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Das Nibelungenlied. Dritte Auflage

Nibelungenlied

Alte neuhochdeutsche Übertragung · 1843 · Karl Simrock

441 Min. Lesezeit· Karl Simrock

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

Lokale OCR mit geprüften Werkgrenzen, Seitenfolge und gezielten Stichproben. Verbleibende Erkennungsfehler sind möglich. Vollständiger Haupttext der Ausgabe 1843, Druckseiten 1–382. Lokale Fraktur-OCR; Werkgrenzen, Seitenfolge, leere Seiten und Stichproben geprüft. Seitenköpfe und marginale Editionsverweise entfernt; historische Schreibweise erhalten. Keine vollständige Gegenlesung; einzelne Wort-, Zeichen- und Zeilenfehler verbleiben. Der gesamte Textzeuge ist nicht als vollständig kollationiert ausgewiesen; Umfang und offene Lesarten bleiben dokumentiert.

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Erſtes Abenteuer. Wie Kriemhilden träumte. Viel Wunderdinge melden die Mären alter Zeit, Von preiswerthen Helden, von großer Kühnheit, Von der Freude Feſtlichkeiten, von Weinen und von Klagen, Von kühner Recken Streiten mögt ihr nun Wunder hören ſagen. Es wuchs in Burgonden ein ſchönes Mägdelein, Wie in allen Landen nichts ſchöners mochte ſein. Kriemhild war ſie geheißen und war ein ſchönes Weib, Um das viel Degen muſten verlieren Leben und Leib. Die Minnigliche lieben brachte nimmer Scham Kühnen Rittersleuten; Niemand war ihr gram, Schön war ohne Maßen ihr edler Leib zu ſchaun; Die Tugenden der Jungfrau ehrten alle die Fraun. Sie pflegten drei Könige, edel und auch reich, Gunther und Gernot, die Recken ohne Gleich, Und Geiſelher der junge, ein auserwählter Degen; Ihre Schweſter war die Fraue, die Fürſten hatten ſie zu pflegen.

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Die Herren waren milde, von Stamm hochgeboren, Unmaßen fühn von Kräften, die Re>en auserforen. Das Reich der Burgonden, ſo war ihr Land genannt, Sie ſchufen ſtarke Wunder noh ſeitdem in Eßels Land. Zu Worms am Rheine wohnten die Herrn mit ihrer Kraft, Von ihren Landen diente viel ſtolze Ritterſchaft Mit ſtolzlichen Ehren all ihres Lebens Zeit, Bis jämmerlich ſie ſrarben durch zweier edeln Frauen Neid. Frau Ute ihre Mutter, die reiche Köngin, hieß, Ihr Vater hieß Dankrat, der ihnen das Erbe ließ Bei ſeines Lebens Ende, vordem ein ſtarfer Mann, Der auch in ſeiner Jugend großer Ehren viel gewann. Die drei Könige waren, wie ich fund gethan, Stark und hohes Muthes, ſie hatten unterthan Auch die beſten Re>en, davon man je geſagt, Von großer Kraft und Kühnheit, in allen Streiten unverzagt. Das war von Tronje Hagen und auch der Bruder ſein, Dankwart der ſchnelle, von Meß Herr Ortewein, Die beiden Markgrafen Gere und E>ewart, Volker von Alzeie, an allen Kräften wohlbewahrt. Rumolt der Küchenmeiſter, ein auserwählter Degen, Sindolt und Haunolt, die Herren muſten pflegen Des Hofes und der Ehren in der drei Könge Bann; Sie hatten noch manchen Re>en, den ich enh nicht nennen kaun. Dankwart, der war Marſchall; ſo war der Neffe ſein mw" Truchſeß des Königs, von Meß Herr Ortewein. . Sindolt der war Schenfe, ein auserwählter Degen, Und Kämmerer war Haunolt: ſie konnten großer Ehren pflegen.

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Von ihres Hofes Glanze, von ihrer weiten Kraft, Von ihrer hohen Würdigkeit, und von der Nitterſchaft, Wie ſie die Herren übten mit Freuden all ihr Leben, Davon weiß wahrlich Niemand euch volle Kunde zu geben. Es träumte Kriemhilden in der Tugend, der ſie pflag, Sie hab einen wilden Falfen erzogen mauchen Tag: Den griffen ihr zwei Aare, daß ſie das muſte fehn, Ihr kount auf dieſer Erde größer Leid nicht geſchehn. Den Tramm hat ſie der Mutter gefagt, Frau Uten;z Die wuſt ihn nicht zu deuten als ſo der guten? „Der Falke, den du zieheſt, das iſt ein edler Mann; Ihn wolle Gott behüten, ſonſt iſt es bald um ihn gethan.“ „ Was ſagt ihr mir vom Manne, vielliebe Mutter mein? Ohne Re>enminne will ich immer ſein; So ſchön will ich verbleiben bis au meinen Tod, Das ich von feinem Manne je gewinnen möge Noth.“ „Verred es nicht ſo völlig,“ die Mutter ſprach da ſo, „Willſt du je von Herzen auf Erden werden froh, Das kommt von Mannesminne, du wirſt ein ſchönes Weib, So Gott dir noch vergönnet eines gnten Nitters Leib.“ „Die Rede laßet bleiben,“ ſprach ſie, „Fraue mein. Es mag an manchen Weiben genug erprobet ſein, Wie Liebe mit Leide am Ende lohnen kann. Ih will ſie meiden beide, nie übel geht es mir dann.“ In ihren hohen Tugenden, deren ſie züchtig pflag, Lebte das edle Mägdlein noch manchen lieben Tag, Und hatte nicht gefunden, den minnen mocht ihr Leib; Dann ward ſie do\< mit Ehren eines guten Nitters Weib.

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Das war derſelbe Falke, den jener Traum ihr bot, Den ihr beſchied die Mutter. Ob feinem frühen Tod Den nächſten Anverwandten wie gab ſie blutgen Lohn! Durch dieſes. Einen Sterben ſtarb no\< mancher Mutter Sohn.

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Zweites Abenteuer. „FTE RENEBERRB EPN Da wuchs im Niederlande eines reichen Königs Kind (Siegmund hieß ſein Vater, ſeine Mutter Siegelind), In einer reichen Veſte, weithin wohlbekannt. Unten an dem Reine, Santen war ſie genannt. Ich. fag enc\< von dem Degen, "wie ſo ſchön er ward, Er war vor allen Schanden immer wohl bewahrt, . Stark und hohes Namens ward bald der kühne Mann; Hei! was er großer Ehren auf dieſer Erde gewann! Siegfried war geheißen der ſelbe Degen gut. Er beſuchte viel der Reiche in hochbeherztem Muth. Durch ſeine Stärke ritt er in manches fremde Land: Hei! was er ſchneller Degen bei den Burgonden fand! * Bevor der kühne Degen ganz erwuchs zum Mann, Da hatt er ſolh\<e Wunder mit ſeiner Hand gethan, Davon man immer wieder ſingen mag und ſagen: Wir müßen viel verſchweigen - von ihm in heutigen Tagen. In ſeinen beſten Zeiten, bei ſeinen jungen Tagen," . Mochte man viel Wunder von Siegfrieden ſagen, Was Ehren an ihm wüchſen und wie ſchön ſein Leib: Drum dachte ſein in Minne manches waidliche Weib.

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Sie erzogen ihu ſo fleißig als ihm geziemend war; Was ihm hoher Tugenden der eigne Sinn gebar! Davon ward uoch gezieret ſeines Vaters Land, Daß man zu allen Dingen ihn ſo recht herrlich befand. Er war nun ſo erwac\<ſen, um auch an Hof zu gehn. Die Leute ſahu ihn gerne; viel Fraun und Mädchen ſchön Wünſchten wohl, er käme dahin nur immerdar; Hold waren ihm ſo Manche, des ward der Degen wohl gewahr. Selten ohne Hüter man reiten ließ das Kind. Mit Kleidern hieß ihn zieren Siegmund und Siegelind; Auch pflegten ſein die Weiſen, denen Ehre war bekannt: Drum mocht er wohl gewinneu die Leute und auch das Land. Nun war er in der Stärke, daß er wohl Waffen trug: Wes er dazu bedurfte, des gab man ihm genug. Sc\<hou warben ihm die Sinne um manches ſchöne Weib: Die minnteu wohl mit Ehren des ſchönen Siegfriedes Leib. Da ließ ſein Vater Siegmund verfünden ſeinem Bann , Er ſtell ein Hofgelage mit lieben Freunden au. Da brachte man die Märe in andrer Könge Land; Den Heimiſchen und Fremden gab er Roſf und gut Gewänud. Wen man finden mochte, der Ritter ſollte ſein Gemäß der Aeltern Stande, die edeln Junker fein Lud man nach dem Lande zu dem Hofgelag, Wo ſie das Schwert empfiengen mit Siegfried au Einem Tag. Man möchte Wunder ſagen vou der Luſtbarkeit. Siegmund und Siegelinde gewannen zu der Zeit Viel Ehre durch die Gaben, die ſpendet? ihre Hand: Drum ſah man viel der Fremden zu ihnen reiten in das Land.

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Vierhundert Schwertdegen ſollten gekleidet gehn Neben Siegfrieden. Da war manc\<h Mägdlein ſchön Au dem Werk geſchäftig, deun jede war ihm hold. Viel edle Steine legten die Frauen da in das Gold, Die ſie mit Borten wollten wirken ius Gewand Den jungen ſtolzen Ne>en; des war da viel zur Hand. Der Wirth ließ Siße bauen für manchen kühnen Maun Zu der Sounenwende, wo Siegfried Ritters Stand gewann. Da gieng zu einem Münſter mancher reiche Knecht Und mancher edle Nitter, Die Alten thaten recht, Daß ſie den Jungeu dienten, wie ihnen eiuſt geſchah : Sie fanden Kurzweile und auch manche Freude da. Gott man da zu Ehren eine Meſſe ſang. Da hub ſich von den Leuten ein gewaltger Drang, Als ſie zu Nittern wurden dem Nitterbrauch gemäß Mit alſo hohen Ehren, ſo leicht nicht wieder geſchähs. Sie giengen wo ſie fanden gezäumter Roſſe viel. In Siegmunds Hofe wurde ſo groß das Nitterſpiel, Daß man ertoſen hörte Pallas und Saal. Die hoc\<beherzten Degen begannen größlihen Schall. Von Alten und von Jungen mancher Stoß erklang, Als der Schäfte Brehen iu die Lüfte drang. Die Splitter ſah man fliegen bis zum Saal hinan Aus manches Recken Händen: das wurde fleißig gethan. Der Wirth bat es zu laßen. Man zog die Noſſe fort: Wohl ſah man auch zerbrochen viel ſtarfe Schilde dort Und viel der edeln Steine auf das Gras gefällt Von des lichten Schildes Spangen: die hatten Stöße zerſchellt.

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Des Wirthes Gäſte folgten, als man zu Tiſche lud: Sie ſchied von ihrer Müde viel edle Speiſe gut, Und Wein der allerbeſte, des man die Fülle trug. Den Heimiſchen und Fremden bot man Ehren da genug. So viel ſie Kurzweile gehabt den ganzen Tag, Das fahrende Geſinde doch keiner Nuhe pflag: Sie dienten um die Gabe, die man da reichlich fand; Des ward mit Lob gezieret König Siegmunds gauzes Land. 'Da ließ der Herr verleihen Siegfried, den jungen Mann, Das Land und die Burgen, wie ſonſt er ſelbſt gethan. Seinen Schwertgenoßen gab viel da ſeine Hand : So frente ſie die Reiſe, die ſie gethan in das Land. Das Hofgelage währte bis an den ſiebten Tag. Sieglind die reihe der alten Sitte pflag, Daß ſie dem Sohn zuliebe vertheilte rothes Gold: Sie mocht es wohl verdienen, daß ihm die Lente waren hold. Da war gar bald kein armer Fahrender mehr im Land. Ihnen ſtoben Kleider und Roſſe von der Hand, Als hätten ſie zu leben nicht mehr deun einen Tag. I\< weiß, daß nie Geſinde ſv großer Milde noch pflag. Mit preiswerthen Ehren zergieng die Luſtbarkeit. Man hörte wohl die Neihen ſagen nach der Zeit, Daß ſie dem Jungen gerne wären unterthan ; Doch wollte das nicht Siegfried, der viel tugendreiche Mann. So lang noch beide lebten, Siegmund und Siegelind, Nicht wollte Krone tragen der Beiden liebes Kind; Doch wollt er herrlich wenden alle die Gewalt, Die in den Landen fürchtete der Degen kühn und wohlgeſtalt.

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x Ihn durfte Niemand ſchelten : ſeit er die Waffen nahm, Pflag er der Ruh nur ſelten, der Nee lobeſam. Er ſuchte nur zu ſtreiten, und ſeine ſtarke Hand Mat ihn zu allen Zeiten in fremden Landen wohlbekannt.

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Drittes Abenteuer. Wie Siegfried nach Worms kam. Den Herren mühte ſelten irgend ein Herzeleid. Er hörte Kunde ſagen wie eine ſchöne Maid In Burgonden wäre, nach Wünſchen wohlgethan , Von der er bald viel Freuden und auch viel Leides gewann. Das Lob ihrer Schöne vernahm man weit und breit, Und auch ihr Hochgemüthe ward zur ſelben Zeit Bei der Jungfrane viel Helden wohlbekannt: Das ladete viel Gäſte König Gunthern in das Land. So viel man auch der Werbenden um ihre Minne ſah, Kriemhild in ihrem Sinne ſprach dazu nicht Ja, Daß ſie Einen wollte zum geliebten Mann: Gar fremd noch war ihr Jener, dem ſie bald ward unterthan. Da dacht auf hohe Minne der Sieglinde Kind: Der andern Werben alle war wider ſeins ein Wind. Er mochte wohl verdienen ſchöner Frauen Leib. Bald ward die edle Kriemhild des kühnen Siegfriedes Weib. Ihm riethen ſeine Freunde und die in ſeinem Lehn, Wenn er ſtäte Minne ſich zum Ziel erſehn, So ſoll? er eine werben, der er ſich nicht zu ſchämen. Da ſprach der edle Siegfried: „So will ich Kriemhilden nehmen,

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„Die ſchöne Jungſraue von Burgondenland Ob ihrer großen Schönheit. .Das iſt mir wohlbekannt, Kein Kaifer ſei ſo mächtig, dem, würb er um ein Weib, Zu minnen nicht geziemte der reichen Königin Leib, “ Dieſe Märe hörte der König Siegmund. | Es ſprachen ſeine Leute: alſo ward ihm kund Seines Kindes Wille. Es war ihm höchlich leid, Daß er werben wolle um dieſe herrliche Maid. Die Köngin auch erfuhr es, die edle Sieglind: Die muſte große Sorge tragen um ihr Kind, Denn ſie kannte Gunthern und die in ſeinem Bann ; Das Werben nian dem Degen ſehr zu verleiden begann. Da ſprach der kühne Siegfried: „Viel lieber Vater mein, Ohn edler Frauen Minne wollt ich immer ſein, Wenn ich nicht werben dürfte nach Herzensliebe frei, “ Was Jemand reden mohte, fo blieb er immer dabei. „Und willſt dus nicht vermeiden,“ der König ſprach da ſo, „So bin ich deines Willens von ganzem Herzen froh Und will dirs fügen helfen ſo gut ich immer kann; Doch hat der König Gunther manchen hochfährtgen Maun. „Und wär es anders Niemand als Hagen der Degen, Der kann im Uebermuthe wohl der Hochfahrt pflegen, So daß ich ſehr befürchte, es mög uns werden leid, Wenn wir werben wollen um dieſe herrliche Maid.“ „Was. mag uns gefährden 2?“ hub da Siegfried an: „Was ich mir nicht im Guten dort erbitten kann, Will ich ſchon ſonſt erwerben mit meiner ſtarken Hand. Ih will von ihm erzwingen die Leute und auch das Land,“

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„Leid iſt mix deine Rede,“ ſprach König Siegmund, „Und würde dieſe Märe dort am Nheine kund, So dürfteſt du wohl nimmer in König Gunthers Land. Gunther und Gernot, die ſind mir lange befannt. „Mit Gewalt erwerben kann Niemand die Magd,“ Sprach der König Siegmund, „das iſt mir wohl geſagt; Willſt du jedoch mit Ne>en reiten in das Land, Die Freunde, die wir haben, die werden eilends beſandt. “ „So iſt mir nicht zu Muthe,“ fiel ihm Siegfried ein, „Daß ich mit Reen ſollte reiten .an den Nhein. | Nicht mit einer Heerfahrt =- das wäre mir wohl leid, Sollt ich damit erzwingen dieſe herrliche Maid. „I\< will ſie wohl erzwingen allein mit meiner Hand. Ich reite ſelbzwölfrer in König Gunthers Land: Dazu follt ihr mir helfen, Vater Siegmund.“ Da gab man ſeinen Degen zu Kleidern grau und auch hunt. Da vernahm auch dieſe 'Märe ſeine Mutter Sieglind. Sie begann zu trauern um ihr.liebes Kind: Sie bangt? es zu verlieren durch König: Gunthers Bann ; Gar ſehr die edle Königin darob zn weinen begann. i Siegfried der Degen gieng hin, wo er ſie ſah, Wider ſeine Mutter . gütlich ſprach er da: „Frau, ihr ſollt nicht weinen „um den Willen mein, Wohl deni ich ohne Sorgen vor allen Feinden zu ſein. Und helft mir zu der Reiſe nach Burgondenland, Daß mich und meine Recken -ziere ſol\< Gewand, Wie ſo ſtolze Re>en mit Ehren mögen tragen: Ich will dafür in Wahrheit den Dank von Herzen euch ſagen. 4 Lochm, 57-63.

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„Iſt dir nicht abzurathen;“ ſprach Frau Siegelind, „So helf ich dir zur Reiſe, mein einziges Kind, Mit dem beſten Staate, den je ein Nitter trug, Dir und Weinen Geſellen: ihr ſollt des haben genug.“ Da neigte ſich der Königin Siegfried der junge Maun, Er ſprach: „Nicht mehr Geſellen nehm ich zur. Fahrt mir an, A1s der Reken zwölfe: verſeht die mit Gewänd;z. - I\< möchte. gern erfahren," wie's um Kriemhilde bewandt. “ Da ſaßen ſchöne Frauen über Nacht und Tag, Daß ihrer ſelten Eine der Ruhe eher pflag, - Bis man gefertigt hatte :Siegfriedens. Staat. ) a Er wollte ſeiner Reiſe keine8wegs haben Rath. Sein Vater hieß ihm zieren ſein ritterlich Gewand, Womit er räumen wollte . König Siegmunds Land. Ihre lichten Panzer, die wurden auch“bereit Und ihre feſten Helme, ihre Schilde f\<hön und breit. Nun ſahen ſie die Reiſe nac\<h Burgonden nahn. ; Um ſie begann zu ſorgen , beides, . Weib und Mann, Ob ſie wohl wiederkämen in- ihrer Heimat Land. Sie geboten aufzuſäumen die Waffen und das Gewand. Schön waren ihre Roſſe, : ihr Reitzeug goldesroth: - Wenn wer ſich höher däuchte, ſo war es ohne Noth, * Als der Degen Siegfried und die in ſeinem Bann. Nun bat er; daß er Urlaub nac\< Burgondenland gewann. Den gaben ihm mit Trauern König und Königin. Er tröſtete ſie beide mit minniglichem Sinn Und ſprach : „Ihr ſollt nicht weinen um-den Willen mein Immer ohne. Sorge ſollt ihr um mein Leben ſein.“

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Es ward leid den Re>en, auch weinte manche Maid; Sie hatten wohl im Herzen gefunden den Veſcheid, Sie müſtens einſt entgelten durch lieber Freunde Tod. Sie hatten Grund zu klagen, es ſchuf ihnen wahrlich Noth. Am ſiebenten Morgen zt Wormes an dem Strand Ritten ſchon die Kühnen: da war all ihr Gewand Aus rothem Gold gewoben, ihr Reitzeug wohlgethan, Die Roſſe giengen eben den Degen in Siegfrieds Bann. Neu waren ihre Schilde, licht und breit genug, Und gar ſchön die Helme bei dem Hofeszug Siegfried des kühnen in König Gunthers Land. Man erſah an Helden nie ſo herrlich Gewand. Der Sc\<werter Enden giengen nieder auf die Sporen, Scharfe Spieße führten die Ritter anserkoren, Von zweier Spannen Breite war welchen Siegfried trug; Der hatt an ſeiner Schneide grimmer Schärfe genug. Die goldfarbnen Zäume führten ſie an der Hand; Der Bruſtrien! war von Seide: ſo kamen ſie ins Lond. Da gafften ſie die Leute allenthalben an, Entgegen liefen ihnen die Reken in Gunthers Bann. Die hoc\<hbeherzten Degen, Ritter ſo wie Knecht, Die giengen zu den Herren, ſo war es Fug und Recht, Die Gäſte zu empfangen in ihrer Herren Land; Sie nahmen ihnen die Pferde mit den Schilden von der Hand. Da wollten ſie die Roſſe in die Ställe ziehn. Wie ſprach da fo geſhwinde Siegfried der Degen kühn: „Laßt uns ſtehn die Pferde, mir und den meinen dort: Wie mir iſt zu Muthe, ſo reit ich bald wieder fort.

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„Wem die Märe kund iſt, der laße ſich befragen : Wo ich den König finde, das ſoll man mir ſagen, Gunther den reichen aus Burgondenland.“ Da ſaget* es ihm Einer, dem es wohl war bekannt. „Wollt ihr den König finden, das mag gar wohl geſchehn. In jenem weiten Saale hab ich ihn geſehn Unter ſeinen Helden z; da geht zu ihm hinan, So mögt ihr bei ihm finden manchen herrlichen Mann. “ Nun war auch dem König die Märe ſchon geſagt , Daß gekommen wären Ritter unverzagt, | Sie führten reiche Harniſche und herrlich Gewand, Sie erkenne Niemand in der Burgonden Land. Den König nahm es Wunder, woher gekommen ſei'n Die herrlichen Ne>ken im Kleid von lichtem Schein , Und mit ſo guten Schilden, ſo nen und ſo breit: Daß ihm das Niemand ſagte, das war König Gunthern leid. Da ſprach zu dem König von Meß Herr Ortewein, Reich und fühnes Muthes mochte der wohl ſein: „Da wir ſie nicht erkennen, ſo heißet Jemand gehn Nach meinem Oheim Hagen: dem follt ihr ſie laßen fehn. „Dem find wohl kund die Reiche und alles fremde Land: Hat er von ihnen Kunde, das mach er uns bekannt.“ Der König ließ ihn holen und die in ſeinem Lehn: Man ſah ihn ſtolzes Schrittes mit Ne>en nach Hofe gehn. Warum nach ihm der König, frug Hagen da, geſandt? „Es ſind in meinem Hauſe Degen unbekannt, Die Niemand weiß zu nennen: habt ihr ſie je geſehn, Das ſollſt du mir, Hagen, nac\< der Wahrheit geſtehn.“

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„Das will ich,“ ſpra\< Hagen. Zum Fenſter ſchritt er drauf, Da ließ er nach den Gäſten den Augen freien Lauf. Es gefiel ihm ihr Geräthe und auch ihr Gewand z; Sie waren ihm gar fremde in der Burgonden Land. Er ſprach: „Woher die Neiten auch kamen an den Nhein, Es möchten ſelber Fürſten "oder Fürſtenbofen ſein. Schön ſind ihre Roſſe und ihr Gewand iſt gutz Von wannen ſie auch kommen, es ſind Helden hochgemuth.“ Alfo ſprach. da Hagen: „I\< will euch geſrehn, Ob ich gleich im Leben -Siegfrieden nicht geſehn, So will ich doch wohl glauben , wie es damit auch ſteht, Daß Er es ſei, der Degen, der ſo herrlich dorten geht. „Er bringet neue. Märe her in dieſes Land: Die kühnen Nibelungen ſchlug des Helden Hand, Die reichen Königsſöhne Schilbung und Nibelung ; Er wirkte große Wunder mit des ſtarken Armes Schwung. „Als der Held alleine ritt ohne Hülf und Macht, Fand er an einem Berge, ſo ward mir hinterbrächt, Bei König Niblungs Horte gar manchen kühnen Mannz Sie waren ihm gar fremde, bis er hier 'die Kunde gewann. „Der Hort König Niblungs ward hervorgetragen Aus einem hohlen Berge: nun höret Wunder ſagen, Wie ihn theilen wollte “ der Nibelungen Bann. Das ſah der Degen Siegfried, den es zu wundern begann. So nahe kam er ihnen, daß er die Degen ſah Und ihn die Helden wieder. Der Eine ſagte da: Hier kommt der ſtarke Siegfried, der- Held aus Niederland, Seltſame Abenteuer er bei den Nibelungen fand.

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„Den Reden wohl empfiengen Schilbung und Nibelung. Einhellig baten die edeln Fürſten jung, Daß ihnen theilen möchte den Hort der werthe Mann: Das begehrten ſie, bis endlich ers zu geloben begann. „Er ſah ſo viel Geſteines,; wie wir hören ſagen, Hundert Doppelwagen, die möchten es nicht tragen; Noc\< mehr des rothen Goldes von Nibelungenland : Das Alles ſollte theilen des fühnen Siegfriedes Hand. „Sie gaben ihm zum Lohne König Niblungs Sc\<wert: Da wurden ſie des Dienſtes gar übel gewährt, Den ihnen leiſten ſollte Siegfried der Degen gut. Er konnt es nicht vollbringen: ſie hatten zornigen Muth. * „So muſt er ungetheilet den Schaß laßen ſtehn. Da beſtritten ihn die Degen in der zwei Könge Lehn. „Mit ihres Vaters Schwerte, das Balmung war genannt, Stritt ihnen ab der Kühne den Hort und Nibelungenland. „Da hatten ſie zu Freunden kühne zwölf Mann, Das waren ſtarke Nieſen: was konnt es ſie verfahn? Die erſchlug im Zorne Siegfriedens Hand Und ſiebenhundert Re&en zwang er vom Nibelungenland „Mit dem guten Schwerte, das Balmung war genannt. Viel der jungen Degen, vom Schre>en übermannt, Den vor dem Schwert ſie hatten und vor dem kühnen Mann, Das Land mit den Burgen machten ſie ihm unterthan. „Dazu die reichen Könige, die ſchlug er beide todt; Er fam durch Alberichen darauf in große Noth: Der wollte ſeine Herren rächen gallzuhand , Eh er die große Stärke no\< an Siegfrieden fand. GSimrod>, das Nibelungenlied.

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„Da war ihm nicht gewachſen der gewaltge Zwerg: Wie die wilden Leuen liefen ſie an den Berg, Als er die Tarnkappe Albrichen abgewann. Da war der Herr des Hortes Siegfried der furc\<tbare Mann. „Die ſich getraut zu fechten, die lagen all erſchlagen: Er ließ den Hort wieder nach dem Berge tragen, Woraus ihn erſt genommen die in Niblungs Bann: Alberich der ſtarke das Amt des Kämmrers gewann. „Er muſt ihm Eide ſchwören, er dien ihm als ſein Knecht, Mit allerhand Dienſten ward er ihm gerecht,“ So ſprach von Tronje Hagen: „das hat der Held gethan : Alſo große Kräfte nie mehr ein Re>e gewann. „No\< ein Abenteuer iſt mir von ihm bekannt: Einen Linddrachen ſchlug des Helden Hand; Da er im Blut ſich badete, ward hörnern ſeine Haut: Nun verſehrt ihn keine Waffe: das hat man oft an ihm geſchaut. „Drum rath ich, daß den Jüngling man wohl 'empfangen ſoll, Damit wir nicht verdienen des ſchnellen Reen Groll; Er iſt ſo ſchön von Wuchſe, man ſeh ihn freundlich an: Er hat mit ſeinen Kräften ſo manche Wunder gethan. “ * Da ſprach der reiche König: „Fürwahr, du haſt wohl recht. Wie ritterlich er daſteht, als gält es ein Gefecht, Dieſer fühne Degen und die in ſeinem Lehn ! Wir wollen ihm entgegen hinab zu dem Neen gehn.“ * „Das mögt ihr,“ ſprac\< da Hagen, „mit allen Ehren ſchon: Er iſt von edelm Stamme, eines reichen Königs Sohn; Auch hat er die Gebähre, mich dünkt, beim Herren Chriſt, Es ſei nicht kleine Märe, warum er hergeritten iſt,“ Lahm. 98-- 102.

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Da ſprach des Landes König: „Nun, ſei er uns willfommen, Er iſt kühn und edel, das hab ich wohl vernommen: Das foll er genießen in Burgondenland.“ Da gieng der König Gunther hin wo er Siegfrieden fand. Der Wirth vnd ſeine Gäſte empfiengen ſo den Mann, Daß wenig an dem Gruße gebrach, den er gewann; Des neigte ſich vor ihnen der Degen auserſehn, Weil ihm ſo recht freundlih die Grüße waren geſchehn. „Mich wundert,“ ſprach der König Gunther allzuhand, „Woher ihr, edler Siegfried, gekommen in dieß Land, Oder was ihr-ſuchen wollet zu Wormes an dem Nhein?“ Da ſprac\< der Gaſt zum König: „Das ſoll euch unverholen ſein. „I\< habe ſagen hören in meines Vaters Land, An euerm Hofe wären (das hätt ich gern erkannt) Die allerfühnſten Re>en (ſo hab ich oft vernommen), Die je gewann ein König: darum bin ich hieher gekommen. „So hör ich auch euch ſelber Mannheit zugeſtehn, Man habe keinen König noch ſo kühn geſehn. Das rühmen viel die Leute über allem dieſem Land: Nun kann ichs nicht verwinden, bis ich die Wahrheit befand. „I\< bin auch ein Re>e und ſoll die Krone tragen : I\< möcht es gerne fügen, daß ſie von mir ſagen, Daß ich mit Recht beſäße die Leute wie das Land; Mein Haupt und meine Ehre ſeß ich gern dafür zum Pfand. „Seid ihr nun fo verwogen, wie euch die Sage zeiht, So frag ich nicht, iſt8 Jemand lieb oder leid: I\< will von en\< erzwingen was euch angehört, Das Land und die Burgen unterwerf ich meinem Schwert.“

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Der König war verwundert und all ſein Volk umher, Als ſie vernommen hatten ſein ſeltſam Begehr, Das er des Willens wäre, zu nehmen ihm ſein Land: Das hörten ſeine Re>en, die wurden zornig zur Hand. „Wie hätt ich das'verdienet?“ ſprach Gunther der Degen , „Daß, wes mein Vater lange mit Ehren durfte pflegen, Wir das verlieren ſollten von Jemands Ueberkraft? Das wäre ſc\<hlec\<t bewieſen , daß wir auch pflegen Nitterſchaft !“ „I\< kann es nicht verwinden,“ fiel ihm der Kühne drein, „Es mag vor deiner Herrſchaft dein Land befriedet ſein: I\< will es nun verwalten; doch auch das Erbe mein, Erwirbſt du es durch Stärke, es ſoll dir unterthänig ſein. „Dein Erbe und das meine, gleich ſollen beide liegen; - Und wer dann von uns beiden den Andern mag beſiegen, Dem ſoll es Alles dienen, die Leute wie: das Land.“ Dem widerſprach da Hagen und auch Gernot zur Hand. „So ſtehn uns nicht die Sinne,“ ſprach da Gerenot, „Nah neuen Lands Gewinne, daß Jemand ſollte todt Vor Heldeshänden liegen: reich iſt unſer Land, j Das uns mit Recht gehorſamt, zu Niemand beßer bewandt.“ Da ſtanden grimmen Muthes umher die Freunde ſein; Da war auch darunter von Meß Herr Ortewein: Der ſprach: „Dieſe Sühne iſt mir von Herzen leid: Euch ruft der ſtarke Siegfried ohn allen Grund in den Streit. „Steht ihr und eure Brüder ihm auc\< nicht zur Wehr, Und ob er bei ſich führte ein ganzes Königsheer,' So wollt ichs doch erſtreiten, daß der kühne Held Mit gutem Ne\<ht bei Seite vun herriſches Weſen ſtellt.“

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Darüber zürnte mächtig der Held von Niederland: „Nicht wider mich vermeßen darf. ſich deine Hand Ich bin ein reicher- König, du biſt in Königs Lehn; Wohl. dürfen deiner Zwölfe üg Streit mich nimmer beſtehn. “ Nach Schwertern rief da heftig von Meß Herr Ortewein: Von Tronje Hageus Sc\<weſterſohn, der durft er wahrlich ſein; Daß der ſo lang geſchwiegen, das war dem König leid. Da unterfieng ſichs: Gernot, der Ritter kühn und kämpfbereit. Er ſprach zu Orteweinen: „Laßt euer Zürnen ſein; Es ſoll der Degen Siegfried ſich nicht mit uns entzwein ; Wir mögens wohl noch ſcheiden ' im Guten, rath ich ſehr, Und ihn- zum Freunde haben, das geziemt uns wahrlich mehr. Da ſprach der ſtarke Hagen: „In Wahrheit, mir iſt leid, Und deinen Degen allen, daß er je zum Streit Her an den Nhein geritten: was ließ er das nicht ſein ? Ihm wären nicht ſo übel. begegnet hier die Herren mein.“ Zur- Antwort gab ihm Siegfried, der kräftige Held: „Wenn Luch, was ich geſprochen, Herr Hagen, miſsfällt, So will ich ſchauen laßen , wie noch die Hände mein So gewaltig wollen bei den Burgonden ſein, “. - „Das hoff ich noch. zu wendenz“ ſprach wieder Gernot. Allen ſeinen Degen zu reden er verbot In ihrem Uebermüthe ; was ihm wäre leid. Da gedacht auch Siegfried an die viel herrliche Maid. „Wie geziemt* uns mit euch zu ſtreiten ?“ ſprach wieder Gernot, „Wie viel dabei“ der Helden. auch fielen in den Tod, Uns brächt es wenig Ehre und euch geringen Lohn, “ Zur Antwort gab ihm Siegfried, König Siegmundes Sohn: :

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„Warum zögert Hagen und auch Ortewein ? Was eilt er nicht zum Streite mit den Freunden ſein, Deren er ſo Manchen bei den Burgonden hat 2“ Sie blieben Antwort ſchuldig, das war Gernotens Rath. „Ihr ſeid uns hier willkommen,“ ſprach das Uten - Kind, „Und eure Heergeſellen, die mit euch kommen ſind: Wir wollen gern euch dienen, ich und die Freunde mein. “ Da hieß man den Gäſten ſchenken König Gunthers Wein. Da ſprach der Wirth des Landes: „Was uns gehöret an, Verlangt ihr es in Ehren, das ſei euch unterthan ; Wir wollen mit euch theilen unſer Gut und Blut.“ Da ward dem Degen Siegfried ein wenig ſanfter zu Muth Da ließ man ihnen wahren all ihr Rüſtgewandz; Man ſuchte Herbergen, die beſten, die man fand, Siegfriedens Knechten? die hatten gut Gemach. Man ſah den Fremdling gerne in Burgondenland hernach. Man bot ihm große Ehre darauf in manchen Tagen, Mehr zu tauſend Malen, als ich euch könnte ſagen; Das hatte ſeine Tugend verdient, das glaubt fürwahr. Ihn ſah wohl ſelten Jemand, der ihm nicht gewogen war. Der Kurzweil ſich flißen die Könge und ihr Bann: Da war er ſtäts der Beſte, was man auc\< begann ; Es fonnt ihm Niemand folgen, ſo groß war ſeine Kraft, Ob ſie den Stein warfen, oder ſchoßen den Schaft. So oft ſie vor den Frauen in ihrer Höflichkeit Der Kurzweile pflagen, die Degen allbereit, Da ſah man immer gerne den Held von Niederland; Er hatt auf hohe Minne ſeine Sinne gewandt,

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+ Die ſchönen Fraun am Hofe fragten nach der Mär, Wer doch dieſer fremde, ſtolze Nitter wär? „Er iſt ſo ſchön von Leibe, ſo reich iſt ſein Gewand!“ Da ſprachen ihrer Viele: „Das iſt der Held von Niederland. “ Was man je begounte, er war dazu bereit; Er trug in ſeinem Sinne eine minnigliche Maid, Und anch nur ihn die Fraue, die er noch nie geſchaut, Und die ihm doch viel Gutes in der Stille zugetraut. So oft man auf dem Hofe das Waffenſpiel begann, Ritter ſo wie Knechte, immer ſah) es an Kriemhilde durch die Feuſter, die Königstochter hehr ; Keiner andern Kurzweil bedurfte ſie fürder mehr. Und wüſt er daß ihn ſähe, die er im Herzen trug, So hätt er Kurzweile immer auch genug. Erſähn ſie ſeine Augen, ich glaube ſicherlich, Wohl keine andre Freude auf Erden erwünſcht? er ſich. Wenn er bei den Helden auf dem Hofe ſtand, Wie man noch zur Kurzweil pflegt in allem Land, Wohl ſtand er dann ſo minniglih, der Sieglinden - Sohn, Daß manche Frau ihm zollte der Minne herzlichen Frohn. Er gedacht aneh manche Stunde: „Wie ſoll das geſchehn, Daß ich das edle Mägdelein mit Augen möge ſehn, Die ich von Herzen minne, wie ich ſchon längſt gethan? Die iſt mir noch gar fremde; mit Trauern denk ich daran.“ So oft die reichen Könige ritten in ihr Land, So muſten auch die Re>en mit ihnen all zur Hand: Auch Siegfried ritt mit ihnen; das war den. Frauen leid: Er litt durc\< ihre Minne Beſchwerde zu mancher Zeit. Lahm. 151-436.

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So wohnt" er bei den Herren, das iſt alles wahr, In König Gunthers Lande völliglich ein Jahr, Daß er die Minniglihe in all der Zeit nicht ſah, Durch die ihn bald viel Liebes und anch viel Leides geſchah.

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Viertes Abenteuer. Wie Siegfried mit den Sachſen ſtritt. Nun kommen fremde Mären in König Gunthers Land Durch Boten, die von ferne ihnen wurden zugeſandt Von unbekannten Re>en, die ihnen trugen Haß: A1s ſie die Nede hörten; gewiſs betrübte ſie das." Die will ich euch nennen: es war Lüdeger Aus der Sachſen Lande, ein König reich und hehr, Und auch vom Dänenlande der König Lüdegaſt; Die ſandten auf die Reiſe gar manchen herrlichen Gaſt. Ihre Boten kamen in König Gunthers Land, Die ſeine Widerſacher hatten hingeſandt; Da frug man um Märe die Unbekannten gleich, Und führte bald die Boten zu Hofe vor den König reich. Schön grüßte ſie der König und ſprach: „Seid willkommen; Wer euch hieher geſendet, hab ich noch nicht vernommen : Das ſollt ihr hören laßen,“ ſprach der König gut, Da bangten ſie gewaltig vor des grimmen Gunthers Muth. „Wollt ihr erkauben, König, daß wir uns des Berichts Entledgen, den wir bringen, ſo hehlen wir euch nichts. Wir nennen euch die Herren, die. uns hieher geſandt : Liüdegaſt und Lüdeger die ſuchen heim euer Land.

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„Ihren Zorn habt ihr verdienet: wir erfuhren das, Daß eu\< die Herren beide tragen großen Haß. Sie wollen heerfahrten , nach Wormes an den Nhein ; Ihnen helfen viel der Degen: des ſollt ihr gewarnet ſein. „Binnen zwölf Wochen muß ihre Fahrt geſchehn ; Habt ihr nun guter Freunde, ſo laßt es balde ſehn, Die euch befrieden helfen die Burgen und das Land: Hier werden ſie verhauen manchen Helm und Schildesrand. „ Oder wollt ihr unterhandeln, ſo macht es offenbar, So reitet euch ſo nahe nicht ſo manche Schar Eurer ſtarken Feinde zu bitterm Herzeleid, Davon verderben müßen viel Nitter gut nnd kühn im Streit.“ „Nun harret eine Weile (ich künd euch meinen Muth), Daß ich mich recht bedenke,“ ſprach der König gut. „Hab ich noch Getrene, denen will ichs ſagen, Dieſe ſchwere Botſchaft muß ich meinen Freunden klagen.“ Gunther dem reihen war es leid genug; Den Botenſpruch er heimlich in ſeinem Herzen trug. Er ließ berufen Hagen und andr in ſeinem Lehn, Und ließ auch gar geſhwinde zu Hof nach Gernoten gehn. Da kamen ihm die Beſten, ſo viel man deren fand, Er ſprach : „Die Feinde wolſen heimſuchen unſer Land Mit ſtarken Heerfahrten, das ſei euch geklagt.“ Zur Antwort gab da Gernot, ein Ritter kühn und unverzagt: „Dem wehren wir mit Schwertern,“ ſprach da Gernot, „Da ſterben nur Die müßen: die laßet liegen todt. I\< werde nicht vergeßen darum der Ehre meint Unſere Widerſacher ſollen uns willkommen ſein, “

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Da ſprach von Tronje Hagen: „Das dünket mich nicht gut ; Lüdegaſt und Lüdeger ſind voll Uebermuth, Wir können uns nicht ſammeln in ſo kurzen Tagen :“ So ſprach der kühne Re>e, „man ſoll es Siegfrieden ſagen.“ Da gab man den Boten Herbergen in der Stadt; Wie feind man ihnen wäre, 'ſie gut zu pflegen bat Gunther der reihe (das war wohlgethan), Bis er erprobt an Freunden, wer folgen wolle ſeinem Bann. Der König trug im Herzen Sorge viel und Leid. Da ſah ihn alſo trauern ein Degen allbereit, Der nicht wißen mochte was ihm war geſchehn ; Da bat er König Gunthern, ihm die Märe zu geſtehn. Da ſprach Degen Siegfried: „Wunder nimmt mich dieß, Wie euch die frohe Weiſe ſo völlig verließ, Deren ihr ſo lange mit uns mochtet pflegen.“ Zur Antwort gab ihm Gunther, der viel zierliche Degen : ' „Wohl mag ich allen Leuten nicht von dem Leide ſagen , Das ich muß verborgen .in meinem Herzen tragen: Stäten Freunden klagen ſol! man des Herzens Noth.“ Siegfriedens Farbe ward da bleich und wieder roth. » Er ſprach zu dem Könige: „Ic\<h hab euch nichts verſagt, - I\< will euch wenden helfen alles was ihr flagt; Wollt ihr Freunde ſuchen, ſo will ich Einer ſein, Und getrau es zu vollbringen mit Ehren bis ans Ende mein.“ „Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried, die Rede dünkt mich gut; Und kann mir nimmer helfen enre Kraft und hoher Muth, So freut mich doch die Märe, daß ihr ſo hold mir ſeid: Leb ich noch eine Weile, ich bins zu lohnen bereit.

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„Ich will euch hören laßen was mich traurig macht. Von meinen Feinden wurde mir Botſchaft überbracht, Daß ſie mich ſuchen wollen mit Heerfahrten hie: Das geſchah uns von Degen in dieſem Lande noch nie.“ „Das laßt euch wenig kümmern,“ der Degen Siegfried bat, „Sänftet eur Gemüthe und thut nach meinem Rath. Laßt mich für euch erwerben Ehre ſo wie Frommen, Und entbietet eure Degen, daß ſie euch zu Hülfe kommen. „Ob eure ſtarken Feinde zu Helfern fich erſehn Dreißigtauſend Degen, ſo wollt ich ſie beſtehn, Und hätt ich ſelbſt nur tauſend; verlaßt euch auf mich.“ Da ſprach der König Gunther: „Das verdien ich ſtäts um dich. “ „So helft mir eurer Leute gewinnen tauſend Mann, Weil ich von den Meinen mehr nicht ſtellen kann Als der Recken zwölfe: ſo wehr ich euer Land: Jmmer ſoll getrenlih euch dienen Siegfriedens Hand. - Dazu ſoll Hagen helfen und auch Ortewein, Dankwart und Sindolt, die lieben Reden dein; Auch ſoll da mit uns reiten - Völker der kühne Mann ; Der ſoll die Fahne führen: feinen Beßern trefft ihr an. „Und laßt die Boten reitet .in ihrer Herren Land, Daß ſie uns bald da ſähen, macht ihnen das bekannt, So daß unſre Burgen befriedet müßen ſein.“ Der König hieß beſenden Freund und. Mannen insgemein. Zu Hofe giengen wieder die- Lüdeger gefandt, Sie freuten ſich der Reiſe zurück ins Heimatland; Da bot ihnen reiche Gabe Gunther der König gut, Und ſicheres Geleite :- des waren ſie wohlgemuth.

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„Nun ſaget,“ ſprach da Gunther, „den ſtarken Feinden mein, Sie möchten nicht zu eilig mit ihrer Reiſe ſein ; Do\< wollten ſie mich ſuchen hier in meinem Land, Mir zerrännen denn die Freunde, ſo werd ihnen Noth bekannt. “ Den Voten reiche Gabe man da zur Stelle trug, Deren hatte Gunther zu geben genug: Die durſten nicht verſhmähen die Lüdeger geſandt. Sie nahmen ihren Urlaub und räumten fröhlich das Land. Als die Boten waren nach Dänemark gekommen , Und der König Lüdegaſt den Botenſpruch vernommen, Wie ſie vom Rheine ſchieden, als man ihm das geſagt, Sein übermüthig Weſen ward da ſehr von ihm beklagt. Sie ſagten ihm, ſie hätten manch kühnen Mann im Lehn: „Darunter ſah man Einen vor König Gunthern ſtehn, Der war geheißen Siegfried, ein Held von Niederland.“ Leid war es Lüdegaſten,. als er die Dinge ſo befand. Als Die vom Dänenlande hörten dieſe Mär, Da eilten ſie, der Freunde zu gewinnen deſto mehr, Bis der König Lüdegaſt aus ſeinem kühnen Bann Zwanzig kauſend Degen zu ſeiner Heerfahrt gewann. Da beſandte ſich auch von Sachſen der König Lüdeger, Bis ſie vierzig tauſend hatten und wohl mehr, Womit ſie reiten wollten nach Burgöndenland. Da hatt auch ſchon zu Hanſe der König Gunther geſandt Zu ſeinen Lehnsleuten und ſeiner Brüder Banu, Die ſie führen wollten im Kriegszug hindann , Und auch zu Hagens Neken: das that den Helden Noth. Darum muſten Degen bald erſchauen den Tod.

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Sie eilten ſich zu rüſten. Als man die Fahrt begann, Die Fahne muſte führen Volker der kühne Mann; So wollten ſie von Wormes reiten überrhein: Hagen von Tronje, der muſte Sc\<harmeiſter ſein. Mit ihnen ritt au\< Sindolt und der kühne Hunolt, Die mochten wohl verdienen König Gunthers Gold; Dankwart, Hagens Bruder und auch Ortewein, Die mochten wohl mit Ehren bei dem Heerzuge ſein. „Herr König,“ ſprach da Siegfried, „bleibet Ihr zu Haus: Da mir eure Degen folgen zu dem Strauß, So weilet bei den Frauen und traget hohen Muth: Ich will euch wohl behüten die Ehre und auch das Gut. „Die enc\<h heimſuchen wollen zn Wormes an dem Nhein, Daß ſie zu Hauſe bleiben, will ich ihr Hüter ſein: Wir wollen ihnen reiten ſo nah ins eigne Land, Daß ihnen bald in Sorge der Uebermuth wird gewandt.“ Vom Nheine ſie durch Heſſen mit ihren Helden ritteu Nach dem Sachfſenlande: da wurde bald geſtritten. Mit Naub und mit Brande verheerten ſie das Land, Daß bald den Fürſten beiden ward Noth und Sorge bekannt. Sie kamen an die Marke; die Knechte rüten au. Siegfried der ſtarke zu fragen da begann : „Wer ſoll nun der Hüter des Geſindes ſein?“ Wohl konnte nie den Sachſen ein Heerzug übler gedeihn. Sie ſprachen: „Laßt des Volkes hüten auf den Wegen Dankwart den kühnen, das iſt ein ſchneller Degen: Wir verlieren deſto minder durch Die in Lüdgers Lehn; Laßt ihn mit Ortweinen hie die Nachhut verſehn.“

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„So will ich ſelber reiten,“ ſprach Siegfried der Degen, „Den Feinden gegenüber der Warte zu pflegen, Bis ich recht erkunde, wo die Reken ſind.“ Da ſtand bald in den Waffen der ſchönen Sieglinde Kind. Das Volk befahl er Hagen als er zog hindann, Und auch Gernoten, dieſem kühnen Mann. So ritt er ganz alleine in der Sachſen Land z Da ward von ihm verhauen des Tages manches Helmes Band. Er ſah ein groß Geſchwader, das auf dem Felde zog, Und eines Einzeln Kräfte gewaltig überwog: Es waren vierzig tauſend oder wohl noch mehr; Siegfried im hohen Muthe ſah gar fröhlich das Heer. Auch hatte ſich ein Re>e aus der Feinde Schar Erhoben auf die Warte, der Wacht hielt immerdar: Den ſah der Degen Siegfried, und ihn der kühne. Mann; Jedweder da des Andern mit Zorn zu hüten begann. Ic\<h ſag euch, wer der wäre, der hier der Warte pflag; Ein lichter Schild von Golde vor der Hand ihm lag; Es war der König Lüdegaſt, der hütete ſein Heer. Der edle Fremdling ſprengte gewaltig auf ihn daher. Nun hatt auch ihn ſich Lüdegaſt feindlich auserkoren ; Ihre Roſſe reizten Beide zur Seite mit den Sporen, Sie neigten anf die Schilde den Schaft mit aller Kraft: Da kam der reiche König davon in großer Sorgen Haft. Dem Stich gehorſam trugen die Roſſe pfeilgeſchwind Die Könge zu einander, als wehte ſie der Wind: Dann mit den Zäumen lenkten ſie ritterlich zurü>: Die grimmen Zwei verſuchten da mit dem Schwerte das Glüc>.

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Da ſchlug der Degen Siegfried, daß rings das Feld erklang. Da ſtoben aus dem Helme, als ob man Brände ſchwang, Die feuerrothen Funken von des Helden Handz Den Seinen Jedweder an dem Andern wiederfand. Da ſchlug auch ihm Herr Lüdegaſt gar manchen grimmen Schlag ; Jedweder auf dem Schilde mit allen Kräften lag. Da hatten es wohl Dreißig gewahrt aus ſeinem Bann: Eh die zu Hülfe kamen den Sieg doch Siegfried gewann, Mit dreien ſtarken Wunden, die er dem König ſchlug, Durch einen weißen Harniſch; der war doch feſt genug. Das Schwert mit ſeiner Schärfe entlo>te Wunden Blutz Da gewann der König Lüdegaſt einen traurigen Muth. Er bat ihn um ſein Leben und bot ihm all-ſein Land Und ſagt? ihm wie er wäre Lüdegaſt genannt. Da kamen ſeine Re>en, die hatten wohl geſehn, Was da von ihnen Beiden war auf der Warte geſchehn. Er wollt ihn führen dannen: da ward er angerannt Von dreißig ſeiner Mannen: doch wehrte ſeine Hand Seinen reichen Geiſel mit ungeſtümen Schlägen : Bald that noch größern Schaden Siegfried der zierliche Degen. Die dreißig da zu Tode der Degen wehrlich ſchlug; Ihrer Einen ließ er leben: der ritt da ſchnell genug Und brachte hin die Märe von dem was hier geſchehn ; Anch konnte man die Wahrheit an ſeinem rothen Helme ſehn. Gar leid war das den Re&en aus dem Dänenland, Als ihres Herrn Gefängniſs ihnen ward befanntz Man ſagt? es ſeinem Bruder: der fieng zu toben an In ungeſtümem Zorne, denn ihm war wehe gethan.

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Lädegaſt der Re>e ward hinweggebracht Zu Gunthers Ingeſinde von Siegfriedens Macht; Er übergab ihn Hagen.. Als ihnen ward geſagt, Daß es der-König wäre, da wurde mäßig geklagt. Man gebot den Burgonden: die Fahne bindet an. „Wohlauf,“ ſprach da Siegfried, „hier wird noch mehr gethan, Eh der Tag ſich neiget, verlier ich nicht den Leib: Das betrübt in Sachſen noch manches waidliche Weib. „Ihr Helden von dem Nheine, ihr ſollt mein nehmen wahr: Ich kann euch wohl geleiten zu Lüdegers Scharz Da gilts ein Helmverhauen von güter Helden Handt - ; Eh wir uns wieder wenden, wird ihnen Sorge bofannta“ Zu den Roſſen ſprangen Gernot und Die in ſeinem 6 Bald trug die Heerfahne der kühne Fiedelmann, Volker der Herre, und ritt der Sc\<ar vorauf. Da war auch das Geſinde zum Streite muthig und wohlauf. Es waren doch der Degen nicht mehr als tauſend Mann, Darüber zwölf Ne>en. Zu ſtieben da begann Der Staub von den Straßen. Sie ritten über Land, Man ſah von ihnen glänzen manchen ſchönen Schildesrand. Nun waren auch die Sachſen mit ihrer Schar gefommen , Mit Schwertern wohl gewachſen, das hab ich wohl vernommen z Die Waffen ſchnitten mächtig den Helden an der Hand: Da wollten ſie die Gäſte von Burgen wehren und Land. Der: Herren Scharmeiſter führten das Volk hindann. Da war auch Siegfried kommen. mit den zwölf Mann, Die er mit ſich führte 'aus dem Niederland. Des. Tags ſah man im Sturme manche blutige Hand.

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Sindolt und Hunolt und auch Gernot, Die ſchlugen in dem Streite viel der Helden todt, Eh ſie rec\<ht erkundeten wie kühn war ihr Leibz; Das muſte bald beweinen gar manches waidliche Weib. Volker und Hagen und auch Ortewein Löſchten in dem Streite manc\<hes Helmes Schein Mit fließendem Blute, die Kühnen in der Sc\<lacht. Von Daäankwarten wurden viel große Wunder vollbracht. Die vom Dänenlande verſuchten ihre Hand; Von Stößen laut erſchallte mancher Schildesrand, Und auch von ſcharfen Schwertern, deren man viel zerſchlug; Die ſtreitfühnen Sachſen thaten Schadens auch genug. Als die Burgonden drangen in den Streit, Von ihnen ward gehauen manche Wunde weit; Da ſah man über Sättel fließen das Blut: So warben um die Ehre dieſe Helden fühn und gut. Man hörte laut erhallen den Helden an der Hand Ihre ſcharfen Waffen, als Die von Niederland Ihrem Herrn nachdrangen in die dichte Schar t Die Zwölfe kamen ritterlich zugleich mit Siegfrieden dar. Deren von dem Rheine kam ihnen Niemand nach. Man konute fließen ſehen den blutrothen Bach Dur die lichten Helme von Siegfriedens Hand, Bis er Lädegeren vor ſeinen Heergeſellen fand. Dreimal die Wiederkehre hatt er nun genommen, Vis an des Heeres Ende; da war auch Hagen komment Der half ihm wohl erfüllen im Kampfe feinen Muth. Da muſte bald erſterben vor ihnen mancher Nitter gut.

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Als der ſtarke Läüdeger Siegfrieden fand, Wie er ſo erhaben trug in ſeiner Hand Balmung den guten und da ſo Manchen ſchlug, Darüber ward der Segen erzürnt und grimmig genug. Da gab es ſtark Gedränge und großen Schwerterklang, Als ihr Ingeſinde aufeinander drang: Da verſuchten deſto grimmer die beiden Reen ſich; Die Scharen wichen beide: der Zorn wurde fürchterliche Dem Vogt vom Sachſenlande war es wohlbekannt, Sein Bruder ſei gefangen, drum war er zornentbrannt ; Auch wuſt er, ders vollbrachte, ſei der: Sieglinden - Sohn. Man zeihte des Gernoten; do\<h bald befand es ſich ſchon. Da ſchlug ſo ſtarke Schläge König Lüdgers Schwert, Daß ihm unterm Sattel ſtrauchelte das Pferd z Doh bald erhob ſichs wieder. Der kühne Siegfried auch, Der gewann in dem Sturme einen furc\<tbareu Brauch. Ihm half dabei Herr Hagen wohl und Gereuot, Dankwart und Volker: da lagen Viele todt. Sindolt und Hunolt uud Ortwein der Degen, Die konnten in dem Streite zum Tode Manchen niederlegen. Untrennbar in dem Sturme waren die Fürſten hehr. Ueber die Helme fliegen ſah man da manc\<hen Sper Durch die lichten Schilde von der Helden Handz Da ſah man blutgeröthet manchen ſchönen Schildesrand, In dem ſtarken Sturme ließ ſich mancher Mann Nieder von den Noſſen. Da liefen einander an Siegfried der kühne und König Lüdeger; Da fah man Schäfte fliegen und manchen ſchneidigen Sper.

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Der Scildbeſchlag des Königs zerbrach vor Siegfrieds Hand. Sieg zu erwerben dachte der Held von Niederland An den kühnen Sachſen; ſie litten Ungemach. Hei! was da lichte Panzer der kühne Dankwart zerbrach! Da hatte König Lüdeger auf einem Sc\<ild erkannt Eine gemalte Krone vor Siegfriedens Hand: Da wuſt er wohl, er kämpfe mit dem kräftgen Mann; Laut auf zu ſeinen Freunden der. Held zu rufen begann: „Begebet euch des Streites, ihr All in meinem Bann! Den Sohn Siegmundens traf ich hier an, Siegfried den ſtarken, den hab ich hier erfanntz Den hat der böſe Teufel her zu den Sachſen geſandt.“ Er gebot die Fahne nieder zu laßen in dem Streit. Friedens er begehrte: der ward ihm nach der Zeit. Doch muſt er Geiſel werden in König Gunthers Land: Das hatt an ihm erzwungen König Siegfriedens Hand. Nach allgemeinem Rathe ließ man ab vom Streit: Viel der zerſchlagnen Helme und der Schilde breit Legten ſie aus Händen; ſo viel man deren fand, Sie waren blutgeröthet von der Burgonden Hand. Sie fiengen wen ſie wollten, ſie hatten volle Macht. - Gernot und Hagen, die ſchnellen, hatten A\<ht, Daß man die Wunden bahrte; da führten ſie hindann Gefangen nac\< dem Nheine der Kühnen fünfhundert Mann. Die ſiegloſen Reen zum Dänenlande ritten. Da hatten auch die Sachſen ſo tapfer nicht geſtritten, Daß ſie ſich Lob erworben: das war den Helden leid. Da beklagten ihre Freunde die Gefallnen in dem Streit.

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\<Bis 37 e> Sie ließen ihre Waffen auffäumen nach dem Rhein. Es hatte wohlgeworben mit den Händen ſein Siegfried der Ne>e, er hatt es wohl vollbracht: Das muſt ihm zugeſtehen König Gunthers ganze Macht. Nach Wormes ſandte Boten der Degen Gernot: Daheim in ſeinem Lande den Freunden er entbot, Wie es gelungen wäre ihm und ſeinem Bann; Wohl hatten da die Kühnen nach allen Ehren gethan. Die Botenknaben liefen; da ward es angeſagt: Da freuten ſich in Liebe, die eben noh geklagt, Dieſer lieben Märe, die ihnen war gefommen. Da ward von edeln Frauen . großes Fragen vernommen : „Wie es gelungen wäre des reichen Königs Lehn?“ Man ließ der Boten Einen zu Kriemhilden gehn. Das geſchah verſtohlen, ſie durft es wohl nicht laut; Es war ja Der darunter, dem ihr Herz ſie vertraut. Als ſie in ihre Kammer den Boten kommen ſah, Kriemhild die ſchöne gar gütlich ſprach ſie da: . „Nun ſag mir frohe Märe, ſo geb ich dir mein Gold, Und thuſt dus ohne Lügen, will ich dir immer bleiben hold. „Wie ſchied aus dem Streite mein Bruder Gernot Und andre meiner Freunde? Blieb uns Jemand todt? Oder wer that das Beſte? das ſollſt du mir ſagen.“ Da ſprach der Bote balde: „Wir hatten nirgend einen Zagen. „Zu des Streites Ernſte ritt Niemand ſo wohl, Viel edle Königstochter, weil ich es ſagen ſoll, Als der edle Fremdling aus dem Niederland: . Da wirkte große Wunder des kühnen Siegfriedes Hand.

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„Was die Recken alle im Streite da gethau, Dankwart und Hagen und des Königs ganzer Bann, Wie herrlich ſie auch ſtritten, das war doch gar ein Wind Allein gegen Siegfried, des König Siegmundes Kind. „Sie haben in dem Sturme der Helden viel erſchlagen; Doch möcht euch dieſer Wunder Niemand ein Ende ſagen, Die da Siegfried wirkte, ritt er in den Streit. Den Fraun an ihren Freunden that er da mächtiges Leid. Da muſte vor ihm fallen der Liebling- mancher Braut. -Seine Schläge ſchollen auf Helmen alſo laut, Daß ſie aus Wunden brachten das fließende Blut: Er iſt in allen Dingen ein Nitter kühn und auch gut. „ Was da hat begangen von Meß Herr Ortewein: Was er nur mocht erlangen mit dem Schwerte ſein, Das fiel vor ihm verwundet oder meiſtens todt. Da ſchuf euer Bruder die allergrößeſte Noth, „Die nur in Stürmen jemals mochte ſein geſchehn; Man muß dem Auserwählten die Wahrheit zugeſtehn. Die ſtolzen Burgonden ſind da ſo gefahren, Daß ſie vor allen Shanden die Ehre mochten bewahren. „Man ſah von ihren Händen der Sättel viel geleert, Als ſo laut das Feld erhallte von manchem lichten Sc\<wert. Die Reen von dem Rheine, die ritten allezeit, Daß ihre Feinde beßer vermieden hätten den Streit. „Au die kühnen Tronjer ſchufen viel Beſchwer, Als mit Volkeskräften zuſammen ritt das Heer. Da ſchlug ſo Manchen nieder des kühnen Hagen Hand, Daß viel davon zu ſagen wär in der Burgonden Land.

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„Sindolt und Hunolt in Gernotens Bann, Und Rumolt der kühne haben ſo viel gethan, Daß es Lüdger wahrlich immerdar beklagt, Daß er euern Brüdern hier am Rhein hat abgeſagt. „Fray, das Allerhöchſte, was im Streit geſchah, Vom Erſten bis zum Leßten, was Jemand nur ſah,- Das that der Degen Siegfried mit ritterliher Hand: Er bringet reiche Geiſel her in König Gunthers Land. „Die zwang mit feinen Kräften der ſtreitbare Held, Wovon der König Lüdegaſt den Schaden nun behält, Und auch von Sachſenlanden ſein Bruder Lüdeger: Nun höret meine Märe, viel edle Königin hehr! „Die Beiden hat gefangen Siegfriedens8 Hand; Nie ſo mancher Geiſel kam in dieſes Land, Als nun durch ſeine Tugend kommt an den Rhein. “ Ihr konnten dieſe Mären wohl nicht willkommener ſein. „Die bringen der Geſunden fünfhundert oder mehr, Und der zum Sterben Wunden, das wißet, Köngin hehr, Wohl achtzig rothe Bahren her in unſer Land: Die hat zumeiſt verhauen des kühnen Siegfriedes Hand. „Die uns ſo übermüthig widerſagten hier am Rhein, Die müßen nun Gefangene König Gunthers ſein: Die bringt man nun mit Freuden her in dieſes Land. “ Ihre lichte Farb erblühte, als ihr die Märe ward bekannt. Ihr Antliß, das ſ\<öue, wurde roſenroth, Da glüFlich war geſchieden aus ſo großer Noth Siegfried der junge, der waidliche Mann. Sie freute ſich auch der Freunde; da that ſie gar wohl daran.

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Da ſprach die Minnigliche: „Du haſt mir Heil bekannt, Dafür zum Lohne laß ich dir geben reich. Gewand, Und zehen Mark von Golde; die ſoll man dir tragen.“ Drum mag man ſolche Märe reichen Frauen gerne ſagen. . Da gab man ihm zum Lohne das Gold und auch das Kleid. Da trat an die Fenſter wohl manche ſchöne Maid Und ſchaute nach der Straße, durch die man reiten fand Viel hochbeherzte Degen in der Burgonden Land. Da kamen die Geſunden, der Wunden Schar auch kam: Die mochten grüßen hören von Freunden ohne Scham. Der Wirth ritt ſeinen Gäſten entgegen hocherfreut? Mit Freuden war beendet all ſein mächtiges Leid. Da empfieng er wohl die Seinen, die Fremden auch zugleich, Wie es nicht anders ziemte dem Könige reich, Als Denen gütlich danken, die da waren kommen, Daß ſie den Sieg mit Ehren im Sturme hatten genommen. Da ließ ſih Gunther Kunde von ſeinen Freunden ſagen, Wer ihm auf der Reiſe zu Tode wär erſchlagen :. Da hatt er nichts verloren bis auf ſechzig Mannz Die muſte man verſchmerzen wie man noch Manchen gethau. Da brachten die Geſunden zerhauen manchen Nand, Und viel zerſchrotne Helme in König Gunthers Land. Das Volk ſprang von den Roſſen. vor des Königs Saal; Zu liebem Empfange vernahm man größlichen Schall. Da gab man Herbergen den Recken in der Stadt. Der König ſeine Gäſte wohl zu pflegen bat; . Den Wunden ließ er Wartung und gute Ruh. verleihn: Wohl ließ er ſeine Tugend an den Feinden ſichtbar ſein.

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Er ſprach zu Lüdegaſten ; „Nun ſeid mir willkommen. Ic\<h habe großen Schaden durch eure Schuld genommen : Das wird mir nun vergolten, wenn ich das Glü> gewann. Gott lohne meinen Freunden; ſie haben Liebes mir gethan.“ „Wohl mögt ihr ihnen danken,“ ſprach da Lüdeger, „Solc\<he hohe Geiſel gewann kein König mehr. Um ritterlich Gewahrſam geben wir großes Gut, Und bitten, daß ihr gnädiglich hier an euern Feinden thut.“ „I\< -will en\< ,“ ſprach er, „Beide ledig laßen gehn ; Nur daß meine Feinde hier bei mir beſtehn, Dafür verlang ich Bürgſchaft, auf daß ſie nicht mein Land Verlaßen ohne Frieden.“ Darauf gab Lüdger die Hand. Man brachte ſie zur Ruhe, wo man ſie wohl verpflag, Und bald auf guten Betten mancher Wunde lag. Man ſchenkte den Geſunden Meth und guten Wein: Da konnte das Geſinde nimmer fröhlicher ſein. Die zerhaunen Schilde man zum Verſchluße trug; Blutgefärbter Sättel waren da genug: n Die ließ man verbergen, ſo weinten nicht die Fraun. Da waren reiſemüde viel gute Nitter zu ſchaun, Der König ſeine Gäſte gar gütlich verpflag. Von Heimiſchen und Fremden das Land erfüllet lagz Er ließ der Fährlihwunden gütlich verpflegen: Wie hart war darnieder nun ihr Uebermuth gelegen! Den wohlerfahrnen Aerzten bot man reichen Sold, Silber ungewogen, dazu das lichte Gold, Wenn ſie die Helden heilten nach des Streites Noth. Dazu viel große Gabe der König ſeinen Gäſten bot. Lahm, 243 = 251.

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Wer wteder heimzureiſen - ſann in ſeinem Muth, Den bat man noch zu bleiben, wie man mit Freunden thui. Der König gieng zu Nathe, wie er lohne ſeinem Bann: Sie hatten ſeinen Willen nach allen Ehren gethan. Da ſprach der Herre Gernot: „Laßt ſie jekt hindann : Ueber ſechs Wochen, fei ihnen kund gethan, Mögen ſie wieder kommen zu einem Hofgelag: Heil iſt dann Mancher, der erſt ſ\<hwer verwundet lag.“ | Da bat anch um den Urlaub Siegfried von Niederland. Als dem König Gunther ſein Wille ward bekannt, Bat er ihn gar minniglich, no\<h bei ihm zu beſtehn: Wenn nicht um ſeine Schweſter, ſo wär es nimmer geſchehn. Dazu war er zu mächtig, daß man ihm böte Sold; Er hätt es wohl verdienet. Der König war ihm hold, Und alle ſeine Freunde, die das mit angeſehn, Was da von ſeinen Händen in dem Kampfe war geſchehn. Um der Schönen willen er noh zu bleiben ſann, Vielleicht, daß er ſie ſähe; das ward auch bald gethan: Ganz nach ſeinem Wunſche ward ihm die Magd bekannt. Dann ritt er rei) an Freuden heim in König Siegmunds Land. Der Wirth bat alle Tage der Ritterſchaft zu pflegen : Das that mit gutem Willen mancher junge Degenz Auch ließ er Siß? errihten vor Wormes an dem Strand, Denen die kommen ſollten in der Burgonden Land. Nun hatt auch in den Tagen, als ſie ſollten kommen, Kriemhild die ſchöne die Märe wohl vernommen, Er ſtell ein Hofgelage mit lieben Freunden an: Da dachten ſchöne Franen mit großem Fleiße daran

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Gewand und Band zu ſuchen, das ſie da wollten tragen. Ute die reihe vernahm die Märe ſagen - Von den ſtolzen Reen, die da ſollten kommen: Da wurden aus der Lade viel reiche Kleider genommen. Ihrer Kinder willen ließ ſie bereiten manches Kleid, Womit gezieret wurden viel Fraun und manche Maid, Und viel der jungen Reen aus Burgondenland. Sie ließ auch manchetn Fremden bereiten herrlich Gewand.

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Fünftes Abenteuer. Wie Siegfried Kriemhilden zuerſt erſah, Man ſah der Helden täglich reiten an den Rhein, Die bei dem Hofgelage gerne wollten ſein. Die Gunthern zu Liebe kamen in das Land, Deren bot man Etlichen ſo Noſſe wie auch Gewand. Da waren auch die Siße Allen ſchon erhöht, Den Höchſten und den Beſten, wie die Sage geht, Zwei und dreißig Fürſten bei dem Hofgelag: Da zierten alle Frauen ſich um die Wette für den Tag. Da zeigte ſich geſchäftig der junge Geiſelher. Die Heimiſchen und Fremden mit gütlicher Gebehr Empfieng er ſie mit Gernot und beider Fürſten Bann: Wohl grüßten ſie die Degen, wie e8 nach Ehren ward gethan. Viel goldrother Sättel führten ſie ins Land; Zierliche Schilde und herrlih Gewand | Brachten ſie zum Nheine bei dem Hofgelag; Mancher Ungeſunde der Freude von Neuem pflag. Die wund im Bette lagen und litten harte Noth, Die muſten nun vergeßen wie bitter ſei der Todz Die Siechen und die Kranken vergaß man zu beklagen: Es freute ſich ein Jeder entgegen feſtlichen Tagen.

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Wie ſie da leben wollten im gaſtlichen Genuß! Wonnen ohne Maßen, Freuden im Ueberfluß Hatten alle Leute, ſo viel man immer fand: Da hob ſich große Freude über Gunthers ganzes Länd. An einem Pfingſttage ſah man des Morgens ziehn Wonniglich gekleidet gar manchen Nitter kühn, Fünftauſend oder drüber, - dem Hofgelag eutgegenz Da hub um die Wette. viel Kurzweil ſich allerwegen. Der Wirth, der hatt im Sinne, was er ſchon längſt erkannt, Wie ſo aus ganzer Seele der Held von Niederland Seine Schweſter liebe, ob er ſie nie geſehn, Der man den Preis ertheilte vor allen Jungfrauen ſchön. * Er ſprach: „Nun rathet Alle, Freund oder Unterthan, Wie wir das Hofgelage am beſten ordnen an, Daß man uns nicht drum ſchelten möge nah der Zeitz Es liegt doch an den Werken zuleßt das Lob, das man uns beut.“ Da ſprach zu dem Könige 'der Degen Ortweint „Wollt ihr mit vollen Ehren bei dem Hofgelage ſein, So laßt die lieben Kinder vor euern Gäſten ſehn, Denen ſo viel Ehren bei den Burgonden geſchehn. „Was wäre Mannes Wonne, was ſollt er gerne ſchaun, Wenn nicht ſchöne Mägdlein und herrliche Fraun? Drum laßt eure Schweſter zu den Gäſten gehn.“ Der Rath war manchem Helden- zu großer Freude geſchehn. „Dem will ich gerne folgen,“ der König ſprach da ſo. Alle die es hörten waren- darüber froh. Er entbots Frau Utens Tochter wohlgethan , Daß ſie mit ihren Mägdelein zu Hofe gienge 'hinan.

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Da ward aus den Screinen geſuchet gut Gewand, Soviel man in der Lade des edeln Staates fand, Von Borten und von Spangen: des lag genug bereit. Da zierte ſich gar ritterlich manche waidkliche Maid. Mancher junger Ne&xe wünſchte heut ſo ſehr, Daß er bei den Franen gern geſehen wär, Daß er dafür nicht nähme eines reichen König Land; Sie ſahen Die gar gerne, die ihnen waren bekannt. Da ließ der reiche König mit ſeiner Schweſter gehn Hundert feiner Reken, zu ihrem Dienſt erſehn, Mit ihr und ſeiner Mutter, die Schwerter in der Hand: Das war das Hofgeſinde in der Burgonden Land. Ute die reiche fah man mit ihr kommen, Die hatte ſchöner Frauen ſich zum Geleit genommen Hundert oder drüber, geſchmnü>t mit reichem Kleid; Auch ihrer Tochter folgte manche waidliche Maid. Aus eines Zimmers Thüre ſah man ſie alle gehn. - Da ſah man großes Drängen von Helden bald geſchehn, Die alle harrend ſtanden, ob es möge ſein, Daß ſie da fröhlich ſähen dieſes edle Mägdelein. Da kam die Minnigliche; ſo tritt das Morgenroth Hervor aus trüben Wolken. Da ſchied von mancher Noth Der ſie im Herzen hegte, was lange war geſchehn. Er ſah die Minnigliche nun gar herrlich vor ſich ſtehn. Von ihrem Kleide leuchtete mancher Edelſtein, Ihre roſenrothe Farbe gab minniglichen Schein. Was Jemand wünſchen mochte, er muſte doch geſtehn, Daß er auf dieſer Erde noch nichts ſo Schönes geſehn.

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Wie der lichte Vollmond vor den Sternen ſchwebt, * Des Schein ſo hell und lauter ſich aus den Wolken hebt, So glänzte ſie in Wahrheit vor andern Frauen gnt! Das mochte wohl erheben ſo manchem Helden den Muth. Die reichen Kämmerlinge ſchritten vor ihr her; Die hochgemuthen Degen ließen es nun nicht mehr: Sie drängten, daß ſie ſähen die minnigliche Maid. Siegfried dem Degen war es lieb und wieder leid. Er ſprach in ſeinem Sinne: „Wie dacht ich je daran, Daß ich dich minnen ſollte? Das iſt ein eitler Wahn; Soll ich dich aber meiden, ſo wär ich ſanfter todt.“ Er ward von Gedanken oft bleich und oft wieder roth. Da ſah man den Sieglinden - Sohn ſo minniglich da ſtehn, Als ob er wär entworfen auf einem Pergamen Von guten Meiſters Händen: gern man ihm geſtand, Daß man nie im Leben ſo ſchönen Helden noch fand. Die mit der Fraue gieungen, die hießen aus den Wegen Jeden vor ihr weichen: dem folgte man\<her Degen. Sie freuten ſich im Herzen die Wonnigen zu ſchaun: Man ſah in hohen Züchten viel der waidlichen Fraun. Da ſprach von Burgonden der Herre Gernot: „Dem Helden, der ſo gütlih euch ſeine Dienſte bot, Gunther, lieber Bruder, dem bietet hier den Lohn Vor allen dieſen Reken: des Rathes ſpricht mir Niemand Hohn. „Hießet Siegfrieden zu meiner Schweſter kommen, Daß ihn das Mägdlein grüße: das bringt uns immer Frommen : Die niemals Nec>en grüßte, foll ſein mit Grüßen pflegen, Daß wir uns ſo gewinnen dieſen zierlichen Degen, “

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Des Wirthes Freunde giengen, wo-man den Helden fand; Sie ſprachen zu dem Re>en aus dem Niederland: „Der König hat erlaubet, ihr ſollt zu Hofe gehn, Seine Schweſter ſoll euch grüßen, die Ehre ſoll euch geſchehn.“ Der Held in feinem Muthe war da hocherfreut, Er trug in ſeinem Herzen Liebe ſonder Leid, Daß er der ſchönen Ute Tochter ſollte ſehn: Minniglicher Weiſe ſie grüßte Siegfrieden ſchön, Als ſie den Hochgemuthen vor ſich ſtehen ſah. Da erglühte ſeine Farbe; die Schöne ſagte da: „Willkommen, Herr Siegfried, ein edler Nitter gut.“ Da ward ihm von dem Gruße wohl erhöhet der Muth. Er neigte ſich ihr minyigli\<, als er Dank ihr bot; Da zwang ſie zu einander ſehnender Minne Noth; Mit liebem Bli der Augen ſahn einander an Der Held und auch das Mägdelein; das ward verſtohlen gethan. Ward gefoſt. da freundlich ihre weiße Hand In echter Herzensminne, das iſi mir nicht befannt. Doh kann ich auch nicht glauben, man hab es nicht gethan: - Es hätten zwei liebende Herzen nicht recht gehandelt daran. Zu des Sommers Zeiten und in des Maien Tagen Durft er in ſeinem Herzen nimmer wieder tragen So viel der hohen Wonne, als er. da gewann, Da die ihm gieng zur Seite, die der Held zu minnen ſann. Da gedachte mancher Recke: „Hei! wär mir ſo geſchehn, Daß ich ihr gieng' zur Seite, wie ich ihn geſehn, Oder bei ihr läge! Das nähm ich gerne hin.“ Es diente nie ein Rexe ſo gut einer Königin.

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Aus welchen Königs Landen ein Gaſt gekommen war , Er nahm im ganzen Saale nur diefer Beiden wahr. Ihr ward erlaubt zu küſſen . den waidlichen Mann :: Ihm ward auf dieſer Erde nie fo Liebes gethan. Von Dänemark der König. begann und ſprach ſogleich: „Des hohen Grußes willen liegt Mancher krank nnd bleich, Wie ich nun wohl gewahre, von Siegfriedens Hand: Gott laß. ihn nimmer wieder kommen in der Dänen Land. “ Da hieß man allenthalben weichen aus den Wegen Der ſchönen Kriemhilde?: mauchen kühnen Degen Sah. man wohlgezogen mit ihr zur Kir\<e gehn. Da ward von ihr geſchieden dieſer Degen auserſehn. Da gieng ſie zu dem Münſter; ihr folgten viel der -Fraun. Da war ſo wohl gezieret“ die Königin zu ſchaun, Daß da hoher Wünſche mancher ward verloren; Sie war zur Augenweide manchem Reken auserkoren. . Kaum erharrte Siegfried bis ſchloß der Meſsgeſang; Er mochte ſeinem Heile des immer ſagen Dank, Daß die ihm ſo gewogen, die er im Herzen trug: Auch war er der Schönen -nach Verdienſte hold genug. Als ſie aus dem Münſter nach der Meſſe trat, : Zu ihr zurüF zu gehen man den Kühnen bat. Da begann ihm erſt zu danken die minnigliche. Maid, Daß ex vor allen RNe>en ſo kühn gefochten im Streit. „Run lohn euch Gott, Herr Siegſried,“ ſo ſprach das edle Kind, „Daß ihrs verdienen konntet, daß euch die Recken ſind So hold mit ganzer Treue, wie ſie zumal geſtehn. “ Da begann er Frau Kriemhilden minniglich anzuſehn.

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„Stäts will ich ihnen dienen,“ ſprach Siegfried der Degen, „Und will mein Haupt zur Nuhe niemals niederlegen, Bis ihr Wunſch geſchehen, hält mir das Leben ant Das ſei zu euerm Dienſte, meine Frau Kriemhilde, gethan.“ Innerhalb zwölf Tagen, ſo oft es nen getagt, Sah man bei dem Degen die wonnevolle Magd, So ſie zu Hofe durfte vor ihre Freunde gehn. Der Dienſt war dem Re>en aus großer Liebe geſchehn. Freude und Wonne und hohen Jubelſchall Sah man alle Tage vor König Gunthers Saal, Davor und darinnen, gar manchen kühnen Mann. Ortwein und Hagen großer Wunder viel begann. Was man zu üben wünſchte , des waren gleich bereit In völliglichem Maße die Degen kühn im Streit. Da machten vor den Gäſten die Necen ſich bekannt: Davon ſo war gezieret König Gunthers ganzes Land. Die verwundet lagen wagten ſich an den Wind: Sie wollten kurzweilen mit dem Ingeſind, 4 Schirmen mit den Schilden und ſchießen mit dem Schaft: Das halfen ihnen Viele; ſie hatten gar große Kraft. Bei dem Hofgelage ließ ſie der Wirth verpflegen Mit der beſten Speiſe; es durfte ſich nicht regen Nur der kleinſte Tadel, der Fürſten mag entſtehn: Man fah ihn jeßo freundlich hin zu ſeinen Gäſten gehn. Er ſprach: „Ihr guten Re>en, bevor ihr reitet hin, So nehmet meine Gabe: alſo ſteht mein Sinn, I\< wil! euch immer danken; verſchmähet nicht mein Gut: Es unter euch zu theilen, dazu hab ich feſten Muth.“

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Die vom Däuenlande ſprachen gleich zur Hand: „Bevor wir wieder reiten heim in unſer Land, Gewährt uns ſtäten Frieden, das thut uns Ne>en Noth; Uns ſind von euern Degen viel der lieben Freunde todt.“ Geheilt von ſeinen Wunden war Lüdgaſt in der Zeit, Der Vogt der Sachſen mochte geneſen wohl vom Streit. Etliche Todte ließen ſie im Land.. Da gieng der König Gunther hin wo er Siegfrieden fand. Er ſprach zu dem Re>en: „Nun rathe, wie ich thut Unſre Gäſte wollen reiten morgen fruh;z Sie wünſchen ſtäte Sühne mit mir und meinem Bann: Nun rathe, Degen Siegfried, was dich dünfe wohlgethan. „Wes ſich die Herrn getröſten, das will ich dir ſagen: Was fünfhundert Mähren an Golde mögen tragen, Das bieten ſie mir gerne für ihre Freiheit an.“ Da ſprach aber Siegfried: „Ihr thätet übel daran. „Ihr ſollt ſie ungehindert von hinnen laßen fahren ; Nur daß die edeln Ne>en fürder. ſich bewahren Vor feindlichem Reiten her in euer Land, Laßt euch zum Pfande geben ' der beiden Könige Hand.“ „Dem Rathe will ich folgen, ſie ziehn damit hindann, “ Da ward es ſeinen Feinden beiden kundgethan, Ihr Gold begehre Niemand, das ſie geboten eh. Daheim den lieben Freunden war nach den Heermüden weh. Viel Schilde ſchaßbeladen trug man da herbei: Das theilt? er ungewogen ſeinen Freunden frei, An fünfhundert Marken oder gar noc\< mehr; Gernot rieth es Gunthern, dieſer Degen kühn und hehr.

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Da baten ſie um Urlanb, ſte wollten nun von dänn. Die Gäſte giengen alle vor Kriemhikd heran, - Und auch dahin wo Ute ſaß, die Königin. . Es zogen ufe mehr Degen ſo wohl beurlaubt dahin. Leer wurden Herbergen, als ſie von dannen. ritten; Do\< verblieb im Lande mit herrlichen Sitten . ; Der König mit den Seinen -und mancher edle Mann: Die giengen alle Tage "zu Kriemhilden heran. Da wollt auch Urlaub nehmen Siegfried der gute Held, Verzweifelnd zu erwerben, worauf ſein Siun geſtellt. Der König hörte ſagen, er wolle nun von dann: Geiſelher der junge «ihn von der- Reiſe gewann: „Wohin , edler Siegfried, wohin reitet ihr? Höret meine Bitte, bleibt bei den Reen hier, Bei Gunther dem Könige und bei feinem Lehn: Hier ſind viel ſchöne Frauen, - die läßt man euch gerne ſehn. Da“: ſprach der ſtarke“ Siegfried: „So laßt die Roſſe ſtehn.“ Von hinnen wollt ich reiten, das laß ich mir vergehn; Tragt auch hinweg die Schilde: wohl wollt ich in mein Land ; Davon hat mich Herr Geiſelher wohl mit GHEE gewandt. bi; So blieb durch Freundes Liebe noch der fühne Held; Auch wär ihm wohl nimmer irgend in der Welt So wohl als hier geworden: daher es nun geſchah, Daß er alle Tage die ſchöne Kriemhitde ſah. Ihrer hohen Schönheit willen der Degen da verblieb. Mit mancher Kurzweile man nun-die Zeit vertrieb; Nur zwang ihn ihre Minne, die ſchuf ihm oftmals Noth, Darum hernach der Kühne lag zu großem Jammer todt.

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Sechstes Abenteuer: „ ; | „Wie: Gunther um “Brunhilde warb, Wiederneie Märe“ erhob ſich über Rhein: Man ſagte ſich ,- da. wäre manches Mägdelein. Sich Eins davon zu werben ſann König Gunthers Muth; Das däuchte ſeine Ne>en und die Herren alle gut. Es war eine Königstochter geſeßen überm Meer, Nirgend anders wuſte man ihres Gleichen mehr. Schön war ſie aus der Maßen, gar groß war ihre Kraft; Sie ſchoß mit ſchnellen Degen um ihre Minne den Schaft. Den Stein warf ſie ferne, wonach ſie weithin ſprang; Wer ihrer Minne gehrte, der muſte ſonder Wank Drei Spiel ihr abgewinnen, der Frauen wohlgeboren ; Gebrach es ihm an Einem, ſo war das Haupt ihm verloreu. Das hatte die Jungfraue gar manchesmal gethan. Das erſuhr am Rheine ein Nitter wohlgethan, Der ſeine Sinne wandte auf das ſchöne Weib. Drum muſten bald viel Degen verlieren Leben und Leib. * Als einſt mit ſeinen. Leuten ſaß der "König hehr, Ward es von allen Seiten berathen hin und her, Welche ihr Herre ſollte zum Weibe ſich erſehn, Die er zur Frauen wollte, und dem Lande möchte wohl anſtehn.

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Da ſprach der Vogt vom Rheine: „I\< will an die See Hin zu Brunhilden, wie es mir ergeh. I\< will nm ihre Minne verwagen meinen Leib, Und den will ich" verlieren, gewinn ich ſie nicht zum Weib.“ „Das will ich widerrathen,“ der Degen Siegfried ſprach, „Es lebt ſo grimmer Sitte die Königstochter nach, Wer wirbt. um ihre Minne, dem fommt es hoh zu ſtehn: Drum mögt ihrs wohl entrathen auf dieſe Neiſe zu gehn.“ * Da ſprach der König Gunther: „Nie wurde noch ein Weib So ſtark und kühn geboren, daß ich nicht ihren Leib Im Streit bezwingen wollte allein mit meiner Hand.“ „Schweiget,“ ſprach da Siegfried, „euch iſt die Frau nicht bekannt: * „Und wären Eurer Viere, die könnten nicht gedeihn Vor ihren ſtarken Kräften: drum laßt den Willen ſein, Das rath ich euch in Treuen: entgeht ihr gern dem Tod, So macht um ihre Minne euch nicht vergebliche Noth.“ * „Sei ſie ſo ſtark ſie wolle, die Reiſe muß ergehn Hin zu Brunhilden, mag mir was will geſchehn; Ihrer hohen Schönheit willen muß es gewaget ſeinz Vielleicht daß Gott vergönnet, daß ſie mir folgt an den Rhein.“ „So höret was ich rathe,“ begann da Hagen: „Ihr bittet Siegfrieden mit euch zu wagen Die fahrvolle Reiſe; das iſt der beſte Rath, Weil er von Brunhilden ſo gute Kunde doch hat.“ Er ſprach: „Viel edler Siegfried, willſt du mein Helfer ſein Zu werben um die Schöne? Thu nach der Vitte meinz Und gewinn ich mir zur Trauten das minnigliche Weib, So verwag ich deinetwillen Ehre, Leben und Leib.“ Lackm. 323-331.

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Da verſeßte Siegfried, Siegmundens Sohn: „I\< will es thun, verſprichſt du die Schweſter mir: zum Lohn, Die ſchöne Kriemhilde, eine Königin hehr; So begehr ich keines Lohnes nach meinen Arbeiten mehr.“ . „Das gelob ich,“ ſpra\< da Sunther, „Siegfried, an deine Hand. Und kommt die ſchöne Brunhild hieher in dieſes Land, So will ich dir zum Weibe meine Schweſter geben: So magſt du mit der Schönen immer in Freuden leben.“ Des ſchwuren ſie ſich Eide, die Nitter kühn und hehr. Ihnen ſchuf es in der Ferne der Sorgen deſto mehr, Ehe ſie die Fraue brachten an den Nhein; Drob muſten die Kühnen bald in großen Nöthen ſein. * Von wilden Gezwergen hört ich Märe ſagen, Daß ſie in hohlen Bergen wohnen und Schirme tragen, Die heißen Tarnkfappen, von wunderbarer Art: Wer ſie am Leibe trage, der ſei gar wohl darin bewahrt * Vor Schlägen und vor Stichen; ihn mög auch Niemand ſehn So lang er drin verweile; hören doch und ſpähn Mag er nach ſeinem Willen, daß Niemand ſein gewahrt; Ihm wachſen auch die Kräfte, wie uns die Märe offenbart. Der Herre Siegfried führte die Tarnkappe mit, Die der kühne Degen mit Sorgen einſt erſtritt Von dem ſtarken Zwerge mit Namen Alberich; Da ſchickten ſich zur Reife Reen kühn und ritterlich. Wenn der ſtarke Siegfried die Tarnkappe trug, So gewann er drinnen der Kräfte genug, Zwölf Männer Stärke, zu der im eignen Leib; Er erwarb mit großen Liſten dieſes herrliche Weib,

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Auch war ſo beſchaffen die=Nebelkappe gut, Ein Jeder mochte dringen thun nach ſeinem Muth. Was er immer wollte, daß ihn do\< Niemand ſah. Damit gewann er Brunhild, durch die ihm bald viel Leid geſchah. „Nun ſag mir , Degen Siegfried, eh meine Fahrt geſcheh, Wie wir mit vollen. Ehren kommen an die See? ß Sollen wir Nexen führen in Brunhildens Land? Dreißig taufend Degen, die werden eilends beſandt:“ + * „Wie viel wir Volkes führten,“ Siegfried wieder ſprach, „Es lebt-ſo grimmer Sitte die Königin nach, Das müſte doch erſterben vor ihrem Uebermuth,. I\< will euch beßer rathen, . Degen ihr fühn und gut: * „In Nedenweiſe fahren wir zu Thal den Rhein. Die will ich dir nennen, die das ſollen ſein: Wir fahren ſelbvierte nieder an die See, " Die Fraue zu erwerben, was uns hernach auch geſcheh. „Der Geſellen bin ich einer, du ſollſt der andre ſein, * Und Hagen ſei der dritte; wir mögen wohl gedeihn ; Der vierte das ſei Dankwart, dieſer kühne Mann: Es dürfen Andrer tauſend zum Streite nimmer uus nghn.4 „Die Märe wüſt ich gerne,“ der König ſprach da ſo, „Eh wir von hinnen führen (des wär ich herzlich froh), Was wir für Kleider ſollten vor Brunhilden tragen, Die uns geziemen möchten: Siegfried, das ſollſt du mir ſagen.“ „Die allerbeſten Kleider, die man irgend fand, Trägt man zu allen Zeiten in Brunhildens- Land: Drum laßt uns reiche Kleider vor der Frauen. tragen, Daß wir nicht Schande haben, hört man künftig von uns ſagen.“

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* Da jprach der gute Degen: „So geh ich ſelber dann Zu meiner lieben Mutter, ob ichs erbitten kann , Daß uns Gewand bereite der ſchönen Mägdlein Hand, So wir mit Ehren tragen in der hehren Jungfrau Land. “ *. Da-ſprach' von Tronje Hagen mit herrlichen Sitten: „Was wollt ihr eure Mutter um ſolc\<he-Dienſte bitten? Laßt eure Schweſter hören; was euer Sinn begehrt +-- -' So werden ihre Dienſte-“zu- dieſer Hoffahrt euch gewährt. “ Da entbot er ſeiner Schweſter, er wolle ſie ſehn, Und auch der Degen Siegfried. Bevor das war geſchehn, Da hatte ſich die Schöne geſchmückt mit reichem Kleid; Daß die Herren kamen ſchuf ihr wenig Herzeleid. Da war auch ihr Geſinde geſchmüc>t na\<h ſeinem Stand. Die Fürſten kamen Beide; kaum war es ihr bekannt, Da erhob ſie ſich vom Siße; wie züchtig ſie da gieng, Als ſie den edeln Fremdling und ihren Bruder empfieng! „Sei willfommen, Bruder und der Geſelle dein. Nun möcht ich gerne hören,“ ſprach das Mägdelein, „Was euch Herrn beliebet, daß ihr zu Hofe kommt: Nun laßt mich bald erfahren, was euch edeln Reken frommt. Da ſprach der König Gunther: „Frau, ich wills euch ſagen. Wir müßen große Sorge bei hohem Muthe tragen: Wir wollen werben reiten fern in fremdes Land, Und möchten zu der Reiſe haben zierlich Gewand.“ „Nun ſißet, lieber Bruder ,“ ſprach das Königskind , „Und laßt mich erſt erfahren, wer die Frauen ſind, Die ihr gedenkt zu minnen in fremder Könge Land?“ Die Auserwählten beide nahm die Fraue bei der Hand

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Da -gieng ſie mit den beiden hin, wo ſie eben ſaß, Zu einem reichen Polſter, wohl vernahm ich das, Gewirkt mit guten Bildern, in Golde wohl erhaben: Sie mochten bei den Frauen gute Kurzweile haben. Freundlihe Blike und gütliches Sehn, Das mochte von den Beiden viel hin und her geſchehn. Er trug ſie in dem Herzen, ſie war ihm wie ſein Leib; Bald ward die ſchöne Kriemhild des kühnen Siegfriedes Weib. * Da ſprach der reiche König: „Viel liebe Schweſter mein, Ohne deine Hülfe kann es nimmer ſein: Wir wollen abenteuern in Brunhildens Land, Da müßen wir vor Frauen tragen herrlich Gewand.“ * Da ſprach die Jungfraue? „Viel lieber Bruder mein, Kann euch an meiner Hülfe dabei gelegen ſein, So ſollt ihr inne werden, daß ich dazu bereitz Verſagt ſie euch ein anderer, das wäre Kriemhilden leid. * Ihr ſollt mich, edler Ritter, nicht in Sorgen bitten, Ihr ſollt mir gebieten mit herrlichen Sitten; Was euch von mir gefalle, ich bin dazu bereit, Und thus mit gutem Willen,“ ſprac\<h die wonnigliche Maid. * „Wir wollen, liebe Shweſter, tragen gut Gewand, Das ſoll uns ſchaffen helfen eure edle Hand. Laßt eure Mägdlein ſorgen, daß es uns herrlich ſteht, Da man uns dieſe Reiſe doch vergebens widerräth.“ Da ſprach die Jungfraue: „Nun merkt die Rede mein: Wir haben ſelber Seide: nun ſchafft, daß man Geſtein Uns auf den Schilden bringe, ſo wirken wir das Kleid. Dazu war König Gunther und Siegfried gerne bereit.

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„Wer ſind die Geſellen,“ ſprach die Königin, „Die mit euch gekleidet zu Hofe ſollen ziehn?“ Er ſprach: „Unſer Viere: Zwei aus meinem Lehn, Dankwart und Hagen, ſollen mit mir zu Hofe gehn. „Nun follt ihr wohl behalten, was ich euc\<, Fraue, fage: Schafft, daß ich ſelbvierter zu vier Tagen trage - Dreierlei Kleider Jeder, und alſo gut Gewand, Daß wir ohne Schande räumen Brunhildens Land. “ Mit gntem Urlaub giengen die beiden Herren hin. Da berief der Jungfraun die ſchöne Königin Aus ihrer Kemenate dreißig Mägdelein, Die gar ſinnreich mochten zu ſolchen Uebungen ſein. In Arabiſche Seide, ſo weiß als der Schnee, Und gute Zazamanker, ſo grün als der Klee, Legten ſie Geſteine? das gab ein gut Gewand ;z Die hehre Kriemhilde ſchnitts mit eigener Hand. Von fremder Fiſche Häuten Bezüge wohlgethan, Die zu ſchauen fremde waren Jedermann, Bedeten ſie mit Seide, wie ſie ſie ſollten tragen; Nun höret große Wunder von dem lichten Staate ſagen: Aus dem Land Marocco und auch von Libya Der allerbeſten Seide, die man jemals ſah Bei königlichem Stamme, beſaßen ſie genug; Wohl ließ Kriemhilde ſchauen, daß ſie Sorge für ſie trug. Weil ſie zu ihrer Neiſe ſo hohe Tracht begehrt, Des Hermelines Felle, die däuchten ſie viel werth, Darob von Kohlenſchwärze mancher Fle>en lag: Das trügen ſchnelle Helden noch gern bei einem Hofgelag. Lacht, 350-356.

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Aus Arabiſchem Golde glänzte mancher Stein; Der Frauen Unmuße war nicht zu klein. Sie ſchufen die Gewande in ſieben Wochen Zeitz Da war auch Gewaffen den guten Reden bereit. Da ſie bereit waren, da war auch auf dem Rhein Fleißiglich gezimmert. ein: ſtarkes Scifflein, Das ſie kragen ſollte: hinünter an die See:“ Den edeln Jungfrauen -war "von virter- Arbeit weh. * Da ſagte man den Reken, es ſei für ſie zur Hand, Womit ſie reiſen ſollten, das zierliche Gewand. Alles was ſie wünſchten, das war nun geſchehn; Da wollten ſie nicht länger mehr an dem Nheine beſtehn. Zu den Heergeſellen ein Bote ward geſandt, Ob ſie ſchauen wollten ihr neues Gewand, Ob es den Helden wäre zu kurz oder zu lang; Es war von rechtem Maße; des ſagten ſie den Frauen Dank. * Vor wen ſie immer kamen, die muſten all geſtehn, Sie hätten nie auf Erden. beßer Gewand geſehn. Drum mochten es die Helden zu Hofe gerne tragen: Von beßerm Nitterſtagte wuſte Niemand mehr zu ſagen. Wohl ward den ſchönen Maiden großer Dank geſagt. Da baten um den Urlaub die Nec>en unverzagtz In ritterlichen Züchten thaten die Herren das. Da wurden lichte Augen trüb von Weinen und naß. Sie ſprach; „Viel lieber Bruder, ihr bliebet beßer hier Und würbek andre Frauen; das ſchiene klüger mirz Wo ihr nicht wagen müſtet das Leben und den Leib. Ihr findet in der Nähe wohl ein ſo hochgeboren Weib. “

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Daß ihnen Leid hier ſprieße, das Herz thats ihnen kund. Sie muſten alle weinen, "was reden mocht ein“ Mund. Das Gold vor ihren Brüſten ward von Thränen fahl: Die fielen ihnen dichte von den Augen zu Thal. Da ſprach ſie: „Herr Siegfried, laßt euch befohlen ſein Auf Treue und auf Gnade- den lieben Bruder mein, Auf daß ihn nichts gefährde in Brunhildens Land. “ Das verſprach der Kühne Frau Kriemhilden in die Hand. Da ſprach der reiche Degen: „So lang mein Leben währt Seit ſeinetwegen, Frane, von Sorgen unbeſchwert. I\< bring ihn eu\< geborgen wieder an den Nhein: Das dürft ihr ſicher glauben.“ Da dankt? ihm ſchön das Mägdelein. Die goldfarbnen Schilde trng man an den Strand, Und brachte zn dem Schiffe all ihr Rüſtgewand;z Ihre Noſſe. ließ man bringen: - ſie wollten nun hindann. Alsbald von ſchönen Franen großes Weinen begann. Da ſtand in den Fenſtern manch minnigliches Kind; Das Schiff mit ſeinem Segel ergriff ein hoher Wind. Die ſtolzen Heergefellen ſaßen auf dem Rhein; - Da ſprach der König Gunther: „Wer ſoll nun Sciffmeiſter fein?“ „I\< will es fein,“ ſpra\< Siegfried: „ich kann euch auf der Flut Wohl von hinnen führen, das wißet, Helden gutz Die rechten Waßerſtraßen, die ſind mir wohlbekannt.“ So ſchieden ſie fröhlich aus der Burgonden Land. Eine Nuderſtange Siegfried bald gewann : Vom Geſtad zu ſchieben fieng er kräftig an. ' Gunther der Kühne ein Nuder ſelber nahm. Da huben ſich vom Lande die ſchnellen Nitter lobeſam.

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Sie führten reiche Speiſe, dazu guten Wein, Den beſten, den ſie finden mochten um den Rhein. Die Roſſe ſtanden eben; ſie hatten gute Nuh. Das Schifflein auch gieng eben: wenig Leid ſtieß ihnen zu. Ihre ſtarken Segelſeile wurden angeſtrengt: Sie fuhren zwanzig Meilen, eh ſich der Tag geſenkt, Mit einem guten Winde nieder nach der See: Ihr ſtarkes Arbeiten that noch ſchönen Frauen weh. An dem zwölften Morgen, wie wir hören ſagen, Da hatten ſie die Winde weit hinweggetragen Nach Iſenſtein der Veſte in Brunhildens Land. Das war der Degen Keinem als Siegfrieden nur bekannt. Als der König Gunther ſo viel der Burgen ſah Und auch der weiten Marken, wie balde ſprach er da: „Nun ſagt mir, Freund Siegfried, iſt euch das bekannt * Wem ſind dieſe Burgen und all das herrliche Land? * „I\< hab in meinem Leben, das muß ich wohl geſtehn, So wohlgebauter Burgen nie ſo viel geſehn, In irgend einem Lande, als wir hier erſahn : Der ſie erbauen konnte war wohl ein .mächtiger Mann.“ Da antwortete Siegfried: „Es iſt mir wohlbekauntz Es iſt Brunhilden Beides, die Burgen wie das Land, Und Iſenſtein die Veſte, glaubt mir fürwahr: Da mögt ihr heute ſchauen ſchöner Frauen große Schar. „I\< will euch Helden rathen: Seid all von einem Muth, Und ſprec\<t in gleihem Sinne, ſo dünkt es mich gutz Wenn wir nun heute vor Brunhilden gehn, So müßen wir mit Sorgen vor der Königstochter ſtehn.

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„Wenn wir die Minnigliche bei ihren Lenten ſehn, Sollt ihr, erlauchte Helden, nur Einer Rede ſtehn: Gunther ſei mein Herre und ich ſein Unterthan ; So wird ihm ſein Verlangen nach ſeinem Wunſche gethan. “ Sie waren all willfährig zu thun wie er ſie hieß, In ſeinem Uebermuthe es auch nicht Einer ließ, Sie ſprachen, wie er wollte; wohl frommt' es ihnen da, Als der König Gunther die ſchöne Brunhilde ſah. * „Wohl thu ichs nicht ſo gerne um den Willen dein, Als um deine Schweſter, das ſchöne Mägdelein: Die iſt mir wie die Seele und wie mein eigner Leibz Ich will es gern verdienen, daß ſie werde mein Weib, “

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Siebentes Abenteuer. Wie Gunther Brunhilden gewann. Jhr Schifflein unterdeſſen war auf der Wogenflut Zur Burg herangeſ\<wommen: dg ſah der König gut Oben in den Fenſtern manche ſchöne Maid; Daß er ſie nicht erkannte, das war in Wahrheit ihm leid. Er fragte Siegfrieden, den Gefellen ſein : „Hättet ihr wohl Kunde um dieſe Mägdelein, Die droben nac\< uns ſchauen hernieder auf die Flut? Wie ihr Herr auch heiße, es ſind. Frauen hochgemuth. “ Da ſprach der Herre Siegfried: „Nun ſollt ihr heimlich ſpähn Nach den Jungfrauen, und ſollt mir dann geſtehn Welche ihr nehmen wolltet, wär euch die Wahl verliehn.“ „Das will ich,“ ſprach da Gunther, dieſer Ritter ſchnell und kühn. „So ſchau ich ihrer Eine in jenem Fenſter an, Im ſchneeweißen Kleide, die iſt ſo wohlgethan: Die wählen meine Angen um ihren ſchönen Leib; Wenn ich gebieten dürfte, ſie müſte werden mein Weib, “ „Dir hat recht erkoren deiner Augen Schein: Es iſt die edle Brunhild, das ſchöne Mägdelein, Nach der dein Herze ringet, dein Sinn und auch dein Muth.“ Ihre Gebärden alle däuchten König Gunthern gut.

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Da hieß die Königstochter von den Fenſtern gehn Ihre herrlichen Maide: ſie ſollten nicht da ſtehn Zum Anbli> für die Fremden; ſie folgten unverwandt. Was da die Frauen thaten, das iſt uns auch wohl bekannt. Sie zierten den fremden Gäſten ſich entgegen, Wie zu allen Zeiten ſchöne Frauen pflegen: Dann an die Fenſterſcharten traten ſie heran, Daß ſie die Helden ſähen: das ward aus Neugier gethan. * Nicht mehr als Viere waren, die kamen in das Land. Siegfried der kühne ein Noſs zog auf den Strand, Das ſahen durch die Fenſter die ſchönen Frauen an: Große Ehre däuchte ſich König Gunther gethan. * Er hielt ihm bei dem Zaume das zierliche Noſs, Das war gut und ſtattlich, ſtark dazu und groß, Bis der König Gunther feſt im Sattel ſaß. Alſo dient? ihm Siegfried, was er doch ſpäter ganz vergaß. + Da zog er auch das ſeine aus dem Schiff heran z Er hatte ſolche Dienſte gar ſelten ſonſt gethan, Daß er am Stegreif Helden je geſtanden wär. Das ſahen durch die Fenſter dieſe ſchönen Frauen hehr. Es war in gleicher Weiſe den Degen allbereit Von ſchneeblanker Farbe das Noſs und auch das Kleid, Dem Einen wie dem andern, und ſchön der Schilder Rand; Die warfen hellen Schimmer an der edeln Re>en Hand. So ritten ſie herrlich vor Brunhildens Saal, Ihre Sättel wohlgeſteinet, die Bruſtriemen ſchmalz Daran hiengen Schellen von lichtem Golde roth: Sie kamen zu dem Lande, wie ihre Tugend gebot.

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* Mit Speren wohlgeſchliffen, mit Schwertern wohlgethan, Die reichten den Kühnen bis zum Sporn hinan. Die Wohlgemuthen führten ihn ſcharf genug und breit: . Das alles. ſah Brunhilde, die viel herrliche Maid." Mit ihm kam da. Dankwart . und der Degen Hagen : Dieſe Ritter trugen, wie wir hören ſagen, | Von rabenſchwarzer Farbe ein reichgewirktes Kleid; Neu waren ihre Schilde, gut und mächtig und breit. Von India dem Lande trugen ſie Geſtein, Das warf an ihrem Kleide auf und ab den Schein. Sie ließen unbehütet das Schifflein bei der Flut. So ritten nach der Veſte dieſe Helden kühn und gut. Sechs und achtzig Thürme fahn ſie darin zumal, Drei weite Pfalzen und einen ſchönen Saal ' Von edelm Marmelſteine, ſo grün als wie das Gras, Darin Brunhilde ſelber mit ihrem Jngeſinde ſaß. Die Burg war erſchloßen, weithin äufgethanz Entgegen liefen ihnen: Die in Brunhilds Bann, Die Gäſte zu empfangen in ihrer Fraue Land. . Sie nahmen ihnen die" Roſſe und die Schilde von der Hand. Da ſprach der 'Kämmrer Einer : „Gebt uns euer Schwert Und die lichten Panzer.“ „Das wird euch nicht gewährt,“ . Sprach von Tronje Hagen,- „wir wollens felber tragen. “ 4 Da begann ihm. Siegfried von des Hofs Gebrauch zu ſagen: „In dieſer Burg iſt Sitte, das will ich euch ſagen, Daß die Säſte nimmer Waffen ſollen tragen: Laßt ſie von hinnen bringen; : das iſt wohlgethan. “ Ihm folgte wider Wilten Hagen, König Gunthers Mann.

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Man ließ den Gäſten ſchänfken und ſchaffen gute Nuh,. ' vv» ſchnellen Re>en fah man dem Hofe zu Allenthalben gehen in fürſtlihem Gewand: Doc\< wurden nach den Kühnen rings her die Blicke geſandt. * Da wurden auch Brunhilden geſagt die Mären, Daß unbekannte Ne>en gekommen wären In herrlichem Gewande gefloßen auf der Flut: Darob begann zu fragen dieſe Jungfrau ſchön und gut: „Ihr ſollt mich wißen laßen,“ ſprach das Königskind, „Wer die unbekannten Reden dorten ſind, Die ich ſtehen ſehe ſo herrlich und hehr, Und wem zu Lieb die Helden wohl gefahren ſind hieher.“ Des Geſindes ſprach da Einer: „Frau, ich muß geſtehn, Daß ich ihrer Keinen je zuvor geſehn; a Doch Einer iſt darunter, der Siegfrieds Weiſe hat: Den ſollt ihr wohl empfangen; das iſt, Herrin, mein Rath. * „Der andre der Geſellen, gar löblich dünkt er mich; Wenn er die Macht beſäße, zum König ziemt? er ſich Ob weiten Fürſtenlanden 3; die mag er wohl verſehn. Man ſieht ihn bei den Andern dort ſo re\<t herrlich ſtehn. * „Der dritte der Geſellen, der iſt von grimmem Siun, Doch auch von ſchönem Wuchſe, reiche Königin. Die Blie ſind geſchwinde, deren ſo viel er thut: Er hat in ſeinem Sinne, ich wähne, grimmigen Muth. * „Der Jüngſte darunter, gar löblich dünkt er mich, Man ſieht den reichen Degen ſo recht minniglich In jungfräuliher Sitte und edler Haltung ſtehn: Wir müſtens Alle fürchten, wär ihm ein Leid hier geſchehn.

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* „So freundlich er gebahre, ſo wohlgethan ſein Leib, Er brächte do\< zum Weinen manch waidliches Weib, Wenn er begänn zu zürnen; ſein Wuchs iſt wohl ſo gut, Er iſt an allen Tugenden ein Ritter kühn und wohlgemuth. “ Da ſprach die Königstochter : „Nun bringt mir mein Gewand: Und iſt der ſtarke Siegfried gekommen in mein Land Um meiner Minne willen, es geht ihm an den Leib: I\< fürc\<t ihn nicht ſo heftig, daß ich würde ſein Weib.“ Brunhild die ſchöne rrug bald erleſen Kleid. Da gieng an ihrer Seite manche ſchöne Maid, Wohl hundert oder drüber; geziert war ihr Leib: Die Gäſte wollte ſchauen manches waidliche Weib. Mit ihnen giengen Degen aus Jſenland, Brunhildens Ne>en, die Schwerter in der Hand, Fünfhundert oder drüber; das war den Gäſten leid, Aufſtanden von den Sißen die kühnen Helden allbereit. Als die Königstochter Siegfrieden ſah, Wohlgezogen ſprach ſie zu dem Gaſte da: „Willkommen ſeid, Herr Siegfried, hier in dieſem Land. Was meinet eure Reiſe? das macht mir, bitt ich, bekannt.“ „Viel Dank muß ich euch ſagen, Fraun Brunhild, Daß ihr geruht mich grüßen, Fürſtentochter mild, Vor dieſem edeln Re>en, der hier vor mir ſteht; Denn Er iſt mein Herre: der Ehre Siegfried wohl enträth. „Er iſt am Rheine König, was ſoll ich ſagen mehr? Nur um deinetwillen fuhren wir hierher. Er will dich gerne minnen, was ihm geſchehen mag. Nun bedenke dich bei Zeiten: mein Herr läßt nimmermehr nach.*

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„Er iſt geheißen Gunther, ein König reich und hehr; Erwirbt er deine Minne, nichts weiter wünſcht er mehr. Mit ihm bin ich gefahren in dieſes Land um dich; Wenn Er mein Herr nicht wäre, ſo ließ ich es ſicherlich. “ Sie ſprach: „Iſt er dein Herre, ſtehſt du in ſeinem Lehn, Kann er, die ich ertheile, meine Spiele dann beſtehn Und bleibt darin der Meiſter, ſo werd ich ſein Weib: Gewinn ich aber Eines, es geht euch allen an den Leib,“ Da ſprach von Tronje Hagen: „Nun zeigt uns, Königin, Was ihr für Spiel? ertheilet. Eh euch den Gewinn Mein Herre Gunther ließe, ſo müſt es übel ſein: Er getraut wohl zu erwerben ein ſo ſchönes Mägdelein. “ „Den Stein ſoll er werfen und ſpringen darnach, Den Sper mit mir ſchießen: drum ſei euch nicht zu jah. Ihr könnt hier leicht verlieren die Ehr und auch den Leib: Das geb ich zu bedenken,“ ſprach das minnigliche Weib. Siegfried der ſchnelle gieng vor den König hin Und bat ihn frei zu reden mit der Königin Ganz nach ſeinem Willen; angſtlos ſoll? er ſein: „IT\< will dich wohl beſchüßen vor ihr mit den Liſten mein.“ Da ſprach der König Guuther: „, Königstochter hehr : Ertheilt mir was ihr wollet und wär es auch noc\< mehr, Das beſtänd ich alles um euern ſchönen Leib: Mein Haupt will ich verlieren, ſo ihr nicht werdet mein Weib.“ Als da feine Nede vernahm die Königin, Bat ſie, wie ihr geziemte, das Spiel nicht zu verziehn. Sie ließ ſich zum Streite bringen ihr Gewand, Einen goldnen Panzer und einen guten Schildesrand.

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Ein Waffenhemd von Seide zog ſich an die Maid, Das konnte keine Waffe verleßen je im Streit, Von Zeugen wohlgeſchaffen aus Libya dem Land; Lichtgewirkte Borten erglänzten an ſeinem Rand. Derweilen hatt ihr Uebermuth den Gäſten ſchwer gedräut, Dankwart und Hagen die ſtanden unerfreutz; Wie es dem Herrn ergienge beſorgte ſehr ihr Muth; Sie dachten: „Unſre Reiſe bekommt uns Reken nicht gut.“ Derweilen war auc\<h Siegfried, der waidliche Mann, An das Schiff gegangen, eh wer darüber ſann, Wo er die Tarnkappe verborgen liegen fond, In die er hurtig ſchlüpfte; da war er Niemand bekannt. Er eilte bald zurü>e, da ſah er Reen viel; Es ordnete die Königin allda ihr hohes Spiel. Er gieng umher verſtohlen und daß ihn Niemand ſah, Von Allen die da waren; gar liſtiglich das geſchah. Es war ein Kreiß gezogen, wo das Spiel geſchehn Vor kühnen Reden ſollte, die es wollten ſehn. Wohl an ſiebenhundert , ſah man Waffen tragen: Wer den Sieg errungen, das ſollten ſie naß Wahrheit ſagen. Da war Brunhild gekommen, die man gewaffnet fand, Als ob ſie ſtreiten wolle um aller Könge Land: Wohl trug ſie auf der Seide der Stäblein viel von Gold; Ihre lichte Farbe glänzte darunter hold. Nun kam ihr Geſinde, das trug an der Hand Aus allrothem Golde einen Schildesrand, Mit hartem Stahlbeſchlage, mächtig groß und breit, Worunter ſpielen wollte dieſe minniglihe Maid.

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An einer edeln Borte ward ihr S\<ild getragen, Darauf Edelſteine, wie Gras ſo grüne, lagen; Die warfen mannigfaltig Gefunkel auf das Gold. Der bedurfte große Kühnheit, dem die Jungfrau wurde hold.. Der Schild war untern Bueln, ſo hat man uns geſagt, Von dreier Spannen Di>e; den trug hernach die Magd. * An “Stahl und guch an Golde war er reich genug, - Den ihrer Kämmrer Einer mit Mühe felbvierter trug. Als der Degen Hagen den Schild hertragen ſah, Wie ſprac\<. mit kühnem Muthe der Held von Tronje da: „Wie nun, König Gunther? Wie verlieren wir den Leib? Die ihr begehrt zu minnen, die iſt wohl des Teufels Weib. “ * Nun hört von den Gewanden, - woran ſie reich genug: Von Azagoger Seide einen Wappenro> ſie trug, Der war reich und edel, davon warf hellen Schein Von der Königstochter gar mancher herrliche Stein. Da brachte man der Frauen, ſchwer und übergroß, Einen ſcharfen Wurfſpieß, den ſie ſtäts verſchoß, Stark und ungefüge, mächtig und breit zumal: Der hatt an "ſeinen Seiten zwei Schneiden von ſcharfem Stahl. Von des Spießes Schwere höret Wunder ſagen : Viertehalb Stab Eiſen war dazu verſchlagen. Ihn trugen kaum Dreie von Brunhildens Bann; Gunther der edle darum zu ſorgen begann. * Er dacht in ſeinem Sinne: Was ſoll diefes ſein? Der Teufel aus der Hölle, wie könnt er. hier gedeihn? Wenn ich lebend wieder in Burgonden wär, Ihr ſchüfe meine Minne - wohl feiten große KIM

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* Er hatt in ſeinen Sorgen, das wißet, Leid genug. All ſein Kampfgeräthe man ihm zur Stelle trug: Bald ſtand der reiche König in ſeiner Waffen Hatz Vor Leide hatte Hagen faſt gar verloren den Muth. Da ſprach Hagens Bruder, der kühne Dankwart: „Mich reuet in der Seele dieſe Hofesfahrt. Die immer Recken hießen! wie verlieren wir den Leib! Soll uns in dieſem Lande nun verderben ein Weib? „Des bin ich ſehr verdroßen, daß ich kam in dieſes Land. Hätte Bruder Hagen ſeine Waffen an der Hand, Und auch ich die meinen, ſo ſollten ſich in Hut Brunhildens Re>en nehmen mit all ihrem Uebermuth. * Sie ſollten ſich beſcheiden, das glaubet mir nur; . Hätt ich den Frieden tauſendmal beſtärkt mit einem Schwur, Bevor ich ſterben ſähe den lieben Herren mein, Das Leben müſte laßen dieſes ſchöne Mägdelein. “ „Wir möchten ungefangen wohl räumen dieſes Land,“ Sprach ſein Bruder Hagen, „hätten wir das Gewand, Das wir zum Streit bedürften und die Schwerter gut, So ſollte ſich wohl geben der ſchönen Fraue Uebermuth. “ Wohl hörte was er ſagte die Fraue wohlgethanz Sie ſah ihn über A\<hſel lachendes Mundes an. „Run er ſo kühn ſich dünkfet, ſo bringt doch ihr Gewand, Ihre ſcharfen Waffen gebt den Degen an die Hand. * „Es fümmert mich ſo wenig, ob ſie gewaffnet ſind, A!ls ob ſie bloß da ſtünden,“ ſo ſprach das Königskind. „I\< fürchte Niemands Stärke, den ich noch je gekannt; I\< mag auch wohl geneſen im Streite vor des Königs Hand. “

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Als ſie die Schwerter hatten, nach der Maid Gebot, Dankwart der fühne ward vor Freuden roth. „Run ſpielet, was ihr wollet,“ ſo ſprac\< der Degen werth, „Gunther iſt unbezwungen, wir haben wieder unſer Sc\<wert. “ Brunhildens Stärke zeigte ſich nicht klein, Man trug ihr zu dem Kreiße einen ſchweren Stein, Groß und ungeheuer, rund und ſtark und breit. Ihn trugen kaum Zwölfe dieſer Degen kühn im Streit. Den warf ſie allerwegen, wie ſie den Spieß verſchoß. Darüber war die Sorge der Burgonden groß. „Wen will der König werben ?“ ſprach Herr Hagen laut: „Sie mag wohl in der Hölle ſein des böſen Teufels Braut.“ An ihre weißen Arme ſie die Aermel wand, Sie begann zu faßen den Schild mit der Hand, Sie ſchwang den Spieß zur Höhe: da gieng es an den Streit. Die fremden Gäſte bangten vor Brunhildeus Zorn und Neid. Und wär ihm da Siegfried zu Hülfe nicht gekommen, So hätte ſie das Leben Gunthern wohl benommen. Er nahte ſich verſtohlen und rührte ſeine Hand; Gunther feine Künſte mit großen Sorgen befand. * „Was hat mich berühret?“ dachte der kühne Mann, Und wie er um ſich blickte, da traf er Niemand an. Er ſprach: „Ich bin es, Siegfried, der Geſelle dein: Du ſollſt mir ohne Sorge vor der Königin ſein. “ Er ſprach: „Gieb aus den Händen den Schild, laß mich ihn tragen. Behalte wohl im Sinne, was du mich höreſt ſagen: Du habe die Gebärde, ich will das Werk beſtehn. “ Als er ihn erkannte, da war ihm Liebes geſchehn.

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* „Verhehl auch meine Künſte, die darfſt du Niemand ſagen ; So mag die Königstohter wenig Nuhm erjagen An deinem edeln 'Leben, worauf ihr ſinut der Muth. Nun ſieh doch, wie ſo furchtlos vor dir die Königin thut.“ Da ſchoß mit großen Kräften die herrliche Maid Auf einen neuen Schildrand, mächtig und breit, Den trug an ſeiner Linken der Siegelinde Kind: Das Feuer ſprang vom Stahle * als ob es wehte der Wind. Des ſtarken Spießes Schneide den ganzen Schild durchdrang; Daß das Feuer, lohend“ aus dem Panzer ſprang. Von dem Schuße ſtrauchelten die kraftvollen Degen: War nicht die Tarnkappe, . ſie wären beide todt erlegen. Siegfried dem kühnen vom Munde brach das Blut. Bald hatt er ſich ermannet: da nahm der Degen gut Den Spieß, den ſie geſchoßen ihm hatte durch den Rand: Deu warf ihr bald zurü>e des ſtarken Siegfriedes Hand. * Er dacht : „I\< will nicht ſchießen das ſchöne Mägdelein.“- Des Spießes Schneide: kehrt? er hinter den Rüden ſein; Mit der Sperſrange ſchoß er auf ihr Gewand, Daß es laut erhallte von ſeiner kraftreichen Hand. Das Feuer ſtob vom Panzer, als trieb? es der Wind. Es hatte wohlgeſchoßen König Siegmunds Kindz Ihr reichten nicht die Kräfte vor ſolchem Schuß zu ſtehn: Das wär von König Gunthern in Wahrheit nimmer geſchehn. Brunhild die ſhöne bald auf die Füße ſprang. „Edler Ritter Gunther, des'Sc\<ußes habe Dank!“ Sie wähnte noch, er hätt es mit ſeiner Kraft gethan ; Nein, gefället hatte ſie ein viel ſtärkerer Mann.

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Da trat ſie hin geſchwinde, zornig war ihr Muth, Den Stein hoch erhob ſie, die edle Jungfrau gutz Sie ſchwang mit großen Kräften ihn ferne von der Hand, Dann ſprang ſie nach dem Wurfe, daß laut erklang ihr Gewand. Der Stein war geflogen zwölf Klafter von dem Schwung: Die Jungfrau wohlgeſchaffen erreicht? ihn doh im Sprung. Hin gieng der ſchnelle Siegfried, wo der Stein nun lag: Gunther muſt ihn wägen, des Wurfs der Verholne pflag. Siegfried war verwogen, kräftig und lang; Den Stein warf er ferner, dazu er weiter ſprang: Von ſeinen ſchönen Künſten empfieng er Kraft genug, Daß er in dem Sprunge den König Gunther noch trug. * Der Sprung, der war ergangen, der Stein lag nun da, Gunther wars, der Degen, den man einzig ſah. Brunhild die ſchöne ward vor Zorne roth; Gewendet hatte Siegfried dem König Gunther den Tod. Zu ihrem JIngeſinde ſprach laut die Fürſtin da, Als ſie geſund den Helden . an des Kreißes Ende ſah: „Ihr meine Freund und Mannen, tretet gleich heran: Ihr ſollt dem König Gunther alle werden unterthan. “ Da legten die Kühnen die Waffen von der Hand, Und boten ſich zu Füßen von Burgondenland Gunther dem reichen, ſo mancher fühne Mann: Sie wähnten all, er hätte das Spiel mit ſeiner Kraft gethan. Er grüßte ſie gar minniglich? wohl war er tugendreich. Da nahm ihn bei den Händen das Mägdlein ohne Gleich: Sie erlaubt? ihm zu gebieten in ihrem ganzen Landz Da freuten des ſich alle die Degen kühn und gewandt.

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Sie bat den edeln Ritter mit ihr zurü> zu gehn Zu dem weiten Saale. Als das war geſchehn, Da bot man den Reken der Dienſte deſto mehr: Dankwart und Hagen, die litten es 'ohne Wehr. Siegfried der ſchnelle weiſe war genng, Daß er die Tarnkappe zum Schiffe wieder trug; Dann gieng er zu dem Saale, wo manche Fraue ſaß, Und er mit andern Degen alles Leides vergaß. * „Was ſäumet ihr, mein Herre? Was beginnt ihr nicht die Spiel", Euch will die Königstochter ertheilen doch ſo viel, Und laßt uns bald erſchauen, wie es damit beſtellt?“ Als wüſt er nichts von Allem, ſo that der liſtige Held. * Da ſprach die Königstochter : „Wie konnte das geſchehn, Daß ihr unſre Spiele, Herr Siegfried, nicht geſehn, Worin hier obgeſieget König Gunthers Hand?“ Zur Antwort gab ihr Hagen aus der Burgonden Land: * Er ſprach: „Da habt ihr, Fraue, uns betrübt den Muth: Da war bei dem Schiffe Siegfried der Degen gut, Als der Vogt vom Rheine das Spiel euch abgewann; Drum iſt es ihm unkundig ,“ ſprach der Held in Gunthers Vany. „Nun wohl mir dieſer Märe,“ ſprach Siegfried der Degen, „Daß hier eure Hochfahrt alſo iſt erlegen, Und Jemand lebt, der ener Meiſter möge ſein. Nun ſollt ihr, edle Jungfrau, uns hinnen folgen an den Rhein.“ Da ſprach die Wohlgethane: ,,Das mag noch nicht geſchehn: Erſt frag ich meine Vettern und die in meinem Lehn. Ich darf ja nicht ſo leichthin verlaßen dieſes Land: Meine beſten Freunde, die werden erſt noch beſandt. “ -

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Da ließ ſie ihre Boten nach allen Seiten gehn: Sie beſandte ihre Freunde und Die in ihrem Lehn, Daß ſie zum Jſenſteine kämen unverwandt; * Einem Jeden ließ ſie geben reiches, herrliches Gewand. Da ritten alle Tage, Beides, ſpat und fruh, Der Veſte Brunhildens die Re>en ſcharweis zu. „ Run jadoch,“ ſpra\< da Hagen, „was haben wir gethan? Wir erwarten uns zum Schaden der ſchönen Brunhilde Bann. „Wenn ſie mit ihren Kräften kommen in dieß Land, Der Königin Gedanken, die ſind uns unbekannt: Wie, wenn ſie alſo zürnet, daß wir ſind verloren? So iſt das edle Mägdlein uns zu großen Sorgen geboren!“ Da ſprach der ſtarke Siegfried: „Dem will ich widerſtehn, Was euch da Sorge ſchaffet, das laß ich nicht geſchehn : Ich will enc\< Hülfe bringen her in dieſes Land Durch auserwählte Recken: die ſind euch noch unbekannt. „Ihr ſollt nac\< mir nicht fragen, ich will von hinnen fahren; Gott mag eure Ehre derweilen wohl bewahren. I\< komme bald zurücke und bring euch tauſend Mann Der allerbeſren Degen, deren ich Kunde je gewann. “ „So bleibt auch nicht zu lange,“ der König ſprach da ſo, „Wir ſind aus guten Gründen “eurer Hülfe froh.“ Er ſprach: „I\< komme wieder gewiſs in wenig Tagen; Daß ihr mich weggeſendet ſollt ihr der Königin ſagen.“

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Achtes Abenteuer. Wie Siegfried zu den Nibelungen fuhr. Von dannen gieng da Siegfried zum Hafen an den Strand In ſeiner Tarnkappe, wo er ein Scifflein fandz - Darin ſtand ungeſehen König Siegniunds Kind: Er führt? es bald von dannen, als ob es wehte der Wind. - Den Schiffmeiſter Niemand ſah! das Schifflein luſtig floß Von Siegfriedens Kräften, die waren alſo groß. Da wähnten ſie, es-führ es ein eigner ſtarker Wind: Nein! es führt? es Siegfried ,' der ſchönen Sieglinde Kind. Nach des Tags Verlaufe und in der einen Naht Kam er zu einem Lande von gewaltger Macht, Hundert langer Raſten und wohl. darüber lang: Das Land der Nibelungen, wo er den großen Sc\<aß errang. Der Degen fuhr alleine nach einem Werder breit, Sein Schifflein band er feſte, der Degen allbereit. Er kam zu einem Berge, drauf eine Burg gelegen, Und ſuchte Herberge, wie die Wegemüden pflegen. Da kam er vor die Pforte, die ihm verſchloßen ſtand: Sie bewachten ihre Ehre, wie Sitte noch im Land. Ans Thor begann zu klopfen der unbekannte Mannz Das wurde wohl behütet: da traf er innerhalben an

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Einen Ungefügen, der da der Wache pflag, Bei dem zu allen Zeiten ſeine Waffe lag. : Der ſprach: „Wer pocht ſo heftig da draußen an das Thor?“ Da verkehrte ſeine Stimme der kühne Siegfried davor Und ſprach! „Ich bin ein Re>e, ſchleuß mir auf das Si; Sonſt erzürn ich Manchen heute noc\<h davor, Der gern in Ruhe läge in ſeinem Sc\<lafgemach. “ Das ärgerte den Pförtner, ,als da Siegfried alfo ſprach. Der kühne Rieſe hatte nun ſeine Rüſtung angethan , Den Helm aufs Haupt geſchwungen, der gewaltge :Mann, Den“ Schild erhob er balde, ſo ſtieß er auf: das Thor? Wie -lief er da ſo grimmig den Helden Siegfried an- davor! „Wie er zu we>en wage ſo manchen kühnen Mann?“ Da wurden ſchnelle Schläge . von ſeiner Hand gethan. Der .edle Fremdling ſchirmte ſich vor manchem Schlag: Da hieb ihm der Pförtner in Stücke ſeines -Sc\<hilds Beſchlag Mit einer Eiſenſtange? da litt der Degen Noth; Beinah begann zu fürchten der Held den grimmen Tod, Als mit ſolchen Kräften der Pförtner auf ihn ſchlug. Dafür war ihm gewogen ſein Herre Siegfried genug. Sie ſtritten ſo gewaltig, die Burg gab Wiederhall. Da hörte man das Toſen , in der Nibelungen Saal. Er zwang zulekßt den Pförtner ſo, daß er ihn band; Die Märe wurde kundig im ganzen Nibelungenland. Auch vernahm das Streiten. von ferne durch den Berg Alberich der kühne, ein wildes Gezwerg, “ Er waffnete ſich balde, und lief hin, wo er fand : Dieſen edeln Fremdling, wie er den Rieſen eben band.

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Alberich war grimmig, ſtark dazu genug; Helm und Panzerringe er an dem Leibe trug Und eine ſchwere Geiſel von Gold au ſeiner Hand: Da lief er hin geſchwinde, wo er Siegfrieden fand. Sieben ſchwere Knöpfe, die hingen vorn daran, Womit er vor der Linken den Schild dem kühnen Maun So bitterlich zergerbte, daß er zerſplittert war. Da kam der edle Fremdling beinah in Lebensgefahr. Den Schild er ganz zerbrochen ſeiner Hand entſchwang. Da ſtieß er in die Scheide eine Waffe, die war lang: Seinen Kammerwärter wollt er nicht ſchlagen todt; Er ſchonte ſeiner Leute, wie ihm die Tugend gebot. Er lief mit ſtarfen Händen Alberichen an, Und fieng bei dem Barte den altgreiſen Mann. Er 'zog daran gewaltig, daß laut er ſchrie vor Schmerz: Des jungen Helden Strafe gieng Alberichen ans Herz, Lant rief da der Kühne: „Nun laßt mir das Leben; Und hätt ich einem Helden mich nicht ſchon ergeben, Dem ich ſchwören muſte, ich wär ihm unterthan, Ic\<h dient euch bis zum Tode,“ ſo ſprach der liſtige Mann. Er band auch Alberichen, wie den Rieſen eh: Siegfriedens Kräfte thaten ihm gar weh. Der Zwerg begann zu fragen: „Wie ſeid ihr genannt?“ Er ſpracht „Ich heiße Siegfried: ich wähnt ich wär euch bekannt.“ Zwerg Alberich begann da: „O wohl mir dieſer Mär! Nun hab ich wohl empfunden an euern Werken hehr, Daß ihrs verdienen möget des Landes Herr zu ſein. I\< thu was ihr gebietet : laßt mir nur das Leben mein.“

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Da ſprach der Degen Siegfried: „So macht euch auf geſchwind, Und bringt mir her, der Beſten die im Lande ſind, Tauſend Nibelungen: ich wolle hier ſie ſehn: So laß ich euch kein Leides an euerm Leben geſchehn.“ Da löſt? er Alberihen und den Rieſen von dem Band. Hin lief der Zwerg geſchwinde, wo er die Re>en fand. Er weckte wohlbeflißen Die in Niblungs Lehn, Und ſprach: „Wohlauf ihr Helden, ihr ſollt zu Siegfrieden gehn.“ Sie ſprangen von den Betten und waren gleich bereit: Tauſend ſchnelle Nitter, die ſtanden bald im Kleid. Sie giengen hin zur Stelle, wo man Siegfried fand: Der grüßte ſchön die Degen und gab Manchem die Hand. Viel der Kerzen brannten; man ſchenkt ihm lautern Trank: Daß ſie ſo bald gekommen, des ſagt? er Allen Dank, Er ſprach: „Ihr follt von hinnen mir folgen über Flut, “ Sie waren alle willig, dieſe Helden kühn und gut. Wohl dreißig hundert Reen waren gleich gefommen : Aus ihnen wurden tanfend der Beſten da genommen. Denen brachte man die Helme und ander Rüſtgewand, Als er ſie führen wollte in der' Brunhilde Land. Er ſprach: „Ihr guten Nitter,' Eins will ich euch ſagen: Ihr ſollt mir reiche Kleider dort am Hofe tragen, Denn uns muß da ſchauen manch minnigliches Weib: Darum follt ihr zieren mit gutem Staate den Leib, “ * Nun möchten mich die Thoren vielleicht der Lüge zeihn: „Wie könnten ſo viel Nitter wohl bei einander ſein? Wo nahmen ſie die Speiſe? Wo nahmen ſie Gewand? Und beſäß er dreißig Länder, er brächt es nimmer zu Stand.“

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+ Wie reich Siegfried geweſen, das iſt euch wohlbekannt. Der Hort Niblungens dient? ihm und das Königsland: Drum gab er ſeinen Degen völliglich genug; Es ward ja do\<h nicht minder, wieviel man von dem Sc\<haße trug. Eines Morgens frühe begannen ſie die Fahrt; Was ſchneller Gefährten ſich Siegfried da geſchart! Sie führten gute Noſſe und herrlich Gewandz Sie kamen ungefährdet in der Brunhilde Land. Da ſtand in den Zinnen man\< minnigliches Kind. Da ſprach die Königstochter? „Weiß Jemand, wer die ſind, Die ich dort fließen ſehe ſo fern auf der See? Sie führen reiche Segel, die ſind uoch weißer als der Schnee.“ Da ſprach vom Nhein der König : „Mein Gefolg iſt dieß, Das ich auf der Reiſe nicht weit von hier verließ: Ich habe ſie beſendet: nun ſind ſie, Frau, gefommen.“ Der herrlichen Gäſte ward mit Züchten wahrgenommen. Da ſah man Siegfrieden im Schiffe ſtehn voran, In herrlihem Gewande mit manchem andern Mann. Da ſprach die Königstochter: „Herr König, wollt mir ſagen: Soll ich die Gäſt empfangen oder ihnen Gruß verſagen 2“ „Entgegen ſollt ihr ihnen vor den Pallas gehn, Ob ihr ſie gerne ſehet, daß ſie das wohl verſtehn.“ Da that die Königstochter, wie ihr der König rieth: Siegfrieden mit dem Gruße ſie von den Andern unterſchied. Herberge gab man ihnen und wahrte ihr Gewand. Da waren ſo viel Gäſte „gekommen'in das Land, Daß ſie ſich allenthalben drängten mit den Scharen: Da wollten heim die Kühnen zu den Burgonden fahren.

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Da ſprach die Königstochter: „Dem blieb? ich immer hold, Der da vertheilen wollte mein Silber und mein Gold Meinen Gäſten und des Königs, des ich ſo viel gewann. “ Zur Antwort gab ihr Dankwart, des kühnen Geifelher Mann : „Viel edle Königstochter, laßt mich der Sc\<hlüßel pflegen : Ich will es ſo vertheilen,“ ſprach der kühne Degen, „Wenn ich mir Scand erwerbe, die treffe mich allein. “ Daß er milde wäre, das leuchtete da wohl ein. Als ſich Hagens Bruder der Sc\<lüßel unterwand, So manche reiche Gabe bot des Helden Hand: Wer einer Mark begehrte, dem ward ſo viel gegeben, Daß die Armen alle da in Freuden mochten leben. Wohl mit hundert Pfunden gab er ohne Wahl: Da gieng in reichem Staate Mancher aus dem Saal, Der nie zuvor im Leben "ſo hehre Kleider trug. Die Königin erfuhr es: da war es ihr leid genug. Da ſprach die Königstochter: „Das miſst ich, König, gern, Daß nichts mir ſoll verbleiben vor enerm Kammerherrn Von allem meinem Staate: er verſchwendet all mein Gold. Wer dem no\< widerſtände, dem wollt ich immer bleiben hold, * „Er giebt ſo reiche Gaben: der Degen wähnet eben, Mich lüſte nach dem Tode: ich will noch länger leben ; Meines Vaters Erbe bring ich wohl ſelber hin.“ So milden Kathimerherren gewann nie eine Königin. Da ſprach von Tronje Hagen: „Frau, euch ſei bekannt: Der König von dem Rheine hat Gold und gut Gewand Zu geben ſolche Fülle, . daß er nicht nöthig hat, Daß wir von hinnen führen einen Theil von Brunhilds Staat.“

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„Nein, wenn ihr mich liebet,“ die Königin beganu, „Zwanzig Reiſeſchreine fülle man mir an Mit Gold und mit Seide: das vertheile meine Hand, So wir hinüber kommen in der Burgonden Land.“ Da lud man ihr die Kiſten mit edelm Geſtein. Der Frauen Kämmerlinge muſien zugegen ſein: Sie wollt es nicht vertrauen Geiſelhers Unterthan. Gunther und Hagen darob. zu lächen begann. Da „= die uff „Wem laß ich nun mein Land? Das ſoll hier erſt beſtimmen mein und-eure Hand.“ Da ſprach der edle König: „So rufet Wen herbei, Der euch dazu gefalle, daß er zum -Vogt geordnet ſei.“ Ihrer nächſten Vettern Einen die Fraue bei ſich ſah, Es war ihr Mutterbruder, zu dem begann ſie da: „Nun laßt euch ſein befohlen meine Burgen und das Land, * Bis ſeine Amtleute der König Gunther geſandt.“ Aus dem Geſinde wählte ſie zweitauſend Mannen gleich, Die mit ihr fahre ſollten: in der Burgonden Neichy Mit jenen tauſend Reen aus Nibelungenland. * Sie ſchi>ten ſich zur Reiſe; man ſah ſie reiten nach dem Strand. Sie führte mit von dannen ſechs und achtzig Fraun, Dazu noch hundert Mägdelein, die waren ſchön zu ſchaun. Sie ſäumten ſich nicht länger, ſie wollten bald hindannt . Die ſie zurücke ließen, wie Manche hub zu weinen an! In tugendlichen Züchten räumte die Frau ihr Land, Die -nächſten Freunde küſſend, die ſie bei ſich fand. Mit gutem Urlaube kamen ſie auf das Meer; Zu ihres Vaters Lande kam die Jungfrau nimmermehr.

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Auf ährer Fahrt ertönte vielfaches Freudenſpiel; Aller Kurzweile hatten ſie da viel. - Auch erhob ſich zu der Reiſe der rechte Waßerwind: Sie fuhren ab vom Lande; das beweinte mancher Mutter Kind. Doch wollte ſie den König nicht minnen auf der Fahrt, JIhre- Kurzweil wurde bis in ſein Haus geſpart p Zu Wormes in der Veſte, zu "einem Hofgelag, | Wohin mit ihren Helden ſie fröhlich kamen EEN

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Neuntes Abenteuer. Wie Siegfried nach Worms geſandt ward. Da ſie gefahren waren volle neun Tage, Da ſprach von Tronje Hagen? „Nun höret, was ich ſage : Wir ſäumen mit der Kunde nach Wormes an den Rhein; Nun ſollten eure Boten ſchon bei den Burgonden ſein.“ Da ſprach König Gunther: ,„, Wohl ſprecht ihr recht daran; Auch hätt uns wohl Niemand die Fahrt ſo gern gethan, Als ihr Freund Hagen ſelber ; ſo.reitet in mein Land: Unſre Hofreiſe macht Niemand beßer dort bekannt. ““ * Zur Antwort gab da Hagen: „I\< bin kein Bote gut: Laßt mich der Kammer pflegen; bleiben auf der Flut Will ich bei den Frauen und hüten ihr Gewand, Bis daß wir ſie bringen in der Burgonden Land. „Nein , bittet Siegfrieden um dieſe Botſchaft , Der mag ſie wohl verrichten mit tugendreicher Kraft. Verſagt er euch die Reiſe, ihr ſollt mit guten Sitten Bei eurer Schweſter Liebe um die Fahrt ihn freundlich bitten. ““ Er ſandte zu dem Re>en; der kam als man ihn fand. Er ſprach zu ihm: „Wir nahen uns wieder meinem Land; Da ſollt ih Boten ſenden der lieben Schweſter mein, Und auch meiner Mutter, daß wir kommen an den Rhein.

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* „Von euch begehr ich, Siegfried, daß ihr die Reiſe thut, Ich wills euch immer danken,“ ſo ſprach der Degen gut. Da weigerte ſich Siegfried, der hoc\<hbeherzte Mann Vis ihn König Gunther ſehr zu bitten begann. Er ſprach: „Ihr ſollt reiten um den Willen mein, Und au\< um Kriemhilde, das ſchöne Mägdelein , Daß es mit mir verdiene die herrliche Maid.“ Als Siegfried das hörte, da war der Recke bald bereit. „Entbietet, was ihr wollet, es ſoll verkündet ſein: Ich will es gerne leiſten um das ſchöne Mägdelein. Die ich im Herzen trage, verzichtet ich auf Die? ; Leiſten will ich Alles, was ihr gebietet, um Sie.“ „So ſaget Frau Uten, der reichen Königin, Daß ich auf dieſer Reiſe hohes Muthes bin. Wie wir geworben haben ſagt meinen Brüdern an; Auch unſern Freunden werde dieſe Märe kund gethau. „Auch ſollt ihr nichts verſchweigen der ſchönen Schweſter mein, I\< woll ihr mit Brunhilden ſtäts zu Dienſten ſein; So ſagt auch dem Geſinde und allem meinem Bann: Was je mein Herz ſich wünſchte, daß ich das Alles gewann. „Und ſaget Ortweinen, dem lieben Neffen mein, Daß er Geſtühl errichten laße bei dem Rhein; Und meinen Vettern allen ſei es kund gethan, Ich ſtelle mit Brunhilden eine große Hochzeit an. „Und ſaget meiner Schweſter, werd ihr das bekaunt, Daß ic\< mit meinen Gäſten gekommen ſei ins Land, Daß ſie dann wohl empfange die liebe Traute mein: Dafür will ich Kriemhilden immerdar gewogen ſein.“

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Da bat bei Brunhilden und ihrem JIngeſind Bald um ſeinen Urlaub Siegfried, Siegmunds Kind, Wie ihm das wohlgeziemte; da ritt er an den Rhein. Es konnt auf dieſer Erden ein beßrer Bote nicht ſein. Mit vier und zwanzig Ne>en kam er zu Wormes an; Der König war nicht drunter: das wurde kundgethau. Da mühte das Geſinde ſich in Jammers Noth, Beſorgt, daß dort der König gefunden habe den Tod. Sie ſtiegen von den Roſſen und trugen hohen Muth: Da kam alsbald Herr Geifelher, der junge König gut, Und Gernot, ſein Bruder: wie hurtig ſprach er da, Als er den König Gunther nicht bei Siegfrieden ſah: „Willfommen, Herr Siegfried, ich bitte, ſagt mir an: Wo habt ihr meinen Bruder den König hingethan ? Brunhildens Stärke, für\<t ich, hat ihn uns benommen : Ihre hohe Minne wäre uns ſehr zu Schaden gekommen.“ „Die Sorge laßet fahren: euch und den Freunden ſein Entbietet ſeine Dienſte der Heergeſelle mein: I\< verließ ihn wohlgeborgen; er hat mich euch geſandt, Daß ich ſein Bote würde, mit Mären-her in euer Land. „Nun helfet mir es fügen , wie es auch geſcheh, Daß ich die Köngin Ute und eure Schweſter ſeh: Die ſoll ih hören laßen, was ihnen zu wißen thut Gunther und Brunhilde: um die Beiden ſteht es gut.“ Da ſprach der junge Geiſelher: „So ſprecht bei ihnen an, Da habt ihr meiner Schweſter einen Liebesdienſt gethan. Sie trägt noch große Sorge um den Bruder meinz Das Möägdlein ſieht euch gerne: des will ich euch Bürge ſein.“

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Da ſprach der Degen Siegfried : ,„ Wo ich ihr dienen kaun, Das ſoll immer treulich und willig ſein gethan. Wer ſagt nun daß ich komme den beiden Frauen an?“ e Des .wurde Bote Geiſelher, dieſer wagidliche Mann. Geiſelher der junge ſprach zu der Mutter da, Und guch zu ſeiner Schweſter, als er die beiden ſah: „Siegfried iſt gekommen, der Held aus Niederland, . Ihn hat mein Bruder Gunther her zu dem Nheine geſandt. „Er bringet uns die Kunde, wie's um den König ſteht; Nun mögt ihr ihm erlauben, daß er zu Hofe geht: Er bringt die rechten Mären uns her von IJIſenland.“ No\< war den edeln Frauen große Sorge nicht gewandt. Sie ſprangen nach dem Staate und kleideten ſich drein Und luden Siegfrieden nach Hof zu kommen ein. Das that der Degen williglich, weil er ſie gerne ſah. Kriemhild die edle ſprach zu ihm in Güte da: „Willkommen, Herr Siegfried, ein Ritter ohne Gleich: Wo iſt mein Bruder Gunther, der edle König reich? Dur Brunhilds Stärke, fürcht ich, iſt er uns verloren: O weh mir armen Mägdelein, daß ich jemals ward geboren!“ Da ſprach der kühne Nitter: „Gebt mir Botenbrot, Ihr viel ſchönen Frauen weinet ohne Noth. . I\< verließ ihn wohlgeborgen: das thn-ich euch bekannt; Sie haben mich euch Beiden mit der Märe hergeſandt. „Mit freundlicher Liebe, viel edle Köngin mein, Entbent euch ſeine Dienſte er und die Traute ſein: - Nun laßet euer Weinen, ſie wollen balde kommen.“ Sie hatten lange Tage ſo liebe Märe Melen vernommen.

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x Mit ſchneeweißem Kleide gus Augen wohlgethan Wiſchte ſie. die Thränen; zu danken hub ſie an Dem“ Voten dieſer Märe, die da war gefommenz Da war ihr große Trauner und auch ihr Weinen benommen. Sie hieß den Boten ſißen: das war er gern bereit. Da ſprach die Minniglihe: „Es wäre mir nicht leid, Wenn ich euch geben dürfte zum Botenlohn mein Gold: Dazu ſeid ihr zu vornehm: ſo bleib ich ſonſt denn euch hold.“ „Und würden dreißig Lande,“ ſprach er, „mein genannt, So empfieng' ich doch gerne Gab aus eurer Hand,“ Da ſprach die Tugendliche: „So ſoll es denn geſchehn.“ Da ließ ſie ihren Kämmerer nach dem Botenlohne gehn. Vier und zwanzig Spangen mit Edelſteinen gut Gab ſie ihm zum Lohne. So ſtund des Helden Muth: Er wollt es nicht behalten; er gab es nnverwandt Ihren ſchönen Maiden, die in der Kammer er fand. Die Mutter bot ihm gütlih ihre Dienſte an. „ Ih will euch mehr berichten,“ ſprach der kühne Mann, „Um was der König bittet, gelangt er an den Rhein. Wenn ihr das, Fraue, leiſtet, er will euch ſtäts gewogen ſein, „Seine reichen Gäſte, hört ich ihn begehren, Sollt ihr wohl empfangen und ſollt ihn des gewähren Entgegen ihm zu reiten vor Wormes ans Geſtad. Das iſts warum der König mit allen Treuen euch bat.“ „Das will ih gern vollbringen /“ ſprach die ſchöne Magd: „Worin ich ihm kann dienen, das iſt ihm unverſagt. Mit freundlicher Treue ſei all ſein Wunſch gethan.“ Da mehrte ſich die Farbe, die ſie vor Liebe gewann.

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Nie ſah man eines Fürſten Boten ſo wohl empfahn : Wenn ſie ihn küſſen durfte, ſie hätt es gern gethan; Minuiglich er anders doch von der Frauen ſchied. Da thaten die Burgonden wie der Bote ihnen rieth. * Sindolt und Hunolt und Rumolt der Degen, Großer Unmuße muſten ſie da pflegen, Als ſie die Siße richteten vor Wormes an dem Strand: Die Schaffner des Königs man ſehr beflißen da fand. * Ortewein und Gere ſäumten auc\<h nicht mehr, Sie ſandten nach den Freunden allwärts umher, Die Hochzeit zu verkünden, die da ſollte ſein; . Der zierten ſich entgegen die viel ſ\<hönen Mägdelein. . Der Pallas und die Wände waren überall Verziert der Gäſte wegen; König Gunthers Saal Wurde wohl bezimmert durc\< manchen fremden Mann; Das große Hofgelage mit hohen Freuden begann. Da ritten allenthalben die Wege durc\< das Land Der drei Könge Freunde; die hatte man befandt, Daß ſie empfangen hülfen Die da ſollten kommen: Da wurden aus der Lade reicher Zeuche viel genommen. Da brachte man die Kunde, daß man ſchon reiten ſah Brunhildens Heergeſellen: Gedränge gab es da Von des Volkes Menge in Burgondenland. Hei! was man kühner Degen da zu beiden Seiten fand! * Da ſprach die ſchöne Kriemhild: „Ihr meine Mägdelein, Die nun beivdem Empfange mit mir wollen ſein, Die ſuchen aus den Kiſten ihe allerbeſt Gewand: So wird uns Lob und Ehre von den Gäſten zuerkannt.“

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Da kamen auch die Re>en, die ließen tragen dar Herrliche Sättel, von rothem Golde klar, Daß drauf die Frauen ritten von Wormes an den Nheiu: Beßer Pferdgeräthe konute wohl nimmer ſein. Wie warf da von den Mähren das lichte" Gold den Schein! Es glänzte von den Zäumen mancher Edelſtein; Die goldnen Sattelſchemel auf lichten Zeugen gut Brachte man den Frauen; ſie hatten fröhlichen Muth. * Die Frauenpferde ſtanden auf dem Hof bereit, Wie ich en\< ſchon bekannte, für manche edle Maid; * Die ſchmalen Bruſtriemen ſah man die Mähren tragen Von der beſten Seide, davon man jemals hörte ſagen. Sechs und achtzig Frauen. zogen da heran , Die Kopfbinden trugen; zu Kriemhilden dann Kamen die Schönen in ihrem reichen Kleid; Da kam auch wohlgezieret gar manche waidliche Maid. * Funfzig und Viere aus Burgondenland: Das waren auch die Beſten, die man irgend fand; Die ſah man gelblo>ig unter lichten Borten gehn. Was gewünſcht der König, das ſah er fleißig geſchehn. Sie trugen reiche Zeuche, die beſten die man fand,- Vor deu fremden Nittern, und herrliches Gewand ; Zu ihren ſchönen Farbe ſtand es ihnen gut: Wer Einer abhold wäre, litte wohl an ſchwachem Muth. Von Hermelin und Zobel viel Kleider man da fand. Da ſchmücte ſich gar Manche den Arm und auch diesHand Mit Spangen auf der Seide, die ſie ſollten tragen ; Es fönnt euch: dieß Befleißen zu Ende wohl Niemand ſagen.

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Viel Gürtel kunſtgeſchaffen, koſtbar und lang, Ueber lichte Kleider die Hand der Franen ſchwang Um edle Ferransrö&e von Zeuch aus Arabia. Voll hoher Freude waren die edeln Jungfrauen da. Es ward in Bruſtgeſchmeide manche ſchöne Maid . Gar minniglich geſchnüret. Die mochte tragen Leid. Deren lichte Farbe das Zench nicht überſchien: Y So ſchönes JIngeſinde hat nun feine Königin. Als die Minniglihen nun trugen ihr Gewand, -Die ſie da führen ſollten, die kamen unverwandt, . Der hochgemuthen Ne>en eine große Zahl daher: Man trug auch dar viel Schilde und manchen eſchenen Sper.

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Zehntes Abenteuer. Wie Brunhilde zu Worms empfangen ward. Jenſeits des Nheines ſah man mit manchen Scharen Den König ans Geſtade mit ſeinen Gäſten fahren. Da ſah man auch am Zaume- leiten manche Maid: Die ſie empfangen follten, die waren alle bereit. Als die von Jsland kamen bei den Schiffen an, Und auch die Nibelungen in Siegfriedens Bann, Sie eilten zu dem Lande; wohl fliß ſich ihre Hand, Als man des Königs Freunde jenſeits am Geſtade fand. Nun höret auch die Märe - von der Königin, Ute der reihen, wie ſie die Mägdlein hin Brachte von der Veſte und ſelber ritt zum Strand, Da wurden miteinander viel Maid und Nitter bekannt. * Der Herzog Gere führte am Zaum Kriemhildens Pferd Nur vor das Thor der Veſte; Siegfried der Degen werth, Der muſt ihr weiter dienen; ſie war ſo ſchön und hehr. Das ward ihm wohl vergolten von der Jungfrau nachher. * Da ritt Ortwein der kühne bei Uten der Königin, Und ſo geſellt viel Nitter neben den Frauen hin. Zu feſtlichem Empfange, das muß man wohl geſtehn, Wurden nie der Frauen ſo viel beiſammen geſehn.

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Viel hohe Ritterſpiele wurden da getrieben Von preiswerthen Helden (wie wär es unterblieben ?) Vor Kriemhild der ſchönen, die zu den Schiffen kam. Da hob man von den Mähren viel der Frauen lobeſam. Der König war gelandet mit fremder Nitterſchaft; Wie brach da vor den Franen ſo mancher ſtarke Schaft! Da hörte man auf Schilden erklingen manchen Stoß; Hei! reicher Bueln Schallen ward im Gedränge da groß! Vor dem Hafen ſtanden die Frauen minniglich ; Gunther mit ſeinen Gäſten hub 'von den Schiffen ſich: Er führte Brunhilden ſelber an der Hand. Wetteifernd mit einander ſchien Geſtein und licht Gewand. Mit viel großen Züchten Frau Kriemhilde gieng, Als ſie Frau Brunhilden und ihr Geſind empfieng ! Man konnte weiße Hände am Kränzlein rüc>en ſehn Als ſie ſich Beide füſten: das war aus Liebe geſchehn. Da ſprach mit edler Sitte Kriemhild das Mägdelein : „Ihr ſollt in dieſen Landen uns willkommen ſein Mir und meiner Mutter, und alleu die uns treu Von Mannen und von Freunden.“ Da verneigten ſich die Zwei. Oftmals mit den Armen umfiengen ſich die Fraun. So freundliches Empfangen war nie zuvor zu ſchaun, Als die Frauen beide der Braut thaten kund, Frau Ute und ihre Tochter: ſie küſten oft den ſüßen Mund. Als Brunhildens Frauen nun ſtanden auf dem Strand, Von waidlichen Reen wurden da bei der Hand Minniglich genommen viel Frauen hehr und ſchön. Man fah die edeln Maide vor Frau Brunhilden ſtehn. Lahm. 541-- 517.

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Eine gute Weile währt? es, bis ſie ſich rec\<ht gegrüßt: Wohl wurde da ſo mancher rothe Mund gefüſt, No\<h ſtanden bei einander die Königstöchter reicht Das freuten ſich zu ſchauen viel der Reken ohne Gleich. Da ſpähten mit den Augen die oft gehört vorher, Daß man alſo Schönes geſehen nimmermehr “ Als die Frauen beide: das fand man ohne Lug; Man ſah an ihrem Leibe auch nicht den mindeſten Trug. Die Frauen ſchäßen konnten und minniglichen Leib, Prieſen um ihre Schöne König Gunthers Weib. Doch ſprachen da die Weifen, die es recht beſehn, Man müße vor Brunhilden den Preis Kriemhilden zugeſtehn. Nun giengen zueinander Mägdlein und Fraun: Da war in hoher Zierde manc\< ſchönes Weib zu ſchaun. Da ſtanden ſeidne Hütten und manches gute Zelt: Davon war angefüllet vor Wormes das ganze Feld. * Des Königs Freunde drängten ſich um ſie zu ſehn. Da hieß man Brunhilden und Kriemhilden gehn, Und all die Fraun mit ihnen, hin wo ſich -Schatten fand; Dar fährten ſie die Degen aus der Burgonden Land. Nun waren auch die Gäſte gekommen all zu Roſs: Da gab es beim Tjoſtieren - durch Schilde man\<hen Stoß. Das Feld begann zu ſträuben, als ob das ganze Land Entbrannt wär in der Lohe: da machten Helden ſich bekannt. Wes da die Reen pflagen ſah manche Maid mit an. Wohl ritt mit ſeinen Degen Siegfried der kühne Mann In mancher Wiederkehre vorbei an dem Gezeltz Der Nibelungen führte tauſend Degen der Held.

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„. M vs Da kam von Tronje Hagen, wie ihm der König rieth : Der Held mit guter Sitte die Nitterſpiele ſchied, Auf daß ſie nicht die Frauen beſtäubten mit dem Sand: Willigen Gehorſam er bei den Gäſten da fand. * Da ſprach Gernot der Degen : „Die Roſſe laßet ſtehn, Wenn es beginnt zu kühlen, daß wir die Frauen ſchön Wieder heim geleiten vor den Pallas weit: Wenn reiten will der König, daß ihr des gewärtig ſeid.“ Das Kampfſpiel war vergangen über all dem Feld, Da giengen kurzweilen in manches hohe Zelt Die Ritter zu den Frauen,“ um hoher Luſt Gewinn : Da vertrieben ſie die Stunden, bis ſie weiter wollten ziehn. Vor des Abends Nahen, als ſank der Sonne Licht Und es begann zu kühlen, ließ man es länger nicht: Da eilten zu der Veſte viel Helden und man\< Weib; Mit Augen ward gefoſet mancher ſchönen Frauen Leib. Da ward von guten Knechten um Kleider viel geritten Vor den Hochbeherzten nach des Landes Sitten Bis vor den weiten Pallas, wo der König ſprang vom Pferd. Da diente man den Frauen, ſo pflegen Helden lobenswerth. Da wurden auch geſchieden die Königinnen reich. Frau Ute und ihre Tochter giengen von hinnen gleich ' Mit ihrem Jngeſinde in einen weiten Saal: Da vernahm man allenthalben der Freude rauſchenden Schall. Gerichtet waren Stühle: der König wollte gehn Zu Tiſche mit den Gäſten: da ſah man bei ihm ſtehn Die ſchöne Brunhilde, die da die Krone trug In des Königs Lande: reich war die Fürſtin genug.

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* Da wurden ſchöne Tiſche, viel Tafeln breit und gut, Mit Speiſe wohlbeladen, wie man kund uns thut: Was ſie da haben ſollten, davon ward nichts entbehrt. Da ſah man bei dem Könige viel der Helden kühn und werth. Des Wirthes Kämmerlinge in Been goldesroth Reichten da das Waßer. Das wär vergebne Noth Wollt euch Jemand ſagen, daß man je vorher Bei Gelagen beßer diente: ich glaubt es do\< nimmermehr. Bevor der Vogt vom Rheine nun das Waßer nahm, Da gieng der Herre Siegfried, er durft es ohne Sham, Und mahnt? ihn ſeiner Treue, die er ihm gab zum Pfand, Bevor er Brunhilden daheim geſehn in Iſenland. Er ſprach: „Ihr ſollt gedenken, es ſchwur mir eure Hand, Wenn wir Frau Brunhilden brächten in dieß Land, Ihr gäbt mir eure Schweſter: wo blieb nun ener Eid? Ihr wißt, bei eurer Reiſe war keine Mühe mir leid.“ Da ſprach der Wirth zum Gaſte: „Ihr habt mich wohl ermahnt; Des ſoll nicht meineidig werden meine Handz I\< wills euch fügen helfen, ſo gut ichs immer kann.“ Da lud er Kriemhilden zu Hofe freundlich heran, Mit viel ſchönen Maiden. Sie kamen vor den Saal; Da ſprang von einer Stiege Geiſelher zu Thal: „Heißet wiederkehren dieſe Mägdelein : Meine Schweſter ſoll alleine hier bei dem Könige ſein.“ Da führten ſie Kriemhilden wo man den König fand. Da ſtanden edle Ritter von mancher Fürſten Land In dem weiten Saale. Matt hieß ſie ſtille ſtehn: Da ſah man Brunhilden eben zu den Tiſchen gehn.

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* Sie wuſte nicht die Märe, was da ſollt ergehn. Da ſagte König Gunther Denen in ſeinem Lehn: „Helft mir, daß meine Schweſter Siegfrieden nimmt zum Mann,“ Sie ſprachen einhellig: „Das wäre gar wohlgethan.“ Da ſprach der König Gunther: „Schweſter, hehre Maid, Um deiner Tugend willen, löſe meinen Eid. Ich verſprach dich einem Re>en: nimmſt du ihn zu Mann, Sv haſt du meinen Willen mit aller Treue gethan.“ Da ſprach das edie Mägdelein: „Lieber Bruder mein, Ihr follt mich nicht bitten, ich will euch folgſam ſein ; Wie ihr mir gebietet, ſo ſoll es ſein gethan: Dem will ich mich verloben, den ihr, Herr, mir gebt zum Mann.“ Vor Freuden und vor Liebe wurde Siegfried roth; Zu Dienſten ſich der Ne&e Frau Kriemhilden bot. Man ließ ſie mit einander in einem Kreiße ſtehn, Und frug ſie, ob ſie wolle dieſen Ne>en auserſehn ? Mit mäd\<henhafter Scheune ſchämte ſie ſich ein Theil; Doch war Siegfrieden ſo günſtig Glü> und Heil, Daß ſie ganz nicht wollte verſchmähen ſeine Hand. Auch verſprach ſich ihr zum Manne der edle Fürſt von Niederland. Da er ſich ihr verlobte und ſich ihm die Maid, Ein gütliches Umfangen war da gleich bereit Von Siegfriedens Armen dem ſchönen Mägdlein zart: Die edle Königin küſt? er in der Helden Gegenwart. Sich theilte das Geſinde, als das vor ihm geſchah ; Auf dem Ehrenplaße man Siegfrieden ſah Bei Kriemhilden ſißen? ihm diente mancher Mannz Man ſah die Nibelungen Siegfrieden auch unterthan.

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Der König ſaß am Tiſche bei Brunhild der Maid: Da ſah ſie Kriemhilden (wie war ihr das ſo leid!) Bei Siegfrieden zu ſiken; zu weinen hub ſie an, Daß ihr man\<e Thräne über lichte Wangen rann. Da ſprach der Wirth des Landes: „Was iſt euch, Fraue mein, Daß ihr ſo trüben laßet der li\<hten Augen Schein? Nun ſolltet ihr euch freuen, euc\< iſt unterthan Mein Land und meine Burgen und mancher waidliche Mann.“ „ Wohl hab ich Grund zu weinen,“ ſprach die ſchöne Maid: „Deiner Schweſter wegen trag ich Herzeleid; Ich ſehe ſie da ſiken bei dem Eigenholden dein? . Wohl muß ich immer weinen, foll ſie ſo verderbet ſein.“ Da ſprach der König Gunther: „Das mögt ihr ſtill ertragen : Ich will euch dieſe Märe zu andern Zeiten ſagen, Warum ich meine Schweſter Siegfrieden gegeben z: Wohl mag ſie dem Ne>en immer in Freuden leben.“ Sie ſprach ; „Mich reuet immer ihre Sc\<öne und Sittſamkeitz Wüſt ich wohin ich follte, ich flöhe gerne weit, Und wollt euch eher nimmer nahe liegen bei, Bis ich wüſte we8halb Kriemhild die Braut von Siegfrieden ſei.“ Da ſprach der König Gunther: „I\< mach es euch bekannt: Er hat wohl wie ich ſelber Burgen und weites Land, Das dürft ihr ſicher glauben, er iſt ein König reicht Drum geb ich ihm zum Weibe die ſchöne Magd ohne Gleich.“ Was ihr der König ſagte, traurig blieb ihr Muth. Da eilte von den Tiſhen mancher Nitter gutt Das Kampfſpiel ward ſo mächtig, daß rings die Burg erklang. Dem Wirth bei ſeinen Gäſten währte das viel zu lang.

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Er dacht: „I\< läge ſanfter der ſchönen Fraue bei.“ Da war er des Gedankens nicht gar im Herzen frei, Von ihrer Minne müße viel Liebes ihm geſchehn. Da begann er freundlih Frau Brunhilden anzuſehn. Vom Ritterſpiel die Gäſte bat man abzuſtehn: Mit ſeinem Weib der König zu Bette wollte gehn. Vor des Saales Stiege kam einander nah Kriemhild und Brunhilde: kein Haß noch regte ſich da. . Da kam ihr Jugeſinde: ſie ſäumten länger nicht, Ihre reihen Kämmerlinge brachten ihnen Licht. Da theilten ſich die Reen in der zwei Könge Lehn: Da ſah man viel der Degen hinweg mit Siegfrieden gehn. Die Helden kamen beide hin wo ſie ſollten liegen: Da dachten alle Beide mit Minnen obzuſiegen Den waidlichen Frauen; das ſänftet? ihren Muth. Siegfriedens Kurzweil, die wurde herrlich und gut. * Als Siegſried der Degen bei Kriemhilden lag Und er der Jungfrauen ſo minniglich pflag Mit ſeiner edeln Minne, ſie war ihm wie ſein Leben : Er hätte nicht die Eine für tauſend Frauen gegeben. Ich ſag euch nicht weiter, wie er der Fraue pflag z Nun höret dieſe Märe, wie König Gunther lag Bei Brunhild ſeiner Frauen: zierlicher Degen Haben Manche fanfter bei andern Frauen gelegen. * Das Volk hatt ihn verlaßen, die Frauen und ſein Bann : Da ward die Kemenate balde zugethan, | Er wähnt, er ſolle kofen ihren minniglichen Leib: Da währt? es noch gar lange, bevor ſie wurde fein Weib.

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Im weißen Linnenhemde gieng ſie ins Bett hinein. Der edle Nitter dachte: „Nun iſt das Alles mein, . Wes mich je verlangte in allen meinen Tagen.“ Sie muſt ob ihrer Shöne mit großem Recht ihm behagen. Das Licht begann zu bergen des edeln Königs Hand. Da gieng der kühne Degen, wo er die Fraue fand; Er legte ſich ihr nahe, ſeine Freude die war groß, Als die Minnigliche der Held mit Armen umſchloß. * Minnigliches Koſen. mocht er da viel begehn, Wenn die edle Frane Solches ließ geſchehn ; Doch zürnte ſie gewaltig; den Herru betrübte das. Er wähnt", er finde Freude, da fand er feindlichen Haß. Sie ſpra\<: „Edler Nitter, das laßt euch nur vergehn: Was ihr da habt im Sinne, das kann noch nicht geſchehn. I\< will noch Mägdlein bleiben, Herr König, merkt euch das / Bis ich die Mär erfahre.“ Da faßte Gunther ihr Haß. Er rang nach ihrer Minne und zerriß ihr Kleid. Da griff nach einem Gürtel die herrliche Maid, Einer ſtarken Borte, die ſie zur Seite trug: Da that ſie dem Könige großen Leides genug. Die Füß und auch die Hände ſie ihm zuſammenband, Sie trug ihn zu einem Nagel und hieng ihn au die Wand. Als er im Schlaf ſie ſtörte, das Koſen ſie ihm verbot: Von ihrer Stärke hätt er beinah gewonnen den Tod. Da begann zu flehen der Meiſter ſollte ſein: „Löſet meine Bande, viel edle Köngin mein. I\< getrau euch, ſchöne Fraue, nimmer obzuſiegen, Und will auch wahrlich ſelten ſo nahe neben euch liegen.“

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* Sie frug nicht, wie ihm wäre, da ſie in Ruhe lag. “ Da muſt er hangen bleiben die Nacht bis an den Tag, Bis der lichte Morgen durchs Fenſter warf den Schein : Fatt er je Kraft beſeßen, die ward an feinem Leibe klein. „Nun ſagt mir, Herr Gunther, iſt euch das etwa leid, Wenn euch gebunden finden ,“ ſprach die ſchöne Maid, „Eure Kämmerlinge von einer Frauen Hand?“ Da ſprach der edle Ritter: „Das würd euc\< übel gewandt. „Auch wär mirs wenig Ehre,“ ſpräch der edle Mann: „Um eurer Tugend willen, nehmt mich nun bei en\< an. Iſt euch meine Minne denn ſo mächtig leid, I\< will mit meinen Händen ſelten rühren euer Kleid,“ Sie löſte ſeine Bande: er gieng, da er befreit, Wieder an das Bette zu der edeln Maid; Er legte ſich ſo ferne, daß er ihr Hemde fein Selten mehr berührte; auch wollte ſie des ledig fein. Nun kam auch ihr Geſinde, das brachte neu Gewand; Des war heute Morgen genug für ſie zur Hand, Wie froh man da gebahrte, traurig war ſein Muth; Der König des Landes, ihre Freunde däucht ihn nicht gut. Rach des Landes Sitte, die man mit Recht begieng, Guuther und Brunhilde nicht länger das verhieng: Sie giengen nach dem Münſter, wo man die Meſſe ſang. Da kam auch Herr Siegfried: da hob ſich mächtiger Drang. Nach königlichen Ehren war da für ſie bereit Was ſie haben ſollten, die Krone wie das Kleid. Da wurden ſie geweihet: als das war geſchehn, Da ſah man unter Krone alle Viere herrlich ſtehn.

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Vie! Knappen wurden Nitter, ſechshundert oder mehr, Das ſollt ihr ſicher glauben, den Königen zur Ehr: Da hob ſich große Freude in Burgondenlandz Man hörte Schäfte hallen an der Schwertdegen Hand. Da ſaßen in den Fenſtern die ſ\<hönen Mägdelein Sie ſahen vor ſich leuchten manches Schildes Schein. Da hatte ſich der König getrennt von ſeinem Bann: Was Jemand da begonnte, er ſah es trauernd mit an. Ihm und Siegfrieden ungleich ſtand der Muthz Wohl wuſte was ihm fehlte der edle Ritter gut. Da gieng er zu dem Könige, zu ſragen er begann: „Wie iſt8 euch heunt gelungen? das ſagt, Herr Gunther, mir an.“ Da ſprach der Wirth zum Gaſte: „Den Spott zu dem Sc\<aden Hab ich an meiner Frauen in mein Haus geladen. Ic\< wähnte ſie zu minnen, als ſie mich mächtig band : Sie trug mich zu einem Nagel, und hieng mich hoch an die Wand. „Da hieng ich ſehr in Aengſten die Nacht bis an den Tag, Eh ſie mich wieder löſte: wie ſauft ſie da lag! Das ſei dir in der Stille geklagt in Freundlichkeit.“ Da ſprach der ſtarke Siegfried: „Das iſt mir ſicherlich leid. „Das will ich euch beweiſen, verſchmerzt ihr den Verdruß. I\< ſchaffe, daß ſie heunte ſo nah euch liegen muß, Daß ſie eunc\< ihre Minne nicht länger vorenthält.“ Die Rede hörte gerne nach ſeinem Leide der Held. * „Nun ſchau meine Hände, wie die geſchwollen ſind: Die drückte ſie ſo mächtig, als wär ich ein Kind, Daß mir allenthalben das Blut zu den Nägeln drang. Ich hegte keinen Zweifel, mein Leben währe nicht lang.

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* Da ſprach der Degen Siegfried: „Es wird noch Alles gut: Uns Beiden war wohl ungleih heute Nacht zu Muth. Deine Schweſter Kriemhild iſt mir lieber als der Leib: Es muß die Fran Brunhilde noch heute werden dein Weib.“ Er ſprach: „Noch hennte komm ich zu euerm Kämmerlein, Alſo wohl verborgen in der Tarnkappe mein, Daß ſich meiner Künſte Niemand mag verſehn. So laßt die Kämmerlinge zu den Herbergen gehn. „So löſch i\< den Kindern die Lichter an der Hand: Daß ich hereingetreten ſei euch dabei bekannt. Weil ich euch gerne diene, ſo zwing ich euch das Weib, Daß ihr ſie heunte minnet:! ich verlör denn Leben und Leib.“ „Wenn du ihr nicht koſeſt,“ der König ſprach da ſo, „Meiner lieben Frauen, ſo bin ichs gerne froh; Sonſt thu ihr was du wolleſt und nähmſt du ihr den Leib, Das wollt ich wohl verſchmerzen? ſie iſt ein furchtbares Weib.“ „Das verſprech ich „“ ſprach da Siegfried, „bei der Treue mein, Daß ich ihr nicht koſe; die liebe Schweſter dein Geht mir über alle, die ich jemals ſah.“ Wohl glaubte König Gunther der Rede Siegfriedens da. Da gabs von Ritterſpielen Freude ſo wie Noth: Turnei und Tioſtieren man allzumal verbot. Als die Frauen ſollten nach dem Saale gehn, Geboten Kämmerlinge den Leuten nicht im Weg zu ſtehn. Da ward der Hof von Leuten und Roſſen wieder frei. Zwei Biſchöfe führten die Frauen alle zwei, Als ſie vor den Königen zu Tiſche ſollten gehn. Ihnen folgten zu den Stühlen viel der Degen auserſehn.

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* Der König wohlgemuthet in froher Hoffnung ſaß. Was Siegfried ihm gelobte, wohl behielt er das; Der eine Tag ihn däunchte wohl dreißig Tage lang: Nach ſeiner Frauen Minne all ſein Denken ihm rang. Er konnt es kaum erwarten bis das Mahl vorbei. Die ſchöne Brunhilde rief man da herbei Und anch Kriemhilden, ſie ſollten ſchlafen gehn: Hei! was man ſchneller Degen ſah vor den Königinnen ſtehn! Siegfried der Herre gar minniglich ſaß Bei ſeinem ſchönen Weibe mit Freuden ohne Haß: Sie koſte ſeine Hände mit ihrer weißen Hand, Bis er ihr vor den Augen, fie wuſte nicht wie, verſchwand. Da ſie mit ihm ſpielte , und ſie ihn nicht mehr ſah, Zu ſeinem Jngeſinde ſprach die Köngin da: „Das nimmt mich mächtig Wunder, wo der König hingekommen? Wer hat ſeine Hände mir aus den meinen genommen ?“ I Die Rede ließ ſie bleiben. Da eilt er hinzugehn, Wo er die Kämmerlinge« fand mit Lichtern ſtehn: Die löſcht' er unverſehens den Kindern an der Hand: Daß es Siegfried wäre, das war da Gunthern bekannt. Wohl wuſt er, was er wolle: er ließ von dannen gehn Die Mägdelein und Franen. Als das war geſchehn, Der edle König ſelber verſchloß der Kammer Thür: Starker Riegel zweie, die warf er balde dafür. Hinterm Bettvorhange barg er da das Licht. Ein Spiel ſogleich begonnte, vermeiden ließ ſichs nicht, Siegfried der ſtarke mit der ſchönen Maid: Das war dem König Gunther Beides lieb und auch leid.

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Da legte ſich Siegfried der Königin bei. Sie ſprach: „Nun laßt es, Gunther, wie lieb es euc\< auch ſei, Daß ihr nicht Noth erleidet hente ſo wie eh: Oder euch geſchiehet von meinen Händen wieder weh.“ Er hehlte ſeine Stimme, kein Wörtlein ſprach er da: Wohl hörte König Gunther, wiewohl er ſie nicht ſah, Daß Heimliches von beiden wenig da geſchah : Nicht viel bequeme Ruhe hatten ſie im Bette da. Er ſtellte ſich als wär er Gunther der König reich: Er umſchloß mit Armen das Mägdlein ohne Gleich. Sie warf ihn aus dem Bette dabei auf eine Bank, Daß laut an einem Schemel ihm das Haupt davon erklang. Wieder auf mit Kräften ſprang der kühne Mann, Es beßer zu verſuchen! wie er das begann, Daß er ſie zwingen wollte, da widerfuhr ihm Weh. Mich dünkt, daß ſol\<e Wehre von Fraun nicht wieder geſcheh. Da ers nicht laßen wollte, das" Mägdlein aufſprang : „Euch ziemt nicht zu zerreißen mein Hemd alſo blank. Ihr ſeid ein Ungeſtümer : das ſoll eun\< werden leid, Des follt ihr inne werden,“ ſprach die herrliche Maid. Sie umſchloß mit Armen den tapferlichen Degen, Und wollt ihn auch in Bande wie den König legen, Daß ſie im Bette läge mit Gemäclichkeit. Wie grimmig ſie das rächte, daß er zerzerret ihr Kleid! Was half ihm da die Stärfe und ſeine große Kraft? Sie bewies dem Degen ihres Leibes Meiſterſchaft: Sie trug ihn übermächtig, das muſte ſchon ſo ſein, Und drü>t ihn ungefüge bei dem Bett an einen Schrein,

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„O weh „“ gedachte Siegfried, „ſoll ich Leben und Leib Von einer Maid verlieren, ſo mag ein jedes Weib In allen künftgen Zeiten tragen Frevelmuth Dem Manne gegenüber, die ſonſt wohl nimmer es thut.“ Der König hörte Alles, er bangte für den Mann. Siegfried ſich ſchämte, zu zürnen hub er an. Mit ungefügen Kräften ihr entgegen ſeßt? er ſich, Daß er ſich verſuche an Frau Brunhilden ängſtiglich. * Wie ſie ihn niederdrücte, fein Zorn bewirkte das Und ſeine ſtarken Kräfte, daß er troß ihrem Haß Sich aufrichten konnte; feine Angſt die war groß. Sie gaben in der Kammer ſich hin.und her manchen Stoß. * Auch litt der König Gunther Sorgen und Beſchwer: Er muſte manc\<mal flüchten vor ihnen hin und her. Sie rangen ſo gewaltig daß es Wunder nahm, Wenn Eines vor dem Andern mit dem Leben noch entkam. * Den König Gunther mühte beiderſeits die Noth; Doh fürc\<tet* er am meiſten Siegfriedens Tod. Wohl hätte ſie dem Degen das Leben ſchier benommen: Wenn er gedurft hätte, zu Hülfe wär er ihm gefommen. * Gar lange zwiſchen ihnen dauerte der Streit, Do\< bracht er an das Bette zuleßt zurü> die Maid: Wie ſehr ſie ſich auch wehrte, die Wehr ward endlich ſchwach. Der König in ſeinen Sorgen hieng manchem Gedanken nach. Dem König währt! es lange bis er ſie bezwang. Sie drüc>te ſeine Hände, daß aus den Nägeln ſprang Das Blut von ihren Kräften; das war dem Helden leid: Da zwang er zu verleugnen die viel herrlihe Maid

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Den ungeſtümen Willen, der erſt an ihr zu ſehn. Der König ſchwieg ſtille, doch konnt ihm nichts entgehn. Er drücte ſie ans Bette, daß ſie lautauf ſchrie: Des ſtarken Siegfried Kräfte, gewaltig ſchmerzten ſie die. Da griff ſie nam der Seite, wo ſie die Borte fand, Um ihn damit zu binden: da wehrt? es ſeine Hand, Daß ihr die Glieder krachten, dazu der ganze Leib. Da war der Streit entſchieden? da wurde ſie Gunthers Weib. Sie ſprach? „Edler König, das Leben ſchenke mir. Es wird wohl verſühnet was ich gethan an dir: I\< wehre mich nicht wieder der edeln Minne dein: Nun hab ichs wohl befunden, daß du magſt Frauen Meiſter ſein.“ Siegfried gieng von dannen (liegen blieb die Maid), Als ob er abzuwerfen gedächte nur das Kleid. Er wuſt ihr von den Händen einen goldnen Reif zu ziehn, Daß es nicht inne wurde dieſe edle Königin. Auch nahm er ihren Gürtel, eilte Borte gut; Ic\<h weiß nicht, obs geſhehen aus hohem Uebermuth. Er gab ſie ſeinem Weibe, das ward ihm ſpäter leid. Da lagen bei einander der König und die ſchöne Maid. * Er pflag der Frauen minnigli\<h, wie ihm das wohl zu kam: Da muſte ſie verſ\<merzen ihren Zorn und ihre Scham. Von ſeinen Heimlichkeiten ihre lichte Farb erblich; Hei! wie von der Minne die große Kraft ihr entwich! Da war auch ſie nicht ſtärker als ein ander Weib. Minniglich liebkoſt? er ihren ſchönen Leib; Wenn ſie ihm widerſtände, was könnt es ſie verfahn ? Das hatt ihr alles Gunther mit ſeinem Minnen gethan.

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Wie minniglich der Degen da bei der Frauen lag, In freundlicher Liebe bis an den lichten Tag! Nun gieng der Herre Siegfried wieder hindann : Er wurde wohl empfangen von einer Frauen wohlgethau. „Er widerſtand der Frage, die ſie da begann; Auch hehlt? er ihr noch lange was er für ſie gewann, Bis ſie in ſeinem Lande daheim die Krone trug; Was ſie nur haben wollte, er gab ihrs willig genug. Dem Wirth am andern Morgen viel höher ſtand der Muth Als an dem erſten Tage: da ward die Freude gut In feinem ganzen Lande bei man\<em edeln Mann; Die er zu Hof geladen, denen ward viel Dienſt gethan. Das Hofgelage währte den vierzehnten Tag, Daß ſich unterdeſſen der Schall nicht unterbrach Von aller Luſt und Kurzweil, die jemand gerne ſah. Wahrlich hohe Koſten verwandte der König da. Des edeln Wirthes Freunde, wb es der Fürſt gewollt, Verſchenkten ihm zu Ehren Kleider und rothes Gold, Silber auch und Roſſe an manchen kühnen Mann. Die Herrn, die hingezogen, die ſchieden fröhlich hindann. Auch der kühne Siegfried aus dem Niederland Mit ſeinen tauſend Mannen, ihr ſämmtliches Gewand, Das ſie zum Rheine brachten," ward ganz dahin gegeben , Schöne RNoſſ und Sättel: ſie wuſten herrlich zu leben. Bevor die reiche Gabe noh alle war verwandt, Schon däucht es Die zu lange, die wollten in ihr Land. Nie ſah man ein Geſinde mehr ſo wohl verpflegen: So endete die Hochzeit; da ſchied von dannen mancher Degen.

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“as M Eilftes Abenteuer. Wie Siegfried mit ſeinem Weibe heimkehrte. A1s die Gäſte waren gefahren all davon, Da ſprach zu dem Geſinde König Siegmunds Sohn: „Wir wollen auch uns rüſten zur Fahrt in unſer Land.“ Lieb war es ſeinem Weibe, als das der Fraue ward bekannt. * Sie ſprach zu ihrem Manne: „Wann ſollen wir fahren? So ſehr dahin zu eilen will ich mich bewahren ; Erſt ſollen meine Brüder theilen mit mir ihr Land.“ Leid war es Siegfrieden, als ers an Kriemhilden fand. Die Fürſten zu ihm giengen “ ſprachen alle drei: „Wißet, König Siegfried, daß euch immer ſei Unſer Dienſt mit Treue bereit bis an den Tod.“ Er neigte ſi\< den Degen, da mans ſo gütlich ihm erbot. „Wir wollen auch mit euch theilen,“ ſprach Geiſelher das Kind, „Das Land und die Burgen, die unſer eigen ſind, Und was der weiten Reiche uns iſt unterthan: Ihr empfangt mit Kriemhild euer gutes Theil daran.“ Da ſprach zu den Fürſten der Sohn des Siegemund, Als er der Herren Willen hörte und verſtundt „Gott laß euch ener Erbe immer geſegnet ſein ; I\< mag es wohl entrathen mit der lieben Frauen mein.

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* „Sie bedarf nicht des Theiles, den ihr ihr wolltet geben: Sie ſoll die Krone tragen, und werd ich es erleben, So muß ſie reiher werden, als Wer auf Erden ſeit Was ihr ſonſt gebietet, ich ſteh euch immer dienſtlich bei.“ Da ſprach Frau Kriemhilde: „Wenn ihr mein Land verſchmäht, Um die Burgonden-Degen es ſo gering nicht ſteht: Die mag ein König gerne führen in ſein Land; Wohl ſoll ſie mit mir theilen meiner lieben Brüder Hand.“ Da ſprach Gernot der Degen : „Nimm Die du willſt mit dir: Die gerne mit dir ritten, du findeſt Viele hier. Aus dreißig hundert Recken - nimm dir tauſend Mann Zu deinem Hausgeſinde.“ Kriemhild zu fenden begann Nach Hagen von Tronje und nach Ortewein, Ob ſie und ihre Freunde Kriemhildeus wollten ſein? E Darob gewann da Hagen ein zornigliches Leben j Er ſprach: „Uns kann Herr Gunther in der Welt an Niemand vergeben. „Ander Ingefinde nehmt zu eur Fahrt; * Ihr werdet ja wohl kennen Deren von Tronje Art. Wir müßen bei den Königen am Hofe hier beſtehn, Und denen ferner dienen, deren Dienſt wir ſtäts verſehn.“ Sie ließen es bewenden und ſchi>ten ſich hindann. Ihr edel Jngeſinde Kriemhild zu ſich gewann, Zwei und dreißig Mägdelein und fünfhundert Mannz E>ewart der Markgraf zog mit Kriemhilden hindaun. Da nahmen alle Urlaub, Ritter ſo wie Knecht, Mägdelein und Frauen, ſo war es gut und recht. Sie ſchieden unter Küſſen von einander unverwandt Und jene räumten fröhlich dem König Gunther das Land.

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Die Freunde ſie geleiteten fern auf ihren Wegen. Man ließ ihnen allenthalben Nachtherberge legen Wo ſie die nehmen wollten in der Könge Land. Da wurden bald auch Boten zu König Siegmund geſaudt, Daß er wißen möge und auch Frau Siegelind, Sein Sohn wolle kommen mit Frau Utens Kind, Kriemhild der ſchönen, von Wormes über Rhein: Die Mären konnten ihnen nicht willkommener ſein. . „OD wohl mir,“ ſprach da Siegmund, „daß ich den Tag ſoll ſehn, Daß die ſchöne Kriemhild hier ſoll gefrönet gehn! Das ſteigert mir im Werthe noc\< all das Erbe mein: Mein Sohn Siegfried ſoll ſelber hier König ſein.“ Da gab ihnen Sieglind Kleider ſammetroth Und ſchweres Gold und Silber, das war ihr Botenbrot. Sie freute ſi der Märe, die man ihr hergeſandt; Sie kleidet? ihr Geſinde mit allem Fleiß nac\< ſeinem Stand. Man ſagte, wer da käme mit ihm in das Land. Da ließ ſie das Geſtühle errichten gleich zur Hand, Wo er vor ſeinen Freunden gefkrönet ſollte gehn. Da ritten ihnen entgegen Die in König Siegmunds Lehn. Ward Jemand beßer empſangen, mir iſt es unbekannt, Als die Helden wurden in Siegmundens Land. Kriemhilden die ſchöne Sieglind entgegenritt;z Viel ſchöner Frauen und kühner Ritter zogen mit Wohl eine Tagereiſe bis man die Gäſte ſah. Die Heimiſchen und Fremden litten Beſchwerde da, Bis ſie endlich kamen zu einer Veſte weit, Die war geheißen Santen, wo ſie Krone trugen nach der Zeit. Simero>, das Nibelungenlied. ) 8

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Mit lachendem Munde Siegmund und Siegelind Manche liebe Weile füſten ſie Utens Kind Und Siegfried den Degen; ihnen war ihr Leid benommen. All ihr Jngeſinde war ihnen hö\<hlich willkommen. Man ließ die Gäſte bringen vor König Siegmunds Saal. Die ſchönen Jungfrauen hub man allzumal, Von den Mähren nieder: da war manc\<er Mann, Der den ſchönen Franen mit Fleiß zu dienen begann. * So prächtig ihre Hochzeit am Nheine war bekannt, Doh gab man hier den Helden beßeres Gewand Als ſie jemals trugen in allen ihren Tagen. Man mochte große Wunder von ihrem Neichthume ſagen. In hoher Ehren Schimmer hatten ſie genug, Goldrothe Kleider immer ihr Jngeſinde trug: Edel Geſtein und Borten ſah man gewirkt darin. So verpflag ſie. fleißig Sieglind, die edle Königin. Da ſprach vor ſeinen Freunden "der König Siegmund: „Siegfrieds Verwandten thu ichs Allen kund, Er ſoll vor dieſen Ne>&en meine Krone tragen.“ Die Märe hörten gerne Die von Niederlanden ſagen. Er befahl ihm ſeine Krone mit Gericht und Land: Da war er Herr und König. Wenn er den NRechtsſpruch fand Und wenn er richten ſollte, das wurde ſo gethan, Daß man nicht wenig fürchtete der ſchönen Kriemhilde Mann. In dieſen hohen Ehren lebt? er, das iſt wahr, = Und richtet? unter Krone an das zehnte Jahr, Vis die ſc\<öne Fraue ihm einen Sohn gebar, Durch den des Königs Sippe gar höchlich erfreuet war. Lach, 65% = 659.

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Man ließ ihn eilig taufen und einen Namen nehmen: Gunther , nach ſeinem Oheim, des durft? er ſich nicht ſchämen. Gerieth er nach den Freunden, ſo muſt ihm wohlergehn: Er ward mit Fleiß erzogen: ſo ſollt es billig geſchehn. In denſelben Zeiten ſtarb Frau Siegelind: Da nahm die volle Herrſchaft der edeln Ute Kind, Wie ſie der reichen Frauen geziemte wohl im Land. Es ward genug beweinet, daß der Tod ſie hatt entwandt. Nun hatt auch dort am Rheine, wie wir hören ſagen, Dem reichen König Gunther einen Sohn getragen Brünhild die ſchöne in Burgondenland. Dem“ Helden zu Liebe ward er Siegfried genannt. * Mit welchen Sorgen immer man ſein hüten hieß! Gunther ihn, der edle, einem Hofmeiſter ließ, Der ihn wohl ziehen konnte zu einem biedern Mann. Hei , was ihm bald das Unglü& der Verwandten abgewann! Zu allen Zeiten Märe ward, ſo viel geſagt, Wie fo lobeswürdig die Degen unverzagt Zu allen Stunden lebten in Siegmundens Land: So lebt auch König Gunther mit ſeinen Freunden auserkanut. Das Land der Nibelungen war Siegfried uuterthan, (Keiner ſeiner Freunde je größer Gut gewann) Desgleichen Schilbungs Ne>en und beider Land und Gut: Drum ſtand dem kühnen Siegfried deſto höher der Muth. Hort den allermeiſten, den je ein Held gewann, Nach den erſten Herren, beſaß der kühne Mann, Den vor einem Berge ſeine Hand erwarb im Streit: Er ſchlug darum zu Tode manchen Ritter allbereit.

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Vollauf beſaß er Ehre, und hätt ers halb entbehrt, Doch müſte man geſtehen dem edeln Re>en werth, Daß er der Beſte wäre , der je auf Roſſen ſaßz Man fürchtete ſeine Stärke, mit allem Grunde that man das.

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Zwölftes Abenteuer. Wie Gunther Siegfrieden Zu dem. Hofgelage lud. Da dacht auch alle Tage König Gunthers Weib: „Wie trägt ſo übermüthig Frau Kriemhild den Leib! Nun iſt doch unſer Eigen Siegfried ihr Mann: Der hat uns nun ſchon lange wenig Dienſtes gethan.“ Das trug ſie in dem Herzen in großer Heimlichkeit; Daß ſie ihr fremde blieben, das ſchuf ihr herbes Leid. Daß man ihr ſo ſelten gedient von ſeinem Land, Woher das kommen möge, das hätte ſie gern erkannt. Sie verſucht? es bei dem König, ob es möchte ſein, Daß ſie Kriemhilden wiederſäh am Rhein. Sie vertraut? es ihm alleine, worauf ihr ſann der Muth; Den König aber däuchte ihre Nede gar nicht gut. Da ſprach der reihe König: „Wie möchten wir ſie her Zn dieſem Lande bringen ? das fügt ſi\< nimmermehr. Sie wohnen uns zu ferne! ich darf ſie nicht drum bitten.“ Die Fraue gab zur Antwort mit gar hoc\<hfährtgen Sitten : „Und wäre no\< ſo vornehm eines Königs Mann, Was ihm fein Herr gebietet, das muß doch ſein gethan.“ Lächeln muſte Gunther ihrer Rede da: Er nahm es nicht als Dienſt an, wie oft er Siegfrieden ſah.

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Sie ſprach: „Lieber Herre, bei der Liebe mein, Hilf mir, daß Siegfried und die Schweſter dein Zu dieſem Lande kommen, daß wir ſie hier ſehn: So köunte mir in Wahrheit nimmer lieber geſchehn. „Deiner Schweſter Tugend, ihr wohlgezogner Muth, So oft ich dran gedenke, wie wohl mirs immer thut, Wie wir beiſammen ſaßen, als dn mich nahmſt zum Weib! Sie mag mit Ehren minnen des kühnen Siegfriedes Leib.“ Da bat ſie ihn ſo lange bis der König ſprach: „Wißt, daß ich nimmer Gäſte lieber ſehen mag. Ihr braucht nicht viel zu bitten? ich will die Boten mein Zu ihnen beiden ſenden, daß ſie kommen an den Rhein.“ Da ſprach die Königsfraue? „So ſollt ihr mir ſägen, Wann ihr ſie wollt beſenden und zu welchen Tagen Ihr unſre lieben Freunde herladet in das Landz Die ihr dahin wollt ſenden, die macht zuvor .mir bekannt.“ Der König ſprach“ „Das will ich: Dreißig in meinem Lehn Laß ich hinreiten.“ Er hieß ſie vor ſich gehn; Durch ſie entbot er Märe in Siegfriedens Land. Da beſchenkte ſie Brunhilde mit manchem reichen Gewand. Der König ſprach :-,, Ihr Re>en ſollt von mir ſagen, Und nichts von Dem verſchweigen was ich euch aufgetragen, Siegfried dem Starken und der Schweſter mein, Ihnen dürf auf Erden yimmer Jemand holder ſein. „Und bittet, daß ſie beide“ uns kommen an den Nhein: Dafür will i\< und Brunhild ihnen ſtäts gewogen fein. Vor dieſer Sonnenwende ſoll er mit ſeinem Bann Hier Manchen bei mir ſchauen, der ihm Ehr erweiſen kann.

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„Entbietetr auch dem König Siegmund die Dienſte mein ; Daß ich und meine Frennde ihm ſtäts gewogen ſei'n. Und ſagt auch meiner Schweſter, daß ſie ihm folgen mag, Wenn je ihr ziemen ſolle eines Königs Hofgelag. “ Brunhild und Ute und was man Frauen fand, Die entboten ihre Dienſte in Siegfriedens Land Den minniglichen Frauen und manchem fühnen Mann. Auf Wunſch des Konigs ſchiten zur Fahrt die Boten ſich au. Sie ſtanden reiſefertig; ihr Roſs und ihr Gewand War ihnen angefommen: da räumten ſie das Land. Sie eilten zu dem Ziele, dahin ſie wollten fahrenz Der König durc\< Geleite hieß die Boten wohl bewahren. Sie kamen in drei Wochen geritten in das Land.“ In Niblungens Veſte (wohin man ſie geſandt) In der Mark zu Norweg fanden ſie den Degen : Rofs und Leute waren müde von den langen Wegen. Siegfried und Kriemhilden ward beiden hinterbracht, Daß Mitter kommen wären, die trügen ſolche Tracht Wie man in Burgonden trug der Sitte nach. Sie ſprang von einem Bette, darauf die Nuhende lag. Zu einem Fenſter ließ ſie eins ihrer Mägdlein gehn ; Die ſah den kühnen Gere auf dem Hofe ſtehn, Ihn und die Geſellen , die man dahin geſandt. Ihr Herzeleid zu ſtillen, wie liebe Kunde ſie fand! Sie ſprach zu dem Könige: „Seht ihr ſie da ſtehn, Die mit dem ſtarken Gere dort auf dem Hofe gehn, Die uns mein Bruder Gunther nieder ſchi>t den Rhein ?“ Da ſprach der ſtarke Siegfried: „Die ſollen uns willkommen ſein.“

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All ihr Ingeſinde lief hin, wo man ſie ſah. Jeder an ſeinem Theile gütlich ſprach er da Das Beſte was er konnte zu den Boten hehr. Ihres Kommens freute der König Siegmund ſich ſehr. Da ſchuf man Herbergen Geren und ſeinem Bann, Und ließ der Roſſe warten. Die Boten giengen dann Dahin, wo Herr Siegfried bei Kriemhilden ſaß: Ihnen war der Hof erlaubetz darum ſo thaten ſie das. Der Wirth mit ſeinem Weibe erhob ſich gleich zur Hand. Wohl ward empfangen Gere aus Burgondenland Mit ſeinen Heergeſellen in König Gunthers Bann. Gere dem reichen bot man da den Seßel an. „Laßt uns die Botſchaft ſagen , eh wir ſiken gehn: Uns wegemüde Gäſte, laßt uns die Weile ſtehn. Wir ſagen euc\< die Märe, die en\< zu wißen thut Gunther mit Brunhilden: es ergeht ihnen beiden gutz „Und was euc\< Frau Ute, eure Mutter , her entbot. Geiſelher der junge und auc\< Herr Gernot Und eure nächſten Freunde - haben uns hergeſandt, Und entbieten euch viel Dienſte aus der Burgonden Land.“ „Lohn ihnen Gott,“ ſprach Siegfried, „ich verſah zu ihnen wohl Mich aller Lieb und Treue, wie man zu Freunden ſoll; So thut auch ihre Schweſter: ihr ſollt uns ferner ſagen , Ob unſre Freunde hohen Muth daheim noch tragen? „Hat ihnen ſeit wir ſchieden Jemand ein Leid gethan, Meiner Frauen Brüdern? Das ſaget mir an: Ich wollt es ihnen immer mit Treue helfen tragen, Bis ihre Widerſacher meine Dienſte müſten beklagen.“

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Zur Antwort gab der Markgraf Gere ein Nitter gut: „Sie ſind in allen? Tugenden fo recht voll hohem Muth. Sie laden euch zum Rheine zu einer Luſtbarkeitz Sie ſähen eun\<h gar gerne, daß ihr des außer Zweifel ſeid. „Bittet meine Fraue , ſie möge mit euch kommen: Wenn der Winter wieder ein Ende hat genommen, Vor dieſer Sonnenwende, da möchten ſie euch ſehn.“ Da ſprach der ſtarke Siegfried : „Das kann nicht füglich geſchehn.“ Da ſprach wieder Gere von Burgondenland: „Eure Mutter Ute hat en\< fehr gemahnt, Und Geiſelher und Gernot, ihr ſollt es nicht verſagen ; Daß ihr ſo ferne 'wohnet, das hör ich täglich beklagen. „Brunhild meine Fraue und ihre Mägdelein Frenen ſich der Märe, und könnt es jemals ſein, Daß ſie euch wiederſähen , das ſ\<üf ihnen hohen Muth.“ Da däuchten dieſe Mären die ſchöne Kriemhilde gut. Gere war ihr Vetter; der Wirth ihn ſißen hieß, Den Gäſten hieß er ſchenken; nicht länger man das ließ. Da war auch Siegmund kommen: als der die Boten ſah, Freundlich ſprach der König zu den Burgonden da: „Willkommen ſeit ihr Re>en in Königs Gnuthers Banu. Da ſich Kriemhilden zum Weibe gewann . Mein Sohn Siegfried, man ſollt euch öfter ſehn Hier in dieſem Lande: das hieß? uns Freundſchaft zugeſtehn.“ Sie ſprachen: „Wenn er wolle, ſie würden gerne kommen.“ Ihnen ward mit Freunden die Müdigkeit benommen. Mau ließ die Boten ſitzen; Speiſe man ihnen trug: „Deren ſchuf da Siegfried ſeinen Gäſten genug.

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Sie muſten da verweilen volle neun Tage. Darum erhoben endlich die ſchnellen Nitter Klage, Daß ſie nicht wieder reiten durften in ihr Land. Da hatte König Siegfried zu ſeinen Freunden geſandt. Er fragte, was ſie riethen? er ſolle nach den Rhein : „Es hat nach mir geſendet Gunther der Schwager mein, Er und ſeine Brüder, zu einer Luſtbarfeit: I\< möcht ihm gerne kommen, nur liegt ſein Land-mir ſoweit. „Sie bitten Kriemhilden mit mir zu ziehn: Nun rathet, lieben Freunde, wie kommen wir dahin? Und ſollt ich heerfahrren durch dreißig Herren Land, Gern dienſtbereit erwieſe ſich ihnen Siegfriedens Hand,“ Da ſprachen ſeine Ne>en: „Steht euch zur Fahrt der Muth Nach dem Hofgelage, wir rathen was ihr thut: Ihr ſollt mit tauſend Ne>en reiten an den Nheinz So mögt ihr wohl mit Ehren dort bei den Burgonden ſein.“ Da ſprach von Niederlanden der König Siegmund: „Wollt ihr zum Hofgelage, was thut ihr mirs nicht kund? Wenn ihr es nicht verſchmähet,“ ſo reit ich mit euch dar; Zweihundert Degen führ icht damit mehr ich enre Schar.“ „Wollt ihr mit uns reiten, lieber Vater mein,“ Sprach der kühne Siegfried: „Des will ich fröhlich ſein. Binnen zwölf Tagen räum ich dieſes Land.“ Allen die's begehrten gab man da Roſſ und Gewand. Als dem edeln König zur Reiſe ſtand der Muth, Da ließ man wieder reiten die ſchnellen Degen gut. Seiner Frauen Brüdern eutbot er an den Nhein: Er wolle herzlich gerne bei ihrem Hofgelage ſein.

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Siegfried und Kriemhilde, ſo hörten wir ſagen, So viel den Boten gaben, daß es nicht mochten tragen Die Pferde nach der Heimat: er war ein reicher Mann. Ihre ſtarken Säumer trieb man zur Reiſe fröhlich an. Da ſchuf dem Volke Kleider Siegfried und Siegemund. E&ewart der Markgraf ließ da gleich zur Stund Frauenkleider ſuchen, die beſten die man fand, Und irgend mocht erwerben in Siegfriedens ganzem Land. Die Sättel und die Schilde man da bereiten ließ. Den Rittern und den Frauen, die er ſich folgen hieß, Gab man was ſie wollten? zu wünſchen blieb nichts mehr. Er brachte ſeinen Freunden manchen ſtolzen Gaſt daher. Nun eilten auf den Straßen- die Boten heimwärts ſehr. Da kam von Norwegen Gere, der Degen hehr: Er wurde wohl empfangen? ſie ſchwangen ſich zu Thal Von Noſſen und von Mähren vor des Königs Gunther Saal. Die Jungen und die Alten kamen, wie man thut, Und fragten nach der Märe. Da ſprach der Nitter gut: „Wenn ichs dem König ſage, wird es auch en\< bekannt.“ Er gieng mit den Geſellen dahin, wo er Gunthern fand. Der König vor Freude von dem Seßel ſprang: Daß ſie ſo bald gekommen, ſagt? ihnen Dank Brunhild die ſchöne. Zu den Boten ſprach er da: „Wie gehabt ſich Siegfried, von dem mir Liebe viel geſchah 2“ Da ſprach der fühne Gere: „Er ward vor Freude roth, Er und eure Sc\<weſter. So holde Mär entbot Seinen Freunden wahrlich nie zuvor ein Mann, Als en\< der König Siegfried und ſein Vater hat gethan.“

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Da ſprach zum Markgrafen des reichen Königs Weib: „Nun ſagt mir, kommt anch Kriemhild? Hat noch ihr ſchöner Leib Die hohe Zier behalten, deren ſie mochte pflegen 2“ „Sie wird euch ſicher kommen ,“ ſprach da Gere der Degen. Ute ließ die Boten gar balde vor ſich gehn. i Da war es ohn ihr Fragen wohl an ihr zu verſtehn, * Was ſie zu wißen wünſche: "„ War Kriemhild noch wohlauf?“ Das ſagt! er, und ſie komme nach kurzer. Stunden Verlauf. Auch wurde nicht verhohlen am Hof der Botenſold, Den ihnen Siegfried ſchenkte, die Kleider und das Gold: Die ließ man Alle ſchauen ' in der drei Fürſten Bann. Um ſeine große Milde pries man höchlich den Mann. „Er mag wohl ,“ ſprach da Hagen, „mit vollen Händen gebenz Er könnt es nicht verſhwenden und ſollt er ewig leben. Den Hort der Nibelungen beſchließt des Königs Hand; Hei! daß der jemals käme in der Burgonden Land!“ Das ganze Hofgeſinde freute ſich dazu , Daß ſie kommen ſollten: da waren ſpat und fruh Die Herren ſehr beflißen in der drei Könge Bann: Gar viel der hohen Siße man zu errichten begann. Hunolt der fühne und Sindolt der Degen Hatten wenig Muße, ſie muſten ſtündlich pflegen Des Schenk - und Truchſeß - Amtes, und richten manche Bank; Auch Ortwein war behülflicht des ſagt* ihnen Gunther Dank. Rumolt der Küchenmeiſter, wie herrſcht* er in der Zeit Ob ſeinen Unterthanen! Gar manchen Keßel weit, Häfen und Pfannen, hei, was man deren fand! Denen ward da Koſt bereitet, die da kamen in das Land.

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* Der Frauen Arbeiten waren auch nicht klein: Sie zierten ihre Kleider, worauf manch edler Stein, Des Stralen ferne glänzten, gewirkt war in das Gold Wenn ſie die anlegten, ward ihnen männiglich hold.

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Dreizehntes Abenteuer. Wie ſie zum Hofgelage fuhren. Au ihr Bemühen laßen wir nun ſein Und ſagen wie Frau Kriemhild und ihre Mägdelein Hin zum Rheine fuhren von Nibelungenland. Nie trugen Roſſe wieder ſo mauches reiche Gewand. Viel Saumſchreine wurden verſendet auf den Wegen ; Da ritt mit ſeinen Freunden Siegfried der Degen Und die Königstochter in hoher Freuden Wahn: Da war es ihnen Allen zu großem Leide gethan. Sie ließen in der Heimat Siegfrieds Kindelein, Den Sohn der Kriemhilde; das muſte wohl ſo ſein. Aus ihrer Hofreiſe erwuchs ihm viel Beſchwer : Seinen Vater , ſeine Mutter erſah das Kindlein nimmermehr. Auch ritt mit ihnen dannen Siegmund der König hehrz Hätt er ahnen können, wie es ihm nachher Beim Hofgelag ergienge, er hätt es nicht geſehn: Ihm konnt an lieben Freuden größer Leid nicht geſchehn. Vorausgeſandte Boten verhießen ſie früh genug: Entgegen ritten ihnen in wundervollem Zug Von Utens Freunden viele und König Gunthers Bann: Der Wirth für ſeine Gäſte ſich zu befleißen begann.

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Er gieng zu Brunhilden, wo er ſie ſißen fand; „Wie empfieng euch meine Schweſter, da ihr kamet in dieß Land? So will ich , daß ihr Siegfrieds Gemahl empfangen ſollt.“ Das thu ich,“ ſprach ſie, „gerne: ich bin ihr billiglich hold.“ Da ſprach der reiche König: „Sie kommen morgen fruh: Wollt ihr ſie empfangen, ſo greifet balde zu, Daß ſie uns in der Veſte nicht überraſchen hie: Mir kamen liebre Säſte wohl noch niemals als ſie.“ Ihre Mägdelein und-Frauen ließ ſie da zur Hand Gute Kleider ſuchen , die beſten, die man fand, Die ſollt ihr Ingeſinde vor den Gäſten tragen: Das thaten ſie doh gerne, das mag man für Wahrheit ſagen. Da eilten auch zu dienen Die in Gunthers Lehnz Alle ſeine Re>en hieß er mit ſich gehn. Da ritt die Königsfrane herrlich hindann Da ward den lieben Gäſten ein ſchönes Grüßen gethan. In wie hohen Frenden da empfieng man ſie! - Sie däuchte, daß Kriemhilde Frau Brunhilden nie So wohl empfangen habe in Burgondenland. Allen die es ſahen ward hohe Wonne bekannt. Nun war auch Siegfried kommen mit ſeiner Leute Heer, Da ſah man die Helden ſich wenden hin und her Im Feld allenthalben mit ungezählten Schären. Da konnte ſic) vor Drängen und Stäuben Niemand bewahren. Als der Wirth des Landes Siegfrieden ſah Und Siegmund den König, wie freundlich ſprach er da: „Nun ſeid mir hochwillkommen und all den Freunden mein: Wir wollen hohes Muthes ob eurer Hofreiſe ſein,“

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„Nun lohn euc\< Gott,“ ſprach Siegmund, der ehrbegierge Mann, „Seit ſich euch zum Freunde Siegfried gewann, War. es all mein Sinnen, wie ich euch möchte ſehn.“ Da ſprach der König Gunther: Nun freut mich, daß es geſchehn.“ Siegfried ward empfangen wie man wohl gefollt, Mit viel großen Ehren; ein Jeder war ihm hold. Des half mit Ritterſitten Gernot und Geiſelher; Man bot es lieben Gäſten ſo gütlich wohl nimmermehr. Nun konnten in der Nähe ſich die Königinnen ſchaun. Da ſah man Sättel ledig: da wurden ſchöne Frauen - Von der Helden Händen - gehoben auf das Gras: Wer gerne Frauen diente, wie ſelten der da müßig ſaß! Da giengen 'zu einander die Frauen minniglich. Sehr darüber freuten viel der Ritter ſich, Daß -der Beiden Grüßen ſo minniglich ergieng. - Da fah man manchen Reen der Frauendienſte begieng. Das herrliche Geſinde nahm ſich bei der Handz Züchtiglich ſich neigen man da nicht ſelten fand Und minniglich ſich küſſen viel Frauen wohlgethau. Das freuten ſich zu ſchauen Die in der- Könige Bann. Sie verſäumten ſich nicht länger, ſie ritten nac der Stadt. Der Wirth ſeinen Gäſten zu beweiſen bat Daß man ſie gerne ſähe in der Vurgonden Land. Manches ſchöne Kampfſpiel man vor den Jungfrauen fand. Da ließ von Tronje Hagen und auch Ortewein, Wie ſie gewaltig waren, wohl offenkundig ſein; Was ſie gebieten mochten , das wurde gleich gethan. Man ſah die lieben Gäſte viel Dienſt von ihnen empfahn.

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Mancher Schild erhallte vor der Veſte Thor, Von Stichen und von Stößen, Lange hielt davor Der Wirth' mit ſeinen Gäſten, bevor ſie zogen ein: In Kurzweile mochten die Stunden raſch zerronnen ſein. Vor den weiten Pallas .ſie nun in Freuden ritten. Viel kunſtreiche Deen, gut und wohlgeſchnitten, * Sah man von den Sätteln den Frauen wohlgethan Allenthalben hangen? da kamen Diener heran. Zu ihrer Ruhe brachte man die Gäſte da. Hin und wieder blixen man Brunhilden ſah Nach Kriemhild der Frauen; ſchön war ſie genug: Den Glanz noch.vor..dem Golde „ihre hehre Farbe trug. Da vernahm man allenthalben zu Wormes in der Stadt Den Jubel des Geſindes, “König Gunther bat. | Dankwarten ſeinen Marſchall, : er mög es wohl verpflegen : Da ließ er das Geſinde in gute Herbergen legen. Draußen und darinnen beköſtigte man ſie: So wohl gewartet wurde fremder Gäſte nie, | Was Einer wünſchen mochte, das war ihm gern gewährt: So.reich war der "König, es wurde Keinem was verwehrt.: Man dient? ihnen freundlich und ohn allen Haß. Der König zu Tiſche mit ſeinen Gäſten ſaßz Siegfrieden ließ man ſißen, wie er ſonſt gethan, Mit ihm gieng zu den Stühlen mancher waidliche Mann. Zwölf hundert Re>en ſich an die Tafel hin Mit ihm zu Tiſche ſezten: Brunhild die Königin Gedachte , wie ein Dienſtmann nicht reicher möge ſein. Noch war ſie ihm ſo günſtig, fie ließ ihn gerne gedeihn. Simeo>, das Nibelungenlied. 9

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An jenem Abende, da ſo der König ſaß, Viel reiche Kleider wurden da vom Weine naß; Wenn die Schenken ſollten zu den Tiſchen gehn, ' Da ſah man volle Dienſte mit großem Fleiße geſchehn. Wie bei den Gelagen immer Sitte mochte ſein, Ließ man zur Ruhe gehen Fraun und Mägdelein. Von wannen Wer- gekommen, der Wirth ihm Sorge trug; In gütlichen Ehren gab man da Jedem genug. Als die Nacht zu Ende, ſich hob des Tages Schein, . Da ſah man aus den Kiſten manchen Edelſtein Auf gutem Kleid erglänzen; das ſchuf der Franen -Hand. Da ward hervorgeſuchet manches ſchöne Gewand. Bevor es völlig tagte, da kamen vor den Saal Ritter viel und Knechte: da hob ſich wieder Schall Vor einer Frühmeſſe, die man dem König ſang. So ritten junge Helden, der König ſagt? ihnen Dank. Da klangen die Poſannen von manchem kräftgen Stoß; Der Flöten und Drommeten Schallen ward ſo groß, Daß Worms die weite Veſte gab lauten Widerhall. Da kamen auf den Roſſen die kühnen Helden überall. Da hob ſich in dem Lande ein hohes Nitterſpiel Von manchem guten Ne>en: da ſah man ihrer viel, Deren junge Herzen füllte froher Muth. Man ſah da unter Schilden viel Ritter zierlich und gut. Da ſaß in den Fenſtern manch herrliches Weib Und viel der ſchönen Maide: gezieret war ihr Leib. Da ſahen ſie turnieren manchen kühnen Mann: Der Wirth mit ſeinen Freunden zu reiten ſelber begann.

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So vertrieben ſie die Weile, die dänchte ſie nicht lang. Da lud ſie zum Dome mancher Glo>en Kiang: Es kamen ihre Noſſe, die Frauen ritten hindann. Den edeln Königinnen folgte mancher kühne Mann. Sie ſtiegen vor dem Münſter nieder auf das Gras. Noch hegte zu den Gäſten Brunhilde keinen Haß. Sie giengen unter Krone in das Münſter weit: Die Liebe bald geſchieden ward: das- wirkte heftiger Neid. Da ſie gehört die Meſſe, ſah man ſie.weiter ziehn Unter hohen Ehren. Dann giengen ſie heiter hin Zu des Königs Tiſchen. Jhre Freude nicht erlag Bei dieſen Luſtbarkeiten bis gegen den eilften Tag. * Die Königin gedachte: „Ich wills nicht länger tragen. Wie ich es fügen möge, Kriemhilde muß mir ſagen Warum uns do\< fo lange den Zins verſaß ihr Mann: Der iſt do\< unſer Eigen: der Frag ich nicht entrathen fann.“ * So harrte ſie der Stunde, bis es der Teufel rieth, Daß ſie das Hofgelage und die Luſt mit Leide ſchied. Was ihr lag am Herzen, zu früh nur muſt es kommen: Drum ward in manchen Landen durch ſie viel Jammer vernommen.

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Vierzehntes Abenteuer. Wie die Königinnen ſich ſchalten. Es war vor einer Veſper als man den Schall vernahm, Der von manchem Re>en auf dem Hofe kam: Sie ſtellten Ritterſpiele Kurzweil halber an. Da eilten es zu ſchauen viel Frauen und mancher Mann. Da ſaßen beiſammen die Königinnen reich Und gedachten zweier Neen, die waren ohne Gleich. - Da ſprach die ſchöne Kriemhild: „I\< hab einen Mann? Alle dieſe Reiche wären ihm billig unterthan.“ 4 Da ſprach Frau Brunhilde: „Wie könnte das wohl ſein? Wenn Anders Niemand lebte, als du und er allein, So möchten ihm die Neiche wohl zu Gebote'"ſtehn: So lange Gunther lebet, ſo kann es nimmer geſchehn.“ Da ſprach Kriemhilde wieder: „Siehſt. du, wie er ſteht, Wie er da ſo herrlich vor allen Reen geht, Wie der lichte Vollmond vor den Sternen thut! Darob mag ich wohl immer tragen fröhlihen Muth.“ Da ſprach Frau Brunhilde: „Dein Mann ſei noch ſo ſchön, So waidlich und bieder, fo muß doch drüber gehn Gunther der Re>e, der edle Bruder dein: Der muß vor allen Königen, das wiße du wahrlich, ſein.“

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Da ſprach Kriemhilde wieder: „So theuer iſt mein Mann, Daß er nicht unverdienet dieß Lob von mir gewann. An gar manchen Dingen iſt ſeine Ehre groß : Das glaube mir, Brunhilde, er iſt wohl Gunthers Genoß!"“ „Das ſollſt du mir, Kriemhilde, im Argen nicht verſtehn, Es iſt auch meine Nede nicht ohne Grund geſchehn : I\<h hört es Beide ſagen, als ich zuerſt ſie ſah, Und als des Königs Willen in meinen Spielen geſchah, „Und da er meine Minne ſo ritterlich gewann, Da ſagt? es Siegfried ſelber, er ſei des Königs Mann: Drum halt ich ihn für Eigen, ich hört es ihn geſtehn.“ Da ſprach die ſchöne Kriemhild: „So wär mir übel geſchehn. „Wie hätten ſo geworben die edeln Brüder mein, Daß ich des Eigenmannes Gemahl ſollte ſein ? Drum will ich, Brunhilde, gar freundlich dich bitten, Laß mir zu Lieb die Rede hinfort mit gütlihen Sitten.“ „T\<h kann ſie nicht laßen,“ die Königin begann; „Wozu ſollt ich entſagen ſo manc\<hem- Nitter8mann, Der uns mit dem Degen zu Dienſt iſt unterthan 2“ Die ſchöne Kriemhilde da ſehr zu zürnen begann. „Dem muſt du wohl entſagen, daß er in der Welt Dir irgend Dienſte leiſte. Werther iſt der Held, Als mein Bruder Gunther, der Degen unverzagt;z Erlaße mich der Dinge, die du mir jeßo geſagt. I „Auch muß mich immer wundern, wenn er dein Dienſtmann iſt Und du ob uns Beiden ſo gewaltig biſt, Warum er dir ſo lange den Zins verſeßen hat? Deines Uebermuthes bin ich in Wahrheit nun ſatt.“

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„Du willſt dich überheben ,/“ ſprach die Königin, „Wohlan, ich will doch ſchauen, ob man dich fünftighin So hoc\< in Ehren halte, als man mich ſelber thut.“ Da waren beide Frauen in ſehr zornigem Muth. Da ſprach Frau Kriemhilde? „Das wird dir wohl bekannt: Da du meinen Siegfried dein eigen haſt genannt, So ſollen heut die Degen der beiden .Könge ſehn, Ob vor des Königs Weibe ich möge zur Kirche gehn. „Du muſt no\<h heute ſchauen, daß ich bin edelfrei, Und daß mein Mann viel werther als der deine ſeiz Yuch denk ich, wird mich desShalb Niemand Hochmuths zeihn. Du ſollſt noch heute ſchauen, wie die Eigenholdin dein „Zu Hof geht vor den Helden in Burgondenland, I\< ſelbſt will höher gelten, als man je gefannt Eine Königstochter, die hier die Krone trug.“ Da erhob ſich. unter den Frauen großen Neides genug. Da ſprach Brunhilde wieder? „Willſt du nicht eigen ſein, So muſt du dich ſcheiden mit den Frauen dein Von meinem Ingeſinde, wenn wir zum Münſter gehn.“ Zur Antwort gab Kriemhilde: „In Wahrheit, das ſoll geſchehn.“ „Nun kleidet euch, ihr Maide,“ ſprach Siegfriedens Weib, „I\< will hier frei von Schande behalten meinen Leib. Laßt es heute ſchauen, beſißt ihr reichen Staat: Sie ſoll es noch verleugnen, was ſie mir vorgehalten hat.“ „Das war ihnen leicht zu rathen; ſie ſuchten reiches Kleid. Bald ſah man wohlgezieret viel Fraun und manche Maid. Da gieng mit dem Geſinde des edeln Königs Weibz Da ward auch wohlgezieret der ſchönen Kriemhilde Leib,

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Mit dreiundvierzig Maiden, die ſie zum Rhein gebracht; Die trugen lichte Zeuge, in Arabia gemacht. So kamen zu dem Münſter die Mägdlein wohlgethan: Ihrer harrten vor dem Hauſe die Degen in Siegfrieds Bann. Die Leute nahm es Wunder, warum das geſchah , "Daß man die Königinnen ſo geſchieden ſah, Und daß ſie niht zuſammen giengen ſo wie eh. Das gerieth noch manchem Degen zu Sorgen und großem Weh. Da ſtand vor dem Münſter ' König Gunthers Weib: Da fanden manche Nitter holden Zeitvertreib Bei den ſchönen Frauen, die ſie da nahmen wahr. Da kam die ſchöne Kriemhild mit mancher herrlichen Schar. Was Kleider je getragen eines edeln Ritters Kind, Gegen ihr Geſinde war Alles nur ein Wind. Sie war ſo reich an Gute, daß dreißig Königsfraun Die Pracht nicht zeigen mochten, die an der Einen war zu ſchaun, Was man ſich wünſchen möchte, Niemand konnte fagen, Daß er ſo reiche Kleider je geſehen tragen, Als da zur Stunde trugen“ ihre Mägdlein wohlgethan: Brunhilden wars zu Leide, ſonſt hätt es Kriemhild nicht gethan. Nun kamen ſie zuſammen vor dem Münſter weit. Die Hausfrau des Königs in ihrem Zorn und Neid Hieß da mit ſchnöden Worten Kriemhilden ſtille ſtehn: „Es ſoll vor Königsweibe die Eigenholdin nicht gehn.“ Da ſprach die ſchöne Kriemhild, zornig war ihr Muth: „Hätteſt du noc\< geſchwiegen, das wär dir leichtlich gut. Du haſt geſchändet ſelber deinen ſchönen Leib: Wie mocht eines Mannes Kebſe je werden Königesweib ? “

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„Wen willſt du hier verkebſen 2?“ ſprach des Königs Weib. „Das thu ich dich,“ ſpra\< Kriemhild: „deinen ſchönen Leib. Hat Siegfried erſt geminnet, mein viel lieber Mann: Wohl war es nicht mein Bruder, der dir dein Mazdthum abgewann. „Wo blieben deine Sinne? .Es war eine arge Liſt, Daß du ihn ließeſt minnen, wenn er dein Dienſimann iſt. Ic\< höre dich,“ ſpra\< Kriemhild, „ohn alle Urſach klagen.“ . „Zn Wahrheit,“ ſprach Brunhilde, „das will ich doch Gunthern ſagen.“ „Wie mag mich das gefährden ? Dich hat dein Stolz betrogen: Du haſt mich mit Reden in deinen Dienſt gezogen. Das wiße du in Treuen; es iſt mir immer leid: ; I\< en zu trauter Freundſchaft dir nimmer wieder bereit.“ Da weinte Brunhilde; Kriemhild es nicht eini Vor des Königs Weibe ſie in das Münſter gieng Mit ihrem Ingeſinde. - Da hob ſich großer Haßz Da wurden lichte Augen ſehr getrübt davon und naß. Wie man da Gott auch diente, was 'man immer ſang, \< Es währte Brunhilden die Weile viel zu lang, Denn ihr war allzutrübe der Sinn und auch der Muth: Das muſte bald entgelten mancher Degen fühn und gut. Brunhild mit ihren Frauen gieng vor das- Münſter ſtehn. . Sie dacht: „I\< muß von Kriemhild noc\< mehr zu hören ſehn, - Wes mich ſo laut gezeihet das wortſcharfe Weib: . Und hat er ſichs gerühmet, es geht ihm wahrlich an den Leib!“ Da kam die edle Kriemhild mit manchem kühnen Mann. Da ſprach die edle Brunhild:" 7, Nun haltet wieder anz Ihr wolltet mich 'verkebſen? laßt uns Beweiſe ſehn. Mir iſt von euern Reden, :das wißet, übel geſchehn.“

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Da ſprach Frau Kriemhilde: „Was ließt ihr mich nicht gehn? Ich bezeug es mit dem Golde hier an meiner Hand zu ſehn. Das brachte mir Siegfried, als er bei euch lag.“ Nie erlebte Brunhild wohl einen leidigern Tag. Sie ſpracht „Dieß Gold, das edle, wurde mir geſtohlen Und iſt mir lange Jahre freventlich verhohlen: I\< komme nun dahinter, ' wer es mir hat genommen.“ Die Frauen waren Beide in großen Unmuth gekommen. Da ſprach wieder Kriemhild: „I\< will nicht ſein der Dieb; Du hätteſt beßer geſchwiegen, wär dir Ehre lieb: Ich bezeug es mit dem Gürtel, den ich umgethan, I\< habe nicht gelogen? wohl wurde Siegfried dein Mann.“ Aus Seide von Ninnive ſie eine Borte trug Beſeßt mit Edelſteinen, die war wohl ſchön genug. Als Brunhild ſie erbli&te, fieng ſie zu weinen an. Das muſte Gunther wißen, und alle die ihm unterthan. Da ſprach die Königstoc\<hter: „Nun ſendet mir hieher Den König vom Rheine: erfahren ſoll es der, Wie hier ſeine Schweſter höhnte meinen Leib: Sie ſagt vor allen Leuten, ich ſei Siegfriedens Weib.“ Der König kam mit Re>en: als er weinen ſah Brunhildeſeine Traute, gar gütlich ſprach er da: „Sagt mir, liebe Fraue, iſt euch ein Leid geſchehn?“ Sie ſprach zu dem Könige: „I\< muß unfröhlich hier ſtehn. „Aller meiner Ehre will die Schweſter dein Gerne mich berauben; dir foll geflaget ſein, Sie ſagt: ich fei die Kebſe von Siegfried ihrem Mann.“ Da ſprach der König Gunther: „So hat ſie übel gethan.“

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„Sie trägt hier meinen Gürtel, den ich längſt verloren, Und mein Gold das rothe. Daß ich je ward geboren Muß ich ſehr beklagen. Entlädſt du König hehr Mich nicht der großen Schande, ſo minn ich dich nimmer mehr.“ Da ſprach König Gunther: „Laßt Siegfried zu uns gehn. Hat er ſichs gerühmet, ſo muß ers eingeſtehn, Oder muß es läugnen, der Held aus Niederland.“ Da ward der kühne Siegfried bald hin zu ihnen geſandt. Als Siegfried der Degen die Unmuthvollen ſah, Und von dem Grund nicht wuſte, balde ſprach er dat -„- Was weinen dieſe Frauen? das macht mir doch bekannt; Oder weſſentwillen habt ihr Herrn nach mir geſandt?“ Da ſprach der König Gunther! „Groß Herzleid find ich hier. Eine Märe ſagte meine Frau Brunhilde mir: Du haſt dich gerühmet , du wärſt ihr erſter Mann;z So ſpricht dein Weib Kriemhilde: haſt du Degen das gethan 2“ „Niemals,“ ſprac\< da Siegfried; „und hat ſie das geſagt, Nicht eher will ich ruhen, bis ſie es ſchwer beklagtz Auch will ich es erhärten vor deinem»ganzen Bann Mit meinen hohen Eiden , daß ich die Rede nicht gethan.“ Da ſprach der Fürſt vom Rheine: „Wohlan, das zeige mir: Der Eid , den du geboten, geſchieht der gleich allhier , Aller falſchen Dinge laß ich dich ledig gehn.“ Man ſah in einem Ringe Die von Burgonden ſtehn. Da bot der kühne Siegfried zum Eide hin die Hand. Da ſprach der reiche König: „Jeßt hab ich wohl erkanut, Daß ihr hieran unſchuldig; ihr ſollt des ledig gehn, Des euch zieh Kriemhilde, es iſt nicht von euch geſchehn.“

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Da ſprach wieder Siegfried: „Und kommt es ihr zu Gut, Daß deinem ſchönen Weibe ſie ſo betrübt den Muth, Das wäre mir wahrlich aus der Maßen leid.“ Da bliä>ten zu einander die Ritter kühn und allbereit. „Man ſoll ſo Frauen ziehen,“ ſprach Siegfried der Degen, „Daß ſie üppge Reden laßen unterwegen ; Verbiet es deinem Weibe, ich will es meinem thun. Solchen Uebermuthes in Wahrheit ſchäm ich mich nun.“ Viele ſchöne Frauen wurden durc\< Neden ſchon entzweit. Da zeigte Brunhilde ſol\<e Traurigkeit, Daß es erbarmen muſte Die in Gunthers Bann: Da kam von Tronje Hagen zu der Königin heran. Er fragte was ihr wäre, weil er ſie weinend fand; Da ſagte ſie ihm die Märe. Er gelobt? ihr gleich zur Hand, Daß es büßen ſolle der Kriemhilde Mann, Oder man treff ihn nimmer unter Fröhlichen an. Ueber der Rede kamen Ortwein und Gernot, Allda die Helden riethen zu Siegfriedens Tod. Dazu kam auch Geiſelher,. der ſchönen Ute Kind. Als er die Rede hörte, ſprach der Getreue geſchwind: „Weh, ihr guten Ne>en, warum thut ihr das? Siegfried ja verdiente niemals ſolchen Haß, Daß er darum verlieren Leben ſollt und Leib: Auch ſind es viel Dinge, um die wohl zürnet ein Weib.“ „Sollen wir Gäuche ziehen?“ ſprach Hagen dagegen, ä „Das brächte wenig Ehre ſolchen guten Degen. Daß er ſi\< rühmen durfte der lieben Frauen mein, I\< will des Todes ſterben oder es muß gerochen ſein,“

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Da ſprach der König ſelber:. „Er hat uns nichts gethau Außer Lieb nnd Ehre: ſo leb er denn fortan. Was ſollt ich denn dem Re>en hegen ſolchen „Haß? - Er zeigt? uns immer Treue, gar williglich that er das.“ Da begann von Meße der Degen Ortwein: „Wohl kann ihm hier nicht helfen die große Stärke ſein. Erlaubt es mir mein Herre; ich. thu ihm alles Leid.“ Da waren ihm die Helden ohne Grund zu ſchaden bereit. Dem folgte denno\< Niemand, außer daß Hagen" Alle Tage pflegte zu Gunthern zu ſagen! | „Wenn Siegfried nicht mehr lebte, ihm würden unterthan Manches Königs Lande.“ Da fieng der, Held. zu trauern an, Da ließ man es bewenden und gieng dem Kampfſpiel nach. Hei! was man ſtarker Schäfte vor dem Münſter brach, Vor Siegfriedens Weibe bis an den Saal hinan! Darüber kam in Unmuth mancher Held in Gunthers Bann, Der König ſprach: „Laßt fahren den mordlichen Zorn. Er iſt uns zu Ehren und zum Heil gebor?n; Auch iſt ſo ſtark und grimmig der wunderkühne Mann, Wenn er ſich des verſähe, ſo dürfte Niemand ihm nahn.“ „Nicht doh ,- ſprach Hagen, 7 „da dürft ihr ruhig ſein: Wir leiten in der Stille alles ſorglich ein. Brunhildens Weinen ſoll ihm werden leid: Immer ſei ihm Hagen zu Haß und Schaden bereit,“ Da ſprach König Gunther: „Wie möchte das geſchehn ?“ Zur Antwort gab ihm Hagen: „Das ſollt ihr bald verſtehn: Wir laßen Boten reiten her in dieſes Land, % j Uns offnen Krieg zu künden, die hier Niemand ſind bekannt.

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Daun ſagt ihr vor den Gäſten, ihr wollt mit euerm Lehn Euch zur Heerfahrt rüſten. Sieht er das geſchehn , So verſpricht er euch zu helfen ; dann gehts ihm an den Leib, Erfahr ich nur die Märe von des fühnen Reen Weib.“ Der König folgte leider ſeines .Dienſtmanns Rath. Da huben an zu ſinnen auf Untreu und Verrath, Eh es Wer erkannte, die Ritter auserkoren: Durch zweier Frauen Zürnen gieng da mancher Held verloren,

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Fünfzehntes Abenteuer. Wie Siegfried verrathen ward. Man ſah am vierten Morgen zwei und dreißig Mann Hin zu Hofe reiten: da ward es kund gethan Gunther dem reihen, es gelt ihm Krieg und Streit. Die Lüge ſchuf den Frauen großen Jammer und Leid. Sie gewannen Urlaub an den Hof zu gehn. Da ſagten ſie, ſie ſtänden in Lüdegers Lehn, Den einſt bezwungen hatte Siegfriedens Hand Und ihn als Geiſel brachte - König Gunthern in das Land. Die Boten er begrüßte und hieß ſie ſiken gehn. Einer ſprach darunter! „Herr König, laßt uns ſtehn, Daß wir die Mären ſagen, die euch entboten ſind : Wohl habt ihr zu Feinden, das wißet, mancher Mutter Kind. „Euch widerſaget Lüdegaſt und auh Lüdeger: Denen ſchuft ihr weiland Drangſal und Beſchwer ; Nun wollen ſie mit Heereskraft reiten in dieß Land.“ Der Fürſt begann zu zürnen, als ihm die Märe ward bekannt. Man ließ die falſchen Boten zu den Herbergen gehn. Wie mochte wohl Siegfried der Tücke ſich verſehn, Er oder ander8 Jemand, die man ſo heimlich ſpann? Doch war es ihnen ſelber zu großem Leide gethan.

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Der König mit den Freunden gieng raunend ab und zu; Herr Hagen von Tronje ließ ihm keine Ruh. Noc\< wollt es Mancher wenden in des Königs Lehn; Doch nicht vermocht er Hagen von ſeinen Räthen abzuſtehn. Eines Tages Siegfried die Degen raunend fand. Da begann zu fragen der Held von Niederland : „Wie traurig geht der König und die in. ſeinem Bann? Das helf ich immer rächen hat ihnen Jemand Leid gethan.“ Da ſprach König Gunther: „Wohl hab ich Herzeleid : Lüdegaſt und Lüdeger drohn mir Krieg und Streit. Mit Heerfahrten“wollen ſie reiten in mein Land.“ Da ſprach der kühne Degen? „Dem ſoll Siegfriedens Hand „Rah allen euern Ehren mit Kräften widerſtehn; Von mir geſchieht den Ne>en was ihnen einſt geſchehn: Ihre Burgen leg ich wüſte und dazu ihr Land, Eh ich ablaße: des fei mein Haupt euer Pfand. „Ihr mit euern Reen nehmt der Heimat wahr; Laßt mich zu ihnen reiten mit meiner Leute Schar. Daß ich euch gerne diene, laß ich euch wohl ſehn; Von mir ſoll euern Feinden, das wißet , übel geſchehn.“ „O wohl mir dieſer Märe,“ der König ſprach da ſo, Als wär er ſeiner Hülfe alles Ernſtes frohz - Tief neigte ſich in Falſchheit der ungetrenue Mann. Da ſprach der Herre Siegfried :. „Laßt euch wenig Sorge nahn,“ Sie ſchiten mit den Knechten zu der Fahrt ſi\< an: Siegfrieden und den Seinen ward es zum Schein gethan. Da gebot er ſich zu rüſten Denen von Niederland : Siegfriedens Ne>en ſuchten ihr Streitgewand.

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Da ſprach der ſtarke Siegfried: „Mein Vater Siegmund , Bleibet ihr im Lande: wir kehren bald geſund, Wenn Gott uns Glü> verleihet, wieder an den Rhein: Ihr ſollt hier bei dem König unterdeſſen fröhlich ſein.“ Da wollten ſie von dannen? die Fahnen band man an. Da waren wohl Man\<e in König Gunthers Bann, Die nicht die Märe wuſten, warum es war geſchehn. Groß Heergeſinde mochte man da bei Siegfrieden ſehn. Die Panzer und die Helme man auf die Noſſe ludz Da wollten aus dem -Lande viel ſtarke Ritter gut. Da gieng von Tronje Hagen hin wo er Kriemhild fand; Er bat ſie um den Urlaub: ſie wollten räumen das Land. „Wohl mir,“ ſprach Kriemhilde, „daß ih den Mann gewann, Der meine lieben Freunde ſo wohl beſchüßen kann, Wie mein Herre Siegfried thut an den Brüdern mein ; Drum will ich hohes Muthes,“ ſo ſprach die Königin, „ſein, „Lieber Freund Hagen, bedenk mir nun auch das, I\< dien- ihnen gerne, trug ihnen niemals Haß. Das laß mich auch genießen an meinem lieben Maunz Er ſoll es nicht eutgelten was ich Brunhilden gethan. „Das hat mich ſchon gereuet,“ ſo ſprach das edle Weib, „Auch hat er ſo zerbleuet zur Strafe meinen Leib, Daß ich 'es je geredet beſchwerte feinen Muth: Er hat es wohl gerochen, dieſer Degen kühn und gut.“ Da ſprach er : „Ihr verſöhnet euc\< wohl na\< wenig Tagen, Kriemhilde, liebe Fraue, nun ſollt ihr mir ſagen, Wie ich euch dienen möge an Siegfried euerm Herrn: Ich gönn es Niemand beßer und thu' es, Königin, gern.“ Lahm. 532 -- 833.

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„I\< wär ohn alle Sorge,“ ſo ſprach das edle Weib, „Daß Wer im Kampf ihm nähme das Leben und den Leib; Wenn er nicht folgen wollte ſeinem Uebermuth, So wär er immer ſicher, - dieſer Degen kühn und gut.“ „Wenn ihr beſorget, Fraue,“ Hagen da begann, „Daß er verwundet werde, ſo vertraut mir an, Wie ſoll ich es beginnen, dem zu widerſtehn ? Ihn zu ſchirmen will ich immer bei ihm reiten und gehn.“ „Du biſt mein Verwandter, ſo will ich deine ſein: Ich befehle dir auf Treue den lieben Gatten mein, Daß du wohl behüteſt mir den lieben Mann.“ Was beßer wär verſchwiegen vertraute ſie da ihm an. Die ſprach: „Mein Mann iſt tapfer, dazu anch ſtark genug. A18 er den Linddrahen an dem Berge ſchlug, Da badete ſich im Blute der Degen allbereit, Daher ihm keine Waffe je verſehren mocht im Streit. „Jedoch bin ich in Sorgen, wenn er im Sturme ſteht Und von der Helden Händen mancher Sperwurf geht, Daß ich dann verliere meinen lieben Mann. Hei! was ich großer Sorgen - oft um Siegfried gewann! „Mein lieber Freund, ih meld es nun auf Gnade dir, Auf daß du deine Treue bewähren magſt an mir, Wo man kann verwunden meinen lieben Mannz Das ſollſt du nun vernehmen: es iſt auf Gnade gethan. „Als von des Drachen Wunden floß das heiße Blut, Da badet? in dem Blute ſich der Nitter gut: Da fiel ihm auf die Achſel ein Lindenblatt gar breit: Da kann man ihn verwunden; das ſchafft mir Sorgen und Leid.“

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Da ſprach von Tronje Hagen: „So näht auf ſein Gewand Mir ein kleines Zeichen: daran iſt mir bekannt, > Wo ich ſein hüten müße, wenn wir in Stürmen ſtehn.“ : | Sie wollte ſein Leben friſten: auf. ſeinen Tod wars abgeſehn. Sie ſprach: „Mit feiner Seide näh ich auf ſein Gewand Jnsgeheim ein Kreuzchen: da ſoll, Held, deine Hand Meinen Mann beſchirmen, wenns ins Gedränge geht, Und wenn er in den Stürmen dann vor ſeinen Feinden ſteht.“ „Das thu ich /“.ſprach da Hagen“, „viel liebe-Fraue mein.“ « Wohl wähnte da die Königin, ſein Frommen ſollt es ſein: Da war hiemit verrathen der Kriemhilde Mann. Urlaub' nahm da Hagen: da gieng er fröhlich hindann. * Was er erfahren hätte? bat ihn ſein Herr zu ſagen. „I\< will die Reiſe wenden, wir wollen reiten jagenz : Wohl weiß ich nun die Märe, wietich „ihn tödten ſoll. Wolltihr die Jagd beſtellen ?“ „Dasthu ich,“ ſprac\< der König, „wohl.“ Des Königs Jngeſinde .war froh und wohlgemuth. Gewiſs, daß ſol\<e BosSheit kein Re>e wieder thut | Bis zum jüngſten Tage, als da von ihm geſchah, Als ſich ſeiner Treue die ſchöne Kinigin verſah. Am folgenden Morgen . mit tauſend Mannen gut Ritt der Degen Siegfried davon mit frohem Muth: Er wähnt?, er ſolle rähen ſeiner “Freunde Leid. So nahe ritt ihm. Hagen, daß er beſchaute ſein Kleid. Als er das Zeichen ſahe, da ſchi>t* er ungefehn, Andre Mär zu bringen, Zwei aus ſeinem Lehn: In Frieden ſolle bleiben König Gunthers Landz Es habe ſie Lüdeger zu dem König geſandt.

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Wie ungerne Siegfried abließ von dem Streit, Eh er gerochen hatte ſeiner Freunde Leid! Kaum hielten ihn zurü&ke Die in Gunthers Baun. Da ritt er zu dem König, der ihm zu danken begann. „Nun lohn euch, Freund Siegfried, den guten Willen Gott, Daß ihr ſo gerne thatet, was ich mir wähnte Noth, Das will ich euch vergelten, wie ich billig ſoll. Vor allen meinen Freunden vertrau ich euch immer wohl. „Da wir des Heerzuges uns ſo entledigt ſehn, So rath ich, daß wir Bären und Sc\<weine jagen gehn Nach dem Wasgauwalde, wie ich oft gethan.“ Das hatte Hagen gerathen, dieſer ungetreue Mann. 7 „Allen meinen Gäſten ſoll man das nun ſagen, Ich denke früh zu reiten: Die mit mir wollen jagen, Daß die ſich fertig halten; die aber hier beſtehn, Kurzweilen mit den Frauen: ſo ſei mir Liebes geſchehn.“ Mit herrlichen Sitten ſprach da Siegfried : „Wenn ihr jagen reitet, ſo will ich gerne mit. Dazu ſollt ihr mir leihen einen Jägersmann Mit etlichen Bra>en: ſo reit ich mit euch in den Tann.“ „Wollt ihr nur Einen ?“ fragte der König gleich zur Hand: „I\< will eunc\< Viere geben: denen iſt wohlbekannt Der Wald und auch die Steige, wo viel Wildes iſt, Daß ihr nicht waldverwieſen zn den Herbergen reiten müßt,“ Da ritt zu ſeinem Weibe der Degen unverzagt. Derweilen hatte Hagen dem Könige geſagt, Wie er verderben wolle den tapferlichen Degen: So großer Untreue ſollt ein Mann nimmer pflegen.

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* Als die Ungetreuen geſchaffen ſeinen Tod, Da wuſten ſie es Alle. Geiſelher und Gernot Wollten nicht mitjagen. Weiß nicht aus welchem Groll Sie ihn nicht gewarnet; doch des entgalten ſie voll.

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Sechszehntes Abenteuer. Wie Siegfried erſchlagen ward. Gunther und Hagen, die Reen wohlgethan, ' Beriethen mit Untreuen ein Birſchen in den Tann. Mit ihren ſcharfen Spießen wollten ſie jagen gehn Bären, Schwein und Büffel: was konnte Kühnres geſchehn ? Da ritt auch mit ihnen Siegfried mit ſtolzem Sinn. Man bracht ihnen Speiſe mancherlei dahin. An einem kalten Brunnen verlor er bald den Leib: Brunhild hatt es gerathen , Gunther des Königes Weib. Da gieng der fühne Degen, wo er Kriemhilden fand. Schon war aufgeſäumet das edle Birſchgewand Für ihn und die Geſellen? ſie wollten über Rhein. Da konnte Kriemhilden nicht übler zu Muthe ſein. Seine liebe Traute füſt? er an den Mund: „Gott laße mich dich, Fraue, noch wiederſehn geſund, Und mich auch deine Augen; mit holden Freunden dein Verkürze dir die Stunden! ich kann nun nicht bei dir ſein.“ Da gedachte ſie der Märe, ſie durft es ihm nicht ſagen, Die ſie Hagen ſagte: da begann zu klagen Die edle Königstochter, daß ſie das Leben gewann: Wie da manche Thräne dem wunderſchönen Weib entrann.

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Sie ſprach zu dem Reen: „Laßt euer Jagen ſein: Mir träumte heunt von Leide, wie euch zwei wilde Schwein Auf der Haide jagten? da wurden Blumen roth. Daß ich ſo bitter weine, das thut mir ſicherlich Noth. „I\< fürchte ſehr und bange vor Etlicher Verrath. Hier ſind gewiſslich welhe, die man erzürnet hat: Die könnten uns verfolgen mit feindlihem Haß. c. Bleibt hier, mein lieber Herre, mit Treue rath ich euch das.“ „Meine liebe Trante, ich kehr in kurzer Zeitz I N Ich weiß nicht, daß hier Jemand mir Haß trüg oder Neid. Alle deine Freunde ſind insgemein mir hold; Auch verdient ich von den Degen wohl nimmer anderlei Sold.“ „Nicht doh, lieber Siegfried, wohl fürc\<t ich deinen Fall. Mir träumte heunt von Leide, wie über dir zu Thal Fielen zwei Berge, daß ich dich nie mehr faht ' Und willſt du von mir ſcheiden, das geht mir inniglich nah.“ Er umfieng mit Armen das tugendreiche Weib, Mit holdem Kuſſe herzt? er ihren ſchönen Leib. Dann nahm er Urlanb und ſchied in kurzer Stund: Sie erſah ihn leider darnach nicht wieder geſund. Da ritten ſie von dannen in einen tiefen Tann. Der Kurzweil willen folgte manch kühner RitterSmann Gunthern dem Könige und Siegfrieden nach. Geiſelher der Ruhe daheim mit Gernoten pflag. - Manch Saumroſs zog beladen vor ihnen überrhein, Das den Jagdgeſellen das Brot trug und den Wein, Das Fleiſch mit den Fiſhen und Speiſe mancher Art, Wie ſie ein reicher König wohl haben mag auf der Fahrt.

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Da ließ man herbergen bei dem Walde grün Vor des Wildes Wechſeln die ſtolzen Jäger kühn, Als ſie da jagen wollten, auf breitem Angergrund. Da war auch Siegfried kommen: das ward dem Könige kund. Von den Jagdgeſellen , ward umhergeſtellt Die“ Wart an allen Enden? da.ſprach -der fühne Held, Siegfried der ſtarke: „Wer ſoll uns in den Tann Nach dem Wilde weiſen? ihr Degen kühn und wohlgethan.“* „Wöllen wir uns“ſcheiden,“ hub da Hagen an, „Ehe wir. beginnen zu jagen hier im Tann? - So mögen wir erkennen, ich und die Herren mein, Wer die beſten Jäger bei dieſer Waldreiſe ſeipE „Die Leute und die Hunde, wir theilen uns darein.: Dann fährt, wohin ihn lüſtet, Jeglicher allein, Und wer das Beſte jagte, dem ſagen wir den Dank.“ Da weilten die Jäger bei einander nicht mehr lang.. Da ſprach der Herre Siegfried: „Der Hunde hab ich Rath, Ich will nur einen-Bra>en, der ſo genoßen-hat, Daß er des Wildes Fährte ſpüre durch den Tann: Wir. kommen wohl zum Jagen!“ ſo ſprach der Kriemhilde Männ. Dä nahm ein alter Jäger einen Spürhund Und-brachte den Herren in einer kurzen Stund, Wo ſie viel Wildes fanden : - was des vertrieben ward, Das erjagten die Geſellen, wie heut noch guter Jäger Art. Was da der Brace ſcheuchte , : das ſchlug mit ſeiner Hand Siegfried der kühne, ' der Held von Niederland. - Sein Noſs lief ſo geſchwinde, daß ihm nicht viel entrann: Das Lob er bei dem Jagen vor ihnen Allen gewann.

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Er war in allen Dingen mannhaft genug. Das Erſte von den Thieren, die er zu Tode ſchlug, Das war ein ſtarkes Halbſchwein, wohl mit eiguer Hand; Nicht lang darauf der Degen einen ungefügen Leuen fand. Als den der Bra>e ſcheuchte, ſchoß er ihn mit dem Bogen Und dem ſcharfen Pfeile, den er darauf gezogen; Der Leu lief nac\< dem Schuße kaum dreier Sprünge lang. Seine Jagdgeſellen, die ſagten Siegfrieden Dank. Darnac\< ſchlug er wieder einen Büffel und einen Elk, Vier ſtarker Auer nieder und einen grimmen Schelk. So ſchnell trug ihn die Mähre, daß ihm nichts entſprang: Hinden und Hirſche wurden viele ſein Fang. Einen großen Eber trieb der Spürhund auf. Als der flüchtig wurde, da kam in ſchnellem Lauf Derſelbe Jagdmeiſter und nahm ihn wohl aufs Korn: Anlief den fühnen Degen der Eber in großem Zorn. , Da ſc\<lug ihn mit dem Schwerte der Kriemhilde Mann: Das hätt ein andrer Jäger nicht ſo leicht gethan. Als er ihn gefället, fieng man den Spürhund. Da ward ſein reihes Jagen den Burgonden alle kund. * Da ſprachen feine Jäger: „Kann es füglich ſein, So laßt uns, Herr Siegfried, des Wilds ein Theil gedeihn : Ihr wollt uns heute leeren den Berg und auch den Tann.“ Darob begann zu lächeln der Degen kühn und wohlgethau. : Da vernahm man allenthalben Lärmen und Getos,. Von Leuten und von Hunden ward der Sc\<all ſo groß, Man hörte widerhallen den Berg und auch den Tann. Vier und zwanzig Hunde hatten die Jäger losgethan ,

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\<B; 53 js Da wurde viel des Wildes vom grimmen Tod ereilt. Sie wähnten es zu fügen, daß ihnen zugetheilt “ Der Preis des Jagens würde: das konnte nicht geſchehn , Als bei der Feuerſtätte der ſtarke Siegfried ward geſehn. Die Jagd war zu Ende, und doch nicht ganz und gar. Die zu der Herberg wollten brachten mit ſich dar Häute man\<her Thiere, dazu des Wilds genug. Hei! was man zur Küche vor das Ingefinde trug! Da ließ der König fünden den Jägern wohlgeborn Daß er zum Imbiß wolle; da wurde laut ins .Horn Einmal. geſtoßen: alſo ward bekannt, Daß man den edeln Fürſten bei den Herbergen fand. * Da ſprach ein Jäger Siegfrieds: „Herr, ich hab vernommen An eines Hornes Schalle, daß wir nun ſollen kommen Zu den Herbergen: erwiedr ichs, das behagt.“ Da ward nah den Geſellen mit Blaſen lange gefragt. Da ſprach der König Siegfried: „Nun räumen wir den Wald.“ Sein Noſs trug ihn eben, die Andern folgten bald. Sie verſcheuchten mit dem Schalle ein Waldthier fürchterlich , Einen wilden Bären; da ſprach der Degen hinter ſich: „Ich ſchaff uns Jagdgeſellen eine Kurzweil. Da ſeh ich einen Bären: den Bra&en löſt vom Seil. Zu den Herbergen ſoll mit uns der Bär? Er kann uns nicht entrinnen und flöh er auch noch ſo ſehr.“ Da löſten ſie den Bra>en, gleich ſprang der Bär hindann. Da wollt ihn erreiten der Kriemhilde Mann? Er fiel in ein Geklüfte: da konnt er ihm nicht bei; Das ſiarke Thier wähnte von den Jägern ſchon ſich frei.

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Da ſprang von ſeinem Roſſe der ſtolze Nitter gut Und begann ihm nachzulaufen. Das Thier war ohne Hut, Es fonnt ihm nicht entrinnen, er fieng es allzuhand ; Ohn es zu verwunden der Degen eilig es band. Kraßen oder beißen fonnt .es nicht den Mann. Er band es auf den Sattel: auffaß der Schnelle dann; Er bracht es zu dem Heerde in ſeinem hohen Muth Zu einer Kurzweile, der Degen edel und gut. Er ritt zur Herberge :-in welcher Herrlichkeit! Sein Spieß war ungefüge,“ ſtark dazu und breit; Eine ſchmu>e Waffe hieng ihm - herab bis auf den Sporn; Von rothem Golde führte “der Degen ein ſchönes Horn, Von beßerm Birſchgewande: hört ich niemals ſagen. Einen Ro> von ſchwarzem Zeuche ſah man ihn tragen Und einen Hut von Zobel, reich war der genug. 4 Hei! was für Borten . an ſeinem Köcher er trug! Von einem Panther war darüber gezogen Ein Vließ des Ruches wegen: Au trug er einen Bogen, Den man mit einer Winde- muſte ziehen an, Wenn man ihn ſpannen wollte, er hätt es ſelbſt denn gethan. Von der Haut des Luchſes war ſein ganz Gewand, Das man von Kopf zu Füßen bunt überſtreuet fand. Aus dem lichten Rauchwerk zu beiden Seiten hold Schien an dem kühnen Jäger manche Borte von Gold. Auch führt? er Balmungen, das breite ſhmu&e Schwert: Das war ſcharf und ſchneidig, nichts blieb unverſehrt Wenn man es ſchlug auf Helme; ſeine Seiten waren gut. Der herrliche Jäger, der trug gar hoch ſeinen Muth.

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Weil ich euch der Märe ganz beſcheiden ſoll, So war ſein edler Köcher guter Pfeile voll, Mit goldenen Röhren, die Eiſen händebreit. Wen er damit getroffen, dem war das Ende nicht weit. Da ritt der edle Degen waidlich aus dem Tann. Ihn ſahen zu ſich kommen Die in Gunthers Bann. Sie liefen ihm entgegen und hielten ihm das Roſs; Da führt? er auf dem Sattel einen Bären ſtark und groß. Als er vom Roſs geſtiegen, löſt er ihm das Band Vom Mund und von den Füßen: die Hunde gleich zur Hand Begannen laut zu heulen, als ſie den Bären ſahn. Das Thier zum Walde wollte: das erſchre>te manchen Mann. Der Bär in die Küche von dem Lärm gerieth; Hei! was er von dem Feuer der Küchenknechte ſchied! Gerüc>t ward mancher Keßel, zerzerret mancher Brandz Hei! was man guter Speiſen in der Aſche liegen fand! Da ſprangen von den Sißen die Herren und ihr Bann. Der Bär begann zu zürnen; der König wies ſie an Der Hunde Schar zu löſen, die an den Seilen lag: Und wär es wohl geendet, ſie hätten fröhlichen Tag. Mit Bogen und mit Spießen, man verſäumte ſich ni\<t mehr, Liefen hin die Schnellen, wo da gieng der Bär; -. Doch wollte Niemand ſchießen, von Hunden wars zu voll. * So laut ward das Getöſe, daß rings der Bergwald erſcholl. Der Bär begann zu fliehen vor der Hunde Zahl; k Ihm konnte Niemand folgen als Kriemhilds Gemahl. Er erlief ihn mit dem Schwerte, zu Tod er ihn da ſchlug. Wieder zu dem Feuer das- Geſind. den Bären trug.

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Da ſprachen Die es ſahen, er wär ein ſtarker Maun. Die ſtolzen Jagdgeſellen rief man zu Tiſch heran: Auf einem ſchönen Anger ſaßen ihrer genug. Hei! was man Nitterſpeiſe vor die ſtolzen Jäger trug! ' Die Schenken waren ſäumig, ſie brachten nicht den Weinz So gut bedienet mochten ſonſt Helden nimmer ſein.“ Wären ihrer Man\<he nicht ſo falſch dabei, So wären wohl die Re>en aller Schanden bar und frei. Da ſprach der Herre Siegfried: „Mich verwundert ſehr, Man bringt uns aus der Käche doch ſo viel daher, Was bringen uns die Schenken nicht dazu den Wein? Pflegt man ſo der Jäger, will ich nicht Jagdgeſelle ſein. „I\< hätt es wohl verdienet, bedächte man mich gut.“ Von ſeinem Tiſch der König ſprach mit falſhem Muth: „Man ſoll eu\<h fünftig büßen, was heut uns muß entgehn; Die Schuld liegt an Hagen, der will uns verdurſten ſehn.“ Da ſprach von Tronje Hagen: „Lieber Herre mein, I\< wähnte, das Birſchen ſollte heute ſein In dem Spechtsharte: den Wein ſandt ich dahin. Heut giebt es nichts zu trinken 3; doch vermeid ichs künftighin.“ Da ſprach der Niederländer : „Ich ſag euch wenig Dank: Man ſollte ſieben Säumer mit Meth und Lautertrank Mir hergeſendet haben; konnte das nicht ſein, So hätte man uns beßer geſiedelt näher dem Rhein. * Des wurde da nicht inne der verrathne kühne Mann, Daß man ſol\<he- Tü>e wider ſein Leben ſpann. Er war in hoher Tugend alles Falſches bloß; Seines Todes muſt entgelten, der nie Gewinn davon genoß.

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Da ſprach von Tronje Hagen: „Ihr edeln Ritter ſchnell, Ich weiß hier in der Nähe einen kühlen Quell: Daß ihr mir nicht zürnet, da rath ich hinzugehn.“ Der Rath war manchem Degen zu großer Sorge geſchehn. Siegfried den Reken zwang des Durſtes Noth; Den Tiſch er wegzurü>en ſo zeitiger gebot: * Er wollte vor die Berge zu dem Brunnen gehn. Da war der Rath aus Argliſt von den Reden geſchehn. Man hieß das Wild aufſäumen , und führen in das Land, Das da verhauen hatte Siegfriedens Hand. Wer es auch ſehen mochte, ſprach Ehr und Nuhm ihm nach; Hagen ſeine Treue ſehr an Siegfrieden brach. Als ſie von dannen wollten zu der Linde breit, Da ſprach von Tronje Hagen! „I\< hörte jederzeit, Es könne Niemand folgen Kriemhilds Gemahl , Wenn er rennen wolle: hei! ſchauten wir das einmal!“ Da ſprach von Niederlanden Siegfried der Degen kühn: „Das mögt ihr wohl verſuchen? wollt ihr zur Wette hin Mit mir an den Brunnen? Wenn der Lauf geſchieht, Soll Der gewonnen haben, welchen man gewinnen ſieht.“ „Wohl, laßt es uns verſuchen,“ ſprach Hagen der Degen. Da ſprach der ſtarke Siegfried: „So will ich mich legen Hier zu euern Füßen nieder in das Gras.“ Als er das erhörte, wie lieb war König Gunthern das! Da ſprach der kühne Degen: „I\< will euch mehr noh ſagen: All mein Geräthe will ich mit mir tragen, Den Sper ſammt dem Schilde, dazu mein Birſchgewand. 4 Das Schwert und den Köcher er um die Glieder ſchnell ſich band.

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Abzogen ſie die Kleider von dem Leibe daz In zwei weißen Hemden man Beide ſtehen ſah. Wie zwei wilde Panther liefen ſie durch. den Klee ; Man ſah bei dem Brunnen den fühnen Siegfried doch eh. Den Preis in allen Dingen vor Matichem man ihm gab. Da löſt? er ſchnell die Waffe, den Köcher legt? er ab, Den ſtarken Wurfſpieß lehnt? er an den Lindenaſt: Bei des Brunnens Fluße ſtand der herrliche Gaſt. Siegfriedens Tugenden. waren gut und groß. Den Schild legt? er nieder wo der Brunnen floß: Wie ſehr ihn auch dürſtete, der Held nicht eher trank Bis der Wirth getrunfen: dafür gewann er übeln Dank. Der Brunnen war lauter, kühl und auch gut; Da neigte ſih Gunther hernieder zu der Flut. Als er getrunfen hatte, erhob er ſich hindannz + Alſo hätt auch gerne der fühne Siegfried gethan. Da entgalt er ſeiner Tugend; den Bogen und das Sc\<hwert Trug Hagen beiſeite von dem Degen. werth. Dann ſprang er ſchnell zurü>e, wo er den Wurfſpieß fand Und ſah nach einem Zeichen an des Kühnen Gewand. Als Siegfried der Degen aus dem Brunnen trank, Schoß er ihm durc\< das Kreuze, daß aus der Wunde ſprang Das Blut ſeines Herzens hoch an Hagens Staat. Kein Held begeht wieder alſo große Miſſethat. Den Wurfſpieß im Herzen ließ er ihm ſte>en tief: Wie im Fliehen Hagen da ſo grimmig. lief, So lief er wohl auf Erden nie vor einem Mann! Als ſich der ſtarke Siegfried der großen Wunde beſann,

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Der Held in wildem Toben von dem Brunnen ſprang; Ihm ragte von den Schultern „eine Sperſtange lang. Nun wähnt? er da zu finden Bogen oder Schwert, So hätt er Lohn Herrn Hagen wohl na\<h Verdienſte gewährt. Als der Todwunde das Schwert nicht wiederfand, Da blieb ihm nichts weiter als der Schildesrand. N Den hob er von dem Brunnen und rannte Hagnen anz Da konnt ihm nicht entrinnen König Gunthers Unterthan. Wie wund er war zum Tode, fo kräftig doc\< er ſchlug, Daß von dem Schilde nieder rieſelte genug Des edeln Geſteines; der S\<ild zerbrach auch faſt: So gern gerochen hätte ſich der herrliche Gaſt. „Geſtrauchelt war da Hagen von ſeiner Hand zu Thal; Der Anger von den Schlägen erſcholl im Wiederhall. Hätt er ſein Schwert in Händen, ſo wär es Hagens Tod. Sehr zürnte der Wunde; es zwang ihn wahrhafte Noth. Seine Farbe war erblihen, er fonnte nicht mehr ſtehn. Seines Leibes Stärke muſte ganz zergehn, |, Da er des Todes Zeichen in lichter Farbe trug. Er ward hernach beweinet von ſchönen Frauen genug. Da fiel in die Blumen der Kriemhilde Mann: Das Blut von ſeiner Wunde ſtromweis nieder rann. Da begann er Die zu ſchelten, ihn zwang die große Noth, Die da gerathen hatten mit Untreue ſeinen Tod. Da ſprach der Todwunde: „Weh, ihr böſen Zagen, Was helfen meine Dienſte, da ihr mich habt erſchlagen ? I\< war euch ſtäts gewogen und ſterbe nun daran: « Ihr habt an euern Freunden leider übel gethan,

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„Die ſind dadurc\< beſcholten, was ihrer auch geborn Wird nach dieſem Tage? ihr habt euern Zorn Allzuſehr gerochen aun dem Leben mein. Mit Sanden ſollt geſchieden ihr von guten Necen ſein.“ Hinliefen all die Ritter, wo er erſchlagen lag: Es war ihrer Vielen ein freudeloſer Tag. Wer irgend Treue kannte, von dem ward er beklagt: Das hatt auch wohl um Alle verdient der Degen unverzagt. Der König von Burgonden beklagt? auch ſeinen Tod. Da ſprac\< der Todwundet ',, Das thut nimmer Noth, Daß der um Schaden weinet, durc\< den man ihn gewann: Er verdient groß Selten, er hätt es beßer nicht gethan.“ Da ſprach der grimme Hagen? „Ich weiß nicht, was en\< reut: Nun hat zumal ein Ende unſer ſorglich Leid. Nun mags nicht Manchen geben, der uns darf beſtehn; Wohl mir, daß ſeiner Herſchaft durch mich ein End iſt geſchehn.“ „Ihr mögt euch leichtlich rühmen /“ ſprach Der von Niederland; „Hätt ich die mörderiſhe Weiſ an euch erkannt, Vor euch hätt ich behalten Leben wohl und Leib. Mich danert nichts auf Erden- als Frau Kriemhilde mein Weib. „Auch mag es Gott erbarmen, daß ich gewann den Sohn, Der nun auf alle Zeiten beſcholten iſt davon, Daß ſeine Freunde Jemand meuchleriſch erſchlagen : Hätt ich Zeit und Weile, das müſt ich billig beklagen. * „Niemand je auf Erden größern Mord begann ,“ Sprach er zu dem Könige, „als ihr an mir gethan? Ich erhielt euch unbeſcholten in großer Angſt uud Noth; Ihr habt mir ſchlimm vergolten, daß ich ſo wohl es en\< bot.“

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Da ſprach im Jammer weiter der todwunde Held: „Wollt ihr, edler König, je auf dieſer Weit An Jemand Gutes üben, fo laßt befohlen ſein . Auf Treue und auf Gnaden euch die liebe-Trante mein. „Laßt ſie des genießen, daß ſie eure Schweſter ſeit Bei aller Fürſten Tugend, ſteht ihr mit Treue bei! Mein mögen lange harren mein Vater und ſein Bann : Es. ward am lieben Freunde nimmer übler gethan.“ '* Er krümmte ſi\< in Schmerzen, wie ihm die Noth gebot, Und ſprach aus jammerndem Herzen? -,, Mein- mordlicher Tod. . Mag euch noch -gerenen in der Zukunft Tagen: Glaubt mir in rechter Treue, daß. ihr euch ſelber habt/erſc\<hlagen.“ Die Blumen allenthalben würden vom Blute naß. Da rang er mit dem Tode, nicht lange that er das, Denn des Todes Waffe ſchnitt immer allzuſehr. ' An\< muſte bald erſterben dieſer Degen kühn und hehr. * Von demſelben Brunnen, wo Siegfried ward erſchlagen, Sollt ihr die rechte Wahrheit von mir hören ſagen. Vor dem Odenwalde ein Dorf liegt Odenheim : Da fließet noch der Bruntien, es fann da fein Zweifel ſein. Als* die Herren ſahen, der Degen ſei todt, - Sie. legten ihn auf einen S\<ild, der war von Golde roth: Da giengen ſie zu Nathe, wie es ſollt ergehn, Daß es* verhohlen bliebe, es ſei von Hagen geſchehn. Da ſprachen ihrer Viele: „Ein Unfall iſt geſchehn; Ihr follt es Alle hehlen und Einer Rede ſtehn: Als er allein ritt jagen, der Kriemhilde Manu, Da ſchlugen ihn die Shäc\<her, als er fuhr durc\< den Taun.“ . Lachm. 937 = 941. | Simre>, das Nibelungenlied. . 11

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Da ſprang von Tronje Hagen! „Ich bring ihn in das Land: Mich ſoll es nicht kümmern, wird es ihr auch bekannt, Die ſo betrüben konnte Brunhildens hohen Muthz Jc\< werde wenig fragen wie ſie uun weinet und thut.“ Da harrteu ſie des Abends und fuhren überrhein: Es mochte nie von Helden ſo ſchlimm gejaget fein. Ihr Beutewild beweinte noch manches edle Weib, Sein muſte bald entgelten viel guter Weigande Leib.

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Siebzehntes Abenteuer. Wie Siegfried beklagt und begraben ward. Von großem Uebermuthe mögt ihr nun hören ſagen Und gräſslicher Rache. Bringen ließ Hagen Den erſchlagnen Siegfried von Nibelungenland Vor eine Kemenate, worin ſich Kriemhild befand. Er ließ ihn ihr verſtohlen legen vor die Thür, Daß ſie ihn finden müße, wenn morgen ſie herfür * Zu der Mette gienge lange vor dem Tag, Deren Frau Kriemhilde wohl ſelten eine verlag. Da hörte man wie immer zum Münſter das Geläut: Die ſchöne Kriemhilde we>te manche Maid. Ein Licht hieß ſie ſich bringen und auch ihr: Gewand; Da kam der Kämmrer Einer hin wo er Siegfrieden fand. g Er ſah ihn roth von Blute, all ſein Gewand war naß; Daß ſein Herr es wäre, mit Nichten wuſt er das. „Da trug er in die Kammer das Licht in ſeiner Hand, Bei dem Frau Kriemhilde die leide Märe befand. Als ſie mit ihren Frauen zur Kirche wollte gehn, „Fraue,“ ſprac\< der Kämmrer, „ihr mögt noch ſtille ſtehn: Es liegt vor dem Gemache ein Nitter todt geſchlagen.“ „OD weh,“ ſprach Kriemhilde, „was willſt du ſolche Botſchaft ſagen ?“

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Eh ſie noch ſelbſt: geſehen es ſei. ihr lieber Mann ,* An die Frage Hagens zu denken ſie begann, Wie er ihn ſchüßen möge: da ahnte ſie ihr Leid, Mit ſeinem Tod entſagte * ſie. aller Luſt und Fröhlichkeit, Sie ſank zu der Erden, kein Wort mehr ſprach ſie da; - Die ſchöne Freudenloſe man da liegen fah. Kriemhildens Jammer. wurde groß und voll; | Sie ſchrie mit ſolchen Kräften, aß all die Kammer erſol Da ſprach das Geſinde: „Iſts wohl ein amm Mann“ Das Blut ihr aus dem Munde vor Herzensjammei“ rann. Sie ſprach: „Nein, Siegfried iſt es, mein geliebter Mann: 7 Brunhild hats gerathen und Hagen hat es gethan,“ Sie ließ ſich hingeleiten wo ſie den Helden fand, Sein ſchönes Haupt erhob ſie .mit“ihrer weißen Hand. - So roth er war von Blute, ſie hatt ihn gleich erkannt: Da lag zu großem Jammer der Held von Nibelungenland. Da rief in Tranertönen die Königtn mild: „O weh mir dieſes Leides! Nun iſt dir doh dein Schild Mit. Schwertern nicht verhauen? dich fällte Meuthelmord. Wüſt ich -wers vollbrachte, ich wollt es rächen immerfort.“ | All ihr Ingeſinde wehklagte laut und ſchrie Mit ſeiner lieben Frane; heftig ſchmerzte ſie + Der Tod -des edeln Herren / der da war verlor" n. Cuy übel hatte RER] gerochen“ Brunzildeus Zoru. Da 1 die Rm: NM mag Einer-gehn, Und mir in Eile we>en Die in Siegfrieds Lehn. Ihr ſollt auch Siegmunden meinen Jammer ſagen,“ Ob er mir helfen wolle - den SEE Siegfried iden 4 * Lachm. 990-955. . -

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Da lief ein Bote balde wo er ſie ſchlafen fand, Siegfriedens Helden von Nibelungenland. Mit ſeinen leiden Mären ihre Freund er ihnen nahm; Sie wollten es nicht glauben, bis man “das Weinen vernahm. * Dahin äuch kam der Bote“ wo der König lag." Siegmund der Herre keines Schlafes" pflag: Er fühlte wohl im Herzen voraus, was ihm geſchehn Und daß er Siegfrieden nimmer ſollte“ wiederſehn. „Wacht auf, König Siegmund ,- es hieß mich zu euch gehn Kriemhilde, meine Fraues der iſt ein Leid geſchehn, ; Daß -ihr vor allen Leiden wöshl das Herz verſehrt; Das ſollt ihr klagen helfen, da es auch euch EE; Auf richtete ſich Siegmund: „Was iſt es, was ſie klagt, Die ſchöne Krienmhilde,> das Leid, das du geſagt?“ Da ſprach der Bote weinend: „I\< muß es euch wohl ſagen: Es liegt von Niederlanden der ie Siegfried erſchlagen el Da ſprach König Siegmund? „Laßt 'das Scherzen fein, Und ſo böfe Märe, * bei- der Liebe mein !- Und ſagt es Niemand wieder; daß er ſei erſchlagen, Denn ich könnt es nie genug bis an mein Ende beklagen.“ „Wollt ihr mir nicht glauben, was ich euch geſagt, So mögt ihr ſelber hören wie Kriemhilde flagt, Und all ihr Ingefinde um Siegfriedens Tod.“ ' Gar ſehr erſchrak da Siegmund, es ſchuf ihm wahrhafte Noth. Mit hundert ſeiner Mannen er von dem Bette ſpraug.: - Sie zuckten zu den Händen + die ſcharfen Waffen lang; Zu dem Wehruf liefen. fie jammersvoll 'herau. ** Da kamen. tauſend .Re>en in des fühnen Siegfried Baun, .

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Wo ſie in Jammerlauten die Frauen hörten klagen : Da glaubten wohl die Meiſten, ſie ſollten Trauer tragen. Wohl mochten ſie vor Jammer der Sinne Macht nicht haben : Es lag eine große Schwere in ihrem Herzen begraben. Da kam der König Siegmund hin wo er Kriemhild fand. Er ſprach: „O weh der Reiſe hieher in dieſes Land! Wer hat euch euern Gatten, wer hat mir ſelbſt mein Kind So mörderiſch entrißen, wenn wir bei gnten Freunden ſind ?“ „Wenn ich Den nur kennte/“ ſprach die Königin, „Hold würd ihm nimmer mein Herz noch mein Sinn: Ich wollt es ſo vergelten, daß all die Freunde ſein Um meinetwillen ſollten in währender Klage fein.“ Siegmund der König den Fürſten umſchloßz Da ward von ſeinen Freunden der Jammer alſo groß, Daß von dem ſtarken Wehrnf Pallas und Saal Und die Stadt zu Wormes rings erſcholl im Wiederhall. Da konnte niemand tröſten Siegfriedens Weib. Man zog aus den“ Kleidern ſeinen ſchönen Leib, Man wuſch ihm ſeine Wunde und legt? ihn anf die Bahr; Wie weh vor großem Jammer ſeinen Leuten da war! Da ſprachen ſeine Reken aus Nibelungenland : „Immer ihn zu rächen iſt willig unſre Hand. Er iſt in dieſem Hauſe Der es hat gethan.“ Da eilten ſich zu waffnen die Degen in Siegfrieds Bann. Die Auserwählten kamen mit ihren Schilden her, Eilf hundert Recken; die hatt in feinem Heer Siegmund. der Reiche: feines Sohnes Tod ! Hätt er gern gerochen, wie ſeine Treue das gebot..

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Sie wuſten nicht, mit Wem ſie zu ſtreiten ſollten gehn, Wenn es nicht Gunther wäre und Die in ſeinem Lehn, Mit welchen Herr Siegfried zur Jagd ritt jenen Tag. Kriemhild ſah ſie gewaffnet: das war ihr auder Ungemach. Wie groß. auch war ihr Jammer, wie ſtark auch ihre Noth, Sie beſorgte doch ſo heftig der Nibelungen Tod Von ihrer Brüder Mannen, daß ſie dawider ſprach: Sie warnten ſie in Liebe, wie immer Freund mit Freunden pflag. Da ſprach die Jammersreiche: „Mein König Siegmund, Was wollt ihr beginnen? Euch iſt wohl nicht kund: Es hat der König Gunther ſo manchen kühnen Mann z; Ihr wollt euch all verderben, greift ihr dieſe Reen an.“ Mit aufgehobnen Sc\<hwerten that ihnen Streiten Noth. Die edle Königstochter, ſie bat und auch gebot Daß es meiden ſollten die NRe>en allbereit; - Sie wollten es nicht laßen: das war ihr gar ein Herzeleid, Sie ſprach: „Mein König Siegmund, ſteht damit noc\< au, Bis es ſich beßer füget? ſo will ich meinen Mant Euch immer rächen helfen. Der mir ihn hat benommen, Wird es mir bewieſen, dem muß es noch zu Schaden kommen. „Es ſind der Uebermüthigen hier am Rheine viel, Daß ich euch zum Streite jekt nicht rathen will: % Sie haben wider Einen wohl an dreißig Mann; Mög ihnen «Gott vergelten“ was"ſie uns haben gethan. „Bleibet hier im Hauſe und tragt mit mir das Leid, Bis es beginnt zu tagen, ihr Helden allbereit: Dann helft ihr mir befargen «meinen lieben Mann.“ Da ſprachen die Degen: „Liebe Frau, das ſei gethan.“ .

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Es fönnt euch des Wunders ein Ende Niemand ſagen, Die Nitter und die Franen,/ wie man ſie hörte klagen, Vis man des Jammerrufes. ward in der Stadt gewahr. Die edeln Bürgersleute eilten ſich un kamen dar, Sie flogten mit den Gäſten, ſie ene der Verluſt. Was Siegfried verbro\<en war ihnen unbewuſt; Weshalb der edle Re>e * Leben ließ und Leib. Da weinte mit den Frauen * manchen aid Bürgeis Weib. Schmiede hieß man Me und ſchaffen einen Sarg Von Silber und von Golde, mächtig und ſtark, Und hieß ihn wohl beſchlagen mit Stahle / der war gut. Da war allen Leuten gar ENG beſchweret der Muth. Die Nacht war vergangen, man ſagt, es wolle tagen: Da ließ die edle Fraue + zu dem Münſter tragen Siegfried den Herren, ihren lieben Mann. - * Mit ihr giengen weinend was ſie: der: Freunde gewann. * Da ſie zum Münſter kamen, wie. manche „Glo>e klang! +“ Man hörte allenthalben manches Pfaffen Sang. Da kam der König Gunther herzu mit ſeinem Bann Und auch der grimnie Hagen: ſie hättens klüger nicht gethau. Er ſprach: „Liebe Schweſter, o weh des Leides dein, Daß wir nicht ledig mögen ſo großen Schadens ſein! Wir müßen immer klagen um Siegfriedens Leib.“ „Daran thut ihr Unrecht,“ ſpray das*jammerhafte Weib. „Wenn enc\< das betrübte, ſo wär es nicht geſchehn. Ihr hattet mein vergeßeit, das muß ich wohl geſtehn, - Als ich geſchieden wurde von meinem lieben Mann. . Wollte Gott vom Himmel, ihr hättet Mir das DINE ka |

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Sie hielten ſich am Leitgnen, Kriemhilde da begann : „Wer daran unſchuldig, leicht iſt'es dargethan, Er darf uur zu der. Bahre hier vor dem Volke gehn: | Da mag man gleich zur Stelle ſich der Wahrheit verſehu.“ Das iſt ein großes Wunder, wie es noch oft geſchieht, Wenn man den Mordbeſle>ten bei dem Todten ſieht, So bluten ihm die Wunden, wie es auch jekt geſchah; Daher man nun der Unthat ſich zu Hagen verſah. Die „Wunden floßen wieder fo ſtark als je vorher. Die erſt ſo mächtig klagten , die weinten nun noch mehr, Da ſprach König Gunther: „Nun hört die Wahrheit an“ Ihn. erſchtügen Schächer ; „Hagen hat es nicht. gethan.“ „Mir ſind dieſe Schäc\<er,“ ſprach ſie, „wohl bekannt: Nun laß es Gott noch rächen von ſeiner Freunde Hand! Gunther und Hagen, ihr habt es wohl gethan.“ Da wollten wieder ſtreiten: die „Degen in Siegfrieds Bann. Da ſprach aber Kriemhild: „„ Ertragt mit mir die Noth.“ Da kamen auch die Beiden, wo fie ihn fanden. todt, Gernot ihr Bruder und Geiſelher das Kind: Sie beklagten ihn in Wahrheit; ihre Augen wurden thränenblind. Da weinten ſie von Herzen um Kriemhildens Mann. Man wollte Meſſe. ſingen. Zum Münſter heran' Giengen allenthalben, beides, Mann und Weib. Die ihn doch leicht verſchmerzten, weinten um Siegfrieds. Leib, ; Geiſelher und Gernot, die ſprachen : „Schweſter mein, Nun tröſte dich des»Todes, es muß nun alſo ſein; Wir wollen dirs- erſeßen, ſo lange wir leben.“ Da wuſt ihr do\< Niemand ie 'Erden Troſtes zu gebeu. Löachm, 954 -- 990,

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Sein Sarg war geſchmiedet wohl um den hohen Tag; Man hob ihn von der Vahre, worauf der Todte lag. Da wollt ihn noch die Frane nicht laßen begraben: Drob muſten alle Leute großen Kummer noc\< haben. In koſtbare Zeuge man den Todten wand. Gewiſs daß man da Niemand ohne Thränen fand. Da klagt? aus vollem Herzen Ute das edle Weib, Und all ihr Ingeſinde um Siegfrieds herrlichen Leib. Als das Volk vernommen, daß man im Münſter ſang Und ihn beſarget hatte, da hob ſich großer Drangz Um ſeiner Seele- willen was man da Opfer trug! Er hatte bei den Feinden doch guter Freunde genug. Kriemhild die arme zu den Kämmerlingen ſprach : „Ihr ſollt um meinetwillen leiden Ungemacht Die ihm Gutes gönnen und mir blieben hold, Um Siegfriedens Seele vertheilt an dieſe ſein Gold.“ Da war kein Kind ſo kleine, mocht es Verſtand nur haben, Das nicht zum Opfer gienge, eh er ward begraben. Wohl an hundert Meſſen man des Tages ſang; Von Siegfriedens Freunden hob ſich da mächtiger Drang. Als die geſungen waren verlief die Menge ſich. - Da ſprach Frau Kriemhilde: „Ihr ſollt nicht einſam mich Heunt bewachen laßen den auserwählten Degen: Es iſt an ſeinem Leibe all meine Freude gelegen. „Drei Tag und drei Nächte will ich verwachen dran, Bis ich mich erſättige an meinem lieben Mann. Vielleicht daß Gott gebietet, daß mich auch rafft der Tod : So wäre wohl beendet der armen Kriemhilde Noth.“

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Zu den Herbergen giengen die Leute von der Stadt. Die Pfaffen und die Mönche ſie zu verweilen bat Und all das Jngeſinde, das des Helden pflagt Sie hatten üble Nächte und gar mühſelgen Tag. Ohne Trank und Speiſe verblieb da mancher Mann. Wers nicht gern entbehrte, dem ward kundgethan Man gäb ihm gern die Fülle: , das ſchuf Herr Siegemund. Da ward den Nibelungen 'große Beſchwerde kund. * Jn dieſen drei Tagen, ſo hörten wir ſagen, . Muſten mit Kriemhilden viel Beſchwerde tragen Die da ſingen konnten: was man der Opfer trug! Die eben arm geweſen, die wurden nun reich genug. Was man fänd der Armen, die wenig mochten haben," Die ließ ſie mit dem Golde bringen Opfergaben Ans ihrer eignen Kammer: er durfte nicht mehr leben, Da ward um ſeine Seele manches tauſend Mark gegeben. Urbarer Erde Güter vertheilte ſie im Land, So viel man da der Klöſter "und guter Leute fand. Den Armen gab man Silber und Gewand genung. Sie ließ es wohl erkennen wie holde Liebe ſie ihm trug. An dem dritten Morgen zur rechten Meſſezeit Sah man bei dem Münſter den ganzen Kirchhof weit Von des Volkes Weinen “ und Klagen alſo voll: Sie dienten ihm im Tode wie man lieben. Freunden ſoll. In dieſen vier Tagen, ſo hörten wir die Mär, An dreißig tauſend Marken oder gar noch mehr Ward um ſeine Seele den Arineu hingegeben. Indeſs war gar zerronnen feine Schöne wie ſein Leben.

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Als der Dienſt beendet, verhallt war der Geſang, Wit ungeſtümem Leide des Volkes Menge rang. Man ließ ihn aus dem Münſter - zu dem Grabe tragen: Da hörte man nichts anders als ein Weinen und ein Klagen. Mit lautem Wehrufe ſchloß das Volk ſich an: Fm Froh war da Niemand, -weder Weib noc\< Mann. - Eh er beſtattet wurde las und ſang man da: Hei! was man guter Pfaffen bei ſeinem Begängniſs ſah! Bevor da fam- zum Grabe Siegfriedens Weib/ Da rang mit ſolchem Jammer ihr getrener Leib; - >» Daß man ſie'ans dem Brunnen mit Waßer oft begoß: * Ihre Hetzensſc\<hwere war über die Maßen groß. Es war ein großes Wunder, daß ſie :geſand entkam.* Es halfen ihr mit Klagen viel Frauen lobeſam. Da ſprach die Königswittwe: „Ihr in Siegfrieds Lehn, Ihr ſollt bei eurer..Treue an mir Genade begehn. „Laßt mir nach meinem Leide “ eine fleine Gunſt geſchehn, Daß ich ſein "ſ\<önes“ "Angeſicht > noch“ 'einmat möge ſehn.“ Sie bat mit Jammersſinnen ſv lang und ſo ſtark, Daß man zerbrechen muſte den ſchön geſchmiedeten Sarg. Da brachte man die Fraue, wo ſie ihn liegen fand ; Sie erhob ſein ſchönes Angeſicht mit ihrer weißen- Hand \< Und küſste ſo den Todten, den edeln Ritter- güt: ' Ihre lichten. Angen. vor. Leide. weinten ſie Blut.. Ein jammervolles Scheiden ſah man da geſchehn?“ =" Da trug man ſie von dannen, ſie vermochte nicht zu gehn? Da fand man ohne Sinne das herrliche Weib: - Vor Leide wollt erſterben ihr. viel wonniglicher Leib.

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B 173 Bs -Als der edle Degen alſo. begraben war, Sah man in großem Leide die Helden immerdar, Die mit ihm hergezogen von Nibelungenland:. . Fröhlich gar ſelten man da Siegmunden fand. Wohl Mancher war darunter, der drei Tage lang Vor dem großen Leide weder aß no\< trank; | Da konnten ſies dem Leibe nicht entziehen länger mehr: Sie genaſen von den Schmerzen, wie wohl noc\< Mancher ſeither. * Kriemhild der Sinne ledig in Ohnmächten lag Den Tag und den Abend bis an "den andern Tag. Was Jemand ſprechen mochte, es ward ihr gar nicht kund; Es lag in gleichen Nöthen auch der König Siegemund, * Kaum daß ihn zur Beſinnung . zu bringen noch“ gelang. - Seine Kräfte waren von ſtarkem Leide krank! zul Das war wohl kein Wunder. Da ſprach zu ihm ſein Bann: „Herr, ihr ſollt zur Heimat! uns duldets hier nicht mehr fortan.“

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Achtzehntes Abenteuer. Wie Siegmund heimkehrte. Der Schwäher Kriemhildens gieng hin wo er ſie fand: Da ſprach er zu der Königin: 7,Laßt uns in unſer Land: Wir ſind unliebe Säſte, wähn ich, hier am. Nhein. Kriemhild, liebe Fraue, nun folgt uns zu dem Lande mein. „Daß man in dieſen Landen uns ſo beraubet hat Eures edeln Mannes durch böslichen Verrath,-. Ihr ſollt es nicht entgelten? getreu will ich euch ſein Aus Liebe meines "Sohnes und des edeln Kindes ſein, „Ihr ſollt auch, Frane, herrſchen mit aller der Gewalt, Die Siegfried euch verliehen, der Degen wohlgeſtalt. Das Land und auch die Krone - ſei- en\< unterthan : Euch ſollen gerne dienen. die Degen in Siegfrieds Bann.“ Daß man reiten wollte, den Knechten wards geſagt : Da ſah man nach den Noſſen eine ſchnelle Jagd; Sie mochten ungern leben in der ſtarken Feinde Land. Fraun und Maide ſuchten hervor ihr Reiſegewand. Als König Siegmund gerne wäre weggeritten, Da begann Kriemhilden die Mutter zu bitten, Sie ſollte bei den Freunden im Lande doch beſtehn. Da ſprach die Freudenarme? „Das kann ſchwerlich geſchehn :

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„Wie vermöcht ichs mit den Augen Den immer anzuſehn, Von dem mir armen Weibe ſo großes Leid geſchehn?“ Da ſprach der junge Geiſelher? „Liebe Schweſter mein, Du ſollſt bei deiner Treue hier bei deiner Mutter ſein. „Die dir das Herz beſchwerten und trübten deinen Muth, Du bedarfſt nicht ihrer Dienſte, du zehrſt von meinem Gut.“ Sie ſprach zu dem Ne>en: „Das kann ja nicht geſchehn: Vor Leide müſt ich ſterben, wenn ich. Hagen ſollte ſehn.“ „Der ſoll dir nicht begegnen, viel liebe Schweſter mein. Du ſollſt bei Geiſelheren deinem Bruder ſeinz Jc\<h will dir wohl vergüten deines Mannes Tod.“ Da ſprach die Freudenarme: „Das thäte Kriemhilden Noth.“ A1s es ihr der Junge ſo gütlich erbot, Da begannen auch zu flehen Ute und Geruot Und ihre treuen Freunde, ſie möchte da beſtehn : Sie habe wenig Sippen unter Siegfriedens Lehn. „Sie ſind euch galle fremde;“ ſo ſprach Gerenot. „Wie ſtark auch Einer gelte, ſo rafft ihn doch der Tod. Bedenkt das, liebe Schweſter und tröſtet euern Muth: Bleibt hier bei euern Freunden, es geräth eu\<h ſicher gut.“ Sie gelobt? es Geiſelheren, ſie wolle da beſtehn. Da brachte man die Noſſe Denen in Siegmunds Lehn, Als ſie reiten wollten nac\< Nibelungenland z Da war auch aufgeſäzumet der Recken Zeuch und Gewand. Da gieng König Siegmund vor Kriemhilde ſiehn Und ſprach zu der Fraue! „Die in Siegfrieds Lehn Warten bei den Roſſen: reiten wir denn hin, Da ich gar ſo ungern hier bei den Burgonden bin.“

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Da ſprach Frau Kriemhilde? „Mir rathen Freunde“ mein, Die beſten die ich habe, bei ihnen foll ich ſein: Jc\< habe wenig Freunde in Nibelungenland.“ Leid that es Siegmunden, da ers an Kriemhilden fand. - Da ſprach König Siegmund: „Das laßt euch Niemand ſagen: Vor allen meinen Freunden "ſollt ihr die Krone tragen,- Nach rechter Königswürde, wie ihr ſonſt gethan: Ihr ſollt es nicht entgelten. daß ihr verloret den Mann. „Fahrt auch mit “uns zur Heimat um euer 'Kindelein: Das ſollt ihr keine Waiſe, Fraue, laßen fein. Iſi ener Sohn erwachſen, "der. tröſtet euch den Muth; | Derweilen ſoll euch dienen mancher Degen kühn und gut.“ Da ſprach ſie! „Herr Siegmund: ich kann nicht mit.euch gehn, I\< muß hier verbleiben, mag was da will geſchehn, Bei meinen Anverwandten, die mir helfen klagen.“ * Da wollten dieſe Mären den guten Rek>en nicht behagen. Sie ſprachen einhellig: „So möchten wir geſtehn, > Es ſei in dieſer Stunde uns erſt ein Leid geſchehn. Wollt ihr nun hier im Lande bei unſern Feinden ſein, So könnte Helden niemals * eine Hoffahrt übler gedeihn.“ „Ihr ſollt ohne Sorge Gott befohlen fahren: ' Man giebt euch gut Geleite, ich laß 'euch wohl bewahren , Bis zu euerm Lande; mein liebes Kindelein, Das ſoll euch guten Re>en "auf Gnade befohlen ſein.“ - Als ſie. das recht vernahmen , ſie wolle nicht von dann, Da weinten all die Degen in Siegmundens Bann. Mit welchem HerzenSjammer nahm da Siegemund Urlaub von Kriemhilden! Da ward ihm Unfreude kund.

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>32) 177 Sir „ Weh dieſes Hofgelages!“ ſprach der König hehr: „Einem Fürſten und den Seinen geſchieht wohl nimmermehr Einer Kurzweil willen, was uns hier iſt geſchehn: Man ſoll uns nimmer wieder hier bei den Burgonden ſehn.“ Da ſprachen laut die Degen in Siegfriedens Lehn: „Wohl möchte noch die Reiſe in dieſes Land geſchehn, Wenn wir den nur fänden, der uns den Herrn erſchlug: Sie haben ſtarker Feinde bei ſeinen Freunden genug.“ Er füſste Kriemhilden; jammernd ſprach er da, Als er daheim zu bleiben ſie ſo entſchloßen fah: „Wir reiten arm an Freuden nun heim in unſer and. Alle meine Sorgen ſind mir erſt jeßo befannt.“ Sie ritten ungeleitet von Wormes überrhein. Sie mochten voll Vertranens- in 'ihrem Muthe fein, Würden ſie von Jemand in Feindſchaft angerannt, Daß ſich wohl wehren ſollte der kühnen Nibelungen Hand. Sie beurlaubten bei Niemanden ſich. Da ſah man Geiſelheren und Gernot minniglich Zu dem Degen fommen; ihnen war ſein Schade.leid: Das ließen ihn wohl ſchauen die kühnen Helden allbereit. Da ſprach wohlgezogen zu ihm Herr Gerenot: „Wohl weiß es Gott im Himmel, an Siegfriedens Tod Bin ich ganz unſchuldig? ich hört auch niemals ſagen, Wer ihm feind hier wäre: ich muß ihn billig beklagen,“ Da gab ihm gut Geleite Geiſelher das Kind. Da bracht er ohne Sorgen, die ſonſt bei Leide ſind, Den König und die Re>en heim nach Niederland; Wie wenig der Verwandten man dort fröhlich wieder fand!

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Wie's ihnen nun ergangen, weiß ich nicht zu ſagen. Man hörte Kriemhilden zu allen Zeiten lagen, Daß ihr Niemand tröſtete das Herz no\< den Muth, Außer Geiſelheren; der war getren und auch gut. Brunhild die ſchöne des Uebermuthes pflag: . Wie viel Kriemhilde weinte, was fragte ſie darnach! . Sie war zu Lieb und Treue ihr nimmermehr bereit: Bald ſchuf auch ihr Kriemhilde noch viel TN Herzeleid.

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Neunzehntes Abenteuer. Wie der Nibelungenhort nach Worms kam. A1s die edle Kriemhild ſo verwittwet ward, Verblieb bei ihr im Lande der Markgraf E>xewart Mit ſeinem Ingeſinde? er dient? ihr zu allen Tagen Und half auch ſeiner Frauen ſeinen Herren oft- beklagen. Zu Wormes bei dem Münſter gab man ihr ein Schloß, Weit und geräumig, reich dazu und groß, Worin mit dem Geſinde die Freudenloſe ſaß. Gern gieng ſie in die Kirche, mit großer Andacht that ſie das. Wo ihr Freund begraben lag, wie fleißig gieng ſie hin! Sie that es alle Tage mit traurigem Sinn, P Und bat daß Gott der gute ſeiner Seele möge pflegen: Gar oft beweinet wurde mit großer Treue der Degen. Ute und ihr Geſinde ſprachen ihr immer zu, Und doch im wunden Herzen fand ſie ſo wenig Ruh, Es konnte nicht verfangen der Troſt den man ihr bot. Sie hatte nach dem Theuern die allergrößeſte Noth, Die nah dem lieben Manne je ein Weib gewann :. Man mocht ihre große Tugend erkennen wohl daran. Sie klagte bis an ihr Ende, bis ſie verlor den Leib: Bald rächte ſich gewaltig des kühnen Siegfriedes Weib.

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Sie ſaß nach ihrem Leide, das iſt alles wahr, Nach ihres Mannes Tode" bis an das vierte Jahr Und hatte nie zu Gunthern geſprochen einen Laut, Und ihren Feind Hagen in all der Zeit nicht geſchaut. Da ſprach von Tronje Hagen: „Könnte das geſchehn, Daß ihr eure Schweſter euch hold möchtet ſehn, So käm zu dieſem Lande der Nibelungen Gold: Des mögt ihr viel gewinnen, wird uns die Königin hold.“ Er ſprach: „Man ſolls verſuchen? meine Brüder ſtehn ihr bei; Die ſollen für uns werben, daß ſie uns freundlich ſei, Wenn wir den Hort gewinnen, daß ſie das gerne ſieht.“ „I\< glaube nicht,“ ſpracß Hagen, „daß es jemals geſchieht.“ Da bat er Ortweinen an den Hof zu gehn Und den Markgraf Gere: als das war geſchehn Rief man au\< Gernoten und Geiſelhern das Kind: Da verſuchten bei Kriemhilden ſie es freundlich und gelind. Da ſprach von Burgonden der kühne Gernot: & „Ihr klagt zu länge, Fraue, um Siegfriedens Tod. Der König will euch zeigen, er hab ihn nicht erſchlagen; Man hört zu allen Zeiten euch ſo heftig um ihn klagen.“ Sie ſprach: „Des zeiht ihn Niemand, ihn ſchlug Hagens Hand: Wo er verwundbar wäre macht ich ihm bekannt. Wie konnt ich michs verſehen, er trüg ihm ſolhen Haß! T\< hätte wohl vermieden,“ ſo ſprach die Königin, „das. „Hätt ich nicht vermeldet" ſeinen ſchönen Leib, So ließ? ich nun mein Weinen, ich unſelig Weib! Hold werd ich denen nimmer, die das an ihm gethan!“ Da begann zu flehen Geiſelher, dieſer waidliche Mann.

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* Sie ſprach: „Ic\< muß ihn grüßen, ihr liegt zu ſehr mir an. Von Euch iſts große Sünde? er hat mir angethan So viel Herzensſ\<hwere ganz ohne meine Schuld: Mein Mund ſchenktihm Verzeihung, meinHerzihm nimmer die Huld.“ + „Nun wird es beßer werden,“ ihre Freunde ſprachen ſo. „Vielleicht wirds ihm gelingen, daß ſie noch werde froh. Er mags ihr wohl erſeßen,“ ſprach Degen Gerenot. Da ſprach die Jammersreiche: „I\< thu nac\< euerm Gebot: „I\< will den König grüßen.“ Als er das vernahm, Mit ſeinen beſten Freunden der König zu ihr kam. Da wagte do\<h Herr Hagen ſich nicht zu ihr herant Er kannte ſeine Schuld wohl, er hatt ihr Leides gethan. Als ſie verſchmerzen wolite auf Gunther den Haß, Daß er ſie küſſen ſollte, wohl ziemte ſich ihm das, Wär ihr mit ſeinem Willen das Uebel nicht geſchehn z So durft er dreiſtes Muthes immer zu Kriemhilden gehn. Es ward mit ſolhen Thränen nie eine Sühne mehr Geſtiftet unter Freunden: ſie ſchmerzt ihr Schaden ſehr; Dod verzieh ſie allen bis auf den einen Mann: Erſchlagen hätt ihn Niemand, hätt es Hagen nicht gethau. Darauf nicht lange währt es, ſo ſtellten ſie es an, Daß Kriemhild die Fraue den großen Hort gewann Vom Nibelungenlande und bracht ihn an den Rhein: Es war ihre Morgengabe und muſt ihr billig eigen ſein. Nah dieſem fuhr da Geifelher und auch Gernot. Achtzig hundert Mannen Fran Kriemhild gebot Daß ſie ihn holen ſollten, wo er verborgen lag Und ſein der Degen Alberich mit ſeinen beſten Freunden pflag.

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Als man des Sc\<haßes willen vom Rhein ſie kommen ſah, Alberich der fühne ſprach zu den Freunden da? „Wir dürfen ihr wohl billig den Hort nicht entziehn, Da ſein als Morgengabe heiſcht die edle Königin. „Denno\< ſollt es nimmer“, ſprach Alberich, „geſchehn, Müſten wir nicht leider für uns verloren ſehn Mitſammt Siegfrieden den guten Nebelhut, Den immerdar getragen Kriemhild8s Gemahl; der Degen gut. „Nun iſt es Siegfrieden leider ſchlimm bekommen, " Daß uns die Tarnkappe der Degen hat genommen, Und daß ihm dienen muſte dieſes ganze Land.“ Hin gieng der Kamtnerhüter, wo er des Hortes Schlüßel fand. Da ſtanden vor dem Berge Die Kriemhild geſandt Und Mancher ihrer Freunde: man ließ den Schaß zur Hand Zu dem Meere bringen an die guten Schiffelein Und führt? ihn auf den Wellen bis zu Berg in den Rhein. Nun mögt ihr von dem Horte Wunder hören ſagen: Zwölf Doppelwagen konnten ihn kaum von dannen tragen In vier Tag und Nächten aus des Berges Sc\<a\<t, Und hätten ſie den Weg auc\< des Tages dreimal gemacht. Es war auch nichts anders als Geſtein und Gold. Und hätte man die Erde erkauft mit dieſem Sold , Um feine Marke vermindert hätt es ſeinen Werth. Wohl hatte ſein mit Unre\<ht der Degen Hagen nicht begehrt. Der Wunſch der lag darunter, ein goldnes Rütheleint Wer das erkundet hätte, der mochte Meiſter ſein Auf der weiten Erde wohl über jeden Mann. Von Albrichs Freunden ſchloßen Gernoten Viele ſich au.

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* Als ſich Gernot der Degen und der junge Geiſelher Des Hortes unterwanden, da wurden ſie auch Herr Des Landes und der-Burgen : und der Re>en wohlgeſtalt: Die muſten ihnen dienen zumal durch Furcht und Gewalt. Als ſie' den Hort gewannen „in König Gunthers Land, Und ſich darob die Königin der Herſchaft unterwand, . Die: Kammern und die Thürme, die wurden voll getragen: Man hörte nie von Schäßen ſo große Wunder wieder ſagen. Und. wären auch die Shäße noch größer tauſendmal, Und wär der Degen Siegfried erſtanden von dem Fall, Gern wär bei ihm Kriemhilde geblieben hemdebloß. Nie war zu einem Helden eines Weibes Treue ſo groß. A1s ſie den Hort nun hatte, da bracht er: in das Land Viel der fremden Reen: wohl gab der Frauen Hand, Daß man ſo große Milde nie zuvor geſehn. Sie übte hohe Tugend: das muſte man ihr zugeſtehn. Den Armen und den Reichen zu geben ſie begann. Hagen ſprach zum König: „Läßt man ſie ſo fortan. No\<h eine Weile leben, ſo wird ſie in ihr Lehn N So manchen Degen bringen, daß es uns übel muß ergehn.“ Da ſprach König Gunther: „Ihr gehört das Gut! Wie darf es mich befümmern, was ſie damit thut? Ich konnt es kaum erlangen, daß fie mir wurde hold; Nicht frag ich , wie ſie theilet ihr Geſtein und gabh68» Gold.“ Hagen ſprach zum König: „Es vertraut ein klager Maun Solche Schäße nimmer einer Frauen an; Sie bringts mit ihren Gaben wohl noch an den Tag, Wo es ſehr gerenen die kühnen Burgonden mag.“

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Da ſprac\< König Gunther: „I\< ſchwur ihr einen Eid, Daß ich ihr nimmer wieder fügen wollt ein Leid Und will es fünftig meiden: ſie iſt die Schweſter mein.“ Da ſprach wieder Hagen: „Laßt mich den Schuldigen ſein.“ Sie nahmen ihre Eide meiſtens ſchlecht in Hut: Da raubten ſie der Wittwe das mächtige Gut. Hagen aller Shlüßel dazu ſich unterwand; Ihr Bruder Gernot zürute, als ihm das wurde bekannt. Da ſprach der Degen Geifelher: „Viel Leides iſt geſchehn Durch Hagen meiner Schweſter: dem ſollt ich widerſtehn: Wär er nicht mein Vetter, es gieng ihm an den Leib.“ Wieder neues Weinen begann da Siegfriedens Weib. Da ſprach Gernot der Degen: „Eh wir ſolche Pein Mit dieſem Golde litten, wir ſolltens in den Rhein Allzumal verſenken: ſo hört? es Niemand an.“ Sie kam mit Klaggebärde da zu Geiſelher heran. Sie ſprach: „Lieber Bruder, du ſollſt gedenken mein, Des Lebens und des Gutes ſollſt du ein Vogt mir ſein.“ Da ſprach er zu der Fraue: „Wohl, es ſoll geſchehn, Wenn wir wiederkommen: eine Fahrt iſt zu beſtehn.“ Der König und ſeine Freunde räumten da das Land, Die allerbeſten drunter, die man irgend fand. Hagen nur alleine verblieb um ſeinen Haß, Den er Kriemhilden hegte: zu ihrem Schaden that er das. Eh der reiche König wieder war gefommen, Derweilen hatte Hagen den ganzen Schaß genommen: Er ließ ihn dort bei Lohheim verſenken in den Nhein. Er wähnt? , er ſollt ihn nußen; das aber konnte nicht ſein.

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Die Fürſten kamen wieder, mit ihnen mancher Mann. Kriemhild den großen Schaden zu klagen da begann Mit Mägdlein und Frauen? ſie hatten Herzeleid. Gern war ihnen Geiſelher zu aller Treue bereit. Da ſprachen ſie einhellig: „Er hat nicht wohlgethan.“ Bis er zu Freunden wieder die Fürſten ſich gewann Entwich er ihrem Zorne; ſie ließen ihn geneſen; Da könnt ihm Kriemhilden wohl nicht feinder ſein geweſen. Bevor von Tronje Hagen den Schaß alſo verbarg, Da hatten ſie's beſ\<woren mit Eiden hoh und ſtark, Daß er verhohlen bliebe , ſo lang ſie möchten leben: So konnten ſie ihn nict nußen noh ihn Jemand anders geben. Mit nenem Leide wieder belaſtet war ihr Muth, Erſt um des Mannes Leben und nun da ſie das Gut Ihr ſo gar benahmen? da ruht? auch ihre Klage So lange ſie lebte nimmer bis zu ihrem jüngſten Tage. Nach Siegfriedens Tode, das iſt alles wahr, Lebte ſie im Leide wohl dreizehen Jahr, Daß ihr der Tod des RNe>en ſtäts im Sinne lagt Sie war ihm je getreue; das rühmen ihr die Meiſten nach. * Eine reiche Fürſtenabtei ſtiftete Ute Nach Dankratens Tode von ihrem Gute, Mit großen Einfünften, die es noc\< heute zieht, Dort zu Lorſch das Kloſter, das man in hohen Ehren ſieht. * Dazu gab auch Kriemhilde hernach ein großes Theil, Um Siegfriedens Seele und aller Seelen Heil, Gold und Edelſteine mit williger Hand; Getreuer Weib auf Erden ward uns ſelten noh bekannt.

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* Seit Kriemhild König Gunthern hold ward wie zuvor, Und doh den großen Hort dann durch ſeine Schuld verlor, Ihres Herzeleides wurde da noh mehr: Da zöge gern von dannen die Fraue edel und hehr. * Nun war Frau Uten ein Sedelhof bereit Zu Lorſch bei ihrem Kloſter, reich, groß und weit: Dahin ſie von den Kindern zog und ſich verbarg, Wo noh die hehre Königin begraben liegt in einem Sarg. * Da ſprach die Königswittwe: „Liebe Tochter mein, Hier magſt du nicht verbleiben: bei :mir denn ſollſt du ſein - Zu Lorſch in meinem Hauſe und läßt dein Weinen dann.“ Kriemhilde gab zur Antwort: „Wo ließ i\< aber meinen Mann?“ * „Den laß nur dort verbleiben ,/“ ſprach Frau Ute. „Nicht woll es Gott vom Himmel,“ ſprach die Gute. „Meine “liebe Mutter, davor. will ich 'mich wahren, Nein, er muß von hinnen in Wahrheit auch mit mir fahren.“ - * Da ſchuf die Jammersrei\<he, daß man ihn erhub Und ſein Gebein, das edle, wiederum begrub Zu Lorſch bei dem Münſter, .mit Ehren mannigfalt: Da liegt im langen Sarge noch der Degen wohlgeſtalt. * Zu denſelben Zeiten, da Kriemhild geſollt Zu ihrer Mutter ziehen, wohin ſie auch gewollt, Da muſte ſie. verbleiben weil es nicht ſollte fein: Das ſchufen neue Mären; die da kamen über Nhein.

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Zwanzigſtes Abenteuer. Wie König Etzel um Kriemhilden: ſandte. Das war in jenen Zeiten, ; als Frau Helke ſtarb Und der König Eßel um andre Frauen warb, Da riethen ſeine Freunde in Burgondenland . Zu einer ſtolzen Wittwe, die war Frau Kriemhild genannt. Seit dahingeſtorben der ſchönen Helke Leib “ Sie ſprachen? „So gewinnen ihr wollt ein edel Weib, Die Höchſte und die Beſte, die ein König je gewann , So nehmet Kriemhilden; der ſtarke Siegfried war ihr Maun.“ Da ſprach der reiche König: „Wie gienge das wohl an, . Bin ich doch ein Heide, der die Taufe nicht gewann z Und ſie iſt eine Chriſtin: ſie nimmt mich nimmermehr. Ein Wunder müſt es heißen, käm ſie jemals hieher.“ Da ſprachen die Sc\<nellen: „Vielleicht , daß ſie es thut m Um euern hohen Namen und euer großes Gut. Man ſoll es doc\< verſuchen bei dem edeln Weib: Euch ziemte wohl zu minnen ihren waidlichen Leib.“ Da ſprach der edle König: „Wem iſt nun wohl bekannt Unter euc\< am Rheine das Volk und auch das Land 2“ Da ſprach von Bec\<hlaren der gute Rüdiger „Mir ſind die edeln Könige „kund von Kindesjahren her,

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„Gunther und Gernot, die edeln Ritter gutz Der Dritte heißet Geiſelher! ein Jeglicher thut Was er nach beſter Sitte und Tugend mag begehn ; Auch iſt von ihren Ahnen noch ſtäts daſſelbe geſchehn.“ Da ſprach wieder Ekel: „Freund, du ſollſt mir ſagen, Ob ſie in meinem Lande wohl ſoll die Krone tragen Und ob ihr Leib ſo ſchöne, als man mir gefagt. Von meinen beſten Freunden wird es nimmer beklagt.“ „Sie vergleicht ſich an der Schöne wohl der Frauen mein, Helke, der reihen? nicht ſchöner könnte ſein Auf der weiten Erde eine Königin: Wer ſie zum Weib gewonnen, der mag wohl tröſten ſeinen Sinn. „Und wiße, edler König, ſtehſt du darob nicht an, Sie war dem beſten Manne, Siegfrieden unterthan, Dem Sohne Siegmundens; du haſt ihn hier geſehn: Man mocht ihm große Ehre wohl in Wahrheit zugeſtehn.“ Da ſprach König Ebel: „War ſie des Re>en Weib, So war wohl alſo thener des edeln Fürſten Leib, Daß ich nicht verſhmähen darf die Königin: Ob ihrer großen Schönheit gefällt ſie wohl meinem Sinn.“ Er ſprach: „So wirb ſie, Rüdiger, ſo lieb als ich dir ſei. Und lieg iH Kriemhilden je als Gatte bei, Das will ich dir vergelten, ſo gut ich immer kann; Auch haſt du meinen Willen mit aller Treue gethan. „Von meinem Kammergute laß ich ſo viel dir geben, Daß du mit den Gefährten in Freuden mögeſt leben; Von Noſſen und Gewanden, was ihr nur begehrt, Das wird auf mein Geheiß euch zu dieſer Botſchaft gewährt.“

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Zur Antwort gab der Markgraf, der reiche Rüdiger : „Unlöblich wär es, hätt ih deines Guts Begehr. I\< will dein Bote gerne werden an den Nhein Mit meinem eignen Gute; ich hab es aus den Händen dein.“ Da ſprach der reiche König: „Wann denkt ihr hinzufahren Zu der Minniglihen? So ſoll euch Gott bewahren Dabei an allen Ehren und auch die Fraue meint | Und mag das Glü> mir helfen, daß ſie uns gnädig möge ſein.“ Da ſprach wieder Nüdiger: „Eh wir räumen dieſes Land Müßen wir uns rüſten mit Waffen und Gewand, Daß wir vor den Königen mit Ehren dürfen ſtehn: Ich will zum Rheine führen fünfhundert“ Degen auserſehn. „Wenn man in Burgonden mich und die Meinen ſeh, Daß dann einſtimmig das Volk im Land geſteh, Es habe nie ein König ſv manchen kühnen Mann So fern daher geſendet, als du zum Nheine gethan.“ Da ſprach der Markgraf wieder? „Wohlan , ich will euch ſagen, Wir heben uns von hinnen in vier und zwanzig Tagen. Ic\<h entbiet es Gotlinden der lieben Fraue mein, Daß ich zu Kriemhilden ſelber wolle Bote ſein.“ Rüdiger fandte Boten nac\< Bechlaren hin. Darüber wurde traurig und froh die Markgräfin z Er entbot ihr, für den König werb er um ein Weib: r Da gedachte ſie mit Liebe an der ſchönen Helke Leib. Als die Botenkunde die Markgräfin gewann, Leid war es ihr zum Theile, zu ſorgen ſie begann, . Ob ſie wohl eine Herrin gewänne ſo wie eh? Gedachte ſie an Helke, das that ihr inniglich weh.

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Nach ſieben Tagen Nüdiger ritt aus Ungernland, Worüber wohlgemuthet man König Eßkeln fand. Man fertigte die Kleider in der Stadt zu Wien; Da wollt er mit der Reiſe auch nicht. mehr länger verziehn. Zu Bechlaren harrte ſein Frau Gotelind. Die junge Markgräfin, Herrn Rüdigers Kind, Sah ihren Vater gerne und Die in feinem Bann; . Da ward ein liebes Harren von ſchönen Frauen gethan. Eh der edle Rüdiger aus- der Stadt zu Wien Ritt nach Bechlaren, da waren hier für ihn . "5 Die Kleider wohlbereitet auf Säumern angekommen; ad Die fuhren ſolcherweiſe, daß- ihnen wenig ward genommen. Als ſie zu Bechlaren. kamen in die Stadt, Für feine Heergeſellen um Herbergen bat Der Wirth mit holden Worten: wohl pflegte man ſie da. Die reiche Gotlinde - den Wirth gar gerne kommen ſah. Auch ſeine liebe Tochter, die Märkgräfin jung, Ob ihres Vaters Kommen war ſie froh genung. Aus Heunenland die Helden, wie gerne ſie die fah! Mit lachendem Muthe ſprach die edle Jungfrau da: " „Nun- ſeid mit Gott willkommen, mein Vater und ſein Bann.“ Da ward ein ſhönes Danken von manchem werthen Mann . Mit allem Fleiß geboten der jungen Markgräfin. Wohl kannte Gotelinde des Degen Rüdiger Sinn. Als des Nachts Gotlinde“ bei Nüdigern lag, Da frug mit holden Worten die Markgräfin nah, Wohin ihn denn geſendet der Fürſt vön Heunenland? Er ſprac\<: „Meine Frau Gotlinde, ich mach es gern euch.bekannt:

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„Meinem Herren werben ſol! ich ein ander Weib, Da ihm iſt erſtorben der ſchönen Helke Leib; Da will ich zu Kriemhilden reiten an den Rhein: Die ſoll hier bei den Heunen vielgewaltge Herrin ſein.“ „Das. wollte Gott!“ ſprac\< Gotlind, „möchte das geſchehn, Da wir ſo hohe Ehren ihr hören zugeſtehn. Sie erſeßt uns meine Fraue vielleicht in alten Tagen: Wir mögen bei den Heunen ſie gerne ſehen Krone tragen.“ Da ſprach der Markgraf Rüdiger: „Liebe Fraue mein, Die mit mir fahren ſollen .von hinnen an den Rhein, Denen ſollt ihr minniglich bieten euer Gut: Wenn Helden reichlich leben, * ſo tragen ſie hohen Muth.“ Sie ſprach: „Da iſt nicht Einer, wenn er es gerne nähm, Dem ich nicht willig böte was Jeglichem genehm, Eh ihr von hinnen ſcheidet und Die in euerm Bann.“ „So wird mir ,“ ſprach der Markgraf, „ein Gefallen gethan.“ Hei! was man reicher Zeuche von ihrer Kammer trug! Da ward den edeln RNe>en Gewänd zu Theil genug, Genäht mit allem Fleiße vom Hals bis auf die Sporen. Die ihm davon gefielen hatte Rüdger ſich erkoren. An dem“ ſiebenten Morgen von Bechlaren ritt Der Wirth mit ſeinen Re>en. Sie führten Waffen mit Und Kleider auch die Fülle durch der Baiern Land. Sie wurden auf der Straße von Räudern ſelten angerannt. Binnen :zwölf Tagen kamen ſie an den Nhein. Da konnte dieſe Märe nicht lang verborgen ſein; Dem König und den Seinen ward es kundgethan, Es kämen fremde Gäſte. Der Wirth zu fragen begann,

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Ob ſie Jemand kenne? das ſolle man ihm ſagen. Man ſah die Saumroſſe ſchwere Laſten tragen: Wie reich die Helden waren, das ward da wohl erkannt. Man ſchuf ihnen Herbergen in der weiten Stadt zur Hand. Als die Unbekannten waren angekommen, Da ward der fremden Gäſte mit Neugier wahrgenommen ; Sie wunderte, von wannen ſie kämen an den Nhein. Der Wirth fragte Hagen, wer die Herren möchten ſein ? „No\< hab ich ſie nicht geſehen: “ ſprach von Tronje Hagen, „Wenn wir ſie erſchauen will ich euch wohl ſagen Von wannen ſie geritten kommen in dieß Land ; Wären ſie noch ſo fremde, ich habe ſie gleich erkannt.“ Man hatte Herbergen den Gäſten nun genommen. Der Bote war in reihen Kleidern angekommen Mit ſeinen Heergefellen, als ſie zu Hofe ritten. Sie trugen reiche Kleider, die waren zierlich geſchnitten. Da ſprach der ſchnelle Hagen: „So viel ich mag verſtehn, Da ich in langen Tagen den Herrn nicht mehr geſehn, So ſind ſie ſo gekleidet, als wär es Nüdiger Aus dem Heunenlande, dieſer Degen kühn und hehr.“ „Wie ſollt ich das wohl glauben?“ ſprach der König zur Hand, „Daß der von Bechelaren käm in dieſes Land?“ Kaum hatte König Gunther das Wort geſprochen gar, Da nahm der kühne Hagen den guten Rüdiger wahr. Er und feine Freunde liefen alle hin; Da ſprangen von den Roſſen fünfhundert Degen kühn. Wohl empfangen wurden Die von Heunenland; Niemals trugen Boten wohl ſo herrliches Gewand.

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Da rief von Tronje Hagen mit lauter Stimme Schall : „Nun ſeien uns willkommen dieſe Degen all, Der Vogt von Bechlaren mit. ſeinem ganzen Bann.“ Der Empfang ward mit Ehren den ſchnellen Heunen gethan. Des Königs nächſte Freunde . drängten ſich heran. Da hub von Meken Ortewein zu Markgraf Rüdger an: „Wir haben lange Tage nicht bei uns geſehn So willkommne Gäſte, das muß ich wahrlich geſtehn!“ Sie dankten für den Willkomm den Re>en allzumal. Mit ihrem Heergeſinde giengen ſie in den Saal, Wo ſie den König fanden bei manchem kühnen Mann. Der erhob ſich von dem Siße, das ward gis Höflichkeit gethan. Wie freundlich den Boten er entgegengieng! Den Gaſt mit ſeinen Leuten minniglieh empfieng Gunther mit Gernoten 3; er durft es ohne Scham. Rüdiger den guten der König bei den Händen nahm. Er führt? ihn zu dem Siße, worauf er ſelber ſaß. Den Gäſten ließ er ſchenken (gerne that man das) Von dem guten Methe und von dem beſten Wein , Den man nur mochte finden in den Landen um den Rhein. Geiſelher und Gere waren auch gekommen; Daufkwart und Volker, die hatten bald vernommen Von den fremden Gäſten. Sie waren wohlgemuth: Sie empfiengen vor dem Könige die Ritter edel und gut. Da ſprach von Tronje Hagen zu Gunthern ſeinem Herrn : „Ihm ſollten es vergelten dieſe Ne>en gern, Was uns der Markgraf alles zu Liebe hat gethan: Des ſollte Lohn empfangen der ſchönen Gotelinde Mann.“

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Da ſprach König Gunther: „I\< laße nicht das Fragen: Wie beide ſich gehaben , das ſollt ihr mir ſagen, Ezzel und Frau Helfe in der Heunen Land 2“ Der Markgraf verſeßte: „I\< mach es gern euch bekannt.“ Da erhob er ſich vom Siße mit ſeinem ganzen Bann Und ſprach zu dem Könige: „Wenn ichs erlangen kann, Daß ihr es, Fürſt, erlaubet, ſo hehle nichts mein Mund: Die Märe , die ich bringe, die mach ich willig euch kund.“ Er ſprach: „Was man uns immer durch euch entboten hat Erlaub ich en\< zu ſagen ohne der Freunde Rath, Die Märe laßet hören mich und die Degen mein: Euch foll nach allen Ehren zu werben hier verſtattet ſein.“ Da ſprach der biedre Bote: „Euch entbietet an den Nhein Seine treuen Dienſte derogroße König mein, Dazu den Freunden allen, die euch zugethau z Auch wird euch dieſe Botſchaft mit aller Treue gethan. „Euch läßt der edle König klagen ſeine Noth: Sein Volk iſt arm an Freude, meine Fraue die iſt todt, Helke die reihe, meines Herrn Gemahl: An der iſt nun verwaifet ſchöner Jungfraun große Zahl, „Edler Fürſten Kinder, die ſie erzogen hat: Daher hat nun im Lande ſo große Trauer Statt. Es iſt nun leider Niemand , der ſie ſo treulich pflegt. Drum wähn ich auch, daß ſelten des Königs Sorge ſich legt.“ „Nun lohn ihm Gott,“ fpra\< Gunther, „daß er die Dienſte ſein So williglich entbietet mir und den Freunden mein. Ich hörte gern die Grüße, die ihr mir kund gethan z; Ihm ſollen gerne dienen meine Freunde wie mein Bann.“

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Da ſprach von Burgonden der Re>e Gernot: „Die Welt mag immer klagen um der ſchönen Helke Tod, Der hohen Tugend willen, die ſie gewohnt zu pflegen.“ Das beſtätigte Hagen und noh mancher andre Degen. Da ſprach wieder Nüdiger, der edle Bote hehr: - „Erlaubt ihr mir, Herr König, ſo ſag ih euch no\< mehr, Was mein lieber Herre euch hieher entbot: Er lebt in großem Kammer ſeit der Köngin Helke Tod. „Man ſagte meinem Herren, daß Kriemhild Wittwe ſei, Herr Siegfried iſt geſtorben: war der Bericht getreu Und wollt ihr es vergönnen, ſo ſoll ſie Krone tragen Ueber Ekels Ne>en: das gebot mein Herr ihr zu ſagen.“ Da ſprach der reiche König mit wohlgezognem Muth: „Es iſt nach meinem Willen, wenn ſie es gerne thut. Das will ich euch verkünden in dieſen dreien Tagen: Wenn Sie es nicht verweigert, wie ſollt ichs Ekeln verſagen ?“ Herberge ward den Gäſten beſchieden gleich zur Hand. Sie wurden ſo bedienet, daß Rüdiger geſtand Er habe gute Freunde in König Gunthers- Bann. Ihm diente Hagen gerne, er hatt ihm Gleiches einſt gethan. So verweilte Rüdiger bis an den dritten Tag. Der Fürſt berief die Näthe , wie er weislich pflag, Und frug, ob es die Freunde däuchte wohlgethan , Daß Kriemhilde nähme den edeln König zum Mann. Da riethen ſie es Alle; nur Hagen ſtands nicht an. Er ſprach zu König Gunthern, dem hochbeherzten Mann: „Seid ihr bei guten Sinnen, ſo ſeid wohl auf der Hut, Wenn ſie auch folgen wollte, daß ihr doch nimmer es thut.“

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„Warum „“ ſpräch da Gunther, „ließ? ichs nicht ergehn? . Was künftig noch der Königin Liebes mag geſchehn, Will ich ihr gerne gönnen? ſie iſt. die Schweſter mein. Wir mäſten ſelbſt drum werben, ſollt es ihr zur Ehre ſein:“ . „Laßt ſolche Rede bleiben,“ fiel“ Hagen wieder ein: „Wenn euch wie mir Herr Ekel kündig ſollte ſein Und ließt ihr ſie ihn minnen/ wie ich euch höre ſagen, Das müſtet Ihr vor Allen mit vollem Rechte beklagen.“ „Warum 2“ ſprac\<ß da Gunther, „leicht vermeid ich das : Ich. fomm ihm nie ſo nahe, daß ich durch ſeinen Haß Leid zu befahren hätte, würd er auch ihr Mann. “ Da ſprach wieder Hagen? „Es iſt nimmer -wohlgethan.“ Da lud man Gernoten und Geiſelhern heran,. Ob es die Herren beiden. däuchte wohlgethan , Wenn Kriemhilde nähme den reichen König hehr? "a : Noch ividerrieth es Hagen. und auch anders Niemand mehr. Da ſprach von BurFdn Geiſelher der Degen: „Nun- mögt. ihr, Freund Hagen," nv\<h der Trene pflegen: Entſchädigt ſie. des Leides, ihr habt ihr viel gethan. Was ihr noch mag gelingen, ihr ſollt ſie nicht verhindern dran. „Wohl habt ihr meiner. Schweſter gefügt ſo manches Leid,“ Sprach da wieder Geiſelher , der Degen allbereit, „Ihr hättet es verdienet, wäre ſie euc\< gram: Wohl Niemand einer Fraue ſo viel der Freuden benahm.“ „ Daß ich das wohl erfenne, das ſei euch frei bekannt. Und ſoll ſie Eßel nehmen und kommt ſie in ſein Land," Wie ſie es immer füge, viel Leid thut ſie uns au. Wohl kommt in ihre FE da mancher waidliche Mann.“

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Dawider ſprach zu Hagen der fühne- Gerenot „Es mag dabei verbleiben bis' an Beider Tod, Daß wir niemals kommen in König Eßels Land. Laßt uns ihr treulich dienen, wie uns die Ehre des ermahnt.“ Da ſprach wieder Hagen: „Das mag mir Niemand fagen. Und ſoll die edle Kriemhild Helkens Krone tragen, Viel Leid wird ſie uns ſchaffen, wie ſie's nur fügen kann : Ihr ſollt es bleiben laßen, das ſtänd euch Necken beßer an.“ Im Zorne ſprach da Geiſelher, der ſchönen Ute Kind: „Wir ſollen doch nicht Alle meineidig ſein geſinut! Was Liebes ihr geſchehe, wir wollen froh drum ſeinz Was ihr auch redet, Hagen, ich dien ihr nach der. Treue mein.“ Als das Hagen hörte, da trübte ſich ſein Muth. Geiſelher und. Gernot, die ſtolzen Ritter gut, Und Gunther der reiche, . zuleßt beſchloßen das: Wenn es Kriemhild wünſche, ſie wolltens dulden ohne Haß. Da ſprach Markgraf Gere: „J\< wills der Fraue ſagen, Daß ſie den König Ekel ' ſich laße wohlbehagen. Dem ſind fo viel der Reen mit Ehrfurcht unterthan, . Er mag ihr wohl vergüten was ſie je Leides gewann.“ Da gieng der ſchnelle Degen, - wo 'er Kriemhilden ſah. Sie empfieng ihn gütlich; wie balde ſprach er da: „Ihr mögt mich gern begrüßen und 'geben Botenbrot ; Es will das Glü> euch ſcheiden nun von aller eurer Noth. „Es hat um eure Minne, Fraue, hergeſandt Der Allerbeſten Einer, der je- ein Königsland Gewann mit vollen Ehren und Krone durfte tragen: * Es werben edle Ritter, das läßt euch ener Bruder ſagen." Lächm. 1151=1157.

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Da ſprach die Jammersreiche: „Verbieten ſoll euch Gott Und allen meinen Freunden, daß ſie feinen Spott Mit mir Armen treiben: was ſollt ich einem Mann, Der je Herzensliebe von gutem Weibe gewann 2“ Sie widerſprach es heftig. Da traten zn ihr her Gernot ihr Bruder und der junge Geiſelher. Sie baten ſie in Liebe und tröſreten ihr den Muth: „Wenn ſie den König nehme, es gerath ihr wahrlich gut.“ Da war nicht zu bereden das tugendreiche Weib, Daß ſie minnen ſollte eines Mannes Leib. Da baten ſie die Degen: „So laßt es nur geſchehn, Wenn ihr nicht anders wollet, daß euch die Boten mögen ſehn.“ „Das will ich nicht verſagen,“ ſo ſprac\< die Fraue hehr, „I\< empfange gerne den guten Rüdiger Seiner Tngend willen: wär Er nicht hergeſandt, Jedem andern Boten, dem blieb* ich immer unbekannt.“ Da ſprach ſie: „Auf Morgen beſcheidet ihn hieher Zu meiner Kemenate, den guten Nüdiger: So mag ich meinen Willen dem Degen ſelber ſagen.“ Ihr begann von Neuem das große Weinen und Klagen. Auch wünſchte ſic) nichts anders der edle Rüdiger, Als daß er ſchauen 'möc\<hte die Königskochter hehr. Er wuſte ſich ſo weiſe: könnt es irgend ſein, So muſt er ſie bereden, dieſen Reen zu frein. Früh des andern Morgens, als man die Meſſe ſang, Die edeln Boten kamen; da hob ſich großer Drang. Die mit Rüdigeren zu Hofe ſollten gehn, Deren war im Staate manch ſtolzer Re>e zu ſehn.

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Kriemhild die ſchöne Frane reingemuth, Da harrte ſie auf Nüdiger, den edeln Boteu gut. Er fand ſie in dem Kleide, das ſie für täglich trug: Dabei trng ihr Geſinde reicher Kleider genug. .qM» Sie gieng ihm entgegen zu der Thüre hin Und empfieng Etßels Re>en mit gütlihem Siun. Nur ſelbzwölfter trat er zu der Frauen ein; Man bot ihm große Ehre: nicht mochten beßre Boten ſein. Maun hieß den Herren ſiken nud Die in ſeinem -Lehn. Die beiden Markgrafen, die ſah mau vor ihr ſtehn, E>ewart und Gere, die edeln Nitter gut. Der Hausfrau wegen fand man da Niemanden wohlgemuth. Sie ſahen vor ihr ſiken gar manche edle Maid, Die ſchöne Fraue hatte Jammer nur und Leid. Ihr Kleid war vor den Brüſten von heißen Thränen naß; Wohl au Frau Kriemhilden ſah der edle Markgraf das. Da ſprach der hehre Bote: „Viel edles Königskind, Mir und den Geſellen, die mit mir kommen ſind Geruhet zu erlanben, daß wir vor eu\< ſtehn Und euch melden, weshalb unſre Neiſe ſei geſchehn.“ „Das ſei euch erlaubet;“ ſprach die Königin: „Was ihr auch ſagen möget, alſo ſteht mein Sinn, Daß ich es gerne höre: ihr ſeid ein Bote gut.“ Da hörten wohl die Andern ihren ungünſtgen Muth. Da ſprach von Bechlaren der Markgraf Rüdiger : „Euch hat entboten, Fraue, Ekel der König hehr Treu und große Liebe hierher in dieſes Land: Er hat um eure Minne viel gute Neken hergeſandt.

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„Er entbeut euc\< freundlich Liebe ſonder Leid: Er ſei zu ſtäter Freundſchaft euch immerdar bereit, Wie Frau Helken weiland, die ihm im Herzen lag ; Er hat nac\< ihren Tugenden noch oft unfröhlichen Tag.“ Da ſprach die Königstochter: „Markgraf Rüdiger, Wenn meines Herzeleides Jemand kundig wär, Der würde mir nicht rathen zu einem zweiten Mann: I\< verlor an Einem mehr als je ein Weib gewann.“ „Was tröſtet mehr im Leide,“ ſprach der kühne Maun, „Als freundliche Liebe? Wer die gewähren kann Und hat ſich Den erkoren, der ihm zu Herzen kommt, Der fühlt wohl, daß im Leide nichts ſo ſehr als Liebe frommt. „Und geruhet ihr zu minnen den edeln Herren mein, Zwölf reicher Kronen ſollt ihr gewaltig fein. Dazu von dreißig Königen giebt euch mein Herr das Land, Die Alle hat bezwungen ſeine vielgewaltge Hand. „Ihr ſollt auch Herrin werden ob manchem werthen Mann, Die Helken meiner Frauen waren unterthau, - Und über viel der Frauen, einſt ihrem Dienſt geſellt, Von hoher Fürſten Stamme,“ ſprach der hochbeherzte Held. „Dazu giebt euch mein König, ſo gebot er euch zu ſagen, Wenn ihr geruht die Krone bei dem Herrn zu tragen, Macht, die allerhöchſte, die Helfe je gewann: So gewaltig ſvllt ihr herſchen über Eßels ganzen Bann.“ „Wie möchte wohl wieder,“ fo ſprach die Königin, „Eines Helden Weib zu werden gelüſten meinen Sinn? Der Tod hat an dem Einen mir ſolches Leid gethan, Daß ichs bis an mein Ende nimmermehr verſchmerzen faun.“

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Die Heunen ſprachen wieder : „Viel reiche Königin, Das Leben geht bei Eßeln euch ſo froh dahin, . Es wird euch immer freuen, wenn ihr es habt gethan: Manchen zieren Degen der reiche König gewann. „Helfens Jungfranen und eure Mägdelein, Sollten Die zuſammen je Ein Geſinde ſein , Dabei ſo möchten :Re>en wohl werden wohlgemuth : Laßt es eu\<h rathen; Fraue, es bekommt euch wahrlich gut.“ Sie ſprach mit edler Sitte: „Nun laßt die Rede ſein Bis morgen in der Frühe: danu tretet zu mir ein: So will ich auf die Märe en\< geben den Beſcheid“. Da muſten Folge leiſten die kühnen Degen allbereit. Als zu den Herbergen ſie kamen allzumal, Zu Geiſelhern zu fenden die edle Frau befahl Und nach ihrer Mutter: den Beiden ſagte ſie, Ihr gezieme nur zu weinen und alles Andere nie. . Da ſprach ihr Bruder Geiſelher: „Mir ahnet, Schweſter mein, Und gerne mag ichs glauben, dein Leid und deine Pein Wird König Ekel wenden: und nimmſt du ihn zum Mann, Was Jemand anders rathe, ſo dünkt es mich wohl gethan.“ „Wohl mag er dirs erfeßen,“ ſprach wieder Geiſelher , „Vom Rhodan bis zum Nheine, von der Elbe bis zum Meer Herſcht fein andrer König ſo mächtig und geehrt: Du magſt dich wahrlich freuen, ſo er dich zu frein begehrt.“ Sie ſprach: „Lieber Bruder , wie „räthſt du mir dazu ? Zu weinen und zu klagen, das käm mir eher zu. Wie gieng? ich vor den Ne>en wohl zu Hof heran? Veſaß ich jemals Schönheit, des bin ich ohne gethan.

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Da redete Frau Ute ihrer lieben Tochter zu: „Was deine Brüder rathen, liebes Kind, das thu: Folge deinen Freunden, ſo wird dirs wohlergehn. I\< habe dich zu lange in großem Jammer geſehn.“ Oft bat ſie Gott den reihen, daß wieder ihre Hand Zu ſchenfen haben möge Gold, Silber und Gewand, Wie einſt da er noch lebte, ihr Mann der Degen hehr. Sie erlebte doch nicht wieder ſo frohe Stunden nachher. Sie gedacht in ihrem Sinne: „Und ſollt ich meinen Leib Einem Heiden geben ? Ic\< bin ein Chriſtenweib: Des hätt ich Spott und Schanden auf Erden immerdar. Gäb er mir alle Reiche, ich thät es nimmer fürwahr.“ Da ließ ſie es bewenden. . Die Nacht bis an den Tag Die Frau in ihrem Bette voll Gedanken lag; Ihre lichten Angen trosneten ihr nicht, Bis ſie zu der Mette wieder gieng beim Morgenlicht. Zur Meiſſezeit anch waren die Könige gefommen. Sie hatten ihre Schweſter an die Hand genommen Und riethen ihr zu minnen Den von Heunenland. Niemand doch die Fraue ein wenig fröhlicher fand. Da ließ man zu ihr fommen Die Ekel hergeſandt. Die wollten nun mit Urlaub räumen Gunthers Land, Wie es gerathen möge, mit Ja oder Nein! Da kam zu Hofe Nüdiger: die Gefährten ſchärften ihm ein, Daß er recht erforſche des edeln Königs Muth, Und das bei Zeiten thäte ; das däuchte Jeden gutz Ihre Wege wären ferne wieder in ihr Land. Man brachte Rüdigeren hin wo er Kriemhilden fand. «Lachm, 1156 = 1192,

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Da bat alsbald der Re>e die edle Königin Mit minniglichen Worten, zu künden ihren Sinu Was ſie entbieten wolle in König Ekels Land. Der Held mit ſeinem Werben bei ihr nur Weigerung fand. „Sie wolle nimmer wieder minnen einen Mann.“ Dawider ſprach der Markgraf: „Das wär nicht recht gethan: Was wollt ihr ſo verderben euern minniglichen Leib? Ihr werdet noch mit Ehren eines werthen Mannes Weib.“ Nichts half es, was ſie baten, bis daß Rüdiger Heimlich geſprohen mit der Königin hehr, Er hoff ihr zu vergüten all ihr Ungemach. Da ließ zuleßt ein wenig ihre hohe Trauer nach. Da ſprach er zu der Königin: .,, Laßt euer Weinen ſein; Hättet ihr bei den Hennen Niemand als mich allein, Meine lieben Freunde und Die mir unterthan, Er ſollt es ſchwer entgelten, hätt euch Jemand Leid gethan.“ Darüber ſchien getröſtet die Frau in ihrem Muth. Sie ſprach: „Wohlan, ſo ſc\<hwöret, was mir Jemand thut, Ihr wollt der Erſte werden, der rächen will mein Leid.“ Da erwiedert? ihr der Markgraf: „Dazn bin ich gern bereit.“ Mit allen ſeinen Degen ſchwur ihr Rüdiger, Ihr immer tren zu dienen und daß die Reen hehr Ihr nichts verſagen ſollten in König Etzels Land, Was ihre Ehre heiſche: das gelobt? ihr Nüdigers Hand. Da gedachte die Getreue: „Wenn ich gewinnen kann So viel der ſtäten Freunde, ſv ſeh ichs wenig au Was die Leute reden, ich jammerhaftes Weib! Vielleicht wird noch gerohen meines lieben Mannes Leib.“

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\<zs 204 e> Sie gedachte : „Da Herr Etzel der Nec>en hat ſo viel, Denen ich gebiete," ſo thu ich was ich will. Er hat auch ſolHen Reichthum, daß ich verſchenken kann ; Mich hat der leidge Hagen meines Gutes ohne gethan.“ Sie ſprach zu Rüdigeren: .,, Hätt ic\< nicht vernommen, Daß er ein Heide wäre, ſo würd ich gerne kommen, Wohin ſein Wille wäre, ſo nähm ich ihn zum Mann.“ Da ſprach der Markgraf wieder: „Steht darum, Fraue, nicht an. * „Er ift nicht ganz ein Heide, ' des" dürft ihr“ ſicher ſein: Er war gar wohl befehret, der liebe Herre mein, Nur daß er zu den Heiden wieder übertrat: | Wollt ihr ihn minnen, Fraue, ſo wird dawider wohl Nath. „Ihm dienen ſo viel“Re>en in der Chriſtenheit, Daß euch bei dem Könige nie widerfährt ein Leid; Vielleicht mögt ihrs erlangen, daß er die Taufe wählt: ; Drum wärt ihr wohl mit Ehren König Ekßeln anvermählt.“ Da ſprach ihr Bruder wieder: „Verſprecht es, Schweſter mein Und allen euern Kummer laßt in Zukunft ſein.“ Da baten ſie ſo lange , bis ſie mit trübem Muth Gelobte vor den Helden, Ekeln zu frein den König gut. Sie ſprach: „I\< will euch folgen, ich arme Königin! I\< fahre zu den Hennen, wann es geſchehe, hin, So ich Freunde finde, die mich führen in das Land.“ Darauf bot vor den Helden -die ſchöne Kriemhild die Hand. Der Markgraf ſprach? „Zwei-Re>en, die ſtehn in euerm Lehn; Dazu hab ich noh Manchen: ſo kann es wohl geſchehn, Daß wir eu\< mit Ehren bringen überrhein : Ihr ſollt nicht länger, Fraue,“ hier bei den Burgonden ſein.

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„Fünfhundert Mannen hab ich und der Freunde mein, Die ſollen euch zu Dienſten hier und bei Ekeln ſein, Was ihr auch gebietet; ich ſelber ſteh 'euch bei - Und will mics nimmer ſchämen, mahntihr mich künftig meiner Treu. „Euer Pferdgeräthe haltet euch bereit; Was Rüdiger gerathen wird euch nimmer leid; Und ſagt es euern Mägdlein, die ihr euch geſellt: Uns begegnet unterweges mancher auserwählte Held.“ Sie hatte no\< Geſchmeide, um das zu Siegfrieds Zeit Sie um die Wette ritten, daß ſie mit mancher Maid Mit Ehren reiſen mochte, ſo ſie wollt-hindann. Hei! was man guter Sättel den -ſ\<önen Franen gewann! Wenn ſie je zum Feſte trügen reich Gewand, So war des zur Reiſe die Fülle nun zur Hand, Weil ihnen von dem Könige ſo viel gerühmet ward; Sie nahmen aus den Kiſten was ſie da lange geſpart. Sie waren ſehr geſchäftig wohl fünftehalben Tag; Sie ſuchten aus der Lade ſoviel darinnen lag. Jhre Kammer zu erſchließen hub da Kriemhild an; Sie. gedachte reich zu machen all die in Rüdigers Vaun. Sie hatten noch des Goldes vom Nibelungenland: Das ſollte bei den Heunen vertheilen ihre Hand. , Es mochten hundert Mänler es nicht von dannen tragen. Die Märe 'hörte Hagen da von Kriemhilden ſagen. Er ſprach: „Mir wird Kriemhilde doch nimmer wieder hold: So muß auch hier verbleiben Siegfriedens Gold. Wie ließ ich meinen Feinden wohl ſo großes Gut? Ich weiß wohl was Kriemhilde „mit dieſem Schaße noch thut:

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„Wenn ſie ihn hinnen brächte, ſo weiß ich ſicherlich, Sie würd ihn nur vertheilen zu werben wider mich. Sie hat auch nicht die Noſſe um ihn hinwegzutragenz Behalten will ihn Hagen, das ſoll man Kriemhilden ſagen.“ Als ſie vernahm die Märe, das ſchuf ihr grimme Pein. Es ward auch den Königen kund alley drein; Sie gedachten es zu wenden, Als das nicht geſchah, Wie ſprac\< mit frohem Muthe der edle Nüdiger da: „Reiche Königstochter, was klagt ihr um das Gold? Euch iſt König Ekel ſo geneigt und hold, M Erſehn euch ſeine Augen, er giebt euc\< ſolhen Hort, Daß ihr ihn nie verſchwendet; dafür bürgt euch mein Wort.“ Da ſprach die Königswittwe: ,„, Viel edler Rüdiger, Nie eine Königstochter gewann der Schäße mehr, Als die deren Hagen mid) ohne hat gethan.“ Da kam ihr Bruder Gernot "zu ihrer Kammer heran. Er ſtieß des Königs Sc\<lüßel gewaltſam in die Thür. Frau Kriemhildens Shäße brachte man herfür, An dreißigtauſend Marken oder wohl noc\< mehr, Daß es die Gäſte nähmen: des freute ſich Gunther ſehr. Da ſprach von Bechlaren der Gotelinde Mann: „Und gehörten all die Shäße noch Kriemhilden an, Die man jemals brachte von Nibelungenland, Sie follte nie berühren mein noch der Königin Hand. „Laßt es aufbewahren, da ichs nicht haben mag: Man führt. uns noch von Hauſe ſo viel des Meinen na\<h,* Wir mögens unterweges entrathen wohl mit Fug: Was auch die Neiſe koſte, wir haben Alles genug.“

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Zu allen Zeiten harten ihre Mägdelein Des allerbeſten Goldes, das irgend mochte ſein, Zwölf gefüllte Kiſten: das führten ſie hindann, Und viel der Frauenzierde, die man zur Neiſe gewann, Die Macht des grimmen Hagen bedäuchte ſie zu ſtark. Des Opfergoldes hatte ſie wohl noch tauſend Mark; Das gab ſie für die Seele von ihrem lieben Mann. Das dänchte Nüdigeren mit großer Treue gethan. Da ſprach die reihe Königin: „Wo ſind die Freunde mein, Die meiner Liebe willen im Elend wollen ſein? Die ſollen mit mir reiten in der Heunen Land: Sie nehmen meines Goldes und kaufen Noſſ und Gewand.“ Da ſprach zur Königstochter der Markgraf E&ewart : „Seit ich als Ingeſinde an euch gewieſen ward, Hab ich euch immer trenlich gedienet,“ ſprach der Degen, „Und will bis an mein Ende des Gleichen immer bei euch pflegen. „I\< will auch mit mir führen fünfhundert Mann, Die biet ich eunc\< zu Dienſte mit rec\<ten Treuen an; Wir bleiben ungeſchieden, es thu es denn der Tod.“ Der Rede dankt? ihm Kriemhild, ces zwang ſie wahrhafte Noth. Da brachte man die Noſſe: ſie wollten aus dem Land. Wohl huben an zu weinen die Freunde 'all zur Hand. Üte die reihe und manche ſchöne Maid Bezeigten , wie ſie trugen um Frau Kriemhilde Leid. Hundert reicher Mägdelein zogen in ihrer Schar; Sie wurden ſo gekleidet, wie's ihnen ziemend war. Die Thränen fielen ihnen aus lichten Augen nieder: Manche Freud erlebte ſie auch bei König Ekel wieder.

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Da kam der Herre Geiſelher und auch Gerenot Mit ihrem Heergeſinde, wie ihnen Treu gebot: Sie wollten ihre Schweſter begleiten dur\< das Land; Sie führten im Gefolge wohl tauſend Degen auserkannt. Da kam der ſchnelle Gere und auch Orteweinz Ruwolt der Küchenmeiſter, der ließ ſie nic\<t allein. Sie ſchufen ihr Herbergen. bis an der Donau Strandz Vor der Stadt ſchon hatte ſich König Gunther gewandt. Eh ſie vom Rheine führen wurden vorausgeſandt: Ihre ſchnellen Boten in der Heunen Land, Dem Könige zu ſagen, daß ihm Nüdiger Zum Gemahl geworben die edle Königin hehr. * Die Boten fuhren ſchnelle; Eil war ihnen -Noth - Um die große Ehre und das reiche Botenbrot. Als ſie mit ihren Mären waren heimgekommen, Da hatte König Ekel ſo Liebes ſelten. vernommen. * Der lieben Märe willen ließ der König geben Den Böten ſolche Gaben, daß ſie wohl mochten leben Immerdar in Freuden hernach bis an den Tod. * Mit Wonne" war verſchwunden des Königs Kummer und Noth.

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Einundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Kriemhilde zu den Heunen fuhr. Die Boten laßt reiten! ſo thun wir euch bekannt, Wie die Königstochter fuhr durch das Land, Und wo ſich von. ihr ſchieden Geiſelher und Gernot; Sie hatten ihr gedienet, wie ihre Treue gebot. Sie kamen na\<h Veringen, der Donau nah, geritten; Sie begannen um den Urlaub die Königin zu bitten, Weil ſie wieder reiten wollten an den Rhein; Da mocht es ohne Weinen von guten Freunden nicht ſein. Geiſelher der ſchnelle ſprach zu der Schweſter ſein: „Fraue, wenn du jemals bedürfen ſollteſt mein, Was immer dich gefährde, ſo mach es mir bekannt, Dann reit ich dir zu dienen hin in König Ekels Land.“ Die Verwandten alle küſsten ſie an den Mund. Minniglich ſich ſcheiden ſah man da zur Stund Von Kriemhildens Freunden Die in Rüdgers Bann. Da zogen mit der Königin viel Mägdelein wohlgethan, Hundert und viere; ſie trugen herrlich Kleid Von reichen bunten Zeuchen; viel der Schilde breit Führte man der Fraue nach auf ihren Wegen. Da wandte ſich von dannen gar mancher herrliche Degen.

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- So zogen ſie in Eile hinab durc\< Vaierland, Da brachte man die Märe: viel Gäſte unbekannt Kämen angeritten. Wo noch ein Kloſter ſteht Und der Inn mit Brauſen in die Donan nieder geht, In der Stadt zu Paßan, da ſaß ein Biſchof. Leer wurden Herbergen und des Fürſten Hof: Sie wanden ſich in Eile hinauf durch Baierland, Wo der Biſchof Pilgerin die ſchöne Kriemhilde fand. Den Re>en von dem Lande war es nicht zu leid, Als ſie ihr folgen ſahen ſo manche ſchöne Maidz Da koſten ſie mit Augen manch edeln Nitters Kind. Gute Herbergen ſchuf man den Gäſten geſchwind. * Dort zu Plädelingen ſc\<huf man ihnen Nuhz Das Volk allenthalben ritt auf ſie zu. Man gab, was ſie bedurften, . williglich und froh: Sie nahmen es mit Ehren; ſo that man bald auch anderswo: Der Biſchof mit ſeiner Nichte ritt auf Paßau an. Als das den Bürgern der Stadt ward kundgethan, Das Scweſterkind des Fürſten, Kriemhilde wolle kommen, Da ward ſie wohl mit Ehren von den Kaufherrn aufgenommen. Als der Biſchof wähnte, ſie werde da beſtehn , Sprach E>ewart der Degen? „Wie möchte das geſchehn ? Wir müßen weiter ziehen in Rüdigers Land: Viel Degen harren unſer: ihnen allen iſts bekannt.“ Nun wuſte wohl die Märe die ſchöne Gotelindz Sie rüſtete ſich fleißig und auch ihr edel Kind. Ihr hatt entboten Rüdiger, ihn bedünfk es gut, Wenn ſie der Königsto\<hter damit tröſte den Muth,

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Und ihr entgegenreite mit ſeinem ganzen Bann Hinauf zu der Enſe. Als man das beganu, Da ſah man allenthalben gefüllt die Straßen ſrehn: Sie wollten ihren Gäſten entgegen reiten und gehn. Da war nach Efferdingen die Königin gekommen. .. Man hatt im Baierlande von Schächern viel vernommen, Die auf den Straßen raubten, wie ihre Sitte war: s Vielleicht hätt auch die Gäſte beſchädigt dieſer Räuber Scar. Dem ward wohl widerſtanden von dem Markgrafen hehr: Er führte tauſend Nitter oder wohl noch mehr. Da kam auch Gotelinde, Rüdigers Gemahl; Mit ihr im ſtolzen Zuge gute Ne>en ohne Zahl. Sie kamen über die Traune bei Ens auf das Feld: Da ſahn ſie aufgeſchlagen Hütten und Gezelt, Daß zur Nacht die Gäſte fänden gnte Ruh. Für ihre Koſt zu ſorgen fam dem Markgrafen zu. Von den Herbergen ritt ihnen entgegen Die ſchöne Gotelinde. Da zogen auf den Wegen Mit klingenden Zäumen viel Pferde wohlgethan. Sie wurden ſchön empfangen. Lieb that man Nüdigern darau. Die ſie zu beiden Seiten empfiengen auf den Wegen Mit kunſtvollem Neiten, das waren viel der Degen. Sie übten Nitterſpielez das ſah da manche Maid. Der Ritterdienſt der Degen war der Königin nicht leid. Als zu den Gäſten kamen Die in Nüdigers Lehn, Sah man der Schaftſplitter viel in die Lüfte gehn Von der Nexen Händen nach ritterlichen Sitten. Da wurde wohl zu Danke vor den Frauen geritteu.

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Sie ließen es bewenden. Da grüßte mancher Mann Freundlich den Andern, Nun führten ſie heran Die ſchöne Gotelinde, wo ſie Kriemhild fah. Wer Frauen dienen konnte hatte wenig Muße da. Der Vogt von Bechelaren ritt zu Gotlinden hin. Wenig Kummer ſchuf es der edeln Markgräfin, Daß er ſo wohlgeborgen vom Rheine war gekommen: Ihr war die meiſte Sorge „durch große Freude benommen. Als ſie ihn empfangen, ließ er ſie auf das Feld Mit den Frauen ſteigen, die ſich zu ihr geſellt. Da zeigte ſich geſchäftig mancher edle Maunz Den Frauen wurden Dienſte mit großem Fleiße gethan. Da ſah Frau Kriemhilde die Markgräfin ſtehn M Mit ihrem Ingeſinde:! ſie ließ nicht näher gehn: Sie zu>te mit dem Zaume das Noſs, das ſie trug, Und ließ ſich aus dem Sattel helfen ſchleunig genug. Den Biſchof ſah man führen ſeiner Schweſter Kind, Ihn und EFewarten, hin zu Gotelind, , Es muſte vor ihr weihen Wer im Wege ſtund: Da küſste die Fremde Fran Gotlinden auf den Mund, Da ſprach mit holder Sitte - Nüdigers Weib: „Nun wohl mir, liebe Fraue, daß ich euern ſchönen Leib Hier in dieſem Lande mit Augen durfte ſehn! Mir konnt in dieſen Zeiten keine größre Freude geſchehn.“ „Nun lohn euch Gott,“ ſprac\< Kriemhild, ,, viel edle Gotelind. . So ich geſund verbleibe mit Botelungens Kind,. p Mag euch zu Gute kommen, daß ihr mich habt geſehn.“ „Noc\< konnten ſie nicht ahnen was. ſpäter muſte geſchehn.

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Mit Grüßen zu einander gieng da manche Maid. Die Reden waren ihnen zu Dienſten gern bereit. Sie ſeßten nac\< dem Gruße ſich nieder auf den Klee: Sie gewannen Mancher Kunde, die ihnen fremd waren eh. Man ließ den Frauen ſchenken. Es war am hohen Tag; Das edle Ingeſinde dort nicht länger lag: 4 Sie ritten bis ſie ſahen die breiten Hütten ſtehn ; Da konnten große Dienſte den edeln Gäſten geſchehn. Sie pflagen bis zum Morgen über Nacht der Ruh. Die von Bechelaren ſchi>ten ſich dazu, Daß man die-werthen Gäſte- würdiglich verpflag. Geſorgt hatte Rüdiger, daß ihnen wenig gebrach. Die Fenſter an den Manern - traf man offen an, Die Burg zu Bechelaren war mächtig aufgethan. Da zogen ein die Gäſte, die man gerne ſah; Gute Raſt ſchuf ihnen der edle Rüdiger da. Mit ihrem Ingeſinde Rüdigers Tochter gieag, . Daß ſie die Königsfranye minniglich empfieng. Da war auch ihre Mutter, des Markgrafen Gemahl; Die Degen grüßten gerne die Jungfrauen allzumal. Sie fügten ihre Hände in Eins und giengen dann In einen weiten Pallas, - der war gar wohlgethan, Vor dem die'Donau unten die Flut vorübergoß. Da ſaßen ſie im Freien und hatten Kurzweile groß: Ic\<h kaun euch nicht beſcheiden was noch mehr geſchah. Daß ſie ſo eilen müſten, darüber klagten .da Kriemhildens Reen; wohl war es ihnen leid. Hei! was ihnen guter Re>en gus Bechlarn gaben Geleit!

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Viel minniglihe Dienſte Nüdiger ihnen bot. Da gab die Königsfrane zwölf Armſpangen roth Der Tochter Gotlindens und alſo gut Gewand, Daß ſie kein beßres brachte hin in König Ekels Land. Obwohl ihr war benommen der Nibelungen Gold, Alle die ſie ſahen machte ſie ſich hold Noch mit dem kleinen Gute,“ das ihr übrig war; Des Wirthes Ingeſinde bot ſie große Gaben dar. Da erwies auch Gotlinde den Gäſten von dem Rhein Wieder ſo viel Ehre mit Gaben groß und klein, Daß man dort der Fremden wohl ſelten einen fand, Der nicht von ihr Geſteine trug oder herrlich Gewand. Als man nach dem Imbiß fahren ſollt hindann, Ihre treuen Dienſte bot die Hausfran an Mit minniglichen Worten König Ebels Weib. Da wurde viel gekoſet der ſchönen Jungfraue Leib. Da ſprach ſie zu der Königin: -, Dünkt es euch nur gut, So weiß ich daß es gerne mein lieber Vater thut, Daß er mich zu euch ſendet in der Heunen Land.“ Daß ſie ihr treu geſinnet, wie wohl das Kriemhilde fand! Die Noſfe kamen fertig vor Bechlaren an , Als die edle Königin Urlaub ſich gewann Von Rüdigers Weibe und der Toter ſein. Da ſchieden auch mit Grüßen viel der ſchönen Mägdelein. Sie ſahn einander ſelten hernach in vielen Tagen. Da brachte man aus Medilik auf Händen getragen Mau reiches Goldgefäße angefüllt mit Wein Den Gäſten auf die Straße; ſie ſollten willfommen ſein,

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Ein Wirth war da geſeßen, Aſtolt genannt, Der wies ihnen die Straße ins Oeſtreicherland Gegen Mutaren an,;der Donau nieder: Da wurde wohl gedienet der ſchönen Königin wieder. Der Biſchof mit Liebe von ſeiner Nichte ſchied. Daß ſie ſich wohl gehabe, wie ſehr er ihr das rieth! Und ſich Ehr erwerbe, wie Helke einſt gethan: Hei! was ſie großer Ehren bald bei den Heunen gewann! Nun kam der Zug der Gäſte bei der Traiſem an. Ihr dienten ſehr beflißen Die in Nüdgers Bann, Vis man die Heunen-Degen ſah reiten durch das Land : Da ward der Königsfraue viel große Ehre bekannt. Bei der Traiſem hatte der Fürſt von Heunenland Eine reiche Veſte, . im Lande wohlbekannt, Mit Namen Zeißenmauert einſt wohnte Helke da, Und pflag ſo hoher Tugenden, als wohl nicht wieder geſchah, Es ſei denn von Kriemhilden; die mochte gerne geben: Sie durfte wohl die Frende nach ihrem Leid erleben, Daß ihr Ehr erwieſen Die in Ekels Bann, Die ſie bei den Helden in der Fülle bald gewann. König Ehzels Herſchaft war ſo weit erkannt, , Daß man zun allen Zeiten an ſeinem Hofe fand Die allerkühnſten Ne>en,/ davon man je vernommen Bei Chriſten öder Heiden ; die waren all mit ihm gefommen. Bei ihm war allerwegen, ſo ſieht mans nimmermehr, So echter Chriſtenglaube - als heidniſcher Verkehr: Wozu nach ſeiner Sitte ſich auch ein Jeder ſchlug, Das ſchuf des Königs Milde, man gab doch Allen genug.

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Zweiundzwanzigſtes- Abenteuer. Wie Kriemhilde bei den Heunen empfangen ward. Sie blieb zu Zeißenmauer- bis an.den vierten Tag. Der Staub in den: Straßen indeſs nicht ruhig lag: Aufſtob er allenthalben wie im hellen Brand. Da ritten Ekels Leute durch das Oeſtreicherland. Es war dem König Ekel gemeldet in der Zeit, - Daß ihm vor Gedanken ſchwand ſein altes Leid, Wie herrlich Kriemhilde zöge durc\< das Land. Hin eilte der König wo er die Miunigliche fand. Von verſchiednen Spraßen ſah. man auf den Wegen Vor König Ekeln reiten viel der kühnen Degen, Von Chriſten und von Heiden manches weite Heer: Als ſie die Fraue fanden, ſie zogen herrlich einher. Von Reußen und von Griehen ritt da mancher Manu: Der Pol? und der Wallache zog geſchwind-heran Auf den guten Roſſen, die ſie kräftig ritten. Da zeigte ſich ein Jeder in ſeinen heimiſchen Sitten, * Aus häh Land zu Kiew... „tam da mancher Mann Und die wilden Peſchenegen. "Viele huben an Und ſchoßen nac den Vögeln, die in den Lüften Fnniiin Mit Kräften ſie die Pfeile nach des Bogens Wänden zogen.

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Eine Stadt liegt an der Donau im Oeſtreicherland, Die iſt geheißen Tulna. Da ward ihr erſt bekannt Manche fremde Sitte, die ſie noh niemals ſah. . Da empfiengen ſie Viele, denen no\< Leid von ihr geſchah. Es ritt dem König Etzel ein JIngeſind voran Fröhlich und prächtig, höfiſch und wohlgethan, Vier und zwanzig Fürſten, die waren reich und hehr; Ihre Königin zu ſchauen, ſie begehrten ſonſt nichts mehr. Ramung der Herzog aus Wallachenland, Mit ſiebenhundert Mannen kam er vor ſie gerannt. Gleich fliegenden Vögeln ſah man ſie alle fahren; Da kam der Fürſt Gibe>e mit viel herrlihen Scharen. Hornbog der ſchnelle ritt mit tauſend Mann Von des Königs Seite zu ſeiner Fraun heran. Ein lauter Ruf erſchallte | nach des Landes Sitten. | Von: den Heunenfürſten ward auch da herrlich geritten, Da kam vom Dänenlande der kühne .Hawart Und Jring der ſchnelle, vor allem Falſch bewahrt, Irnfried von Thüringen, ein waidliher Mann; Sie empfiengen Kriemhilden, daß ſie viel Ehre gewann, Mit zwölfhundert Mannen, die zählte ihre Schar. Da. kam der Degen Blödel mit dreitanſend gar, König Ekels Bruder aus dem Heunenland:' Der kam im ſtolzen Zuge bis er die Königin fand. ' Da kam der König Egel und- Herr Dietrich Mit ſeinen Helden allen; da ſah man ritterlich Manchen edeln .Degen bieder und auh gut. Davon ward Kriemhilden gar wohl getröſtet der Muth.

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Da ſprach zu der Königin der Degen Nüdiger: „Frau, ich will empfangen hier den König hehr. Wen ich euch küſſen heiße, dem 'gönnet Gruß und Kuſs; Ihr könnt Ekßel8 Ne>en nicht all empfahn mit gleichem Gruß.“ Da hob man von der Mähre die Königstochter hehr. Ekel der reihe ſäumte nicht länger mehr: Er ſchwang ſich von dem Roſſe noch mit manchem Mann; Da kam er voll Freude zu Frau Kriemhilden heran; Zwei gewaltge Fürſten , das iſt uns wohlbekannt, Giengen bei der Frauen und trugen reich Gewand, Als der König Etzel ihr entgegen gieng Und ſie den edeln Fürſten mit Küſſen gütlich empfieng. Sie ſchob hinauf die Binden: ihre Farbe wohlgethan Erglänzte aus dem Golde. Da fagte mancher Mann, Helke könne ſchöner nicht geweſen ſein. Dabei ſtand in der Nähe Etels Bruder Blödelein. Den rieth ihr zu füſſen Nüdger der Markgraf reich, Und den König Gibe>e, Dietrichen auch zugleich. Zwölf der Ne>en füſste Etels Königin; Da blickte ſie mit Grüßen noch zu man\<hem Nitter hin. Während König Etzel bei Kriemhilden ſtand Thaten junge Degen wie Sitte no\< im Land: Schöne Waffenſpiele wurden vor ihr geritten; Das thaten Chriſtenhelden und Heiden nach ihren Sitten. Wie ritterlich der Degen in Dietrichens Lehn Die ſplitternden Schäfte in die Lüfte ließen gehn Hoch über die Schilde, aus guter Ritter Hand! Vor den deutſchen Gäſten brach da mancher Schildesrand.

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Von der Schäfte Brechen vernahm man lauten Schall. Da waren aus dem Lande die Ne>en kommen all Und anch des Königs Gäſte, ſo mancher edle Mann. Da gieng der reiche König mit Frau Kriemhilden hindaun. Sie fanden in der Nähe ein herrliches Gezelt; Von Hütten war erfüllet rings das ganze Feld: Da war nach den Beſchwerden Naſt für ſie bereit. Darunter ſahn die Helden viel manche herrliche Maid Bei des Königs Weibe, als ſie darnieder ſaß Auf reichem Stuhlgewande; der Markgraf hatte das So herrlich ſchaffen laßen, ſie fanden ſchön und gut Das Geſtühl Kriemhildens: des freute ſich Ekßels Muth. Was da Ekel redete, das iſt mir unbekannt: In ſeiner Nec\<hten ruhte - ihre weiße Hand. So ſaßen ſie in Minne, als Nüdiger der Degen Dem König nicht geſtattete Kriemhildens heimlich zu pälegen. Da ließ man unterbleiben das Kampfſpiel überall, Mit Ehren ward beendet der laute Frendenſchall. Da giengen zu den Hütten Die in Etßels Bann; Herberge wies man ihnen ringsum allenthalben au. Der Tag war zu Ende, ſie fanden Nuhe da, Bis man den lichten Morgen von nouem ſcheinen ſah. Da eilte zu den Noſſen wieder mancher Mann: Hei! was man Kurzweile zu des Königs Ehren begann! Nach Würden es zu ſchaffen der Fürſt die Heunen bat. Da ritten ſie von Tulne na\< Wien in die Stadt. Da fand man hold gezieret“ mancher Frauen Leib; Sie empfiengen wohl mit Ehren des Königes Etzel Weib.

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In Ueberfluß und Fülle war da für ſie bereit Was Jeder haben ſollte: viel Degen allbereit Sahn froh dem Feſt entgegen. Herbergen wies man an; Die Hochzeit des Königs mit hohen Freuden begaun. Man konute ſie nicht alle herbergen in der Stadt: Die nicht Gäſte waren, Rüdiger Die bat Daß ſie Herberge nähmen auf dem Land: Wohl weiß ich, daß man immer den König bei Kriemhilden fand. Dieterich der Degen und mancher andre Held, - Die hatten ihre Muße mit Arbeit. eingeſtellt, Damit ſie ihren Gäſten tröſteten den Muth; Rüdger und ſeine Freunde hatten Kurzweile gut. Die Hochzeit war gefallen auf einen Pfingſtentag, Wo der König Etzel bei Kriemhilden lag In der Stadt zu Wiene. Fürwahr, ſo manchen Mann Bei mae erſten Manne ſie nicht zu Dienſten gewann. Dur Gabe ward ſie Manchem, der ſie nicht kannte, kund. Darüber zu den Gäſten hub Mancher an zur “Stund: „Wir wähnten Kriemhilden benommen ſei ihr Gut, Die doch mit ihren Gaben hier ſo große Wunder thut.“ Dieſe Hochzeit währte ſiebzehen Tage. Wohl weiß ich, daß man nimmer von einem König ſage, Der ſolch ein Feſt gehalten: uns iſt es unbekannt. Alle die da waren, die trugen neues Gewand. . Sie ſah ſich nie bedienet vordem im Niederland Von ſo manchem Degen; auch iſt mir wohlbekannt, War Siegfried reich an Gute, daß er doc\<h nie gewann So viel der edeln Re>en, als Ekeln waren unterthan.

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Auch hat wohl nie ein König bei ſeiner Hochzeit Soy manchen reichen Mantel gegeben, tief und weit, Noch ſo gute Kleider, als man hier gewann, Die Kriemhildens willen alle wurden verthan. Ihre Freunde.wie“' die Gäſte hatten Einen Muth: Sie wollten nichts verſchonen und wärs das beſte Gut. Was einer wünſchen mochte, man war dazu bereit; Da ſtand wohl mancher Degen vor Milde bloß und ohne Kleid, Wenn ſie daran gedachte, wie ſie am Rheine ſaß Bei ihrem edeln Manne, ihre Augen wurden naßz Doch muſte ſie's verhehlen, daß es niemand ſah, Da ihr nach manchem „Leide ſo viel der Ehre geſchah. Was Einer that aus Milde, das war doch gar ein Wind Gegen Dietrichen? was Botlungens Kind Ihm gegeben hatte, das wurde gar verwandt; Da that auch große Wunder des milden Rüdiger Hand. Auch aus Ungerlande der 2 iedewin N Ließ da ledig maßen manchen "Räſeſchrein Von Silber und von Golde: das ward dahin gegeben. Man ſah des Königs Helden ſo. recht fröhlich alle leben. Des Königs Spielleute Werbel und Shwemmelein, Wohl an tauſend Marken nahm Jedweder ein Bei dem Hofgelage (oder mehr als das), | A18 die ſchöne Kriemhild * bei Etzeln“unter Krone ſaß. Am achtzehnten Morgen: ſie von Wiene ritten; In Ritterſpielen wurden der Schilde viel verſchnitten Von Speren, ſo da führten die Re>en an der Hand; So kam der König Ekel bis in das heuniſche Land.

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In der alten Heimburg verblieb man über Nacht. Da konnte Niemand wißen von des Volkes Macht, Mit welchen Heerkräſten ſie zogen durch das Land. Hei! was ſchöner Frauen man in ſeiner Heimat fand! In Miſenburg der reichen fieng man zu ſchiffen an. Verde>et ward das Waßer von Noſs und auch von Maun, Als ob es Erde wäre, was man doch fließen ſah: Die wegemüden Frauen fanden gute Ruhe da. Zuſammen ward gebunden manches Schifflein gut, Daß ihnen wenig ſchadete die Woge noch die Flutz Darüber ausgebreitet manch köſtliches Gezelt, Als ob ſie jeßt noch immer beides hätten, Land und Feld. Es ward in Eels Hofburg die Märe kundgethan: Da freute ſich dariunen beides, Weib und Mann.! Eels Ingeſinde, des einſt Frau Helke pflag, Erlebte bei Kriemhilden noch manchen fröhlichen Tag. Da ſtand auch ihrer harrend Befihbedie Maid, Die ſeit Helfens Tode getragen Herzeleid. Sieben Königstöchter Kriemhilde noch da fandz Durch die ſo ward gezieret König Eels ganzes Land. Herrat die Jungfrau noch des Geſindes pflag, Helfens Schweſtertochter, in der viel Tugend lag, Dieterichs Verlobte, eines edeln Königs Sproß, Die Tochter Nentweinens, die noch viel Ehren genoß. Auf der Gäſte Kommen freute ſich ihr Muth; Auch ward dazu verwendet viel koſtbares Gut. Wer könnt en\< des beſcheiden, wie der König ſaß forthin? Es lebten nie die Heunen fo gut bei einer Königin.

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Als der Fürſt mit ſeinem Weibe geritten fam vom Strand, Wer eine Jede führe, das ward da wohl benannt Der edeln Kriemhilde: ſie grüßte deſto mehr: Wie ſaß an Helkens Stelle ſie ſo gewaltig und hehr! Getreulichen Dienſtes ward ihr viel bekannt. Die Königin vertheilte Gold und auch Gewand, Silber und Geſteine: was ſie des überrhein Zum Heunenlande brachte, das muſte gar vergeben ſein, Auch wurden ihr mit Dienſten ſpäter unterthan All des Königs Freunde und Die in ſeinem Bann, Daß nie die Köngin Helke ſo gewaltiglich gebot, Als ſie ihr dienen muſten bis an Kriemhildens Tod. Da ſtand in ſolchen Ehren der Hof und auch. das Land, Daß man zu allen Zeiten die Kurzweile fand, Wonach einem Jeden verlangte Herz und Muth: Das ſchuf des Königs Liebe, das ſchuf der Königin Gut.

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Dreiundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Kriemhilde ihr Leid zu rächen gedachte, Unter hohen Ehren; das iſt alles wahr, Wohnten ſie beiſammen bis in das ſiebte-Jahr. Die Königin derweile * gebar ein Söhnelein, 5 Worüber König Etzel nicht mochte fröhlicher ſein. Vis ſie es erlangte ließ ſie nicht ab davon, Die Taufe muſt empfangen König Ekels Sohn Nach der Chriſten Sitte: "Ortlieb ward er genannt. Das brachte große Freude über Ekels ganzes Land. Der Tugenden, deren jemals die Frau Helke pflag, Befliß ſich Kriemhilde darauf gar manchen Tag. Es lehrte ſie die Sitte Herrat die fremde Maidz . Die trug noch in der Stille um Helke großes. Herzeleid. Vor Heimiſchen und Fremden war ſie wohlbekannt z Es hieß, ſo gut und milde hab eines Königs Land Nie eine Frau beſeßen: das hielten ſie für wahr; . Des rühmten ſie die Heunen bis an das dreizehnte Jahr. Nun wuſte ſie daß Niemand. ihr feindlich ſei geſinnt, Wie heut noc\< Königinnen der Fürſten Recken ſind, Und daß ſie alle. Tage zwölf Könge vor ſich ſah. Sie vergaß auch nicht des SI das ihr zu Hauſe geſchah.

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Sie gedacht„guch noch der Ehren in Nibelungenland, Die man ihr geboten ind "die ihr Hagens Hand Mit Siegfriedens Tode * benahm für alle Zeit, Und ob ihm das wohl jemals möchte kommen zu Leid? „Es geſ\<häh, wenn ich den Degen brächt in dieſes Land.“ Ihr träumte wohl, ihr gienge gar manchmal an der Hand Geiſelher ihr Bruder; ſie küſt"- ihn allezeit In ihrem ſanften Shlafe: das ward zu ſchmerzlichem Leid. I\< glaube daß Kriemhilden der böſe Feind es rieth, Daß ſie in guter Freundſchaft von König Gunthern ſchied, Den ſie zur Sühne küſte in Vurgondenland. Aufs Neue begann zu triefen. von heißen Thränen ihr-Gewand. Es lag ihr an dem Herzen, beides , ſpat und fruh, Wie man mit Widerſtreben ſie doch gebracht dazu,* Daß ſie minnen muſte einen heidniſchen Mannz Die Noth, die hatt ihr Hagen und König Gunther angethan. Es ſchwand ihr aus dem Herzen ſelten dieſer Muth. Sie gedachte: „I\< bin ſo mächtig und habe ſolches Gut, I\< mag wohl meinen Feinden uoch ſchaffen Herzeleid : Dazu wär ich dem Hagen von Tronje gerne bereit. Tach den Getreuen jammert noh oft .die Seele mein: Doch die mir Leides thaten, möcht ich "bei denen ſein, So würde wohl gerochen meines Freundes Leib! Kaum kann ich es erwarten,“ ſo ſprach das Königsweib. Hold waren ihr die Degen all: in des Königs- Vaun, Die Re>en Kriemhildens; das war wohlgethan. Ihr Kämmerer war E>wart: drum war er gern geſehn: Kriemhildens Willen konnte Nietnand widerſtehn.

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Sie gedacht auch alle Tage; „I\< will den König bitten, - Er ſolle mir vergönnen mit gütlichen “Sitten, 4% o. Daß man meine Freunde lädt in der Heinen Land.“ Den argen Willen Niemand an der Königin erfand. 1 Als eines Nachts Kriemhilde bei dem König lag, Umfangen mit den Armen hielt er ſie, wie er pflag Der edeln Frau zu koſenz ſie war ihm wie ſein Leib: Da gedachte ihrer Feinde dieſes waidliche Weib. * Sie ſprach zu dem Könige: „Viel lieber Herre mein, Ic\<h wollt euch gerne bitten, möcht es mit Hulden ſein,» Daß ihr mich ſehen ließet, ob ich verdient" den Sold, Daß ihr auch meinen Freunden wäret inniglich hold.“ Da ſprach der reiche König; arglos war ſein Muth: „Des ſollt ihr inne werden? was man den Reen thut Liebes und Gutes, das nehm ich freudig any .. Da ich von Weibesminne nie beßre Freunde gewann.“ Da ſprach die Köngin wieder: „Euch iſt das "wohlbewuſt, I\< habe hohe Freunde, drum ſchmerzt mich der Verluſt, Daß mich die ſo ſelten beſuchen hier im Land: Ich bin bei allen Leuten nur als verwaiſet bekannt.“ Da ſprach derpKönig Ekel: „Viel liebe Fraue mein, Däucht es ſiemicht zu ferne, ſo lüd ich überrhein Die ihr wünſcht zu ſehen hieher in- dieſes Land.“ Da freute ſich die Fraue, als ihr ſein Wille ward bekannt. Sie ſprach: „Wollt ihr mir Treue leiſten, Herre mein, So ſollt ihr Boten ſenden nach Wormes über Nhein: So entbiet ich meinen Freunden meinen Sinn und Muth: So kommen uns zu Lande viel Ritter edel und gut.“

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Er ſprach Ihr könntet Der edeln Es thüß mir i in ihr gebietet, ſo'laßet es geſchehn. eunde nicht ſo gerne ſehn, , als ich ſie ſähe gern: vehe, daß ſie ſo fremd uns ſind und fern. „Wenn es Fir wohlgefiele, viel liebe Fraue mein, So wollt ich gerne ſenden zu den Freunden dein Meine Fiedelſpieler Kac\< Burgondenland.“ Die guten Spielleute, die brachte man gleich zur Hand. Sie kamen hin in Eile wd ſie den König ſahn Bei der Köngin ſißen. Da ſägt? er ihnen an, Sie ſollten Bgten werden nach Burgondenland. Auch ließ er ihnen ſchaffen ſchönes , herrliches Gewand. Vierundzwanzig Ne>en "ſchuf man da das Kleid. Ihnen ward auch von dem König gegeben der Beſcheid, Wie ſie laden ſollten Gunthern und ſeinen Bann. Frau Kriemhild mit ihnen geheim zu ſprechen begann. Da ſprach der reiche König: „Nun höret, was ihr thut: „I\< entbiete meinen Freunden alles was lieb und gut, Und lade ſie zu fahren hieher in"dieſes Land: I\< habe wohl noch ſelten ſo liebe Gäſte gekannt. „Und wenn. ſie meinen Willen geſonnen ſind zu thun, Kriemhilds Verwandte, ſo mögen ſie nicht rahn Und dieſen Sommer kommen zu meiner Luſtbarkeit, Da mir ſo hohe Wonne meiner Sc\<hwäger Freundſchaft bent.“ Da ſprach der Fiedelſpieler, der ſtolze Shwemmelein: „Wann ſoll das Hofgelage in dieſen Landen ſein? Daß wirs euern Freunden" am Rheine mögen ſagen.“ Da ſprach der König Ekel: „In der nächſten Sonnenwende Tagen.“

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„Wir thun, was ihr gebietet,“ ſprach da Werbel in. Kriemhilde ließ die Boten zu ihrem Kämmerkei Führen in der Stille und beſprach mit ihne “2 Wodurch no\< manchem Degen bald wenig Li eſchah.'W' Sie ſprach zu beiden Boten: „, Nün verdient ihn größes Gut/; Wenn ihr mit rechter Treue meinen Willen thut, [ Und ſagt was-ich 'entbiete heim in unſer Land: + I\< mach euch reih an Gute und. geb euch herrlich»Gewand. „Wen ihr von meinen Freunden immer möget ſehn , Zu Wormes. an dem Rheine, ſo follt ihrs nie geſtehn, Daß ihr mich immer ſahet betrübt in meinem Muth; Und entbietet meine Grüße dieſen Helden fühn und gut. „Bittet ſie zu leiſten, was der König enthot Und mich dadurch zu ſcheiden von aller meiner- Noth. = Ich ſcheine vor den Heunen freundelos zu ſeinz. » Wenn ich ein Nitter wäre, ich käme man\<mal an den Rhein. „Und ſagt auch Gernoten, dem edeln Bruder mein, Daß ihm auf Erden Niemand holder möge ſeint Bittet, daß er mir bringe hieher in dieſes Land Unſre beſten Freunde:“ ſo wird uns Ehre bekannt. „Und ſagt auch Geiſelheren, ich mahn ihn daran, ... Daß ich mit ſeinem Willen nie ein Leid gewann: Drum -ſähn ihn hier im Lande gern die Augen mein; - - - I\<h hätt ihn hier gar gerne um die große Treue ſein. „Und ſagt auch meiner Mutter, was mir für Ehr geſchieht; Und wenn von Tronje Hagen der Reiſe ſich entzieht, -Wer ihnen zeigen ſolle die Straßen: durch das Land? Die Wege zu den Heunen ſind ihm von Jugend auf bekannt.“

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Es wunderte die Boten, warum: das möge ſein, Däß ſie dieſen Hagen von Tronje nicht am Nhein Weilen laßen ſollten; bald »ward es ihnen leid: Durchijihm war manchem Degen mit dem grimmen Tode gedräut. Votenbrief. undySiegel ward. ihnen nun gegeben; ie fuhren veich jan Gute uud mochten herrlich leben. | ps ihnen! Etzel "und fein ſchönes Weib, Ihnen war" alth- wohlgezieret.. mit gutem Staate der Leib.

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- „IO VY Vierundzwanzigſtes Abeüteucw Wie Werbel und Shguabal die "Botſcha aft brachtih. m +- „DP . Alts Eßel ſeine Boten an den Nhein geſandt, Da flogen dieſe Mären geſchwind von Land zu Land: Mit ſchnellen Abgeſandten lud er und entbot Zu ſeinem Soſodlan da holte Mancher ſich den Tod. Die Boten ritten (ena aus der Heunen Land Zu den Burgouden, wohin man ſie geſandt Zu drei edeln Kötigen und ihrem. Heeresbann, Daß ſie zu Egels kämen: zu eilen hub man da an. Zu Bechlaren kamen die Boten angeritten, Da diente man ihnen gerne, daß ſie nicht Mangel litten. Ihre Grüße ſandten Rüdger uud Gotelind Den Degen an dem Nheine und auch dieſer Beiden Kind. Sie ließen ohne Gaben ſie nicht von hinnen gehn, Daß deſto fanfter führen Die in Ekels Lehn. Uten und ihren Söhnen entbot da Rüdiger, Es wär kein andrer Markgraf ihnen ſo gewogen mehr. Sie entboten auch Brunhilden alles was lieb und gut, Ihre ſtäte Treue und dienſtbereiten Muth. * Da wollten nac\< der Rede die Boten weiter ziehn; Gott bat ſie zu bewahren Gotlind die edle Markgräfin.

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Eh noch die Voten völlig durchzogen Baierland, Werbeleinyder ſchnelle" den guten Biſchof fand: Was Der ſeinen"Freunden hin an den Rhein entbot Weiß- ich nicht zu ſagen; von ſeinem Golde ſo roth Stheifkt* er. den Boten Gaben.| Als ſie-wollten ziehn, „Sollt ichyſie bei mir ſchäuen „“ ſprach Biſchof Pilgerin, „So wär mir»wohl. zu Muthe, die Schweſterſöhne mein: Mag ich doch ſelber felten zu ihnen kommen an den Rhein.“ Was ſie für Wege fuhren vom Nheine dur\< das Land Kann ich euch nicht beſcheiden. Jhr Silber und Gewand Blieb ihnen unbenommen, man ſcheute Ekels Zorn: So*Lilgattig herrſchte der edie König wohlgeborn. Binnen zwölf Tagen kamen ſie an den. Nhein Zu Wormes in dem Lande, Werbel und Schwemmelein; Da ſagte mansydem König und ſeinen Degen an, Es kämen fremde Boten: Gunther zu fragen begann. Da ſprach der Vogt vom Nheine: „Wer macht mir nun bekannt Von wannen dieſe Fremden ritten in das Land?“ Das konnte Nientand ſagen, bis die Boten ſah Hagen von Tronje: zu dem König ſprach er da: „Man bringt uns Neues heute, dafür will ich euch ſtehn: Ekels Spielleute, die hab ich hier. geſehn. Die hat eure Schweſter geſendet an den Nhein: Ihrer Herren willen ſollen ſie willkommen ſein.“ Sie ritten unverweilet zu dem Saal heran: So herrlich fuhr wohl nimmer eines Fürſten Fiedelmann. Des Königs Ingeſinde empfieng ſie gleich zur Hand: Man gab ihnen Herberge und bewahrte ihr Gewand.

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Ihre Reiſekleider waren reich und wohlgethaß.\< \<\< 4 4 Sie mochten wohl mit Ehren ſich ſo dem«Königmahn 3= * + Doch wollten ſie nicht länger ſie am Hofe tragen? „Ob Jemand ſie begehre?“ das ließen die Boten fragen. „ Da waren auch zur Stunde Leute bei der Hand, - dil... Die ſie gerne nahmen? denen wurden ſie gefandt. - k Da ſc\<hmücten ſich die Boten mit beßerm Gewand,“ Als es Königsboten“ zu tragen ſchon herrlich“ ſtand. Da gieng mit Urlaube hin wo der König ſaß + Ekels Ingeſinde: gerne ſah man das. - Herr Hagen den Boten höflich entgegenſprang, »- , Sie minniglich begrüßend :. des ſagten ihm die Knappeh Dänk: Da hub er um die Künde- ſie zu befragen an, 3 Wie Eßel ſich gehabe- und Die ihm unterthan. dy Da ſprach der Fiedelſpieler : „Nie beßer ſtands im Land, | Das Volk war niemals froher, das ſei euch wahrlich bekännt.“ Sie giengen zu dem Wirthe. Der Königsſaal war* voll ; Da empfieng man die Gäſte, wie man immer ſoll Boten freundlich grüßen aus fremder Könge Land. Werbel der. Reen - viel bei König Gunthern fand. Der König wohlgezogen zu grüßen ſie begann: * „Willfommen, beide Fiedler in König Etzels Bann Mit euern Heergeſellen: weshalb hat euch geſandt a. Etzel der reihe zu der Burgonden Land?“ Sie neigten ſich dem Könige. Da“ ſprach -Werbelein2“ „Dir entbietet holde Dienſte der liebe Herre mein, * Und Kriemhild deine Schweſter hieher in dieſes Land: Sie haben uns euch Reen auf zute Treue hergeſandt.

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Da ſprach der reiche König: „Der Märe bin i h. Wie gehabt ſich König Ekel“ der Deſen fragte ſo, 3. „Und Kriemhild meine Schweſter in der Heunen Land?“ = Da ſprach der Fiedelſpieler: „Das mac\< ich“gern euch bekämitt, „Beßer wohl gehabten“ ſichnLeute nimmermehr, H Das gläuber ns im“Wahrheit, alsPdie Fürſten hehr/“ „%;«4 Und ihre“ Degen alle, die"Freunde wie ihr Bann? Mu Sie freuten ſich der: Reiſe, da wir ſchieden hindann. M „Nan - Dank ihm für die Dienſte, die er mir jentbot, Ihin. und meiner Schweſter ; geliebt es alſo "Gott, Daß ſie in Freuden leben, der König und+ſein Banttz; Fragt ich doch ſehr in Sorgen um dieſe Märe bei euch -an.“ ä - Die"beiden jungen Könige waren auch gefommen, - = . = Die hatten dieſe Märe jekt erſt vernommen. Geiſelher: der junge die Boten“ gerne ſah Aus Liebe zu der Schweſter; gar minniglich ſprach er da; „Ihr Boten ſollt uns Degen hier willkommen ſeinz - Kämet ihr nur öfter geritten an dew Rhein , Ihr fändet hier der Freunde, die ihr gerne möchtet fons Euch ſollte wenig Leides in dieſen Landen geſchehn.“ „Wir verſehn uns aller Ehren zu euchz“ ſprac\< Schwemmelein, „I\< könnt euch nicht bedeuten mit den Worten mein, Wie Ehel euch ſo minniglich «in ſein«Land entbot, Und eure edle Schweſter; ſie leidet keinerlei Noth. „An eure Lieb und Treue mahnt- euch die Königin Und daß ihr ſtäts gewogen war euer Herz und Sinn. Zuvörderſt an den König ſein wir hieher geſandt, Daß ihr. zu reiten möget geruhn in König Etzels Land.

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\<=3 234 Sie „Daß wir euch m“ bäten. gar dringend er gebot. I Egel der reiche euch Allenſdas entbot)y | .. Wenn ihr'nicht kommen wolltet eure Schwiſter ſehn, So „föchts r“doch wohl! wißen, was euch von ihm wär,geſchehn. - „Daß ihr ihn alſo meidet ?und auch ſein Reich und Land? » Wäh» euch altch" die Königin Fremd und unbefannt, 9 ** So «möcht? er, ſelbſt verdienen, daß ihr'kämet ihn zu ſehn: Wenn ihr das leiſten wolltet, ſo wär ihm Liebes geſchehn.“ Da ſprach der König Gunther: „Nach der ſiebenten Naht Pp Will ich euch verkünden, wes ich“mich bedaht& "Js Im Rathe weiner Freunde; derweilen gehet hin " % %- Zu eurer -Herberge "und findet gute Nuh- darin.“ Da ſprach wieder Werbel: „Könnt "es nicht geſchehn, EP Daß wir unſre Fraue, die reiche Ute ſehn / ww..." Eh wir müden Degen frügen nach der Ruh2“ CHE Da ſprach mit Nitterſitten der edle. Geiſelher dazu? u yy „„ Das ſoll euch -. wollt ihr vor ſie-gehn/* . 4 So iſt auch meiner Mutter. Rieb- daran" geſchehn, * gi Denn ſie ſieht euch gerne um die Schweſter mein , vr € Kriemhild die Fraue: ihr ſollt ihr willkommen ſein.“ Geiſelher ſie brachte hin wo er Uten fand. Die ſah die Boten gerne aus der Heunen Land ; Sie empfieng ſie freundlich“ =mit tugendreihem Muth: Da fagten ihr die Märe die Boten höfiſch und gut. „Meine Frau läßt euch“ entbieten“ ſprach da Schwemmelein, „Dienſt und ſräte Treue, und wenn es möchte ſein Daß ſie euch öfter ſähe, fo glaubet ſicherlich, Wohl keine andre Freude auf Erden wünſchte ſie ſich.“ "

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Da a ; So“ ET rich So v zu e die “. 9: Nun geh ihbhimmer“ ſelig die Zeit, beiyEtzeln „Ihr ſolle mich wißen laßen &\< ihr ziehtydävon, Watt ihrreiten“ wöllet: "ich ſäh Kun 4a vons y % Boten icht"No-geipe, 2 als ſich. euch u 1 . % % wr diesKnappen, ihr er folleSifehehn. % en giengen. Die von Heunenland. "d er hatte zu den Freunden geſandt m“ “ Gunthef“der „Fragte ſeinen Bänn. 2 L . Was fj ächten ?: «Wohl Manche huben ded: 4 5 „Gr ape fu weiſt 4 inc Lönig 'Eßels Land.“ > 4 "ya Das riet j : Beſten; "ie ex darunterffand. "ZM Hagen nur ; ein wär, es" grimmig leid; - a Er „ſp „Könige: * „Ihr ſeid mit euch ſelbſt im "Streit „Ihr häbt-«4 zdochſtiteht. vörgeßen, „was ihr von uns geſchehn? %“ Wir r müßen vor>. y ilden" - 07) ſtäter Sorge ſtehn: 8 „» I\<h "ſchlug ihr zu? *den?Mann mit meiner Hand z Wie dürften. wir wohl reiten hin in König Ekels Land?“ Da ſprach der reiche, König: „Meiner Schweſter Zürnen ſchwand : Mit minniglichem Kuſſe, eh ſie verließ dieß Land ," Hat ſie uns verziehen "was wir an ihr gethan; Es wäre denn ſie ſtände bei euch, Herr Hagen, noch an.“ „Nun laßt euch nicht betrügen, «was ſie-auch fagen, Dieſe Heunenboten: wollt ihrs.mit Kriemhild wagen, Ihr mögt wohl dort verlieren Ehre, Leben und Leib: Sie weiß wohl nachzutragen, des Königes Ekel Weib.“

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Da hub der junge Gei er zu dein Degen anw 4,57 „Wißt ihr ant Jdaß ihr ihrLeid . MW. So wi im La MER zu wahren «77 54. Nur la eſichs getrauen/ſſmit uns zumeiner DE Darob begann zu zürnen- von Tronje der Degew: 245 ... „I\< will nichtſdaß euch“ Jemand , begleitet, auf“ Der ſich“mehr getraue zu-« diefer Fahrt als is: x >4 "a Wollt ihrs nicht bleiben laßen, ſo ſchaut ihr=paon " Da ſprach der Küchenmeiſter Rumolt der 262 \< ai „Der Heimiſchen und Fremden. mögt ihr"zu We Nah euerm Wohlgefallen: da habt. ihr.volte-Mathte Euch hat“ doc\<h , dünft mich, Niemand "dahin»zu-p EEE „Wollt ihr Hagen nicht folgen, ſo räth eu\< 5 ad = Weil ich euch in Treue gewogen bin müde h p""'- \<.. Daß ihr im Lande bleibet - nach dem. Wilſen?/mein * Und laßt den König Eßel nur dort bei Kriemhilden.ſein. „Wo könntet ihr auf Erden ſo gut als-hier gedeihn? Ihr mögt vor euern Feinden hier wohl geborgen-ſein, Ihr könnt mit guten Kleidern zieren euern Leib, Des beſten Weines trinken und minnen manches ſchöne Weib. „Dazu giebt man euch Speiſe,. ſo gut ſie je gewann Ein König auf der Erde. Liegt euch das nicht "an, So mögt ihr hier verbleiben um euer ſchönes Weib, Eh ihr ſo. unbeſonnen verwaget Leben und Leib. -

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„Drum/rath ich Ihr könnt hi Al bei eutten: 4 „.. Verbleibt-bei 'u de ith.“ „Wir Böllen nun nicht bl j en, Ts „Da uns meine ns Und Ekel der reiche, w Die nicht mitfah - Zur Antwort ſprach da Hagen4“" Meine Rede nichtſgereichen:, was 'a Das rath ich Zeuch in Treſte, "wenn Daß ihrdwohlgerüſret Zu dein „Seitfentändt fährt. „Wenn ihrs euch unterwindet, ſv entbietet euern “Bänn, Die Beſten, die ihr findet und die euch unterthan; Daraus will ich erwählen tauſend, Nitker- gut: So mag euch nicht gefährden * der argen Kriemhilde Muth.“ "„ Dem Rathe will ich folgen,“ ſprach nh König Kleich, Es Da ſandt er ſeine Boten umher in ſeinem Neichz Bald brachte man der Helden dreitauſend oder mehr; Sie dachten nicht zu finden ſongropes Leid und Beſchwer. Sie ritten wohlgemuthet in König"Gunthers Land: Da gab man ihnen Allen Roſf und auc\<«Gewand , Die da räumen ſollten der Burgonden“Länd. Der König reiſeluſtig manchen. werthen Ritter fand. Da ließ von Tronje Hagen Dankwart den Bruder ſein Achtzig ihrer Re>en- führen an den Nhein. * Sie kamen ſtolz. gezogen, Harniſch und Gewand “ZIDR Brachten die ſchnellen Degen König Gunthern in das Land.

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rn wadielt Selman enannt. Hagen wee Was ſie "in ſtar Und" was"fie „fön Es fonnte Nieman Sue "vm ve "veware: gefrönmt mit! ihrer aB“ „bis patt. -er oft .-. Wis „ihnen Ehre zugeſtehn. ml Die Boten'Kriemhildens " der Aufenthalt verdröß. -: Die Fur\<t vor ihrem Herren war gewältig groß: Sie hielten alle Tage * „üm den,Ürlaub an; zutun Deu miſ8gönn?" ihnen" Hagen? das wär aus“ Argliſt gethan, = Er ſprach zu feinem- „Herren: „Wir „wollen "uns bewahren, Daß wir ſie reiten laßen, "bevor "wir ſelber Fahren" Sieben Tage ſpäter in Könid Ehels- Land: Jſt man uns arg geſinnet, F6-birhie3 beßer abgewändt. „Sv mag ſich auch Kriemhilbe"beräten nicht- dazu, Daß. uns nach ihrem Näiths"" Fetnand"“ Schaden thn'; Will ſie es doch verſuchen" ſs "kömmt fie übel an; Wir führen zu den Heunh 9 mänchen-auserwählten Mann.“ Die Sättel umüd"die Schilde und all ihr Nüſtgewand , Das ſie führen wollten in König Eßkels Land,. War nun wohlbereitet für manchen kühnen Mann. Die Boten Kriemhildens lud man zu Gunthern heran.

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Als die Boten kamen ſprachy Degen „Gernot: „Der König will leiſten, was Ekel uns entbot. + Wir wolle gerne-kommen zu ſeiner Luſtbarfeit Und unſre Schweſter ſehen ; « daß ihr des außer Zweifel, ſeid.“ Da ſprach König Gunther: „Wißt ihr uns zu ſagen Wann das Feſt beginne? oder zu welhen Tagen Wir erwartet werden ?“. Da ſpra\<ß Schwemmelein : 4 „Zur nächſten Sonnenwende, da ſoll es in Wahrheit ſein.'“. Der König erlanbte, das war no\< nicht geſchehn, .“ Wenn ſie Fray Brunhilden wünſchten noch zu ſehn, . Daß ſie mit ſeinem Willen ſprächen. bei ihr an. Dem widerſtrebte. Volker: da war ihr Liebes gethan. „Es iſt meine Frau Brunhilde nun nicht ſo wohlgemuth „» Daß ihr ſie ſchauen könntet,“ ſprach der Ritter zut,. „Wartet noch bis Morgen, ſo läßt man ſie.euhyfehn. Sie wähnten ſie zu ſchauen, da konnt es doch 1 9 Da ließ der reiche König, er war den Boten hold, In ſeiner hohen Milde. von ſeinem rothen Gold - Auf breiten Schilden bringen: -wohl»war er reich daran : Auch boten ſeine Freunde ihnen große Gaben an. Geiſelher und Gernot, Gere und Ortewein, Wie ſie milde waren, das leuchtete wohl ein: r Sie boten den Geſandten ſo reiche Gaben an, Daß ſie?s vor ihrem Herren nimmer wagten zu empfahn. Da ſprach zu dem Könige der Bote Schwemmelein : „Herr König, laßt die Gaben nur hier im Lande ſein. Wir könnens nicht verführen, weil uns der Herr verbot, Daß wir Geſchenke nähmen: anch thut es uns wenig Noth.“

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Da ward der Vogt vom Rheine» darüber ungemuth, Daß ſie verſchmähen wollten ſo reichen Königs Gut. Da muſten ſie empfahen ſein Gold und ſein Gewand D Und es mit ſich führen heim in König Ekels Land. Sie wollten Ute ſhauen vor ihrer Wiederkehr: Die Spielleute brachte der junge Geiſelher Zu Uten ſeiner Mutter; ſie entbot der Königin, Wenn" man ihr Ehre biete, es ſei ihr hoher Gewinn. Da ließ die Königswittwe ihre Borten und ihr Gold Vertheilen um Kriemhildens, denn der war ſie hold, Und König Eßels willen an das Botenpaar. Sie mochtens 25 empfahen : getreulich bot"ſie es dar. „u hätten ſich beurlaubt die beiden Boten gut. '.. Mätnern u 5 von: Frauen. Sie fuhren wohlgemuth GE lande: dahin ließ Gerenot 4 n ſie"begleiten, daß ſie nirgend litten Noth. Als Die von ihnen ſchieden, die ſie ſollten pflegen, Gab ihnen Egels Herrſchaft Frieden auf den Wegen, Daß ihnen Niemand raubte "ihr Roſs noc\< ihr Gewand: Sie ritten ſehr in Eile heim in König Ezels Land. Wo ſie Freunde fanden, da machten ſie es kund, In wenig Tagen kämen die Helden von Burgund Vom Rheine hergezogen in. der Heunen Land: . ma Pilgerin dem Biſchof ward auch die Märe bekannt. Als ſie vor Bechlaren die Straße niederzogen, Da ward auch um die Märe Rüdger nicht betrogen,“ 2o\< Fran Gotelinde, die Markgräfin hehr: Daß ſie ſie ſchauen ſollte, des freute dieſe ſich ſehr.

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Die Spielleute ſpornten die Roſſe mächtig an. Sie fanden König Etßeln in ſeiner Stadt zu Granu. Grüße über Grüße, die man ihm her entbot, Brachten ſie dem Könige: vor Liebe ward er freudenroth. Als da Kriemhilden die Märe ward bekanut, Daß ihre Brüder wollten kommen in ihr Land, Da ward ihr wohl zu Muthe: ſie gab den Boten Lohn Mit reichlihen Geſchenken ; ſie hatte Ehre davon. Sie ſprach: „Nun ſagt mir beide, Werbel und Schwemmelein, Wer will von meinen Frennden bei dem Hofgelage ſein, Von den Beſten, die wir luden hieher in dieſes Land? Sagt an, was redete Hagen, als ihm die Märe ward bekannt ?“ „Er kam zu ihrem Nathe an einem Morgen fruhz; Wenig gute Sprüche redet? er dazu, Als ſie die Fahrt beſchloßen nac\< dem Heunenland : Die hat der grimme Hagen die Todesreiſe genannt. „Es fommen eure Brüder, die Könige alle drei In herrlihem Muthe. Wer mehr mit ihnen ſei, Darüber ich des Weitern euc\<h nicht beſcheiden kann; Es will mit ihnen kommen Volker der Fiedelmann.“ „Des mag ich leicht entbehren „“ ſprach die Königin, „Will der Degen Volker zu dem Hofgelage ziehn; Hagen bin ich gewogen, der iſt ein Degen gut: Daß wir ihn ſchauen ſollen; des hab ich fröhlichen Muth.“ Da gieng die Königstochter wo ſie den König ſah. Wie ſprach mit holden Worten Frau Kriemhilde da: „Wie gefallen euch die Mären , viel lieber Herre mein ? Wes mich je verlangte, das ſoll unn bald vollendet ſein.“

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„Dein Will iſt meine Freude!“ der König ſprach da ſo, „I\<h wär der eignen Freunde nicht ſo von Herzen froh, Wenn ſie kommen ſollten hieher in unſer Land: Durch deiner Freunde Liebe viel meiner Sorge verſchwand.“ Des Königs Amtsleute befahlen überall Mit Sißen zu erfüllen Pallas und Saal Für die lieben Gäſte, die da ſollten kommen. Durch die ward bald dem König die hohe Freude benommen.

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Fünfundzwanzigſtes Abenteuer. Wie die Herren alle zu den Heunen fuhren, Wie man dort gebahrte vernahmt ihr nun genug. Wohl kamen nie gefahren in ſolchem ſtolzen Zug So viel beherzte Degen in eines Königs Land; Sie hatten was ſie wollten, beides, Waffen und Gewand. Der Vogt von dem Rheine erhob aus ſeinem Bann Der Degen tauſend ſec\<zig, ſo ward uns kundgethan, Und neuntauſend Knechte zu dem Hofgelag ; Die ſie zu Hauſe ließen beweinten es wohl hernach. Da trug man ihr Geräthe zu Wormes übern Hof. Wohl ſprach da von Speier ein alter Biſchof Zu der ſchönen Ute: „Unfre Freunde wollen fahren Zu dem Hofgelage ; möge Gott ſie da bewahren.“ Da ſprach zu ihren Söhnen Ute die Fraue gut: p „Ihr ſolltet hier verbleiben , Helden hoc\<hgemuth ; Mir hat geträumet hennte von großer Angſt und Noth, Wie alles das Gevögel in dieſem Lande wäre*todt.“ „Wer ſich an Träume fehret,“ ſprach der Degen Hagen , „Der weiß noch die rechte Kunde nicht zu ſagen, Wie es mög am Beſten um ſeine Ehre ſtehn: Es mag mein König immer mit Urlaub hin nach Hofe gehn.

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„Wir wollen gerne reiten -.in König Ekels Land, Da mag wohl. Köngen dienen guter Helden Hand, So wir da ſchauen ſollen Kriemhildens Hochzeit." Hagen rieth die Reiſe, doch ward es ſpäter ihm leid. Er hätt es widerrathen, nur- daß Gerenot Mit großem Ungeſtüme ihm Spott entgegenbot. ' Er mahnt? ihn an Siegfried, der Kriemhilde Mann, Er ſprac\<: „Darum ſteht Hagen die große Reiſe il an.“ : Da ſprach von Tronje Hagen: „Nicht Furcht iſts, daß ichs GUROS Gebietet ihr es, Helden, ſo greifet immer zu: - Wohl will ich mit euch reiten * in: König Ekels Land.“ " Bald ward von ihm verhauen mancher Helm und Scildesrand. Die Sciffe ſtanden fertig: da war gar mancher Mann. Was ſie an Kleidern hatten trug man an Bord heran; Sie waren ſehr beflißen bis zur Abendzeit? Sie huben ſich von Haufe bald in hoher Fröhlichkeit. Sie bauten überm. Graſe ſich Hütten und Gezelt Jenſeits des Rheines, wo Obdach war beſtellt. * Da bat noch zu verweilen - Gynthern ſein ſchönes Weib; Sie herzte Nachts noch einmal des Mannes waidlichen Leib. Flöten und Poſaunen erſchollen morgens fruh. | Den Aufbruch zu verfünden: da griff man raſch dazu. Wem Liebes „lag im Arme, der fofte Freundes Leib; Mit Leide ſchied bald Manche des Königes Etzel Weib. Der ſc\<önen Ute Söhne, die hatten einen Mann, Der war getreu und bieder; als man die Fahrt begann Sprach er zu dem Könige geheim nach ſeinem 'Muth; . Er ſprach! „I\< muß wohl trauern, daß ihr die Hofreiſe thut.“ Läachm., 1454--4157-

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Er war geheißen Numolt, ein Degen auserkannt. Er ſprach: „Wem wollt ihr laßen die Leute und das Laud? Daß Niemand doch euch Re>en wenden mag den Muth! - Die Märe Kriemhildens däuchte mich niemals gut.“ „Das Land ſei dir befohlen und auch mein Söhnelein, Und diene wohl den Frauen: das iſt der Wille mein; -. Wen du weinen ſieheſt, dem tröſte Herz und Sinn: ( Es wird uns nichts zu Leide Kriemhilde thun, die Königin.“ . Die Noſſe ſtanden fertig den Köngen und dem Bann: Mit minniglichem Kuſſe ſchied da mancher Mann , Dem no\< in hohem Muthe "prangte Seel und Leib: * Das muſte bald beweinen “manches waidlihe Weib. Als man die ſchnellen Re>en 'ſah zu'den Roſſen gehn, Fand man viel der Frauen, in hoher Trauer ſtehn. Daß ſie auf ewig ſchieden fogt? ihnen wohl der Muth: Zu großem Schaden kömmen, das thut wohl Niemanden gut. Die ſchnellen Burgonden begannen ihren Zugt Da ward im: ganzen Lande das Trejben groß genug; Beiderſeits der Verge weinte Weib und: Mann. Wie auch das Volk gebahrte, ſie fuhren fröhlich hindaun. ;: Niblungens Helden - zogen mit ihnen aus. Sol In tauſend Halsbergen : die hatten .dort zu Haus Viel ſchöne Fraun gelaßen und ſahn ſie nimmermehr. Siegfriedens Wunden, die ſc\<hmerzten Kriemhilden ſehr. Da lenkten mit der Neiſe auf dem Mainſtrom an Hinauf durch Öſtfranken Die in Gunthers Bann. Hagen war ihr Führer, der war da wohlbekannt; Ihr Marſchall war Dankwart, der Held von Speier

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Da ſie von Oſtfranken nach Schwanefelde ritten, Da konnte man ſie kennen an den ſtolzen Sitten, Die Fürſten und die Freunde, die Helden lobeſam! An dem zwölften Morgen der König an die Donau kam. Es ritt von Tronje Hagen den Andern all zuvor; Er hielt den Nibelungen wohl den Muth empor. Da ſchwang der kühne Degen ſich nieder auf den Sand, Wo er ſein Noſs in Eile feſt an einem Baume band. Die Flut war ausgetreten, die Sc\<iff' verborgen: Die Nibelungen kamen in große Sorgen Wie ſie hinüber follten ? das Waßer war zu breit. Da ſchwang ſich zu der Erde mancher Ritter allbereit. „Uebel „“ ſprach da Hagen „mag dir hier geſchehn, König an dem Rheine: “ du magſt es ſelber fehn, Das Waßer iſt ergoßen, zu ſtark iſt ſeine Flutz Ich fürchte wir verlieren no\< heute manchen Reen gnt.“ „Hagen , was verweiſ/t ihr mir?“ ſprach der König hehr, „Um eurer Tugend willen, erſchrec>t uns nicht noch mehr. Ihr ſollt die Furt uns ſuchen hinüber in das Land, Daß wir von hinnen bringen beides Roſſ und Gewand.“ „Mir iſt ja no\< /“ ſprac\< Hagen, „„mein Leben nicht ſo leid, Daß ich mich möcht ertränken in dieſen Wellen breit: Es ſoll von meinen Händen erſterben man\<er Mann In König Ekels Landen; wozu ich gute Luſt gewann. „Bleibet bei dem Waßer, ihr ſtolzen Nitter gut. I\< ſelber will die. Fergen ſuchen bei der Flut, Die uns hinüber bringen in Gelfratens Land.“ Da nahm der ſtarke Hagen ſeinen guten Schildesrand. Lahm. 1465 4371,

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Er war wohl gewaffnet? den S\<ild er mit ſich trug, Den Helm aufgebunden, der glänzte li\<t genug; Ueberm Harniſch führt? er eine breite Waffe mit, Die an beiden Schärfen aufs allergrimmigſte ſchnitt, Er ſuchte hin und wieder nach einem Schiffer8mann. Er hörte Waßer gießen: zu lauſchen hub er ant In einem ſchönen Brunnen that das manc\<h weiſes Weib; Die wollten ſich da kühlen und badeten ihren Leib. Hagen ſie gewahrend wollt ihnen heimlich nahn: Sie ſtürzten in die Wellen, als ſie ſich des verſahn. Daß ſie ihmyentronnen freuten ſie ſich ſehr; Er nahm ihnen ihre Kleider und ſchadet? ihnen nicht mehr. Da ſprach das eine Meerweib, Hadburg war ſie genannt! „Hagen, edler Ritter, wir machen euch bekannt, Wenn ihr uns zum Lohne die Kleider wiedergebt, Was ihr bei den-Heunen auf dieſer Hoffahrt erlebt.“ Sie ſchwebten wie die Vögel vor ihm auf der Flut. Ihr Wißen von den Dingen däuchte den Helden gut: Da glaubt? er um ſo lieber was ſie ihm wollten ſagen. Sie beſchieden ihn darüber was er begann ſie zu fragen: Sie ſprach: „Ihr mögt wohl reiten in König Ezels Land; Ich ſeß euch meine Treue dafür zum Unterpfand Es fuhren niemals Helden noch in ein fremdes Reich Zu ſol\<en hohen Ehren, in Wahrheit, das ſag ich en\<.“ Die Nede freute Hagen in ſeinem Herzen ſehr; Die Kleider gab er ihnen und ſäumte ſich nicht mehr. Als ſie umgeſchlagen ihr wunderbar Gewand, Vernahm er erſt die Wahrheit von der Fahrt in Etels Land.

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Da ſprach das andre Meerweib mit Namen Siegelind: „I\< will dich warnen, Hagen, Aldrianens Kind. Um der Kleider willen hat meine Muhm gelogen; Und kommſt zu den Heunen, ſo biſt du ſchmählich betrogeu. „Wieder umzukehren, wohl wär es an der Zeit,“ Dieweil ihr kühnen Helden alſo geladen ſeid, Daß ihr ſterben müßet in König Ekels Land: Die da hinreiten, haben den Tod an der Hand.“ Da ſprach wieder Hagen? „Ihr trügt mich ohne Noth: Wie ſollte das ſich fügen, daß wir alle todt Bei den Heunen blieben durc\< Jemandes Groll?“ * Da ſagten ſie dem Degen die Märe deutlich und voll. Da ſprach die Eine wieder: „Wohl muß es ſo geſchehn: Keiner von euch Degen wird die Heimat wieder ſehn, Als des Königs Kapellan: das iſt uns wohl bekannt, Der kommt geborgen wieder heim in König Gunthers Land.“ Da ſprach mit grimmem Muthe der kühne Recke Hagen: „Das ließen meine Herren ſchwerlich ſich ſagen, Daß wir bei den Heunen verlören all den Leib: Nun zeig uns übers Waßer, du allerweiſeſtes Weib,“ Sie ſpracht „Willſt du nicht ander8 und ſoll die Fahrt geſchehn , So ſiehſt du überm Waßer eine Herberge ſtehn : Darinnen wohnt ein Fährmann und nirgend ſonſt umher.“ Der Mär, um die er fragte, glaubte nun der Degen hehr. Dem unmuthsvollen Re>en rief noch die Eine nach: „Nun wartet, Herr Hagen, euch iſt gar zu jachz Vernehmet noch die Kunde wie ihr kommt durch das Land. Der Herr dieſer Marke, der iſt Elſe genannt.

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„Sein Bruder iſt geheißen Gelfrat der Held, Ein Herr im Baierlande: nicht ſo leicht es hält Wollt ihr durch ſeine Marke: ihr mögt enc\< wohl bewahren, Und ſollt auch mit dem Fährmann gar beſcheidentlich verfahren. „Der iſt ſo grimmes Muthes, er läßt euch nicht gedeihn, Wollt ihr nicht verſtändig bei dem Helden ſein. Soll er euch über holen, ſo gebt ihm guten Sold; Er hütet dieſes Landes und iſt Gelfraten hold. „Und fommt er nicht bei Zeiten, ſo ruft über Flut, Und ſagt, ihr heißet Amelreic\<h; das war ein Degen gut, Der ſeiner Feinde willen räumte dieſes Land: So wird der Fährmann kommen, wird ihm der Name bekannt.“ Der übermüthge Hagen dankte den Frauen hehr. Der Degen ſchwieg ſtille, kein Wörtlein ſprach er mehr; Dann gieng er bei dem Waßer hinauf an dem Strand , Wo er auf jener Seite eine Herberge fand. Laut begann zu rufen der Degen über Flut: „Nun hol mich über, Ferge ,“ ſprach der Degen gut, „So geb ich dir zum Lohne : eine Spange goldesroth 7 Mir thut das Ueberfahren, das wiße, in Wahrheit Noth.“ Es brauchte nicht zu dienen der reiche Schiffersmann, Lohn nahm er ſelten. von Jemanden an; Auch waren ſeine Knechte zumal von ſiolzeim Muth. Noch immer ſtand Hagen auf dieſer Seite der Flut. Da rief er ſo gewaltig, der ganze Strom erſcholl Von des Helden Stärke, die war ſo groß und voll: „Mich Amelreich hol über; ich bin es, Elſes Mann, Der ſtarker Feindſchaft willen aus dieſen Landen entraun.“

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Hoch an ſeinem Schwerte er ihm die Spange bot; Die war ſchön und glänzte von lichtem Golde roth , Daß man ihn überbräc\<hte in Gelfratens Land. Der übermüthge Ferge' nahm ſelbſt das Nuder in die Hand. Derſelbe Schiffmann hatte neulich erſt gefreit, Die Gier nach großem Gute oft böſes Ende leiht: Er dachte zu verdienen Hagens Gold ſo roth; Da litt er von dem Degen den ſchwertgrimmigen Tod. Der Fährmann fahr gewaltig hinüber an den Strand. Den er nennen hörte, als er den nicht fand, Da hub er an zu zürnen: als er Hagen ſah Mit grimmem Ungeſtüme zu dem Helden ſprach er da: „Ihr möget euch wohl nennen mit Namen Amelreicht Des ich mich hier verſehen , dem ſeht ihr wenig gleich. Von Vater und Mutter war er der Bruder mein Nun ihr mich betrogen habt, ſo müßt ihr dießhalben ſein.“ „Nein! um Gottes willen,“ ſprach Hagen dagegen , „I\< bin ein fremder Nitter, beſorgt .um andre Degen: Nun nehmt, den ich geboten, freundlich hin den Sold Und fahret uns hinüber: ich bin euch wahrhaftig hold.“ Da ſprac\< der Fährmann wieder:- „Das kann nun nicht ſein. Es haben viel Feinde die lieben Herren mein: Drum fahr ich keinen Fremden hinüber in das Land; Wenu euch das Leben lieb iſt, ſo tretet aus an den Strand.“ „Nein , thut das nicht,“ ſpra\< Hagen, „traurig iſt mein Muth; Nehmt von mir zum Lohne die goldne Spange gut, Und fahrt uns über, taufend Noß und auch ſo manchen Mann.“ Da ſprach der grimme Fährmann: „Das wird nimmer gethan.“

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Der Fährmann hob ein Ruder, ſtark, groß und breit, Und ſchlug es auf Hagen; dem that es ſolc\<hes Leid, Daß er im Schiffe nieder ſtrauchelt? auf das Knie. Solchen grimmen Fährmann fand der von Tronje noch nie. Noch ſtärker zu erzürnen den kühnen Fremdling, ſchwang Er ſeine Nuderſrange, daß ſie ganz zerſprang, Auf das Haupt dem Hagen; er war ein ſtarker Mann; Davon der Elſenferge bald großen Schaden gewann. Mit grimmigem Muthe griff Hagen gleich zur Hand Zur Seite nach der Scheide, wo er ein Waffen fand: Er ſchlug das Haupt vom Rumpf ihm und warf es auf den Gruud. Bald macht" er dieſe Mären anch den Burgonden kund. Im ſelben Augenblie, als er den Fährmann ſc\<lug, Glitt das Schiff zur Strömung; das war ihm leid genug. Eh er eB richten konnte, fiel ihn Ermüdung an: Da zeigte große Kräfte König Gunthers Unterthan. Er verſucht? es umzukehren mit ſchnellem Nuderſchlag, Vis ihm das ſtarke Ruder in der Hand zerbrach. Er wollte zu den Reken ſich wenden an den Straudz Da hatt er feines weiter? wie bald er es zuſammen band Mit ſeinem Schildriemen! das war eine Borte ſchmal. Da kehrt? er nach dem Walde das Schifflein zu Thal. Da fand er ſeine Herren harren an dem Strandz Es giengen ihm entgegen viel der Degen auserkannt. Mit Gruß ihn wohl empfiengen die ſchnellen Ritter gut: Sie ſahen in dem Schiffe rauchen no\< das Blut Von einer ſtarken Wunde, ' die er dem Fährmann ſchlug: Da wurde von den Degen gefraget Hagen genug:

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Als der König Gunther das heiße Blut erſah In dem Schiffe ſchwimmen, wie balde ſprach er da: „Wo iſt denn, Herr Hagen, der Fährmann hingekommen 2 Eure ſtarken Kräfte haben ihm wohl das Leben benommen.“ Er fprach mit Lügenworten: „Als ich das Schifflein fand Bei einer wilden Weide, da löſt? es meine Hand: I\< habe keinen Fergen heute hier geſehn, Es iſt auch Niemand Leides von meinetwegen geſchehn.“ Da ſprach von Burgonden der Degen Gernot: „Heute muß ich bangen um lieber Freunde Tod, Da wir keinen Schiffmann hier am Strome ſehn: Wie wir hinüber kommen, drob muß ich in Sorgen ſtehn.“ Laut rief da Hagen? „Legt auf den Boden dar, Ihr Knechte, das Geräthe: mir gedenkt noc\<, daß ich war Der allerbeſte Ferge, den man am Nheine fand: 14 I\< will euch wohl hinüber bringen in Gelfratens Land.“ Daß ſie deſto ſchneller kämen über Flut, An banden ſie die Moſſe z- ihr S\<hwimmen ward ſo gut, Daß ihnen :guch nicht Eines die ſtarke Flut benahm. Einge trieben ferner, als ihnen Müdigkeit kam. * Das Sciff war ungefüge, ſtark und weit genug? Fünfhundert oder drüber * es leiht auf einmal trug Ihres Volks mit Speiſe - und Waffen über Flut: Am Ruder muſte ziehen - des Tages mancher Ritter gut. Sie trugen zu dem Schiffe ihr Gold und auch den Staat/" Da ſie der Hofreiſe“ nicht, wollten haben Nath. Hagen fuhr ſie über; da bracht er an den Strand Manchen zieren Re>en in das unbekanate Land.

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Zum erſten bracht er über tauſend Ritter hehr, Dazu auch ſeine Ne>enz; dann kamen ihrer mehr, Neuntauſend Knechte, die bracht er an das Land: Des Tages war unmüßig des kühnen Tronejers Hand. Da er ſie wohlgeborgen brachte über Flut, Da gedachte jener Märe der ſchnelle Degen gut, Die ihm verkündet hatte das wilde Meerweib: : Das gieng des Königs Kapellan gar nah. an Leben und Leib. Bei ſeinem Weihgeräthe er den Pfaffen fand Auf dem Heiligthume ſich ſtüßend mit der Hand: Das kam ihm nicht zu Gute, als Hagen ihn erſah; Der gottverlaßne Prieſter litt große Beſchwerde da. Er ſchwang ihn aus dem Schiffe mit eilender Gewalt, Da riefen ihrer Viele: „Halt! Herr Hagen, halt!“ Geiſelher der junge hub zu zürnen an. TE Er wollt es doch nicht laßen bis er ihm Leides gethan. -Da ſprac\< von Burgonden der Degen Gerenot: „Was hilft euch nun, Herr Hagen, des Kaplanes Tod? That dieß anders Jemand, dem ſollt es werden leid: Was verſchuldete der Prieſter, daß ihr ſo wider ihn ſeid2“ „Der Pfaffe-ſhwamm nach Kräften ; er hoffte zu entgehn, Wenn ihm nur Jemand hülfe: das konnte nicht geſchehn , Denn "der ſtarke Hagen, gar zornig war ſein Muth, = Stieß ihn zu Grunde wieder: das däuchte Niemanden gut. A138 der arme Pfafſſe hier keine Hülfe fah ,. Da kehrt? er ſich zurü>e; Beſchwerde litt er da. | Ob er nicht ſchwimmen konnte, doch half ihm Gottes Hand, Daß er wohlgeborgen hinwieder kam an das Land.

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54 KEiT> Da ſtand der arme Prieſter und ſchüttelte ſein Kleid. Daran erkannte Hagen, ihm habe prophezeit Gewiſſe Todesmäre das wilde Meerweib. Er dachte? „Dieſe Degen verlieren Leben und Leib.“ Als ſie das Sciff entladen und weggetragen dann Was darauf beſeßen der dreien Fürſten Bann, Schlug Hagen es in Stücke und warf es in die Flut: Das wunderte gewaltig die Re>en edel und gut. „Was thut ihr das, Bruder?“ ſprac\< da Dankwart, „Wie ſollen wir hinüber bei unſrer Wiederfahrt, Wenn wir von den Heunen reiten an den Nhein?“ Später fagt? ihm Hagen, das könne nimmermehr ſein. Da ſprach von Tronje Hagen: „I\< that es mit Bedacht: Wenn wir einen Feigen in dieſes Land gebracht, Der uns entrinnen möchte. in ſeines Herzens Noth, Daß er an dieſen Wogen finde ſchmählichen Tod.“ * Als der Kaplan des Königs das Sciff zerſchlagen ſah, Ueber die Waßerfluten zu Hagen ſprach er dat „Mörder ohne Treue, was hatt ich euch gethan, Daß mich unſchuldgen Pfaffen euer Herz zu ertränfen ſann?“ * Zur Antwort gab ihm Hagen: „Die Rede laßt beiſeit: „Mich kümmert, meiner Trene, daß ihr entfommen ſeid Hier vor meinen Händen, das glaubt mir ohne Spott.“ Da ſprach der arme Prieſter? „Dafür lob ich ewig Gott. * „I\< fürcht euch wahrlich. wenig, des dürft ihr ſicher ſein; Fahrt ihr zu den Heunen, ſo will ich an den Rhein. Gott laß euch nimmer wieder nach dem Nheine kommen: Das wünſch ich euch von Herzen; ſchier habt ihr mir das Leben

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Mit ihnen zog Einer aus Burgondeuland, Der ein behender Degen und Volker war genannt. Der redete gar lannig nach ſeinem kühnen Muth: Was Hagen je begangen, das dänchte den Fiedler gut. Die Roſſe ſtanden harrend, die Säumer wohl geladen ; Sie hatten auf der Reiſe bisher noch keinen Schaden Genommen, der ſie ſhmerzte, als des Königs Kapellan : Der muſt auf ſeinen Füßen zum Rheine ſuchen die Bahn.

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Sechsundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Dankwart Gelfraten erſchlug. Ats ſie nun alle waren gefommen an den Strand, Da fragte König Gunther: „Wer foll uns durch das Land Die rechten Wege weiſen, daß wir- nicht irre gehn?“ Da. ſprach der ſtarfe Volker: „Das Amt laßt mich nur verſehn.“ „Nun ſeht euch vor,“ ſprach Hagen, „ſeis Nitter vder Knecht, Man ſoll Freunden folgen ; das dünkt mich gut und recht. Eine ungefüge Märe mac ich euch bekannt: Wir kommen nimmer wieder heim in der Burgonden Land. Das ſagten mir zwei Meerfraun heute morgen fruh, Daß wir nicht wieder kämen: nun rath ich was man thu: Waffnet euch, ihr Helden, ſo mögt ihr euch bewahren : Wir finden ſtarke Feinde und müßen drum wehrhaft fahren, -„- Ich wähnt auf Lug zu finden die weiſen Meerfraun: Sie ſagten mir, nicht Einer werde wiederſchaun Die Heimat von uns Allen, bis auf den Kapeltan z Drum hätt ich ihm ſo gerne heut den Tod angethan.“ Da flogen dieſe Mären von Schar zu Schar umher: Da wurden bleich vor Shrefen Degen fühn und hehr, A18 ſie die Sorge faßte vor dem harten Tod Auf dieſer Hofreiſe: das ſchuf ihnen wahrlich Noth.

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ei Möringen waren ſie über Flut gefommen, dem Elſen-Fährmann das Leben ward benommen. rach Hagen wieder? „Da ich mir ſo gewann rwegs der Feinden ſo fällt man ſicher uns an. „I\<h erſchlug den Fährmann heute morgen fruh. Sie wißen nun die Kunde: drum eilt und greifet zu: n Gelfrat und Elſe uns denken zu beſtehn M unſerm Ingeſinde, daß ihnen übel mag geſchehn. „Sie werden es nicht meiden, ich weiß es, ſie ſind kühn, Drum laßt im ſanften Schritte dic Noſſe weiter ziehn, Daß nicht Jemand wähne, wir flöhen auf den Weger 87 „Dem Rathe will ich Folgen,“ ſprach da Geiſelher der Degen. „Wer zeigt nun“ dem Geſinde die "Wege durch das Land?“ Sie ſprachen : „Das ſoll Volker , . dem. ſind hie wohlbekänt Die Straßen und die Steige, dem fühnen Fiedelmann.“ Eh man es noch begehrte kam er gewaffnet herau, Der kühne Fiedelfpieler; den Helm er überband ; Von herrlicher Farbe war ſein Streitgewand, Am Schafte ließ er flatteräſy ein Zeichen , das war roth: Bald kam :er mit den Königen in eine furchtbare Noth. Gewiſſe Märe hatte Gelfrat bekommen Von des Fährmanns Tode: da hatt es auch vernommen Elſe der ſtarke: Veiden war es Leid. Sie beſandten ihre Helden; die traf man balde bereit. Darauf in kurzen Zeiten, nun hört mich weiter an, Sah man zu ihnen reiten, denen Schaden war gethan, In ſtarkem Kriegszuge ein ungezähltes Heer: ' Wohl ſiebenhundert zogen zu Hülfe Gelfraten her. * Lachm, 1531-- 14537.

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Als man den grimnien Feinden nachzuziehn begann , Ihre Herrn, die ſie führten, huben zu jagen an Nah den kühnen Gäſten: ſie wollten Rache habent Da muſten ſie der Freunde hernach noch Manchen begraben. Herr Hagen von Tronje richtete das ein (Wie konnte ſeiner Freunde ein beßrer Hüter ſein?), Nd Daß er die Nachhut hatte und die in ſeinem,Bann, > Mit Dankwart ſeinem Bruder; das wurde willig gethan. Ihnen war der Tag zerronnen, den hatten ſie nicht mehr: Er bangte vor Gefahren für ſeine Frennde ſehr. Sie ritten unter Schilden durch der Baiern Land: Darauf nach kurzer Weile die Helden wurden angerannt. Beiderſeits der Straße und hinter ihnen her v Vernähm"man Hufe ſchlagen; die Haufen eilten ſehr. Da ſprach der kühne Dankwart: „Gleich fallen ſie uns an: Bindet auf die Helme; das iſt räthlich gethan.“ Sie hielten ein mit Neiten, alſo muſt es ſein: Sie ſahen in dem Dunkel der lichten Schilde Schein. Nicht länger ſtille ſ\<weigen mochte däf Herr Hagen: „Wer verfolgt uns auf der Straße?“ Das muſte Gelfrat ihm ſagen. Da ſprach der Markgrafe aus dem Baierland: „Wir ſuchen unſre Feinde, denen ſind wir nachgerannt, Ich weiß nicht, wer mir heute meinen Fergen ſchlug, Das war ein ſchneller Degen; mir iſt leid um ihn genug.“ Da ſprach von Tronje Hagen: „War der Ferge dein? Er wollt uns nicht fahren (mein iſt die Schuld allein): Da erſchlug ich den Ne>en? fürwahr, es that mir Noth: I\< fand von ſeinen Händen beinah den grimmigen Tod.

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„I\< bot ihm zum Lohne Gold und auch Gewand, „Daß er uns überfahre, . Degen , in dein Land. T er zürnt* er alſo, daß er nach mir ſchlug Mit einem ſtarken Nuder: drob ward ich grimmig genug. „„.Da griff ich nah dem Schwerte und wehrte ſeinem Zorn iner ſtarken Wunde: da war der Held verlorn. eh euch hier zur Sühne, haltet ihrs für gut.“ Da gieng es an ein Streiten; ſie hatten zornigen Muth. „I\< wuſte wohl,“ ſpra\< Gelfrat, „als hier mit ſeinem Lehn Gunther zog vorüber, uns werd ein Leid geſchehn Durch Hagen von Tronje, Nun büßt ers mit dem Leben: Für..des Fährmanns Ende foll "ber Held hier Bürgſchaft geben.“ 4 \<l Hagen neigten da den Sper Zu tich über die Schilde: ſich zürnten beide ſehr. Elſe und Dankwart züſammen herrlich ritten z Sie verſuchten wer ſie waren; da wurde grimmig geſtritten. Wann verſuchten Helden in fühnerm Kampfe ſich ? Von einem ſtarfen Stoße fiel Hagen hinter ſich Nieder von der Mähre durch Gelfratens Hand; Der Bruſtriem war gebrochen; da ward ihm Streiten bekannt. Man vernahm auch beim Geſinde brechender Schäfte S\<all; Da erfMie ſich auß Hagen wieder von dem Fall, Den er auf das Gras gethan von des Gegners Stoß: Da erſt ward ſein Zürnen wider Gelfraten groß. Wer ihr Rofs gehalten, das iſt mir unbekannt. Gelfrat und Hagen waren auf den Sand Gefommen von der Mähre: da liefen ſie ſic) an. Es halfen ihre Geſellen, daß man Streitens Kunde gewann.

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Wie bitterlich auch Hagen “ zu “vi ſprang, Ein gutes Theil des Schildes e Markgraf ſchwang Ihm zur Erde nieder; das Feuer ſtob daran. dg Da wäre ſchier erſtorben “König Gunthers Unterthan. Er rief mit lauter Stimme Dankwarten aut“ „Hilf mir, lieber Bruder, ein ſchneller ſta Mann Hat mich hier beſtanden, der läßt mich am Leben.“ Da ſprach der kühne. Dankwart: „Dem will ich ein Ende ge Da ſprang der Degen näher und ſchlug ihm einen Schlag Mit einer ſcharfen Waffe, davon er leblos lag. Elſe wollte Rahe nehmen für den Mann: Doch er und- ſein Geſinde mit/Schaden“ ſchieden hindann. Sein Bruder war erſchlagen,“ ſelber war er wund, - '? Wohl achtzig ſeiner Degen wurden gleich zur Stund Des grimmen Todes Beute: da muſte wöhl der H . Gunthers Leuten räumen mit. ſchnellem Flüchten Feld. Als die vom Baierlande wichen aus dem Wege, * Man hörte nachhallen die furchtbaren Schläge Da jagten die von Tronje hinter den Feinden 'her. Die es nicht büßen wollten, - die eilten alle gar zu ſehr. Da ſprach beim Nachſeßen Dankwart der Degen: „Kehren wir uns wieder zurü> zu unſern Wegen, Und laßen wir ſie reiten, ſie ſind von Blute naß. Wir eilen zu den Freunden, in Treuen rath ich euch das.“ Als ſie hinwieder kamen, wo der Schade war geſchehn, Da ſprach von Tronje Hagen: „Helden, laßt uns fehn, Wen wir hier vermiſſen, vder wer uns gieng verlor'n Hier in dieſem Streite durch Degen Gelfratens Zorn,“

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Sie vermiſsten Viere; der Schade war zu tragen. n Sie waren wohl vergolten ; dagegen war erſchlagen Deren vom Baierlande hundert oder mehr: en von Tronje waren die Schilde trüb und blutesſchwer. „wenig brach aus Wolken des hellen Mondes Licht: rach wieder Hagen? „Hört, berichtet nicht lieben Herren was wir hier gethan: nen bis zum Morgen, „feine Sorge doch nahn.“ Als zu ihnen 6, da kamen von dem Streit, Da klagte das über Müdigkeit24 „Wie lange n wir reiten,“ fragteymancher Mann. Da ſpra hne Dankwart: „Wir treffen keine Herberg an. 4 t alle reiten bis an den hellen “ ſchnelle, der des Geſindes pflag, [4 en Marſchall fragen! „Wo kehren wir heut ein? Wo raſte Pferde und die lieben Herren mein?“ Da ſprach e Dankwart: „I\< kann es nicht ſagen: r weg uns nicht ruhen bis es beginnt. zu tagen; Wo dann finden, legen wir uns aufs Gras.“ Als ie Kunde hörten wie leid war Etlichen das! Sie blieben unverrathen vom heißen Blute roth, Vis die Sonne wieder die lichten Stralen bot Dem Morgen über die Berge, wo es der König ſah, Daß ſie geſtritten hatten: ſehr im Zorne ſprach er da: „Wie nun, Freund Hagen? Verſchmähet ihr das, Daß ich eun\< Hülfe brächte, als euch die Ringe naß Wurden von dem Blute? wer hat euch das gethan ?“ Da ſprach er: „Elſe that es, der griff nächten uns an. Lahm, 1559 = 1565.

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„Um des Fährmanns willen wurden wir angerannt. Da erſchlug Gelfraten meines Bruders Handz Entronnen iſt uns Elſe, es zwang ihn große Noth: E Ihnen hundert, uns nur Viere blieben da im Streite todt.“ Wir können euch nicht melden, wo man die GIR All den Landleuten ward es wohlbekannt, Der edeln Ute Söhne zögen zum Hofgelag : Eb. Sie wurden wohl empfangen de 40 .. Dem Ohm der edeln Könige, dem eine Refe Dem wurde wohl zu Muthe;x als ine Neſen Ne Mit ſo manchem Reken beſuchten in dem Landz Daß er ſie gerne ſähe ward ihnen balde bekannt. Sie wurden wo fangen von Freunden auf den Y Da kounte m aßau ſie alle nicht verpflegen; Sie muſien übers Waßer: da fanden ſie ein Feld, . Da wurden aufgeſchlagen viel Hütten und reich: Sie muſten da verweilen einen vollen Tag Und eine Nac\<t darüber. Wie ſchön man ſie verpflag! Dann ritten ſie von dannen in Rüdigers Land: EE Dem wurden auch die Mären nac\< wenig Stunden beka Als die Wegemüden Nuh ſich angethan, Und man Nüdgers Lande zu nahen nun begann, Sie fanden auf der Marke ſchlafen einen Mann, Dem von Tronje Hagen eine ſtarke Waffe abgewann. : E>wart war geheißen derſelbe Nitter guts Der gewann darüber einen traurigen Muth, Daß er das Schwert verloren durch der Helden Fahrt. Nüdgers Grenzmarke, die fand man übel bewahrt.

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„DO weh;,mir dieſer Schande,“ ſprach da E&ewart, „Wie muß ich nun beklagen der Burgonden Fahrt! Als ich verlor Siegfrieden hub all mein Kummer an; Oſſweh, mein Herre Rüdiger, wie hab ich wider dich gethan!“ Wohl hörte Hagen des edeln Nec>en Noth: Er gab das Schwert ihm wieder, dazu ſechs Spangen roth: „Die nimm dir, Held, zum Lohne, willſt du hold mir ſein; Du biſt ein ügper Degen, lägſt du hier noch ſo allein.“ „Gott lohn euch eure Spangen;“ ſprach da E>Xewart, „- Doh gerent mich mächtig zu den Heunen eure Fahrt. Ihr erſchlngt Siegfrieden; hier trägt man euch no\< Haß: Daß ihr euch wohl, behütet, in Treue rath ich euch das.“ „V g uns Gott behüten z“ ſprac\< Hagen dagegen, p dre Sorge haben dieſe Degen Als um die Herberge, die Fürſten und ihr Lehn, Wo wir in, dieſem Lande heute Nachtruh ſollen ſehn. „Die Roſſ ſind uns verdorben auf den fernen Wegen, Die Speiſe gar zerronnen,“ ſpra\< Hagen der Degen, „Wir findens nicht zu Kaufe? es wär ein Wirth uns Noth, Der uns durch ſeine Tugend noch heunte gäbe das Brot.“ Da ſprach wieder wih EN zeig euch einen Wirth, Daß Niemand euch im e ſo gut empfangen wird In irgend einem Lande, als euch hier mag geſchehn, Wenn ihr ſchnellen Degen wollt zu Rüdigern gehn. „Der Wirth wohnt an der Straße, der Beſte allerwärts, Der je ein Haus beſeßen? Tugend gebiert ſein Herz, Wie das Gras mit Blumen der ſüße Maie thut, Und ſoll er Helden dienen, ſo iſt er froh und wohlgemuth.“

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Da ſprach der König Gunther: „Wollt ihr mein Bote ſein, Ob mich behalten wolle um der Liebe mein Mein lieber Freund Nüdger, und Die in meinem Bann? + Das will ich immer lohnen, ſo gut ich irgend nur kann.“ „Der Bote bin ich gerne,“ ſprach da EFewart. Mit viel gutem. Willen erhob er ſich zur Fahrt Und ſagte Rüdigeren was er da vernommen: Dem war in langen Zeiten ſo liebe Kunde nicht gefomen. - Man ſah zu Bechlaren eilen einen Degen, Den Nüdger wohl erkannte; * er ſprach: *,„- Auf dieſen Bee Kommt E>ewart gegangen, Kriemhildens Unterthan.“ Er wähnte ſc\<on, die Feinde hätten ihm ein Leid gethan. Da gieng er vor die Pforte, wo er den Voten fandz Der nahm ſein Schwert vom Gürtel und legt? es aus d. Die. Märe, die er brachte , verhehlte nicht ſein Mund Dem Wirth und ſeinen Freunden, er macht? es bald ihnen kund. Er ſprach zum Markgrafen: „Mich hat zu euch geſandt Gunther mein Herre von Burgondenland, i Geiſelher ſein Bruder und auc\< Gerenot. Jeglicher der Ne>en euch ſeine Dienſte her entbot. „Daſſelbe thut auch Hagen, Volker fu Fleis, Mit Fleiß und rechter Treue; "dazu bericht ich euch, Was des Königs Marſchall euch durc\< mich entbot: Es ſei den guten Knechten eure Herberge Noth.“ Mit lachendem Munde verſeßte Rüdiger: „Nun wohl mir dieſer Märe, daß die Könige hehr Begehren meiner Dienſte: dazu bin ich bereit. Wenn ſie ins Haus mir kommen, des bin ic\< höchlich erfreut.“ Lahm. 4580 == 1586. “

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„Dankwart der Marſchall, der hat euch kund gethan, er euch zu Hauſe noch heute zieht heran: Eros ſchneller Reen und tauſend Nitter gut, neuntauſend Knechte.“ Da ward ihm fröhlich zu Muth. „Wohl mir um dieſe Gäſte,“ ſprachcda Rüdiger; „Daß mir zu Hauſe kommen die edeln Nitter hehr, Deuen ich noh ſelten einen Dienſt gethan . Nun „reitet ihnen entgegen, ſei's Freund oder Unterthan. % Sie eilten zu den Noſſen, Mitter ſo wie Knecht. Was ihr Herr geboten, das däuchte Alle recht: Sie brachten ihre Dienſte um ſo ſchneller darz Noc\< wuſt es nicht. Gotlinde, die in ihrer Kammer war.

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Siebenundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Rüdiger Gunthern empfieng. Hin gieng der Markgraf, wo er die Frauen fand, Sein Weib und ſeine Tochter, ' Denen macht er da bekannt Dieſe liebe Märe, die er jeßt vernommen, i Daß ihrer Frauen Brüder zu ihrem Haufe ſollten kommen. „Meine liebe Traute,“ ſprach da Rüdiger, „Ihr ſollt ſie wohl . die edeln Könge hehr , Wenn ſie und ihr Geſinde hier zu Hofe gehn; Ihr follt auch ſchön begrüßen Hagen in Gunthers Lehn. „Mit ihnen kommt auch Einer mit Namen Dankwart, Ein andrer heißet Volker, an Ehren wohlbewahrt. Die Sechſe ſollt ihr küſſen,“ ihr und die Tochter mein, Und ſollt auch in Züchten dieſen Re>en freundlich ſein.“ Das gelobten ihm die Frauen und warens gern bereit: Sie ſuchten aus den Kiſten manch herrliches Kleid, Darin ſie den Re>en entgegen wollten gehn, Da ſah man groß Befleißen von ſchönen Frauen geſchehn. Gefälſchte Franenzierde gar wenig man da fandz Sie trugen auf dem Haupte lichtes goldnes Band, Das waren reiche Kränze, damit ihr ſchönes Haar Die Winde nicht verwehten; ſie waren höfiſch und klar.

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In ſolcher Unmuße laßen wir die Fraun. Da war ei les Reiten auf dem Feld zu ſchaun |. Rüdi, noßen bis mat die Fürſien fand: Sie wurden wohl empfangen in des Markgrafen Land. Als„ſie der Markgraf zu ſich kommen fah, Zu ſeinen lieben Gäſten fröhlich ſprach er da: „Willkommen mir ihr Herren und die in euerm Lehn: Hier in meinem Lande hab ich euch " Ip Da danktenzihm die Reen in Treuen ohne Haß. Wie wohl ex. ihnen wolle , wohl bewies.er das. Beſonders grüßt? er Hagen, der war ihm längſt bekannt ; So that er auch mit Volkern aus der Burgonden Land. Er empfieug auch Dankwarten. Da ſprach der kühne Degen : „Wollt ihr uns hier behalten, wer foll dann verpflegen Unſer Ingeſinde, das wir hergebracht ?“ Da ſprach der Markgraf: „I\< ſchaff euch gute Ruh bei Nacht * „Und all dem Geſinde. Was ihr in das Land Mit euch hergeführet: Roſs, Silber und. Gewand , Dem geb ich ſolche Hüter, nichts geht davon verloren, Das euch zu Schaden brächte nur um einen halben Sporen. „Spaunet auf, ihr Knechte, die Hütten inſdem Feld; Was ihr hier verlieret, dafür leiſt Ih Entgelt: Zieht die Zäume nieder und laßt die Noſſe gehn“ Das war ihnen ſelten von einem Wirthe no\< geſchehn. Des freuten ſich die Gäſte. Als das geſchehen war, Und die Herrn von dannen ritten, legte ſich die Schar Der Knecht im Grafe nieder: gut ruhen war es dg, Daß ihnen auf der Reiſe wohl nimmer ſanfter geſchah.

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Die edle Markgräfin mit ihrer Tochter ſhön | War vor die Burg gegangen; da ſah man bei Minnigliche Frauen und manche ſchöne Mai Sie trugen viel der Spangen und Das edle Geſteine glänzte fern hindaun Adem Aus ihrem reichen Staate: ſie waren wohlg Da kamen auch die und ſprangen auf den it . Hei! was man edle an den Burgonden fand! Sechs und dreißig, Mägdelein und viel andre Fraunſy, Die wohl nac\< Wunſche waren und wonnig anzuſchaun, Giengen ihnew entgegen mit manchem kühnen Mann: Da ward ein ſchönes Grüßen von edeln Frauen gethan. m R füſte die Könge alle dreiß E & that auch ihre Tochter. Hagen ſtand dabei. Den hieß ihr Vater küſſen: da blickte ſie ihn an: “eG «. Er däuchte ſie ſv fur\<tbar, ſie hätt es lieber nicht gethan. . + Doch muſte ſie es leiſten, wie"ihr der Wirth gebott Gemiſcht ward ihre Farbe, bleich und wieder roth. Sie füſſt? auch Dankwarten, darnach den Fiedelmann : Seiner Kühnheit willen ward ihm das Grüßen gethan. Die junge Markgräfii nahm bei der Hand Geiſelher den jungen von Burgondenland ; ' So nahm auch ihre Mutter Gunthern den kühnen Mann: Da giengen mit den Helden die Frauen fröhlich hindann. Der Wirth gieng mit Gernoten in einen weiten Saal, Die Nitter und die Frauen ſekten ſich zu Thal. Da ließ man gleich den Gäſten ſchenken guten Wein: Beßer mochten Helden nimmer wohl empfangen ſein.

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Mit liebem Blik der Augen ſah da Mancher an - Rüdigers Tochter, die war ſo wohlgethan. + - Wohl koſt in ſeinem Sinne ſie mancher Nitter gut: Das modte ſie verdienen; ſie«trug gar hoch ihren Muth. * Sie dachten was ſie wollten; doch konnt es nicht geſchehn. Man ſah die guten Nitter hin und wieder" ſpähn 1 Nach Mägdelein und Franen; deren ſaßen da genug. Dem Wirth geneigten Willen ſder-edle Fiedeler“trug. Da wurden ſiegeſchieden, wie Sitte war im Land: Zu andern Zimmern giengen Ritter und Fräun zur Hand. Man richtetendie Tiſche in dem Saale weit Und war“ den fremden Gäſten zu allen Dienſten bereit. Den Gäſten gieng zu Ehren die edle Markgräfin u + Mit ihnen zu den Tiſchen; die Tochter ließ ſie drin Bei den Mägdlein weilen, „wo ſie nach Sitte blieb: Daß ſie die nicht" mehr fahen, das war den Gäſten nicht lieb, Als ?man getrunfen hatte und geſpeiſet überall, Da führte man die Schönen wieder in den Saal. * . Anmuthge Neden . wurden nicht geſcheut, . Viel ſprach deren Volker, ein Degen kühn und allbereit, Da ſprach unverhohlen derſelbe Fiedelmann : Viel reicher Markgraf, Gott hat an euch gethan Nach allen ſeinen Gnaden; hat er euch doch gegeben Ein Weib, ein ſo recht ſchönes, dazu ein wonnigliches Leben. „Wenn ich ein König wäre,“ ſprach der Fiedelmann , „Und ſollte Krone tragen, zum Weibe nähm ich dann Eure ſchöne Tochter ; die wünſchte ſich mein Muth: Sie iſt minniglich zu ſchauen, dazu edel und gut.“

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+ Da ſprach der Markgraf: „Wie möchte das wohl ſein, Daß je ein Fürſt begehrte der lieben Tochter mein ? Wir ſind hier beide fremde, ich und auch mein Weib; | Was hilft die große Schöne an der guten Jungfrau Leib?“ Da verſeßte Gernot, der edle Degen gutt „Und wählt ich eine Traute nac\< meines Herzens Muth, So wär ich ſol\<es Weibes von ganzer Seele froh.“ Da antwortet" ihm Hagen mit adliger Sitte'ſo? „Nun ſoll ſich doh beweiben mein Herre Geiſelher: Es iſt ſo hohen Statimes die Markgräfin hehr, Daß wir ihr gerne dienten, ich und fein ganzes Lehn , Sollte ſie unter Krone bei den Burgonden gehn.“ Dieſe Rede däu\<te Rüdigern gut, Und auch Gotelinden; wohl freute ſich ihr Muth. Da ſchufen es die Helden, daß ſie zum Weibe nahm Geiſelher der edle; der König durft es ohne Scham. Soll ein Ding ſich fügen, wer kann ihm widerſtehn ? Man ließ die Jungfraue hin „zu Hofe gehn. "24 Da ſchwur man ihm zu geben das wonnigliche Weib; Da gelobt? aun\< er zu minnen ihren minniglichen Leib. Man beſchied der Jungfrau VBurgen und auch Land. Da ſicherte mit Eiden des edeln Königs Hand Und Gernot der Degen, es werde ſo gethan. Da ſprach der Markgraf: „Da ich des Landes nicht gewann, „So will ich euch in Treuen immer bleiben hold, I\< gebe meiner Tochter an Silber und an Gold Was hundert Sanmroſſe nur immer mögen tragen, Daß es dieſen Heiden nac\< Ehren möge behagen.“

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KX 3 21 rw itte in einen Kreiß geſtellt n. Mancher junge Held Mi the ſtand ihr da entgegen, Er gedacht in ſeinem Sinne wie no\< die Jungen gerne pflegen. Als man begann zu fragen die minnigliche Ob ſie den Reen wolle, zum Theil war es i Doch dachte ſie zu nehmen den waidlichen Sie ſchämte ſich der Frage, wie manch hat gethan. Ihr rieth ihr Vater Rüdiger, daß ſie ſprähe Ia, 4 Und daß ſie gern ihn nähme? wie ſchnell war er da |. Mit ſeinen weißen Händen, womit er ſie umſchloß, Geiſelher der junge! Wie wenig ſie ihn doh genoß! Da ſprach der Markgraf! FIhr edeln Könge reich, Wenn Ihr nun wiederkehret * heim in euer Neich, Wie es doc\< bald geſchiehet, ſo geb ich euch die Magd, Daß ihr ſie mit euch führet.“ Alſo ward es zugeſagt. Der Sc\<all, den man hörte, der muſte nun vergehn. Man ließ die Jungfrauen zu ihren Kammern gehn , Und auch die Gäſte ſchlafen und ruhn bis an den Tag. Da ſchuf man ihnen Speiſe; der Wirth ſie gütlich verpflag. Nach dem Jmbiß wollten ſie von dannen fahren Zu der Heunen Lande: „, Davor will ich euch wahren“ Sprach der edle Markgraf, „ihr ſollt noch hier beſtehn ; So liebe Gäſte hab ich lange nicht bei mir geſehn.“ Da verſeßte Dankwart: „Herr, das kann nicht ſein: Wo nähmet ihr die Speiſe, das Brot und auch den Wein, Das ihr doch haben mäſtet für ſo manchen Mann?“ Als der Wirth das hörte ſtand ihm die Nede nicht an.

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„Meine lieben Herren, ihr dürft mirs n I\< habe noch die Speiſe zu vierzehen Tag Für euch und das Geſinde, das mit euch herg Mir\<hat der König: Ebel noch gar ſelten was genommen.&- Wie ſie ſich weigern mochten, ſie muſten da beſtehn Bis an den vierten Morgen. Wohl mochte da geſchehn Durc\< des Wir Milde was ferne ward bekannt: Er gab ſeinen Gäſt beides, Roſſ und Gewand. Nicht länger konnt -es währen ,. ſie muſten dannen fahren: Nüdiger der kühne konnte wenig ſparen . Vor ſeiner großen Milde: was Jemand nur begehrt; Das verſagt" er Niemand, ſie fahn ſich alle hochgeehrt. Ihr edel Ingeſinde brachte vor das Dhor Viel geſchirrter Noſſe: es wartete davor" 114 Mancher fremde Re>e, den Schild an ſeiner Hand, Weil ſie reiten wollten König Etzeln in- das Land. Der Wirth bot ſeine Gaben den Degen allzumal, Eh die edeln Gäſte kamen vor den Saal; y . Er mochte wohl mit Ehren in hoher Milde leben. ' Seine ſchöne Tochter hakt er Geiſelhern gegeben; . Da gab er Gernoten eine Waffe gut genug, Die hernach in Stürmen der Degen herrlich trug. Ihm gönnte wohl die Gabe des Markgrafen Weib; Doch verlor Rüdiger davon“ noch Leben und Leib. Da gab er König Gunthern, dem Helden ohne Gleich, Was wohl mit Ehren führte der edle König reich, Ob er ſelten Gab empfangen, ein gutes Streitgewand; Da neigte ſich der König vor des milden Rüdger Hand.

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Da bot Frau Gotelinde, ſie durft es ohne Scham, | Auch Hagen holde Gabe: da ſie der König nahm, Sd ſollt anch er nicht fahren zu dem Hofgelag Ohn ihr Angebinde: der Held jedoch widerſprach. „Alles was ich je geſehn /“ ſo ſprach da Hagen, „So wünſchtrich nichts weiter von hier hinweg zu tragen, Ms den Schild, der dorten hänget an der Wand: Den möcht ich gerne führen Künig Ekeln in das Land.“ Als Hagen ſeine Bitte der Markgräfin gethan, Die ihres Leids ſie mahnte, das Weinen kam ihr an. Da dachte ſie mit Schmerzen an ihres Nudung Tod, Den Wittich hatt erſchlagen; das ſchuf ihr Jammer und Noth.“ Sie ſprach zu dem Degent , „Den Schild will ich euch geben. O wollte Gott vom Himmel, daß Der no\< dürfte leben, Der einſt ihn hat getragen! er fand im Kampf den Tod. I\< muß ihn ſtäts beweinen, das ſchafft mir armen Weibe Noth!“ Da erhob ſich von dem. Siße die Markgräfin mild, Mit ihren weißen Händen nahm ſie herab den S\<ild Und trug ihn hin zu Hagen: der nahm ihn an die Hand. Die Gabe war mit Ehren an den Reken gewandt. Ein Wulſt von lichtem Zeuche auf ſeinen Farben lag: Beßern Schild als dieſen beſchien noch nie der Tag. Er war beſeßt mit Steinen: hätt ihn wer begehrt Zu kaufen, nach den Koſten war er wohl tanſend Marken werth. Den Scild wegzubringen befahl da Hagen an. Da kam ſein Bruder Dankwart auch zu Hof heran: Dem gab reicher Kleider NRüdgers Kind genug, Die er bei den Heunen mit vielen Freuden noch trug.

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All die reiche Gabe, die ſie hier genommen, Es wär davon kein Flitter in ihre Hand gekommen, Wars nicht dem Wirth zu Liebe, der es ſo gütlich bot. " Sie wurden ihm ſo feind hernach, daß ſie ihn ſchlagen muſten todt. Da hatte mit der Fiedel Volker der ſchnelle Held Sich hin vor Gotelinde züchtiglich geſtellt. - Er geigte ſüße Töne und ſang dazu ſein Lied: So nahm er ſeinen Urlaub, als er von Bechlaren ſchied. Sich ließ die Markgräfin eine Lade näher tragen. Von freundliher Gabe mögt ihr nun hören ſagen: Sie nahm daraus zwölf Spangen und ſchob ſie ihm an die-Hand: „Die ſollt ihr hinnen führen König Eteln in das Land, „Und ſollt ſie mir zu Liebe dort am Hofe tragen; Wenn ihr wiederkehret, daß man mir möge ſagen, Wie ihr mir habt gedienet beidem Hofgelag.“ Wohl nach der Frauen Wunſche that der Degen hernach. Der Wirth ſprach zu den Gäſten: „Nun mögt ihr ſicher fahren; Ich ſelbſt will euc\< geleiten und vor Naub bewahren, Daß ihr auf der Straße nicht werdet angerannt.“ Seine Saumroſſe, die belud man gleich zur Hand. Der Wirth war reiſefertig nebſt fünfhundert Mann Mit Roſſen und mit Kleidern. Da führt er ſeinen Vann Zu dem Hofgelage von dannen wohlgemuth: Nach Bechlaren kehrte nicht Einer von den Nittern gut. Mit minniglichen Küſſen der -Wirth von daunen ſchied, Alſo that auch Geiſelher, wie ihm die Treue rieth. Sie herzten ſhöne Frauen mit liebendem Umfahn: Das muſten bald beweinen viel Jungfrauen wohlgethan. Lahm. 1642-1613,

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Da wurden allenthalben die Fenſter aufgethan : Zu den Noſſen eilte der Wirth mit ſeinem Bann. Sie fühlten wohl im Herzen voraus ihr herbes Leid. Da weinten viel der Frauen und manche waidliche Maid. Nach ihren lieben Freunden weinten Manche ſehr, Die ſie zu Bechlaren erſahen nimmermehr; Doch ritten ſie mit Freuden von hinnen auf dem Sand An der Dönau nieder bis in das heuniſche Land. Da ſprach zu den Burgonden der Ritter kühn und hehr, Rüdiger der -edle : „Nun darf nicht länger mehr- N Verhohlen ſein die Kunde,“ daß wir nach Heunland kommen: . Es hat der König Ebel nie ſo Liebes vernommen.“ Da ritt der ſchnelle Bote durchs Oeſtreicherland : Da ward es allenthalben "den Leuten wohlbekannt, Daß die Helden kämen von Wormes über Rhein. Des Königs Ingeſinde, dem konnt es lieber nicht ſein. Die Boten vordrangen “ mit den Mären, Daß die Nibelungen bei den Heunen wären. „Du ſollſt ſie wohl empfangen, Kriemhilde, Fraue mein: Nach großen Ehren kommen dir die lieben Brüder dein.“ Kriemhild die Fraue gieng an ein Fenſter ſtehn Und ſchaute nach den Brüdern, wie. nach Freunden Freunde ſehn. Aus ihres Vaters Lande fah ſie manchen Mann. Als das der-König hörte, der hob vor Luſt zu lachen an. „ Nun wohl mir dieſer Freude,“ ſprach da Kriemhild, „Hier bringen, meine Freunde gar manchen nenen Schild . Und Panzer glänzend helle: wer nehmen will mein Gold, Und meines Leids gedenken, dem will ich immer bleiben hold.“

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Achtundzwanzigſtes Abenteuer. Wie Kriemhilde Hagen empfieng. Alis die Burgonden kamen in das Land, Da erfuhr es von Berne der alte Hildebrand. Er ſagt? es ſeinem Herren; es war ihm höchlich leid; Er bat ihn wohl zu empfangen die Ritter kühn und allbereit. Da ließ der ſchnelle Wolfhart die Pferde führen her; Da ritt mit Dietrihen mancher Degen hehr-, Der ſie begrüßen wollte, zu ihnen auf das Feld: Sie hatten aufgeſchlagen gar manches herrliche Zelt. Als ſie von Tronje Hagen von ferne reiten ſah, Wohlgezogen ſprach er zu ſeinen Herren dat + „Nun hebt euch von den Sißen, ihr Re>en wohlgethan, Und geht entgegen denen, die euch hier wollen empfahn. „Dort kommt ein Heergeſinde, das iſt mir wohl bekannt; Es ſind viel ſchnelle Degen von Amelungenland, Die führt Der von Berne; ſie ſind von hohem Muth: Ihr ſollt ſie nicht verſchmähen, die Dienſte, die man euch thut.“ Da ſprang von den Noſſen, ſo war es Fug und Recht, Mit Dietrichen nieder mancher Nitter und Knecht. Sie giengen zu den Gäſten, als man die Helden fand; Sie begrüßten freundlih Die von der Burgonden Land.

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Als ſie der Degen Dietrich ihm entgegen kommen ſah, Nun mögt ihr gerne hören was der Degen da Sprach zu Utens Söhnen: leid war ihm ihre Fahrt; Er wähnte, Rüdger wüſt es und hätt es ihnen offenbart, „Willkommen mir, ihr Herren, Gunther und Geiſelher , Gernot und Hagen, Herr Volker auch ſo ſehr, Und Dankwart der ſchnelle; iſt euch das nicht bekannt? Kriemhilde weint noc\< immer um Den von Nibelungenland.“ „Sie mag noch lange weinen,“ ſprach dawider Hagen: „Er liegt ſeit manchem Jahre ſchon zu Tod erſchlagen. Den König von den Heunen mag ſie nun lieber haben : Siegfried kommt nicht wieder, er iſt nun lange begraben.“ „Siegfriedens Wunden, die laßen wir nun ſtehn! So lang Krienthilde lebet, mag Sc\<ade wohl geſchehn.“ So redete von Berne der Degen Dieterich: „Troſt der Nibelungen, davor ſo hüte du dich!“ „Wie ſoll ich mich behüten 2?“ ſprac\<h der König hehr, „Eßel ſandt uns Boten; was ſollt ich fragen mehr ? Daß wir zu ihm ſollten reiten in das Land. Auch hat uns manche Märe meine Schweſter Kriemhild geſandt.“ „So will ich euch rathen,“ ſprach wieder Hagen, „Laßt euch dieſe Märe doch zu Ende ſagen Von Dietrich dem Herren und ſeinen Helden gut, Damit wir wißen mögen der Fraue Kriemhilde Muth.“ Da giengen die drei Könige und ſprachen unter ſich, Herr Gunther und Gernot und auch Herr Dieterich: „Nun ſag uns, von Berne du edler Ritter gut, Was du wißen mögeſt von der Königin Muth.“

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Da ſprach der Vogt von Berne: „Was ſoll ich euch tagen ? - Als daß ich alle Morgen weinen hör und klagen . Die Königin Kriemhilde in jämmerlicher Noth Zum reichen Gott vom Himmel um des ſtarken Siegfried Tod.“ „Es iſt nun nicht zu wenden,“ ſprach der kühne Mann, Volker der Fiedler, „was ihr uns kund gethan: Laßt uns zu Hofe reiten und einmal dort beſehn Was uns ſchnellen Degen bei den Heunen möge geſchehn.“ Die kühnen Burgonden hin zu Hofe ritten; Sie kamen ſtolz gezogen nach ihres Landes Sitten. Da wollte bei den Heunen gar mancher kühne Mann * Von Tronje Hagen ſchauen, wie der wohl wäre gethan. Es war durch die Sage dem' Volk bekannt genug, Daß er von Niederlanden Siegfrieden ſchlug, Aller Reen Stärkſten, Frau Kriemhildens Mann: Drum wurde großes Fragen bei. Hof nach Hagen gethan. Der Held war wohlgewachſen, das iſt ſicher wahr, Von Schultern breit und Brüſten, gemiſcht. war ſein Haar Mit einer greiſen Farbe, von Beinen war er lang“ Und ſchre>lich von Geſichte, er hatte herrlichen Gang. Da ſchuf man Herberge den Burgonden-Degen ; Gunthers Ingeſinde ließ man geſondert. legen. Das rieth die Königstochter, die-ihm viel Haßes trug; Daher man bald die Knechte in der Herberg erſchlug. Dankwart, Hagens Bruder, der war Marſchall ; Der König ſein Geſinde ihm fleißig anbefahl, Daß er es wohl verpflege und ihm gebe genug: Der Held von Burgonden ihm geneigten Willen trug.

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Kriemhild die ſchöne mit dem Geſinde gieng, Wo ſie die Nibelungen mit falſhem Muth empfieng; Sie küſte Geiſelheren und nahm ihn bei der Hand, Als-Hagen das erſhaute, den Helm er feſter überband. „Nach ſoggethanem Gruße,“ ſprach Hagen deswegen, „Mögen ſich bedenken dieſe ſchnellen Degen: Man empfängt die Fürſten ungleich und der Fürſten Bann; Eine ſchlimme Reiſe haben wir zu dieſer Hochzeit gethan.“ Sie ſprach: „Seid willkommen Dem der euch gern empfäht; Enrer Freundſchaft willen kein Gruß an eu\< ergeht. Sagt; was ihr mir bringet von Wormes überrhein, Däß ihr mir ſo höchlich hier willkommen ſolltet ſein ?“ „Was ſind das für Mären,“ ſprach Hagen dagegen, „Daß euch Gaben ſollten bringen dieſe Degen? Da ich ſo reich eu\< wuſte und kannte eure Macht, Wie hätt ich meine Gabe zu den Heunen wohl gebracht?“ „Nun frag ich um die Märe weiter bei euch an: Den Hort der Nibelungen, wohin ihr den gethan? Der war ja doch mein eigen, das iſt euch wohlbekannt: Den hättet ihr mir ſollen bringen her in Ekels Land,“ „Fürwahr, meine Fran Kriemhilde, ſchon mancher Tag war da, Den Hort der Nibelungen, ſeit ich den nicht ſah. Den ließen meine Herren verſenken in den Nhein: Da muß er auc\< in Wahrheit bis zum jüngſten Tage ſein.“ Da ſprach die Köngin wieder: ,, I\< hatt es wohl gedacht, Ihr habt mir no\< wenig davon hieher gebracht, Wiewohl er war mein eigen, und ich ſein weiland pflagz Drum hab ich leide Stunden und manchen traurigen Tag.“

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„I\< bring euch den Teufel!“ ſprach da Hagen, „I\< hab an meinem Schilde genug zu tragen, Und an meinem Harniſch; mein Helm, der iſt ſv licht, Das Schwert in meinen Händen: darum bring ich ihn euch nicht.“ * „So wars auch nicht gemeinet, daß ich das Gold begehre : So viel hab ich zu geben, daß ich es leicht. entbehre. > Eines Mords und Doppelraubes, die man an mir genommen, ' Dafür möcht ih Arme . zu lieber Vergeltung kommen.“ Da ſprach die Königstochter zu den Reen allzumal: „Man ſoll keine Waffen tragen in dem Saal; ev Vertraut ſie mir, ihr Helden, zur Verwartung an.“ „Wahrhaftig ,“ ſprac\< da Hagen, „das wird nimmer gethan. „IH begehre nicht der Ehre, Fürſtentochter mild, „ Daß ihr zur Herberge traget meinen Schild Und ander Streitgeräthe; ihr ſeid eine Königin: So lehrte mi\< mein Vater, daß ich ſelbſt ihr Hüter bin.“ „O weh dieſes Leides!“ ſprach da Kriemhild: „Warum will mein Bruder und Hagen ſeinen Schild Nicht bewahren laßen? Gewiſs, ſie ſind gewarnt: Und wüſt ich wers geweſen, den hielte der Tod umgarnt.“ Im Zorne gab ihr Antwort Dieterich ſogleich: „T\< bins, der hat gewarnet die edeln Fürſten reich, Und Hagen anch den kühnen in der Vurgonden Vann: Nur zu, du Braut des Teufels, du thuſt mir kein Leid drum an.“ Da ſchämte ſich gewaltig die edle Köuigin; Sie fürchtete gar bitter Dietrichens Heldenſinu. Sie gieng ſchnell von dannen, nichts mehr ſprach ſieda, Nur daß ſie nac\< den Feinden mit geſchwinden Bli>en ſah.

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Mirl Ee bei den Händen zwei der Degen ſih, ? D ne war Hagen, der Andre Dieterich. + Da ſprach wohlgezogen der Degen allbereit: 4 „Eure Fahrt zu den Heunen, die iſt mir wahrhaftig leid, „ „Da die Köngin alſo zu euch geſprochen hat.“ Da ſprach von Tronje Hagen? „Noch wird zu allem Rath.“ So redeten einander die kühnen Degen an. Das ſahgder König Ekel, der gleich zu fragen begann: 5 Die Märe wüſt ichvgerne",“ befrug der König ſich, „Wer jener Ne>e wäre, den dort Herr Dieterich So freundlich hier empfangen; wohl trägt er hoh den Wie auch ſein Vater heiße, er mag wohl ſein ein Rec>e gut.“ Da gab dem König Antwort Einer aus Kriemhilds Bann: „Er iſt von Tronje geboren, ſein Vater hieß Aldrian; Wie heiter er gebare, er iſt ein grimmer Mann: Er läßt euch wohl noch ſchauen, daß ich keine Lüge gethan.“ „Wie ſoll ich das erkennen, daß er ſo grimmig iſt?“ Noch hatt er keine Kunde von mancher argen Liſt, Die wider ihre Freunde die Königin ſpann, Daß aus dem Heunenlande ihr auch nicht Einer entrann. „„ Wohl kannt ich Aldrianen , er war mein Unterthan, Lob und große Ehre er hier bei mir gewann: Ich macht ihn ſelbſt zum Nitter und gab ihm meinen Sold; Weil er ſich treu erzeigte, war ich ihm von Herzen hold. „Daher iſt mir von Hagen auch alles wohlbekannt. Zwei edle Kinder bracht ich als Geiſel in das Land: Ihn und von Spanien-Walther; die wuchſen hier heran. Hagen ſandt ich wieder heim, Walther mit Hildegund entrann.“

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Er gedachte lieber Märe und was vordem geſchehn ; Seinen Freund von Tronje, wohl hatt er den.geſehn, Der ihm in ſeiner Jugend oft große Dienſte bot: Jeßt ſchlug er ihm im Alter viel lieber Freunde zu Tody

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Neunundzwanzigſtes Abenteuer. ', Wie Hagen nicht Ins SWEpn "M ' feden-auch die "an werthen Re>en fich, "4 . n Tronje und eterih. a“ 1 | Liiekte über die Achſel Gunthers Unterthan, Nach einem Heergeſellen, den er bald ſich gewann. Da ſah er Volkern bei Geiſelheren ſtehn, - -/y Den zieren Fiedelſpieler. Er bat ihn mitzugehn, . 4 Weil er wohl erkannte ſeinen grimmen Muth: je Er war in allen Dingen ein Ritter kühn und auch gut. Man ließ die Herrn noch immer auf dem Hofe ſtehn. Die Beiden ganz alleine ſah man von dannen gehn Ueber den Hof hin ferne vor einen Pallas weit: Die Ausgerwählten ſcheuten ſich vor Niemandes Neid. Sie ſaßen vor dem Hauſe genüber einem Saal (Der war Kriemhilden) auf eine Bank zu Thal. Da glänzt? an ihrem Leibe ihr herrlich Gewand; : Gar“ Manche die das ſahen hätten ſie gern gekannt. Gleich den wilden Thieren gaffte ſie da an, Die vermeßnen Helden, mancher Heunenmann. Da ſah ſie durc\< ein Fenſter Eßels Königin: Von neuem ward getrübet der ſchönen Kriemhilde Sinn. . Lachm. 4696-1700,

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Sie gedachte ihres Leides : zu weinen hub ſie an. Darüber war verwundert das Volk in Ekßels Bann: „Was ihr ſo geſhwinde getrübt den hohen Muth?“ Da fprach ſie: „Das hat Hagen, ihr Helden kühn und guch gut.“ Sie ſprachen zu der Frauen: „Wie iſt das geſchehn? Wir haben euch noc\< eben wohlgemuth geſehn. Wär er noch ſo verwogen, ders euch hat gethan , Befehlt ihr uns die Rache, er müſte den Tod empfahn.“ „Dem wollt ich immer danken, der rächte dieſes Leid 40 2508 er nur begehrte," ich wär dazu bereit. T I\< biete mich euch zu Füßen,“ ſo ſprach das König8weib, „Rächet mich an Hagen, er verliere Leben und Leib.“ Schnell ſcharten ſich die Kühnen, ſechzig an der Zahl, Der Königin zu Liebe wollten ſie vor den Sgal Und wollten Hagen ſchlagen, dieſen kühnen Mann Und auch den Fiedelſpieler; das ward einmüthig gethau. Als ſo gering den Haufen die Königin erfah, , Grimmes Muthes ſprach ſie zu den Helden da? „Von ſolchem Unterfangen rath ich abzuſtehn: Wohl dürft ihr in ſo kleiner Zahl mit Hagen nicht ſtreiten gehn. „So ſtark auch und gewaltig von Tronje Hagen ſei, Noch iſt bei weitem ſtärker, der ihm da ſißet bei, Volker der Fiedler, das iſt ein übler Mann: Wohl dürft ihr dieſen Helden nicht mit ſo Wenigen nahn.“ Als ſie die Rede hörten ſcharten ſich ihrer mehr, Vierhundert Re>en. Der Königstochter hehr Lag ſehr am Herzen“ die Rache für ihr Leid. Dadur\< ward bald den Degen viel Noth und Sorge bereit.

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Als ſie ihr Heergeſinde wohlbewaffnet ſah, u | Zu den ſchnellen Degen ſprach die Köngin da: „Nun harret eine Weile, ihr ſollt noch ſtille ſtehn: Ich will unter Kröne hin zn meinen Feinden gehn. „* „So mögt ihr ſelber hören was mir hat gethan wmf Hagen von Tronje in König, Gunthers Bann. > I\< weiß ihn ſo vermeßen, er leugnets nimmermehr? 4 So frag ich auh nicht weiter was ihm geſchehe nachher.“ Da ſah der Fiedelſpieler, der wündertühne Mann, * N Die edle Königstöchter von einer Stiege nahn) Die aus dem Hauſe führte. Als er das erſah, “ 2 Zu ſeinem Heergeſellen ſprach der kühne Volker da: „Nun ſchauet Freund Hagen, wie von dorten naht Die uns ohne Treue“ ins Land"geladen hat, Ich ſah mit ſeiner Königin noch nie ſo manchen Mann Y Die Schwerter in den Händen alſo ſtreitluſtig nahn. Wißet ihr, Freund" Hagen, daß euch die Fraue grollt, So will ich euch rathen, daß ihr hüten ſollt Des Lebens und der Ehre; fürwahr das dünkt mich gut: So viel ich mag erkennen iſt ihnen zornig zu Muth. „Es ſcheinen auch die Meiſten von Brüſten ſtark und breit: Wer ſeines Lebens hüten will, der thu es noch beizeit. I\< ſeh ſie lichte Harniſhe an dem Leibe tragen: Was ſie damit meinen, das hör ich Niemanden ſagen.“ Da ſprach im Zornmuthe Hagen der kühne Maun: „I\<h weiß wohl, es wird Alles meinethalb gethan, Daß ſie die lichten Waſfen tragen an der Handz Vor denen aber reit ih no\< in der Burgonden Land,

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Mae, “Gl ſagt mir, Freund Volker, denkt ihr mir Wenn mit mir ſtreiten wollen Die in Kriemhilds 4. Das laßt mich erfahren, ſo lieb als ich en\< ſeit“ Ich ſteh euch immer wieder getreulich mit Dienſten beit“ „Gewiſs ich will euch helfen /“ ſprach der Fiedelmann. 6. ſh ich uns entgegen mit ſeinem ganzen Bann Heunenkönig fommen? ſo lang ich leben muß eich ich von eurer “Seite aus ME noch nicht einen Fuß. “ „Run lohnyeuch Gbtt vom Hiniitel, viel edler Volker! Wenn ſie mit mir ſtreiten, wes bedarf ich mehr olſet ihr mir helfen, wie ich jeßt vernommen» ögen dieſe Re>en fein behutſam näher kommen.“ | „Stehn wir auf vom Siße,“ ſprach der Fiedelmann, („Sie iſt doh eine Königin) ſo ſie nun kommt h Wetin man dieſe Ehre der edeln Frauen thur Um der Sitte willen, ſo heißt es Jeglicher gut.“ „Nein! wenn ihr mich liebet „/“ ſprach dawider“ Hagen : . „Es möchten dieſe Degen ſich mit dem Wahne tragen, 5 Daß ichs aus Feigheit thäte und gedächte wegzugehn: Von meinem Siße mein'ich vor ihrer Keinem aufzuſtehn. „Daß wir es bleiben laßen, das ziemt uus ganz allein? Soll ich dem Ehre bieten, der mir feind will ſein ? Nein, ich thät es nimmer, ſo lang ich leben foll! In aller Welt, was frag 'ich wohl nach Kriemhildens Groll?“ Der frevle Hagen legte über die Schenkel hin Eine lichte Waffe, aus deren Knaufe ſchien Mit hellem Glanz ein Jaspis, grüner als das Gras. Wohl kannte ſie Kriemhilde, daß Siegfried einſt ſie beſaß. .

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A kannte, das ſchuf ih V efäße , die Sceideborte roth. Sie Leides; zu weinen hub ſie ant > ' m der kühne Hagen«gethan. waer “309 näher an die Bank "- ken Fiedelbogen, mächtig und lang, Einem Schwerte ähnlich, ſcharf dazu. und breit. -.. So ſaßen unerſchro&en die beiden Recken kühn im Streit. Die beiden kühnen Degem' däuchten ſich ſo hehr, Daß ſie von Siße gedachten nimmermehr Vor Jemand aufzüſtehen. Ihnen ſchritt da ' Die edle" Königstochter und bot unfreundlichen Gruß. Sie ſprac\<? „Nun ſagt mir, Hagen, wer hat nach euch DEM Daß ihr euch vermaßet zu reiten in dieß Land? 4, * . Ihr muſtet doch wißen, was ihr mir habt gethan? t ihr bei guten Sinnen, ihr durftets euch nicht vntirraglte mand ,“ ſprac\<ß da Hagen, „hat nach mir geſandt: ladete drei Degen her in dieſes Land, ' Die heißen meine Herren, ich ſteh in ihrem Lehn: Bei keiner Hofreiſe pfleg ich daheim zu beſtehn.“ Sie ſprach? ;, Nun ſagt mir ferner, warum thatet ihr das , Daß ihr es verdientet, daß ich euch trage Haß? Ihr erſchlugt! Siegfrieden, meinen lieben Mann, Den ich bis an mein Ende nicht genug beweinen kann.“ „Wozu der Rede weiter?“ ſprach er, ,es iſt genug: I\< bin halt der Hagen, der Siegfrieden ſchlug, Den behenden Degen: wie ſchwer er das entgalt, Daß die Frau Kriemhilde die ſchöne“ Brunhilde? ſchalt!

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gr es auch nicht leugnen, reiche jem 1 2 aß ich an allem Uebel und Schaden ſchuldig bin: . Nun räch es, wer da wolle, es ſei Weib oder M EN I\< müſt es wahrlich lügen, ich hab en Leides vie! Sie ſprach: „Da hört ihr Re>en/+ wie er mir eingeſteht 7 Mein Leid und ſeine Tü>e; wie's ihm des8halb ergeht, | Frag ich nun nicht weiter, ihr in Eels Bann.“ - Die übermüthgen Degen bliäten all einander an. Wär da der Streit erhoben, ſo-hätte män-geſehnyy Er den zwei Geſellen müß Ehre zugeſtehnz"“. 8 hatten ſie in “Stürmen nicht ſelten dargethan. Wes jene ſich vermaßen, das gieng aus Furcht nun nicht an. | fötach der Ne&en Einer: „Was ſeht ihr mich-an? A Wa ich zuvor gelobte, das wird nun nicht gethan. I\< verlier um Niemands' Gabe das Leben und den Leibz Uns will wohl hier verleiten dem König Ekel ſein Weib.“ Da ſprach dazu ein Andrer: „So ſteht auch mir der Muth. Gäbe ſie mir Thürme von rothem Golde gut, „ Dieſen Fiedelſpieler wollt ich nicht beſtehn, Der ſchnellen Bli>ke wegen, die ich an ihm hier geſehn. „Auch kenn ich dieſen Hagen ſeit'ſeinen jungen Tagen; Man mag mir von dem Reden große Dinge ſagen. N In zwei und zwanzig Stürmen hab ich ihn geſehn; Da iſt wohl mancher Fraue Herzeleid durch ihn geſchehn. „Er und Der von Spanien traten manchen Pfad, Da ſie hier bei Eßeln thaten manche That Dem König zu Liebe. Des iſt viel geſchehn: Drum mag man Hagen billig große Ehre zugeſtehn.

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Damals war der Re>e an Jahren noch ein Kind: Da waren ſchon die Knaben wie jekt Ergreiſte ſind. Nun kam er zu Verſtande und iſt ein grimmer Mann; Auch trägt er Balmungen, den er übel gewann.“ Damit wars entſchieden, Niemand ſuchte Streit. Das war der Königstohter im Herzen bitter leid; Die Helden giengen wieder: wohl ſcheuten ſie den Tod Von den zweien Degen;. das that ihnen wahrlich Noth. „Nun haben wir geſehen,“ ſprach der Fiedelmann, “ „Daß wir hier Feinde finden, wie man uns kund gethan. Nun laßt uns zu. den Königen hin zu“ Hofe gehn, Soy darf unſre" Herren mit Streit be Niemand beſtehn.“ - Wie man ſo manche Dinge . aus Zagheit oft verläßt, Wo doch Freund beim Freunde muthig ſteht und feſt! Und iſt er wohl bei Sinnen, daß er nicht alſo thut, So nimmt die Ehre Mancher vor Schaden weislich in Hut. „Wohlan, ich will euch folgen“ ſprach Hagen dagegen. Da giengen hin die Beiden, wo ſie die zieren Degen No\< harrend des Empfanges auf dem Hofe ſahn. Volfer der kühne hub da laut zu rufen an.“ Er ſprach zu. ſeinen Herren: „Wie lange wollt ihr ſtehn Und euch drängen laßen ? ihr ſollt zu Hofe gehn Und von dem König hören wie der geſonnen ſei.“ Da ſah man“ſich geſellen die Helden kühn und.tadelfrei. Dietrich von Berne nahm da an die Hand Gunther den reichen * von Vurgondenland 6: Irnfried nahm Gernoten, dieſen kühnen Mann; Da gieng mit Nüdigeren Geiſelher zu Hof heran.

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Wie ſich bei dieſem Zuge paarte Jeglicher, Volker und Hagen, die ſchieden ſich nicht mehr, Als noch in Einem Kampfe, bis an ihren Tod. Das brachte edeln Frauen no\< Thränen und große Noth. Da giengen mit den Königen an den Hof heran Ihres edeln Ingeſindes kühne tauſend Mann, Darüber ſechzig Ne>en: die waren mitgekommen; Die hatt aus ſeinem Lande der kühne Hagen genommen. Hawart und Jring, zwei Degen auserſehn,. Die ſah man bei den Königen geſellt nach Hofe gehn: Dankwart und Wolfhart, ein waerlicher Degen, Die ſah man großer Tugend vor den Uebrigen pflegen. Als der Vogt vom Nheine in den Pallas gieng, Herr Ekel der reiche das länger nicht verhiengt Er ſprang von ſeinem Siße, als er ihn kommen ſah. Ein Gruß, ein ſo rechter ſhöner, nie mehr von Köngen geſchah. „Willkommen mir, Herr Gunther und Herr Gerenot Und euer Bruder Geiſelher, die ich hieher entbot Mit Gruß und trenem Dienſte von Wormes überrhein, Und all das Heergeſinde, das ſoll mir willkommen ſein. „Laßt euch auch Willkommen, ihr beiden Reen, WENGE Volker der kühne und der Degen Hagen, Für mich und für die Königin hier in dieſem Land; Sie hat en\< manchen Boten hin zum Nheine geſandt.“ Da ſprach von Tronje Hagen: „Das haben wir vernommen ; Wär ich mit meinen Herren zu den Heunen nicht gekommen , So wär ich Euch zu Ehren geritten in das Land.“ Da nahm der edle König die lieben Gäſte bei der Hand.

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Er führte ſie zum Siße hin wo er ſelber ſaß. Da ſchenkte man den Gäſten, fleißig that man das, In weiten goldnen, Schalen Meth, Moraß und Wein Und hieß die fremden Degen höchlich willkommen ſein. Da ſprach der König Etßel: „Fürwahr ich muß geſtehn, Mir konnt auf dieſer Erde nichts Lieberes geſchehn, Als durch euch, ihr Reen, daß ihr hierher gekommen. Damit iſt auch der Königin ihre hohe Trauer benommen, „Mich nahm es immer Wunder , was ich euch wohl gethan, Da ich der edeln Gäſte ſo Manche doc\<h gewann, Daß ihr nie zu reiten geruhtet in mein Land; Nun ich euch geſehen, iſt mirs zu Freuden gewandt.“ Da verſeßte Rüdiger, ein Nitter hochgemuth: „Ihr ſollt ſie gern empfahen, ihre Treue, die iſt gut. Wohl mögen hoher Ehren meiner Fraue Brüder pflegen : Sie bringen en\< zu Hauſe manchen waidlichen Degen.“ Am Sonnenwende-Abend- waren ſie gekommen An Ekels Hof, des reihen. No ſelten ward vernommen Von ſo hohem Gruße, womit er ſie empfieng. Nun war es Zeit zum Eßen: der Fürſt zu Tiſch mit ihnen gienz. Ein Wirth bei ſeinen Gäſten ſich nie ſo hold betrug. Zu trinken und-zu eßen gab man ihnen genug; Was ſie nur wünſchen mochten, das wurde gern gewährt. Man hatte von den Helden viel große Wunder gehört. * Der reiche Eßel hatte an ein Gebäude weit Viel Fleiß und Müh gewendet und Koſten nicht geſcheut: Man ſah Pallas und Thürme, Gemächer ohne Zahl In einer weiten Veſte und einen herrlichen Saal.

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* Den hatt er bauen laßen lang, hoch und weit, Weil ihn ſo viel der Reken beſuchten jederzeit: Auch ander Jngeſinde, zwölf reiche Könge hehr, Und viel der werthen Degen hätt er zu allen Zeiten mehr, * Als je gewann ein König, davon ich noh vernahm. Er lebte ſo mit Freunden und Mannen ohne Gramz Turnei und Ritterſpiele hatte der König gut Durch manchen ſchnellen Degen 3 drum ſtand wohl hoch ihm der Müth.

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Dreißigſtes Abenteuer. Wie Hagen und Volker Schildwacht ſtanden. Der Tag wär zu Ende, es kam heran. die Nacht: Den reiſemüden Ne>en war Sorge nun erwacht," Wo ſie ruhen ſollten und in ihr Bette gehn. Darüber fragte Hagen: Beſcheid iſt ihnen geſchehn. * Gunther ſprach zum. Wirthe: „Gott laß euchs wohlgedeihn: Wir wollen ſchlafen gehen; mag es. mit Urlaub ſein. Wenn ihr gebietet ;* kommen ' wir wieder morgen fruh.“ Der Wirth entließ die Gäſte. wohlgemuth zu ihrer Ruh. Von allen Seiten drängen man die Gäſte ſahz Volker der kühne ſprach zu den Heunen da: „Wie dürfet ihr uns Re>en "vor die Füße gehn ? Und wollt ihr das nicht meiden, ſo wird en\< übel geſchehn, „So ſchlag ih Dem und Jenem ſo ſchweren Geigenſchlag, Hat er einen Treuen, daß ders beweinen mag, Nun weichet vor uns Reden, . fürwahr, mich dünkt es gutz Es heißen- Alle Degen und. haben doc\< nicht gleihen Muth. “ Als in ſolchem-Zorne ſprach der Fiedeler Sah der kühne Hagen über die Achſel her; * Er ſprach. „Euch räth zum Heile der. kühne Fiedelmann! Geht zu den Herbergen, iht in Kriemhildens Bann,

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„Wong\<h euch hier gelüſtet, es fügt ſich nicht dazut Wollt ihr Was beginnen, ſo kommt uns morgen fruh, Und laßt uns Reiſemüde heut der Nuhe pflegen: Es geſchieht wohl nimmer wieder ſo willig von einem Degen.“ Da brachte man die Gäſte in einen weiten Saal. Da fanden ſie bereitet für die Re>en allzumal Manches reiche Bette, lang genug und breit. Gern ſchüf ihnen Kriemhild das allergrößeſte Leid. Manche ſchmu>e De>e von Arras da lag Aus lichthellem Zeuche, und manches Ueberdach Aus Arabiſcher Seide, ſo gut ſie mochte ſeinz Darüber lagen Leiſten, die gaben herrlichen Schein. Viel Bettlaken fand. man von Hermelin gemacht Und von ſchwarzem Zobel, worunter ſie die Nacht L Sich Ruhe ſchaffen ſollten bis an den lichten Tag. ' Ein Fürſt mit ſeinem Volke wohl nimmer herrlicher" lag. „OD weh der Herberge!“ ſprach Geiſelher das Kind, „Und weh meiner Freunde, die mit uns kommen ſind, Wie gut es meine Schweſter mir auch hier erbot, Wir gewinnen , fürcht ich, alle von ihrem Haße den Tod!“. „Nun laßt eure Sorge,“ ſpra\< Hagen der Degen, „I\< will heunte ſelber der Schildwache pflegen" | Und will eu) wohl behüten bis an den lichten Tag: Seid drum ohne Sorgen; und mag es wenden, wer da nag.“ Da neigten ſich ihm Alle und ſagten ihm den Dank. Sie giengen zu den Betten. Da währt" es nicht lang, Bis in Nuhe lagen die Helden wohlgethan. Hagen der kühne ſich raſch zu waffnen begann.

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Mrs Da ſprach der Fiedelſpieler, Volker der Degen: „ Verſchmäht ihrs nic\<t, Hagen, ſo will ich mit euch pflegen Heunt der Schildwache bis an den lichten Tag. “ Da dankte Volkern der Degen gütlich und ſprach: „Nun lohn enc\< Gott vom Himmel, lieber Volker, Zu gallen meinen Sorgen wünſch ich Niemand mehr Als nur euch alleine, befahr ich irgend Noth: Ich will es wohl vergelten, es verhüt es denn der Tod.“ Da warfen ſich die Beiden in ihr licht Gewand. Da faßte Jedweder den Schild an ſeine Hand: Sie giengen aus dem Hauſe vor die Thüre ſtehn Und hüteten der Säſtez das iſt mit Treue geſchehn. Volker der ſchnelle legte von der Hand Seinen Schild den guten an des Saales Wand: Dann wandt er ſi\< zurü>e, wo ſeine Fiedel war Und diente ſeinen Freunden: das ziemt' ihm trefflich fürwahr. Er ſaß auf einem Steine unter des Hauſes Thor. So fühnen Fiedelſpieler ſah man nie zuvor: Als der Saiten Tönen ihm ſo ſüß erklang, Die ſtolzen Heimatloſen, die ſagten des Volkern Dank. Da klangen ſeine Saiten, daß all das Haus erſcholl. Seine Kraft und ſein Geſchi>e, die waren beide voll: Süßer immer ſüßer zu geigen er begann ; So ſpielt er in den Schlummer gar manchen ſorgenden Mann. Da ſie entſchlafen waren und Volker das befand, Da nahm der Degen wieder den Scild an die Hand Und gieng aus dem Hauſe vor die Thüre ſtehn, Die Gäſte zu bewahren vor Denen in Kriemhilds Lehn.

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Nach dem erſten Schlafe, wenn es erſt da geſchah, - Völker der kühne Helme glänzen ſah Fernher durch das Dunkel: Die in Kriemhitds Bann Hätten an den Gäſten gerne Schaden gethan. * Bevor da Kriemhilde die Re>en abgeſandt, Sprach ſie: „Wenn ihr ſie findet, fo ſeit: um Gott ermahnt, Daß ihr Niemand tödtet als den einen Mann, Hagen den ungetreuenz die Andern rühret nicht an.“ Da ſprach der Fiedelſpieler: „Freund Hagen, höret mich, Wir tragen dieſe Sorge ſelbander ritterlich. . . „Ich ſehe Volk in Waffen vor dem Hauſe ſtehn: So viel ich mag erkennen, ſo wollen ſie uns beſtehn. “ „ So ſchweiget,“ ſprach da Hagen, „erwarten wir ſie hier; - -Eh ſie uns- gewähren wird ihrer Helme Zier “ Zerſchroten mit den: Schwertern von unſer Beider Hand“ Sie werden Kriemhilden übel wieder heimgeſandt.“. Der Heunenre>en Einer. das gar bald erſah, Die Thüre ſei behütet: wie balde ſprach er da: \< „Was wir im Sinne- hatten kann nun nicht geſchehn: Ich feh den Fiedelſpieler vor dem Hauſe Schildwacht ſtehn, „Der trägt auf dem Haupte einen Helm von lichtem Glanz, Der iſt hart und lauter, ſtark dazu und ganz; Ihm glühn die Panzerringe wie das Feuer thut. : Daneben ſteht auch Hagen: die hüten der Gäſte gut.“ 1. Da wandten ſie ſich wieder. Als Volker das- erſah, Zu ſeinem Heergeſellen zornig ſprach er da: „Nun laßt mich. von dem Hauſe zu den Ne>en gehn: - So frag ih um die Märe Die in der Kriemhilde Lehn.“

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Haus verließet, dieſe ſchnellen Degen „| euch mit Schwertern leicht in ſolc\<e Noth, "* ich euch helfen müſte, wärs aller meiner Freunde Tod. jr. ay ſhes 5 we . mich liebet," ſprach Hagen dagegen, „Wenn wir dann Beide geriethen in den 4, So drängen ihrer" zweie oder vier in kurzer Zeit Leichtlich zu dem Hauſe und ſchüfen ſolc\<e Noth An den Schlafenden drinnen, daß wirs bereuten bis zum Tod.“ Da ſprach wieder Volker: „So laßt' es nur geſchehn, 7 Daß ſie inne werden, wir haben ſie geſehn: - So können uns. nicht leugnen Die in-Kriemhitd8 Bann, . =" Daß ſie an den Gäſten gern untreu hätten gethän. “ . Da rief ihnen 'Volker entgegen gleich zur Hand? „Was geht- ihr ſo“ 'gewaffnet, ihr „Degen auserfannt ? Wollt ihr morden reiten, ihr in “Kriemhilds Bann? So nehmet mich zur Hülfe und.-meinen Heergeſellen au.“ Niemand gab Antwort; zornig war ſein Muth: „Pfui, ihr verzagten Wichter,“ ſo ſprach der Degen gut; „Im Sc\<laf uns zu ermorden, - ſchlicht ihr dazu heran? Das ward ſo guten Helden bisher noch ſelten gethan, “ Da ward auch die Märe der Königin bekannt . Vom Abzug ihrer Boten: wie ſchwer ſie das empfand! Da- fügte ſie es anders; gar grimmig war ihr Muth. Das muſten bald entgelten Wich der Helden“ kühn und lien ae Zed wa .„-.

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Einunddreißigſtes Abenteuer. Wie die Herren zuy Kirche giengen. „Mir wird ſoühl im Harniſch „“ ſprach der Fiedeler, „Als ob die Nacht nicht länger währen wolle mehr : Ich fühl es an den Lüften, „es iſt nicht weit vom Tag.“ Da weten ſie gar Manchen, der no\<h ſchlafend da lag. Da ſchien der lichte Morgen den Gäſten in den Saal. Hagen begann zu fragen die Nitter allzumal, . 2 Ob ſie zu dem Münſter zur Meſſe wollten gehn? Nach Sitte bei den Chriſten erſcholl der Glo>en Getön, Der Geſang war ungleich; kein Wunder mocht es ſein, Daß Chriſten mit Heiden nicht ſtimmten überein. Da wollten zu der Kirhe Die in Gunthers Lehn; Man ſah ſie von den Betten alle zumal erſtehn. Da ſc\<nürten ſich die Ne>en in alſo gut Gewand, 4 Daß wohl niemals Helden in eines Königs Land Beßre Kleider brachten. Hagen war es leid: Er ſprach: „Ihr thätet beßer und trüget Kleider zum Streit. „ Nun iſt*en\< zur Genüge die Märe doch bekannt: Drum traget ſtatt der Roſen die Waffen an der Hand; Statt wohlgeſteinter Hüte die lichten 'Helme gut, Da wir fo wohl erkennen der argen Kriemhilde Muth.

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„Wir müßen heute ſtreiten, das will ich euch ſagen. Statt ſeidner Hemden ſollt ihr Halsbergen tragen; E&* der reichen Mäntel die guten Schilde breit, S + Wenn Jemand mit euch zürnet, daß ihr in der Wehre ſeid. „Meine lieben Herren, ihr Freunde wie mein Bann, Geht nun zu dem Münſter williglich heran + Und klaget Gott dem reichen eure Sorg und Noth; Denn wißet unbezweifelt, es naht uns Allen der Tod. „ Ihr ſollt auch nicht vergeßen was von euch geſchah, . Und ſteht andächtgen Herzens vor euerm Gotte da. Daran will ich enc\< mahnen, ihr guten Re>en hehr; Gott müſt es anders wenden, ſonſt hört ihr keine Meſſe mehr.“ Sie giengen zu dem Münſter die Fürſten wie ihr Lehn. Auf dem heilgen Friedhof, da hieß ſie ſtille ſtehn Hagen der kühne, damit man ſie nicht ſchied. Er ſprach: „Noch weiß ja Niemand, was von den Heunen geſchieht. „Leget, meine Freunde, die Schilde vor den Fuß Und lohnt es, bent euch Jemand feindlichen .Gruß, Mit tiefen Todeswunden; das iſt was Hagen räth: So werdet ihr befunden wie's enc\< am Löblichſten ſteht, “ Volker und Hagen, die beiden giengen dann Vor das weite Münſter. Das ward darum gethan, Weil ſie ſchauen wollten ob ſich die Köngin hehr > Mit ihnen drängen müße: ſie zürnten ihr beide ſehr. Da kam der Wirth des Landes und auch ſein ſchönes Weib; Mit reichem Gewande gezieret war ihr Leib. Manchen ſchnellen Degen ſah main mit ihm fahren; Da flog der Staub zur Höhe von der Kriemhilde Scharen. Lahm. 1792 - 1798,

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Als der reiche König ſo wohl gewaffnet«ſah Die-Könge nebſt dem Volke, ' wie. balde" ſprach erat 8 ſeh ich meine Freunde unter Helmen gehn? \< Leid wär, mir, meine Treue, wär ihnen Leid, hier. geſchehn. „Das wollt ich ihnen büßen, wie es ſie däuchte gut. Kiſtner wer beſchweret das Herz und auch den Muth, ß ich ſie«wohl ſchauen mir ſei es wahrlich leid : Was ſie gebieten mögen, dazu bin ich gern bereit,“ N Zur Antwort gab ihm Hagen: „Uns iſt kein Leid geſchehn: ' Es ijt der Herren Sitte, daß ſie gewaffnet gehn “ Bei allen Hoflagern zu dreien vollen Tagen. . Was uns hier geſchähe, wir würden es Ezeln klagens“ Wohl -hörte Kriemhilde Hagens Rede-da..- Wie feindlich ſie dem Degen unter-die' Augen ſah! Sie wollte do nicht melden den Brauch in ihrem Land, * So lang ſie den auch hatte bei den Burgonden gefannt. : Wie grimm und ſtarf ſie ihnen entgegen wäre; Hätte Jemand Ekeln. geſagt die Märe, - Er hätt es wohl gewendet, was nun doch geſchah: In hohem Uebermuthe verſchwiegen es Alle da. Da ſchritt mit vielem Volfe die Köngin na\< der Thür: Da wollten dieſe Beide nicht .weichen vor ihr Zweier Hände Breite: das war den Heunen leid. Da muſte 'ſie ſich drängen mit den Helden allbereit.. > Ekels Kämmetrlinge, die däuchte.das nicht gut: Da hätten ſie den Re>en gern erzürnt den Muth, Wenn. ſie gedurft hätten vor- dem König hehr. Da gab es groß Gedränge und doc\< nichts anderes mehr.

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Als nach dem Gottesdienſte"' Mit einn zin begann, Da kam gar bald geritten mäncher Heunenmann. Da war bei Kriemhilden manche ſchöne Maid ; Wohl ſiebentaufend Degen gaben der Königin Geleit. Kriemhild mit ihren Frauen in den Fenſtern ſaß Bei Eßeln dem reichen; gerne fäß er das. Sie wollten reiten ſehen 'die Helden auserkannt:-: Hei! was man fremder Re>en vor ihnen auf dem Hofe fand! Da war auch mit den Knechten der Marſchall gekommen : Der kühne Dankwart“ hatte zu ſich genommen Seines Herrn Geſinde von Burgonüdenland : Die Roſſ man wohlgeſattelt den kühnen Niblungen fand. Als: zu Roſfe kamen die Fürſten und ihr Bann, Volker der ſtarke hub zu rathen an, -. Sie ſollten buhurdieren nach ihres Landes Sitten. Da wurde von den Helden bald gar herrlich geritten. Was der Held gerathen Niemanden wohl verdroß. Das Kampfſpiel und das Schallen wurden, beide groß. Zu dem weiten Hofe käm da mancher Maan;z Ekel und Kriemhilde, die ſchauten Alles mit an. Auf den Buhurd kamen ſechshundert Degen-, * Dietrichens Reen, den Gäſten eutgegen. Mit den Burgonden wollten ſie ſich im Spiel ergehn; Hätt es ihr Herr vergönnet, ſo wär es gerne geſchehn. - Hei! was gute Degen ritten da heran! Dieterich dem Herren ward es. kund gethan. Mit Gunthers Ingeſinde das Spiel er ihnen verbot: Er ſchonte ſeiner Leute; das that ihm ſicherlich Noth.

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Als vom Plaße ſchieden Die dem Verner unterthan, «Kamen von Bechlaren die in Rüdgers Bann, Fünfhundert unter Schilden, vor den Saal geritten: Leid wars dem Markgrafen; er hätt es gern nicht gelitten. Da ritt der Degen weislih zu ihnen durch die Schar Und ſagte ſeinen Degen? ſie würden wohl gewahr, Daß im Unmuth wären Die in Gunthers Bannz Wenn ſie das Wettſpiel ließen, ſo ſei ihm Liebes gethan. Als von ihnen ſchieden die Helden unverzagt, Kamen Die von Thüringen, wie man uns hat geſagt, Und vom Däuenlande wohl tauſend fühner Degen: Von Stichen ſah man fliegen viel der Splitter allerwegen. Irnfried und Hawart in das Kampffſpiel ritten: . Ihrer harrten Die vom Nheine mit hochfährtgen Sitten. Sie tjoſteten mit Denen von Thüringerland: Durchbohrt von Stichen wurde mancher ſchöne Schildesrand. Da kam der Degen Blödel, dreitauſend in der Schar. Ekel und Kriemhilde nahmen ſein wohl wahr, Weil vor ihnen Beiden das Nitterſpiel geſchah. Die Königin es gerne aus Haß der Burgonden fah. * Sie gedacht in ihrem Sinne, wie es ſchier wär geſchehn: „Wenn ſie Wem Leid thäten, ſo dürft ich mich verſehn, Daß es zum Ernſte käme: an den Feinden mein Würd ich dann gerochen, des wollt ih ohne Sorge ſein.“ Scrutan und Gibe>e auf den Buhurd'ritten, Ramung und Hornbog, nach heuniſchen Sitten. Sie hielten vor den Helden aus Burgondenland : Da flogen auf die Schäfte hoch über des Saales Wand.

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* Wie:da"die Andern ritten, das war nur eitler. Schall. : Von Stößen auf die Schilde den Pallas und den Saal“ Vernahm man laut ertoſen dur\< Die in Gunthers Bann. Das Lob'ſich ſein Geſinde mit großen Ehren gewann. Da ward die Kurzweile ſo mächtig und ſo groß, Daß den Satteldexen der blanke Sc\<weiß entfloß Von den guten Roſſen, ſo die Helden ritten: Sie verſuchten an den Heunen ſich mit hochfährtgen Sitten. Da ſprach der kühne Volker, der edle Fiedelmann : „Zu zag ſind dieſe Degen, ſie greifen uns nicht an. Ich hörte immer ſagen, fie haßten uns fo ſehr: Nun wär die Zeit. gelegen, ſo fügt ſichs ihnen nicht mehr.“ „Wieder zu den Ställen,“ ſprach da Volker, „Ziehe man die Noſſe, wir reiten wohl noch mehr In den Abendſtunden, kommt dazu die Zeit: Ob dann wohl den Burgonden den Preis die Königin bent?“ Da ſahn ſie einen reiten fo zierlich daher, Wie im Heunenlande“ wohl fein Andrer mehr: Vielleicht, daß in den Zeiten er hatt ein Liebchen traut: Er ritt ſo ſ\<hmu> gekleidet als eines edeln Nitters Braut. Da ſprach wieder Volker: - „Wie blieb das ungethan ? Jener Frauenliebling| muß einen Stoß empfahn. . Das mag hier Niemand wenden, es geht ihm än den Leib: Nicht frag ich, ob drum zürne dem König Ekel ſein Weib,“ „Nicht do\<! bei meiner Liebe,“ der König gleich begann, „Man wird uns darum tadeln, greifen wir ſie an: Die Heunen laßt beginnen, es kommt wohl noh dahin.“ Noch ſaß König Etzel am Feuſter bei der Königin, Lachitt, 1819-- 1521,

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„T\< will das Kampfſpiel mehrenz“ ſpra\< Hagen dagegen; „Laßt die Frauen ſehen und alle dieſe Degen“ Wie wir reiten können; das iſt wohlgethan: Man giebt doch wenig Lobes den Degen in Gunathers Bann.“ Volker der ſchnelle ritt wieder in den Streit. - Da ſchuf er mancher Fraue großes Herzeleid: Er ſtach dem reichen Heunen den Sper durc\<h den Leibs Das ſah man“bald beweinen manche Maid. und manches Weib? 4 Da kam in großer Eile Hagen mit ſeinem Bann“ Mit ſechzig ſeiner Degen zu reiten er begann 2 Zu dem Fiedelſpieler hin wo das Spiel geſchahs". Ekel mit Kriemhilden“ alles genau überfah. Da ließen die drei 'Könige den kühnen Fiedler gut Unter ſeinen Feinden nicht länger ohne Hut. . Da ward von tauſend Helden mit großer Kunſt geritten; Sie thaten was ſie lüſtete mit gar hochfährtgen Sitten. Als der reihe Heune zu Tode war geſchlagen , Vernahm man ſeiner Freunde Weheruf und Klagen. Da fragte das Geſinde: „Wer hat das gethan2“ -Man ſpracht „Das that der Fiedler, Volker der kühne Spielmann. W- Nach Schwertern und nach Schilden riefen gleich zur Hand | Des Markgrafen Freunde von der Heunen Land. Da wollken ſie zu Tode ſchlagen den Fiedelmann ; Der Wirth von ſeinem Fenſter daher zu eilen begann. Da hob ſich von den Heunen Lärm und lauter Schall. Abſtiegen mit dem Volke die Könge vor dem Saalz Zurück die Noſſe ſtießen Die in Gunthers Bann. Da kam der König Ekel den Streit zu ſchlichten heran.

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Aul Einem Vetter des Heunen, den er bei ihm fand, Eine ſcharfe Waffe riß er ihm aus der Hand Und ſchlug ſie all zurü>ke; er war in großem Zorn: „Wie hätt ich meine Dienſte an dieſen Helden verlor'n, „Wenn mir erſchlagen wäre dieſer Fiedelmaun,“ Sprach der König Ekel, „ihr hättet miſ8gethan, Als er erſtac\<ß den Heunen, ſein Neiten wohl ich ſah, Daß es ohne ſein Verſchulden durch ſein Straucheln geſchah. „ Ihr. follt meine Gäſte mit Frieden laßen ziehn.“ So ward er ihr Geleite. Die Roſſe zog man hin Zu den Herbergen; ſie hatten manchen Knecht, Der den Degen fleißiglih zu allen Dienſten ward gerecht. Der Wirth mit ſeinen Freunden gieng zum Saal zurüc>; Da regte ſich kein Zürnen mehr vor ſeinem Bli. Man richtete die Tiſche, das Waßer man ihnen trug: . Da hatten die vom Nheine der ſtarken Feinde genug. * Unlieb war es Ekeln, doch folgte manche Schar Den Fürſten, die mit Waffen wohl verſehen war, Im Unmuth auf die Säſte, als man zu Tiſche gieng, Den Freund bedacht zu rächen, wenn es günſtge Zeit verhieng. * „Daß ihr in Waffen lieber zu Tiſche geht als bloß," Sprach der Wirth des Landes, „die Unart iſt zu groß; „Wer aber an den Gäſten den kleinſten Frevel wagt, Es foſtet ihm das Leben; das ſei en\< Heunen geſagt.“ Bevor ſie niederſaßen, das währte mächtig lang, Weil zu ſehr mit Sorgen Frau Kriemhilde rang. Sie ſprach: „Fürſt von Berne, heute muß ich flehn Bei dir um Nath und Hülfe; meine Sachen ängſtlich ſtehn. “

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Zur Antwort gab ihr Hildebrand, ein Degen lobeswerth: „Wer ſchlägt die Nibelungen, dem lieh i\< nicht mein Schwert Um aller Sc\<häße willen; es wird ihm wahrlich leid: Sie ſind no\< unbezwungen, die ſchnellen Ritter allbereit. “ * „I\< rede nur von Hagen; der hat mir leid gethan: Er erſchlug Siegfrieden, meinen lieben Mann. Wer Den. von*ihnen ſchiede, dem wär mein Gold bereit; * Entgält es anders Jemand, - das wär*mir inniglich leid.“ * Da ſprach Meiſter Hildebrand: „Wie möchte das geſchehn, Den ihnen zu erſchlagen? Ihr ſolltets ſelber ſehn: Beſtünde man den Degen, fo gäb es eine Noth, * Daß Arme ſo wie Neiche dabei erwürben den Tod.“ Da ſprac\< wohlgezogen dazu Herr Dieterich: „Verſchont, reiche Königin, mit ſolchen Reden micht Mir iſt von euern Freunden. kein ſolches Leid geſchehn, Daß ich die kühnen Degen im Streit ſollte beſtehn. „Die Vitte ehrt euch wenig, viel edel Fürſtenweib, Daß ihr verrathen möchtet eurer Freunde Leib. Sie kamen eu\< auf Gnade hieher in dieſes Land: Siegfried bleibt ungeroheun wohl von Dietrichens Hand, “ Als ſie feine Untreu bei dem Berner fand, Verſprach ſie ungeſäumet in Degen Blödels Hand Eine weite Landſchaft, die Nudung einſt beſaß; 5 Später ſc\<lug ihn Dankwart, daß er der -Gabe gar vergaß. Sie ſprach: „Dun ſollſt mir helfen, mein Bruder Blödelein. Es ſind in dieſem Hauſe die großen Feinde mein, Die Siegfrieden ſchlugen, meinen lieben Mann: Wer mir das rächen hülfe, dem wär ich immer unterthan.“

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4rid Zur Antwort gab ihr Blödel: „Fraue, wißet das, Ich darf an euern Fröinden nicht üben meinen Haß, Weil ſie mein Bruder Ekel ſo gerne ſehen mag: Thät ich ihnen Leides, der König trüg mirs immer nach.“ „Nicht doch, Degen Blödel, ich bin dir immer hold: Ich gebe dir zum Lohne mein Silber und mein Gold Und eine ſchöne Fraue, Nudungens Weib: So magſt du immer koſen - ihren minniglichen Leib. „„- Das Land ſammt den Burgen will ich dir alles geben: So magſt du, edler Nitter, mit Freuden immer leben, Wenn du das Land gewinneſr, das Nudung einſt beſaß; Was ich dir jeßt gelobe, mit Treue leiſt ich dir das.“ Als der Herre Blödel vernommen von dem Sold, Und ihm durch ihre Schöne gefiel die Fraue“ hold, Wollt er im Kampf verdienen “ das minnigliche Weib. Darob verlieren muſte * der Degen Leben und Leib. Da ſprach er zu der Königin: „Geht wieder in den Saal. Eh man es inne werde, erheb ich großen Schall; Hagen muß es büßen was er euch hat gethan: Ich bring euch gebunden. König Gunthers Unterthan.“ „„ Run waffnet euch,“ ſprach Blödel, „ihr All in meinem Lehn, Laßt uns zu den Feinden in die Herberge gehn. Mir will es nicht erlaßen König Eels Weib: Wir Helden müßen alle verwagen Leben und Leib.“ Als den Degen Blödel entließ die Königin, Daß er den Streit beginne, gieng ſie zu Tiſche hin Mit Eßeln dem Könige und mit feinem Bann: Sie hatte ſchlimme Räthe wider die Gäſte gethan.

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+ Wie ſie zu Tiſche giengen, das will ich euch ſagen: Man ſah reihe Könige ihr vor die: Kro genz; Manchen hohen Fürſten und viel der werthen Degen Sah man hehrer Sitte vor der Königin pflegen. y * Der König wies den Gäſten die Siße überall, Den Höchſten und den Beſten neben ſich im Saal. Den Chriſten und den Heiden die Koſt er unterſchied; Man gab die Fülle Beiden, wie es der weiſe König rieth. * In den Herbergen aßen -die Kne\<t in Gunthers Vann. Truchſäße wies man ſie zu verpflegen anz Die hatten ſie zu ſpeiſen großen Fleiß gepflogen. Die Bewirthung und die Freude ward bald mit Jammer aufgewogen. Da nicht anders mochte begonnen ſein der Streit, (In ihrem Herzen begraben war Kriemhilds altes Leid) Da hieß ſie zu den Tiſchen tragen Eßels Sohn: Wie konnt ein Weib aus Nache " wohl jemals freislicher thun? Von Ekels Leuten kamen viere gleich. daher Und brachten Ortlieben, den jungeu König hehr, An den Tiſch der Fürſten, wo auch Hagen ſaßz Das Kind muſt erſterben durch ſeinen mordlichen Haß. Als der reihe König ſeinen Sohn erſah, Zu ſeiner Frauen Brüdern gütlich ſprach er da: „Scauet, meine Freunde, das iſt mein einzig Kind, Und das eurer Schweſter; das ſei euch Allen hold geſinnt. „Geräth er na\< dem Stamme, er wird ein kühner Mann, Reich- und voll Adel, ſtark und wohlgethan. Erleb ich es, ih geb ihm zwölf reicher Könge Land; So thut euch wohl noch Dienſte des jungen Ortliebes Hand.

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„Darum will ich euch bitten, lieben Freunde mein, Wenn ihr na\< Haufe wieder reitet an den Nhein, Daß ihr mit euch nehmet eurer Schweſter Kind; Und ſeid auch dem Knaben immer gnädiglich geſinnt. „Erziehet ihn nac\< Ehren, bis er geräth zum Mann: Hat eu\<h in euerm Lande Jemand ein Leid gethan, So hilft er euch es rähßen, erwuchs ihm erſt der Leib.“ Die Rede hörte Kriemhild, des Königes Ekel Weib. „Ihm ſollten wohl vertrauen alle dieſe Degen, Wenn er zum Mann erwüchſe,“ ſprach Hagen dagegen ; „Doch iſt der junge König ſo ſchwächlich anzuſehn: Man wird mich ſelten ſhauen nac\< Hof zu Ortlieben gehn.“ Der König bli>t? auf Hagen; die Rede war ihm leid, Wenn er auch nichts entgegnete, der Degen allbereit, Es ſchmerzt? ihn in der Seele und trübte ſeinen Muth. Da waren Hagens Sinne zu keiner Kurzweile gut. Es ſchmerzte wie den König ſein fürſtlich Ingeſind, Was Hagen da geſpro\<en hatte von dem Kind. Das ſie's vertragen ſollten gieng ihnen Allen nah ; No\< konnten ſie nicht wißen, was von dem Reken bald geſchah. * Gar Manche, die es hörten und die ihm trugen Groll Hätten ihn gern beſtanden; der König ſelber wohl, Wenn er mit Ehren durfte ; ſo käm der Held in Noth. Bald that ihm Hagen Aergeres, er ſchlug ihn vor ſeinen Augen todt.

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Zweiunddreißigſtes Abenteuer. Wie Blödel erfſ\<hlagen- ward. Blödels Reen ſtanden" gerüſtet allzumal. * In tauſend Halsbergen erreichten ſie den Saal,“ Wo Dankwart mit den. Knechten an den Tiſchen ſaß: Da hob ſich unter Helden der allergrößeſte Haß. \<| Als “der Degen Blödel zu den Tiſchen. gieng, Dankwart der Marſchall mit Gruß ihn wohl empfieng: „Willkommen hier im Hauſe, mein Herre .Blödelein: Mich wundert euer Kommen: ſagt, was ſoll die Märe ſein?“ „Heiß mich nicht willkommen,“ ſprach da Blödelein; „Denn dieſes .mein Kommen, das ſoll dein Ende ſein . Um Hagen deinen Bruder, der Siegfrieden ſ\<lug? Das entgiltſt du bei den Heunen und andre Degen genug.“ : „ Nicht doch, Degen Blödel ,/“ ſprach da Dankwart, „So möchte bald uns reuen zu Hofe dieſe Fahrt. Ich war ein Kind, als Siegfried Leben ließ und Leib: Nicht weiß ich was mir“ wolle dem König Ekel fein Weib.“ „I\< weiß dir von der Märe weiter nichts zu ſagen; Es thatens deine Freunde, Gunther und Hagen. Nun wehrt eu\<, ihr Armen, ihr könnt nicht länger leben ; Ihr müßet mit dem Tode ein Pfand der Kriemhilde geben.“

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uiitl „Laßt ihrs nicht unterbleiben“ ſprach da Dankwart, „So gereut mich meines Flehens: hätt ich das geſpart!“ Der ſchnelle kühne Degen von dem Tiſche ſprang: Er zog eine Waffe, die war gewaltig und lang. Damit ſchlug er Blödeln - einen “ſchwinden Sc\<wertesſchlag, Daß ihm das Haupt zur Stelle - vor den Füßen lag. „Das ſei die Morgengabe /“ ſprach Dankwart der Degen, . „Zu Nudungens Wittwe, der du mit Minne wollteſt pflegen. „Vermähle man ſie morgen einem andern Mann: p Will er den Lohn erwerben, wird ihm wie dir gethan.“ Ein vielgetrener Heune hatt ihm das geſagt, Wie die Königstöchter ihr großes Leid ihm geklagt. Da ſähen Bklödels Leute, ihr Herr ſei erſchlagen ; Sie wollten von den Gäſten das länger nicht ertragen: Mit aufgehobnen Schwerten drang auf ſie ein Das Volk in grimmem Muthe; das muſte Manchen gereun. Laut rief da Dankwart ſein Heergeſinde an? „Ihr ſeht wohl, edie Knechte, es iſt um uns gethan: Nun wehrt euc\<, ihr Armen; fürwahr, das thut uns Noth, Damit ihr ohne Schanden erliegt in wehrlichem Tod.“ Die keine Schwerter hatten, die griffen nach der Bank, Und hoben von den Füßen manchen Schemel lang; Die Burgondenkne\<hte wollten nichts ertragen; Da ward mit ſchweren Stühlen gar manche Beule geſchlagen. Wie grimm die Heimatloſen ſich wehrten in dem Strauß! Sie trieben zu dem Hauſe die Gewaffneten hinaus: Fünfhundert oder drüber erlagen drin dem Tod. Da war daS Heergeſinde vom Blute naß und auch roth.

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Dieſe ſchlimme Botſchaft draug in kurzer Zeit . Zu Königs Eels Ne>en (ihnen war es grimmig leid), Daß erſchlagen liege «Blödel und ſein Bann: Das hatte Hagens Bruder mit ſeinen Knechten gethan. Eh es der König hörte ſtand ſchon ein Heunenheer In ſeinem Zorn gerüſtet, zweitauſend oder mehr: Sie giengen zu den Knechten , wohl muſt es alfo ſein, Und ließen des Geſindes nicht Einen länger gedeihn. Die Ungetrenen brachten vor das Haus ein mächtig Heer: Die heimatloſen Knechte ſtanden wohl zur Wehr. Was half da Kraft und Kühnheit? ſie fanden doh den Tod. Darauf nach kurzer Weile - erhob ſich ſchre>liche Noth. Nun mögt ihr Wunder hören von Ungehenerm ſagen: Neuntauſend Knechte, die lagen todt erſchlagen, Darüber zwölf Nitter in Dankwartens Lehnz Man ſah ihn ganz alleine unter ſeinen Feinden ſtehn. Beſchwichtigt war das Schallen, der Lärm war eingeſtellt. Da blickte über die Achſel Dankwart der Held: Er ſprach: „O weh der Freunde, die ich fallen ſah! Nun ſteh ich leider einſam» unter meinen Feinden da.“ Die Scwerter fielen heftig auf des Einen Leib: Das muſte bald beweinen manches Helden Weib. | Den Schild rü>t? er höher,- den Riemen ließ er nieder: Da färbt? er viel der Harniſche mit fließendem Blute wieder. „O weh mir dieſes Leides!“ ſprach Aldrianens Kind, „Nun weicht ihr Heunenre&en und laßt mich an den Wind, Daß die Lüfte kühlen mich ſturmmüden Mann.“ Da drang er auf die Thüre unter Schlägen herrlich an.

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Als der Streitmüde aus dem Hauſe ſprang, Wie manches Schwert von Neuem auf ſeinem Helm erklang! Die nicht geſehen hatten die Wunder ſeiner Hand, Die ſprangen da.entgegen Dem aus Burgondenland. Nun wollte Gott,“ ſpra\< Dankwart, „daß mir ein Bote käm, Durc\< den mein Bruder Hagen dieſe Mär vernähm, Daß ich vor dieſcn Ne>en ſteh in ſolcher Noth. Der hülfe mir von hinnen oder fände mit den Tod.“ Da ſprachen die Heunen: „Der Bote muſt Du ſein, Wenn wir. dich Todten tragen vor den Bruder dein: Dann ſieht ſein erſtes Herzeleid Gunthers Unterthan. Du haſt dem König Ekel hier großen Schaden gethan.“ Er ſprach: „Nun laßt das. Drohen und weichet deſto. mehr. Wohl mach ich hier noh Manchem den Panzer naß und ſchwer. Ic\<h will die Märe ſelber hin zu Hofe tragen, Und will auch meinen Herren meinen großen Kummer klagen.“ Er machte ſich ſo fur\<tbar dem Volk in-Ekels Lehn, Daß ſie ihn mit Schwertern nicht wagten zu beſtehn : Sie ſchoßen ſo viel Spieße in ſeinen Sc\<ildesrand , Er muſt ihn ſeiner Schwere wegen laßen aus der Hand. Sie wähnten ihn zu zwingen, weil er den Schild nicht trug, Hei, was er tiefer Wunden durch die Helme ſchlug! Da muſte vor ihm ſtraucheln mancher kühne Mann, Daß ſich viel hohen Lobes der kühne Dankwart gewann. Von beiden Seiten ſprangen die Gegner auf ihn zu; Wohl kamen ihrer Man\<e in den Streit zu fruh. Da gieng er vor den Feinden her, wie ein Eberſchwein Im Walde thut vor Hunden; wie mocht er wohl kühner fein?

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Sein Weg ward immer wieder genäßt mit heißem Blut; Konnte je alleine ein Recke wohl ſo gut Mit ſeinen Feinden ſtreiten, "als der Held gethan? Da ſchritt Hagens Bruder nach Hofe herrlich heran. Die Truchſäß und die Schenken vernahmen Sc\<werterklang; Gar mancher die Getränke aus den Händen ſchwang, Oder guch die Speiſen, die man zu Hofe trug: Da fand er vor der Stiege der ſtarken-Feinde genug» * „Wie nün, ihr Eruchſäße 2?“ ſprach der müde Degen, „Run ſollet ihr die Gäſte fleißiglich verpflegen, Und ſolltet zu den Tiſchen die gute Speiſe tragen Und ließet mich die Märe meinen “lieben Herren ſagen.“ Wer da den Muth gewonnen "und vor die Stieg ihm ſprang, Deren ſchlug er Manchen ſo ſchweren Schwertesſchwang, . Daß ihm aus Sc\<hre> die Andern ließen freie Bahn: Da hatten ſeine Kräfte viel große Wunder gethan.

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Dreiunddreißigſtes Abenteuer. Wie die Burgonden mit den Heunen ſtritten. A1s der fühne Dankwart“ unter die Thüre trat "Und Eßels Jngeſinde zurü&zuweichen bat, Da war mit Blut beronnen all ſein. .Rüſtgewand; Eine ſcharfe Waffe 'trug er bloß an ſeiner Hand. + Gerade zu der Stunde als Dankwart trat zur Thür, Trug man Ortlieben im Saale für und für - Von einem Tiſch zum andern den Fürſten wohlgeboren: Durch ſeine ſchlimme Botſchaft gieng das Kindlein verloren. Hellauf rief da Dankwart einem Degen zu: „Ihr fißet allzulange, Bruder Hagen, in Ruh; Euch und Gott vom Himmel klag ich unſre Noth: Nitter und Geſinde ſind in der Herberge todt.“ Da rief ihm Der entgegen: >, Wer hat das gethan 2“ „Das that der Degen Blödel - mit ſeinem Heeresbann. Auch hat ers ſchwer entgolten, das will ic\<ß euch ſagen: Mit dieſen Händen hab ich ihm ſein Haupt abgeſchlagen.“ „Der Schaden iſt geringe,“ ſprach Hagen dagegen, „Wenn man ſolc\<e Märe ſagt von einem Degen, Daß er von Re>enhänden zu Tode ſei geſchlagen : Den ſollen deſto minder die ſchönen Frauen beklagen.

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„ Nun ſagt mir, Bruder Dankwart, wie ſeid ihr ſo roth? Ich glaube ſchier ihr leidet von Wunden große Noth: Iſt Einer in dem Lande, von dem euch das geſchehn? Der üble Teufel helfe dem: es muß ihm an ſein Leben gehn.“ „ Noc\< bin ich unverwundet: mein Kleid iſt naß von Blut; Das floß nur aus Wunden andrer Degen gut, Deren ich ſo Manchen . heute hab erſchlagen, Wenn ichs beſchwören ſollte, « die Zahl nicht wüſt ich zzu ſagen.“ Da ſprach er: „Bruder.Dankwart, ſo hütet "uns der Thür Und laßt von den Heunen nicht Einen Mann herfür: So red ich mit den Re>en, wie uns zwingt die Noth; " Unſer Ingeſinde litt unverdient durch ſie den Tod.“ „Soll ih Kämmrer werden?“ ſprach der kühne Mann, „Bei ſo reihen Königen ſteht mir das Amt wohl an? Der Stiege will ich hüten nach allen Ehren mein.“ Kriemhildens Re>en konnte das nicht leider ſein. „Run möcht ich doch wißen „“ ſprach wieder Hagen, „- Was die Heunendegen ſich in die Ohren ſagen: Sie möchten ſein entbehren, . der hier die Thür bewacht, Und der die Hofmären den Burgonden hat gebracht. „I\< hörte ſhon lange von Kriemhilden ſagen, Daß ſie nicht ungero\<hen ihr Herzleid wolle tragen; Nun trinken wir die Minne - und zahlen des Königs Wein: Der junge Vogt der Hennen, der muß der Allererſte ſein.“ . Ortlieb das Kind erſchlug da Hagen der Degen gut, Daß ihm vom Schwerte nieder floß auf die Hand das Blut, Und das Haupt herabſprang der Köngin in den Schoß: Da hob ſich unter Degen“ ein Morden grimmig und groß.

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Er ſchlug dem Hofmeiſter, der des Kindes pflag, Mit ſeinen beiden Händen einen ſchwinden Schwertesſchlag, Daß vor des Tiſches Füße ſein Haupt niederflog: gg Es war ein übler Dienſtlohn/ den er dem Hofmeiſter wog. Er ſah vor Etzels Tiſche einen Fiedelmann: Hagen in ſeinem Zorne ſchritt raſch zu ihm heran. Er ſchlug ihm auf der Geige herab die rechte Hand: „Das habe für die Botſchaft in der Burgonden Land.“ „OD weh meine Hände!“ hub da Werbel an, „Herr Hagen von Tronje, was hab ich euch gethan? Ic\<h kam in großer Treue -in eurer 'Herren Land: Wie kläng ich nun die Töne, da ich verloren die Hand?“ Hagen fragte wenig, geigt! er auch nimmer mehr. Da übt? er in dem Hauſe die grimme Mordluſt ſehr An- König Eels Re>en, deren er viel-erſchlug: Da bracht er in dem Hauſe zu Tod der. Re>en genug. Volker der ſchnelle von dem Tiſche ſprang, Sein Fiedelbogen kräftig an ſeiner Hand erklang. Da fiedelte gewaltig Gunthers Fiedelmann: Hei! was er ſich zu Feinden der kühnen Heunen gewann! Auch ſprangen von den Tiſchen die drei-Könge hehr. Sie hofften es zu ſchlichten, eh Schadeus würde mehr; Doh ſtrebten ihre Kräfte umſonſt dawider an, Da Volker mit Hagen ſo ſehr zu wüthen begann. Da ſal; der Vogt vom Rheine, er ſcheide nicht den Streit: Da ſchlug der König ſelber manche Wunde weit Durch die lichten Panzer den argen Feinden ſein: Er war ein ſchneller Degen, das ließ er offenbar ſein.

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Da kam auch zu dem Streite der ſtarke Gernot: Der ſchlug dem Heunenvolke manchen Helden todt Mit dem ſchgrfen Schwerte, das Nüdiger ihm gab; Damit bracht er Manchen von Etßels Re>en ins Grab. Der jüngſte Sohn Utens auch zu dem' Streite ſprang, Seine..Waffe herrlich. durch die Helme drang König Etels Re>en aus dem Heunenland: Da that viel große Wunder des kühnen Geiſelher Hand? Wie kühn ſie alle waren, die Fürſten und ihr Bann, Dennoch ſah man Volkern den Andern all voran Bei den ſtarken Feinden; er war ein Degen gutt Er förderte mit Willen Manchen nieder in das Blut. Auch wehrten ſich gewaltig Die in Eßels Lehnt Man ſah die Gäſte fechtend auf und nieder gehn .- Mit den lichten Schwerten durch des Königs Saal. Da vernahm man allenthalben vom Wehruf mächtigen Schall. Da wollten Die da draußen zu ihren Freunden drin: Sie fanden .an der Stiege gar wenigen Gewinn; Da wollten Die da drinnen gerne vor die Thür: Dankwart ließ keinen nicht hinein noch herfür. Drum hob ſich an der Pforte ein ungeſtümer Drang Und von Schwerthieben auf Helmen lauter Klang. Da kam der kühne Dankwart in eine große Noth: Sein Bruder trug da Sorge, wie ihm die Treue gebot. Da rief mit lanter Stimme Hagen Volkern an: „Seht ihr dort, Geſelle, vor manchem Heunenmann Meinen Bruder ſtehen unter ſtarken Schlägen ? Freund! ſchüßet mir den Bruder, wir verlieren ſonſt den Degen.“

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Der Spielmann gab zur Antwort: „Wohl, es ſoll geſchehn.“ Da begann er fiedelſtreichend durc\< den Saal zu gehn: Ein hartes Schwert nicht ſelten an ſeiner Hand erklang. Vom Rhein die Recken ſagten dafür ihm größlihen Danf. Volker der kühne zu Dankwarten ſprach: „ Ihr habt erlitten heute großes Ungemach! Mich bat euer Bruder, ich foll euch helfen gehn: Wollt ihr aun draußen bleiben, ſo will ich 'innerhalben ſtehn.“ Dankwart der ſchnelle ſtand außerhalb der Thürz - So wehrt? er von der Stiege wer immer trat dafür. Man hörte Waffen hallen den Helden- an der Hand: So that auch-innerhalben Volker von Burgondenland. Der kühne Spielmann rief ihm über die Menge zu; „Der Saal iſt wohl verſchloßen , Freund Hagen, ſeid in Nuh: Es iſt ſo gut verſchränfet König Ekels Thür Von zweier Helden Händen, die gehn wohl kauſend Niegeln für.“ Als von Tronje Hagen die Thüre ſah in Hut, Den Schild warf auf den Rü>en der erlauchte Degen gut: Run begann er erſt zu rächen, was ihm war geſchehn. Da durften ſeine Feinde ſich des Lebens nicht verſehn. Als der Vogt von Berne das Wunder recht erſah Wie Hagen der ſtarke zerbrach die Helme da, Der Amelungen König ſprang auf eine Bank; Er ſprach: „Hier ſchenket Hagen den allerſauerſten Trank.“ Der Wirth war ſehr in Sorgen, wie ihn zwang die Noth; Was ſchlug man lieber Freunde vor ſeinen Augen todt! Er ſelbſt war kaum geborgen vor ſeiner Feinde Shar: Er ſaß in großen Aengſten: was half ihm, daß er König war?

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Kriemhild die reiche rief Dietrichen zu: „Hilf mir von der Stelle, edler Ritter du, Bei aller Fürſten Tugend gus Amelungenlandz Denn erreicht mich Hagen, hab ich den Tod an der Hand.“ „Wie foll ich euch helfen,“ ſprach Herr Dieterich, „Edle Königstochter? ich ſorge ſelbſt um mich. Es ſind ſo ſehr erzürnet Die in Gunthers Bann, “ Daß ich in dieſer Stunde Niemand wohl befrieden kann.“ „Nicht alſo, Degen Dietrich, edler Ritter gut, Laß einmal heut erſcheinen deinen tugendreichen Muth: Bringe mich von hinnen , - oder ich bleibe todt. Hilf mir und dem Könige . aus dieſer angſtvollen Noth.“ „I\< will es verſuchen, ob euch zu helfen iſtz Doch ſah ich wahrlich nimmer "in langer Tage Friſt So bitterlich erzürnet manchen Ritter gutt Ich ſehe durc\< die Helme von Schwertern ſpringen das Blut.“ Mit Kraft begann zu rufen der Nitter auserfor'n, Daß ſeine Stimme ſchallte wie ein Büffelhorn Und daß die weite Veſte ſchütterte von dem Stoß. Dietrichens Stärke war über die Maßen groß. Da hörte König Gunther . rufen dieſen Mann . 3; In dem harten Sturme: zu lauſchen hub er an, Er ſprach: „Dietrichs Stimme iſt in mein Ohr gefommen: Ihm haben unſre Degen hier wohl Jemand benommen. „I\<h ſeh ihn auf dem Tiſche winken mit der Hand. Ihr Männer und Freunde von „Burgondenland, Haltet ein mit Streiten! laßt hören erſt und ſehn, Was von meinen Mannen hier dem Degen ſei geſchehn.“

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Als ſo der König Gunther bat und auch gebot, Da ſenkten ſie die Schwerter in des Streites Noth. Das war Gewalt bewieſen, daß Niemand da mehr ſchlug. Er fragte Den von Berne um die Märe ſchnell genug. Er ſprach : „Viel edler Dietrich, was iſt euch hier geſchehn Von einem meiner Freunde? Jhr ſollt mich willig ſehn: Zur Sühne und zur Buße bin ich euch gern bereit. Was euch Jemand thäte, das wär mir inniglich leid.“ Da ſprach der Degen Dietrich: „Mir iſt nichts geſchehn ; Laßt mich mit euerm Frieden aus dem Hauſe gehn Von dieſem ſchweren Streite mit dem Geſinde mein: Dafür will ich euch wahrlich immerdar gewogen ſein.“ -- Was müßt ihr alſo flehen ?“ ſprach da Wolfhart, „Es hält der Fiedelſpieler die Thür nicht ſo verwahrt: Wir öffnen ſie ſo mächtig, daß man ins Freie kann.“ „Sc\<hweige „“ ſprac\< Herr Dietrich, „du haſt den Teufel gethan.“ Da ſprach König Gunther: „Den Urlaub geb ich gleich: Führet aus dem Hauſe ſo viel ihr wollt mit euch, Ohne meine Feinde; die ſollen hier beſtehn :-. Durch die iſt mir viel Leides hier bei den Heunen geſchehn.“ Als das der Berner hörte, mit Einem Arm umſchloß Er die edle Königin, ihre Angſt war groß; "TE.5 Da führt? er an dem andern Eßeln aus dem Haus. “+: ? Auch folgten Dietrihen viel ſtolze Degen hinaus. | -.2"% Da ſprach der Markgraf, der edle Rüdiger: „Soll aber aus dem Hauſe noch kommen Jemand mehr, Der euch gerne dienet, wohlan, ſo macht mirs kund: So walte ſtäter Frieden in getrener Freunde Bund.“

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Zur Antwort gab ihm Geiſelher von Burgondenland: „Einigkeit und Friede ſei euch von uns bekannt; Ihr haltet ſtäte Treue und Die in enerm Lehn: Ihr ſollt mit euern Freunden ohne Furcht von hinnen gehn.“ Als Rüdiger der Degen räumte Ekels Saal, Fünfhundert oder drüber, die folgten ihm zumal. Das ward aus großer Treue von den Herrn gethan; Wodur\< der König Gunther bald großen Schaden gewann. Da ſah ein HeunenreFe König Eßeln gehn Neben Dietrichen: des wollt er Frommen ſehn. . Dem gab der Fiedelſpieler einen ſolhen Schlag, Daß gleich vor Ekßels Füßen ihm das Haupt am Boden lag. Als der Wirth des Landes kam in dem Hofraum an, Da wandt er ſich und bli>te zu Volkern hinan. * „O weh mir dieſer Gäſte! das iſt eine grimme Noth: Daß alle meine Reen vor ihnen finden den Tod! „Weh dieſes Hofgelages!“" ſprach der König hehrz „Da drinnen ficht Einer, der heißet Volker, Gleich einem wilden Eber ünd iſt ein Fiedelmann: T\< dank es meinem Heile, daß ich dem Teufel entrann. „Seine Weiſen lauten übel, ſeine Striche ſind roth; Wohl ſchlagen ſeine Töne mir manchen Helden todt. Ich weiß nicht was uns vorwirft derſelbe Fiedelmann, Daß ich in meinem Leben ſo leiden Gaſt nicht gewann.“ * Zu den Herbergen giengen die beiden Reken hehr, Dietrich von Berne und Markgraf Rüdiger. Sie wollten alle beide des Streits entledigt ſein, „Und geboten ihren Degen, daß ſie den Zwiſt ſollten ſcheun.

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* Und hätten die Burgonden des Leides ſich verſehn, Das ihnen von den Beiden ſollte bald geſchehn , Sie wären aus dem Hauſe ſo leicht nicht weggekommen, Eh ſie eine Strafe von den Kühnen genommen. Sie hatten die ſie wollten entlaßen aus dem Saalz Da hob ſich innerhalben ein fürchterlicher Schall. Die Gäſte rächten bitter ihr Leid und ihre Schmach ; Volker der kühne, hei! was er Helme zerbrach! Sich wandte zu dem Sc\<alle * Gunther der König hehr: „Hört ihr die Töne, Hagen, die dort Volker Mit den Heunen fiedelt, wenn Wer zur Thüre trat? Es iſt ein rother Anſtrich, den er am Fiedelbogen hat.“ „Es reut mich ohne“ Maßen ,“ ſprach Hagen dagegen, „Daß ich je mich ſcheiden muſte von dem Degen: I\< war ſein Geſelle, er der Geſelle mein, Und kommen wir von hinnen, wir wollens noch in Treue ſein. „Nun ſchane, hehrer König, der Volker iſt dir hold: Wie fleißig er verdienet dein Silber und dein Gold! Sein Fiedelbogen ſchneidet durc\< den harten Stahl, Er ſchleudert von den Helmen die lichten Zierden zu Thal. „Ih ſah nie einen Fiedler ſo ſtolz und herrlich ſtehn, Als dieſen Tag von Volfer dem Degen iſt geſchehn. Es hallen ſeine Weiſen durch Helm und Schildesrand: Gute Roſſe foll er reiten und tragen herrlich Gewand.“ So viel der Heunendegen auch waren in dem Saal, Nicht Einer blieb am Leben von ihnen allzumal. Da war der Schall beſchwichtigt, als Niemand blieb zum Streit: Die kühnen Ned>en legten da ihre Sc\<werter beiſeit.

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Vierunddreißfigſtes Abenteuer. Wie ſie die Todten aus dem Saale warfen. Da ſeßten ſich die Herren aus Müdigkeit zu Thal. Volker und Hagen- die giengen vor den. Saal, As Ueber den Schild ſich lehnend 'in ihrem Uebermuthz Da pflagen launger Neden dieſe beiden Helden gut. Da ſprach von Burgonden Geiſelher der Degen: „No\<h dürft ihr lieben Freunde nicht der Nuhe pflegen; Ihr folltet erſt die Leihen aus dem Hauſe tragen: Wir werden noch beſtanden, das will ich wahrlich euch ſagen. „Sie ſollen untern Füßen uns hier nicht länger liegen. Bevor im Sturm die Heunen mögen uns beſiegen, Wir haun noch man\<e Wunde, die mir gar ſanfte thut: Des hab ich,“ ſprach da Geiſelher, „einen willigen Muth.“ „„O wohl mir ſolches Herren,“ ſprach Hagen dagegen, „Der Rath geziemte Niemand, als einem ſolchen Degen, Wie unſern jungen Herren wir dieſen Tag geſehn; Ihr Burgonden möget alle drob in Freuden ſtehn.“ Da folgten ſie dem Rathe und trugen vor die Thür Siebentauſend Todte, die warfen ſie dafür. Vor des Saales Stiege fielen ſie zu Thal: Da erhoben ihre Freunde mit Jammern kläglichen Schall.

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Darunter war noc\< Mancher nur ſo mäßig wund, Fänd er gute Pflege, er würde noch geſund ; Do\< von dem hohen Falle fand er nun den Tod: Das klagten ihre Freunde; es zwang ſie wahrhafte Noth. Da ſprach der Fiedelſpieler, Held Volker unverzagt: „Nun ſeh ich doh die Wahrheit von dem was man geſagt : Feige ſind die Heunen, ſie klagen wie ein Weib, , Statt daß ſie pflegen ſollten der Schwerverwundeten Leib. “ Da mocht ein Markgraf wähnen, er mein es ernſt und gut: Seiner Vettern Einen ſah er gefallen in das Blut; Er dacht ihn wegzutragen und wollt ihn ſchon umfahn : Den ſchoß ob ihm zu Tode dieſer kühne Fiedelmann, Eine große Flucht erhob ſich als das die Andern ſahn. Sie begannen all zu fluchen demſelben Fiedelmann. Einen Spieß vom Boden nahm- er, der war ſcharf und hart, Der von einem Heunen zu ihm herguf geſchoßen ward. Den ſchoß er durch die Veſte von ſich kräftiglich Ueber ihre Häupter. Das Volk Ekels wich Erſchre>t von feinem Wurfe weiter von dem Saal; Vor ſeinen ſtarken Kräften die Leute bangten überall. Da ſtanden vor dem Hauſe manche tauſend Maun. Volker und Hagen huben zu reden an Mit Ezßeln dem König in hohem Uebermuth; Das ſchuf bald große Sorge dieſen Helden kühn und gut. „Wohl wär es „“ ſprach da Hagen, „des Volkes Troſt im Leid, Wenn die Herren föchten voran in Sturm und Streit, Wie von meinen Herren hier ein Jeder thut: Die hauen durch die Helme, daß von den Schwertern fließt das Blut.“

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Ekel war nicht feige, er faßte ſeinen Schild: „Nun hütet enres Lebens,“ ſprach da Kriemhild, „Und bietet Gold den Ne>en auf der Schilde Rand: Kommt Hagen euch zu nahe, ihr habt den Tod an der Hand.“ So kühn war der König, er wollt in den Streit, Wozu ſo reiche Fürſten nun ſelten ſind bereit. Man muſt ihn bei dem Riemen des Schildes halten an. Hagen der grimme ihn mehr zu höhnen begann. „Eine ferne Sippſchaft war es,“ ſprach Hagen gleich zur Hand, „Die Eteln und Siegfried zuſammen einſt verband; Er minnte Kriemhilden, eh ſie geſehen dich: Böſer König Eßel, warum denn räthſt du wider mich?“ Dieſe Rede hörte die edle Königin. Darüber ward unmuthig Kriemhild in ihrem Sinn, Daß er ſie ſchelten durfte, vor König Etzels Bannt Von Neuem ſie zu werben wider die Gäſte begann. Sie ſprach: „Wer den Hagen von Tronje mir erſchlägt Und mir ſein Haupt als Gabe her zur Stelle trägt, Mit rothem Golde füll ih ihm Ekels Schildesrand, g Auch geb ich ihm zum Lohne viel gute Burgen und Land, “ „I\< weiß nicht was ſie zaudern ,“ ſprach. der Fiedelmann, „Niemals haben Helden ſo verzagt gethan, Wenn man bieten- hörte ſo hohen Ehrenſold. e Wohl ſollt ihnen Eßel nimmer wieder werden hold. r „Die hier mit Schimpf und Schanden eßen des Königs Brod, Und ihn nun verlaßen in der gröſten Noth, Deren feh ich Manchen ſo recht verzagt da ſtehn, Und thun doch ſo verwogen ; ſie können nie der Schmach entgehn.“

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+ Der reiche Ekel hatte Jammer und Noth, Er beklagte ſeiner Mannen und Freunde bittern Tod; Von manchen Landen ſtanden ihm Neden viel zur Seit, Die weinten mit dem Könige ſein gewaltiges Leid. * Da gedachten die Beſten: „Wahr iſt was Volker ſagt.“ Do\<h war da wohl Niemand, der es ſo ſchwer beklagt, Als der Markgraf Iring, ein Held ans Dänenland z Was ſich nach kurzer Weile wohl nach der Wahrheit befand.

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Fünfunddreißigſtes Abenteuer. Wie Irving erſchlagen ward. Da rief der Markgraf Iring aus der Dänen Land „I\< habe nun auf Ehre + meine Sinne lang gewandt, Auch iſt von mir das Beſte wohl oft im Sturm geſchehn : Bringt mir meine Waffen: fo will i\< Hagen beſtehn.“ „Das muß ich widerrathen ,“ hub da Hagen an, „Sonſt müßen vor mir weihen Die in Ekels Bann: Springen eurer zweie oder drei in den Saal, Die ſend ich wohl verhauen die Stiege wieder zu Thal.“ „I\< wills darum nicht laßen,“ rief Jring wieder hin: „I\< verſuchte wohl ſchon früher, was gleiche Wagnifs ſchien. Wohl will ich mit dem Schwerte allein .zu dir hinant Was hilft dir das Brüſten, das du mit Reden haſt gethan?“ Da wurde bald gewaffnet. der Degen Jring, Und von Thüringen Irnfried, ein kühner Jüngling, Und Hawart der ſtarke wohl mit tauſend Mann. Sie wollten Jring helfen was auch der Degen begann. Da ſah der Fiedelſpieler ein gewaltig Heer , Das mit Jringen gewafſſnet zog daher. Sie trugen aufgebunden die lichten Helme gut. Da ward dem fühnen Volker darüber zornig zu Muth:

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„Seht ihr, Freund Hagen, dort Jringen gehn, Der eu\< im Kampf gelobte alleine zu beſtehn? Wie ziemet Helden Lüge? Fürwahr ich tadl es ſehr: Es- gehn mit ihm gewaffnet wohl tauſend Re>en oder mehr. “ „Nun heißet mich nicht lügen,“ ſprach Der in Hawarts Bann, „I\< will das Wort erfüllen, - das ich euch kund gethan. Keiner Feigheit wegen foll es gebrochen ſein : Sei Hagen noch ſo fürchterlich, ich beſteh ihn ganz allein.“ Fußfällig bat Iring Freund und Unterthan, Daß ſie ihn alleine dem Reen ließen nahn. Das thaten ſie ungerne, ihnen war zu wohl bekannt Der übermüthge Hagen aus der Burgonden Land, Da bat er ſie ſo lange bis es doch geſchah. Als das Jngeſinde ihn ſo entſchloßen ſah, Und daß er rang nach Ehre, da ließen ſie ihn gehn: Da ward von den Beiden ein grimmes Streiten geſehn. Jring der Däne hielt ho\<h empor den Sper, Sich de>te mit dem Schilde der theure Degen hehr, So lief er auf im Sturme zu Hagen vor den Saal: Da erhub ſich von den Degen ein gewaltiger Schall. Da ſchoßen ſie die Spieße kräftig aus der Hand > Durch die feſten Schilde auf ihr licht-Gewänd, Daß die ESperſtangen hoch in die Lüfte flogen ; Da griffen zu den Schwertern die Degen grimm und verwogen. Es war der kühne Hagen von Muth und Kräften voll; Doch ſchlug nach ihm Iring, daß rings das Haus erſcholl : Pallas und Thürme“ erhallten von den Schlägen. Es fonnte ſeinen Willen doch nicht vollführen der Degen.

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Iring ließ Hagnen unverwundet ſtehn: Auf den Fiedelſpieler begann er los zu gehn. Er wähnt?, er könn ihn zwingen mit ſeinen ſtarken Schlägen : Doch wuſte ſich zu ſchirmen dieſer zierliche Degen. Da ſchlug der Fiedelſpieler, daß über des Schildes Rand Das Geſpänge wirbelte von Volkers ſtarker Hand. Den ließ er wieder ſtehen ;* er war ein übler Mann: Da lief er auf Gunther, den Burgondenfkönig, an. Doch war da Jedweder zum Streite ſtark genugt Wie Gunther auf Jring und der auf Jenen ſchlug, Das lo>te nicht aus Wunden das fließende Blutz Das wehrte ihre Nüſtung, die war zu feſt und zu gut. Gunthern ließ er ſtehen und lief Gernoten anz Das Feuer aus dem Harniſch er ihm zu haun begann. Da hätte von Burgonden der König Gernot Jring den kühnen beinah geſandt in den Tod. Da ſprang er von dem Fürſten: raſch war er genugz Der Burgonden -Viere der Held behend erſchlug, Des edeln Heergeſindes aus Wormes an dem Nhein. Darüber mochte Geiſelher nicht wohl zorniger ſein: „Gott weiß, Herr Iring,“ ſprach Geiſelher das Kind, „Ihr ſollt mir Die entgelten, die hier erlegen ſind Vor euch in dieſer Stunde.“ Er lief auf Jring au Und ſchlug den Dänenhelden, daß er zu ſtraucheln begann. Er ſchoß vor ſeinen Händen nieder in das Blut, Daß alle wähnen muſten, es ſchlüg der Degen gut Nie im Sturme wieder einen Schlag mit ſeinem Schwert: Doch lag vor Geiſelheren Jring da noch unverſehrt.

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Von des Helmes Krachen und von des Schwertes Klang Waren ſeine Sinne ſo betäubt und krank, Daß ſich der kühne Degen des Lebens nicht beſann: Das hatte mit den Kräften der ſtarke Geiſelher gethan. Als ihm aus dem Haupte das Scwirren jeßt entſchwand, Das von«dem ſtarken Schlage der Degen erſt empfand , Da gedachte er: „Ich lebe, und bin auch nirgend wund: Nun iſt mir erſt die Stärke des kühnen Geiſelher kund!“ Er hörte ſeine Feinde zu beiden Seiten ſtehn; Hätten ſie's geahnet, «ihm wäre mehr geſchehn 3 Anch hatt er Geiſelheren vernommen nahe beit. Er-ſann. wie. mit dem Leben von hinnen zu kommen ſei. Wie haſtig der Degen aus dem Blute ſprang! Er mochte ſeiner Schnelle wohl ſagen großen Dank. Da. lief er.aus dem Hauſe , wo er Hagen fand Und ſchlug ihm ſchnelle Schläge ' mit ſeiner kraftreichen Hand. Da gedachte Hagen: „Du muſt des Todes ſein; Schüßt dich nicht der Teufel, ſo kannſt du nicht gedeihn.“ Doch verleßte Iring Hagnen durc\< des Helmes Hut: Das that der Held mit Waske; das war eine Waffe gut. Als der grimme Hagen die Wund an ſich empfand, Ihm ſchwenkte ſich gewaltig das Schwert in ſeiner Hand. Da muſte vor ihm weichen Hawarts Unterthanz Hagen ihm die Stiege hinab- zu folgen begann. Uebers Haupt den Schildrand der kühne Iring ſc\<wang; Und wär dieſelbe Stiege drei ſolcher Stiegen lang, Derweile ließ' ihn Hagen nicht ſchlagen einen Schlag: Wie mancher rothe Funke da auf ſeinem Helme lag!

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Wieder zu den Seinen kam Iring geſund. Da wurde dieſe Märe bald Kriemhilden kund, Was er im Streit dem Hagen von Tronje angethan ; Dafür die Königstochter ihm ſehr zu danken begann : „Das lohne Gott dir, Iring, erlauchter Degen gut, Du haſt mir wohl getröſtet das Herz und auch den Muth: Nun ſeh ich blutgeröthet Hagens Rüſtgewand!“ - Kriemhilde nahm ihm ſelber den Schild vor Freuden aus der Hand. „Ihr mögt ihm mäßig danken ;“ ſprach Hagen dagegen, „Es nochmals zu verſuchen ziemte wohl dem Degen, Und käm er dann zurü>e, er wär ein kühner Mann. Die Wunde frommt euch wenig, die von dem Helden ich gewann. „Daß ihr von meiner Wunde mir ſeht den Harniſch roth,“ Das hat mich noch erbittert zu manches Mannes Tod; Nun bin ich erſt erzürnet auf euch und manchen Manu: Mir hat der Degen Jring no\< wenig Sc\<aden gethan.“ Da ſtand dem Wind entgegen Jring von Dänenland; Er fühlte fich im Harniſch, den Helm er niederband. Da prieſen ihn die Leute für ſtreitbar und gutz Darüber trug der Markgraf nicht wenig hoch ſeinen Muth. Da ſprac\<h Iring wieder: „Nun, Freunde, follt ihr gehn Und neue Waffen holen; ich will noch einmal ſehn, Ob ich bezwingen möge den übermüthgen Maun“ Sein Schild war verhauen, einen beßern er gewann. Gewaffnet ward der Re>e bald in noch beßre Wehr: Er griff in ſeinem Zorne nach einem ſtarken Sper, Mit dem er Hagen wollte zum andern Mal beſtehn. Darob ergrimmte Hagen, der kühne Degen auserſehn. Lach, 1991 = 1997.

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Nicht erwarten wollt ihn Hagen. der Degen; Mit Schüßen und mit Hieben lief er ihm entgegen Die Stiege bis zu Ende; er war in großer Wuth: Da kam dem Degen Iring ſeine Stärke nicht zu gut. Sie ſchlugen durch die Schilde, daß es zu lohn begann Mit feuerrothen Winden. Der in Hawarts Bann Ward von Hagens Schwerte gar gefährlich wund: Durch Helm und Schildrand drang es, er ward nicht wieder geſund. Als der Degen“: Jring. der Wunde ward gewahr, De>&k? er mit dem Schilde »den Helm ganz und gar: Der Schaden däucht? ihn tödtlih, den er von ihm gewann; Bald that: ihm aber größern der Degen in Gunthers Bann. Hagen einen Wurfſpieß vor ſeinen Füßen ſah z Auf Jring den Dänen ſchoß der Degen da, Daß ihm aus dem Haupte hervor die Stange ſtand: Der Rede Hagen hatt ihm ein grimmes Ende geſandt. Jring muſte wieder zu den Dänen fliehn. Eh man dem Degen konnte den Helm vom Haupte ziehn Und ihn vom Sper befreien, erſchien ihm ſchon der Tod. Da weinten ſeine Freunde , -es zwang ſie wahrhafte Noth. Da kam die Königstochter auch zu ihm heran: Jring den ſtarken hub ſie 'zu klagen anz Sie beweinte ſeine Wunden, es. war ihr grimmig leid. Da ſprach vor ſeinen Freunden dieſer Re>e kühn im Streit: „Laßt die Klage bleiben, viel hehre Königin. Was hilft euer Weinen? Mein Leben muß dahin Schwinden aus den Wunden, die an mir offen ſtehn: Der Tod will mich nicht länger euch und Ekeln dienen ſehn.“

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Er ſprac\< zu den Thüringern und Dänen hingewandt: „Die Gaben, ſo die Königin euch beut , ſoll eure Hand Nicht zu erwerben trachten / ihr lichtes Gold ſo roth: Und beſteht ihr Hagen, ſo müßt ihr ſchauen den Tod.“ Seine Farbe war erblihen, des Todes Zeichen trug Iring der kühne, das war ihnen leid genug. Es konnte nicht geſunden der Held in Hawarts Lehn: Da muſt es an ein Streiten von den Dänenhelden gehn. Irufried und Hawart ſprangen vor den Saal Wohl mit tauſend Helden? einen ungeſtümen Schall Vernahm man allenthalben, kräſtig und groß. Hei! was man ſcharfer Spieße auf zu den Burgonden ſchoß! Irnfried der kühne lief den Spielmann an, Daß er großen Schaden von ſeiner Hand gewann. Der edle Fiedelſpieler den Landgrafen ſchlug Durc\< den Helm den feſten: wohl war er grimmig genug. - Da ſchlug dem fühnen Spielmann Irnfried einen Sc\<lag, Daß er des Panzers Ringe dem Helden zerbrach, Und ſich ſein Harniſch färbte von Funken feuerroth: Dennoch fiel der Landgraf von dem Spielmann in den Tod. Zuſammen waren Hagen und Hawart gekommen. Da mochte Wunder ſchauen Wer es wahrgenommen.- Die Schwerter fielen kräftig den Helden an der Hand: Da muſte Hawart ſtexben vor Dem aus Burgondenland. Die Thüringer und Dänen ſahn ihres Herren Tod: Da hob ſich vor dem Hauſe. eine furchtbare Noth; . Eh ſie die Thür gewannen mit kraftreicher Hand, Da ward noch verhauen mancher Helm und Schildesrand.

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„Weichet,“ ſprach da Volker, „laßt ſie zum Saale gehn, Was ſie im Sinne haben kann dennoch nicht geſchehn. Sie müßen all erſterben hier in kurzer Zeit: Sie ernten mit dem Tode was ihnen Kriemhilde beut.“ Als die Uebermüthigen drangen in den Saal, Da wurde manc\<hem Helden "das Haupt geneigt zu Thal, Daß er erſterben muſte von ihren ſtarken Schlägen. Wohl ſtritt der kühne Gernot, ſo that auch Geiſelher der Degen. Tauſend und Viere, die kamen in das Haus? Da hörte man erklingen den hellen Schwerterſaus. Bald wurden doch die Reken alle drin erſchlagen: Man mochte große Wunder von den Burgonden ſagen. Da gab es eine Stille, als der Lärm verſcholl; Das Blut allenthalben durc\< die Lü>en -quoll Bis zu den Niegelſteinen von den todten Degen: Das thaten Die vom Rheine mit ihren fräftigen Schlägen. Da ſaßen wieder ruhend ' Die aus Burgondenland ; Sie legten mit den "Waffen die Schilde von der Hand. Da ſtand noch vor dem Hauſe der kühne Fiedelmaun, Erwartend ob noch Jemand zum Streite zöge heran. Der König klagte heftig, die Königin dazu ; Mögdelein und Frauen weinten ohne Ruh. Der Tod, wähn ich, hatte ſich wider ſie verſchworen ;- Drum giengen durch die Gäſte noß viel der Reen verloren.

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Sechsunddreißigſtes Abenteuer. Wie die Königin den -Saal verbrennen lieſs. „" Nun bindet ab die Helme;“ ſprach Hagen der Degen, „ Ih und mein Geſelle der Wache wollen pflegen: Verſuchen es noch einmal Die in Ekzels Bann, So warn ich meine Herren, ſo ſchnell ih nur immer kann.“ Da band den Helm vom Haupte mancher Nitter gutz Sie ſaßen auf den Wunden, die nieder in-das Blut Waren zu dem Tode von ihrer Hand gekommen: Da ward der edeln Gäſte mit Erbittrung wahrgenommen. Es ſchuf der König Ekel und auch die- Königin Eh der Abend nahte, daß wieder zogen hin Die vom Hennenlande; da ſah man vor ihm ſtehn Wohl noc\< zwanzigtauſend: die muſten nun zum Streite gehn. Da hob ein hartes Stürmen auf zu den Gäſten an. Dankwart, Hagens Bruder, der ſchnelle Rittersmaun , Sprang von ſeinen Herren zu den Feinden vor die Thürt: Man wähnt", er ſei erſcorben, doch kam er heil noch hinfür. Das harte Streiten währte bis es die Nacht benahm. Da wehrten ſich die Gäſte wie Helden lobeſam Wider Etzels Re>en den ſommerlangen Tag: Hei! wie da vor ihnen manch guter Degen erlag!

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Zu einer Sonnenwende geſchah der große Mord: Ihres Herzens Jammer rächte Kriemhild dort An ihren nächſten Freunden und no\< an manc\<em Mann, Wodur\< der König Ekel nie wieder Freude gewann. * Sie yatte nicht geſonnen auf ſolhe Mörderſchlacht: Als ſie den Streit begonnen hatte ſie gedacht, Hagen ſollt alleine dabei ſein Ende ſehn; Da ſchuf der böſe Teufel, daß es Allen muſte geſchehn. Der Tag war zerronnen, ihnen ſchuf die Sorge Noth. Sie gedachten, wie doh beßer wär ein kurzer Tod, Als ſich ſo lang zu quälen in unerhörtem Leid Da wünſchten einen Frieden die ſtolzen Ritter allbereit. Sie baten, daß der König zu ihnen würd gebracht. Die Helden, roth von Blute ,- ſchwarz von der Eiſentracht, Traten aus dem Hauſe und die drei Könge hehr. Sie wuſten uicht, wem klagen ihres großen Leids Beſchwer. Eßel und Kriemhilde, die kamen beide her; Das Land war ihnen eigen, drum mehrte ſich ihr Heer. Er ſprach zu den Gäſten? „Sprecht, was begehrt ihr mein? Wollt ihr Frieden häben? das könnte ſchwerlich noch ſein „Nah ſo großem Schaden, als ihr mir habt gethan. Ihr ſollt es nicht genießen, ſo lang ich athmen kann: Mein Kind, das ihr. erſchluget und viel der Freunde mein ; Frieden und Sühne ſoll euch dafür verweigert ſein.“ Zur Antwort gab ihm GSunther: „Uns zwang die große Noth; All mein Geſinde lag von dem deinen todt An der Herberge: verdient ich ſol\<hen Sold? I\< kam zu dir auf Treue und wähnte du wärſt mir hold.“

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Da ſprach von Burgonden Geiſelher das Kind: „Ihr Helden König Etels, die noc\< am Leben. ſind, Wes zeiht ihr mich, ihr Re>en? was hatt ich euch gethan, Der ich die Fahrt ſo gütlich . zu dieſem Lande begann?“ Sie-ſprachen: „All die Veſte iſt deiner Süte voll,. Mit Jammer, gleich dem Lande; wir gönnten dir es wohl, Wärſt. du nie gefommen von Wormes überrheins Durch dich iſt ganz verwaiſet: das Land und durch die Brüder dein.“ Da ſprach im Zornmuthe Gunther der Degen: „Denkt ihr dieß grimme Morden in Frieden beizulegen Mit uns Heimatloſen, ſo iſt es Beiden gutt, Wir haben nicht verſchuldet was uns König Ekel thut.“ Der Wirth ſprach zu den Gäſten: „Mein und Zuer Leid Sind einander ungleich: die große Noth im Streit, Der Schaden und die Schande, die ich von eu\< gewann, Dafür ſoll euer Keiner mir lebend kommen hindann.“ Da ſprach zu dem Könige Gernot der Degen gutt „So ſoll euc\< Gott gebieten, daß ihr die Lieb uns thut: Macht mit uns ein Ende und laßt uns zu euch gehn Hinunter in das Freie? gewiſs, das würd euch löblich ſtehn. „Was uns mag geſchehen, das laßt bald ergehn : Ihr habt ſo viel Geſunde, die dürfen uns beſtehn Und geben uns vom Streite 'Müden leicht den Tod: Wie lange ſollen wir Reen bleiben in ſo grimmer Noth?“ Von König Ekels Re>en wär es faſt geſchehn, Daß ſie die Helden ließen vor den Pallas gehn. Leid war es Kriemhilden, als ſie davon gehört; Da ward den Heimatloſen mit Nichten Friede gewährt.

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„Nicht doch, ihr zieren Ne>en, woranf euch ſinnt der Muth, Ich will euch treulich rathen, daß ihr es nimmer thut, Daß ihr die Mordgiergen laßet vor den Saalz Sonſt müßen eure Freunde vor ihnen ſterben allzumal. „Und lebten nur alleine „die Utens Söhne ſind, Und kämen meine edeliln Brüder an den Wind, Daß ſie die Panzer fühlten, ihr Alle wärt verloren: Es wurden kühnre Degen noch nie auf Erden geboren.“ Da ſprach der junge Geifelher? . „Viel ſchöne Schweſter mein, Wie mocht ichs mich verſehen, daß du mich überrhein Hieher geladen hätteſt zu ſo großer Noth? Wodurc\< hab ich verdienet hier bei den Heunen den Tod? „Getreu war ich dir immer, that Leid dir nimmermehr: I\< ritt auch in dem Wahne zu dieſem Hofe her, Du wäreſt mir gewogen, viel liebe Schweſter mein: Nun ſchenk uns deine Gnade? es kann doch-anders nicht ſein,“ „I\< ſchenk euch keine Gnade, Ungnade ich gewann: Mir hat von Tronje Hagen ſo großes Leid gethan Daheim, und hier zu Lande erſchlug er mir mein Kind: Sie ſollens all entgelten, die mit euch hergekommen ſind. „Wollt ihr mir aber Hagen allein zum Geiſel geben, So will ichs nicht verweigern, ich laß euch gerne leben, Denn eure Schweſter bin ich, der gleichen Mutter Kind: So red ich um die Sühne mit den Helden, die hier ſind.“ „Verhüt es Gott vom Himmel,“ ſprac\< da Gernot, „Und wären unſer tauſend, wir wollten alle todt Vor deinen Freunden liegen, eh wir den einen Mann Dir als Geiſel gäben? das wird nimmer gethan.“

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„Wir müßen doch erſterben,“ ſprach da Geiſelher, „So ſoll uns Niemand ſcheiden von ritterlicher Wehr. Wer gerne mit uns föchte, wir ſind noch“immer hie: Verrieth ich meine Treue an einem Freunde doh nie.“ Da ſprach der kühne Dankwart: „Wie ziemte Sc\<weigen mir ? Es ſteht mein Bruder Hagen noc\< nicht alleine hier, Die uns den Frieden weigern mögens noch beklagen: Ihr ſollt es inne werden; . das will ich wahrlich euch ſagen.“ Da ſprach die Königstochter: „Ihr Helden allbereit, Nun geht der Stiege näher und rächet unſer Leid, Das will ich euch vergelten, wie ich billig ſoll: Den Uebermuth Hagens, den benehm ich ihm wohl. „Laßt keinen aus dem Hauſe von.den Degen allzumal. So laß ich an vier Enden zünden an den Saals So wird mir wohl gerohen all mein Herzeleid.“ König Eßels Reen, die waren bald dazu bereit, 2 Die no\<h draußen ſtanden trieben ſie in den Saal Mit Schlägen und mit Schüßen; da gab es lauten Schall. Doch wollten ſich nicht ſcheiden die Fürſten und ihr Heerz Sie ließen von der Treue zu einander nicht mehr. Den Saal anzuzünden gebot da Ekels Weib. Da quälte man den Helden mit Feuersgluth den Leib. Das Haus vom Wind ergriffen gerieth in hohen Brand: Solcher Schre>en wurde wohl niemals Männern bekannt. Darinnen riefen Viele: „O weh dieſer Noth! Da möchten wir ja lieber im Sturme liegen todt. Das möge Gott erbarmen; wie verlieren wir den Leib! Wie grimmig rächt ihr Zürnen an uns des Königes Weib!“

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Da ſprach darinnen Einer: „Wir finden hier den Tod Vor Rauch und Feuersflammen: das iſt eine grimme Noth! Mir thut vor ſtarker Hike der Durſt ſo grimmig weh, I\< fürchte, daß mein Leben in dieſen Nöthen zergeh!“ Da begann von Tronje Hagen, der Ritter gut: „Wen der Durſt bezwinget, der trinke hier das Blut, Das iſt in ſolcher Hiße beßer noch als Wein; Zu eßen und zu trinken kann hier nichts Anderes ſein.“ Da gieng zu einem Todten ein Rede gleich zur Hand, Er kniet? ihm zu der Wunde, den Helm er niederband ; Da hob er an zu trinken das fließende Blut: So wenig ers gewohnt war, er fand es köſtlich und gut. „Nun lohn euch Gott, Herr Hagen,“ ſprach der müde Manu, „Daß ich durc\< eure Lehre ſo guten Trunf gewann: Man ſchenkte mir noh ſelten einen beßern Wein, Leb ich noch eine Weile, ich will euch ſtäts gewogen ſein.“ Als das die andern hörten, es dünke ihn ſo gut, Da kamen ihrer Viele und tranken auch das Blut. Davon gewann vie1 Kräfte ' der guten Helden Leib: Das entgalt an lieben Freunden bald manches waidliche Weib. Das Feuer fiel gewaltig auf ſie in den Saal: Sie wandten mit den Schilden es von ſich ab im Fall. Der Rauch und auch die Hiße ſchmerzten ſie gar ſehr: Alſo großer Jammer geſchieht wohl Helden nicht mehr. Da ſprach von Tronje Hagen: „Stellt euch an die Wand; Laßt nicht die Brände fallen auf eurer Helme Band, Und tretet mit den Füßen ſie tiefer in das Blut: Eine üble Hochzeit iſt es, zu der die Königin uns lud.“

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Unter ſolchen Nöthen zerronnen war die Nacht: No\< hielt vor dem Hauſe der kühne Spielmann Wahr Und Hagen ſein Geſelle, gelehnt auf Schildesrand, Noch größern Leids gewärtig vor Denen aus Ekels Land. * Daß der Saal gewölbt war, half den Gäſten ſehr. Dadur\< blieben ihrer am Leben deſto mehr; Nur daß ſie an den Fenſtern vom Feuer litten Noth. Da wehrten ſich die Degen wie Muth und Ehre gebot. Da ſprach der Fiedelſpieler: „Nun laßt uns in den Saal, Daß die Heunen wähnen, wir ſeien allzumal Von der Qual erſtorben, die ſie uns'angethan: Dann kommen doh no\< man\<e zum Streit mit ihnen heran.“ Da ſprach von Burgonden Geiſelher das Kind: „Mich dünkt, es wolle tagen, ſich hebt ein kühler Wind. Nun laß uns Gott vom Himmel noch liebre Zeit erleben! Eine arge Hochzeit hat uns meine Schweſter Kriemhild gegeben.“ Da ſprach wieder Einer: „Ich fühle ſchon den Tag. Wenn es denn uns Degen nicht beßer werden mag, So waffnet eu\< ihr Re>en und wahret enern Leib: Wohl naht uns ehſtens wieder des Königes Eßel Weib.“ Der König mochte wähnen, die Gäſte wären todt Von ihren Drangſalen und von des Feuers Noth: Da lebten drin der Kühnen noc\< ſe\<hshundert Maun, Daß wohl nie ein König beßre Degen gewann. P Der Heimatloſen Hüter, die hatten wohl gefehn, Daß no\<h die Gäſte lebten, was ihnen auch geſchehn- Zu Schaden nnd zu Leide, den Herrn und ihrem Lehn: Man ſah ſie wohlgeborgen im Saale auf und nieder gehn.

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aui Man ſagte Kriemhilden, noch viele lebten drin. „Wie wäre das wohl möglich /“ ſprach die Königin, „Daß noch Einer lebte nah ſolcher Feuersnoth? Lieber will ich glauben, ſie ſtarben Alle den Tod.“ Noc\< wünſchten zu entkommen die Fürſten und ihr Lehn, Wenn noch Jemand Gnade an ihnen ließ? ergehn. Die konnten ſie nicht finden in der Heunen Landz Da rächten ſie ihr Sterben mit gar williger Hand. No\< früh am ſelben Morgen man ihnen Grüße bot 4 Mit lautem Kriegsrufe: wohl ſchuf das Helden Noth. Zu ihnen aufgeſchoßen ward mancher ſtarke Sper? Wie ritterlich ſich wehrten dieſe Re>en kühn und hehr! Dem Heergeſinde Eße18 war erregt der Muth, Daß ſie verdienen wollten Frau Kriemhildens Gut Und alles willig leiſten, was der Fürſt gebot: Da muſte mancher balde von ihnen ſchauen: den Tod. Man mochte von Verheißen und Gaben Wunder ſagen. Sie ließ ihr Gold, das rothe, auf Schilden vor ſie tragen; Sie gab es Jedem willig, Der es wollt empfahn. Nie wurden wider Feinde ſo große Schäße verthan. Da traten in den Waffen viel Reen vor die Thür. Da ſprach der fühne Volker: „Wir ſind noch immer hier: Noch ſah ich niemals Helden ſo gern zum Streite kommen Als Die das Gold des Königs uns zu verderben genommen. “ Da riefen ihrer Viele: „Nur näher in den Streit. Da wir doch fallen müßen, ſo thun wirs gern bei Zeit: Hier wird Niemand bleiben, als wer doch ſterben ſoll.“ Da ſteten ihre Schilde gleich von Sperſchüßen voll.

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Was ſoll ich weiter ſagen? Wohl zwölfhundert Degen Verſuchtens hin und wider mit ſtarken S\<hwertesſchlägen. Da fühlten mit den Wunden die Gäſte wohl den Muth. Kein Friede war zu hoffen, drum ſah man fließen das Blut Aus tiefen Todeswunden, deren wurden viel geſchlagen. Na\< ſeinen Freunden hörte man Jeglichen klagen; Die Kühnen ſtarben alle dem reichen König hehr: Da hatten liebe Freunde nach ihnen Leid und Beſchwer.

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Siebenunddreißigſtes Abenteuer. Wie Rüdiger erſchlagen ward. Die Heimatloſen hatten am Morgen viel gethan. Der Gemahl Gotlindens kam zu Hof heran Und ſah auf beiden Seiten des großen Leids Beſchwer: Darüber weinte inniglih der vielgetreue Rüdiger. „O weh mir,“ ſprach der Re>e, „daß ich das Leben gewann , Und dieſem großen Jammer nun Niemand wehren kann. So gern ich Frieden ſchüfe, der König gehts nicht ein, Da ihm das Leiden ſtärker, immer ſtärker bricht herein.“ Zu Dietrichen ſandte der gute Rüdiger, Ob ſie's noch könnten wenden bei dem König hehr ? Da entbot ihm Der von Berne: „Wer möchte widerſtehn ? Es will der König Ekel feine Sühne mehr ſehn.“ Da ſah ein Heunenre&e Rüdigern da ſtehn Mit weinenden Augen, wie er ihn oft geſehn. Er ſprach zur Königstochter: „Nun ſeht doch, wie. er ſteht, Den der König Ekel vor allen Andern hat erhöht, „Und dem doch alles dienet, die Leute wie das Land. Wie ſind ſo viel der Burgen an Rüdiger gewandt, Deren er von dem Könige fo Manche haben mag! Er ſchlug in dieſem Sturme noch keinen löblichen Schlag.

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„Mich dünkt, ihn kümmert wenig was uns hier geſchieht, Wenn er nach ſeinem Willen bei ſich die Fülle ſieht, Man rühmt, er wäre kühner als Jemand möge ſein: Das hat uns ſchlecht bewieſen in dieſer Noth der Angenſchein.“ Mit traurigem Muthe ſah der getreue Mann, Als er die Rede hörte, den Heunen zornig an. Er dachte: „Des entgiltſt dn, du ſagſt ich ſei verzagt: Da haſt du deine Märe zu laut bei Hofe geſagt.“ Er begann die Fauſt zu ballen, da lief er ihn an, Und ſchlug mit ſolchen Kräften den heuniſchen Mann, Daß er ihm vor den Füßen niederſtürzte todt. Da war noch gemehret dem König Ekel die Noth. „Fahr hin, verzagter Böſewicht „/“ ſprach da Rüdiger, - „I\< hatte do\< des Leides genug und der Beſchwer * Daß ich hier nicht fechte, was tadelſt du mir das? Wohl trüg auch ich den Gäſten mit Grunde feindlichen Haß , „Und alles was ich könnte thät ich ihnen an, Hätt ich nicht hergeführet Die in Gunthers Bann; Do\<h war ich ihr Geleite in meines Herren Land: Drum darf ſie nicht bekämpfen meine unſelge Hand.“ Da ſprach zum Markgrafen Etzel der König hehr: „Wie habt ihr uns geholfen, viel edler Rüdiger! Wir hatten do\< der Todten ſo viel in dieſem Land, Daß wir nicht mehr bedurften? mit Unrecht ſchlug ihn eure Hand.“ Da ſprach der edle Nitter: „Er beſchwerte mir den Muth, Und hat mir beſcholten die Ehre wie das Gut, Des ich ſo große Gaben aus deinen Händen nahm, Was nun dem Lügenbolde übel zu Statten kam.“

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„dls Da kam die Königstochter, die hatt es auch geſehn Was von des Helden Zorne dem Heunen war geſchehn : Sie weinte ſehr darüber, ihre Augen wurden naß. Sie ſprach zu Nüdigeren? „Wie verdienten wir das, „Daß ihr mir und dem König noch mehret unſer Leid? Ihr habt uns, edler Rüdiger, gelobt allezeit, Ihr wolltet für uns wagen die Ehre und das Leben; Auch hört ich oft die Re>en den Preis des Muthes euch geben. „ IG mahn euch nun der Trene, die mir ſchwur eure Hand Als ihr für Ekßeln warbet , Ritter auserkannt: Daß ihr mir dienen wolltet bis an unſern Todt Das war mir armen Weibe noch nie ſo bitterlich Noth.“ „Das iſt ungelogen, ich ſchwur euch, edles Weib, Ich wolle für euch wagen die Ehre wie den Leib; Die Seele zu verlieren hab ich nicht geſchworen: Zu dieſem Hofgelage bracht ich die Fürſten wohlgeboren.“ Sie ſprach : „Gedenke , Rüdiger, der hohen Eide dein Von deiner ſtäten Trene, wie du den Schaden mein Immer wollteſt rächen und wenden all mein Leid.“ Da ſprach der Markgraf: „I\<. war euch immer dienſtbereit.“ Ekel der reihe hub anch zu flehen an. | Da boten ſie ſich Beide zu Füßen vor den Mann, Daß mau den guten Markgraf in großem Unmuth ſay; Der vielgetrene Re>e, jammervoll begaun er dat „OD weh mir Gottverlaßnen, daß ich erlebt den Tag! Wo aller meiner Ehren ich mich begeben mag, Aller Zucht und Treue, die Gott mir angebot; O weh Gott vom Himmel, daß mirs nicht wenden will der Tod!

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„Welches ich nun laße das Andre zu begehn, So iſt doch immer läſterlich und arg von mir geſchehn: Und wenn ich Beides laße, ſo ſchilt mich alle Welt. Nun möge mich erleuchten Der 'mich dem Leben geſellt!“ Da baten ihn ſo lange der König und ſein Weib, Daß bald viel Degen muſten verlieren den Leib 7 Unter Rüdgers Händen und ſelbſt der Held erſtarb. Nun mögt ihr bald vernehmen, welchen .Jammer er erwarb. Er wuſte, daß "nur Schaden und Unheil ſein Gewinn. Er hätt es auch dem König und der Königin Gern verſagen mögen! der Held beſorgte ſehr, Schlüg er ihr Einen, daß er der Welt ein Greuel wär. Da ſprach zu dem Könige der hochbeherzte Mann „Herr König, nehmet wieder was ich von euch gewann, Das Land mit den Burgen; bei mir ſoll nichts beſtehn: I\< will auf meinen Füßen hinaus in das Elend gehn. + „Ledig alles Gutes räum ich euer Land, Mein Weib und meine Tochter. nehm ich an die Hand, Eh ich ſo ohne Treue entgegen gieng? dem Tod: Das hieß' auf üble Weiſe verdienen euer Gold ſo roth.“ Da ſprach der König Eßel! „Wer aber hülfe mir ? Mein Land ſammt den Leuten, das alles geb ich dir, Daß du mich rächeſt, Rüdiger, an den Feinden mein? Du ſollſt an meiner “Seiten ein gewaltger König ſein.“ Da ſprach. wieder Rüdiger: „Wie darf ich ihnen ſchaden? Heim zu meinem Hauſe hab ich ſie geladen; Pflege , Trank und Speiſe ich ihnen gütlich bot, Und ſchenkt ihnen meine Gabe; dazu ſoll ich ſie ſchlagen todt?

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„Die Leute mögen wähnen, ich ſei zu verzagt. Keiner meiner Dienſte war ihnen je verſagt, Den Fürſten wohlgeboren und ihrem ganzen Bann ; Nun reuet mich die Freundſchaft, die ich an ihnen gewaun. „Geifelher dem Degen gab ich die Tochter mein. Sie konnt auf Erden nimmer beßer verwendet ſein, Seh ich auf Zucht und Ehre, auf Treue oder Gut: Nie war ein junger König von ſo tugendreihem Muth.“ Da ſprach wieder Kriemhild: „Viel edler Rüdiger, Nun laß dich erbarmen unſres Leid38 Beſchwer , Mein und auch des Königs: gedenke wohl daran, Daß kein Wirth auf Erden ſo leide Gäſte noch gewann.“ Da ſprach der Markgraf zu der Köngin hehr: „Heute muß entgelten mit dem Leben Nüidiger Was ihr und auch der König mir Liebes habt gethan. Dafür muß ich nun ſterben? es ſteht nicht länger mehr an. „I\< weiß wohl, daß noc\< heute meine Burgen und mein Land Eu ledig werden müßen von dieſer Helden Hand: So befehl ich eurer Gnade mein Weib und auch mein Kind Und all die Heimatloſen, die dort zu Bechlaren ſind,“ „Nun lohne Gott dir, Rüdiger!“ der König ſprach da ſo; Er und auch die Königin, ſie wurden beide froh. „Uns ſollen deine Leute wohlbefohlen ſein; Auch trau ich meinem Heile, du werdeſt ſelber glücklich ſein.“ Da ſekt? er auf die Wage die Seele wie den Leib: Da begann zu weinen König Eßels Weib. Er ſprach! „I\< muß euch leiſten den Eid, den ich gethau: O weh meiner Freunde; gar ungern greif ich ſie an.“

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Man ſah ihn tiefbekümmert von dem König gehn. Da fand er in der Nähe ſeine Reen ſtehn; Er ſprach: „Ihr ſollt euch waffnen, ihr All in meinem Lehn: Die kühnen Burgonden, die muß ich leider beſtehn.“ Sie geboten hin zu-eilen, wo man die Waffen fand: Da wurden ihre Helme und mancher Schildesrand Von dem Jngeſinde alsbald herbeigetragen: Bald hörten leide Märe die ſtolzen Fremdlinge ſagen. Gewaffnet ward da Rüdiger mit fünfhundert Mann; Zwölf Reen noc\< darüber zogen mit ihm heran. Sie wollten Preis erwerben in des Sturmes Noth: Sie wuſten nicht die Märe, daß ihnen nahe der Tod. Man ſah den Markgrafen unterm Helme gehn. Scharfe Schwerter trugen Die in Rüdgers Lehn, Dazu vor ihren Händen die lichten Schilde breit: Das ſah der Fiedelſpieler; dem war es unſäglich leid. Da ſah der junge Geiſelher ſeinen Schwäher gehn Mit aufgebundnem Helme. Wie mocht er da verſtehn, Wie er es damit meine, es ſei denn treu und gut? Da gewann der edle König einen fröhlichen Muth, „„ Nun wohl mir ſolcher Freunde!“ ſprach da Geiſelher , „Wie wir gewonnen haben auf der Fahrt hieher. Meines Weibes willen iſt uns Hülfe naht Lieb iſt mir, meiner Treue, daß dieſe Heirat geſchah.“ „Weiß nicht, wes ihr eu\< tröſtet,“ ſprach der Fiedelmann, „Wann ſaht ihr wohl zur Sühne ſo viel der Helden nahn Mit anfgebundnem Helme, die Schwerter in der Hand? Er will an uns verdienen ſeine Burgen und ſein Land.“

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Bevor der Fiedelſpieler das Wort geſprochen gar, Rüdiger der edle ſchon vor dem Hauſe war. Seinen Schild den guten ſeßt? er vor den Fuß: Da muſt er ſeinen Freunden verſagen dienſtbereiten Gruß. Da rief der edle Markgraf hinüber in den Saal: „Ihr kühnen Nibelungen, nun wehrt en\< allzumal. Ihr ſolltet mein genießen, ihr entgeltet meinz. Einſt waren wir befreundet : der Treue will ich ledig ſein.“ Da erſchrafen dieſer Märe die Nothbedrängten ſehr. Es ward davon der Freude bei Niemanden mehr, Daß ſie beſtreiten wollte, dem Jeder Liebe trug: Sie hatten von den Feinden ſchon Leid erfahren genug. „ Das verhüte Gott vom Himmel!“ ſprac\< Gunther der Degen , „ Daß ihr eurer Freundſchaft alſo thut entgegen Und der großen Treue, worauf uns ſann der Muth: I\< will euch wohl vertrauen, daß ihr das nimmermehr thut.“ „Es iſt niht mehr zu wenden,“ ſprach der kühne Mann, „I\< muß mit euch ſtreiten, wie ich den Schwur gethan. Nun wehrt euch, kühne Helden, ſo lieb en\< ſei der Leib: Mir wollt es nicht erlaßen des Königes Ekel Weib.“ „Ihr widerſagt uns allzuſpät /“ ſprach der. König hehr. „Nun mög euch Gott vergelten, viel edler Rüdiger, : Die Treue und die Liebe, die ihr an uns geübt, Wenn ihr bis an das Ende uns ſo gewogen auch bliebt. „Wir wolltens immer danken was ihr nns gegeben, Ic\<h und meine Freunde, ließet ihr uns leben: Ihr gabt uns hehre Gaben, als ihr uns führtet her Ins Heunenland zu Eßeln? bedenkt das, edler Rüdiger.“

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„Wie gern ich euch das gönnte!“ ſprach Rüdiger der Degen, „Wenn ich eu\<) meiner Gabe die Fülle dürfte wägen Nach meinem Wohlgefallen; wie gerne thät ich das, So mir es nicht erwürbe der edeln Königin Haß!“ „Laßt ab, edler Rüdiger „“ ſprac\< da Gernot, „Nie ward ein Wirth gefunden, der es den Gäſten bot So freundlich und ſo gütlich, als uns von euch geſchehn: Des ſollt ihr auch genießen, fo wir lebendig entgehn.“ „Das wollte Gott,“ ſpra\< Rüdiger, „viel edler Gernot, „Daß ihr am Rheine wäret, und ich wäre todt: So rettet? ich die Ehre, da ich eun\< ſoll beſtehn ; Es iſt an fremden Degen von Freunden nie ſo arg geſchehn.“ „Nun lohn eunc\< Gott, Herr Rüdiger „“ ſprach da Gernot, „Eure reiche Gabe. Mich reuet euer Tod, Soll an euch verderben ſo tugendlicher Muth. Hier trag ich eure Waffe, die ihr mir gabet, Degen gut. „Die hat mir nie verſaget" in aller dieſer Noth; Es fiel vor ihrer Schärfe ſo mancher Ritter todt; Sie iſt ſtark und lanter, herrlich und gut: Gewiſs , ſo reiche Gabe nie wieder ein Recke thut. „Und iſt euch nicht zu rathen, und wollt ihr uns beſtehn, Erſchlagt ihr mir die Freunde, die hier no\< bei mir ſtehn, Mit Euerm Schwerte nehm ich Leben euch und Leib: - So reuet ihr mich, Rüdiger, und euer herrliches Weib.“ „Das wolle Gott, Herr Gernot, und möchte das geſchehn, Daß hier alles könnte nach euerm Willen gehn, Und daß geretter würde eurer Freunde Leib: Euch ſollten wohl vertrauen meine Tochter und mein Weib,“

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Da ſprach von Burgonden der ſchönen Ute Kind: „Wie thut ihr ſo, Herr Rüdiger? Die mit mir kommen ſind, Die ſind euch All gewogen; ihr greifet übel zu: Eure ſchöne Tochter wollt ihr verwittwen allzufruh, „Wenn ihr. und eure Neen mich wollt im Streit beſtehn , Wie wäre das unfrenndlich, wie wenig ließ? es ſehn, Daß ich euch vertrgute vor jedem andern Mann, Als ich zu einem Weibe eure Tochter mir gewann.“ „Gedenfkt eurer Treue, viel edler König hehr , Und ſchi&t euch Gott von hinnen,“ ſo ſprach Rüdiger, „So foll es nicht entgelten die liebe Tochter mein: Bei aller Fürſten Tugend geruht ihr gnädig zu ſein.“ „So ſollt ichs billig halten ;“ ſprach Geiſelher das Kind, „Do\< meine hohen Freunde, die noch im Saale ſind, - Wenn die vor euch erſterben, ſo muß geſchieden ſein Dieſe ſtäte Freundſchaft zu dir und der Tochter dein.“ „Nun möge Gott uns gnaden ,“ ſprach der kühne Mann. Da hoben ſie die Schilde, als wollten ſie hinan Zu ſtreiten mit den Gäſten in Kriemhildens-Sgalz Ueberlaut rief Hagen da von der Stiege zu Thal: „NRo\< harret eine Weile, viel edler Rüdiger.“ t Alſo ſprach da Hagen! „Wir reden erſt no\< mehr, I\<h und meine Herren, uns zwingt dazu die Noth. Was hilft es Ekeln, finden wir in der Fremde den Tod? „JITY ſteh in großer Sorge,“ ſprach wieder Hagen, „Den Schild, den Frau Gotlinde mir gab zu tragen, Den haben mir. die Heunen zerhauen vor der Hand: Ich bracht.ihn doh. mit Treue her in König Eztzels Land. Simrex>, das Nibelungenlied. 23

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„Daß es Gott vom Himmel vergönnen wollte, Daß ich ſo guten Schildes genießen ſollte, Als du haſt vor den Händen, viel edler Rüdiger: So bedürft ich in dem Sturme keiner Halsbergen mehr.“ „Gern wollt ich dir dienen mit meinem Schilde , Dürft ich dir ihn bieten vor Kriemhilde. Doc\< nimm ihn immer, Hagen, und trag ihn au der Hand : Hei! dürfteſt du ihn führen heim in der Burgonden Land!“ Als er den Schild zu geben fo willig ſich erbot, Da wurden Mancher Augen von heißen Thränen roth. Es war die leßte Gabe: es durfte nimmermehr Einem Degen Gabe bieten von BVechlaren Rüdiger. Wie grimmig auch Hagen, wie zornig war ſein Muth, Ihn erbarmte doch die Gabe, die der Degen gut So nahe ſeinem Ende noch an ihn gethan. Mancher edle Ritter mit ihm zu trauern begann. „Nun lohn eu\< Gott vom Himmel, viel edler Rüdiger. Es giebt eures Gleichen auf Erden nimmer mehr, Der heimatloſen Degen ſo milde Gabe gebe: k So möge Gott gebieten, daß eure Tugend immer lebe. „O weh mir dieſer Märe,“ ſprach wieder Hagen, „Wir hatten Herzensſchwere genug zu tragen: | Das müße Gott erbarmen, gilts uns mit Freunden Streit!“ Da ſprach der Markgraf wieder: „Das iſt mir inniglich leid.“ „Nun lohn ich euch die Gabe, viel edler Rüdiger: Was immer widerfahre dieſen Re>en hehr, Es ſoll euch nicht berühren im Streite meine Hand, Ob ihr ſie all erſchlüget , Die von der Burgonden Land,“

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Da neigte ſich ihm dankend der gute Rüdiger. Sie weinten allenthalben: daß nicht zu wenden mehr Dieſer Herzensjammer, das war eine große Noth. Der Vater aller Tugend fand an Nüdiger den Tod. Da ſprach von der Stiege Volker der Fiedelmann: „Dg mein Geſelle Hagen euch bot den Frieden an, So biet ich auch ſo ſtäten euch von meiner Hand; Das habt ihr wohl verdienet, da wir kamen in das Land. „Ihr ſollt, viel edler Markgraf, mein Bote werden hier: Dieſe rothen Spangen gab Frau Gotlinde mir, Daß ich ſie tragen ſollte bei dieſer Luſtbarkeit: Ihr mögt ſie ſelber ſchauen, daß ihr des mein Zeuge ſeid.“ „Wollt es Gott der Neiche,“ ſprach da Rüdiger, „Daß die Markgräfin en\< geben dürfte mehr. Die Märe ſag ich gerne der lieben Trauten mein, Seh ich geſund ſie wieder: des ſollt ihr außer Zweifel ſein.“ Nach dieſem Angeloben den Schild hob Rüdiger, Sein Muth begann zu toben: uicht läuger ſäumt" er mehr; Auf lief er zu den Gäſten wohl einem Helden gleich: Viel kraftvolle Schläge ſchlug da dieſer Markgraf reich. Da wichen ihm die Beiden, Volker und Hagen, weit, Wie ihm verheißen hatten die Reken kühn im Streit; No\<h traf er bei der Thüre ſo manchen Kühnen an, Daß Rüdiger die Feindſchaft mit großen Sorgen begann. Aus Mordgierde ließen in das Haus ihn ein Gernot und Gunther, das mochten Helden ſein. Zurü> wich da Geiſelher; fükwahr , es war ihm leid: Er hoffte noch zu leben, drum mied er Rüdigern im Streit.

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Da ſprangen zu den Feinden Die in Nüdgers Lehn, Man ſah ſie hohen Muthes bei ihrem Herren gehn. Schneidende Waffen trugen ſie an der Hand: Da brachen viel der Helme und mancher ſchöne Schildesrand. Da ſchlugen auch die Müden manchen ſtarken Schlag Auf Die von Bechlaren, der tief und eben brach Durch die feſten Panzer und drang bis auf das Blut; Sie thaten in dem Sturme viel Wunder herrlich und gut. Das edle Heergeſinde war nun in dem Saalz Volker und Hagen, die ſprangen hin zumal: Sie gaben Niemand Frieden, als dem, Einen Mann; Das Blut von ihren Hieben von den Helmen nfeder ranu. Wie da der Schwerter Toſen ſo furchtbar erklang, Daß unter ihren Schlägen das Schildgeſpäng zerſprang! Die Schildſteine rieſelten nieder in das Blut; Da fochten ſie ſo grimmig, wie man es nie wieder thut. Der Vogt von Bechlaren ſchuf hin und her ſich Bahn, Wie Einer der mit Kräften im Sturme werben kannz Des Tages ward an Rüdiger herrlich offenbar, * Daß er ein Ne>e wäre kühn und ohne Tadel gar. Da ſtanden dieſe Degen, Gunther und Gerenot, Sie ſchlugen in dem Streite viel der Helden todt; Geiſelhern und Dankwart am Heile wenig lag: - Da brachten ſie gar Manc\<he hin zu ihrem jüngſten Tag. Wohl erwies da Nüdiger, daß er ſtark genug, Kühn und wohlgewaffnetz hei! was er Helden ſchlug! Das ſah ein Burgonde, dem ſchuf es Zorn und Noth: Davon begann zu nahen des edeln Rüdigers Tod. Lahm, 2146-2152,

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Gernot der ſtarke rief den Helden an. Er ſprach zum Markgrafen; „Ihr wollt von unſerm Bann Niemand leben laßen, viel edler Nüdiger? Das ſchmerzt mich ohne Maßen; ich ertrag es länger nicht mehr. „Nun mag en\< eure Gabe zu Unſtatten kommen, Da ihr mir der Freunde habt ſo viel benommen. Nun bietet mir die Stirne, ihr edler kühner Mann: Eure Gabe wird verdienet ſo gnt ich immer nur kann.“ Bevor da der Markgraf zu ihm "gedrungen war, Ward noch getrübt vom Blute- manch lichter Harniſch klar. Da liefen ſich einander die Ehrbegiergen an: Jedweder ſich zu ſchirmen vor ſtarken Wunden- begann. Ihre Schwerter waren ſchneidig, es ſchirmte nichts dagegen. Da ſchlug Gerenoten Rüdiger der Degen Durch den ſteinharten Helm, daß niederfloß das Blut“ Das vergalt ihm balde dieſer Nitter kühn und gut. Da ſchwang er Rüdgers Gabe, die ihm in Händen lag: Wie wund er war zum Tode, er ſchlug ihm einen Schlag Durch des Helmes Bänder und durch den feſten Schild, Davon erſterben muſte der gute Rüdiger mild. Nie ward ſo reicher Gabe ſo ſchlimm gelohnet mehr, Da fielen beid erſchlagen, Gernot und Rüdiger, Im Sturme gleichermaßen von beider Kämpfer Hand, Da erſt ergrimmte Hagen, als er den großen Schaden fand. Da ſprach der Held von Tronje: „Es iſt uns ſchlimm bekommen: So großen Schaden haben wir an den Zwein genommen, Daß wir ihn nie verwinden, noc\< anch ihr Volk und Land, Uns Heimatloſen bleiben nun Rüdgers Helden zu Pfand.“

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* Da wollte keiner weiter von dem andern was ertragen; Mancher ward danieder unverleßt geſchlagen , Der wohl noc\< wär geneſen: ob ihm war ſolcher Drang, Wie heil er ſonſt geweſen, daß er im Blute doch ertraufk. „Weh mir um den Bruder! der fiel hier in den Tod: Was mir zu allen Stunden für leide Märe droht! Anch muß mich immer reuen der gute Rüdigert+. Der Schad iſt beidenthalben und großen Jammers Beſchwer. “ Als der junge Geifelher ſah ſeinen Bruder todt, Die da im Saale waren, die myſten leiden Noth. Der Tod warb um Beute unter Rüdgers Heerz Deren von Bechlaren entgieng kein Einziger mehr. Gunther und Hagen und auch Geiſelher, Dankwart und Volker, die guten Degen hehr, Die giengen zu der Stelle wo man die Todten fand: Wie jämmerlich da weinten dieſe Helden auserkannt! „Uns raubt der Tod die Beſten,“ ſprach Geiſelher das Kind. „Nun laßet ab mit Weinen und gehn wir an den Wind, Daß ſich die Panzer fühlen uns ſtreitmüden Degen: Es will nicht Gott vom Himmel, daß wir länger leben mögen.“ Den ſißen , den ſich lehnen, ſah man manchen Mann. Sie waren wieder müßig; * Die in Rüdgers Bann Waren all erlegen; verhallt war Drang und Stoß. Die Stille währte lange,“ bis es Ekeln verdroß. „O weh dieſer Dienſte!“ ſprach des Königs Weib. „Er iſt nicht ſo getreue, daß unſrer. Feinde Leib Des entgelten müſte. von Nüdigers Hand: Er will ſie wiederbringen in der Burgonden Land.

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„Was hilft uns, König Ekel, daß wir au ihn verthan Wes er nur begehrte? Er hat nicht wohl gethan: Der uns rächen ſollte will der Sühne pflegen.“ Da gab ihr Volker Antwort, dieſer zierliche Degen : „Dem iſt nicht alſo. leider, viel edles Königsweib; Und dürft ich Lügen ſtrafen ein ſo hehres Weib, So hättet ihr recht teufliſch auf Nüdiger gelogen : Er und feine Degen ſind um die Sühne gar betrogen. „So williglich vollbracht er was der König ihm gebot, Daß er und ſein Geſinde hier fielen in den Tod. Nun ſeht euch um, Kriemhilde, Wem ihr gebieten wollt: Euch wär bis an ſein Ende Nüdiger getreu und hold. „Wollt ihr das nicht glauben, ſo ſchaut es ſelber an.“ Zu ihrem Herzleide , ward es da gethan: Man trug den Held erſchlagen hin wo ihn der König ſah. König Ebels Degen ſo-+leid wohl nimmer geſchah. A1s ſie den Markgrafen todt ſahen vor ſich tragen, Da vermöcht euc\< kein Schreiber zu deuten noch zu ſagen Die ungebärdge Klage ſo von Weib als Mann, Die ſich aus jammernden Herzen da zu zeigen begann. König Ekßels Jammer ward ſo ſtark und voll, Wie eines Löwen Stimme dem reichen König ſcholl Der Wehruf der Klage und auch dem Königsweib: Sie weinten übermäßig um des guten Nüdiger Leib.

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Achtunddreißigſtes Abenteuer. Wie Dietrichens Recken evſchlagen wurden. Der Jammer allenthalben zu ſolchem Maße ſchwoll , Daß von dem Wehrufe Palas und Thurm 'erſcholl. Da vernahm es auch ein Berner aus Dietrichens Bann: Der ſchweren Botſchaft willen, wie kam er eilig heran! Er ſprach zu dem Fürſten: „Hört mich, Herr Dieterich, Was ich je erlebte, ſo herzensjämmerlich Hört ich niemals. klagen „- als ich jekt vernahm: I\< fürc\<te, daß der König nun ſelber zu der Hochzeit kam. „Wie wären ſonſt die Leute all in ſolcher Noth? Der König oder Kriemhild, davon ward Eins dem Tod “ Von den kühnen Gäſten in ihrem Zorn geſellt; Es weinet übermäßig gar mancher zierliche Held.“ Da ſprach der Vogt von Berne: „Ihr Getreun in meinem Bann, Seid nicht allzu ſchnelle: was hier auch gethan Die heimatloſen Re>en, ſie zwang dazu die Noth: Nun laßt ſie des genießen, daß ich ihnen Frieden bot.“ Da ſprach der kühne Wolfhart: „Laßt mich zum Saale gehn, Der Märe nachzufragen, was da iſt geſchehn: Ich will euch dann berichten, viel lieber Herre mein, Wenn ich es dort erfunde, was der Klage Grund möge ſein.“

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Da ſprach der Herre Dietrich: „Wenn man ſich Zorns verſieht, Und ungeſtümes Fragen zur Unzeit dann geſchieht, Das betrübt den Neen leicht den hohen Muth: Darum will ich, Wolfhart, nicht daß ihr die Frage thut.“ Da ſchi>t* er-Helfrichen hinaus, den edeln Mann, Ob er erfunden möge bet König Ekßels Bann Oder bei den Gäſten, was da ſei geſchehn, Man hatte nie bei Leuten ſo großen Jammer geſehn. Der Bote fragte balde: „Was iſt hier geſchehn?“ Da ſprach darunter Einer: „Nun muſt uns gar zergehn Der Troſt, der uns geblieben in der Heunen Land. Hier liegt erſchlagen Rüdiger von der Burgonden Hand. „Nicht Einer iſt entronnen, der mit ihm gieng hinetn.“ Das konnte Helfrichen nimmer leider ſein. Nie hört? er üblere Märe, als er hier empfieng: Zu Dietrichen der Bote mit weinenden Augen gieng. „Was bringt ihr uns für Kunde?“ ſprach da Dieterich; „Was weinet ihr ſo heftig, Degen Helferich?“ Da ſprach der edle Ne>e: „Wohl hab ich Grund zn klagen: Rüdiger den guten haben die Burgonden erſchlagen.“ Da ſprach der 'Held von Berne: „Das wolle nimmer Gott: Das wär eine ſtarke Nache und des Teufels Spott. Wie hätt an ihnen Rüdiger verdienet ſolchen Sold ? Ich weiß zu wohl die Kunde, er iſt den Fremdlingen hold.“ Da verſeßte Wolfhart: „Und wär es doch geſchehn , So müſt es ihnen Allen an das Leben gehn. Wenn wirs ertragen wollten, es brächt uns Schand und Spott, Da uns ſo große Dienſte der gute Nüdiger bot.“

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Der Vogt der Amelungen es mehr zu prüfen befahl. Er ſaß in einem Fenſter in großer Herzensqual : Da ließ er Hildebranden zu den Gäſten gehn, Von ihnen zu erfragen was da wäre geſchehn. Der ſiurmkühne Re>e, Meiſter Hildebrand , Weder Schild noc\< Waffen trug er an der Hand. Er wollte ganz in Frieden zu den Gäſten gehn: Von ſeiner Schweſter Kinde muſt er ſich getadelt ſehn. Da ſprach der grimme Wolfhart: „Geht ihr dahin ſo bloß, So kommt ihr ungeſholten nimmer wieder 198: Dann kehrt ihr mit Shanden zurück von eurer-Fahrtz Geht ihr dahin in Waffen, ſo ſeid ihr beßer bewahrt.“ Da gürtete der Alte ſich naß des Jungen Rath. Eh ers inne wurde ſtanden in ihrem Staat Alle Reken Dietrichs, die Schwerter in der Hand. Leid war das dem Helden, er hätt es gern noc\< abgewandt. Er frug, wohin ſie wollten! „Wir wollen mit euch hinz Ob von Tronje Hagen auch dann wohl iſt ſo kühn, Mit Spott zu euch zu reden, wie der Held mag pflegen 2“ Als er die Nede hörte, erlaubt* es ihnen der Degen. Da ſah der kühne Volker wohl gewaffnet gehn Die Re>en von Berne in Dietrichens Lehn, Umgürtet mit den Schwertern, die Schilde vor der Hand: Er ſagt" es ſeinen Herren aus der Burgonden Land. Da ſprach der Fiedelſpieler: „ Von dorten ziehn heran Necht in Feindesweiſe Die in Dietrichs Bann, Gewaffnet unter Helmen: ſie wollen uns beſtehn. Nun wird es an das Ueble mit uns Fremdlingen gehn.“

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Es währte nicht mehr lange, fo kam auch Hildebrand: Er ſeßte vor die Füße ſeinen Schildesrand Und begann zu fragen Die in Gunthers Bann: „OD weh, ihr guten Helden, was hatt en\< Nüdiger gethan ? „Mich hat mein Herre Dietrich her zu euch geſandt, Ob erſchlagen liege, Helden, von eurer Hand Dieſer edle Markgraf, wie man uns gab Veſcheid? Wir könnten nicht verwinden dieſes ſchwere Herzeleid.“ Da ſprach von Tronje Hagen: „Die Mär iſt nicht erlogen, So gern ichs euch auch gönnte, -wärt ihr damit betrogen, Rüdigern zu Liebe: dann wär er noc\< am Leben, Um welchen Fraun und Männer Klage nie genung erheben.“ A18 ſie das vernahmen, Nüdiger ſei todt, Da beklagten ihn die Ne>en, wie die Treue das gebot. Dietrichens Re>en ſah man die Thränen gehn Uebern Bart zum Kinnez viel Leid war ihnen geſchehn, Da ſprach der Herzog Siegſtab aus dem Bernerlaudt „DO weh, daß all die Liebe hier ein Ende fand, Die uns erwieſen Rüdger nach unſers Leides Tagen: Der Troſt der Heimatloſen liegt von euch Helden hier erſchlagen.“ Da ſprach von Amelnngen der Degen Wolfwein : „Und ſäh ich heut erſchlagen den eignen Vater mein, Ic\<h weinte drum nicht heftiger als um ſeinen Leib: O weh, wer ſoll nun tröſten des guten Markgrafen Weib2“ Da ſprach im Zornmuthe der Degen Wolfhart: „Wer leitet nun die Recken auf mancher Heeresfahrt, Was von dem Markgrafen ſo oft geſchehen iſt? O weh, viel edler Rüdiger, daß du uns ſo verloren biſt!“

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Helfrich und Wolfbrand und auch Helmnot Mit allen ihren Freunden beweinten ſeinen Tod. ' Da mochte nicht mehr fragen vor Seufzen Hildebrand ; Er ſprach : „Nunu thut, ihr Degen, warum mein Herr uns hergeſandt. „Gebt uns den todten Rüdiger aus dem Saal, An dem all unſre Freude erlitt den Jammerfall. Laßt uns ihm vergelten was er an uns gethan Mit ſo großer Treue, und an-manchem andern Mann. „ Wir ſind hier auch Fremdlinge, wie Rüdiger der Degen. Wie tang laßt ihr nns warten? Laßt uns ihn aus den Wegen Tragen, daß wir im Tode lohnen noch dem Mann: Wir hätten es wohl billig bei ſeinem Leben gethan.“ Da ſprach der König Gunther : „Nie war ein Dienſt ſo gut, Als den ein Freund dem Freunde nach dem Tode thut. Das nenu ich ſtäte Treue, wer das leiſten kann: Ihr lohnet ihm billig, er hat euch Liebes gethan.“ „Wie lange follen wir flehen?“ fprach Wolfhart der Degen. „Da unſer Troſt der beſte erlag von euern Schlägen, Und wir ihn nun leider nicht länger mögen haben , Laßt uns ihn hinnen bringen, daß wir den NRe>en begraben.“ Zur Antwort gab ihm Volker: „Niemand bringt ihn euch: Holt ihn aus dem Hauſe, wo der Degen reich Mit tiefen TodesSwunden niederfiel. ins Blut: So ſind es volle Dienſte, die ihr an Rüdigern thut.“ Da ſprach der fühne Wolfhart? „Gott weiß, Herr Fiedelmann, Ihr dürft uns nicht noch reizen; ihr habt uns Leid gethan. Dürft ichs vor meinem Herren, ſo kämt ihr drum in Nothz Doch müßen wir es laßen, weil er den Streit uns verbot.“

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Da ſprach der Fiedelſpieler: „Der fürchtet ſich zu viel , Der was man ihm verbietet, alles laßen will: Das kann ich nimmer heißen rechten Heldenmuth.“ Die Rede däuchte Haguen von ſeinem Heergeſellen gut. „Wollt ihr den'Spott nicht laßen,“ fiel ihm Wolfhart ein, „I\< verſtimm euch ſo die Saiten, daß ihr uo\< am Nhein, Wenn ihr wiederkehret, habt davon zu ſagen. Euer Ueberheben mag ich mit Ehren nicht ertragen.“ Da ſprach der Fiedelſpieler: „Wenn ihr den Saiten mein Die guten Töne raubtet, eures“ Helmes Sc\<ein * Müſte trübe werden dabei von meiner Hand, Wie ich auch reiten möge in der Burgonden Land.“ Da wollt er zu ihm ſpringen, doch war nicht frei die Bahn, Hildebrand ſein Oheim hielt ihn mit Kräften an: „I\< ſehe, dn willſt wüthen in deinem dummen Zorn: Nun hätten wir guf immer meines Herren Huld verlor'n,“ „Laßt los den Leuen, Meiſter, er hat ſo grimmen Muth; Doch kommt er mir zu nahe,“ ſprach der Fiedler gut, „Hätt er mit ſeinen Händen die ganze Welt erſchlagen , I\< ſchlag ihn, daß er ein Widerwort nimmer wieder weiß zu ſagen.“ Darob erzürnte heftig der Bernerhelden Muth, Den Schild rückte Wolfhart, ein ſchneller Degen gut: Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn anz Die Schar ſeiner Freunde ihm raſch zu folgen begann. Mit weiten Sprüngen ſekt? er bis vor des Sagles Wand, Doh ereilt? ihn vor der Stiege der alte Hildebrand: Er ſollte vor ihm ſelber nicht kommen in den Streit, Zu ihrem Willen fanden ſie die Gäſte gern bereit,

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Zu Hagen von Tronje ſprang Meiſter Hildebrand; Man hörte Sc\<werter klingen beiden an der Hand. Sie waren ſehr erzürnet, das zeigte ſich geſchwind: Von der Helden Schwertern gieng ein feuerrother Wind. Doch wurden ſie geſchieden in des Streites Noth, Das thaten Die von Berne, wie ihre Kraft gebot. Da wandte ſich von Hagen Meiſter Hildebrand : Da kam der ſtarke Wolfhart auf den fühnen Volker gerannt. Er ſchlug den Fiedelſpieler auf des Helmes Schein, Daß des Schwertes Schärfe drang auf die Spangen ein. Das vergalt mit Kräften der kühne Fiedelmann ; Da ſc\<lug er Wolfharten, daß er zu ſtrancheln begaan. Feuers aus den Panzern hieben ſie genug; g Grimmen Haß Jedweder zu dem Andern trug. Da ſchied ſie von Berne der Degen Wolfwein: Wär er kein Held geweſen, ſo konnt es nimmermehr ſein. Gunuther der Degen mit kampfbereiter Hand Empfieng die ſtarken Helden aus Amelnngenland. Geiſelher der Herre, die lichten Helme gut Macht? er in dem Sturme Manchem naß und roth von Blut. Dankwart, Hagens Bruder, war ein grimmer Mann: Was er zuvor im Streite Herrliches gethan An König Eßels Re>en, war alles nur ein Wind: Nun erſt begann zu toben des kühnen Aldrians Kind. Nitſchart und Gerbart, Helfrich und Wichart, In manchen Stürmen hatten die ſelten ſich geſpart: Das ließen ſie wohl ſh\<hanen Die in Gunthers Lehn. Da ſah man Wolfbranden auch im Sturme herrlich gehn.

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Da foc\<t als ob er wüthe der alte Hildebrand, Viel gute Re>en muſten vor Wolfhartens Haud Auf den Tod getroffen ſinken in das Blut: So rächten Rüdgers Wunden dieſe Re&>en kühn und gut. Da focht der Herzog Siegſtab wie ihm die Kraft gebot: Hei! was guter Helme brach in des Sturmes Noth Den Feinden gegenüber Dietrichens Schweſterſohn! Er konut in dem Sturme nicht gewaltiger drohn. Volker der ſtarke, als er inne ward, Wie Siegeſtab der fühne aus den Panzern hart Bäche Blutes lo>te, gerieth der Held in Zorn: Da ſprang er ihm entgegen: da hatte gar bald verlor'n Von dem Fiedelſpieler das Leben Siegeſtab :. Volker ihm ſolche Proben ſeiner Künſte gab, Er fiel vor ſeinem Schwerte nieder in den Tod. Das rächte der alte Hildebrand, wie ſeine Kraft ihm gebot. „OD weh des lieben Herren ,/“ ſprach Meiſter Hildebrand, „Der hier liegt erſchlagen von Degen Volkers Hand: Nun ſoll der Fiedelſpieler auch länger nicht gedeihn.“ Hildebrand der kühne, wie mocht er grimmiger ſein? Da ſchlug er ſo auf Volker, daß von des Helmes Band Die Splitter allwärts ſtoben bis zu des Saales Wand, Vom Helm und auch vom Schilde, dem kühnen Fiedelmann : Davon der ſtarke Volker nun auch ſein Ende gewann. Als Dietrichs Heergeſinde zu dem Streite drang, Da ſchlug es, daß in Stü>e mancher Panzer ſprang, Und man der Schwerter Enden in die Lüfte fliegen ſah: Sie holten aus den Helmen heiße Bäche Blutes da.

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Da ſah von Tronje Hagen Volker den Degen todt: Das war beim Hofgelage die allergröſte Noth, Die er da gewonnen an Freund und Unterthan: O weh, wie grimmig Hagen den Freund zu rächen begann! „Das ſoll mir nicht genießen der alte Hildebrand: Mein Gehülfe liegt erſchlagen von des Helden Hand, Der beſte Heergeſelle, den ich je gewann.“ Den Scild rückt er höher, da gieng er hauend hindaun. Helfrich der ſtarke Dankwarten ſchlug: E Geiſelhern und Gunthern war es leid genug, Als ſie ihn fallen ſahen in der ſtarken Noth; Doh hatten ſeine Hände wohl vergolten ſeinen Tod. * So viel aus manchen Landen hier Volks verſammelt war, Viel Fürſten kraftgerüſtet gegen die kleine Schar, Wären die Chriſtenleute nicht wider ſie geweſen, Durch ihre Tugend mochten ſie vor allen Heiden wohl geneſen. Derweilen ſchuf ſich Wolfhart hin und wider Bahn Alles niederhauend was Gunthern unterthanz Er machte nun ſchon dreimal die Runde durch den Saal: Da fiel vor ſeinen Händen gar mancher Re>e zu Thal. Da rief der Herre Geiſelher Wolfharten an: „OD weh, daß ich ſo grimmen Gegner je gewann! Kühner Nitter edel, nun wende dich hieher! Dem helf ic\< an ein Ende, ich ertrag es länger nicht mehr.“ Zu Geiſelheren wandte ſich Wolfhart in den Streit. Da ſchlugen ſich die RNe&en wohl man\<e Wunde weit; Mit. ſfolhem Ungeſtüme er zu dem König drang, Daß unter ſeinen Füßen übers Haupt das Blut ihm ſprang.

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Mit ſchnellen grimmen Schlägen der ſchönen Ute Kind Empfieng da Wolfharten, den Helden hochgeſinnt. Wie ſtark auch war der Degen, er konnte nicht gedeihn. Ein ſo junger König mochte immer kühner ſein. Da ſchlug er Wolfharten durc\< einen Harniſch gut, Daß ihm aus der Wunde niederſchoß das Blut: Er verwundete zum Tode Den in Dietrichs Bann; Wohl muſt er ſein ein Re>e, der ſolche Werke gethan. Als der kühne Wolfhart die Wund an ſich empfand, Den Schild ließ er fallen: da ſchwang er in der Hand Eine ſtarke Waffe; ſcharf war die genug: Durch Helm und Panzerringe der Held da Geiſelhern ſchlug. Das grimme Ende hatten die Zwei ſich angethan. Da lebte Niemand weiter von Dietrichens Bann. Hildebrand der Alte Wolfharten fallen ſah: Fürwahr, vor ſeinem Tode ſolc\< Leid ihm nimmer geſchah. Geſtorben waren alle Die aus Gunthers Land Und Dietrichens Helden. Dahin gieng Hildebrand, Wo Wolfhart war gefallen nieder in ſein Blut] Er umſchloß mit Armen dieſen Re>en kühn und gut. Ihn aus dem Haus zu tragen müht? er erſt ſich ſehr : Er muſt ihn liegen laßen, ex war ihm allzuſchwer. Da bli&t? aus dem Blute der todwunde Mann; Er ſah wohl, daß ſein Oheim ihn gerne trüge hindaun. Da ſprach der Todwunde? „, Viel lieber Oheim mein, Mir kann zu dieſer Stunde eure Hülfe nicht gedeihn : Nun hütet euch vor Hagen, fürwahr, ich rath euch gut: Er trägt in ſeinem Herzen einen grimmigen Muth.

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„Und wollen meine Freunde im Tode mich beklagen, Den nächſten und den beſten ſollt ihr von mir ſagen, Daß ſie nicht um mich weinen, das thu nimmer Noth; Von Königshänden fand ich hier einen herrlichen Tod. „I\< hab auch ſo mein Sterben vergolten hier im Saal, Das ſchafft noc\< den Frauen der guten Ritter Qual. Wills Jemand von euch wißen, dem mögt ihr immer ſagen: Von meiner Hand alleine liegen hundert wohl erſchlagen.“ Da gedachte Hagen wieder an den Fiedelmann, Dem der kühne Hildebrand das Leben abgewann ;: Da ſprach er zu dem Degen? „Ihr entgeltet nun mein Leid: Ihr habt uns hier erſchlagen manchen Ritter kühn im Streit.“ Er ſchlug Hildebranden, daß man wohl vernahm Balmungen ſauſen, den Siegfrieden nahm - Hagen der kühne, als er den Helden ſchlug. Da wehrte ſich der Alte; er war auch ſtreitbar genng. Dietrichens Ne>e eine breite Waffe ſchwang Auf den Held von Tronje, die ſcharf den Stahl durchdranz; Doch konnt er nicht verwunden Gunthers Unterthan. Da ſchlug ihm wieder Hagen durch einen Harniſch wohlgethan. Als der alte Hildebrand die Wunde recht empfand, Beſorgt? er größern Schaden noch von Hagens Hand: Den Schild warf auf den Rü>en Der in Dietrichs Vann: Mit der ſtarken Wunde der Held vor Hagen entrann. Da lebte auch von allen den Degen Niemand mehr Als Gunther und Hagen, die beiden Reen hehr. Da gieng mit Blut beronnen der alte Hildebrand: Er brachte leide Märe als er Dietrichen fand.

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Tief bekümmert ſiken fand er da den Mann. Noch größern Leides Kunde nun der Fürſt gewann ; Er ſah Hildebranden in ſeinem Harniſch roth: Da fragt? er nach.dem Grunde, wie ihm die Sorge gebot. „ Nun ſagt mir, Meiſter Hildebrand, wie ſeid ihr ſo naß Von dem Re&enblute, oder wer that en\< das? Ihr habt wohl mit den Gäſten geſtritten in dem Saal? Ihr ließt es billig bleiben, wie ich ſo dringend befahl." Er ſprach zu ſeinem Herren: „Hagen that es mir: Der ſc\<lug mir in dem Hauſe dieſe Wunden hier, Als ich von dem Ne>en zu wenden mich begann: Kaum daß ich mit dem Leben noch vor dem Teufel entrann.“ Da ſprach der Vogt von Berne: „Gar Recht iſt euch geſchehn, Da ihr mich hörtet Freundſchaft den Ne>en zugeſtehn , Und doch den Frieden brachet, den ich ihnen bt: Wärs mir nicht ewig Schande, ſo büßtet ihrs mit dem Tod,“ „Nun zürnet mir, Herr Dietrich, darob nicht allzuſehr: An mir und meinen Freunden iſt der Schade gar zu ſchwer. Wir wollten Rüdigeren tragen aus dem Saal: Das wollten uns nicht gönnen Die denen Gunther befahl.“ „D weh mir diefes Leides! Jſt Rüdiger doch todt? Das iſt der gröſte Jammer in aller meiner Noth. Die edle Gotlinde iſt meiner Baſen Kind: O weh der armen Waiſen, die dort zu Bechlaren ſind.“ Herzeleid und Kummer ſc\<uf ihm da ſein Tod; Da hub er an zu weinen, den Helden zwang die Noth: „O weh der treuen Hülfe, die mir an ihm erlag! König Ekels Degen nimmer ich verſchmerzen mag.

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„Wißt ihr mir, Meiſter Hildebrand, die Märe nicht zu ſagen, Wie der Re>e heiße, der ihn hat erſchlagen?“ Er ſprach: „Das that mit Kräften der ſtarke Gernot; Doch von Rüdgers Händen fand auch der Degen den Tod.“ Er ſprach zu Hildebranden: „So ſaget meinem Bann, Daß ſie ſich eilig waffnen, ſo gel) ich ſelbſt hinan ; Und befehlt, daß ſie mir bringen mein lichtes Streitgewand: I\< ſelber will nun fragen die Helden aus Burgondenland.“ Da ſprach Meiſter Hildebrand: „Wer ſoll mit euch gehn? Die euch am Leben blieben, die ſeht ihr vor euc\< ſtehn? Das bin ich ganz alleine; die Andern, die ſind todt,“ Da erſchraF er ob der Märe, es ſchuf ihm wahrhafte Noth, Daß er auf Erden nimmer ſo großes Leid gewann, Er ſprach: „Und ſind erſtorben all die mir unterthan , So hat mein Gott vergeßen, ich armer Dieterich! Ich war ein reicher König, hehr und gewaltiglich.“ Wieder ſprach da Dietrich: „Wie kount es nur geſchehn, Daß alle ſterben muſten, die Helden auserſehn, Vor den Streitmüden, die doch gelitten Noth ? Mein Unglü> ſchufs alleine, ſonſt verſchonte ſie der Tod! „Wenn dann mein Unheil wollte, es ſollte ſich begeben, So ſprecht, blieb von den Gäſten Einer noc\< am Leben?“ Da ſprach Meiſter Hildebrand: ,, Gott weiß es, Niemand mehr Als Hagen ganz alleine und Gunther der König hehr.“ „OD weh, du lieber Wolfhart, und hab ich dich verloren, So mag mich bald gerenen, daß ich je ward geboren. Siegeſtab und Wolfwein und auch Wolfbrand: Wer ſoll mir denn helfen in der Amelungen Land?

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Neununddreißigſtes Abenteuer. Wie Gunther, Hagen und Kriemhild erſchlagen wurden, Da ſuchte ſich Herr Dietrich ſelber ſein Gewand;z Ihm half, daß er ſich waffnete, der alte Hildebrand. Da klagte ſo gewaltig der kraftvolle Mann, Daß von ſeiner Stimme das Haus zu ſchüttern begann. Da gewann er aber wieder den rechten Heldenmuth. Gewaffnet ward im Grimme bald der Degen gut; Seinen Schild den feſten nahm er an die Hand: Sie giengen bald von dannen, er und Meiſter Hildebrand. Da ſprach von Tronje Hagen: „Dort ſeh ich zu uns gehn Dietrich den Herren; der will uns wohl beſtehn Nac\<h dem großen Leide, das wir ihm angethan. Nun ſoll man heute ſchauen, wen man den Beſten nennen kann. „Düukt ſich denn von Berne der Degen Dieterich Gar ſo ſtarkes Leibes und ſo fürchterlich, Und will ers an uns rächen, was ihm ift geſchehn,“ Alſo redete Hagen, „ich bin wohl Mann ihn zu beſtehn.“ Die Nede hörte Dieterih und Meiſter Hildebrand, Er kam wo er die Re>en Beide ſtehen fand Außen vor dem Hauſe, gelehnt an den Saal; Sein S\<ild den guten ſekte Dietrich zu Thal.

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Im leidvollen Sorgen hub da Dietrich an: „Gunther, reiher König, wie habt ihr ſo gethan An mir Heimatloſem? Was that ich ench wohl je? Alles meines Troſtes ich nun verwaiſet mich ſeh. „Ihr fandet niht Genüge an der großen Noth Als ihr uns Rüdigeren, den Helden, ſchluget todt: Nun raubtet ihr mir Alle, Die mir ſind unterthan. Wohl hätt ich ſolchen Leides euch Degen nimmer gethan. „Gedenfet au euch ſelber ind an euer Leid, Eurer Freunde Sterben und all die Noth im Streit, Ob es eu\<h zuten Re>en nicht betrübt den Muth; O weh, wie ſo wehe mir der Tod Rüdgers thut. „Solc\< Leid geſchah auf Erden Niemanden je. Ihr gedachtet wenig an mein und euer Weh. Meine Freuden alle liegen von euch erſchlagen ; Wohl kann ich meine Freunde nimmermehr genug beklagen.“ „Wir ſind wohl nicht ſo ſchuldig,“ ſprach Hagen dagegen. „Zu dieſem Hauſe kamen alle eure Degen Mit großem Fleiß gewaffnet in einer breiten Scharz Man hat euch. wohl die Märe nicht ſo geſagt, wie ſie war.“ „Was ſoll ich anders glauben? mir ſagt Hildebrand: Euch baten meine Re&en vom Amelungenland, Ihr ſolltet ihnen Nüdgern geben aus dem Saal; Da botet ihr Geſpötte nur meinen Re>eu her zu Thal.“ Da ſprach der Vogt vom Nheine: „Sie wollten Rüdgern tragen, Sagten ſie, von hinnen; das ließ ich da verſagen, Ekßeln zum Troße, nicht gber deinem Bann, Vis Wolfhart der Degen darob zu ſchelten begann.“

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Da ſprach der Held von Berne: „Es muß nun alſo fein: Gunther, edler König, bei aller Tugend dein, Vergilt mir nun das Herzeleid, das mir von dir geſchehn, Verſühn es, kühner Ritter, ſo laß ichs ungerochen gehn. „Ergieb dich mir zum Geifel mit Hagen deinem Mann; So will ich dich beſhüßen ſo gut ich immer kann, Daß dir bei den Heunen hier Niemand Leides thut: Du ſollſt an mir erfahren, daß ich getreu bin und gut.“ „Das verhüte Gott vom Himmel“ ſprach Hagen dagegen, „Daß ſich dir ergeben ſollten zwei Degen, Die noch in Waffenwehre dir entgegen ſtehn, Und denen es leicht wäre ihren Feinden zu entgehn.“ „Ihr ſollt e8 nicht verweigern ,“ ſprach da Dieterich, -„ Gunther und Hagen, ihr habt ſo bitterlich Beide mir betrübet das Herz und auch den Muth, Wollt ihr mir das vergüten, daß ihr es billiglich thut. „I\< geb euch meine Treue und reich euch meine Hand, Daß ich mit euch reiten will heim in euer Land: I\< geleit euch wohl nah Ehren, ich ſtürbe denn den Tod, Und will nm euch vergeßen all meiner ſchmerzhaften Noth.“ „Steht ab von dem Begehren,“ ſprach wieder Hagen: „Es würd uns wenig ehren, wär von uns zu ſagen, Daß zwei ſo kühne Degen ſich ergeben eurer Hand: Sieht man bei euc\< do\< Niemand als alleine Hildebrand,“ Da ſprac\< Meiſter Hildebrand: „Gott weiß es, Herr Hagen, Der Frieden, den Herr Dietrih euch hat angetragen, Es fommt noch an die Stunde, daß ihr ihn nähmet gern: Nun laßt euch wohlbehagen dieſe Sühne meines Herrn.“ Lachin, 2273 = 2279.

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\<Z2 377 Sie> „Auch nähm ich eh den Frieden,“ ſprach Hagen dagegen, „Eh ich mit Schimpf und Schande ſo vor einem Degen Entliefe, Meiſter Hildebrand, als ihr hier habt gethan: Ic\<h wähnte doch ihr ſtündet vor Feinden beßer euern Mann.“ Zur Antwort gab ihm Hildebrand: „Was verweiſet ihr mir das? Wer wars der auf dem Sc\<ilde vor dem Wasgenſteine ſaß, Als ihm von Spanien Walther ſo viel der Freunde ſchlug? Wohl habt ihr an euch ſelber no\<h zu rügen genug.“ Da ſprach der Degen Dietrich: „Wie ziemt ſolchen Degen Sich mit Worten ſchelten, wie alte Weiber pflegen ? Ich verbiet es, Meiſter Hildebrand, ſprechet hier nicht mehr: Mic heimatloſen Re>en zwinget große Beſchwer. „Laßt hören , Re>e Hagen“ ſprach da Dieterich, „Was ſprachet ihr zuſammen, ihr Helden tugendlich, Als ihr mich gewaffnet ſahet zu euch gehn? Ihr ſagtet, ihr alleine wolltet mich im Streit beſtehn.“ „Das wird euch Niemand leugnen,“ ſprach Hagen der Degen, „Wohl will ichs hier verſuchen mit kraftvollen Schlägen, Es ſei denn mir zerbrehe das Nibelungenſchwert: Mich entrüſtet, daß zu Geiſeln ihr uns Beide habt begehrt.“ Als da Dietrich hörte Hagens grimmen Muth, Den Scild behende zu>te der ſc\<hnelle Degen gut. Wie raſch ihm von der Stiege Hagen entgegen ſprang! Niblungens Schwert das gute auf Dietrichen laut erklang. Da wuſte wohl Herr Dietrich , daß der kühne Mann Grimmes Muthes fechte; zu ſchirmen ſich begann Der Degen von Verne vor fürchterlichen Sc\<lägen. Wohl erfaunt* er Hagen, dieſen zierlichen Degen.

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Auch ſcheut' er Balmungen, eine Waffe ſtark genug ; Nur unterweilen Dietrih mit Kunſt entgegenſchlug, Vis er von Tronje Hagen im Streite doch bezwang: Er ſchlug ihm eine Wunde, die war tief und auch lang. Da gedachte Dietrich! „Dich ſchwächte lange Noth; Mir brächt es wenig Ehre, gäb ich dir hier den Tod. So will ich nur verſuchen, ob ich dich zwingen kann Als Geiſel mir zu folgen,“ Das ward mit Sorgen gethan. Den Schild ließ er fallen! ſeine Stärke, die war groß; Hagnen von Tronje mit den Armen er umſchloß, So wurde da bezwungen von ihm der kühne Maun. Gunther der edle darum zu trauern begann. Hagnen band da Dietrich und führt? ihn wo er fand Die edle Königstohter und gab in ihre Hand Den allerkühnſten Re>en, der je die Waffen trug: Nach ihrem ſtarken Leide ward ſie da fröhlich genug. Da neigte ſich dem Degen vor Freuden Etels Weib: „Nun fei dir immer ſelig das Herz und auch der Leib; Du haſt mir wohl vergütet alle meine Noth: I\< will dirs immer danken, es verhüt es denn der Tod.“ Da ſprach der Degen Dietri\<: „Nun laßet ihn am Leben, Edle Königsto\<hter: es mag ſich wohl begeben, Daß euch ſein Dienſt erſeßet das Leid das er euch that. Er ſoll es nicht entgelten, daß ihr ihn gebunden ſaht.“ Da ließ ſie Hagen führen in ein Haftgemac\<h, Wo Niemand ihn erſchaute und er verſchloßen lag. Gunther der edle König hub da zu rufen an: „Wo blieb der Held von Berne? Er hat mir Leides gethan.“

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ius Da gieng ihm entgegen der Herre Dieterich. Gunthers Kräfte waren ſtark und ritterlich ; Er verſäumte ſich nict länger, er rannte vor den Saal: Von ihrer Beider S wertern erhob ſich mächtiger Schall. So viel des Lobs ſich Dietrich erwarb ſeit Jahren her, In feinem Zorne tobte Gunther allzuſehr. Er war nach ſeinem Leide von Herzen feind dem Mann: Ein Wunder muſt es heißen, daß da Herr Dietrich entraunn. Sie waren alle Beide ſo ſtark und muthesvoll, Daß von ihren Schlägen Pallas und Thurm erſc\<holl , Als ſie mit Schwertern hieben auf die Helme gut: Da zeigte König Gunther einen herrlihen Muth. Doch zwang ihn Der von Berne, wie Hagen erſt geſchah. Das Blut man aus dem Panzer dem Helden fließen ſah Von einem ſcharfen Schwerte; das trug Herr Dieterich; Doch wehrte ſich erſt Gunther, ſo müd er war, ritterlich. Der König ward gebunden von Dietrichens Hand, Wie nimmer Könge ſollten leiden ſolc\< ein Band. Er dachte, wenn er frei ließ Gunthern und ſeinen Mann, Wem ſie begegnen möchten, der müſte den Tod empfahn. Dietrich von Berne nahm ihn bei der Hand, Er führt? ihn hin gebunden, wo er Kriemhilden fand. Sie ſprach: „Willkommen, Gunther, ein Degen augerkannt.“ = „Nun lohn euch Gott, Kriemhilde, wenn en\< hierzu Treue mahnt.“ Er ſprach! „I\< müſt euch danfen, viel liebe Schweſter mein, Wenn euer Gruß in Gnade geſchehen könnte ſein; I\< weiß euch aber, Königin, ſo zornig von Muth, Daß ihr mir und Hagen ſol\<hen Gruß im Spotte thut.“

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Da ſprach der Held von Berne: „Viel edles Königsweib, Man brachte nie als Geiſeln ſo guter Nitter Leib, Als ich euch, hehre Frane, an ihnen überwieſen: Nun laßt die Heimatloſen meiner Freundſchaft genießen.“ Sie ſprach, ſie thät es gerne. Da gieng Dieterich Mit weinenden Augen von den Helden tugendlich. Da rächte ſich entſeßlih König Ekßels Weib: Den ausgerwählten Degen nahm ſie Leben und Leib. Sie ließ ſie geſondert in Gefängniſs legen , Daß ſich ihr Leben nicht wiederſahn die Degen, Bis ſie ihres Bruders Haupt vor Hagen trug: Da ward Kriemhildens Nahe «an beiden grimmig genug. Da gieng die Königstohter hin wo ſie Hagen ſah; Wie feindſelig ſprach ſie zu dem Ne>en da: „Wollt ihr mir wiedergeben, was ihr mir genommen, So mögt ihr wohl noch lebend heim zu den Burgonden kommen.“ Da ſprach der grimme Hagen: „Die Bitt iſt gar verloren, Viel edle Königstochter, Den Eid hab ich geſchworen, Daß ich den Hort nicht zeige ſo lange no\< am Leben Einer meiner Herren; drum wird er Niemand gegeben.“ „I\< bring es an ein Ende,“ ſprach das edle Weib. Da ließ ſie ihrem Bruder nehmen Leben und Leib; Man ſchlug das Haupt ihm nieder! bei den Haaren ſie es trug Vor den Held von Tronje: da gewann er Leid genug. Als der Unmuthvolle ſeines Herren Haupt erſah, Wider Kriemhilde ſprach der Re>e da: „Du haſts nach deinem Willen zu Ende nun gebracht, Und es iſt auch ſo ergangen, wie ich mir hatte gedacht.

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„Nun iſt von Burgonden der edle König todt, Geiſelher der junge und auch Gernot. Den Schaß weiß nun Niemand als Gott und ich „aui Der ſoll dir Teufelsweibe immer wohl verhohlen ſein.“ Sie ſprach: „So habt ihr üble Vergeltung mir gewährt; So will ich do\< behalten Siegfriedens Schwert, Das trug mein holder Trauter, als ich zuleßt ihn ſah, An dem mir Herzensjammer vor allem Leide geſchah.“ Sie zog es äus der Scheide, er konnt es nicht verwehren. Da dachte ſie dem Re>en das Leben zu verſehren: Sie ſchwang es mit den Händen, das Haupt ſchlug ſie ihm ab. Das ſah der König Ekel, dem es großen Kummer gab. „Wehe!“ rief der König, „wie iſt hier gefällt Von eines Weibes Händen der allerbeſte Held, Der je im Sturm gefochten und ſeinen Schildrand trug! So feind ich ihm geweſen, mir iſt leid um ihn genug.“ Da ſprach der alte Hildebrand: „Es kommt ihr nicht zu gut, Daß ſie ihn ſchlagen durfte; was man mir auch thut, Ob er mich ſelber brachte in Angſt und große Noth, Jedennoc\<h will ich rächen dieſes kühnen Tronjers Tod.“ Hildebrand der alte zu Kriemhilden ſprang, Er ſchlug dem Königsweibe einen Sc\<hwertesſchwang. Wohl ſchmerzten ſolche Dienſte von Hildebranden ſie: Was mocht ihr aber helfen daß ſie ſo ängſtiglich ſchrie? Die da ſterben ſollten lagen all umher; Zu Stüen lag verhauen die Königstochter hehr, Dieterich und Ekßel huben zu weinen an Und jämmerlich zu klagen manchen Freund und Unterthan. Gimro>, das Nibelungenlied. 25

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Da waren auch die Stolzeſten erlegen vor dem Tod: Es hatten alle Leute Jammer und Herzensnoth. Mit Leide war beendet des Königs Luſtbarkeit, Wie die Liebe Leiden ſtäts am letzten Ende beut. Ich kann euch nicht beſcheiden, was ſeither geſchah, Als daß man Fraun und Ritter immer weinen ſah, Dazu die edeln Knechte, um lieber Freunde Tod. Hie hat die Mär ein Ende: das iſt der Nibelungen Noth.

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Quelle zitieren

Nibelungenlied, in: Das Nibelungenlied. Dritte Auflage, S. 1–382 (PDF-Seiten 9–390), 1843

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Nibelungenlied, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/heldenepik-nibelungenlied/textzeugen/heldenepik-nibelungenlied-dasnibelungenlie00byusimr-translation-de-1