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Ez was ze Berne gesezzen ein degen sô vermezzen, der was geheizen Dietrich: niender vant man sîn gelîch bî den selben zîten. in stürmen und in strîten torste in nieman bestân: er was ein wunderküene man. er lebte ân alle schande. die tiursten in dem lande die wârn im alle undertân: er was ein fürste lobesam. die sînes landes phlâgen, wie selten si verlâgen êre unde frümekeit! schande und laster was in leit, und swâ si gesâzen, wie selten si vergâzen si prîsten in für alle man den edelen Berner lobesam.
Dô sprach Wielandes sun, ein ritter biderbe unde frum ‘ich enweiz in allen landen deheinen der ân alle schande lebe als der edele Dietrich. niender vint man sîn gelîch der sô grôziu dinc habe getân. man sol in loben für alle man.’
Dô sprach meister Hildebrant ‘im ist âventiure unerkant in den holen bergen; der phlegent die getwerge. des muoz man in von schulde jehen: swer ir âventiure wil sehen, der kumt in angest und in nôt: si slahent manegen helt tôt. dâ hât er selten mite deheinen kumber erliten. und hiete er den gesiget an, ich wolde in loben für alle man.’
Die wîle was der Berner komen und hete ir beider rede vernomen. er sprach ‘meister Hildebrant, von Garte ein wîser wîgant, und wær diu rede ein wârheit, du hetest mirz lange vor geseit.’
Hiltprande tete diu rede zorn. er strâfte den fürsten hôchgeborn ‘swer wil sîn ein biderbe man, der sol sîn rede verborgen hân unz er merke wie manz kêre: sô hât er tugent unde êre. ich weiz einen kleinen man, dem ist vil wunders undertân: der ist kûme drier spannen lanc. er hât manegem âne sînen danc hant und fuoz abe geslagen, daz wil ich iu für wâr sagen, der grœzer was dan sîn drî: den machte er aller sorgen frî. er ist Laurin genant. im dienent alliu wildiu lant, diu getwerc sint im undertân. er ist ein künec lobesam, küenest aller manne. in tirolischen landen hât ez im erzogen zarte einen rôsengarten. daz diu mûre solde sîn, daz ist ein vadem sîdîn. swer im den zebræche, wie balde er daz rache! der müeste im lâzen swæriu phant, den zeswen fuoz, die linken hant.’
Dô sprach von Berne er Dietrich ‘ez ist ein degen hêrlich. hân ich nu iender sellen der ez mit mir wâgen welle, ich wil suochen die rôsen rôt, und solde ich komen in grôze nôt.’
Dô sprach Witege der degen ‘ich muoz der reise mich verwegen mit iu, vil lieber herre mîn. ich wil iwer geselle sîn dort hin ze dem garten, dâ wir âventiure warten. wird ich den garten sihtec an, den trite ich nider in den plan.’
Ûz riten die birsære durch hovelîchiu mære. daz eine was her Dietrich von Berne ein fürste lobelich, daz ander was der snelle her Witege sîn geselle. dô riten die zwêne degene balt birsen ze Tirol für den walt. dô die zwêne küene man kômen in den grüenen tan, dô riten si bî einer wîle des waldes wol siben mîle. dô kômen die helde küene ûf einen auger grüene für einen rôsengarten. mit guldînen borten, mit golde und mit gesteine hete Laurin der kleine die rôsen schône behangen. in mohte niht belangen swer in solte sehen an; der muoste al sîn trûren lân. vil wünne an deme garten lac: die rôsen gâben süezen smac unde dar zuo liehten schîn. des kômen si in grôze pîn.
Dô sprach von Berne er Dietrich daz wort gar gezogenlich ‘Witege, lieber selle mîn, daz mac wol der garte sîn, dâ von uns Hiltprant hât geseit. ich fürht wir komen in arbeit, als verre ich mich kan verstân. des garten phliget ein biderbe man. die rôsen gebent süezen smac: beide naht unde tac möht mich ir niht verdriezen, der uns iht hinne lieze.’
Dô sprach Witege der degen ‘sîn welle dan der tiuvel phlegen mit seltsænen sachen, ich muoz im minner machen der hôchvart an dem garten. erbeizet von dem marke.’
Do erbeizten die helde küene nider ûf die grüene. Witege der wîgant sluoc die rôsen abe zehant in dem rôsengarten. die guldînen borten wurden getreten in den plân: daz gesteine muost sîn schînen lân. alsô wir ez haben gehœret, diu wunne wart dâ zestœret, swaz freuden an dem garten lac. die rôsen liezen iren smac und dar zuo ir liehten schîn. des kômen si in grôze pîn. der vadem wart zebrochen: daz wart an in gerochen. si sâzen nider in daz gras, ieglich sîns leides vergaz.
Sehet dô kam dort her geriten ein getwerc mit swinden siten, daz was Laurin genant. ein sper fuort ez in sîner hant bewunden wol mit golde, als ez ein fürste solde. vorne an dem spere sîn dâ swebete ein banier sîdîn, dar ane zwêne winde sam si liefen swinde in einem wilden walde nâch einem wilde balde. si stuonden als si lebeten dâ si an dem banier swebeten. sîn ros was ze der siten vêch und in der grœze als ein rêch. dar ûfe ein decke guldîn gap in dem walde lichten schîn von gesteine als der liehte tac. der zoum der an dem rosse lac der was rôtguldîn, als in der kleine Laurin hâte in der linken hant dâ er die zwêne fürsten vant. der satel ûf dem rosse sîn der was helfenbeinîn. der satelboge gap liehten schîn, dar an lac manec rubîn. sîne stegereife wâren rîch, dar inne stuont ez ritterlîch; sîn beingewant rôt als ein bluot, dehein swert wart nie sô guot daz ie sô wol getohte daz dar ûf geheften mohte. sîn brünne was unmâzen guot, si was gehert in trachenbluot, von golde gap si liehten schîn: kein swert moht nie sô guot sîn daz si möhte gewinnen; si was geworht mit sinnen. dar umbe lac ein gürtelîn; daz mohte wol von zouber sîn, dâ von hât ez zwelf manne kraft: des wart ez allez sigehaft. [des gesigte ez zallen zîten in stürmen unde in strîten.] ez fuorte ein swert umb sînen lîp, dâ mite huop ez manegen strît, daz was einer spanne breit: îsen stahel stein ez sneit. sîn gehilze was guldîn, der knopf gap ouch liehten schîn, dar ûz schein der jâchant: daz swert was bezzer denne ein lant. sîn wâpenroc was sîdîn, von gesteine gap er lichten schîn, von maneger hande sachen mit zwein und sibenzec vachen. den fuorte ez zallen zîten in stürmen und in strîten. sîn helm was rôtguldîn, dar ane lac manec rubîn und dar zuo der karfunkel. diu naht wart nie sô tunkel, ez lûhte als der liehte tac vom gesteine daz am helme lac. dar ûfe ein krône von golde sam si got selbe wünschen solde. ûf der krône obene sungen wol die vogele, in allen den gebæren sam si lebende wæren. mit listen wart ez erdâht und mit zouber dar brâht. ez fuorte ein goltvarwen schilt, der wart mit speren nie verzilt, dar an von golde ein lêbart, sam er ouch wolte an die vart: alsô stuont er sam er lebete und nâch anderm wilde strebete.
Laurîn kam für geriten, die fürsten heten sîn gebiten. dô ez in kam sô nâhen daz siz beide ane sâhen, dô sprach Witege der degen ‘got müeze unsers heiles phlegen, Dietrich lieber selle mîn. daz mac vil wol ein engel sîn, sente Michahel der wîse, und ritet ûz dem paradîse.’ dô sprach der von Berne ‘den engel sihe ich gerne. den helm soltu verbinden baz, ich fürhte er trage uns beiden haz. und ist sîn eigen dirre plân, sô hât ez guot reht dar an.’
Dô ez in kam sô nâhen, si begunden ez enphâhen: die fürsten hôchgeborne gruozt ez ûz grôzem zorne ‘wer hât iuch tôren geheizen her nider ûf den plan erbeizen und iuwer gurren spannen ûf mînen grüenen anger, den ich hân geheien vor manegem tœrschen leien und beschirmet vor manegem man? ir müezt mir swæriu phant lân. wer hât iuch esele her gebeten daz ir mir habet nider getreten die mîne lieben rôsen rôt? des kumet ir in grôze nôt: ietweder gebe mir ein phant den zeswen fuoz, die linken hant.’
Des antwurte im her Dietrich harte wol gezogenlich ‘neinâ, du vil kleiner man, du solt dînen zorn lân. man sol niht fürsten phenden bî füezen und bî henden, die wol geben rîchen solt beide silber unde golt. hin gegen des meien zît, sô got die sumerwunne gît, sô kument uns ander rôsen vil. für wâr ich daz sprechen wil: man sol niht fürsten phenden bî füezen und bî henden. ich hân guotes alsô vil daz ich dir phant niht geben wil.’
Daz getwerc was sprüche frî. ‘ich hân mêr goldes dan dîn drî,’ alsô sprach der kleine Laurîn. ‘waz fürsten müget ir gesîn? und sît ir zwêne edel man, ir habt unedelich getân. waz habet ir gerochen daz ir habet zebrochen den mînen rôsengarten? und die guldînen borten habt ir getreten in den plân, und hân iu nie kein leit getân. hæt ich iu ie getân kein leit, ir soldet mir hân widerseit und hætet mich dar umbe bestân: daz wære fürstelîch getân.’
Dô sprach Wielandes sun, ein ritter biderbe unde frum ‘daz hœrt ir wol, her Dietrich, ir tuot ab niender dem gelîch daz ir sît ein künec lobesam, und lât sulch rede für ôren gân. der kleine ist sô tumber site und redet uns sînen willen mite und sînen grôzen übermuot, ob ez iuch herre diuhte guot, entriuwen bî den füezen ich ez umb die want slüege.’
Dô sprach der Bernære ‘got ist ein wunderære. ob got sîn wunder hât getân und geleit an disen kleinen man, west ez an im niht manheit, ez enhete uns niht sô vil geseit als üppiger mære.’ sô sprach der Bernære ‘für wâr ich daz sprechen sol: in êret ouch diu werlt wol an dem gotes êre lît, billîche zaller zît mit triuwen und mit êren. nu volge mîner lêre hie ûf dirre grüene: wis küene und niht ze küene. swer wil sîn ein biderbe man, der sol für ôren lâzen gân und tuo als er niht hœre swaz sîn gemüete stœre, unz in diu rehte nôt gêt an; so erzeige er danne waz er kan, unde belîbet âne schande in einem ieslîchem lande.’
Witegen tete diu rede zorn, er strâfte den fürsten hôchgeborn ‘swer giht ir sît ein küener man, zwâr der muoz liegen dar an, swer sprichet daz ir sît ein recke. nune törstet ir niht erschrecken eine mûs, fürhtet ir daz kleine daz dort habet vor dem steine. dâ getrûwet ir niht vor genesen, der unser einer möhte verwesen driu tûsent oder mêr. ich od ir wær im ein her. wande daz got wol weiz, ez ritet ein ros als ein geiz;’ alsô sprach der starke man, ‘ich törste sîn tûsent bestân.’
Dô sprach der kleine Laurin ‘her Witege, ir wellet übel sîn, ir wellet gar der tiuvel wesen. mac aber ieman vor iu genesen und sît ir ein biderbe man, von êrsten sult ir mich bestân. ich wil iu tragen sunderhaz. ir gürtet iuwerm rosse baz und dunke ez iuch gefüege, iuwer fürgebüege. ez muoz ein just von uns geschehen, ez möhte ein keiser ane sehen.’
Witege der vil küene man erbeizte ûf den grüenen plân. für wâr sult ir wizzen daz: dô gurte er sînem rosse baz, ez dûhte ouch in gefüege, er gurt sîn fürgebüege. ân stegereif in den satel er spranc, des seite im Laurin guoten danc. bî den selben stunden die helme si verbunden. gegen einander si dô stuben als zwêne valken die dâ flugen, der eine grôz, der ander kleine, wan Laurin was kurzer beine. her Witege vervælte sîn: dô traf in daz getwergelîn, ez stach in nider in den klê. kein laster tete im nie sô wê.
Laurin der küene erbeizte ûf die grüene. dô wolde ez nemen swæriu phant, den zesewen fuoz, die linken hant. und wær der Bernære niht komen, ez wæren swæriu phant genomen. des gewaltes den Bernære verdrôz. daz swert er über Witegen schôz: ‘neinâ, vil kleine Laurin, lâ den helt geniezen mîn. jâ ist er mîn geselle, daz wizze swer der welle, und ist mit mir ûz komen. würden im solhiu phant genomen, des hiete ich iemer schande swâ man ez in dem lande seite von dem Bernære! daz wærn mir hertiu mære.’
Dô sprach der kleine Laurin ‘waz gibe ich umbe den namen dîn? du sagest mir ein mære von dem Bernære; dâ von ich vil hân vernomen. mir ist liep daz du her bist komen. des muost du mir lân swæriu phant, den zeswen fuoz, die linken hant. ich wil dich bringen inne mîner krefte und mîner sinne. du zebræche mir mînen garten, mîne rôsen und die borten die trâtet ir mir in den plân: des wil ich iuch engelten lân. ich endunke iuch nie sô kleine, wær iuwer gemeine ein tûsent oder drî, der wolte ich gewaltec sîn.’
Her Dietrich von der rede lie, ze sînem rosse er dô gie. ân stegereif in den satel er spranc, des seite im Laurin guoten danc. daz getwerc wolde er stôzen, daz sper begunde er vazzen ritterlîchen in die hant: dô kam sîn meister Hildebrant und der wüetunde Wolfhart, der sich an strîte nie verspart, und von Stîre er Dietleip: die brâhte ez alle in arbeit.
Hildebrant der wîse man rief sînen herren an ‘vil lieber Bernære, nu herâ disiu mære. vernimestu niht mîne lêre, sô verliusestu dîn êre. ja erkennest du des twerges niht, dîn rîten ist gein im enwiht. sold al diu werlt dir gestân, ez sticht dich nider an den plân; sô vliusestu dîn êre und getarst ouch nimmer mêre, du vil tugenthafter man, an keines fürsten stat gestân. ich râte dir, ritter küene, erbeize nider ûf die grüene, ze fuoze soltu ez bestân. niht baz ich dir gerâten kan. und nim in dîne sinne, du maht sîn niht gewinnen durch sîn vil guot gesmide mit keiner hande snide. helt, du solt tuon daz und versuoche dîne sterke baz: slahez mit dem knopfe umb diu ôren und mache ez ze einem tôren. dir enwelle got niht bî stân, sô gesigest du im an.’
Her Dietrich des niht enliez, er tete als in sîn meister hiez, er erbeizte nider ûf den plân. dô sprach der grimmige man ‘Laurin, dir si widerseit. nu rich an mir dîn herzenleit.’ dô sprach der kleine Laurin ‘entriuwen, herre, daz sol sîn.’ den schilt ez vazzen began, den Bernære lief ez an. ez sluoc im einen swinden slac daz sîn schilt ûf der erden lac. her Dietrich zürnen began, Laurinen lief er vaste an. er sluoc ûf sînes schiltes rant daz er im viel ûz der hant. er moht mit sînen sinnen Laurines niht gewinnen. her Dietrich von Berne het ez betoubet gerne, als er von Hiltprant hete gehœret. er wolde ez haben betœret, er sluoc den kleinen Laurin mit dem knopfe ûf den helm sîn daz ez alsô lûte erklanc einer halben mîle lanc von des helmes dône und der guldînen krône. Laurin der kuonheit vergaz, ez enweste wâ ez was. ez greif in daz teschelîn und nam ein tarnkeppelîn, der vil kleine recke daz er sich dâ mite bedecke, daz sîn der Berner niht ensach. des kom er in grôz ungemach. er sluoc im an den stunden manec tiefe verchwunden daz deme getriuwen man daz bluot durch die brünne ran.
Dô sprach der von Berne ‘nu slüege ich dich gerne. ich enweiz wâ du bist hin komen oder wer dich mir hât genomen. du bist in kurzen stunden vor mînen ougen verswunden.’ her Dietrich der wîgant sluoc nâch im in ein steinwant mit grôzem zorne unde nît einer ellen tief unt wît. Laurin der kleine man lief aber hern Dietrichen an: dô sluoc ez nîtliche ûf den fürsten rîche. her Dietrich sich wol verstuont als die wîsen alle tuont; des betwanc in grôziu nôt: sîn swert er im ze schirme bôt.
Hildebrant der wîse man rief aber sînen herren an ‘wirstu von dem twerge erslagen, ich kan dich nimmer mêr verklagen. und wolde ez mit dir ringen, sô möht dir baz gelingen. helt, sô lâz ez von dir niht, sô wirt im sîn keppelîn enwiht.’ dô sprach von Berne der küene man ‘kæme ich ez mit ringen an, lîhte gelunge mir baz.’ dem twerge truoc er alrêst haz. Laurin sich des schiere versan daz der tugenthafte man ringens an im gerte. wie schiere ez in gewerte! sîn swert warf ez ûz der hant, hern Dietrichen ez underspranc, den selben risen ez gevie sô krefticlîchen umb diu knie: si vielen beide in den klê. Dietriche tete diu schande wê.
Dô sprach meister Hildebrant, von Garte ein wîser wîgant ‘Dietrich, lieber herre mîn, zebrich im daz gürtelîn, dâ von hât ez zwelf manne kraft, sô maht du werden sigehaft.’ ir ringen was michel unde grôz, daz sîn den fürsten gar verdrôz. her Dietrich was ein zornic man, man sach im von dem munde gân sam von der esse tuot daz fiuwer. alliu güete was im tiuwer. er greif im in daz gürtelîn: ûf huop er daz getwergelîn, von Berne der vil werde, und stiez ez ûf die erde daz im sîn gürtelîn zebrach: des kom ez in grôz ungemach.
Daz gürtelîn viel ûf daz lant: ûf zucte ez meister Hildebrant. zwelf manne sterke hete ez vlorn. hern Dietriche was vil zorn, er sluoc ez nider ûf den plân. dô schrei daz twerc wünnesam, daz ez alsô lûte erhal über berc und über tal. Laurîn der vil kleine man rief hern Dietrichen an ‘wurde du ie ein biderbe man, des soltu mich geniezen lân. helt, nu friste mir mîn leben, ich wil mich dir für eigen geben, und wil dir wesen undertân, und dar zuo allez daz ich hân.’
Laurînes bete was enwiht, der Berner hete der güete niht. er sluoc ez nider ûf die grüene. daz erbarmte die helde küene. Laurîn der kleine man rief dô Dietleiben an ‘hilf mir, werder Dietleip, von Stîre ein ritter unverzeit, du solt mich des geniezen lân daz ich dîn rehte swester hân. nu hilf mir, degen hêre, durch aller frouwen êre.’ her Dietleip des niht enliez, ze hern Dietrîche er dô lief ‘edeler herre Dietrich, von Berne ein fürste lobelich, gebet mir den kleinen Laurîn als liep iu alle ritter sîn.’ Dietleibes bete was enwiht, der Berner hete der güete niht. Dietleip der junge man rief aber hern Dietrichen an ‘gebt mir den kleinen Laurîn, als liep iu alle frouwen sîn.’ dô sprach von Berne er Dietrich daz wort harte zorneclîch ‘dîn bete ist gegen mir enwiht: Laurîns engibe ich dir niht. ez hât mir leides vil getân, des wil ich ez engelden lân.’ ‘neinâ’, sprach Dietleip der degen, ‘ir sult mir den zorn ergeben, vil edeler voget von Berne; sô wil ich iu dienen gerne und wil iu wesen undertân die wîle ich daz leben hân.’ Dietleibes bete was verlorn, daz machte hern Dietriches zorn. ‘niemannes ez geniezen kan, ez muoz im an daz leben gân, sold ich dîn dienest hân verlorn.’ des wart Dietleibe vil zorn.
Her Dietleip des niht enliez, ze sîme rosse er dô lief. ân stegreif in der satel er spranc, daz diu brünne an ime erklanc. er was ein grimmiger man, daz ros ze beiden sporn er nam, dô reit er ritterlîche ze hern Dietrîche ‘noch gebet mir daz getwergelîn, als liep iu mîne hulde sîn.’ her Dietrich niht ensprach. Dietleip daz an im wol sach daz er zornec wære der edele Bernære. er gevie den kleinen Laurin bî der liehten brünne sîn, er fuorte in über die heide, ez wære im liep od leide.
Von Berne der vil küene man ruofte Hildebranden an ‘heiz mir mîn ros ziehen: jâ wil ez mir enphliehen der mir grôz laster hât getân, und mich des niht ergetzen kan.’ sîn ros zôch man ûf den plân, dar ûf saz der küene man. im was leit unde zorn, sîn güete hete er verlorn. von zorne gar er wüeten ‘dich enwelle denne behüeten der tiuvel ûz der helle, ich riche mînen sellen.’
Her Dietrich über die heide rant. dô volgte im meister Hildebrant; Witege unde Wolfhart die riten ouch an die vart. her Dietleip der was biderbe, er reit gein ime her widere. Laurîn den kleinen man het er verborgen in den tan. als er den Bernære ane sach, daz wort gezogenlîche er sprach ‘noch gebet mir daz getwergelîn, als liep iu alle tugende sîn.’ Dietleibes bete was verlorn, daz machte hern Dietriches zorn. daz sper begunde er senken: Dietleip wold im niht wenken. sehet die zwêne edel man riten dô einander an. ûf einander si dô stâchen, diu sper si beide brâchen. dô erbeizten die helde küene nider ûf die grüene. under die schilte si sich bugen, zwei scharpfiu swert si dô zugen. si liefen beide einander an, die zwêne fürsten lobesam. si huoben den grœzisten strît den man ie vor noch sît sach gestrîten zwêne man, alse von in wart getân. von ir strîten daz geschach, si kômen in grôz ungemach: in was ûf einander zorn. si trâten unz über die sporn in d’erde: ir slege wâren grôz, daz ez durch die helme dôz. man hôrte ir beider swerte klanc einer halben mîle lanc. Dietleip was ein grimmec man, er lief hern Dietrîchen an. er sluoc den küenen wîgant daz im der schilt viel ûz der hant. her Dietrich muoste entwichen vor dem degene rîche; daz muoste er tuon durch nôt. daz swert er im ze schirme bôt.
Dô sprach meister Hildebrant ‘nu dar ir degene beide sant, ir loufet Dietleiben an. wir sulns niht langer strîten lân.’ Witege unde Wolfhart huoben sich beide an die vart: daz wâren zwêne starke man. si liefen Dietleiben an: wol werte sich der junge unz si in underdrungen. dâ bî si niht enliezen, daz swert si im în stiezen. Hildebrant der wîse man nam sînen herren hin dan. er enwolde in niht erlâzen, er muost sîn swert in stôzen. Hildebrant der wîse man macht einen fride dar an und der kleine Laurîn muoste ouch in dem fride sîn. dô kam ez ûz den sorgen da ez Dietleip hete verborgen. die zwêne fürsten hôchgeborn liezen beide iren zorn. Dietleip der degen unverzeit, nâch sînem swâger er dô reit. si sâhen in zornlîchen an, dô er in brâhte ûf den plân. her Witege und her Dietrich die wâren im gar hazlîch: den zwein herren lobesam het ez vil leide getân.
Dô sprach Dietleip ze Laurin ‘sagâ, hâstu die swester mîn? daz soltu mich wizzen lân, sô wil ich dich ze swâger hân.’ dô sprach der kleine Laurîn ‘jâ hân ich die swester dîn êgester morgen genomen unverborgen. wie selten ich ir vergaz, die wîle ich in den sorgen was, der vil lieben frouwen mîn! si ist ist ein edel künegin, alliu twerc sint ir undertân, für wâr ich daz sprechen kan. wie si mir wart, daz sage ich dir, daz solt du gelouben mir.
Stîre ein burc ist genant dâ ich die reinen kiuschen vant, daz merke degen küene, under einer linden grüene. dar was si kurzwîlen gegân mit maneger meide wol getân: dannoch huoten ir zwêne man. mit listen ich si in ane gewan. dô kom ich hin zuo geriten gar nâch ritterlîchen siten, daz mich nieman ensach und mir ouch nieman zuo sprach. under die linden ich dâ reit: dâ vant ich die schœnen meit. si lûhte ûz den andern schône als für die sterne tuot der mâne. frou Künhilt ist si genant. ich vienc si bî der wîzen hant, ûf satzte ich ir mîn keppelîn, für mich swanc ich daz megetîn: ich fuort si mit gewalte dan, uns sach enweder wîp noch man. ich fuort si mit mir in den berc, dâ dienet ir manec getwerc und manec getwerginne mit golde und mit gimme. für wâr ich daz sprechen wil, ich hân guotes alsô vil mêr dan alle künege hân: daz ist ir allez undertân.’ alsô sprach der kleine, ‘mit golde und mit gesteine vergülte ich alliu lant: dannoch wolde ich haben phant, daz wizze sicherlîche, für driu künecrîche, daz ich niht hieze ein armman. daz ist ir allez undertân.’ alsô sprach dô Laurîn, ‘Künhilt diu swester dîn diu ist noch ein reiniu meit.’ des fröute sich der degen gemeit.
Dô sprach Dietleip der degen ‘mir ist liep daz ich mîn leben hân gewâget durch den willen dîn. lâ mich sehen die swester mîn, und ist diu rede ein wârheit die du mir hâst geseit, ich gan dir ir für alle man.’ ‘diu wârheit wirt dir kunt getân,’ sô sprach der kleine Laurîn: ‘nu well wir alle gesellen sîn.’
Hildebrant der wîse man nam den von Berne hin dan. er sprach ‘vil lieber herre mîn, ir sult Dietleibes selle sîn: der ist gar ein starker man und wil iu mit triuwen bî gestân. er hilft iu wider mannegelich. ich râte iuz, ritter lobelich.’ des antwurte im her Dietrich harte wol gezogenlich, er sprach ‘vil lieber meister mîn, swaz du mir rætest daz sol sîn.’ Hildebrant gie dô zehant dâ er Dietleiben vant ‘nu hœrâ, degen hêre, du hâst des iemer êre, daz wizze gar ân argen list, swenne er dîn geselle ist dem manec recke ist undertân. für wâr ich daz sprechen kan.’ dô sprach Dietleip der degen ‘des wil ich mich verwegen: ich hân diu mære wol vernomen. lât er ze hulden komen mînen swâger Laurîn, sô wil ich sîn geselle sîn.’ dô sprach meister Hildebrant, von Garte ein wîser wîgant ‘daz habe ûf die triuwe mîn, wir müezen alle gesellen sîn.’
Her Dietleip und her Dietrich wider allermannegelich si swuoren dô geselleschaft: si heten beide grôze kraft; und ouch der kleine Laurîn muost in der selleschefte sîn, alse er wære lanc unt grôz: Dietleibes er dô genôz. wan Witegen was der selle leit: er vorhte er kæme in arbeit.
Dô sprach der kleine Laurîn ‘nu wir alle gesellen sîn, sô wil ich uns machen undertân mit triuwen allez daz ich hân. kumet mit mir in den berc, sô dienet iu manec getwerc und manec getwerginne mit golde und mit gimme. ir hœrt dâ kurzewîle vil, gesanc unde seitenspil; daz si iu für wâr geseit. ir sehet dâ manec schônheit: für wâr ich daz sprechen wil, ein jâr ist ein kurzez zil, dar ane sult ir niht verzagen: ich enkanz iu halbez niht gesagen, daz merket âne valschen list, waz wünne in dem berge ist. die wil ich iu machen undertân, getürret ir iuch an mich lân.’
Die vier fürsten lobesam nâmen Hildebrant hin dan. si frâgten den recken sân ob si sich solten an ez lân: ‘daz muoz an dînem râte stân.’ des antwurte in der wîse man ‘weste ich waz uns töhte, daz ich uns gerâten möhte, daz tæte ich alsô gerne. vil edeler vogt von Berne, und wolten wirz durch vorhte lân, zewâre ez stüende uns übel an. des hete wir michel schande swâ man ez in dem lande seite für ein zageheit: daz wære uns ein smâcheit.’ des antwurte im her Dietrich mit zühten harte tugentlîch ‘der uns den lîp hât gegeben, der mac wol fristen unser leben. an den sule wir uns lân, wan er uns wol gehelfen kan. ich muoz die âventiure sehen, solde mir aber leit geschehen.’
Dô sprach Witege der degen ‘nu müeze sîn der tiuvel phlegen daz ez uns mit liegen alle wil betriegen.’ der wüetunde Wolfhart sprach ‘wir suln billîche an die vart. wir müezen sehen die schônheit, dâ von ez uns hât geseit.’ dô sprach meister Hildebrant ‘nu hœrâ, kleiner wîgant, wir weln uns an dîn triuwe lân; dâ solt du stæte belîben an.’ dô sprach der kleine Laurîn ‘die wîle ich hân daz leben mîn, ich wil iu mit triuwen bî gestân: ir sult iuch genzlîche an mich lân.’ dô volgten si dem twerge gein einem holn berge. Witegen was diu reise leit; wan ez brâhte si in arbeit.
Als si den berc ane sâhen, si wânden er wære nâhen; an dem andern morgen fruo kômen si alrêst derzuo. an dem selben morgen kômen si unverborgen für den berc lobesam ûf einen wünneclîchen plân under eine linde grüene, da erbeizten die helde küene. ir ros sluogen si ûf den plân. der was sô rehte wünnesam. ûf dem plân stuont bluotes vil, maneger leie swes man wil oder imer erdenken mac: die gâben alle süezen smac. swaz vogele stimme haben sol, des was der plân aller vol. daz was ein michel wünder. ieglicher sanc besunder, (man hôrte si wol singen, ir kel suoze erklingen,) daz ez undr einander hal ûf dem anger über al. maneger hande tiere vil diu trîben mit einander spil:
si wâren heimeliche gezemet und ûf den selben plân gewenet. für wâr ich daz sprechen wil: der plân hete freuden vil. swer in solde sehen an, der muoste al sîn trûren lân.
Dô sprach der Bernære ‘zergangen ist mîn swære. mich entriegen alle mîne sinne, wir sîn in dem pardise hinne.’ dô sprach Wolfhart zehant ‘uns hât got her gesant, daz wir dâ heime mugen jehen daz uns âventiure sî geschehen. ich spriche daz für wâr wol, der plân ist aller sælden wol.’ dô sprach Hildebrant der degen ‘ir sult iuwer sinne phlegen. daz gevellet mir vil wol: tac man zâbende loben sol.’ dô sprach Witege der degen ‘woldet ir mîns râtes phlegen und volgen mir aleine, ja betrüge uns nie der kleine. er ist der liste alsô vol daz im nieman getrûwen sol.’
Dô sprach der kleine Laurin ‘ir sult ân alle sorge sîn, mit fröuden hie ûf disem plân, der ist sô rehte wünnesam. aber diu fröude ist gar ein wint wider die in dem berge sint. swenn wir an den luft wellen gân, sô trete wir her ûf disen plân. ieglicher macht im einen kranz, dar nâch trete wir einen tanz mit manegem rôten mundelîn. sô zieh wir alle wider în swaz unser vor dem berge si. als wonet uns lust iemer bî.’ alsô sprach der kleine man ‘ich teile mit iu disen plân, ir herren und gesellen mîn. er sol unser aller sîn.’ do gedâhte im der Bernære ‘ein ende hât mîn swære.’ des enwas ez weizgot niht: ir kurzewîle wart enwiht.
Dô zugen si mit einander dan, diu ros liezen si ûf dem plân. dô fuorte Laurin daz getwerc mit im die fürsten in den berc. dô si kâmen an daz türlîn, dâ stuonden zwelf juncfrouwelîn, die wâren schœne und wol getân, si gruozten die recken sân. dô si alle kâmen hin în, zuo slôz man daz türlîn. ir keiner moht sô wîse sîn der weste wâ si kœmen în od dem sîn siune iht tohte daz er gesehen mohte. dô sprach Witege der starke man ‘zwâre ich liuge niht dar an; und wære ich dûze aleine, mich betrüge nimmêr der kleine. ir herren, daz ist niht gelogen, ich wæne wir sîn alle betrogen.’
Dô sprach der kleine Laurin ‘ir sult ân alle sorge sîn, kein leit iu von mir geschiht: ich briche mîner triuwe niht.’ dô sach man für die fürsten gân manegen ritter lobesam, die truogen an daz beste gewant daz man in allen landen vant: von golde gap ez liehten schîn. her Dietrich und die sellen sîn die wurden wol enphangen. si sâhen obe in hangen maneger hande kleinât; des hieten sie alles rât. allez daz diu werlt sol haben, des was der berc vol geladen.
Laurin phlac schône der hêrschaft. von gesinde hete er grôze kraft, daz wizzet sicherlîche. kein künec wart nie sô rîche, si heten im strîtes gnuoc gegeben: nâch kuonheit stuont ir aller leben. die werden recken unverzeit sâhen manege schônheit. die benke wâren guldîn, von gesteine gâbens liehten schîn: dar ûf satzt man die geste. man tete in daz beste. man schancte in mete unde wîn, so er aller beste mohte sîn. si sâhen kurzewîle vil, maneger leie hande spil: einhalp si sungen, anderhalp si sprungen, si versuochten heldes kraft; dar nâch schuzzen si den schaft, dar nâch wurfen si den stein: als gienc daz spil über ein. hurdieren unde stechen, sper undr einander brechen, des wart vil vor in getân. manegen künsterîchen man man hôrte gigære, harphære und phifære. dô sach man für die fürsten gân zwei getwerc wünnesam, zwêne kurze videlære: ir gewant was rîch und swære. si truogen videlen in der hant, die wâren bezzer denne ein lant: si wâren rôtguldîn, von gesteine gâbens liehten schîn; die seiten gâben süezen klanc. den fürsten was diu wîle unlanc, si hôrten daz videlen gerne. dô sprach der voget von Berne ‘diu kurzewîle gevelt mir wol, dirre berc ist fröuden vol.’ dar nâch sach man für gân zwêne wol singende man, zwêne guote sprechere. hovelîchiu mære si sungen vor den fürsten vil; daz was ir kurzwîle unde ir spil. si huoben an sô süezez sanc daz ez in dem berge erklanc: swer ez rehte mohte verstân, der muoste al sîn trûren lân.
Dô kam Künhilt diu künegîn mit maneger kurzen twergîn, die wâren schœne und wol getân, und truogen rîchiu kleider an von phellel und von sîden, dar an daz beste gesmîde daz man von silber und von golde und von gesteine haben solde. daz stuont in allez schône. ein guldîne krône truoc ûfe diu künegîn: si enmöhte vergolten sîn niht mit einem lande. dô wurden schône enphangen die gesellen minneclîche von der küneginne rîche. ‘willekomen vil edler Dietrich, von Berne ein fürste lobelîch. mir ist liep daz ich dich sol sehen: ich hœr dir grôzer tugende jehen und dar zuo grôzer manheit, dâ ist mir wunder von geseit, die du âne schande hâst allez her begangen: kein laster hâstu nie getân. man sol dich loben für alle man.’ des dankete ir her Dietrich. si enphienc die geste alle gelîch sô si beste mohte und ez ir êren tohte. Dietleip si sunderlîche enphie. mit armen si in umbevie, si halste in unde kusten und dructe in an ir bruste: si beslôz in mit den armen daz ez in muoste erbarmen, dô ime diu schœne meit sô sêre daz ellende kleit.
Er sprach ‘vil liebiu swester mîn, wiltu niht langer hinne sîn in disem holen berge bî dem kleinen twerge, oder dich von im scheiden lân? dir wirt wol ein ander man.’ si sprach ‘vil lieber bruoder mîn, sô du sælec müezest sîn! ich enhân keinen bresten niht, als dîn ouge wol gesiht. swes mîn herze eines gert, der bin ich viere gewert. mîn herze ist aller fröuden vol swenn ich den berc an sehen sol und al die mîne meide sint. dannoch ist mîn fröude blint, diz leben wart mir nie liep, wande ez ist ein undiet. ir werc diu tügen mir enwiht, si gelouben an got niht:’ alsô sprach diu schœne meit, ‘ich wær gerner bî der kristenheit. ich bevilhe mich den triuwen dîn: swaz du mir rætest daz sol sîn.’ dô sprach Dietleip der küene man ‘schœniu swester wol getân, ich nime dich dem kleinen man, sold ez mir an daz leben gân.’
Laurin der kleine man die herren hiez ze tische gân. dô zugen si abe ir sarwât und leiten ane phellîne wât, mit golde und mit gesteine; alsô êrte si der kleine. die spîse man für truoc: man gap in alles des genuoc daz ir lîbe tohte, alse ez wol vermohte baz dan alle künge hêr; dannoch hete ez alles mêr. sîne schüzzeln wâren silberîn, diu giezfaz gâben liehten schîn mit golde und mit gesteine, sîn tisch von helfenbeine, guldîn an den slozzen sam si warn gegozzen. dô si dô gesâzen, getrunken unde gâzen und die tische wurden erhaben, beide singen unde sagen huop sich vor den fürsten vil, dar nâch manec seitenspil daz ez undr einander hal im dem berge über al. diu kurzwîle huop sich wider an von manegem twerge wünnesam.
Laurin gienc sâ zehant dâ er froun Künhilten vant. er sprach ‘vil liebiu frouwe mîn, sô du iemer sælec müezest sîn! gip mir dînen getriuwen rât, mîn dinc mir kumberlîche stât. waz mir die recken hânt getân, daz wil ich dich wizzen lân. si zebrâchen mir mînen garten, und die guldînen borten trâten si mir in den plân, und hâte in nie kein leit getân. daz hæte ich allez wol gerochen, wær mir mîn gürtel niht zebrochen. von hern Dietrîches zorn hân ich al mîn êre vlorn. wolt sichz Dietleip niht nemen an, ez müeste in an daz leben gân.’
Dô sprach diu küneginne hêre ‘daz überwundest nimmer mêre. sich an, helt, dîn êre, und volge mîner lêre. lege si sust ein pîn an daz si dich mit gemache lân. du solt mir des dîn triuwe geben daz du keine tuost an sîn leben.’ daz gelobte ir daz getwergelîn. mit gesteine ein guldîn vingerlîn stiez ez an sîne zesewen hant: dô wart im grôziu kraft bekant, zwelf manne sterke ez gewan; daz was wunderlîch getân. nâch sîme swâger ez dô sant. dô kam der degen sâ zehant zuo im alsô drâte in eine kemenâte.
Dô sprach der kleine Laurin ‘vil lieber trûtswâger mîn, nim dich niht dîne gesellen an, sô teile ich mit dir swaz ich hân.’ dô sprach Dietleip der degen ‘ê wolde ich vliesen daz leben: swaz in, daz geschehe ouch mir. dîner helfe ich wol enbir.’ dô sprach der kleine Laurin ‘sô muostu die wîle hinne sîn unz du gewinnest andern muot und mîne gâbe nimest verguot.’
Laurînes liste wâren grôz: sînen swâger er verslôz in der kemenâte. dô îlte er vil drâte der vil kleine wîgant dâ er die vier fürsten vant. alsô wir ez hœren sagen, trinken hiez er dar tragen beide mete unde ouch wîn: twalm hiez er tuon dar în. dô si daz dô getrunken, wie balde si ûf die benke sunken! wie balde der kleine wîgant in alliu vieriu zsamen bant! er warf si in einen karkære, dâ liten si inne grôze swære. si wæren alle sament verlorn, wan hern Dietrîches zorn.
Nu lâgen si gevangen: wie kâmen si von dannen? daz enmac niemer ergân, der leser muoz ein trinken hân.
Dô si gevie daz kleine twerc mit untriuwen in den berc, die herren sich versunnen daz si wârn gebunden: her Dietrich einen zorn gevie: ein dunst von sînem munde gie, der verbrante im sîniu bant. dô lôste er fuoz unde hant, dar nâch ouch die gesellen sîn gar ûz einer grôzen pîn. do enwesten niht die staeten wie si ir dingen tæten, daz si gewunnen harnasch guot: daz was vor in wol behuot und verslozzen in dem berge von den wilden twergen. dô lâgen si mit sorgen unz an den vierden morgen.
Frou Künehilt diu künegîn verdacte in dem berge den schîn. daz tete si durch die recken. daz gesteine hiez si decken, daz man in dem berge niht ensach. si giengen an ir gemach. frou Künehilt gienc sâ zehant dâ si Dietleiben vant in einer kemenâte: dar îlte si vil drâte. ûf slôz si die tür: dô spranc Dietleip her für gar in grimmigem muote. dô sprach diu küneginne guote ‘vil herzelieber bruoder mîn, sô du iemer sælec müezest sîn! volgest du niht mîner lêre, du verliusest lîp und êre.’ er sprach ‘vil liebiu swester mîn, swaz du mir rætest, daz sol sîn. nu sage mir ûf die triuwe dîn wie gehaben sich die gesellen mîn. sint si lebende oder tôt oder in deheiner hande nôt?’ si sprach ‘si sint gevangen, daz mich sîn muoz belangen, tiefe in einem karkære: dâ lident si inne grôze swære.’
Dô sprach der degen hôchgemuot ‘hiet ich wan mînen harnasch guot und mîn swert in mîner hant, ich lôste sie sâ zehant.’ si sprach ‘vil lieber bruoder mîn, daz du sælec müezest sîn! und wærstu sterker dan dîn viere, sie erslüegen dich vil schiere, daz du in siges müesest jehen; wan du enmaht ir niht gesehen. nim hin ditze vingerlîn, vil herzelieber bruoder mîn. daz soltu stôzen an die hant, sô wirt dir âventiure bekant. für wâr ich daz sprechen sol, du sihest diu twerc alliu wol.’ si stiez ez ime an die hant, des fröute sich der wîgant: sîn herze wart fröuden vol, er sach diu twerc alliu wol. ‘hiet ich mîn brünne und mîn swert, des engulte manec twerc, ez wære wîp oder man, ez müeste in an daz leben gân: ich lieze ir kein genesen niet, ez ist ein ungetriuwe diet.’
Si nam in bî der wîzen hant, dô volgete ir der wîgant. si fuorte in alsô drâte in eine kemenâte, dâ funden si ir aller harnasch guot, swie wol er was vor in behuot. von golde gap er liehten schîn. dô wâpente in diu künegîn mit listen den wîgant. den helm si im ûf daz houbet bant, daz swert gap si im in die hant (daz was bezzer denne ein lant.) und sînen goltvarwen schilt, dar an daz merwunder spilt in allen den gebæren sam ez lebende wære. ‘hœrâ, lieber bruoder mîn, hüete dich vor Laurin: ist daz er dir gesiget an, ez muoz uns an daz leben gân.’ dô sprach Dietleip der degen ‘sîn welle denn der tiuvel phlegen ûz der bittern helle, ich lœse mîne gesellen.’
Von der frouwen lobesam wart dô über in getân vil der guoten segene, ze helfe dem degene. si sprach ‘got müeze dîn phlegen daz du behaltest dîn leben. nu schouwe, in daz gewelbe truoc man dîne gesellen, in einen tiefen karkære: dâ ligent si in grôzer swære.’ dô er die rede alsô vernam, ir aller harnasch er dô nam und dar zuo ir guotiu swert, diu wârn eins künecrîches wert. er truoc si in daz gewelbe und warf si für die sellen daz ez alsô lûte erhal in dem berge über al.
Laurin der kleine man rief al die sînen an, im was leit unde zorn. ez blies lûte ein herhorn daz ez in dem berge erhal: daz erhôrten diu twerc über al. dar nâch gie ez an ein klingen von rîchen sarringen, die si leiten an ir lîp sam si wolten an den strît. alsô wir ez hân vernomen, wie schiere wârn diu twerc komen, driu tûsent oder mêr für Laurin den künec hêr!
Dô sprach Laurin der degen ‘ir sult ir keinen lâzen leben, ir geloube ist enwiht, wan si getrûwen uns niht.’ dar nâch huop sich ein gedranc, beide breit unde lanc, vaste an daz gewelbe dan. dâ sach man Dietleiben stân. sîn herze was manheite vol, er sach diu twerc alliu wol. er hete eins recken sin, er spranc under diu twerc hin, der selbe degen junge: diu getwerc ûf in drungen. ûf zôch er daz swert swinde daz dâ von giengen winde. er sluoc ir ûzer mâzen vil: daz was im ein kintspil. dô Laurin daz ersach daz im grôzer schade geschach, do erzürnde der kleine man. er lief Dietleiben an: er sluoc im an den stunden alsô manec tiefe wunden daz deme jungen man daz bluot durch die ringe ran.
Dietleibes swert daz was guot, als ez der degen hôchgemuot in strîte hete vil getragen und durch herte helme geslagen. iedoch was ez dô enwiht, wan ez ensneit Laurînes niht. für wâr ich daz sprechen wil, der berc hete getwerge vil: die sluogen hinden ûf den man. alrêst er strîten began. er sluoc hinder sich einen slac, dâ von der twerge vil erlac. daz enhalf allez niht, sîn strîten was gar enwiht. dô drungen si den jungen man in daz gewelbe wider dan.
Die wîle was meister Hildebrant, von Garte ein wîser wîgant, mit listen ûz dem kerker komen und hâte mit ime genomen sîne gesellen schiere: dô wâpenten sich die viere. wan Dietleip der junge degen, diu getwerc heten in daz leben âne schaden wol genomen, wær er niht fürz gewelbe komen. dô wolten si den jungen dane haben gedrungen: vaste werte sich der degen, des vlôs manec twerc sîn leben. die wîle wâpenten sich sân die vier recken lobesam.
Dô sprach der von Berne ‘nune streit ich nie sô gerne: dirre berc ist strîtes vol, ich enweiz wen ich slahen sol oder wem ich sol gestân: nieman ich gesehen kan.’ dô sprach meister Hildebrant ‘ez ist bezzer danne ein lant daz ich dir, herre, geben [wil: dâ von gewinnstu fröuden vil. für wâr ich daz sprechen] sol: ich gan dir der êre wol baz denne dem lîbe mîn. nim hin ditze gürtelîn; daz soltu gürten umbe den lîp, sô sihestu an der selben zît diu getwerc in dem berge wol: für wâr ich daz sprechen sol.’ er gap im den gürtel in die hant: umbegurte in der wîgant. sîn herze daz wart fröuden vol: er sach diu twerc alliu wol, und Dietleiben den jungen man sach er in grôzen nœten stân: sîn harnasch was von bluote rôt, sîn swert er im ze schirme bôt.
Er sprach ‘vil lieben sellen mîn, ir sult under disem gewelbe sîn. ir muget der vînde niht gesehen, dâ von möhte iu leit geschehen. für wâr ich daz sprechen wil: ich sihe der twerge alsô vil daz ich grœzer her nie gesach. diu tuont Dietleibe ungemach, sîn harnasch ist von bluote rôt: ich enhelfe im, er ist tôt.’ dô sprach meister Hildebrant, von Garte ein wîser wîgant ‘Laurin hât ein vingerlîn an der zeswen hant sîn, (helt, vernim mînen rât,) dâ von ez die sterke hât: slach im den vinger ûz der hant und bringe mir in sâ zehant.’ des antwurte im her Dietrich harte wol gezogenlîch ‘meister, und mac daz geschehen daz in mîn ougen gesehen, ich slahe im in ûz der hant und bringe in dir sâ zehant.’
Dietrîch für daz gewelbe spranc. dô gienc ûf in ein grôz gedranc von manegem twerge freissam. Laurin lief in zehant an: des fröute sich her Dietrich. er machte ein wîte umbe sich und sluoc diu getwerc hin dan: er enwolde ir keinen zuo lân. als wir ez hœren von in sagen, wunden wart vil geslagen Dietrîche durch die brünege: daz machte der twerge menege. mit listen unde mit grimme moht er Laurînes niht gewinnen. her Dietrich wart ein zornec man, und lief in ernestlîchen an: zuo der selben stunde man sach von sînem munde einen dunst gân der was heiz, dâ von Laurîne der sweiz vaste durch die ringe ran. der vil starke küene man truoc dem getwerge haz: eins schirmslages er niht vergaz den lêrte in meister Hildebrant. er sluoc im den vinger ûz der hant dar ane ez hete daz vingerlîn. do erschrac daz getwergelîn. ûf zucte in der wîgant, unde gap in Hildebrant: des herze wart fröuden vol, er sach diu twerc alliu wol.
Die wîle was ein kleinez twerc her ûz geloufen für den berc, dem was leit unde zorn. ez erschalte lûte ein horn. daz erhôrten alsô balde fünf risen in dem walde. si sûmten sich niht lange, mit stehelînen stangen kômen si geloufen für den berc. dar nâch frâgten si daz twerc daz ez in kunte diu mære. ez sprach ‘diu sint uns gar ze swære, daz ichz niht halbez kan gesagen. mîne herrn ist sîn gesinde erslagen, im selben ist gesiget an. helfet dem fürsten lobesam.’
Die risen drungen in den berc, des fröute sich vil manec twerc. die dâ vor mit sorgen hieten sich verborgen, die sprungen alle her wider und liefen zuo den risen sider; die vor geflohen hâten, die sluogen wider genôte. die risen wâren freissam, si bestuonden die zwêne man.
Dô sprach meister Hildebrant ‘ich râte iu herren beide sant daz ir under disem gewelbe sît. sich hebet aber ein grôzer strît. ich sihe fünf risen freissam, die welnt den twergen bî gestân. si hânt unser sellen für genomen: den muoz ich ze helfe komen.’ den helm er ûf daz houbet bant, für daz gewelbe er dô spranc. des fröut sich der von Berne, si sâhen in vil gerne. die risen wâren freissam, die sach man an die fürsten gân mit stehelînen stangen. die zwêne muoste belangen: man hôrte si ûf die helde slân einen sturm freissam. waz der strît tohte, ir deweder gesehen mohte.
Dô sprach Wielandes sun, ein ritter biderbe unde frum ‘Wolfhart, lieber selle mîn, sul wir nu die bœsten sîn? wir verzagten nie an strîten bî allen unsern zîten.’ der wüetunde Wolfhart sprach ‘wir sulen an die fart. dâ wir den strît hœren gân, dâ dring wir mit einander an und loufen mit slegen in; daz ist mîn rât und mîn sin.’ bî den selben stunden die helme si verbunden, ieglicher vazzete sînen schilt: sehet, dô kom frou Künhilt. ‘ir sît zwêne biderbe man. wie wol ich daz gehœret hân! ich muoz iu grôzer manheit jehen: ir muget der vînde niht gesehen und wellet sie doch bestân; des wil ich iuch geniezen lân.’ frou Künehilt diu künegîn gap ieglîchem ein vingerlîn. ‘diu stôzet an iuwer hant, sô wirt iu âventiure bekant. für wâr ich daz sprechen sol, ir sehet die vînde alle wol.’ [si stiezen sie an die hant: dô wart in âventiure bekant. ir herze wart fröuden vol, si sâhen diu twerc alliu wol.] her Witege und der geselle sîn nigen der edelen künegîn. die zwêne degene milte griffen zuo den schilten, si sprungen für in den berc, des engalt manec twerc und ouch die risen freissam. dô die zwêne küene man zuo dem strîte sprungen, ir halsberge erklungen, ir sprunge wâren wîte: in was gâch zem strîte. Nagelrinc und Mimminc diu tâten freislîchiu dinc. mit der zweier swerte orten diu getwerc si niht sparten. alliu güete was in tiuwer. rehte sam ein fiuwer sach man ez von ir swerten gân: si wunten ir vil manegen man sunder ungevelle. dô die fünf gesellen zuo einander kâmen, die risen si für nâmen. si sluogen an den stunden vil tiefe verchwunden, daz si in dem bluote unz über die sporn wuoten. die risen wærn gerne gewesen von dan: ieglicher einen für nam: si enmohten mit ir sinnen den recken niht entrinnen. alsô wir ez hœren sagen, die risen wurden erslagen, Laurin wart gevangen: dô was der strît ergangen.
Dô Laurin daz twerc sach den schaden und daz ungemach daz die degene nieman in dem berge wolten leben lân, er viel für den Bernære in alsô grôzer swære ‘edeler fürste rîche, tuo an mir tugentlîche. ich mînen lîp und mîn leben ûf dîne genâde hân ergeben. niht lâz erslahen daz volc gar, nim dîner tugende an mir war. dar umbe müezen si alle sant dienen dîner edelen hant. edeler fürste, wer den strît unde tuo daz bî der zît ê daz der kleinen twerge her verderbe gar âne wer.’
Her Dietrich sprach mit zorne ‘du muost sîn der verlorne, du und swaz dich gehœret an; den muoz ez an daz leben gân. du hâst dîn triuwe an mir zebrochen, daz belîbet niht ungerochen.’
Daz erhôrte diu schœne meit frou Künehilt, diu was bereit, si huop sich ze hant dan dâ si sach den Bernære stân. ‘edeler herre Dietrich, einer bete gewer mich: des bite ich dich vil sêre dur aller frouwen êre. gip mir den kleinen Laurin und daz twercgesinde sîn, daz du in frist wellest geben unde in niht nemen daz leben.’
Des antwurte ir her Dietrich harte wol gezogenlîch ‘daz enmac niht wol gewesen daz wir diu twerc lân genesen. umb die swære diu mir ist getân dar umbe mac ez niht bestân.’ ‘neinâ, edeler fürste rîch, tuo dîner tugende an mir gelîch. lâ mich niht ungewert hie mite und tuo noch swes ich dich bite; wan man vil tugende von dir seit: die lâz ouch mir sîn bereit.’
Dô sprach meister Hildebrant ‘ir sult des wol sîn gemant daz ir die juncfrouwen wert swes si an iuch hât gegert; und lât den kleinen Laurin ze Berne iwern gevangen sîn, und lâzet swern die getwerge, daz si iu dienen mit dem berge.’
Dô sprach Dietleip der degen ‘ir sult iuwerre zühte phlegen und gewert die swester mîn.’ dô sprach her Dietrich ‘daz sol sîn. juncfrouwe, ir sult sîn gewert des ir an mir habet gegert.’ er rief Witegen unde Wolfhart an ‘ir sult von dem strîte lân unde lât daz volc leben: ich hân in mînen fride gegeben.’
Si liezen von dem strîte. daz was an der zîte, si gedâhten umbe ein scheiden dan, die fürsten edel und lobesam. si nâmen Laurin mit in, dar zuo vil guoten gewin von golde und von gesteine, und wurden des eneine si enphulhen den holn berc an ein edelez getwerc, daz was geheizen Sintram, (ez was ein künec lobesam, der hœhste nâch Laurîne,) ûf die triuwe sîne. des swuor ez Dietrîche einen eit, ez wolde im dienstes sîn bereit.
Dô fuoren si mit fröuden dan und diu juncfrouwe wol getân. si fuoren hin gên Berne: dâ sach man si gerne und enphienc si güetlîche die edelen fürsten rîche. dâ heten si kurzwîle vil und maneger leie hande spil. Dietleip und diu swester sîn frou Künehilt diu künegîn vierzehen tage si dâ beliben. mit fröuden si die zît vertriben. dô wolde Dietleip scheiden dan und diu juncfrouwe wol getân. si gerten urloubes dâ von herren Dietrîche sâ. frou Künehilt diu rîche gerte an Dietrîche, er solt si des geniezen lân daz si durch in hete getân. ‘wizz, edeler fürste, für wâr, ir wæret alle tôt gar gelegen ân Laurînes schaden. des bin ich mit riuwen überladen, wan er mir getriuwelîchen tete und werte mich al mîner bete. er macht mir allez undertân daz er ûf der erden ie gewan. dâ von, edeler fürste rîche, bit ich dich tugentlîche daz du mich wellest gewern des ich an dir wil begern.’ dô sprach von Berne er Dietrich ‘juncfrouwe, swes ir an mir gert, des sult ir genzlîch sîn gewert.’ ‘sô muote ich, edeler fürste, an dich, des solt du gewern mich, lâ dir Laurin bevolhen sîn ûf triuwe und die genâde dîn. versuoch daz ez den touf enphâ. und tuo im güetlîch dar nâ und brinc ez durch den willen mîn wider an die êre sîn. wan du in des wol hâst erzogen daz er dich hât betrogen.’ des antwurte ir her Dietrich mit zühten wol gezogenlîch ‘juncfrowe, vil gerne tuon ich des ir habet gegert an mich.’ dâ mite si urloup von im nam, als ir zühten wol gezam.
Dô gie si sâ zehant dâ si Laurinen vant. si sprach ‘lieber herre mîn, gote solt du enpholhen sîn: ich muoz mit mînem bruoder varn; des enmac ich niht bewarn.’ dô sprach Laurin zehant ‘ouwê daz du mir wurde bekant! hân ich mîn triuwe an dir verlorn, ouwê daz ich ie wart geborn! ich hete dich mir ze trôste erwelt, mîner fröuden tage sint nu gezelt. allez daz ich ie gewan, möht ich daz mit gewalte hân, daz wolde ich dar umbe geben, sold ich dir bî sîn gelegen.’ er schrei sô bitterlîche daz diu küneginne rîche dô sêre weinen began. Dietleip ir bruoder si dô nam unde fuorte si von dan. er gap ir einen biderben man; dâ bî hete si fröuden vil unz an ir lezzistez zil.
Nu lâz wir si mit fröuden zogen. wir suln von Laurîne sagen wie dem sîn dinc ergie und sich sîn leben ane vie.
Hildebrant der sprach sân ‘herre, umbe den kleinen man ir sult tuon als ein wîse man; und grîfetz wîslîchen an, daz man Laurin in huote habe und daz man ez niemanne sage daz diu frou Künhilt hât gebeten: daz sol man gar undertreten. man sol in halten wol behuot unz man versuochet sînen muot, ob er ze kristen leben stê: daz sol man ersuochen ê. man sol in Ilsunge . . . . . . . . . . . . enphelhen daz er sîn phlege, und daz er im den rât gebe daz er kristen werde für wâr: sô gebe der fürste im hulde gar.’
Des volgete im der werde degen und hiez sîn mit huote phlegen. er enphalch ez dem wîsen man daz er vaste hebte an und sagte im umbe kristen leben. dâ wolte er sich niht în geben, unz im wart erboten sâ vil smâcheit von den knehten dâ. vil gespotes leiten si in an und triben ûz im ir goukel sân. daz werte wol zwelif wochen daz im vil spotes wart gesprochen. er gedâhte in sînem muot ‘unde wære ez mir guot, sô solde ich kristen werden. ich sihe wol, ûf der erden ist sîn name gewaltec gar, und dienet im der engel schar, sô mîniu göter gar blint und mir ouch ze nihte sint. dër mac wol gewaltec sîn, daz ist an mir worden schîn. si enmohten mir gehelfen niht. ir helfe was gar enwiht, dô ich si rief in mîner nôt: dô was ir helfe an mir tôt. ich wil mich an einen got verlân, dar umb wil ich si varn lân, der himele und erden gwaltec ist, den man dâ nennet Jhêsû Krist.’
Eins morgens, was ein suntac, . . . . . . . . . ze Ilsunge er dô gie, die rede er alsus ane vie, er sprach ‘Ilsunc, edeler degen, du solt mir dînen rât geben […] […] ‘den rât wil ich dir geben der dir wol mac guot sîn gên gote und gên dem herren dîn. ich wil dir genzlîch gewinnen urloup an allen dînen dingen.’
Dô gienc Ilsunc zehant dâ er sînen herren vant. er sagte im diu mære waz im ze sinne wære. des fröute sich her Dietrich. er hiez in bringen für sich, ‘nu sage mir die wârheit, wil du enphân die kristenheit? daz soltu vil güetlîchen tuon âne allen valschen ruom. sô gibet dir got ze lône die êwigen krône.’ dô sprach der kleine Laurin ‘herre, ich wil bereit sîn, enphâhen willeclîch den segen den got der kristen hât gegeben.’
Dô sante er Dietrich zehant dâ man Hildebranden vant und ander sîne dienstman: die kâmen alle für gegân. dô sante man sâ zehant dâ man sînen kapelân vant. er hiez in segnen den touf. dâ wart ein grôzer zuolouf von den gesinden allen dô: die wurden alle vil frô. Dietrich sprach dem gesinde zuo ‘nu râtet wie ich im tuo, wie wir im einen namen geben der im wol zeme ze kristenleben.’ ez sprâchen alle ‘sînes namen des endarf er sich niht schamen: dâ bî ist er wol erkant über al in dem lant.’ des volgete er in dâ. er wart getoufet sâ. her Dietrich wart dâ sîn tote, Ilsunc ez ouch gerne tete. Ilsunc der küene degen der half im der kristen leben. dô ez dâ den touf enphie, her Dietrich dô mit im gie in sînen palas wîte. dâ hiez er an der zîte sîne herren alle für in gân, er sprach ‘swes ich gedâht hân, ich wil hiute mîme toten geben daz er deste frôer müge leben. ich wil im swern einen eit ganzer friuntschaft unde sicherheit, lîp und guot ich teilen wil mit im unz an sîns endes zil. ouch muoz er mir her wider swern, er welle mich des selben wern.’ Laurin im ûf die füeze neic, vor fröuden lange er stille sweic. her Dietrich zôch in von der erde, dô sprach Laurin der werde ‘herre, ich wil lîp unde leben allez ûf iwer genâde geben.’ dô swuoren si die friuntschaft, diu sît hete grôze kraft und niemer mêr zebrochen wart unz an ir beider hinvart. man hiete in fürbaz êrlîch, lêrt in den glouben gerlich, wie ez solte dienen gote; daz lernte ez ân allen spot.