dir ſagen: Hilde deine Mutter ſah ich geſund vor Tagen, Als ſie dir ein größer Heer zu Hülfe ſandte, Al3 jemals liebem Kinde eine Mutter oder Nahverwandte.“

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258 * i1738-um. Da ſprach die edle Jungfrau: „Edler Bote hehr, Laß dich e8 nicht verdrießen, ich frage dich noch mehr: Iſt Ortwein der König von Ortland noc\< am Leben? Und Herwig mein Geliebter? der Frage hört ich gerne Antwort geben.“ Da ſprach der hehre Engel: „Das mach ich dir wohl kund: Ortwein und Herwig ſind beide noch geſund. I\< ſah ſie heute fahren auf des Meeres Wegen: An Einem Ruder zogen mit gleicher Kraft die beiden ſtarken Degen.“ „Du ſagſt mir liebe Märe. Jſt dir auch bekannt Ob Jrold und Morung kommen in dieß Land? Du herrlicher Bote, das wünſch ich zu erfahren: Ich ſäh ſie beide gerne, die auch meines Vater3 Freunde waren.“ Da ſprach der hehre Bote: „Das ſei dir kund gethan, Daß Jrold und Morung auch meine Augen ſahn. Sie ſind euch zu dienen bereit, ihr ſchönen Frauen : Kommen ſie zu Lande, von ihnen wird hier mancher Helm ver- | hauen.“ Da ſprach der hehre Engel: „Laßt mich ſcheiden nun: Gott pfleg eurer Ehre, mir bleibt no\< mehr zu thun. E3 ward mir nicht befohlen, euch weiter zu beſcheiden.“ Er verſchwand vor ihren Augen; darüber weinten ſehr die Jung: fraun beide.

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Da ſprach Frau Hilden8 Tochter: „Dem Himmel ſei's geklagt, Was ich no\<h fragen wollte, das wird mir nicht geſagt. I\< gebiete dir bei Chriſtus, ſcheide nicht von hinnen Eh du aus Sorgen löſeſt mich die ärmſte aller Königinnen.“ Er ſc\<hwebt' ihr vor den Augen wieder auf der See: „Eh daß unſer Scheiden, ſchöne Magd, geſcheh, So viel ich dir mag dienen, das ſoll mir wohlgefallen : Da dus bei Chriſt gebieteſt, ſo Tag ich dir von deinen Freunden allen.“ Sie ſprach: „So hört' ich gerne, ſofern es dir bekannt, Soll auß Horand kommen, der Held von Dänenland? Mit ſeinen kühnen Helden, die mich in Sorgen ließen : I\< weiß ihn ſo bieder, wohl möcht ih armes Mägdlein ſein genießen.“ „Auch Horand dein Neffe kommt von Dänemark Zu manchem heißen Sturme mit ſeinen Reden ſtark. Er ſoll in ſeinen Händen tragen Hildens Zeichen, Wenn die Hegelingen kommen her zu Hartmuthens8 Reichen.“ Da ſprach wieder Gudrun: „Kannſt du mir ſagen, Lebt Wate noh von Sturmland? ſo wollt ih nicht klagen. Des freuten wir un8 alle, wenn das geſchähe, Daß ich den alten Frute auch bei meiner Mutter Banner ſähe.“

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Da ſprach der Engel wieder: „Dir kommt in dieſes Land Wate von Sturmland: der hält in ſeiner Hand Ein ſtarkes Steuerruder in Einem Kiel mit Fruten: Beßre Freunde darfſt du zum Kampf nicht wünſchen in deinem Muthe.“ Wieder ſcheiden wollte der Engel von ihr hin: Da ſprach die Gotte3arme: „In Sorgen ich noh bin: I\< möchte gerne wißen, wann es3 geſchähe, Daß ich Heimatloſe meiner Mutter Hilde Boten ſähe?“ Der Engel gab zur Antwort: „Freude geht dir zu: Dir kommen zwei Boten morgen in der Fruh. Die ſind wohl ſo bieder, daß ſie dich nicht betrügen. Die Märe die ſie bringen, damit wollen ſie dich nicht belügen.“ Da muſte ſie verlaßen der Gotte8bote hehr; Die heimatloſen Frauen fragten da nicht mehr, Doh lag auf ihren Herzen noch großen Kummers Schwere, Wo ihrer Helfer werthes Ingeſinde jeho wäre. Sie wuſchen deſto läßiger heute das Gewand. Sie ſprachen von den Helden, die ihnen dargeſandt Hilde die reihe vom Land der Hegelingen; Sie harrten ihrer Freunde beklommen und der kommenden Dinge.

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Der Tag hatt ein Ende; nach Hauſe ſah man gehn Die armen Mägdlein fremde. Wohl muſte da geſchehn Ein zornliches Schelten von der böſen Gerlinde; Sie unterließ es ſelten zu ſchmälen mit dem edeln Jngeſinde. Sie ſprac\< zu den Frauen: „Wer gab euch den Rath, Daß ihr ſo träge waſchet die Seid und andern Staat? Meine weißen Tücher, die bleichet ihr zu träge: Die es nicht meiden wollen, die bereun es wohl noch unter Schlägen.“ Da ſprach zu ihr Frau Hildburg : „Wir thun was möglich iſt, Wenn Ihr nur, Herrin, Nachſiht an uns zu üben wißt. Uns armes Ingeſinde friert oft zum Erbarmen; Wir wollten fleißger waſchen, begännen erſt die Lüfie zu ex- warmen.“ Da rief ihnen Gerlind in übelm Zorne zu: 4 „JS\< will daß ihr nicht ſäumet wie auch das Wetter thu. Ihr ſollt mix früh und ſpäte meine Kleider waſchen. Laßt morgen euch vom Tage nicht in meiner Kammer überraſchen. „Un8 nahen Luſtbarkeiten, das habt ihr wohl vernommen; Der Palmentag iſt nahe, da werden Gäſte kommen. Und ſchafft ihr meinen Helden dann nicht weiße Kleider, So geſchah in König8hallen auf der Welt noh keiner Waſchfrau leider.“

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Sie giengen nun von hinnen und legten von ſich naß Die Kleider die ſie trugen; wie ziemt' ihnen das? Leider Lieb und Treue war gegen ſie zerronnen; Wohl konnt es ſie nicht freuen: ihre Speiſe war von Roggen und vom Bronnen. Das arme JIngeſinde wollte ſchlafen gehn: Ihr Bette war nicht linde; die zwei Jungfrauen ſchön Trugen ſ\<warze Hemden: ſo konnte ſie bedenken Die böſe Gerlinde, die ſie liegen ließ auf harten Bänken. Gudrun die arme unſanft gebettet lag; Sie konnten kaum erwarien bis wieder ſchien der Tag, Und ſchliefen deſto minder, zumal wenn ſie gedachten, Wann die guten Ritter kämen, die der Vogel ihnen brachte. Als es begann zu tagen, zu einem Fenſter ſchritt Die ſo viel Beſchwerde die ganze Nacht erlitt, Hildeburg die edle von Galizienlande. Da war ein Schnee gefallen: die Armen ſollten da hinaus zum Strande. Da ſprach die Elende: „Wir müßen waſchen gehn: E3 ſei, daß Gott es wende: das Wetter iſt ſo ſchön, Gehn wir heute waſchen mit unſern baren Füßen, Ich fürchte noch vor Abend werden wir es mit dem Tode büßen.“

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Doh freute ſie die Hoffnung, es möchte wohl geſchehn, Daß ſie Hilden3s Boten heute ſollten ſehn; Wenn ſie an die gedachten, die minniglichen Maide, Die ihnen Freude brachten, das war doh ein Troſt in ihrem Leide. Da ſprach Frau Hilden8 Tochter: „Geſpiel, du ſollteſt ſagen Der böſen Gerlinde, daß ſie uns zu tragen Erlaube Schuh am Meere: ſie mag wohl ſelber ſpüren: Wenn wir barfuß gehen, ſo müßen wir auf den Tod erfrieren.“ Sie giengen aufzuſuchen den König und ſein Weib: Da hielt nom umfangen König Ludwigs Leib Die böſe Gerlinde, denn ſie ſchliefen beide. Sie durften ſie nicht we>en: das ſchuf der armen Gudrun großes Leiden. Sie hörte halb im Sc\<lafe der Beiden Jammern an: Das hub ſie an zu ſtrafen das Mägdlein wohlgethan. Sie ſprach in ihrem Zorne: „Was geht ihr niht zum Grieße Und waſchet meine Kleider, daß das lautre Waßer niederfließe?“ Da ſprach die Geraubte: „I\< weiß nicht wie ich geh: Dieſe Nacht gefallen iſt ein tiefer Sc\<nee. Wollt ihr, daß wirs beide mit dem Tode büßen? Wir müßen heut noch ſterben, tragen wir nicht Schuhe an den Füßen.“

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Sie ſprach mit wölfſchem Sinne: „Das laß ich nicht geſchehn : Ihr müßet ſo von hinnen, wie es auch mag ergehn. Und waſcht ihr mir nicht fleißig, ich thu euch viel zu Leide: Was liegt an euerm Tode?“ Da weinten die armen Frauen beide: Da nahmen ſie die Kleider und giengen ſo hindann. „Nun gebe Gott,“ ſpra\< Gudrun, „daß ihr gedenkt daran!“ Mit den bloßen Füßen liefen ſie durch den Schnee: Den gottverſäumten Frauen war um die liebe Heimat weh. Wie ſie gewohnt waren, giengen ſie an den Strand, Da ſtanden ſie und wuſchen wieder das Gewand, Das ſie getragen hatten nieder zu dem Grieße; Aus ihrer frohen Hoffnung ſahn ſie wenig Gutes noch entſprießen. Da mochten ſie wohl ſchifen vor ſich auf die Flut Viel ſehnlicher Blie, von wo die Boten gut Ihnen nahen ſollten, die ſie aufzufinden Hilde die reihe geſendet nach dem edeln JIngeſinde.

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Fünfundzwanzigſtes Abenteuer. Wie DOrtwein und Herwig zu ihnen kamen. Nach langem Haren und Warten, da ſahn ſie auf vem Meer Zwei in Einer Barke und anders Niemand mehr. Da ſprach Frau Hildeburg zu Gudrun der reichen: „Dort ſeh ich Zweie ſchwimmen: deinen Boten ſcheinen die zu gleichen. “ Da ſprach die Jammersreiche: „O weh ich arme Maid: Jammer ſchafft mix Alles, die Freude wie das Leid. Sind es Hildens8 Boten, ſollen die mich finden Waſchen auf dem Grieße, die Sc\<ande könnt ich nimmer üÜber- winden. „I\< arme Gottverlaßne, ich weiß nicht was ich thu: Traut Geſpiel, Hildeburg, gieb deinen Rath dazu. Soll ich von hinnen weichen oder mich hier finden Laßen in der Schande? Lieber hieß ich immer Ingeſinde.“

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Da ſprach Frau Hildeburg: „JIhr ſeht wohl wie es ſteht: In ſo hohen Dingen fragt nicht was Hildburg räth. I\<h leiſte mit euch gerne Alles wa3 ihr thut: I\<h will bei euch verbleiben, e8 ergeh euch übel oder gut.“ Da wandten ſie ſich beide und giengen eilends fort: Doch waren ſchon ſo nahe die Männer jenem Ort, Daß ſie die Wäſcherinnen ſahen an dem Strande; Da wurden ſie wohl inne, daß ſie wollten fliehn von den Ge- wanden. Sie ſprangen aus der Barke und riefen ihnen nach: „Jhr ſchönen Wäſcherinnen, warum iſt euch ſo jah? Wir ſind fremde Leute, das mögt ihr an uns ſpüren: Sceidet ihr von hinnen, die reichen Kleider werdet ihr verlieren.“ Sie ſtellten ſich, als hätten ſie .nicht8 davon vernommen, Obwohl zu ihren Ohren die Stimme war gekommen ; Zu laut geſprochen hatte Herwig der König. 4 Daß er ſeiner Trauten ſo nah wär, des verſah der Held ſich wenig. Da ſprach der Held von Seeland: „Ihr Mädc\<en minniglich, Wem gehören dieſe Kleider? des beſcheidet mich. Hört ohne Falſc\< uns bitten: zu Ehren allen Maiden, Ihr minniglichen Frauen, ſollt ihr nicht von dem Geſtade ſcheiden.“

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Da ſprach die edle Gudrun: „I\< däuchte mich geſchmäht, Da ich ein Mädchen heiße und ihr mich habt gefleht Bei aller Mäd\<en Ehre, wenn ich euch bitten ließe,“ So ſprach zu ihm die Hehre: „drum müßen meine Augen über- fließen.“ Sie giengen in den Hemden; die waren naß zu ſchaun; Beßer einſt gekleidet ſah man die edeln Fraun. Vor Kälte muſte beben das arme Ingeſinde; Kläglich war ihr Leben: ſie umwehten kalte Merzenwinde. E83 war in den Tagen, da der Winter Abſchied nimmt, Und der Vogel mit Zagen die Kehle wieder ſtimmt, Daß er ſinge ſeine Weiſe, wenn der Merz entſchwunden. In Schnee und in Eiſe wurden die armen Waiſen gefunden. Mit geſträubten Haaren kamen ſie heran. Wie ihnen beiden waren die Häupter wohlgethan, Do\< ſah man ihre LoFen zerzauſt vom Merzenwinde: Ob es regnet' oder ſchneite, weh war dem armen Ingeſinde. Da3 Meer allenthalben noch mit dem Eiſe floß, Das ſich zerlaßen wollte; ihre Sorge die war groß. Durch die Hemden ſchienen weiß wie der Schnee Die minniglichen Glieder: ihnen ſchuf die Scham vor Freunden Weh.

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Herwig der edle ihnen guten Morgen bot: Wohl wär den Heimatloſen ein guter Morgen Noth. Von ihrer böſen Meiſterm hörten ſie nur Schelten: Guten Morgen, guten Abend kam den minniglichen Maiden ſelten. „Ihr ſollt uns hören laßen,“ ſprach Herr Ortewein, „Wem dieſe reichen Kleider auf dem Strande ſei'n, Oder Wem ihr waſchet: ihr beiden ſeid ſo ſchöne, Wer thut euch das zu Leide? daß ihn Gott vom Himmel immer höhne! „Shr ſeid ſo ſ\<ön, ihr dürftet wohl die Krone tragen Und einem veichen König als Erbinnen behagen. Landesfrauen heißen ſolltet ihr mit Ehre: Dem ihr ſo ſ\<machvoll dienet, hat er ſo ſ\<öner Wäſcherinnen mehre 2“ Da ſprach mit trübem Muthe das ſchöne Mägpelein : „Gr hat nom manche ſchöner als wir mögen ſein. Nun fraget was ihr wollet: würd es die Meiſtrin inne, E3 möcht uns ſchlimm bekommen, ſäh ſie uns mit euch ſprechen von den Zinnen.“ „Laßt es euch nicht verdrießen und nehmet unſer Gold, Guter Spangen viere; das ſei euer Sold, Daß ihr ſchöne Frauen uns Kunde möget ſagen: Wir geben ſie euch gerne, daß ihr-Beſcheid uns gebt auf unſre Fragen.“

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„Gott laß euch eure Spangen ſelber wohlgedeihn, Wir nehmen nichts zu Lohne,“ ſprach das Mägdelein; „Fraget was ihr wollet, wir müßen ſchnell von hinnen: Säh man uns mit euch reden, das wär mix leid von Herzen und von Sinnen.“ „Wem iſt dieſes Erbe und dieſes reiche Land, Dazu. die guten Burgen? wie iſt er genannt, Der euch ohne Kleider läßt ſo ſ\<machvoll dienen? Wollt er auf Ehre halten, euch anders zu behandeln würd ihm ziemen.“ Sie ſprach: „Der Fürſten Einer heißet Hartmuth: Dem dienen weite Lande und feſte Burgen gut; Der andre heißet Ludwig von Normandie der reiche. Ihnen dienen viel der Helden; ſie ſien ruhmvoll hier in ihrem Reiche. “ „Gern möchten wir ſie ſehen,“ ſprach da Ortwein. „Könnt ihr uns beſcheiden, ihr ſchönen Mägdelein , Wo wir die Fürſten beide in ihrem Lande finden ? Wir ſind an ſie geſendet, ſelber eines König3 Ingeſinde.“ Gudrun die hehre ſprach zu den Helden da: „3\<h ließ ſie in der Veſte, heute Morgen ſah I\< ſie zu Bette liegen wohl mit vierzig hundert Mannen; Ich weiß nicht zu ſagen ob ſie ſeitdem geritten ſind von dannen.“

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Da ſprach der König Herwig: „Könnt ihr uns denn ſagen, Vor Wem die Kühnen ſo große Sorge tragen, Daß ſie ſo viel Helden halten zu allen Zeiten ? Zög ich damit zu Felde, ich möchte wohl ein Königsland erſtreiten, “ „Das können wir nicht ſagen,“ ſprachen die Fraun, „Wir wißen nicht wohin ſie nach andern Ländern ſchaun. Ein Land liegt in der Weite, das heißet Hegelingen: Sie fürchten zu allen Zeiten, das möcht ihnen grimme Feinde bringen.“ No\<h zitterten vor Kälte die ſchönen Mägdelein. Da ſprach der König Herwig: „Möchte das doch ſein, Daß es euch Minniglihe däuchte keine Schande, Wenn ihr edeln Mäd\<hen unſre Mäntel trüget auf dem Strande.“ Da ſprach Hildens Tochter: „Gott laß euch ſelbſt gedeihn Eure Mäntel beiden! An dem Leibe mein Sollen Niemand8 Augen Manneskleider ſehen.“ Wenn ſie ſich erkennten, ihnen könnte Liebre3 "nicht geſchehen. Oftmals bli>te Herwig die Jungfrau forſchend an; Sie ſchien ſo ſ\<hön dem Degen und auch ſo wohlgethan, Daß es ihn im Herzen oft zum Seufzen brachte: Sie glich ſo ſehr der Einen, an die ex oft gar inniglich gedachte.

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Da ſprach von Ortland wieder der König Ortwein: „I\< frag euch Mädchen beide, ſollt euch bekannt nicht ſein Ein fremdes Ingeſinde, das kam zu dieſem Land? Eine war darunter, die wurde Gudrun genannt.“ „Das hab ich wohl erfahren,“ ſprach die ſchöne Maid, „Es kam ein fremd Geſinde hieher vor langer Zeit: Nach ſtarker Heerfahrt brachte man ſie zu dieſen Reichen. Den geraubten Frauen ſah man da38 Antliß großen Jammer bleichen.“ Sie ſprach: „Die ihr da ſuchet, die hab ich wohl geſehn In großen Mühſalen, das will ich euch geſtehn.“ Sie war der Mädc\<hen Eine, die da Hartmuth brachte: Ja Gudrun war ſie ſelber, daher ſie dieſer Dinge wohl gedachte. Da ſprach der König Herwig: „Nun ſeht, Herr Ortewein: Sollt eure Schweſter Gudrun noc\<h am Leben ſein In irgend einem Lande von allen Erdenreichen, So ſchwür ich, dieſe wär e8: niemals ſah ich ihr ein Weib ſo gleichen. “ Da ſprach König Ortwein: „Sie iſt gar minniglich; Jedoch meiner Schweſter nicht vergleicht ſie ſich: Aus unſer beider Jugend gedenk ich wohl der Stunde, Da hätte man auf Erden kein ſo ſchönes Mägdelein gefunden.“

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Da er ihn alſo nannte, der kühne junge Mann, Mit ſeinem Namen Ortwein, da ſah ihn wieder an Gudrun die arme: ob es ihr Bruder wäre, Das wüſte ſie ſo gerne: ſo würd erleichtert ihres Herzens Schwere. Sie ſprach: „Wie ihr auch heißet, ihr ſeid untadelig. Einem Den ich kannte gleicht ihr ſeltſamlich: Er war geheißen Herwig und war von Seelanden: Wenn der Held noc\< lebte, er löſt' uns wohl aus dieſen ſtrengen Banden. „J3\< bin auch ihrer Eine, die mit Hartmuths Heer Im Streit gefangen wurden und geführt über Meer. Ihr ſuchet Gudrunen: das thut ihr ohne Noth: Die Magd von Hegelingen fand vor großem Leid den Tod.“ / Da thränten Ortweinen ſeine Augen licht; Die Kunde ließ auch Herwig unbeweinet nicht. Als ſie das vernahmen, daß geſtorben wäre Die Magd von Hegelingen, das belud ihr Herz mit großer Schwere. Als ſie die Helden beide vor ſich weinen ſah, Die geraubte Jungfrau ſprach zu ihnen da: „Ihr gehabt euch alſo bei dieſer Trauermäre, Als ob die edle Gudrun euch verwandt, ihr guten Helden, wäre,“

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Da ſprach König Herwig: „Wohl traur ih um die Maid: Sie iſt mein Weib geweſen auf alle Lebenzzeit. Sie war mir zugeſchworen mit Eiden feſt und ſtäten: Nun hab ich ſie verloren durch des alten Ludwigs grimme Räthe.“ „Ihr wollt mich betriegen,“ ſprach die arme Magd. „Von Herwigens Tode ward mir oft geſagt. Die höchſte Wonn auf Erden ſollt ich in ihm gewinnen: Wär der no\< am Leben, ſo hätt er längſt mich geführt von hinnen. Da ſprach der edle Ritter: „So ſeht meine Hand, Ob ihr das Gold erkennet: Herwig bin ich genannt. Mit dieſem Mahlſchaß ſollt ih Gudrunen minnen; Seid ihr denn meine Gattin, wohlan, ich führ euch minniglich von hinnen.“ Wie nach der Hand ſie ſchaute und nach dem Ringelein, Da lag in dem Golde von Abalie der Stein, Der beſte den ſie je geſehn all ihres Leben3 Tage; Einſt hatt ihn Gudrun die ſchöne ſelber an der Hand getragen. * Sie lächelt' in der Freude; da ſprach das Mägzdelein ; M „Das Gold erkenn ich wieder, vor Zeiten war e3 mein. Nun ſollt ihr dieſes ſehen, das mein Geliebter ſandte, Da ich arme38 Mädchen mit Freuden war in meines Vaters Lande.“

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Wie nach der Hand er ſhaute und das Gold erſah, Herwig der edle ſprach zu Gudrun da: „Dich hat auc\< anders Niemand als Königsblut getragen: Nun hab ic\< Freud und Wonne geſehn na\< langem Leid und böſen Tagen.“ Da umſchloß er mit den Armen die herrliche Maid; WazZ ſie geſprochen hatten gab ihnen Lieb und Leid. Auch bede>t' er ihr mit Küſſen den Mund, die Niemand zählte, Ihr und Hildeburgen, der vertriebnen Magd, der auserwählten. Ortwein begann zu fragen die herrlihe Maid -- Sie ſchämte ſich darüber, es war ihr ſelber leid = Ob ſie nicht ander8 dienen könnten hier im Lande, Als daß ſie Kleider zu allen Zeiten wüſchen hier am Strande. „Nun ſagt mir, Frau Schweſter, wem ihr die Kinder gabt, Die ihr dem König Hartmuth ſeitdem getragen habt, Daß ihr ſo alleine waſchet auf dem Grieße? Seid ihr des Lande3 Königin, das läßt man euch gar übel hier genießen.“ Sie ſprach zu ihm mit Weinen: „Wo nähm ich Kinder her? " Wohl wißen alle Leute in König Hartmuths8 Heer, Daß er mir vergebens Solches ſtäts geheißen, Daß ich ihn nehmen ſollte: drum muß ich ſaurer Arbeit mich befleißen. “

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Da ſprach der König Herwig: „Wohl mögen wir geſtehn, „Uns iſt auf dieſer Reiſe ſo großes Glü> geſchehn, Beßer konnt e8 wahrlih nimmer uns gelingen: Nun laßt uns nur eilen, daß wir ſie weg von dieſem Strande bringen.“ Da ſprach der Degen Ortwein: „Nicht do\<, das thu ich nie; Und hätt ih hundert Schweſtern, ſterben ließ ich ſie, Eh ich mich in der Fremde ſo feige wollte hehlen, Die mit Gewalt ſie nahmen, meinen grimmen Feinden wegzu- ſtehlen. “ Da ſprach der Held von Seeland: „Mir ſchafft die Sorge Pein, Wird man unſer innen, daß man die Mägdelein So weit von hinnen führe (drum mag uns Hehlen frommen), Daß ſie uns all ihr Leben nimmer wieder vor die Augen kommen.“ Da ſprach aber Ortwein: „Im Stiche ließen wir Das edle Ingeſinde? es hat ſo lange hier Geharrt im fremden Lande, es mag ſie wohl verdrießen. Meiner Schweſter Gudrun ſollen ihre Mäd\<en all genießen.“ Da ſprach König Herwig: „Was haſt du wohl im Sinn? Meine Herzgeliebte, die führ ich mit mir hin; Thun wir was wir können hernach für jene Frauen.“ Da ſprach der Degen Ortwein: „Eh ließ ich mit der Schweſter mich zerhauen.“

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Da ſprach die Tiefbetrübte: „Was hab ich dir gethan, Lieber Bruder Ortwein? deine Augen, ſahn (2 Sie je mich ſo gebahren, daß man mich dürfte ſchelten ? I\< weiß nicht welcher Dinge du edler Fürſt mich heute läſt ent- gelten.“ „34h thu es, liebe Schweſter, nicht aus Haß zu dir; Do\< deine edeln Maide nur alſo retten wir. I\< kann dich nicht von hinnen führen als in Ehren; Du ſollſt unbeſholten deinem Herwig Minne gewähren.“ Sie giengen zu den Schiffen; da klagte laut die Maid. Sie ſprach: „O weh mir Armen! Endlos iſt nun mein Leid: Auf die ich immer hoffte, da mich die verſchmähen, Daß ſie mich löſen würden, wann ſoll ich dann die Heimat wieder- ſehen?“ Die kühnen Degen eilten zum Geſtade jah: Gudrun die arme rief Herwigen nach: „Einſt war ich die beſte, nun gelt ich für die böſte: Wem läſt du mich und weſſen ſoll ich arme Waiſe mich getröſten?“ „Du biſt nicht die böſte, du ſollſt die beſte ſein; Edle Köngin, hehle für jeht die Reiſe mein: Eh morgen ſcheint die Sonne lieg ich hier zu Felde, Das glaub auf meine Treue, vor der Burg mit achzigtauſend Helden.“

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dud So ſchnell als ſie konnten fuhren ſie hindann. Da hub ein härter Scheiden zwiſchen Freunden an Als je Freunde thaten, das darf man mir wohl glauben. Sie begleiteten die Boten ſo fern als ſie nur konnten mit den Augen. Der Wäſche nun vergaßen die herrlichen Fraun. Wohl konnt es aus der Ferne die böſe Gerlind ſchaun , Daß ſie müßig waren da unten auf dem Strande. Da zürnte ſie gewaltig; ihr lagen ſehr am Herzen die Gewande. Da ſprach die ſchöne Hildeburg, die Maid aus Jrland: „Was laßt ihr, Königstochter, liegen das Gewand, Daß ihr Ludwigs Degen zu waſchen ſäumt die Kleider ? Und wird des Gerlind inne, ſo that ſie uns mit Schlagen niemal8 leider.“ Da ſprach die Tochter Hilden8: „Dazu bin ich zu hehr, Der böſen Gerlind waſchen will ih nimmermehr. Nun verſchmäh ich Dienſte zu leiſten ſo geringe, Da mich zwei Könge küſsten und mit den Armen herzend mich umfiengen. „Fhr dürft mir nicht verdenken," hub Hildburg wieder an, „Daß ich zum Waſchen rathe: wir thäten klüger dran, Als daß wir ſo die Kleider in die Kammer tragen, Sonſt wird uns beiden der Rüden übel heute noh zerſchlagen."

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Da ſprach Hagens Enkelin: „Freude nahet mir, Troſt und hohe Wonne: ob ſie bis morgen hier Mich mit Beſen ſchlügen, daran würd ich nicht ſterben; Do Die uns ſo miſs8handeln, deren müßen Viele bald verderben. „3\< will dieſe Kleider tragen zu der Flut: Es ſoll ihnen frommen,“ ſprac\< das Mägdlein gut, „Daß ich mich vergleichen darf mit Königinnen: I\<h werfe ſie ins Waßer, daß ſie luſtig fließen von hinnen.“ Wa3 auch Hildburg redete, Gudrun trug hindann Frau Gerlinden3 Linnen; zu zürnen hub ſie an: Sie ſ\<wang ſie aus den Händen weit in die Wogen. Sie ſchwebten eine Weile; ich weiß nicht ob ſie je hervor ſie zogen. Die Nacht begann zu dunkeln, da ſchier der Tag zerrann. Hildeburg gieng traurig zu der Burg hindann: Sie trug drei Kleider und ſchöner Tücher ſieben; Bei ihr gieng Ortweins Schweſter; die war der Wäſche ledig heut geblieben. E3 war ſc\<hon ſpät geiworden, da ſie an das Thor Der Veſte Ludwigs kamen: da fanden ſie davor Die üble Gerlind harren auf ihr Ingeſinde. Die edeln Wäſcherinnen grüßte ſie mit Worten ungelinde.

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„Wer hat euch das erlaubet?“ ſprach des König3 Weib, „Sc\<merzlich ſoll es büßen euer beider Leib, Daß ihr ſo ſpät am Abend euch mögt am Strand ergehen: Nicht ziemt es Königsfrauen in ihrer Kammer euch hinfort zu ſehen.“ Sie ſprach: „Nun laßt mich hören, warum thut ihr das? Ihr verſhmähet Könige und tragt ihnen Haß Und koſet am Abend mit gemeinen Knechten : Wollt ihr Ehr erwerben, ſo ſcheinen ſolche Wege nicht die rechten.“ Da ſprach die hehre Jungfrau: „Wes klagt ihr mich an?! Da doch ſolhen Willen ich Arme nie gewann: ; Niemand lebt auf Erden, mit dem ich ſprechen wollte, E3 wären denn Verwandte, mit denen ich auch billig reden ſollte.“ „Schweig, du böſe Galle! Lügen ſtrafſt du mich? Da3 wird an dir noch heute gerochen ſicherlich, Daß ſich dein Zorn nicht wieder ſo laut hervor ſoll wagen; Eh ich nachlaße, ſoll es fürwahr dein Rüden ſchwer beklagen.“ „Das will ich widerrathen ,/“ ſprach die Jungfrau hehr, „Daß ihr mich mit Ruthen ſc\<laget nimmermehr : Bin ich doch viel hehrer als Ihr mit all den euern; So ungefüger Züchtigung möchte man nun wohl bei Zeiten ſteuern.“

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Da ſprach die Wölſiſche: „Wo ſind die Kleider mein? Daß du ſo gewunden haſt die Hände dein, Recht wie ein Müßiggänger in deinem Schooß gefalten: Leb ich noch eine Weile, ich will dich anders lehren Dienſt ver: walten.“ Da ſprach Hagens Enkelin: „I\< ließ ſie liegen dort Unten am Geſtade: da ich ſie wollte fort Mit mir zu Hofe tragen, war mir zu ſchwer die Bürde; Mich ſollt es nicht kümmern, wenn man ſie nicht wiederfinden würde." Da ſprach die böſe Teufelin: „Das kommt dir nicht zu Gut; Eh ich mich ſchlafen lege, wie übel man dir thut!“ Da ließ ſie Dornen brehen und zu Beſen binden : E3 wollte nicht entrathen ſo ungefüger Züchtigung Gerlinde. An ein Bettgeſtelle ſie die Schön: binden hieß In einer Kemenate wo ſie Niemand zu ihr ließ: Da wollte ſie die Haut ihr vom Gebeine ſchlagen; Die Frauen die das wuſten huben an zu weinen und zu klagen. Liſtig ſpra\< da Gudrun: „Das will ich euch ſagen: Werd ich mit dieſem Beſen heute hier geſchlagen, Sieht mich dann je ein Auge bei reichen Köngen ſtehen Auf dem Haupt die Krone, gar übel wird es dem dafür ergehen.

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„Drum rath ich, daß mich Keiner zu berühren wagt: I\< will ihn jeho minnen, dem ich bisher verſagt. Man ſoll mich als Königin der Normandie erſchauen ; Und herſch ich da, ſo thu ih was mir Niemand möchte zuge- trauen.“ Da ſprach Frau Gerlinde: „So ließ ich meinen Zorn: Und hätteſt du mir tauſend Linnen auch verlorn , Die wollt ich verſ\<merzen; wohl ſollt es dir frommen, So du Hartmuthen von Normandie dir zum Gemahl genommen." Da ſprach die ſ\<öne Jungfrau: „Erholen muß ich mich: Alle dieſe Qualen ſind ſo fürchterlich. Rufet mir den König von Normandie hieher! Was mir der gebietet, ich leiſte willig ſein Begehr.“ Die ſo die Rede hörten, die liefen bald hindann; Hartmuth dem ſchnellen ward es kund gethan; Es ſaßen bei ihm Viele von ſeines Vaters Mannen: Da bracht ihm einer Kunde, er ſolle gleih zu Gudrun gehn hindannen. Er ſagt' ihm unverhohlen: „Gebt mix das Botenbrot. \</ Der ſchönen Hilde Tochter euch ihren Gruß entbot, Daß ihr geruht zu kommen zu ihrer Kemenaten : Sie bleibt euch niht mehr fremde, ſie hat ſich beßer nun mit ſich berathen.“

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Da ſprach der edle Ritter: „Du lügeſt ohne Noth; Wär deine Märe Wahrheit, ich wollt als Botenbrot Dir drei gute Burgen mit reichen Huben geben, Und ſechzig Spangen Goldes; in hohen Freuden wollt ich immer leben.“ Da ſprach der andern Einer: „I\< hab es auch vernommen: Laßt mich die Gabe theilen; ihr ſollt zu Hofe kommen. E3 ſprach die edle Jungfrau, daß ſie euch minnen wollte:, Wenn es euch gefiele, daß ſie des Lande8 Köngin werden ſollte.“ König Hartmuth ſagte da den Boten Dank; Wie fröhlich der Degen von dem Siße ſprang! Er wähnte, Gott hab ihm beſchieden hohe Minne. Zu der Jungfrau Kammer gieng er hin mit freudenreichem Sinne. Da ſtand im naßen Hemde die herrliche Magd: Mit weinenden Augen ward ihm ihr Gruß geſagt. Sie gieng ihm entgegen und ſtand ihm ſo nahe, Daß er mit den Armen ſchon die ſchöne Gudrun wollt umfahen. Da ſprach ſie: „Nicht voHh, Hartmuth, laßet das noh ſein! Sähen es die Leute, Unehre brächts euch ein: I\< bin ein' arme Wäſcherin: wie ſollt es der gebühren, Wollt ein reicher König ſie umarmen oder nur berühren?

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„I\< will e8 gern erlauben, wenn ich, Herr Hartmutb, Unter Krone ſtehe vor euern Reen gut. S Wenn ich dann Köngin heiße, habt ihr euch nicht zu ſchämen, So ziemt es wohl uns beiden, wollt ihr mich in eure Arme nehmen.“ Zurü> der Zucht gehorhend trat der junge Mann. Er ſprach zu Gudrunen: „Jungfrau wohlgethan , Geruhſt du mich zu minnen, das will i\< hö\<hlich lohnen: I\< und meine Freunde wollen uns in deinem Dienſt nicht ſchonen.“ Da ſprach die edle Jungfrau: „Mir wurde nie ſo wohl; Wenn ich Gottverlaßne nun hier gebieten ſoll, So ſoll mein erſt Gebot ſein nach langen Arbeiten, Eh ich heut ſc\<lafen gehe, daß man mir ein ſchöne8 Bad bereite. „Mein Gebot das andre, das ſoll dieſes ſein, Daß man als8bald mir bringe meine Mägdelein, Wie man ſie möge finden unter Gerlinds Frauen: In ihrer Kemenate ſoll man fürder keine mehr erſ\<auen.“ „Das will ich gerne leiſten,“ ſprach Herr Hartmuth. Geholt aus dem Gema\<he ward manche Jungfrau gut. In geringen Kleidern und mit geſträubten Haaren Giengen ſie zu Hofe: bei Gerlind hatten ſie viel Leid erfahren.

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Da kamen dreiundſechzig: als Hartmuth ſie erſah, Gudrun die edle mit Züchten ſprach ſie da: \< „Nun ſchaut, reicher König, macht e8 euch wohl Ehre, Wie ſich die Maide tragen?“ Da ſprach der Held: „J\< will es künftig wehren.“ „Thut mir8 zu Liebe, Hartmuth,“ ſprach das edle Kind; „Alle meine Maide, die hier verwahrloſt ſind, Laßt ſie vor Abend baden; folgt meinem Rathe: Und traget aug Sorge, daß ſie ſtehn in wonniglihem Staate.“ Hartmuth gab zur Antwort, der Ritter auserkoren: „Gudrun, liebe Herrin, iſt das Gewand verloren, Das zu dieſem Lande bracht euer JIngeſinde, So giebt man ihnen das beſte dafür, das wir irgend mögen finden. „I\< will ſie gerne ſehen bei euch gekleidet ſtehn.“ Man ſorgte, daß die Mägde zu Bade mochten gehn. Hartmuths Vettern ſah man als Kämmerer beflißen, Ein Jeder wollt ihr dienen, ſie als Königin geneigt zu wißen. Da wurde ſchön gebadet . die herrliche Maid Mit ihren Jungfrauen; das allerbeſte Kleid, Das8 Jemand haben konnte, gab man ihnen Allen; Die Geringſte drunter möcht einem Könige wohlgefallen.

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Als ſie gebadet waren, brachte man ihnen Wein, Beßerer mochte in der Normandie nicht ſein. Auch des guten Methes ſchenkte man den Frauen; Wie mochte Hartmuth denken, er ſollte ſolhen Lohn dafür er- ſchauen? Da ſaß in dem Saale manch minnigliches Kind. Ihrer Tochter Ortrun gebot da Frau Gerlind, Daß ſie ſich kleiden ſollte mit ihren Jungfrauen, Wenn ſie Hildens Tochter mit ihrem Ingeſinde wollte ſchauen. Gefkleidet ward die edle Ortrun gleich zur Hand; Sie gieng dahin in Freuden wo ſie Gudrunen fand. Da giengen ihr entgegen die Hagens Sippen waren: Als ſie beiſammen ſaßen, da ſah man ſie gar wonniglich gebahren. p Sie küſsten ſich einander, aus rothem Golde gut Scien ihre li\<te Farbe. Doch war gezweit ihr Muth: Der reichen Königstohter, Ortrunen, ſchuf es Freude, Daß ſie die edle Wäſ\<herin nun ſah in ſo wonniglihem Kleide. Der Armen Freude war e8, das mag man leicht verſtehn, Daß ſie die edeln Freunde bald ſollte wiederſehn. Fröhlich bei einander ſaßen da die Hehren ; Sie zu ſhauen, möchte wohl ein traurig Herze Freude lehren.

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„Wohl mir,“ ſprach da Ortrun, „daß ich den Tag geſehn, Da du hier bei Hartmuth willſt bleiben und beſtehn. Für deinen guten Willen geb ich dir zu Lohne, Die ich tragen ſollte, meiner Mutter Gerlinde Krone.“ „Nun lohne Gott dir, Ortrun,“ ſprach das Mägdelein, „Was du mir gebieteſt, dem will ich die Folge leihn. Du haſt mich oft beweinet in meinem Herzenleide: In treuem Dienſte will ih mich keinen Tag des Lebens von dir ſcheiden.“ Liſtig unbefangen ſprach das Mägdlein gut: „Ihr ſolltet Boten ſenden, mein Herr Hartmuth, Durch der Normannen Reiche, ob es wohlgefalle Euern beſten Freunden, daß ſie her zu Hofe kommen alle. „Zſt euer Reich befriedet, das will ih euch ſagen, So will ich vor den Helden mit euch die Krone tragen. So mag ich erkennen, wer mein begehrt zu Frauen; Mich und meine Lieben laß ich dann vor euern Reken ſchauen.“ Die Liſt war klug erſonnen: ſo viel er Boten fand, Wohl hundert und darüber wurden ausgeſandt: Deſto minder war der Feinde, da die Hegelingen Hartmuth überfielen: dahin eben dachte ſie's zu bringen.

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Da ſprach Frau Gerlinde: „Liebe Tochter mein, Nun ſollt ihr euch ſcheiden; doch bei des Tages Schein Mögt ihr bei einander wieder ſein in Güte.“ Sie neigte ſich Gudrunen und bat Gott, daß ſie ſein Schut behüte. Von dannen gieng auch Hartmuth. Man gab ihr Schenken zu Und manchen Truchſäßen : da ward gedient in Ruh. Man hieß da fleißig warten der ſtolzen reichen Maide, Mit Trinken und mit Speiſe ſchuf man ihnen Troſt nach langem Leide. Da ſprach von Hegelingen eine ſchöne Maid: „Wenn wir daran gedenken, das ſchafft uns Herzeleid, Daß wir bei denen bleiben, die her zu Land uns brachten, Wider unſern Willen, was wir biöher doch nie zu thun gedachten !“ Da ſaßen ſie und weinten bei ihrer Frauen hehr. Dieſelbe Klag erhoben noc\<h der Jungfrauen mehr. Wohl gedachten ſie in Sorgen an ihres Leides Schwere; Man ſah ſie alle weinen: darüber lachte Gudrun die hehre. Sie wähnten ſc\<hon, ſie ſollten dort bleiben immerdar, Da es doc\< der Wille der Königin nicht war, Nur vier Tage länger im Lande zu verweilen; Da waren aber Horcher, die raunten es Gerlinden zu in Eile.

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Schier aus der Sitte Schranfen zu lachen hub ſie an, Die doch ſeit vierzehn Jahren nie Freude mehr gewann : Des war die böſe Teufelin wohl geworden innen; Sie winkte Ludwigen : es war ihr leid von Herzen und von Sinnen. Da gieng ſie hin und ſuchte wo ſie Hartmuth fand: „Mein Sohn,“ begann Gerlinde, „über all dieß Land Wird Müh und Drangſal kommen zum Screen aller Leute: I\< weiß nicht was das Lachen Gudrun derjungen Königin bedeute. „Wie es ſich hat gefüget, und wie ſie's hat vernommen, Ihr ſind von ihren Freunden heimlich Boten kommen: Davor ſollſt du dich hüten, folge meiner Lehre, Daß du von ihren Freunden nicht verlierſt das Leben und die Ehre.“ Er ſprac\<: „Laßt es bewenden; ich gönn es ihr gar wohl, Daß ſie bei ihren Frauen Freude haben ſoll. Ihre nächſten Freunde, die ſo ferne wohnen, Wie könnten ſie mir ſchaden? ſie werden dieſe Lande wohl ver- ſchonen.“ Da bat ihr Geſinde Gudrun nachzuſehn, Ob ihr gebettet wäre: ſie wolle ſchlafen gehn. Sie durften heute ledig ſc\<lafen aller Klagen; Hartmuths Kämmerlingen war ſie zu geleiten aufgetragen.

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Edelknaben ſchritten mit Lichtern ihr voran: Die hatten ihr noh ſelten einen Dienſt gethan. Da fand man aufgeſchlagen viel ſäuberlicher Betten, Wohl dreißig oder drüber, daß gut Gemach die edeln Maide hätten. Darüber lagen Kiſſen von Arabia geſandt In Kleegrün und ſonſt nom in Farben allerhand; Auch die Deklachen kunſtreich und theuer; Sauber aus der Seide ſchien das Gold und glänzte gleich dem Feuer. Die ſchönen Seidendeken waren unterlegt Mit fremder Fiſche Häuten. König Hartmuth hegt Den Wahn, ihm wär beſchieden die Braut von Hegelingen: Er wuſte nicht wie viel ihm ihre Freunde Leides ſollten bringen. Da ſprach die edle Jungfrau: „Geht nun ſchlafen all, Ihr Helden König Hartmuths: wir freun uns, heut einmal Eine Nacht zu ſchlafen, ich und mein Geſinde: Seit wir hieher gekommen ließ man uns noch ſelten Ruhe finden.“ So viel der Fremden waren, die giengen all hindann, Die Alten wie die Jungen. Die in Hartmuth8 Bann Eilten all zur Ruhe aus Gudruns Kemenate; Mit Meth und gutem Weine hatte man die Armen wohl berathen.

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Da ſprach Hilde8 Tochter: „Verſchließet mir die Thür.“ Starker Riegel viere ſchoben ſie dafür. Auch war ſo ſtark die Mauer, was man auch begonnte, Daß es kein Horcher draußen vor der Kemenate hören konnte. Da ſaßen ſie für8 Erſte und tranken guten Wein. Da ſprach die Allerhehrſte: Wohl mögt ihr fröhlich ſein, Alle meine Frauen, nach euerm großen Leide: - 4 Ich will euch morgen ſchauen laßen eine liebe Augenweide. „Wißt, ich küſ8te heute Herwig meinen Mann Und Ortwein meinen Bruder. Nun gedenkt daran: Die ich reich ſoll machen und immer frei der Sorgen, Die trachte, wie ſie zeitig uns nach der Nacht verkündige den Morgen. „Ihr Lohn wird nicht geringe; uns nahet frohe Zeit: Wohl geb ich ihr zu Lohne gute Burgen weit Und manche Hube Landes: die mag ich wohl gewinnen, Wenn ich die Zeit erlebe, daß ich zähle zu den Königinnen.“ Da legten ſie ſich ſchlafen und waren wohlgemuth: Sie wuſten, ihnen käme mancher Ritter gut, Die ihnen helfen möchten aus ihren großen Sorgen : Das war ihr Wunſch alleine, daß ſie die erſähn am nächſten Morgen.

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Sechsundzwanzigſtes Abentener. Wie Herwig und Lrtwein wieder zu dem Heere kamen. Nun höret andre Märe, die ihr noch nicht vernommen: Ortwein war mit Herwig dahin zurükgekommen, Wo ſie ihre Reen noch auf dem Eiland fanden: Entgegen liefen ihnen die Helden aus der Hegelingen Landen. Sie empfiengen wohl die Boten und huben an zu fragen, Was ſie für Kunde brächten: das ſollten ſie ſagen. Ortwein den kühnen, den Einen Ausgeſandten, Fragte man: „Lebt Gudrun noch in König Ludwigens Landen?“ Da ſprach der edle Ritter: „I\< kann es nicht ſagen Jedem insbeſondre; drum ſpart eure Fragen Bi38 unſre beſten Freunde miteinander nahen, So laß ich euch erfahren was wir vor Ludwigens Veſte ſahen.“

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Man ſagt' es gleich den Helden: „bald kam des Heeres Kraft: Man ſah ſie rings umſtanden von kühner Ritterſchaft. Da ſprach der Degen Ortwein: „Nun bring ich euch Märe, Die ich mit meinen Freunden gerne miſ8te, wenn e8 möglich wäre. „So hört das große Wunder, das un iſt geſchehn: Meine Schweſter Gudrun, die haben wir geſehn, Und Hildburg , die von Irland kam zu uns gezogen.“ Als er Solches meldete, hielten es wohl Manche für erlogen. Ihrer Viele ſprachen: „Laßt ſol\<en Spott beiſeit. Wir haben nun nach ihnen getrachtet lange Zeit, Daß wir ſie wieder brächten aus Ludwigens Lande: Ortwein und ſeine Degen haben no\< den Schaden und die .* Schande.“ = „Nun fraget Herwigen, der hat ſie auch geſehn, Und alſo zwar, uns konnte leider nicht geſchehn: Nun gedenket, all ihr Freunde, iſt uns das nicht Schande? Wir fanden Hildeburgen und Gudrunen waſchend auf dem Strande.“ “ Da weinten die Verwandten, ſo viel man ihrer ſah. Wate der Alte zornig ſprach er da: „Pfui, wie die alten Weiber ſeh ich euc\< gebahren, Und wißt doch nicht weswegen; das Weinen ſollten kühne Helden ſparen.

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„Wollt ihr Gudrunen helfen aus der Noth, So macht die weißen Kleider den Degen wieder roth, Die da gewaſchen haben ihre weißen Hände: So ſollt ihr ihnen dienen: ihr mögt ſie ſo wohl bringen aus der Fremde,“ Da ſprach der Däne Frute: „Wie fangen wir das an, Daß wir das Land erreichen, eh Die in Ludwig38 Bann Und Hartmuthens Helden erfahren dieſe Märe, Daß Hildens8 JIngeſinde in die Normandie gekommen wäre.“ Wate ſprach, der alte: „I\< weiß wohl Rath dafür: I\< kann wohl vor der Haldey ihnen dienen nach Gebühr, Wenn ich die Zeit erlebe, daß ich ſie mag erreichen. Ihr Helden räumt dieß Eiland und auf die Feinde los mit blutgen Streichen. „Die Luft iſt ſo heiter, ſo ſternenreich und klar; Auch ſcheint der Mond ſo prächtig, des freu ih mich fürwahr. Nun laßt dieß öde Ufer, ihr theuerlichen Helden, Und eh e8 morgen tagte, liegen wir vor Ludwigs Burg zu Felde.“ Auf Watens3 Rath geſchäftig ward der Helden Hand, Eh ſie zu Schiffe brachten die Roſſ und ihr Gewand. Sie eilten wa3 ſie konnten die Nacht durch zu dem Lande; Eh es begann zu tagen ſah man ſie vor Ludwigs Burg am Strande.

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Zu ſchweigen bat da Wate die Helden allzumal, Und ſanft ſich hinzubetten auf den Grieß zu Thal. Den waßermüden Helden durfte mans nicht wehren, Die Schilde hinzuſtreen und das Haupt darauf, das ſchlummer- ſchwere. „Wer aber morgen frühe gerne möchte ſiegen ,“ Sprach Wate der alte, „ſoll nicht zu lange liegen. Wir konnten3 kaum erwarten bis dieſe Fahrt begönne: Wenn wir den Morgen ſ\<hauen ſoll euch nichts, ihr Re>en, ſäumen können. „J\<h will euch ferner warnen: wenn ihr zum erſten Mal Morgen hört ertönen meines Howne8 Schall, So richte gleich zur Stunde ſich Jedermann zum Streite; Wenn ich den Morgen künde, daß unverzüglich Alle ſich bereiten. „Wenn ich zum andern blaſe, ſo eile Jung und Alt, Die Roſſe ſoll er ſatteln und zäumen alſobald Und ſo bereit ſich halten bis ich den Tag verſpüre, Daß Niemand ſeine Arbeit, wenn die Zeit zum Sturme kommt, - verliere.“ Sie ſprachen, daß ſie gerne thäten was er rieth. Wa3 er da ſchöner Frauen von ihren Freunden ſchied In den ſcharfen Streiten mit tiefen Herzen8wunden! Sie harrten mit Verlangen bis die finſtre Nacht war hin- geſchwunden.

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„Wenn ich zum dritten blaſe, ihr lieben Freunde mein, So ſollt ihr wohlgewaffnet all zu Roſſe ſein; Dennoch eilt, ihr Degen, eher nicht zum Streite, Bi3 ihr mich ſeht gewaffnet bei der ſ\<hönen Hilde Banner reiten.“ Da legten ſich die Müden auf den Sand zu Thal. Sie waren gar nahe vor Ludwigens Saal, War gleich die Nacht geſunken, ſie ſahen ihn doch alle. Die unverzagten Helden lagen ſtille da und ſonder Schallen. Schon war empor gegangen der lichte Morgenſtern: Da trat ein ſchönes Mädchen. an ein Fenſter dort ſo fern. ' Sie ſpähte, wann es wäre daß der Tag erſchiene, Auf daß ſie mit der Märe ſich bei Gudrun großen Lohn verdiene. Die edle Maid erkannte des Morgens Dämmerſchein , Und bei des Waßers Schimmer, nicht ander8 konnt es ſein, Sah ſie Helme leuchten und viel der lichten Schilde: Die Burg war umſeßen: von Waffen glänzte ring3um das Gefilde. Da gieng ſie ſchnell hinwieder wo ſie die Herrin fand: „Wachet, edle Jungfrau, all dieſes Land Und dieſe ſtarke Veſte hält der Feind umſeßen: Daheim unſre Freunde haben doch uns Arme nicht vergeßen.“

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Gudrun die hehre aus dem Bette ſprang Und eilte nach dem Fenſter; der Jungfrau ſprach ſie Dank Dieſer lieben Märe: die würd ihr Reichthum bringen. Na ihres Herzens Schwere, wie ihre Augen nach den Freunden giengen! Da ſah ſie reiche Segel ſchwanken auf der See: Da ſprach die Jungfrau edel: „Nun wird mir erſt noh weh! O weh, ich Gottverlaßne, daß ich geboren bin! Manchem kühnen Manne wird heut der Tod zum Gewinn.“ Das Volk, als ſie das redete, lag noch meiſt und ſchlief; Doh kräftig von der Zinne der Wächter Ludwigs rief: „Wohlauf, ihr ſtolzen Reken, wohlauf, Herr, zu den Waffen: Ihr kühnen Normannen, allzulang, mich dünkt, habt ihr geſchlafen.“ Das erhörte Gerlind, Ludwigs Gemahl , Die ließ den alten König ſc\<lafen im Saal, Und lief geſchwinde ſelber hinauf an eine Zinne: Da ſah ſie viel der Gäſte: das war der Teuflin leid in ihrem Sinne. Sie eilte ſchnell hinwieder wo ſie den König fand: „Wachet , König Ludwig, deine Burg und auch dein Land Sind rings wie ummauert von Gäſten uns zum Schrecken: Gudrunen38 Lachen bezahlen heute theuer deine Recken.“

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„Scweiget, “ ſprac\< da Ludwig, „ich will ſie ſelber ſehn: Wir müßen Alles dulden was uns nun mag geſchehn.“ Da gieng er ſc\<hnell zum Erker, von dort hinaus zu ſchauen: Er hatte heute Gäſte, denen er gar wenig mochte trauen. Da ſah er breite Fahnen vor ſeiner Veſte wehn. Da ſprac\< König Ludwig: „I\< will es ſagen gehn Hartmuth meinem Sohne: vielleicht ſinds Pilgersleute, Die Vorrath einzukaufen in unſern Hafen ſind gelaufen heute.“ Man wette Hartmuthen: als es ihm ward geſagt, Da ſprach der Held , der gute: „Seid nicht darob verzagt: Der Fürſten Wappen kenn ih wohl von zwanzig Landen: Mich dünkt, die Feinde wollen an uns rächen ihre alte Schande.“

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Siebenundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Hartmuth Ludwigen der Fürſten Heerzeichen nannte. Da ließ er ſchlafen liegen ſeine Mannen all; Ludwig und Hartmuth, die giengen hin zumal Und ſchauten durch die Fenſter, wo ſie die Heere ſahen. Alsbald ſprach da Hartmuth: „Sie liegen unſrer Burg ſchon allzunahe. „E38 ſind nicht Pilger3leute, lieber Vater mein, Wate und die Seinen mögen es wohl ſein, Der Held von Sturmlanden und Der vom Ortreiche. Da flattert eine Fahne, die mag ſich wohl der ihrigen vergleichen. „Sie iſt von brauner Seide und kommt von Karade: Eh wir die ſinken ſehen wird manchem Helden weh. I\< ſeh von rothem Golde ein Haupt darinnen ſchweben: Alſo kühner Gäſte möchten wir uns gerne hier begeben.

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„UnS bringt der Fürſt von Moorland wohl zwanzigtauſend Mann; Das ſind kühne Degen ſo viel ich ſehen kann. Die wollen hier im Kampfe Ehren viel erſiegen; Noch ſeh ich dort ein Banner, bei dem der Helden mehr noch liegen. „Das iſt die Fahne Horands aus der Dänen Land; Dabei ſeh ih Herrn Frute, der iſt mir wohlbekannt, Und Morung den kühnen von Waleis dem Lande: Der hat uns viel der Feinde vor Morgen hergeführt zu dieſem "Strande. „No\< ſeh ich eine dorten mit lichten Sparren roth; Schwertſpiten ſtehn darinnen: die bringen uns in Noth. Das iſt Ortweins Fahne, des Herrn von Ortreiche, Dem. wir den Vater ſ\<lugen: der kommt nicht her zu gütlichem Vergleiche. „Dort ſeh ich eine Fahne weißer als ein Schwan ; Viel der goldnen Bilder ſchauet ihr daran, Die meine Schwieger Hilde ſchi>t mit ihren Scharen: Vor morgen Abend werden wir der Hegelingen Haß erfahren. „Ferner ſeh ich ſchweben eine breite Fahne dort Von wolkenblauer Seide; glaubet meinem Wort: Die bringt uns Herr Herwig daher von Seelanden; Seeblätter ſchweben drinne: der will hier grimmig rächen alte Schande.

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„Auch kommt uns Herr Jrold, das muß ich euch geſtehn. Er bringt viel der Frieſen, des mag ich mich verſehn, Und auch der Holſteiner: das ſind ziere Helden. Es naht einem Sturme: nun waffnet euch, ihr Reken, zieht zu Felde. „Nun wohlan,“ ſprac\< Hartmuth, „ihr All in meinem Bann, Da ich den grimmen Gäſten das Heil nicht gönnen kann, Daß ſie meiner Veſte geritten ſind ſo nahe: Mit Scwertſchlägen wollen wir vor der Pforte grüßend ſie “ empfahen, “ Da ſprangen von ven Betten die man noh liegend fand: Sie riefen, daß man brächte ihr lichtes Streitgewand. Sie wollten dem König das Reich helfen wehren; Wohl vierzighundert Degen ſah man ſich zierlich in der Burg bewehren. Da waffnete ſi\< Ludwig und Herr Hartmuth; Die heimatloſen Frauen daucht' es nicht gut: Sie wuſten keinen Tröſter in der Burg, nicht einen. Da ſprach ein ſchönes Mädchen: „Der geſtern lachte, der mag heute weinen.“ Da kam Gerlind gegangen, König Ludwigs Weib: „Was wollt ihr thun, Herr Hartmuth? Leben und Leib Selber hier verlieren und alle dieſe Helden? Der Feind wird euch erſ\<lagen, zieht ihr gegen ihn hinaus zu Felde.“

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Da ſprach der edle Nitter: „Mutter, geht hindann; Mich könnt ihr nicht belehren, noc\< Die in meinem Bann. Rathet euern Frauen (die mögens wohl erleiden) Wie ſie edle Steine mit goldnen Fäden legen in die Seide.“ „Nun ſollt ihr,“ ſprach Hartmuth, „waſchen heißen gehn Gudrunen mit den Mägden, wie das ſo oft geſchehn. Ihr meint, ſie habe Freunde nicht no\<h Ingeſinde: Ihr mögt noch heute ſhauen, wie uns die Gäſte danken ſo ge- ſchwinde. “ Da ſprach die böſe Teufelin: „Damit dient ich dir: I\< hoffte ſie zu zwingen. Nun aber folge mir: Stark iſt unſre Veſte, laß deine Thore ſchließen, So kann unſern Gäſten aus ihrer Reiſe wenig Heil entſprießen. „Du weiſt gar wohl, Hartmuth, ſie ſind dir grimm geſinnt, Du ſc\<lugſt ihre Vettern! Drum hüte dich, mein Kind; Geſippter Freunde haſt du vor der Veſte keinen: Die ſtolzen Hegelingen bringen immer zehen gegen einen. „Ihr ſollt auch das bedenken, lieben Freunde mein, Ihr habt in dieſem Hauſe Brot genug und Wein, Dazu der guten Speiſe vollauf zu einem Jahre; Wen ſie draußen fangen, der wird die Löſung ſchwerlich er- fahren.“

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Da rieth den Reken weiter König Ludwigs Weib: „Behütet eure Ehre und waget nicht den Leib. Mit Armbruſt und Bogen laßt aus den Fenſtern ſchießen Grimme Todes8wunden, daß ihren Freunden fern die Augen fließen. „Wurfgeräth das beſte ſtellt her und ſchleudert dicht Steinhagel auf die Gäſte; an Reen fehlt es nicht: Eh ich euch mit den Feinden die Schwerter laße brauchen, I\< und meine Mägde tragen euch die Stein' in weißen Stauchen.“ Da ſprach im Zorne Hartmuth: „Nun geht, Frau Königin ; Was mögt ihr mir do\< rathen? wozu ſoll mir mein Sinn? Eh man eingeſ\<loßen in dieſer Burg mich finde, Lieber will ich ſterben draußen bei Frau Hildens Ingeſinde.“ Da ſprach mit Weinen wieder des alten König8 Weib: „I\< thu es ja nur darum, daß du deinen Leib Deſto beßer hüteſt: wohlan, wer"heut ſich ſchauen Läßt bei deinem Banner, der mag bei uns auf reichen Lohn vertrauen. „Nun waffnet euch," ſpra\< Gerlind, „bei dem Sohne mein Hauet aus den Helmen des heißen Feuers Schein. Den Reden zu behüten bleibt ihm heute nahe: Wohl ſollt ihr die Gäſte mit den tiefen Wunden wohl empfahen.“

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„Nun räth ſie euch das Rechte,“ ſprach da Hartmuth. „Wohlauf, ihr guten Knechte, wer das Seine thut, Wer mir heut den Feinden hilft die Wege weiſen, Sterben dann die Alten, mit Reichthum überhäuf ich ſeine Waiſen.“ Gewaffnet ſah man drinnen aus König Ludwigs Bann Tauſend und einhundert; doch als die hindann Zogen aus der Pforte, ließ er der Burg zu pflegen Als Hüter no\< darinnen wohl fünfhundert auserwählte Degen. Da warf man an vier Thoren die Riegel all zurück; Es gebrach den Helden nicht an dem kleinſten Stü. Die dem jungen Könige wollten helfen ſtreiten Mit aufgebundnen Helmen, die ſah man zu dreitauſend bei ihm reiten. Es nahte nun dem Streite: der Held von Sturmland Begann ein Horn zu blaſen, daß man es von dem Strand Durch ſeine ſtarken Kräfte wohl hörte dreißig Meilen. Die von Hegelingen ſah man zu Frau Hildens Banner eilen. Er blies zum andern Male: das that er deswegen, Daß ſich in die Sättel ſc\<hwängen all die Degen Und die Scharen richteten wohin ſie ſollten reiten: Solchen greiſen Reken ſah man nie ſo herrlich in den Streiten.

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Er blies zum dritten Male mit einer Kraft ſo voll, Daß ihm die Flut erbebte und rings der Strand erſcholl; Die Edſteine wollten aus der Mauer fallen. Er gebot Horanden, daß er Hildens Banner ließe wallen. Sie bangten all vor Waten: da wurde Niemand laut; Man hört' ein Roſs wohl wiehern. König Herwig8 Braut Stand oben in den Zinnen. Stolz von dannen reiten Sah man die Kühnen, die mit König Hartmuth wollten ſtreiten. Nun zog auch König Hartmuth und Die in ſeinem Bann Mit allem Fleiß gewappnet aus dem Thor heran. Man ſah die Helme glänzen durch die Fenſterſteine Den Heimiſchen und Fremden; wohl war auch König Hartmuth nicht alleine. Die Scharen an vier Enden ſah man der Burg zu gehn: Da war ihr Streitgeräthe wie Silber anzuſehn; Auch glänzte das Geſpänge von den lichten Schilden. Sie fürchteten den Alten wie einen grimmen Löwen, einen wilden. Die Moorlandshelden, die man geſondert reiten ſah, Soßen ſtarke Schäfte; viel Splitter brachen da. Als ſie den Streit erhuben mit den Normännenreken, Da ſah man ihre Schwerter und ihre Panzer FeuerSögluth bedecken.

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Auf die Veſte ritten die kühnen Dänen an: Da wies der ſtarke Jrold Deren in ſeinem Bann Secstauſend oder drüber an einen Ort der Mauer. E3 waren gute Helden: das brachte König Ludwig in Trauer. Da ritt mit ſeinen Mannen geſondert Ortewein; Wohl achtzighundert führt' er: zum Schaden muſt es ſein Normandie dem Lande und all den Leuten drinne. Gerlind und Ortrun ſtanden weinend oben an der Zinne. Da kam au\< Herwig näher, der ſchönen Gudrun Mann, Durch den heut großen Shaden manche Frau gewann, Als er um ſeine Traute begann das Schwert zu ſchwingen : Von den ſtarken Waffen hörte man die Helme laut erklingen. Nun war der alte Wate mit ſeiner Schar gekommen; Der Held war grimmes8 Muthes, das hatten ſie vernommen. Mit ungeneigten Speren ritt er bis an die Schranke. Leid war e8 Gerlinden; jedo\< Gudrun mocht e3 ihm wohl danken. Da ſah man Hartmuthen reiten vor dem Heer, Wenn er ein Kaiſer wäre, er könnte nimmermehr Sich ſtattlicher gehaben; ihm glänzten in der Sonnen Die lichten Eiſenkleider; hoher Muth war ihm noch unzerronnen. Simxo>, Gudrun, 20

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Da ſah ihn König Ortwein, der Held von Oxtland. Er ſprach: „Nun ſag mir Einer, wem es iſt bekannt: Wer iſt jener Reke? Das Schwert ſeh ich ihn ſchwingen Al3 wollten ſeine Kräfte heut ein Königreich von uns erzwingen.“ Da ſprach darunter Einer: „Das iſt Hartmuth; Wo Helden ſich bewähren, iſt er ein Ritter gut. Wohl iſt es derſelbe, des Vater deinen ſchlug; Er iſt in allen Streiten kühn und tapfer genug.“ Im Zorne ſprach da Ortwein: „So iſt er mir verfällt: Wahrlich, er leiſtet mir heute no\< Entgelt. Was wir durch ihn verloren will ich ihm abgewinnen; Nun hilft ihm nicht mehr Gerlind, daß er mit vem Leben kommt von hinnen.“ Da hatte ſich Ortweinen Hartmuth erkoren; Obwohl er ihn nicht kannte, doch trieb er mit den Sporen Sein Roſs in weiten Sprüngen heran zu Ortweinen. Die Spere neigten Beide: da ſah man bald die lichten Panzer ſcheinen. Jedweder traf den andern mit ſeiner Lanze Stich. Ortweins8 Roſs das gute auf die Hechſen legt' es ſich: Für des Königs Zornmuth war es nicht ſtark genug; So ſah man auch ſtraucheln das Roſs, das Hartmuthen trug.

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Aufſprangen ihre Roſſe; da hob ſich lauter Klang Von der Könge Schwertern; ſie verdienten beide Dank, Daß ſie den Kampf erhuben mit ſo ſcharfen Streichen. E83 waren kühne Helden: keiner wollt vor dem andern weichen. Beider Ingeſinde kam mit geſenktem Schaft Zum Scaden manchem Kinde. Da ſtießen ſich mit Kraft Tiefe Herzen8wunden die Ritter mit dem Spere. Sie waren alle wa>er und warben gar ritterlich um Ehre. Zu Watens3 Ingeſinde drang da Hartmuths Bann, Tauſend wider Tauſend kräftiglich heran. Der von Sturmland konnt es ihnen ſo verleiden, Wer ihm zu nah gekommen, der muſte fernern Andrang wohl vermeiden. Da ſah man ſich vermengen König Herwigs Heer Mit zehntauſend Feinden; die zogen grimm daher. Eh ſie Jemand ſollte aus dem Lande treiben, Den Willen hatten Alle, ſie wollten lieber auf dem Walplat bleiben. Herwig war ein Re>e: wie ſtolz er fo\<ht im Streit! Er mocht e8 wohl verdienen, daß ihm die ſchöne Maid Deſto holder wäre: daß ſie es würde innen, Wie ſollt er das vermuthen? Doc\< Alles ſah Gudrun von den Zinnen.

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Nun traf ſich mit den Helden aus der Dänen Land Ludwig der alte; der trug in ſeiner Hand Eine ſtarke Waffe: da ſtand er ohne Wanken. Er und ſeine Degen wagten allzuweit ſich vor die Schranken. Mit den Holſteinern der Helden viel erſchlug Frute der kühne; der war beherzt genug. Morung von Walei8 ſah man mit kühnen Streichen Vor Ludwigens Veſte die Erde waer düngen mit den Leichen. Jrold der junge war ein Ritter gut: Der ſc\<lug aus Panzerringen das heiße Schlachtenblut. Unter Hildens Zeichen ſtritt Watens Ingeſinde. Man ſah manch Haupt erbleichen: wohl dünnten ſie die dichte Scar geſchwinde. Da traf auf Hartmuth wieder Ortwein der Degen hehr: Nie weht der Wind von ferne den Schnee ſo dicht daher Als die Schläge fielen, die ſie ſchlugen mit den Schwertern. Wieder ward beſtanden von Ortlands König Hartmuth der werthe. Ortwein der junge war beherzt genug. Hartmuth der ſtarke durch den Helm ihm ſchlug, Daß ihm den lichten Panzer das Blut hernieder rann. Das ſahen ungerne Die in des kühnen Ortwein Bann.

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Da gab es groß Gedränge; ſie miſchten ſich im Streit Und ſchlugen im Gemenge ſich tiefe Wunden weit. Man\< Haupt ſah man vom Schwerte berührt ſich nieder neigen. Wie gern die beſten Freunde der Tod uns raubt, das wollt er heute zeigen. Da ſah Horand der Däne Ortweinen wund; Da hub er an zu fragen: „Wer mir ungeſund Den lieben Herren machte im Streit, das wüſt ich gerne.“ Hartmuth der lachte; ſie waren ſich einander nicht zu ferne. Da ſagt ihm Ortwein ſelber: „Das that Herr Hartmuth.“ Da gab das Banner Horand hinweg, der Degen gut, Das er zu großer Ehre ſich ſelbſt wohl konnte tragen Und dem Feind zum Shaden: Hartmuthen dacht er hinterdrein zu “ jagen. Hartmuth in ſeiner Nähe vernahm gar lauten Schall; Dabei ſah er ſtürzen des rothen Blutes Schwall Manchem aus den Wunden nieder zu den Füßen. Da ſprach der kühne Degen: „Meiner Helden Schaden ſollt ihr büßen.“ Da wandt er ſich hinwieder wo er Horand ſah. Dur der Helden Stärke bald geſchah es da, Daß-Funken aus den Ringen vor ihre Augen flogen, Und auf den Helmſpangen ſich die geſchwungnen Schwerterſpißen bogen.

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Wie erſt dem kühnen Ortwein, ſo ſchlug er darnach Nun Horand eine Wunde, daß ihm ein rother Bach Von Hartmuthens Händen entſprang den Panzerringen. Der Degen war ſo waer: wer wollt ihm da ſein Land noch ab erzwingen? Der beiden Kämpfer Leute ſchieden ihren Streit: Die Schilde, die ſich dräuten, trennten ſie bei Zeit Mit den guten Schwertern, die ſie beide heftig Auf einander ſchlugen; wohl wehrte ſich der kühne Hartmuth kräftig. Ortwein3 und Horands Freunde hielten ſie bewacht, Daß ſie nicht weiter ſtritten bis man ſie aus der Schlacht Brächte und verbände: das war auch bald geſchehen. Dann ritten ſie zurüfe: ſie wurden heut noh mehr im Kampf geſehen. Nun laßen wir ſie ſchaffen was ihnen wohl gefällt! Wer da kommt zu Schaden oder wer den Sieg erhält, Das muß ſich nun entſcheiden vor Ludwigens Veſte. Grimm wehrten ſich die Seinen; do\< wohl um Ehre warben auch die Gäſte. Man weiß euch nicht von Allen wie es ergieng zu ſagen: Deren man gedenket, die wurden meiſt erſchlagen. Man hört' an vier Enden die Schwerter klingen helle; Man wuſt im Getümmel die trägen nicht zu ſcheiden von den ſchnellen.

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Wate blieb nicht müßig wie ich glauben will: Man ſah ihn viele grüßen an ihres Lebens Ziel, Die von ſeinen Händen alsbald zerhauen lagen: Das wollten gerne rächen, Denen er die Freunde hatt erſchlagen. Da ſah man Herwig kommen, ſo hört ich, in den Streit Ludwig entgegen mit einer Schar ſo breit. Al38 er da Ludwig ſtreiten ſah, den alten Reen, Ihn und ſeine Degen wunderviel gute Ritter niederſtre>ken, Laut rief da Herwig: „Iſt das hier wem bekannt: Wer iſt jener Alte? der hat mit ſeiner Hand So viel der tiefen Wunden ſ\<on allhie gehauen Mi t ſeinen ſtarken Kräften, daß es beweinen müßen ſchöne Frauen.“ Das erhörte Ludwig, der Vogt der Normandie. „Wer iſt e8, der im Kampfe nach mir fragte hie? I\< bin geheißen Ludwig von Normandie dem Reiche: Möcht ich mit den Feinden noh ſtreiten, man ſähe mich nicht weichen. “ Da ſprac\< König Herwig: „Wohl verdienſt du das, Wenn du Ludwig heißeſt, daß ich dir trage Haß, Da du ſo viel der Helden uns ſchlugſt auf jenem Sande; Durch dich erſtarb auch Hettel; er war ein kühner Held ohn alle Schande.

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„No\< Mancher ward erſchlagen, bevor du ſchiedſt hindann, Den wir noc\<h heut beklagen. Mir haſt du gethan So viel des Herzeleides: du ſtahlſt mir meine Fraue: Auf dem Wülpenſande ließeſt du der Helden viel verhauen. „Herwig bin ich geheißen: du nahmeſt mir mein Weib: Die muſt du wieder geben, ſonſt büßt es der Leib Eines von uns beiden und Manches der Getreuen.“ Da ſprach der König Ludwig: „Willſt du mir ſo in meinem Lande dräuen? „Du haſt mir deine Beichte hier ohne Noth gethan. Hier iſt nom mancher Andre, dem ich abgewann Sein Gut und ſeine Freunde: du darfſt mir zugetrauen, I\< will es alſo ſchaffen, daß du nimmer küſſeſt deine Fraue.“ Nach dieſer Rede liefen einander an Die beiden reichen Könige. Wer Glü> bis jezt gewann, Dem ergieng8 nun übel durch ſeines Herrn Miſslingen. Von ihren Bannern ſah man viel der Helden hin zu ihnen ſpringen. Herwig war tapfer und war auch kühn genug. Der Vater Hartmuthen8 den jungen König ſchlug, Daß er von Ludwigs Händen nieder muſte fallen; Er hätt ihn gern geſchieden von ſeinem Leib und ſeinen Landen allen.

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Waren nicht ſo nahe Die in Herwigs Heer, Die ihm zu Hülfe ſprangen, ſo konnt er nimmermehr Bis zu ſeinem Ende von Ludwigen ſcheiden: So wuſte der Alte den Jungen ſeine Nähe zu verleiden. Sie halfen Herwigen, daß er am Leben blieb. Al3 er ſich nun erholte von des Alten Hieb, Empor ſah man ihn blien zu de8 Scloßes Zinnen, Ob auch ſeine Traute von dort herab geſehn auf ſein Beginnen.

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Achtundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Herwig Ludwigen ſchlug. Er gedacht in ſeinem Muthe: „Ach! wie iſt mir geſchehn! Wenn Gudrun meine Herrin Solches hat erſehn, Erleb ich je die Stunde, daß ich ſie ſoll umfahen, So wird ſie mir3 verweiſen, wenn ich ſie zu küſſen will ihr nahen. „Daß mich der greiſe Alte hier, nieder hat geſchlagen, Des muß ich ſehr mich ſhämen.“ Sein Banner ließ er tragen Gegen König Ludwig vor allen ſeinen Mannen. Sie folgten ihrem Feinde: der ſollte nun mit Nichten mehr von ' dannen. Ludwig erhörte hinter ſich den Schall. Da wandt er ſich zurüfe wider ihn zumal; Auf den Helmen hört' er der Schwerter viel erſchallen. Die da bei ihm waren, denen mochte wohl der Könge Grimm miſsfallen.

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Sie ſprangen auf einander zum Streit im Ehrenfeld, Wo Stärke über Stärke ſich nun im Kampf geſellt. Die Fallenden zu zählen, wer hatte das vermocht? Den Sieg verlor da Ludwig als er mit Herwigen focht. Gudrunens Trauter unter Helm und Scildesrand Erreichte Ludwigen mit kraftreicher Hand: Er ſchlug ihm ſolh\<e Wunde, vom Kampfe muſt er laßen. Da ſollte König Ludwig hier im grimmen Tod vor ihm erblaſſen. Er ſchlug ihm gleich zur Stunde ſo feſten Schwertesſchvang, Daß das Haupt dem König von der Achſel ſprang. Er hatt ihm wohl vergolten, daß er war gefallen. Der König war erſtorben: da muſten ſchöne Augen überwallen. Als Ludwigens Helden ſein Banner wollten tragen Wieder aus dem Felde, weil ſie ihn ſahn erſchlagen, Da waren ſie zu ferne gekommen von der Pforte: Das Banner nahm man ihnen; Mancher blieb bei ſeinem Herren dorten. Die Burgwächter ſahen wie ihn ſein Volk verlor: Da hörte man weinen Mann und Weib am Thor; , Sie wuſten wohl, der alte König ſei erſchlagen. Gudrun und ihr Geſinde ſtanden da bei Hof in Angſt und Zagen.

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Noc\< wuſte nicht die Märe der König Hartmuth, Daß erſchlagen wäre mit manchem Nitter gut Sein Vater und viel andre, die ſeine Vettern waren: Da hört' er in der Veſte ſchrein und ſah ſie ängſtlich gebaren. Da ſprach zu ſeinen Mannen Hartmuth der Degen: „Nun kehrt mit mir von dannen: ſo Mancher iſt erlegen, Die uns erſchlagen wollten in dieſem harten Streiten: Wir wollen heim zum Schloße: da mögen wir wohl harren beßrex Zeiten.“ Da folgten ſie ihm gerne und wandten ſich vom Streit. Sie hatten heut mit Hauen verbracht des Tages Zeit, Da ſie die grimmen Feinde muſten niederſtre>en; Weit war das Blut vergoßen von Hartmuths Hand und feinen kühnen Reen. „Ihr habt mir ſo gedienet, Freund und Mannen, hier, Daß ihr immer theilen mein Erbe ſollt mit mir. Nun wollen wir uns ruhen dort in der Veſte mein: Man öffnet uns die Pforten und ſchenkt uns Meth und guten Wein.“ Sie hatten viel der Degen gelaßen hinter ſich; Wär das Land ihr eigen, ſie hätten ſicherlich Nicht beßer ſich gehalten; nun zogen ſie vom Felde. Da hinderte ſie Wate wohl mit tauſend ſeiner kühnen Helden.

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Er zog bis an die Pforte heran mit großer Kraft, Wo Hartmuth einziehn wollte mit ſeiner Ritterſhaft = Da konnt er8 nicht vollbringen. Er ließ ſichs nicht verdrießen, Daß ſie von der Mauer manchen Laſtſtein ſahen niederſchießen. Auf Waten und die Seinen ſchoß man da ſo ſchwer, Als käm ein Regenſhauer gegoßen himmelhehr. Wer lebte oder ſtürbe, ſchien Wate nicht zu achten; Wie er den Sieg erwürbe, das war allein ſein Tichten und ſein Trachten. Da ſah ihn Herr Hartmuth vor der Veſte Thor. Er ſprach: „Was wir verdienet haben hiebevor, Das will ſich heute wahrlih mit Zorn an uns bekunden: Die Geſunden haben Sorge und ringsum liegen viel der Fähr: lihwunden. „Daß ich der ſtarken Feinde mir ſo viel gewann, Das muß mich nun gereuen. Waten mit ſeinem Bann Seh ich vor der Pforte dort mit Schwertern hauen: Soll der hier Pförtner werden, viel Gutes mag ich ihm nicht zugetrauen. „Ihr Reken ſchauet ſelber, die Mauer und das Thor Halten ſie umzimmert: viel Helden ſtehn davor. An allen vier Enden ſperren ſie die Straßen; Gudrunens Freunde mühen ſich zu ſiegen ohne Maßen.

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„Seht es ſelber alle, wie ich e8 hab erſehn: Uns müßen Freunde. fallen: wie e8 auch ſei geſchehn, Vor der äußern Pforte ſeh ich das Zeichen Der Moorlandshelden flattern: das, meine Helden, wehrt mit blutgen Streichen. „An der nächſten Pforte ſeh ich die Feinde mein; Der Wind rührt die Oerter: da iſt Herr Ortwein, Gudrunens Bruder: der dient hier ſchön den Frauen. Eh ihm der Muth ſich kühlet werden noch der Helme mehr ver- hauen. „So ſeh ich an der dritten Herwigen ſtehn; Dem ſind wohl ſieben tauſend gefolgt aus ſeinem Lehn. - Seines -Herzens Wonne will er ſich heut erſtreiten: Gerne ſieht das Gudrun und ihre ſchönen Mägdelein Geleite. „Nun hat ſich verſäumet meines Herzens Sinn: Wo ſoll ih nun mich wenden mit meinen Reden hin? Da Wate der alte bei der vierten Pforte ſtreitet: Mein Volk mag lange harren bis ich euch zu ihm zurü geleitet. „I\< kann jedoch nicht fliegen: Federn hab ich nicht: Noc\<h durch die Erde kriehen, ſchien' e8 gleich hier Pflicht. Uns wehren auch die Feinde, daß wir ans Waßer kämen: Meinen Rath den beſten laß ich euch beſcheidentlich vernehmen.

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* „E38 kann nicht anders werden, ihr edeln Ritter gut, Steigt nieder zu der Erden und hauet heißes Blut Aus den lichten Ringen! des laßt euch nicht verdrießen.“ Sie ſprangen aus den Sätteln, indem ſie raſch zurü> die Roſſe ſtießen. „Nun zu, ihr Ehrenfeſten,“ ſprach da Hartmuth: „Geht näher zu der Veſte! ſeis übel oder gut, I\< muß zum alten Wate: wie mir da gelinge, I\< will doch verſuchen, ob ich den nicht von der Pforte bringe.“ Mit aufgehobnen Schwertern ſchritten ſie heran, Hartmuth der kühne und Die in ſeinem Bann. Er beſtand den grimmen Wate: des freute ſich der Degen. Man hörte Schwerter klingen: da ſind der Helden deſto mehr erlegen. Als Wate Hartmuthen zu ihm dringen ſah -- Die Fahne trug Herr Frute -- zornig ſprach er da: „JS\<h hör uns immer näher viel guter Schwerter klingen; Mein lieber Neffe Frute laßt euc\< Niemand von der Pforte zwingen.“ Wate lief im Zorne Hartmuthen an; Da wollt ihm nicht entweichen der waidlihe Mann. Es trübte ſchier der Sonnen der Staub den Glanz; den hehren War faſt Kraft zerronnen: Hartmuth und Wate warben kühn um Ehre.

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Was halfs, daß man die Stärke von ſechsundzwanzig Mann. Dem alten Wate beimaß? da er doch nichts gewann Bei Hartmuth dem jungen vom Normannenreiche: Wa3 auch die Gäſte thaten, er wollte mit den Seinen Niemand weichen. Wohl war auch er ein Re>e, der ſtreiten konnte wohl; Der Berg lag von den Todten allenthalben voll. Es war ein großes Wunder, daß da Hartmuth Nicht unterlag vor Waten: der Held trug grimmigen Muth. Er hörte laut erſchreien Ludwigs Königin : Seine Mutter Gerlind klagte des Gatten Ungewinn. Sie bot viel Gold, man ſollt es nicht ungerochen tragen, Und Gudrun die ſchöne mit allem ihren Ingeſind erſchlagen. Da lief ein Ungetreuer, verlo>t von großem Gut, Daß er den ſchönen Frauen betrübe Herz und Muth, Hin wo die Mädchen ſaßen vom Land der Hegelingen: Dem hohen Sold zu Liebe wollt er ſie ums Leben alle bringen. Als Frau Hildens Tochter ein bloßes Schwert ſah tragen Wider ſich im Zorne, da mochte ſie wohl klagen, Daß ſie ihren Freunden ſo ferne wär gekommen; Und ſäh es nicht Herr Hartmuth, das Leben würd ihr genommen.

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Sie vergaß höfſcher Sitte, laut ſchrie ſie auf als8bald Als ob ſie ſterben ſollte: ihr that die Angſt Gewalt. Auch ſchrien die andern Frauen, die da bei ihr waren Oben an den Fenſtern; man ſah ſie übel allzumal gebahren. Da erkannte ſie an der Stimme der Re>e Hartmuth, Verwundert was ihr wäre: da ſah der Degen gut Einen Ungezognen ihr mit dem Schwerte nahn, Als wollt er ſie erſ\<lagen; der Held zu rufen begann: „Wer ſeid ihr, feiger Schurke? was zwingt euch wohl für Noth, Daß ihr die Jungfrauen ſchlagen wollt zu Tod? Erſchlügt ihr ihrer Eine, eur Leben wär zergangen: Ihr und'all die euern müſten ſicherlich am Galgen hangen.“ Jener ſprang zurüke, er ſcheute ſeinen Zorn. Da hätte ſchier der König das Leben ſelbſt verlorn, Dieweil die Gottverlaßne ſchühte der Getreue. Während er bedacht war, daß er ſie vom grimmen Tod befreie, Eilends kam da Ortrun, die bang die Hände wand, v Die junge Königstochter von der Normannen Land, Zu Gudrun der ſchönen: die junge Maid, die hehre, Fiel ihr zu Füßen Ulagend, daß ihr Vater Ludwig erſchlagen wäre.

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Sie ſprach: „Laß dich erbarmen, edles Fürſtenkind, So vieler von den Meinen, die hier erſtorben ſind. Gedenke, wie zu Muthe dir war, al8 man dir deinen Vater hat erſchlagen: nun hab ich hier verloren heut den meinen. „Nun ſieh, edle Königin, wie groß iſt dieſe Noth: Mein Vater, meine Freunde, ſchier alle ſind ſie todt; Nun ſeh ich auch den Bruder Waten mir gefährden! Wird Hartmuth auch erſchlagen, ſo muß ich ganz zu einer Waiſe werden. „Vergilt nun meine Liebe,“ ſprach das edle Kind, „Als Niemand dich beklagte von Allen, die hier ſind, Da hatteſt du zum Freunde mich nur alleine: Man that dir viel zu Leide; zu allen Zeiten muſt ich um dich weinen.“ Da ſprach die Tochter Hilden8: „Das haſt du oft gethan; Doch weiß ich nicht, wie dieſem Streit ih wehren kann: Wär ich nur ein-Re>e, daß ich die Waffen trüge, I\< wollt ihn gerne ſcheiden, daß den Bruder Niemand dir erſ\<hlüge. “ Mit ängſtlichem Klagen flehte ſie und bat, Bi8 da endlich Gudrun in das Fenſter trat: Sie winkte mit der weißen Hand und fragte laut um Märe, Ob aus ihrer Heimat nicht hier Jemand in der Nähe wäre?

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Da gab ihr Herwig Antwort, ein edler Ritter gut: „Wer ſeid ihr, edle Jungfrau, die ſolche Frage thut? Von den Hegelingen iſt Niemand in der Nähe; Wir Reen ſind von Seeland; doch ſagt uns an, was wollt ihr, daß geſchehe?“ Da ſprac\< die Königstochter: „I\< wollt euc\< gerne bitten, Wenn ihr den Streit könnt ſcheiden =- hier iſt doch viel geſtritten = I\< wollt ihm immer danken, der mir zu Liebe ſähe, Daß Hartmuth dem kühnen vom alten Wate nichts zu Leid ge- ſchähe. “ Da ſprac\< wohlgezogen der Held von Seeland: „Nun ſagt mir, edle Jungfrau, wie ſeid ihr genannt?“ Sie ſprach: „IH heiße Gudrun, die Enkelin des Hagen: Wie reich ich war vor Zeiten, hier ſeh ich anders nichts als leide Tage.“ Er ſprach: „Seid Ihr es, Gudrun, die liebe Herrin mein? Eu\< zu dienen will im ſtäts beflißen ſein; I\< aber heiße Herwig, den eure Huld ſoll tröſten: I\< laß euch das wohl ſhauen, daß ich euch gern aus allem Leid erlöſte. " Sie ſprach: „Wollt ihr mir dienen, Ritter auserwählt, So hoff ih, daß ihr Solhes mir nicht zum Unrecht zählt: Mich bitten hier ſo dringend dieſe ſchönen Maide, Daß man Hartmuthen von dem Grimm des alten Wate ſcheide."

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„Das will ich gerne leiſten, liebe Herrin du.“ Laut rief da Herwig ſeinen Reen zu: „Nun tragt zu Watens Feinden mein Banner hin geſchwinde.“ Da drängte durch die Scharen ſich Herwig und all ſein Ingeſinde. Da ward von Herwig Großes im Frauendienſt gethan: Mit lauter Stimme rief er den alten Wate an: ; „Wate ,“ ſprach er, „lieber Freund, vergönnet un3 zu ſcheiden Dieſes grimme Streiten: des bitten euch die minniglichen Maide. “ Wate ſprach im Zorne: „Herr Herwig, geht doch hin! Soll ih nun Frauen folgen? wo hätt ich meinen Sinn, Wenn ich die Feinde ſparte? da wär ich wohl zu ſchelten ; I\< folg euch hierin nimmer: Hartmuth muß ſeiner Frevel hier entgelten.“ Gudrun zu Liebe zu den Kämpfern ſprang Herwig der kühne: da vernahm man Schwerterklang. Wate war erzürnet; er mocht es niemals leiden, Wenn es Jemand wagte, ihn im Kampf von ſeinem Feind zu ſcheiden. Da ſc\<lug er Herwigen einen ſchweren Sclag, Daß Der ſie ſcheiden wollte vor ihm am Boden lag. Da ſprangen ſeine Reen und halfen ihm von dannen. Gefangen ward da Hartmuth Herwig zum Trotz und allen ſeinen Mannen.

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Neunundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Hartmuth gefangen war. Wate tobte grimmig; er ſchritt nun vor dem Saal Und nahte ſich der Pforte; allenthalben Sc\<all Hörte man von Weinen und von Scwerterklingen. Hartmuth war gefangen: da muſte ſeinen Helden auc\< miſslingen. Da fieng man mit dem König achzig Ritter gut; Die andern ſchlug man alle. Da wurde Hartmuth Auf einem Schiff verſchloßen und bewacht gehalten. Es war noch nicht zu Ende; ſie muſten erſt noh großer Mühe walten. Wie man ſie hindern wollte, ſich der Burg zu nahn, Mit Werfen und mit Schießen, Wate doh gewann Die Burg im grimmen Sturme. Da wurden aufgehauen Die Riegel aus der Mauer: das beweinten viel der ſ\<hönen Frauen.

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Horand der Däne Hildens8 Zeichen trug = Ihm folgten viel der Reen, ſein Bann war ſtark genug =- Vor einem weiten Saale auf der Thürme beſten, Den die Hegelingen irgend ſahen in der weiten Veſte. Die Burg war gewonnen wie ich euch kund gethan: Den Leuten all darinne geſchah groß Leid daran. Da ſah man nach der Beute jagen viel der Reden. Da ſprach der grimme Wate: „Wo ſind nun die Knechte mit den Säen?“ Da ward aufgehauen manch herrliches Gemach : Man hörte Lärm darinnen und ungefügen Krach; Auch war den Gäſten allen nicht überein zu Muthe: Viele ſchlugen Wunden, die andern ſtrebten gierig nach dem Gute. Sie führten aus der Veſte, wie wir hören ſagen, So viel, zwei gute Kiele vermöchtens nicht zu tragen, Von Silber und von Golde, von Seid und theuern Pfellen, Wenn man damit die Schiffe laden wollt auf tiefen Meere3wellen. In der Burg war alles in Leid verſenkt und Gram. Das Volk aus dem Lande zu großem Schaden kam. In der Stadt erſ\<hlagen wurde Mann und Weib, Die Kindlein in der Wiege verloren Leben und Leib.

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Jrold der ſtarke rief da Waten an: „Die jungen Kinder haben den Teufel euch gethan; Am Tod unſrer Freunde ſind ohne Schuld die armen: So habt Gott zu Ehre mit der armen Waiſen do\< Erbarmen.“ Da ſprach der alte Wate: „Du ſelbſt haſt kindſc\<hen Muth: Die in der Wiege weinen, deuchte dich das gut, Daß ich die leben ließe? ſollten ſie erwachſen, So möcht ich ihnen wahrlich nicht mehr vertraun als einem wilden Sachſen.“ Das Blut allenthalben aus den Gemächern floß; Ihre Freunde, die das ſahen, wie ſehr es ſie verdroß! Da kam in großem Kummer Ortrun die hehre Zu Gudrun gegangen: ſie ſorgte, daß der Schaden noch ſich mehre. Ihr Haupt ſich nieder neigte vor der ſchönen Maid; DO Sie ſpra\<: „Edle Gudrun, laß deinem Herzen leid Sein mein großer Jammer, und laß mich nicht verderben: Deine Tugend muß mir helfen, ſoll ich vor deinen Freunden nicht erſterben.“ „I\< will dich gerne ſhüßen, wenn ichs im Stande bin, Denn alle Ehre gönn ich dir und alles Guts Gewinn. I\< will dir Frieden ſchaffen, du ſollſt am Leben bleiben: Stelle dich nur nahe her zu mir mit deinen Fraun und Maiden.“

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„3\<4 will mich gerne halten,“ ſprach Ortrun, „zu dir.“ Mit dreiunddreißig Maiden fand ſie da Schuß bei ihr, Und zweiundſechzig Degen ſtanden bei den Frauen; Die durften nicht entweichen, ſonſt hätten ſie die Gäſte wohlzerhauen. Auch kam herbeigelaufen die böſe Gerlind: Die warf ſich zu Füßen vor Frau Hildens Kind: „Nun ſ\<üß uns, Königstohter, vor Wate und ſeinen Mannen: E35 ſteht bei dir alleine, ſonſt komm ich mit dem Leben nicht von dannen.“ Da ſprach Hildens Tochter: „Nun hör ich euch begehren, I\< ſoll euc\< Gnad erweiſen: wie könnt ich das gewähren? Ihr habt mir keine Bitte je gewährt auf Erden: Jhr wart mir ungnädig: wie ſollte nicht mein Herz euch abhold werden ?“ Da ward der alte Wate der Zitternden gewahr: Grie8gramend mit den Zähnen hob er al8bald ſich dar, Mit bohrenden Augen, mit ellenbreitem Barte: Vor Dem von Sturmland zagte alles Volk, das ſich um Gudrun ſcharte. Mit Blut war er beronnen, naß war ſein Kleid; Wie gern ihn Gudrun ſchaute, ſie miſst' e8 wohl zur Zeit, Daß ſie ihn ſo wüthig auf ſich heran ſäh kommen. Von allen die da waren hieß aus Furcht ihn Keiner wohl will- kommen.

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Gudrun alleine trat vor, als ſie ihn ſah, Die reine Tochter Hildens; in Sorgen ſprach ſie da: „Sei willkommen, Wate: wie gern ich dich ſähe, Wenn hier in der Veſte nicht ſo Manchem Leid von dir geſchähe. “ „Dank, edle Jungfrau; ſeid ihr Frau Hildens Kind? Wie heißen dieſe Frauen, die euch ſo nahe ſind?“ Da ſprach die ſhöne Gudrun: „Das iſt Ortrun die hehre: Die ſollſt du, Wate, ſhonen: die Frauen fürchten deines Zornes Scwere. „Die andern ſind die Armen, die mit mir über Meer Von Hegelingen führte König Ludwigs Heer. Ihr ſeid von Blute ſ\<weißig: kommt uns nicht ſo nahe; Wie ihr ſonſt uns dienet, wir Armen werdens all mit Dank empfaben.“ Wate trat zurüFe, wo er Herwigen fand, Und Ortwein nicht minder, den König von Ortland, Jrold und Morung und den Dänen Frute. Die waren unmüßig: da muſte mancher theure Ritter bluten. Nicht lang, ſo kam auc\< Hergard, die junge Herzogin. Sie ſprach: „Edle Gudrun, deine Gnade ſei verliehn Mir armem Weib: gedenke, wie wir vormals hießen Und no\<h ſind dein Geſinde: das laß mir, Herrin, zum Heil erſprießen.“

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Im Zorne ſprach da Gudrun: „Wie dürft ihr mix nahn? Alles was uns Armen zu Leide ward gethan, Das ſchuf euch wenig Sorge, ihr achtetets geringe: Nun will ich auch nicht fragen, ob euch übel oder wohl gelinge. „Doch bergt euch dort nur unter meinen Mägdelein.“ Der alte Wate ſuchte noch die Feindin ſein. Er hätte gern gefunden die böſe Gerlinde: Unter Gudruns Frauen ſtand die Teuflin und ihr Jngeſinde. Wate kam im Grimme wieder in den Saal. Da ſprach er: „Frau Gudrun, gebt mir heraus zumal Gerlinden und die andern, die zu waſchen euch genöthet, Ihre ganze Sippe, die manchen Re>en uns daheim getödtet, “ Da ſprach die Minnigliche: „Deren iſt keine hier.“ Wate trat näher im Zorn heran zu ihr. Er ſprach: „Wollt ihr balde mir die rechten zeigen? Die Freunde wie die Fremden geb ich ſonſt dem grimmen Looß zu eigen.“ Der Degen zürnte mächtig, des wurden ſie gewahr ; Da winkt' ihm mit den Augen ein ſchönes Mägdlein dar, Daß er wohl Kunde mochte der Teufelin gewinnen. „Nun ſagt mir, Frau Gerlind, braucht ihr mehr der ſchönen Wäſcherinnen?“

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Er nahm ſie bei den Händen und zog ſie hindann. Gerlind die böſe hub zu trauern an: „Hehre Köngin “ ſprach er in ſeines Zornes Wüthen, „Nun will ih wohl die Herrin, daß ſie euch wieder Kleider waſche, hüten.“ Als er hinweg ſie brachte vor des Saales Thor, Was er zu thun gedachte, das erſpähten ſie davor. Er griff ſie bei den Haaren, da galt kein langes Fragen; Den Zorn wollt er nicht ſparen: das Haupt ward der Köngin abgeſchlagen. Die Frauen ſchrieen alle, Schre ergriff ſie ſchwer. Da gieng er zurüfe: „Sind ihrer hier no\<9 mehr, Die ihr Verwandte heißen? die ſollt ihr mir zeigen: Und wär ſie no\< ſo vornehm, ich will ihr doh das Haupt zur Erde neigen.“ Da ſprach zu ihm mit Weinen König Hettel8 Kind : „Nur ſchonet mir zu Liebe Die um Frieden ſind Zu mir hergekommen und neben mir geſtanden: Das iſt Ortrun die edle und ihr Geſind aus Normandie dem Lande.“ Die ſie befriedet hatte, die wies man da zurück. Da frug der alte Wate mit feindſelgem Bli: „Wo iſt die junge Hergard, die um hohe Minne Den Scenken nahm des König3, daß ſie ſi\<h ein Herzogthum gewinne?

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Sie wollten ſie nicht zeigen: da trat zu ihr der Held. Er ſprach: „Und wenn euch eigen wär die halbe Welt, Eur hoc\<fährtig Weſen brächt euc\< in Schande: Wenig Dienſte thatet ihr eurer Frauen Gudrun hier zu Lande.“ „Schenkt ihr do\< das Leben,“ riefen ſie in8gemein. Da ſprach der alte Wate: „Nicht ſo, das kann nicht ſein. I\< bin hier Zuchtmeiſter: ſo kann ich Frauen ziehen.“ Er ſ\<lug das Haupt ihr nieder: da ſah man Alle hinter Gudrun fliehen. Sie hatten nun des Streit8 ſich entledigt überall. Da kam König Herwig zu Ludwigens Saal Mit ſeinen Kampfgenoßen blutgefärbt gegangen. Da ihn erſah Frau Gudrun, da ward er minniglih von ihr empfangen. Sein Schwert al8bald der Degen von der Seite band Und ſchüttelte die Ringe ab in den Schildesrand. Da kam er eiſenroſtig hin zu der Frauen: Ihr zu Liebe hatt er oft das Walfeld auf und ab gehauen. Da kam auch Herr Ortwein, der König von Ortland; Jrold und Morung zogen ihr Streitgewand Sich ab, daß ſie erkühlten außerhalb der Ringe. Sie wollten zu den Frauen: die ſuchten ſie nach glü>lichem Voll: bringen.

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Die Kampfluſt war befriedigt, da legten aus der Hand Die Waffen und die Schilde Die aus der Dänen Land. Den Helm ſie niederbanden und giengen zu den Maiden. Ein freundlihes Grüßen ward von der ſchönen Gudrun ihnen beiden. Jrold und Morung dankten ihr zuhand. Die minniglichen Maide, wie bald man das befand, Daß ſie gerne ſähen das edle Ingeſinde! Da war wohl zu Muthe aus Hegelingenland Frau Hildens Kinde. Da giengen bald zu Rathe die Herrn mit ihrem Bann: Da ſie genommen hatten die Veſte Kaſſian, So waren mit bezwungen die andern ſamt dem Lande. Da rieth der alte Wate: zerſtören wir Thurm und Pallas mit Brande. Da ſprach der Däne Frute: „Nicht ſo, das kann nicht ſein; Hier innen muß verbleiben die liebe Herrin mein. Nun heißet ihr die Todten aus dem Hauſe tragen: So mag es hier zu Lande all dieſen Helden deſto mehr behagen. „Die Burg iſt wohl, befeſtigt, räumig und gut; Heißet von den Wänden waſchen das Blut: Hier zu ſein verdröße ſonſt die ſchönen Frauen, Dieweil wir heerfahrtend uns Hartmuths Erbe beßer no\<h be- ſchauen.“

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Sie folgten alle Fruten; der Held war weiſ' und klug. Der Ritter viel im Blute man aus dem Hauſe trug, Die arg zerhauen waren mit tiefen Todes8wunden ; Dann warf man ins Waßer die vor den Thoren wurden todt gefunden. So befahlen ſie den Fluten viertauſend oder mehr: Da rieth der kühne Frute: von Leichen ſchwoll das Meer. Was hier geſchehen ſollte, das war nicht all ergangen: In Ludwigens Veſte ward Ortrun die Königin gefangen Mit zweiundſechzig Degen und dreißig Mägdelein, Die mit ihr Geiſel wurden. Da warf die Köngin ein: „Der Mägdlein will ih hüten: ſie haben meinen Frieden; Thu Wate was er wolle mit den Geiſeln, die ihm ſind beſchieden.“ De8 Moorlandes8 König ward empfangen wohl Wie man werthe Reken nach hartem Kampfe ſoll. Man ſah dem guten Ritter die Fraun den Dank nicht ſparen, Daß er von Karadine war mit dem Heer ſo fern daher gefahren. Man befahl Horanden, dem Herrn von Dänenland, So viel man nur der Geiſel zu Kaſſiane En Man befahl ihm auch Gudrunen mit allen ihren Frauen: Er war ihr nächſter Vetter: ſo lieber mochte man ſie ihm vertrauen.

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Man mact' ihn auch zum Meiſter der vierzig Thürme gut, Und der ſechzig weiten Säle, die da ſtunden bei der Flut, Dazu drei reicher Hallen: der aller ſollt er walten; Da ſollt auch ihre Wohnung Gudrun die Königin bei ihm behalten. Da beſtellte man auch Hüter den Sciffen auf der Flut. Zurügeführt auch wurde der Degen Hartmuth Zu ſeinen nahen Freunden auf die Burg Kaſſiane, Wo auch gefangen lagen der Helden viel und Fraun, der wohl: gethanen. Man ließ ſie ſo behüten, daß Niemand entrann; Auch muſten dort verbleiben der Kühnen tauſend Mann, Daß ſie mit den Dänen hüteten der Frauen; Wate und Frute wollten no\< der Schilde mehr verhauen. Die ſchiäten ſich zur Reiſe mit dreißigtauſend Mann. Allenthalben ſteten ſie Wald und Häuſer an, Daß bald die Leut ihr Erbe allwärts8 brennen ſahen: Da gieng erſt der Kummer Hartmuthens edelm Herzen nahe. Die Helden von Stürmen und Die von Dänenland Brachen gute Burgen, ſo viel man deren fand. Sie häuften Raub ſo viel ſie zuſammen mochten bringen; Viel der ſchönen Frauen ' ward da gefangen von den Hegelingen.

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Eh Hildens Freunde kehrten von ihrer Reiſe wieder, Sechsundzwanzig Burgen brachen ſie darnieder ; Sie thaten ſtolz und zählten den Krieg8zug ſi\< zur Ehre: Sie brachten Frau Hilden tauſend Geiſel oder gar no\< mehre. Man ſah Frau Hildens Banner durch der Normannen Land Unbehindert führen bi8 wieder an den Strand, Wo ſie verlaßen hatten die edle Magd, die hehre. Nun dachten ſie ans Scheiden; ihr Bleiben ſollte hier nicht länger währen. Die ſie verlaßen hatten in König Hartmuths Saal, Die ritten ihren Freunden entgegen allzumal. Sie begrüßten freundlih die Alten ſamt den Jungen. Da ſprachen Die von Dänenland: „Wie iſt euc\< Hegelingen dort gelungen?“ Da ſprach der König Ortwein: „So außer Maßen wohl, Daß ich meinen Freunden es immer danken ſoll. Den Feinden ward im Kampfe vergolten ſo vollkommen. Was uns geſchah, wir haben ihnen tauſendmal ſo viel genommen.“ Da ſprach der alte Wate: „Wen laßen wir denn hier, Daß er der Lande hüte? Nun ſchi>t herab zu mir Gudrun die ſ\<öne: wir ziehn gen Hegelingen, Und laßen Frau Hilden „ſehen was wir ihr nach Hauſe bringen.“

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Da ſprachen ſie Alle, Alt oder Jung: „Das ſoll der Däne Horand ſein und Morung, Die ſollen hier verbleiben mit tauſend kühnen Mannen.“ Da muſten ſie das leiſten; manchen Geiſel führten ſie von dannen. Da gen Hegelingen zu fahren ſtand ihr Muth, Sie brachten zu den Schiffen das mannigfaltge Gut, Das ſie genommen hatten, dazu ihr altes Eigen. Die Fremdes heimbrachten, die durftens ohne Sham zu Hauſe zeigen. Da hieß man Hartmuthen gehen aus dem Saal, Den auserwählten Reen, fünfhundert Mann zumal, Die alle Geiſel hießen und da gefangen lagen: Sie muſten bei den Feinden manchen langen zähen Tag ertragen. Man bracht auch Ortrunen, die herrlihe Maid, Mit ihrem Ingeſinde hinweg zu großem Leid, Da ſie von den Freunden und der Heimat muſten ſcheiden ; Nun wuſten ſie, wie Gudrun einſt zu Muthe war mit ihren Maiden. Die Gefangnen alle führten ſie hindann; Die gewonnenen Burgen blieben unterthan Morungen und Horanden. Das Volk fuhr all von dannen: Sie blieben in der Fremde wohl mit tauſend ihrer kühnen Mannen.

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„Nun bät ich euch gerne,“ ſprach da Hartmuth, „Und will zum Pfande ſeen mein Leben und mein Gut, Daß ihr mich ledig ließet in meines Vaters Landen.“ Da ſprach der alte Wate: „ZJhr ſeid uns ſichrer in unſern Banden. „Zwar weiß ich nicht, weSwegen es mein Neffe thut, Der ihm doh gerne nähme ſein Leben und ſein Gut, Daß er den heißet führen heim zu ſeinen Landen; I\< wüſt e8 wohl zu fügen, daß er nicht zu ſchmachten braucht' | in Banden.“ „Was hülf es, wenn wir Alle,“ ſprach Herr Ortwein, „Die dieſes Land bewohnten, erſchlügen in8gemein? Beßer ſoll es Hartmuth und ſeinem Bann gelingen: I\< will ſie ohne Tadel heim zu meiner Mutter Hilde bringen.“ Sie brachten zu den Schiffen all das reiche Gut, Gewand, Geſtein und Roſſe, des rothen Goldes Gluth. All ihre Wünſche ſtillte jeht völliges Gelingen: Die lange klagen müßen, die hörte man nun meiſtens fröhlich ſingen.

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Dreißigſtes Abenteuer. Wie ſie Hilden Boten ſandten. Zur Heimat hob ſich freudig der Hegelingen Heer; Die ſie mit ſich hatten gebracht über Meer, Deren blieben dorten verwundet und erſchlagen Drei tauſend oder drüber: die muſten ihre Freunde heimlich agen. Ihre Schiffe giengen eben, die Winde waren gut; Die Beute heimwärt3 brachten, die hatten hohen Muth. Sie ſchi>ten ihre Boten voraus gen Hegelingen, Weiß nicht auf wel\<hem Wege: die ſollten ihnen dieſe Märe bringen. Sie eilten was ſie konnten, das will ich euch ſagen; Sie kamen nach der Heimat weiß nicht in wie viel Tagen. Frau Hilde hatte nimmer vernommen liebre Märe, Als ſie ihr das ſagten, daß König Ludwig erſchlagen wäre.

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„Wie lebt meine Tochter und ihre Mägdelein?“ „Euch bringt Herr Herwig wieder die Herzgeliebte ſein: So guten Helden konnt es beßer nicht gelingen, Da ſie Ortrun auch gefangen und ihren Bruder Hartmuth bringen.“ „Das ſind mir liebe Mären,“ ſprach das edle Weib: „Sie hatten mir bekümmert ſo lange Seel und Leib. Des ſollen ſie entgelten, erſeh ich hier die beiden; Offenbar und heimlih muſt ich großes Herzeweh erleiden. „Guc\< Boten will i\< lohnen: was ich von euch vernahm, Davon iſt mir entwichen mein ungefüger Gram. Mein Gold geb ich eu\< billig bei ſo bewandten Sachen.“ Sie ſprachen: „Edle Herrin, euch hält nicht ſ\<hwer uns alle reich zu machen. „Wa3 wir erbeutet haben, des bringen wir ſo viel, Er darf es wohl verſ\<mähen, der euer Gut nicht will. Alle unſre Schiffe ſind ſchwer von lichtem Golde; Wir haben, die e8 pflegen, manchen guten Kämmerer im Solde.“ Frau Hilde ließ bereiten, da ſie dieß vernommen, Für die lieben Gäſte, die ihr ſollten kommen, Gut Getränk und Speiſe, die Stühle ſamt den Bänken, Darauf ſie ſißen ſollten: das wuſte ſie gar klüglich zu bedenken.

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Die zu Matelane flißen ſich zuhand: Da unten auf dem Plane und bei des Meeres Strand Muſten Zimmerleute Kunſt und Fleiß bewähren, Daß da herrlich ſäße Herwig bei Gudrunen der hehren. I\< kann euch nicht beſcheiden, ob ihnen auf dem Meer No\< was geſchah zu Leide. König Ortweins Heer Kam in ſeHh8 Wochen dahin gen Matelane; Sie brachten mit ſich Frauen und der Mägdlein viel, der wohl- gethanen. Da ſie nun wieder kamen, das ſagt man uns für wahr, Da hatt ihre Heerfahrt gewährt wohl ein Jahr. E83 war zur Zeit des Maien, da ſie die Geiſel brachten ; Man ſah ſie fröhlich prangen obwohl ſie manches Leides noch gedachten. Da man nun ihre Schiffe vor Matelane ſah, Von Trommeln und Poſaunen Lärm erhob ſich da, Von Flöten, Hörnern, Pauken, die ſie mit Schlägen trafen. Des3 alten Waten Sciffe waren eingelaufen in den Hafen. Da kamen auch die Degen all aus Ortland. Den Kommenden entgegen ritt nieder an den Strand Mit dem Geſind Frau Hilde aus der Burg zu Matelane. Auch Gudrun war gekommen: da ſab man viel der Fraun, der wohlgethanen.

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Schon war von den Roſſen geſtiegen auf den Strand Mit dem Geſind Frau Hilde: da führt' an ſeiner Hand Gudrun die ſhöne Jrold der hehre; So gut ſie Hilde kannte, ſie wuſte doch zuerſt nicht wer ſie wäre. Sie ſah ſie mit Geſinde von hundert Frauen nahn: „Nun weiß ich nicht“ ſprach Hilde, „Wen ich ſoll empfahn Als meine liebe Tochter: die iſt mir fremd geworden. Willkommen all ihr Freunde, die da traten von des Schiffes Borde,“ „Das iſt eure Tochter,“ ſprach Jrold der Held, Da trat ſie ihr entgegen: alles Gold der Welt Vergälte nicht die Freude, die ſie da gewonnen, Da ſie einander küſsten: ihres Leides war da viel zerronnen. Jrolden grüßte Hilde und Die in ſeinem Bann. Da hub der alte Wate ſich tief zu neigen an. „Willkommen, Held von Sturmland: was möchte wohl zum Lohne Genügen deiner Dienſte, es wäre denn ein Land und eine Krone?“ Da ſprach er zu der Frauen: „Wo ich euch dienen mag, Dazu bin ich gar willig bis an den letzten Tag.“ Sie küſst' ihn vor Freude; ſie küſ8t' auch Ortweinen. Inzwiſchen ſah man Herwig mit ſeinen ſtolzen Reen auch erſcheinen.

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Der führt an ſeiner Rechten Ortrun das Kind. Da bat ihre Mutter Gudrun treu geſinnt: „Nun küſſet, liebe Herrin, dieſe Magd, die hehre, R / Die in Feinde8landen oft mir Dienſt erwieſen hat und Ehre.“ „I\< will hier Niemand küſſen, er ſei mir denn bekannt. Wer ſind der Frauen Eltern und wie iſt ſie genannt, Die du mich küſſen heißeſt und freundlich umſpannen? Sie ſprach: „Es iſt Ortrun, die junge Magd vom Lande der - Normannen.“ „Die will ich nicht küſſen: wie räthſt du mir das an? Wenn ich ſie tödten hieße, das wäre wohl gethan. Mir haben ihre Freunde ſo viel gethan zu Leide: Waz3 ich ſeit Jahren weinte, das war ihre liebſte Augenweide.“ „Herrin, niemals rieth dir dieſe ſ\<höne Maid ,“ Sprach da Gudrun wieder, „irgend ein Herzeleid. Gedenke, liebe Mutter, was wir an ihr verſchulden, Wen unſre Freunde ſ\<lugen: nimm die Arme auf zu deinen Hulden.“ Sie wollt ihr nicht folgen: weinend begann Da Gudrun und flehte ihre Mutter an; Die ſprach: „Nicht länger will ih deine Augen ſehen fließen: Wenn ſie dir gedienet hat, ſo ſoll ſie des in dieſem Land genießen.“

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Die ſchöne Hilde küſste da König Ludwigs Kind, Grüßt' auch die andern Frauen um Gudrun holdgeſinnt. Da kam auch Frau Hildburg von Jrland die gute, Die oft mit ihr gewaſchen: die führt' an ſeiner Hand der kühne Frute. Da ſprach wieder Gudrun: „Viel liebe Mutter mein, Nun grüßet Hildeburgen: was könnte beßer ſein Als ſtäte Freundestreue? Gold und edle Steine, Wer des ein Reich beſäße, das gäb er billig Hildeburg alleine.“ Da ſprach die Köngin wieder: „Wohl vernahmen wir Wie ſie hat getragen Lieb und Leid mit dir. I\< will nicht wieder fröhlich ſißen unter Krone, Was ſie dir gedient hat, eh ich ihr das mit rechter Treue lohne.“ Da küſste ſie die Jungfrau, und all die andern auch: Frau Hilde ſprach zu Frute: „Mix ziemte wohl der Brauch, Daß ich dir gieng entgegen und deinen Weiganden: Willkommen ſeid ihr Degen allzumal im Hegelingenlande!“ Da dankten ihr mit Neigen Die ſie willkommen hieß. Des Moorlandes König ſtieg auc\< nun auf den Grieß Vom Sciff mit ſeinen Re>en bei lautem Freudenſchalle; Eine Araberweiſe ſangen da die beſten alle.

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Sein harrte Frau Hilde bis er ihr näher trat; uv Sie empfieng den Karadiner freundlich am Geſtad: „Willkommen hier, Herr Siegfried, Fürſt der Moorlande, I\< wills euch immer danken, daß ihr rächen halfet meine Schande, “ „Frau, ich dien euch gerne wo ich euch dienen kann. Doch kehr ich zu dem Lande, das von Jugend an Mein eigen iſt geweſen bis ich ausgeritten Bin auf Herwigs Schaden, ſo wird von mir nie mehr mit ihm geſtritten.“ Da entluden ſie die Barken und trugen auf den Strand Alles was ſie mit ſich brachten in das Land. Als es begann zu kühlen, da. wollten ſie nicht weilen: Eh der Abend nahte, ſah man ſie nac\< den Herbergen eilen. Da ritt mit ihren Gäſten Frau Hilde auf das Feld. Man ſah vor Matelane Hütten und Gezelt Geziert mit grünem Laube. Da ſahn ſie Siße prangen, Wo man ſie alſo pflegte, daß geſtillt ward jegliches Verlangen. Herbei hatte Hilde geſchafft aus fremdem Land So Viel, hier brauchte Niemand Bürgen oder Pfand. Fürwahr von allen Wirthen in der Welt die beſte War die edle Wittwe: nicht Wein noch Futter zahlten ihre Gäſte.

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Da ruhten die Müden bis an den fünften Tag. Wie wohl man ſie bewirthete und eines jeden pflag! Inzwiſchen war doh Hartmuth mit Sorgen nur berathen Bis die edeln Maide Frau Hilden um eine Sühne baten. Da ſah man ihre Tochter mit Ortrun ihr nahn. Sie ſprach: „Liebe Mutter, gedenket doch daran, Niemand ſoll mit Böſem fremdem Haße lohnen; Nach eurer hohen Tugend ſollt ihr Hartmuths, des Königs, ſchonen.“ Sie ſprach: „Liebe Tochter, das ſollſt du mich nicht bitten. Zu großen Schaden hab ih ſeinethalb erlitten: Nun ſoll er ſeinen Uebermuth in meinem Kerker büßen.“ Wohl mit ſechzig Maiden fielen ihr die beiden da zu Füßen. „Herrin,“ ſprac\< da Ortrun, „laßt ihn am Leben ſein: Daß er euch gerne diene, ich ſteh dafür euch ein. Wollt ihr mit meinem Bruder nach eurer Gnade ſchalten, ES wird euch Ehre bringen, laßt ihr ihn noch ſeiner Krone walten.“ Sie weinten all darüber, daß er gefangen ſaß In ſo harten Banden; ihre Augen wurden naß Um Hartmuth den kühnen König der Normannen: Schwere Eiſenketten ſah man mit den Seinen ihn umſpannen.

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Die Köngin ſprach: „J\< kann euch nicht länger weinen ſehn: I\<h will ſie ungebunden bei Hofe laßen gehn ; Doch müßen ſie geloben, daß ſie uns nicht entrinnen, Und ſchwören, daß ſie ohne mein Gebot nicht reiten von hinnen, Als man die edeln Geiſel nun aus den Banden ließ, Gudrun in der Stille die Helden baden hieß, Mit ſchönen Kleidern zieren und hin zu Hofe bringen. Es waren gute Degen; ihnen muſte deſto beßer drum gelingen. Als man Hartmuthen ſah bei den Reden ſtehn, Da war der Degen keiner ſo ſtattlich anzuſehn. Er blickte doch, wie ſchwere Sorgen auf ihm lagen, Als wär er mit dem Pinſel meiſterlich auf Pergament getragen. Da ſahen auch die Frauen ihn alle freundlich an, Daß er Vertraun erwe>end Vertrauen bald gewann, Da kam der Haß zur Sühne, den ſie im Herzen trugen: Sie hatten e8 vergeßen, daß ihre Reen einſt einander ſchlugen. Herwig gedachte der Hegelingen Land Mit Ehren nun zu räumen: Waffen und Gewand Hieß er zu Roſſe bringen und ſeine Bündel ſchlichten. Das erfuhr Frau Hilde: da gab ſie ihm den Urlaub no\<h mit Nichten.

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Da ſprach ſie: „Herr Herwig, verweilet länger hier, Liebes und Gutes ſo viel erwieſt ihr mir, Daß ichs euch ewig danke; ich laß euch no\<h nicht reiten: Eh ſich die Gäſte ſcheiden halt ich mit meinen Freunden Luſt- barkeiten.“ Da ſprac\< König Herwig: „Frau, euch iſt wohlbekannt, Die ihre Freunde ſenden in fremder Könge Land, Die möchten ſie auch alle gerne wiederſehen: Sie harren ungeduldig, wann endlich unſre Heimkehr wird ge- ſchehen.“ Da ſprach wieder Hilde: „Gönnet mir no\< hie Der Ehren und der Freude, ſo ward mir größre nie. Edler König Herwig, nun gebt mir das zu Lohne, Daß meine Tochter Hilde bei mir Armen tragen darf die Krone.“ Er folgt' ihr ungerne; doch bat ſie und gebot; Die Heimatloſen kamen dadurch aus langer Noth. Als er verſprochen hatte, daß er es leiſten wolle, Das vernahm Frau Hilde gern aus ſeinem Mund, die freudenvolle. Da ließ ſie Siße zimmern den Re>en mehr und mehr; Wo bald in Ehren ſaßen bei ihr viel Helden hehr. Man hörte von der Hochzeit die Kunde weit ertönen: Gudrun die ſchöne ließ da der König Herwig krönen.

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Die mit ihm angekommen, die ſchieden nicht hindann Bis man vor Matelane das Hofgelag begann. Da ließ Frau Hilde kleiden wohl ſechzig oder mehre Der minniglichen Maide: ſo freute ſie ihr Ruhm und ihre Ehre. Wohl hundert ſchönen Frauen gab man gut Gewand; Auch ließ man jene, die als Geiſel in das Land Jüngſt gekommen waren, in ſchönen Kleidern prangen ; Mit Gaben große Wunder hat Hilde da die Königin begangen. Jrold wurde Kämmrer: da muſt in ihr Land Der Degen eilends kommen, wo man auch bald ihn fand. Wate wurde Truchſeß von Sturmland der alte; Nach dem ſtarken Frute ſandte ſie gen Dänemark al3balde: Der ſollte Schenke werden; der Degen ſprach dazu: „I\< leiſt es gerne, Herrin, und wollt ihr, daß ichs thu, So laßet mir die Lehen leihen mit zwölf Fahnen: So werd ich Herr in Dänemark.“ Frau Hilde lächelte, die wohl- ; gethane. | Da ſprach die ſchöne Hilde: „Freund, das kann nicht ſein; In Dänemark gebietet Horand der Neffe dein. Du ſollſt in Freundesweiſe an ſeiner Stelle ſchenken. Er iſt bei den Normannen; doh ſollſt du hier zu Hauſe ſein gedenken.“

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Man unterwies die Diener was Jeder ſollte thun. Da ließ Frau Hilde holen was ſie lange ruhn In Kiſten hatt und Kammern von theuern Seidenſtoffen ; Nun brachten ſie die Kömmrer und gaben Jedem, der da ward getroffen. Dem Geringſten der zugegen gab man gut Gewand. Wenn ſie noch andre Degen gerufen in das Land, So kann ich nicht berihten was ſie damit gedachten: Dreißigtauſend warens, die ſie heim von den Normannen brachten. Der die alle wollte kleiden, wo nähm er das wohl her? Und wenn ihm ganz Arabien unterthänig wär, So fänd er doch wohl wenig darin von beßerm Staate Als ſie den Gäſten gaben: das geſchah auch nach Gudrunens Rathe. Als die Minnigliche bei den Gäſten ſaß, Da ſandte ſie nach Ortwein: darum that ſie das, Sie hätt ihm gern gerathen, daß er Ortrun freite; König Ludwigs Tochter ſaß der ſchönen Gudrun dort zur Seite. Als nun der Held von Ortland zu ihrer Kammer gieng, Wo den Degen freundlih manch ſchöne Magd empfieng, Da erhob ſich ſeine Schweſter und nahm ihn bei den Händen. Gudrun die edle führt' ihn beiſeit an des Gemaches Ende.

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Sie ſprach: „Lieber Bruder, gehorc\<hſt du gerne mir, Aus herzliher Treue rathen will ich dir: Willſt du rechte Freude dein Leben lang gewinnen, Wie du es immer fügeſt, ſo ſollſt du Hartmuthen8 Schweſter minnen.“ Da ſprach der kühne Ritter: „Däuchte dich das gut? Wir ſind nicht ſo befreundet, ich und Hartmuth: Wir ſchlugen Ludwigen: wenn ſie daran gedächte, So ſie bei mir läge, ich ſorge, daß es ſie zum Seufzen brächte.“ „Verdien e8 um die Gute, daß ſie e8 nimmer thu. Aus ſo voller Treue rath ich dir dazu, Als ich je auf Erden zu Jemand tragen kann. Du haſt mit ihr Wonne, wird ſie als Weib dir unterthan.“ Da ſprach der edle Ritter: „Iſt ſie dir ſo bekannt, Daß ihr dienen ſollte der Hegelingen Land, Iſt ſie ſo edler Sitte, ſo will ich gern ſie minnen.“ Gudrun ſprach: „Nie kannſt du einen leiden Tag bei ihr gewinnen.“ Er ſagt' es ſeinen Freunden: Frau Hilde widerſprach ; Herwig dem Re>en ſagt' er es darnach: Der rieth es ihm in Treuen; auch ſagt' er es Herrn Frute: Der ſprach: „Du ſollſt ſie minnen, ſie bringt dir viel der Re>en mit, der guten.

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„Man ſoll den Haß verſühnen, den wir ſo lang getragen: Wie wir das vollbringen, das will ich dir ſagen,“ So ſprach zu dem Fürſten der ſchnelle Degen Frute; „Wir wollen Hildeburgen dem Könige vermählen, Hartmuthen.“ In Treuen ſprach da Herwig, der biedre, dazu; „Das darf man ihr wohl rathen, daß es die Jungfrau thu: Soll ſie als Fürſtin ſchalten in König Hartmuths Landen, Er hat wohl tauſend Burgen: da mag ſie Krone tragen ohne Schande.“ Gudrun die ſ\<höne im Vertrauen ſprach Zu Hildburg der edeln; ſie ſc\<hüf ihr gern Gemach: „Mein traut Geſpiel,“ begann ſie, „willſt du, daß ich dir lohne Deiner treuen Dienſte, dir wird zu Theil in Normandie die Krone.“ Da ſprach die ſchöne Hildburg: „Das würde nimmer gut, Wollt ich einen minnen, der noch Herz und Muth Nie auf mich gerichtet hat zu keiner Stunde; Sollt ich bei ihm alten, wir würden manche3mal im Zorn ge- funden.“ Da ſprach die ſhöne Gudrun: „Das läßt du nicht geſchehn. Gleich will ich einen Diener zu Hartmuth heißen gehn, Ob es ihm gefalle, daß ich aus den Banden Nun den Reden löſe und ihn ſende heim zu ſeinen Landen.

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„Will er dafür mir danken, ſo geb ich ihm den Rath, Daß er als8bald die Großmuth mir lohne mit der That. Dann frag ich, ob er gerne die Jungfrau wolle minnen, Durch die er meine Sippe und mich zu Freunden möge gewinnen.“ Man führte Hartmuthen von Normandie herein (Mit ihm kam Herr Frute), wo ſtolze Mägdelein Vor der Tochter Hilden8 in der Kammer ſaßen, Die bald viel großen Leides durc\< der Herrin Räthe vergaßen. Als nun durch die Halle gieng König Ludwigs Sohn, Von der höchſten zur geringſten nicht Eine ließ davon, Daß ſie ihm zu Liebe vom Site ſich erhoben: "4 Der Held war reich und edel und ſeiner Kühnheit willen hoch zu loben. Zum Site lud ihn Gudrun, die minnigliche Magd: 8.4 Es hatt ihm au\<h ihr. Grüßen nicht Eine hier verſagt. » Da ſprach die Tochter Hilden8: „Zu meinem Geſpiele Sollſt du dich ſezen, Hartmuth, die mit mir wuſch dir und der Helden vielen.“ „Das ſagt ihr mich zu ſtrafen, Königstochter. hehr ! Wa3 man euch that zu Leide, das ſchuf mir ſelbſt Beſchwer. Meine Mutter ließ es. ſtäts vor mir verhehlen; Auch durft es meinem Vater und ſeinen Helden Niemand erzählen.“

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Die Jungfrau ſprach: „Nun kann e8 anders nicht geſchehn, Ih muß mit euch beiſeite, Herr Hartmuth, ſprechen gehn. Niemand ſoll es hören als ihr und ich alleine.“ Da gedachte Hartmuth: „Nun gebe Gott, daß ſie's getreulich meine.“ Niemand als Herr Frute durft ihnen nahn; Da ſprach zu dem Könige die Jungfrau wohlgethan: „Nun hört mich an, Herr Harimuth, und folget meiner Lehre: Wenn ihr das thut, ſo werdet ihr euch alles Kummers bald erwehren.“ „I\< weiß von euern Tugenden,“ ſprach da Hartmuth: „Ihr werdet mir nichts rathen es ſei denn recht und gut; I\< kann in meinem Herzen nicht andern Rath erſinnen Als euerm Rath zu folgen, Frau Gudrun, Preis aller Königinnen.“ Sie ſpra\<: „Mein Rathſc\<lag friſtet dir Leben und Leib: Ic\<h und meine Freunde, wir geben dir ein Weib; So bleibt dir auch erhalten dein Land und deine Ehre, Und von unſrer Feindſchaft ſoll man nimmer wieder ſprechen hören.“ „So laßt mich wißen, Herrin, wen wollt ihr mir geben? Eh ich alſo minnte, eh ließ' ich mein Leben, Daß mich daheim die Freunde ſollten drum verſchmähen; Lieber wollt ih wahrlich, daß man mich zum Tode führen ſähe.“

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„So will ich Ortrunen, die ſchöne Schweſter dein, Hier zum Weibe geben dem lieben Bruder mein; So ſollſt du Hildeburgen, die Königstohter, minnen; Du kannſt auf Erden nimmer eine Braut, die würdger wär, gewinnen.“ „Wißt ihr das zu fügen, wie ihr mir habt geſagt, Daß euer Bruder Ortwein Ortrun die ſchöne Magd Wahrlich ſic nehme zum ehlichen Weibe, So nehm ich Hildeburgen, daß aller Haß auf immer unterbleibe.“ „I\< hab es ſc\<hon gefüget und Er gelobt' es feſt; Wenn es dir nun genüget, daß er dir wieder läßt Dein Land und dein Erbe und die Burgen all darinne, So mag dir wohl geziemen, daß Hildeburg die Krone da gewinne.“ „J\< wills verſprechen ,/“ ſprach er, und verſpra\<hs in ihre Hand: „Seh ich meine Schweſter bei Dem von Ortland Unter Krone ſtehen, ſo will ih nicht verſchmähen Hildeburg die ſ\<höne: ſie ſoll mit mix verleihn die Fahnenlehen. Als ers verſprochen hatte, da ſprach die Jungfrau hehr : „SY ſc\<hüf un3 hier der Shwäger gern noh einen mehr, Daß uns ihre Freundſchaft immerdar verbleibe: Der Karadiner nehme ſich die Schweſter Herwigs zum Weibe.

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Nie ſah man größre Sühne als die hier ſchuf die Maid. Die kühnen Helden kamen zuſammen nach der Zeit. Gerathen hatt es Frute aus der Dänen Lande, Daß man nach Ortweinen und dem König vom Moorland ſandte. Da kamen ſie zu Hofe und trugen gut Gewand. Frau Gudrun ſchuf, daß Waten die Märe ward bekannt; Man hieß auch Jrolden dieſe Märe ſagen: Da traten ſie beiſeite: die Helden hatten lange rathzuſchlagen. Da ſprach der alte Wate: „Keine Sühne kann geſchehn , Bis Ortrun und Hartmuth zu Frau Hilden gehn Und bieten ſich der edeln - Königin zu Füßen: Wenn ſie e8 dann bewilligt, ſo mögen wir wohl ſtäten Frieden ſchließen.“ Da ſprach die edle Gudrun: „Das will ih euch ſagen, Sie iſt ihnen gnädig: ſeht ihr do\< Ortrun tragen Die Kleider, die die Mutter mir gab und meinen Frauen. I\<h bring es gern zur Sühne: die Fremden mögen feſt auf mich vertrauen.“ Da hieß man Ortrunen dem Kreiß der Helden nahn, Und auch Hildeburgen, die Jungfrau wohlgethan :- Ortwein und Hartmuth, die nahmen ſie zu Weibe. „Nun will ich,“ ſprac\<ß Frau Gudrun, „daß wir immerdar in Frieden bleiben.“

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Minniglich zog Ortwein zu ſich das Mägdelein - Au3 dem Kreiß der Helden: ein goldnes Ringelein Gab er der König3tohter an weißer Hand zu tragen. Da war der Heimatloſen benommen ihres langen Leides Klage. Da umſc\<loß au\< Hartmuth die Magd aus Jrland; Eines ſtieß dem Andern den Goldring an die Hand. Die Maid war ohne Tadel, was ſollt ihm die verleiden? Hildeburg und Hartmuth, die konnte nichts mehr von einander | ſcheiden. Da ſprach die Tochter Hilden8: „Herwig, Herre mein, Sollte wohl dein Erbe uns hier ſo nahe ſein, Daß man deine Schweſter, wie das geſchehen möchte, Dem Karadiner König her zu meiner Mutter Lande brächte?“ Da ſprach der König Herwig: „Das will ich dir ſagen, Wenn man ſich eilte, könnt es geſchehn in zwölf Tagen: Doh ſollt es Mühe koſten, ſie in dieß Land zu bringen : Ohne mein Geleite glaub ich nicht, daß ſie die Maid empfiengen.“ Da ſprach die Tochter Hildens: „So bitt ih, daß ihr3 thut; Derweil verſucht ihr ſelber in Spielen Kraft und Muth. Dazu giebt meine Mutter euch Kleider, Trank und Speiſe: Scafft uns herbei die Jungfrau, daß ich getreulich immerdar euch preiſe.“

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Da ſprach der König Herwig: „Wo nähme ſie Gewand? Der Karadinerkönig verwüſtete mein Land Und verbrannte meine Burgen: da gieng ihr Schmu verloren." „I\<h nähme ſie und hätte ſie nur ein Hemde,“ ſprach der Fürſt der Mooren. Hundert Re>en ſandte Herwig nach der Maid Und bat ſie auf der Reiſe zu kargen mit der Zeit. Mit ihnen ſc\<hit' er Waten und den ſchnellen Frute. - Es war nicht leine Mühe; doch ſeiner Bitte gaben nach die Guten. Sie eilten durc\< die Lande die Tage ſamt der Nacht Bis ſie die Jungfrau fanden. Daß Wate Kampf und Schlacht Vermied, den Helden Herwigs8 wollt e8 kaum gelingen: Mit vierundzwanzig Frauen ſah man die Jungfrau von der Veſte bringen. Geleit gab ihnen Wate von der Burg bis an den Strand, Wo er zwei Galeeren mit zweien Booten fand: Da nahmen ſie die eine und ſchifften ſchnell von hinnen. Die Winde halfen ihnen die Heimat in zwölf Tagen zu gewinnen. Als ſie die Jungfrau brachten gen Hegelingenland, Die Ritter all gedachten, wie ſie an den Strand Der Schönen entgegen zögen mit Panieren. Die edeln Frauen hielten ſie getreulich feſt an ihren Shwüren.

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Wann möchten edle Kinder ſo ſchön empfangen ſein? Ihr ritten auch entgegen die ſchönen Mägdelein Und Hilde die edle mit ihrer Fraun Geleite. Nicht kam auch Herwigs Schweſter allein, war gleich ihr Land ver- brannt im Streite. Ihr waren aus dem Hauſe gefolgt dreihundert Mann. Da ihr der König Herwig nun zu nahn begann, Viel ritterlihe Spiele ritt er ihr zu Ehren, So auch die andern alle: die Schilde langen von der Stöße Schwere. Da die vier reihen Könige ihr entgegen ritten, Und ſie zuſammen kamen, von den Helden ward geſtritten, Welche von den Frauen die allerſ\<önſte wäre. Da lobte man ſie alle; damit ein Ende hatte dieſe Märe. Da küſte ſie Gudrun und die andern all zuhand. Sie giengen auf dem Grieße hin wo ein Zelt ſich fand Aus reichen Seidenzeugen: man ſah ſie drunter gehen. Wunder nahm die Schweſter Herwig3, was da ſollte geſchehen. Den Karadinerkönig rief man da heran. Sie ſprachen zu der Jungfrau: „Wollt ihr dieſen Mann? Neun Königreiche macht er euch unterthänig.“ Manchen kühnen Ritter von dunkler Farbe ſah ſie bei dem König.

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Seine beiden Eltern ſtimmten nicht überein; Doch trug des Helden Farbe \<riſtlihen Schein. Das Haar auf ſeinem Haupte lag wie aus Gold geſponnen: Sie wäre wohl nicht weiſe, hätt er ihre Minne nicht gewonnen. Sie ergab ſich doM mit Zögern, wie gern ein Mädchen thut. Man bot ihm ihre Minne: da ſprach der Degen gut: „Sie behagt mir alſo, ich will mich unterwinden Der Frauen ſo zu dienen, daß man mich in der Schönen Bette finde.“ Sie verlobten ſich einander, der Ritter und die Maid. Sie konnten kaum erwarten der nächtlichen Zeit: Da ward ihnen allen geheimes Glü> zu Lohne. Vier Königstöchter weihte man vor den Helden unter Königskrone.

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Einunddreißigſtes Abenteuer. Wie die vier Könige in Hildens Land Hochzeit hielten. Geweiht ſind nach vem Brauche nun all die Könge hehr; Zu Rittern wurden Knappen ſechshundert oder mehr. Dieſe ſ\<höne Hochzeit geſchah in Hildens Lande: E3 war zu Matelane vor der Burg auf dem Meeresſtrande. Da gab die ſ\<höne Hilde den Gäſten all Gewand. Wie man den alten Wate im Kreiß da reiten fand! Wie Jrold und Frute, die Dänen, Kraft erzeigten! Man hörte Schäfte brechen, die die Helden in den Händen neigten. Wie wenig Wind auch wehte, der Staub ward wie die Nacht. Die preiswerthen Helden nahmens8 nicht in Acht, Ob den ſchönen Frauen beſtaubten die Gewande: Sie ritten manchen Buhurd in den Schranken an dem Meeres- ſtrande.

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Doch wollte man nicht laßen die edeln Kinder dort: Mit der ſchönen Hilde brachte man ſie fort In die weiten Fenſter zu der Re>en Augenweide. Da ſah man bei den vieren wohl hundert Fraun in wonniglichem Kleide. Wohl ließen ihre Künſte die Fahrenden heute ſchaun: Was ein Jeder konnte, das zeigt' er vor den Fraun Bis am andern Morgen die Meſſe war geſungen. Nach dem Gotte3dienſte die Ritter ritten wiederum, die jungen. Was hörte man da anders als lauten Freudenſchall? Sang und Klang erfüllte den Pallas und den Saal: Das nahm auch nie ein Ende bis an den vierten Tag; Geſchäftig hieng der Freude das edle Ingeſinde nach. Da war der Milden Einer an den Hof gekommen; Der hatte von den Fahrenden die Rede wohl vernommen, Alle reich zu werden, darnach ſtünd ihr Verlangen; Daß das gelingen möchte ward große Milde hier von ihm begangen. Es war der Vogt von Seeland, der die erſte Gabe ſchwang So willig aus den Händen, daß ihm großen Dank Sagten Die's geſehen und die es ſelbſt empfunden : Seines rothen Goldes gab da Herwig wohl bei tauſend Pfunden.

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Seine Freunde gaben Kleider und Die in ſeinem Bann; Ein Roſs mit gutem Sattel Mancher da gewann, Der vor dieſem Tage noch ſelten eins geritten. Da ſah der König Ortwein, wie ſie mit Milde um die Wette ſtritten. Der Ortländer König gab ſo reich Gewand, Ob Jemand beßre Kleider noch trug in einem Land, Das können wir nicht melden, wir habens nie geſehen: Ihn und ſeine Degen ſah man der Kleider bar und bloß da ſtehen. Auch könnt euc\< Niemand ſagen, wie manches reiche Kleid Man Die von Moorlanden (man ſpricht davon no\< heut) Samt viel guten Roſſen den Fahrenden ſah ſchenken. Wem ſie geben wollten, die mochten höhrer Gabe nicht gedenken. Die Jungen ſamt den Alten, hier wurden alle reich. Da ſah man Hartmuthen, den Degen ohne Gleich, Der gab, als ob die Burgen ihm nicht verwüſtet wären: Er zeigte ſich ſo milde, keiner übertraf darin den hehren. Er und ſeine Freunde und Die in ſeinem Bann, Die hier Geiſel hießen, die gaben Jedermann Willig was ſie hatten und was man nur begehrte: Wie gerne mit den Seinen Hartmuth allen Bittenden gewährte!

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Gudrun die ſchöne, hold war ſie genug Hildeburg der guten, die oft die Kleider trug Mit ihr nach dem Strande, die ſie zu waſchen hatten: Dankbar gewann ſie dertreuen Freundin auch die Huld des Gatten. Dem hieß ſie aus der Kammer ſo viel des Gutes tragen: Wen ſie ſo reich beſchenkte, man mochte wahrlich ſagen, Daß dem die junge Königin wohlgewogen wäre, Und auch zu geben hätte Silber, Gewand und Gold das ſchwere. Da ſah man Den von Sturmland von ſeinem Siß erſtehn In ſo guten Kleidern, kein Fürſt ward je geſehn, Noch ein reicher König, der beßer Kleid getragen: Die ſeine Gabe wollten die brauchten ihr nicht lange nachzujagen. Wate gab alleine ſo herrlihes Gewand, Daß man keinen König je beßres tragen fand; Von Gold und von Geſteine war es überhangen In einem reichen Nee: ſo kam der Held zu Hofe gegangen. In jeglicher Maſche lag ein Edelſtein ; Wer deſſen Namen hörte, dem leuchtete wohl ein, Aus Abalie dem Lande wären ſie gekommen: Da ward der alte Wate von den Helden bei der Hand genommen.

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Da muſten einhellig Die das mit angeſehn, Wate dem Degen der Wahrheit nach geſtehn, Daß keines König8 Gabe der ſeinen ſich vergleiche: Der ſie empfangen hatte, den zählte man noch lange zu den Reichen. Jrold ließ gerne ſchauen ſeinen milden Muth, Und daß ihn nicht erbarmte das föſtlihſte Gut. Frute den Dänen zum Kämmtrer hatte Hilde: So dient' er ſeiner Frauen daß man noch lange ſprach von ſeiner Milde. Da wollten ſie ſich ſcheiden; das Feſt ein Ende nahm. Da ließ man Hartmuthen, - dem war man nicht mehr gram, Verhandeln mit den Feinden im Schuß der beiden Frauen. Sie kamen ſo nac\< Hauſe, es war dem Glü> voraus nicht zu- zutrauen. Die Königin entließ ſie mit minniglihem Brauch: Sie gieng mit Hildeburgen, und ihre Tochter auch Und alle das Geſinde, bis ferne zu dem Strande. Urlaub nahm da Hartmuth als ſie ſcheiden ſollten aus dem Lande. Geleit ſchuf ihnen Hilde- über Land und Meer; Auch waren ihre Degen ein kräftiges Heer, Die Ortwein und Herwig entließen aus den Banden: Ihrer Helden brachten ſie wohl tauſend heim zu ihren Landen.

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Oft küſten ſich die Frauen die man da ſcheiden ſah; Mander gieng auch billig dieſer Abſchied nah : Sie ſahen ſich nicht wieder in allen künftgen Zeiten. Ortwein und Herwig ſah man zu den Schiffen ſie begleiten. Ihr Geleit ward Jrold bis heim zu ihrem Land. Der König bat den Degen, daß er es bekannt Horand dem Dänen machte, wie ſie geſchieden wären: Da führt' er aus dem Lande mit ſich heim der Degen viel, der. hehren. I\<h weiß nicht, war es frühe, war es ſpät am Tag, Da ihre Flotte wieder vor Kaſſiane lag. Da hatten alle Leute Freude ſonder Klagen. Wohl hatte ſie berathen Gott nac\< dem blutgen Streit und ſauern Tagen. Horanden ſagte Jrold in Normandie dem Land, Wie ihn die Könge hätten mit ihnen hergeſandt. Der ſprach: „So iſt es billig, daß ich den Re>en weiche; Sie freun ſich hier der Heimat; ſo ſehn auch ih mich nach dem heimſchen Reiche. “ Sie empfiengen Hartmuth und räumten ihm ſein Land; Wie er der Lande pflegte, das iſt mir unbekannt. Horand und ſeine Freunde gönnten ſich nicht Weile: Da ſie geſchieden waren, da fuhren ſie gen Dänemark in Eile,

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Wir ſchweigen ihrer Heimkehr. Zu melden bleibt uns nur, Daß nie von Hofgelagen ſo ſtolz ein Degen fuhr, Als dort von lieben Freunden ſchieden viel der Reen. No\< lagen hier im Lande von Karadie die Stolzen und die Keen.

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Zweinunddreißigſtes Abenteuer. Wie die Andern heimfuhren. Hier bei den Hegelingen verweilten ſie nicht mehr. Herwigens Schweſter führten ſie über Meer Gen Alzabe mit Prangen; ihnen war nun wohlgelungen. Viel frohe Lieder wurden von den Stolzen unterwegs geſungen. Minniglich entließ nun Frau Hilde Mann für Mann. Wie reich ſie ſelber waren, Die in Herwigs Bann, Der Helden ließ ſie Keinen ohne Gaben bleiben; Wer nun ſo milde wäre, man würd ihn als ein Wunder wohl beſchreiben. Frau Gudrun ſprach zur Mutter: „Magſt du ſelig ſein! Getröſte dich der Todten: ich und der Gatte mein, Wir wollen ſo dir dienen, daß nimmer dein Gemüthe Der Kummer mehr befange: du ſollſt genießen Herwigen3 Güte.“

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Da ſprach die edle Königin: „Liebe Tochter mein, Willſt du mir Gnad erzeigen, ſo laß die Boten dein Mich dreimal jährlich ſehen hier bei den Hegelingen: Ohne große Trübſal mag ich dann wohl meine Zeit verbringen.“ Da ſprach die edle Gudrun: „Mutter, das ſoll ſein.“ Mit Lachen und mit Weinen ſamt ihren Mägzdelein Gieng ſie oft rüfſhauend aus der Burg von Matelane. Ihre Sorge hatt ein Ende; hier ſah man nie mehr ſo viel Wohl: gethane. Da brachte man geſattelt die Roſſe ſchon heran (Die ſie tragen ſollten und die Mägdlein wohlgethan), Mit ſc\<malen Bruſtriemen und Zäumen roth von Golde. Länger zu verweilen gedachten da die Frauen nicht, die holden. Die ohne goldnen Kopfſ\<hmu> ritten bei den Fraun, Die ließen alten Haßes wohl eine Spur no\< ſchaun, Da ſie von Ortrun ſchieden und von ihren Maiden. Wenn Eine froher lebte, das könnte wohl Gudrunens Glück verleiden. Ortweins Geliebte hub da zu danken an Gudrun der ſchönen: durch ihre Gunſt gewann Ihr Bruder Hartmuth wieder das Land der Normannen: „Das lohne Gott dir, Gudrun, es wird mir immerdar die Sorgen bannen.“

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Auch ihrer Mutter Hilde begann ſie Dank zu ſagen, Daß ſie im Ortlande die Krone ſollte tragen Bei Ortwein dem König und Königin da hieße. Da ſprach die Königstochter, daß ſie es nimmer unvergolten ließe. Ortwein und Herwig ſchwuren da geſamt Einander feſte Treue, daß ſie ihr Fürſtenamt Der hohen Väter würdig ſtäts in Ehren trügen; Die ihnen ſchaden wollten, daß ſie die beides fiengen und erſchlügen.

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Quelle zitieren

Kudrun, in: Gudrun. Sechste Auflage, S. 3–370 (PDF-Seiten 15–382), 1866

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Kudrun, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/heldenepik-kudrun/textzeugen/heldenepik-kudrun-gudrundeutschesh00simr-translation-de-1